Tetrahydrogestrinon (THG)

Geschichte

Mitte Oktober 2003 teilte der Direktor der neu gegründeten Anti-Doping-Agentur der USA (USADA, United States Anti-Doping Agency) Terry Madden mit, dass in einer A-Probe ein neues Steroid (Anabolikum) nachgewiesen wurde. Bei diesem Steroid handelt es sich um Tetrahydrogestrinon (THG), das bisher nicht bekannt war.

Die Weitergabe der Substanz durch einen Trainer an die USADA führte unter Mitarbeit des IOC/WADA akkreditierten Labors in Los Angeles zu der Identifizierung dieser Substanz (Abb.1).

THG ist kein medizinisches Produkt und es existieren keine Daten über Tierversuche, klinische Studien und über mögliche Nebenwirkungen der Substanz.

Bedeutung als Dopingmittel

Abb.1 Strukturformel von THG

THG wird als ein Designer-Steroid bezeichnet. Es wurde von Gestrinon ausgehend modifiziert, wobei mit Wasserstoff, wahrscheinlich unter Verwendung eines geeigneten Katalysators, vier Wasserstoffatome an die Ethinylgruppe an Position C-17 des Steroids addiert wurden (Abb.2) 

Abb.2 Synthese von THG

THG stand 2003 zwar namentlich nicht auf der Dopingliste des IOC und der WADA, die Verbindung ist jedoch eine verwandte Verbindung zu den Substanzen aus der Gruppe der anabol androgenen Steroidhormone. Dagegen ist Gestrinon selber auf der Liste ausgewiesen. Nach dem Reglement sind unter der Gruppe der anabol androgenen Steroidhormone ca. 50 verschiedene Anabolika namentlich aufgelistet, es folgt aber der Zusatz "und verwandte Verbindungen". Der Ausdruck "und verwandte Verbindungen" erfasst alle Substanzen, die eine ähnliche chemische Struktur oder ähnliche pharmakologische Wirkungen wie die beispielhaft aufgeführten anabol androgenen Steroidhormone aufweisen.

Mit der Dopingliste der WADA ab 1.1.2005 wird Tetrahydrogestrinon namentlich als verbotener Wirkstoff unter S1 (Anabol androgene Steroidhormone) ausgewiesen.