SpoFo-Map - Förderlandkarte für Kaderathlet*innen
SpoFo-Map - Förderlandkarte für Kaderathlet*innen
Projektleitung
Prof. Dr. Jürgen Mittag
Projektkoordination
Dr. Maximilian Seltmann
Projektmitarbeit
Ivana Pranjic, M.A.
Projektlaufzeit
April 2025 – März 2026
Kooperationspartner
Deutscher Olympischer Sportbund
Projektförderung
Bundesinstitut für Sportwissenschaft
Die Rahmenbedingungen und Strukturen der Sportförderung in Deutschland stehen kontinuierlich auf dem Prüfstand. In den letzten Jahren ist dabei den Bedarfen von Spitzenathletinnen und -athleten verstärkt Beachtung gewidmet worden. Sowohl in der Spitzensportreform von 2016 sowie verstärkt in der jüngsten Leistungssportreform, die mit dem „Feinkonzept“ von September 2023 vorläufig abgeschlossen wurde, ist die Notwendigkeit struktureller Anpassungen in der Athletenförderung deutlich geworden. Im Zuge der aktuellen Weiterentwicklung der Reformen in Arbeitsgruppen ist dabei der Arbeitsauftrag entwickelt worden, dem dringenden Bedarf an einem systematischen Überblick über die vielfältigen und komplexen Fördermöglichkeiten im deutschen Spitzensport Rechnung zu tragen.
Die deutsche Sportförderung ist stark ausdifferenziert und umfasst zahlreiche Organisationen und Akteure, die Athletinnen und Athleten finanziell, materiell und ideell unterstützen. Diese Vielschichtigkeit resultiert nicht zuletzt aus den föderalen Strukturen Deutschlands, dem Sub-sidiaritätsprinzip sowie der engen Zusammenarbeit zwischen Staat und Zivilgesellschaft im Bereich des Leistungssports. Es existieren aber gegenwärtig keine allgemein zugänglichen Instrumente, die Athletinnen und Athleten umfassendere Hilfestellung und einen systematischen Zugang bei der Suche nach Fördermöglichkeiten im Spitzensport eröffnen.
Das Projekt greift die skizzierten Defizite sowie den beschriebenen Auftrag auf und beabsichtigt als zeitnahe Serviceleistung fünf konkrete Ziele zu adressieren, die in aufeinander aufbauenden Arbeitsschritten realisiert werden. Vorgesehen ist: 1) eine Scoping-Studie zu bestehenden Förderleistungen im deutschen Spitzensport als Bestandsaufnahme; 2) die Präsentation und Bereitstellung der Daten und Ergebnisse der Bestandsaufnahme in einer interaktiven Webanwendung („Förderlandkarte“), 3) die Verzahnung der Förderlandkarte mit bestehenden Anwendungen und Serviceleistungen für Athletinnen und Athleten; 4) die Präsentation der Bestandsaufnahme und der Förderlandkarte in flankierenden öffentlichen Fachveranstaltungen, um die Bedarfe der Stakeholder einzubeziehen, Möglichkeiten zur Diskussion zu geben und Serviceangebote und Analyseergebnisse vorzustellen; 5) die Erarbeitung von Reform- und Weiterentwicklungsoptionen in einem Abschlussbericht.
Am 9. März 2026 fand an der Deutschen Sporthochschule Köln die Abschlusstagung des Projekts „SpoFo-Map – Förderlandkarte des Leistungssports“ statt. Ziel der Veranstaltung war es, die Ergebnisse des Forschungsprojekts vorzustellen und Perspektiven für eine Weiterentwicklung der deutschen Athletenförderung zu diskutieren. Das Projekt beschäftigt sich seit April 2025 mit der Frage, wie die Vielzahl an Förderangeboten im deutschen Leistungssport transparenter und besser zugänglich gemacht werden kann.
Hintergrund und Zielsetzung des Projekts
Die deutsche Spitzensportförderung ist durch ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Akteure geprägt. Bund, Länder, Kommunen, Sportverbände, Stiftungen und weitere Organisationen stellen unterschiedliche Förderprogramme bereit, deren Vielfalt historisch gewachsen ist. Sie spiegeln damit die föderalen Strukturen des deutschen Sportsystems wider. Gleichzeitig führt die Vielzahl an Förderinstitutionen und -angeboten jedoch dazu, dass Förderangebote nur schwer zu überblicken sind.
Vor diesem Hintergrund wurde im Rahmen der Spitzensportreform die Entwicklung einer sogenannten Förderlandkarte verabschiedet. Ziel ist es, erstmals eine systematische Übersicht über bestehende Förderangebote für Leistungssportlerinnen und -sportler zu schaffen. Das Projekt „SpoFo-Map“ greift diesen Auftrag auf und verfolgt mehrere zentrale Ziele: eine Bestandsaufnahme der Förderangebote im deutschen Spitzensport, die Aufbereitung dieser Informationen in einer interaktiven Webanwendung sowie die Entwicklung von Reform- und Weiterentwicklungsvorschlägen für das Fördersystem.
Kooperationspartner im Rahmen der Service-Forschung des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp) sind Athleten Deutschland und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), während die wissenschaftliche Umsetzung durch das Institut für Europäische Sportentwicklung und Freizeitforschung der Deutschen Sporthochschule Köln erfolgte. Die Projektlaufzeit beläuft sich dabei auf den Zeitraum von April 2025 bis März 2026. Das Projektteam des IESF wird geleitet von Univ.-Prof. Dr. Jürgen Mittag. Die Umsetzung des Projekts verantwortet Dr. Maximilian Seltmann in Zusammenarbeit mit Ivana Pranjić.
