Dissertationen und Promotionen

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Am Institut für Europäische Sportentwicklung und Freizeitforschung werden gegenwärtig mehrere Dissertationen zu sportpolitikwissenschaftlichen bzw. -historischen Themen und zu Fragestellungen der Freizeit- und Tourismusforschung verfasst. Einen Überblick zu den einzelnen Vorhaben bieten die nachfolgenden Projektskizzen.

Aktuelle Dissertationen


Arbeitstitel: Fighting Youth Unemployment through Sports for Development – Palestine (West Bank & East Jerusalem)

Forschungsbeginn 2016

Forschungsinhalt
Palästina ist ein Land, das aufgrund des Konflikts und der Unterdrückung durch die israelische Besatzung sowie der internen Kämpfe zwischen den politischen Parteien Fatah und Hamas unter großem politischen und wirtschaftlichen Druck steht. Infolgedessen ist die palästinensische Gesellschaft und insbesondere die Jugend zunehmend gespalten und leidet unter vielen Spaltungen und Hindernissen. Eine Folge davon ist eine sehr hohe Arbeitslosenquote unter Jugendlichen (39 %). Die Dissertation untersucht und analysiert die Rolle von Sport für Entwicklung (S4D) und die verschiedenen Interventionen von S4D zur Steigerung der Kompetenzen und Beschäftigungsfähigkeit von Jugendlichen, wobei der Schwerpunkt auf dem theoretischen Aspekt des Bildungs- und Beschäftigungssystems in Palästina sowie auf umfassenden Daten aus der Praxis liegt: Jugendliche, Entscheidungsträger, Politik und Statistiken. Außerdem gibt sie einen Einblick in die Geschichte Palästinas, die politischen Implikationen, die wirtschaftlichen und soziokulturellen Kontexte, die Lebensbedingungen und die Jugendmigration, die Denkweise und den Ansatz in der beruflichen Bildung sowie die Jugendpolitik.

Kontakt
tawartani(at)gmail.com


Arbeitstitel Wechselwirkungen zwischen institutionellen Merkmalen und der Demokratisierung der Sportverwaltung in Europa

Forschungsbeginn

Forschungsinhalt

"Demokratie" ist eine Schlüsseldimension vieler Good-Governance-Inventare und steht in engem Zusammenhang mit den Bestrebungen verschiedener Akteure, die Integrität des Sports zu fördern und zu schützen. Auf praktischer Ebene herrscht in der Wissenschaft die Meinung vor, dass demokratische Defizite (wie das Fehlen fairer und offener Wahlen, die Beteiligung der Interessengruppen an der Entscheidungsfindung oder eine klare Gewaltenteilung) in verschiedenen Sport-Governance-Systemen bestehen, sei es in führenden Sportverbänden, Anti-Doping-Organisationen oder professionellen Mannschaftssportligen und ihren Vereinen. Diese Unzulänglichkeiten stehen jedoch in klarem Widerspruch zu dem zunehmenden Druck auf die Sportorganisationen, die Good-Governance-Standards einzuhalten, um den weithin propagierten Grundsatz der "bedingten Autonomie" des Sports zu wahren, sowie zu den Bestimmungen zur Demokratie in sportartspezifischen politischen Dokumenten wie der Entschließung des Rates zu den Hauptmerkmalen des europäischen Sportmodells. Vor diesem Hintergrund gibt es viel Grund zu der Annahme, dass die Art und Weise, wie mehrere Dimensionen des Spitzensports in Europa derzeit geregelt werden, im Widerspruch zu grundlegenden demokratischen Werten steht, die in der EU und/oder in nationalen Rechtsvorschriften verankert sind.

Darüber hinaus fehlt es auf theoretischer Ebene an einer ganzheitlichen Erforschung der normativen Grundlagen der formulierten demokratischen Prinzipien in der sportartspezifischen GG-Forschung. Bis heute bleibt unklar, wo bestimmte Normen, Rechte und moralische Werte, die die Demokratie in der Sport-Governance definieren sollen, verankert sind und ob sie z.B. einen universalistischen oder eher kontextualistischen Charakter haben. Darüber hinaus gibt es nur begrenzte Kenntnisse über mögliche Einflussfaktoren (Determinanten), (kausale) Zusammenhänge und Auswirkungen in Bezug auf die Umsetzung demokratischer Prozesse in Sport-Governance-Systemen. Dies wiederum ist ein wichtiges Desiderat angesichts der zunehmenden Komplexität der Multi-Level-Governance des Spitzensports in Europa, sowohl auf vertikaler Ebene (z.B. über die nationale und trans/supranationale Regulierung des Sports) als auch auf horizontaler Ebene (z.B. über einzelne Länder und Sportarten hinweg). Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es einen starken Bedarf an einem höheren Grad an analytischer Differenzierung in der Demokratieforschung in den Bereichen Sport-Governance und vergleichende Sportpolitik als Ganzes gibt.

Auf der Grundlage von vier EU-finanzierten Forschungsprojekten des IESF, die einen übergreifenden methodischen und analytischen Rahmen bilden, besteht das Hauptziel der Dissertation darin, die (nicht-)demokratische Governance in drei unterschiedlichen, aber miteinander verknüpften Sport-Governance-Systemen auf EU-Ebene zu konzeptualisieren, zu kartieren und zu erklären sowie den sportartspezifischen Good-Governance-Diskurs weiter zu gestalten. Mit einem besonderen analytischen Fokus auf Fragen der Partizipation und des Wohlergehens von Athleten, die in der Sport-Governance weltweit an Dynamik gewinnen und auf akademischer und praktischer Ebene kontrovers diskutiert werden, lauten die beiden übergreifenden Forschungsfragen der Dissertation, die den weiteren Forschungsprozess leiten sollen:

  1. "Was ist Demokratie in der Governance von (a) Anti-Doping, (b) olympischem Spitzensport und (c) professionellem Mannschaftssport in den EU-Mitgliedstaaten?"
  2. "Welche institutionellen Merkmale (auf systemischer, politischer und organisatorischer Ebene) beeinflussen (ermöglichen/beschränken) die Umsetzung demokratischer Prinzipien in der Governance von (a) Anti-Doping, (b) olympischem Spitzensport und (c) professionellem Mannschaftssport in den EU-Mitgliedstaaten?"

Arbeitstitel: Sport and environmental protection

Forschungsbeginn: Februar 2024  


Working Title: Grassroots Sport Development in Sri Lanka: Actors, Actions, Arguments and Achievements 

Start of research: 2023

Abstract

Ziel dieser Studie ist es, einen Rahmen für die nachhaltige Entwicklung des Breitensports in Sri Lanka zu erarbeiten, indem aktuelle Praktiken, zentrale Herausforderungen und mögliche Strategien im institutionalisierten Sportbereich untersucht werden. Unter Anwendung eines interpretativen qualitativen Forschungsansatzes stützt sich die Studie auf halbstrukturierte Interviews, Tiefeninterviews und Dokumentenanalysen, um aussagekräftige, kontextspezifische Daten von fünf wichtigen Interessengruppen zu gewinnen, darunter staatliche Institutionen, nationale Sportverbände, Sportler und Betreuer, Bildungseinrichtungen sowie Akteure aus der Privatwirtschaft. Die Datenanalyse erfolgt anhand eines thematischen Analyserahmens, unterstützt durch Stakeholder-Triangulation und ständige vergleichende Analyse, um die Glaubwürdigkeit und Tiefe der Interpretation zu verbessern. Der analytische Rahmen orientiert sich an den Dimensionen der Hochrangigen Gruppe für Breitensport, darunter Gesundheit, soziale Inklusion, informelles Lernen, Freiwilligenarbeit, wirtschaftliche Nachhaltigkeit, Finanzierung und Infrastruktur. Die Studie soll strukturelle Lücken, Herausforderungen im Bereich der Governance und Möglichkeiten für die Zusammenarbeit im Rahmen der Entwicklung des Breitensports in Sri Lanka aufzeigen und letztlich als Grundlage für die Entwicklung eines nachhaltigen, inklusiven und kontextbezogenen nationalen Modells zur Förderung des Breitensports dienen.

This study aims to develop a sustainable grassroots sport development framework for Sri Lanka by examining current practices, key challenges, and potential strategies within institutionalized sport settings. Adopting an interpretivist qualitative research design, the study utilizes semi-structured interviews, in-depth interviews, and document analysis to generate rich, context-specific data from five major stakeholder groups, including government institutions, national sport federations, athletes and support personnel, educational institutions, and private-sector stakeholders. Data analysis using thematic analysis framework, supported by stakeholder triangulation and constant comparative analysis to enhance credibility and depth of interpretation. The analytical framework is guided by the High-Level Group on Grassroots Sport dimensions, including health, social inclusion, informal learning, volunteering, economic sustainability, financing, and infrastructure. The study is expected to identify structural gaps, governance challenges, and opportunities for collaboration within Sri Lanka’s grassroots sport development, ultimately informing the development of a sustainable, inclusive, and contextually relevant national grassroots sport development model.


