Digitalisierungsstrategie Positionspapier für Studium und Lehre 1 Digitalisierungsstrategie für Studium und Lehre der Deutschen Sporthochschule Köln Positionspapier 20.2.2020 vorgelegt von Jens Kleinert (Prorektor Studium & Lehre) Julia Mierau (Beauftragte Digitalisierung UK Studium & Lehre) Jurek Bäder (StAPS Arbeitsbereich 4.3 Digitalisierung in Studium & Lehre) Inhalt 1 Übergeordnete Prinzipien ................................................................................................................................. 2 2 Entwicklungspostulate von Digitalisierung ........................................................................................................ 2 3 Leitkriterien ....................................................................................................................................................... 3 3.1 Angemessenheit........................................................................................................................................ 3 3.2 Passung und Stimmigkeit .......................................................................................................................... 3 3.3 Zielorientierung Lehren und Studieren ..................................................................................................... 4 3.4 Kooperation und Partnerschaftlichkeit ..................................................................................................... 4 3.5 Nachhaltigkeit ........................................................................................................................................... 5 4 Handlungsfelder ................................................................................................................................................ 5 4.1 Inhaltliche Handlungsfelder ...................................................................................................................... 5 (1) Entwicklung und Erprobung innovativer Lehr-/Lern-Konzepte und -Szenarien ................................ 5 (2) Prüfung und Feedback in der Lehre .................................................................................................. 5 (3) Forschung und Lehre verbinden........................................................................................................ 5 (4) Internationalisierung ......................................................................................................................... 6 (5) Unterstützung von Inklusion und Teilhabe ....................................................................................... 6 (6) Evaluation von Neuentwicklungen .................................................................................................... 6 4.2 Strukturelle und technologische Handlungsfelder.................................................................................... 7 (1) Organisation ...................................................................................................................................... 7 (2) Mobilität ............................................................................................................................................ 7 (3) Infrastruktur und Support ................................................................................................................. 7 (4) Kompetenzentwicklung ..................................................................................................................... 8 (5) Unterstützung administrativer Abläufe in Studium und Lehre ......................................................... 8 (6) Universitäre Vernetzung/Kooperation .............................................................................................. 8 (7) Ressourcen ........................................................................................................................................ 9 5 Vorgehensweise und Perspektive ..................................................................................................................... 