Wir unterstützen Sie - von der Themenfindung bis zur Disputation begleiten wir Sie auf dem Weg zum Doktortitel. Erhalten Sie hier einen Einblick in aktuelle und vergangene Themengebiete der Doktoranden und Promovierten.
Arbeitstitel
Fighting Youth Unemployment through Sports for Development – Palestine (West Bank & East Jerusalem)
Forschungsbeginn
2016
Forschungsinhalt
Palästina ist ein Land, das aufgrund des Konflikts und der Unterdrückung durch die israelische Besatzung sowie der internen Kämpfe zwischen den politischen Parteien Fatah und Hamas unter großem politischen und wirtschaftlichen Druck steht. Infolgedessen ist die palästinensische Gesellschaft und insbesondere die Jugend zunehmend gespalten und leidet unter vielen Spaltungen und Hindernissen. Eine Folge davon ist eine sehr hohe Arbeitslosenquote unter Jugendlichen (39 %). Die Dissertation untersucht und analysiert die Rolle von Sport für Entwicklung (S4D) und die verschiedenen Interventionen von S4D zur Steigerung der Kompetenzen und Beschäftigungsfähigkeit von Jugendlichen, wobei der Schwerpunkt auf dem theoretischen Aspekt des Bildungs- und Beschäftigungssystems in Palästina sowie auf umfassenden Daten aus der Praxis liegt: Jugendliche, Entscheidungsträger, Politik und Statistiken. Außerdem gibt sie einen Einblick in die Geschichte Palästinas, die politischen Implikationen, die wirtschaftlichen und soziokulturellen Kontexte, die Lebensbedingungen und die Jugendmigration, die Denkweise und den Ansatz in der beruflichen Bildung sowie die Jugendpolitik.
Kontakt
tawartani(at)gmail.com
Arbeitstitel
Wechselwirkungen zwischen institutionellen Merkmalen und der Demokratisierung der Sportverwaltung in Europa
Forschungsbeginn
Forschungsinhalt
"Demokratie" ist eine Schlüsseldimension vieler Good-Governance-Inventare und steht in engem Zusammenhang mit den Bestrebungen verschiedener Akteure, die Integrität des Sports zu fördern und zu schützen. Auf praktischer Ebene herrscht in der Wissenschaft die Meinung vor, dass demokratische Defizite (wie das Fehlen fairer und offener Wahlen, die Beteiligung der Interessengruppen an der Entscheidungsfindung oder eine klare Gewaltenteilung) in verschiedenen Sport-Governance-Systemen bestehen, sei es in führenden Sportverbänden, Anti-Doping-Organisationen oder professionellen Mannschaftssportligen und ihren Vereinen. Diese Unzulänglichkeiten stehen jedoch in klarem Widerspruch zu dem zunehmenden Druck auf die Sportorganisationen, die Good-Governance-Standards einzuhalten, um den weithin propagierten Grundsatz der "bedingten Autonomie" des Sports zu wahren, sowie zu den Bestimmungen zur Demokratie in sportartspezifischen politischen Dokumenten wie der Entschließung des Rates zu den Hauptmerkmalen des europäischen Sportmodells. Vor diesem Hintergrund gibt es viel Grund zu der Annahme, dass die Art und Weise, wie mehrere Dimensionen des Spitzensports in Europa derzeit geregelt werden, im Widerspruch zu grundlegenden demokratischen Werten steht, die in der EU und/oder in nationalen Rechtsvorschriften verankert sind.
Darüber hinaus fehlt es auf theoretischer Ebene an einer ganzheitlichen Erforschung der normativen Grundlagen der formulierten demokratischen Prinzipien in der sportartspezifischen GG-Forschung. Bis heute bleibt unklar, wo bestimmte Normen, Rechte und moralische Werte, die die Demokratie in der Sport-Governance definieren sollen, verankert sind und ob sie z.B. einen universalistischen oder eher kontextualistischen Charakter haben. Darüber hinaus gibt es nur begrenzte Kenntnisse über mögliche Einflussfaktoren (Determinanten), (kausale) Zusammenhänge und Auswirkungen in Bezug auf die Umsetzung demokratischer Prozesse in Sport-Governance-Systemen. Dies wiederum ist ein wichtiges Desiderat angesichts der zunehmenden Komplexität der Multi-Level-Governance des Spitzensports in Europa, sowohl auf vertikaler Ebene (z.B. über die nationale und trans/supranationale Regulierung des Sports) als auch auf horizontaler Ebene (z.B. über einzelne Länder und Sportarten hinweg). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es einen starken Bedarf an einem höheren Grad an analytischer Differenzierung in der Demokratieforschung in den Bereichen Sport-Governance und vergleichende Sportpolitik als Ganzes gibt.
