Am 16. Dezember 2022 fand das 7. chinesisch-deutsche Forum zur Sportentwicklung online statt, das vom Institut für Europäische Sportentwicklung und Freizeitforschung zusammen mit der Pekinger Sportuniversität (BSU) organisiert wurde. Elf ausgewiesene Experten aus Deutschland und China teilten Forschungsergebnisse und diskutierten unter dem Titel „The Many Faces of Sport and Major Sporting Events: Governance, Infrastructure, Controversies and Legacies.
Nach einleitenden Worten von Jürgen Mittag, der die Tagung zusammen mit Danlin Wu moderierte gliederte sich die Tagung in drei Abschnitte:
Jubiläen und Erbe der Sporthochschulen von Köln und Peking
Aus Anlass des 75. bzw. 70. Jahrestags ihrer Gründung legten Stephan Wassong (DSHS Köln) und Shengxin Li (BSU) jeweils die historischen Wurzeln und die Entwicklung der beiden Sporthochschulen dar, die zu ihrer heutigen Größe und Funktion in der sportwissenschaftlichen Landschaft Deutschlands und Chinas führten.
Europäische und chinesische Perspektive auf Sportmegaevents
Christian Alfs (JGU Mainz) thematisierte in seinem Beitrag die Nachhaltigkeit des Fußball World Cups im Qatar anhand der Nutzung über das Megaevent hinaus und entlang der wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Dimensionen. Im Kern betonte er die überhitzte Diskussion um Arbeitsbedingungen, gab jedoch kritisch zu bedenken, dass eine langfristige Nutzung der Stadien mit der lokalen Fußballliga nicht nachhaltig gegeben ist.
Di Wu (BSU) verdeutlichte am Beispiel olympischen Winterspiele in Peking wie ein Sportmegaevent zum Ausbau des nationalen Dienstleistungssystem im Fitnesssektor genutzt wird. Die Sportanlagen, öffentlichen Infrastrukturen und Fähigkeiten sowie das kulturelle und Bildungs- und Sozialkapital gehen in eine Freizeit- und Wettkampfsportentwicklung über, die der Bevölkerung insgesamt zu Gute komme.
Jürgen Mittag (DSHS Köln) lenkte den Blick auf Sportdiplomatie im Kontext von Sportmegaevents, die in einem Spannungsverhältnis zur postulierten Autonomie und Neutralität des Sports steht. Soft Power könne allerdings auch eine positive Form der Sportdiplomatie ermöglichen, die als ‚new sport diplomacy‘ analytisch greifbar gemacht wurde.
Yuanxin Chen (Central China Normal University) präsentierte eine empirisch gesättigte Analyse der Weiternutzung von Stadien des Asia Cups. Er konnte deutlich die Herausforderungen, aber auch die positiven Möglichkeiten unterschiedlicher Nachnutzungskonzepte darstellen.
Die abschließende Paneldiskussion kreiste um die Frage nach einer geteilten Sprache oder gemeinsamen Perspektiven auf Sportmegaevents zwischen deutschen und chinesischen Wissenschaftlern, die es ermöglicht, Kontroversen zu überwinden. Die jährlich im Wechsel organisierten chinesisch-deutschen Foren bieten eine Gelegenheit, daran weiter zu arbeiten.