Machbarkeitsstudie OLYMPISCHE UND PARALYMPISCHE WINTERSPIELE INNSBRUCK /TIROL 2026 ASt+P s41/D MéI C\/CNIT NA Wax \ 2 MANAGEMENT CENTER EVENT MANAGEMENT — innspruck Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 132 132 PROPROJEKT / AS+P / SOLID / MCI 10 Impressum PROPROJEKT Planungsmanagement & Projektberatung GmbH, Frankfurt Projektverantwortung: Strategie Gesamtkonzept Finanzierung & Marketing AS+P Albert Speer + Partner GmbH, Frankfurt Projektverantwortung: Masterplanung Venue Planung Verkehrsplanung SOLID – Event Management + Consulting GmbH, Innsbruck Projektverantwortung: Venue Management Venue Overlay MCI Management Center Innsbruck Projektverantwortung: Tourismus & Unterbringung Umwelt & Nachhaltigkeit (Univ. Prof. Dr. Ralf Roth, Deutsche Sporthochschule Köln) Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 2 132 PROPROJEKT / AS+P / SOLID / MCI Inhalt 1 Einführung 4 2 Herangehensweise und Vorgehen 5 2.1 Zielsetzung 5 2.2 Prozess und Methodik 6 2.3 Planungstiefe 8 3 Untersuchung der Ausgangssituation 9 3.1 Kernanforderungen: Olympische Winterspiele 9 3.1.1 Wettkampfstätten 9 3.1.2 Nicht-Wettkampfstätten 11 3.1.3 Transport und Verkehr 12 3.1.4 Unterbringung 13 3.1.5 Sicherheit 14 3.1.6 Zeitraum der Spiele 14 3.2 Kernanforderungen: Paralympische Winterspiele 15 3.3 Innsbruck / Tirol - Der mögliche Ausrichter 16 3.4 Erwartungen aus der Bevölkerung 19 4 Strategische Grundsätze der Konzeptentwicklung 22 5 Standortfilterung / Voranalyse 24 6 Szenarienanalyse 27 6.1 Abhängigkeiten 27 6.2 Wettkampfstätten 28 6.2.1 Ski Alpin 29 6.2.2 Freestyle Ski / Snowboard 30 6.2.3 Langlauf / Nordische Kombination 31 6.2.4 Biathlon 31 6.2.5 Bob – Rodeln - Skeleton 32 6.2.6 Skispringen 33 6.2.7 Curling 35 6.2.8 Eiskunstlaufen und Short Track 37 6.2.9 Eisschnelllauf 37 6.2.10 Eishockey 39 6.3 Eröffnungs- und Schlussfeier 42 6.4 Medienzentren 44 6.4.1 International Broadcast Centre (IBC) 44 6.4.2 Main Press Centre (MPC) 46 6.5 Olympisches Dorf / Olympische Dörfer 47 7 Empfehlung Gesamtkonzept 51 7.1 Venue-Konzept – Olympische Winterspiele 51 7.1.1 Übersicht Olympiaworld Innsbruck 53 7.1.2 Tivoli Stadion Tirol 54 7.1.3 Olympiahalle Innsbruck (Olympiaworld) 55 7.1.4 Tiroler Wasserkraft Arena (Olympiaworld) 56 7.1.5 Big Air Schanze (Olympiaworld) 57 Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 3 132 7.1.6 Olympia Eiskanal Innsbruck / Igls 58 7.1.7 Bergiselschanze Innsbruck 59 7.1.8 Snow Park Kühtai 60 7.1.9 Nordic Arena Seefeld 61 7.1.10 St. Anton am Arlberg 62 7.1.11 Biathlonzentrum Hochfilzen 63 7.1.12 Max-Aicher-Arena Inzell 64 7.2 Venue-Konzept – Paralympische Winterspiele 65 7.3 Unterbringung 67 7.3.1 Unterbringungskapazitäten gemäß IOC Anforderung 68 7.3.2 IOC Hotel(s) 70 7.3.3 Fan-Unterbringung und Herkunft 71 7.3.4 Auswirkungen auf den Tourismus 79 7.4 Transport und Verkehr 80 7.4.1 Nationale und internationale Erschließung 80 7.4.2 Bestehende regionale und lokale Verkehrsinfrastruktur 83 7.4.3 Operative Zielsetzungen 85 7.4.4 Mengengerüst 86 7.4.5 Maßnahmen 98 7.5 Umwelt & Nachhaltigkeit 104 7.5.1 Rahmenvorgaben 104 7.5.2 Umweltscreening Wettkampfstandorte 108 7.5.3 Entwicklungsrahmen Nachhaltigkeitsthemen 117 7.5.4 Nachhaltige Leitziele einer möglichen Bewerbung 118 8 Finanzen 120 8.1.1 Grundlagen der Kalkulation 120 8.1.2 Die Budgets Olympischer Spiele 121 