Interdisziplinäres Genderkompetenzzentrum

Interdisziplinäres Genderkompetenzzentrum
Am Sportpark Müngersdorf 6
50933 Köln
E-Mail igisnospam-­dshs-koeln.de
Telefon +49 221 4982-2540
Fax +49 221 4982-8250

Das Interdisziplinäre Genderkompetenzzentrum in den Sportwissenschaften ist eine zentrale wissenschaftliche Einrichtung der Deutschen Sporthochschule Köln.

Hauptanliegen des IGiS ist, die institutsübergreifende Kooperation auf dem Gebiet der Geschlechterforschung zu intensivieren sowie innovative, multi- und interdisziplinäre Forschung hinsichtlich geschlechtsbezogener Fragestellungen zum Bewegungs- und Gesundheitsverhalten durchzuführen.

Das IGiS legt durch die Kooperation von Sportmedizin, -soziologie und -psychologie einen Fokus auf das Forschungsfeld ‚Bewegungs-und Gesundheitsverhalten im Lebenslauf’, das aus der Geschlechterperspektive bislang nur unzureichend bearbeitet wurde. In den Blick genommen werden geschlechtsbezogen differenzielle Phänomene des Gesundheits- und Bewegungsverhaltens, der Prävention und der verschiedenen Phasen der Rehabilitation, deren Ursachenzusammenhang nicht geklärt ist.

Biomedizinische Phänomene, soziokulturelle Strukturen und psychosoziale Prozesse sowie deren Auswirkungen auf das geschlechtsbezogene Gesundheits- und Bewegungsverhalten in verschiedenen Settings werden beschrieben und erklärt. Aufbauend auf den zu generierenden Forschungsergebnissen sollen nachhaltige, für beide Geschlechter angemessene Präventions- und Interventionsmaßnahmen entwickelt und evaluiert werden.

Service und Beratungskonzept

Geschlechtersensibilität in der Forschung

Die Beantragung von Forschungsgeldern ist inzwischen bei verschiedenen Institutionen gekoppelt an eine durchgängige Berücksichtigung der Geschlechterdimension (z.B. im Rahmen staatlicher Forschungsförderung). Dahinter steht die Erkenntnis, dass die Nicht-Thematisierung von Geschlecht in der Forschung zu Verzerrungseffekten führen kann, die Forschungsergebnisse unter Umständen fragwürdig erscheinen lassen (Gender Bias). Dreh- und Angelpunkt einer geschlechtersensiblen Forschung ist, Gleichheit und Unterschiedlichkeit zwischen den Geschlechtern.

Hauptanliegen und zugleich Leitlinien sind:

  • eine angemessene Berücksichtigung von beiden Geschlechtern (z.B. unterschiedliche körperliche/biogenetische Voraussetzungen, verschiedene soziale Lebenswirklichkeiten) und
  • die Vermeidung von Geschlechterstereotypisierungen und einseitig festlegenden Dichotomisierungen. Dies bedeutet insbesondere, (potenzielle) Unterschiede nur dann relevant zu machen, wenn solide Forschungsbefunde (evidenzbasiert) oder theoretische Überlegungen dies begründen.

Bei der Umsetzung der Leitlinien mit dem Ziel der Vermeidung von Gender Bias ist in den verschiedenen Phasen des Forschungsprozesses eine Reflexion der Relevanz von Geschlecht zu integrieren:

  • in die Forschungsfrage,
  • in das theoretische Forschungskonzept,
  • in die Aufarbeitung des Forschungsstandes,
  • in das methodische Instrumentarium,
  • in die Datenanalyse und -darstellung sowie
  • in die Dateninterpretation und die Schlussfolgerungen.
Zentrale Kompetenzen des IGiS

Das IGiS bietet ein spezifisches Kompetenzprofil zur Beratung für eine gendersensible Forschung:

