Ein Urgestein des gesamtdeutschen Radsports

Jürgen Kissner beim Radsportsymposium an der DSHS anlässlich seines 70. Geburtstages

Die Deutsche Sporthochschule Köln trauert um Jürgen Kissner. Der Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele von Mexiko (1968) verstarb nach kurzer schwerer Krankheit am vergangenen Samstag. Die Deutsche Sporthochschule nimmt Abschied von einem Urgestein des gesamtdeutschen Radsports. Kissner studierte an der Deutschen Sporthochschule ab 1964 und war bis dato Lehrbeauftragter für den Bahnradsport.

Der in Luckau bei Cottbus geborene Kissner startete schon früh seine sportliche Karriere. 1956 gewann der damals 14-Jährige 50 Jugendrennen auf Bahn und Straße. Den ersten Meistertitel in der DDR gewann er 1960 in der Einerverfolgung auf der Bahn. Es folgten zwei DDR-Meistertitel im Bahnvierer. Als 18-Jähriger war Jürgen Kissner für die Olympischen Spiele in Rom nominiert – kam als Ersatzmann für den DDR-Bahnvierer aber nicht zum Einsatz. Bei einem Auswahlrennen zur Bildung einer gesamtdeutschen Mannschaft für die Olympischen Spiele 1964 in Tokio setzte sich Kissner von der DDR-Delegation ab und blieb in der Bundesrepublik. Mit dem BRD-Bahnvierer holte er 1968 die Silbermedaille.

Nach seiner aktiven Laufbahn als Sportler und seinem Studium an der Kölner Sportuniversität arbeitete Jürgen Kissner als Landestrainer im Radsportverband NRW und als Lehrer für die Fächer Sport und Biologie an der Gesamtschule Rodenkirchen. Dort begründete er sowohl eine Radsport- als auch eine Ruderarbeitsgruppe. 2007 ging er in den wohlverdienten Ruhestand. Parallel rief er an der Sporthochschule den „Freundeskreis Radsport“ für Radbegeisterte ins Leben, der im Jahr 1972 den Grundstein für das Fach Radsport setzte und dessen erster Dozent Jürgen Kissner war. Bis noch vor wenigen Tagen dozierte er als Lehrbeauftragter die Tutorien im Radsport, wofür er 2018 den Tutorienpreis für das „Fachtutorium Bahnrad“ erhielt. Neben zahlreichen eigenen sportlichen Erfolgen führte Kissner unzählige Kinder und Jugendliche an den Radsport heran und betreute als Trainer zahlreiche Radsportler, unter anderem die Olympiasieger auf der Bahn Udo Hempel und Günter Schumacher.

Nicht nur die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts für Outdoorsport und Umweltforschung verlieren mit Jürgen Kissner einen Freund und Kollegen, der alle mit seiner Hingabe für den Radsport begeisterte. Bis vor wenigen Tagen noch hat Kissner seine immensen Erfahrungen auf der Albert-Richter-Bahn in Köln-Müngersdorf an Nachwuchssportler weitergegeben.

Unsere Gedanken und unser tiefes Mitgefühl gelten der Lebensgefährtin, den Töchtern und Enkeltöchtern.

Die Urnenbestattung findet am 6. Juni um 11 Uhr auf dem Friedhof Köln-Meschenich statt. Von Kränzen und Blumen ist bitte abzusehen.