8.1.3 Einnahmepotentiale des Organisationskomitees 122 8.1.4 Kosten für die Organisation und Durchführung der Spiele (OCOG Budget) 126 8.1.5 Kosten langfristiger Investitionen (Non-OCOG Budget) 129 8.1.6 Sozio-Ökonomische Effekte 129 9 Abschließende Einschätzung 131 10 Impressum 132 Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 104 132 PROPROJEKT / AS+P / SOLID / MCI 7.5 Umwelt & Nachhaltigkeit Unter Berücksichtigung der in Kapitel 4 untersuchten Ausgangssituation, kann ein nachhaltiges Konzept für die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2026 in Innsbruck / Tirol nur ein modernes, regional tragfähiges Format mit hoher internationaler Reputation sein. Sport und Tourismus tragen hier eine große Verantwortung für die nachhaltige Entwicklung der Region, der Gesellschaft und der internationalen Gemeinschaft. Nachfolgend werden erste Ideen und Entscheidungsgrundlagen für ein nachhaltiges Konzept für die Olympischen und Para- lympischen Winterspiele 2026 beschrieben. In der vorliegenden Machbarkeitsstudie wurden erste Rahmenbedingungen erfasst, relevante Handlungsfelder identifiziert und über ein Variantenstudium und Szenarien die überzeugendsten Austragungsorte für die Wett- kämpfe ausgesucht. Diese Standortsauswahl (Vorzugsvarianten) bestimmt dabei wesentlich den jeweiligen ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Fußabdruck unter Berücksichtigung der möglichen Folgenutzungen. Im Ergebnis wurden erste Umweltscreenings für die Vorzugsvarianten erstellt, die wesentlichen Erkenntnisse zusammengefasst und erste Überlegungen für „Strategische Leitplanken einer nachhaltigen Entwicklung“ skiz- ziert. Der vorliegende Entwurf dient so als Diskussionsgrundlage und Rahmen für die Weiterentwicklung der Bewer- bung und die mögliche Durchführung der Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2026 in Innsbruck / Tirol und Österreich. 7.5.1 Rahmenvorgaben Die Grundlage für die vorliegende Arbeit bildet ein modernes Verständnis von Nachhaltigkeit und die Ziel- übereinkunft, dass das Konzept von Beginn an ökologisch verantwortbar, sozial verträglich und wirtschaftlich tragfähig sein muss. Im Zentrum stehen die Winterspiele und der Sport als möglicher Impulsgeber für eine nachhaltige Entwicklung in Tirol. Die vorliegende Machbarkeitsstudie liefert dabei wesentliche Kennwerte und Entscheidungsgrundlagen für die Politik. Regionale Rahmenvorgaben Eckdaten zum Selbstverständnis und Nachhaltigkeitsbezüge von Innsbruck und Tirol lassen sich aus verschie- denen offiziellen Erklärungen, Projekten und einer Bürgerbefragung in Innsbruck und Tirol ableiten. Diese Sich- tung und Strukturierung vorhandener Quellen und die Befragung sind Grundlage für die Entwicklung eines regional bezogenen Konzeptes. Hierzu wurden u.a. folgende Quellen ausgewertet: Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 105 132 Lebensraum Tirol 4.0 Standortstrategie Tirol (2017) Tirol ist das pulsierende Zentrum für das nachhaltige Entwickeln, Ge- stalten und Erleben der Zukunft des alpinen Lebensraums. „Tirol – Herz der Alpen. Ein Lebens- raum im Dialog mit der alpinen Na- tur.” Leistungsfelder: Spannungsbogen Kultur & alpine Natur Elementare alpine Erlebnisse Heimat des Bergsportes Aktivste Outdoor-Szene der Alpen Das Forschungs- & Bildungszentrum der Alpen Pionier für gesundes