  • Wissen und Forschungserfahrung zu den erkenntnisrelevanten Konzeptionen von Geschlecht (sex/gender) im Sport;
  • Wissen und Forschungserfahrung zur Vermeidung von Gender Bias in der Forschung im Kontext des Sports;
  • Erfahrungen in der Anwendung von Gütekriterien geschlechtssensibler Forschung im Kontext des Sports;
  • Zugang zu einem Netzwerk von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit Expertise zu geschlechtssensibler Forschung in den verschiedenen sportwissenschaftlichen Disziplinen und über die Sportwissenschaften hinaus. 
Beratungsangebote
Information
Bereitstellung von wissenschaftstheoretischer Literatur und Good-Practice-Modellen
 
Im IGiS wird kontinuierlich eine Literaturdatenbank mit Publikationen zu verschiedenen Themenbereichen im Zusammenhang mit Gesundheit, Bewegung und Geschlecht aufgebaut, auf die bei spezifischen Fragestellungen zurückgegriffen werden kann. Darüber hinaus vermittelt das IGiS wissenschaftstheoretische Literatur zur Bedeutung von Geschlecht in der Forschung sowie anwendungsorientierte Publikationen zur Umsetzung einer geschlechtssensiblen Forschung.
Über die Auseinandersetzung zur Bedeutung von Geschlecht in eigenen Forschungsprojekten des IGiS sowie durch den Austausch mit anderen Forschungsinstitutionen können Good-Practice-Modelle in Bezug auf die Integration der Geschlechterfrage im Forschungsprozess zur Verfügung gestellt werden.
Vernetzung
Vermittlung von Expertinnen/Experten zur Geschlechterforschung in relevanten Forschungsfeldern
Im IGiS sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Sportsoziologie, der Sportpsychologie, der Sportmedizin sowie der Sportmotorik vertreten, die einerseits eigene Forschungserfahrungen und themenspezifische Expertise im Bereich Gesundheit, Bewegung und Geschlecht weitergeben können. Andererseits kann auf ein ausgedehntes Netz an Wissenschaftler/innen mit Bezug zur Geschlechterforschung auch über die Sportwissenschaften hinaus zurückgegriffen und Kontakte vermittelt werden.
Beratung
Vergabe von Forschungsprojekten und Forschungsinstitutionen bei der Antragstellung sowie bei der Umsetzung von Forschungsvorhaben
Das IGiS berät und begleitet einerseits bei Forschungsvergabeverfahren sowie andererseits bei der Beantragung und Umsetzung von Forschungsvorhaben in der Sportwissenschaft. Dabei wird beim Beratungsprozess der Fokus auf die übergeordnete Frage gelegt, an welchen Stellen und in welcher Form die geschlechtsbezogene Perspektive relevant werden kann und berücksichtigt werden sollte. Für eine inhaltliche Gender-Expertise in spezifischen Themenfeldern wird auf weitere Expertinnen und Experten zurückgegriffen.
Gutachten
Begutachtung von Forschungsvorhaben in Hinblick auf geschlechtssensible Forschung
Die Umsetzung einer geschlechtssensiblen Forschung wird inzwischen von einigen Forschungsinstitutionen als Voraussetzung für eine finanzielle Förderung vorangestellt. Das IGiS stellt seine Kompetenzen zur Begutachtung der Geschlechtersensibilität von sportwissenschaftlichen Forschungsvorhaben im Rahmen von Vergabeverfahren zur Verfügung.
Forschungsevaluation
Evaluation von Forschungsvorhaben im Hinblick auf die Integration der Geschlechter-Perspektive
Im Rahmen einer Prozessevaluation wird bei sportwissenschaftlichen Forschungsprojekten in den verschiedenen Untersuchungsphasen (Fragestellung, Theoriebildung, Methode, empirische Umsetzung, Auswertung und Interpretation) systematisch die Relevanz oder Irrelevanz von Geschlecht reflektiert. Die daraus folgende Umsetzung wird mit den Verantwortlichen der Projekte erarbeitet und prozessbegleitend evaluiert. Zentrales Anliegen ist, fallbezogen und bedarfsorientiert Grundsätze einer geschlechtersensiblen Forschung sowie Forschungsdesigns und methodische Instrumentarien zu entwickeln, die auch für folgende Forschungsprojekte angewendet werden und die zur Gewinnung neuer geschlechtersensitiver Erkenntnisse beitragen können.
Qualifizierung
Bedarfsorientierte Qualifizierungsmaßnahmen mit Projektträger/innen und/ oder Forschungsinstitutionen zu den zentralen Inhalten geschlechtersensibler Forschung
Im Rahmen von eintägigen Workshops wird grundlegendes Wissen zur Integration der Geschlechterperspektive in Forschungsprozessen vermittelt, Umsetzungsmöglichkeiten werden diskutiert und erste Anwendungsinstrumentarien entwickelt. Dabei werden die spezifischen Fragen und Hintergründe der Forschungsinstitution aufgegriffen und gemeinsame Handlungsperspektiven erarbeitet.

