Antiestrogene

Antiestrogene (synonym Antiöstrogene, Östrogen-Antagonisten) sind Substanzen, die der Wirkung des weiblichen Sexualhormons Östrogen entgegenwirken. Sie werden heutzutage medizinisch überwiegend zur Behandlung von Brustkrebs bei Frauen eingesetzt.

Chemisch handelt es sich bei den Antiestrogenen um Derivate des Diethylstilbestrols (Strukturformel s. Abb.1).

Diethylstilbestrol wurde wegen seiner estrogenen Wirkungen bei drohendem Abort während der Schwangerschaft und als "Pille danach" eingesetzt. Wegen Anomalien des Genitalbereiches bei männlichen und weiblichen Nachkommen sowie wegen der Bildung von Karzinomen z.B. im Bereich der Vagina ist es nicht mehr zugelassen.

Beispiele für therapeutisch eingesetzte Antiestrogene sind Tamoxifen (Abb.2) und Clomifen (Abb.3).





Bedeutung als Dopingmittel

Antiestrogene wurden erstmals ab dem 1.4.2000 vom IOC als Dopingsubstanzen verboten. Antiestrogene werden zum einen bei der missbräuchlichen Anwendung von Anabolika eingesetzt. Mit der gleichzeitigen Gabe bei der missbräuchlichen Anwendung von Anabolika sollen Nebenwirkungen der Anabolika wie Gynäkomastie (unnatürliches Brustwachstum) entgegengewirkt werden. Es wird angenommen, dass bei hohen Dosierungen von Anabolika wie Testosteron und Nortestosteron, diese zum Teil in Estrogene umgewandelt werden und Gynäkomastie auslösen können.

Zum anderen sollen Antiestrogene in einem geringen Umfang zu einer Erhöhung der Testosteronausschüttung führen. Hierzu finden sich Hinweise in so genannten Untergrund-Handbüchern für Bodybuilder. So soll infolge einer Rezeptorblockierung für Östrogene in der Hypophyse ein Anstieg der LH- und FSH-Ausschüttung ausgelöst werden, was beim Mann zu einer Stimulation der Testosteronproduktion führt. Dieser Effekt soll demnach besonders von Athleten am Ende einer Anabolika-Kur ausgenutzt werden, um die durch die exogene Hormonzufuhr verminderte Eigenproduktion von Testosteron schneller wieder in Gang zu bringen. 

Nebenwirkungen

Tamoxifen (Auszug aus der Roten Liste) 

Haut
- Hautausschlag (Überempfindlichkeitsreaktionen)

Muskel und Skelett
a Knochenschmerzen und Schmerzen im Bereich des erkrankten Gewebes (gelegentlich)

Nervensystem u. Psyche
b Benommenheit

Augen
c Sehstörungen (Katarakte, Hornhautveränderungen und/oder Retinopathien) (Einzelfälle)

Gastrointestinaltrakt
d Gastrointestinale Störungen (z. B. Übelkeit, Erbrechen)

Leber, Galle
e Änderungen der Leberenzymwerte, Leberfunktionsstörungen (in Einzelfällen: Cholestase, Hepatitis, Ikterus; in einem Fall: Agranulozytose mit Leberzellnekrose)

Elektrolyte, Stoffwechsel, Endokrinium
f Hitzewallungen
g Flüssigkeitsretention
h Hyperkalzämie (selten) (b. Patientinnen mit Knochenmetastasen)
i Pruritus vulvae
j Vaginalblutungen (selten)
k Endometriumveränderungen: Endometriumhyperplasie, Endometriumpolypen, Endometriumkarzinom (Einzelfälle)
Hinweis: Blutungen in der Postmenopause und irreguläre Blutungen in der Prämenopause fachärztlich abklären!
l Zyklusveränderungen bis hin zu völliger Unterdrückung der Menstruation (bei prämenopausalen Patientinnen), Ovarialzysten (gelegentlich)

Gefäße
m Thromboembolien (vereinzelt)

Blut
n Passagere Leukozytopenie, Thrombozytopenie (meist mit Werten von 80 +49 00 90 000/l, selten auch darunter, ohne Hämorrhagien)
o Agranulozytose mit Leberzellnekrose (Einzelfall)

Immunsystem
p Überempfindlichkeitsreaktionen, z. B. Hautausschlag (in Einzelfällen: Erythema multiforme, Stevens-Johnson-Syndrom, bullöser Pemphigus)


Clomifen (Auszug aus der Roten Liste)

Haut
a Allergische Hauterscheinungen (selten)
b Passagerer Haarausfall (selten)

Nervensystem u. Psyche
c Kopfschmerzen (gelegentlich, reversibel)
d Nervosität, Schlaflosigkeit, Benommenheit, Depressionen, Müdigkeit (selten)

Augen
e Lichtempfindlichkeit (selten)
f Sehstörungen (gelegentlich); Augenflimmern, entoptische Erscheinungen wie Fleckensehen oder Lichtblitzen (Einzelfälle) (reversibel)

Gastrointestinaltrakt
g Unterbauchbeschwerden, Übelkeit und Erbrechen (gelegentlich, reversibel)
Elektrolyte, Stoffw., Endokrinium
- Salzretention (s. n Gefäße)
h Gewichtszunahme (selten)
i Polyfollikuläre Reaktion (Mehrlingsschwangerschaften möglich), ausnahmsweise Übergang in Überstimulationssyndrom. Im Extremfall gehen ausgeprägte ovarielle Zysten mit Aszites- und Hydrothoraxbildung einher.
j Vergrößerung der Ovarien (häufig)
k Brustspannen (gelegentlich, reversibel)
l Verstärkte Regelblutungen (selten)
m Hitzewallungen (häufig)

Gefäße
n Erhöhte Gefahr thromboembolischer Ereignisse bei schwerer Überstimulierung der Ovarien durch Salzretention, Hämokonzentration und erhöhte Thrombozytenaggregation

Blut
- Hämokonzentration, erhöhte Thrombozytenaggregation (s. n Gefäße)
Urogenitaltrakt
o Häufige Miktion (selten)

 

 

 

Institut für Biochemie der Deutschen Sporthochschule Köln, 16.12.2001, Update 19.09.2005