Arbeitstitel: Sports diplomacy from a women’s perspective

Forschungsbeginn: 10/2023


Arbeitstitel Chancen und Grenzen der Sportdiplomatie auf dem Westbalkan

Forschungsbeginn 2022

Inhalt
Sport als diplomatisches Instrument gewinnt zunehmend an Bedeutung und verstärkt außenpolitische und diplomatische Botschaften. Es kann auch zur Stärkung der internationalen „Marke“ im Hinblick auf die Nutzung neuer politischer und wirtschaftlicher Chancen genutzt werden.

Die EU versucht durch den erneuerten Ansatz für die Westbalkan-Erweiterung aus ihrer derzeitigen wirtschaftlichen und politischen Erholung Kapital zu schlagen und die Region näher heranzuführen. Es wird deutlich, dass die Rolle des Sports in der Außenpolitik der postsozialistischen Staaten ein Thema ist, jedoch innerhalb des wissenschaftlichen Bereichs und der internationalen Beziehungen wenig Beachtung erfahren hat.

Die angestrebte Dissertation soll eine Lücke in der wissenschaftlichen Literatur schließen und neue Forschungsperspektiven eröffnen. Es werden wirksame Anstrengungen unternommen, um die Situation im Westbalkangebiet zu beleuchten, insbesondere in einigen Zielländern (wie Kroatien, Nordmazedonien und Serbien, etc.).


Arbeitstitel Wer sind die Fans des deutschen Frauenfußballs? Eine theoretische Analyse von sozialen Grundlagen, Medien und kollektiver Identität

Forschungsbeginn Oktober 2025

Thema
In den vergangenen Jahren hat der Frauenfußball sowohl national als auch international eine zunehmende gesellschaftliche und mediale Aufmerksamkeit erfahren. Ein besonders prägender Moment war die UEFA Women's EURO 2022, die in Deutschland nicht nur für Begeisterung sorgte, sondern auch als „Boost“ für das öffentliche Interesse am Frauenfußball gewertet wurde. Diese Entwicklung macht sich nicht nur auf der internationalen Bühne bemerkbar: Auch im Amateur- und semiprofessionellen Bereich ist ein wachsendes Interesse erkennbar. Währenddessen zeigt sich in der Forschung kaum eine Weiterentwicklung des Themenfeldes. Der Frauenfußball ist nur selten im Fokus und innerhalb dieses kleinen Themengebiets spielt die Fanforschung keine Rolle. 

Ziel der angestrebten Dissertation ist es diese Lücke durch die Erfassung und Analyse der soziokulturellen Strukturen und Dynamiken der Fanszene im deutschen Frauenfußball zu schließen und ein tieferes Verständnis für die Motive und Bedürfnisse dieser Fangruppe zu erlangen.


Arbeitstitel: Youth Sport Policy in Europe - Cross-National Comparison and the Perspectives of Europeanization
Jugendsportpolitik in Europa – ein länderübergreifender Vergleich und Perspektiven einer Europäisierung

Projektbeginn: 2015

Inhalt:
Die Gesundheit und körperliche Aktivität von Kindern und Jugendlichen ist gegenwärtig ein polarisierendes Thema. Als Grundstein für lebenslange Sportausübung füllt die Thematik Kinder- und Jugendsport heutzutage politische Agenden in Europa. Kritisiert werden fehlende Strukturen oder mangelnde Kooperation zwischen verschiedenen Akteuren. Die wissenschaftliche Forschung hat sich dabei bis dato sehr zurückhaltend gezeigt. Eine ländervergleichende Untersuchung der Strukturen und Systeme konzentriert auf den Jugendsport gibt es in dieser Form noch nicht.

Ziel dieser Dissertation ist es daher das mehrdimensionale, komplexe Politikfeld „Jugendsport“ systematisch zu analysieren und auf multinationalem Level zu vergleichen. Es wird konkret die Fragen untersucht, welche Unterschiede in den ausgewählten Ländern in Hinblick auf die zu untersuchenden Kriterien im Jugendsportbereich vorliegen und wie diese Differenzen zu bewerten sind. Neben der multinationalen Länderanalyse und der Betrachtung auf supranationalem Level, wird das Politikfeld Jugendsport im europäischen Kontext dargestellt und in Hinblick auf einen Europäisierungsansatz diskutiert.

Dazu wird methodisch zunächst eine Literatur- und Dokumentenrecherche als Grundlage durchgeführt. Aufbauend darauf sollen Experteninterviews geführt und mit qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet werden. Durch die Theorie und Methodik soll eine anwendbare Kategorisierung entwickelt werden, um europäische Jugendsportsysteme mit einem umfassenden Design untersuchen zu können. 

Folglich zeigen die erwarteten Ergebnisse nicht nur empirische, sondern auch theoretische Relevanz. Es soll außerdem zu weiteren Forschungen angeregt werden, sowie nutzbringende Implikationen für die untersuchten Länder bereitstellen.


Arbeitstitel: “Unraveling Complexity in China’s Sport Governance: Policies, Processes, and the Dialectical Relationships Within the Con-temporary Policy Network”

Forschungsbeginn: 2020

Inhalt

Die Reform schuf seit den 1970er Jahren ein beispielloses Potenzial für das Verständnis bürokratischer Beziehungen und politischer Prozesse in China, auch im Sportbereich. In jüngster Zeit wurde dem sportpolitischen Prozess wachsende Aufmerksamkeit geschenkt, und zwar in Bezug auf sein Verhältnis zur Politik, die Rolle der Autorität, die Interaktion während des Prozesses, die Art und Weise, wie Sportpolitik gemacht wird, oder auch, ob es einen Weg gibt, die "Black Box" der Sportpolitik in China zu öffnen. Policy Networks, als ein sehr aufschlussreiches theoretisches Tor zum Verständnis des sportpolitischen Prozesses in China, wurde in der abgeschlossenen Masterarbeit von Danlin Wu getestet. In Anlehnung an die empirische Studie bildet das Policy Network für den Sport in China eine stärker integrierte politische Gemeinschaft, die aus den inneren Bereichen der parteiinternen koexistierenden Staatsbürokraten und den äußeren Kreisen sporadischer und themenbezogener QUANGOs und anderer Akteure besteht.

Als Erweiterung der Masterarbeit möchte diese Dissertation die dialektischen Beziehungen zwischen diesen Schlüsselelementen (d.h. Akteuren, Netzwerken, kontextuellen Faktoren usw.) im politischen Prozess weiter generieren. Das Meso-Level Framework of Policy Network wird in den Mittelpunkt der Analyse gestellt, und es werden Variablen auf Makroebene bezüglich des Fragmentierten Autoritarismus und des chinesischen Modells der Konsensentscheidung hinzugefügt, um den Erklärungsnutzen für den sportpolitischen Prozess in China zu verbessern. Die geplante Dissertation verfolgt einen qualitativen Forschungsansatz. Diesem Zweck dienen Interviews mit einschlägigen Experten, Wissenschaftlern und offiziellen Stellen vor Ort sowie eine Inhaltsanalyse beider Politikdokumente, Regierungsberichte, offizielle Publikationen, Korrespondenz zwischen den Netzwerkakteuren, persönliche Archive, Sitzungsprotokolle, Interviewprotokolle und so weiter. Folglich kann der dialektische Nexus sowohl in abstrakter als auch in konkreter Form im sportpolitischen Prozess in China erforscht werden.


Arbeitstitel: Insights into China's Leisure Sports: from the Perspective of Sustainability

Forschungsbeginn: 2022

Inhalt
With the implementation of legal holidays and the rapid development of economy, leisure sport has gradually become an important agenda of China's leisure development and also sports development. In the foreseeable future and as an important national development strategy, leisure sport will become an important part of public policy, especially in the field of sports policy. This study attempts to conduct a basic research on the development of leisure sports in China. Firstly, the study will outline the historical context of the development of Leisure sports in China with the transformation of leisure sports policy as the core. More importantly, from the perspective of sustainability, this study will comprehensively apply analytical frameworks and theories from the fields of policy science, sociology and sports science, to explore the sustainability of the leisure sports policy itself (including interaction between policy and economic, political, social development), the sustainability of individual development under the policy (physical literacy), the sustainability of ecological environment under the effect of policy (sports-themed town). The study will eventually form a comprehensive evaluation study on the sustainability of leisure sports development in China, and give evidence-based suggestions for future development by exploring the past, present and future of China's leisure sports policy.



