Körperlich und psychisch fit für die OP: Warum wirkt Prähabilitation?

Eine Operation – insbesondere bei zu Grunde liegender Krebserkrankung – ist für den menschlichen Körper ein Kraftakt, vergleichbar mit einem Marathonlauf. Um Patienten optimal darauf vorzubereiten, fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) nun ein großangelegtes Gemeinschaftsprojekt an der Uniklinik Köln und der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln mit rund 3,4 Millionen Euro über die nächsten drei Jahre. Auch die Deutsche Sporthochschule Köln ist beteiligt.
Ziel der multizentrischen klinischen Studie ist es, den Nutzen von körperlichem Training, Ernährungsumstellung und psychologischer Unterstützung vor großen bauchchirurgischen Tumoroperationen – die sogenannte multimodale Prähabilitation – wissenschaftlich fundiert zu belegen und die zugrundeliegenden zellulären Mechanismen zu entschlüsseln.
Das Projekt bündelt die Expertise der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin und der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Transplantationschirurgie der Uniklinik Köln in Kooperation mit Sportmedizinern der Deutschen Sporthochschule Köln und der Technischen Universität Dortmund.
„Unser Ziel ist eine messbare Reduktion von Komplikationen nach großen Tumoroperationen im Bauchraum“, erklärt Anästhesiologe Prof. Dr. Robert Schier von der Uniklinik Köln. „Wir wollen zeigen, dass Patienten, die körperlich vorbereitet in den Eingriff gehen, sich schneller erholen, Komplikationen besser tolerieren und eine höhere Lebensqualität nach der Operation genießen.“
Der Ansatz ist translational, das heißt, er verbindet klinische Beobachtungen direkt mit der Grundlagenforschung. Während die Patientinnen und Patienten ein strukturiertes Prähabilitationsprogramm absolvieren, untersuchen die Forschenden parallel, was genau im Körper passiert.
Das Besondere an dieser Studie ist die Tiefe der Analyse. Es geht nicht nur darum, ob Prähabilitation hilft, sondern warum. „Wir analysieren die Wirkung auf zellulärer Ebene“, erläutert Univ.-Prof. Dr. Wilhelm Bloch von der Deutschen Sporthochschule Köln. „Im Fokus stehen dabei Mechanismen der Entzündungsregulation, auch Inflammation genannt, die körpereigene Tumorabwehr sowie die Regeneration von Blutgefäßen“, ergänzt Univ.-Prof. Dr. Dr. Philipp Zimmer von der TU Dortmund, der gemeinsam mit Univ.-Prof. Dr. Tobias Kammerer von der Uniklinik Köln und weiteren Kooperationspartnern das Biobanking und den translationalen Teil der Studie koordiniert.
Diese interdisziplinäre klinische Studie erlaubt zudem erstmals, langfristige Effekte der Prähabilitation auf die Prognose der Krebserkrankung nach der Operation zu untersuchen. „Prähabilitation wird zukünftig ein essentieller Baustein in der multimodalen Therapie gastrointestinaler Tumore sein – nicht zuletzt, um eine individuell angepasste Chirurgie für jeden einzelnen Patienten zu ermöglichen. Umso wichtiger ist es, dass wir die molekularen und zellbiologischen Mechanismen dahinter verstehen“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Christiane J. Bruns, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Transplantationschirurgie und Vorstandsmitglied der Uniklinik Köln.
Die Hypothese der Forschenden: Gezieltes Training wirkt systemisch entzündungshemmend und stärkt die Ressourcen des Körpers so, dass der operative Stress besser toleriert wird. Dies wird langfristig die Standards in der Operationsvorbereitung weltweit verändern. Die Bewilligung der Fördermittel durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstreicht die Relevanz der perioperativen Medizin und die Stärke eines interdisziplinären Verbundes aus klinischer Spitzenmedizin und sportwissenschaftlicher Exzellenz in NRW.
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