Kölner Abende der Sportwissenschaft

Tiefe Einblicke statt Kontroverse

Der Thementag „Sport und Demenz“ und der anschließende 13. Kölner Abend der Sportwissenschaft zeichneten ein facettenreiches Bild von den Zusammenhängen zwischen sportlicher Aktivität und der Entwicklung kognitiver Einschränkungen im Alter.

Mit einer ziemlich überraschenden Feststellung eröffnete Professor Dr. Stefan Schneider den Thementag „Sport und Demenz“ an der Deutschen Sporthochschule in Köln. „Die Demenzerkrankungen nehmen ab“, verkündete der Wissenschaftler vom Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaft, wobei er zugleich erläuterte, wie diese These zu verstehen ist: Die absolute Zahl der Betroffenen steige natürlich schon, weil es einfach immer mehr alte Menschen gibt. Wenn man aber die gestiegene Lebenserwartung abzieht, erkranken immer weniger Leute – das macht Hoffnung. Relevant für die Gesellschaft sind allerdings die absoluten Zahlen, und so werden kognitive Erkrankungen zu einem immer größeren Problem für die alternde Gesellschaft. Entsprechend gut besucht war der 13. Kölner Abend der Sportwissenschaft, der den abschließenden Höhepunkt des Thementages darstellte.

Bei der wie immer von Wolf-Dieter Poschmann moderierten Diskussion ging es nicht ganz so kontrovers zu wie sonst, aber die Zuhörer im fast komplett gefüllten Hörsaal 1 erhielten tiefe Einblicke in ein sensibles Thema und wurden trotzdem bestens unterhalten. Hildegard und Sabine Lattek, die Ehefrau und die Tochter des erfolgreichsten deutschen Fußballtrainers aller Zeiten Udo Lattek, erzählten vom Alltag mit dem in seinen letzten Jahren schwer dementen Mann. Der ehemalige Vizekanzler Franz Müntefering war in seiner Rolle als Vorsitzender der  Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) gekommen, und aus Sicht der medizinischen Praxis näherte sich Univ.-Prof. Dr. Frank Jessen von der Kölner Uniklinik dem Thema. Vom Institut für Bewegungs- und Sportgerontologie war außerdem Dr. Tim Fleiner dabei, und Stefan Schneider präsentierte ein erstes zentrales Ergebnis der groß angelegten DENKSPORT-Studie: „Regelmäßiges körperliches Training kann die Progredienz einer leichten kognitiven Beeinträchtigung aufhalten.“

Schon am Mittag hatte Dr. Maike Tscheuschler vom Zentrum für Gedächtnisstörungen der Universitätskliniken Köln einen Überblick über die aktuelle Forschung zur Wirkung von Sport auf kognitive Fähigkeiten im Alter gegeben. Anschließend wurden bewegende Kurzfilme von Betroffenen gezeigt, die in Zusammenarbeit mit dem Projektpartner StoryAtelier gGmbH entstanden sind, bevor Vertreter/innen aus Sportvereinen, Verbänden, Reha-Kliniken, Beratungsstellen, aber auch Familienangehörige und Übungsleiter/innen in unterschiedlichen Workshops über Hürden, Probleme und Lösungsansätze in ihrem Arbeitsalltag diskutierten.

Weitere Details im nächsten KURIER und auf Youtube. 

 

Der nächste Kölner Abend der Sportwissenschaft findet voraussichtlich im Frühjahr 2018 statt. Weitere Infos gibt es im neuen Jahr.