Graduiertenkolleg

Die Teilnehmer:innen des Graduiertenkollegs (Fabienne Bartsch, Teresa Schkade, Dr. Birte von Haaren-Mack (in Elternzeit), Julia Wolf, Ulrike Hartmann und Lars Fischer) sind in den verschiedenen Teilprojekten (Heterogenität & Förderung von Inklusion, Motivation & Bewegungsförderung, Umgang mit Sportlehrer*innenstress) angesiedelt. Die regelmäßigen Treffen dienen dazu, die Vernetzung innerhalb des Projektes zu fördern, sich auszutauschen und die wissenschaftliche Expertise der Teilnehmerinnen zu nutzen, um sich bei den verschiedenen Promotions- und Habilitationsvorhaben zu unterstützen.

Promotionsvorhaben

Stress und Stressbewältigung bei (angehenden) Lehrkräften: Analysen...

Stress und Stressbewältigung bei (angehenden) Lehrkräften: Analysen zur Untersuchung der Wirkung von Copingstrategien auf das Stresserleben im Fach Sport

Betreuer:
Prof. Dr. Jens Kleinert, Dr. Fabian Pels

Doktorandin (Kontakt):
Alina Schäfer, M.A. Rehabilitation und Gesundheitsmanagement ()

Projektbeschreibung
Sportlehrkräfte sind im Vergleich zu Lehrkräften anderer Unterrichtsfächer mit besonderen Belastungen (z.B. mangelnde soziale Anerkennung des Kollegiums oder mangelhafte räumliche Bedingungen) konfrontiert. Diese Belastungen scheinen insbesondere bei unerfahrenen Sportlehrkräften zu hohen Beanspruchungen zu führen, die dann sogar  einen vorzeitigen Berufsausstieg bewirken (Mäkelä, Hirvensalo, Laakso, & Whipp, 2014). Solche Berufsausstiege hängen möglicherweise mit unzureichenden Routinen im Umgang mit Stress zusammen (Herrmann & Hertramph, 2000). Daher ist es notwendig, Sportlehrkräfte auf den Umgang mit Stress bereits im Studium vorzubereiten. Im Rahmen des Dissertationsprojektes wurde zum einen untersucht, wie das Stresserleben und das Copingverhalten bei Sportlehrkräften in allen drei Bildungsphasen ausgeprägt sind. Es zeigte sich, dass bei (angehenden) Sportlehrkräften das Stresserleben eher moderat ausgeprägt ist und dass sie insbesondere aktive Copingstrategien (z.B. das Erstellen eines Handlungsplans) nutzen, sowie solche Copingstrategien, die den Fokus auf das Positive lenken (z.B. das positive Umdeuten einer Situation). Zum anderen soll die Wirkung unterschiedlicher Copingstrategien auf das Stresserleben bei (angehenden) Sportlehrkräften analysiert werden. Daher wird vor dem Hintergrund bisheriger querschnittlicher Ergebnisse nun experimentell untersucht, ob bestimmte Copingstrategien (z.B. positive Umdeutung, emotionale Unterstützung) das Stresserleben reduzieren können. Basierend auf den bisherigen und zukünftigen Ergebnissen werden Lehr-/Lernbausteine zum Umgang mit Stress entwickelt, die in die universitäre Ausbildung angehender Sportlehrkräfte implementiert werden sollen. Weiterhin sollen diese Studienergebnisse als Grundlage für die Entwicklung eines Stresslabors zum Aufbau stressregulativer Kompetenzen genutzt werden.

Mäkelä, K., Hirvensalo, M., Laakso, L., & Whipp, P. R. (2014). Physical education teachers in motion: an account of attrition and area transfer. Physical Education and Sport Pedagogy, 19(4), 418–435. doi:10.1080/17408989.2013.780590

Herrmann, U., & Hertramph, H. (2000). Zufallsroutinen oder reflektierte Praxis? Herkömmliche Wege in den Berufseinstieg von Lehrern und notwendige Alternativen. Beiträge zur Lehrerinnen- und Lehrerbildung, 18(2), 172–191. sen werden Interventionsformen entwickelt  die in der Lehrerausbildung eingesetzt werden sollen.

