Eine Übersicht über alle Forschungsprojekte unserer Abteilung findet sich unter dem folgenden Link: fis.dshs-koeln.de/de/organisations/abteilung-für-kognitions-und-sportspielforschung/
Im Forschungsprojekt ActIv-KV - („Activate individuals“ zur gezielten Bewegungsförderung körperlich inaktiver Personen durch gesetzliche Krankenversicherungen) wird ein wissenschaftlich fundiertes Befragungstool entwickelt, mit dem körperlich inaktive Personen gezielt hinsichtlich ihrer Voraussetzungen, Motive und Barrieren für körperliche Aktivität untersucht werden können. Hierzu werden vier Gruppen mit unterschiedlichem Sportstatus – Niemals-Sporttreibende, Ex-Sporttreibende, Sporteinsteiger*innen und Immer-Sporttreibende – hinsichtlich Gesundheit, körperlicher Aktivität, Ernährung, Schlaf sowie Sportmotiven und -barrieren verglichen. Auf dieser Grundlage sollen präventionsrelevante Gruppenunterschiede identifiziert und geeignete Items für die Entwicklung eines benutzerfreundlichen Kurzfrage-Tools ausgewählt werden, das eine adressatengerechte Gestaltung von Bewegungsangeboten durch gesetzliche Krankenversicherungen unterstützen soll.
Kontakte: Johannes Meyer, Malte Kraul, Marisa Kolbe, Mai Geisen
In dem BISp geförderten und in Kooperation mit dem Deutschen Handballbund durchgeführten Forschungsprojekt „Entwicklung und Training der Entscheidungen von Handballschiedsrichterinnen“ untersuchen wir das Entscheidungsverhalten von Schiedsrichter*innen und welche Rolle geschlechtsspezifische Unterschiede dabei spielen. Schiedsrichterinnen stehen im Handball unter enormem Druck. Sie müssen in Sekundenbruchteilen korrekte Entscheidungen treffen. Doch welche Faktoren beeinflussen ihre Leistungsentwicklung? Und welchen besonderen Herausforderungen begegnen weibliche Schiedsrichterinnen in ihrer Karriere?
Um diese Fragen zu beantworten, gliedert sich das Projekt in vier Teilprojekte. Zunächst werden in leitfadengestützten Interviews die Lebens- und Karriereverläufe von Schiedsrichterinnen beleuchtet, um Hürden und Herausforderungen im Schiedsrichteralltag mit besonderem Blick auf geschlechtsspezifische Unterschiede zu identifizieren. Daran anknüpfend wird mithilfe eines Schiedsrichter*innen-Entscheidungstests untersucht, welchen Einfluss die Videoperspektive sowie das Geschlecht der gezeigten Mannschaften auf das Entscheidungsverhalten haben. Im dritten Schritt wird eine spezifisch entwickelte Trainingsintervention auf ihre Funktionalität und Effektivität hin überprüft, mit dem Ziel, das Schiedsrichter*innen-Training gezielt weiterzuentwickeln. Abschließend wird das verbale und nonverbale Verhalten von Schiedsrichter*innen im Spiel analysiert und auf geschlechtsspezifische Effekte hin untersucht. Die Ergebnisse des Projekts sollen die Förderung weiblicher Schiedsrichterinnen im deutschen Handball stärken und dazu beitragen, adressatengerechte Trainingsmethoden zu entwickeln.
Kontakte: Deborah Seipp, Frowin Fasold, Stefanie Klatt
Im Rahmen des durch das BISp geförderten Service-Forschungsprojekts zur „Bewegungsanalyse des Flatteraufschlags im Frauen-(Beach-)Volleyball“ wurde der Flatteraufschlag im Leistungsvolleyball mithilfe von Videoanalyse und Motion Capture-Technologie (in Verbindung mit dem Kabsch-basierten Verfahren, siehe „MILKI-PSY“-Projekt) untersucht, um Zusammenhänge zwischen Bewegungsausführung, Ballflugverhalten und Aufschlageffektivität zu analysieren. Dabei zeigte sich, dass die durchgezogene und die abgestoppte Schlagarmtechnik hinsichtlich der Aufschlageffektivität grundsätzlich vergleichbar sind, sich jedoch in einzelnen kinematischen Parametern sowie im Ballflug unterscheiden. Allerdings wiesen die untersuchten Spieler*innen eine hohe intraindividuelle Variabilität zwischen der abgestoppten und der durchgezogenen Schlagarmtechnik auf. In zukünftigen Untersuchungen sollen daher Spieler*innen analysiert werden, die beide Schlagarmtechniken auf einem vergleichbaren Leistungsniveau beherrschen.
