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  • 2026_Workshopbeschreibung_AthletInnen.pdf
    1 mentaltalent-Workshops In unseren Workshops werden sportpsychologische Themen verständlich und alltagsnah besprochen. Ein:e sportpsycholgische:r Expert:in leitet den Workshop, an dem du mit deinem Team oder deiner Trainingsgruppe (peer groups) teilnimmst. Ihr tauscht eure Erfahrungen aus und du lernst, wie du sportpsychologische Methoden im (Trainings-)Alltag und bei Wettkämpfen anwenden kannst. Zu diesen Themen gibt es mentaltalent-Workshops: Alle Workshops werden von mentaltalent entwickelt. Workshops zu aktuellen Themen und dem akuten Bedarf entsprechend erarbeiten wir unter anderem mit der Sportstiftung NRW, Trainer:innen und natürlich euch Athlet:innen. 2 Kurzbeschreibungen der mentaltalent-Workshops Modul 1: Motivation, Emotion, Stress Motivation und Zielsetzung Was motiviert mich und wie kann ich mich am besten selbst motivieren, um meine Ziele zu erreichen? In diesem Workshop erfährst du, welche Rolle Motivation und Zielsetzungen im Sport spielen und wie sich diese auf deine sportliche Leistungsfähigkeit auswirken. Durch den aktiven Austausch mit anderen Athlet:innen bekommst du die Möglichkeit, deine persönlichen Motivationsstrategien zu identifizieren, zu reflektieren und weiterzuentwickeln. Anhand von Praxisbeispielen bereitest du dich darauf vor, diese Strategien auch in herausfordernden Situationen gezielt anzuwenden. Darüber hinaus lernst du, dir persönliche Ziele zu setzen und diese strukturiert zu verfolgen. Stress & Erholung Stress muss nicht immer etwas Negatives sein. Positiver Stress kann Menschen über sich hinauswachsen lassen und ungeahnte Kräfte freisetzen. Im Gegenteil dazu ist dauerhafter Stress im Alltag ein echter Energie- und Zeitfresser. Dann wiederum kann Stress als Zeichen von Überlastung gedeutet und dazu genutzt werden, Verhaltensweisen zu überdenken und Routinen anzupassen. Dazu sammeln und diskutieren wir in diesem Workshop Situationen, in denen ihr als Athlet:innen Stress im Alltag zwischen Sport, Schule und Freizeit empfindet. Gemeinsam erarbeiten wir, was es für euch heißt „gestresst zu sein“ und wie sich Stress anfühlt. Ihr lernt, Stressoren bzw. stressige Situationen zu erkennen. Darauf aufbauend erarbeiten wir mögliche Strategien und besprechen Verhaltensweisen, mit denen Stress bewältigt oder sogar vermieden werden kann. Entspannungstraining Tägliches Training und regelmäßige Wettkämpfe in Kombination mit Schule, und Freizeitaktivitäten lassen oft wenig Zeit für Entspannung. Um das zu ändern überlegen wir in diesem Workshop gemeinsam, in welchen alltäglichen Situationen sich Gelegenheiten zur Entspannung bieten können. Wir zeigen euch verschiedene Entspannungstechniken und prüfen, welche davon in deinen Alltag als Athlet:in passen. Wie sich Entspannen anfühlen kann, testen wir gemeinsam anhand verschiedener Methoden, denn auch das Entspannen erfordert Übung. 3 Modul 2: Leisten unter Druck Umgang mit Kritik „Kritik muss nicht immer negativ sein.“ Diesen Satz hast du sicherlich schon öfters gehört. Aber wie kritisiert man so, dass die andere Person davon profitieren kann? Und wie gehe ich selbst mit gut gemeinter Kritik um? Diesen Fragen gehen wir gemeinsam auf den Grund. Wir erarbeiten Strategien zum angemessenen Geben und Annehmen von Kritik. Mit praktischen Beispielen üben wir, uns gegenseitig zuzuhören und kritische Worte „richtig zu verpacken“. Ein weiteres Ziel des Workshops ist es, die eigene Meinung bzw. Feedback fair und verständlich mitzuteilen. Gleichzeitig geht es in diesem Workshop um deinen Umgang mit und das offene Annehmen von Kritik. Mit der gemeinsamen Sammlung von Tipps und Tricks könnt ihr euren Umgang mit Freund:innen, im Team und mit Trainer:innen verbessern. Umgang mit Fehlern Gewinnen macht mehr Spaß als Verlieren – das ist klar. Gerade als Sportler:in kannst du eine Niederlage aber auch immer als Entwicklungschance sehen, denn auch aus Fehlern lernt man. In unserem Workshop erfährst du, wie du aus einem persönlichen Misserfolg die richtigen Schlüsse ziehen kannst. Dazu sammeln und analysieren wir gemeinsam Beispiele für Fehler, die für eure Sportart typisch sind, und beschäftigen uns mit möglichen Reaktionen auf diese Fehler. Auf Basis der Ergebnisse erarbeiten wir zusammen eine Strategie, wie ihr konstruktiv mit Fehlern umgehen könnt. Außerdem üben wir nützliche Techniken wie „Gedankenstopps“ und Methoden der Gesprächsregulation. Diese Tricks helfen euch, mit Misserfolgen umzugehen und gestärkt daraus hervorzugehen. Gute Leistung unter Druck Das angespannte Gefühl kurz vor dem Startblock oder in der Umkleidekabine vor dem entscheidenden Spiel ist oft kaum zum Aushalten. Denn auf den Punkt Bestleistungen erbringen zu müssen – das ist nicht immer leicht. Gemeinsam besprechen wir eure bisherigen Erfahrungen und Lösungsstrategien für solche Drucksituationen. Was tut ihr, um in solchen Situationen das richtige Maß von Aktivierung und Konzentration zu finden? In diesem Workshop lernst du, wie du es schaffen kannst, deine beste Leistung auf den Punkt abzurufen. 4 Wettkampfangst Mit Ängsten und fehlendem Selbstvertrauen alleine umzugehen ist nicht unbedingt leicht. Deshalb nutzen wir den Austausch in der Workshop-Gruppe und ihr lernt, wie andere Athlet:innen in Drucksituationen (z.B. im Wettkampf) selbstbewusst und optimistisch bleiben. Wir besprechen gemeinsam, wie sich Angst vor einem Wettkampf anfühlt und an welchen Stellschrauben ihr in diesen Drucksituationen drehen könnt, um fokussiert zu bleiben. Zusammen sammeln wir Maßnahmen zur Stärkung des Selbstbewusstseins, die du direkt beim nächsten Wettkampf anwenden kannst. 5 Modul 3: Life & Sport Skills Entscheidung Leistungssportkarriere Der Traum von einer erfolgreichen Karriere als Leistungssportler:in kann sehr schön sein. So schön wie Gedanken an das Siegen und neue Bestleistungen sein können, so belastend kann der Gedanke an tägliches Training an der Belastungsgrenze sein und an das, was andere in ihrer Freizeit erleben und du gerade verpasst. In diesem Workshop besprechen wir die guten und schlechten Seiten der Karriere als Leistungssportler:in. Wir besprechen außerdem, welche Eigenschaften ein:e Leistungssportler:in braucht. Jede:r von euch erhält daraufhin die Chance, sich mit der eigenen Einstellung zum Leben als Leistungssportler:in auseinander zu setzen. Zudem zeigen wir euch, woher ihr Unterstützung für die Karriere als Leistungssportler:innen erhalten könnt. Mit diesen Informationen kannst du eine eigene und überlegte Entscheidung für oder gegen eine Karriere im Leistungssport treffen. Zeitmanagement & Energiebilanz Jede:r Athlet:in weiß aus eigener Erfahrung, wie viel Zeit und Disziplin man als Leistungssportler:in aufbringen muss. Auch dein Tag hat nur 24 Stunden, die bestmöglich genutzt werden wollen. Gemeinsam erarbeiten wir in diesem Workshop Strategien, um deinen Tagesablauf besser zu strukturieren, freie Zeiten sinnvoll zu nutzen und um mehr Zeit zum Aufladen des eigenen Akkus zu schaffen. Mit den gezeigten Strategien kannst du dir selbst mehr Zeit schaffen und kräftezehrenden Stress im Alltag vermeiden. Mentales Techniktraining (Mentales Training) Die richtige Technik kann über Sieg oder Niederlage entscheiden, das weißt du sicherlich schon aus Erfahrung. Deshalb werden Bewegungsabläufe im Training bis zum Abwinken analysiert, trainiert und optimiert. Du kannst deine Technik aber nicht nur durch die Bewegung selbst, sondern auch durch das „mentale Durchspielen“ bestimmter Bewegungsabläufe verbessern. Diese Methode ermöglicht die Fokussierung auf die Bewegung und kann sogar vor Wettkämpfen dazu führen, dass du dich weniger nervös fühlst. Der positive Einfluss von mentalem Training zeigt sich somit nicht nur in der verbesserten sportlichen Leistung, sondern wirkt sich auch positiv auf die psychische Gesundheit und deine Persönlichkeit aus. In diesem Workshop trainieren wir gemeinsam „mental“ und analysieren, unter welchen Bedingungen mentales Training für dich am besten funktioniert. 6 Modul 4: Selbstvertrauen Problemgespräche Nicht immer sind Sportler:in und Trainer:in einer Meinung. In solchen Situationen ist es wichtig, die eigene Wahrnehmung bzw. Meinung – zum Beispiel das Gefühl, zu Unrecht kritisiert oder unfair behandelt zu werden – so zu kommunizieren, dass ein lösungsorientiertes Gespräch entstehen kann. In diesem Workshop sammeln wir eure Erfahrungen mit Konfliktsituationen und machen uns klar, welche Emotionen solche Situationen in uns hervorrufen und wie wir damit umgehen. Durch das Durchspielen euch bekannter Konfliktsituationen erarbeiten wir ein gemeinsames Verständnis für hilfreiche Verhaltensweisen. Der Workshop hilft euch dabei, in zukünftigen Konfliktsituationen bewusst, (selbst-)bestimmt und der Situation angemessen zu reagieren. Körpersprache Die Körpersprache spielt in vielen Sportarten eine entscheidende Rolle. Mit der eigenen Körpersprache können wir unsere Konkurrent:innen oder die gegnerische Mannschaft ganz ohne Worte beeinflussen. Auch deine eigene Gefühlslage kannst du durch eine selbstbewusste Körperhaltung oder einen glücklichen Gesichtsausdruck positiv beeinflussen. Wie man die Körpersprache anderer Sportler:innen interpretieren sowie die eigene Körpersprache bewusst einsetzen kann, erarbeiten wir in diesem Workshop interaktiv. Als Grundlage dazu werden die Zusammenhänge von Emotionen, Körpersprache und dem eigenen Selbstbewusstsein analysiert und reflektiert. Kommunikation „Man kann nicht nicht kommunizieren“. Diesen Spruch hast du vielleicht auch schon mal gehört. Besonders in Mannschaften spielen Absprachen und der Austausch von Meinungen zwischen den einzelnen Mitgliedern der Mannschaft aber auch zwischen der Mannschaft und der:m Trainer:in eine zentrale Rolle. Auch als Individualsportler:in trainierst du in Gruppen und kommunizierst täglich mit Trainer:innen und Trainingspartner:innen. Gute Kommunikation ermöglicht gute Leistungen. Präzise Anweisungen im Training sorgen für effektive Einheiten. Ein gutes Klima in der Trainingsgruppe spiegelt sich oft in Form von Motivation und Spaß beim Training wider. Deshalb erarbeiten wir in diesem Workshop, was gute Kommunikationsstrategien sind und wie ihr diese im Alltag anwenden könnt. 7 Modul 5: Team & Identität Das Team & Ich „Alleine ist man stark, gemeinsam unschlagbar“. Damit Letzteres auch für eure Mannschaft gilt, schauen wir in diesem Workshop, was euch zusammenschweißt und welche Stärken jede:n Einzelne:n von euch ausmachen. Wir erarbeiten gemeinsame Faktoren, die euer Team auszeichnen und besonders machen. Gleichzeitig überlegen wir, über welche individuellen Stärken eure Mannschaft verfügt. Wer trägt was und was trägst du zum erfolgreichen Funktionieren der Mannschaft bei? Ziel des Workshops ist die Stärkung der Eingebundenheit jedes:r Einzelnen in die Mannschaft. Wir erarbeiten eine gemeinsame Team-Identifikation, ohne dabei die Qualitäten der einzelnen Teammitglieder zu vernachlässigen. Stark im Team „Gemeinsam sind wir stark!“ Dieser Leitsatz gilt in Teams mit einem guten Zusammenhalt. Zusammenhalt und der gemeinsame Glaube an das Team wirken sich positiv auf die Leistung einer Mannschaft aus. Durch den Glauben an eure Mannschaft schafft ihr es, eure Ziele trotz Hindernisse zu erreichen. Um den Zusammenhalt eurer Mannschaft zu stärken, erarbeiten wir in diesem Workshop Methoden, die eurer Mannschaft bei der Entwicklung eines gemeinsamen Teamgeists helfen. Teamleistung & Toleranz Ein gutes Team braucht verschiedene Spieler:innen, die sich unterschiedlich verhalten, über sich ergänzende Stärken verfügen und sich gegenseitig respektieren. In diesem Workshop tragt ihr Faktoren zusammen, die ein erfolgreiches Team ausmachen. Wir prüfen gemeinsam, aus welchen verschiedenen Spieler-/Sporttypen eure Mannschaft besteht. Außerdem besprechen wir im Team, wer bei euch welche Rolle – auch außerhalb des Spielfelds – einnimmt. Bei allen Überlegungen haben wir immer das Ziel, den Zusammenhalt in eurer Mannschaft zu verbessern und offen und rücksichtsvoll miteinander umzugehen. Denn es ist klar, jedes Mitglied einer Mannschaft hat ihre/seine eigenen Stärken ohne die das Team nicht funktionieren kann. 8 Zusätzliche Workshop-Themen Selbstgesprächsregulation Ermunternde Selbstgespräche im Sport sind schon lange keine Seltenheit mehr. Besonders in Situationen wie kurz vor dem Start, dem Anlauf oder vor einem entscheidenden Spiel kann ein effektives Selbstgespräch die eigene Leistung positiv beeinflussen. Wie das funktioniert und welche Technik für euch in entscheidenden Situationen die richtige ist, besprechen und testen wir in diesem Workshop. Gleichzeitig erarbeiten wir Methoden, um negative Selbstgespräche zu erkennen und ihnen positiv entgegenzuwirken. Umgang mit Heimweh Der Umzug in ein Sportinternat bringt viele Veränderungen mit sich. Ein neuer Wohnort und die damit verbundene räumliche Trennung von den Eltern, neue Freund:innen und Trainer:innen, eine andere Schule mit anderen Lehrer:innen: mit so vielen Veränderungen umzugehen, ist nicht immer leicht. In diesem Workshop lernst du mit diesen Veränderungen und vor allem mit Heimweh besser umzugehen. Gemeinsam überlegen wir auch, welche Vorteile und Chancen der Wechsel ins Internat für dich und deinen Sport hat. Konzentration Zuschauer:innen, Gegner:innen, die Atmosphäre der Wettkampfstätte und nicht zuletzt die eigenen Gedanken über Erfolg oder Misserfolg – im Wettkampf gibt es viele Dinge, die dich ablenken können. In diesem Workshop lernst du, deine Aufmerksamkeit im Training und Wettkampf bewusst zu steuern und dich auf das Abrufen deiner Leistung zu fokussieren. Wir entwickeln Strategien, um deinen Aufmerksamkeitsfokus zu optimieren. Diese Strategien testen wir mit Konzentrationstests. Umgang mit Erfolg und Misserfolg Als Athlet:in sind Erfolge aber auch Misserfolge Bestandteil deines sportlichen Alltags. Diese (Miss-)Erfolge wirken sich auf deine Gedanken und auch deine Handlungen und damit deine sportlichen Leistungen aus. In diesem Workshop lernst du, dass auch Misserfolge positive Auswirkungen haben können (z.B. die Motivation, es beim nächsten Mal besser zu machen). Wir besprechen auch, wie sich Erfolge negativ auswirken können, wenn sie zum Beispiel zu Leistungsdruck führen. Zusammen mit der:dem Workshopleiter:in erarbeitet ihr Möglichkeiten, mit (Miss-)Erfolgen umzugehen. 9 Regenerationsmanagement In diesem Workshop geht es um die Bedeutung von Regeneration für deinen Alltag zwischen Leistungssport und Schule. Gemeinsam erarbeiten wir Strategien, um deine Leistungsfähigkeit in Schule und Sport zu steigern. Wir rekonstruieren und analysieren dein Energieniveau im Tagesverlauf und überlegen in der Gruppe, wie man sowohl im Training als auch in der Schule gewünschte und geforderte Leistungen erbringen kann. Um euch einen Ausgleich zwischen Sport und Schule und Erholung zu ermöglichen, lernt ihr, wie ihr zusätzliche Stressfaktoren vermeiden und Entspannungs- & Erholungsverfahren individuell einsetzten könnt. Selbstwirksamkeit Der Workshop zur Selbstwirksamkeit gliedert sich in die folgenden Abschnitte und Inhalte: Bisherige Erfolge und eigene Stärken: Erinnerst du dich an eine Situation, in der du sehr zufrieden mit deiner Leistung warst? Durch die Erinnerungen an sportliche Erfolge überlegen wir gemeinsam, welche sportlichen und persönlichen Stärken du alleine aber auch die Mannschaft gemeinsam beigetragen haben. So könnt ihr in zukünftigen Wettkampfsituationen besser auf diese Stärken zurückgreifen. Stellvertretende Leistungen: Wir schauen uns das Verhalten eurer sportlichen Vorbilder („Stellvertreter:in“) und deren positiven Umgang mit euch bekannten Situationen an. Anschließend schauen wir, wie auch ihr es schafften könnt, euch vorbildlich zu verhalten. Spezifische Situation: Eine hohe Führung, ein Platzverweis, ein:e starke:r Gegner:in im entscheidenden Rennen oder ein schwieriges Element, das zum ersten Mal im Wettkampf gezeigt werden soll: es gibt viele Situationen, in denen Selbstwirksamkeit eine große Rolle spielt. Gemeinsam denken wir spezifische Situationen durch und beobachten eure Reaktionen – alleine und in der Mannschaft. Dann überlegen wir gemeinsam, wie ihr in Zukunft selbstwirksam auf solche Reaktionen reagieren könnt. Mentale Wettkampfvorbereitung Eine gute Vorbereitung ist der Schlüssel zum sportlichen Erfolg. Dazu zählt die Wettkampfvorbereitung durch das Training, die praktische Vorbereitung auf den Wettkampf am Tag selbst (z.B. ausreichend Schlaf und eine passende Ernährung.) und auch die mentale Vorbereitung auf das Erbringen von Bestleistungen. In diesem Workshop reflektieren wir über eure Vorbereitungsroutinen, die es euch ermöglichen, beruhigt und fokussiert an den Start zu gehen und wir entwickeln individuelle Vorbereitungsroutine für eine optimale mentale Wettkampfvorbereitung. 10 Bewusster Umgang mit Social Media Digitale Kommunikation und die Sozialen Medien sind genauso wie das Training feste Bestandteile des Alltags. Jeden Tag beeinflussen Nachrichten und Posts, digitale Aktionen und Reaktionen eure Stimmung und auch das Verhalten. Deswegen ist es wichtig, Social Media Kanäle positiv einzusetzen und bewusst mit ihnen umzugehen. In diesem Workshop lernst du, erfolgreich digital zu kommunizieren. Wir schauen uns an, welche Inhalte sich positiv auf dich, deine sportliche und schulische Leistungsfähigkeit auswirken. Außerdem geht es darum, negative Medien-Einflüsse zu erkennen und ihnen bewusst zu entfolgen. Durch einen besseren Umgang mit Social Media lernst du dich selbst besser kennen und kannst darauf basierend entscheiden, was du deinen Followern von dir zeigen möchtest und wie du dich online präsentierst. Selbstmitgefühl In diesem Workshop geht es darum, wie du dir selbst in schwierigen Momenten im Sport mit mehr Freundlichkeit und Verständnis begegnen kannst. Denn oft sind wir unsere größten Kritiker – besonders, wenn etwas nicht läuft, wie wir es uns wünschen. Statt dich bei Rückschlägen oder Fehlern hart zu kritisieren, zeigst du dir Mitgefühl, so wie du es bei einem guten Freund tun würdest. Du wirst entdecken, wie wichtig es ist, freundlich zu dir selbst zu sein, wenn etwas nicht klappt. Du erfährst, dass es völlig normal ist, mal zu scheitern oder sich herausgefordert zu fühlen, weil jeder Mensch solche Momente hat. Und du wirst lernen, deine Gedanken und Gefühle mit Achtsamkeit zu beobachten, ohne sie sofort zu bewerten. Mit einfachen Übungen wirst du lernen, wie Selbstmitgefühl dir hilft auch in stressigen Momenten fokussiert und motiviert zu bleiben und dich selbst als starke Unterstützung zu sehen. 11 Athlet:innen for future In diesem Workshop geht es um dich und die Herausforderungen, die du als Athlet:in erlebst. Der Leistungssport verlangt nicht nur körperlichen Einsatz, sondern auch mentale Stärke und eine gute Balance zwischen Training, Wettkämpfen, Schule oder Beruf. Dabei spielt der Umgang mit Stress, Selbstvertrauen im Wettkampf und die richtige Unterstützung eine entscheidende Rolle. Du lernst, wie du deine mentale Stärke gezielt aufbaust und welche Strategien dir helfen, Belastungen besser zu bewältigen. Zudem erhältst du wertvolle Impulse zu den Themen Wohlbefinden, Gleichberechtigung im Sport und der Vereinbarkeit von Leistungssport und Alltag. Doch nicht nur du als Athlet:in kannst etwas für deine mentale und körperliche Gesundheit tun - auch die Strukturen im Sport müssen sich verbessern. Ein Screening der psychischen Gesundheit, mehr psychosoziale Hilfsangebote und eine zentrale Plattform für Unterstützungsangebote sind entscheidend, um den Leistungssport nachhaltiger und gesünder zu gestalten. Neben praxisnahen Tipps bietet der Workshop die Möglichkeit, dich in einem Safe Space mit anderen Athlet:innen auszutauschen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Ziel ist es, dich nachhaltig zu stärken - für eine erfolgreiche und gesunde Karriere im Sport.

