Bundesinstitut fur Sportwissenschaft Doping Informationsbroschtre fur Athleten und Betreuer von Prof. Dr. rer. nat. Manfred DONIKE unter Mitwirkung der Arbeitsgruppe Dopingfragen beim BISP Prof. Dr. J. KEUL, Freiburg (Vorsitzender) Prof. Dr. H. K. KLEY, Diisseldorf/Singen Prof. Dr. D. PALM, Frankfurt Prof. Dr. R. FELTEN, Kéln K6In - 1987 Inhalt 2.1 2.2 23 2.4 25 26 27 3.1 32 3.3 44 4.2 43 4.4 51 5.2 Ursprung des Wortes Doping .............. Zur Geschichte des Dopings .............. Doping im Altertum ............... 0.000005 Doping bei den Olympischen Spielen der Antike Stimulantien der sid- und mittelamerikanischen Doping in Europa... 0.0.2.2... ee ee Kulturen .......... Doping im Pferdesport als Schrittmacher fir den Humansport ...... Dopingkontrollen............. 0.000222 eee Doping im 20. Jahrhundert ................. Definition des Begriffes Doping............ Definition des Europarates.................. Definition des Deutschen Sportbundes (1977} .. Auswahl der Dopingmittel .................. Dopinglisten — Die praktische Definition... . Leistungsbeeinflussung .......... 0.00.00 00s Toxizitat, Nebenwirkungen und gesundheitliche Schddigungen ...... Gefahrdung von Konkurrenten............... Nachweisbarkeilt ............ 02.0000. 02 ee Zur Frage der Wirksamkeit von Dopingmitteln Pharmakologische Wirkungen der Weckamine . Wirkungen und Nebenwirkungen von Anabolika Blutdoping............ 0... cc ccc eee eee Dopingkentrollen .................0..08.. Literatur .... 0.0.00 00... ee eee eee o aN OOo ow on 1 Der Ursprung des Wortes Doping 1869 taucht in einem englischen Worterbuch zum ersten Mal das Wort Doping auf, womit eine Mischung von Opium und narkotisierenden Drogen bezeichnet wird, die fir das Dopen von Pferden Verwendung finden soll. Die Wurzel des heute so gebrauchlichen Wortes laBt sich auf einen von eingebore- nen Kaffern im stidéstlichen Afrika gesprochenen Dialekt zuriickfiihren, der dann in die Burensprache Gbernommen wurde. Unter dem Wort Dop verstand man da- mals einen landestiblichen schweren Schnaps, der bei den Kulthandlungen der Katfer als ,,Stimulanz" verwendet wurde. Erst spadter wurde der Begriff auch auf an- dere, allgemein stimulierende Getranke ausgedehnt. 2 Zur Geschichte des Dopings 2.1 Doping im Altertum Die kdnstliche Leistungsverbesserung ist ein uralter Traum des Menschen. Daher lassen sich auch MaBnahmen, wie sie heute als Doping bezeichnet werden, in der Spartgeschichte weit zuriickverfoigen und ebenso Bestrebungen, solche Methoden auszuschalten. Zum Teil handelt es sich bei den dberlieferten Ma®nahmen um aus- gesprochen harmlose didtetische Hinweise oder Methoden zur Verbesserung der Haut- und Muskeldurchblutung.* »Echt stimulierende Substanzen im Sinne eines heutigen Dopings tauchen nach Bave zum ersten Mal bei den sagenhaften Berserkern der nordischen Mythologie auf, die mit einer aus dem Pilz Amanita Muskaria gewonnenen Droge Bufotenin ihre Kampfkraft bis auf das 12fache gesteigert haben sollen." (Zitat nach L. PROKOP in H. ACKER: Rekorde aus der Retorte.} Dieses Zitat ist bezeichnend fiir die Qualitat der Doping-Berichterstattung. Auch ein anerkannter Sportwissenschaftler gibt kritiklos eine Leistungsverbesserung von um das 12fache ohne Anmerkung und Einschrankung weiter. Eine solche Propagie- rung mu6 ja zur Nachahmung reizen. 1200% Leistungssteigerung, das ist doch ein Wert, den man vorzeigen kann. ,,Sagenhait'! Die heutige Sportmedizin ist beschei- dener und postuliert, da® schon eine 1 %ige Leistungssteigerung Vorteile bringt. 2.2 Doping bei den Olympischen Spielen der Antike Philostratos und Galen berichten schon Uber verschiedene innerlich und auderlich von den antiken Athleten bei den Olympischen Spielen der Antike angewendeten stimulierenden Mittel. Hier handelt es sich jedoch nicht um Stimulantien heutiger Definition. 2.3 Stimulantien der siid- und mittelamerikanischen Kulturen Ausfiihrliche Uberlieferungen, die einer Uberpriifung beziiglich der verwendeten Stimulantien standhalten, stammen aus dem siid- und mittelamerikanischen Raum, 5 wo zur Leistungssteigerung und bei langen Marschen verschiedene Stimulantien, vom harmlosen Mate-Tee angefangen Uber Kalfee bis hin zum Cocain, verwandt wurden. Spanische Chronisten (GUTIERREZ DE SANTA CLanA) berichten Uber er- staunliche Laufleistungen der inka, die, Cacablatter kauend, angeblich in 5 Tagen die 1750 km lange Strecke von der Inkahauptstadt Cuzco nach Quito in Equador bewaltigt haben sollen. (Anmerkung: Schnitt ca. 15 km/h ber 5 Tage durchzuhalten ist physiologisch damals und heute unméglich. Die Energie-Produktion, auch eines trainierten K6rpers, reicht nicht fir diese Laufleistung aus.) Laufleistungen von 650 km in 3 Tagen und 3 Nachten (also ain Ourchschnitt von etwa 9 km/h) sollen keine Seltenheit, also Durchsehnitt, gewesen sein. In West- Afrika sind Colaniisse schon seit urdenklichen Zeiten bei Marschen und Laufen in Gebrauch gewesen. 2.4 Doping in Europa Die coffeinhaltigen Drogen einschlieBlich des Kaffees erreichten Europa Ende des 16, Jahrhunderts. Belegte Beispiele von Doping im Sport finden sich jedoch erst in der 2. Halfte des 19. Jahrhunderts. Bei 6-Tage-Rennen, etwa ab 1880, finden schon alle mdglichen Wundermittel Ver- wendung. Der Ausdruck ,,die schnelle Pulle’, hierunter versteht man die Trinkfla- sche oder -rohre, die der Betreuer dem Rennfahrer auf der Piste anreicht, gewinnt sprichwértlichen Charakter. Franzésische Fahrer bevorzugten zur Stimulation Mi- schungen auf Coffeinbasis, die Belgier atherhaltige Zuckerstiickchen. Andere Rennfahrer verwenden alkoholhaltige Getranke, wahrend sich die Sprinter auf die Einnahme von Nitroglycerin spezialisieren. Schon damals versuchten sich die Trainer als ausgesprochene Giftmischer, indem sie Dopingmittel aus Heroin und Cocain herstellten. 1868 wird der erste Doping-Todesfall, ausgeldst durch eine Uberdosis » lrimethyl" gemeldet, als anlaBlich des Radrennens Bordeaux-Paris der von seinem Manager, dem Besitzer einer Radfirma, massiv gedopte englische Radrennfahrer Linton tad- lich zusammenbricht. (Es stellt sich die Frage, was ist Trimethyl? Eine nicht existen- te chemische Verbindung!) Etwas spdater werden Versuche zur Leistungssteigerung bei belgischen und engli- schen FuBballmannschaften mit Sauerstoff gemacht, wobei die ersten Berichte auf das Jahr 1908 zurtickgehen. Im Boxsport treten in dieser Zeit ebenfalls schon Dopingfalle mit Strychnin und Co- cain, gelést in Schnaps, auf. Im Boxsport macht sich auch zum ersten Mal das Problem des Doping ,,to loose" bemerkbar, wobei dem Gegner leistungshemmende Mittel verabreicht werden. So behauptet 1910 James JEFFRIE nach einem k.o. durch Jack JONSSONS, da@ ihm Dro- gen in seinen Tee gegeben wurden. Inzwischen ist diese Art von Manipulation, wie sie heute als ,,Paradoping" oder als ,,negatives Doping" bezeichnet werden, zu einer beliebten Ausrede fir Gberraschende Niederlagen geworden. Im Humansport ist eine solche MaBnahme jedoch kein Doping, sondern ein kriminelles Delikt — Korperverletzung! Dieses Doping ,,to loose" oder ,,negatives Doping ist eine Spielart, die dariiber 6 hinaus und vorwiegend im Pferdesport betrieben wird, um Rennergebnisse zu ma- nipulieren und damit Wettquoten zu beeinflussen. Die Gegner durch Sedativa zu beruhigen, um leichtere Siege davonzutragen, ist je- doch keine Erfindung der Neuzeit. Es wird berichtet, daB der karthagische Feldherr MAHARBAL bei seiner Strafexpedition gegen ein ,,trunksichtiges" Afrikanervolk die Alraunwurzel als Kriegswafie verwendete. Dieser groBe Stratege fihrte einen Scheinriickzug aus und lieB ein wohlsortiertes Weinlager, mit Alraunausziigen ver- mischt, in die Hande der Feinde fallen. Diese betranken sich und wurden vom Alko- hol und von den Alkaloiden derartig schlafrig und unzurechnungsfahig, daB sie im Gegenangriff leicht besiegt wurden. Alraun enthalt die wirksamen Alkaloide Atro- pin, L-Hyoscyamin und L-Scopolamin. 