Auf der Grundlage von vier EU-finanzierten Forschungsprojekten des IESF, die einen übergreifenden methodischen und analytischen Rahmen bilden, besteht das Hauptziel der Dissertation darin, die (nicht-)demokratische Governance in drei unterschiedlichen, aber miteinander verknüpften Sport-Governance-Systemen auf EU-Ebene zu konzeptualisieren, zu kartieren und zu erklären sowie den sportartspezifischen Good-Governance-Diskurs weiter zu gestalten. Mit einem besonderen analytischen Fokus auf Fragen der Partizipation und des Wohlergehens von Athleten, die in der Sport-Governance weltweit an Dynamik gewinnen und auf akademischer und praktischer Ebene kontrovers diskutiert werden, lauten die beiden übergreifenden Forschungsfragen der Dissertation, die den weiteren Forschungsprozess leiten sollen:
Arbeitstitel: Sport and environmental protection,
Forschungsbeginn: 2/2024
Working Title: Grassroots Sport Development in Sri Lanka: Actors, Actions, Arguments and Achievements
Start of research: 2023
Abstract:
Ziel dieser Studie ist es, einen Rahmen für die nachhaltige Entwicklung des Breitensports in Sri Lanka zu erarbeiten, indem aktuelle Praktiken, zentrale Herausforderungen und mögliche Strategien im institutionalisierten Sportbereich untersucht werden. Unter Anwendung eines interpretativen qualitativen Forschungsansatzes stützt sich die Studie auf halbstrukturierte Interviews, Tiefeninterviews und Dokumentenanalysen, um aussagekräftige, kontextspezifische Daten von fünf wichtigen Interessengruppen zu gewinnen, darunter staatliche Institutionen, nationale Sportverbände, Sportler und Betreuer, Bildungseinrichtungen sowie Akteure aus der Privatwirtschaft. Die Datenanalyse erfolgt anhand eines thematischen Analyserahmens, unterstützt durch Stakeholder-Triangulation und ständige vergleichende Analyse, um die Glaubwürdigkeit und Tiefe der Interpretation zu verbessern. Der analytische Rahmen orientiert sich an den Dimensionen der Hochrangigen Gruppe für Breitensport, darunter Gesundheit, soziale Inklusion, informelles Lernen, Freiwilligenarbeit, wirtschaftliche Nachhaltigkeit, Finanzierung und Infrastruktur. Die Studie soll strukturelle Lücken, Herausforderungen im Bereich der Governance und Möglichkeiten für die Zusammenarbeit im Rahmen der Entwicklung des Breitensports in Sri Lanka aufzeigen und letztlich als Grundlage für die Entwicklung eines nachhaltigen, inklusiven und kontextbezogenen nationalen Modells zur Förderung des Breitensports dienen.
This study aims to develop a sustainable grassroots sport development framework for Sri Lanka by examining current practices, key challenges, and potential strategies within institutionalized sport settings. Adopting an interpretivist qualitative research design, the study utilizes semi-structured interviews, in-depth interviews, and document analysis to generate rich, context-specific data from five major stakeholder groups, including government institutions, national sport federations, athletes and support personnel, educational institutions, and private-sector stakeholders. Data analysis using thematic analysis framework, supported by stakeholder triangulation and constant comparative analysis to enhance credibility and depth of interpretation. The analytical framework is guided by the High-Level Group on Grassroots Sport dimensions, including health, social inclusion, informal learning, volunteering, economic sustainability, financing, and infrastructure. The study is expected to identify structural gaps, governance challenges, and opportunities for collaboration within Sri Lanka’s grassroots sport development, ultimately informing the development of a sustainable, inclusive, and contextually relevant national grassroots sport development model.