Abgeschlossene Promotionen


"Life-Coaching im deutschen Profi- und Nachwuchsfußball" - Zur systemisch-organisationalen Einordnung und wirksamen Ausgestaltung eines neuen Themen- und Arbeitsfeldes zwischen Verantwortungs- und Leistungsorientierung, Säkularität und Spiritualität

Forschungszeitraum: 2011 - 2025

Disputation: 20.05.2025

Zweitgutachter: Univ.-Prof. Dr. Ansgar Thiel (DSHS)

Publikation: fis.dshs-koeln.de/de/publications/life-coaching-im-deutschen-profi-und-nachwuchsfu%C3%9Fball-zur-einordn/

Inhalt
Die vorliegende interdisziplinär angelegte Dissertationsstudie beschäftigt sich mit der forschungsleitenden Fragestellung, wie ein Life-Coaching-Format für den deutschen Profi- und Nachwuchsfußball im Rahmen der beiden Spannungsfelder Verantwortungs und Leistungsorientierung sowie Säkularität und Spiritualität systemischorganisational eingeordnet und ausgestaltet sein muss, damit einerseits auf der individuellen Ebene der Spieler*innen und Trainer*innen das Zusammenspiel von Performance, Persönlichkeitsentwicklung und Lebensgestaltung karriere- und Lebensphasenübergreifend und gleichsam sinn- und identitätsstiftend gelingt (Mikroebene) – andererseits allerdings auch die Vereine und Verbände selbst als Entfaltungs- und Resonanzräume entwickelt werden (Mesoebene) und dadurch einen positiven Beitrag zur Transformation der Gesellschaft (Makroebene) leisten können. Das Ziel dieses handlungsorientierten Forschungsvorhabens bestand darin, ein aus den erzielten Untersuchungsergebnissen abgeleitetes „Life-Coaching“-Modell für den deutschen Profi- und Nachwuchsfußball zu entwickeln und dabei auch die individuellen, organisationalen sowie gesellschaftlichen Chancen und Grenzen bzw. Herausforderungen der Implementierung einer solchen Betreuungsform als eigenständiges Format zu reflektieren. Einen Schwerpunkt der Studie bilden zum einen Analysen zum englischen Profi- und Nachwuchsfußball, da in der Premier League bei der Mehrzahl der Vereine Fragen zu Sinndeutungen und Wertvorstellungen sowie zur Lebensgestaltung seit vielen Jahren durch sogenannte „Sports Chaplains“ (Sportseelsorger*innen) behandelt werden. Und zum anderen dienen die Entwicklungen im Business-Coaching im Wirtschaftskontext als zweiter Referenzpunkt. Darüber hinaus wurden weitere relevante Quellen und Studien zum Forschungsgebiet, die vornehmlich aus dem angloamerikanischen Raum stammen, erfasst und analysiert. Die qualitative Datenerhebung erfolgte in Form von einvernehmlich nicht-anonymisierten, halbstandardisierten Leitfadeninterviews (N = 36) mit Verantwortlichen, Trainern und aktuellen und ehemaligen Spielern sowie Spieler-, Vereins- und Verbandsberatern und Expert*innen aus den untersuchten Nachbarformaten bzw. -disziplinen des Life-Coachings – konkret aus den Bereichen Sportpsychologie, Sportpsychiatrie und -psychotherapie und Sportseelsorge. Resultierend aus den Ergebnissen der Dissertationsstudie kann u.a. festgehalten werden, dass in Erweiterung gegenüber dem vorherrschenden biopsychosozialen Modell erst ein bio-psycho-sozio-spirituelles Verständnis dem Anspruch einer ganzheitlichen Begleitung und Förderung genügt – und die Ergänzung der Athlet*innen-Identität durch sportferne Identitäten auf der individuellen Mikroebene bereits während der sportlichen Karriere kein Hemmnis ist, sondern die Leistungsfähigkeit und Persönlichkeitsentwicklung stärkt sowie eine existenzielle Stütze in der Transitionsphase nach dem Karriereende darstellt. Gleiches gilt für die Auseinandersetzung mit Sinnfragen. Im Betreuungs- und Fördersystem des deutschen Profi- und Nachwuchsfußballs existieren für dieses Thema derzeit – zumindest flächendeckend – lt. dem Befund der Untersuchung keine Angebote, obwohl aktuelle und ehemalige Fußball-Profis bereits vielfach auf diesen „Missing Link“ hingewiesen haben und es sich bei der Sehnsucht nach Sinn um eine „anthropologische Konstante“ handelt. Weiterhin zeigt die Studie, dass Vereine und Verbände auf der organisationalen Mesoebene unter Zugrundelegung einer verantwortungsbestimmten Leistungsorientierung Performance und Well-Being fördern sowie selbst als Entfaltungs- und Resonanzräume entwickelt werden können. Und wird Life-Coaching in seiner Triage-(, Kitt-) und Vermittlungs-Funktion für Formate wie Sportpsychiatrie, Sportpsychologie und Sportseelsorge genutzt, ist ein analyseebenenübergreifender Impact bis hin zur gesellschaftlichen Makroebene vorstellbar, der einen transformativen Charakter aufweist. Insgesamt wird durch die Dissertationsstudie deutlich, wie wichtig es für eine ganzheitliche Betreuung und Förderung im deutschen Profi- und Nachwuchsfußball ist, die einzelnen sozialwissenschaftlichen Analyseebenen sowohl voneinander zu unterscheiden als auch aufeinander zu beziehen.


„Rising Actors on the Sport-Political Stage? An Institutional Analysis of Athlete-Centred Sport Governance”

Forschungszeitraum: 2020 bis 2025

Disputation: 08.05.2025

Zweitgutachter: Dr Borja García García (Loughborough University)

Zur Publikation

Inhalt:

Leistungssportler/innen rücken zunehmend in den Fokus von Diskussionen und akademischen Arbeiten zur globalen Sportgovernance. Basierend auf dem Konzept der 'Athletenzentriertheit', welches in einigen Feldern der Sportwissenschaften eine zentrale Rolle spielt, nähert sich diese Dissertation der Sportgovernance von dem Standpunkt, dass Athlet/innen Menschen mit individuellen und kollektiven Rechten sind. Die Studie verfolgt einen explizit politikwissenschaftlichen Ansatz, in welchem Institutionen die zentrale Analyseeinheit darstellen. Die Arbeit konzeptualisiert 'athletenzentrierte Institutionen' als intertemporale soziale Arrangements - einschließlich formaler Regeln, Gesetze und Vorschriften, informeller Normen und Konventionen sowie Organisationen -, die die zivilen, politischen und sozialen Rechte von Leistungssportler/innen im Sinne bestimmter Werte beeinflussen.

Die empirische Forschung verfolgt zwei zentrale Ziele: Aufbauend auf analytischen Konzepten der neo-institutionalistischen Literatur untersucht die Dissertation 1) ob unterschiedliche kollektive Formen der Interessenvertretung von Athlet/innen als Akteure in der Sportgovernance angesehen werden können, und 2) welche empirischen Effekte athletenzentrierte Institutionen haben. Die Dissertation basiert auf sechs eigenständigen Forschungsartikeln, die verschiedene empirische Erscheinungsformen athletenzentrierter Institutionen analysieren. Während jeder Artikel einen eigenen theoretischen Rahmen, empirische Evidenzen sowie Implikationen für Praxis und Forschung aufweist, werden die Forschungsziele durch eine übergeordnete, theoriegeleitete Analyse der Ergebnisse erreicht. Die Analyse zeigt, dass die unterschiedlichen Modelle der Interessenvertretung von Athlet/innen - Athletenkommissionen und unabhängige Athletenorganisationen - spezifischen Herausforderungen gegenüberstehen, die ein Ansehen als Akteur im politikwissenschaftlichen Sinne bedingen. Dabei kann nur unabhängigen Athletenorganisationen der Status eines politischen Akteurs zugeschrieben werden. Zur Erreichung des zweiten Forschungsziels wird ein theoretisches Modell zur Untersuchung der Beziehung von Institutionen und Macht adaptiert. Dieses ermöglicht es, die Effekte athletenzentrierter Institutionen zu analysieren.

Die Ergebnisse zeigen eine komplexe Wechselwirkung zwischen akteursbasierter Macht und bestehenden Institutionen zur Erklärung des aktuellen Status quo. Athletenzentrierte Institutionen auf globaler Ebene gehen aus der 'strukturellen Macht' von Sportorganisationen hervor. Im Kontrast dazu werden die relevanten nationalen Institutionen erheblich durch übergeordnete Strukturen des nationalen politischen Systems beeinflusst. Darüber hinaus kanalisieren bestehende Institutionen die Macht und Einflussmöglichkeit der Athlet/innen. Letzteres Ergebnis ermöglicht die Formulierung eines institutionellen Konzeptes der 'Athleten-Macht'. Obwohl Institutionen tendenziell den Status quo begünstigen und weiterhin Machtungleichgewichte in der Sportgovernance bestehen, weisen die kumulierten Ergebnisse der Arbeit darauf hin, dass athletenzentrierte Institutionen reformiert werden können. Aus den empirischen Analysen lassen sich drei unterschiedliche aber eng miteinander verbundene Pfade des institutionellen Wandels ableiten. Diese synthetisieren die theoretischen und empirischen Erkenntnisse der Studie und bieten Ansatzpunkte für eine Beteiligung an sportpolitischen Diskursen, Debatten, Prozessen und Reformen.