9 Digitalisierungsstrategie Positionspapier für Studium und Lehre 2 Vorbemerkung Digitalisierung ist für alle akademischen und nichtakademischen Bereiche der Deutschen Sporthoch- schule (DSHS) Köln zugleich eine Herausforderung und eine Chance zur Weiterentwicklung. In diesem Sinne sieht die DSHS Köln Digitalisierung nicht als Muss oder von außen kontrollierte Aufgabe, sondern vielmehr als Chance der inneren, selbstbestimmten Entwicklung der Hochschule, seiner Ziele, Aufga- ben und Prozesse. Im akademischen Bereich stellt Digitalisierung hiermit ein Querschnittsthema für Lehre, Forschung und Selbstverwaltung dar. In Studium und Lehre regt Digitalisierung die kritische Reflexion von Bildungs- und Lehr-Lern-Prozessen an. Diese Reflexion findet auf der Grundlage eines universitären Bildungs- und Lehr-/Lernanspruchs statt und führt zur proaktiven Ausgestaltung und Entwicklung von Digitalisierung auf der Basis einer kritisch-offenen Grundhaltung gegenüber digitalen Technologien und hiermit verbundenen Lehr-Lern- szenarien. 1 Übergeordnete Prinzipien Die kritisch-offene Grundhaltung gegenüber dem Thema Digitalisierung ist insbesondere geprägt durch grundsätzliche, übergeordnete Prinzipien, die für das Studium und die Lehre an der DSHS Köln im Allgemeinen und für Digitalisierung im Besonderen gelten. Die Umsetzung von Studium und Lehre an der DSHS Köln besitzt einen hohen sozialen An- spruch. Dieser Anspruch äußert sich im lehr-lernimmanenten Prinzip von sozialer Interaktion zwischen Dozierenden und Studierenden sowie innerhalb der Gruppe der Studierenden. Ein wichtiger Teil dieser Interaktion findet im leiblichen Kontakt und in der physischen Präsenz statt. Darüber hinaus eröffnen neue Medien Denk- und Handlungsweisen zur Interaktion in virtuellen Räumen, die das Prinzip der sozialen Lehr-Lern-Interaktion unterstützen bzw. berei- chern können. Bildungsprozesse an der DSHS Köln sehen sich in der Vorbereitung auf sich stetig wandelnde gesellschaftliche Herausforderungen. Im Rahmen eines antizipierbaren Spektrums dieser Her- ausforderungen spielt Digitalisierung eine bedeutsame Rolle. Insofern ist der kritisch-reflexive und offene Umgang mit digitalen Medien in Studium und Lehre auch eine Vorbereitung auf entsprechende gesellschaftliche Veränderungsprozesse. Studium und Lehre an der DSHS Köln hat den Anspruch Lernprozesse flexibel, zukunftsträchtig und nachhaltig zu gestalten. Ein entsprechender Gestaltungsprozess kann durch den Einsatz digitaler Lehr-Lern-Methoden unterstützt und/oder gefördert werden. Die Einbettung digita- ler Prozesse und Medien in den Lehr-Lern-Prozess ist auch insofern nachhaltig, dass entspre- chende Prozesse und Techniken von Absolventinnen und Absolventen in späteren Anwen- dungsbereichen weitergetragen werden. 2 Entwicklungspostulate von Digitalisierung Digitalisierung ist ein Prozess, der ständig im Wandel ist und sein wird. Sowohl technologische Mög- lichkeiten als auch die Bereitschaft und die Fähigkeit zum Umgang mit ihnen ändern sich rasant. Daher sollte eine Digitalisierungsstrategie zugleich auch eine Entwicklungsstrategie sein. Die enge Verknüp- fung von Digitalisierung und Hochschulentwicklung soll im Wesentlichen durch folgende Postulate ge- währleistet sein: 1. Verankerung von Digitalisierung in entwicklungsrelevanten Konzepten und Strukturen. Zu diesen Konzepten gehören insbesondere der Hochschulentwicklungsplan und seine spezifischen Anteile (z. B. Digitalisierungsstrategie Positionspapier für Studium und Lehre 3 Professor*innenentwicklungsplan) sowie Leitbilder und grundsätzliche Positionspapiere, Stellungnah- men oder Leitlinien (z. B. Leitbild Lehre). Die Verankerung in entwicklungsrelevanten Strukturen ist maßgeblich durch die explizite Verortung und Verantwortung von Digitalisierungsprozessen in einem Prorektorat und einer entsprechenden Universitätskommission gegeben. 2. Verankerung von Digitalisierung im Rahmen der Weiterentwicklung von Studium und Lehre. Diese Weiterentwicklung ist an der DSHS Köln insbesondere durch das interne Qualitätsmanagement (Sys- temakkreditierung) strukturiert und organisiert. Daher sollten Fragen der Digitalisierung im Rahmen der QM-Prozesse einen selbstverständlichen und festen Platz einnehmen (z. B. im Rahmen von Reak- kreditierung, Kommunikationsplattformen des QM, Hochschuldidaktik oder im Rahmen von Lehrprei- sen). Zugleich ist zu bedenken, dass die Weiterentwicklung von Studium und Lehre selbst auf digitalem Wege und durch neue Medien unterstützt werden könnte (z. B. Meinungsumfragen, Blogs/Chaträume über Lehrqualität, digitale Förderung/Bekanntmachung von Good-Practice-Modellen). In diesem Sinne kann und soll Digitalisierung die Entwicklung von Lehr- sowie Studiumsqualität fördern bzw. unterstüt- zen. 3. Evaluativer Anspruch an die Weiterentwicklung von Strategie. Nicht jeder Entwicklungsprozess kann und sollte evaluiert werden. Trotzdem bleibt Evaluation und Evidenz für positive Entwicklung ein er- strebenswertes Grundprinzip auch für die Entwicklung der Digitalisierung von bzw. in Studium und Lehre. Im Vordergrund steht hierbei, bestehende Evaluationsprozesse und -instrumente (z. B. die Lehrevaluation des QM) zu nutzen bzw. effizient weiterzuentwickeln. 