  

Sportunterricht im Kontext von Flucht und Migration

Sportunterricht im Kontext von Flucht und Migration

Betreuerin: 
Prof. Dr. Ilse Hartmann-Tews , Prof. Dr. Bettina Rulofs

Doktorandin (Kontakt): 
Fabienne Bartsch, Institut für Soziologie und Genderforschung, Deutsche Sporthochschule Köln, ()  

Projektbeschreibung:

Theoretischer Ansatz
Die pädagogische Arbeit mit Heranwachsenden, die Schutz vor (Bürger-)Kriegen und anderen Bedrohungen suchen, hat sich in den letzten Jahren zu einer zentralen Aufgabe des deutschen Schulsystems und somit auch des Sportunterrichts entwickelt. Lehrkräften des Faches Sport kommt bei der Beschulung von Kindern und Jugendlichen aus Kriegs- und Krisengebieten eine zentrale Rolle zu: Sie haben die Aufgabe, den mit prekären Lebensbedingungen und ungewissen Zukunftsperspektiven konfrontierten jungen Menschen Erziehung und Bildung im und durch Sport zu gewährleisten und die dem Fach gemeinhin zugeschriebenen integrativen Potenziale einzulösen. Hierbei stehen Sportlehrkräfte vor einer komplexen Herausforderung: Sie sind auf der einen Seite dazu angehalten, einseitige Zuschreibungen sowie restriktive Rollenzuweisungen zu vermeiden, um geflüchtete Schüler*innen nicht stereotyp als z. B. vulnerabel und traumatisiert zu homogenisieren. Auf der anderen Seite gilt es, für religiös und kulturell bedingte Disparitäten und möglicherweise belastende Erfahrungen bei der Flucht sensibilisiert zu sein. Gerade der Schulsport kann hier aufgrund seiner Körperlichkeit und der damit verbundenen Unterrichtssituationen besondere Problematiken hervorrufen.

Das Dissertationsprojekt bedient sich eines theoretischen Fundaments, das sowohl in den Sozial- als auch in den Erziehungswissenschaften verortet ist. Im Mittelpunkt stehen hierbei konstruktivistische, postkoloniale sowie intersektionale Theorieansätze.

Ziel-/Fragestellung
Im Rahmen des Projektes wird untersucht,  inwiefern Sportlehrkräfte geflüchtete Schüler*innen als ‚Andere‘ bzw. als ‚Fremde‘ wahrnehmen. Ein Schwerpunkt hierbei liegt auf der geschlechterbezogenen Wahrnehmung von ‚Anderssein‘. Weiterhin wird beleuchtet, inwieweit im Fach Sport und hinsichtlich geflüchteter Schüler*innen postkoloniale Diskurselemente zutage treten.

Methode (Verfahren, Sample)
Im Rahmen des Projekts kommt ein Mixed Methods-Forschungsdesign zum Einsatz, das qualitative und quantitative Methode miteinander verknüpft. Hierzu wurde neben einer Interviewstudie mit Sportlehrkräften auch eine Fragebogenerhebung durchgeführt.

Transfer(-erwartungen)
Das Dissertationsprojekt ist im Projekt „Schulsport2020“ bzw. „Schulsport2030“ angesiedelt, so dass die Ergebnisse auch dazu genutzt werden können, um (angehende) Sportlehrkräfte für den Umgang mit geflüchteten Schüler*innen und für die Kontinuität postkolonialer Diskurse zu sensibilisieren.

Inklusion in der universitären Sportlehrer*innenausbildung: Chancen,...

Inklusion in der universitären Sportlehrer*innenausbildung: Chancen, Herausforderungen und Notwendigkeiten

Betreuer: 
Prof. Dr. Thomas Abel

Doktorandin (Kontakt): 
Teresa M. Odipo; Erstes Staatsexamen LA GyGe Sport, Musik; WMA Projekt „Schulsport2020“ (

 

Projektbeschreibung:
Theoretischer Ansatz.
Neben zweifellos wichtigen strukturellen und fachlich-praktischen Aspekten sind die Haltungen von Lehrkräften entscheidend für eine gelingende Inklusion (vgl. Gather Thurler & Kühn-Ziegler, 2013). Im Zusammenhang mit inklusiven Schulsettings stellen Selbstwirksamkeitserwartungen und Einstellungen der Akteure eine wichtige Voraussetzung dar. Künftig werden Lehrkräfte vermehrt in für sie bislang ungewohnten Settings unterrichten, sodass eine adäquate Vorbereitung von besonders großer Relevanz ist. Seit jeher wurde Diversität am Körper auf besondere Weise erfahrbar, sodass ein sensibler Umgang mit Vielfalt auch künftig von besonderer Bedeutung erscheint (vgl. Ruin, Meier & Leineweber, 2016).