„Auswirkungen des Regimewechsels und der Transformationsprozesse im Irak auf den Sport“   

Forschungszeitraum: 2012 - 2025

Zweitgutachter: Prof. Dr. Eckart Woertz, Universität Hamburg

Disputation: 20.05.2025

Inhalt
Die wissenschaftliche Forschung hat in den vergangenen Jahren verstärkt den Blick auf einzelne Sportsysteme der Welt gerichtet und dabei auch begonnen, die Staaten des Nahen Ostens ("Middle East") näher zu beleuchten. Dabei sind vor allem Länder wie Katar oder Saudi-Arabien berücksichtigt worden, die durch die Ausrichtung von Sportgroßereignissen im internationalen Blickfeld stehen. Andere Staaten sind hingegen weitegehend unbeachtet geblieben. Dazu zählt auch der Irak, der in den letzten Jahrzehnten einen erheblichen Wandel in po-litischer, ökonomischer und gesellschaftlicher Perspektive erfahren hat. Waren die 1990er Jahre durch die Diktatur Saddam Husseins und die internationale Isolation sowie wirtschaftliche Sanktionen geprägt, insbesondere nach der In-vasion Kuwaits 1990 und dem Golfkrieg 1991, kam es in den 2000er Jahren, nach 9/11 und der darauffolgenden US-Invasion 2003 mit dem Sturz Saddam Husseins und der Besetzung des Landes durch ausländische Truppen zu lang-wierigen Konflikten, die zu anhaltender Instabilität, Terrorismus und ethni-schen Spannungen im Irak führten. Der Abzug der US-Truppen um 2010 und die anschließende Machtübernahme von Teilen des Staatsgebietes des Iraks durch den sogenannten IS (Islamischer Staat) hatte eine humanitäre Krise und einen langen Kampf der irakischen Streitkräfte sowie verschiedener internationaler Koalitionen gegen den IS zur Folge. Erst im Jahre 2017 vermochten – unterstützt von einer internationalen Allianz – irakische Streitkräfte den Islamischen Staat zurückzudrängen. Seither sieht sich der Irak weiterhin mit politischer Instabilität, wirtschaftlichen Herausforderungen, Korruption und dem Wiederaufbau nach Jahren des Konflikts konfrontiert. Sie werden auch das System des Sports gründlich verändern, indem sie die Rahmenbedingungen, aber auch die Funktionszuweisungen des Sports einem Wandel unterziehen. Das Dissertationsvorhaben will diese Veränderungen des Systems Sport unter besonderer Berücksichtigung der gesellschaftlichen und politischen Transformationsprozesse im Irak betrachten. 


Der Entwicklungsprozess von Trendsportarten im Spannungsfeld sportgesellschaftlicher, sportökonomischer und sportmedialer Einflüsse: Die Bedeutung von Akteuren, Events und neuen Medien in Wasser- und Beachsportarten

Forschungszeitraum: 2017-2023

Disputation: 20.12.2023

Zweitgutachter: Prof. Dr. Martin K.W. Schweer (Universität Vechta)

Zur Publikation

Inhalt

Seit Beginn der 1990er Jahre haben sich zahlreiche neue Trendsportarten, bspw. im Wasser-, Beach- und Outdoorbereich ausdifferenziert, die in unterschiedlichen Ebenen des Sportsystems verankert sind. Auf sportgesellschaftlicher Ebene ist die Entstehung und Popularisierung von Trendsportarten in den Bedeutungszuwachs des informellen Sports (Stichwort: Szenen) und in die Pluralisierung der Sportmotive eingebettet. Die sportökonomische Relevanz von Trendsportarten spiegelt sich gegenwärtig in dem wachsenden Sportangebot kommerzieller Sportanbieter, in neuartigen Segmenten der Sportartikelindustrie und in verstärkten Event-Marketing-Aktivitäten von Unternehmen im Trendsport wider. Auf sportmedialer Ebene werden Trendsportarten heute sowohl in fachspezifischen Magazinen (Fanzines und Special-Interest-Magazine) als auch in den neuen Medien aufgegriffen.

Die vorliegende Arbeit adressiert das Ziel, einen Überblick sportgesellschaftlicher, -ökonomischer und -medialer Einflüsse auf den Entwicklungsprozess von Trendsportarten im Wasser- und Beachsportfeld zu liefern. In diesem Kontext wurden neben der Bedeutung sportgesellschaftlicher, -ökonomischer und -medialer Akteure sowie ihrer Verflechtungen untereinander auch die Rolle von Events und neuen Medien als Inszenierungsplattformen im Entwicklungsprozess von Trendsportarten untersucht. Anknüpfungspunkte lieferten die in der Trendsportforschung vorliegenden Modelle zur Beschreibung des idealtypischen Entwicklungsverlaufes von Trendsportarten. In Abgrenzung zum gegenwärtigen Forschungsstand, der sich dem Trendsport schwerpunktmäßig aus fachbeschränkten Zugängen nähert, wurde in der vorliegenden Arbeit durch die Integration und dem Zusammenspiel dreier Ebenen (sportgesellschaftlich, -ökonomisch und -medial) ein interdisziplinärer Zugang verfolgt. Darüber hinaus hat sich diese Dissertation durch eine akteurs- und inszenierungsplattformbezogene Fokussierung sowie die Gegenüberstellung zweier Sportartengruppen im Trendsport (Wasser- und Beachsportarten) charakterisiert. Zur Untersuchung der Forschungsfragen wurden insgesamt 52 leitfadengestützte Experteninterviews in jeweils drei ausgewählten Wasser- (Wakeboarden, Kitesurfen, Stand-up-Paddling) und Beachsportarten (Beachhandball, Beachsoccer, Beachtennis) durchgeführt. Als Auswertungsmethode wurde die inhaltlich-strukturierende qualitative Inhaltsanalyse nach Kuckartz eingesetzt.

Auf Basis der Ergebnisse der empirischen Untersuchung konnten zwei Entwicklungsrichtungen von Trendsportarten im Wasser- und Beachsportbereich abgeleitet werden. In den Wassersportarten zeigte sich eine sportökonomisch-sportgesellschaftliche Entwicklungsrichtung, getrieben von der Bedeutung der beiden sportökonomischen Akteure Sportartikelindustrie und kommerzielle Sportanbieter sowie dem sportgesellschaftlichen Akteur Szene. In Abgrenzung dazu folgten die Beachsportarten, den empirischen Ergebnissen gemäß, einer sportgesellschaftlich geprägten Entwicklungsrichtung, die sich in der Rolle und den Einflüssen des sportgesellschaftlichen Akteurs Szene äußerte.

Die Erkenntnisse der vorliegenden Arbeit suggerieren folgende Ansätze für die künftige Trendsportforschung: (a) größerer Differenzierungsgrad (mit Bezug auf die hergeleiteten Unterschiede im Entwicklungsprozess der Wasser- und Beachsportarten sowie partizipierender Akteure), (b) verstärkte Interdisziplinarität (indiziert durch das multiple Zusammenspiel identifizierter sportgesellschaftlicher, -ökonomischer und -medialer Einflüsse sowie historischer Meilensteine), (c) vertiefender Untersuchungsfokus auf Akteure und Inszenierungsplattformen (verdeutlicht durch ihren Stellenwert im Entwicklungsprozess sowie durch ihre Verknüpfungen mit den identifizierten Meilensteinen im historischen Entwicklungsprozess) sowie (d) intensivierte sportökonomische und sportmediale Ausrichtung (abgeleitet aus dem Stellenwert und den ausgeprägten Einflüssen sportökonomischer und -medialer Akteure).


Together on the Field, United off of it? Defining, Mapping and Evaluating Sport and Social Cohesion Programmes in Europe

Forschungszeitraum: 2020 bis 2023

Disputation: 22.06.2023

Zweitgutachterin: Prof. Marion Keim (University of the Western Cape)

Publikation:https://fis.dshs-koeln.de/de/publications/together-on-the-field-united-off-of-it-defining-mapping-and-under

Inhalt
Soziale Ungleichheiten, sich verändernde demografische Profile, alternde Bevölkerungen und die strukturelle Transformation der Volkswirtschaften haben zahlreiche europäische Gemeinden vor erhebliche Herausforderungen gestellt. Angesichts dieser konvergierenden Trends und der Notwendigkeit ganzheitlicher Entwicklungsansätze haben Politiker, Regierungen und Gemeindeprogramme ihre Aufmerksamkeit zunehmend auf die Unterstützung und Entwicklung des sozialen Zusammenhalts gelenkt. Insbesondere der Sport wird zunehmend eine Rolle bei der Erreichung von Zielen des sozialen Zusammenhalts gefordert. Aufgrund seiner Popularität, seiner relativ geringen Kosten und seines interaktiven Charakters wird Sport als potenzielles Instrument zur Förderung des sozialen Zusammenhalts und als Beitrag zu einer umfassenderen sozialen Entwicklung angesehen. Tatsächlich wird der soziale Zusammenhalt im Bereich Sportentwicklung (SFD) als zentraler thematischer Schwerpunkt sowohl in der Forschung als auch in Programmen anerkannt.