3 Leitkriterien Die Orientierung der Digitalisierung an übergeordneten Grundprinzipien von Studium und Lehre (Ab- schn. 1) und die Berücksichtigung der Entwicklungspostulate (Abschn. 2) lassen Leitkriterien für eine Digitalisierungsstrategie ableiten. Diese Leitkriterien sollten in allen Handlungsfeldern (vgl. Abschn. 4) bei einzelnen Entwicklungsarbeiten mitbedacht werden. 3.1 Angemessenheit Zielsetzungen und Arbeiten im Rahmen von Digitalisierung sollten unter Berücksichtigung gegebener Ressourcen und übergeordneter Ziel- und Arbeitsprozesse angemessen bzw. ausgewogen sein. Bezüg- lich der Ressourcen ist beispielsweise zu beachten, dass finanzielle und arbeitsorganisatorische (auch zeitliche) Möglichkeiten für die Umsetzung gegebener Ziele und Arbeitsprozesse bestehen. Die hiermit verbundene Aufwand-Effekt-Kalkulation gilt es auf allen Ebenen mitzubedenken, um eine Überforde- rung auf individueller und auf organisationaler Ebene zu verhindern, die letztlich Entwicklung hemmt. Zugleich können oder sollen Dysbalancen im Rahmen der Angemessenheit oder Ausgewogenheit dazu führen, dass zusätzliche Ressourcen geschaffen werden (z. B. Einwerbung von Mitteln). 3.2 Passung und Stimmigkeit Passung und Stimmigkeit wird auf verschiedenen Ebenen gefordert, nämlich auf der Ebene der Hoch- schule als Gesamteinrichtung, auf der Ebene der Dozierenden, der Ebene der Studierenden und der Ebene des Lehr-Lern-Prozesses selbst. (1) Auf der Ebene der Hochschule als Gesamteinrichtung ist es ein Leitkriterium, dass Zielsetzungen und Arbeitsprozesse zum Selbstverständnis der Hochschule als universitäre und sportwissenschaftli- che Bildungseinrichtung passen. Diese Passung gilt auch und insbesondere in Richtung auf die Beson- derheit des Bildungsgegenstandes Sport, Bewegung und körperliche Aktivität. Dieser Bildungsgegen- Digitalisierungsstrategie Positionspapier für Studium und Lehre 4 stand fordert aufgrund der immanenten Leiblichkeit im Zusammenhang mit Digitalisierung zu beson- deren kritisch-reflexiven Überlegungen heraus, was zugleich außergewöhnliche Perspektiven und Chancen im Rahmen von Digitalisierung und Leiblichkeit verspricht. (2) Auf der Ebene der Dozierenden betrifft Passung und Stimmigkeit insbesondere das Interesse und die Möglichkeiten bzw. Kompetenzen der Dozierenden. Hieraus ergibt angesichts der Entwicklungs- postulate insbesondere die Forderungen, die Ausgangslage von Interesse und Möglichkeiten/Kompe- tenzen zu erfassen und ggfs. im Rahmen geeigneter (angemessener) Maßnahmen zu verändern/be- einflussen. (3) Interesse und Möglichkeiten bzw. Kompetenzen spielen auch auf der Ebene der Studierenden eine große Rolle. Hierbei gilt es, autobiografische Besonderheiten der Studierenden im Zusammenhang mit Digitalisierung (z. B. Nutzung von sozialen Medien oder besonderer Hardware) zu berücksichtigen und ggfs. positiv für Lehr-Lern-Prozesse und in Kooperation mit Lehrenden zu nutzen. (4) Auf der Ebene des Lehr-Lern-Prozesses selbst betrifft Passung und Stimmigkeit sowohl den inhaltli- chen als auch den methodisch-didaktischen Prozess. Aus inhaltlicher Sicht sollte Digitalisierung von Studium und Lehre im Zusammenhang mit fachlichen und überfachlichen Lernzielen sowie Lerninhal- ten betrachtet werden, die nicht alle in gleicher Weise digitale Prozesse nahelegen oder erfordern. Aus didaktisch-methodischer Sicht gilt es, kritisch zu prüfen, ob digitale Inhalte, Medien oder Prozesse die Didaktik oder Methodik einer entsprechenden Veranstaltung unterstützt und bereichert oder ggfs. auch zur Einengung oder Verdrängung alternativer, u.U. geeigneterer Methoden führen kann. Aus di- daktisch-methodischer Sicht gilt es auch, den individuellen Lernprozess der Studierenden zu berück- sichtigen (z. B. im Selbststudium) und diesen durch den bewussten Einsatz oder den bewussten Ver- zicht von Digitalisierung zu optimieren. 