  • 2026_Workshopbeschreibung_TrainerInnen.pdf
    1 mentaltalent-Workshops In den mentaltalent-Workshops werden sportpsychologische Themen alltagsnah und in interaktivem Austausch in Kleingruppen (peer groups) erarbeitet. Der:die leitende sportpsychologische Expert:in vermittelt Basiskompetenzen und anwendungsnahe sportpsychologische Techniken und Strategien. Durch den Austausch von Erfahrungen und die beispielhafte Übung werden die Techniken verinnerlicht und können später eigenständig im Training, Wettkampf und Alltag angewendet werden. Zu diesen Themen werden mentaltalent-Workshops angeboten: Alle Workshops werden von mentaltalent entwickelt. Workshops zu aktuellen Themen und dem akuten Bedarf entsprechend erarbeiten wir unter anderem mit der Sportstiftung NRW, Trainer:innen sowie Athlet:innen. 2 Kurzbeschreibungen der mentaltalent-Workshops Modul 1: Motivation, Emotion, Stress Motivation und Zielsetzung In diesem Workshop wird ein Grundverständnis darüber vermittelt, was Motivation und Motivierung im Sport bedeuten. Ebenso wird die Unterscheidung in Über- und Untermotivation deutlich gemacht. Die Athlet:innen reflektieren ihre eigenen Motivationsstrategien und tauschen sich über ihre individuellen Erfahrungen aus. Außerdem wird herausgearbeitet, welche Probleme in der praktischen Umsetzung der Strategien auftreten können. Den Sportler:innen werden Zielsetzungs- und Zielstrukturierungs- Strategien (z.B. kurz-, mittel- und langfristig) vermittelt. Diese werden von den Athlet:innen angewandt. Stress & Erholung Der Workshop vermittelt, wie Stress entsteht und welche Folgen Stress haben kann. Stress wird nicht „per se“ negativ, sondern als Belastung für den Organismus dargestellt, die eine Anpassung erfordert. Die Athlet:innen tauschen sich über ihre individuellen Erfahrungen mit Stress, Auswirkungen von Stress und ihr Erholungs- und Stressbewältigungsverhalten aus. Der:die Workshopleiter:in stellt Möglichkeiten zur Erfassung der eigenen „Energiebilanz“ vor. Er:Sie vermittelt verschiedene Entspannungs- und Erholungsverfahren. Diese werden exemplarisch erprobt. Außerdem wird die Bedeutung eines optimalen Zeitmanagements betont. Entspannungstraining In diesem Workshop werden verschiedene Entspannungsverfahren grundlegend vermittelt. Diese Entspannungsverfahren werden für die Anwendung in Training und Wettkampf anwendbar gemacht. Auf dieser Grundlage können die Athlet:innen für sich geeignete Techniken auswählen und vertiefend erlernen. Unter den vorgestellten Methoden sind das autogene Training, progressive Muskelrelaxation, Ruhebild, Atementspannung oder Traumreisen. 3 Modul 2: Leisten unter Druck Umgang mit Kritik In diesem Workshop wird gemeinsam herausgearbeitet, was Kritik ist und warum Kritik geübt wird. Entsprechend des Kommunikationsmodells nach Schulz von Thun (1981; „Vier-Ohren-Modell“) analysieren die Teilnehmer:innen praxisnahe Gesprächssituationen. Dabei nehmen sie sowohl die Perspektiven des Senders als auch des Empfängers ein. Die Mehrdeutigkeit von Nachrichten wird herausgestellt. Es wird herausgearbeitet, dass besonders das Beziehungsohr bei Kritik „ausgeschaltet“ werden soll. Strategien zur optimalen Kommunikationskultur werden exemplarisch erprobt (z.B. aktives Zuhören, Sandwichtechnik). Umgang mit Fehlern In diesem Workshop werden die Athlet:innen dafür sensibilisiert, dass Fehler grundsätzlich zum sportlichen Handeln dazu gehören und als Entwicklungschance zu begreifen sind. Typische Fehler (in der jeweiligen Sportart) und typische Rektionen werden gesammelt. Es werden Strategien erarbeitet, wie mit diesen Fehlern auf konstruktive Art und Weise umzugehen ist. Techniken des „Gedankenstopps“ und der Gesprächsregulation werden erprobt. Gute Leistung unter Druck Die Teilnehmer:innen erfahren, welche körperlichen und psychischen Folgen Druck im Sport auslösen kann. Der Austausch über individuelle Erfahrungen der Teilnehmer:innen mit Drucksituationen wird angeregt. Der Zusammenhang zwischen Aktivierung/Nervosität und Leistung wird verdeutlicht. Der:Die Workshopleiter:in veranschaulicht Möglichkeiten zur Aktivierungsregulation. Verschiedene Entspannungsverfahren (z.B. progressive Muskelrelaxation, Visualisierung einer Ruhefarbe) werden exemplarisch erprobt. Wettkampfangst Das Phänomen Wettkampfangst sowie seine Entstehung und Ausprägung werden inhaltlich definiert. Außerdem wird der Einfluss von (Wettkampf-)Angst auf mentale, körperliche Vorgänge und allgemeine Verhaltensweisen betrachtet. Die Verbindung zur sportlichen Leistungsbeeinträchtigung und der Unterschied zwischen Angst und körperlicher Aktivierung werden herausgearbeitet. Das (sportbezogene) Selbstvertrauen wird als positive „Stellschraube“ gegen Wettkampfangst verdeutlicht. Es werden verschiedene Maßnahmen zur Stärkung des Selbstvertrauens vorgestellt und mit Arbeitsblättern konkretisiert. 4 Modul 3: Life & Sport Skills Entscheidung Leistungssportkarriere Die Teilnehmer:innen lernen eine eigenständige Entscheidung für oder gegen eine Karriere im Leistungssport zu treffen. Dazu werden Vor- und Nachteile einer Karriere im Leistungssport sowie Möglichkeiten zur Karriereförderung diskutiert. Außerdem werden positive sowie negative Konsequenzen der Entscheidung abgewogen. Die Teilnehmer:innen sammeln Eigenschaften, die ein:e Leistungssportler:in haben sollte. Darauf basierend schätzen sie ihre eigene Übereinstimmung mit diesen Eigenschaften ein. Ergänzend reflektieren die Teilnehmer:innen die Einstellung von ihnen wichtigen Personen zum Leistungssport. Die Beeinflussung der eigenen Entscheidung von außen wird reflektiert. Zeitmanagement & Energiebilanz In diesem Workshop wird der Tagesablauf der Teilnehmer:innen untersucht. Es wird ermittelt, welche Tätigkeiten Energie liefern bzw. Energie verbrauchen. Daraus wird die individuelle Energiebilanz abgeleitet. Die Energiebilanz weist darauf hin, ob die Athlet:innen weitere Dinge erledigen können (bei positiver Energiebilanz) oder über ihre eigenen Kräfte hinaus arbeiten (bei negativer Energiebilanz). Die Teilnehmer:innen tauschen sich über Strategien aus, die das Energielevel erhöhen können. Der:die Workshopleiter:in veranschaulicht verschiedene Möglichkeiten zum Anpassen der Energiebilanz (z.B. Zeitmanagement nach dem Eisenhower-Prinzip). Mentales Techniktraining (Mentales Training) Der Workshop vermittelt das Mentale Training. Dieses zielt auf die Optimierung von sportspezifischen Bewegungsabläufen ab. Indem die Athlet:innen lernen, sich auf Bewegungen und Techniken zu konzentrieren, können unnötige wettkampfbegleitende Aufregung und Stress reduziert werden. Mentales Training wirkt daher mittelbar positiv auf die psychische Gesundheit der Sportler:innen. Das enge Zusammenspiel von Leistung, Persönlichkeitsentwicklung und psychischer Gesundheit wird deutlich. Im Workshop werden verschiedene Methoden des Mentalen Trainings vorgestellt. Daraufhin erproben die Athlet:innen, wie sie die Methoden anwenden und welche Methode sich für die individuelle Anwendung im Alltag eignet. 5 Modul 4: Selbstvertrauen Problemgespräche Die Teilnehmer:innen erarbeiten, wie sie konstruktive „Problemgespräche“ (z.B. mit dem:der Trainer:in) führen. Anhand von konkreten Beispielen für Sportler-Trainer-Konflikte sammeln die Teilnehmer:innen eigene Situationen, in denen sie sich ungerecht behandelt oder zu Unrecht kritisiert gefühlt haben. Sie reflektieren ihre Emotionen und es wird erarbeitet, welche Handlungsmöglichkeiten in solchen Situationen bestehen. Diese werden in einer interaktiven Übungseinheit exemplarisch angewendet. Durch das Einnehmen unterschiedlicher Rollen nehmen die Athlet:innen einen Perspektivwechsel vor. Anschließend werden Vor- und Nachteile der Handlungsoptionen sowie die Wahrnehmung des Gesprächs aus beiden Perspektiven diskutiert. Körpersprache Die Teilnehmer:innen lernen, welchen Einfluss die eigene Körpersprache auf andere Sportler:innen, aber auch auf sie selbst hat. Durch interaktive Übungseinheiten werden unterschiedliche Beispiele für nonverbalen Ausdruck verdeutlicht. Die Athlet:innen reflektieren, welche Wirkung unterschiedliche Arten von Körpersprache haben kann. Gemeinsam werden Strategien zur Stärkung des eigenen Selbstbewusstseins gesammelt. Das gegenseitige Aufschreiben von Stärken fördert außerdem das Selbstvertrauen. Kommunikation Die Kommunikation zwischen Mannschaftsmitgliedern ist ein wichtiger Faktor, der die Leistungsfähigkeit einer Mannschaft maßgeblich beeinflusst. In diesem Workshop erarbeiten die Teilnehmer:innen Faktoren guter Kommunikation in der Mannschaft. Sie lernen die eigene Kommunikation positiv zu verändern. Anhand verschiedener Aufgaben veranschaulicht der:die Workshopleiter:in die zentrale Rolle von Kommunikation. Gemeinsam werden verschiedene Kommunikationsstrategien angewandt und bewertet. 6 Modul 5: Team & Identität Das Team & Ich In diesem Workshop werden gemeinsame sowie individuelle Stärken der Mannschaft herausgearbeitet. Die Wichtigkeit der Integration jedes Mitglieds in die Mannschaft wird betont. Die Teilnehmer:innen erarbeiten gemeinsame Attribute, die alle Mitglieder verbinden, und die jede:n Sportler:in in der Mannschaft einzigartig machen. Stark im Team „Gemeinsam sind wir stark!“ Dieser Leitsatz gilt in Teams mit einem guten Zusammenhalt. Zusammenhalt und der gemeinsame Glaube an das Team wirken sich positiv auf die Leistung einer Mannschaft aus. Mit dem Workshop wird der gemeinsame Glaube an das Erreichen von Zielen (trotz möglicher Schwierigkeiten) gestärkt. Der:die Workshopleiter:in gibt den Athlet:innen unterstützende Teambuilding-Tools an die Hand, um den Zusammenhalt der Mannschaft zu stärken. Teamleistung & Toleranz In diesem Workshop zur Verbesserung der Teamleistung sammeln die Teilnehmer:innen Faktoren, die zu erfolgreichem Teamwork und Toleranz innerhalb des Teams beitragen. Es wird erarbeitet, dass erfolgreiche Teams aus verschiedenen Spielertypen zusammengesetzt sind. Um die positive Wahrnehmung von Verschiedenheit bewusst zu stärken wird interaktiv erarbeitet, worin sich die einzelnen Spieler:innen auch außerhalb des Sports unterscheiden. Die Teilnehmer:innen erarbeiten, wie sie trotz oder gerade aufgrund der individuellen Unterschiede einen guten Mannschaftszusammenhalt erreicht. Ein gemeinsames und motivierendes „Teambild oder -symbol“ wird erstellt. 7 Zusätzliche Workshop-Themen Selbstgesprächsregulation Zunächst werden die Teilnehmer:innen für das Thema Selbstgespräch und dessen Anwendung im Leistungssport sensibilisiert. Die Teilnehmer:innen reflektieren ihr eigenes Selbstgesprächsverhalten und dessen Auswirkung auf die eigene Leistungsfähigkeit. Aufbauend auf den Austausch von Erfahrungen werden neue Impulse gegeben. So erfahren die Athlet:innen zum Beispiel wie sie positive Selbstgesprächen positive entgegnen können und lernen das Prinzip der „Self-fulfilling prophecy“ kennen. Umgang mit Heimweh Der Umzug in ein Sportinternat ist für viele Athlet:innen ein bedeutsamer Schritt, um ihre Leistungssportkarriere zu verfolgen. Durch die räumlichen Veränderungen bieten sich den Athlet:innen optimale Trainingsbedingungen. Gleichzeitig kann die Veränderung Schwierigkeiten wie z.B. Heimweh mit sich bringen. Zum guten Umgang mit Heimweh werden in diesem Workshop Tipps und Tricks erarbeitet. Durch den Workshop werden die Vorteile des Wechsels zum Internat in sportlicher und persönlicher Hinsicht fokussiert. Der Austausch und die Anleitung durch den:die Workshopleiter:in ermöglichen das Erarbeiten eigener Strategien zum besseren Umgang mit Heimweh. Konzentration im Sport Der Workshop beginnt mit der Erarbeitung eins gemeinsamen Verständnisses von Konzentration inkl. eines Konzentrationstests. Die Athlet:innen lernen verschiedene Möglichkeiten der Aufmerksamkeitssteuerung im Training und Wettkampf kennen. Im Anschluss entwickeln und testen die Teilnehmer:innen Strategien, um einen optimalen Aufmerksamkeitsfokus für das eigene Training und den Wettkampf zu erlangen. Hierbei steht der:die Workshopleiter:in beratend zur Seite. Die Effektivität der Strategien werden durch einen erneuten Konzentrationstest überprüft. 8 Umgang mit Erfolg und Misserfolg (Miss-)Erfolge sind ein nahezu alltäglicher Bestandteil des Alltags von Nachwuchssportler:innen. Erfolg sowie Misserfolg beeinflussen die Gedanken und können Verhaltens- sowie Einstellungsänderungen bedingen. Dabei kann sich Misserfolg positiv auswirken (z.B. verstärkte Motivation), wie sich auch Erfolg negativ auf das Verhalten und die Gedanken der Athlet:innen auswirken kann (z.B. verstärkter Leistungsdruck). Erlebte Auswirkungen von Erfolg und Misserfolg werden durch die Teilnehmer:innen reflektiert. Der:die Workshopleiter:in leitet die Reflexion unterstützend an und stellt Strategien zur Reflexion und zum Umgang mit (Miss-)Erfolgen vor Regenerationsmanagement In diesem Workshop geht es um die Bedeutung von Regeneration im Spannungsfeld Leistungssport und Schule. Gemeinsam werden Methoden, um die eigene Leistungsfähigkeit in Schule und Sport zu steigern, erarbeitet. Individuelle Veränderungen des Energieniveaus im Tagesverlauf werden analysiert. Gemeinsam wird überlegt, wie Athlet:innen sowohl im Training als auch in der Schule die gewünschte und geforderte Leistungen erbringen können. Ein weiteres Ziel des Workshops ist die Reflektion des eigenen Stresserlebens, um alltägliche Stressoren zu identifizieren. Anschließend werden Methoden zur Entspannung und Erholung vorgestellt und exemplarisch angewandt. Selbstwirksamkeit Der Workshop zur Selbstwirksamkeit gliedert sich in die folgenden Abschnitte und Inhalte: Bisherige Erfolge und eigene Stärken: Die Athlet:innen reflektieren, welche persönlichen und sportlichen Stärken sie zum Erbringen guter Leistungen einsetzen. Durch das Verdeutlichen der eigenen Stärken sowie der Stärken von Teamkolleg:innen bzw. der Mitglieder der Trainingsgruppe entsteht ein gemeinsames Teamstärkenbild. Stellvertretende Leistungen: Mit diesem Schwerpunkt wird das Verhalten von sportlichen Vorbildern („Stellvertreter:in“) und deren positiven Umgang mit alltagsrelevanten Situationen untersucht. Anschließend vergleichen die Athlet:innen das eigene Verhalten und die eigenen Eigenschaften bzw. das Verhalten und die Eigenschaften des Teams. Gemeinsame erarbeiten die Teilnehmer:innen Strategien, um das eigene sowie kollektive Verhalten an den:die Stellvertreter:innen anzupassen. Spezifische Situation: Während des detaillierten Besprechens und Durchspielens einer spezifischen Situation analysieren und vergleichen die Teilnehmer:innen die Ausprägungen Körpersprache, Motivation und Konzentration im Team. Auf dieser Basis werden gemeinsam mit der:dem Workshopleiter:in Handlungsempfehlungen und Regulationsmöglichkeiten erarbeitet. 9 Mentale Wettkampfvorbereitung Ziel dieses Workshops ist das Erarbeiten eines eigenen Mental-Trainings- Zyklus, um die eigene Wettkampfvorbereitung zu optimieren. Zum Einstieg wird in der Gruppe besprochen, was mentale Wettkampfvorbereitung ist und die individuellen Gründe einer mentalen Vorbereitung der Teilnehmer:innen werden reflektiert. Der:die Workshopleiter:in erklärt die Wirkungsweisen von Vorbereitungsroutinen. Anschließend erarbeiten die Teilnehmer:innen Faktoren für eine gelungene Wettkampfvorbereitung. Dabei werden verschiedene Situationen vorgestellt und Lösungsansätze entwickelt. Zum Abschluss entwickelt jede:r Teilnehmer:in ihre:seine individuelle Vorbereitungsroutine (5-Step-Routine) und reflektiert diese. Bewusster Umgang mit Social Media Digitale Kommunikation und Social Media Kommunikation bestimmen besonders seit der Corona-Pandemie den Alltag junger Athlet:innen. Sie prägen die Persönlichkeit, das Verhalten und beeinflussen die sportliche und akademische/berufliche Leistungsfähigkeit. Die Athlet:innen lernen in diesem Workshop, wie sie erfolgreich digital kommunizieren und Social Media Kanäle positiv für das eigene Wohlbefinden, die eigene Motivation und letztendlich die eigene Leistung einsetzen. Zusätzlich zur Einheit in der Gruppe werden die Athlet:innen individuell und im Alltag gecoacht, um den eigenen bewussten Umgang mit digitaler Kommunikation zu stärken. Selbstmitgefühl Ziel dieses Workshops ist es, den Athlet:innen das Konzept des Selbstmitgefühls nahezubringen, ihr Verständnis dafür zu vertiefen und konkrete Anwendungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Die Athlet:innen lernen eine unterstützende Haltung sich selbst gegenüber einzunehmen, um die sportliche Leistung zu fördern. Der Fokus liegt auf den drei wesentlichen Aspekten von Selbstmitgefühl: Selbstfreundlichkeit, Gemeinsames Menschsein und Achtsamkeit. Durch Selbstreflexionsübungen werden persönliche Beispiele für schwierige Sportsituationen aus den Trainingseinheiten oder Wettkämpfen herausgearbeitet und mithilfe von selbstmitfühlenden Interventionen bearbeitet. So wird ein Weg geboten erfolgreich Rückschläge und negative Gefühle sich selbst gegenüber zu überwinden und besser mit psychischen Belastungen, wie Misserfolgen oder Druck, umzugehen. Diese Praxis hilft den Athlet:innen, ihre innere Stärke zu entwickeln und nachhaltig zu verbessern, indem sie lernen, sich selbst als wertvolle:n inneren Unterstützer:in zu sehen und zu erfahren. 10 Athlet:innen for future Der Leistungssport stellt junge Athlet:innen vor besondere Herausforderungen - nicht nur körperlich, sondern auch mental. Stressbewältigung, Selbstvertrauen im Wettkampf und die Balance zwischen Sport, Schule oder Beruf sind entscheidende Faktoren für langfristigen Erfolg und Wohlbefinden. Dieser Workshop vermittelt praxisnahe Strategien zur Stärkung der mentalen Gesundheit und zeigt auf, wie Athlet:innen gezielt unterstützt werden können. Themen wie Gleichberechtigung im Sport, Körperbild und psychosoziale Begleitung stehen dabei ebenso im Mittelpunkt wie strukturelle Maßnahmen. Ein verbindliches Screening der psychischen Gesundheit, bessere Unterstützungsangebote und eine zentrale Informationsplattform sind essenzielle Bausteine für einen nachhaltig gesunden Leistungssport. Neben fachlichen Impulsen bietet der Workshop einen gesicherten Raum für den Austausch unter Athlet:innen und die Entwicklung konkreter Lösungsansätze. Ziel ist es, nicht nur individuelle Ressourcen zu stärken, sondern auch langfristige Verbesserungen im Sportumfeld zu fördern.