Ziel-/Fragestellung.
Die Qualifikationsarbeit fokussiert die längsschnittliche Entwicklung der Einstellungen und Selbstwirksamkeitseinschätzungen zu inklusivem Sportunterricht von Studierenden im Sportstudium für das Lehramt am Standort der Deutschen Sporthochschule Köln. Angesiedelt in der Förderlinie „Qualitätsoffensive Lehrer*innenbildung“, welches durch das BMBF gefördert wird, zielt dieses Forschungsvorhaben auf die Fortentwicklung der Sportlehrer*innenaus- und -weiterbildung im Hinblick auf neue gesellschaftliche Herausforderungen ab. Für das Themenfeld Inklusion und Heterogenität im Schulfach Sport, sollen neue Erkenntnisse aus der Studierendenbefragung gewonnen werden und in konkrete Implementierungsmaßnahmen sowie in die Entwicklung neuer Lehr-/Lernwerkzeuge für die Sportlehrer*innenausbildung an der Deutschen Sporthochschule einfließen.

Methode (Verfahren, Sample).
Die Daten werden in Form einer quantitativen Datenerhebung per paper-pencil-Verfahren zu unterschiedlichen Messzeitpunkten erhoben. Für die Längsschnittmessung sind die Messzeitpunkte zu Beginn und am Ende des Bachelor- und Masterstudiums angesiedelt. Des Weiteren wird der Lehramtskurs „Teilhabe und Schulsport“ in einer weiteren Teilstudie quantitativ erfasst und dessen Auswirkung auf Einstellungen und Selbstwirksamkeitseinschätzungen von Studierenden ausgewertet.   

Transfer(-erwartungen).
Angelehnt an die Ergebnisse der Studien sollen geeignete Interventionsmaßnahmen entwickelt werden, die die individuellen Selbstwirksamkeitserwartungen und Einstellungen der Studierenden im Themenfeld inklusiver Schulsport berücksichtigen.  

 

Literatur

 

Block, M., Obrusnikova, I. (2007). Inclusion in physical education: a review of the literature from 1995 2005. European Journal of Adapted Physical Activity, 24(2), 103-24

Bosse, S. & Spörer, N. (2014). Erfassung der Einstellung und der Selbstwirksamkeit von Lehramtsstudierenden zum inklusiven Unterricht. Empirische Sonderpädagogik 6 (2014) 4, S. 279-299

Forlin, C. & Sharma, U. (2011). The Sentiments, Attitudes and Concerns about Inclusive Education Revised (SACIE-R) scale for measuring teacher’s perceptions about inclusion. Exceptionality Educational International, Volume 21, Issue 3

Korthagen, F., Kim, Y. & Greene, W. (2013). Teaching and Learning from Within: A Core Reflection Approach to Quality and Inspiration in Education. New York u.a.: Routledge

Park, M., Dimitrov, D., Das, A. & Gichuru, M.(2016). The teacher efficacy for inclusive practices (TEIP) scale: dimensionality and factor structure. Journal of Research in Special Educational Needs, Volume 16, Issue 1

Qi, J. & Ha, A. (2012). Inclusion in physical education: a review of literature. International Journal od Disability and Education, 59 (3), 257-281

Reuker, S., Rischke, A., Kämpfe, A., Schmitz, B., Teubert, H., Thissen, A. & Wiethäuper, H. (2016). Inklusion im Sportunterricht: Ein Überblick über internationale Forschungsergebnisse aus den Jahren 2005 bis 2014. Berlin u.a.: Springer

Ruin, S., Meier, M., Leineweber, H., Klein, D. & Buhren, C. (Hrsg.) (2016). Inklusion im Schulsport: Anregungen und Reflexionen. Weinheim u.a.: Beltz

Schwarzer, R. & Jerusalem, M. (2002). Das Konzept der Selbstwirksamkeit. In: Jerusalem, M. & Hopf, D. (2002). Selbstwirksamkeit und Motivationale Prozesse in Bildungsinstitutionen. Weinheim u.a.: Beltz (Zeitschrift für Pädagogik, Beiheft; 44)

Seifried, S. & Heyl, V. (2016). Konstruktion und Validierung eines Einstellungsfragebogens zu Inklusion für Lehrkräfte (EFI-L). Empirische Sonderpädagogik (2016) 1, S. 22-35

Werning, R. (2014). Schulische Inklusion. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 17(4), 601-623 

The multidimensionale and dynamic nature of motivation to participate...