Trotz der wachsenden Anerkennung und Unterstützung für Aktivitäten zur Förderung des sozialen Zusammenhalts, gibt es noch immer erhebliche Debatten und Lücken im Sport und darüber hinaus. Insbesondere gibt es wichtige Lücken zwischen unserem theoretischen Verständnis des sozialen Zusammenhalts und der tatsächlichen Praxis im Bereich Sport für den sozialen Zusammenhalt. Diese Lücke zeigt sich auf drei Arten. Erstens spiegeln selbst bei der Vielzahl von Definitionen für den sozialen Zusammenhalt diese Definitionen nicht unbedingt die Bedürfnisse, Erwartungen oder das Verständnis von Praktikern und Teilnehmern in verschiedenen Kontexten wider. Zahlreiche Forscher weisen darauf hin, dass es eine Diskrepanz zwischen den formalen Definitionen von sozialem Zusammenhalt und dem Verständnis des Konzepts durch Gemeindemitglieder, Programmleiter oder Programmteilnehmer gibt. Zweitens haben wir nur begrenztes Wissen über die Organisationen, die Programme durchführen, und die Ansätze innerhalb dieser Programme. Obwohl das Feld Sport für Entwicklung besser verstanden und kartiert wird, ist die gesamte Bandbreite und Anzahl der Organisationen, die Sport- und Sozialzusammenhalt-Aktivitäten durchführen, unbekannt, und es gibt nur begrenzte Informationen über die in diesem Bereich angewandten Praktiken. Schließlich gibt es trotz der zunehmenden Investitionen in Sport- und Sozialzusammenhalt(s)-Programme einen Mangel an Nachweisen über die Auswirkungen dieser Programme, und der Prozess, durch den diese Programme sozialen Zusammenhalt generieren, ist schlecht verstanden.
Vor diesem Hintergrund zielt die vorliegende Doktorarbeit darauf ab, auf dem aktuellen Wissen und der Relevanz von sozialem Zusammenhalt und Sport aufzubauen. Konkret soll sie dazu beitragen, die oben beschriebenen Lücken und Debatten durch eine multimethodische Studie von Literatur und qualitativer Forschung innerhalb von Programmen in ganz Europa zu untersuchen. Insbesondere werden Dokumentenanalysen, Umfragen, Feldarbeit und Interviews eingesetzt, um Daten zu generieren, wobei die Analyse durch eine Vielzahl kritischer oder konstruktiver qualitativer Techniken durchgeführt wird.
Daraus ergibt sich, dass die Programme in Europa eine ziemlich konsistente Sichtweise auf sozialen Zusammenhalt haben, wobei ein spezifischer Fokus auf den Dimensionen sozialer Beziehungen, Gemeinwohl, Identitätsgefühl und Akzeptanz von Vielfalt liegt. Um diese Dimensionen zu unterstützen, setzen Programme eine Reihe von gemeinsamen Praktiken ein, einschließlich regelmäßiger Sportaktivitäten, gemischter Gruppenaktivitäten, Bürgerbeteiligung, Lebenskompetenzentwicklung und partizipative Ansätze. Innerhalb dieser Praktiken liegt jedoch ein deutlicher Fokus auf individuellen Interventionen und bestimmten marginalisierten Untergruppen. Dieser individuelle Fokus auf marginalisierte Gruppen verstärkt die Vorstellung, dass diese Gruppen hauptsächlich für ihre Situation verantwortlich sind und "invisibilisiert" die Verantwortung von Menschen oder Institutionen in privilegierter Position, während sie auch strukturelle Ungleichheiten verschleiert. Daher schlägt diese Dissertation abschließend Wege vor, um Programme, Politik und Forschung zu unterstützen und strukturelle oder transformationsorientierte Ansätze zu fördern.


Leisure Sports Development in South Korea since 1961: The Impacts of Culture, Technology, Socioeconomics, and Politics

Forschungszeitraum: 2017 bis 2022

Disputation: 12.12.2022

Zweitgutachter: Dr. Jung Woo Lee

Veröffentlichung: https://fis.dshs-koeln.de/de/publications/leisure-sports-development-in-south-korea-since-1961-the-impacts-

Inhalt
In dieser Studie wird die Entwicklung des Freizeitsports in Korea seit 1961 unter vier Gesichtspunkten untersucht: Kultur, Technologie, Sozioökonomie und Politik. Viele Wissenschaftler haben sich mit Freizeit und Sport in ihren jeweiligen Fachgebieten befasst, aber dem Freizeitsport wurde aufgrund der Mehrdeutigkeit der Terminologie weniger Aufmerksamkeit geschenkt.
Darüber hinaus wurden die meisten Freizeit- und Sportstudien hauptsächlich in westlichen Ländern durchgeführt. Aus diesem Grund wurde für diese Studie Korea als eines der asiatischen Länder mit begrenzten Forschungsdaten ausgewählt, das eine rasche Modernisierung erlebt hat. Ziel dieser Studie ist es, herauszufinden, zu welchem Zeitpunkt und aus welchen Gründen sich der Freizeitsport in Korea entwickelt hat. Die Studie verwendet die Systemtheorie als konzeptionellen Rahmen, um die Entwicklung des Freizeitsports in Korea zu verstehen. Die Studie basiert auf qualitativer Forschung, bei der eine Vielzahl von Datenerhebungsmethoden zum Einsatz kommt. Als quantitative Quellen wurden Big-Data-Analysen und statistische Daten der Regierung verwendet. Im Gegensatz dazu wurden Literaturdaten wie Regierungsberichte, wissenschaftliche Abhandlungen, Videodaten, halbstrukturierte Interviews und digitalisierte Zeitungsarchive als qualitative Quellen verwendet. Diese Studie ergab folgende Ergebnisse:

  1. In nur drei Jahrzehnten haben die Koreaner die Freizeitsportkultur zu einem Teil ihres Lebens gemacht.
  2. Die technologische, industrieorientierte wirtschaftliche Entwicklung spielte eine wesentliche Rolle bei der Entstehung und Popularisierung neuer Freizeitsportarten wie E-Sport und Sportsimulatoren.
  3. Die Koreaner streben nach maximaler sportlicher Betätigung in begrenzter Zeit und bevorzugen kostengünstige und leicht zugängliche Freizeitsportarten.
  4. Die Sportpolitik der Regierung verlagert sich auf den Freizeitsport, da sich die Lebensqualität der Koreaner verbessert und der Freizeitsport immer beliebter wird.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die koreanische Gesellschaft die Entstehung, Ausbreitung und Ansiedlung der Freizeitsportkultur, die in den westlichen Ländern seit mehr als 100 Jahren betrieben wird, in drei Jahrzehnten abgeschlossen hat. Dementsprechend argumentiert diese Studie, dass sich die Entwicklung des Freizeitsports in Korea dynamisch verändert und geformt hat. Die Untersuchung empfiehlt, die Entwicklung des Freizeitsports mit Ländern zu vergleichen, deren Wirtschaftsniveau mit dem Koreas vergleichbar ist, um die Besonderheiten der koreanischen Freizeitsportentwicklung deutlich zu machen.


Zwischen Verwissenschaftlichung und Anwendungsorientierung: Evaluationsforschung und Akteursstrukturen im Kontext von ‚Sport für Entwicklung‘

Forschungszeitraum: 2014 bis 2022

Tag der Disputation: 14.09.2022

Zweitkorrektorin: Prof. Dr. Katja Siefken

Veröffentlichung

Inhalt
Mit der Gründung eines Sektorvorhabens „Sport für Entwicklung“ in der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) Anfang 2013 setzte die deutsche Entwicklungspolitik ein Zeichen für Wandel und Neuausrichtung. Der Bereich „Sport für Entwicklung“ ist in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (EZ) zu einem übergreifenden Thema mit zahlreichen Verbindungen zu verschiedenen entwicklungspolitischen Zielen der Bundesregierung geworden. Es wurde erkannt, dass Sport neben dem wichtigen Einsatz im Bildungsbereich auch mit Vorhaben in den Bereichen Gesundheitsförderung, Gewaltprävention, Gleichstellung der Geschlechter, gute Regierungsführung, Inklusion oder auch Umwelt kombiniert werden kann. Ziel des Vorhabens ist die Bestimmung des Stellenwerts und des Wandels des Sports in der Entwicklungspolitik Deutschlands in der Vergangenheit und in der Gegenwart.