Arbeitstitel
Sports diplomacy from a women’s perspective
Forschungsbeginn:
10/2023
Arbeitstitel
Chancen und Grenzen der Sportdiplomatie auf dem Westbalkan
Projektbeginn
2022
Thema
Sport als diplomatisches Instrument gewinnt zunehmend an Bedeutung und verstärkt außenpolitische und diplomatische Botschaften. Es kann auch zur Stärkung der internationalen „Marke“ im Hinblick auf die Nutzung neuer politischer und wirtschaftlicher Chancen genutzt werden.
Die EU versucht durch den erneuerten Ansatz für die Westbalkan-Erweiterung aus ihrer derzeitigen wirtschaftlichen und politischen Erholung Kapital zu schlagen und die Region näher heranzuführen. Es wird deutlich, dass die Rolle des Sports in der Außenpolitik der postsozialistischen Staaten ein Thema ist, jedoch innerhalb des wissenschaftlichen Bereichs und der internationalen Beziehungen wenig Beachtung erfahren hat.
Die angestrebte Dissertation soll eine Lücke in der wissenschaftlichen Literatur schließen und neue Forschungsperspektiven eröffnen. Es werden wirksame Anstrengungen unternommen, um die Situation im Westbalkangebiet zu beleuchten, insbesondere in einigen Zielländern (wie Kroatien, Nordmazedonien und Serbien, etc.).
Arbeitstitel
Wer sind die Fans des deutschen Frauenfußballs? Eine theoretische Analyse von sozialen Grundlagen, Medien und kollektiver Identität
Forschungsbeginn
Oktober 2025
Thema
In den vergangenen Jahren hat der Frauenfußball sowohl national als auch international eine zunehmende gesellschaftliche und mediale Aufmerksamkeit erfahren. Ein besonders prägender Moment war die UEFA Women's EURO 2022, die in Deutschland nicht nur für Begeisterung sorgte, sondern auch als „Boost“ für das öffentliche Interesse am Frauenfußball gewertet wurde. Diese Entwicklung macht sich nicht nur auf der internationalen Bühne bemerkbar: Auch im Amateur- und semiprofessionellen Bereich ist ein wachsendes Interesse erkennbar. Währenddessen zeigt sich in der Forschung kaum eine Weiterentwicklung des Themenfeldes. Der Frauenfußball ist nur selten im Fokus und innerhalb dieses kleinen Themengebiets spielt die Fanforschung keine Rolle.
Ziel der angestrebten Dissertation ist es diese Lücke durch die Erfassung und Analyse der soziokulturellen Strukturen und Dynamiken der Fanszene im deutschen Frauenfußball zu schließen und ein tieferes Verständnis für die Motive und Bedürfnisse dieser Fangruppe zu erlangen.
Youth Sport Policy in Europe
Cross-National Comparison and the Perspectives of Europeanization
Jugendsportpolitik in Europa – ein länderübergreifender Vergleich und Perspektiven einer Europäisierung
Projektbeginn: 2015
Inhalt:
Die Gesundheit und körperliche Aktivität von Kindern und Jugendlichen ist gegenwärtig ein polarisierendes Thema. Als Grundstein für lebenslange Sportausübung füllt die Thematik Kinder- und Jugendsport heutzutage politische Agenden in Europa. Kritisiert werden fehlende Strukturen oder mangelnde Kooperation zwischen verschiedenen Akteuren. Die wissenschaftliche Forschung hat sich dabei bis dato sehr zurückhaltend gezeigt. Eine ländervergleichende Untersuchung der Strukturen und Systeme konzentriert auf den Jugendsport gibt es in dieser Form noch nicht.
Ziel dieser Dissertation ist es daher das mehrdimensionale, komplexe Politikfeld „Jugendsport“ systematisch zu analysieren und auf multinationalem Level zu vergleichen. Es wird konkret die Fragen untersucht, welche Unterschiede in den ausgewählten Ländern in Hinblick auf die zu untersuchenden Kriterien im Jugendsportbereich vorliegen und wie diese Differenzen zu bewerten sind. Neben der multinationalen Länderanalyse und der Betrachtung auf supranationalem Level, wird das Politikfeld Jugendsport im europäischen Kontext dargestellt und in Hinblick auf einen Europäisierungsansatz diskutiert.