The multidimensionale and dynamic nature of motivation to participate in physical education - a self-determination approach

Betreuer: Prof. Dr. Jens Kleinert, Dr. Anna Wasserkampf

Doktorandin (Kontakt): Julia Wolf, M.A., Psychologisches Institut ()

Projektbeschreibung:

Bewegung und sportliche Aktivität sind entscheidend für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen; nicht nur für die physische und psychische Gesundheit, es können ebenfalls positive Zusammenhänge hinsichtlich der schulischen und kognitiven Leistungsfähigkeit verzeichnet werden (Martínez-Gómez, 2011). Trotz der beschriebenen Wirkung körperlicher Aktivität ist das Bewegungsverhalten von Kindern und Jugendlichen immer rückläufiger (Graf et al., 2006). Die Abnahme im Aktivitätsverhalten von Kindern und Jugendlichen geht zudem mit einer Reduktion der intrinsischen Motivation (also Freude und Spaß an Bewegung) und allgemein der Motivation im verpflichtenden Schulsport einher. Diese Verluste in der Motivation und die damit verbundene fehlende positive Erfahrungen im Sportunterricht sind nicht zu vernachlässigen, da sie in vielen Fällen auch das Bewegungsverhalten der Kinder und Jugendlichen in der Freizeit mitbeeinflussen (Cox, Smith & Williams, 2008). Um diesem negativen Trend entgegenwirken zu können, scheint es sinnvoll die Verläufe der Motivation zum verpflichtenden Sportunterricht näher zu untersuchen. Letztlich kann dadurch punktueller interveniert und der Sportunterricht so gestaltet werden, dass sich die Schüler*innen gut fühlen, erneut Freude an Bewegung finden und motivierter in den Sportunterricht hineingehen.

Um in Erfahrung bringen zu können, wie die Motivation von Schüler*innen im Sportunterricht ausgeprägt ist, soll in einem ersten Schritt ein kontext-spezifischer Fragebogen eingesetzt werden, welcher einzelne Verhaltensregulationsformen erfasst – da nach Deci und Ryan (1985; 2000) Motivation kein dichotomes Konstrukt ist und sich in unterschiedlich stark ausgeprägten Verhaltensregulationsformen widerspiegelt. Diese Formen gehen aus der „Organismischen Integrationstheorie“ (Organismic Integration Theory (OIT)) nach Deci und Ryan (1985; 2000) hervor.

Laut internationaler Literatur wird im Setting des Sportunterrichts zur Erfassung der Verhaltensregulationsformen der Perceived Locus of Control Questionnaire (PLOCQ) als valides Messinstrument bei Schüler*innen eingesetzt (Goudas, Biddle & Fox, 1994; Standage, Duda & Ntoumanis, 2005; Teixeira et al., 2018). Um die Motivation mithilfe dieses Fragebogens auch im deutschen Sportunterricht erfassen zu können, soll in einer ersten Validierungsstudie der PLOCQ- Fragebogen ins Deutsche übersetzt und anschließend validiert werden (Paper 1). Da die ursprüngliche Form des PLOCQs (Goudas, Biddle & Fox, 1994) keine Dimension zur Erfassung der integrierten Regulation enthält, wird die (neue) deutsche Version des PLOCQs um diese Dimension erweitert (entnommen aus dem BRSQ-12 (Kleinert & Pels, 2013)).

Mit Hilfe der deutschen Version des PLOCQ-Fragebogens sollen in einer weiteren Studie zeitliche Verläufe der Motivation im Sportunterricht in Form von Motivationsprofilen über einen Zeitraum von 6 Wochen untersucht werden. Die Motivationsprofile erlauben einen sehr detaillierten Einblick in die multidimensionale und dynamische Motivationslage der Schüler*innen. Durch die zeitliche Komponente können zudem motivationale Veränderungen innerhalb dieser Profile spezifisch analysiert werden (Paper 2).

