„Droht bei der WM sogar Lebensgefahr?“, „Turnier der Wetterextreme“, „Wenn Fußball gefährlich wird“. Die Schlagzeilen rund um die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer drehen sich nicht nur um Mondpreise für Tickets und Milliardeneinnahmen für die FIFA, sondern vor allem ums Wetter an den Spielorten. Spieler und Wissenschaftler*innen warnen vor den gesundheitlichen Risiken extremer Temperaturen in den Gastgeberländern Mexiko, USA und Kanada. Sportmediziner Hans-Georg Predel von der Deutschen Sporthochschule Köln ordnet in einem kritischen Kommentar zum FIFA-Hitzekonzept die Herausforderungen für Profis und Fans ein und erklärt, warum die bisherigen Schutzmaßnahmen der FIFA aus wissenschaftlicher Sicht nicht ausreichen könnten. Der Beitrag zeigt, wie eng Spitzensport, Klimawandel und Gesundheit miteinander verknüpft sind – und welche Fragen sich der Weltfußball stellen muss.
„Das Hitzekonzept der FIFA für die WM 2026 zeigt, dass das Problem inzwischen ernst genommen wird – aus sportmedizinischer Sicht bleibt es aber eher „Schadensbegrenzung“ als echte Prävention. Trinkpausen, Eis-Handtücher und Kühlzonen sind sinnvoll, lösen jedoch nicht das eigentliche Problem: Spiele könnten weiterhin bei potenziell gesundheitskritischen Temperaturen stattfinden.
Besonders kritisch ist dabei nicht nur die Lufttemperatur, sondern die sogenannte Wet-Bulb-Globe-Temperature, also die kombinierte Belastung aus Hitze, Feuchtigkeit und Strahlung. Genau hier müsste die FIFA aus meiner Sicht deutlich konsequenter werden. Medizinische Grenzwerte sollten verbindliche Konsequenzen haben – bis hin zur Verlegung von Anstoßzeiten oder zur Verschiebung eines Spiels. Es ist klar, dass das im Rahmen einer globalen TV-Vermarktung kaum umsetzbar ist. Wenn gesundheitliche Risiken mit TV-Zeiten konkurrieren, entsteht für die Organisatoren offenbar ein schwer lösbares Dilemma…
Die WM 2026 könnte deshalb ein Wendepunkt werden. Der Klimawandel macht Hitzebelastung im Spitzensport zunehmend zu einem gravierenden Sicherheitsproblem. Aus sportmedizinischer Sicht braucht der internationale Fußball künftig klare, transparente und wissenschaftlich definierte Hitzeschutz-Protokolle – nicht nur zur Imagepflege, sondern zum tatsächlichen Schutz von Spielern, Offiziellen und Zuschauern.“
Univ.-Prof. Dr. Hans-Georg Predel
Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin
Abt. Präventive und rehabilitative Sport- und Leistungsmedizin
Univ.-Prof. Dr. Hans-Georg Predel
Sportmediziner an der Deutschen Sporthochschule Köln (zitiert im Kölner Stadt-Anzeiger)
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Hans-Georg Predel