  • Leitlinien_zur_Verwendung_von_generativer_Künstlicher_Intelligenz_an_der_Deutschen_Sporthochschule_Köln__Stand_26_03_2025_.pdf
    Leitlinien zur Verwendung von generativer Künstlicher Intelligenz an der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) Stand: 26.03.2025 1. Präambel Generative Künstliche Intelligenz (KI) hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt und bietet ein breites Spektrum an neuen Möglichkeiten in verschiedenen Bereichen. Auch an Universitäten gewinnt diese Entwicklung eine immer größer werdende Bedeutung und der Einsatz von generativer KI eröffnet Chancen sowohl für Studium und Lehre, als auch für Forschung, Transfer und Verwaltung. Gleichzeitig werfen die neuen Möglichkeiten komplexe Fragen auf, die einen verantwortungsvollen und reflektierten Umgang erfordern. Diese Leitlinien sollen allen Hochschulangehörigen und Statusgruppen der DSHS Orientierung und Handlungssicherheit im Umgang mit generativer KI bieten. Die Universität begrüßt die Potenziale generativer KI und ermutigt zu ihrer kritisch-konstruktiven Nutzung, um innovative Lehr- und Lernmethoden zu entwickeln, Forschung und Transfer zu fördern und administrative Prozesse zu optimieren. Gleichzeitig ist sich die DSHS der Herausforderungen und Risiken bewusst, die mit dem Einsatz generativer KI verbunden sind, besonders in den Bereichen Datenschutz und Urheberrecht (Abschnitt 3) sowie Transparenz und Kennzeichnungspflicht (Abschnitt 4). Diese Leitlinien verstehen sich als dynamisches Dokument, das kontinuierlich an die rasante Entwicklung der KI und den aktuellen Diskurs angepasst werden soll. Sie dienen als Ausgangspunkt für die Diskussion über den Einsatz von generativer KI an der Universität und sollen zu einem verantwortungsvollen und nachhaltigen Umgang mit dieser Technologie beitragen. Hinweis: Teile dieser Leitlinien wurden mit Hilfe generativer KI erstellt, angepasst und optimiert. 2. Allgemeine Hinweise zu generativer Künstlicher Intelligenz Funktionsweise generativer KI1 Generative KI-Anwendungen erzeugen anhand von Anweisungen (bspw. durch Fragen oder Aufgabenstellungen), sogenannten „Prompts“, und basierend auf vorhandenen Daten, neue Inhalte in Form von Texten, Bildern, Musikstücken oder Videos. Texte werden durch die generative KI nacheinander Wort für Wort erzeugt. Dazu schätzt die KI für jedes Wort anhand von Wahrscheinlichkeiten ab, wie passend dieses wäre. Dafür wird eine generative KI zunächst mit großen Datenmengen „angelernt“. Dies bildet die Grundlage für die Entwicklung von Algorithmen (sogenannten Large Language Models, kurz LLM), die es der KI ermöglichen, scheinbar „intelligent“ in einem Dialog zu agieren. In einem weiteren Schritt der Entwicklung einer generativen KI werden Antworten des Modells von Menschen beurteilt und als Feedback für eine Justierung eingebunden. Ein ursächlich logisches Verständnis von Texten oder Bildinhalten liegt dem Algorithmus aber nicht zugrunde, vielmehr handelt es sich bei den Antworten einer generativen KI um eine 1 vgl. „Leitlinien zur Nutzung von generativen KI-Anwendungen in der Lehre an der HsH“ von Cornelia Eube und Theresia Rasche für das Servicezentrum Lehre, Hochschule Hannover, freigegeben als: CC0/Public Domain. https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de Leitlinien zur Verwendung von generativer Künstlicher Intelligenz an der Deutschen Sporthochschule Köln (Stand: 26.03.2025) 2 statistische Auswertung des vorher eingegebenen Textes bzw. des Dialogs (Prompt und Kontext). Eine generative KI ist (derzeit) als schwache KI einzuordnen, die nicht autonom lernfähig ist. Die Ergebnisse generativer KI sind dennoch sehr häufig hilfreich und qualitativ gut. Limitationen2 Aus der Funktionsweise von generativen KI-Anwendungen ergeben sich eine Vielzahl an Chancen für den Einsatz in allen Arbeitsbereichen an der DSHS, aber auch Limitationen: • Halluzinationen: Da den Antworten einer generativen KI kein wirkliches Wissen und meist auch keine Recherche bzw. nur eine eingeschränkte Recherche3 zugrunde liegt, kann es zu Halluzinationen kommen, d. h. die KI antwortet auf den ersten Blick passend, aber tatsächlich inhaltlich falsch. • Bias und Diskriminierung: Generative KI wird, wie oben beschrieben, mit sehr großen Datenmengen aus unterschiedlichen Quellen angelernt. Diese Datenmengen wurden von Menschen erzeugt, ausgewählt und bewertet. Diese Prozesse können die Antworten verzerren und dadurch Stereotype und Vorurteile in den Daten begünstigen und u. a. Diskriminierungen reproduzieren. • Sprachliche Verzerrungen: Die Auswahl der Daten ist limitiert und englischsprachige Texte sind deutlich häufiger vertreten. Dies führt durch Übersetzung und Wortwahl zu sprachlichen Verzerrungen. • Intransparenz: Die Informationen zu den Daten und dem Monitoringprozess der Daten sind für viele generative KI-Anwendungen nicht transparent und die Rückmeldungen der KI-Anwendungen häufig nicht auf bestimmte und fundierte Quellen zurückzuführen. Eine weitere Herausforderung bei der Nutzung von generativer KI, der sich alle Nutzenden bewusst sein sollten, ist der hohe Energieverbrauch dieser Technologie und der damit zusammenhängende ökologische Fußabdruck. Dies betrifft sowohl das Training, als auch die Nutzung von generativen KI-Anwendung. Prognosen gehen derzeit davon aus, dass der weltweite Stromverbrauch durch generative KI in den nächsten Jahren auf über 80 Terawattstunden pro Jahr anwachsen wird, was den Elektrizitätsbedarf von ganzen Ländern (bspw. Belgien oder Portugal) übersteigt (vgl. de Vries, 2023). 3. Gesetzliche Rahmenbedingungen2 Bei der Nutzung einer KI-Anwendung sind zunächst die möglicherweise vorhandenen Nutzungsbedingungen der jeweiligen Tools zu beachten. Diese geben meistens vor, dass kein strafrechtlich relevanter oder sonst rechtsverletzender Inhalt eingegeben werden darf. Dies betrifft neben Urheber- und Datenschutzrecht auch das Persönlichkeitsrecht. Über im Einzelfall anwendbare Nutzungsbedingungen hinaus sind bei der Nutzung immer auch etwaige über die Nutzungsbedingungen hinausgehende gesetzlichen Rahmenbedingungen zu beachten, wozu derzeit insbesondere die Folgenden gehören: Datenschutz Jede Verarbeitung personenbezogener Daten benötigt eine Rechtsgrundlage, so auch die Eingabe personenbezogener Daten beim Prompten. Die Rechtsgrundlage ist regelmäßig abhängig davon, welche Daten zu welchen Zwecken in welchem Umfang verarbeitet werden. Personenbezogene Daten sind u. a. Namen, Matrikel- oder Personalnummern, Noten von Studierenden aber auch Bilder, auf denen Personen erkennbar sind. Da in jedem Einzelfall zu prüfen ist, ob die Voraussetzungen der 2 vgl. „Leitlinien zur Nutzung von generativen KI-Anwendungen in der Lehre an der HsH“ von Cornelia Eube und Theresia Rasche für das Servicezentrum Lehre, Hochschule Hannover, freigegeben als: CC0/Public Domain. 3 Einige KI-Anwendungen recherchieren für die Antwort und geben die recherchierten Quellen mit an. https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.de Leitlinien zur Verwendung von generativer Künstlicher Intelligenz an der Deutschen Sporthochschule Köln (Stand: 26.03.2025) 3 Rechtsgrundlage vorliegen und es bisher im Kontext „Einsatz von KI in der Hochschule“ noch keine einschlägige Rechtsprechung oder Stellungnahmen von Aufsichtsbehörden gibt, wird empfohlen, die Eingabe sämtlicher personenbezogener Daten zu unterlassen. Falls doch personenbezogene Daten mittels KI verarbeitet werden müssen, sind dessen ungeachtet unbedingt die geltenden Datenschutzbestimmungen einzuhalten. Urheberrecht Das Urheberrecht ist im Kontext von generativer KI sowohl für den Input (Prompt) als auch für die Verwendung des Outputs relevant. Input Werden urheberrechtlich geschützte Inhalte in das KI-Tool eingegeben, liegt eine Vervielfältigung vor. Hierfür braucht es eine Erlaubnis, die entweder individuell vom Urheber erteilt wird (Lizenz) oder die allgemein vom Gesetz definiert wird (Schranke). Eine solche Schranke findet sich bspw. in § 60a UrhG. Danach dürfen unter bestimmten Voraussetzungen veröffentlichte Werke zu Zwecken der Veranschaulichung der Lehre (§ 60a UrhG) oder zu Zwecken der nicht-kommerziellen wissenschaftlichen Forschung (§ 60c UrhG) in gewissem Umfang vervielfältigt werden. Sofern der Input nicht zum Training der KI verwendet wird und der Verlauf nicht gespeichert wird, dürfte es sich um eine vorübergehende Vervielfältigung im Sinne des § 44a UrhG handeln und damit eine privilegierte Nutzung darstellen. Sofern die Eingabe aber zu einer Änderung des Werkes führt, bedarf die Nutzung laut EuGH (2012) weiterhin der Erlaubnis des Urhebers. Darüber hinaus dürfen eigene sowie gemeinfreie Materialien grundsätzlich nach Belieben verwendet werden. Output Outputs von generativer KI sind in aller Regel nicht urheberrechtlich geschützt, da urheberrechtlicher Schutz die persönlich geistige Schöpfung eines Menschen voraussetzt. Damit können KI-generierte Inhalte grundsätzlich frei verwendet werden. Gleicht der Output jedoch (zufällig) einem urheberrechtlich geschützten Werk, kann die Nutzung des Outputs Urheberrechte verletzen. Die erlaubnisfreie Nutzung in Unterricht und Lehre nach § 60a UrhG ist weiterhin zulässig. Die generative KI sollte daher nicht danach gefragt werden, urheberrechtlich bestehende Werke zu reproduzieren (Bsp.: „Wie lautet ein Gedicht von Audre Lorde?“). Wird die KI dazu genutzt, urheberrechtlich geschützte Inhalte zu verändern, kann in der Bearbeitung eine Urheberrechtsverletzung liegen. Entscheidend ist, ob der eigenschöpferische Gehalt der Vorlage übernommen wird (bei Sprachwerken sind dies z. B. wesentliche und prägende Formulierungen und Satzteile). Je weiter der Output sich inhaltlich und sprachlich vom Originalwerk entfernt, desto eher liegt keine Urheberrechtsverletzung vor. Bei Unsicherheiten sollte darauf verzichtet werden, den Output öffentlich zugänglich zu machen. Fiktionale Figuren können urheberrechtlich geschützt sein. Bei Fachtexten gilt insofern eine andere Bewertung, als es aufgrund der Vorgabe des Forschungsgegenstands nur einen geringen Gestaltungsspielraum gibt. Hier stellt auch eine verhältnismäßig geringe Abweichung keine Urheberrechtsverletzung mehr dar. Die Zusammenfassung von wissenschaftlichen Texten – sofern als Input erlaubt – stellt keine Urheberrechtsverletzung dar. Die falsche Zuordnung von Werken zu einem Urheber verletzt dessen Urheberpersönlichkeitsrecht i.S.v. § 13 UrhG. Wenn die generative KI danach gefragt wird, einen Text oder ein Bild im Stil einer bekannten Künstlerin zu generieren, sollte bei der Veröffentlichung des Outputs darauf geachtet werden, dass er nicht fälschlicherweise als Output dieser Künstlerin ausgegeben wird. Leitlinien zur Verwendung von generativer Künstlicher Intelligenz an der Deutschen Sporthochschule Köln (Stand: 26.03.2025) 4 Persönlichkeitsrecht Ist eine Person auf einem KI-generierten Output erkennbar, kann die Verwendung des Outputs gegen Persönlichkeitsrechte verstoßen. Das Allgemeine Persönlichkeitsrecht gemäß Art. 2 Abs. 1 GG i.V.m. Art. 1 GG schützt umfassend die Achtung und Entfaltung der Persönlichkeit insbesondere natürlicher Personen. Hierzu gehören u.a. der Schutz der Privatsphäre, Geheimsphäre und Intimsphäre, das Recht am eigenen Bild (vgl. §§ 22, 23 KunstUrhG), das Recht der persönlichen Ehre, der Schutz vor Entstellung und Unterschieben von Äußerungen oder das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Neben arbeitsrechtlichen Konsequenzen, können Verletzungen des Allgemeinen Persönlichkeitsrechts auch zur Geltendmachung von Schadenersatz- oder Unterlassungsansprüchen durch die Verletzten nach § 823 Abs. 1 BGB führen. Etwa bei ehrverletzenden Behauptungen können sie darüber hinaus sogar strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen (z.B. §§ 185 ff. StGB). Die Allgemeinen Persönlichkeitsrechte sind auch dann zu beachten, wenn eine solche Verletzung mithilfe einer KI begangen wurde. So dürfen z.B. Bilder oder Stimmen anderer Personen grundsätzlich nicht ohne ihre jeweilige Einwilligung mit KI imitiert und im Rahmen einer Lehrveranstaltung gezeigt werden, wenn dadurch vorgegeben wird, dass die Person etwas gesagt hat, was sie nicht getan hat. Geschäftsgeheimnisschutz Die Eingabe von Geheimnissen im Sinne von § 2 Ziffer 1 Gesetz zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen (GeschGehG) kann eine unerlaubte Nutzung oder Offenlegung im Sinne von § 4 Abs. 2, 3 GeschGehG darstellen. Dies könnte zum Beispiel der Fall sein, wenn betrieblich begleitete Abschlussarbeiten oder Praktikumsberichte in die KI eingegeben werden oder wenn Forschungsergebnisse oder Buchhaltungsunterlagen von einer KI ausgewertet werden sollen. Von der Nutzung von KI-Tools ist bei Eingabe von Geschäftsgeheimnissen abzusehen oder es muss die Zustimmung des jeweiligen Betriebs, dessen Geschäftsgeheimnisse in die KI eingegeben werden sollen, eingeholt werden. Die unerlaubte Nutzung oder Offenlegung von Geschäftsgeheimnissen können zivil-, arbeits- sowie strafrechtliche Konsequenzen haben. 4. Umgang mit generativer Künstlicher Intelligenz an der DSHS Die folgenden Punkte beschreiben, in welchem Rahmen generative Künstliche Intelligenz an der DSHS eingesetzt und genutzt werden kann. Dabei sind stets die gesetzlichen Rahmenbedingungen (vgl. hierzu Abschnitt 3) zu beachten. Grundlegende Erlaubnis Die Verwendung von generativer KI beim Lehren und Lernen sowie in Forschung und Transfer oder in der Verwaltung ist grundsätzlich allen Statusgruppen der Universität erlaubt, sofern diese sich an die gesetzlichen Rahmenbedingungen - insbesondere aus den Bereichen Datenschutz, Urheberrecht, Persönlichkeitsrecht und Geschäftsgeheimnisschutz (Abschnitt 3) - halten. Transparenz und Kennzeichnungspflicht Der Einsatz und die Nutzung von generativer KI muss transparent kenntlich gemacht werden. Dies gilt vor allem für bewertete Hausarbeiten, Abschlussarbeiten und offizielle Dokumente. Ebenfalls sollte dies, im Sinne einer guten wissenschaftlichen Praxis, auch bei, durch Lehrpersonen erstellte, Lehrmaterialien und wissenschaftlichen Veröffentlichungen Anwendung finden, sowie bei Drittmittelanträgen im Bereich der Forschungsförderung.4 4 vgl. „Stellungnahme des Präsidiums der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zum Einfluss generativer Modelle für die Text- und Bilderstellung auf die Wissenschaften und das Förderhandeln der DFG“, September 2023. https://www.dfg.de/resource/blob/289674/ff57cf46c5ca109cb18533b21fba49bd/230921-stellungnahme-praesidium-ki-ai-data.pdf https://www.ra-plutte.de/faq-recht-am-eigenen-bild-beispiele/ https://www.ra-plutte.de/faq-recht-am-eigenen-bild-beispiele/ https://dejure.org/gesetze/KunstUrhG/22.html https://dejure.org/gesetze/KunstUrhG/23.html https://www.dfg.de/resource/blob/289674/ff57cf46c5ca109cb18533b21fba49bd/230921-stellungnahme-praesidium-ki-ai-data.pdf Leitlinien zur Verwendung von generativer Künstlicher Intelligenz an der Deutschen Sporthochschule Köln (Stand: 26.03.2025) 5 Es wird empfohlen Textpassagen, die durch eine KI-Anwendung erstellt und eins zu eins oder mit nur geringfügigen Änderungen übernommen worden sind, wie folgt zu kennzeichnen: „KI-generierter Text, [Name der KI-Anwendung], [Datum der Erstellung]“ (vgl. Limburg, 2022). Bei Textpassagen, die zwar mit KI-Anwendungen erstellt, aber durch die anwendende Person erheblich angepasst und verändert worden sind, wird empfohlen, diese mit einem Hinweis zu versehen, bspw.: „Hinweis: Dieser Text / diese Textpassage wurden mit Hilfe generativer KI erstellt, angepasst und optimiert.“ Gleiches gilt für einzelne Folien einer Präsentation oder mit KI-Anwendungen erstelltes oder erweitertes Bild-, Ton- und Video-Material, sowie für Übersetzungen, die mit generativen KI-Anwendungen, wie bspw. DeepL, angefertigt worden sind. Texte und andere Ausarbeitungen, die nicht eins zu eins mit einer generativen KI-Anwendung erstellt worden sind bzw. bei denen bspw. nur die Struktur oder die Gliederung durch oder mit Hilfe einer entsprechenden Anwendung erstellt worden sind, können auch als gesamtes Dokument mit dem oben genannten Hinweis versehen werden („Hinweis: Dieses Dokument wurden mit Hilfe generativer KI erstellt, angepasst und optimiert.“). Diese Kennzeichnungspflichten entsprechen nach Auffassung der Universität den ab dem 02.08.2026 geltenden Transparenzverpflichtungen aus Artikel 50 der EU-Verordnung über künstliche Intelligenz (“KI-Verordnung”).5 Nutzung von generativer KI in Prüfungen Für bewertete Hausarbeiten, Abschlussarbeiten oder andere prüfungsrelevante und durch Studierende erstellte Inhalte gelten die bereits aufgeführten Grundlagen zu Transparenz und Kennzeichnung (s. o.). Darüber hinaus können Eigenständigkeitserklärungen durch die Prüfenden entsprechend angepasst und um Passagen zur Nutzung von generativen KI-Anwendungen erweitert werden. Bspw. wie folgt: Eidesstattliche Versicherung Hiermit versichere ich an Eides statt, dass ich diese Arbeit selbstständig verfasst und keine anderen als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel benutzt habe. Die Stellen meiner Arbeit, die dem Wortlaut oder dem Sinn nach anderen Werken und Quellen entnommen sind, habe ich unter Angabe der Quelle kenntlich gemacht. Dasselbe gilt sinngemäß für Tabellen, Karten und Abbildungen. Ferner wurden die Stellen meiner Arbeit, die mit Hilfe von generativer Künstlicher Intelligenz erstellt, angepasst oder optimiert worden sind, entsprechend kenntlich gemacht. Diese Arbeit habe ich in gleicher oder ähnlicher Form oder auszugsweise nicht im Rahmen einer anderen Prüfung eingereicht. ________________________________ Eigenhändige Unterschrift Auch das Verbot der Nutzung von generativer KI bei Abschlussarbeiten oder anderen bewerteten studentischen Arbeiten kann durch die eidesstattliche Versicherung durchgesetzt werden, wird 5 vgl. „Transparenzpflichten für Anbieter und Betreiber bestimmter KI-Systeme“. Verordnung (EU) 2024/1689 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juni 2024. https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=OJ:L_202401689#art_50 https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=OJ:L_202401689#art_50 Leitlinien zur Verwendung von generativer Künstlicher Intelligenz an der Deutschen Sporthochschule Köln (Stand: 26.03.2025) 6 allerdings nicht empfohlen, da generative KI-Anwendungen nicht nur für das Schreiben von Texten und Textpassagen genutzt werden können, sondern auch für Vor- und Recherchearbeiten oder für die Textoptimierung. Dies kann auch durch KI-Anwendungen geschehen, die bereits in andere Software integriert ist, sodass Studierende unter Umständen nicht immer vollumfänglich nachvollziehen können, ob generative KI tatsächlich eingesetzt worden ist. Prüfungsleistungen können zudem um weitere Datenabfragen erweitert werden und eine Dokumentation der eingesetzten KI-Anwendungen beinhalten. Bspw. eine Dokumentation über die eingesetzten Prompts oder den Chat-Verlauf oder eine Dokumentation der eingesetzten Quellen inkl. der zugehörigen Textpassagen, die durch eine KI-Anwendung angepasst oder zusammengefasst worden sind. Nutzung von generativer KI bei der Erstellung von Drittmittelanträgen Der Einsatz und die Nutzung von generativer KI bei der Erstellung von Drittmittelanträgen ist in der Regel möglich, solange der Fördermittelgeber dazu keine anderen Vorgaben macht. Nach einer Stellungnahme des Präsidiums der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zum Einfluss generativer Modelle für die Text- und Bilderstellung auf die Wissenschaften und das Förderhandeln der DFG6 wird der Einsatz generativer Modelle bei der Antragstellung grundsätzlich als zulässig erklärt. Allerdings muss die Nutzung im Rahmen guter wissenschaftlicher Praxis erfolgen und Antragstellende sollen offenlegen, ob und in welchem Umfang sie generative Modelle für ihre Forschung und im Rahmen der Antragstellung eingesetzt haben. Dies gilt auch für Förderanträge an der DSHS im Rahmen der Hochschulinternen Forschungsförderung (HIFF). Die Verantwortung für die Einhaltung wissenschaftlicher Integrität bleibt dabei bei den Forschenden selbst. Zudem ist bei der Nutzung von generativer KI im Rahmen einer Antragstellung auf die in diesen Leitlinien dargelegten rechtlichen Aspekte zu achten (Abschnitt 3). Ferner ist es wichtig zu betonen, dass generative KI als Hilfsmittel und nicht als Ersatz für die eigene wissenschaftliche Expertise dient. Die finale Verantwortung für den Inhalt und die Qualität des Antrags liegt bei den Antragstellenden. Nutzung von generativer KI bei der Erstellung von Gutachten Die DFG untersagt in ihrer Stellungnahme6 ausdrücklich den Einsatz generativer KI bei der Erstellung von Gutachten, um die Vertraulichkeit des Begutachtungsverfahrens zu wahren. Diese Regelung soll dementsprechend auch an der DSHS gelten und zwar sowohl für Fachgutachten im Rahmen wissenschaftlicher Tätigkeiten als auch für Gutachten im Bereich der Lehre, etwa bei der Bewertung von Abschlussarbeiten. Generative KI ist zum einen technisch nicht in der Lage, eine qualifizierte Begutachtung durchzuführen, da sie weder die klare Darstellung von Hypothesen und Ergebnissen noch methodische Fehler zuverlässig erkennen kann.7 Zum anderen unterliegen die zu begutachtenden Unterlagen der Vertraulichkeit und ein Hochladen oder ein Eingeben der Inhalte in generative KI-Systeme kann einen Verstoß gegen Urheberrechte darstellen (Kapitel 3). 6 vgl. „Stellungnahme des Präsidiums der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zum Einfluss generativer Modelle für die Text- und Bilderstellung auf die Wissenschaften und das Förderhandeln der DFG“, September 2023. https://www.dfg.de/resource/blob/289674/ff57cf46c5ca109cb18533b21fba49bd/230921-stellungnahme-praesidium-ki-ai-data.pdf 7 vgl. „Forschung & Lehre. ChatGPT erobert die wissenschaftliche Begutachtung“, 16.04.2024. https://www.forschung-und- lehre.de/forschung/chatgpt-erobert-den-wissenschaftlichen-begutachtungsprozess-6367 https://www.dfg.de/resource/blob/289674/ff57cf46c5ca109cb18533b21fba49bd/230921-stellungnahme-praesidium-ki-ai-data.pdf https://www.forschung-und-lehre.de/forschung/chatgpt-erobert-den-wissenschaftlichen-begutachtungsprozess-6367 https://www.forschung-und-lehre.de/forschung/chatgpt-erobert-den-wissenschaftlichen-begutachtungsprozess-6367 Leitlinien zur Verwendung von generativer Künstlicher Intelligenz an der Deutschen Sporthochschule Köln (Stand: 26.03.2025) 7 Daher dürfen zu begutachtende Unterlagen nicht in generative KI-Systeme eingegeben werden. Diese Regelung gilt sowohl für wissenschaftliche Gutachten als auch für die Bewertung von studentischen Arbeiten. Anmeldung bei (externen) Anbietern von KI-Anwendungen Von Studierenden der DSHS darf nicht verlangt werden, dass sich diese für Studium und Lehre oder für Arbeitszwecke bei (externen) Anbietern von KI-Anwendungen mit ihren personenbezogenen Daten anmelden. Für Mitarbeitende kann die Nutzung der dienstlichen Mailadresse zur Nutzung von KI-Anwendungen im dienstlichen Kontext erforderlich sein, dies ist auf notwendige und dienstlich angeordnete KI-Anwendungen begrenzt. Personen mit einer DSHS-E-Mail- oder DSHS-Stud-Mail-Adresse dürfen diese nutzen, um sich freiwillig bei (externen) Anbietern von KI-Anwendungen für dienstliche oder studienbezogene Zwecke anzumelden. Dadurch anfallende Kosten werden nicht durch die DSHS getragen. Verantwortungsvoller Umgang mit generativer KI Die DSHS spricht sich für einen verantwortungsvollen Umgang mit generativer KI aus, basierend auf ethischen Standards und akademischer Integrität. Alle Statusgruppen und Hochschulangehörigen der Universität sind dazu aufgefordert, sensible Daten zu schützen und sich eigenständig über die Nutzungsbedingungen und Risiken, der von ihnen eingesetzten KI-Anwendungen zu informieren. Der offene und transparente Umgang mit dem Einsatz von generativer KI unterstützt und fördert eine gute und zukunftsweisende wissenschaftliche Praxis. Die Auswirkungen, die generative KI kurz-, mittel- und langfristig auf das alltägliche Leben, auf das Studium, auf Forschung und Transfer und auf die Arbeitswelt haben wird, sind unbestritten und werden neue Chancen bieten, aber auch neue Kompetenzen erfordern. Daher bedarf es bei dem Thema einer kontinuierlichen Diskussion und einer, damit einhergehenden, fortlaufenden Aktualisierung der Leitlinien zur Verwendung von generativer Künstlicher Intelligenz an der Deutschen Sporthochschule Köln. Leitlinien zur Verwendung von generativer Künstlicher Intelligenz an der Deutschen Sporthochschule Köln (Stand: 26.03.2025) 8 5. Literatur- und Quellenverzeichnis (1) Breuer, W. (2024). Richtlinien für die Verwendung von KI in wissenschaftlichen Arbeiten. Fakultät für Wirtschaftswissenschaften. Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insb. Betriebliche Finanzwirtschaft. RWTH Aachen (2) ChatGPT erobert die wissenschaftliche Begutachtung (16.04.2024). Deutscher Hochschulverband. Forschung & Lehre. https://www.forschung-und- lehre.de/forschung/chatgpt-erobert-den-wissenschaftlichen-begutachtungsprozess-6367 [abgerufen am 20.12.2024] (3) de Vries, A. (2023). The growing energy footprint of artificial intelligence. Joule, Volume 7, Issue 10, 2191 – 2194. DOI: 10.1016/j.joule.2023.09.004 (4) EU Artificial Intelligence Act (2024). https://artificialintelligenceact.eu/de/ai-act-explorer/ [abgerufen am 20.12.2024] (5) Eube, C., Rasche, T. (2024). Leitlinien zur Nutzung von generativen KI-Anwendungen in der Lehre an der HsH - Handreichung des Servicezentrums Lehre der Hochschule Hannover (Mai 2024). Version 1.0 (6) EuGH (2012) Beschluss vom 17. Januar 2012, Infopaq II, C-302/10, ECLI:EU:C:2012:16, Rn. 54 https://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf?text=&docid=118441&pageIndex=0& doclang=DE&mode=req&dir=&occ=first&part=1 (7) European Commission (2024) Living guidelines on the responsible use of generative AI in research. ERA Forum Stakeholders’ document. First Version, March 2024 (8) Fachhochschule Dortmund (2024). Leitlinie KI in der Lehre. Version 14.02.2024 (9) Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (2024). Leitlinien zur Verwendung generativer Künstlicher Intelligenz in der Lehre an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf vom 25.04.2024. Amtliche Bekanntmachung Nr.14|2024 (10) KI:connect.nrw (2024). Checkliste zum Umgang mit Generativen KI-Diensten in der Version 1.0 von 2024-07-02 (11) KI-Taskforce der HAWK – Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen (2024). Leitlinien für den Umgang mit generativen KI- Systemen in Studium und Lehre an der HAWK (V1). Stand 06/2024 (12) Limburg, A., Salden, P., Mundorf, M., & Weßels, D. (2022). Plagiarismus in Zeiten Künstlicher Intelligenz. ZHFE - Zeitschrift Für Hochschulentwicklung, 17(3), 91–106. https://doi.org/10.3217/zfhe-17-03/06 (13) Stellungnahme des Präsidiums der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zum Einfluss generativer Modelle für die Text- und Bilderstellung auf die Wissenschaften und das Förderhandeln der DFG (September 2023). https://www.dfg.de/resource/blob/289674/ff57cf46c5ca109cb18533b21fba49bd/230921- stellungnahme-praesidium-ki-ai-data.pdf [abgerufen am 20.12.2024] (14) Tobor, J. (2024). Blickpunkt – Leitlinien zum Umgang mit generativer KI. Berlin: Hochschulforum Digitalisierung. Version 1.0 https://www.forschung-und-lehre.de/forschung/chatgpt-erobert-den-wissenschaftlichen-begutachtungsprozess-6367 https://www.forschung-und-lehre.de/forschung/chatgpt-erobert-den-wissenschaftlichen-begutachtungsprozess-6367 https://doi.org/10.1016/j.joule.2023.09.004 https://artificialintelligenceact.eu/de/ai-act-explorer/ https://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf?text=&docid=118441&pageIndex=0&doclang=DE&mode=req&dir=&occ=first&part=1 https://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf?text=&docid=118441&pageIndex=0&doclang=DE&mode=req&dir=&occ=first&part=1 https://doi.org/10.3217/zfhe-17-03/06 https://www.dfg.de/resource/blob/289674/ff57cf46c5ca109cb18533b21fba49bd/230921-stellungnahme-praesidium-ki-ai-data.pdf https://www.dfg.de/resource/blob/289674/ff57cf46c5ca109cb18533b21fba49bd/230921-stellungnahme-praesidium-ki-ai-data.pdf

  • 31.07.2026
    Bronzemedaille für das Kölner Badminton-Team bei den EUSA Games
    Bei den European Universities Games (EUSA), einem der größten internationalen Multisportevents für Studierende, kämpfen Hochschulteams aus ganz Europa um die begehrten Medaillen. Als Deutscher Hochschulmeister im Teamwettbewerb 2025 vertritt das Badminton-Team der Kölner Studierenden die deutschen Farben auf internationaler Bühne. Nach mehreren Anläufen in den vergangenen Jahren gelang nun der große Durchbruch: Mit dem Gewinn der Bronzemedaille schrieb die Mannschaft Geschichte und sicherte erstmals einem deutschen Badminton-Team eine Medaille bei den European Universities Games. Unter der Leitung von Coach Dr. Daniel Hoffmann (Institut für Vermittlungskompetenz in den Sportarten) startete das Team am Montag erfolgreich in das Turnier. Zum Auftakt setzte sich die Mannschaft nach einem hart umkämpften Spiel mit 3:2 gegen die Eindhoven University of Technology (Niederlande) durch. Am Abend folgte ein stark herausgespielter 4:1-Erfolg gegen die Universität Maribor (Slowenien). Mit zwei Siegen im Rücken ging es am Dienstag um den Gruppensieg und den direkten Einzug ins Halbfinale. Dort zeigte das Kölner Team erneut eine starke Leistung und besiegte das University College London (England) souverän mit 5:0. Im Halbfinale wartete am Mittwoch schließlich mit der Universität Bordeaux einer der Turnierfavoriten. Trotz engagierter Leistungen mussten sich die Kölnerinnen und Kölner mit 0:3 geschlagen geben. Die Freude über den Gewinn der Bronzemedaille überwog jedoch schnell dem verpassten Finaleinzug. „Wir haben als Team eine herausragende Leistung gezeigt und auch in engen Situationen die Ruhe bewahrt. Diesen Erfolg hat sich die Mannschaft absolut verdient“, resümierte Coach Dr. Daniel Hoffmann. Mit der Bronzemedaille krönte das Team der Deutschen Sporthochschule Köln eine besondere Turnierleistung. Darüber hinaus wurde die Mannschaft mit dem erstmals vergebenen EUSA Award „Best Battle Cry“ ausgezeichnet. Der Preis würdigt die besondere Energie, den Enthusiasmus und den außergewöhnlichen Teamgeist der Kölner Mannschaft.

