Kölner Abende der Sportwissenschaft

Der 11. Kölner Abend der Sportwissenschaft findet am 8. Dezember 2016 statt.

Weitere Informationen folgen in den nächsten Wochen.

 

Korruption im Sport: So war der 10. Kölner Abend der Sportwissenschaft
(am 12. Mai 2016 fand der 10. Wissenschaftsabend an der Deutschen Sporthochschule Köln statt)

In London trafen sich am 12.05.2016 Regierungsvertreter aus aller Welt zum Anti-Korruptionsgipfel. Zum selben Zeitpunkt wurde auch an der Deutschen Sporthochschule Köln über Korruption heiß diskutiert. Perfektes Timing beim 10. Kölner Abend der Sportwissenschaft mit dem Titel „Korruption im Sport – liegt der Fehler im (Verbands-)System?“

Nationale und internationale Sportverbände sind in den letzten Monaten in Medien und Öffentlichkeit stark in die Kritik geraten: undurchsichtige Vergabeentscheidungen für sportliche Großevents wie Fußball-Weltmeisterschaften, Schmiergeldaffären, Steuerhinterziehungen, Ermittlungen gegen Verbandsbosse bis hin zu Festnahmen hochrangiger Sportfunktionäre. Die mediale und öffentliche Aufmerksamkeit ist groß. Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Strukturen und möglichen Gründen von Korruption im Sport erfolgt mehr und mehr, auch an der Deutschen Sporthochschule Köln. Um hierüber auf einem gemeinsamen Podium zu diskutieren, trafen sich am gestrigen Abend Volker Schürmann, Jürgen Mittag, Sylvia Schenk und Thomas Weikert mit Moderator Wolf-Dieter Poschmann.

Zunächst führten die beiden wissenschaftichen Vorträge von Univ.-Prof. Dr. Volker Schürmann und Univ.-Prof. Dr. Jürgen Mittag aus unterschiedlichen Perspektiven in das Thema Korruption ein. Während Schürmann, Leiter des Instituts für Pädagogik und Philosophie, eher einen philosophischen Blick auf die Thematik warf, näherte sich Mittag, Leiter des Instituts für Europäische Sportentwicklung und Freizeitforschung, mit einer politikwissenschaftlichen Herangehensweise und legte dabei einen speziellen Fokus auf den prominenten Korruptionsfall FIFA.

Volker Schürmann stellte die Frage in den Raum, ob das System Sport besonders anfällig für Korruptionsaktivitäten sei, ob Korruption in der Logik des Sports liege. Er stellte die These auf, dass es sich bei konkreten Korruptionsfällen weniger um Verfehlungen einzelner Individuen, sogenannter schwarzer Schafe, handele, sondern vielmehr um systemische Probleme. „Erfolg ist das Klima, in dem Korruption wächst“, sagte Schürmann und rief dazu auf,  eine Debatte über die Frage zu führen, welchen Sport wir eigentlich miteinander wollen. Diese Debatte werde derzeit nicht geführt, so Schürmann.

Am Beispiel des Fußballweltverbandes FIFA zeigte Jürgen Mittag auf, warum sich Korruption im Sportverbandssystem verbreiten kann. „Bestimmte Strukturen begünstigen die Entwicklung, zum Beispiel die fehlenden Kontrollinstanzen in den Verbänden“, nannte Mittag einen Aspekt. Die oftmals lange Machtdauer führender Funktionäre und die zentrale Bedeutung der Exekutive in internationalen Sportorganisationen würden Korruption zumindest erleichtern.

Konkrete Einblicke in die Praxis konnten bei der anschließenden Diskussionsrunde auch Sylvia Schenk (Leiterin der Arbeitsgruppe Sport Transparency International Deutschland e.V.) und Thomas Weikert (Präsident des Tischtennis-Weltverbandes ITTF) beisteuern. Schenk, die u.a. im Radsport-Weltverband UCI und im Bund Deutscher Radfahrer tätig war, wies darauf hin, dass die „Kultur“ in einem Verband entscheidend dafür sei, ob sich Korruption ausbreiten könne. „Selbsterkenntnis und das Eingestehen, dass wirklich etwas gründlich schief gelaufen ist, ist der erste Schritt zu Reformen und Korruptionsbekämpfung“, sagte sie. Mittag sah hingegen die „Selbstheilungskräfte“ in einem Verband als eher begrenzt an und betonte, dass die Impulse, Korruption aufzudecken und zu bekämpfen, von außen kommen müssten. Die vielschichtige Diskussion machte einmal mehr deutlich, wie komplex das Thema ist und dass es noch einer Menge Forschung und Information bedarf. Zum Abschluss der Diskussion rief Thomas Weikert allen Anwesenden ins Gedächtnis, dass nicht alles schlecht sei im Sportverbandssystem, vor allem nicht an der Basis, wo sich viele Ehrenamtliche einsetzen würden.

Neben der Tatsache, dass Wolf-Dieter Poschmann bereits zum zehnten Mal den Kölner Abend der Sportwissenschaft moderierte, durfte sich der ZDF-Mann noch über eine ganz persönliche Auszeichnung freuen: Für seine Verdienste rund um die Sportwissenschaft im Allgemeinen und die Deutsche Sporthochschule im Speziellen erhielt er die Bronzene Medaille der Deutschen Sporthochschule Köln. Poschmann hatte die Veranstaltungsreihe, die für die Hochschule eine sehr wichtige Form des Wissenstransfers darstellt, 2012 selbst mit ins Leben gerufen. Die Deutsche Sporthochschule gratuliert Wolf-Dieter Poschmann herzlich zu dieser Ehrung!  

Hier geht's zum ausführlichen Bericht und zum Video der vergangenen Kölner Abende der Sportwissenschaft.