Anschließend an die Erkenntnisse aus Studie 2 sollen spezifische Interventionsbausteine passend zu den Motivationsprofilen abgeleitet und in der Praxis angewandt und evaluiert werden (Paper 3). Ziel ist es langfristig Implikationen für einen „motivationsunterstützenden“ Sportunterricht an Sportlehrkräfte weitergeben zu können.

 

Literatur

Cox, A., Smith, A. L. & Williams, L. (2008). Change in physical education motivation and physical activity behavior during middle school. Journal of Adolescent Health, 43 (5), 506-513.

Deci, E. L., & Ryan, R. M. (1985). Intrinsic motivation and self-determination in human behavior. New York: Plenum Press.

Deci, E. L. & Ryan, R. M. (2000). The “what” and “why” of goal pursuits. Human needs and the self-determination of behavior. Psychological Inquiry, 11 (4), 227-268.

Goudas, M., Biddle, S., & Fox, K. (1994). Perceived locus of causality, goal orientations, and perceived competence in school physical education classes. British Journal of Educational Psychology, 64, 453–463.

Graf, C., Dordel, S., Koch, B., & Predel, H.-G. (2006). Bewegungsmangel und Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen. Deutsche Zeitschrift Für Sportmedizin, 57(9), 220–225.

Martínez-Gómez, D. (2011). Active commuting to school and cognitive performance in adolescents. Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine, 165(4), 300–305.

Standage, M., Duda, J. L., & Ntoumanis, N. (2005). A test of self-determination theory in school physical education. The British Psychological Society, 75(75), 411–433.

Teixeira, D. S., Monteiro, D., Carraça, E., & Palmeira, A. L. (2018). Translation and validation of the perceived locus of causality questionnaire (PLOCQ) in a sample of portuguese physical education students. Motriz: Revista De Educação Física, 24(2).

Kleinert, J., & Pels, F. (2013). Internalisierung von Verhaltensregulation im Sport: Eine deutsche Version des Behavioral Regulation in Sport Questionnaire (BRSQ). In O. Stoll, A. Lau, & S. Moczall (Eds.), Schriften der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft: Vol. 228. Angewandte Sportpsychologie. 45. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie (asp) vom 09.-11. Mail 2013 in Halle (Saale) (p. 162). Hamburg: Feldhaus Verlag, Edition Czwalina.

Affektive Stressreaktionen von Sportlehrkräften in der Interaktion...

Affektive Stressreaktionen von Sportlehrkräften in der Interaktion mit Schüler*innen

Betreuer: Prof. Dr. Jens Kleinert, Dr. Fabian Pels

Doktorandin (Kontakt): Ulrike Hartmann, M.A., Psychologisches Institut, ()

Projektbeschreibung:

Sportlehrkräfte sind aufgrund von hohen Anforderungen belastet und leiden oftmals unter Stress und Burnout (Mäkelä, Hirvensalo & Whipp, 2014). Dabei erleben gerade Sportlehrkräfte im Vorbereitungsdienst im Vergleich zu bereits ausgebildeten Lehrkräften mehr Stress (Schäfer, Pels, von Haaren-Mack & Kleinert, 2019). Laut eines systematischen Literaturüberblicks gehören die inadäquate räumliche und materielle Ausstattung, curriculare Vorgaben und der Status des Sportlehrers in seinem Kollegium zu den Ursachen von Stress (von Haaren-Mack, Schäfer, Pels & Kleinert, 2019). Dabei wurde bisher wenig berücksichtigt, dass die Ursache von Stress bei Sportlehrkräften auch in der Interaktion mit den Schüler*innen liegen könnte. Die bisherige Forschung in Bezug auf die Interaktion von Lehrkräften und Schüler*innen hat sich überwiegend mit den Auswirkungen auf die Gesundheit und den Lernprozess der Schüler*innen auseinandergesetzt (Spilt, Koomen, Helma & Thijs, 2011). Auf der anderen Seite hat das Verhalten der Schüler*innen einen großen Einfluss auf das Wohlbefinden und die täglich erlebten Emotionen der Lehrkraft (Chang, 2009). Dabei ist nicht zu vernachlässigen, dass Lehrkräfte ein Bedürfnis nach einer positiven sozialen Beziehung zu den Schüler*innen in ihrer Klasse haben. Das hat zur Folge, dass die Bewertung eines Interaktionsprozesses mit Schüler*innen das emotionale Befinden der Lehrkraft beeinflusst (Spilt et al., 2011). Besonders im Sportunterricht sind Lehrkräfte verschiedenen Interaktionen mit Schüler*innen ausgesetzt. Das übergeordnete Ziel des Promotionsvorhabens ist es daher, die situationsspezifische affektive Reaktion, als Komponente der emotionalen Reaktion von Sportlehrkräften in der Interaktion mit Schüler*innen umfassend zu untersuchen. Hierbei sollen sowohl Interaktionen der Sportlehrkraft mit einzelnen Schüler*innen, als auch Interaktionen der Sportlehrkraft mit Gruppen von Schüler*innen näher betrachtet werden