Sport for Development Approaches in South Korea: Setting National Preferences and Sharing Ideas in view of SfD Programmes

Forschungszeitraum: 2016 to 2022

Disputation: 12.07.2022

Zweitgutachterin: Prof. Dr. Susan Kim

Publikation

Inhalt
In den letzten Jahren wird Sport zunehmend als wirksames Instrument zur Bewältigung sozialer, kultureller und wirtschaftlicher Herausforderungen weltweit betrachtet. Im Rahmen der Entwicklungsziele der Vereinten Nationen entstanden zahlreiche Programme unter dem Begriff „Sport for Development“ (SFD), die Sport gezielt zur Förderung gesellschaftlicher Entwicklung einsetzen.

SFD-Programme befassen sich insbesondere mit Themen wie Teilhabe, Geschlechtergerechtigkeit, Sozialisation und Bildung und richten sich vor allem an Kinder, Frauen, Menschen mit Behinderungen und sozial benachteiligte Gruppen. Ursprünglich wurden solche Programme vor allem von Industrieländern in Entwicklungsländern umgesetzt, inzwischen beteiligen sich jedoch auch viele Entwicklungsländer selbst an dieser Bewegung.

Südkorea hat sich durch erhebliche Investitionen in den Leistungssport und die erfolgreiche Ausrichtung von Großveranstaltungen wie den Olympischen Spielen 1988 und der FIFA-Weltmeisterschaft 2002 zu einer bedeutenden Sportnation entwickelt. Zudem wandelte sich das Land von einem Empfänger internationaler Hilfe zu einem Geberland. Vor diesem Hintergrund engagiert sich die südkoreanische Regierung zunehmend in internationalen Sportentwicklungsprogrammen wie dem „Dream Together Programme“ und dem „Dream Programme“.

Trotz des wachsenden Interesses an SFD sind entsprechende sportpolitische Maßnahmen in Südkorea häufig kurzfristig ausgerichtet und stark mit der Ausrichtung von Sportgroßereignissen verbunden. Zudem gibt es bislang nur wenige Studien zur Entwicklung der SFD-Politik im Vergleich zu anderen Bereichen wie Schulsport, Leistungssport oder Breitensport. Gleichzeitig fehlt es weiterhin an belastbaren wissenschaftlichen Nachweisen über die tatsächliche Wirkung von Sport auf gesellschaftliche Probleme.

Ziel dieser Arbeit ist es daher, die Entwicklung der südkoreanischen Sportpolitik im Zusammenhang mit Sport for Development zu untersuchen. Darüber hinaus werden bestehende SFD-Programme anhand theoretischer Ansätze analysiert, ihre Besonderheiten im internationalen Vergleich herausgearbeitet und Empfehlungen für die zukünftige Weiterentwicklung von SFD in Südkorea formuliert.


Werte im Sportverein 

Forschungszeitraum: 2013 bis 2021

Tag der Disputation: 16.02.2021

Zweitkorrektor: PD Dr. Sven Güldenpfennig

Veröffentlichung in Vorbereitung

Inhalt:
Ausgangspunkt der Dissertation war eine intellektuelle Unzufriedenheit mit den Grundfragen zu den Werten des Sports. Scheinbar unreflektiert wird von der Sportpolitik und einigen kulturhistorischen Untersuchungen angenommen, was unter den Werten des Sports zu verstehen ist. Sowohl eine inhaltliche Auseinandersetzung, was die Werte des Sports sind im Rahmen, was unter Sport fällt, als auch die Erschließung der Gesamtheit an den Werten der Eigenwelt Sport erfolgt nicht im ausreichendem Maße. 

Die zentrale Zielsetzung der Dissertation bestand somit in der Klärung der Frage, welche Werte der Sport vertritt bzw. vertreten hat. Der Sportverein steht als einer der wichtigsten Organisationsformen des Sports und als Vertreter des organisierten Sports im Mittelpunkt der Betrachtung. Als Zugang zum Sportverein erfolgt die Untersuchung der Werte des Sportvereins anhand von Festschriften. Durch eine computergestützte Inhaltsanalyse wurden die Werte des Sportvereins ermittelt. Die Untersuchung erfolgte im Forschungsrahmen des Ruhrgebiets und befasste sich mit dem Forschungszeitraum ab den 1960er Jahren.

p.stemmermann@­dshs-koeln.de 


Die Diversifizierung des Politikfelds Sport durch die Europäische Kommission: Zunehmender Zentralismus oder klassischer Fall von „Spill-Over“ im Multi-Level-Governance System?

The European Commission's Diversification of the Sport Policy Field: increasing centralism or a classic case of spillover within a multi-level governance system?

Forschungszeitraum: 2010 2020

Tag der Disputation: 18.02.2020

Zweitkorrektor: Prof. Dr. Martin Nolte

Veröffentlichung

Inhalt

Als kumulative Dissertation verfolgt diese Arbeit das Ziel, die Aktivitäten der Europäischen Kommission – insbesondere, aber nicht ausschließlich im Zeitraum von 2001 bis 2011 – erneut zu untersuchen, um Hinweise auf eine Diversifizierung des sportpolitischen Handlungsfeldes zu identifizieren.

Dies ermöglicht eine Rückkopplung zu zwei grundlegenden theoretischen Ansätzen der europäischen Integration und der einschlägigen Forschung: dem Spillover-Konzept des Föderalismus bzw. Neofunktionalismus sowie dem Ansatz der Multi-Level-Governance.

Die empirische Grundlage bilden 15 bereits veröffentlichte Fachbeiträge, die drei Themenbereiche behandeln: die Ausgestaltung der EU-Sportpolitik, Anti-Doping sowie gesundheitsfördernde körperliche Aktivität (Health-Enhancing Physical Activity, HEPA).

Die kritische Neubewertung dieser Arbeiten orientiert sich theoretisch am Konzept des reflektierenden Praktikers („reflective practitioner“).


“No normal sport in an abnormal society.“ Wahrnehmungen und Wechselbeziehungen staatlichen und zivilgesellschaftlichen sportbezogenen Protests gegen das Apartheid-Regime in Südafrika zwischen 1956 und 1992“  

Forschungszeitraum:  2013 bis 2018

Tag der Disputation:  17.07.2018

Zweitkorrektor: Prof. Dr. Stefan Berger

Veröffentlichung

Inhalt

Die Arbeit gehört dem wissenschaftlichen Feld der transnationalen (Sport)Geschichte an und untersucht, wie der sportbezogene Protest in Südafrika, aber auch internationaler Protest – am Beispiel der Bundesrepublik Deutschland, der Deutschen Demokratischen Republik und Großbritanniens – gegen das Apartheid-Regime in den 1960er, 1970er und 1980er Jahren von verschiedenen sozialen und gesellschaftlichen Akteuren wahrgenommen wurde. Schwerpunkt liegt hierbei auf der Auseinandersetzung mit ausgewählten Zeitungen und Sportverbänden sowie der Regierungen der jeweiligen Länder. Überdies werden die wechselseitigen (transnationalen) Interaktionen und Kooperationen dieser Akteure in ihrem Kampf gegen die Apartheid im Sport beleuchtet.

Zu diesen Fragestellungen gibt es bisher indes keine wissenschaftliche Arbeit, da es mit großen Schwierigkeiten verbunden ist, unmittelbare Indikatoren für die Wahrnehmung von Protest zu finden. Vonseiten der Forschung werden gemeinhin intensive transnationale Aktivitäten von zivilgesellschaftlichen Akteuren, insbesondere der westeuropäischen Anti-Apartheid-Bewegung, konstatiert. Der Soziologe Håkan Thörn spricht gar vom Entstehen einer “global civil society“ als Folge transnationaler Proteste durch diese Bewegung.

Aufgabe der Arbeit wird es sein, auf der Grundlage der Analyse staatlicher und zivilgesellschaftlicher Reaktionen auf das Apartheidregime eine eigenständige Bewertung des Ausmaßes und der zentralen Charakteristika transnationaler Vernetzungen vorzunehmen, um zu einer fundierten Beurteilung der These Thörns zu gelangen.