2.5 Doping im Pferdesport als Schrittmacher fiir den Humansport Das Pferdedoping, wie auch das Doping der Hunde, hat durch seine Verbreitung und konsequente Anwendung wahrscheinlich entscheidende Schrittmacherdienste fir das heute im Humansport zu beobachtende Doping geleistet. 2.6 Dopingkontrollen 1910 wird in Osterreich erstmals Doping bei Pferden , wissenschaftlich" nachgewie- sen. Im Pferdespeichel werden Spuren von Alkaloiden aufgefunden. Es war der rus- sische Chemiker BUKOWSKI, der nach einer ,geheimgehaltenen Methode" die Alkaloide aufspirte. Anmerkung: Geheimmethoden beim Dopingnachweis sind nach den heute gilligen Regeln nicht anwend- bar, da sie nicht die Anforderungen, die an einen wissenschattlich gesicherten Nachweis zu stellen sind, erfillen. 2.7 Doping im 20. Jahrhundert Das Interesse der Humanmedizin an leistungssteigernden Medikamenten, Wirkstof- fen und Drogen war bis zu Beginn des 20, Jahrhunderts gering. Erste umfangreiche Untersuchungen Uber leistungssteigernde Wirkungen, in diesem Falle von Phos- phorverbindungen, machte 1919 der Biochemiker EMDEN (Phosphat als Nahrungs- bestandteill) (Anmerkung: Phosphate als ,,Zugabe" zur taglichen Nahrung ist kein Doping, sondern eine Qualitatsverbesserung der heutigen Mangelkost). Die typischen Dopingmittel, effektiv und peroral wirksam, sind Amphetamin und Methamphetamin. Das Amphetamin eder Benzedrin durchlief erst 1934 die klini- sche Prifung, und zwar als Mittel zum Abschwellen von entzindeten Schleimhau- ten (Schnupfentherapie). Die stimulierende Wirkung wurde erkannt und damit das Haupteinsatzgebiet abgesteckt. In Deutschland entdeckt HAUSCHILD das Pervitin oder Methamphetamin, das in den Kriegsjahren 1939 bis 1945 bei Nachtjagern und bei extremen Belastungen zum Einsatz kam. Die Verwendung der Weckamine Amphetamin auf alliierter Seite und Methamphetamin auf der deutschen Seite machten diese Weckamine sowie ihre eu- phorisierende und stimulierende Wirkung in breiten Bevdlkerungsschichten bekannt. Nach dem 2. Weltkrieg hauften sich infolgedessen etwa ab 1950 die Dopingfalle, 7 vor allem im Radrennsport. Die nachgewiesenen bzw. die belegten Falle sind Le- gion. Die Einnahme von stimulierenden MitteIn, zum Teil in Verbindung mit stark wirkenden Narkotika, war im Berufsradsport so verbreitet, daB in den Jahren 1960 bis 1967 bei wichtigen Radrennen kein Berufsradrennfahrer ungedopt an den Start ging. Vielfach wurde schon im Training geschluckt, um sich an die ,Aenndosen” zu gewéhnen. Aber 6s ist nicht der Rennsport allein, der von Dopingfallen betroffen wird. 1961 wurden bei 27% der kontrollierten ProfifuBballer in Italien Amphetaminpraparate gefunden. Auf Befragen gaben 97% an, schon Stimulantien im Training und im Wettkampf benutzt zu haben. Es ist bedauerlich, daB erst Dopingfalle mit tédlichem Ausgang, wie z. B. die des britischen Radrennfahrers Tom SIMPSON und des deutschen Boxers Jupp ELZE, ei- nen entscheidenden AnstoB fir die energische Bekampfung des Dopings gaben. Der Tod von T. SIMPSON, spektakular auf einer Bergetappe ber den Mont Ventoux bei der Tour de France, miterlebt von Hunderten von Journalisten und Millionen von Fernsehzuschauern, veranlaBte erst den Internationalen Radsportverband (UCI) da- zu, Anti-Doping-Richtlinien aufzustellen. Diese Richtlinien, verbunden mit einer geeigneten, empfindlichen und spezifischen Analytik, gestatteten es, in den nachfolgenden Jahren den Mi®brauch von Stimulan- tien und Narkotika praktisch auf Null herabzudriicken. Bei den Dopingkontroilen anlaBlich der Spiele der XX. Olympiade, 1972, Munchen, waren nur 7 positive Falle bei 2079 untersuchten Proben zu verzeichnen. In Montre- al wurden nur 3 Stimulantien bei rund 1800 Kontrollen aufgefunden. 1980 wurden in Moskau ebenfalls keine Stimulantien entdeckt. Und selbst die 1978 ermittelten Er- gebnisse in der Bundesrepublik bestatigen: Dopingkontrollen sind effektiv, nur we- nigé positive Falle tauchen bei angekiindigten Kontrollen auf. Die ,,eigentliche'’ Geschichte des Doping beginnt erst etwa 1930. Sie ist direkt ver- kndpft mit dem pharmakologischen Fortschritt. Drei Wirkstoffe — Cardiazol (Pente- trazol), Coramin (Nikethamid), Pervitin (Methamphetamin) — belegen beispielhaft, wie das moderne Doping seinen Einzug in den Sport halt. 1) Cardiazoi Zentrales Analeptikum, hebt die Wirkung von Barbituraten (Schlafmittel), von Be- taubungsmitteln (Morphin) und die von Lokalandsthetika (Novocain) auf. Beim Men- schen steigt der Grundumsatz unter dem EinfluB von Pentetrazol an. Die Geschichte des Cardiazols ist typisch fir den Einzug von Medikamenten in den Sport. Zitat nach ROmpp (1952): ,,Einige chemisch und medizinisch interes- sierte Sportsachverstandige empfehlen das Cardiazol auch bei akuter Kreisiauf- schwache infolge heftiger kérperlicher Uberanstrengung nach Rekordleistungen.” Von einer solchen Empfehlung ist es nur ein kleiner Schritt bis zur prophylaktischen Einnahme vor dem Wettkampf, um der totalen Erschépfung vorzubeugen und die Wettkampileistung zu verbessern. 2} Coramin ist, ahnilich wie das Cardiazol, ein zentrales Analeptikum Es hat in bezug auf sein pharmakologischas Spektrum 4hnlich belebende Wirkun- gen wie Kaffee, Als Indikation wurde vorgeschlagen, Coramin, um einer Erschép- fung vorzubeugen, vor anstrengenden abendiichen Sitzungen, Vortragen etc. einzunehmen! 8 1928 setzten einige Nationalmannschaften Coramin offiziell bei den Olympischen Winterspielen und bei den Sommerspielen im Marathonlauf ein. Es gibt Publikatio- nen (HARTWIG, zitiert nach ROMPP 1952), in denen von deutlichen Leistungssteige- rungen bei Skildufern, Bergsteigern, Schwimmern, Radfahrern und Boxern berichtet wird. Fazit: Hervorragender Erfolg, mit Coramin geht es besser. Einziger SchGnheitsfehler dieser Studien: Die Ergebnisse wurden nicht nach wissenschaft- lich akzeptablen Methoden gewonnen. Nicht ein placebokontrollierter Doppel- blindversuch, eine absolut erforderliche Versuchsanordnung, sondern die subjektive Emptindung war die Elle, mit der die Leistungsverbesserung gemessen wurde. 3) Methamphetamin und Amphetamin Obwohl die beiden Wirkstoffe schon sehr lange bekannt sind, wurde ihre zentralsti- mulierende Wirkung erst auf einem Umweg entdeckt: Amphetamin wurde als Vaso- konstriktor eingesetzt, um nach Aufbringung auf die Nasenschleimhaut durch Erkaltungskrankheiten hervorgerufene Schwellungen zu vermindern. Hierbei wur- de entdecki, dafi bei intensivem Schniiffeln euphorische Effekte auftreten bis hin zur Beeinflussung des Kreislaufes. Durch diese Versuche wurde klar, daB Ampheta- min ein besonders starker Wirkstoff ist, obwohl sein chemischer Aufbau CgHiaN sehr einfach ist. (\—cHa-ch- CH NH> Amphetamin-Strukturforme! 3. Definition des Begriffes Doping Es hat viele Versuche gegeben, eine allgemeine, umfassende und ailseits befriedi- gende Definition des Begriffes Doping zu geben. Es hat sich jedoch herausgestellt, daB die allgemeinen Definitionen mancherlei AnlaB zu Kritik boten. Als Beispiel sind die Definitionen des Komitees des Europarates fir auBerschulische Erziehung 1973 und die Definition des Deutschen Sportbundes von 1977 aufgefihrt. 