Stimulanzien

Stimulanzien spielen u.a. im Radsport als Dopingmittel eine Rolle. Foto: iStock.com/Sparky2000

Definition

Zu den Stimulanzien zählen Substanzen wie Amphetamin, Metamphetamin, Cocain und Ecstacy (MDMA), die dem Betäubungsmittelgesetz unterstehen. Ephedrin, eine Substanz, die in vielen Hustenmitteln vorkommt, wird hier ebenfalls aufgeführt. Coffein, das oft im Alltag als Dopingsubstanz bezeichnet wird, ist seit dem 1.1.2004 (neues Reglement der WADA) nicht mehrverboten.

Ursprünglich sind Stimulanzien hierbei Verbindungen, die sich von ihrer Struktur her von den Catecholaminen Adrenalin und Noradrenalin ableiten (Biosynthese der Catecholamine). Als bekanntestes Stimulanz ist Amphetamin anzusehen, das historisch gesehen eines der ersten Stimulanzien gewesen ist, das therapeutisch einsetzbar war, wobei es im Wesentlichen die Wirkungen der körpereigenen Catecholamine Adrenalin und Noradrenalin vermittelt (s. auch chemische Struktur). Zur Gruppe der Stimulanzien werden aber auch Substanzen gezählt, deren stimulierende Wirkung nicht über die der körpereigenen Catecholamine Adrenalin und Noradrenalin vermittelt werden.

Einteilung

Eine Einteilung der Stimulanzien in Verbindungen vom Amphetamintyp und andere stimulierende Verbindungen wurde bis 2004 z.B. von der IAAF (Internationaler Leichtathletik-Verband) vorgenommen, wobei zwischen stark wirksamen Stimulanzien vom Amphetamintyp und weniger stark wirksamen Stimulanzien wie Ephedrin unterschieden wurde.

Die Welt Anti-Doping Agentur (WADA) sieht bei den Stimulanzien ebenfalls eine Unterscheidung vor, zwischen A) Nicht spezifizierten und B) Spezifizierten Substanzen.

Substanzen (Stimulanzien) der Gruppe B  können aufgrund ihrer leichten Verfügbarkeit und weiten Verbreitung in medizinischen Produkten u.U. unbeabsichtigt verwendet werden. Ein Dopingverstoß kann in diesem Fall zu einer reduzierten Sanktion führen (z.B. nur Disqualifikation vom Wettkampf und eine Sperre unterhalb von 2 Jahren). Bei der Anwendung aller anderen Stimulanzien, den sogenannten "Nicht spezifizierten" Stimulanzien, fordert die WADA eine zweijährige Sperre.

Liste der verbotenen Stimulanzen der WADA vom 1.1.2011

A. Nicht spezifizierte Stimulanzien
Adrafinil; Amfepramon; Amiphenazol; Amphetamin; Amphetaminil; Benfluorex; Benzphetamin; Benzylpiperazin; Bromantan; Clobenzorex; Cocain; Cropropamid; Crotetamid; Dimethylamphetamin; Etilamphetamin; Famprofazone; Fencamin; Fenetyllin; Fenfluramin; Fenproporex; Furfenorex; Mefenorex; Mephentermin; Mesocarb; Methamphetamin(d-); p-Methylamphetamine; Methylenedioxyamphe-tamin; Methylendioxymethamphetamin; Modafinil; Norfenfluramin; Phendimetrazin; Phenmetrazin; Phentermin; 4-Phenyl-piracetam (carphedon); Prenylamin; Prolintan. Eine Stimulanz, das nicht ausdrücklich gelistet ist, ist ein spezifiziertes Stimulanz 

B. Spezifizierte Stimulanzien
Adrenalin; Cathin; Ephedrin; Etamivan; Etilefrin; Fenbutrazat; Fencamfamin; Heptaminol; Isomethepten; Mevmetamphetamin; Meclofenoxat; Methylephedrin; Methylhexanamin (Dimethylpentylamin); Methylphenidat; Nikethamid; Norfenefrin; Octopamin; Oxilofrin; para-Hydroxy-amphetamin; Pemolin; Pentetrazol; Phenpromethamin; Propylhexedrin; Pseudoephedrin; Selegilin; Sibutramin; Strychnin; Tuaminoheptan und andere Substanzen mit ähnlicher chemischer Struktur oder ähnlichen physiologischen Wirkungen Stimulanzien.

Verbot auch außerhalb des Wettkampfes?

Aktuell: Nein

Bis 2004 hatte der Internationale Radsportbund (UCI) die stark wirksamen Stimulanzien (s.o. Nicht spezifizierte Substanzen) auch für die Phase außerhalb des Wettkampfes verboten. Nachdem die UCI das WADA-Reglement 2004 anerkannte und die WADA ein Verbot für Stimulanzien nur für den Wettkampf vorsah, hob die UCI das Verbot auf.

Für das Jahr 2006 plante die WADA allerdings stark wirksame Stimulanzien (Gruppe A) für die Phase außerhalb des Wettkampfes zu verbieten, was allerdings nicht umgesetzt wurde, da die Datenlage für einen möglichen Missbrauch dieser Stimulanzien außerhalb des Wettkampfes nicht vorlag.

Ab 2006 wurde deshalb ein analytisches Monitoringprogramm eingeführt, das eine Überprüfung von Stimulanzien außerhalb des Wettkampfes vorsieht. Anhand der Daten bis 2012 konnte keine Missbrauchstendenz von stark wirksamen Stimulanzien außerhalb des Wettkampfes beobachtet werden, weshalb ein Verbot nur für den Wettkampf gerechtfertigt ist.

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