Umgang mit geschlechtlicher Vielfalt im Wettkampf- und Leistungssport
Die Deutsche Sporthochschule Köln ist an einem dreijährigen Forschungsprojekt beteiligt, das sich mit dem Umgang geschlechtlicher Vielfalt im organisierten Wettkampf- und Leistungssport in Deutschland beschäftigt. Das Projekt wird vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) gefördert und von der Abteilung Diversitätsforschung und der Abteilung Molekulare und zelluläre Sportmedizin durchgeführt.
Der Umgang mit geschlechtlicher Vielfalt wird im organisierten Wettkampf- und Leistungssport zunehmend virulent und die gesellschaftliche Debatte legt nahe, dass besonders im sogenannten „Frauensport“ die Chancengleichheit in Gefahr sei. Die binäre Geschlechterlogik des Sports führt zu besonderen Herausforderungen im Umgang mit geschlechtlicher Vielfalt, z.B. zu erschwerten Zugangsbedingungen für trans*, inter* und nicht binäre (tin*) Personen. Zugleich bietet sie einen besonderen Nährboden für kontroverse Gender-Debatten. Nicht zuletzt aufgrund politischer Entwicklungen ist der Sport aktuell mehr denn je gefordert, sich mit geschlechtlicher Vielfalt auseinanderzusetzen und den Sport im Sinne des Paradigmas ‚Sport für alle‘ zu öffnen und gerechte Teilhabe für Alle zu ermöglichen.
Das Projekt folgt einem mehrperspektivischen Forschungsansatz und folgendem Aufbau:
- Zunächst erfolgen zwei systematische Überblicksarbeiten, (1) zum sportmedizinischen Erkenntnisstand und zum Leistungs- und Gesundheitszustand von tin* Personen (Teilprojektleitung Wilhelm Bloch, Abt. Molekulare und zelluläre Sportmedizin) und (2) zu aktuellen Regularien für die Partizipation von tin* Personen in nationalen und internationalen Verbänden.
- Anschließend werden in drei Teilprojekten die Perspektiven, Einstellungen und Erfahrungen verschiedener Akteursgruppen systematisch erhoben und analysiert: (1) tin* Athlet*innen und Expert*innen der queeren Community (qualitative Interviews), (2) Kaderathlet*innen in Deutschland (quantitativer online Survey) und (3) Funktionär*innen aus Sportverbänden und Profiligen (Fokusgruppendiskussionen).
- Im fünften Teilprojekt werden die gewonnenen Erkenntnisse zusammengeführt, um in einem partizipativen Prozess einen praxisorientierten Handlungsleitfaden zum Umgang mit geschlechtlicher Vielfalt im Wettkampf- und Leistungssport zu erarbeiten, der dann in umfangreichen Transferaktivitäten in der Sportpraxis verbreitet werden soll.
Das Projekt basiert auf der Zusammenarbeit von Stakeholdern aus Sportverbänden, der queeren Community und der Wissenschaft:
- DVV, DBB und DEB
- DOSB und Athleten Deutschland e.V.
- Bundesverband trans*, Intergeschlechtliche Menschen e.V., dgti und LSVD
- Seitenwechsel Berlin und SC Janus
Ansprechpersonen an der Deutschen Sporthochschule Köln:
Abt. Diversitätsforschung: Bettina Rulofs, Birgit Braumüller und Jill Mandel
Abt. Molekulare und zelluläre Sportmedizin: Wilhelm Bloch, Boris Dragutinovic und Franziska Moser