3.1 Definition des Europarates Doping ist die Verabreichung oder der Gebrauch kérperfremder Substanzen in je- der Form und physiologischer Substanzen in abnormaler Form oder auf abnorma- lem Weg an gesunde Personen mit dem einzigen Ziel der kiinstlichen und unfairen Steigerung der Leistung fir den Wettkampf. AuBerdem missen verschiedene psy- chologische Mafnahmen zur Leistungssteigerung des Sportlers als Doping ange- sehen werden.“ Bewertet man diese Definition, so stiften die unklaren und unbestimmten Pauschal- begriffe, wie unfair, k6rperfremd, physiclogisch, abnormale Form oder abnormaler Weg, Verwirrung. 3.2 Definition des Deutschen Sportbundes (1977) 11. Doping ist der Versuch einer unphysiologischen Steigerung der Leistungsfahig- keit des Sportlers durch Anwendung (Einnahme, Injektion oder Verabreichung) einer Doping-Substanz durch den Sportler oder eine Hilfsperson (z. B. Mann- schaftsleiter, Trainer, Betreuer, Arzt, Pfleger oder Masseur) vor einem Wettkampf oder wahrend eines Wettkampfes und fiir die anabolen Hormone auch im Training.” .2, Doping-Substanzen im Sinne dieser Richtlinien sind insbesondere Phenylethyl- aminderivate (Weckamine, Ephedrine, Adrenalinderivate), Narkotika, Analeptika (Kampfer und Strychninderivate) und anabole Hormone.” »oportartspezifisch kénnen weitere Substanzen, z. B. Alkohol, Sedativa, Psycho- pharmaka, unter den Doping-Substanzen aufgefuihrt werden." Die Definition des Deutschen Sportbundes zeigte jedoch schon in einer friiheren Formulierung (1969) einen Weg auf, der in der Folge von der Medizinischen Kom- mission des [OC und von vielen nationalen und internationalen Sportverbanden be- schritten wurde: In einer allgemeinen Erklarung wird das ,, Doping" verboten. Dann foigt die Aufzah- lung von Wirkstoffgruppen, deren Einsatz als Doping gilt. Das Verbot der Anwen- dung von Wirkstoffgruppen ist die pragmatische Seite der Dopingdefinition. Die Medizinische Kommission des IOC beschritt spater gleichfalls diesen Weg, erst- mals mit den Regeln zur Dopingkontrolle anlaBlich der Spiele der XX. Olympiade, Munchen, 1972. Fir die Spiele der XXI. Olympiade, Montreal, 1976 und der XXII. Olympiade, Moskau, 1980, wurde diese Regelung beibehalten, wobei jedoch noch zusaiztich die Gruppe der anabolen Steroide erscheint (Tab. 1). Fur die Olympi- schen Winter- und Sommerspiele 1984 galten quantitative Limits fir Testosteron, dem mannlichen Keimdrdsenhormon, und fir Coffein. Der Hauptausschu8 des DSB hat Ende 1977 die oban wiedergegebene Definition verabschiedet, die ais wesentliche Neuerung Anabolika-Kontrollen im Training vor- sieht (verg!. 3.2 und Tab. 2). Dieses Verfahren, Wirkstotfgruppen als Depingmittel zu deklarieren und damit de- ren Verwendung im Sport zu verbieten, ist Ubersichtlich. Lediglich, ob ein pharma- kologischer Wirkstoff einer verbotenen Gruppe zuzurechnen ist oder nicht, mag im Einzelfall noch strittig sein. Generell gilt jedoch die Regel, da8 alle Wirkstoffe inner- halb einer pharmakologischen Wirkstoffgruppe und deren nahe chemische oder pharmakologische Verwandte als Dopingmittel anzusehen sind. Eine solche Rege- Jung erscheint praxisgerecht. Unter den verbotenen Wirkstofigruppen werden von der Medizinischen Kommission des IOC méglichst viele Wirkstoffe namentlich als Beispiele aufgezahlt. Dies er- scheint den Kommissionsmitgliedern notwencig, damit der unklare Bereich, der durch die Hinzufigung des Begriffes der , verwandten” Verbindungen benutzt wird, mdglichst klein gehalten wird (Tab. 1). In der Tabelfe 4 sind die Internationalen Frei- namen der Wirkstoffe alphabetisch aufgelistet (Stand Mai 1986). Auf diesen Zusatz ,,und verwandte Verbindungen“ kann man bei einer Substanz- liste jedoch nicht verzichten, weil anderntalls ahnliche Wirkstoffe mit gerinofiigigen chemischen Modifikationen, die nicht namentlich in der Dopingliste aufgefihrt sind, als Dopingmittel verwendet werden kénnen. 10 Tab. 1 Doping-Liste der Medizinischen Kommission des 1OC fair die Spiele der XXiil. Olym- piade, Los Angeles, 1984 a) Psychomotorische Stimutantien, z. B. Amphetamin Benzphetamin CGhlorphentermin Cocain Coffein Diethylpropion Dimethylamphetamin Ethylamphetamin Fencamfamin Meclofenoxat b} Sympathomimetische Amine, z. B. Chlorprenalin Ephedrin Etafedrin lsoetharin Methamphetamin Methylphenidat Norpseudoephedrin Pemotin Phendimetrazin Phenmetrazin Phentermin Pipradol Prolinian und verwandle Verbindungen lsoprenalin Methoxyphenamin Methylephedrin und andere verwandie Verbindungen ¢) Verschiedene Stimulantien des Zentralen Nervensystems, z. B. Amiphenazol Bemegrid Doxapram Etamivan Laptazol {= Pentetrazol) d) Narkotika und Anaigetika, z. B. Anileridin Codein Dextromoramid Dihydrocodein Dipipanon Ethylmorphin Heroin Hydrocodon Hydromorphen Levorphanol Methadon e) Anabole Steroide, z. B. Closlebol Dehydrochlormethyltestosteran Fluoxymesteron Meslerolon Melandienon Metenolon Methyltestosteron Nikethamid Pentylentetrazol Picrotoxin Strychnin und verwandle Verbindungen Morphin Oxicodon Oximorphon Pentazocin Pethidin Phenazocin Piminodin Thebacon Trimeperidin und verwandte Verbindungen Nandrolon Norethandroion Oxymesteron Oxymetholon Slanozolot Testosteron und andere verwandte Verbindungen Dlese Liste ist nicht abgeschlossen; sie kann jederzeit erweitert werden. Far Coffein und Testosteron setzl die Medizinische Kommission des IOC ein quantitatives Li- mit fest. 11 Tab. 2 Dopingliste des Deutschen Sportbundes (DSB) Stand Mai 1978 1. 1.7 144 1.1.2 11.3 1.1.4 1.15 1.16 11,7 1.1.8 419 1.1.10 12 1.2.1 1.2.2 123 1.24 1.2.5 13 13.1 1.3.2 133 1.34 1.35 1.3.6 1.37 1.4.8 14 1.44 1.4.2 1.43 1.4.4 145 Phenylethylaminderivate Amphetamine einschlieBlich der C- und N-Aikylderivate Amphetamin Melthamphetamin Phentermin Mephentermin Fenetyllin Fenfluramin Amphetaminil Ethylamphetamin Dimethylamphetamin Methoxyphenamin Ephedrin und Analoge Ephedrin Pseudo-ephedrin Norephedrin Nor-pseudo-ephedrin Cafedrinum Ainghydroxylierte Phenylethylaminderivate Hydroxyamphetamin Pholedrin Etilefrin Synephrin Phenylephrin Metaraminol Octopamin Norfenefrin Maskierie Phenylethylaminabkémmiinge Phenmetrazin Pemolin Prolintan Fenbutrazal Methylphenidat 1.4.6 1.4.7 16 1.5.1 15.2 1.5.3 2. 31 3.2 33 34 3.5 3.6 3.7 41 4.2 43 44 45 46 Fencamfamin Fanproporex Wirkstoffe mit dhniicher Wirkung und Struktur (insbesondere Appetitziigler) Propyihexedrin Heptaminol Amfepramon Stark wirksame Analgetika Alle slark wirkenden Analgetika (Opiale, Hypnoanalgetika, Narkotika} der Mor- phin-, Pethidin- und Methadon-Gruppe sind verschreibungspllichtig. Sie zahlen grundsatzlich zu den Dopingmittein. Von den deutschen Arzneimitlelspeziaii- taten zahlen beispielsweise hierzu: Am- phiolen, Morphinum-hydrochloricum »MKB", Dilaudid, Eukodal, Dromoran, Dolantin, Cliradon, L-Polamidon, Palfi- um, Jetrium. Analeptika (einschl. Kampfer- und Strychninderivate) Pentelrazol Nikelhamid Etamivan Bemegrid Strychnin Slrychnin-N-oxid Strychninsaure Anabole Steroide Chlortestosteronacetal Metandienon (Melhandrostenolon} Methyltestosteron Nandrolon = Nortestosteron und alle Esler Oxymethoion Slanozolol In den Dopinglisten sind die Internationalen Freinamen der Wirkstoffe auigefthrt, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorgeschlagen werden. Die Inter- nationalen Freinamen erleichtern nicht nur eine ber den nationalen Bereich hin- ausgehende Zusammenarbeit, sondern sie vermeiden die schwierigen, fiir Laien oft kompliziert erscheinenden chemischen Bezeichnungen und Strukturformeln. Gegen die von Sportverbanden etc. verlangte Aufzahlung der Handelsnamen der pharmazeulischen Praparate spricht, da8 diese Listen nie auf dem neuesten Stand gehalten werden kénnen. Dariber hinaus besitzen sie den Nachieil, da sie als An- leitung zur Selbstmedikation dienen kénnten (vq). BlSp-Broschiire). 