Dazu wird methodisch zunächst eine Literatur- und Dokumentenrecherche als Grundlage durchgeführt. Aufbauend darauf sollen Experteninterviews geführt und mit qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet werden. Durch die Theorie und Methodik soll eine anwendbare Kategorisierung entwickelt werden, um europäische Jugendsportsysteme mit einem umfassenden Design untersuchen zu können.
Folglich zeigen die erwarteten Ergebnisse nicht nur empirische, sondern auch theoretische Relevanz. Es soll außerdem zu weiteren Forschungen angeregt werden, sowie nutzbringende Implikationen für die untersuchten Länder bereitstellen.
Arbeitstitel
Understanding the Sport Policy Process in China: The Dialectical Relationships between Actors, Contexts and Policy Networks
Forschungsbeginn: 2020
Inhalt
Die Reform schuf seit den 1970er Jahren ein beispielloses Potenzial für das Verständnis bürokratischer Beziehungen und politischer Prozesse in China, auch im Sportbereich. In jüngster Zeit wurde dem sportpolitischen Prozess wachsende Aufmerksamkeit geschenkt, und zwar in Bezug auf sein Verhältnis zur Politik, die Rolle der Autorität, die Interaktion während des Prozesses, die Art und Weise, wie Sportpolitik gemacht wird, oder auch, ob es einen Weg gibt, die "Black Box" der Sportpolitik in China zu öffnen. Policy Networks, als ein sehr aufschlussreiches theoretisches Tor zum Verständnis des sportpolitischen Prozesses in China, wurde in der abgeschlossenen Masterarbeit von Danlin Wu getestet. In Anlehnung an die empirische Studie bildet das Policy Network für den Sport in China eine stärker integrierte politische Gemeinschaft, die aus den inneren Bereichen der parteiinternen koexistierenden Staatsbürokraten und den äußeren Kreisen sporadischer und themenbezogener QUANGOs und anderer Akteure besteht.
Als Erweiterung der Masterarbeit möchte diese Dissertation die dialektischen Beziehungen zwischen diesen Schlüsselelementen (d.h. Akteuren, Netzwerken, kontextuellen Faktoren usw.) im politischen Prozess weiter generieren. Das Meso-Level Framework of Policy Network wird in den Mittelpunkt der Analyse gestellt, und es werden Variablen auf Makroebene bezüglich des Fragmentierten Autoritarismus und des chinesischen Modells der Konsensentscheidung hinzugefügt, um den Erklärungsnutzen für den sportpolitischen Prozess in China zu verbessern. Die geplante Dissertation verfolgt einen qualitativen Forschungsansatz. Diesem Zweck dienen Interviews mit einschlägigen Experten, Wissenschaftlern und offiziellen Stellen vor Ort sowie eine Inhaltsanalyse beider Politikdokumente, Regierungsberichte, offizielle Publikationen, Korrespondenz zwischen den Netzwerkakteuren, persönliche Archive, Sitzungsprotokolle, Interviewprotokolle und so weiter. Folglich kann der dialektische Nexus sowohl in abstrakter als auch in konkreter Form im sportpolitischen Prozess in China erforscht werden.
Arbeitstitel
Insights into China's Leisure Sports: from the Perspective of Sustainability
Forschungsbeginn
2022
Inhalt
With the implementation of legal holidays and the rapid development of economy, leisure sport has gradually become an important agenda of China's leisure development and also sports development. In the foreseeable future and as an important national development strategy, leisure sport will become an important part of public policy, especially in the field of sports policy. This study attempts to conduct a basic research on the development of leisure sports in China. Firstly, the study will outline the historical context of the development of Leisure sports in China with the transformation of leisure sports policy as the core. More importantly, from the perspective of sustainability, this study will comprehensively apply analytical frameworks and theories from the fields of policy science, sociology and sports science, to explore the sustainability of the leisure sports policy itself (including interaction between policy and economic, political, social development), the sustainability of individual development under the policy (physical literacy), the sustainability of ecological environment under the effect of policy (sports-themed town). The study will eventually form a comprehensive evaluation study on the sustainability of leisure sports development in China, and give evidence-based suggestions for future development by exploring the past, present and future of China's leisure sports policy.