Leben in den Alpen Führend in alpiner Technologie Schätze der alpinen Landwirtschaft ZukunftsRaum Tirol_2011 Strategien zur Landesentwicklung Raumordnungsplan (2011) „Zentrales Ziel ist es, dass sich Ti- rol weiterhin als attraktiver Lebens- und erfolgreicher Wirtschaftsraum entwickelt. Angesichts der Vielfalt und zum Teil auch Widersprüchlichkeit der dabei zu berücksichtigenden Erforder- nisse und Interessen kann diese Zielsetzung langfristig nur mit der Zielsetzung der Nachhaltigkeit im Hintergrund verwirklicht werden [...]” (S. 45) Wesentliche Schwerpunkte: Qualitätsvolle, bodensparende Siedlungsentwick- lung Standortoptimierung für Wirtschaft u. Infrastr. Sorgsamer Umgang mit unserem Natur- u. Land- schaftsraum Prävention vor Naturgefahren unter Berücksichti- gung aktueller Entwicklungen Abstimmung zwischen Mobilität u. Raumordnung Konsequenzen aus dem demografischen Wandel Beitrag der Raumordnung zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel Tiroler Weg 2021 Strategie für den Tiroler Tourismus (2015) Tirol ist der Inbegriff Alpinen Le- bensgefühls. Leitlinien: Tirol ist Lebens- und Erholungsraum zugleich Tirol ist anerkannter Kompetenzführer im alpinen Tourismus Der Tiroler Tourismus ist familiengeprägt und ge- nerationenübergreifend Markenprofil Tirol (2012) Tirol ist Kraft mit alpiner Lebens- qualität voll Beständigkeit und Er- neuerung, geprägt von machtvoller Bergwelt und kulturellen Schätzen. Markenwerte: Stark, Eigenwillig, Echt, Verbunden, Mutig Markenstil: Jung, Selbstbewusst, Außergewöhnlich, Klar, Achtsam Markenprofil Innsbruck (2013) Die Symbiose aus Urbanem und Al- pinem ist das Alleinstellungsmerk- mal Innsbrucks. Markenwerte und -themen: Jung, Intelligent, weltoffen Avantgardistische Alpine Ästhetik Kompetenzfeld Sport Faszination Alpine Bergwelt Ökologische Exzellenz Pulsierender Urbaner Raum Tirol 2050 energieautonom TIROL 2050 ist ein Prozess, der alle interessierten Akteure einbindet. Bis zum Jahr 2050 soll der gesamte Energiebedarf Tirols aus eigener Produktion und heimischen Quellen abgedeckt werden. TIROL 2050 energieautonom unterstützt Menschen, Systeme, Initiativen und Unternehmen, Energie spar- sam einzusetzen und ressourcenschonende Alternati- ven zu verwenden. Bis zum Jahr 2050 soll der Ener- gieverbrauch in Tirol halbiert und der Anteil an erneu- erbaren Energieträgern um 30 % erhöht werden. Abbildung 25: Regionale Rahmenvorgaben Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 106 132 PROPROJEKT / AS+P / SOLID / MCI Zusätzlich wurden u.a. folgende Quellen gesichtet: › Nachhaltige Entwicklung in Tirol – Indikatorenbericht 2000 bis 2014 › Tiroler Energiestrategie 2020 – Grundlage für die Tiroler Energiepolitik › Tirol – Erreichung der Klimaschutzziele bis 2022- Stand 19.03.2015 › Nachhaltig beschaffen – Eine Orientierung für Gemeinden Gesamthaft lässt sich folgendes regionales Selbstverständnis als ein Ausgangspunkt für die spätere Erarbeitung einer Nachhaltigkeitsstrategie für Olympische und Paralympische Winterspiele 2026 in Innsbruck / Tirol ablei- ten: Als eine der ältesten und erfahrensten Tourismusregionen weltweit entstand in Tirol schon früh ein Be- wusstsein für die eigene Entwicklung. Die hohe wirtschaftliche Intensität in sensibler Umwelt und in enger Verflechtung mit dem Lebensraum der Bevölkerung veranlasste zur