12 3.3 Auswahl der Dopingmittel Bei der Auswahl der Wirkstoffgruppen stand zunachst die Erfahrung Pate. Die mii- brauchliche Verwendung von Medikamenten war bekannt, sei es durch Zwischen- falle, sei es durch Hintergrundinformationen oder Diskussionen mit Athleten, Trainern oder Funktionaren. Es ist unbestritten, da die Gruppe der Weckamine die Leistung in einer Reihe von Sportarten und Disziplinen verbessert hat. Den zentral-nervés-stimulierenden Substanzen wie Strychnin und den Analeptika Coramin, Cardiazol etc. soll gleichfalls eine positive Wirkung auf die Leistungsfahig- keit zukommen. Fir die Aufzahlung der Gruppe der narketisch wirkenden Analgeti- ka, z. B. Morphin, Methadon und andere, lassen sich zwei Griinde anfihren: 1. Die Narkotika wurden in Verbindung mit hohen Gaben von Amphetamin- Praparaten als Dopingmittel verabreicht. 2. Es gibt keine medizinische Indikation, die eine Behandlung mit diesen stark wir- kenden Analgetika bei gleichzeitiger Sporttauglichkeit rechifertigt. Dariiber hinaus mag man die Auffihrung dieser Gruppe in den Regeln der nationa- len und internationalen Verbande und Organisationen als Vorbeugung gegentber der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ansehen, die eine Verringerung des RauschmittelmiBbrauches und der damil verbundenen Suchigefahr mit allen nach- teiligen Folgen anstrebt. Bevor eine Wirkstoffgruppe oder ein Wirkstoff in die Liste der Dopingmittel aufge- nommen wird, sollte jedoch noch ein weiteres Kriterium dberprift werden, namlich das der Nachweisméglichkeit. Es gibt eine padagogische Regel die besagi, dab die Aufstellung von nicht-kontrollierbaren Verboten sinnlos ist. Bevor also ein Wirk- stoff oder eine Wirkstoffgruppe als Dopingmittel deklariert wird, sallte zumindest eine theoretische Méglichkeit des analytischen Nachweises vorhanden sein. Ein VerstoB gegen dieses Verbot fiihrt zu Situationen und Diskussionen, die den gan- zen Bereich der Dopingkontrolle in Frage stellen, und nicht nur den engen Teilbe- reich des umstrittenen Wirkstoffes oder der Wirkstoffgruppe. Aktuell in diesem Zusammenhang war die Forderung einiger Sportverbande, die f- Blocker auf die Dopingliste zu setzen. Hier galt es, die Frage einer moglichen Lei- stungsbeeinilussung, in einigen Fallen die Méglichkeit einer Gesundheitsgefahr- dung gegen den therapeutischen Nutzen bei alteren Sportlern abzuschatzen und richtig einzuordnen. Weiter diskutierte die Medizinische Kommission des [OC die Frage, ob nicht auch die Wirkstoffgruppe der Diuretika (harntreibende Mittel) auf die Dopingliste zu set- zen ist. Die Praktiken des ,,Abkochens" mit Hilfe dieser Substanzen, die bei einigen Sportarten mit Gewichtsbegrenzungen zu beobachten sind, stellen objektiv eine Gesundheitsgefahrdung dar. Dariber hinaus wird dureh Anwendung der Diuretika versucht, die Dopingkontrelle durch die Verdiinnung des Urins bzw. durch pH- Verschiebung zu unterlaufen. Anhang: Im folgenden ist die Dopingdefinition der Medizinischen Kommission des |OC wie- dergegeben, die am 21, April 1986 in Seoul beschlossen wurde und fiir die Spiele der XXIV. Olympiade 1988 in Calgary (Winterspiele) und Seoul (Sommerspiele) GOl- tigkeit haben wird. 13 Aufgrund der Erfahrungen der letzten Olympischen Spiele wurde das Blutdoping verboten. Da es sich hierbei um eine medizinische MaBnahme und nicht um ein pharmakologisches Doping handelt, wurde dieser Umstand in der Definition be- riicksichtigt, indem eine Unterteilung in Wirkstofigruppen und Methoden vorgenom- men wurde. Weiter wurden in einer dritten Gruppe die Substanzen bzw. Wirkstoffgruppen aufge- listet, deren Anwendung, wie in der Vergangenheit schon, gewissen Einschrankun- gen unterworten ist. Tab. 3 Doping: Liste der verbotenen Wirkstoffgruppen und Methoden L VerEotene Wirkstoffgruppen ii, Verbotene Methoden A, Slimulantien A. Blutdoping B. Narkotika . = . C. Anabole Steroide lit, Eingeschrankt anwendbare Wirkstoffgruppen D. Beta-Blocker A. Alkohol E. Diuretika B. Lokalanadsthetika C. Corticosteroide Anmerkung: Die Medizinische Kommission des IOC definiert Doping als den Gebrauch von Substanzen, die zu den verbotenen Wirkstofigruppen gehdren, und die Anwendung unzulas- siget MaBnahmen, wie das Blutdoping. Um das Dopingverbot zu verdeutlichen, werden nur Beispiele fir verbotene Wirkstoffe aufgezahit, nicht eina vallstandige, abgeschlossene LIste aller Substanzen. Diese Ari der Definition hat den Vorteil, daB naue pharmakologische Wirk- stoffe, die zum Teil speziell far Dopingzwecke synihetisiert sein mégen, automatisch wegen ihrer ZugehGrigkeil zu einer varbotenen Wirkstof{gruppe verboten sind. Substanzen aus den verbotenen Wirkstofigruppen dirfen unter keinen Umstanden an im Wettkampf befindliche Athleten verabreicht werden, as sei denn, die Medizinische Kommis- sion des [OC hat ihre Verwendung ausdriicklich erlaubt. Wenn Substanzen aus den verbotenen Wirksloffgruppen bei einer Dopingkonirolle analytisch nachgewiesen werden, wird die Medizinische Kommission entsprechend den Dopingkontroll- regeln vorgehen, Beispiele und Erlauterungen A. Stimulantien, zum Beispiel: Amlepramon Dimetamfelamin Methylphenidat Amfetaminil Efafedrin Morazon Amiphenazol Ephedrin Nikethamid Amphetamin Etamivan Pemolin Benzphelamin Etilamfetamin Pentetrazol Calhin Fencamfamin Phendimetrazin Chlorphentermin Fenetyllin Phentermin Clobenzorex Fenproporex Phenylpropanolamin Clorprenalin Furfenorex Pipradrol Cocain Mefenorex Prolintan Coffein* Melhamphetamin Propylhexedrin Cropropamid™* Melhoxyphenamin Pyrovaleron Crotethamid** Methylephedrin Strychain und verwandle Verbindungen. " Ein posiliver Dopingfall mit Coffein liegt vor, wenn die Coffeinkonzentration im Urin 12 Mikrogramm/ml Ubersiaigt. Beslandieile von Micoren-A, 14 B. Narkotika, zum Beispiel: Alphaprodin Dihydrocedein Morphin Anileridin Dipipanon Nalbuphin Buprenorphin Ethoheptazin Pentazocin Codein Ethylmorphin Pethidin Dextromoramid Levorphanol Phenazocin Dextropropoxyphen Methadon Trimeperidin Diamorphin (Heroin) und verwandte Verbindungen. C. Anabole Steroide, zum Beispiel: Bolasteron Metandienon Oxandrolon Boldenon Metenolon Oxymesteron Clostebal Melhyltestosteron Oxymetholon Dehydrochlormethyltestosleron Nandrolon Slanozolol Fluoxymesteron Norethandrolon Testosleron” Meslerolon und verwandte Verbindungen. Die Applikation von Testosteron und jade andere Manipulation mil dem Ergebnis, da6 das Verhallnis der Urinkonzeniration van Téstosteron zu Epitestostaron héher als 6 liegt, gill als Doping. D. Seta-Blocker, zum Beispiel: Acebutolol Labetalol Oxprenolol Alprenolol Metoprolol Propanolol Alenolol Nadolol Sotalol und verwandle Verbindungen. E. Diuretika, zum Beispiel: Acetazolamid Chlormerodrin Hydrochlorothiazid Amilorid Chlortalidon Mersalyl Bendroflumethiazid Dichlorphenamin Spironolacton Bumetanid Ethacrynsaure Triamteren Canrenon Furosemid und verwandle Verbindungen. 4 Dopinglisten — Die praktische Definition Drei Argumente lassen sich fiir die Auflistung von Substanzen und Wirkstoffgrup- pen als Dopingmittel anfiihren: 1. Leistungsbeeinflussung (in der Regel die angestrebte Leistungsverbesserung). 2. Toxizitat (akute oder latente mit Spatschaden). 3. Gefaéhrdung der Konkurrenten. Als 4. Punkt soll die Nachweisbarkeit erwahnt werden. 