Timing beim Interview in der Mixed Zone

24.08.2026 | Institut für Kommunikations- und Medienforschung


Foto: Luke Madziwa, Unsplash

Sportlerinnen und Sportler müssen regelmäßig direkt nach dem Wettkampf vor die Kamera treten. Genau dann, wenn sie körperlich erschöpft, emotional aufgewühlt und oft gar nicht in der Lage sind, das Geschehene analytisch einzuordnen. Die Leichtathletik-EM in Birmingham hat gezeigt, wie kurios und problematisch diese Praxis sein kann. 

Nach einem Sturz im Wassergraben, einer Enttäuschung oder einem überraschenden Erfolg entstehen spontane Aussagen, die zwischen Nahbarkeit und Erklärungsbedarf schwanken. So kritisierte eine wütende Lea Meyer im ZDF nach ihrem Sturz im 3000-Meter-Hindernis-Finale die Taktik der Siegerin Gesa Krause, um ihr eigenes Verhalten und die Wortwahl wenige Stunden später auf Instagram als „unprofessionell und unsportlich“ zu bezeichnen.

Das Problem besteht nicht darin, dass Athlet:innen im Interview Gefühle zeigen und Anerkennung für ihre Leistung suchen. Im Gegenteil: Euphorie, Frust oder Ratlosigkeit verleihen Sportübertragungen eine menschliche Seite. Es kommt darauf an, wie Journalist:innen mit diesen Erstreaktionen umgehen und eine Überforderung rahmen. 

Wer kurz nach einem Wettkampf in ein Mikrofon spricht, gibt nicht unbedingt eine ausgewogene Antwort, sondern reagiert aus dem Moment heraus. Was dann gesagt wird, mag ehrlich und ungefiltert klingen. Aber es kann auch schaden, etwa wenn interne Teamkonflikte öffentlich sichtbar werden. Die US-amerikanische Schwimmerin Simone Manuel hat schon vor Jahren in einem Tweet geschrieben, dass Aktive nach einer für sie enttäuschenden Performance bei Olympischen Spielen zunächst Zeit zur Verarbeitung brauchen.

Mehr zu den Interviews bei der Leichtathletik-EM in Birmingham