Der Blutpass als Dopingkontrollmaßnahme

Blutanalysator zur Bestimmung von Blutpassparametern

Historie

Seit mehr als 10 Jahren versuchen Sportverbände anhand von Blutparametern Dopingmaßnahmen zur Verbesserung des Sauerstofftransports zu bekämpfen. Dabei wurden von verschiedenen Verbänden Grenzwerte für Blutparameter eingeführt, um den Missbrauch von Erythropoietin (EPO), anderen EPO-analogen Präparaten als auch von Blutdoping (Eigenbluttransfusion bzw. Fremdbluttransfusion) einzuschränken.

Aufgrund der physiologischen Schwankungsbreite bei Blutparametern wie Hämatokritwert, Hämoglobinkonzentration und insbesondere der %Anzahl an Retikulozyten (junge Erythrozyten) wurden erhöhte Werte nicht als Dopingnachweis angewendet.

Allerdings hatten Verbände Grenzwerte festgelegt, deren Überschreiten zu einer "Schutzsperre" des Athleten von 5 - 14 Tagen (je nach Verband) führte (z.B. 50% Hämatokrit für Männer im Radsport). Im jeweiligen Verbandsreglement wurde das Einhalten der Grenzwerte als Startvoraussetzung für Athleten festgelegt. 

Dopingkontrolle - Blutprofile als Indirekter Dopingnachweis (Individueller Blutpass)

Seit Anfang 2009 hat die Welt Anti-Doping Agentur (WADA) allerdings im Regelwerk des Welt Anti-Doping Codes die Möglichkeit geschaffen, dass Verlaufskontrollen von Blutwerten auch zum Dopingnachweis verwendet werden können.

Um ein solches "Indirektes Nachweisverfahren" erfolgreich anwenden zu können, wurde eine Harmonisierung angestrebt, zu der die WADA ab Januar 2010 eine „Operating Guideline“ zum "Athlete Biological Passport" mit Vorgaben für die Probenabnahme, Transport, Analyse im Labor und Datenauswertung veröffentlicht hat.

Dieses Programm sieht vor, folgende Blutparameter zu erfassen:

HKTHämatokrit
HGBHämoglobin
% Retis   % Retikulozyten
RBCred blood cell count, Anzahl der Roten Blutkörperchen
MCVmean corpuscular volume, Erythrozytenvolumen = HKT/RBC
MCHmean corpuscular hemoglobin, Hämoglobingehalt der Erythrozyten = HGB/RBC
MCHCmean corpuscular hemoglobin concentration, Mittlere korpuskuläre Hämoglobinkonzentration = HGB/HKT
WBCwhite blood cell count, Weiße Blutkörperchen oder Leukozyten
PLTplatalet count, Blutplättchen oder Thrombozyten
  • Die Datenerhebung darf nur von Laboratorien, die entsprechenden Qualitätsanforderungen genügen, vorgenommen werden,
  • Messungen erfolgen nur mit einem Gerät, dem Sysmex XT 2000i,
  • das Labor nimmt an regelmäßigen monatlichen Ringtests, die von der WADA organisiert werden, teil,
  • Einhalten strikter Qualitätsvorgaben, die deutlich enger gefasst sind als bei Ringtests klinischer Laboratorien,
  • Ein Dopingverstoß wird auf der Grundlage eines statistischen Modells von Sottas et al. (s. Literatur) bewertet: Abnormal Blood Profile Score (ABPS). Dabei handelt es sich um eine statistische Berechnung (Bayes Statistik) individueller Werte, die alle oben erwähnten Blutparameter einbezieht und gewichtet und weitere Daten wie. z.B. Höhenaufenthalt berücksichtigt.
  • Anhand dieser Statistik werden individuelle Grenzwerte berechnet, so dass statistisch gesicherte Abweichungen bei folgenden Blutkontrollen als Dopingverstoß bewertet werden können.

Weiterführende Informationen

Literatur:

Sottas PE, Robinson N, Rabin O, Saugy M.: The athlete biological passport. Clin Chem. 2011 Jul; 57(7):969-76

Sottas, Pierre-Edouard; Robinson, Neil; Giraud, Sylvain; Taroni, Franco; Kamber, Matthias; Mangin, Patrice; and Saugy, Martial (2006) "Statistical Classification of Abnormal Blood Profiles in Athletes," The International Journal of Biostatistics: Vol. 2, Iss. 1, Article 3.

Links:

Informationen der WADA