Mobilisierungsassistent für Demenzpatienten

Foto: Universität Siegen

Die Diagnose Demenz ist nicht nur für die Betroffenen eine niederschmetternde Diagnose. Auch das Leben der Angehörigen ändert sich radikal. Und in der professionellen Pflege wächst der Pflegeaufwand bei den Patientinnen und Patienten mit dem Fortschreiten der Krankheit schnell an.

In dem neuen Forschungsprojekt „MobiAssist“ entwickelt das Institut für Bewegungs- und Sportgerontologie der Deutschen Sporthochschule Köln zusammen mit sechs Partnern ein Tool, welches die ambulante Pflege von PatientInnen mit Demenz unterstützen soll – ein so genannter Mobilisierungsassistent. Neueste Forschungsergebnisse bestätigen, dass möglichst viel Bewegung und körperliche Betätigung das Fortschreiten der Demenz verlangsamen können.

Kern des Projekts ist die Entwicklung eines Bewegungsprogramms, das über einen Computer und eine Art Spielekonsole zur Bewegungserfassung an den heimischen Fernseher übertragen wird. Mit innovativen Spielen – so genannten „Exergames“ (Kombination aus engl. ‚Exercise‘ und ‚Games‘) – werden die PatientInnen spielerisch dazu animiert, in Bewegung zu bleiben und Aktivitäten des täglichen Lebens zu trainieren. Eine Idee dabei ist, biographische Elemente der PatientInnen in die Spiele zu integrieren, z.B. Musik und Filme aus der eigenen Vergangenheit oder Bilder und Grußbotschaften von Angehörigen.

Technisch funktioniert die Bewegungssteuerung über eine Infrarotkamera (MS Kinect). Das Training an der Konsole können die PatientInnen gemeinsam mit Angehörigen oder dem Pflegepersonal absolvieren, wobei die körperlichen und geistigen Fähigkeiten verbessert werden sollen. Darüber hinaus ist das Ziel, die Alltagskompetenz der dementen Personen zu erhalten und die Pflegebelastung der Angehörigen zu reduzieren.

In dem auf drei Jahre angelegten Projekt kommt dem Institut für Bewegungs- und Sportgerontologie die Aufgabe zu, das Training zu entwickeln, welches die PatientInnen später mit dem Assistenten durchführen sollen. „Zunächst geht es darum, Anforderungen zu analysieren und daraus Inhalte und Trainingsbelastung abzuleiten“, erklärt Dr. Sabine Eichberg, Leiterin des Kölner Arbeitspakets „Empirische Evaluierung“. Zudem soll perspektivisch ein Schulungskonzept bzw. Trainingshandbuch entwickelt werden, welches Angehörige und Pflegepersonal in der Nutzung des MobiAssist unterstützt. Im letzten Projektjahr werden die Konzepte und Programme evaluiert.

Das Projekt wird mit insgesamt 1,6 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Beteiligt sind – neben dem Institut für Bewegungs- und Sportgerontologie – folgende Projektpartner: Ambulante Diakonische Dienste gGmbH Siegen (Koordinator), Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien der Universität Siegen, Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft der Charité Medizin Berlin, Kaasa solution GmbH, C&S Computer und Software GmbH und BAGSO Service GmbH.

Weitere Informationen sowie eine Übersicht über alle Arbeitspakete finden Sie auf der Projekt-Webseite www.mobiassist.info.

Kontakt:
Dr. Sabine Eichberg
Institut für Bewegungs- und Sportgerontologie
Tel.: +49 221 4982-6145
E-Mail: eichbergnospam-dshs-koeln.de