Alternative Reiseführer
Entstehung, Verbreitung und Professionalisierung von den 1970er bis zu den 1990er Jahren

Forschungszeitraum:2014-2018

Tag der Disputation: 13.07.2018

Zweitkorrektor: Prof. Dr. Christopher Kopper

Zur Veröffentlichung

Seit seiner Entstehung wurde Tourismus durch Medien begleitet, reflektiert, vorangetrieben und konstruiert. Besondere Bedeutung kommt im Wechselspiel aus Tourismus und medialer Darstellung dem Reiseführer zu, der touristische Praktiken als ältestes touristisches Medium seit dem Bürgertum begleitet. Diese Studie untersucht die bislang kaum beleuchtete Genese des in den 1970er Jahren im linksalternativen Milieu aufkommenden alternativen Reiseführers als Bestandteil der Geschichte des Tourismus und seiner Medien nach 1945. Im Vordergrund der Analyse stehen die Konstruktion einer alternativtouristischen Reisepraxis durch alternative mediale Formate, Visualisierungen und Narrationen, Veränderungen des Mediums Reiseführer selbst sowie Wechselwirkungen zwischen Tourismusentwicklung und medialer Reflexion.  

diana.wendland@rub.de


Das sportpolitische System Spaniens - Eine theoretisch-empirische Analsyse von Akteuren, Outputs und Entwicklungslinien

Forschungszeitraum: 2012 2017

Tag der Disputation: 19.9.2017

Zweitkorrektor: Prof. Dr. Ilse Hartmann-Tews

Veröffentlichung

Ziel des Projekts war, das Sportsystem Spaniens aus politikwissenschaftlicher Perspektive zu erfassen. Die zentrale Forschungsfrage lautete: Welche sportpolitischen Strukturen, Prozesse und Inhalte charakterisieren das spanische Sportsystem? Um diese Forschungsfrage zu beantworten, wurden untergeordnete Ziele formuliert:

Auf theoretisch-konzeptioneller Ebene wird die politikwissenschaftliche Systemtheorie für die Analyse des Sportsystems Spaniens adaptiert. Die bereits in der Sportwissenschaft etablierten, englischen Begriffe sportpolity, sportpolitics und sportpolicy werden in die Systemtheorie inhaltlich und analytisch eingebettet. Anhand dessen soll die komplexe sportpolitische Realität erfasst, geordnet und erklärt werden. Zudem sind Europäisierungs- und Regionalismusprozesse zu beachten.

Auf empirisch-analytischer Ebene werden neue Daten über das Sportsystem Spaniens generiert und bereits vorhandene Informationen geordnet und gebündelt, sodass sportpolitische Strukturen, Prozesse und Inhalte in Spanien in Beziehung zueinander gebracht und nachvollziehbar werden. Dabei wird auf Besonderheiten einzelner spanischer Regionen hingewiesen. Die empirischen Phänomene sollen im engen Bezug zum theoretischen Kontext und den entwickelten Typologien eingeordnet werden. Auf typologischer Ebene werden Kategorien bzw. Typologien für vergleichende Sportsystemanalysen entwickelt. Theoretische Anknüpfungspunkte sind politikwissenschaftliche Ansätze, Konzepte und Theorien; empirische Grundlage ist die Analyse des sportpolitischen Systems Spaniens, das sich hinsichtlich des Zusammenspiels staatlich-öffentlicher sowie sportverbandlich-privater Akteure sehr gut eignet. Ein perspektivisches Ziel ist es, europäische Sportsysteme anhand der am Fall Spaniens entwickelten Kategorien vergleichend zu erfassen, sodass ein gewisser Grad an Generalisierbarkeit angestrebt wird.   


Funktionale Institutionen-Bildung in der Anti-Dopingpolitik der Bundesrepublik Deutschland:
Akteureinflüsse, Akteurkonstellationen, Akteurinteraktionen 

Forschungszeitraum: 2012-2017

Tag der Disputation: 06.09.2017

Zweitkorrektor: Prof. Dr. Henk-Erik Meier (Universität Münster)

Veröffentlichung

Die Promotion beschäftigt sich aus politikwissenschaftlicher Sicht mit der Entwicklung der Dopingbekämpfung in Deutschland seit 1990. Während als Ausgangspunkt auch Überlegungen und Erkenntnisse zum Thema Doping aus der Ökonomie, Soziologie und Geschichtswissenschaft dienen, steht im Vordergrund der Analyse der Versuch, mit Hilfe des Rahmenkonzepts des Akteurszentrierten Institutionalismus das Verhältnis der unterschiedlichen Akteure und deren Zielsetzungen im Feld der Anti-Doping-Politik zu analysieren. Als Basis für die Einschätzung des Einflusses einzelner Akteure dient dabei ein strukturalistischer, dreidimensionaler Machtbegriff, welcher zwischen regulatorischer, diskursiver und Entscheidungsmacht unterscheidet. Ergänzend werden grundsätzliche Annahmen aus der politikwissenschaftlichen Netzwerkforschung sowie Tsebelis Überlegungen zu Vetospielern und einige Kernideen des Principal-Agent-Ansatzes herangezogen.Zum Zwecke der Annäherung an den Untersuchungsgegenstand werden vor allem Methoden der qualitativen Sozialforschung genutzt, namentlich Inhaltsanalysen und halbstrukturierte Leitfadeninterviews mit Entscheidungsträger aus der Politik und dem organisierten Sport.
 Ziel der Arbeit ist es, eine systematische Beschreibung der bisherigen Entwicklung zu geben, die aktuelle Situation zu verstehen und verschiedene Szenarien für die künftige Entwicklung aufzustellen und gegeneinander abzuwägen.   


Lower League Football in Crisis
Issues of Organisation and Legitimacy in England and Germany

Forschungszeitraum: 2012 bis 2017

Tag der Disputation: 14.07.2017

Zweitkorrektor: Prof. Dr. Klaus Stolz (TU Chemnitz)

Zur Veröffentlichung (Palgrave Macmillan Verlag, in englischer Sprache)

Inhalt

Während der Bereich der Fussballforschung eine Fülle von Literatur über den professionellen Spitzenfussball hervorgebracht hat, gibt es nur wenig Forschungsergebnisse, die sich mit dem Nicht-Liga-Fussball befassen. Dieses Buch untersucht die Beziehung zwischen den oberen und unteren Ligen und legt die drastischen Spaltungen offen, die zwischen den verschiedenen Ebenen bestehen. Die Studie verbindet die Entwicklungen auf der obersten Ebene des englischen und deutschen Fussballs in den letzten 30 Jahren mit den Transformationsprozessen im Unterliga-Fussball. Sie veranschaulicht, wie stark der hegemoniale Status des Spitzenfussballs auf den darunter liegenden Sphären lastet, und zeigt auf, wie er auch als Blaupause für die Strategien der Fussballklubs der unteren Ligen dient, um mit einem dreifachen Dilemma institutioneller Legitimität umzugehen, das sich in wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Dimensionen zeigt. Ausgehend von den unterschiedlichen Vereinsstrukturen in den beiden nationalen Kontexten wird sowohl die Wirksamkeit institutioneller Rahmenbedingungen dargestellt als auch, wie diese von unten in Frage gestellt werden können. Diese Forschung wird für Studierende und Wissenschaftler aus den Bereichen Fussball- und Sportwissenschaft, Sportsoziologie und Organisationsforschung von Interesse sein.

daniel.ziesche@­phil.tu-chemnitz.de 


„Interessenvertretung im Sport zwischen Kooperation und Konflikt – Das Verhältnis von Staat und Sport in Deutschland und Frankreich”

Forschungszeitraum:  2009 bis 2017

Tag der Disputation: 11.5.2017

Zweitkorrektor: Hon.-Prof. Dr. Georg Anders

Veröffentlichung 

Die Arbeit orientiert sich an der grundlegenden Fragestellung, wo es Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem deutschen und dem französischen Sportsystem in der Zusammenarbeit und im wechselseitigen Verständnis der staatlichen und nicht-staatlichen Institutionen der Sportverwaltung gibt und wie diese aussehen. Die empirische Vorgehensweise basiert auf einer Analyse von (1) rechtlichen Grundlagen des jeweiligen Systems. Hierzu gehören Gesetze, Verordnungen, Vereins- und Verbandssatzungen, Zielvereinbarungen und andere bilaterale Vereinbarungen; (2) der Strukturen und des Aufbaus der jeweiligen Sportsysteme sowie (3) Befragungen von Experten und Repräsentanten der staatlichen und nicht-staatlichen Institutionen aus Deutschland und Frankreich. Die Arbeit soll die bestehenden Struktur- und Politik-Vergleiche, die bisher in der Sportwissenschaft vorgenommen worden sind, erweitern und verfeinern. Vor dem Hintergrund der politikwissenschaftlichen Ansätze von Pluralismus und Neo-Korporatismus sollen die Ergebnisse der empirischen Untersuchung diskutiert werden. Hierbei sollen die Besonderheiten des Gesellschaftsbereiches Sport im besonderen Berücksichtigung finden. 