Ziel einer ersten Studie ist es die situationsspezifische affektive Reaktion der Sportlehrkraft aufbauend auf der transaktionalen Theorie von Lazarus und Folkman (1984) in einem semistrukturierten Interview in einem stimulated recall (Messmer, 2015) genauestens zu analysieren. Die Befragung soll mit Lehrkräften im Vorbereitungsdienst durchgeführt werden. Um eine bestimmten Affekt in einer Situation gezielt analysieren zu können wird die Lehrkraft im Vorfeld während einer eigenen Sportunterrichtsstunde gefilmt. Gefiltert werden anschließend potenziell stressreiche Situationen, in denen (1) eine Interaktion der Lehrkraft mit einem einzigen Schüler/ einer einzigen Schülerin und (2) eine Interaktion der Lehrkraft mit einer Gruppe an Schüler*innen erfolgt. Dieses Stimulus material dient als Einstieg in das Interview. Mithilfe eines semistrukturierten Interviewleitfadens, der das transaktionale Stressmodell von Lazarus und Folkman (1984) berücksichtigt, wird daraufhin die affektive Reaktion der Lehrkraft in der Situation analysiert. Für die Auswertung des Interviews soll eine qualitative Inhaltsanalyse erfolgen.

Die Ergebnisse aus der ersten Studie sollen anschließend der Konzeption eines Selbstreflexionstools dienen. Mithilfe dieses Tools bekommen Lehrkräfte die Möglichkeit, ihre eigene situationsspezifische affektive Reaktion bezogen auf Interaktionen mit Schüler*innen zu reflektieren und zu verstehen. In einer zweiten Studie soll das Selbstreflexionstool angewendet und evaluiert werden. Anschließend sollen die Ergebnisse zu situationsspezifischen affektiven Stressreaktionen für die Weiterentwicklung eines Lehr-/ Lernwerkzeuges für die Aus- und Weiterbildung von Sportlehrkräften dienen. Dieses Lehr-/ Lernwerkzeug soll in einer dritten Studie evaluiert werden.

Literatur:

Chang, M.-L. (2009). An appraisal perspective of teacher burnout: Examining the emotional work of teachers. Educational Psychology Review, 21(3), 193–218. doi.org/10.1007/s10648-009-9106-y

Lazarus, R. S. & Folkman, S. (1984). Stress, appraisal, and coping. New York: Springer.

Mäkelä, K., Hirvensalo, M. & Whipp, P. R. (2014). Should I stay or should I go? Physical education teachers' career intentions. Research Quarterly for Exercise and Sport, 85(2), 234–244. doi.org/10.1080/02701367.2014.893052

Messmer, R. (2015). Stimulated Recall als fokussierter Zugang zu Handlungs- und Denkprozessen von Lehrpersonen. Retrieved from www.qualitative-research.net

Schäfer, A., Pels, F., von Haaren-Mack, B. & Kleinert, J. (2019). Stress und Stressbewältigung bei (angehenden) Sportlehrkräften: Theoretischer Hintergrund, Forschungsstand und Entwicklung von Lehr-/Lernwerkzeugen. In M. Hartmann, R. Laging, & C. Scheinert (Eds.), Bewegungspädagogik: Vol. 13. Professionalisierung in der Sportlehrer*innenbildung: Konzepte und Forschungen im Rahmen der "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" (pp. 108–123). Hohengehren: Schneider Verlag.