3.3 Zielorientierung Lehren und Studieren Digitalisierung ist kein Selbstwert und entsprechende Ziele und Arbeitsprozesse dürfen demnach nicht als Selbstzweck formuliert oder beschrieben sein. Stattdessen gilt es, im Sinne eines Basiskriteriums jederzeit zu prüfen, ob Digitalisierung gezielt und geplant ist, um Lehrqualität, Lernerfolg und in einem übergeordneten Sinne Studierbarkeit zu verbessern bzw. zu optimieren. 3.4 Kooperation und Partnerschaftlichkeit Zwischen Akteurinnen und Akteuren innerhalb der Hochschule und zwischen Hochschulen besteht eine hohe Diversität hinsichtlich der Erfahrungen, der Anwendungsformen und der Zielsetzungen und Perspektiven für Digitalisierung in Studium und Lehre. Diese Diversität kann positiv genutzt werden, wenn Entwicklungsprozesse durch Kooperation und Partnerschaftlichkeit organisiert sind. Kooperati- onen und Partnerschaften finden hierbei auf unterschiedlichen Ebenen statt, nämlich auf Ebene der Peers, zwischen Dozierenden und Studierenden und zwischen Einrichtungen bzw. Hochschulen. (1) Auf Ebene der Peers lernen gleichermaßen Dozierende von Dozierenden und Studierende von Studieren- den. Digitalisierung durch Peer-Learning ist nicht selbstverständlich und muss gewollt, angezielt und geplant bzw. organisiert werden. (2) Partnerschaften zwischen Dozierenden und Studierenden sind in- sofern besonders, da Kompetenzen für Digitalisierung unter Umständen bei Studierenden stärker aus- gebildet sein können als bei Dozierenden. Studierende können insofern bewusst als Unterstützende digitaler Lehre wahrgenommen werden (z. B. studentische Hilfskräfte als Experten). (3) Zwischen Ein- richtungen gilt es, sowohl zwischen Instituten aber auch zwischen Universitäten Kooperationen zu pla- nen, im Rahmen derer Diversität als Win-Win-Prozess wahrgenommen und organisiert wird. Digitalisierungsstrategie Positionspapier für Studium und Lehre 5 3.5 Nachhaltigkeit Entsprechend zu anderen Zielsetzungen von Studium und Lehre gilt auch für die Entwicklung von Digi- talisierung das Kriterium der Nachhaltigkeit. Dies bedeutet, dass bei der Festlegung von Zielen und der Planung von Arbeiten berücksichtigt wird, ob spätere Ergebnisse, Produkte oder Prozesse in beste- hende Strukturen integriert und hierdurch etabliert werden können. Diese Integration betrifft gleich- ermaßen personale Bedingungen, arbeitsorganisatorische Abläufe sowie materielle bzw. infrastruktu- relle Bedingungen, die zur Nachhaltigkeit beitragen können. 4 Handlungsfelder Die Digitalisierungsstrategie wird "lebendig" (d.h. konkret) in bestimmten spezifischen Handlungsfel- dern. Die Beschreibung dieser Felder ist ein laufender Prozess und unterliegt in hohem Maße dem Wandel von inneren und äußeren Gegebenheiten. Trotzdem sind Festlegungen und Ausdifferenzierun- gen von Handlungsfeldern essentiell, um konkrete Maßnahmen innerhalb der Felder ableiten zu kön- nen. Handlungsfelder können inhaltlicher oder strukturell-technologischer Natur sein. 4.1 Inhaltliche Handlungsfelder (1) Entwicklung und Erprobung innovativer Lehr-Lern-Konzepte und -Szenarien Ein zentrales inhaltliches Handlungsfeld ist es, innovative Lehr-Lern-Konzepte und -Szenarien mit Ausrichtung auf Anforderungen und Möglichkeiten der Digitalisierung zu entwickeln oder weiter- zuentwickeln. Hierzu gehören u.a. Blended-Learning-Konzepte, durch die Präsenzzeiten und on- line-Lernen (Selbststudium) didaktisch sinnvoll verknüpft werden. Die Arbeiten in diesem Hand- lungsfeld sollten sich auch auf bewährte didaktische Lehr-Lernszenarien beziehen, deren Lerner- folg in Hinblick auf einen gezielten Einsatz digitaler Medien gesteigert werden könnte. Grundsätz- lich muss der Mehrwert für das Lehren und Lernen im Vordergrund von Entwicklungsarbeiten stehen. Dieser Mehrwert sollte sich ganzheitlich sowohl auf Fach-, Methoden- und Digitalkompe- tenz ausrichten. Alle Entwicklungen sollten nicht nur erprobt, sondern wenn möglich hinsichtlich ihrer Risiken und Chancen eingeschätzt (evaluiert) werden, bevor sie curricular verankert werden (vgl. Punkt Handlungsfeld Evaluation). (2) Prüfung und Feedback in der Lehre Digitalisierung kann helfen, Feedback- und Prüfungsstrukturen