"Life-Coaching im deutschen Profi- und Nachwuchsfußball" - Zur systemisch-organisationalen Einordnung und wirksamen Ausgestaltung eines neuen Themen- und Arbeitsfeldes zwischen Verantwortungs- und Leistungsorientierung, Säkularität und Spiritualität
Forschungszeitraum: 2011 - 2025
Disputation: 20.05.2025
Zweitgutachter: Univ.-Prof. Dr. Ansgar Thiel (DSHS)
Publikation: fis.dshs-koeln.de/de/publications/life-coaching-im-deutschen-profi-und-nachwuchsfu%C3%9Fball-zur-einordn/
Inhalt
Die vorliegende interdisziplinär angelegte Dissertationsstudie beschäftigt sich mit der forschungsleitenden Fragestellung, wie ein Life-Coaching-Format für den deutschen Profi- und Nachwuchsfußball im Rahmen der beiden Spannungsfelder Verantwortungs und Leistungsorientierung sowie Säkularität und Spiritualität systemischorganisational eingeordnet und ausgestaltet sein muss, damit einerseits auf der individuellen Ebene der Spieler*innen und Trainer*innen das Zusammenspiel von Performance, Persönlichkeitsentwicklung und Lebensgestaltung karriere- und Lebensphasenübergreifend und gleichsam sinn- und identitätsstiftend gelingt (Mikroebene) – andererseits allerdings auch die Vereine und Verbände selbst als Entfaltungs- und Resonanzräume entwickelt werden (Mesoebene) und dadurch einen positiven Beitrag zur Transformation der Gesellschaft (Makroebene) leisten können. Das Ziel dieses handlungsorientierten Forschungsvorhabens bestand darin, ein aus den erzielten Untersuchungsergebnissen abgeleitetes „Life-Coaching“-Modell für den deutschen Profi- und Nachwuchsfußball zu entwickeln und dabei auch die individuellen, organisationalen sowie gesellschaftlichen Chancen und Grenzen bzw. Herausforderungen der Implementierung einer solchen Betreuungsform als eigenständiges Format zu reflektieren. Einen Schwerpunkt der Studie bilden zum einen Analysen zum englischen Profi- und Nachwuchsfußball, da in der Premier League bei der Mehrzahl der Vereine Fragen zu Sinndeutungen und Wertvorstellungen sowie zur Lebensgestaltung seit vielen Jahren durch sogenannte „Sports Chaplains“ (Sportseelsorger*innen) behandelt werden. Und zum anderen dienen die Entwicklungen im Business-Coaching im Wirtschaftskontext als zweiter Referenzpunkt. Darüber hinaus wurden weitere relevante Quellen und Studien zum Forschungsgebiet, die vornehmlich aus dem angloamerikanischen Raum stammen, erfasst und analysiert. Die qualitative Datenerhebung erfolgte in Form von einvernehmlich nicht-anonymisierten, halbstandardisierten Leitfadeninterviews (N = 36) mit Verantwortlichen, Trainern und aktuellen und ehemaligen Spielern sowie Spieler-, Vereins- und Verbandsberatern und Expert*innen aus den untersuchten Nachbarformaten bzw. -disziplinen des Life-Coachings – konkret aus den Bereichen Sportpsychologie, Sportpsychiatrie und -psychotherapie und Sportseelsorge. Resultierend aus den Ergebnissen der Dissertationsstudie kann u.a. festgehalten werden, dass in Erweiterung gegenüber dem vorherrschenden biopsychosozialen Modell erst ein bio-psycho-sozio-spirituelles Verständnis dem Anspruch einer ganzheitlichen Begleitung und Förderung genügt – und die Ergänzung der Athlet*innen-Identität durch sportferne Identitäten auf der individuellen Mikroebene bereits während der sportlichen Karriere kein Hemmnis ist, sondern die Leistungsfähigkeit und Persönlichkeitsentwicklung stärkt sowie eine existenzielle Stütze in der Transitionsphase nach dem Karriereende darstellt. Gleiches gilt für die Auseinandersetzung mit Sinnfragen. Im Betreuungs- und Fördersystem des deutschen Profi- und Nachwuchsfußballs existieren für dieses Thema derzeit – zumindest flächendeckend – lt. dem Befund der Untersuchung keine Angebote, obwohl aktuelle und ehemalige Fußball-Profis bereits vielfach auf diesen „Missing Link“ hingewiesen haben und es sich bei der Sehnsucht nach Sinn um eine „anthropologische Konstante“ handelt. Weiterhin zeigt die Studie, dass Vereine und Verbände auf der organisationalen Mesoebene unter Zugrundelegung einer verantwortungsbestimmten Leistungsorientierung Performance und Well-Being fördern sowie selbst als Entfaltungs- und Resonanzräume entwickelt werden können. Und wird Life-Coaching in seiner Triage-(, Kitt-) und Vermittlungs-Funktion für Formate wie Sportpsychiatrie, Sportpsychologie und Sportseelsorge genutzt, ist ein analyseebenenübergreifender Impact bis hin zur gesellschaftlichen Makroebene vorstellbar, der einen transformativen Charakter aufweist. Insgesamt wird durch die Dissertationsstudie deutlich, wie wichtig es für eine ganzheitliche Betreuung und Förderung im deutschen Profi- und Nachwuchsfußball ist, die einzelnen sozialwissenschaftlichen Analyseebenen sowohl voneinander zu unterscheiden als auch aufeinander zu beziehen.