4.1 Leistungsbeeinflussung Zur Leistungsverfalschung muB gesagt werden, daB diese wissenschattlich nicht immer belegbar ist. Eine Leistungssteigerung nach Gabe eines Medikamentes 15 kann vielfaltige Ursachen haben. Bekannt ist, da6 aufgrund des sogenannten Pla- ceboelffektes auch Schein-Medikamente, also Medikamente, die keinen Wirkstoff enthalten, einen leistungssteigernden Effekt ausiben kénnen. Wie weit dieser lei- stungssteigernde Effekt von Schein-Medikamenten geht, kann nicht objektiviert werden; er dirfte, wenn (iberhaupt, gering sein und ist sicher individuell unterschied- lich. Es ist jedoch damit zu rechnen, daf ein gravierender Unterschied in der Aus- wirkung bei verschiedenen Sportarten besteht. Beispielsweise bei kurzdauernden Sportarten kann die Gabe eines ,,Schein-Medikamentes" dazu filhren, daB flr die kurze Dauer der Athlet mehr Selbstvertrauen, mehr Leistungsmotivation und mehr Aggressivitat besitzt und hierdurch die Wettkampfleistung verbessert wird. Bei Ausdauersportarten ist hingegen damit zu rechnen, da die Wirkung eines Schein-Medikamentes dann nachla6t, wenn der Athlet in den Grenzbereich seiner Leistungsfahigkeit eindringt. Es ist bekannt, da® Anstrengungen im Grenzbereich der Leistungsfahigkeit mit direkten kérperlichen Schmerzen, die als Warnsymptome des Korpers anzusehen sind, verbunden sind. Hier versagt das Schein-Medi- kament, da es auf Dauer nicht gegen die ,,Schmerz-Signale" des Kérpers an- kommt. Bei gewissen Sportdisziplinen wird jedoch davon berichtet, da unter dem EinfluB von Sedativa Leistungsverbesserungen zu erzielen sind. Im SchieBsport wird schon seit langem von dem sogenannten ,,Zielwasser', dem Alkohol, berichtet. Mit den steigenden Anforderungen an die Wettkampfer hat jedoch diese Art der Leistungs- verbesserung ihre Grenze gefunden. Bei den heutigen SchieBweltbewerben, die sich Uber einen ganzen Tag hinziehen, kann davon ausgegangen werden, daB unter dem Einflu8 von Alkohol keine langanhaltende Leistungsverbesserung zustande kommt. Unklar aber ist noch, ob Neuroleptika vom Typ der Phenothiazine in gerin- ger Dosierung oder Beruhigungsmittel aus der Benzodiazepinreihe oder neuer- dings £-Blocker, als neue Doping-Geheimwaffe im Gesprach, eine Leistungssteige- rung ermdglichen. Etwas anders liegt die Situation im Modernen Finfkampf. Da bet der kurzen Dauer der SchieBwettbewerbe im Modernen Finfkampf von ca. 1—2 Stunden nur eine kurzfristige Applikation von Alkohol oder von Sedativa notwendig ist, wird hier von betrachtlichen Leistungssteigerungen unter dem EinfluB von Sedativa oder von Al- koho! berichtet. Die Beurteilung der Leistungsverbesserung ist wissenschaftlich bei weitem nicht so abgesichert wie groB aufgemachte Artikel in der Boulevardpresse vermuten tassen. Im Laborversuch, z. B. in einem standardisierten Fahrrad-Ergometer-Test, gelingt es nur mit den typischen DopingmitteIn Amphetamin, Methamphetamin und den na- hen Verwandien, eine Leistungssteigerung hervorzurufen. Die Schwierigkeit, die positiven Ergebnisse, von denen in der Sportpraxis berichtet wird, im Labor zu reali- sieren, lassen sich im wesentlichen auf 2 Faktoren zuriickfiihren: 1. Die in der Sportpraxis durchgefiihrten Versuche, oft iiber Jahrzehnte erprobt, verlaufen im Untergrund, ohne wissenschaftliche Beobachiung (auch wenn aus- gebildete Sportarzte daran beteiligt waren). Sie waren nicht bzw. wahrscheinlich nie als placebo-kontrollierte Doppelblindstudien angeiegt (bei denen Proband und Arzt nicht und nur eine dritte am Versuch unbeieiligte Person wissen, wer Placebo oder Pharmakon erhalt). 16 2. Die oben schon erwahnte Placebo-Wirkung kann nicht nur ein vollkommen un- wirksames Medikament ,,hochjubeln", sondern auch in gewissen Fallen die vor- handene geringe Wirkung potenzieren. Das heibt also mit anderen Worten, daB nicht jede Leistungssteigerung mit Hilfe der Methoden der Pharmakologie und der Sportmedizin objektivier! werden kann. 4.2 Toxizitat, Nebenwirkungen und gesundheitliche Schadigungen Das Argument der unfairen Leistungssteigerung fiir ein Dopingverbot entfiel, wenn alle Medikamente oder Wirkstoffe in beliebiger Dosierung freigegeben wiirden. Fur die Freigabe fihren die Beflirworter folgendes Argument ins Feld: Mit einer sol- chen Freigabe wirde man erreichen, dad abgesehen von Neu- und Geheim- Entwicklungen alle Athleten unter den gleichen Voraussetzungen starten kénnten. Jeder konnte sich das ihm zusagende Medikament in der oplimalen Dosijerung zu- fahren. Eine zumindest formliche Gleichheit ware hergestellt. In diesem Falle ware eine Leistungssteigerung fiir jeden Athleten méglich. Jedoch stellt dies keine Gleichbehandlung dar. Durch individuelle Faktoren werden die er- reichbaren Verbesserungen individuell verschieden hoch ausfallen. Weiter wirden hohe, unverntnftige Dosierungen zu Zwischenfallen fahren. Diese Situation ist im Radrennsport in den Jahren 1950 bis 1968 ungewollt vorhan- den gewesen. Obwohl zwar ein formales Dopingverbot bestand, wurde keine effek- tive Dopingkontrolle durchgefihrt; im Gegenteil, es wurde noch nicht einmal daran gedacht, Dopingkontrollen durchzufiihren. Der unkontrollierte MiSbrauch von Am- phetamin, z. T. in Verbindung mit stark wirkenden Narkotika der Morphinreihe, hat zu vielen spektakularen Zwischenfallen gefiihrt. Der Tod von Tom SIMPSON im An- stieg zum Mont Ventoux bei der Tour de France war der auslésende Faktor, dai der Internationale Radsportverband strenge Dopingkontrollen einfiihrte, nachweislich nur aufgrund der weltweiten Publizitat, die dieser Fall gefunden hatte. Infolge des haufigen Amphetamin-Mi8brauches, der zum Teil Tagesdosen von 100 mg und hoher erreichte, kam es zu einer Reihe von ernsten akuten Zwischenfallen und auch von Spatschdden. Haufige Todesursache bei Radrennen zu dieser Zeit waren z. B. Gehirntraumen, die nach Stirzen und unter dem blutdruckerhdhenden Einflu8 der Amphetaminderivate einen wesentlich ungiinstigeren Verlauf nahmen, als dies nach der Schwere der Sttirze und der Verletzungen zu erwarten gewesen ware. Chronischer Amphetamin-MiBbrauch fiihrte zu psychischen Schdden bis hin zum Suizid infolge von Depressionen. Ferner sind tédliche Verkehrsunfalle zu erw&hnen, die unter dem Einflu8 von Amphetaminen auftraten. Soziale Entgleisungen, wie z. B. Drogenhandel, kamen ebenfalls auffallig oft vor. 4.3 Gefahrdung von Konkurrenten Der Grund, weshalb Alkohol — Athylalkohol — auf der Dopingliste erschien, und zwar erstmals auf der Dopingliste des Osterreichischen Sportverbandes, war: Anlaf- lich einer Weltmeisterschatt im Modernen Finfkampf schienen einige Teilnehmer so betrunken, daf sie nach Erledigung ihrer Pflichtaufgaben nicht mehr Herr ihrer Sin- 17 ne waren und z. T. unkonitrolliert, nach Wildwest-Manier, durch die Gegend baller- ten. Das Verlesen der Dopingliste des Osterreichischen Sporlverbandes st6Bt immer auf Heiterkeit, da Athanol zu Beginn des Alphabets noch vor Amphetamin steht. Wer jedoch den Grund fiir die Aufnahme von Athano! in die Dopingliste kennt, dem vergehi das Lachen. In anderen Sportarten besteht das Argument der Gefahrdung der Konkurrenten, z. B. im Radrennsport, wo es durch unkontrollierte Reaktionen leicht zu einer Gefahr- dung von Konkurrenten durch Stirze kommen kann. a Heptaminol Amphetami = B min Methamphetamin Dimethamphetamin —_— = Nikotin : Ephedrin Phenmetrazin = Nikethamid Cardiazol = oe Pencamfamin P F- Standard = Coffein Abb. 1 Eichidsung zum Nachweis der stimutierenden 72 STGP Sie Dopingmittel mit Hilfe der Gas-Chromatographie. Norephedrin Ephedrin Standard Coffein re Abb. 2 Positiver Dopingfall mit Ephedrin ais applizier- tam Wirkstoff und Norephedrin ais Metabolit des BT: O70P SUH Ephedrins. 