zu optimieren. Dies betrifft gleich- ermaßen formale Prüfungen (z. B. Modulprüfungen) als auch informelles Feedback, welches auch im Sinne der Selbstüberprüfung des Lernprozesses stattfinden kann (z. B. Selbstprüfung, Selbst- kontrolle, Peer-Feedback). Insbesondere informelle Prüfungen können über digitale Methoden an individuelle Bedarfe oder individuelle Kompetenzniveaus (Schwierigkeitsstufen) angepasst wer- den. Im formalen Sinn fallen in dieses Handlungsfeld die Digitalisierung von Lernstanderhebungen (z. B. Lernerfolgskontrollen), aber auch Modul-/Abschlussprüfungen (E-Assements). (3) Forschung und Lehre verbinden Das Handlungsfeld Forschung und Lehre verbinden beinhaltet sowohl den Einbezug von For- schung in Kontexte von Studium und Lehre als auch die Forschung über Aspekte des Studierens oder Lehrens. Im ersten Bereich gilt es, dass Lehrende und Studierende verstärkt über digitale Plattformen wie Online-Datenbanken einen schnellen, zeit- und ortsunabhängigen Zugriff auf in- ternationale Forschungsergebnisse (online-Katalog der Hochschulbibliothek, Google Scholar, fachspezifische Datenbanken wie z.B. Pubmed, etc.) erhalten und nutzen. Darüber hinaus sind Zuschaltungen über Videokonferenzen eine kostengünstige Alternative zur physischen Teilnahme Digitalisierungsstrategie Positionspapier für Studium und Lehre 6 an unterschiedlichen Veranstaltungsformaten (z.B. Kongresse, Symposien, o.ä.). Digital derart zu- gängliche Vorträge und Präsentation, aber auch interaktive Sessions und Diskussionsforen ma- chen es möglich, dass kollaborative Forschungsaufgaben (kommunizieren, kooperieren, koordi- nieren) wahrgenommen, gestärkt und in Lehr-Lernszenarien implementiert werden. In Hinsicht auf das Forschen über Aspekte des Studierens oder Lehrens gilt es, aus wissenschaftlicher Sicht zu hinterfragen, wie sich Digitalisierungstrends auf Lehren und Lernen, aber auch auf Studienver- läufe auswirken. Entsprechend hat die Universität die Aufgabe, Digitalisierung in Studium und Lehre durch entsprechende Forschung möglichst evidenzbasiert zu begleiten (vgl. auch Punkt 6). (4) Internationalisierung Das Handlungsfeld Internationalisierung umfasst internationale Kooperationen, internationale Studierende sowie die internationale Reputation der Hochschule. Internationale Hochschulpart- nerschaften sollen mit dem Einsatz digitaler Kommunikations- und Kollaborationswerkzeuge (Vi- deokonferenzdienste, soziale Medien u.a.) sowie der Entwicklung digitaler Lehr-Lernszenarien und Netzwerke gefestigt werden. Hierdurch wird nicht nur ein breites Spektrum an digitalen Tech- nologien auf internationalem Standard ermöglicht, sondern auch die Umsetzung interaktiver Lehrformate mit internationalen Partnerschaften, wie z.B. gemeinsame, kooperative Online- Workshops, Online-Projektarbeit oder Online-Lerntandems. Dies alles eröffnet eine neue Form der virtuellen Mobilität. Internationale Studierende können ihre Aufenthalte durch digitale Bera- tungsangebote (z.B. Online-Brückenkurse, interkulturelle Trainings, betreute Online-Tandems) in- tensiver vor- und nachbereiten; internationalen „Neuankömmlingen“ kann auch die digital ge- stützte organisatorische und lebensnahe Betreuung helfen (z. B. Information zu kulturellen Ange- boten, digitale Wegweiser). Die Reputation der Hochschule kann durch digitale Angebote und Medien erhöht werden und zugleich die Position der Hochschule im internationalen Bildungs- markt gestärkt werden. Dies erfordert die angemessene Bekanntmachung („Vermarktung“) digi- taler Angebote und Serviceleistungen der DSHS. (5) Unterstützung von Inklusion und Teilhabe Digitalisierung kann die Öffnung der Hochschule gegenüber neuen, nicht-traditionellen Zielgrup- pen (Berufstätige, Menschen mit familiären Verpflichtungen, Personen mit einer Behinderung o- der Beeinträchtigung) unterstützen und hiermit Teilhabe verbessern. Studienangebote, Curricula und einzelne Lehrveranstaltungen können je nach Möglichkeit durch den Einsatz digitaler Medien den Bildungswünschen und Rahmenbedingungen eben solcher Gruppen entsprechen (z.B. durch zeit- und ortsunabhängiges Lernen) und dadurch Bildungspartizipation ermöglichen. Im Falle von Menschen mit Behinderung ist eine wichtige Voraussetzung die Entwicklung barrierefreier Lehr- Lernmaterialien sowie die Nutzung barrierefreier