„… und für die Ehre unserer Nation(en)“: Olympische Deutschlandpolitik’ zwischen 1960 und 1968

Forschungszeitraum: 2012 bis  2016

Tag der Disputation: 19.1.2017

Zweitkorrektor: Prof. Dr. Manfred Lämmer (DSHS)

Die im Januar 2017 vorgelegte Arbeit beschäftigt sich mit der deutsch-deutschen Sportpolitik der Jahre 1960 bis 1968. Diese wird als Teil der Deutschlandpolitik beider Seiten betrachtet, dabei liegt der Fokus der Betrachtung auf der olympischen Ebene. Zur Beschreibung des Geschehens wird Kleßmanns Ansatz der asymmetrisch verflochtenen Parallelgeschichte um Elemente des dynamisch-transaktionalen Ansatzes erweitert, den Früh zur Beschreibung von Medienwirkungen entwickelte. Die so entstehende dynamisch verflochtene Kommunikationsgeschichte ermöglicht es, die acht vielleicht ereignisreichsten Jahre der deutsch-deutschen Sportgeschichte als ein Geflecht sich gegenseitig teilweise überschneidender Aktionen und Reaktionen zu betrachten. Deren erstes Ziel war es, Einfluss auf das IOC zu gewinnen. Beide deutsche Staaten waren damit erfolgreich: die Bundesrepublik bekam die Olympischen Sommerspiele 1972 in ;ünchen, die DDR – ausgerechnet dort – erstmalig bei Sommerspielen ihre eigene Flagge und Hymne. Die vorgelegte Arbeit beschreibt den ereignisreichen Weg zu dieser Lösung, mit der beide Seiten zwar zufrieden, jedoch nicht vollkommen glücklich waren.


Opportunities and Limitations of Youth Sport Programs in Cape Town: Analysis of Determinants in the Context of Development and their impact on Research

Forschungszeitraum: 2012 bis 2016

Tag der Disputation: 19.12.2016

Zweitkorrektor: Prof. Dr. Bart Vanreusel (KU Leuven) 

Veröffentlichung

In den letzten Jahrzehnten hat Sport als Mittel der Entwicklungszusammenarbeit auf internationaler, nationaler und lokaler Ebene erheblichen Zuspruch gefunden. Sport hat den Ruf, die Lebensumstände von marginalisierten Gruppen zu verbessern, indem er nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Bildung, die individuelle und soziale Entwicklung und den Frieden fördert. Über diese positiven Zuschreibungen hinaus gibt es auch Stimmen, die kritische Fragen zur Wirksamkeit des Sports stellen, die fragen wie die Effekte des Sports bewiesen werden können. Um Licht in das breite und oft unergründliche Feld von Sport und Entwicklung zu bringen, untersuchte Marie Biermann, welchen Stellenwert Sport im Hinblick auf die Förderung von individueller und sozialer Entwicklung einnimmt und welche Faktoren in Sportprogrammen entscheidend für Erfolg und Misserfolg sind. Die Datenerhebung fand über einen Gesamtzeitraum von einem Jahr in vier Sportprojekten im Township Khayelitsha in Südafrika statt. Der Schwerpunkt lag dabei auf den Teilnehmern, Trainern und ihnen nahestehenden Personen sowie auf dem gesellschaftspolitischen Kontext, der das Leben in Khayelitsha prägt.
Zusätzlich generierte Marie Biermann Wissen über die Herausforderungen, denen Forscher (aus dem Globalen Norden) bei Untersuchungen von Sportprojekten in komplexen und instabilen Umgebungen gegenüberstehen.


Integration im Sportverein: Entwicklung eines sozialwissenschaftlich begründeten Qualitätsmanagementmodells  

Forschungszeitraum: 2012 bis  2016

Tag der Disputation: 12.04. 2016

Zweitkorrektor: Prof. Dr. Christoph Breuer  (DSHS)

Die gesellschaftspolitische Relevanz des Themas Integration geht hervor aus der Zuwanderung in Staaten und Gesellschaften in den vergangenen Jahrzehnten, gegenwärtig und in absehbarer Zukunft.
Wenn von Seiten der Politik nach symbolträchtigen Beispielen für gelungene Integration gesucht wird, rückt häufig der Sport in den Fokus. Der Sport spielt eine besondere Rolle im Politikfeld der Integration. Sport gilt als universelles Verständigungsmedium, da Austausch und gemeinsamer Sport auch dann möglich sind, wenn Menschen nicht dieselbe Sprache sprechen – „Sport spricht alle Sprachen“.
Aus dieser Argumentation ergeben sich aktuelle Fragestellungen: Wie geht der organisierte Sport mit interessierten Flüchtlingen um? Wie ist es um die Qualität der Sportangebote bestellt? Was trägt der Sport zur Integration wirklich bei?

Diese Entwicklungen drängen die Sportorganisationen in Probleme der Legitimation von Leistungen, die mit dem überkommenen Wissensbestand und traditionell bewährten Legitimationsformeln
kaum noch erfolgreich zu bestreiten sein werden. Dieser Umstand erfordert die Entwicklung neuer Instrumente und Qualitätskriterien, mit denen die Leistungen des Sports/Sportvereins chancen- und effizienz-orientierter betrachtet und präziser erfasst werden können. In der Arbeit „Integration im Sportverein: Entwicklung eines sozialwissenschaftlich begründeten Qualitätsmanagementmodells“ wird ein sozialwissenschaftlich begründetes TQM-Modell für Integrationsprozesse im Sportverein entwickelt und für Anwendungen im funktionalen Kontext auf drei Ebenen erklärt. Während auf der Makroebene die Systemtheorie, auf der Mesoebene der Neo-Institutionalismus den wissenschaftlich-theoretischen Rahmen liefern, erklärt auf der Mikroebene die Strukturationstheorie nach Giddens das Handeln der Akteure. Die Arbeit intendiert somit, zu einem themen- und problembezogenem interdisziplinären Diskurs zwischen Politikwissenschaft, Soziologie, Pädagogik und Betriebswirtschaft im Rahmen der Sportwissenschaft beizutragen. Zielstellung ist die Entwicklung eines systematischen, theoretisch fundierten TQM-Modells, mit dem Integrationsprozesse im Sportverein und darüber hinaus in gesellschaftlichen Bereichen visualisiert und realisiert werden können. Die Heterogenität der Vereinslandschaft und die unterschiedliche Ausrichtung und Gestaltung der Integrationsmaßnahmen veranlassen zur Entwicklung eines Modells, das auf einer angemessenen Abstraktionsebene diesen Anforderungen gerecht werden kann. Die Erarbeitung des TQM-Modells für Integration erfolgt in enger Verzahnung von theoretischer Fundierung und direktem Anwendungsbezug. 


Struktur- und Funktionsanalyse von Corporate Social Responsibility-induzierten Public-Private-Partnership-Modellen im Bildungsbereich anhand der Schulsportförderung 'Fit am Ball'

Forschungszeitraum: 2008 bis 2015
Tag der Disputation: 07.07.2015

Erstgutachter: Prof. Dr. Walter Tokarski
Zweitgutachter: Prof. Dr. Daniel Memmert (DSHS)

Zur Veröffentlichung

Die Arbeit widmet sich der Analyse eines modellhaften Projektes, das materielle, finanzielle oder inhaltliche Ressourcen im Sinne eines Public-Private-Partnerships (PPP) für den Bildungsbereich generiert hat. Während Unternehmen darin die Möglichkeit einer Aktivität im Sinne des Corporate Social Responsibility (CSR) sehen, können auch andere Institutionen in dieser lateral kooperierenden Konstellation zur Bewältigung gesellschaftlicher Probleme (Suchtprävention, Integration, Übergewicht etc.) beitragen.

Auf theoretischer Grundlage des PPP- und des CSR-Ansatzes, des Projektmanagements und der Principal-Agent-Theory werden dazu Forschungsfragen erarbeitet, die anhand von zwei Erhebungsmethoden an einem konkreten Förderungsprojekt explorativ und überprüfend angewendet werden. Einerseits werden die leitenden Entscheider der jeweils involvierten Institutionen in Form eines Experteninterviews befragt, ehe die Einschätzungen der Projektrezipienten durch eine quantitativ-statistische Erhebung untersucht werden. Schließlich werden beide Ergebnisse zusammengeführt, ausgewertet und analysiert. Das abschließende Fazit kommt zu dem Ergebnis, dass sich laterale Kooperationen wie das PPP unter bestimmten, hier beschriebenen Voraussetzungen durchaus eignet, jedoch Universitäten sowie neutrale offizielle Stellen des Bildungsbereiches eingebunden werden sollten.


Die sportpolitische Rolle der Asian Football Confederation 

Forschungszeitraum: 2010 bis 2013
Tag der Disputation: 7.02.2014
Zweitkorrektor: Prof. Dr. Fan Hong (University of Glasgow) 

weitere Publikationen :

  • Weinberg, Ben:  Asia and the Future of Football: The Role of the Asian Football Confederation, Oxford 2015.
  • Weinberg, Ben: "The Future is Asia"? The Role of the Asian Football Confederation in the Governance and Development of Football in Asia, in: The International Journal of the History of Sport 2012, S. 535-552.