ITB tanzt 2026 – Raus aus der Komfortzone, rauf auf die Bühne

Tanzauftritt der Studierenden
ITB Tanzt 2026. Foto: Ralf Loch

Ein voller Hörsaal 1. Aufgeregte Getuschel. Erwartung liegt in der Luft. Alle Blicke gehen nach vorn – auf die Bühne. Klingt nach Semesterstart? Nicht ganz. Das Licht geht aus. Der Vorhang öffnet sich. Zu den ersten Tönen bewegen sich die Tänzer*innen auf die Bühne – und plötzlich ist klar: Es ist Zeit für ITB tanzt 2026.

Ausverkauft in Rekordzeit

Innerhalb von nur zwei Stunden waren alle Karten vergriffen. 500 Zuschauende füllen den Hörsaal bis auf den letzten Platz – ein beeindruckendes Zeichen dafür, welchen Stellenwert die Veranstaltung inzwischen hat.

Den Auftakt machen Stücke aus dem Basisstudium – entstanden in den Modulen BAS4 „Bewegung und Gestaltung“ sowie SBV 8 „Tanz- und Bewegungskultur“. Hier wird schnell deutlich: Talent ist nicht nur eine Frage von Technik. Je geringer die Tanz-Erfahrung und das Skill-Level, desto kreativer und überraschender sind oft die Geschichten, die auf der Bühne erzählt werden – witzig, akrobatisch und mitreißend.

Ein besonderer Moment: Die Würdigung des ehemaligen Institutsleiters, Professor Wolfgang Tiedt, anlässlich seines 80. Geburtstags – ein emotionaler Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Gegenwart des Instituts.

Zwischen Krone, Drama und Turnelementen

Der Zombie-Tanz zu „you should see me in a crown“ entwickelte eine eindringliche Bildsprache: One by one gingen die Tänzer*innen zu Boden – kraftvoll, düster, intensiv. Ganz anders – aber nicht weniger energiegeladen – wurde es bei „Judas“ von Lady Gaga. Spektakuläre Turneinlagen rissen das Publikum mit, die Bühne vibrierte förmlich vor Kraft und Dynamik. Bei „Somebody That I Used to Know“ standen die Gefühle im Zentrum. Verletzlichkeit, Nähe, Distanz – Emotion pur. „Dirty Diana“ brachte Gymnastik auf die Bühne – technisch stark, körperlich präsent und ja: Es darf auch mal sexy sein. Die anschließende Gymnastik-Collage holte das Publikum dann direkt mit ins Geschehen: gemeinsames Dehnen und Aktivieren zu Musik – Nachmachen ausdrücklich erwünscht.

Gäste, Leuchtkugeln und klare Haltung

Die Gaststücke bringen zusätzliche Perspektiven auf die Bühne: vom Tanzstudio Sabine Odenthal sowie vom Georg Büchner Gymnasium. Improvisation verbindet sich mit klarer Choreografie, die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen wird sichtbar. Eine Choreografie mit Leuchtkugeln taucht den Hörsaal in eine fast andere Welt. Lichtpunkte bewegen sich durch den Raum, Bilder entstehen und lösen sich wieder auf – magisch.

Der Rap-Gastbeitrag greift mutige Themen auf. Vielleicht nicht an jeder Stelle perfekt im Flow, aber stark in der Aussage. Studierenden-Slang trifft auf gesellschaftliche Fragen – direkt und ehrlich.

Und dann kommt David. Nach viel dramatischem Ausdruckstanz und innerer Zerrissenheit wird es selbstbewusst, laut und befreiend. Voguing und Wacking zu „Boss Bitch“. David absolviert den Weiterbildungsmaster „Tanz – Vermittlung, Forschung und künstlerische Praxis“ und setzt sich im Modul Kultur intensiv mit queerer Tanzkultur auseinander. Seine Performance ist nicht nur ein Showmoment – sondern ein Statement für Sichtbarkeit, Selbstbewusstsein und Tanzkultur der queeren Community.

Rausch(los)“ – Wenn es plötzlich ganz still wird

Den Abschluss bildet das Gemeinschaftsprojekt der Profilergänzung Tanz im WiSe 25/26 mit dem Thema „Rausch(los)“. Studentische Abschlussstücke verweben sich mit gemeinschaftlich erarbeiteten Szenen, die im choreografischen Labor des Kurses Tanz, Improvisation und Komposition entstanden sind. 150 Tanzende stehen gleichzeitig auf der Bühne. Was zunächst ausgelassen wirkt, kippt spürbar in eine ernstere Stimmung. Im Hörsaal wird es plötzlich ganz still. Nur noch das Pochen des Herzschlages, zu dem sich die Tänzer*innen bewegen, ist hörbar und vor allem spürbar. Die Ernsthaftigkeit dieser miteinander kombinierten Stücke überrascht, soll es doch um Unterhaltung und Spaß am Tanzen gehen. Doch auch das Darstellen von Ängsten, Problemen oder Kritik an der Gesellschaft liegt dem Tanzen inne. Die Choreografie schafft es, eine spürbare Stimmungskurve zu zeichnen – von Leichtigkeit zu Ernst, von Bewegung zu Innehalten. 

Bei ITB Tanzt geht es nicht um die perfekte Performance, sondern um den Spaß an Bewegung und Tanz, egal auf welchem Erfahrungslevel. Für die Studierenden geht es darum sich zu überwinden, etwas komplett Neues auszuprobieren und vor einem Publikum aus Freunden, Familie, Kommilitonen und Dozierenden vielleicht zum ersten Mal auf der Bühne zu performen. Für die erfahrenen Tänzerinnen und Tänzer geht es darum, auch mal den anderen die Bühne überlassen zu können.

Und wie wird man selbst Teil davon?

ITB tanzt ist ein beeindruckendes Beispiel für gelebte Lehre und damit offen für alle Studierenden an der Spoho.

Konkret mitwirken können Studierende über:

  • die Module BAS4 „Bewegung und Gestaltung“ und SBV 8 „Tanz- und Bewegungskultur"
  • die Profilergänzung Tanz im Bachelor
  • Kurse wie Tanz, Improvisation und Komposition
  • den Weiterbildungsmaster "Tanz – Vermittlung, Forschung und künstlerische Praxis"

Das Institut für Tanz und Bewegungskultur unter der Leitung von Prof. Dr. Claudia Steinberg schafft dafür Räume – künstlerisch, pädagogisch und wissenschaftlich. ITB tanzt ist dabei Bühne, Labor und Abschlussmoment zugleich. Ein Ort, an dem Studierende experimentieren, Haltung entwickeln und zeigen können, was Tanz alles sein kann.