Technik und Software. Möglichst große Teilhabe am Bildungsangebot der Hochschule kann auch dadurch erzeugt werden, dass möglichst vielen Menschen angemessener Zugriff zu Informations- und Bildungsmaterial der DSHS ermöglicht wird, sofern es rechtliche und inhaltliche Aspekte zulassen (z. B. durch Open Educational Re- sources). (6) Evaluation von Neuentwicklungen Die Effekte digitaler Lehr-Lern-Entwicklungen sollten möglichst belegbar sein. In diesem Sinne ist es Aufgabe der Hochschulen, digitale Lehr-Lernszenarien oder -produkte kontinuierlich im Sinne einer Begleitforschung zu evaluieren. Die erhobenen Daten geben Rückschlüsse auf die Zielerrei- chung und die Wirksamkeit der eingesetzten Maßnahmen und Methoden und können damit wich- tige Informationen zur Übertragbarkeit z.B. auf andere Veranstaltungen liefern. Darüber hinaus soll über elektronische Systeme (z.B. Moodle) eine Datenerhebung und -auswertung zur Nutzung Digitalisierungsstrategie Positionspapier für Studium und Lehre 7 von Lernangeboten und -prozessen stattfinden, die dabei hilft, den Lernprozess der Studierende besser zu verstehen und zielgerichtete individuelle Unterstützungsangebote zu entwickeln. 4.2 Strukturelle und technologische Handlungsfelder (1) Organisation Digitalisierung und hiermit verknüpft Verfahren/Techniken sollen helfen, die Organisation von Ar- beitsabläufen rund um Studium und Lehre zu vereinfachen. Zielgruppen dieser Prozesse sind gleichermaßen Studierende, Lehrkräfte und Mitarbeitende in Technik und Verwaltung. Insbeson- dere die Kommunikation zwischen Vertretungen dieser Gruppen in den Gremien und Arbeitsgrup- pen rund um Studium und Lehre, aber auch der Zugriff auf relevante Informationen sollte durch Digitalisierungsmaßnahmen optimiert bzw. vereinfacht werden, wobei einerseits datenschutz- rechtlich konforme aber andererseits auch praktikable, effiziente Lösungen zu finden sind. In die- ser Hinsicht gewährleistet eine digitale Organisationsstruktur die hochschulinterne Kommunika- tion und die Mitwirkung aller Gruppen in relevanten Prozessen. Darüber hinaus betrifft die orga- nisatorische Weiterentwicklung digitaler Methoden und Verfahren auch die Instrumente und Ver- fahren im Rahmen des Qualitätsmanagements von Studium und Lehre, die durch innovative Kon- zepte erleichtert bzw. vereinfacht werden sollten. (2) Mobilität Digitalisierung hat Potenziale, Mobilität im Zusammenhang mit Studium und Lehre zu optimieren. Dieser Aspekt betrifft die Mobilität von Studierenden und Dozierenden gleichermaßen. Studie- renden kann durch digitale Methoden/Verfahren geholfen werden, bei geplanter oder notge- drungen physischer Abwesenheit trotzdem am Lehr-/Lernprozess teilzuhaben. Dozierende kön- nen durch digitale Systeme darin unterstützt werden, außerhalb der face-to-face-Interaktion mit Studierenden Kontakt aufzunehmen, Informationen bereit zu stellen und auf digitalem Weg Lehr- Lern-Prozesse einzuleiten oder zu unterstützen. In diesem Sinne könnten auch Konflikte gelöst werden, die zwischen Aufgaben in Forschung und Lehre auftreten können (z. B. E-Veranstaltungen oder E-Kommunikation bei Kongress- oder Auslandsaufenthalten). Schließlich kann Digitalisierung helfen, Planungs- und Abstimmungsprozesse in Studium und Lehre zu vereinfachen, zum Beispiel bei der Organisation oder inhaltlichen Aussprache in Modulsitzungen oder anderen Arbeitsgrup- pen. (3) Infrastruktur und Support Für die erfolgreiche Digitalisierung in Studium und Lehre sind verschiedene infrastrukturelle Rah- menbedingungen notwendig. Zu diesen zählen u.a. eine moderne und gut funktionierende tech- nische Infrastruktur sowie eine umfangreiche Support- und Beratungsstruktur, sowohl für techni- sche als auch für e-didaktische Belange. Dabei unterliegen die technischen Anforderungen in der Digitalisierung ähnlichen dynamischen Prozessen wie die Digitalisierung selbst. Im Rahmen dieser dynamischen Prozesse ergeben sich häufig steigende technologische Ansprüche (z. B. Daten- menge bei Austausch/Speicherung, verwendete Software). Um diesen Veränderungen und An- sprüchen zu entsprechen, bedarf es daher regelmäßiger Optimierungsprozesse und entsprechen- der Maßnahmenumsetzungen (z. B. WLAN-Struktur; Bereitstellung aktueller Softwarelizenzen für Lehrende, Mitarbeitende und Studierende). Zu beachten ist, dass vor allem