Moschushirsch - Moschusdrüsensekrete

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 2011 in Deutschland sollen bei positiven Befunden mit endogenen Steroidhormonen die betroffenen Athletinnen angegeben haben, Extrakte (Sekrete) von Moschusdrüsen ostasiatischer Moschushirsche verwendet zu haben.  

Was sind Moschushirsche?

Moschushirsche (engl. musk deer) wurden ursprünglich als Unterfamilie von Hirschen betrachtet, während sie heutzutage als eigenständige Familie von Hirschen klassifiziert werden. Moschushirsche leben in Gebirgen in einer Höhe vorzugsweise zwischen 2500 und 3500 Metern. Bekannt sind Arten im Himalaya (Moschus leucogaster) sowie in verschiedenen Gebirgen in Korea, China (Moschus berezovskii), Sibirien (Moschus moschiferus), Kasachstan und der Mongolei.

Was sind Moschusdrüsen?

Die Moschusdrüse besitzt nur das männliche Tier und befindet sich vor den Geschlechtsteilen. Die Drüse gibt ein intensiv riechendes bräunliches Sekret ab. Während der Brunftzeit markiert der männliche Hirsch damit sein Revier. Die Sekrete der Moschusdrüse (Moschus) werden bei der Parfümherstellung als auch in der traditionellen Chinesischen Medizin verwendet.

Durch den hohen Marktwert von Moschus und eine rücksichtslose Bejagung sind die Bestände der Tiere extrem gefährdet. So sollen für die traditionelle Gewinnung von einem Kilo natürlichem Moschusdrüsenextrakt 160 männliche Moschushirsche getötet werden.

Was enthalten Moschusdrüsensekrete?

Moschusdrüsen enthalten neben dem wichtigsten Duftstoff Muscon mit einem Anteil von 0,5 bis 2% einen hohen Anteil an Lipiden. Über die chemischen Bestandteile der Lipidfraktion von Moschusdrüsen bei Moschushirschen wurde in zwei Publikationen aus den Jahren 1975 und 1987 berichtet [1, 2]. Danach enthalten die Drüsensekrete einen hohen Anteil an Steroidhormonen. Sokolov et al. 1987 identifizierten die acht intensivsten Steroidhormone (Abb.1) in den Moschusdrüsen sibirischer Moschushirsche (Moschus moschiferus).

Fig. 1 aus Sokolov et. al.1987

(I) 5α-Cholestan, (II) Cholesterol, (III) Androsteron, (IV) 3α-Hydroxyandrost-4-en-17-on, (V) Etiocholanolon, (VI) 5α-Androstan-3ß,17α-diol, (VII) 5ß-Androstan-3α,17ß-diol und (VIII) 5ß-Androstan-3α,17α-diol.

Von diesen Steroiden stehen die Substanzen III und VI explizit auf der Dopingliste der Welt Anti-Doping Agentur (WADA) unter der Gruppe S.1. 1.b. endogene anabol androgene Steroidhormone (AAS).

Bedeutung als Dopingmittel

Kann die Anwendung von Moschusdrüsensekreten zu positiven Dopingbefunden führen?

Anwort: Ja

Beim Dopingnachweis von endogenen Steroiden aus Urinproben wird nach Auffälligkeiten im Steroidprofil bei erhöhten Testosteron/Epitestosteron Quotienten und bei erhöhten Konzentrationen der Steroide Androsteron, Etiocholanolon, Testosteron und Epitestosteron eine isotopenmassenspektrometrische Analyse der Steroide vorgenommen. Dabei werden als Zielanalyten Androsteron (III), Etiocholanolon (V), 5α-Androstandiol und 5ß-Androstandiol (VII) als auch Testosteron analysiert.

Somit ist es nach der Anwendung von Moschusdrüsensekreten ostasiatischer Moschushirsche durchaus möglich, dass nach oraler Aufnahme der unter Abb.1 beschriebenen Steroide nachhaltige Veränderungen der Isotopenwerte der normalerweise endogen produzierten und urinär ausgeschiedenen Steroide Androsteron (III), Etiocholanolon (V) und 5ß-Androstandiol (VII) analysiert werden, die zu einem positiven Befund führen.

Diese drei endogenen Steroide sind aber auch Metaboliten sowohl von Testosteron als auch von Prohormonen des Testosterons. Ihre Isotopenwerte sind bei einer exogenen Anwendung von Testosteron bzw. von Prohormonen des Testosterons deutlich verändert und ermöglichen somit den Nachweis einer verbotenen Anwendung endogener Steroidhormone.

Literatur

[1] Sokolov, VE; Kagan, MZ; Vasilieva, VS, et al. Musk Deer (Moschus moschiferus) - Reinvestigation of main Lipid Components from Preputial Gland Secretion, Journal of Chemical Ecology Volume: 13 Issue: 1 (1987) 71 83

[2] Do, JC, Kitatsuii, E and Yohii, E. Study on the components of musk. I. Ether soluble components. Chem Pharm Bull, 23 (1975) 629-635.

 

Institut für Biochemie der DSHS Köln, letztes Update 21.7.2011