„Rising Actors on the Sport-Political Stage? An Institutional Analysis of Athlete-Centred Sport Governance”
Forschungszeitraum: 2020 bis 2025
Disputation: 08.05.2025
Zweitgutachter: Dr Borja García García (Loughborough University)
Inhalt:
Leistungssportler/innen rücken zunehmend in den Fokus von Diskussionen und akademischen Arbeiten zur globalen Sportgovernance. Basierend auf dem Konzept der 'Athletenzentriertheit', welches in einigen Feldern der Sportwissenschaften eine zentrale Rolle spielt, nähert sich diese Dissertation der Sportgovernance von dem Standpunkt, dass Athlet/innen Menschen mit individuellen und kollektiven Rechten sind. Die Studie verfolgt einen explizit politikwissenschaftlichen Ansatz, in welchem Institutionen die zentrale Analyseeinheit darstellen. Die Arbeit konzeptualisiert 'athletenzentrierte Institutionen' als intertemporale soziale Arrangements - einschließlich formaler Regeln, Gesetze und Vorschriften, informeller Normen und Konventionen sowie Organisationen -, die die zivilen, politischen und sozialen Rechte von Leistungssportler/innen im Sinne bestimmter Werte beeinflussen.
Die empirische Forschung verfolgt zwei zentrale Ziele: Aufbauend auf analytischen Konzepten der neo-institutionalistischen Literatur untersucht die Dissertation 1) ob unterschiedliche kollektive Formen der Interessenvertretung von Athlet/innen als Akteure in der Sportgovernance angesehen werden können, und 2) welche empirischen Effekte athletenzentrierte Institutionen haben. Die Dissertation basiert auf sechs eigenständigen Forschungsartikeln, die verschiedene empirische Erscheinungsformen athletenzentrierter Institutionen analysieren. Während jeder Artikel einen eigenen theoretischen Rahmen, empirische Evidenzen sowie Implikationen für Praxis und Forschung aufweist, werden die Forschungsziele durch eine übergeordnete, theoriegeleitete Analyse der Ergebnisse erreicht. Die Analyse zeigt, dass die unterschiedlichen Modelle der Interessenvertretung von Athlet/innen - Athletenkommissionen und unabhängige Athletenorganisationen - spezifischen Herausforderungen gegenüberstehen, die ein Ansehen als Akteur im politikwissenschaftlichen Sinne bedingen. Dabei kann nur unabhängigen Athletenorganisationen der Status eines politischen Akteurs zugeschrieben werden. Zur Erreichung des zweiten Forschungsziels wird ein theoretisches Modell zur Untersuchung der Beziehung von Institutionen und Macht adaptiert. Dieses ermöglicht es, die Effekte athletenzentrierter Institutionen zu analysieren.
