Menschen halten den Spitzen- und Leistungssport für wirksam und nutzbringend

Hand hält Medaille an einem Band hoch

Kurz vor dem Beginn der Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2026 legt das Bundesinstitut für Sportwissenschaft erste Ergebnisse zur Bedeutung des Spitzen- und Leistungssports in Deutschland vor, die aus einem Forschungsprojekt der Sporthochschule hervorgegangen sind. Ein Ergebnis: Nationale Identität und internationales Prestige sind langfristig stabile Konzepte, auf die der Spitzen- und Leistungssport nur kurzfristigen und geringen Einfluss zu nehmen scheint.

Univ.-Prof. Dr. David Jaitner, Leiter des Instituts für Pädagogik und Philosophie der Deutschen Sporthochschule Köln, hat das Forschungsprojekt „Gesellschaftliche Bedeutung des Spitzen- und Leistungssports in Deutschland“ (GUIDE) in Zusammenarbeit mit Dr. Jannika John (Eberhard Karls Universität Tübingen) und Prof. Michael Mutz (Justus-Liebig-Universität Gießen) durchgeführt. Das Projektteam untersuchte, wie wichtig Sportler*innen für die Gesellschaft sind und was Menschen in Deutschland vom Spitzen- und Leistungssport erwarten.

Spitzen- und Leistungssport müssen sich ständig rechtfertigen. Vor diesem Hintergrund gibt es anhaltende akademische und öffentliche Diskussionen darüber, ob sich der Wert des Spitzensports nicht nur danach messen sollte, wie erfolgreich die Sportler*innen sind und wie viele Rekorde und Medaillen sie aufstellen. Auch die öffentliche Akzeptanz und der gesellschaftliche Impact, das heißt, wie die Menschen Spitzen- und Leistungssport empfinden und wie er die Gesellschaft beeinflusst, sollten berücksichtigt werden. Es wird häufig als wissenschaflich belegt angenommen, dass die Gesellschaft von sportlichen Vorbildern profitiere und dass Spitzensport sportliche Werte und die nationale Identität stärken und das internationale Ansehen steigern würde. Diese Werte werden häufig als Grund angeführt, warum der Staat den Spitzensport in Deutschland unterstützt. Ist das wirklich so?

Das GUIDE-Projektteam will Fakten für diese sportpolitischen Diskussionen liefern und hat dazu zum einen systematische Literaturanalysen durchgeführt und zweitens eine Umfrage unter Jugendlichen und Erwachsenen gemacht. Bei der Bevölkerungsbefragung wurde unter anderem auch gefragt, was die Menschen über Spitzen- und Leistungssport denken. Mehrere Experimente halfen dabei. Bei den ergebnssen handelt es sich um Zwischenergebnisse, das Projekt läuft noch bis Ende Mai.

Ausgewählte Ergebnisse und Fazits:

  • Leistungsbezogene Werte sind in der öffentlichen Wahrnehmung des Spitzen- und Leistungssports stabil verankert, soziale Werte dagegen selektiv, ambivalent und kontextabhängig. 
  • Sportliche Erfolge bei den Olympischen Spielen tragen aus Sicht der Menschen zum Nationalstolz sowie zum internationalen Prestige Deutschlands bei. Ausschlaggebend dafür ist die Anzahl der gewonnenen Medaillen, die sich auf möglichst viele (populäre) Sportarten verteilen sollten.
  • Die Menschen halten den Spitzen- und Leistungssport in zahlreichen, aber nicht allen gesellschaftlichen Aspekten für wirksam und nutzbringend. Diese Erwartungen sind nicht gleichzusetzen mit tatsächlichen Effekten, aber trotzdem relevant für die Unterstützung und Legitimität des Spitzen- und Leistungssports.
  • Es fehlt an umfassenden Erkenntnissen über den möglichen Einfluss von Spitzen- und Leistungssport auf die verschiedenen Formen von Sportbeteiligung im Zusammenspiel mit wichtigen Faktoren, z.B.: individuelle Fähigkeiten und soziales Umfeld, strukturelle Ausschlussmechanismen marginalisierter Bevölkerungsgruppen sowie Gestaltung des öffentlichen Raums und Zustand der (Sport-)Infrastruktur.
  • Nationale Identität und internationales Prestige sind langfristig stabile Konzepte, auf die der Spitzen- und Leistungssport nur kurzfristigen und geringen Einfluss zu nehmen scheint. Zudem entstehen die Effekte von Spitzen- und Leistungssport nicht automatisch: Bezogen auf nationale Identität benötigt es sportliche Erfolge, die von einer Vielzahl an emotional involvierten Menschen miterlebt werden. Bezogen auf internationales Ansehen garantieren Sportgroßereignisse und sportliche Erfolge nicht automatisch Prestigegewinne.

Ausführliche Informationen zur Studie und die Factsheets mit den Ergebnissen finden Sie auf der Webseite des Bundesinstituts für Sportwissenschaft.

Kontakt: Univ.-Prof. Dr. David Jaitner