Methylphenidat (Ritalin®)

Mehr Leistung fürs Gehirn: Methylphenidat, auch unter dem Handelsnamen Ritalin bekannt, verbessert insbesondere die Konzentrationsfähigkeit. Aus diesem Grund wird es auch Kindern mit einem sog. ADHS-Syndrom verschrieben. (Foto: iStock.com/agsandrew)

Definition

Methylphenidat (Abb.1) ist der Wirkstoff der Medikamente Ritalin® und Medikinet®. Methylphenidat ist nach der Betäubungsmittelverordnung ein verschreibungspflichtiger Wirkstoff. 

Bedeutung als Dopingmittel

Methylphenidat zählt nach den Dopingregeln des IOC, der WADA und der nationalen und internationalen Sportfachverbände zur Gruppe der Stimulanzien und ist somit nur für den Wettkampf nicht zugelassen. Im Jahr 2000 wurden weltweit insgesamt nur 3 positive Dopingbefunde mit Ritalin berichtet. Im Jahr 2012 waren es 47 positive Befunde.  

Abb.1 Strukturformel von Methylphenidat

Wirkungen

Methylphenidat ist ein Psychostimulanz. Es besitzt analog zu Amphetamin eine Phenylethylaminstruktur (Abb.1). Die Wirkungen, die im Tierexperiment aufgezeigt werden konnten, sind analog zu Amphetamin indirekt, wobei es zu einer Freisetzung von Noradrenalin aus intraneuronalen Speichern sowie zu einer Hemmung der Wiederaufnahme von Noradrenalin in die Speicherneurone kommt.

Diese indirekte sympathomimetische Wirkung kann zu Blutdruckanstieg und Pulsfrequenzbeschleunigung führen. Die zentralstimulierenden Wirkungen sind eine Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit sowie der Leistungs- und Entscheidungsbereitschaft. Eine Unterdrückung von Müdigkeit und körperlicher Abgeschlagenheit kann bei missbräuchlicher Anwendung zur Falscheinschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit führen. Damit verbunden ist ein Zusammenbruch physiologischer Funktionssysteme. In extremen Situationen und bei Überdosierung kann dieses bis zum Tod führen. 

Medizinische Anwendung: Hyperkinetische Verhaltensstörungen (ADHS, Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung) bei Kindern im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie und bei zwanghaften Schlafanfällen während des Tages (Narkolepsie), ebenfalls im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie.

Zu der Anwendung von Methylphenidat bei Kindern mit hyperkinetischen Verhaltensstörungen gibt es allerdings sehr viele kritische Meinungen.

Dass die Anwendung von Methylphenidat, insbesondere bei Kindern, mit Vorsicht erfolgen soll, beschreiben auch die entsprechenden Fachinformationen zu den Präparaten Ritalin® und Medikinet ®. Hierzu der folgende Auszug: Ritalin® ist nicht in allen Fällen einer hyperkinetischen Verhaltensstörung indiziert und seine Anwendung sollte nur auf der Grundlage einer vollständigen Anamnese und Exploration des Kindes in Betracht gezogen werden.

Die Entscheidung, Ritalin® zu verschreiben, sollte von der ärztlichen Beurteilung der Chronizität und des Schweregrades der Symptome in Relation zum Alter des Kindes abhängig gemacht werden. Die Verschreibung sollte nicht allein aufgrund einzelner Verhaltensmerkmale erfolgen. Stehen die Symptome mit akuten Stressreaktionen in Verbindung, ist Ritalin® im Allgemeinen nicht indiziert.

Nebenwirkungen

Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit und Magenbeschwerden;

Bei Kindern mit hyperkinetischen Verhaltensstörungen wurden folgende Nebenwirkungen beobachtet: Übererregbarkeit, Müdigkeit, Traurigkeit,
Ängstlichkeit, Weinerlichkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Gewichtsverlust, Mundtrockenheit, Durchfall und Verstopfung; in Einzelfällen psychotische Reaktionen;

Bei Erwachsenen mit Narkolepsie: Kopfschmerzen, Konzentrationsmangel, Geräuschempfindlichkeit, Mundtrockenheit, Herzjagen, Herzklopfen, ventrikuläre Rhythmusstörungen, Veränderungen (meist Erhöhung) des Blutdrucks und Schwitzen, gelegentlich kommen Unruhe, Übererregbarkeit, Aggressivität, Verfolgungsideen, Angst, Entzündungen der Mundschleimhaut und Überempfindlichkeitsreaktionen vor, in Einzelfällen: Entzündung oder Verschluss von Hirngefäßen.

Methylphenidat kann die Krampfbereitschaft erhöhen. Bei plötzlichem Absetzen können Rebound-Phänomene wie erhöhtes Schlafbedürfnis, Heißhunger, Verstimmungen, Depression, psychotische Reaktionen und
Kreislaufregulationsstörungen auftreten.

Weiterführende Informationen

Studie zu Nachweiszeiten von Ritalin®