  • Esther Maurus

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  • Merged_Abschlussarbeitsthemen.pdf
    Institut für Vermittlungskompetenz in den Sportarten Abt. 2 Trainingspädagogik und Martial Research Themenbereiche für Abschlussarbeiten (Bachelor, Master, Staatsexamen) Univ. Prof. Dr. Dr. Swen Körner; koerner@dshs-koeln.de Lebenswelten von Sportstudentys Unterrichten, Trainieren und Coachen sind herausfordernde Tätigkeiten. Aus der Forschung wissen wir, dass Inhalte und Themen für Lernys an Bedeutung und Relevanz gewinnen, wenn sie an deren Lebensweltbezug andocken. Bezüge zur Lebenswelt erhöhen die Motivation und fördern damit das Lernen. Abschlussarbeiten sollen in diesem Themenfeld empirisch erheben, welche Lebensweltbezüge junge Menschen haben. Um die Frage zu untersuchen, sitzen wir an der Quelle: Als Probandys kommen alle DSHS Studentys in Frage. Insbesondere interessiert uns: Welche Bezüge zur Popkultur haben Studentys? Welche Filme, Musik, Serien, Videospiele spielen in eurem Leben eine wichtige Rolle? Welche Trainingskulturen prägen Studentys? Welche Aspekte sind in eurer Trainings-Vita entscheidend (Coachys, Trainingspartnys etc.)? Design von Lern- und Unterrichtsumgebungen - Gamification Mögliche Themen befassen sich mit den Grundlagen der Gamifizierung, ihrer Anwendung im Training und Sportunterricht, sowie der Evaluation spezifischer, durch die Gamifizierung entstehender Effekte. Professionalisierung polizeilichen Einsatztrainings Studentys können sich mit möglichen Trainingsdesigns (z. Bsp. Lineare / Nichtlineare Pädagogik, Constraints-Led Approach & Gamifizierung) und den Wirkungen unterschiedlicher Vermittlungsmethoden beschäftigen. Weitere Bereiche umfassen die Motivation der Trainierenden oder die Analyse von Einsatzdynamiken (insb. Gewalt im Einsatz). Viele weitere Themen sind auf Rücksprache möglich. Nichtlineare Pädagogik & Constraints-Led Approach in Training und Sportunterricht Abschlussarbeiten können die grundsätzliche Wirkung nichtlinearer Vermittlung auf Fertigkeitserwerb oder Motivation analysieren sowie spezifiziert auf das Best Practice Modell für Training und Sportunterricht eingehen. Kampfsport, MMA & Martial Arts Studies Die Analyse und Optimierung von Training und Trainingsprozessen (Trainingsdesign, Fertigkeitserwerb, Motivation), sowie die gesellschaftliche Karriere von Kampfsport, Kampfkunst und Selbstverteidigung (z. Bsp. Popularität des Krav Maga oder MMA) kann als Abschlussarbeit durchgeführt werden. Darüber hinaus können sich Studentys auch mit der Darstellung des Kämpfens und Kämpfen-Lernens in Medien wie Film, Serie oder Comic beschäftigen. Ringen und Kämpfen im Sportunterricht Mögliche Themen beinhalten: Vermittlungsmethoden, das Best Practice Modell, die Wirkung von RuK auf Motivation und Fertigkeitserwerb, sowie die Gamifizierung der Unterrichtseinheiten. Training im Leistungssport: Pädagogisch-didaktische Aspekte Das Trainingsdesign sowie die Qualität des Trainings etc. kann in Bezug auf leistungssportliche Perspektiven analysiert werden. Kämpfen und Kämpfen-Lernen in Film, Serie, Videospiel und Comic mailto:koerner@dshs-koeln.de Institut für Vermittlungskompetenz in den Sportarten Abt. 2 Trainingspädagogik und Martial Research Einige Exemplare möglicher Forschungsfragen in diesem Bereich wären: - Wie kämpft Batman? - Wo hat Deadpool / Doctor Strange / Jessica Jones Kämpfen gelernt? - Wie werden MMA und weitere Stile in Filmen dargestellt? - Welche Arten des Lernprozesses – Linear, Nichtlinear etc. werden gezeigt? - Welche Möglichkeiten didaktischer Nutzung von popkulturellen Bezügen des Kämpfens und Kämpfen-Lernens gibt es in Training und Unterricht (Verein, Schule etc.)? Gewalt & Gesellschaft Mögliche Themen beschäftigen sich mit einem der drei Teilbereiche: - Gewalt in der Schule: Analyse und Prävention - Gewalt gegen Polizistys: Analyse und Prävention - Gewalt gegen Rettungskräfte: Analyse und Prävention Lehrerwissen / Trainerwissen Teilbereiche dieser Thematik beschäftigen sich mit den Fragen: Woher haben Lehrys / Trainys ihr Wissen? Welche Rolle spielt dabei das Studium? Welche das Internet oder andere Quellen? Lernen & Motivation: Die Self-Determination Theory Mögliche Themen umfassen die Grundlagen der SDT, ihre Anwendung im Training und Unterricht, sowie die Evaluation auftretender Effekte. Der vermessene Körper: Self-Tracking Das „Tracken“ eigener körperlicher Bewegung sowie die Überwachung des Schlaf-, Ess-, Arbeits- und Freizeitverhaltens mittels technischer Gerätschaften (z.B. Armband, NikeFuel) ist populär. Gesucht werden Abschlussarbeiten, die sich der digitalen Vermessung des Körpers zuwenden und an Fallbeispielen der individuellen und gesellschaftlichen Bedeutung und Wirkung des „Self-Trackings“ nachgehen. Adipöse Kinder in Schule und Alltag Die vermeintlich oder tatsächlich wachsende Anzahl übergewichtiger Kinder versetzt die Gesellschaft seit einigen Jahren in erhöhte Alarmbereitschaft. Übergewicht ist erkennbar ein Problem mit personaler Adresse. Die Perspektive der betroffenen Akteure ist bislang völlig unterbelichtet, sie verschwindet hinter „explodierenden“ Statistiken. Gesucht sind Abschlussarbeiten, die sich mit der empirisch qualitativen Aufhellung subjektiver Sichtweisen von betroffenen Kindern, aber auch von Eltern, Mitschülys und Lehrpersonen sowie von konkreten unterrichtlichen Arrangements befassen. Doping in Sport und Gesellschaft Das Doping der Zukunft. Abschlussarbeiten zum Thema Doping in Sport und Gesellschaft (Mögliche Fragestellungen: Doping und Internet - Austauschforen des Wissens und Handelns; In Zukunft Gendoping?; Pro und Contra Doping: ethische, rechtliche, medizinische und politische Argumente) Konkrete Fragestellungen und spezifische Themenvorschläge zu den o.g. Themenbereichen finden Sie auf der Homepage des Instituts und als Kopiervorlage im Sekretariat (Modulbau, Raum 103) mit ersten Literaturhinweisen. Eigene Themenvorschläge sind ebenfalls erwünscht. Institut für Vermittlungskompetenz in den Sportarten Abt. 2 Trainingspädagogik und Martial Research Dr. Benjamin Bonn Kontakt Dr. Benjamin Bonn b.bonn@dshs-koeln.de 0221 4982 8762 Forschungsprofil Themen für Abschlussarbeiten (Bachelor, Master, Staatsexamen) Vermittlung in Apps § Tracking und Wearables im Kontext von Inklusion und Diversität § Kämpfen-Lernen und Selbstverteidigung § Lernprozesse und Wissen in bewegungsbezogenen Apps (was wird vermittelt, warum, wie) § Lehr-Lernkonzepte in Fitnessapps (Coaching, implizite Annahmen, Wirkungen) Vermittlung mit und über Apps § Einsatz in Schule und Training (Perspektiven von Trainer:innen, Lehrkräften, Beobachtungen) § Digital literacy von Trainer:innen, Sportlehrkräften, Schüler:innen, Studierenden Social Media und public pedagogies § Influencer:innen Pädagogik zu Sport, Bewegung, Körper, Training § Körper in Social Media § Vermittlung in Social Media (z.B. Videos zum Kämpfen Lernen / Selbstverteidigung) § Entscheidungsfindung und Algorithmen (z.B. Training) Videospiele als Lernumgebung § Gestaltungsprinzipien, motivationale Aspekte § Kämpfen in Videospielen § Gamification in Training, Apps, Schule § Virtual and augmented reality für Lern-/Vermittlungsprozesse Netzwerkforschung § Netzwerke in Sport, Schule, Verein § Schnittstellen und gegensätzliche Erwartungen (z.B. schulpflichtige Leistungssportler:innen) Methoden § Literatur-/Theoriearbeiten § Systematische Reviews § Empirisch, v.a. qualitativ (Beobachtungen, Interviews, Dokumentenanalyse) Gerne eigene Themenvorschläge Institut für Vermittlungskompetenz in den Sportarten Abt. 2 Trainingspädagogik und Martial Research „Die zentrale inhaltliche Schnittmenge zur Schwesterabteilung „Didaktik und Methodik der Sportarten“ besteht im Interesse an einer reflexiven Trainingspädagogik, die ausgehend von Fragestellungen aus der Praxis evidenzbasierte Lösungen für das Design von Lern- und Testumgebungen entwickelt und diese fortlaufend evaluiert und anpasst.“ Entscheidungsbereiche bei Abschlussarbeiten (Bachelor, Master) Ansprechpartner: Dr. Johannes Karsch, j.karsch@dshs-koeln.de, Modulbau Raum 112 Einführung Es ist ein oftmals sehr interessanter aber auch ungewisser Weg vom Thema zur Forschungsfrage zu gelangen. Die folgenden Ausführungen sollen dabei helfen, Auswahlmöglichkeiten bei grundlegenden Entscheidungen darzustellen, die sowohl bei der Suche, aber auch bei der Beantwortung von Forschungsfragen relevant sind. Um meine Erfahrung einbringen zu können, empfehle ich eine pädagogische Perspektive, d.h. einen Fokus auf die Praxis des Vermittelns, auf Vermittlungsgegenstände, Vermittlungscurricula, Rollen in der Vermittlungsinteraktion, usw. Bitte beachtet außerdem, dass erst durch die Verknüpfung von Fragestellung und Methodik (Vorgehen zum Gewinnen von Daten zur Beantwortung dieser Frage) die Qualität einer Idee beurteilt werden kann. Für das Formulieren einer Fragestellung ist es unbedingt notwendig, vorher ein paar aktuelle Zeitschriftenbeiträge zum Thema zu lesen. Für die Methodik ist es unbedingt notwendig, in ein Methodenhandbuch aus der Bibliothek zu schauen (z.B. Döring & Bortz, 2016). Themenfelder • Ringen und Kämpfen in der Schule • Kampfsport, Kampfkunst, Selbstverteidigung • Schulen, NRW-Sportschulen, Schulsystem • Lehrpläne, (Sport-)Unterricht, Lehrer*innen(aus)bildung • Nichtlineare Pädagogik (NLP) / Constraints-led Approach (CLA) • eSports • Motivation (Selbstbestimmungstheorie, Gamification) • Professionalität / Expertise Forschungsperspektiven • Pädagogische Perspektive Veränderungsintentionen Vermittlungsansätze Rollenverhältnisse • Fachdidaktische Perspektive Gegenstandsspezifische Eigenheiten im Vermittlungsprozess Erhebungsmethoden • Interviews (verschiedene Arten) • Systematische Reviews, Scopus Review • Dokumenten- und Videoanalyse • Fragebögen Auswertungsmethoden • Qualitative Inhaltsanalyse (z.B. mit MAXQDA) • Beschreibende Statistik (z.B. mit Excel) https://www.dshs-koeln.de/institut-fuer-vermittlungskompetenz-in-den-sportarten/das-institut/abteilung-trainingspaedagogik-und-martial-research/leitbild/ mailto:koerner@dshs-koeln.de • Prüfende Statistik (z.B. mit SPSS) Forschungsziele • Hypothesengenerierung • Erhebung von Sachwissen • Theorie- oder Modellentwicklung • Hypothesenprüfung Konkrete Themen und Fragestellungen • Das aktuelle Ringen und Kämpfen Projekt - Art & Umfang von Ringen und Kämpfen in der Schule (z.B. Inhalte, Bewertungsformen, Lehrmethoden), Wissensnutzung der Lehrkräfte für deren Ringen und Kämpfen Unterricht, Limitationen bei der Auswahl und Durchführung von Ringen und Kämpfen im Sportunterricht. • Unterrichtsmaterial im RuK - Wie muss Material erstellt worden sein, damit Lehrkräfte zur Thematisierung von RuK im Sportunterricht motiviert werden? • Wie erleben Schüler*innen ihren RuK Unterricht? • Das aktuelle CLA-Projekt - Welche kognitiven und motorischen Veränderungen können durch die Variation der Aufgabenstellung mithilfe des CLA beobachtet werden? • Subjektive Theorien zum Kämpfen von Lehramtsstudierenden, Lehrkräften, Eltern, Schüler*innen, etc. • Scopus-Review zu Ringen und Kämpfen in der Schule • Systematisches Review zur Persönlichkeitsentwicklung durch Ringen und Kämpfen https://fis.dshs-koeln.de/portal/de/projects/diskrepanz-zwischen-theorie-und-praxis--ringen-und-kampfen-in-der-schule(d77d2b49-f385-4c32-9dd4-04b78cac8217).html https://fis.dshs-koeln.de/portal/de/projects/der-constraintsled-approach-in-schule-und-leistungssport(bbbd1271-6a4c-40a4-a238-ea2789f6d003).html Institut für Vermittlungskompetenz in den Sportarten Abt. 2 Trainingspädagogik und Martial Research Themenbereiche für Abschlussarbeiten (Bachelor, Master, Staatsexamen) Ansprechpartner: Dr. Susen Werner, werner@dshs-koeln.de Motorisches Lernen Im Rahmen einer Abschlussarbeit kann anhand experimenteller Daten eine speziellen Form des motorischen Lernens, die visuomotorische Adaptation, untersucht werden. Hierbei werden bereits gelernte Bewegungen an neue Umgebungsbedingungen angepasst. Untersuchungen beinhalten zum Beispiel die Bestimmung impliziter und expliziter Prozessen der Adaptation, den Effekt von variablem Übens auf die Geschwindigkeit des Lernens oder die Messung von Adaptation und intermanuellem Transfer bei verschiedenen Probandengruppen. Kampfkunst und Persönlichkeitsentwicklung Abschlussarbeiten zu Kampfkunst und Persönlichkeitsentwicklung bieten zahlreiche Ansatzpunkte: Welche Potenziale bieten verschiedene Kampfkünste? Welche Ziele verfolgen die Teilnehmenden? Ist ein positiver Effekt auf die Persönlichkeit messbar? Wie kann Persönlichkeit in diesem Zusammenhang operationalisiert werden? Aikido Aikido ist eine moderne japanische Kampfkunst. Offene Fragestellungen zum Aikido können an-hand von Abschlussarbeiten bearbeitet werden: Untersuchungen zum Aufwärmen und der Kraft-entwicklung im Aikido im Zusammenhang zu Faszien Forschung, Effekte des beidhändigen Trainings auf motorisches Lernen/Händigkeit/interhemisphärische Kommunikation, Fallprophylaxe bei Älteren durch Aikido Fallschule, Aikido in der Schule… Fragestellungen und spezifische Themenvorschläge zu den o.g. Themenbereichen finden Sie auf der Homepage des Instituts und als Kopiervorlage im Sekretariat / HG, Raum 503) mit ersten Literaturhinweisen. Eigene Themenvorschläge sind ebenfalls erwünscht Ausschreibung Abschlussarbeiten „Decision-Making als Studienziel im Lehramt?“ Sportlehrkräfte treffen Entscheidungen im Schulalltag. Bei aller Planung ist die Situativität im Unterricht ausschlaggebend: Wie reagiere ich auf diese Störung? Warum läuft es gerade nicht? Was hat die eine Gruppe so gepackt, während die andere keinen Ansatz findet? Professionelles Lehrhandeln basiert auf einer begründeten Entscheidungsfindung. Im Lehramtsstudium ist die Lehrpraxis eine Perspektive, die Wissenschaft mit ihrem Anspruch einer methodisch kontrollierten Erkenntnisgewinnung ebenfalls. Doch wie ist das Verhältnis im Studium zwischen der Vermittlung von Inhalten, Entscheidungskompetenzen und dem Anspruch methodisch kontrolliert Wissen zu gewinnen? Inwieweit bereitet das Studium auf die Situationsanalyse und die Entscheidungsfindung vor? Kontakt: Dr. Benjamin Bonn b.bonn@dshs-koeln.de I Univ.-Prof. Dr. Dr. Swen Körner koerner@dshs-koeln.de I Tilman Uhlich t.uhlich@dshs-koeln.de Abteilung Trainingspädagogik und Martial Research, Institut für Vermittlungskompetenz in den Sportarten, Deutsche Sporthochschule Köln Auf der Suche nach einem Thema? Abschlussarbeiten können sich dem Thema Decision- Making als Studienziel im Lehramt widmen, z.B. qual. Inhaltsanalysen universitärer Curricula. mailto:b.bonn@dshs-koeln.de mailto:koerner@dshs-koeln.de mailto:t.uhlich@dshs-koeln.de Ausschreibung Abschlussarbeiten „Game Design im Sport“ Videospiele bieten einiges, was aktuell für andere Kontexte wie Training oder Schule erprobt wird. Unter dem Stichwort Gamification ist beispielsweise die Förderung von Motivation regelmäßiges Thema. Ein zentraler Punkt im Gameplay von Videospielen sind Mechaniken, bspw. in Form von Souls-like, vampires-like und mehr. Mechaniken in Videospielen sind teilweise genreprägend, in jedem Fall wohl spielprägend. Wie lassen sich diese Mechaniken systematisch erfassen und analysieren? Und inwieweit bieten sie Inspiration und Instruktion für das Design von Training oder Sportunterricht, oder sind für pädagogische Zusammenhänge kritisch zu diskutieren? Kontakt: Dr. Benjamin Bonn b.bonn@dshs-koeln.de I Univ.-Prof. Dr. Dr. Swen Körner koerner@dshs-koeln.de I Tilman Uhlich t.uhlich@dshs-koeln.de Abteilung Trainingspädagogik und Martial Research, Institut für Vermittlungskompetenz in den Sportarten, Deutsche Sporthochschule Köln Auf der Suche nach einem Thema? Abschlussarbeiten können sich dem Thema Game Design: Mechaniken in Videospielen und deren Transfer auf Sportpädagogik widmen, z.B. in systematischen Erhebungen. mailto:b.bonn@dshs-koeln.de mailto:koerner@dshs-koeln.de mailto:t.uhlich@dshs-koeln.de Ausschreibung Abschlussarbeiten „Der Effekt eines Semesters“ Die Überzeugung, dass das eigene Handeln zum Erfolg führt, spielt eine entscheidende Rolle in vielfältigen Situationen (Bandura). Das Studium als Teil der individuellen Professionalisierung bietet Lerngelegenheiten (und Prüfungen), aber: Welche Auswirkungen hat das Sportstudium eigentlich auf die Wahrnehmung der eigenen Professionalität? Welchen Effekt hat ein Semester Studium auf die subjektive Selbstwirksamkeitserwartung? Auf der Suche nach einem Thema? Abschlussarbeiten können sich dem Thema Professionelle Selbstwirksamkeit im Sportstudium widmen, z.B. in qualitativen Interviews. Kontakt: Dr. Benjamin Bonn b.bonn@dshs-koeln.de I Univ.-Prof. Dr. Dr. Swen Körner koerner@dshs-koeln.de I Tilman Uhlich t.uhlich@dshs-koeln.de Abteilung Trainingspädagogik und Martial Research, Institut für Vermittlungskompetenz in den Sportarten, Deutsche Sporthochschule Köln mailto:b.bonn@dshs-koeln.de mailto:koerner@dshs-koeln.de mailto:t.uhlich@dshs-koeln.de Ausschreibung Abschlussarbeiten „University Narratives“ Was lässt sich eigentlich über die Uni und das Studieren erzählen? Gibt es Held:innen? Was ist das Master-Narrativ in diesem akademischen Zusammenhang? Menschen verorten sich unter anderem über Erzählungen: Erzählungen über sich selbst und ihre Umwelt. Die Universität bildet einen Teil der Umwelt, zumindest in einer Lebensphase als Student:in oder in anderen Rollen, hier als Sportstudent:in. Was sind die entscheidenden Stories, die wir uns und anderen darüber erzählen? Was ist die Story, die jeweilige Universitäten erzählen? Auf der Suche nach einem Thema? Abschlussarbeiten können sich dem Thema Erzählungen über Studium und Universität widmen, z.B. in qualitativen Interviews oder Dokumentenanalysen. Kontakt: Dr. Benjamin Bonn b.bonn@dshs-koeln.de I Univ.-Prof. Dr. Dr. Swen Körner koerner@dshs-koeln.de I Tilman Uhlich t.uhlich@dshs-koeln.de Abteilung Trainingspädagogik und Martial Research, Institut für Vermittlungskompetenz in den Sportarten, Deutsche Sporthochschule Köln mailto:b.bonn@dshs-koeln.de mailto:koerner@dshs-koeln.de mailto:t.uhlich@dshs-koeln.de Ausschreibung Abschlussarbeiten „The Hero's Training“ Ob Batmans Kinnhaken, Luffys King Kong Gun, Son Gokus Kamehame-Ha, Hinatas Aufsteiger oder Captain Tsubasas Torabschluss. Sie haben etwas gemeinsam: Es wurde dafür trainiert. Manga, Anime, Comics, Filme und mehr sind Teil der Popkultur und in manchen Fällen spielt „Training“ in der Erzählung eine zentrale Rolle. Ob Sport, Musik, übernatürliche Kraft: Mit welchen Methoden entwickeln Held:innen (oder Villains) ihre Skills weiter? Welche Konzepte finden sich in Darstellungen zu Sport, Kampf und mehr? Was wird über Training erzählt? Auf der Suche nach einem Thema? Abschlussarbeiten können sich dem Thema Training in der Popkultur widmen, z.B. Dokumenten- oder Videoanalysen. Kontakt: Dr. Benjamin Bonn b.bonn@dshs-koeln.de I Univ.-Prof. Dr. Dr. Swen Körner koerner@dshs-koeln.de I Tilman Uhlich t.uhlich@dshs-koeln.de Abteilung Trainingspädagogik und Martial Research, Institut für Vermittlungskompetenz in den Sportarten, Deutsche Sporthochschule Köln mailto:b.bonn@dshs-koeln.de mailto:koerner@dshs-koeln.de mailto:t.uhlich@dshs-koeln.de Ausschreibung Abschlussarbeiten „Schlüsselmomente des Lernens“ Ein spontanes Aha!-Erlebnis, das alles verändert; ein Meilenstein in der sportlichen Karriere zum Feiern und Stolzsein; eine spontane Aktion, die nach Jahren Anekdoten und gemeinsame Nostalgie prägt. Manche Erfahrungen bleiben in Erinnerung, andere nicht. Worin liegt das Besondere prägender Momente? Pädagogik nimmt sich mit guter Absicht an, Menschen beim Lernen und ihrer Entwicklung zu fördern. Wie steht es um den Blick der Pädagogik für das Besondere von Momenten? Können und sollten genau jene Momente pädagogisch designt werden, die sich vom Alltag einschneidend abheben? Und wenn ja, wie? Auf der Suche nach einem Thema? Abschlussarbeiten können sich dem Thema Schlüsselmomente des Lernens widmen, z.B. in Reviews, Konzeptionen oder qualitativen Studien. Kontakt: Dr. Benjamin Bonn b.bonn@dshs-koeln.de I Univ.