4.4 Nachweisbarkeit Die Nachweisbarkeit, zumindest die theoretische Nachweisbarkeil, sollte Voraus- setzung fir die Auffihrung von Dopingmitteln in der konkreten Dopingliste sein. Es 18 ist padagogisch sinnlos, Verbote aufzustellen, die nicht kontrolliert werden oder nicht kontrolliert werden kénnen. Hiergegen wurde in der Geschichte der Bekamp- fung des Dopings haufig verstoBen. Die Zustande im Radrennsport vor 1968 oder im Olympischen Sport auf internationaler Ebene vor 1972 sprechen fiir die Unwirk- samkeit eines nicht kontrollierten Verbotes, Die Benutzung von stimulierenden Mit- telIn fir den Zeitpunkt des Wettkampfes war die Regel. Wider allgemeinen Erwartungen verringerten sich die Wettkampfleistungen nicht nach Einfilhrung der Kontrollen auf Stimulantien. (Beziglich des Nachweises vergl. die Abb. 1 und 2) Die beobachteten Leistungsverbesserungen nach Einféhrung der Dopingkontrollen und damit dem erzwungenen Absetzen der Dopingmittel spricht far die Unwirksam- keit der meisten Stimulantien bei hochtrainierten Athleten! In den Jahren seit 1972 wurde dieses Gebot der Padagogik, kein Verbot auszuspre- chen ohne Kontrollmoglichkeit, sehr strapaziert, und zwar im Zusammenhang mit den anabolen Steroiden. 1974 wurde diese Substanzklasse auf die IOC-Liste der verbotenen Wirkstoffe gesetzt, ohne daf geeignete Kontrollmdéglichkeiten, zumin- dest fir Routine-Dopingkontrollen, vorhanden waren. Die Erfahrung lehrt, da8 bei den Anabolika der MiBbrauch nicht mit dem Einreihen dieser Wirkstofigruppe in die Dopingmittei abgestellt war. Im Gegenteil, die offentli- che Diskussion hat sogar zu einer verbreiteten Anwendung, unkontrolliert und ohne Aufsicht von Arzten und Sportmedizinern, gefiihrt. Zusammentassung: Die Aufnahme von Dopingmittein in die Dopingliste, besser ge- sagl, das Verbot der Anwendung von pharmakologischen Wirkstoffgruppen, ist im- mer angezeigt: 1. Bei einem festgestellten Mifbrauch dieser Substanzen im Sport 2. Bei einer vermuteten oder nachgewiesenen Leistungssteigerung 3. Aus ethischen Griinden wegen den bei der pharmakologischen Substanz vor- handenen schadlichen Nebenwirkungen. Eine Einordnung unter die verbotenen Wirkstoffgruppen sollte jedoch an die theore- tische Nachweisméglichkeit im Labor gebunden sein. 5 Zur Frage der Wirksamkeit von Dopingmitteln Diskutiert man mit Pharmakologen die Frage der Wirksamkeit von Dopingmitteln, so gibt es erhebliche Differenzen zwischen den Ansichten der Sportpraktiker, die u. U. am eigenen Leibe die leistungssteigernde Wirksamkeit von Medikamenten er- fahren haben, und den Beurteilungen der Fachvertreter. Wie frilher schon erwahnt bestehen erhebliche Schwierigkeiten, experimentell gesicherte Leistungssteigerun- gen nachzuweisen. Far eine Wirkstoffgruppe, die der Phenylethylamine, IAGt sich eine Leistungsstelge- rung nicht nur experimentell, z. B. durch einen Fahrradergometer-Test, bestatigen, sondern auch biochemisch begrtinden. Als Beispiel sei das Amphetamin erwahnt. Die Wirkungen des wohl bekanntesten Dopingmittels, des Amphetamins, lassen sich wie folgt beschreiben: 1. Verbesserung der Arbeitsleistung, vor allem in ermiidetem Zustand 19 2. Verbesserung der Koordination, vor allem bei einem monotonen, vielfach repro- duzierten Bewegungsablauf 3. Temperaturerhéhung 4, Gesteigerte Aggressivitat; im Tierversuch: Erhéhung der Toxizitat im Kollektiv 5. Verringerung der Nahrungsaufnahme. Diese Wirkungen lassen sich im einzelnen dadurch erklaren, daB Phenylalkylamine sympathomimetisch tiberwiegend durch Freisetzung von Noradrenalin aus den Speichervesikeln der noradrenergen Nerven wirken. Dies ist eine Verdrangungsre- aktion aufgrund einer ahnlichen chemischen Konstitution. Phenylalkylamine hem- men gleichzeitig die Wiederaufnahme von Noradrenalin an der Axon-Membran und erhéhen damit zusatzlich dessen Konzentration an den adrenergen Rezeptoren. Aus den Speichern des Nebennierenmarks werden durch indirekt wirkende Sym- pathomimetika keine Catecholamine freigesetzt. 5.1 Pharmakologische Wirkungen der Amphetamine Die meisten Amphetaminderivate wirken in der Peripherie qualitativ wie Noradrena- lin. Die nicht-phenolischen, die Weckamine, iberwinden die Bluthirnschranke (Un- terschied zwischen Amphetamin und para-Hydroxy-amphetamin} und rufen im Hirn vor allem durch Freisetzung von Noradrenalin und Dopamin zentral nervése Wir- kungen hervor, Diese zentral nervésen, erregenden Wirkungen bestimmen weitge- hend das klinische Bild und den klinischen Einsatz dieser Phenylethylamine, z. B. als Weckamine. Bei den zentralen Wirkungen stehen im Vordergrund psychische Veranderungen, die Zunahme der Aufmerksamkeit, der Konzentrationstahigkeit und der Leistungsbereitschaft. Das Gefiihl der Midigkeit wird unterdriickt (wobei bisher unklar ist, was das GefOhl der Miidigkeit darstellt. MUdigkeit ist kein exakt meBbarer Parameter, erst recht nicht das Gefithl der Midigkeit). 5.2 Wirkungen und Nebenwirkungen von Anabolika Die Bezeichnung Anabolika leitet sich von dem Begriff ,anabol" ab. Mit , anabol“ werden alle biochemischen substanzaufbauenden Prozesse bezeichnet. Mit dem anabolen Prozeé einher geht immer eine positive Stickstoffbilanz. Dagegen werden biochemische Prazesse, die Substanzen abbauen, als ,,katabol" definiert. Katabole Vorgange mussen aber nicht unbedingt mit einer negativen Stickstofibilanz verbun- den sein. So ist der Abbau von Uberiliissigen Fettpolstern bei der Gewichtsreduk- tion ebenfalls ein kataboler ProzeB. Ein Beispiel, wo der Begriff anabol Verwirrung gestiftet hat, sei hier erwahnt. Es ist bekannt, daB das menschliche Wachstumshormon (HGH — human growth hormo- ne) anabole Wirkungen besitzt, da es das Wachstum im Kindesalter steuert. in letz- ier Zeit wurden Presseberichte verdffentlicht, wonach HGH im Leistungssport ver- wendet wird. Mit der Anwendung von HGH versucht man, ebenfalls wie bei den An- abolika, Muskelwachstum zu erzielen. Anabolika sind Steroidhormone, deren chemische Struktur von dem kérpereigenen Testosteron abgeleitet werden kann. Der Ausdruck Anabolika umfaBt eine Gruppe pharmakologisch wirksamer Substanzen, deren Anwendung in der Medizin nur we- nige Indikationen hat. Neben der Anwendung zu therapeutischen Zwecken werden sie vielfach im Lei- 20 stungssport benutzt. Es wird dabei versucht, durch Anabolikagaben das Muskel- wachstum Uber die normalen Trainingsreize hinaus zu stimulieren. Bei Frauen und Jugendlichen sind Anabolika ohne Zweife! wirksam, dagegen wer- den die bei Mannern beobachteten Leistungssteigerungen von Wissenschaftlern nach wie vor mit Skepsis betrachtet. Anabolika sind chemisch gesehen Steroidhormone, die mit anderen Hormonen ge- wisse Gemeinsamkeiten besitzen. Hormone werden im Kérper von inneren Driisen ausgeschieden. Sie werden mit dem Biut zu den verschiedenen Zellen transportiert, wo sie ihre Information an die Zellen bermitteIn. Die Information bewirkt eine Reaktion der Zellen, die jedoch je nach Organ unterschiedliche Auswirkungen hat. Die Wirkungen des Testosterons lassen sich mit androgen und anabol um- schreiben: Die Ausbildung der mannlichen Geschlechtsmerkmale, die vor allem in der Puber- tat bei Jugendlichen in Erscheinung tritt, und das typisch mannliche Verhalten stel- len die androgene Wirkung dar. Jedoch muB betont werden, daB eine Trennung anaboler und androgener Wirkung nur theoretische Bedeutung hat. Androgene Wirkungen in der Pubertat: . Peniswachstum . Wachstum und Entwicklung der Blaschendriisen . Wachstum und Entwicklung der Prostata . Zunehmende Kérperbehaarung . Wachstum und Musterbildung der Schambehaarung . Verdichtung und Verteilung der Gesichtsbehaarung Vertiefung der Stimme . Zunehmende Talgbildung der Talgdriisen. . Zunahme von Geschlechtstrieb und sexuellem Interesse 10. Im physischen Verhalten: Aggressivitat (beim Menschen nicht gesichert) Neben diesen rein geschlechtsbezogenen Wirkungen hat Testosteron auch anabole Wirkungen Anabole Wirkungen: . Zunahme der Skelettmuskelmasse . Zunahme der Hamoglobinkonzentration . 