Kooperationen und Projekte des IGiS

Forschungsprojekte

Relevanz von Geschlecht in der sportmedizinischen Forschung (GenMed)

Finanzierung: Bundesministerium für Bildung und Forschung, Europäischer Sozialfond

Beteiligte: Deutsche Sporthochschule Köln: Institut für Sportsoziologie, Abt. Geschlechterforschung; Institut für Kreislaufforschung, Abt. für molekulare und zelluläre Sportmedizin

Inhalte: Das Forschungsprojekt geht von der Beobachtung aus, dass in der sportmedizinischen Forschung und im sportmedizinischen Alltagshandeln eine De-Thematisierung von Geschlecht stattfindet, die einen geschlechtergerechten Erkenntnisfortschritt und Wissenstransfer in die Praxis verhindert. Gesamtziel des beantragten Projektes ist eine systematische Bestandsaufnahme zur geschlechtsbezogenen sportmedizinischen Forschung in Deutschland, sowohl mit Blick auf die Inhalte der Forschung als auch auf die strukturellen Rahmenbedingungen für eine geschlechtersensible sportmedizinische Forschung. Auf der Basis der Bestandsaufnahme sollen Maßnahmen zur systematischen Berücksichtigung von Geschlecht - i.S. des biologischen Geschlechts (sex) und des sozialen Geschlechts (gender) - bei sportmedizinischen Forschungsprojekten entwickelt und Voraussetzungen für ihre Implementierung geschaffen werden.

Physische Eignungsfeststellung für die Berufsfeuerwehr in Deutschland - Analyse, Konzeption und Erprobung von geschlechterneutralen Testverfahren

Finanzierung: Deutscher Städtetag und Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes e.V. Beteiligte: Deutsche Sporthochschule Köln: Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaften; Institut für Kreislaufforschung, Abt. für molekulare und zelluläre Sportmedizin; Institut für Sportsoziologie, Abt. Geschlechterforschung; Institut für Trainingswissenschaften und Sportinformatik

Inhalt: Bundesweit beträgt der Anteil der Frauen in der Berufsfeuerwehr weniger als ein Prozent. Das Bestreben der interdisziplinären Forschungsgruppe der Deutschen Sporthochschule ist es, diesen Anteil im Auftrag des Deutschen Städtetags in Kooperation mit der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes e.V. deutlich zu erhöhen. Aus dem Bericht der Arbeitsgruppe "Frauen in der Feuerwehr" des Deutschen Städtetags geht die physische Eignungsfeststellung als wesentlicher und höchstgewichteter Grund für den geringen Frauenanteil hervor. Deshalb ist es Ziel der interdisziplinären Forschungsgruppe, einen praxisorientierten, körperlichen Eignungstest zu konzipieren, der kein Geschlecht bevorzugt und bundesweit Anwendung findet. Die Eignungsfeststellung soll somit die Zutrittsbarrieren für Frauen in der Feuerwehr relativieren und ihre Beteiligung in den kommenden Jahren deutlich erhöhen.  

Forschungskooperationen

„Genderspezifische Aspekte adipöser Patienten in der stationären Rehabilitation – Bestandsaufnahme motivationspsychologischer Prozesse und Entwicklung von Konsequenzen für die Diagnostik und Therapie“

Beteiligte: Klinik Niederrhein Bad Neuenahr; Deutsche Sporthochschule Köln: Psychologisches Institut, Abt. Gesundheit & Sozialpsychologie.