in der Schnittstelle zwischen Technik und (E-)Didaktik diese dynamischen Digitalisierungsprozesse begleitet und kon- trolliert werden müssen. So sollen beispielsweise Fragen der (Lehr-)Raumausstattung zwingend im Rahmen der Digitalisierungsstrategie mit den verschiedenen Akteurinnen und Akteuren aus Medientechnik, IT und Didaktik abgesprochen bzw. proaktiv unterstützt werden. Digitalisierungsstrategie Positionspapier für Studium und Lehre 8 (4) Kompetenzentwicklung Die Verknüpfung bestehender Strukturen und Angeboten der Hochschuldidaktik (regelmäßige Workshop- und individuelle Beratungsangebote) mit den Themen aus dem Bereich E-Learning bzw. E-Didaktik sind eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Digitalisierung in Studium und Lehre. Didaktik und Technik sind sich ergänzende Aspekte guter Lehre bzw. guten Studierens. Diese Verknüpfung von Didaktik und Technik findet in entsprechenden didaktische Schulungsan- geboten statt, wobei zwei Blickrichtungen eingenommen werden, nämlich didaktische Überle- gungen beim Einsatz neuer Technologien und die technologische Unterstützung allgemeiner di- daktischer Konzeptionen oder Überlegungen (z. B. des Vermittelns). Durch diese Verbindung wird die Digitalisierung als eine zielgerichtete Unterstützungsmöglichkeit für innovative Lehr-Lernsze- narien und eben nicht als Selbstzweck wahrgenommen. In diesen hochschuldidaktischen Angebo- ten sollen Lehrende dazu befähigt werden, selbstständig zu entscheiden und kritisch zu bewerten, welche E-Learning-Anwendungen und -Szenarien für ihren Unterricht einen Mehrwert darstellen. Neben diesen hochschuldidaktischen Angeboten betrifft Kompetenzentwicklung auch weitere Fragen digitaler Medien und Lehr-Lern-Konzepte (z. B. rechtliche Beratung zu Themen wie Daten- schutz, Urheberrecht). Ergänzt wird die Bandbreite von kursorientierten Angeboten der Hoch- schuldidaktik durch zentrale Beratungsangebote bei spezifischen bzw. individuellen technisch-di- daktischen Anfragen. (5) Unterstützung administrativer Abläufe in Studium und Lehre Digitalisierung von Studium und Lehre betrifft neben dem Unterricht im engeren Sinne auch or- ganisatorische Prozesse unterschiedlicher Art. An diesen Prozessen sind eine Vielzahl von Akteu- ren beteiligt (z. B. Funktionsstellen [u. a. Studiengangsleitung, Studiengangskoordination], Lehr- organisation, Personaldezernat, Studierendensekretariat, Prüfungsamt, Studienberatung, Quali- tätsmanagement in Studium und Lehre). Die Funktionsfähigkeit dieser einzelnen Akteure, aber auch ein reibungsloses Zusammenspiel der verschiedenen Akteure ist in hohem Maße von der Qualität digitaler Prozesse abhängig. Diese Prozesse werden zu einem großen Teil durch das Cam- pusmanagement-System (CMS) der DSHS strukturiert und organisiert, weswegen die (Weiter-) Entwicklung des CMS ein zentrales Handlungsfeld darstellt. Die Entwicklung des CMS ist eng ver- knüpft mit den technologischen Rahmenbedingungen sowie der Motivation und Kompetenz der im System beteiligten Akteure in Hinsicht auf eine effiziente Anwendung des Systems. Neben dem CMS gilt es, weitere Digitalisierungstendenzen im Rahmen von Organisations- und Verwaltungs- prozessen zu beobachten und bei Bedarf aufzugreifen bzw. aktiv mitzugestalten (z. B. E-Akte, di- gitale Thesis). (6) Universitäre Vernetzung/Kooperation Durch die neuen und komplexen Anforderungen der Digitalisierung ist eine engere Zusammenar- beit und Vernetzung der DSHS mit anderen Universitäten und Hochschulen von zentraler Bedeu- tung. Neue Trends und Entwicklungen im Rahmen der Lehre (sowohl administrativ, als auch lehr- innovativ) sollten genutzt und neue Vorgaben durch den Gesetzgeber gemeinsam erfolgreich be- arbeitet werden (bspw. im Rahmen rechtlicher Vorgaben wie der Datenschutzgrundverordnung oder der E-Akte). Hochschulübergreifende Zusammenarbeit und Vernetzung sollen selbst auch durch neue digitalen Möglichkeiten gestärkt werden (z. B. digitale Möglichkeiten Arbeitsergeb- nisse gemeinsamer Projekte zu teilen). Hierzu sollen bestehende Konzepte (z. B. Sciebo – die Cam- puscloud), aber auch aktuelle und zukünftige Vorhaben (z. B. ComeIn, Exabase) in Hinsicht auf ihren Nutzen und ihre Verwendbarkeit geprüft werden. Neben diesen technischen Aspekten ist die Verknüpfung einzelner Akteurinnen und Akteure in den entsprechenden