Kontakte: Deborah Seipp, Florian Seifriz, Mai Geisen, Stefanie Klatt
Im Projekt „Hoops For Schools“ (H4S, hoopsforschools.basketball) wird der Einsatz gamifizierter digitaler Tools in der Sportart Basketball zur Unterstützung des Sportunterrichts in Grundschulen untersucht. Im ersten Schritt wurde ein systematisches Review zur Nutzung digitaler Tools im Sportunterricht an Primary Schools in Europa durchgeführt, bevor im Rahmen einer Pilotstudie die Nutzung und Akzeptanz des von der FIBA (Fédération Internationale de Basketball) entwickelten digitalen Basketballtools durch Lehrkräfte in sechs europäischen Ländern untersucht wurde. Die bisherigen Ergebnisse zeigen eine hohe Akzeptanz und positive Bewertung des Tools hinsichtlich Benutzerfreundlichkeit, Funktionalität und pädagogischem Nutzen. Als zentrale Stärken wurden insbesondere die motivierende Gestaltung, die strukturierte Unterstützung der Unterrichtsplanung sowie das integrierte Belohnungssystem hervorgehoben, während vor allem der Wunsch nach zusätzlichen Inhalten geäußert wurde. Das laufende Projekt zielt darauf ab, Potenziale und Anforderungen gamifizierter Anwendungen in der Sportart Basketball für einen motivierenden und strukturierten Sportunterricht zu identifizieren und deren Implementierung sowie pädagogischen Nutzen weiter zu evaluieren.
Kontakte: Karsten Schul, Deborah Seipp, Franz Bernhardt, Mai Geisen, Stefanie Klatt
Im Durchschnitt ändert ein(e) Spielsportler*in während des Wettkampfes zwischen 500-3000 Mal im Abstand von 2-4 Sekunden ihre/seine Bewegung (z.B. Sprünge, laterale Bewegungen, hoch intensive Läufe etc.). In den Sportspielen sind die meisten dieser Bewegungsänderungen eine Reaktion auf einen Reiz (z. B. die Bewegung einer anderen Spieler*in oder die Ballbewegung). Diese Fertigkeit wird in der aktuellen Literatur als Agility definiert. Der Begriff Agility umfasst einen Wahrnehmungs- und Entscheidungsprozess und äußert sich in Form einer Geschwindigkeits- oder Richtungsänderung (Change of Direction, Kurz: COD).
Der SpeedCourt der Firma Global Speed ist ein multifunktionales Diagnostik- und Trainingssystem. Es besteht aus 12 Kontaktplatten und mit Hilfe der Software können über den Bildschirm vordefinierte oder randomisierte Laufwege aufgezeigt werden.
Basierend auf den Anforderungen im Sportspiel kann der SpeedCourt zu diagnostischen Zwecken und zur Trainingssteuerung, vor allem im Bereich der multidirektionalen Sportarten dienen. Zudem kann er als sportartspezifische Testung für disziplinübergreifende Fragestellungen genutzt werden.
Kontakte: Karsten Schul, Franz Bernhardt, Frowin Fasold, Stefanie Klatt
Im durch das BISp geförderten Projekt zur „Bewegungsoptimierung im Golf durch XR“ wurde die Auswirkung visueller Echtzeit-Informationen mit Hilfe einer Extended Reality (XR)-Brille bei einer golfspezifischen Bewegungsaufgabe erforscht. Konkret wurde die Handgelenkswinkelstellung und Leistungsparameter (Carry Meter, Launch Angle, Schlag-/Ballgeschwindigkeit) beim Pitch aus 50m Distanz untersucht. Anhand einer Trainingsintervention erhielten Nachwuchsathlet*innen des Deutschen Golf Verbands regelmäßig über mehrere Wochen visuelle Informationen per XR-Brille in Echtzeit zu ihrer Handgelenksbewegung, die dabei in Relation zur angenommenen perfektionierten Handgelenksbewegung eines zuvor registrierten Vorbildes erarbeitet wurden. Eine Kontrollgruppe erhielt ein im Golf übliches Techniktraining per Videoinstruktion. Durch die am Ende der Intervention erreichten Leistung hinsichtlich der Bewegungsqualität und der weiteren Leistungsparameter wurde die Relevanz der visuellen Informationen überprüft. Die Ergebnisse deuten auf differenzielle Anpassungsprofile der Trainingsformen: das Technikinstruktionstraining bewirkte teils stärkere Annäherung in den Leistungsparametern, das XR-Training beeinflusste vor allem kinematische Merkmale. Visuelle Echtzeit-Informationen adressieren scheinbar primär bewegungsnahe Regulationsprozesse, leistungsbezogene Effekte könnten verzögert auftreten. Trotz ungewohnter visueller Informationsverarbeitung erreichte die XR-Gruppe eine vergleichbare Leistungsentwicklung, hindeutend auf die Umsetzbarkeit im Nachwuchsleistungssport. Langfristige Effekte sind in Folgestudien zu prüfen.