Die Ergebnisse zeigen eine komplexe Wechselwirkung zwischen akteursbasierter Macht und bestehenden Institutionen zur Erklärung des aktuellen Status quo. Athletenzentrierte Institutionen auf globaler Ebene gehen aus der 'strukturellen Macht' von Sportorganisationen hervor. Im Kontrast dazu werden die relevanten nationalen Institutionen erheblich durch übergeordnete Strukturen des nationalen politischen Systems beeinflusst. Darüber hinaus kanalisieren bestehende Institutionen die Macht und Einflussmöglichkeit der Athlet/innen. Letzteres Ergebnis ermöglicht die Formulierung eines institutionellen Konzeptes der 'Athleten-Macht'. Obwohl Institutionen tendenziell den Status quo begünstigen und weiterhin Machtungleichgewichte in der Sportgovernance bestehen, weisen die kumulierten Ergebnisse der Arbeit darauf hin, dass athletenzentrierte Institutionen reformiert werden können. Aus den empirischen Analysen lassen sich drei unterschiedliche aber eng miteinander verbundene Pfade des institutionellen Wandels ableiten. Diese synthetisieren die theoretischen und empirischen Erkenntnisse der Studie und bieten Ansatzpunkte für eine Beteiligung an sportpolitischen Diskursen, Debatten, Prozessen und Reformen.
„Auswirkungen des Regimewechsels und der Transformationsprozesse im Irak auf den Sport“
Forschungszeitraum: 2012 - 2025
Zweitgutachter: Prof. Dr. Eckart Woertz, Universität Hamburg
Disputation: 20.05.2025
Inhalt
Die wissenschaftliche Forschung hat in den vergangenen Jahren verstärkt den Blick auf einzelne Sportsysteme der Welt gerichtet und dabei auch begonnen, die Staaten des Nahen Ostens ("Middle East") näher zu beleuchten. Dabei sind vor allem Länder wie Katar oder Saudi-Arabien berücksichtigt worden, die durch die Ausrichtung von Sportgroßereignissen im internationalen Blickfeld stehen. Andere Staaten sind hingegen weitegehend unbeachtet geblieben. Dazu zählt auch der Irak, der in den letzten Jahrzehnten einen erheblichen Wandel in po-litischer, ökonomischer und gesellschaftlicher Perspektive erfahren hat. Waren die 1990er Jahre durch die Diktatur Saddam Husseins und die internationale Isolation sowie wirtschaftliche Sanktionen geprägt, insbesondere nach der In-vasion Kuwaits 1990 und dem Golfkrieg 1991, kam es in den 2000er Jahren, nach 9/11 und der darauffolgenden US-Invasion 2003 mit dem Sturz Saddam Husseins und der Besetzung des Landes durch ausländische Truppen zu lang-wierigen Konflikten, die zu anhaltender Instabilität, Terrorismus und ethni-schen Spannungen im Irak führten. Der Abzug der US-Truppen um 2010 und die anschließende Machtübernahme von Teilen des Staatsgebietes des Iraks durch den sogenannten IS (Islamischer Staat) hatte eine humanitäre Krise und einen langen Kampf der irakischen Streitkräfte sowie verschiedener internationaler Koalitionen gegen den IS zur Folge. Erst im Jahre 2017 vermochten – unterstützt von einer internationalen Allianz – irakische Streitkräfte den Islamischen Staat zurückzudrängen. Seither sieht sich der Irak weiterhin mit politischer Instabilität, wirtschaftlichen Herausforderungen, Korruption und dem Wiederaufbau nach Jahren des Konflikts konfrontiert. Sie werden auch das System des Sports gründlich verändern, indem sie die Rahmenbedingungen, aber auch die Funktionszuweisungen des Sports einem Wandel unterziehen. Das Dissertationsvorhaben will diese Veränderungen des Systems Sport unter besonderer Berücksichtigung der gesellschaftlichen und politischen Transformationsprozesse im Irak betrachten.
Der Entwicklungsprozess von Trendsportarten im Spannungsfeld sportgesellschaftlicher, sportökonomischer und sportmedialer Einflüsse: Die Bedeutung von Akteuren, Events und neuen Medien in Wasser- und Beachsportarten
Forschungszeitraum: 2017-2023
Disputation: 20.12.2023
Zweitgutachter: Prof. Dr. Martin K.W. Schweer (Universität Vechta)
Inhalt
Seit Beginn der 1990er Jahre haben sich zahlreiche neue Trendsportarten, bspw. im Wasser-, Beach- und Outdoorbereich ausdifferenziert, die in unterschiedlichen Ebenen des Sportsystems verankert sind. Auf sportgesellschaftlicher Ebene ist die Entstehung und Popularisierung von Trendsportarten in den Bedeutungszuwachs des informellen Sports (Stichwort: Szenen) und in die Pluralisierung der Sportmotive eingebettet. Die sportökonomische Relevanz von Trendsportarten spiegelt sich gegenwärtig in dem wachsenden Sportangebot kommerzieller Sportanbieter, in neuartigen Segmenten der Sportartikelindustrie und in verstärkten Event-Marketing-Aktivitäten von Unternehmen im Trendsport wider. Auf sportmedialer Ebene werden Trendsportarten heute sowohl in fachspezifischen Magazinen (Fanzines und Special-Interest-Magazine) als auch in den neuen Medien aufgegriffen.
