11.06.2026 | News
Wie politisch ist Fußball? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Tagung „Fußball-WM 2026 und Politik“, die am 10. Juni 2026 im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund stattfand. Veranstaltet wurde die Tagung von der Deutschen Sporthochschule Köln und der Universität Münster. Im Vorfeld der Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über die politischen, gesellschaftlichen und medialen Dimensionen des weltweit größten Sportereignisses.
Im Fokus standen dabei sowohl die Rolle der FIFA als auch die Interessen der drei Gastgeberstaaten. Gleichzeitig wurde deutlich, wie sehr sich die mediale Begleitung des Fußballs in Zeiten sozialer Netzwerke verändert hat.
Die WM 2026 im Spannungsfeld unterschiedlicher Interessen
Prof. Dr. Jürgen Mittag vom Institut für Europäische Sportentwicklung und Freizeitforschung analysierte in seinem Vortrag die Bewerbung und Vergabe der Weltmeisterschaft sowie die unterschiedlichen Zielsetzungen der beteiligten Akteure. Unter dem Titel „Gemeinsames Spielfeld, getrennte Interessen?“ zeigte er auf, dass die drei Gastgeberstaaten zwar gemeinsam auftreten, dabei jedoch jeweils eigene politische und gesellschaftliche Interessen verfolgen.
Zugleich ordnete Mittag die Entwicklung der FIFA in den vergangenen Jahren ein. Vor dem Hintergrund des Korruptionsskandals von 2015 („FIFAGate“) thematisierte er Reformbemühungen innerhalb des Weltverbandes, verwies aber auch auf fortbestehende Herausforderungen im Bereich der Governance. Die Diskussion um Menschenrechte, Sportswashing und Sportdiplomatie zeige, dass die Beziehung zwischen Sport und Politik weiterhin neu austariert werden müsse.
Social Media und die Zukunft des Sportjournalismus
Mit dem Wandel der Sportberichterstattung beschäftigte sich Jun.-Prof. Dr. Daniel Nölleke vom Institut für Kommunikations und Medienforschung. In seinem Vortrag „Social Media Fußball: Zum Wandel von Medienlogiken und Journalismus“ zeichnete er nach, wie sich die Rolle des Sportjournalismus in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat.
Anhand historischer Beispiele verdeutlichte er die traditionelle Nähe zwischen Sportjournalismus und den Akteuren des Sports. Gleichzeitig stellte er die Frage, welche Aufgaben journalistische Berichterstattung in Zeiten direkter Kommunikation über soziale Medien künftig übernehmen kann. Angesichts vereinseigener Kanäle und der wachsenden Bedeutung digitaler Plattformen komme der kritischen Einordnung und unabhängigen Recherche eine besondere Bedeutung zu. Die Leitfrage des Vortrags lautete daher: „Wozu noch Sportjournalismus?“
Sport als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen
Die Tagung machte deutlich, dass die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 nicht nur ein sportliches Großereignis sein wird. Vielmehr fungiert sie als Projektionsfläche für Fragen der internationalen Zusammenarbeit, der politischen Kommunikation und der medialen Verantwortung.
Die Beiträge aus Sportpolitikforschung und Kommunikationswissenschaft zeigten eindrucksvoll, wie eng Sport, Gesellschaft und Politik miteinander verflochten sind. Zugleich unterstrichen sie die Bedeutung wissenschaftlicher Perspektiven für das Verständnis aktueller Entwicklungen im internationalen Sport.
Die Beiträge: