14.07.2026 | Forschung
Ob Wiese, Stein oder Kunstrasen, feste Tore aus Metall oder hingeworfene Taschen und Jacken als Markierung – Bolzplätze sind so vielfältig wie die Menschen, die sie nutzen. Oft in der Nähe von Spielplätzen angesiedelt, bieten sie vor allem älteren Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, sich in einem offenen Rahmen selbst zu organisieren, sich durchzusetzen und immer wieder neue Regeln auszuhandeln. Seit Generationen ist das Spielen und Sich-Ausprobieren auf Bolzplätzen fester Bestandteil der deutschen Freizeit- und Jugendkultur.
Um das Kulturgut Bolzplatz zu schützen und zu bewahren, hatte das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund gemeinsam mit dem Institut für Europäische Sportentwicklung und Freizeitforschung der Deutschen Sporthochschule Köln einen Antrag auf Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes eingereicht. Univ.-Prof. Dr. Jürgen Mittag, der Leiter des Instituts für Europäische Sportentwicklung und Freizeitforschung, beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit der Thematik. Die Bemühungen haben sich gelohnt: 2026 wurde die Bolzplatzkultur in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde. Am 16. Juli wird die feierliche Urkundenverleihung in Schwerin stattfinden.
Auf der Webseite der Deutschen UNESCO-Kommission heißt es: „Bolzplätze stehen allen offen und ermöglichen Teilhabe unabhängig von Herkunft, Sprache, Geschlecht oder sozialem Hintergrund“ – und weiter: „Als offener und niedrigschwelliger Begegnungsraum bringt der Bolzplatz Menschen unterschiedlicher Hintergründe zusammen und fördert soziale Kompetenzen wie Fairness, Teamfähigkeit und Konfliktlösung. Damit trägt die Bolzplatzkultur zu einer lebendigen, inklusiven Gestaltung urbaner Räume bei.“ Prof. Mittag erhofft sich, dass der Status „immaterielles Kulturerbe“ ein Bewusstsein für die Bedeutung der Bolzplatzkultur schaffen und Förderung verbessern kann.
Bis Mitte der 1960er Jahre wurde Fußball vor allem auf der Straße gespielt. Doch das verstärkte Verkehrsaufkommen verdrängte Kinder und Jugendliche vom Asphalt. Bolzplätze, die vor allem in dicht bebauten Wohngebieten entstanden, wurden die neuen Treffpunkte. Inzwischen hat sich das Freizeitverhalten von Heranwachsenden stark verändert, nach drinnen verlagert – durch Ganztagsschulen und Digitalisierung. Deswegen mahnt Jürgen Mittag: „Die Bolzplatzkultur ist aktuell ein herausgefordertes Kulturerbe, das es zu sichern und zu verteidigen gilt.“
Weitere Informationen zum Thema Bolzplatz als Kulturerbe finden Sie im Forschungsportal der Deutschen Sporthochschule Köln.