Kontakte: Mai Geisen, Timo Klein-Soetebier, Stefanie Klatt
Im BMFTR-geförderten Projekt „MILKI-PSY“ wurden Lernumgebungen entwickeln, die das Erlernen psychomotorischer Fähigkeiten unterstützen. Hierbei wurden reale Trainingsumgebungen mit virtuellen Informationen kombiniert. Optimierte Bewegungsabläufe von Expert*innen wurden mit Kameras und Sensoren aufgezeichnet. Aus diesen Aufnahmen generierte Bewegungsvorbilder bieten Lernenden einen direkten Soll-/Ist-Wert-Vergleich. Extended Reality (XR) hilft dabei, diese immersiven Trainingsumgebungen zu kreieren. Untersuchungen im Tanz-/Fitnessbereich sowie im Golf konnten zeigen, dass motorisches Lernen nicht ausschließlich durch konventionelle (sportspezifische) Methoden gefördert wird, sondern auch innovative Methoden entsprechende Trainingseffekte erzeugen. Zukünftige Langzeitstudien sollten prüfen, inwiefern die Auswirkungen eines XR-Trainings über die Effekte eines herkömmlichen Trainings hinausgehen können. Als Teil des Projekts wurden zudem per Motion Capture (Ganzkörperanzug mit integrierter Sensorik) Bewegungsabläufe im Volleyball, Handball, Fußball und Badminton erfasst. Im Volleyball und Handball wurden die Bewegungsabläufe mit verschiedenen Bällen durchgeführt. Im Fußball und Badminton wurden zusätzlich zur gewöhnlichen Bewegungsausführung Gewichte an den Fuß- bzw. Handgelenken der Proband*innen befestigt. Für einen intraindividuellen Vergleich der erfassten Bewegungsdaten wurde ein Kabsch-basierter Ansatz zur Bewegungsanalyse entwickelt. Dieser ermöglicht es, Bewegungen anhand der räumlichen Positionen der Körpersegmente mit Referenzbewegungen abzugleichen und Bewegungsunterschiede objektiv zu quantifizieren. Die Methode wurde zunächst am Beispiel der Sportspieldaten erprobt und zeigt Potenzial für eine differenzierte Analyse sportmotorischer Bewegungen. Der Ansatz wird in weiteren Forschungsprojekten eingesetzt und weiterentwickelt, um sensorbasierte Bewegungsdaten für die objektive Bewegungsanalyse und die Gestaltung von Feedback- und Lernprozessen nutzbar zu machen.
Kontakte: Mai Geisen, Florian Seifriz, Stefanie Klatt
Für Tischtennisspieler:innen ist die Schnelligkeit wahrscheinlich die relevanteste konditionelle Fähigkeit. Das Tischtennisspiel verlangt sowohl eine schnelle Beinarbeit am Tisch sowie ein schnelles Ausführen der Schlagbewegung, um zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und dort einen Schlag fehlerfrei auszuführen. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, muss die Handlungsschnelligkeit der Tischtennisspieler:innen sehr stark ausgeprägt sein. Dabei geht es zum einen, um die eigentliche Bewegungsschnelligkeit, aber auch um die Handlungsschnelligkeit, also das schnelle situationsadäquate Handeln im Spiel (vgl. Hohmann, Lames & Letzelter, 2010, S.86). Je mehr Zeit die Spieler:innen für die Bewegungshandlung in einem Ballwechsel haben, desto kontrollierter findet der Schlag statt (vgl. Schiefler, 2003). Essentiell für diesen „Zeitgewinn" ist eine effiziente Beinarbeit. Sie ist die Grundlage eines jeden Schlages, um optimal zum Balltreffpunkt stehen zu können. Daher sind Analysen für Beinarbeitstechniken mit Berücksichtigung der Schlagtechnik immer wichtiger für Spieler:innen und Trainer:innen (Fuchs et al., 2018).
