Carphedon
(Abb.1) ist eine Substanz, die wahrscheinlich um 1990 in Russland synthetisiert
wurde. Chemisch gesehen ist Carphedon ein Phenylderivat des Nootropikums
Piracetam (Mittel zur Beeinflussung von Hirnleistungsstörungen).
Strukturell zeigt es allerdings auch Ähnlichkeiten zu dem Stimulanz
Amphetamin und könnte als Amphetaminderivat betrachtet werden (Abb.2).
Carphedon wird in keinem Medikament außerhalb Russland weltweit
vertrieben. Es wird vermutet, dass es in Russland für das Militär
bzw. auch für Kosmonauten entwickelt wurde. Russische Wissenschaftler
beschreiben die pharmakologische Wirkung von Carphedon folgendermaßen:
Carphedon soll zu einer Verbesserung der physischen Leistungsfähigkeit
und zu einer besseren Toleranz von Kältezuständen beitragen.

Abb.1
Strukturformel von Carphedon
Verfügbar
ist Carphedon in Russland als Medikament (als Nootropikum) unter dem
Namen Phenotropil (Stand Februar 2006).
Doping
Aufgrund der möglichen pharmakologischen Eigenschaften von Carphedon
ist Carphedon auch als Stimulanz für Athleten von Interesse. Es
wird deshalb vermutet, dass Carphedon in Russland auch für Sportler
entwickelt wurde, um die Leistungsfähigkeit zu verbessern. Carphedon
kann demnach auch als "Designer-Stimulanz" bezeichnet werden,
da es bisher nicht als Medikament eingesetzt wird.
1997 wurde
erstmals über Carphedon in den Dopingkontrolllaboratorien berichtet.
Nachdem der Wirkstoff eindeutig identifiziert werden konnte, wurde Carphedon
namentlich ab 1998 vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) auf
die Dopingliste gesetzt und verboten.
Seitdem wurden
bei weltweiten Dopingkontrollen insgesamt 4 Fälle mit Carphedon
nachgewiesen (1998 2 Fälle und 2002 2 Fälle; IOC-Statistik
bis Ende 2003).

Abb.2
Strukturverwandschaft zu Carphedon
Analytik-Nachweis
s.a Massenspektrometrie
EI-Massenspketrum
von Carphedon
Literatur
V.A. SEMENOV, S.L. BOLOTOV, V.F. SIZOI: New Stimulant of Russia - Carphedon.
In: W. Schänzer, H. Geyer, A. Gotzmann, U. Mareck-Engelke (eds.)
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Köln (1999) 337-348.
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Geyer, A. Gotzmann, U. Mareck-Engelke (eds.) Recent advances in doping
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A. TSOUTSOULOVA-DRAGANOVA, N. HALATCHEVA, V. KURTEVA, D. CAROVA, A.
Andreeva, M. ANGUELOVA: Investigations on a Black Markets
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und Buch Strauß, Köln (1999) 475-482.
Institut
für Biochemie der DSHS Köln, letztes Update 17.2.2006 www.dopinginfo.de