Cocain

Cocain ist nicht nur als Dopingsubstanz verboten. Der Handel und Besitz ist auch gesetzlich nicht erlaubt. Foto: iStock.com/SylvieBouchard

Definition

Cocain ist ein Alkaloid (Abb.1), das von Erythroxylum coca stammt, einem im nördlichen Südamerika heimischen Strauch. Die Blätter des COCA-Strauches enthalten Cocain. Wegen ihrer aktivierenden Wirkung auf die Psyche werden sie seit mehr als einem Jahrtausend gekaut.

Abb.1 Strukturformel von Cocain und Metabolismus 

Geschichte

Coca galt in der Inka-Kultur als ein Geschenk des Sonnengottes. Mitte des 19. Jahrhunderts gelangten Coca-Blätter nach Europa. 1860 gewann der deutsche Chemiker Albert Niemann reines Cocain aus Coca-Blättern. Sigmund Freud empfahl Cocain (1884) als sogenanntes "Zaubermittel".

Bedeutung als Dopingmittel

Cocain wird als verbotene Dopingsubstanz in der Gruppe der Stimulanzien aufgeführt. Der Umgang (Handel und Besitz) mit Cocain ist nach dem Betäubungsmittelgesetz verboten.

Wirkungen

Cocain hemmt die Zellmembrantransporter für Noradrenalin, Dopamin und Serotonin. Erst in hohen Konzentrationen blockiert es spannungsabhängige Na+-Kanäle und wirkt dadurch als Lokalanästhetikum.

Man unterscheidet zwischen zentralnervösen und peripheren Wirkungen:

Zentralnervöse Wirkungen:

  • Verminderung der Müdigkeit
  • Gefühl von Wohlsein und Leistungsfähigkeit
  • Zunahme angenehmer Gefühle
  • Unterdrückung von Hunger

Die Euphoriezunahme wird mit der erhöhten Dopaminwirkung erklärt.
Gegen die Euphorie-Wirkung entwickelt sich rasch Toleranz.

Zentralnervöse Nebenwirkungen

  • Unruhe und Angst
  • Halluzinationen (hohe Dosen)
  • Krämpfe
  • Psychosen
  • Psychische Abhängigkeit
  • Entzugssymptome z.B. Depressionen

Periphere Wirkungen (Kreislaufwirkungen)

  • Wirkung des Noradrenalins im sympathischen Gewebe wird erhöht
  • Zunahme der Herzfrequenz und Blutdruckanstieg
  • Zentralnervöse Erhöhung des Sympathikotonus

Nebenwirkungen

  • Gefäßrupturen durch Blutdruckanstieg
  • Vasokonstriktion und Herzinfarkt
  • Plötzlicher Tod durch Kammerflimmern und Myokardinfarkt

Aufnahme und Wirkungsstärke

Injektion ins Blut > Inhalation > Magen-Darm-Trakt

Missbrauch von Cocain

  • geschnupft als Hydrochlorid (2 mg/kg)
  • intravenöse Injektion (0,5 mg/kg)
  • als freie Base "Crack" geraucht (1 mg/kg)

Behandlung bei Vergiftungen ist schwierig, wobei Maßnahmen zur Förderung der Durchblutung im Vordergrund stehen. Dabei können folgende Pharmaka eingesetzt werden: Nitrovasodilatatoren, Calcium-Antagonisten, Adrenozeptor-Antagonisten.  

Nachweis

Cocain kann wie alle übrigen Stimulanzien sehr gut in Urinproben nachgewiesen werden. Darüber hinaus sind die Cocain-Metaboliten Benzoylecognin und Methylecognin, die im Stoffwechsel durch Hydrolyse entstehen, ebenfalls sehr gut detektierbar.

Positive Befunde der letzten zehn Jahre in den weltweit WADA akkreditierten Laboratorien (WADA Statistik der A-Proben):

JahrAnzahl
200348
200475
200585
200685
2007101
200877
200960
201065
201140
201250

Das sind 686 (0.051%) Befunde bei ca. 1,35 Mill. Wettkampfkontrollen in diesem zehnjährigen Zeitraum. Im Vergleich dazu lag die Anzahl positiver Befunde mit den Stimulanzien Amphetamin bei 1.493 und Ephedrin bei 502.