Die Förderlandkarte als zentrales Projektergebnis
Ein zentrales Ergebnis des Projekts ist die Entwicklung einer interaktiven digitalen Förderlandkarte in Anlehnung an Förderdatenbanken und -finder in anderen Sektoren oder gesellschaftlichen Bereichen. Diese eigens konzipierte und entwickelte Webanwendung bündelt erstmals Informationen über zahlreiche Förderprogramme im deutschen Leistungssport und stellt sie Athletinnen und Athleten in strukturierter und einfach zugänglicher Form zur Verfügung. Die Anwendung ermöglicht es, anhand verschiedener Kriterien – etwa Kaderstatus, Alter, Wohnort oder Bildungsstand – passende Förderangebote zu identifizieren, bildet darüber hinaus aber auch für alle im Sport Beteiligten eine Gesamtförderlandschaft ab. Neben finanziellen Unterstützungsleistungen werden auch Programme zur beruflichen Qualifizierung, spitzensportfreundliche Beschäftigungsmöglichkeiten oder weitere Unterstützungsangebote sichtbar gemacht. Ziel ist es, Athletinnen und Athleten eine bessere Orientierung im komplexen Fördersystem zu ermöglichen und den Zugang zu relevanten Fördermöglichkeiten zu erleichtern.
Die Förderlandkarte ist in ihrem aktuellen Entwicklungsstadium öffentlich zugänglich und kann online unter http://foerderlandkarte-sport.de/ aufgerufen werden. Eine Finalisierung und Übergabe an die Kooperationspartner erfolgen nach dem 31.03.2026. Die Tagung bot den Anwesenden die Möglichkeit, Anregungen zur Finalisierung und nachhaltigen Weiterentwicklung der Anwendung zu geben, welche für die Finalisierung bis Ende März sowie perspektivisch relevant sein können.
Zentrale Erkenntnisse des Abschlussberichts
Im Rahmen der Abschlusstagung wurde außerdem der Abschlussbericht des Projekts vorgestellt, der eine analytische Bewertung der bestehenden Förderstrukturen enthält. Die Analyse zeigt, dass das deutsche System der Athletenförderung stark fragmentiert ist. Verschiedene Förderinstitutionen haben ihre Programme unabhängig voneinander entwickelt, wodurch teilweise überlappende Zuständigkeiten und unterschiedliche Zugangskriterien entstanden sind. Diese Struktur führt dazu, dass Förderangebote nur selten aufeinander abgestimmt sind und aus Athletenperspektive schwer zu überblicken sein können. Es besteht deshalb ein hoher Orientierungsaufwand, welcher u.a. durch Laufbahnberatungen an den Olympiastützpunkten oder durch Verbände und Trainer gewährleistet wird. Gleichzeitig wurde betont, dass die föderale Organisation des Sportsystems auch Vorteile bietet, etwa durch eine breite institutionelle Einbindung und unterschiedliche Unterstützungsangebote auf verschiedenen Ebenen, welche das Gesamtvolumen der Athletenförderung verglichen mit einem zentralisierten System potentiell erhöht.
Diskussion: „Vom Dschungel zur blühenden Förderlandschaft?“
Ein wesentlicher Bestandteil der Abschlusstagung war die Podiumsdiskussion zur Zukunft der Athletenförderung. Vertreterinnen und Vertreter aus Sport, Politik und Wissenschaft diskutierten dabei zentrale Herausforderungen und mögliche Reformansätze der bestehenden Förderstrukturen. Im Mittelpunkt standen Fragen der Ausgestaltung und Zielgenauigkeit der Förderung, der Zugang zu Unterstützungsangeboten in unterschiedlichen Karrierephasen sowie die Berücksichtigung der vielfältigen Lebenssituationen von Athletinnen und Athleten. Dabei wurde unter anderem die Rolle des sozialen Umfelds, insbesondere im Nachwuchsbereich, ebenso thematisiert wie strukturelle Fragen der Kaderförderung und der Verteilung vorhandener Ressourcen. Insgesamt verdeutlichte die Diskussion den Bedarf nach stärker differenzierten und bedarfsorientierten Fördermodellen, die sportliche Entwicklung und soziale Rahmenbedingungen gleichermaßen berücksichtigen.
Ausblick
Die Abschlusstagung machte deutlich, dass die Förderlandkarte einen wichtigen Beitrag zur Transparenz im deutschen Leistungssportsystem leisten kann. Durch die Bündelung von Informationen über Förderprogramme entsteht erstmals ein strukturierter Überblick über die vielfältigen Unterstützungsangebote für Athletinnen und Athleten. Gleichzeitig wurde in der Diskussion deutlich, dass eine nachhaltige Verbesserung der Athletenförderung nicht allein durch ein Informationsinstrument erreicht werden kann. Vielmehr erfordert sie eine kontinuierliche Weiterentwicklung der bestehenden Strukturen sowie eine stärkere Abstimmung zwischen den verschiedenen Akteuren im deutschen Sportsystem. In diesem Zusammenhang wird auch die geplante Einrichtung einer neuen unabhängigen Agentur für Spitzensport als möglicher Impuls für strukturelle Veränderungen im Fördersystem betrachtet.
Ein Audio-Beitrag zur Förderlandkarte und zur Diskussion um die deutsche Sportförderung ist auf der Seite desDeutschlandfunk abrufbar: https://www.deutschlandfunk.de/sportfoerderung-foerderlandkarte-soll-mehr-klarheit-bringen-100.html