2unahme der roten Blutkdérperchen . Prozentuale Abnahme des Kérperfettes Kontrolle der Korperfettverteilung . Verstarkte Calciumaufnahme der Knochen Zunahme der Gesamtkérperstickstoffbilanz (positive Stickstoffbilanz) . Zunahme der Kérperbilanz verschiedener Elektrolyte. Fir medizinische Zwecke, wo nur gelegentlich eine anabole Therapie gewiinscht ist, wurde das Testosteron chemisch verdndert. Es wurden Substanzen syntheti- siert, deren anabole Wirkungen verstarkt, deren androgene Wirkungen aber redu- ziert sind, und die oral applizierbar sind. Diese Substanzen sind unter dem Namen Anabolika auf dem Markt, besitzen jedoch immer noch eine mehr oder weniger gro- Be androgene Restaktivitat. Virilisierungserscheinungen bei Frauen und Abbruch des Langenwachstums bei Jugendlichen durch vorzeitigen VerschluB der Wachs- tumsfugen sind einige der bekannten Nebeneffekte. OMAN AnAwONM | OANMaApRwON— 21 Es ist also bis heute nicht gelungen, ein Praparat herzustellen, das nur anabol wirk- sam ist und keine androgenen Wirkungen mehr aufweist! Neben den gewnschten androgenen Wirkungen sind aber auch schadliche Wir- kungen bekannt, die eine Behandlung von Athleten mit Anabolika verbieten. Welche Schaden nach langerer Anwendung von Anabolika bisher festgestellt wur- den, sei anhand einer zusammenfassenden Verdffentlichung von William N. TAYLOA (USA 1982) dargestellt. Hierzu muB aber bemerkt werden, daB je nach verwendeter Substanz diese Nebenwirkungen unterschiedlich stark (oder auch nicht) vorhanden sind, Die Schaden k6nnen in teilweise lebensbedrchliche Leberschaden und in andere Nebenwirkungen eingeteilt werden. Bei all diesen angegebenen Erkrankungen mué berticksichtigt werden, daB sie in Verbindung mit Anabolikagaben beobachtel wurden. Cb nun das jeweils applizierte Anabolikum die einzige Ursache fir die Erkrankung oder Abnormitat ist, ist oft nicht eindeutig zu entscheiden. I. Schwere Leberschdden in Verbindung mit Anabolika 1. Leberkrebs Etwa dreiBig Falle sind in der Literatur beschrieben, wo nach langer Anaboli- kabehandlung Leberkrebs diagnostiziert wurde. (Wurde nur nach oralen An- abolika beobachtet). 2. Peliosis hepatis (nicht bedrohlich) Dieses ist eine weniger bekannte Krankheit, wobei sich Blutraume im Leber- gewebe bilden. Sie wird auch in Verbindung mit Tuberkulose festgestellt. Il. Nachfolgend sind einige weitere Nebenwirkungen und abnormale Befunde auf- gelistet, die in der Literatur beschrieben wurden. Sie miBten unterteilt werden in solche, die bei Jugendlichen, bei Frauen und bei Mannern gesehen werden. . Hypertonie bzw. Bluthochdruck (fraglich} Akne . VergroBerung des Kérperfliissigkeitsvolumens . Abweichungen in den Leberfunktionstests . Psychische Stérungen (fraglich) . Veranderungen im Menstruationszyklus bei Frauen (bis Amenorrhoe) . Vergr6Berung der Klitoris . Stérungen der Libido . Anderungen im Haarwuchs bzw. Verteilungsmuster 10, Vermehrte Talgbildung in den Talgdriisen 11. Beklemmungen 12. Appetitzunahme 13. Atrophie der Testes bei Mannern 14. Gyndkomastie 15. Abnahme des Brustgewebes bei Frauen 16. Vertiefung der Stimme bei Frauen, Diese weniger starken Nebenwirkungen sind nicht lebensbedrchlich und nach Ab- setzen der Droge zum Teil reversibel, nicht aber Stimmveranderung und Klitoris- hypertrophie bei der Frau. OONMAM awh 22 Besonders zu beachten sind aber die unter Punkt 4 erwahnten abweichenden Le- berfunktionstests, die anzeigen, daB bei weiterer Behandlung mit Anabolika schwe- re Leberschaden méglich sind. Weiter wird von einer leichteren Anfalligkeit fiir Krankheiten nach Absetzen der Dro- ge berichtet. Es wurde gelegentlich beschrieben (jedoch nicht systematisch unter- sucht), daB nach Absetzen der Anabolika die Sportler anfalliger fir Verletzungen und Infektionskrankheiten sein sollen. Dieses wird u. a. mit einer Schwachung des Immunsystems erklart. Diese Ausfihrungen zeigen, daB bei der Anwendung von Anabolika mit Nebenwir- kungen zu rechnen ist, die bei langeren Einnahmezeiten der cralen, an Stellung C 17a alkylierten Anabolika sogar zu schweren Schaden bis zum Tod fihren kén- nen. Nachteilig ist, da@ die Schaden oft nicht unmittelbar mit Beginn der Anaboli- kaeinnahme auftreten bzw. direkt als Folge der Anabolikaeinnahme zu erkennen sind. Die Athleten sind deshalb geneigt, die gesundheitlichen Gefahren zu unter- schatzen. Es ist schwer verstandlich, wenn im Bereich der Umweltvergiftung Gber Toleranzgrenzen von millionstel Gramm als maximale tagliche Belastung diskutiert wird, daB im Sport jedoch so hochwirksame Stoffe wie Anabolika in Mengen bis zu 100 mg (also das 100000fache) pro Tag und Uber Monate als leistungssteigernd ge- geben werden. Niemand hat nach heutiger Kenntnis das Recht, einerseits die Ne- benwirkungen des Anabolika-Mifbrauchs zu verniedlichen, andererseits die Nebenwirkungen zu dramatisieren. Die mehr und mehr erscheinenden Berichte in der wissenschaftlichen Literatur lassen jedoch vermuten, da die Dunkelziffer der Schadigungen durch Anabolika hoch ist. 6 Blutdoping Blutdoping ist im Sinne der bisherigen Doping-Definition kein glicklicher Ausdruck, da hiermit keine pharmakologische Beeinflussung der Leistungsfahigkeit stattfin- det. Bluttransfusion ist sicher die korrekte Bezeichnung. Bereits in den 50er Jahren wurden Untersuchungen durchgefihrt, um zu priifen, ob Sluttransfusionen zu einer Verbesserung der kérperlichen Leistungsfahigkeit fiih- ren wurden. Alle Arbeiten, auBer einer schwedischen (EKBLOM, vgl. GLEDHILL), zeigten keinen leistungsférdernden Effekt. Der leistungsférdernde Effekt bei den Untersuchungen von EKBLOM dirfte darauf zuriickzufiihren gewesen sein, daB ein Ubungs- oder Trainingseffekt im Laufe der Untersuchungen eine Leistungsverbes- serung durch Bluttransfusionen vortauschte. Diese Untersuchungen wurden mit Bluttransfusionen von ca. 500 bis 600 ml durchgefihrt. In einer ausfihrlichen Zu- sammenstellung der Fachzeitschrift ,, Medicine and Science in Sports" wurde darge- legit, daB ein leistungssteigernder Effekt durch Gluttransfusionen erwartet werden kann, wenn mehr als 900 ml Btut gegeben werden. Die Angaben Uber die Lei- stungsunterschiede schwanken nicht unerheblich. Mit der Bluttransfusion wird ein ahnlicher Effekt erzeugt, wie er auch beim Héhentraining auttritt, indem sowohi das gesamte Blutvotumen als auch die Erythrozytenkonzentration gesteigert werden. Das H6hentraining bewirkt eine physiologische Vermehrung der kérpereigenen Blutmenge. Die Transfusion von eigenen oder fremden Blutkonzentrationen ist un- physiologisch und nicht ungefahrlich. 23 Zwei Méglichkeiten kénnen fir die Bluttransfusionen genutzt werden: 1. Es kann kérpereigenes Slut entnommen werden, das nach entsprechender Vor- bereitung und Aufbewahrung nach ca. 3—4 Wochen wieder infundiert wird. In der Zwischenzeit hat der Organismus den Bluiverlust durch eine vermehrte kér- pereigene Produktion von roten Blutkérperchen wieder ausgeglichen, so da8 die Riickinfusion des korpereigenen Blutes eine Vermehrung der Gesamtblutmenge bewirkt. Dieses Verfahren birgt kein besonderes Risiko in sich, falls nicht Ver- wechslungen, Verunreinigungen u. a. eine Gefahrdung herbeifihren. 