Implementierung klarer Gesetze und Konzepte, die eine bedachte und nachhaltige Entwicklung unter diesen Rahmenbedingungen ermöglichten. Im Rückblick lässt sich eine gewachsene „Entwicklungsphilosophie“ ablesen, die u.a. folgende Kernwerte umfasst: › Schutz der natürlichen Ressourcen › Alpine Identität & Wertvorstellung › Alpine Kompetenzführerschaft › Innovation & Offenheit › Erhalt der familiengeprägten Unternehmensstrukturen Die in Kapitel 4.4 beschriebenen Kernergebnisse der Bevölkerungsumfrage aus dem Frühjahr 2017, hat wich- tige Hinweise und Impulse für ein regional verankertes Konzept, in dem sich auch besondere Erwartungen an die Bereiche Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit haben ableiten lassen. Ein erfolgreiches Konzept Olym- pischer und Paralympischer Winterspielen 2026 muss diesen regionalen Werterahmen in jedem Fall erfüllen. Schutz der natürlichen Ressourcen, gesicherte Nachnutzung der Olympia-Sportstätten und wirtschaftlich-sozi- ale Tragfähigkeit werden daher als Fundament für ein erfolgreiches Konzept erachtet. Internationaler Rahmen Die 5. Weltkonferenz der Sportminister hat sich im Jahr 2013 mit über 120 Staaten der UNESCO zur Nachhal- tigkeit von Sportgroßveranstaltungen bekannt. Investitionen in Infrastrukturen und Sportstätten müssen zu- künftig im Einklang mit sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und ökologischen Nachhaltigkeitsanforderungen stehen. Die 2030-Agenda für Nachhaltige Entwicklung, die am 25. September 2015 beim UNO Nachhaltigkeitsgipfel der Staats- und Regierungschefs verabschiedet worden ist, wird die internationale Zusammenarbeit in zentralen Politikbereichen in den nächsten Jahrzehnten maßgeblich prägen. Die 17 globalen Ziele der Agenda, die soge- nannten Sustainable Development Goals (SDGs), nehmen Regierungen, aber auch Zivilgesellschaft, Privatwirt- schaft und Wissenschaft in die Pflicht – auch bei Sportgroßveranstaltungen wie Olympischen Winterspielen. Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 107 132 Abbildung 26: UNO – Ziele für Nachhaltige Entwicklung Am 08.07.2016 beschloss der Nationalrat das internationale Klimaschutzabkommen von Paris. Gemeinsames Ziel aller Länder ist, den globalen Temperaturanstieg auf deutlich unter 2 Grad Celsius zu begrenzen. Auch Olympische und Paralympische Winterspiele als weltweit größtes touristisches Ereignis sollten einen Beitrag zur Erreichung des Zieles leisten. In der Olympischen Agenda 2020 übernimmt das IOC eine deutlich aktivere Haltung und versucht gezielter sicherzustellen, dass eine „nachhaltige Entwicklung“ in alle Bereiche der Planung und Ausrichtung der Olympi- schen Winterspiele Eingang findet. Derzeitige und künftige Ausrichter der Olympischen Winterspiele werden durch die Ausarbeitung einer Nachhaltigkeitsstrategie dabei unterstützt, Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu schaf- fen und umzusetzen, die die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Bereiche in allen Projektpha- sen abdecken. Mit Hilfe des Nationalen Olympischen Komitees und externen Organisationen wie dem Weltver- band der Olympiastädte (UMVO) stellt das IOC ein Monitoring des Olympischen Erbes nach den Spielen sicher. Diese internationalen Vorgaben und Empfehlungen verdeutlichen, dass es unabdingbar wird, sich der Quer- schnittsaufgabe einer nachhaltigen Entwicklung auch im internationalen Kontext professionell zu widmen und beinhaltet nicht nur die Chance sondern vielmehr die Pflicht in Tirol ein wirkliches „Alleinstellungsmerkmal“ in diesem Themenfeld zu entwickeln. Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 108 132 PROPROJEKT / AS+P / SOLID / MCI 7.5.2 Umweltscreening Wettkampfstandorte Für die Wettkampfstätten der Vorzugsvariante wurde ein Umwelt-Screening durchgeführt, mit dem Ziel eine erste räumliche Wirkungsabschätzung der aktuellen Planung auf die Umwelt abzuleiten. Die Eisschnelllauf-Halle in Inzell (D) sowie die Eishockeyhallen (noch festzulegen) wurden dabei nicht bearbeitet, da es sich um beste- hende Infrastruktur in Siedlungsräumen handelt. Vor diesem Hintergrund wurden auch die Standorte des IBC und MPC in der Messe bzw. im Kongresszentrum in diesem Planungsstadium nicht weiter analysiert. Der vor- gesehene Standort des Olympischen Dorfs wird zusammen mit der Olmypiaworld betrachtet. Dabei wurden die folgenden Rauminformationen (Quelle: https://www.tirol.gv.at/data/) im Planungsperimeter der Wettkampfstandorte analysiert: › Natura 2000-Gebiete: › FFH-Gebiete – Gebiete zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere und Pflanzen nach „Habitat-Richtlinie“ (92/43/EWG); › Europäische Vogelschutzgebiete - Gebiete zur Erhaltung wild lebender Vogelarten im Sinne des Art. 4 Abs. 1 und 2 der Vogelschutz-Richtlinie (2009/147/EG) › Ramsar-Gebiete: Die Ramsar Konvention ist ein Rahmenprogramm zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung von Feuchtgebieten internationaler Bedeutung. › Schutzgebiete Tiroler Naturschutzgesetz 2005 - TNSchG 2005: › Nationalpark › Naturschutzgebiet › Landschaftsschutzgebiet › Ruhegebiet › Sonderschutzgebiet › Geschützter Landschaftsbestandteil › Naturdenkmal › Schutz- und Schongebiete Trinkwasser (§ 34 WRG 1959) › für die Standorte Kühtai und St. Anton am Arlberg das Raumordnungsprogramm bzw. das Tiroler Seilbahn- und Schigebietsprogramm Durch Analyse möglicher Konfliktpotenziale kann das Umwelt-Screening nachweisen, dass das Ziel des Venue- Konzepts, „keine naturschutzfachlich hochwertigen Bereiche zusätzlich zu nutzen oder gar zu beeinträchtigen“, erreichbar ist. An dieser Stelle sei erwähnt, dass das Umwelt-Screening ein geeignetes Verfahren ist, in diesem frühen Pla- nungsstadium die Auswirkungen auf die Umwelt gesamthaft zu beurteilen, die Planungsprozesse unter dem Gesichtspunkt des Umweltschutzes zu steuern und nicht zuletzt auch die Umsetzbarkeit der mit dem Konzept formulierten Ziele zu überprüfen. Unabhängig davon sind aber bei der Umsetzung der Planung die gesetzlich vorgesehenen Genehmigungsverfahren noch vollumfänglich durchzuführen. Die teilweise vorliegende Biotopkartierung wurde gesichtet. Aufgrund der geringen Planungstiefe erscheint eine Analyse möglicher Beeinträchtigungen im Rahmen dieser Machbarkeitsstudie noch nicht sinnvoll. Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 109 132 Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 110 132 PROPROJEKT / AS+P / SOLID / MCI Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 111 132 Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 112 132 PROPROJEKT / AS+P / SOLID / MCI Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 113 132 Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 114 132 PROPROJEKT / AS+P / SOLID / MCI Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 115 132 Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 116 132 PROPROJEKT / AS+P / SOLID / MCI In der folgenden Tabelle sind die Ergebnisse des Umweltscreening der Wettkampfstandorte des Venue-Konzepts dargestellt. Das Venue-Konzept zeichnet sich in hohem Maße dadurch aus, dass es sich bei den Wettkampfstandorten ausschließlich um bestehende, international bedeutsame oder temporäre Sportstätten handelt. Dies wird durch die Durchführung von Weltmeisterschaften und regelmäßigen Weltcupveranstaltungen der jeweiligen Diszipli- nen belegt. Dies schlägt sich auch in dem an dieser Stelle prognostizierten Umrüstungsaufwand für die Durch- führung von Olympischen und Paralympischen Winterspielen an diesen Standorten aus. Diese werden überwie- gend „gering“ eingeschätzt, lediglich am Standort Kühtai mit „gering / mittel“. Vorbehaltlich einer weiteren planerischen Konkretisierung dieser Einschätzung und bisher noch nicht absehbaren Entwicklungen, z.B. von Wettkampfordnungen oder Wettkampf-Formaten, kann dieser Sachverhalt unter dem Gesichtspunkt der Nach- haltigkeit nicht hoch genug eingeschätzt werden. Dies gilt neben den erforderlichen Eingriffen und Konflikten in den Naturhaushalt und das Landschaftsbild insbesondere auch im Hinblick auf eine Nachnutzung der Sport- stätten. Da in St. Anton am Arlberg und Kühtai ausschließlich vorhandene Skipisten Verwendung finden sollen, liegen die betrachteten Perimeter auch innerhalb der Bestandsgrenzen Schigebiete des Tiroler Seilbahn- und Schige- bietsprogramms. Auch die Tatsache, dass abgesehen von Kühtai alle Standorte an den Schienenverkehr angebunden sind, kann im Hinblick auf eine umweltfreundliche Anreise nur positiv herausgestellt werden. Bezüglich der naturschutzrechtlichen Schutzgebietskategorien ist festzustellen, dass alle Wettkampfstandorte des Venue-Konzepts abseits von sämtlichen Schutzgebietskategorien liegen, d.h. weder Natura 2000-Gebiete, noch Ramsar-Gebiete, noch Schutzgebietskategorien des Tiroler Naturschutzgesetzes, wie Nationalparke, Na- turschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete, Ruhegebiete, Sonderschutzgebiete, Geschützte Landschaftsbe- standteile oder Naturdenkmale sind von den Planungen betroffen. Ebenso liegen die Standorte nicht in Schutz- oder Schongebieten für Trinkwasserversorgungsanlagen. Am vorgesehenen Standort des Olympischen Dorfs am Frachtenbahnhof sind ebenfalls keine der untersuchten Schutzgebietskategorien vorhanden. Als Innenentwicklungsmaßnahmen ist dieser Standort im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung zu bevorzugen, mit dem Ziel sich harmonisch in Stadtbild einzugliedern. Standortkriterien Olympiaworld Innsbruck Bergisel Schanze Olympia Eiskanal Igls Status Bestand Big Air temporär Bestand Bestand (Ausbau Auslauf) Wettkampftradition/ Erfahrung Spiele 1964/1976 Eishockey WM 2005 EURO 2008 WC - Vierschan- zentournee WM Bob / Skeleton 2016 WM Rodeln 2017 Umrüstungsaufwand gering gering gering Anbindung ÖBB ÖBB-Fernverkehr ÖBB-Fernverkehr ÖBB-Fernverkehr Höhenlage [m ü. NN] 590 m 650 – 750 m 990 – 1.100 m Raumordnungspro- gramm - - - Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 117 132 Natura 2000-Gebiete, Ramsar-Gebiet Nicht