Sporthochschule Koln German Sport University Cologne Deutsche a@ Informationsbroschure Psychische Gesundheit fiir jugendliche (Spitzen-) Sportler*innen Mental Gestarkt Psychische Gesundheit im Leistungssport Psyche und Sport IMPRESSUM Herausgeber Deutsche Sporthochschule Köln Psychologisches Institut Abteilung Gesundheit & Sozialpsychologie Leitung: Prof. Dr. Jens Kleinert Text und Redaktion Marion Sulprizio Fotos Cover: LSB NRW, Andrea Bowinkelmann Kletterer: www.istockphoto.com Andere: DSHS Köln Bearbeitung Alice Seel, Anita Herger & Johanna Beckert Psyche und Sport In dieser Broschüre möchten wir uns vor allem an jugendliche Leistungs- sportler*innen und an Spitzensportler*innen wenden. Ziel ist es, euch über psychische Gesundheit zu informieren und einen Überblick an Möglichkei- ten aufzuzeigen, was ihr für euch tun könnt. Wettkampforientierter Leistungssport beinhaltet ein großes Potenzial zur körperlichen Entwicklung und zur Persönlichkeitsbildung von Sportler*in- nen. Zum Leistungssport gehören Motivation, Empathie und Teamfähigkeit ebenso wie das Erlernen kognitiver und emotionaler Fertigkeiten – bei- spielsweise Stress- und Angstregulation. Eine optimale Persönlichkeitsent- wicklung und das Erbringen sportlicher Höchstleistungen lässt sich nicht langfristig von psychischer Gesundheit trennen. Diese drei Faktoren beein- flussen und bedingen sich gegenseitig und sollten deshalb stets im Gleich- gewicht sein. Der Leistungssport verlangt Sportler*innen eine Menge ab – und das nicht nur körperlich. Psychische und soziale Belastungen können die psychische Gesundheit von Athlet*innen gefährden. Im Training selbst müssen die Sportler*innen Lernanforderungen bewerk- stelligen, körperliche Belastung und Beanspruchung meistern oder mit Ver- letzungen umgehen. In Wettkampfsituationen wiederum stehen sie vor den Herausforderungen, ihre Emotionen und Aktivierungslage zu regulieren, dem Leistungsdruck, ob von innen oder außen, standzuhalten sowie Erfolg und Misserfolg zu verarbeiten „Psychische und physi- sche Gesundheit gehen Hand in Hand mit der Leistungsfähigkeit im Leistungssport. Für mich persönlich spielt die psychische Gesundheit und Weiter- entwicklung eine sehr große Rolle in meiner Karriere. Um auf dem höchsten Level konkurrieren zu können, braucht man nicht nur einen fitten Körper, sondern auch ein gewisses Level von mentaler und emotio- naler Stabilität und Ge- sundheit, um mit Druck und Stress auf und ne- ben dem Spielfeld um- gehen zu können.“ Marie Gülich, Nationalspielerin, WNBA Spielerin der LA Sparks Was ist psychische Gesundheit? Offiziell gibt es keine allgemeingültige Definition für psychische Gesundheit. Zu den Einflussfaktoren zählen zum Beispiel ein stabiles familiäres Umfeld, Freunde, die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung oder auch Sicherheit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschreibt psychische Gesundheit als Prozess, der das physische, geistige und soziale Wohlbefinden umfasst. Dies macht deutlich, dass sowohl die körperliche Gesundheit als auch das psychische Wohlbefinden sehr wichtig sind. Auch die Herkunft des Wortes ‚psychisch‘ macht dies deutlich, denn es kommt aus dem griechi- schen psychikós, was so viel bedeutet wie ‚zur Seele gehörend‘. Denn nur wer sich psychisch wohl fühlt, ist richtig gesund und auch physisch leistungs- fähig. Wie du vielleicht selbst schon erlebt hast, kann sich dieser ‚Zustand des Wohlbefindens‘ schnell verändern. Du hast Streit mit deinen Freunden, du hast dich verletzt, schreibst plötzlich nur noch schlechte Noten in der Schule, bei Turnieren und Wettkämpfen läuft es nicht wie gewünscht und deine El- tern und Trainer*in zeigen kein Verständnis? Plötzlich fühlst du dich unter Druck? Keine Sorge, meistens gehen solche Phasen wieder ganz von allein vorbei. Aber wenn dieses Gefühl länger anhält, solltest du gut für dich sor- gen und nach der richtigen Hilfe für dich suchen. Ab wann ist man denn psychisch ‚nicht mehr gesund‘? Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Psychische Beschwer- den kennt jeder Mensch und die meisten geraten im Laufe ihres Lebens in verschiedene Krisen. Vielen Menschen gelingt es allerdings, diese Krisen ohne professionelle Hilfe zu bewältigen. Sie haben Familie und Freunde, die sie dabei unterstützen können, z.B. eine stressige Phase in der Schule, die Trennung von der Freundin oder vom Freund, Probleme bei Trainings und Wettkämpfen oder bei Spannungen in der Mannschaft, durchzustehen. Manchmal gelingt es jedoch über Wochen und Monate nicht, aus eigener Kraft oder durch Gespräche mit Familie oder Freund*innen wieder ins Lot zu kommen. Die psychischen Probleme bleiben bestehen, entwickeln oft- mals auch eine negative Eigendynamik, der man sich nur schwer entziehen kann. Dann könnte es sinnvoll sein, Psychotherapeut*innen aufzusuchen und in einem persönlichen Gespräch zu klären, ob eine Behandlung ratsam ist. An wen wende ich mich? Es gibt unterschiedliche Anlaufstellen von Fachpersonen (Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen, Psychiater*innen), an die du dich wenden kannst: Sportpsychologische Expert*innen ... sind Personen, die zumeist ein Sportstudium oder ein Psychologiestudium beendet haben und eine zusätzliche Ausbildung im Bereich Sportpsycholo- gie absolviert haben. Sie können dir helfen, wenn du in einer sportlichen Krise steckst, zu viel Druck erlebst oder zum Beispiel mit einer Verletzung klarkommen musst. Psycholog *innen ...sind Personen mit abgeschlossenem Psychologiestudium, die aber ohne Zusatzausbildung keine Psychotherapie anbieten dürfen. Sie können dir nicht nur in Krisensituationen helfen, sondern insbesondere auch in allge- meinen Problemlagen deines Lebens. Psychologische Psychotherapeut*innen ... sind Psycholog*innen mit einer psychotherapeutischen Zusatzausbildung, die Psychotherapie bei psychischen Erkrankungen anbieten dürfen. Sie hel- fen dir anhand verschiedener Verfahren, psychische Probleme zu lösen, aber dürfen keine Medikamente verschreiben. Psychiater*innen ... sind Personen mit abgeschlossenem Medizinstudium und einer Ausbil- dung zum, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie´. Sie sind also medi- zinische Psychotherapeut*innen und dürfen Medikamente verschreiben, was bei einigen Erkrankungen notwendig ist, um die Heilung zu unterstüt- zen. Was erwartet mich? Als erstes brauchst du dich nicht davor zu scheuen, dich bei psychischen Problemen an Fachpersonen zu wenden. Man lässt sich ja schließlich auch helfen, wenn man körperliche Beschwerden hat, wieso also nicht auch dann, wenn man psychische Probleme hat?! Solltest du dich dazu entschieden haben, zum Beispiel Kontakt zur*zum psy- chologischen Psychotherapeut*in aufzunehmen, wird zunächst ein persön- liches Gespräch stattfinden. Dies kann face-to-face stattfinden oder auch als Online-Treffen. In dem Gespräch schilderst du deine Gefühlslage und deine Probleme soweit es geht. Ihr besprecht dann gemeinsam, ob eine Behand- lung oder Betreuung sinnvoll ist und wie diese aussehen könnte. Danach fol- gen in den meisten Fällen weitere Gespräche oder Coachings, in denen ihr gemeinsam versucht eine Lösung für dein Problem herauszufinden. Da jeder Mensch anders ist und jedem eine andere Methode helfen kann, sollte auch ganz individuell besprochen werden, welche Methode für dich die beste Wahl ist. Wichtig ist