Fach-Communities von großer Bedeutung, um den Herausforderungen der Digitalisierung gerecht zu werden (z. B. Digitalisierungsstrategie Positionspapier für Studium und Lehre 9 Projekt ComeIn im Verbund der lehrerbildenden Hochschulen in NRW; aktive Beteiligung und Aus- tausch in den Moodle Communities NRW und D-A-CH). Zukünftig sollen bestehende Kooperatio- nen gestärkt und ausgebaut und weitere Kooperationen gesucht werden. (7) Ressourcen Für alle gegebenen Handlungsfelder sind gleichermaßen finanzielle, personelle, materielle und strukturelle Ressourcen notwendig. In Hinsicht auf finanzielle Ressourcen gilt es, systematisch be- stehende Förderangebote (z. B. für technische Ausstattung, Personalmittel, Entwicklungs- und Evaluationskosten) zu sondieren und entsprechende Anträge einzureichen. Aus personeller Sicht ist sowohl die Beachtung digitaler Expertise im Rahmen der Personalakquise als auch die Förde- rung von Mitarbeiterkompetenz und -motivation bedeutsam (vgl. Punkt (4)). Materielle Ressour- cen betreffen digitale Infrastrukturen auf der Mikro-, Meso- und Makroebene (z. B. Rechner, Soft- ware, Ausstattung von Lehr-Lern-Umgebungen, Campuslösungen, zentrale Serverstrukturen). Die stetige Überprüfung des Up-to-date dieser materiellen Ressourcen gehört neben den Beratungs- und Unterstützungsangeboten zu den Aufgaben einer universitären IT. Strukturelle Ressourcen betreffen insbesondere die Arbeitsprozesse, die mit der (Weiter-)Entwicklung digitaler Konzepte und Produkte verbunden sind. Hierzu gehören möglichst schnelle, reibungslose und zielführende Beschaffungsprozesse sowie Service-/Wartungsprozesse, aber auch Arbeitsprozesse auf der Ebene der Lehre im engeren Sinne (z. B. Abstimmung zwischen Studierenden und Lehrenden oder zwischen verschiedenen Lehrenden in Richtung digitaler Lehr-Lern-Konzepte bzw. -angebote). Eine strukturelle Bedingung zur Förderung digitaler Lehr- und Studiumsbedingungen besteht auch darin, dass unterschiedliche Funktionsbereiche der Hochschule gut und effizient zusammenarbei- ten (z. B. akademischer Bereich und Verwaltung, unterschiedliche Akteure der StAPS, unterschied- liche Gremien mit Bezug zu Digitalisierung). 5 Vorgehensweise und Perspektive Für die Organisation zukünftiger Schritte gilt es, die Digitalisierungsstrategie für Studium und Lehre als Teil der Digitalisierung im gesamten Hochschulkontext und darüber hinaus zu betrachten. Dies bedeu- tet, dass insbesondere Maßnahmen in strukturellen und technologischen Handlungsfeldern, unter Umständen jedoch auch Maßnahmen in inhaltlichen Handlungsfeldern, hochschulweit abgestimmt und ggfs. koordiniert werden sollten. Diese Abstimmung und Koordination betrifft insbesondere zent- rale Einrichtungen (z. B. die Kernverwaltung der DSHS oder Betriebseinheiten), Gremien, Arbeitsgrup- pen oder Funktionsträger, die Digitalisierung qua Amt oder Ordnung zum Thema haben. Maßnahmen in inhaltlichen Handlungsfeldern gilt es, in Kooperation mit Fachorganisationen oder anderen Hoch- schulen zu entwickeln, zu gestalten oder zu erproben. Die Gesamtkoordination der zuvor genannten Abstimmungs- und Koordinationsprozesse liegt in der Hand der*des für Digitalisierung verantwortlichen Prorektorin*Prorektors. Je nach Inhalt der Prozesse sind andere Prorektorate (z. B. für Studium und Lehre oder für Forschung) zumindest ins Benehmen zu setzen – im besten Fall wird Einvernehmen hergestellt. Bei übergeordneten Fragen der Digitalisierung sollte die Hochschulleitung, ggfs. auch die Mitbestimmungsgremien (z. B. Senat) einbezogen werden. Perspektivisch gesehen müssen Ziele, Aufgaben und Vorgehensweisen im Rahmen der Digitalisierung von Studium und Lehre so ausgerichtet sein, dass Kompetenzen sowie Bereitschaften auf der einen Seite und Möglichkeiten sowie Ressourcen auf der anderen Seite im Gleichgewicht stehen. Dies betrifft insbesondere die zeitlichen Ressourcen und Arbeitsaufwände, die zumeist mit dem Thema Digitalisie- rung verbunden sind. Vor diesem Hintergrund dieses notwendigen Gleichgewichts gilt es, politische und gesellschaftliche An- und Herausforderungen mit dem System Universität in einen harmonischen Digitalisierungsstrategie Positionspapier für Studium und Lehre 10 Einklang zu bringen, der schlussendlich dem übergeordneten Ziel einer Optimierung gemessen am Leitbild Studium und Lehre dient.