Amphetamin

Amphetamin hat eine aufputschende Wirkung und gilt nicht nur im Radsport als eines der bekanntesten Dopingmittel.

Defintion

Amphetamin (Abb.1) ist eine verbotene Dopingsubstanz, die zur Gruppe der Stimulanzien gezählt wird. Amphetamin gilt als Betäubungsmittel. Handel und Besitz von Amphetamin sind eingeschränkt. Es darf nur zu medizinischen Zwecken verwendet werden. Allerdings ist in Deutschland derzeit kein Medikament mit Amphetamin im Handel.

Abb.1 Strukturformel von Amphetamin

Geschichte - Die Entwicklung zur Entdeckung des Amphetamins

Amphetamin wurde mit der Absicht entwickelt, asthmatische Symptome zu lindern. Bei Asthma führt eine Verengung der Atemwege zu einer anfallartigen Atemnot. Eines der wirksamsten Mittel zur Behandlung des Asthmas war das Adrenalin.

Adrenalin ist ein Hormon, das unter Stressbedingungen vermehrt im Nebennierenmark gebildet und in die Blutbahn ausgeschüttet wird.
Adrenalin beschleunigt den Herzschlag, erhöht die Muskelkraft und erweitert die Bronchiolen, was ein tieferes und besseres Atmen erlaubt.

Leider kann Adrenalin aber nicht oral verabreicht werden, da es im Magen- und Darmtrakt relativ schnell abgebaut wird. Daher wurde ein Derivat gesucht, das ausreichend stabil und aus dem Magen-Darm-Trakt gut resorbiert wird.
Dieses gelang in den zwanziger Jahren mit der Isolierung von Ephedrin aus der Pflanze "ma huang", die in China vorkommt. Die Wirkung des Ephedrins war der des Adrenalins sehr ähnlich. Die Ähnlichkeit beider Wirkstoffe ist in den folgenden Strukturformeln (Abb.2) im Vergleich zu Adrenalin und Noradrenalin dargestellt.

Da die chinesische Pflanze „ma huang“ sehr selten war, blieb das Problem im Grunde bestehen. Mitte der dreißiger Jahre gelang es Gordon Alles in Los Angeles eine Verbindung, die er Amphetamin nannte, zu synthetisieren. Unter dem Handelsnamen Benzedrin kam das Amphetamin in Form von Inhalatoren verpackt auf den Markt. Der Vorteil hierbei war, dass Amphetamin direkt in die Lungen inhaliert werden konnte. 

Abb.2 Ähnlichkeiten der Strukturformeln von Adrenalin (1), Noradrenalin (2), Ephedrin (3)

Bedeutung als Dopingmittel

Amphetamin ist eine der bekanntesten Dopingsubstanzen, dessen Missbrauch im Sport in den 60er Jahren zu spektakulären Todesfällen führte (s.a.Todesfälle in Verbindung mit Amphetamin). Das Internationale Olympische Komitee als auch der Internationale Radsportbund führten daraufhin 1967 die ersten Anti-Doping-Regeln ein.

Da Amphetamin im Wesentlichen als Dopingmittel zur Leistungsverbesserung im Wettkampf eingesetzt wurde und auch heute noch missbraucht wird, beschränken sich die meisten Sportverbände darauf, Amphetamin ausschließlich für den Wettkampf zu verbieten. Der Internationale Radsportbund hatte als einziger Sportverband dieses Verbot bis Ende 2003 auch auf die Phase außerhalb des Wettkampfes ausgedehnt, so dass bei den sogenannten "Trainingskontrollen" im Radsport auch Stimulanzien überprüft wurden.

Der Grund hierfür lag in der Annahme, dass Stimulanzien im Radsport auch während des Trainings verwendet wurden, mit der Absicht extrem intensive und umfangreiche Trainingsbelastungen besser bewältigen zu können. Mit Anpassung an den Anti-Doping-Code der WADA (Welt-Anti-Doping-Agentur) seit 2004 sind Stimulanzien nicht mehr auf der Verbotsliste für die Zeit außerhalb des Wettkampfes. 

Wirkungen

Man stellte schnell fest, dass Amphetamin die Schläfrigkeit verhinderte und eine ermüdete Person aufputschte. Amphetamin war in den Vereinigten Staaten besonds bei Studenten beliebt, um während der Vorbereitung auf Prüfungen das Schlafbedürfnis zu unterdrücken.

Die deutsche Wehrmacht versorgte ihre Piloten im Zweiten Weltkrieg mit einem amphetaminähnlichen Wirkstoff Metamphetamin (Pervitin), um sie während der Angriffe nächtelang wach zu halten. Auf der anderen Seite verteilten die Briten Amphetamintabletten an ihre Soldaten.

Die Wirkungen der Stimulanzien vom Amphetamintyp entsprechen im Wesentlichen denen der körpereigenen Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin (Catecholamine) und resultieren aus ihrer strukturellen Ähnlichkeit. Hierbei muss allerdings zwischen einer direkten und indirekten Wirksamkeit unterschieden werden.

Die direkte Wirkung zeigen Substanzen, die ähnlich wie die Catecholamine Hydroxygruppen am Phenylring aufweisen. Diese Derivate stimulieren dann die α- und ß-Rezeptoren der Zielzellen ähnlich wie die Catecholamine. Eine indirekte Wirkung zeigen dagegen Substanzen, die wie Amphetamin, keine Hydroxygruppen am Phenylring aufweisen. Die indirekte Wirkung wird dadurch vermittelt, dass die zeitliche Länge der Wirksamkeit der Catecholamine erhöht ist.

Catecholamine versetzen den Körper in die Lage, eine höhere Leistung zu vollbringen. Beispiele für ihre Wirkungen sind die Erweiterung der Bronchiolen (bessere Atmung und damit verbesserte O2-Aufnahme) und die Erhöhung der Herzkraft sowie der Herzfrequenz (verbesserter O2-Transport). In der Leber sowie in der Muskulatur wird Glycogen verstärkt zu Glucose abgebaut und in den Fettzellen werden Fette zu Fettsäuren gespalten. Sowohl Glucose als auch Fettsäuren liefern in der Muskelzelle die nötige Energie zur Aufrechterhaltung der körperlichen Arbeit.

Die Wirksamkeit der Substanzen vom Amphetamintyp ist wissenschaftlich nachgewiesen. Sie zeigen positive Effekte auf die körperliche Leistungsfähigkeit, insbesondere im ermüdeten Zustand.

Weiterführende Informationen

Literatur:

Forth, Henschler, Rummel, Starke: Lehrbuch der allgemeinen und speziellen Pharmakologie, 7.Auflage. Wissenschaftsverlag Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich, 1996.

Snyder SH: Chemie der Psyche - Drogenwirkung im Gehirn. Spektrum der Wisssenschaft, Heidelberg, 1988.

Links:

Nebenwirkungen des Amphetamins: siehe Nebenwirkungen/Stimulanzien

Analytischer Nachweis: siehe Analytik/Stimulanzien