Metenolon

Metenolon zählt zu den am Häufigsten missbrauchten Dopingmitteln und wird in der Trainingsphase zum Muskelaufbau eingesetzt. Foto: iStock.com/Rocky89

Definition

Metenolon (Abb.1) ist ein anaboles Steroidhormon, das erstmals 1960 synthetisiert wurde. Es ist ein 5-Alpha-Steroid und hat im Gegensatz zu Testosteron eine Methylgruppe in Position C1 des Steroidgrundgerüsts sowie eine Doppelbindung zwischen C1-C2. 

Abb.1 Strukturformel von Metenolon

Metenolon wird oral als Metenolonacetat (Abb.2) bzw. 

Abb. 2

intra-muskulär (i.m.) als Metenolonenanthat (Abb.3) appliziert. 

Abb. 3

In Deutschland wurde Metenolon von der Firma Schering als Primobolan® S (Metenolonacetat, 25 mg pro Tablette) und als Primobolan® Depot (Metenolonenanthat, 100 mg in 1 ml Injektionslösung) vertrieben. Heute ist es nicht mehr im Handel. 

Bedeutung als Dopingmittel

Metenolon wird im Sport als Steroidhormon neben Testosteron, Nandrolon, Stanozolol und Metandienon mit am Häufigsten missbraucht. Es ist wie alle anabol androgenen Steroidhormone ein klassisches Dopingmittel, das bei missbräuchlicher Anwendung in der Trainingsphase zum verbesserten Muskelaufbau eingesetzt wird.

Im Jahr 2000 wurden weltweit bei 117.314 Dopingkontrollen insgesamt 48 positive Befunde mit Metenolon registriert (IOC-Statistik der IOC-akkreditierten Laboratorien). Im Jahr 2012 konnte 38 positiven Befunde für Metenolon bei insgesamt ca. 267.645 Kontrollen weltweit ermittelt werden. 

Wirkung & therapeutische Anwendung

Aplastische Anämie (Panzytopenie): starke Verminderung der Blutzellen aller Systeme, im Wesentlichen durch eine Verminderung des blutbildenden Knochenmarks bedingt. Die aplast. Anämie kann angeboren oder erworben sein. Letzteres kann durch Einnahme best. Medikamente, durch Kontakt mit Insektiziden, Infektionen, Schwangerschaft oder durch immunologische Störungen ausgelöst werden. 

Gegenanzeigen: Prostatakarzinom, Prostataadenom, Mammakarzinom beim Mann, Schwangerschaft, Stillzeit, vorausgehende und bestehende Lebertumoren, Leberfunktionsstörungen

Nebenwirkungen

Bei Frauen: Virilisierungserscheinungen, Haarausfall, Akne, vermehrter Haarwuchs, Heiserkeit, irreversible Vertiefung der Stimme und Menstruationsstörungen.

Bei Männern: Hemmungen der Spermatogenese, Hypertrophie der Prostata.

Bei Knaben: vorzeitige Pubertätszeichen

Bei Jugendlichen kann die Knochenreifung beschleunigt werden.
s.a. Rubrik Nebenwirkungen/Anabolika

Metabolismus

Die Metenolonester (Metenolonacetat bzw. -enanthat) werden im Blut relativ schnell hydrolysiert (durch Esterasen), so dass "freies" Metenolon entsteht, das die eigentliche anabole Wirkung auslösen kann. Metenolon selber wird im menschlichen Organismus entsprechend der Abb.4 verstoffwechselt, wobei die Oxidation der 17ß-Hydroxygruppe zum 17-Ketosteroid sowie die Reduktion der 3-Ketogruppe zur 3a-Hydroxygruppe vergleichbar zum Testosteronstoffwechsel sind. 

Abb. 4 Metabolismus von Metenolon

Dosierung

Metenolonacetat: 2 – 3 mg pro kg Körpergewicht/Tag, das entspricht bei einem Körpergewicht von 70 kg 6 – 8 Tabletten täglich.
Metenolonenanthat: 1 Ampulle (100 mg) intra-muskuläre Injektion (i.m.) alle 2 Wochen, zur Weiterbehandlung nach gutem Anfangserfolg alle 3 – 4 Wochen.
 

Weiterführende Informationen

  • Fachinformationen zu Metenolon, Bundesverband der pharmazeutischen Industrie e.V. Fachinfo-Service, 88322 Aulendorf, 2001 

Nebenwirkungen von Anabolika