Um zu verstehen, was mit Gendoping gemeint ist, sollen folgende Begriffe
erklärt werden: Was sind Gene, und was versteht man unter
Gentechnik, Gendiagnostik und Gentherapie?
Gene: Biologische
Informationen werden durch ein Molekül bedingt, das als DNA (Desoxyribonucleinsäure,
englisch desoxyribonucleic acid) benannt wird. Die DNA besteht u.a.
aus einer Vielzahl von Genen, den sogenannten Vererbungseinheiten, welche
die Erbinformation von den Eltern auf die Kinder weitergeben, bzw. die
Informationen, wonach eine Körperzelle sich weiterentwickelt. Ein
Gen enthält dabei die Information, mit der in der Zelle ein definiertes
Eiweißmolekül hergestellt wird.
Gentechnik: Durch die Gentechnologie können genetisch bedingte
Erbkrankheiten im Rahmen der Gendiagnostik erkannt werden. Die Gentechnologie
ermöglicht prinzipiell Erbkrankheiten durch den Austausch von defekten
Genen zu therapieren (Gentherapie). Unter Gentechnik werden aber auch
Verfahren verstanden, mit deren Hilfe therapeutisch einsetzbare Wirkstoffe
wie Wachstumshormon (HGH) und Erythropoietin (EPO) in großen Mengen
hergestellt werden können. Bei diesen Verfahren wird das Gen, das
die Information zur Bildung von z.B. Wachstumshormon (HGH) besitzt,
in die DNA (Erbinformation) von Bakterienzellen (E.Coli) eingeschleust.
Die Zelle produziert dann in großen Mengen z.B. körperidentisches
Wachstumshormon. Diese Verfahren werden jedoch nicht als Gendoping bezeichnet,
obwohl die so für die Medizin hergestellten Endprodukte wie HGH
und EPO zu Dopingzwecken missbraucht werden können.
Gendiagnostik: Unter Gendiagnostik werden Verfahren verstanden,
mit deren Hilfe Erbkrankheiten anhand der Analyse von Genen eines Patienten
erkannt werden können.
Gentherapie:
Die Gentherapie kann theoretisch bei genetsich bedingten Krankheiten
(Erbkrankheiten) eingesetzt werden. Dabei sollen Verfahren verwendet
werden, mit denen "defekte" Gene in der DNA eines Kranken
durch intakte Gene ersetzt werden.
Die Kenntnisse über Erbkrankheiten nehmen ständig zu und lassen
die Gentherapie als eine zukünftige Erfolg versprechende Therapieform
erscheinen.
Grundsätzlich
muss zwischen Eingriffen an Körperzellen (somatische Gentherapie)
und an Geschlechtszellen (Keimbahntherapie) unterschieden werden. Bei
der Keimbahntherapie, die allerdings aus ethischen Gründen beim
Menschen verboten ist, werden genetische Veränderungen an die Nachkommen
vererbt. Somatische
Gentherapien, die nur die behandelten Körperzellen betreffen, sind
dagegen nicht verboten und sind mittlerweile für verschiedene Krankheiten
in der Entwicklung. Bisher ist allerdings noch kein gentherapeutisches
Verfahren zugelassen.
Doping
Für den Sport
ist sicherlich zu befürchten, dass gentherapeutische Verfahren,
sobald sie verfügbar sind, auch missbräuchlich eingesetzt
werden, wenn sich Sportler hier von Leistungsvorteile versprechen.
Gendoping
könnte aus den folgenden beiden Gründen für Sportler
zur Leistungssteigerung von Interesse sein: Gendoping A - Körpereigene
Stimulation der Synthese von Hormonen wie z.B. Erythropoietin oder von
anderen anabolen Wirkstoffen oder Gendoping B - Bildung von mehr Muskelmasse
bzw. von schnelleren Muskelfasern oder andere Beeinflussung der Gene
zur Leistungsverbesserung.
Dopingreglement
der WADA
Unter dem Begriff
Gendoping werden 2 Verfahren verstanden: A. Gentherapeutische Verfahren
und B. Verfahren bzw. Substanzen, die die Aktivität der Gene (Genexpression)
beeinflussen.
Gendoping A: Gentherapeutische
Verfahren wurden im Ansatz im Tierversuch für EPO entwickelt, bisher
nicht für Menschen. Bei diesen Verfahren wird z.B. das EPO-Gen
in den Zellkern von Haut- bzw. Muskelzellen von Mäusen eingeschleust,
so dass die Tiere vermehrt körpereigenes EPO produzieren. Ein entsprechendes
Verfahren wurde bei Affen getestet und zeigte eindeutig veränderte
EPO-Formen, die mit dem bisherigen Test auffallen würden. Der Grund
hierfür liegt darin, dass EPO normalerweise in der Nierenzelle
produziert wird, während bei Genmanipulationen Haut- bzw. Muskelzellen
benutzt werden. Der Kohlenhydratanteil des EPO wird zellspezifisch gebildet
und führt somit zu unterschiedlichen EPO-Formen (s.a. Repoxygen).
Weitere gentherapeutische Verfahren, die möglicherweise zu Dopingzwecken
eingesetzt werden können, sind zur Zeit nicht bekannt.
Repoxygen
Gendoping B: Beeinflussung
der Genexpression
Zu dieser verbotenen Methode wurden von der WADA ab 1.1.2009 zwei Substanzen,
GW1516 und AICAR, als verbotene Substanzen namentlich ausgewiesen. Die
Substanzen sollen im Tierversuch deutliche Verbesserungen in der Laufausdauer
gezeigt haben und werden deshalb problematisiert. Diese funktioniert
über eine Aktivierung von Genen, so dass Enzyme zur Verbesserung
des Fettstoffwechsels vermehrt synthetisiert werden.
Für die Analytik ist GW1516 keine größeres Problem,
es ist eine niedermolekulare Substanz, körperfremd und gut nachweisbar
(s.a. GW15116). Für AICAR stellt sich allerdings das Problem, dass
es auch vom menschlichen Organismus synthetisiert wird und somit von
einer exogenen Zufuhr zur Zeit nicht differenziert werden kann.
Für beide Substanzen liegen derzeit keine Daten vor, ob sie beim
Menschen, insbesondere bei austrainierten Sportlern tatsächlich
Leistungsverbesserungen bewirken können.
Zu der Variante Gendoping B zählt auch die Beeinflussung des Myostatingens,
um die Muskelbildung positiv zu beeinflussen.
GW1516
Myostatin