Referent Paul Klingen über die neuen Herausforderungen für Sportlehrkräfte

Spielende Kinder in einer Turnhalle
Die Anforderungen an Sportlehrer*innen haben sich verändert. ∣ Foto: ©DSHS

Für einen erfolgreichen Sportunterricht ist das Vorbeugen von, sowie der richtige Umgang mit Störungen unabdingbar. In Zeiten von wechselndem Präsenz- und Distanzunterricht werden Sportlehrer*innen vor neue Aufgaben und Probleme gestellt. Häufig zehren Lehrende nur von ihren eigenen Erfahrungen, denn auch der Austausch mit Kolleg*innen ist in der aktuellen Zeit erschwert. Die Weiterbildung setzt dort an: Nach einführenden Runden in einer Kleingruppe (max. 4 Personen) werden die Inhalte, orientiert an Ihrem spezifischen Bedarf und Interesse, in vertiefenden Einzelcoachings weiterentwickelt. Schon vorab haben wir mit Paul Klingen, unserem erfahrenen Coach, über die Inhalte und Mehrwerte der Weiterbildung gesprochen.

UW: Herr Klingen, Sie sind selbst erfahrener Sportlehrer und seit Jahren im Rahmen von Lehrerfortbildungen tätig. Haben sich die Anforderungen an Sportlehrer*innen verändert? Wenn ja, wie?

Paul Klingen: Sportlehrkräfte sind - wie alle anderen Lehrkräfte auch - gefordert, sich selbst als Lernende zu begreifen und müssen in ihrem pädagogischen und didaktischen Handeln u.a. den sich ändernden gesellschaftlichen Entwicklungen Rechnung tragen. Die Anforderungen durch z. B. neue Bildungspläne beeinflussen das Lehrer*innen-Leitbild. Das Rollenspektrum hat sich in den letzten Jahren deutlich erweitert. Heutzutage muss eine Sportlehrkraft vermehrt erzieherische und beratende Aufgaben wahrnehmen. Die stärker auf Mitwirkung, Kompetenz- und Handlungsorientierung hin ausgerichtete Unterrichtsarbeit verändert zudem sowohl das Planungs- als auch Durchführungshandeln. Lehrkräfte werden noch mehr als früher in umfassender Weise didaktisch und pädagogisch gefordert. Ein bloßes Sportartenangebot und eine Begrenzung auf die Vermittlung von Fertigkeiten reichen bei Weitem nicht aus.

Ist ein erfolgreicher Sportunterricht in Zeiten von wechselndem Präsenz- und Distanzunterricht noch möglich? Inwiefern erschwert es die Bedingungen? Wie kann man trotzdem gut arbeiten?

Die Frage, die sich stellt, kann nur lauten: Was ist bei den unterschiedlichen Formaten von Distanz- und Wechselunterricht überhaupt leistbar? Und hier kommt es entscheidend darauf an, ob es einer Sportlehrkraft gelingt, die Schüler*innen überhaupt kontinuierlich zu erreichen und sie dann so zu motivieren und zu begleiten, dass ein selbstständiges Lernen Früchte tragen kann. Meine Empfehlungen lauten: (1) Kleinste, leistbare Aufgabenstellungen zu offerieren, die ein Höchstmaß an Interessens- und Fähigkeitsorientierung erlauben. (2) Nutzung moderner Medien, z.B. von Apps oder Lernvideos, um z.B. das Lernen oder Üben zu Hause anzuregen. (3) Kleinste „Produkte“ durch die Schüler*innen erstellen lassen, die dann der Lehrkraft vertraulich im Netz oder später der Klasse im Präsenzunterricht vorgestellt werden. (4) Den Kontakt zu den Schüler*innen halten. Das heißt aber auch, viel mehr Zeit für individuelle Begegnungen und Zugriffe aufzuwenden.

Für wie wichtig halten Sie es, bei allen gesteckten Lernzielen weiterhin den Spaß der Schüler*innen nicht aus den Augen zu verlieren?

Die Freude an Sport, Spiel und Bewegung aufrecht zu erhalten und zu fördern, ist oberste Aufgabe jeder Sportlehrkraft. Nur dann lassen sich auch weitere Ziele des Sportunterrichts sinnvoll ansteuern. Und Freude entsteht auf unterschiedliche Weise. Wichtig sind vor allem Könnenserlebnisse, soziales Eingebundensein (jetzt im Distanzunterricht fast unmöglich!) sowie Autonomieerleben. Das schließt einen einseitigen Sportunterricht a priori aus. Mehrperspektivität, inhaltliche Vielfalt und schülerorientiertes Lernarrangement sind wichtige Gelingensbedingungen. Im Übrigen braucht es dazu didaktisch kluge, fachkompetente und zugleich pädagogisch geschickte Lehrkräfte, die ein Interesse an der Weiterentwicklung ihrer Schüler*innen haben.

Was können die Lehrenden von der Weiterbildung konkret erwarten?

Das Ausgangsthema „Coaching für Sportlehrer*innen – Unterrichtsstörungen reduzieren“ greift zentrale Gelingensbedingungen für guten und erfolgreichen Sportunterricht auf. Denn wer einen guten Unterricht anbietet, hat in der Regel weniger Unterrichtsstörungen. Diese können aber nicht gänzlich verhindert werden. Dann kommt es darauf an, professionell zu agieren. Und ernsthaftere Störungen und schwerwiegende Disziplinkonflikte gibt es auch bei den „besten“ Lehrer*innen. Denn viele Störungen kommen auch von außen in den Unterricht. In dieser Fortbildung – und insbesondere beim individuellen Coaching – werden Ansatzpunkte zur Reduzierung von Störungen ebenso erörtert wie Strategien im Umgang mit Störungen. Aber auch die personen- oder klassenbezogene Bearbeitung von Störungen wird zum Thema gemacht. Individuelle Problemlagen der Lehrkraft können in einem vertraulichen Einzelgespräch angesprochen und gemeinsam bearbeitet werden. Dabei steht eine lösungsorientierte Beratung im Mittelpunkt. Selbstverständlich gibt es auch genügend Raum, um über die Probleme beim Distanzunterricht zu sprechen. Die gesamte Veranstaltung findet online unter Zuhilfenahme von WebEx statt.

Termine und Anmeldung

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