Eine konkrete Frage, die sich Tischtennisspieler:innen, aber auch Trainer:innen und Tischtennisbegeisterte immer wieder stellen, lautet: „Nach welchen Beinarbeitstechniken erfolgt ein Punktgewinn bzw. ein Punktverlust?“ Es ist oft kein Zufall, dass sich Akteur:innen aus dem Tischtennis im Unklaren sind, denn eine umfassende automatisierte Spielanalyse zweier Tischtennisspieler:innen in Bezug auf Punktgewinn und Punktverlust gibt es im Tischtennis bislang unzureichend. Mithilfe von Heatmaps werden die Positionen von TischtennisspielerInnen analysiert. Langfristiges Ziel ist die Entwicklung einer automatisierten Analysesoftware im Tischtennis, mit der außerdem effiziente Beinarbeitstechniken, sowie Interaktionen zwischen SpielerInnen zukünftig untersucht werden können.
Kontakte: Fabiola Haas, Tobias Baumgartner, Timo Klein-Soetebier, Florian Seifriz, Stefanie Klatt
Im Sport, insbesondere in kompositorischen Sportarten, finden häufig Rotationsbewegungen statt. Untersuchungen haben gezeigt, dass Sportler*innen aufgrund ihrer regelmäßigen Ausübung von räumlichen Aktivitäten eine bessere mentale Rotationsfähigkeit besitzen als Nicht-Sportler*innen. Die Bedeutung der häufigen realen Rotation und der verbesserten mentalen Rotation bei Sportler*innen kann aus der Embodied-Cognition-Perspektive betrachtet werden, die erklärt, dass sich motorische und kognitive Prozesse gegenseitig beeinflussen. Bisher wurden reale und mentale Rotation meist getrennt voneinander betrachtet. Mithilfe einer innovativen digitalen Methodik werden Untersuchungsmöglichkeiten dargestellt, welche gezielt die Forschung hinsichtlich Embodied-Cognition, speziell in der Sportwissenschaft, bereichern.
Kontakte: Mai Geisen, Stefanie Klatt
Das Modell der 24 Charakterstärken (Peterson & Seligman, 2004), das aus dem Bereich der Positiven Psychologie stammt, wurde in vielen Lebensbereichen bereits gründlich erforscht, bislang jedoch nicht im Sportkontext. In der Arbeitswelt und im Schulkontext zeigen sich konstant Zusammenhänge zwischen den Charakterstärken und Wohlbefinden sowie leistungsrelevanten Parametern. Anhand erster Fragebogen Untersuchungen sollen die Zusammenhänge zwischen den Charakterstärken und dem sportlichen Leistungsniveau von Athlet*innen verschiedener Sportarten beleuchtet werden. Im Jugendbereich werden darüber hinaus Zusammenhänge zwischen Charakterstärken und dem allgemeinen Wohlbefinden sowie der Freude am Sport von jungen Fußballspielern untersucht. Aufbauend auf den Erkenntnissen dieser Voruntersuchungen können im Folgenden Interventionen zur Förderung bestimmter Charakterstärken, des Wohlbefindens und der Leistungsfähigkeit von Athlet*innen entwickelt werden.
Mittels einer systematischen Literaturrecherche wird außerdem der derzeitige Forschungsstand hinsichtlich Positiver Psychologie Interventionen im Sport aufgearbeitet. Dabei soll zum einen ermittelt werden mit welchem Fokus Positive Psychologie Interventionen im Sport bislang typischerweise durchgeführt werden und welchen Einfluss diese Interventionen auf das Wohlbefinden und die Leistung von Athlet*innen haben.
Kontakte: Nina Riedl, Stefanie Klatt
Memmert, D., Klatt, S., & Kreitz, C. (2020). Wahrnehmung und Aufmerksamkeit im Sport. In: J. Schüler, M. Wegner, H. Plessner (Eds.). Sportpsychologie: Grundlagen und Anwendung (pp. 15-42). Berlin, Heidelberg: Springer.