"Grenzenlos in Bewegung" beim Ehrenamtstreffen der Kanzlerin

Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern aus ganz Deutschland (Foto: Bundesregierung, Guido Bergmann)

Auf Einladung der Bundeskanzlerin Angela Merkel war Nikolaus Wolpers, Student der Universität zu Köln und 1. Vorsitzender von "Grenzenlos in Bewegung - Spoho aktiv e.V.", beim Ehrenamtstreffen der Flüchtlingshilfe in Berlin.  

Am 7. April war es endlich soweit, ein großer Tag für den noch jungen Verein "Grenzenlos in Bewegung  Spoho aktiv": Mit zirka 140 weiteren VertreterInnen verschiedener Flüchtlingsinitiativen aus ganz Deutschland kam Nikolaus Wolpers im Kanzleramt mit der Bundeskanzlerin zum persönlichen Austausch über ehrenamtliche Arbeit in der Flüchtlingshilfe zusammen. In kleineren Gruppen wurden die Gäste zunächst durch das Bundeskanzleramt geführt, inklusive Besichtigung des großen Kabinettsaals und weiterer Ebenen und Räume. Dabei wurden u.a. Architektur und Entwicklung mit den verschiedenen Kanzlern erläutert. "Obwohl bisher ja nur zwei Kanzler von dort aus regiert haben, finden sich Einflüsse und Anekdoten vieler ehemaliger Bundeskanzler dort", weiß Wolpers nun.

Das Zusammentreffen mit der Bundeskanzlerin, ihrem Pressesprecher und dem Chef des Bundeskanzleramts stand zunächst unter dem Einfluss der Luftschläge der USA auf den Luftwaffenstützpunkt in Syrien. Merkel richtet zu diesem Thema einige Worte an die Pressevertreterinnen und -vertreter. "Die Ansprache zu den Vorfällen wurde auch von uns sehr interessiert aufgenommen, da die Lage in Syrien einen großen Anteil an den Migrationsströmen nach Deutschland in den letzten Jahren hat", erklärt Wolpers. Stellvertretend für alle ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer in Deutschland bedankte sich die Bundeskanzlerin bei den anwesenden Ehrenamtlern: „Sie haben vieles auf die Beine gestellt, was der Staat nicht alleine hinbekommen hätte.“ 2015 ging es um unmittelbare Hilfe und Unterbringung, und seit einigen Monaten geht es vor allem um die Integration, wofür die Bundesregierung die Rahmenbedingungen geschaffen habe, wobei auch dort noch vieles zu tun sei, so Merkel.

Eine anschließende Diskussionsrunde mit fünf ausgewählten Vertretern ehrenamtlicher Flüchtlingsinitiativen thematisierte die Entwicklung der letzten Monate, die verschiedenen Angebote und Ansätze sowie Kritik und Lob für die Zusammenarbeit mit Hauptamtlichen, Kommunen und Behörden. Dabei interessierte sich Merkel vor allem für die Wünsche und Probleme bei der Arbeit mit Geflüchteten. Die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer wünschten sich vor allem weniger Bürokratie und eine bessere Zusammenarbeit mit den Ämtern und hauptamtlichen Mitarbeitern. Auch bessere Unterbringungen wurden gefordert, um die Integration und die Entstehung eines Gefühls von ‚Heimat’ voranzutreiben. Außerdem wurde die Enttäuschung über Abschiebungen aufgrund eines bestimmten Herkunftslandes kritisiert, besonders wenn die Geflüchteten sich wunderbar integriert hätten. Auch wurde der Wunsch geäußert, dass die ehrenamtlichen Helfer stärker in den Entscheidungsprozess über den Asylantrag miteinbezogen werden sollten, da sie die Situation und die Entwicklung der Geflüchteten meist deutlich besser einschätzen könnten als die Mitarbeiter der Behörden.

Auf diese und weitere kritische Fragen und Wünsche antwortete die Bundeskanzlerin ausgiebig und genau. Beim Thema Abschiebungen beispielsweise erläuterte sie auch die Gründe der Bundesregierung und der Bundesländer für eine Abschiebung einiger Asylbewerber und zeigte auf, dass diese deutlich komplexer und vielschichtiger seien als das häufig gesehen werde. "Keinen, der sich damit beschäftigt, lässt das kalt", sagte Merkel. Man könne aber auch nicht das Signal geben, dass jeder kommen könne. Das sei nicht zu leisten. "Wer kein Aufenthaltsrecht hat, muss das Land verlassen. Wir versuchen das möglichst oft freiwillig zu gestalten", so Merkel weiter.

Die zentrale Aussage der Bundeskanzlerin war, dass Flucht, Migration und Integration alle angehen und daher Ehrenamtliche, Hauptamtliche und Behörden zusammenarbeiten und an einem Strang ziehen müssen, damit ein gemeinsames Leben gelingen könne. Die Integration und die ordentliche Unterbringung der knapp 1,5 Millionen Flüchtlinge sei ein langer Prozess, der mit der Schaffung von genügend Kapazitäten in Kitas, Schulen, Universitäten und auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt die nächsten Hürden vor sich habe.

Abschließend dankte Kanzleramtsminister Peter Altmaier allen Helfern und Unterstützern der Geflüchteten nochmal ausdrücklich und versicherte: „Wir sind entschlossen, Sie nicht allein zu lassen.“ Nach der Podiumsdiskussion und dem Gruppenbild auf der Nordtreppe hatten die Besucher nochmal die Gelegenheit, sich untereinander und mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus der Abteilung  Flüchtlingskoordination des Bundeskanzleramts auszutauschen und eigene Wünsche und Anregungen loszuwerden. "Ich habe viel von dem Treffen mitnehmen können und gebe ein großes Dankeschön an alle ehrenamtlichen Helfer und Unterstützer weiter", sagt Wolpers.

Der Verein "Grenzenlos in Bewegung - Spoho aktiv" geht auf eine Initiative von Studierenden und MitarbeiterInnen der Deutschen Sporthochschule Köln zurück, die Sport- und Bewegungsangebote in Kölner Flüchtlingsheimen umsetzen.