Cannabis

Cannabis spielt als Dopingmittel eine untergeordnete Rolle

Definition

Als Cannabis (Cannabis sativa) wird der Hanf bezeichnet. Von dieser Gattung sind am bekanntesten der Faserhanf und der indische Hanf. Der indische Hanf enthält zahlreiche Inhaltsstoffe, wobei von über 30 Cannabinoiden das delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) die wirksamste Verbindung darstellt.

Tetrahydrocannabinol (THC)

Cannabis wird in verschiedenen Formen gehandelt:

  • Haschisch (3-6% THC): Das Harz der Spitzen der blühenden weiblichen Pflanze
  • Marihuana (1-3% THC): Tabak, der aus den getrockneten Blättern und Blüten gewonnen wird.
  • Haschischöl (30-50% THC) 

Geschichte

Cannabis soll bereits bei den Chinesen (Kaiser Shen Nung 3. Jahrtausend v.Chr.) bekannt gewesen sein und gegen Krankheiten wie Beriberi und Malaria angewendet worden sein. Bei den alten Skythen in Kleinasien soll Cannabis gegen Krankheiten, aber auch bei Zeremonien für Verstorbene verwendet worden sein.

In Europa soll es im 18. Jahrhundert von französischen Soldaten nach einem Ägyptenfeldzug von Napoleon verbreitet und populär geworden sein. Die Droge verbreitete sich schnell über die ganze Welt.

Der Faserhanf hat geschichtlich gesehen eine wichtige Bedeutung als Rohstofflieferant für Seile, Textilien und sogar Papier. Bereits 8000 v.Chr. webte man in China Textilien aus Hanf. Heutzutage wird Hanf wieder verstärkt in der Textilproduktion verwendet, insbesondere da das Interesse für Kleidung aus Naturfasern zugenommen hat. Der Faserhanf enthält kaum THC.

Bedeutung als Dopingmittel

Die Anwendung von Cannabis führt eigentlich nicht zu einer Verbesserung sportlicher Höchstleistungen. Allerdings kann aufgrund der sedierenden (beruhigenden) Wirkung von Cannabis ein Athlet in gefährlichen Sportarten (z.B. Downhill Radfahren) riskobereiter in den Wettkampf gehen, was u.U. dann auch mit einem besseren Wettkampfergebnis einhergehen kann.

In Spielsportarten kann ein Sportler unter Cannabis eine Gefährdung der Mitspieler bewirken, da er aufgrund der sedierenden Wirkung eine Distanz zu der aktuellen Spielsituation erlebt und ein höheres Risiko in Zweikämpfen in Kauf nehmen kann. Vor allem in Motorsportarten, im Skiabfahrtslauf und ähnlich gefährlichen Sportarten stellt ein Cannabis konsumierender Athlet ein erhöhtes Unfallrisiko dar.

Darüber hinaus kommt es bei höherer Dosierung von Cannabis zu einer Verschlechterung der Koordination. Aus diesen Gründen wurde in vielen Sportarten Cannabis für den Wettkampf verboten.

Dopingreglement

Das IOC hatte ab Januar 1999 die Anwendung von Cannabis für alle Sportarten als Dopingsubstanz für den Wettkampf verboten. Die WADA hat dieses Verbot seit 2004 beibehalten.

Der Konsum größerer Mengen von Cannabis in der Trainingsphase kann allerdings dazu führen, dass selbst nach Wochen der Hauptmetabolit von THC (Massenspektrum THC-Carbonsäure) noch nachweisbar ist. Aufgrund der Möglichkeit, dass Athleten passiv THC aufnehmen, wenn sie sich in Räumen mit Personen aufhalten, die z.B. Marihuana rauchen, wurde ein Grenzwert von 15 ng/ml (s.a. neuer Grenzwert weiter unten) im Urin festgelegt und nur Proben mit höheren Konzentrationen wurden positiv bewertet.

Die lange Nachweisbarkeit von Cannabis bedeutet, dass Athleten grundsätzlich in der Trainingsphase kein Cannabis konsumieren sollten.

Neuer Grenzwert für Cannabis !!!

Am 13.Mai 2013 wurde von der Welt Anti-Doping Agentur (WADA) mitgeteilt, dass der Grenzwert für THC-Carbonsäure auf 150 ng/ml erhöht wird. Da Cannabis nur am Wettkampftag verboten ist, soll nach Mitteilung der WADA dieser Grenzwert ausreichen, um eine dopingrelevante Anwendung von THC am Wettkampftag nachweisen zu können.

Cannabis als Medikament

Tetrahydrocannabinol wird unter dem Namen Dronabinol als Wirkstoff z.B. in den
Vereinigten Staaten als Marinol® als Medikament vermarktet.

Dronabinol ist eine orale Form von Tetrahydrocannabinol, das zur Behandlung von Appetitlosigkeit bei Gewichtsverlusten bei AIDS-Kranken und bei Übelkeit und Erbrechen im Rahmen einer Chemotherapie eingesetzt wird.

Wirkungen

Die Wirkungen von Tetrahydrocannabinol (THC) sind sehr vielseitig und bis heute noch nicht vollständig bekannt. Das Gleiche gilt dann natürlich auch für die möglichen Nebenwirkungen. Vermittelt werden die THC-Wirkungen über den Cannabinoid-Rezeptor, der in verschiedenen Bereichen des Gehirns vorkommt (z.B. Basalganglien).

THC besitzt überwiegend psychotrope Wirkungen. Es wird zwischen akuten und chronischen Wirkungen unterschieden:

Akute Wirkungen

Zu den akuten Wirkungen werden ein Gefühl der Entspannung, eine leichte Euphorie sowie eine Distanz zu Alltagsproblemen angegeben. Sinnesreize werden intensiver empfunden und Denkprozesse phantasievoller und berauschender erlebt.

Die Menge der applizierten Droge spielt hierbei eine entscheidende Rolle. Bei Dosen bis 5 mg THC sollen vornehmlich sedative (beruhigende) Effekte überwiegen, während bei Dosen von über 15 mg THC Erregung bis hin zu psychotischen Anfällen möglich sind. Cannabis wirkt im Weiteren schmerzstillend, gegen Erbrechen und antiepileptisch.

Chronische Wirkungen

Bei chronischer Anwendung kann sich eine Toleranz entwickeln, das heißt, die Dosis muss gesteigert werden, um die gleiche Wirkungsstärke zu erleben. Cannabis kann zur psychischen Abhängigkeit führen. Für die Ausbildung einer physischen Abhängigkeit gibt es keine gesicherten Daten. Allerdings soll es zu leichten Entzugserscheinungen beim Absetzen der Droge kommen, wie Ruhelosigkeit, Schlafstörungen und Übelkeit.

Bei längerem Gebrauch sind mit Veränderungen der Persönlichkeit zu rechnen, die sich in Antriebslosigkeit und fehlendem Interesse an Aufgaben- und Problemlösungen widerspiegeln.

Weiterführende Informationen