Spilt, J. L., Koomen, Helma M. Y. & Thijs, J. T. (2011). Teacher Wellbeing: The Importance of Teacher–Student Relationships. Educational Psychology Review, 23(4), 457–477. doi.org/10.1007/s10648-011-9170-y

Von Haaren-Mack, B., Schäfer, A., Pels, F. & Kleinert, J. (2019). Stress in physical education teachers: A systematic review of sources, consequences and moderators of stress. Research Quarterly for Exercise and Sport. Advance online publication. doi.org/10.1080/02701367.2019.1662878

Habilitationsvorhaben

Effekte körperlicher Aktivität in der Freizeit auf die...

Effekte körperlicher Aktivität in der Freizeit auf die Stressreaktivität bei beruflichen real-life Anforderungen mit Stresspotential

Dr. phil Birte von Haaren-Mack
Betreuer: Prof. Dr. Jens Kleinert

Theoretischer Ansatz.
Studien zeigen, dass eine überhöhte Reaktivität auf tägliche Stressoren bei der Arbeit mit negativen gesundheitlichen Konsequenzen wie reduziertem Wohlbefinden, Ermüdungserscheinungen, negativer Stimmung (Sonnentag, 2015) und verringertem Vagustonus (Vrijkotte, van Doornen, & de Geus, 2000) assoziiert ist. Neben Persönlichkeitsfaktoren, sozialen Interaktionen (Zanstra & Johnston, 2011) und der Schnittstelle von Arbeit und Privatem kann die alltägliche Routine außerhalb der Arbeit in Bezug auf Familie, Stressfaktoren außerhalb der Arbeit und Freizeitaktivitäten die Reaktivität auf alltägliche Stressoren bei der Arbeit mit beeinflussen. Körperliche Aktivität in der Freizeit kann zu positiver Stimmung und Erholung nach der Arbeit führen (Feuerhahn, Sonnentag, & Woll, 2014; Oerlemans, Bakker, & Demerouti, 2014). Des Weiteren kann akute als auch regelmäßige sportliche Aktivität zu reduzierter Stressreaktivität im Alltag führen (Lambiase, Barry, & Roemmich, 2010; von Haaren, Haertel, Stumpp, Hey, & Ebner-Priemer, 2015). Dagegen sind der Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität in der Freizeit und der Stressreaktivität im Beruf, sowie die zugrundeliegenden Mechanismen weitestgehend unklar.

Ziel-/Fragestellung.
Das Ziel der Qualifikationsarbeit ist es, die Effekte körperlicher Aktivität in der Freizeit in Bezug auf die Stressreaktivität bei beruflichen real-life Anforderungen mit Stresspotential sowie zugrundeliegende Mechanismen zu untersuchen. Des Weiteren wird untersucht, ob Alltagsaktivitäten (z.B. mit dem Fahrrad zur Arbeit, spazieren gehen) vergleichbare Effekte erzielen wie Sport bzw. andere Freizeitaktivitäten (passive Freizeitaktivität) und ob unterschiedliche Mechanismen zugrunde liegen.

Methode (Verfahren, Sample).
Erste querschnittliche Befragungen konzentrieren sich auf Stressoren, Stressempfinden, Erholung und Freizeitaktivitäten bei Sportlehrkräften. Um die dynamischen Veränderungen von beruflichen real-life Anforderungen mit Stresspotential und körperlicher Aktivität in der Freizeit zu berücksichtigen, werden unter anderem mithilfe von ambulantem Assessment Studien in unterschiedlichen Arbeitskontexten (mit within-subject Design) durchgeführt. Die körperliche Aktivität wird sowohl objektiv (Akzelerometrie) als auch subjektiv (Fragebögen) erfasst. Stressoren und andere psychologische Konstrukte werden mithilfe von Fragebögen und elektronischen Tagebüchern untersucht. Im zweiten Schritt wird anhand von Interventionsstudien überprüft, inwieweit maßgeschneiderte Interventionen in der Freizeit die Stressreaktivität bei beruflichen real-life Anforderungen mit Stresspotential beeinflussen können.

Transfer(-erwartungen).
Anhand der Ergebnisse können Effekte unterschiedlicher Freizeitaktivitäten differenziert werden und darauf basierend Empfehlungen gemacht werden, wie körperliche Aktivität in der Freizeit zur Erholung und für den Umgang mit Stress bei der Arbeit genutzt werden kann.