Inhalt: Die genderorientierte Forschung liefert zunehmend Hinweise zu Unterschieden zwischen Männern und Frauen, die mit der Entstehung und Behandlung von Adipositas in Zusammenhang stehen könnten. Bislang wurden diese auffälligen Befunde jedoch noch nicht systematisch im therapeutischen Setting erforscht. Während Praktiker sich sicher sind, dass Männer und Frauen in der Adipositastherapie anders behandelt werden müssen, hat diese Vermutung keine wissenschaftliche Evidenz.

Vor diesem Hintergrund und einer hiermit verknüpften modelltheoretischen Grundlegung von genderspezifischer Therapiemotivation wird mit dem geplanten Projektvorhaben die Zielstellung verknüpft, genderspezifische Verhaltensunterschiede bei adipösen Reha-Patienten/-Patientinnen nachzuweisen und die Ursachen dieser Unterschiede näher zu erforschen. Untersuchungsgegenstand ist sowohl das Therapie- als auch das anschließende Alltagsverhalten der Patienten und Patientinnen. Mit dieser Zielstellung sollen die stationäre Adipositastherapie optimiert und konkrete Therapieempfehlungen abgeleitet werden.

Die Hauptfragestellungen der Studie (bestehen Motivationsdifferenzen und Verhaltensunterschiede zwischen Frauen und Männern und wie lassen sich diese Unterschiede erklären?) werden hierbei durch einen sowohl qualitativen Ansatz (Interviewstudie in Phase I) als auch einen quantitativen Ansatz (mehrzeitige Fragebogenstudie in Phase II) beantwortet.


„Kölner Bündnis gesunde Lebenswelten“

Beteiligte: Lernende Region – Netzwerk Köln e.V.; Stadt Köln; Stadtsportbund Köln; Sportjugend Köln; VHS Köln und gesund e.V.; Deutsche Sporthochschule Köln: Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaften, Abteilung für Bewegungs-und Gesundheitsförderung (Federführung); Psychologisches Institut; Zentrum für Gesundheit (ZfG); (An-)Institut für Qualitätssicherung in Prävention und Rehabilitation

Inhalt: Im Rahmen des Projektes sollen bedarfsgerechte, kommunale Strategien zur Verbesserung der Gesundheitsförderung entwickelt werden. Ziel des Projektes ist der nachhaltige Ausbau bewegungsfördernder Infrastrukturen in den Settings Vorschule/Kita, Schule und Freizeit (Jugendeinrichtungen/Vereine). Das IGiS ist sowohl im wissenschaftlichen Beirat vertreten als auch an der Evaluation beteiligt. 

Am IGiS sind neun WissenschaftlerInnen beteiligt:

Sprecherin des IGiS

Univ.-Prof. Dr. phil. Ilse Hartmann-Tews
Univ.-Prof. Dr. phil.

Ilse Hartmann-Tews

Leiterin des Instituts für Soziologie und Genderforschung

Telefon +49 221 4982-3770
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Forschungsservicestelle

Institut für Soziologie und Genderforschung

Dipl. Soz.-Päd. Diana Emberger
Dipl. Soz.-Päd.

Diana Emberger

Abt. Gender & Diversity Studies

Telefon +49 221 4982-2540
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Dr. Bettina Rulofs
Dr.

Bettina Rulofs

Abt. Gender & Diversity Studies

Telefon +49 221 4982-7230
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Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin

Prof.Dr. Birna Bjarnason
Prof.Dr.

Birna Bjarnason

Abt. für präventive und rehabilitative Sport- und Leistungsmedizin

Telefon +49 221 4982-5020
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Prof. Dr. Klara Brixius
Prof. Dr.

Klara Brixius

Abt. für molekulare und zelluläre Sportmedizin

Telefon +49 221 4982-5220
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Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaft

Prof. Dr. Christine Graf
Prof. Dr.

Christine Graf

Abt. Bewegungs- und Gesundheitsförderung

Telefon +49 221 4982-6113
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Dr. Helge Knigge
Dr.

Helge Knigge

Abt. Bewegungs- und Gesundheitsförderung

Telefon +49 221 4982-6114
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Psychologisches Institut

Univ.-Prof. Dr. Jens Kleinert
Univ.-Prof. Dr.

Jens Kleinert

Abt. Gesundheit & Sozialpsychologie

Telefon +49 221 4982-5490
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Abteilung

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