Die vorliegende Arbeit adressiert das Ziel, einen Überblick sportgesellschaftlicher, -ökonomischer und -medialer Einflüsse auf den Entwicklungsprozess von Trendsportarten im Wasser- und Beachsportfeld zu liefern. In diesem Kontext wurden neben der Bedeutung sportgesellschaftlicher, -ökonomischer und -medialer Akteure sowie ihrer Verflechtungen untereinander auch die Rolle von Events und neuen Medien als Inszenierungsplattformen im Entwicklungsprozess von Trendsportarten untersucht. Anknüpfungspunkte lieferten die in der Trendsportforschung vorliegenden Modelle zur Beschreibung des idealtypischen Entwicklungsverlaufes von Trendsportarten. In Abgrenzung zum gegenwärtigen Forschungsstand, der sich dem Trendsport schwerpunktmäßig aus fachbeschränkten Zugängen nähert, wurde in der vorliegenden Arbeit durch die Integration und dem Zusammenspiel dreier Ebenen (sportgesellschaftlich, -ökonomisch und -medial) ein interdisziplinärer Zugang verfolgt. Darüber hinaus hat sich diese Dissertation durch eine akteurs- und inszenierungsplattformbezogene Fokussierung sowie die Gegenüberstellung zweier Sportartengruppen im Trendsport (Wasser- und Beachsportarten) charakterisiert. Zur Untersuchung der Forschungsfragen wurden insgesamt 52 leitfadengestützte Experteninterviews in jeweils drei ausgewählten Wasser- (Wakeboarden, Kitesurfen, Stand-up-Paddling) und Beachsportarten (Beachhandball, Beachsoccer, Beachtennis) durchgeführt. Als Auswertungsmethode wurde die inhaltlich-strukturierende qualitative Inhaltsanalyse nach Kuckartz eingesetzt.
Auf Basis der Ergebnisse der empirischen Untersuchung konnten zwei Entwicklungsrichtungen von Trendsportarten im Wasser- und Beachsportbereich abgeleitet werden. In den Wassersportarten zeigte sich eine sportökonomisch-sportgesellschaftliche Entwicklungsrichtung, getrieben von der Bedeutung der beiden sportökonomischen Akteure Sportartikelindustrie und kommerzielle Sportanbieter sowie dem sportgesellschaftlichen Akteur Szene. In Abgrenzung dazu folgten die Beachsportarten, den empirischen Ergebnissen gemäß, einer sportgesellschaftlich geprägten Entwicklungsrichtung, die sich in der Rolle und den Einflüssen des sportgesellschaftlichen Akteurs Szene äußerte.
Die Erkenntnisse der vorliegenden Arbeit suggerieren folgende Ansätze für die künftige Trendsportforschung: (a) größerer Differenzierungsgrad (mit Bezug auf die hergeleiteten Unterschiede im Entwicklungsprozess der Wasser- und Beachsportarten sowie partizipierender Akteure), (b) verstärkte Interdisziplinarität (indiziert durch das multiple Zusammenspiel identifizierter sportgesellschaftlicher, -ökonomischer und -medialer Einflüsse sowie historischer Meilensteine), (c) vertiefender Untersuchungsfokus auf Akteure und Inszenierungsplattformen (verdeutlicht durch ihren Stellenwert im Entwicklungsprozess sowie durch ihre Verknüpfungen mit den identifizierten Meilensteinen im historischen Entwicklungsprozess) sowie (d) intensivierte sportökonomische und sportmediale Ausrichtung (abgeleitet aus dem Stellenwert und den ausgeprägten Einflüssen sportökonomischer und -medialer Akteure).