IESF betont evidenzbasierte Forschung im Erasmus+-Sportprogramm des EU Parlaments
Das IESF betont die Wichtigkeit evidenzbasierter und vergleichender Forschungsarbeit als Teil des zukünftigen Erasmus+-Sportprogramms (2028–2034).
Im Namen des Instituts für Europäische Sportentwicklung und Freizeitforschung und der DSHS nahm Lorenz Fiege teil und betonte in seinem Beitrag die Notwendigkeit, evidenzbasierte wissenschaftliche Forschung in die neuen Programmrichtlinien aufzunehmen und zu konsolidieren sowie in den bevorstehenden Haushaltsverhandlungen einen höheren Anteil der zweckgebundenen Mittel für den Sport auf EU-Ebene (mindestens 5-7 %) festzulegen:
Einige unserer wichtigsten Forderungen und Argumente sind:
- Das Erasmus+-Sportprogramm hat das Potenzial, zu einem neuen Gleichgewicht zwischen den wirtschaftlichen/kommerziellen und sozialen Dimensionen des europäischen Integrationsprozesses insgesamt beizutragen. Dies erscheint umso wichtiger in einer Zeit, in der unsere Gesellschaften immer älter und zunehmend polarisiert sind sowie durch in- und externe politische Bedrohungen sozial gespalten werden, sodass kaum noch Raum für Solidarität, Inklusion und Integrität bleibt – Werte, die eigentlich den Kern der europäischen Dimension im Sport ausmachen.
- Die im Rahmen von Erasmus+ akademische Forschung ist einer der zentralen gesellschaftlichen Werte des Programms und sollte auch in Zukunft als solcher bekräftigt werden. Insbesondere das Kapitel „Sport“ wird derzeit durch eine einzigartige Verflechtung von Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Sportorganisationen getragen, in der empirische Forschung, kritische politische Reflexion und praktische Reformen Hand in Hand gehen können. Dies sollte im neuen Programm beibehalten und weiterentwickelt werden.
- Nur durch systematische, methodisch kontrollierte Komparativforschung auf dem gesamten europäischen Kontinent könnten wir zuverlässig bestimmen,
- unter welchen gesellschaftlichen und politischen Bedingungen entfaltet Sport tatsächlich sein Potenzial für Inklusion, Demokratieförderung und Friedensstiftung;
- wie eine stärkere Partizipation am und durch den Sport erreicht werden kann, um beispielsweise die vielen gesundheitsfördernden Aspekte körperlicher Bewegung zu nutzen;
- wie (good) Governance Strukturen gestaltet werden können, um sportliche Spitzenleistungen, Integrität und soziale Verantwortung zu fördern.
- Ohne eine solide empirische Grundlage bestünde die Gefahr, dass die Sportpolitik auf Einzelfällen, ungetesteten Annahmen oder kurzfristigen Stimmungen basiert und dass es schwierig wäre, sie europaweit aufeinander abzustimmen – geschweige denn zu harmonisieren. Darüber hinaus würden ohne normative Forschungsansätze wichtige Machtkämpfe und Grundrechtsfragen oft außer Acht gelassen, was zulasten schutzbedürftiger Zielgruppen wie Sportler und Trainer ginge.
- Evidenzbasierte Forschung ermöglicht es allen Akteuren, Maßnahmen zu entwickeln, die nicht nur gut gemeint, sondern auch wirkungsorientiert und kritisch überprüft sind und somit bedarfsgerecht und nachhaltig sind. Auf diese Weise leistet sie einen wesentlichen Beitrag dazu, die europäische Dimension des Sports auf eine solide, transparente und kritisch reflektierende empirische Grundlage zu stellen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass für die weitere Gestaltung eines zukünftigen europäischen Sportmodells, das seinen Kernmerkmalen – wie Demokratie, Inklusion und Solidarität, wie sie in der kürzlich verabschiedeten Entschließung des Europäischen Parlaments formuliert wurden – gerecht wird, fortschrittliche Vergleichsdaten, eine evidenzbasierte Politikgestaltung und eine kritische Analyse der wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Entwicklungen im europäischen Sportsektor von entscheidender Bedeutung sind. Ohne angemessene Budgeterhöhungen werden wir zudem in einem ungünstigen Szenario stecken bleiben, in dem erstens die Teilnahmequoten und der soziale Zusammenhalt im und durch den Breitensport zurückgehen und zweitens die wirtschaftliche Ausbeutung des Spitzensports die sozialen Dimensionen des Sports und die zugrunde liegenden Integritäts- und Sozialstandards überlagert.
Das vollständige (englischsprachige) Redemanuskript downloaden.
Nochmals ein besonderer Dank an Herrn Zdrojewski und sein Büro für die Einladung und die Möglichkeit, aktiv am Stakeholder-Dialog zum neuen Erasmus+-Kapitel „Sport“ teilzunehmen.
Wir freuen uns sehr auf den weiteren Konsultationsprozess und die Reaktion des Parlaments auf den Vorschlag der Kommission in den kommenden Monaten!
