Zwei Tänzerinnen auf einer dunkel beleuchteten Bühne formen mit ihren Körpern eine verschlungene Pose, während zwischen ihnen ein roter Luftballon schwebt – alles in rotes Scheinwerferlicht getaucht.

Forschungsschwerpunkt 1: Kulturelle Bildungsforschung im Tanz

 

Forschungstätigkeiten im Rahmen der Wirkungsforschung und domainspezifischen Bildungsforschung im Tanz betten sich ein in Forschung zu ästhetischer und kultureller Bildung, die in den vergangenen 15 Jahren in Deutschland enorm an Bedeutung gewonnen hat. National wie international besteht nach wie vor ein großes Forschungsdesiderat hinsichtlich der wissenschaftlich fundierten sowie bereichsspezifischen differenzierten Forschung, insbesondere zum Gegenstandsbereich Tanz (u.a. in der ästhetisch-kulturellen Bildung). Bisherige Projekte und Forschungsergebnisse setzten an dieser Forschungslücke an und wurden in den thematisch passgenauen Förderlinien der letzten Jahre u.a. von der Stiftung Mercator und dem Rat für Kulturelle Bildung e.V. gefördert. In Verbindung mit großer Sichtbarkeit im Feld stand das Wirkungsforschungsprojekt zu „Tanz und Bewegungstheater in der Ganztagsgrundschule“ (2015-2017) sowie das von 2016-2019 geförderte BMBF-Verbundprojekt „KuBiTanz: Kulturelle Bildungsforschung im Tanz“ (u.a. Dissertation von Dr. Helena Rudi (jetzt Universität Mainz). Die Dissertation von Dr. Christian Büning mit einem Fokus auf der Kreativitäts- und Selbstbildentwicklung von Studierenden in künstlerisch-pädagogischen Studienschwerunkten im Rahmen einer Längsschnittstudie zu anderen Bildungsinhalten des Sportstudiums sowie die mit dem Ommo Gruppe Preis ausgezeichnete Dissertation von Dr. Stephani Howahl mit dem Titel “Tanz und Bildung im Spiegel vom Emotionen: empirische Studien und theoretische Reflexionen“ sind ebenfalls diesem Forschungsschwerpunkt zugehörig. Ziel der forschungsbasierten Lehre des Instituts ist die Vermittlung berufsfeldbezogener allgemeiner und spezifischer Reflexions- und Handlungskompetenzen. Fragestellungen zu aktuellen Themen werden anwendungsorientiert und integrativ von den Mitarbeitenden des Instituts verfolgt. Hier kommen verschiedene Forschungsstrategien (u.a. ethnographische und praxeologische Forschung sowie empirisch-statistische Wirkungsforschung) zum Einsatz. Derzeit verfolgen mehrere Forschungsarbeiten Fragestellungen in spezifischen Bereichen von Tanz und Bewegungskultur. Dazu gehören zum einen die Dissertationen von Marco Grawunder zum Aspekt des Vertrauens im Bewegungstheater in schulischen und außerschulischen Settings. Ein weiterer Fokus liegt auf dem Urbanen Tanz, da Breaking als erste Tanzdisziplin 2024 olympisch wurde. Die Dissertationen von Sophie Manuela Lindner und Friederike Frost bilden hier spezifische Teilaspekte, u.a. zu Fragen der Ästhetik der Bewegungsformen und Trainingspraktiken im Breaking ab. Die Kernkompetenzen des Instituts liegen hier in der methodischen Entwicklung von Konzepten zur Leistungsförderung und Gesundheitsprävention im urbanen Tanz sowie in der Vermittlung dieser für Tänzer*innen. Aktuell arbeiten wir das innovative Potenzial des von der UNESCO im Rahmen des immateriellen Kulturerbes ausgezeichneten Modernen Tanzes europäischer Prägung vor dem Hintergrund aktueller und glokaler Musik- und Tanzkulturen (in einem vom BMFTR ab Ende 2026-2028 geförderten Verbundvorhaben) heraus.

 

Eine Frau mit VR-Brille und Controller steht vor einem großen Bildschirm, auf dem eine tanzende Person mit digitalen Lichtspuren zu sehen ist – im Hintergrund ein Whiteboard mit Moderationskarten.

Forschungsschwerpunkt 2: Digitalität in Bildung, Unterricht und Bewegung/Tanz

Digitalisierung kennzeichnet ein Phänomen mit Ausprägungen in vielfältigen Bereichen gesellschaftlichen Lebens, es manifestiert sich nicht nur informationell-technisch, sondern gleichermaßen ästhetisch-kulturell und betrifft so auch Bewegung, Spiel, Sport und Tanz und die wissenschaftliche Erforschung dieses Gegenstandsbereiches. Zur Bearbeitung der Fragestellungen wird ein anwendungsorientierter, integrativer Forschungsansatz verfolgt, der durch verschiedene Forschungsstrategien (u.a. ethnographische Feld- und Evaluationsforschung) gekennzeichnet ist. Das abgeschlossene BMBF-Projekt „#digitanz- Digitalität und Tanz in der kulturellen Bildung“ (http://digitanz.de) war speziell darauf ausgerichtet, die Auswirkungen der Integration von digitalen kreativ-Tools in Tanzvermittlungssettings zu erforschen (Dissertation von Dr. Maren Zühlke, jetzt Uni Frankfurt). Das BMBF-Projekt „#vortanz – Automatisierte Vorannotationen in der digitalen Hochschultanzausbildung“ (https://vortanz.ai/#/de) zielte auf die Implementierung und Evaluation einer KI-gestützten Software als intelligentes Assistenzsystem zur Lernprozessunterstützung an drei Hochschulstandorten ab: der Deutschen Sporthochschule in Köln, dem Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz (HZT) in Berlin sowie der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) in Frankfurt. Im Zentrum des Vorhabens #vortanz stand die Frage, inwiefern der Einsatz digitaler Technologien und automatisierter Prozesse Feedback und Reflexion in bewegt-gestalterischen Lehr- und Lernprozessen unterstützen und deren Qualität und damit den Lernerfolg steigern können (die Dissertationen von Kira Siwert (gefördert durch die Studienstiftung des Deutschen Volkes und Helena Miko fokussieren Teilaspekte dieses Projektes). Wesentlicher Bestandteil dieses Forschungsfeldes ist eine Kooperation mit der Forschungsgruppe Motion Bank (www.motionbank.org, Medieninformatik, Hochschule Mainz). Im Rahmen des vom BMBFSFJ (2023-2026) geförderten Projektes ComeSport entwickelten wir in der Arbeitsgruppe ComeNet3 VR- und Avatar gestützte Fortbildungsmodule für zukunftsorientierte Lehrkonzepte, die (Bewegungs-)Wissen mithilfe digitaler Medien (Virtual Reality und Motion Capture) neuartig - innovativ und immersiv - zugänglich machen. In Design-Based-Research Prozessen wurden hier Unterrichtsmaterialien zum Einsatz in Fortbildungen und Schulen entwickelt, die aktuell von Rachel Wittschier in ihrer Dissertation evaluiert werden).