29.09.2026 | Universität
Man hat manchmal den Eindruck, nahezu alle Absolvent*innen der Deutschen Sporthochschule Köln vor der Jahrtausendwende hatten im Laufe ihres Studiums direkten Kontakt mit der Dozentin Erika Fastrich. Die Lehrerin, der Ruheständler, der emeritierte Physiologe aus Schweden: Wenn man sich als Mitarbeiter*in der Sporthochschule zu erkennen gibt, bekommt man irgendwann die Frage nach der einen Schwimmdozentin gestellt. Das mag damit zusammenhängen, dass sie vierzig Jahre lang die Rettungsschwimmausbildung, ein fester Bestandteil des Studiums, geleitet hat. Eine Vielzahl von Studierenden wurde zu sogenannten Lehrscheininhaber*innen; als studentische Hilfskräfte bildeten sie ihre Mitstudierenden im Rettungsschwimmen aus. Bei der abschließenden Prüfung griff Erika Fastrich häufig genug aktiv ein, um den Retter oder die Retterin vor massive Probleme bei den Befreiungsgriffen zu stellen. Innerhalb der DLRG nahm sie eine Vielzahl von Ehrenämtern auf Landes- und Bundesebene wahr. Die Prüfungsordnung der heutigen Schwimmabzeichen, die in den 70er-Jahren aus den Frei-, Fahrten- und Jugendschwimmabzeichen die Abzeichen Bronze, Silber und Gold mit den entsprechenden erweiterten Anforderungen entwickelte, geht auf die Kommissionsmitarbeit der ehemaligen SpoHo-Dozentin zurück.
Das Schwimmenlernen war ihr zweites wichtiges Thema. In Buchveröffentlichungen und in der Lehre an der Kölner Sportuniversität setzte sie sich intensiv mit der konkreten Unterrichtssituation auseinander. Lehrübende können von ihrer akribischen Art der Nachbesprechung berichten: Von der gerügten mangelnden Wegesicherheit aufgrund des umfangreichen Materialeinsatzes bis hin zum zu hohen Beinausschnitt des Schwimmanzugs (es wurde selbstverständlich in Schwimmbekleidung unterrichtet) – solange aber das Unterrichtsziel deutlich formuliert wurde, der Lehrweg und die Organisationsformen klar ersichtlich waren und das Lehrer*innenverhalten souverän die Unterrichtssituation bewältigte, schlug sich das auch in einer sehr guten Note nieder. Der Einsatz eines Biene-Maja-Kostüms bei der an Wieverfastelovend angesetzten Lehrprobe wurde hingegen nicht honoriert; der Kandidat musste einen zweiten Prüfungsversuch ausarbeiten.
Diese Strenge, die sowohl enge Kolleg*innen als auch die Studierenden erfahren haben, gepaart mit einem unablässigen Bemühen um die Sache bis in die Gegenwart hinein, machten Erika Fastrich zu einem Solitär der Deutschen Sporthochschule Köln. Obwohl sie stets eine deutliche Distanz wahrte, hatten viele Personen, mit denen man spricht, ein persönliches Erlebnis mit ihr, das einen deutlichen Eindruck hinterlassen hat. Dies führt offensichtlich auch nach Jahrzehnten zu der Nachfrage nach dieser einen, ganz speziellen Schwimmdozentin.
Erika Fastrich ist am 15.09.2026 im Alter von 91 Jahren verstorben.