vorhanden Nicht vorhanden Nicht vorhanden Landschaftsschutz-, Naturschutz-, Ruhe-, Sonderschutzgebiete, Nationalpark, Ge- schützte Landschafts- teile, Naturdenkmäler Nicht vorhanden Nicht vorhanden Nicht vorhanden Trinkwasser Schutz - und Schongebiet Nicht vorhanden Nicht vorhanden Nicht vorhanden Standortkriterien Snow Park Kühtai St. Anton am Arlberg Biathlonzentrum Hochfilzen Nordic Arena Seefeld Status temporär (Halfpipe Bestand) Bestand Bestand Bestand Wettkampftradition/ Erfahrung WC Alpin 2016/17, 2012 Winter Youth Olympic Games Alpine Ski-WM 2001 WM 2017, Weltcup WM 2019 (Nordic) Umrüstungsaufwand gering/mittel gering gering gering Anbindung ÖBB nein (Bus) ÖBB-Fernverkehr ÖBB-Fernverkehr ÖBB-Fernverkehr Höhenlage [m ü. NN] 1.950 – 2.150 m 1.300 – 2.300 m ca. 1.000 m 1.200 – 1.250 m Raumordnungspro- gramm innerhalb der Bestandsgrenzen Schige- biete des Tiroler Seilbahn- und Schige- bietsprogramm - - Natura 2000-Gebiete, Ramsar-Gebiet Nicht vorhanden. Nicht vorhanden. Nicht vorhanden. Nicht vorhanden. Landschaftsschutz-, Naturschutz-, Ruhe-, Sonderschutzgebiete, Nationalpark, Ge- schützte Landschafts- teile, Naturdenkmäler Nicht vorhanden. Nicht vorhanden. Nicht vorhanden. Nicht vorhanden. Trinkwasser Schutz - und Schongebiet Nicht vorhanden Nicht vorhanden Nicht vorhanden. Nicht vorhanden. 7.5.3 Entwicklungsrahmen Nachhaltigkeitsthemen Aufgrund dieser regionalen und internationalen Rahmenvorgaben kommt es darauf an, relevante Themenfelder zu bestimmen, die in der Folge dann intensiv zu bearbeiten sind. Entsprechend den drei Säulen der Nachhal- tigkeit beinhaltet das Themenfeld bei Olympischen und Paralympischen Winterspielen in Innsbruck / Tirol 2026 die folgenden Dimensionen: Infrastruktur und Verkehr, Ökologie und Ressourcen, Klima und Energie, Soziales und Partizipation sowie Ökonomie und Nachnutzung. Innerhalb dieser Themengebiete müssen in einer späteren Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 118 132 PROPROJEKT / AS+P / SOLID / MCI Bewerbungsphase besonders relevante Handlungsfelder identifiziert und über spezifische Ziele konkretisiert werden. Auf der Basis der vorliegenden Rahmenvorgaben und der Auswertung der Befragung wurde ein erster Entwick- lungsrahmen zur Operationalisierung von Nachhaltigkeit bei den Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2026 dargelegt. Dabei wurde eine dreistufige Priorisierung gewählt. Sehr hohe Relevanz (Rot); hohe Relevanz (Blau); mittlere Relevanz (Schwarz). Diese Priorisierung ist Diskussionsergebnis einer ersten Arbeitsfassung und muss mit Bezug zu den regionalen, nationalen und internationalen Perspektiven weiter entwickelt werden. Operationalisierung von Nachhaltigkeit Entwicklungsrahmen für Olympische und Paralympische Winterspiele Innsbruck / Tirol 2026 Abbildung 27: Entwicklungsrahmen für Winterspiele Innsbruck / Tirol 2026 7.5.4 Nachhaltige Leitziele einer möglichen Bewerbung Keiner kann heute voraussagen, welche regionalen, nationalen und internationalen Standards und Ziele die Nachhaltigkeitsstrategie im Jahr 2026 bestimmen werden. Dennoch müssen bereits heute Leitplanken entwi- ckelt werden, die in den kommenden Monaten über Leitlinien, Ziele und Projekte konkretisiert und angepasst werden. Innsbruck, Tirol und Österreich haben das Potenzial mit nachhaltigen Konzepten eine internationale