2. Es kann Blut von anderen Menschen mit gleicher Blutgruppe und gleichen Blut- faktoren verwendet werden. Bei der Ubertragung von Blut anderer Menschen kann es, abgesehen von akuten Unvertraéglichkeiten, auch zur Obertragung von Krankheiten kommen, z. B. Hepatitis, Aids u. a. Beide Verfahren sind aus 4rztlich-ethischen Griinden abzulehnen, da eine Gefahr- dung des Athleten nicht ausgeschlossen werden kann. Es ist aber auch unentschie- den, ob die akute Vermehrung der Blutmenge im Organismus nicht auch eine zusatzliche Uberlastung des Herzens bewirken kann. Seit den Olympischen Spielen in Miinchen 1972 tauchen immer wieder Geriichte auf, daB Ausdauersportler sich Blut entnehmen und unmittelbar vor dem entschei- denden Wettkampf wieder infundieren lieBen. Durch die erhdéhte Sauerstofftrans- portkapazitat des Blutes, die mégliche langere Kontaktzeit im Kapillarbett und ein langeres Verweilen des Blutes in der arbeitenden Muskulatur kénnte der beobach- tete Effekt einer verbesserten Dauerleistungsfahigkeit erklart werden. Nach den Olympischen Spielen in Los Angeles wurde von den amerikanischen Radfahrern und Trainern der Tatbestand preisgegeben, daf die Radfahrer ihre Leistungsfahig- keit durch Entnahme und Reinfusion von kérpereigenem Blut verbessert hatten. Im Rahmen der Diskussion um diese unlauteren und unphysiclogischen Versuche einer Leistungssteigerung wurde von der Medizinischen Kommission des Interna- tionalen Olympischen Komitees entschieden, daB diese Mafnahmen als Doping (Blutdoping) zu betrachten und damit verboten seien, unabhadngig von dem Tatbe- stand, da zur Zeit keine analytische Methode zum Nachweis einer Bluttransfusion existiert. 7 Dopingkontrollen Zum SchluB noch ein Wort zu den Dopingkontrollen, die bei nationalen und interna- tionalen Wettbewerben stattfinden. Die Erfahrung hat gelehrt, daB z. B. anlaBlich der Olympischen Spiele 1960 in Rom und 1964 in Tokio viele Athleten massiv ge- dopl an den Start gegangen sind, besonders in einigen fiir Doping anfalligen Spor- arten. 1968 sind erstmals in Mexiko bei den Olympischen Spielen Dopingkontrollen durchgefihrt worden, jedoch war das Resultat unbefriedigend. Weniger die Praxis der Abnahme der Urinproben als die Analytik lie§ zu wiinschen Gbrig. Nach Einfith- rung der modernen analytischen Verfahren der Gas-Chromatographie und Massen- spektrometrie in die Dopinganalytik konnte sichergestellt werden, daB wissen- schaftlich abgesicherte und somit einwandfreie Analysenwerte aufgefunden wer- den. 1972, anlaBlich der Spiele der XX. Olympiade in Miinchen, wurden ersimals umfangreiche Kontrollen auf Stimulantien und Narkotika durchgezogen. 7 positive 24 Faille bei insgesamt 2079 untersuchten Proben beweisen, daB Dopingkontrollen ab- schreckend wirken. Dies ist in erster Linie auch der Sinn, den MiBbrauch von ge- sundheitsgefahrdenden Substanzen, die dartiber hinaus auch das Leistungsbild verfalschen, zu verhindern. Fur diesen abschreckenden Effekt von Dopingkontrollen lieBen sich noch sehr viele Beispiele beifiigen. Im Bereich der Stimulantien und Narkotika greifen die Kontrol- len. Problematisch ist nach wie vor die Situation bei den Anabolika, die 1976 erst- mats auf der Liste der Medizinischen Kommission des |OC fir die Olympischen Winter- und Sommerspiele in Innsbruck bzw. Montreal erschienen. Dopingkontrol- len auf Anabolika sind mdglich, denn in Montreal wurden 8 positive Falle mit Metan- dienon (Dianabol*) aufgefunden. Hiermit ist das Problem der mifbrauchlichen Verwendung von Anabolika jedoch nicht gelést. Anabolika sind , Trainings-Dopingmittel“. Sie werden in der Vorberei- tungsphase der Athleten, und was von einam medizinischen und ethischen Stand- punkt aus noch viel gravierender ist, von Athletinnen eingenommen. Rechizeitig vor einem Weitkampf abgesetzt sind die positiven Auswirkungen auf Kraft, z. T. auch auf Ausdauer, noch vorhanden. Die Nachweisbarkeit ist jedoch in Abhangigkeit von der Art des verwendeten Steroids, der Dosis und dem Applikationszeitraum nicht oder nur in Ausnahmefallen méglich. Die Folgerung aus dieser Situation ist, da6 trotz bestehender Analytik keine oder nur in Ausnahmefallen positive Falle aufge- funden werden. Die Schiudfolgerung ist, und zwar ergibl sich diese aus dem ge- samten Zusammenhang, daB Dopingkontrollen auf Anabolika am Wettkampftag fehiplaziert sind. Anabolika-Kontrollen missen in der Trainingsphase stattfinden. Die organisatorischen z. T. sportpolitischen und auch ausgesprochen politischen Schwierigkeiten sind enorm. Einen ersten Schritt in dieser Richtung hat der interna- tionale Ruderverband unternommen, der auf einer freiwilligen Basis Dopingkontrol- len auf Anabolika durchfiihren wird und an denen sich ca. 25 Nationen beteiligen wollen. Tab. 4 Internationale Freinamen der von der Medizinischen Kommission des 1OC verbote- nen Wirkstoffe — Alphabetisch geordnete Liste Acebutolol Chiormerodrin Dimetamfetamin Acetazolamid Chlorphentermin Dipipanon Alphaprodin Chlortalidon Ephedrin Alprenolol Clobenzorex Etaledrin Amfepramon Clorprenalin Etamivan Amfetaminil Clostebol Ethacrynsaure Amilorid Codein Ethoheptazin Amphetamin Colfein* Ethylmorphin Anileridin Cokain Etilamfetamin Atenolol Cropropamid** Fancamfamin Bendroflumethiazid Crolethamid** Fenelyltlin Benzphelamin Dehydrochlormethyltesto- Fenproporex Bolasteron steron Fluoxymesteron Boldenon Dextromoramid Furfenorex Bumetanid Dextropropoxyphen Furosemid Buprenorphin Diamorphin (Heroin) Hydrochlorothiazid Canrenon Dichlorphenamin Labetalol Cathin Dihydrocedein Levorphanol 25 Meclofenoxal Nadolol Phentermin Mefenorex Nalbuphin Phenylpropanclamin Mersaly! Nandroton Pipradrol Meslerclon Nikethamid Prolinian Metandienon Norethandrolon Propranolol Meétenolon Oxandrolon Propythexedrin Methadon Oxprenolol Pyrovaleron Methamphetamin Oxymesteron Sotalol Methoxyphenamin Oxymetholon Spironolacton Methylephedrin Pemolin Slanozolol Methylphenidat Pentazocin Strychnin Methyltestosleron Pentetrazol Testosteron* Metoprolol Pethidin Triamleren Morazen Phenazocin Trimeperidin Morphin Phendimetrazin * Ein positiver Dopingfall mil Coffein liegt vor, wenn die Goffeinkonzentration im Urin 12 Mikrogramm/mil ibersteigl. ** Bestandtaile von Micoren-F. 8 Literatur 1. Bestimmungen Deutscher Sportbund Doping. Pharmakologische Leistungssteigerung und Spart von Dozen Dr. Joseph KEUL. Band II der Schriftenrethe des Bundesausschusses zur Férderung des Leistungssports des Deuischen Sporibundes. Frankfurt/Main 1970. Dopingbroschiren werden seit 1972 von der Medizinischen Kommission des Internationalen Olympischen Komilees in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Organisalionskomitees der Olympischen Sommer- und Winlerspiele herausgegeben. Broschiren, die in der Regel tiber das Internationale Olympische Komitee in Lausanne zu er- halten sind, wurden 1972 fiir die Spiele Sapporo und Minchen, 1976 fur Innsbruck und Mon\- real, 1980 fdr Lake Placid und Moskau, 1984 fir Sarajevo und Los Angeles herausgegeben. Die Neuauflage fiir 1988, Calgary und Seoul, ist in Vorbereilung und ab Ende 1987 verfiigbar, 2. Nachweismethoden M. DONIKE: Analytische und pharmakokinelische Probleme des Dopingnachweises bei Hoch- leislungssportlern. Sportarzi und Sportmedizin 24 (1978), 123. M, DONIKE: Erfahrungen mil dem Stickstoffdelektor (N-FID) bei der Dopingkontrolle. Medizini- sche Technik 92 (1972), 153. M. Donike/K-R. BARWALO/K. KLOSTEAMANN/W. SCHANZER und J. ZIMMERMANN: Nachweis von exogenem Testosleron. 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