Finale Projektphase des Roboterprojekts

Roboter und Mann heben gemeinsam einen Tisch
Roboter Rosy und ein Proband tragen gemeinsam einen Tisch (re.). Die Bewegungen des Probanden werden mit einem Analysesystem erfasst (li.) (Fotos: KUKA)

Eigentlich hätte im November 2020 die Medica, die weltgrößte Medizinmesse, in Düsseldorf stattfinden sollen. Präsentieren wollte sich hier ein Roboterprojekt, welches die Deutsche Sporthochschule Köln u.a. in Kooperation mit dem Roboterhersteller KUKA und der BEC GmbH durchführt. Dann kam Corona. Nun findet die Medica online statt. Die Abschlussmessungen im Rahmen des Roboterprojekts nahm das Team der Sporthochschule vor wenigen Tagen am KUKA-Hauptsitz in Augsburg vor.

Das Projekt, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert (V5ARA117-RoSylerNT) wird, läuft seit Sommer 2017. Nach vielen Entwicklungsschritten ist das Projektteam nun in die finale Phase der Evaluation eingetreten: die Erprobung der Systeme durch Proband*innen. „Bei unserem Forschungsprojekt RoSylerNT wurden drei unterschiedliche robotische Assistenzsysteme entwickelt, die aktiv Kräfte aufbringen und für den Menschen zum interaktiven Partner in Training und Alltag werden“, erklärt Projektleiterin Prof. Dr. Kirsten Albracht.

Bei den drei Robotersystemen, die nun evaluiert werden, handelt es sich um eine Roboter-Beinpresse, entwickelt von der BEC GmbH, einen automatisierten Geh- und Lauftrainer, entwickelt vom Karlsruher Institut für Technologie, sowie eine roboterbasierte Tragehilfe, entwickelt von KUKA. Letztere soll das Handhaben schwerer Gegenstände in Alltagssituationen unterstützen. Diese Tragehilfe wurde nun bei KUKA in Augsburg von 15 Proband*innen getestet, indem diese Aufgaben mit dem System erledigen und Fragen beantworten mussten. So sollten sie etwa einen Tisch tragen – mal zusammen mit einer anderen Person, dann gemeinsam mit dem Roboter.

Die Bewegung von Mensch und Roboter wurde während des Experiments über 15 im Raum verteilte Infrarotkameras dreidimensional nachverfolgt. Die umfangreiche 3D-Bewegungsanalyse wurde ergänzt durch eine Analyse und Bewertung der Gehirnaktivität mit einem mobilen Elektroenzephalogramm (EEG). Prof. Dr. Stefan Schneider und Dr. Petra Wollseifen (Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaft) interessieren sich hierbei unter anderem für die Wahrnehmung der Mensch-Maschine-Interaktion. Durch diese integrative Zusammenarbeit sei es erstmalig gelungen, zentralnervöse Aktivität bei solchen Alltagsbewegungen mit dem individuellen Bewegungsverhalten zu korrelieren. „Diese Analyse gibt uns Aufschluss darüber, ob es für den Menschen einen Unterschied macht, mit seinesgleichen oder einem Roboter zu agieren“, erklärt Albracht. Nadine Bender, Senior Analyst Social Impacts of Robotics in der Konzernforschung bei KUKA, interessiert sich insbesondere für die psychosozialen Aspekte wie Technikakzeptanz, Angst und Vertrauen.

Mit dabei war zur Berichterstattung auch ein Team der Augsburger Allgemeine Zeitung. Redakteurin Christina Heller-Beschnitt stellte sich selbst als Probandin zur Verfügung und gibt in ihrem Selbstversuch einen spannenden Einblick in die Testung.

Neben der Tragehilfe können auch die Beinpresse und der Lauftrainer Haltung, Bewegung und Belastung des Menschen wahrnehmen und sich dadurch auf ihn und die jeweilige Situation anpassen. Darum lautet der Projekttitel auch RoSylerNT, gesprochen „Rosy lernt“, weil es sich um ein lernendes Robotersystem handelt, das aktiv Kräfte aufbringt und dadurch für den Menschen zum interaktiven Helfer wird. Noch bis 31. Januar 2021 läuft das Forschungsprojekt, in dem nun die Ergebnisse der Testwoche in Augsburg ausgewertet werden. Auch die beiden anderen Systeme werden im Herbst im selben Umfang evaluiert.

Beim Interview im November 2019 hatte das Team aus Forscher*innen und Entwickler*innen noch fest vorgehabt, die Roboter-Beinpresse „RoboGym“ auf der Medica 2020 live zu präsentieren. Dies wird nun nicht wie geplant klappen, aber das RoboGym wird aktuell an der Deutschen Sporthochschule Köln aufgebaut, um es der Fachöffentlichkeit zu präsentieren.

 

Projektverantwortung Sporthochschule:

Prof. Dr. Kirsten Albracht
Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaft

Dr. Björn Braunstein
Institut für Biomechanik und Orthopädie
Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaft

Projektverantwortung KUKA:

Dr. Uwe Zimmermann