Vorreiter- rolle moderner Olympischer und Paralympischer Winterspiele zu übernehmen. Mit dem Beschluss der Tiroler Landesregierung „Leben mit Zukunft – Tirol nachhaltig positionieren“ haben sich die Landespolitik und Landesverwaltung bereits heute zum Ziel gesetzt, eine Vorbildrolle in Bezug auf nachhal- tige Entwicklung einzunehmen. Die weitere Planung und mögliche Durchführung von Olympischen und Para- lympischen Winterspielen in Innsbruck / Tirol 2026 sollte an diese Ansprüche und spezifischen lokalen Rahmen- Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 119 132 bedingungen angepasst sein. Konzepte haben die Aufgabe die Unverwechselbarkeit der Region widerzuspie- geln, regionale Stärken zu nutzen und bestehende Strategien zur nachhaltigen Entwicklung aufzugreifen. Nach dem Motto: Lokale Identität. Regionale Impulse. Internationale Wettbewerbsfähigkeit. Vor diesem Hintergrund wurden die folgenden zwölf (12) konkreten strategischen Leitplanken abgeleitet: 1. Innsbruck, Tirol und Österreich haben die Stärke und das Verantwortungsbewusstsein mit einem nach- haltigen Konzept eine Vorreiterrolle für moderne Olympische und Paralympische Winterspiele zu über- nehmen. 2. Innsbruck und Tirol können herausragende Spiele in einem modernen, regional tragfähigen For- mat unter Anwendung höchster ökologischer und sozialer Standards anbieten. 3. Innsbruck und Tirol nutzen die sich aus den Olympischen und Paralympischen Winterspielen ergeben- den Impulse für eine nachhaltige Entwicklung ihres attraktiven alpinen Lebensraums und er- folgreichen Wirtschaftsraums. 4. Ein nachhaltiges Konzept muss sich in einer angepassten Dimensionierung der Spiele und ent- sprechend begrenzten Ausgaben widerspiegeln. 5. Zielkonflikte in der Projektentwicklung müssen grundsätzlich mit Hilfe von Kosten-Nutzen-Bewer- tungen gelöst werden. Dabei orientieren sich die Entscheidungen an Kosteneffizienz und der Ein- haltung ökologischer und sozialer Rahmenvorgaben. 6. Tirol und Innsbruck werden mit den Spielen ihrer Selbstverantwortung als führendes alpines Tourismus- und Sportland mit hoher internationaler Reputation gerecht. 7. Mit den Winterspielen stärken wir den Sport und aktivieren die gesellschaftlichen Potenziale des Breiten- und Leistungssports in Tirol und ganz Österreich. 8. Wir ermöglichen allen Menschen und insbesondere der Jugend einen verbesserten Zugang zu Sport, Tradition und Kultur auf Basis der olympischen Werte „Excellence, Friendship and Respect“. 9. Von Beginn an werden die Planungen einem Umweltscreening unterzogen, um frühzeitig Kon- fliktpotenziale zu erkennen und durch Standorts- oder Planungsalternativen aufzuheben. 10. Voraussetzung jeder Sportstätten-/Gebäudeplanung ist eine kritische Bedarfsprüfung und ein öko- logisch und ökonomisch ausgewogenes Konzept für die langfristige Nutzung. 11. Wo immer möglich und soweit die sportfachlichen Anforderungen für Olympia erfüllt werden können, besitzt die Nutzung bereits bestehender Sport- und Veranstaltungsstätten in Tirol oberste Pri- orität. 12. Sorgfältige Planung und strenges Kostenmanagement sind Eckpfeiler einer Bewerbung. Maß- nahmen werden bereits in einer frühen Projektphase daraufhin untersucht, ob es unter Einhaltung der ökologischen und sozialen Rahmenvorgaben wirtschaftlich tragfähige Alternativen oder Varianten gibt.