Die Sportpolitik erfährt durch die zunehmende Verflechtung mit anderen Politikfeldern und gesellschaftlichen Bereichen, durch die wachsende Einflussnahme von Regierungen und Verbänden auf die Rahmenbedingungen von Sportsystemen sowie durch die fortschreitende Europäisierung und Globalisierung einen stetigen Bedeutungszuwachs. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen zielen die Aktivitäten des Instituts für Europäische Sportentwicklung und Freizeitforschung darauf, die Grundlagen einer systematischen sport(politik)wissenschaftlichen Forschung zu erarbeiten, um so den Kern sportpolitischer Aktivitäten sichtbar zu machen.
Besondere Berücksichtigung finden dabei die drei analytischen Dimensionen der Politik: die strukturelle Dimension (polity), die prozessuale Dimension (politics) und die inhaltliche Dimension (policy). Geprägt sind diese Dimensionen nicht nur durch eine horizontale Differenzierung zwischen staatlicher und nichtstaatlicher Steuerung im Sport, sondern auch durch die vertikale Differenzierung zwischen kommunaler, regionaler, nationaler, europäischer und internationaler Ebene. Die Potenziale und Grenzen sportpolitischer Forschung finden im Kontext der Institutsarbeit besondere Berücksichtigung in den beiden zentralen Themenfeldern nationale, europäische und internationale Sportsysteme und -politik sowie Sport und internationale Entwicklung.
Eine zweite Säule des Instituts für Europäische Sportentwicklung und Freizeitforschung bilden Forschungsaktivitäten in den Bereichen Freizeit (bzw. Arbeit) und Tourismus. Da dem Sport in Freizeit und Erholung eine zentrale Rolle zukommt, widmet das Institut freizeit- und tourismuswissenschaftlichen Fragestellungen und Veränderungsprozessen besondere Beachtung. Neben der Grundlagenforschung zu Akteuren, Strukturen und Entwicklungsprozessen in Tourismus und Freizeit liegt der Forschungsfokus auch auf den Charakteristika einer sich ständig verändernden Bewegungskultur, die sich zum Beispiel in der Neuorientierung von Lebensstilen, der Entwicklung von Trendsportarten oder der Veränderung von Sportpartizipation spiegelt. Die beiden zentralen Forschungsbereiche des Instituts umfassen die Bereiche Tourismusentwicklung und Lebensstile sowie Freizeit- und Arbeitsforschung.
Der Berufung von Univ.-Prof. mult. Dr. Walter Tokarski auf den neu geschaffenen Lehrstuhl für Freizeit-/ Breitensport der Deutschen Sporthochschule Köln im Jahre 1990 folgte 1992 die Gründung des Instituts für Freizeitwissenschaft. Mit der Einrichtung dieses ersten Universitätsinstituts für Freizeitwissenschaft in der Bundesrepublik Deutschland ging auch eine Stärkung der Freizeitforschung an der Deutschen Sporthochschule Köln einher, die sich in der Durchführung zahlreicher, seit der Institutsgründung durchgeführter Projekte widerspiegelt.
Mit der Einrichtung des Arbeitsbereiches "Europäische Sportstudien" hat sich das Institut für Freizeitwissenschaft frühzeitig ein weiteres übergreifendes Lehr- und Forschungsgebiet erschlossen. Ziel dieses Arbeitsbereiches ist es, die europäische Sportentwicklung zu beobachten und durch europarelevante Studien zu fördern, spezifische Sportstrukturen in den Ländern der Europäischen Union transparent zu machen und die europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Sports und der Sportwissenschaft zu unterstützen. Da die Forschung und Lehre des Instituts mittlerweile die europäische Perspektive auf die Handlungsfelder Freizeit und Sportpolitik in den Mittelpunkt stellt, erfolgte 2005 die Umbenennung in "Institut für Europäische Sportentwicklung und Freizeitforschung".
Der wachsenden Bedeutung politikwissenschaftlicher Analysen im Bereich des Sports wurde mit der neuen Denomination "Sportpolitik" bei der Wiederbesetzung des Lehrstuhls im Jahre 2011 durch Univ.-Prof. Dr. Jürgen Mittag Rechnung getragen. Mit regelmäßigen Symposien zur Sportpolitik, die gemeinsam mit dem am Institut ansässigen „Forum Sportpolitik“ ausgerichtet werden, zielt das IESF auf eine systematische Erforschung der Sportpolitik. Der europäischen Dimension der Sportpolitik wird dabei weiterhin besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Im Jahr 2011 wurde dem Institut und seinem Lehrstuhlinhaber angesichts der kontinuierlichen europäischen Aktivitäten der Titel eines Jean Monnet-Lehrstuhl verliehen.
Zum 25jähriges Jubiläum des Instituts im Jahr 2017 konnte ein neuer englischsprachiger Master M.A. International Sport Development and Politics gestartet werden. Im Zuge des Masterprogramms werden jedes Jahr ca. 30 Studierende aufgenommen, dieauf geistes- und sozialwissenschaftlicher Grundlage ein innovatives, interdisziplinäres und internationales Lehrangebot an der Deutschen Sporthochschule Köln studieren, das forschungsgeleitet vertiefte Kenntnisse und Methoden zum Verständnis der politischen, gesellschaftlichen, kulturellen und ökonomischen Dimension des Sports und der Bewegungskulturen vermittelt.
Seit Anfang der 1990er Jahre bildet das Institut für Europäische Sportentwicklung und Freizeitforschung (IESF) den Rahmen für Studien zur Sportpolitik und zu Freizeitaktivitäten an der Deutschen Sporthochschule Köln. Im Jahr 2011 wurden Institut und seinem Lehrstuhlinhaber der Titel eines Jean-Monnet-Lehrstuhl zuerkannt. Jean-Monnet-Lehrstühle zielen auf ein besseres Verständnis der Europäischen Union. Eines der Hauptziele des Kölner Jean Monnet-Lehrstuhles für Politikwissenschaft und Sport ist es, Studierenden der Deutschen Sporthochschule Kenntnisse aus den Aktivitäten und Projekten des Instituts zu vermitteln. Der Jean-Monnet-Lehrstuhl, der sich insbesondere der Verknüpfung von Sport und Politik widmet, erarbeitet in diesem Zusammenhang Materialien zum Thema Sport in der Europäischen Union und erklärt die Rolle des Sports in transnationalen Beziehungen. Außerdem möchte das Institut den europabezogenen Informationsfluss unter den Studierenden, in der akademischen Forschung und in der Öffentlichkeit verbessern.