nur, dass du dich an jemanden wendest! Soll- test du das Gefühl haben, dass die ausgewählte Person nicht die richtige für dich ist, kannst du ganz ehrlich sein und eine andere Person aufsuchen. Fragen, die du dir stellen kannst… Wenn du dich in letzter Zeit oft unwohl gefühlt hast, kann folgende Frage- liste dabei helfen, herauszufinden, ob du dir vielleicht überlegen solltest, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Bitte markiere bei jeder Aus- sage die Antwort, die deiner Meinung nach am besten beschreibt, wie du dich in den letzten zwei Wochen gefühlt hast. In den letzten zwei Wochen… Die ganze Zeit Meistens Etwas mehr als die Hälfte der Zeit Etwas weniger als die Hälfte der Zeit Ab und zu Zu kei- nem Zeit- punkt … war ich froh und guter Laune 5 4 3 2 1 0 … habe ich mich ruhig und ent-spannt ge- fühlt 5 4 3 2 1 0 … habe ich mich energisch und aktiv ge- fühlt 5 4 3 2 1 0 … habe ich mich beim Auf- wachen frisch und ausgeruht gefühlt 5 4 3 2 1 0 … war mein All- tag voller Dinge, die mich interessieren 5 4 3 2 1 0 … und die Empfehlung dazu Dieser Test der Weltgesundheitsorganisation wurde entwickelt, um das Wohlbefinden zu erfassen und gegebenenfalls im Gespräch weiter darauf einzugehen. Er wird auch WHO5-Screening-Test* genannt. Zähle nun deine Punkte zusammen, die du in jeder Zeile angekreuzt hast. Anhand der nachfolgenden Skala kannst du die Summe deiner erreichten Punkte folgendermaßen einschätzen. 13-25 Dein Wohlbefinden ist gut oder sehr gut. Pass weiterhin gut auf dich auf! 10-12 Dein Wohlbefinden ist reduziert. Wir empfehlen, den Test an verschiedenen Tagen zu wiederholen. 6-9 Dein Wohlbefinden war in den letzten zwei Wochen deutlich reduziert. Du solltest mit einer*m psychologischen Psychothe- rapeut*in, Psychiater*in oder zumindest mit deiner*m Haus- ärzt*in Kontakt aufnehmen, um den Wert zu besprechen. 0-5 Dein Wohlbefinden ist sehr stark reduziert. In solchen Fällen ist es meist dringend erforderlich, mit einer psychologischen Psy- chotherapeut*in, Psychiater*in oder zumindest mit einer*m Hausärzt*in Kontakt aufzunehmen. Bitte beachte, dass das Ergebnis des WHO-5-Screening-Tests auch etwas un- genau sein kann. Niedriges Wohlbefinden heißt deshalb nicht, psychisch krank zu sein. *Quelle: Psychiatric Research Unit, WHO Collaborating Center for Mental Health, Frederiksborg General Hospital, DK-3400 Hillerød. Wo kann ich mich melden? Es gibt eine Anlaufstelle, bei der du dich melden kannst, wenn du Hilfe be- nötigst. MentalGestärkt - Dein Ansprechpartner für psychische Gesundheit im (Leistungs-)Sport. Telefon 0221 | 4982-5540 Telefax 0221 | 4982-8170 Email mentalgestaerkt@dshs-koeln.de Homepage www.mentalgestaerkt.de Ansprechpartnerin Marion Sulprizio Psychologisches Institut Abt. Gesundheit & Sozialpsychologie Deutsche Sporthochschule Köln mailto:mentalgestaerkt@dshs-koeln.de https://mail.dshs-koeln.de/owa/mentalgestaerkt@dshs-koeln.de/redir.aspx?C=RVljAO1RRD3x0AkzubACXsBUbPmuVm0CJJScIAyO4oFpdPG2NHrWCA..&URL=http%3a%2f%2fwww.mentalgestaerkt.de%2f Mental Gestarkt Psychische Gesundheit im Leistungssport —— =a Kooperationspartner vov =wWVBG Lé A Ihre gesetzliche Unfallversicherung DIE SPIELERGEWERKSCHAFT Be ROBERT ENKE STIFTUNG weitere Partner Deutsch Bundesinstitut as Sporthachschula Kéln ae | fiir Sportwissenschaft momentum Das Deutsche Forschungszentrum fiir Leistungssport Koln ce, SPI, os spieler.initiative basketball OLYMPIASTUTZPUNKT DeutscHer OLympiscHER SPORTBUND NRW Gedruckt mit freundlicher UnterstUtzung durch wW VBG lhre gesetzliche Unfallversicherung German Sport University Cologne Sporthochschule Koln Deutsche Titel_B_MG Broschüre Jugendliche_MG_Entwurf_210311 Letzte_Seite_B_MG_neu_Logo_OSP