-Prof. Dr. Dr. Swen Körner koerner@dshs-koeln.de I Tilman Uhlich t.uhlich@dshs-koeln.de Abteilung Trainingspädagogik und Martial Research, Institut für Vermittlungskompetenz in den Sportarten, Deutsche Sporthochschule Köln mailto:b.bonn@dshs-koeln.de mailto:koerner@dshs-koeln.de mailto:t.uhlich@dshs-koeln.de Ausschreibung Abschlussarbeiten „Ref im Blick“ Nach dem Lehramtsstudium steht für viele das Referendariat an. Wie sieht steht es eigentlich um Erkenntnisse zu dieser Ausbildungsstruktur und ihren Wirkungen auf das Lernen der angehenden Lehrkräfte aus? Das Ref ist kein blind spot, aber auch kein Spotlight der Forschung. In erster Linie kann es also darum gehen, die Evidenz zum Referendariat zu scopen. Auf der Suche nach einem Thema? Abschlussarbeiten können sich dem Thema Ref im Blick widmen, z.B. in Reviews oder qualitativen Studien. Kontakt: Dr. Benjamin Bonn b.bonn@dshs-koeln.de I Univ.-Prof. Dr. Dr. Swen Körner koerner@dshs-koeln.de I Tilman Uhlich t.uhlich@dshs-koeln.de Abteilung Trainingspädagogik und Martial Research, Institut für Vermittlungskompetenz in den Sportarten, Deutsche Sporthochschule Köln mailto:b.bonn@dshs-koeln.de mailto:koerner@dshs-koeln.de mailto:t.uhlich@dshs-koeln.de Ausschreibung Abschlussarbeiten „Motive im Training“ Das Warum des Sporttreibens ist regelmäßig Thema in Abschlussarbeiten. Vermutlich die Mehrheit der Abschlussarbeiten wird jedoch nicht veröffentlicht - obwohl ihre Ergebnisse womöglich interessante Einsichten einbringen. Vor diesem Hintergrund kann es Sinn machen, ihre Erkenntnisse zusammenzubringen. Welche Motive treiben Menschen im Sport oder im Training? Wie ist der Status Quo aus Sicht von Abschlussarbeiten? Auf der Suche nach einem Thema? Abschlussarbeiten können sich dem Thema Motive im Training widmen, z.B. einem scoping oder systematic review. Kontakt: Dr. Benjamin Bonn b.bonn@dshs-koeln.de I Univ.-Prof. Dr. Dr. Swen Körner koerner@dshs-koeln.de I Tilman Uhlich t.uhlich@dshs-koeln.de Abteilung Trainingspädagogik und Martial Research, Institut für Vermittlungskompetenz in den Sportarten, Deutsche Sporthochschule Köln mailto:b.bonn@dshs-koeln.de mailto:koerner@dshs-koeln.de mailto:t.uhlich@dshs-koeln.de Ausschreibung Abschlussarbeiten „Die Ideale Lerngruppe“ Was ist die „ideale Lerngruppe“ im Sportunterricht? Darauf gibt es vermutlich sehr unterschiedliche Antworten. Wir interessieren uns für die Sichtweisen, die Sportstudierende im Lehramt auf diese Frage haben. Haben sie subjektive Vorstellungen dazu, was eine „ideale Lerngruppe“ ausmacht? Und vor allem: Welche Verständnisse von Lernen, Lehren, Sport, Körper, Leistung, Diversität und vielem mehr werden darin deutlich? Und gibt es Unterschiede in den Sichtweisen von Studierenden? Auf der Suche nach einem Thema? Abschlussarbeiten können sich dem Thema „Ideale Lerngruppe“ widmen, z.B. in einer qualitativ schriftlichen oder mündlichen Befragung. Kontakt: Dr. Benjamin Bonn b.bonn@dshs-koeln.de I Univ.-Prof. Dr. Dr. Swen Körner koerner@dshs-koeln.de I Tilman Uhlich t.uhlich@dshs-koeln.de Abteilung Trainingspädagogik und Martial Research, Institut für Vermittlungskompetenz in den Sportarten, Deutsche Sporthochschule Köln mailto:b.bonn@dshs-koeln.de mailto:koerner@dshs-koeln.de mailto:t.uhlich@dshs-koeln.de Ausschreibung Abschlussarbeiten „Die Ideale Trainingsgruppe“ Was ist die ideale Trainingsgruppe? Darauf gibt es vermutlich sehr unterschiedliche Antworten. Wir interessieren uns für die Sichtweisen, die (angehende) Trainer:innen im Sport auf diese Frage haben. Haben sie subjektive Vorstellungen dazu, was eine ideale Trainingsgruppe ausmacht? Welche Verständnisse von Lernen, Lehren, Trainieren, Coaching, Fehlerkultur, Sport, Körper, Leistung und vielem mehr werden darin deutlich? Auf der Suche nach einem Thema? Abschlussarbeiten können sich dem Thema „Ideale Trainingsgruppe“ widmen, z.B. in einer qualitativ schriftlichen oder mündlichen Befragung. Kontakt: Dr. Benjamin Bonn b.bonn@dshs-koeln.de I Univ.-Prof. Dr. Dr. Swen Körner koerner@dshs-koeln.de I Tilman Uhlich t.uhlich@dshs-koeln.de Abteilung Trainingspädagogik und Martial Research, Institut für Vermittlungskompetenz in den Sportarten, Deutsche Sporthochschule Köln mailto:b.bonn@dshs-koeln.de mailto:koerner@dshs-koeln.de mailto:t.uhlich@dshs-koeln.de Ausschreibung Abschlussarbeiten „Kognitive Aktivierung & (Sport)unterricht “ „Kognitive Aktivierung“ ist im deutschsprachigen Bildungsdiskurs en vogue. Auch in der Sportpädagogik ist das aufblühende Konstrukt angekommen und stark vertreten. Trotz oder gerade weil die Beitragsdichte zum „kognitiv aktivierenden Sportunterricht“ zunimmt lohnt es sich eine Blick auf dessen Ursprung zu werfen. Von Interesse ist, wie sich die Forschung um die kognitive Aktivierung begründet bzw. wie deren Genese von statten ging. Gleichzeit lohnt es sich sportpädagogische und kognitionspsychologische Ansätzen zu vergleichen. Auf der Suche nach einem Thema? Abschlussarbeiten können sich dem Thema Kognitive Aktivierung im Sportunterricht widmen, z.B. in Reviews oder Diskursanalysen. Kontakt: Tilman Uhlich t.uhlich@dshs-koeln.de Abteilung Trainingspädagogik und Martial Research, Institut für Vermittlungskompetenz in den Sportarten, Deutsche Sporthochschule Köln mailto:t.uhlich@dshs-koeln.de Ausschreibung Abschlussarbeiten „Deduktiv vs. CLA - I“ Ausgehend von der DSHS-internen Lehrförderung für das Sommersemester 2025 mit dem Themenschwerpunkt „Lehren und Lernen mit Videos in der Sportpraxis“ wird dieses MikroProjekt die Effekte zweier unterschiedlicher Vermittlungsmodelle auf das studentische Erleben zum Kämpfen erfassen. Der Auswahl dieser Vermittlungsmodelle liegt das pädagogische Verständnis von intentionaler und extensionaler Erziehung zugrunde (Treml, 2000). Für das Projekt werden für die intentionale Erziehung ein deduktiver Vermittlungsweg und für die extensionale Erziehung eine Orientierung am constraint led approach (Renshaw et al., 2019; Renshaw & Show, 2019) gewählt. Auf der Suche nach einem Thema? Abschlussarbeiten können sich dem Thema Kämpfen lernen und lehren widmen, z.B. in qualitativen Studien (Videoanalyse + qual. Inhaltsanalyse). Kontakt: Dr. Benjamin Bonn b.bonn@dshs-koeln.de I Univ.-Prof. Dr. Dr. Swen Körner koerner@dshs-koeln.de I Tilman Uhlich t.uhlich@dshs-koeln.de Abteilung Trainingspädagogik und Martial Research, Institut für Vermittlungskompetenz in den Sportarten, Deutsche Sporthochschule Köln mailto:b.bonn@dshs-koeln.de mailto:koerner@dshs-koeln.de mailto:t.uhlich@dshs-koeln.de Ausschreibung Abschlussarbeiten „Deduktiv vs. CLA - II“ Ausgehend von der DSHS-internen Lehrförderung für das Sommersemester 2025 mit dem Themenschwerpunkt „Lehren und Lernen mit Videos in der Sportpraxis“ wird dieses MikroProjekt die Effekte zweier unterschiedlicher Vermittlungsmodelle auf das studentische Lernergebnis im Kämpfen erfassen. Der Auswahl dieser Vermittlungsmodelle liegt das pädagogische Verständnis von intentionaler und extensionaler Erziehung zugrunde (Treml, 2000). Für das Projekt werden für die intentionale Erziehung ein deduktiver Vermittlungsweg und für die extensionale Erziehung eine Orientierung am constraint led approach (Renshaw et al., 2019; Renshaw & Show, 2019) gewählt. Auf der Suche nach einem Thema? Abschlussarbeiten können sich dem Thema Kämpfen lernen und lehren widmen, z.B. in quantitativen Studien (Videoanalyse + Mixed ANOVA). Kontakt: Dr. Benjamin Bonn b.bonn@dshs-koeln.de I Univ.-Prof. Dr. Dr. Swen Körner koerner@dshs-koeln.de I Tilman Uhlich t.uhlich@dshs-koeln.de Abteilung Trainingspädagogik und Martial Research, Institut für Vermittlungskompetenz in den Sportarten, Deutsche Sporthochschule Köln mailto:b.bonn@dshs-koeln.de mailto:koerner@dshs-koeln.de mailto:t.uhlich@dshs-koeln.de

  • gutachten-tourismus-und-klimawandel-in-nrw_final_2022_09_01_.pdf
    www.wirtschaft.nrw Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen Optionen und Perspektiven Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 2 Inhaltsverzeichnis Vorwort ........................................................................................................................................ 3 Management Summary ............................................................................................................... 4 1. Einführung, Aufgabenstellung, Methodik ............................................................................... 8 2. Relevante Klimafaktoren und ihre Wirkung .......................................................................... 11 2.1 Grundlagen .................................................................................................................. 11 2.2 Darstellung Klimaparameter ........................................................................................ 12 2.3 Wirkung der Klimafaktoren .......................................................................................... 13 2.3.1 Temperatur ...................................................................................................... 13 2.3.2 Niederschlag ................................................................................................... 16 2.3.3 Wirkung der Klimafaktoren auf den Menschen ................................................ 17 2.3.4 Veränderung der Jahreszeiten ........................................................................ 18 3. Tourismus in NRW: Angebot und Nachfrage ....................................................................... 20 4. Tourismusarten .................................................................................................................... 22 5. Landschaftsräume ............................................................................................................... 36 6. Chancen und Risiken ........................................................................................................... 43 7. Handlungsempfehlungen ..................................................................................................... 48 7.1 Ziele und Strategien .................................................................................................... 48 7.2 Optionen nach Handlungsfeldern ................................................................................ 50 7.2.1 Infrastruktur ..................................................................................................... 51 7.2.2 Betriebe ........................................................................................................... 56 7.2.3 Angebote, Produkte......................................................................................... 61 7.2.4 Kommunikation ............................................................................................... 71 7.2.5 Organisation .................................................................................................... 74 7.3 Optionen nach Landschaftsräumen ............................................................................. 78 7.3.1 Regionsübergreifende Empfehlungen ............................................................. 78 7.3.2 Bergische Region ............................................................................................ 79 7.3.3 Rheinschiene .................................................................................................. 80 7.3.4 Mittelgebirge .................................................................................................... 82 7.3.5 Ruhrgebiet ....................................................................................................... 84 7.3.6 Flachland ......................................................................................................... 85 8. Ausblick und Aufgaben ........................................................................................................ 86 9. Anhang ................................................................................................................................ 91 9.1 Lufttemperatur ............................................................................................................. 91 9.2 Niederschlag ............................................................................................................... 94 9.3 Wind ............................................................................................................................ 97 9.4 Schneedecke bzw. Schneesport ................................................................................. 98 Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 3 Vorwort Sehr geehrte Damen und Herren, der Schutz des Klimas und die Schaffung eines nachhalti- gen Lebensraumes sind zentrale politische Aufgaben unse- rer Zeit. Die mit den notwendigen Transformationsprozessen zu- sammenhängenden Veränderungen betreffen alle wirt- schaftlichen und gesellschaftlichen Bereiche, so auch den Tourismus. Der Wandel des Klimas ist, dies wird häufig verkannt, auch ein Innovationstreiber, der zukunftsweisende Impulse für eine nachhaltige Weiterentwicklung der Tourismusbranche ge- ben kann. Mit dem Gutachten „Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Per- spektiven“ wird deutlich, wie Klimaschutz und erfolgreicher Tourismus sich wechselseitig verstär- ken können, denn durch Maßnahmen zur Anpassung an ein sich veränderndes Klima treten durchaus nutzbare, positive ökonomische Effekte auf. Das Gutachten liefert Handlungsempfehlungen für Regionen, Kommunen, Unternehmen und wei- tere Organisationen. Es zeigt – auch vor dem Hintergrund der Corona-Krise und den damit ein- hergehenden massiven finanziellen Verlusten für die Tourismuswirtschaft – Perspektiven auf, wie touristische Produkte angepasst und so Wettbewerbsvorteile für die Betriebe erreicht werden können. Die touristischen Akteure Nordrhein-Westfalens waren eng in den Erstellungsprozess des Gut- achtens eingebunden. In vielen Themenwerkstätten und Regionalkonferenzen konnten gemein- sam konkrete Vorschläge und realisierbare Anpassungsmaßnahmen erarbeitet werden. Nun kommt es darauf an, nachhaltige Umsetzungskonzepte zu entwickeln, die für den Tourismus in unserem Land von erheblicher Bedeutung sein werden. Wir setzen auf die Kooperation und die guten Ideen aller Beteiligten. In diesem Sinne gibt das Gutachten wertvolle Inspirationen für die Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft für das Tourismusland Nordrhein-Westfalen. Ich wünsche Ihnen eine erkenntnisreiche Lektüre und viel Inspiration für Ihre Arbeit. Mona Neubaur Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 4 Management Summary Der Tourismus leistet einen wesentlichen Beitrag zur Wirtschaftskraft des Landes Nordrhein- Westfalen mit Umsätzen in Milliardenhöhe. Der Klimawandel verändert die natürlichen Rahmen- bedingungen im Land Nordrhein-Westfalen langfristig und ist wesentlicher Treiber des Wertewan- dels. Der Schutz des Klimas und die Anpassung an die unvermeidbaren Folgen des Klimawan- dels sind zentrale politische und gesellschaftliche Aufgaben des 21. Jahrhunderts, zu denen auch der Tourismus seinen Beitrag leisten muss. Das vorliegende Konzept zeigt, wie Klimaschutz und erfolgreicher Tourismus wechselseitig von- einander profitieren können. Für die Agierenden in der Tourismuswirtschaft enthält es einen Werkzeugkasten mit konkreten, ökonomisch positiv wirkenden Handlungsoptionen und Anpas- sungsmaßnahmen an den Klimawandel. Klimawandel und Wertewandel werden als Treiber ver- standen und genutzt, um Nordrhein-Westfalen im Tourismus resilienter und nachhaltig zukunfts- fähiger zu machen. Klimafaktoren und ihre Wirkung Der Klimawandel wirkt sich darauf aus, wie wahrscheinlich das Auftreten bestimmter Witterungen und Wetterlagen ist. Diese sind ein wesentlicher Einflussfaktor der Angebotsverfügbarkeit und des Nachfrageverhaltens im Tourismus. Mit hoher Richtungssicherheit sind bereits in naher Zukunft (2021–2050) bezüglich der Parameter Temperatur und Hitzetage eindeutige Zunahmen festzustellen, Eistage und Frosttage nehmen eindeutig ab. Die absolute Veränderung der mittleren Temperatur fällt in allen Landschaftsräumen im Land Nordrhein-Westfalen nahezu identisch aus. Die niederschlagsbezogenen Parameter zeigen in den Klimaprojektionen Tendenzen im Hinblick auf eine saisonale Veränderung, vor allem für die ferne Zukunft (2071–2100): Zunahme der Win- terniederschläge und Abnahme der Sommerniederschläge bei insgesamt nur leicht steigenden Jahresniederschlagssummen. Für die Starkniederschlagstage wird eine leichte Zunahme proji- ziert. Quelle für diese Aussagen sind die regional differenzierten Daten des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (siehe auch klimaatlas.nrw.de) sowie des Deutschen Wetterdienstes. Die Klimaelemente wirken nicht nur auf den Menschen, dessen Gesundheit und Wohlbefinden, sondern verändern auch die Übergänge und Dauer der Jahreszeiten und damit die zeitlichen Muster im Tourismus: Die Winter werden kürzer, Frühling und Herbst länger (s. Abbildung 4). Insgesamt verbessern sich durch den Klimawandel die Voraussetzungen für Sommer-Outdoor- Aktivitäten, die für Schneesport-Aktivitäten werden schlechter. Tourismus in NRW – Arten und Landschaftsräume Das Reiseland Nordrhein-Westfalen hat eine hohe räumliche und damit verbundene thematische Vielfalt. Die touristische Nachfrage ist je nach Tourismusart sehr heterogen im Land Nordrhein- Westfalen und seinen Landschaftsräumen verteilt. Die räumlichen Schwerpunkte der in Teilen indoororientierten Tourismusthemen liegen entlang der Rheinschiene und im Ruhrgebiet. Der Fokus naturnaher Themen und Outdoor-Aktivitäten liegt in den Mittelgebirgen, der Bergischen Region und teilweise im Flachland (Münsterland, Nie- derrhein). Schneesport ist auf kleine Teile des Mittelgebirgsraums konzentriert, Gesundheitstou- rismus auf wenige Destinationen. Der Einfluss von Klima, Witterung und Wetter auf Angebotsverfügbarkeit und Nachfrageverhalten ist in den vorwiegend outdoororientierten Tourismusthemen am größten. Die höchste ökonomi- sche Bedeutung im Land Nordrhein-Westfalen haben allerdings Themen mit hoher Indoor- Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 5 Orientierung (Business-, Städte- und Kultur-, Messe- und Tagungstourismus). Sie können sich weitgehend wetter- und klimaunabhängig aufstellen. Der Tagestourismus ist für die Tourismuswirtschaft in Nordrhein-Westfalen besonders wichtig. Mehr als die Hälfte des touristischen Konsums geht auf private Tagesreisende zurück, deren Reiseentscheidungsverhalten in besonderem Maß vom Wetter und dessen Vorhersage abhängig ist. Chancen und Risiken Der Klimawandel wirkt nicht nur durch veränderte Temperatur- und Niederschlagsmuster und häufigere Extremwetterereignisse auf Angebot und Nachfrage im Tourismus. Durch seine medi- ale Präsenz als wichtige Herausforderung politischen, wirtschaftlichen und persönlichen Han- delns und des Ringens darum ist er auch wesentlicher Treiber des Wertewandels. Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Tourismusbranche basieren daher auf zwei Ein- flussebenen: direkte Auswirkungen durch Veränderung physikalischer Parameter (Temperatur, Nieder- schlag etc.) indirekte Auswirkungen durch begleitende ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Transformationsprozesse wie den Wertewandel und eine angepasste Gesetzgebung Im Vergleich zeigt sich, dass in der nahen Zukunft die indirekten Auswirkungen des Klimawandels auf Angebotsverfügbarkeit und Nachfrageverhalten überwiegen. Große Chancen ergeben sich, mit Ausnahme des Schneesporttourismus, in den Themenfeldern mit starkem Outdoor-Bezug. In den überwiegend urban geprägten und indoororientierten Themen sind, mit Ausnahme des Business- & MICE-Tourismus, sowohl direkte als auch indirekte Auswir- kungen vergleichsweise gering. Chancen und Risiken resultieren vorwiegend aus einem steigen- den Nachhaltigkeitsbewusstsein, einer wachsenden thermalen Eignung, verbunden mit längeren Saisonzeiten, steigenden Mobilitätskosten und CO2-Preisen sowie einer wachsenden Unsicher- heit und zunehmenden Extremen. Ziele und Strategien Angesichts der zunehmenden Wirkungen des Klimawandels auf den Tourismus ist es das zent- rale Ziel, die Resilienz und Zukunftsfähigkeit der gesamten Tourismusbranche im Klimawandel durch gezielte Maßnahmen in der Klimaanpassung und im Klimaschutz zu erhalten und auszu- bauen. Weil Nordrhein-Westfalen hohe Themenvielfalt auf engem Raum bietet, können Gäste flexibel zwischen den verschiedensten Angeboten wählen und wechseln. Diese Multioptionalität und der eigene bevölkerungsreiche Quellmarkt führen dazu, dass die Resilienz des Systems Tou- rismus für äußere Einflüsse im Land Nordrhein-Westfalen bereits recht hoch ist. Zukunftsstrategien für die Tourismusarbeit in Nordrhein-Westfalen sind deshalb: NRW nutzt die wachsende thermale Eignung und reagiert darauf mit weiterentwickelten und neuen Angeboten und Geschäftsmodellen. NRW fördert und kommuniziert die große Vielfalt des touristischen Angebotes und dessen Vernetzung und stärkt dadurch die Flexibilität, Reaktionsfähigkeit und Resilienz der Branche. NRW fördert und kommuniziert noch stärker seine authentischen und regionalspezifischen Angebote und Eigenschaften und profiliert sich damit als nachhaltiges Reiseziel. Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 6 NRW schafft die Rahmenbedingungen für eine nachhaltige und zukunftsfähige Tourismus- entwicklung, künftig verstärkt mit dem Fokus auf den Klimawandel. Klimawandel und zuneh- mendes Nachhaltigkeitsbewusstsein sind Treiber von Innovation und Fortschritt im Touris- mus. NRW konzentriert sich mehr auf den potenzialstarken Binnenmarkt. Optionen nach Handlungsfeldern und Landschaftsräumen Aus der Zielsetzung und den strategischen Überlegungen ergeben sich fünf Handlungsfelder. Diese enthalten 27 Maßnahmenbündel mit konkreten Empfehlungen, die zeigen, wie die wirt- schaftlichen Potenziale im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung genutzt werden können. Infrastruktur Städtische Klimaresilienz / Aufenthaltsqualität steigern – „Grüne und Blaue Stadt“ Veranstaltungsstätten flexibler machen Wege klimaangepasst gestalten Wassertouristische Angebote an zukunftsfähigen Standorten ausbauen Nachhaltige Mobilitätsangebote verbessern Betriebe Gastgewerbe für Outdoor-Themen qualitätsvoll entwickeln und ausbauen Nachhaltigkeitsmanagement in Betrieben etablieren und ausbauen Klimafreundliches Gebäude-/Energiemanagement in Betrieben etablieren Ressourceneffizienz und Abfallmanagement in Betrieben verbessern Betriebliche Nachhaltigkeit kommunizieren Angebote, Produkte Klimawandel und Nachhaltigkeit zum Gegenstand touristischer Angebote machen Outdoor- und Aktiv-Angebote für Städtereisende schaffen Buchbare, nachhaltige Pauschalen entwickeln Abhängigkeit von (Natur-)Schnee reduzieren Radtouristische Infrastruktur und Angebote verbessern und ausbauen Anreize für klimafreundliches Reisen schaffen Gesundheitskompetenzen der Heilbäder und Kurorte nutzen Naturparke zu Kompetenzzentren der Nachhaltigkeit entwickeln Regionale Kulinarik mit Erlebnis kombinieren Bessere Anbaubedingungen für bestimmte landwirtschaftliche Produkte touristisch nutzen Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 7 Kommunikation Besucher analog und digital lenken Warn- und Informationssysteme etablieren Sommerfrische kommunizieren Organisation Innovationen für Klimaschutz und -anpassung fördern Wissensmanagement zu Tourismus und Klimawandel betreiben Netzwerke und Organisationsstrukturen für Klimaschutz und -anpassung bilden Destinationsübergreifende Nachhaltigkeits-Kommunikationsstrategie etablieren Viele der Empfehlungen gelten regionsunabhängig. Dies betrifft insbesondere Empfehlungen zur betrieblichen Nachhaltigkeit, Mobilität und Organisation. Je nach Region ergeben sich in Abhän- gigkeit der besonders relevanten touristischen Themen unterschiedliche Schwerpunkte (s. Kap. 7.3). In den städtisch geprägten Landschaftsräumen, wie der Rheinschiene und dem Ruhrgebiet, stehen Maßnahmen in den Bereichen Städte- und Kultur-, Business- & MICE-, Event-, Shopping- und Erlebnistourismus im Mittelpunkt. Die eher ländlich geprägten Landschaftsräume, wie das Mittelgebirge, die Bergische Region und das Flachland, müssen sich künftig vor allem um die klimaangepasste Weiterentwicklung ihrer Infrastruktur, Betriebe und Angebote in den Outdoor- und aktivtouristischen Themenfeldern kümmern. Die Maßnahmen und deren Umsetzung stellen die Weichen für ein resilientes und nachhaltig zukunftsfähiges Tourismusland Nordrhein-Westfalen. Im nächsten Schritt geht es nicht nur da- rum, die Agierenden im Tourismus für die vor ihnen liegenden Aufgaben zu sensibilisieren, son- dern auch darum, den Transfer in die konkrete Arbeit von Destinationen, Kommunen, Tourismus- wirtschaft und weiteren Agierenden, Organisationen und Dienstleistern zu vollziehen. Klimaan- passung und Klimaschutz müssen sowohl in den Strukturen als auch in Prozessen und Konzep- ten auf allen Ebenen nachhaltig wirksam verankert werden. Über konkretes Handeln auf Betriebs-, Orts- und Destinationsebene, begleitet und abgestützt auf vertiefende bzw. maßnah- menbezogene Konzepte und Studien, können die hier angeregten Maßnahmen individuell umge- setzt werden. Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 8 1. Einführung, Aufgabenstellung, Methodik Dieses strategische Konzept „Tourismus und Klimawandel – Optionen und Perspektiven“ hat das Ziel, auf Basis wissenschaftlicher Hintergründe konkrete und ökonomisch positiv wirkende An- passungsmaßnahmen an den Klimawandel zu entwickeln. Damit grenzt sich dieses Konzept von bereits vorliegenden Studien zum Thema ab, in denen es vorrangig um Schutzmaßnahmen ge- gen die negativen Auswirkungen des Klimawandels geht. Dieser Bericht konzentriert sich auf folgende Themen: die Untersuchung und Darstellung der durch den Klimawandel zu erwartenden Veränderun- gen in definierten Landschaftsräumen in Nordrhein-Westfalen die Analyse ausgewählter touristischer Themen (z. B. Städte-, Schneesport-, Wander-, Rad- tourismus), deren Bedeutung und ihrer Bezüge zu den Folgen des Klimawandels konkrete, ökonomisch positiv wirkende Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel und entsprechende konkrete Handlungsoptionen für die Agierenden in verschiedenen Hand- lungsbereichen wie Infrastruktur, Betriebe, Angebote und Produkte, Kommunikation und Or- ganisation Optionen und Perspektiven, die sich zukünftig für die Tourismuswirtschaft in den relevanten Tourismusarten und einzelnen Landschaftsräumen sowie auf Landesebene aus dem Klima- wandel ergeben Die dargestellten konkreten Handlungsansätze sind das Ergebnis der Zusammenführung von: gutachterlichen Untersuchungsergebnissen zum Klimawandel in NRW und zu Entwicklun- gen und Trends in den einzelnen Tourismusarten 22 Expertengesprächen zur aktuellen und künftigen Relevanz des Klimawandels für den Tourismus in NRW mit Vertretern von Fach- und Destinationsorganisationen, Kommunen, der Industrie- und Handelskammer (IHK) und des Landesamtes für Natur, Umwelt und Ver- braucherschutz NRW (LANUV) zwei großen Digitalkonferenzen mit jeweils weit mehr als hundert Teilnehmenden und fünf digitalen Themenwerkstätten zwei Regionskonferenzen „Sauerland“ und „Düsseldorf“ mit Agierenden aus der Tourismus- branche sowie von Kommunen und Organisationen zur beispielhaften Vertiefung in zwei be- sonders relevanten Destinationstypen Methodik Erster Baustein ist die Beschreibung des Tourismus in NRW auf Landes- und Regionalebene mit der Kategorisierung von Landschaftsräumen. Als Landschaftsräume werden nach Vorgabe des Auftraggebers und unter Berücksichtigung der in NRW besonders heterogenen Strukturen mit eher naturräumlich geprägten Gebieten und ur- banen Räumen bzw. Ballungsgebieten anhand topografischer und klimarelevanter Gegebenhei- ten sowie tourismusbezogener Fakten und Daten kategorisiert: Bergische Region (Bergisches Land exkl. Leverkusen, Bergisches Städtedreieck, Kreis Mettmann) Rheinschiene (Bonn und Rhein-Sieg-Kreis, Köln und Rhein-Erft-Kreis, Leverkusen, Düssel- dorf, Rhein-Kreis Neuss, Duisburg) Mittelgebirge (Sauerland, Eifel, Teutoburger Wald, Siegerland) Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 9 Ruhrgebiet Flachland (Niederrhein exkl. Duisburg und Rhein-Kreis Neuss, Münsterland) Abbildung 1: Landschaftsräume in Nordrhein-Westfalen Quelle: eigene Darstellung ift GmbH Diesen fünf Räumen lassen sich alle zwölf Regionen bzw. als Destinationen definierten Räume zuordnen. Die Destinationen Sauerland (als beispielhafte aktivtouristische Region, Mittelgebirge und Schwerpunkt von Schneesport) und Düsseldorf (als beispielhafter MICE-Standort und städte- und kulturtouristisches Zentrum) sind Gegenstand vertiefender Fallstudien. Sie stehen stellver- tretend für andere, ähnlich positionierte Destinationen im Land. Zweiter Baustein ist die Untersuchung relevanter Klimafaktoren. Untersucht und dargestellt wer- den dazu die besonders relevanten Klimafaktoren Temperatur und Niederschlag. Vertiefend behandelt werden Schneedecke und Schneesport. In diesem Bericht stehen der Be- trachtungszeitraum „nahe Zukunft“ (2021–2050) und die Auswirkungen des Klimawandels auf den Tourismus im Mittelpunkt. Darüber hinaus werden dreizehn Tourismusarten bzw. -themen näher betrachtet, sowohl hin- sichtlich ihrer ökonomischen Bedeutung für NRW als auch in Bezug auf Trends und Entwicklun- gen, ihre Bedeutung in den einzelnen Landschaftsräumen und insbesondere in Bezug auf ihre Klimasensitivität und durch das Klima getriebene Faktoren. Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 10 Deutlich wird daraus, welche Regionen und Tourismusarten in welcher Weise vom Klimawandel betroffen sind und wie sich dies auf die touristischen Segmente auswirkt. Das folgende Schaubild (Abbildung 2) zeigt die Bearbeitungsphasen des Konzeptes. Im oberen Teil sind die inhaltlichen Bausteine dargestellt: Die Handlungsempfehlungen leiten sich insbeson- dere auch aus den Beteiligungsformaten ab, die im unteren Teil der Abbildung dargestellt sind. Bei den fünf digitalen Themenwerkstätten zu den Themen Städte/Kultur/Shopping, Business, Na- tur und Aktiv, Gesundheit, Event/Kulinarik/Erlebnis sowie den zwei Regionskonferenzen für die exemplarisch ausgewählten Destinationen Sauerland und Düsseldorf gab es insgesamt rund 270 Teilnehmende aus dem Tourismus, darunter auch eine Reihe von Betrieben. Dabei entstanden mehr als 300 konkrete Handlungsvorschläge, die dann für diesen Bericht zu 27 Themenbündeln zusammengefasst wurden. Abbildung 2: Bearbeitungsphasen des Konzeptes Quelle: eigene Darstellung ift GmbH Für die vorliegende Studie standen flächendeckende Grundlagendaten zur Entwicklung relevan- ter Klimafaktoren von LANUV und DWD zur Verfügung, die themenspezifisch und lokal ergänzt wurden. Mit dem digitalen Klimaatlas Nordrhein-Westfalen stellt das LANUV NRW umfassende Informati- onen zum Klima und seiner Entwicklung in Nordrhein-Westfalen zur Verfügung. Die Auswertun- gen beruhen auf Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Als analoges Produkt wurden zu- dem die „Datenblätter zum Klimawandel“ für das gesamte Bundesland sowie für die acht Groß- landschaften in NRW erstellt (LANUV 2018, LANUV 2019 a-i). Diese Studie beruht somit auf den vom LANUV auf Basis der DWD-Wetterdaten erarbeiteten und zur Verfügung gestellten Daten und Klimaprojektionen (Quelle: https://www.klimaatlas.nrw.de). Ergänzend wurden für Detailaussagen zum Wintersport weiterführende Datenquellen herange- zogen, auf die entsprechend verwiesen wird. Die verwendeten Daten entstammen der Kartenanwendung zum Klimaatlas-NRW sowie den LANUV-Datenblättern zum Klimawandel. Ergänzend wurden Abfragen und Abbildungen aus dem Deutschen Klimaatlas (https://www.dwd.de/DE/klimaumwelt/klimaatlas/klimaatlas_node.html) in- tegriert. Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 11 2. Relevante Klimafaktoren und ihre Wirkung 2.1 Grundlagen Klimaveränderungen hat es in der Erdgeschichte häufig gegeben. In der Vergangenheit waren sie auf natürliche Ursachen, wie beispielsweise die Änderungen der Sonnenaktivität und der Erd- bahnparameter oder Vulkanaktivitäten zurückzuführen (z. B. Schönwiese 2013). Die derzeit statt- findenden klimatischen Veränderungen sind jedoch eindeutig auf den Menschen als Hauptverur- sacher zurückzuführen (IPCC 2021), weshalb man auch vom anthropogenen Klimawandel spricht. Auf Basis der LANUV-Auswertungen wird ein kurzer Überblick über den bereits zu beobachten- den Klimawandel und seinen Folgen in Nordrhein-Westfalen gegeben. Weiter wird aufgezeigt, wie sich das Klima in den nächsten 30 bis 40 Jahren wahrscheinlich weiterentwickeln wird und welche Folgen das für Mensch, Natur und Umwelt haben wird. Ob die berücksichtigten und dargestellten Szenarien so eintreffen, hängt insbesondere davon ab, in welchem Umfang die vorgesehenen Klimaschutzanstrengungen in den nächsten Jahren welt- weit umgesetzt werden. Um das Klimaabkommen von Paris umzusetzen und den globalen Tem- peraturanstieg auf max. 1,5 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, müssen weltweit die Staaten ihre Klimaschutzanstrengungen schnell und drastisch verstärken. Würden die bisher politisch zugesagten Emissionsminderungen umgesetzt, könnte die Erwärmung auf ca. 2,6 °C begrenzt werden, während bei einer weiterhin ungebremsten globalen Emission die Er- wärmung bis zu 4 °C oder mehr betragen könnte (https://climateactiontracker.org). Nordrhein-Westfalen gehört großräumig zur warmgemäßigten und feuchttemperierten Klima- zone. Kleinräumig hat Nordrhein-Westfalen eine abwechslungsreiche Topographie. Die höchste Erhebung liegt dabei 843 Meter über Meereshöhe. Die Senken erreichen örtlich nur zehn Meter über Meereshöhe. Da sich entsprechend der Höhenlage die natürlichen und klimatischen Gege- benheiten unterscheiden, hat das LANUV Nordrhein-Westfalen in acht Großlandschaften geglie- dert. Dazu gehören die Mittelgebirgsbereiche Nordrhein-Westfalens: das Bergische Land, die Ei- fel, das Sauer- und Siegerland sowie das Weserbergland, aber auch die Tiefebenen, wie Nieder- rheinische Bucht, Niederrheinisches Tiefland, Westfälische Bucht und Westfälisches Tiefland. Sie fassen jeweils Räume zusammen, die ein ähnliches Klima, basierend auf dessen Haupteinfluss- faktoren Topographie (ähnliche Höhenstufen) und Landnutzung, haben. Aufgrund der Datenlage lassen sich die klimabezogenen Aussagen für die Großlandschaften auch auf die Tourismusregionen übertragen, die zwar nicht exakt, aber doch im Wesentlichen den genannten Naturräumen entsprechen. Die Aussagekraft in Bezug auf die Klimawirkung bleibt dadurch unberührt. Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 12 2.2 Darstellung Klimaparameter Zunächst geben wir einen Überblick über die Entwicklung relevanter Klimafaktoren (s. Abbildung 3). Die Änderungen aller dargestellten Parameter zeigen in den Klimaprojektionen eindeutige Tendenzen und sind für die weitere Betrachtung die wichtigste Grundlage. Besonders relevant für den Tourismus sind sämtliche temperaturbezogenen Parameter. Sie zeigen ein starkes Kli- masignal mit hoher Richtungssicherheit. So sind bezüglich der Parameter Temperatur und Hitzetage eindeutige Zunahmen festzustellen, Eistage und Frosttage nehmen eindeutig ab. Die absolute Veränderung der mittleren Temperatur fällt in allen Landschaftsräumen im Land Nordrhein-Westfalen nahezu identisch aus. Das Ausmaß der Veränderung ist abhängig von der gewählten Projektion und dem Prognosezeitraum (nahe Zukunft, ferne Zukunft). Abbildung 3: Entwicklung relevanter Klimafaktoren Quelle: eigene Darstellung DSHS, ift GmbH Die niederschlagsbezogenen Parameter sind bei Klimamodellen deutlich schwieriger zu simulie- ren als die Temperatur, deshalb haben die Modellergebnisse hier eine deutlich höhere Streuung. Die niederschlagsbezogenen Parameter zeigen in den Klimaprojektionen Tendenzen im Hinblick auf eine saisonale Veränderung, vor allem für die ferne Zukunft: Zunahme der Winternieder- schläge und Abnahme der Sommerniederschläge bei insgesamt nur leicht steigenden Jah- resniederschlagssummen. Bei den Starkniederschlagstagen wird für beide berechneten und dargestellten Kenntage (> 10 bzw. > 20 mm Tagesniederschlagssumme) eine leichte Zunahme projiziert. Die für Nordrhein-Westfalen relevanten Klimaprognosen in Bezug auf Lufttemperatur, Nieder- schlag, Wind und Schneedecke für die nahe Zukunft bis zur Mitte des Jahrhunderts werden im Anhang (s. Kap. 9) ausführlicher dargestellt. Die Darstellung umfasst zudem eine Differenzierung nach Landschaftsräumen, Jahreszeiten und unterschiedlichen Szenarien zukünftiger Treibhaus- gasemissionen. Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 13 2.3 Wirkung der Klimafaktoren Das folgende Kapitel gibt eine zusammenfassende Darstellung über die im Rahmen der Studie untersuchten Kenngrößen unter Berücksichtigung der projizierten Veränderungen in naher (2021–2050) und ferner Zukunft (2071–2100) bezogen auf den Zeitraum 1971–2000 sowie sai- sonaler und regionaler Aspekte. Im Mittelpunkt stehen die damit verbundenen Auswirkungen auf den Tourismus. 2.3.1 Temperatur T Mittel (mittlere Temperatur in °C) Änderung (Jahr) eindeutige Zunahmen, Median nahe Zukunft: +1,0 °C bis +1,4 °C; ferne Zukunft: +1,0 °C bis +3,6 °C saisonale Aspekte Temperaturanstieg für alle Monate projiziert regionale Aspekte klare höhenabhängige Temperaturverteilung tourismus- bezogene Einschätzung vielfältige Einflüsse und Auswirkungen auf alle Tourismusbereiche, vgl. auch weitere temperaturabhängige Parameter und detaillierte Ausführun- gen Wintersporttourismus direkt negativ betroffen (z. T. Entzug der Grundlagen bzw. Saisonverkürzung, sowohl bezogen auf die natürliche Schneedecke als auch auf das Beschneiungspotenzial, Einfluss auf die Winteratmos- phäre allgemein) Für andere Teilsegmente sind regionale Vor- und Nachteile zu erwarten. Höhere Temperaturen können zu verlängerten Saisonzeiten führen (Bade- tourismus, Wandern, Rad, Aktiv, Camping, Natur, Erlebnistourismus), gleichzeitig aber auch negative Auswirkungen haben (Hitzestress, Trocken- heit, Borkenkäfer, Waldbrandgefahr, Landschaftsbild, Gewässerqualität, Wasserversorgung …). Höher gelegene Gebiete können im Sommer teilweise profitieren (Sommer- frische). Veränderung der Ökosysteme (Artenverluste, Neozoen, Neophyten) mit negativen Auswirkungen auf Landschaftsbild und Naturerlebnis, ggf. ge- sundheitliche Auswirkungen (Mückenplage, Zecken, Allergien, Gewässer- qualität, Algen etc.) Direkte ökonomische Auswirkungen aufgrund notwendiger Heiz- bzw. Kühl- kosten. Weniger Energieverbrauch im Winter bei steigender Lufttempera- tur, dafür steigende Energiekosten für eventuell nötige Kühlung im Som- mer. Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 14 Eistag (Anzahl Tage mit Tmax < 0 °C) Änderung (Jahr) eindeutige Abnahme, besonders für die ferne Zukunft. Median nahe Zu- kunft: –5 bis –8 Tage; ferne Zukunft: –6 bis –11 Tage saisonale Aspekte Auswirkungen im Winter regionale Aspekte klare Höhenabhängigkeit, vgl. oben, mehr Eistage in den Höhenlagen tourismus- bezogene Einschätzung weniger Kältestress, negative Auswirkungen Wintersport (wie oben), posi- tive ökonomische Auswirkungen (geringere Heizkosten, vgl. oben) Frosttag (Anzahl Tage mit Tmin < 0 °C) Änderung (Jahr) eindeutige Abnahme, besonders für die ferne Zukunft. Median nahe Zu- kunft: –16 bis –25 Tage; ferne Zukunft: –15 bis –42 Tage saisonale Aspekte Auswirkungen vor allem im Winter regionale Aspekte klare Höhenabhängigkeit, vgl. oben, mehr Frosttage in den Höhenlagen tourismus- bezogene Einschätzung weniger Kältestress, negative Auswirkungen Wintersport (wie oben), posi- tive ökonomische Auswirkungen (geringere Heizkosten, vgl. oben) Sommertag (Anzahl Tage mit Tmax > = 25 °C) Änderung (Jahr) eindeutige Zunahme, besonders für die ferne Zukunft. Median nahe Zu- kunft: +8 bis +14 Tage; ferne Zukunft: +9 bis +34 Tage saisonale Aspekte Auswirkungen vor allem im Sommer, z. T. auch im Frühjahr und Herbst regionale Aspekte klare Höhenabhängigkeit, vgl. oben, mehr Sommertage in den nieder gele- genen Landesteilen tourismus- bezogene Einschätzung Saisonverlängerung für outdoorbezogene Tourismusangebote, Saisonver- kürzung für Indoor-Angebote Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 15 Heiße Tage (Anzahl Tage mit Tmax > = 30 °C) Änderung (Jahr) eindeutige Zunahme, besonders für die ferne Zukunft. Median nahe Zu- kunft: +3 bis +6 Tage; ferne Zukunft: +4 bis +16 Tage saisonale Aspekte Auswirkungen vor allem im Sommer regionale Aspekte klare Höhenabhängigkeit, vgl. oben, mehr Heiße Tage in den nieder gelege- nen Landesteilen tourismus- bezogene Einschätzung Saisonverlängerung und positive Auswirkungen in Teilbereichen möglich (Badetourismus), negative Auswirkungen wie Hitzestress Höher gelegene Gebiete können im Sommer teilweise profitieren (Sommer- frische). negative ökonomische Auswirkungen (höhere Energiekosten für Kühlung, vgl. oben) Tropennächte (Anzahl Tage mit Tmin > = 20 °C nachts zwischen 18 und 6 Uhr) Änderung (Jahr) eindeutige Zunahme, besonders für die ferne Zukunft. Median nahe Zu- kunft: +0 bis +2 Tage; ferne Zukunft: +1 bis +9 Tage saisonale Aspekte Auswirkungen im Sommer regionale Aspekte klare Höhenabhängigkeit, vgl. oben, mehr Tropennächte in den nieder gele- genen Landesteilen tourismus- bezogene Einschätzung positive Auswirkungen in Teilbereichen möglich (Gastronomie), negative Auswirkungen wie Hitzestress Höher gelegene Gebiete können im Sommer teilweise profitieren (Sommer- frische). negative ökonomische Auswirkungen (höhere Energiekosten für Kühlung, vgl. oben) Sämtliche temperaturbezogenen Parameter zeigen ein starkes Klimasignal mit hoher Richtungs- sicherheit. Die Änderung der dargestellten Parameter zeigen allesamt in den Klimaprojektionen eindeutige Tendenzen und stellen für die weitere Betrachtung der touristischen Perspektiven die wichtigste Grundlage dar. Bezüglich der Parameter mittlere Temperatur, Sommertage, Heiße Tage, Tropentage und Tropennächte gibt es eindeutige Zunahmen, Eistage und Frosttage neh- men eindeutig ab. Im Hinblick auf die regionalen Aspekte ist vor allem die klare Höhenabhängigkeit aller tempera- turbezogenen Parameter relevant (im Ist-Zustand und in den Projektionen). Die Topographie des Landes spielt also die entscheidende Rolle für die räumliche Verteilung dieser Parameter. Dar- über hinaus zeigen alle temperaturbezogenen Parameter eine eindeutige Saisonalität. Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 16 2.3.2 Niederschlag Niederschlagssumme (mm) Änderung (Jahr) keine eindeutige Tendenz. Median nahe Zukunft: +3 %; ferne Zukunft: +2 % bis +5 % saisonale Aspekte deutliche Änderung des Niederschlagsregimes, vor allem für die ferne Zu- kunft, deutliche Zunahme der Winterniederschläge, Rückgang der Som- merniederschläge. Winterniederschläge Median ferne Zukunft: +2 % bis +14 % Sommerniederschläge Median ferne Zukunft: –3 % bis –8 % regionale Aspekte höhenabhängige Niederschlagsverteilung; Zunahme mit der Höhe; zudem Luv-/Lee-Effekte. Keine regional unterschiedlichen Veränderungen für die Zukunft ableitbar. tourismus- bezogene Einschätzung vielfältige Einflüsse und Auswirkungen auf fast alle Tourismusbereiche. Niederschlag wirkt sich direkt negativ auf outdoorbezogene Tourismusan- gebote aus (Ausnahme Schnee-/Wintersport), indoorbezogene Angebote profitieren. Eine Verringerung der Sommerniederschläge führt zu positiven Auswirkun- gen auf die outdoorbezogenen Angebote. Wassermangel beeinflusst alle Tourismusbereiche negativ. Direkt durch Trockenheit betroffen sind z. B. die Ausflugsschifffahrt oder Flusskreuzfahrten und der Kanutourismus, indirekt z. B. auch die Flussrad- wege. Negative Folgen der Trockenheit können sich auch auf das Landschaftsbild (Borkenkäfer, Waldbrandgefahr, höhere Anfälligkeit für Sturmwurf etc.) auswirken, das für die meisten outdoorbezogenen Tourismusangebote eine entscheidende Rolle spielt. Anzahl Tage mit Starkniederschlag (Niederschlag > 10 mm / Tag) Änderung (Jahr) leichte Zunahme; Median nahe Zukunft: +1 bis +2 Tage; ferne Zukunft: +1 bis +3 Tage saisonale Aspekte kein eindeutiger Trend regionale Aspekte höhenabhängige Verteilung der Starkniederschlagstage; Zunahme mit an- steigender Höhenlage tourismus- bezogene Einschätzung Extremereignisse (z. B. Flut) mit negativen Auswirkungen auf outdoorbezo- gene Tourismusarten und die gesamte Tourismusinfrastruktur (Personen- gefährdung, Betriebsausfälle, Schäden, Zerstörung, Versicherungssum- men, Beeinträchtigung des Landschaftsbildes) Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 17 Anzahl Tage mit Starkniederschlag (Niederschlag > 20 mm / Tag) Änderung (Jahr) leichte Zunahme; Median nahe Zukunft: +1 Tag; ferne Zukunft: +0 bis +2 Tage saisonale Aspekte kein eindeutiger Trend regionale Aspekte höhenabhängige Verteilung der Starkniederschlagstage; Zunahme mit an- steigender Höhenlage tourismus- bezogene Einschätzung Extremereignisse (z. B. Flut) mit negativen Auswirkungen auf outdoorbezo- gene Tourismusarten und die gesamte Tourismusinfrastruktur (Personen- gefährdung, Betriebsausfälle, Schäden, Zerstörung, Versicherungssum- men, Beeinträchtigung des Landschaftsbildes) Für die der Studie zu Grunde liegenden Klimamodelle sind die niederschlagsbezogenen Para- meter deutlich schwieriger zu simulieren als die Temperatur, so dass die Modellergebnisse eine deutlich höhere Streuung haben. Die niederschlagsbezogenen Parameter zeigen in den Klima- projektionen eindeutige Tendenzen im Hinblick auf eine saisonale Veränderung, vor allem für die ferne Zukunft, mit einer projizierten Zunahme der Winterniederschläge und einer Abnahme der Sommerniederschläge bei insgesamt nur leicht steigenden Jahresniederschlagssummen. Damit sind sie eine wichtige Grundlage für die weitere Betrachtung der Vulnerabilität. 2.3.3 Wirkung der Klimafaktoren auf den Menschen Neben der im vorigen Kapitel beschriebenen projizierten Veränderung der dargestellten Klima- faktoren und deren Auswirkungen auf den Tourismus im Allgemeinen ist auch die direkte Wirkung auf den Menschen zu berücksichtigen. Gesundheitsbezogen kann grundsätzlich unterschieden werden zwischen den direkten Folgen von extremen Temperaturen und anderen Extremwetterereignissen (z. B. steigende Risiken durch Hitzewellen, Gewitter, Überschwemmungen, Blitzschlag, UV-Strahlung) und den indirekten Folgen durch klimabedingte Veränderungen in unserem Ökosystem (z. B. durch erhöhte Luftver- schmutzung durch Ozon, höhere Allergenexposition und steigende Infektionsrisiken durch Viren und Bakterien etc.). Die Klimaelemente (Lufttemperatur, Feuchte, Wind, Strahlung usw.) wirken so auf den Menschen kombiniert in der Regel als lufthygienische, aktinische bzw. durch Sonnenstrahlung bedingte und thermische Wirkungskomplexe. Geeignete Verhaltensweisen unterstützen die physiologische Anpassung bei thermischen Wir- kungskomplexen: Durch adäquate Bekleidung, erhöhte bzw. verringerte Aktivität oder durch das Aufsuchen geschützter bzw. ungeschützter Orte kann man ganz bewusst für ein angenehmes Temperaturempfinden sorgen. Kältereize lassen sich dadurch oftmals auf ein erträgliches Maß reduzieren – bei Wärmebelastung sind die Anpassungsmöglichkeiten dagegen begrenzter. Der aktinische Wirkungskomplex behandelt die Komponenten der biologisch wirksamen Sonnen- strahlung; sie reichen vom infraroten über den sichtbaren bis zum UV-Bereich. Sowohl positive als auch schädigende Einflüsse sind bekannt: Infrarotstrahlung fördert die Durchblutung. Sicht- bares Licht beeinflusst Hormonhaushalt und Psyche. Das größte Wirkungsspektrum hat die UV- Strahlung: Hautbräunung, Vitamin-D3-Synthese, aber auch Schädigung von Hautzellen und Son- nenbrand sind nur einige – vielleicht die bekanntesten – Auswirkungen der UV-Strahlung. Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 18 Im lufthygienischen Wirkungskomplex werden die natürlichen und die durch den Menschen ver- ursachten Luftbeimengungen zusammengefasst. Sie können verschiedenartige Reaktionen aus- lösen: Die im Wald freigesetzten ätherischen Öle haben beispielsweise eine positive Wirkung, während Allergene und Schadstoffe den Menschen belasten können. Zu den Belastungsfaktoren zählen in NRW somit vor allem: extreme Hitze – Wärmebelastung ungünstige lufthygienische Bedingungen intensive oder zu geringe UV-Strahlung ausgeprägte Wetterwechsel. 2.3.4 Veränderung der Jahreszeiten Die sich verändernden Temperatur- und Niederschlagsregime haben eine zeitliche Verschiebung und veränderte Dauer der Jahreszeiten zur Folge. Die Blüte der Hasel markiert in der Phänologie den Beginn des Frühlings. Abbildung 4 zeigt, dass diese im Zeitraum von 1991–2020 im Durch- schnitt rund 17 Tage früher einsetzte als im Zeitraum von 1951–1980. Trotz eines ebenfalls früher beginnenden Sommers erhöhte sich die Dauer des Frühlings um rund sechs Tage. Der Herbst hatte die höchsten Zugewinne: seine Dauer erhöhte sich von 57 auf 77 Tage. Ein späterer Win- terbeginn sowie ein früherer Beginn des Frühlings führten dazu, dass sich die Dauer des Winters durchschnittlich um 24 Tage verringerte. Abbildung 4: Phänologische Uhr für NRW: Dauer der phänologischen Jahreszeiten in der Klimanormalperiode 1951–1980 und im Zeitraum 1991–2020 Quelle: LANUV NRW 2021 Der Klimawandel verändert nicht nur die zeitlichen Muster in der Phänologie, sondern auch im Tourismus. Vor allem die Ausübung outdoorbezogener Aktivitäten ist stark an die Jahreszeiten Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 19 und die damit verbundenen klimatischen Gegebenheiten gebunden. Das sich verändernde Klima verschiebt, verlängert oder verkürzt die Zeiträume, in denen diese Aktivitäten vorzugsweise aus- geübt werden. Bisher war die touristische Hochsaison in NRW im Sommer, gefolgt von Frühjahr und Herbst. Das gilt sowohl für den Übernachtungs- als auch für den Tagestourismus. Die im Leisure-Tourismus starken Saisonzeiten werden also länger. Insofern verbessern sich unter saisonalen Gesichts- punkten die Rahmenbedingungen für den NRW-Tourismus – mit Ausnahme des Wintersports. Insgesamt verbessern sich durch den Klimawandel die Voraussetzungen für Sommer-Outdoor-Aktivitäten, die für Schneesport-Aktivitäten werden schlechter. Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 20 3. Tourismus in NRW: Angebot und Nachfrage Tourismus umfasst die Gesamtheit aller Erscheinungen und Beziehungen, die mit dem Verlassen des üblichen Lebensmittelpunktes und dem Aufenthalt in einer anderen Destination verbunden sind. Eine große (Themen-)Vielfalt prägt entsprechend die Tourismuswirtschaft – vor allem im Land Nordrhein-Westfalen. Die nachfolgenden Analysen zum System Tourismus beinhalten daher sowohl geschäftlich und privat motivierte Reisen kurze und lange Reisen mit Übernachtung als auch Tagesreisen. Die wohnortnahe Freizeitgestaltung, die sich häufig in denselben Räumen abspielt und die glei- chen Infrastrukturen nutzt, ist nicht Gegenstand der Betrachtung. Im Jahr 2017 belief sich der touristische Konsum im Land auf 45,9 Milliarden Euro. Aufgrund der hohen Bevölkerungszahl und -dichte ist Nordrhein-Westfalen selbst sein wichtigster Quellmarkt. Binnentouristen sind für rund zwei Drittel des touristischen Konsums verantwortlich. Auf Privat- reisen entfallen ebenfalls rund zwei Drittel der Umsätze. Geschäftsreisende sind für rund 15 % des Konsums verantwortlich. Abbildung 5: Touristischer Konsum nach Reiseanlass 2017 Quelle: eigene Darstellung ift GmbH auf Basis Wirtschaftsfaktor Tourismus in NRW (Tourismus NRW, 2019) Der Tagestourismus ist für die Tourismuswirtschaft in Nordrhein-Westfalen besonders wichtig. Mehr als 60 % des touristischen Konsums geht auf private Tagesreisende und Tagesgeschäfts- reisende zurück. Mit einer direkten Bruttowertschöpfung in Höhe von 18,1 Milliarden Euro trägt der Tourismus 2,9 % zur gesamten Wirtschaftsleistung des Landes Nordrhein-Westfalen bei. Im Jahr 2017 waren insgesamt 467.800 Erwerbstätige in der Tourismuswirtschaft beschäftigt, das sind 5,0 % aller in Nordrhein-Westfalen erwerbstätigen Personen. Unter Berücksichtigung indi- rekter Effekte steigen die Bruttowertschöpfungseffekte auf 29,5 Milliarden Euro und der Beschäf- tigungseffekt auf rund 650.000 Arbeitsplätze. Eine detaillierte und verlässliche räumliche Differenzierung der Nachfrage ist nur auf Basis des Übernachtungstourismus in meldepflichtigen Betrieben möglich. Daten zum grauen Beherber- Der Tourismus sowie das damit verbundene Angebot und Nachfrageverhalten leisten einen wesentlichen Beitrag zur Wirtschaftskraft des Landes Nordrhein-Westfalen mit Umsätzen in Milliardenhöhe. Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 21 gungsmarkt (Privatquartiere, Kleinbetriebe, Besuche von Verwandten und Bekannten) sowie zum Tagestourismus liegen auf kommunaler oder Kreisebene nicht flächendeckend vor. Der Destina- tionMonitor für das Land Nordrhein-Westfalen (GfK 2014) beziffert den Anteil des grauen Beher- bergungsmarktes am Übernachtungstourismus durch Inländer im Jahr 2014 mit 41 %. Im Jahr 2019 unternahmen Tagesausflügler laut Tourismus NRW rund 750 Millionen Ta- gesausflüge nach oder innerhalb Nordrhein-Westfalens. Abbildung 6: Übernachtungen in gewerblichen Betrieben in Nordrhein-Westfalen und den Reiseregionen 2019 Quelle: eigene Darstellung ift GmbH auf Basis Daten IT.NRW 2021 Nachfrageschwerpunkte sind die Großstädte der Metropolregion Rheinland (Köln, Düsseldorf und Bonn), die Metropole Ruhr (Essen, Dortmund), die Ferienorte im Sauerland (Winterberg, Mede- bach, Schmallenberg) und die Kurorte im Teutoburger Wald (Bad Salzuflen, Bad Oeynhausen). Die Auswirkungen der Corona-Pandemie führten in den Jahren 2020 und 2021 zu erheblichen Nachfrageeinbrüchen, insbesondere bei Übernachtungsreisen. Die höchsten Rückgänge gab es in urban geprägten Räumen mit einer hohen Bedeutung des Business- & MICE- sowie des Event- tourismus. Ob und zu welchem Zeitpunkt die Nachfrage wieder das Vorkrisenniveau erreichen wird und welche Entwicklungen dieser Zeit sich verstetigen werden, ist zum Zeitpunkt der Veröf- fentlichung dieses Konzepts nicht fundiert zu prognostizieren. Die Reiseanalyse beispielsweise aber erwartet eine Normalisierung binnen zwei Jahren (Reiseanalyse 2022). Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 22 4. Tourismusarten Der Grad der Auswirkungen des Klimawandels auf das Angebot und die Nachfrage im Tourismus hängt maßgeblich von der jeweiligen Tourismusart ab. Das unterstreichen die Aussagen der im Rahmen dieses Konzeptes interviewten Expertinnen und Experten und eine Vielzahl wissen- schaftlicher Studien. Es gibt also größere individuelle Unterschiede je nach Tourismusart. Diese unterschiedlichen Ausprägungen werden in diesem Kapitel vorgestellt. Mit dem Ziel einer detaillierteren Betrachtung der Einflüsse und Auswirkungen des Klimawandels auf das touristische Angebot, dessen Nachfrage und ökonomische Relevanz werden im Folgen- den 13 ausgewählte Teilbereiche des Tourismus betrachtet. Da auch das touristische Marketing Nordrhein-Westfalens auf eine Auswahl an Themen zugespitzt ist, ergibt eine entsprechende Gliederung auch im Hinblick auf die Praxisnähe abgeleiteter Handlungsempfehlungen Sinn. Bei der Abgrenzung der Themen besteht die Herausforderung, dass es eine Vielzahl von Touris- musarten, Hauptreiseanlässen oder primären Urlaubsaktivitäten gibt, die sich z. T. überschnei- den, so dass eine eindeutige Zuordnung einer Reise oder eines Ausflugs zu einem Segment nur selten möglich ist. Für Wanderer und Radfahrer steht in der Regel auch das Naturerlebnis im Vordergrund, Erholungs- und Familienurlauber (als in Befragungen häufig angegebene Reisear- ten) üben ebenfalls zu großen Teilen verschiedene Aktivitäten während ihres Aufenthalts aus. Anhand vorliegender Marktforschungsergebnisse zum Tages- und Übernachtungstourismus lässt sich die ökonomische Relevanz einzelner Themen daher nur näherungsweise hochrech- nen.1 Dies betrifft auch die Darstellung relativer räumlicher Schwerpunkte, die entsprechend ka- tegorisiert erfolgt. Zusätzlich enthalten die Steckbriefe Informationen zu aktuellen, themenspezifischen Trends, mit dem Schwerpunkt auf klimabezogene Entwicklungen. Die Informationen geben Aufschluss dar- über, welche Anpassungen bereits stattgefunden haben bzw. derzeit stattfinden. Zugleich bieten die Steckbriefe eine Einschätzung zur Relevanz von Klima und Wetter für das Angebot und die Nachfrage in dem jeweiligen Segment. Dazu gehören sowohl Aussagen zu der- zeitigen Treibern der Nachfrage und des Nachfrageverhaltens sowie zu Einflussfaktoren des An- gebots als auch zu möglichen künftigen Entwicklungen bei einem Fortschreiten des Klimawan- dels. Die touristischen Themen sind in der Reihenfolge ihrer ökonomischen Bedeutung dargestellt – beginnend mit dem ökonomisch bedeutsamsten Thema. 1 Nachfolgende Angaben zur wirtschaftlichen Bedeutung einzelner Tourismusarten sind das Ergebnis von Hochrechnungen auf Basis DestinationMonitor (GfK, 2014), Qualitätsmonitor (dwif, 2014), Wirtschaftsfaktor Tourismus in NRW (Tourismus NRW, 2019), der ausgewiesene Anteil bezieht sich auf den Bruttoumsatz der Tourismusbranche in NRW im Jahr 2017 exkl. sonstiger Konsum und Outgoing-Tourismus Die Nachfrage nach outdoororientierten Tourismusarten reagiert in der Regel wesentlich stärker auf bestimmte Wetterlagen und Witterungen, deren Wahrschein- lichkeiten durch den Klimawandel beeinflusst werden, als die Nachfrage nach Indoor-Angeboten. Zugleich wirkt der Klimawandel auch auf die Angebotsverfüg- barkeit und -qualität sowie deren Kosten. Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 23 Business & MICE-Tourismus Abgrenzung Reisen und Tagesausflüge aus beruflichen oder wirtschaftlichen Gründen Ausprägungen Teilnahme an Geschäftsterminen, Seminaren, Schulungen, Konferenzen und Kongressen, Tagungen, Symposien, Incentives sowie der Besuch von Ausstellungen und Messen Wirtschaftliche Bedeutung / räumliche Schwerpunkte Entwicklungen und Trends mit Klimabezug wachsende Bedeutung outdoorbezogener Begleit-, Rahmen- und In- centive-Programme zunehmender Marktanteil von Green Meetings, hybriden, umwelt- und klimafreundlichen Veranstaltungen steigende Anforderungen an Unternehmen hinsichtlich Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Umweltverträglichkeit aktuell wegen Corona: Zunahme hybrider Veranstaltungen, (temporä- rer) Einbruch bei Messen, Kongressen, Events, Tagungen Klimasensitivi- tät und Treiber geringe Sensitivität gegenüber Wetter und Witterung, Ausnahme: Extremwetterereignisse ggf. verändertes Mobilitätsverhalten und geringeres Reiseaufkommen durch Digitalisierung, Nachhaltigkeitsbewusstsein, CO2-Preis, Reise- kosten etc. Betriebskosten (Heizung, Klimatisierung) von Gebäuden abhängig von Außentemperaturen Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 24 Eventtourismus Abgrenzung privat motivierte Reisen oder Ausflüge, deren Hauptanlass der Besuch ei- ner Veranstaltung ist Ausprägungen Besuch von (Volks-)Festen, Musik-, Kultur-, Sport- und Konsumevents, Karnevalsveranstaltungen Wirtschaftliche Bedeutung / räumliche Schwerpunkte Entwicklungen und Trends mit Klimabezug wachsende Zahl an Outdoor-Veranstaltungen flexible Veranstaltungsstätten mit der Möglichkeit, kurzfristig auf Wet- tereinflüsse zu reagieren steigende Nachfrage nach nachhaltigen Veranstaltungsorten zunehmende Sicherheitsbestimmungen aufgrund von Schadensereig- nissen in der Vergangenheit reduzierte Exponiertheit einiger Veranstaltungsstätten (Überdachung, Zelte) Klimasensitivi- tät und Treiber hohe Sensitivität von Outdoor-Veranstaltungen gegenüber Regen und Extremwetterereignissen (Sturm, Starkregen, Gewitter) z. T. verringerte Nachfrage an Hitzetagen (siehe Beispiel Garten- schauen) Dauer der Festival-Saison abhängig von Witterung in Frühjahrs- und Herbstmonaten weitgehende Temperaturunabhängigkeit von Weihnachtsmärkten Betriebskosten (Heizung, Klimatisierung) von Gebäuden abhängig von Außentemperaturen Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 25 Shoppingtourismus Abgrenzung Privat motivierte Reisen und Ausflüge zum Zweck des erlebnis- oder frei- zeitorientierten Einkaufs von Gütern des nichtalltäglichen Gebrauchs. Ist dies das Hauptmotiv, spricht man vom Shoppingtourismus im engeren Sinne. Häufig jedoch Teil eines touristischen Motivbündels und daher hohe Schnittmenge zu anderen Themen (insbesondere Städte- und Kulturtouris- mus, Geschäftstourismus) und Shoppingtourismus im weiteren Sinne Ausprägungen Shopping- und Outlet-Center, Innenstädte, Bahnhöfe, Flughäfen, regionale Lebensmittelproduzenten Wirtschaftliche Bedeutung / räumliche Schwerpunkte Entwicklungen und Trends mit Klimabezug wachsende Nachfrage nach regionalen Produkten, Schauproduktionen, Erlebniswelten am Herstellungsort vermehrter Erlebniskonsum in Verbindung mit wetterabhängigen Aktivi- täten Festival Retailing – Shopping als Outdoor-Veranstaltung (z. B. Floh- märkte, Bauernmärkte) wachsende Marktanteile überdachter und vollklimatisierter Shopping- Center, beliebt sind bei Outlets auch „Städte-Imitationen“ mit Außenbe- reichen Integration begrünter Flächen und Wasserinstallationen Klimasensitivi- tät und Treiber Stimulation des Einzelhandels durch ausgeprägte Saisonzeiten (heiße Sommer, kalte Winter) Vorteil wetterunabhängiger Indoor-Angebote an heißen, kalten und reg- nerischen Tagen Shopping teils abhängig von direkten Umfeldangeboten wie Gastrono- mie, Kultur (siehe andere Themen) Betriebskosten (Heizung, Klimatisierung) von Gebäuden abhängig von Außentemperaturen Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 26 Städte- und Kulturtourismus Abgrenzung privat motivierte Reisen und Ausflüge mit Hauptmotiven Stadterlebnis, Stadtbesichtigung, Sightseeing und Besuch von Kunst- bzw. Kultureinrich- tungen Ausprägungen Industriekultur, Welterbestätten, Stadt- und Werksführungen, Besuch von Museen, Ausstellungen, historischen Gebäuden (Kirchen, Burgen, Schlös- ser, Altstädte), Ausgehvierteln, Promenaden, städtischen Parks und Gärten – vielfältige Schnittmengen mit anderen Segmenten (Event-, Kulinarik-, Shoppingtourismus, auch Geschäftstourismus) Wirtschaftliche Bedeutung / räumliche Schwerpunkte Entwicklungen und Trends mit Klimabezug Internationalisierung der Nachfrage zunehmende Outdoor-Orientierung: mehr Außengastronomie, auch in kälterer Jahreszeit jahreszeitliche Inszenierung (Weihnachtsmärkte, Beach-Clubs), stei- gende Event-Orientierung grüne Architektur und smarte Mobilität rückläufige Saisonalität wachsende Bedeutung von städtischen Grünräumen und Wasserflä- chen Klimasensitivi- tät und Treiber Einflüsse vor allem im vom Wetter beeinflussten Tagesausflugsverkehr und Besuchsverhalten vor Ort verringerte Aufenthaltsqualität in Innenstädten und an schattenlosen Orten an Hitzetagen räumliche Konzentration der Nachfrage auf städtische Grün- und Was- serflächen an Hitzetagen höhere Nachfrage nach Indoor-Angeboten an verregneten Tagen, ggf. auch an Hitzetagen (Malls) verlängerte Saison- und Öffnungszeiten für Outdoor-Angebote infolge wärmerer Frühjahrs- und Herbstmonate höhere Nachfrage Außengastronomie, insbesondere in Tropennächten, aber ganzjährig Betriebskosten (Heizung, Klimatisierung) von Gebäuden abhängig von Außentemperaturen Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 27 Naturtourismus Abgrenzung Form der Erholung und des Reisens in naturnahe Gebiete, bei der das Er- leben der Natur im Vordergrund steht. Ausübung naturbezogener Aktivitä- ten und dadurch große Schnittmengen mit Rad- und Wandertourismus und anderen Bereichen. Fließende Übergänge zu Sport unter freiem Himmel (z. B. Golf, Reiten) Ausprägungen Jagen, Tier- und Naturbeobachtung, Besuch von Hochseilgärten und Baumwipfelpfaden, Reiten, Gleitschirmfliegen, Golf und ähnliche naturbezo- gene Aktivitäten exkl. Rad-, Wander-, Schneesport- und Badetourismus Wirtschaftliche Bedeutung / räumliche Schwerpunkte Entwicklungen und Trends mit Klimabezug Ausbau wetterunabhängiger Angebote in naturnahen Gebieten (z. B. Naturparkzentren) immer stärkere Inszenierung und Möblierung von Naturzielen (Aus- sichtspunkte, Infozentren, Lehrpfade mit Tafeln etc.; Einsatz von Rangern) Trekking (Übernachten in der Natur mit einfacher Ausstattung) zugleich Zunahme und Ausdifferenzierung outdoororientierter Angebote (Umweltpädagogik, Zip- und Flylines, Waldkugelbahnen, Geocaching etc.) Klimasensitivi- tät und Treiber relativ hohe Wetter- und Witterungsabhängigkeit, da vorwiegend Out- door-Aktivitäten Einflüsse stark zielgruppen- und aktivitätsabhängig hohe Abhängigkeit von Natur- und Landschaftsbild, gefährdet durch Extremwetterereignisse und Trockenheit zunehmende Emanzipierung vom Wetter in Teilbereichen durch techni- schen Fortschritt und moderne Ausrüstung Verlängerung klassischer Saisonzeiten; sowie durch Indoor-Angebote (Reithallen, überdachte Ab- schlagplätze für Golfer etc.) Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 28 Kulinariktourismus Abgrenzung Reisen und Ausflüge, bei denen der Besuch einer (oder mehrerer) gastro- nomischer Einrichtungen oder kulinarischer Events (z. B. Weinprobe) bzw. der Kauf von lokalen Spezialitäten Hauptreiseanlass ist Ausprägungen gezielter Besuch von Gastronomien außerhalb des Wohnumfeldes (z. B. Ausflugsgaststätte, Sternerestaurant, Biergarten, Verkostungen) ohne nen- nenswerte weitere Aktivitäten, Kurzurlaube in Hotels wegen ihres beson- deren kulinarischen Angebots, Reisen mit kulinarischen Themen (z. B. Wein) Wirtschaftliche Bedeutung / räumliche Schwerpunkte Entwicklungen und Trends mit Klimabezug thematisch inszenierte touristische Rad- und Wanderrouten (Obst, Wein) Boom der Außengastronomie (Biergärten, Beach-Clubs, Straßencafés) Saisonverlängerung in der Außengastronomie durch beheizte Außen- bereiche, Leihdecken mehr jahreszeitlich und regional orientierte Küche zunehmende Festivalisierung und Outdoor-Orientierung (Street-Food- Festivals, Food Trucks etc.) Klimasensitivi- tät und Treiber hohe Schönwetter-Abhängigkeit der niedrigschwelligen Außen- und Ausflugsgastronomie höhere Sortenvielfalt der landwirtschaftlichen Produkte durch längere und intensivere Vegetationsphasen (Wein- und Obstbau) neue tou- ristische Angebote ggf. verringerte Angebotsverfügbarkeit durch Ernteausfälle aufgrund von Extremwettereignissen (Starkregen, Frost, Trockenheit) und Schäd- lingsbefall verlängerte Saison- und Öffnungszeiten für Ausflugsgastronomie, Bier- gärten etc. infolge wärmerer Frühjahrs- und Herbstmonate Betriebskosten (Heizung, Klimatisierung) von Gebäuden abhängig von Außentemperaturen Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 29 Campingtourismus Abgrenzung Reisen mit Übernachtungen in Wohnwagen, Wohnmobilen, Mieteinheiten auf Campingplätzen oder im Zelt Ausprägungen Unterscheidung nach Dauer des Aufenthalts in Touristik- und Dauercam- ping. Unterscheidung nach Art der Unterkunft: z. B. Wohnmobil, Caravan, Zelt, Mieteinheit, Glamping, Baumhaus Wirtschaftliche Bedeutung / räumliche Schwerpunkte Entwicklungen und Trends mit Klimabezug zunehmende Wetterunabhängigkeit durch wachsendes Angebot fester Mieteinheiten (Hütten, Mobilheime, Baumhäuser) und Indoor-Freizeitan- gebote (Spiel- und Aufenthaltsbereiche) – Campingplätze entwickeln sich in Richtung Ferienparks Wohnmobiltourismus mit starken Zuwächsen, Anzahl der Wohnmobile steigt stärker als Anzahl der Stellplätze Gegentrend: Trekking (einfache Zeltplätze in der Natur, quantitativ ge- ringe Bedeutung) verlängerte Saisonzeiten durch verbesserte Ausrüstung bevorzugte Lage an Gewässern und in Reichweite touristischer Routen und Attraktionen Klimasensitivi- tät und Treiber hohe Wetter- und Witterungsabhängigkeit und entsprechender Fokus auf die Sommermonate, vor allem bei Zelturlaubern Saisonverlängerung in Abhängigkeit wärmerer und stabilerer Frühjahrs- und Herbstmonate möglich häufig verbunden mit wasserbezogenen Aktivitäten (s. Badetourismus) Gefährdung der Angebotsverfügbarkeit durch Starkregenereignisse und Hochwasser Unsicherheitsempfinden durch medienwirksame Schadensereignisse auf gewässernahen Plätzen hoher Anteil von Wochenendausflügen mit spontaner, wetterabhängiger Reiseentscheidung Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 30 Wandertourismus Abgrenzung Reisen und Ausflüge, bei denen Wanderungen Hauptanlass oder -aktivität sind. Wandern ist Gehen in der Landschaft. Charakteristisch für eine Wan- derung sind: eine Dauer von mehr als einer Stunde, eine entsprechende Planung, Nutzung spezifischer Infrastruktur sowie eine angepasste Ausrüs- tung. Ausprägungen Wandern, Bergwandern, Trekking, Pilgern. Unterscheidung nach Topogra- phie (Flachland, Mittelgebirge etc.) und Dauer/Art (Tageswanderung, Mehrtageswanderung, Streckenwanderung, stationärer Wanderurlaub) Wirtschaftliche Bedeutung / räumliche Schwerpunkte Entwicklungen und Trends mit Klimabezug zunehmende Ganzjährigkeit der Nachfrage (66 % der Wanderer wan- dern ganzjährig) geringere Wetterempfindlichkeit aufgrund von Funktionsbekleidung Zunahme von Nischenangeboten und Zusatzangeboten (kulinarisches Wandern, therapeutisches Wandern, Wandern mit Hund, Lama-Wande- rungen) wachsender Einfluss von digitalen Informationsangeboten (z. B. Regen- radar) auf Nachfrage (68 % nutzen Wetter-Apps, 59 % Wetterdienste im Internet) Klimasensitivi- tät und Treiber Komfortbereich zwischen 15 und 25 °C eingeschränkte Angebotsverfügbarkeit durch Extremwettereignisse (Hochwasser, Sturzfluten, Sturm, Trockenheit) intakte Landschaft und Natur für 85 % der Wanderer als Hauptauswahl- kriterium einer Region hoher Einfluss von Wettervorhersagen auf das Nachfrageverhalten (56 % der Tagesausflugswanderungen werden am Tag vorher geplant) Einfluss von Wetter/Witterung auf die Reiseentscheidung: 82 % Tagesausflugswanderung, 78 % Wanderung innerhalb des Ur- laubs, 33 % reiner Wanderurlaub Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 31 Badetourismus Abgrenzung Privat motivierte Reisen oder Ausflüge, deren Hauptanlass oder -aktivität das Baden in bzw. Lagern an einem natürlichen oder künstlichen Gewäs- ser oder wasserbezogene, i. d. R. sportliche Aktivitäten sind Ausprägungen Besuch von Frei- und Hallenbädern, Thermalbädern, Spaßbädern, Sonnen- baden, Aufenthalt an Stränden, Baden und Schwimmen in natürlichen Gewässern (Flüsse, Seen), Tauchen, Schnorcheln, Surfen, SUP, Kanu, Segeln und ähnliche wasserbezogene Aktivitäten Wirtschaftliche Bedeutung / räumliche Schwerpunkte Entwicklungen und Trends mit Klimabezug wachsende Bedeutung des Themas Wasser im öffentlichen Raum und verbesserte Zugänglichkeit (Wasserspiele, Promenaden, Wasserkan- ten, Hafenquartiere, Wohnen am Wasser, Offenlegung, Renaturierung) verlängerte Saison- und Öffnungszeiten infolge wärmerer Frühjahrs- und Herbstmonate mehr Ausstattung mit Rutschen, schwimmenden Plattformen, Stegen, Beachvolleyballfeldern etc., sowohl am Wasser als auch auf dem Was- ser Angebotsausbau und -differenzierung infolge stabilerer Sommer und stärkerer Outdoor-Orientierung Klimasensitivi- tät und Treiber sehr hohe Wetterabhängigkeit im Outdoor-Badetourismus, sehr stark von aktuellen Impulsen geprägt, in NRW extremer Anteil Tagestouris- mus Sommertage (Tmax > 25 °C) gut geeignet, Hitzetage (Tmax > 30 °C) sehr gut geeignet und nachgefragt idealerweise in Verbindung mit Sonne, geringer Niederschlags- und Ge- witterneigung und niedrigen Windgeschwindigkeiten Einflüsse stark zielgruppen- und aktivitätsabhängig (Surfer und Segler brauchen Wind) verringerte Angebotsverfügbarkeit und -qualität durch Niedrig- und Hochwasser, Algenbefall Thermen profitieren als Alternativangebot vor allem in Outdoor-Destina- tionen von Tagen mit schlechtem Wetter. Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 32 Radtourismus Abgrenzung Reisen und Ausflüge, bei denen die Nutzung des Rades der Hauptreisean- lass und die Hauptaktivität ist Ausprägungen Fahrten mit dem Tourenrad, Rennrad, Mountainbike oder E-Bike im Rahmen von Tagesausflügen oder als Etappen- (Radwandern), Standort- oder Rundreise im Rahmen mehrtägiger Aufenthalte Wirtschaftliche Bedeutung / räumliche Schwerpunkte Entwicklungen und Trends mit Klimabezug Boom der flussbegleitenden (Fern-)Radwege E-Bike reduziert die körperliche Belastung und steigert dadurch die temperaturbezogene Toleranz Trendformen (Gravel-Bikes, MTB) mit geringerer Wetterabhängigkeit geringere Wetterempfindlichkeit aufgrund von Funktionsbekleidung wachsender Einfluss von digitalen Informationsangeboten (z. B. Regen- radar) auf Nachfrage Klimasensitivi- tät und Treiber hohe Abhängigkeit der Nachfrage bezogen auf mehrere Klimaparame- ter (Temperatur, Dauer und Intensität des Niederschlags, Wind) höchster Anteil der Fahrradnutzung bei Temperaturen zwischen 20 und 25 °C (Verschiebung vom Hochsommer Richtung Frühjahr und Herbst) eingeschränkte Angebotsverfügbarkeit und -qualität durch Extremwett- ereignisse (Hochwasser, Sturzfluten, Sturm) hoher Einfluss von Wettervorhersagen auf das kurzfristige Nachfrage- verhalten Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 33 Erlebnistourismus Abgrenzung Reisen und Ausflüge mit dem Besuch von Freizeiteinrichtungen als primä- rem Reiseanlass und bei denen körperliche Aktivität eine allenfalls sekun- däre Rolle spielt. Hohe Schnittmengen zu den Themen Städte-, Kultur- so- wie Naturtourismus Ausprägungen Besuch von Freizeitparks, Zoos und Aquarien, Marken- und Erlebniswelten, Science Centern und Kasinos, Tagesausflugsschifffahrt und Flusskreuz- fahrten Wirtschaftliche Bedeutung / räumliche Schwerpunkte Entwicklungen und Trends mit Klimabezug Kombination von Indoor- und Outdoor-Bereichen zur Steigerung der Wetterunabhängigkeit (Tropenhäuser in Zoos, Außenbereiche in Science Centern) zunehmende Bedeutung des Elements Wasser in der Inszenierung und Angebotsgestaltung ganzjähriger Betrieb von Freizeitparks mit jahreszeitenspezifischen Highlights und Veranstaltungen wachsende Bedeutung der Themen Natur, Umwelt und Klima als Aus- stellungsinhalte Klimasensitivi- tät und Treiber hohe Schönwetter-Abhängigkeit von Outdoor-Erlebniseinrichtungen, da zumeist kurzfristige Ausflugsentscheidungen Indoor-Attraktionen profitieren von schlechtem Wetter. verlängerte Saison- und Öffnungszeiten von Freizeitparks infolge wär- merer Frühjahrs- und Herbstmonate, Events in der dunklen Jahreszeit Betriebskosten (Heizung, Klimatisierung) von Gebäuden abhängig von Außentemperaturen Abhängigkeit der Schifffahrt von Wasserständen, Einschränkung der Angebotsverfügbarkeit bei Hoch- und Niedrigwasser Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 34 Gesundheitstourismus Abgrenzung Reisen und Ausflüge, bei denen medizinische Behandlungen und Gesund- heitsdienstleistungen den Schwerpunkt bilden. Zweck des touristischen Aufenthalts sind die physische und psychische Prävention oder auch die Wiederherstellung der Gesundheit. Räumliche Konzentration auf Kurorte und Heilbäder, aber auch Wellnesseinrichtungen (Hotels, Thermen) Ausprägungen Vorsorge- und Rehabilitationskuren, Anschlussheilbehandlungen, Gesund- heits- und Wellnessurlaub (Beauty- bis Medical-Wellness), privat finanzierte Kuren, Präventionskurse Wirtschaftliche Bedeutung / räumliche Schwerpunkte Entwicklungen und Trends mit Klimabezug vermehrt Kombination mit Outdoor- und Natursport-Aktivitäten (Waldba- den, Terrainkurwege, Heilklimaparks etc.) Zunahme der Bedeutung mentaler Gesundheit (Retreats, Kurse, Prä- ventionsangebote, Reha) stärker anlagengestützte Ausrichtung statt standortorientierte Ausrich- tung („Wellnesshotel“ schlägt Kurort), Rehakliniken werden unabhängi- ger vom Standort Renaissance „Sommerfrische“ eHealth-Anwendungen / Gesundheits-Apps / Internet of Medical Things Verstärkung Natur-Defizit-Syndrom Klimasensitivi- tät und Treiber Prädikatisierungen (Heilklimatischer Kurort, Luftkurort) abhängig von kli- matischen Bedingungen höhere Sensibilität der älteren Zielgruppen für extreme Temperaturen und Wetterlagen (Schwüle) Zunahme gesundheitlicher Belastungsfaktoren, aber auch stimulieren- der Faktoren Betriebskosten (Heizung, Klimatisierung) von Gebäuden abhängig von Außentemperaturen Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 35 Schneesporttourismus Abgrenzung privat motivierte Reisen oder Ausflüge, deren Hauptanlass die Ausübung schnee- oder eisbasierter Aktivitäten ist Ausprägungen alpines Skifahren, Snowboarden, Skilanglauf, Rodeln, Schneeschuh- wandern, Winterwandern, Skitourengehen, Schlittschuhlaufen Wirtschaftliche Bedeutung / räumliche Schwerpunkte Entwicklungen und Trends mit Klimabezug Intensivierung der technischen Beschneiung in Skigebieten Bedeutungsverlust natürlichen Schneefalls Konzentration von Angeboten (Skischaukeln, Kombination von Abfahr- ten, Skigebieten) Stilllegung von Skigebieten und Loipen aufgrund Schneemangels, fehlender Perspektive zeitliche und räumliche Konzentration der Nachfrage Ausbau und Ausdifferenzierung schneeunabhängiger Angebote in Win- tersportorten, Nutzung Aufstiegshilfen für Sommeraktivitäten (MTB etc.), Schaffung von Attraktionen auf den Gipfeln (Bergstationen) für Nachfrageimpulse im Sommer (Skywalks etc.) technischer Fortschritt in der technischen Beschneiung bzw. Schneeer- zeugung Klimasensitivi- tät und Treiber Angebotsverfügbarkeit mit sehr hoher Abhängigkeit von Zusammen- spiel aus Temperatur und Niederschlag Schneedecke als Voraussetzung für die Ausübung fast aller Winter- sportarten Temperatur und Niederschlag (Feuchtkugeltemperatur) bestimmen das Beschneiungspotenzial. Dauerhaftigkeit der Schneedecke abhängig von Temperatur, Nieder- schlag, Wind, Luftfeuchtigkeit und Strahlung Nachfrage auch abhängig von Schneelage im Quellgebiet (Impuls- und Signalwirkung) Schneesicherheit bei der Buchungsentscheidung von Wintersporturlau- bern von höchster Bedeutung Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 36 5. Landschaftsräume Die Themensteckbriefe haben gezeigt, wie heterogen die touristische Nachfrage je nach Touris- musart im Land Nordrhein-Westfalen verteilt ist. Entsprechend wichtig ist es, im nächsten Schritt die verschiedenen Landschaftsräume hinsichtlich dieser Tourismusarten bzw. ihrer touristischen Prägung und deren ökonomischen Relevanz2 zu charakterisieren. Dazu wird Nordrhein-Westfalen in fünf, in sich möglichst homogene Landschaftsräume unterteilt. Untereinander unterscheiden sich die Landschaftsräume nicht nur hinsichtlich ihrer touristischen Prägung, sondern auch anhand topographischer, klimatischer und demographischer Gegeben- heiten. Unterschieden werden die Landschaftsräume Bergische Region (Bergisches Land exkl. Leverkusen, Bergisches Städtedreieck, Kreis Mettmann) Rheinschiene (Bonn und Rhein-Sieg-Kreis, Köln und Rhein-Erft-Kreis, Leverkusen, Düssel- dorf, Rhein-Kreis Neuss, Duisburg) Mittelgebirge (Sauerland, Eifel, Teutoburger Wald, Siegerland) Ruhrgebiet Flachland (Niederrhein exkl. Duisburg und Rhein-Kreis Neuss, Münsterland). Abbildung 7: Ausgeprägte Themenschwerpunkte Quelle: eigene Darstellung ift GmbH Abbildung 7 skizziert auf Basis der jeweiligen ökonomischen Bedeutung ausgeprägte touristische Themenschwerpunkte in den fünf Landschaftsräumen. Sie zeigt die hohe räumliche und die damit verbundene thematische Vielfalt im Reiseland Nordrhein-Westfalen. 2 Nachfolgende Angaben zum Wirtschaftsfaktor Tourismus in einzelnen Landschaftsräumen sind das Ergeb- nis von Hochrechnungen auf Basis DestinationMonitor (GfK, 2014), Qualitätsmonitor (dwif, 2014), Wirt- schaftsfaktor Tourismus in NRW (Tourismus NRW, 2019), der ausgewiesene Anteil bezieht sich auf den Brut- toumsatz der Tourismusbranche in NRW im Jahr 2017 exkl. sonstiger Konsum und Outgoing-Tourismus Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 37 Bergische Region Fläche: 2.464 km² Bevölkerungsdichte: 709 Einwohner / km² Höchster Punkt: Homert (519 m ü. NHN) Übernachtungen 2019 (gewerbl.): 3.463.781 Einwohner: 1.747.279 Tourismusintensität: 1.982 Räumliche Schwerpunkte Tourismusintensität Wirtschaftsfaktor Tourismus: Bruttoumsätze Reisearten der Urlaubsgäste aus dem In- und Ausland Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 38 Rheinschiene Fläche: 3.142 km² Bevölkerungsdichte: 1.316 Einwohner / km² Höchster Punkt: Großer Ölberg (461 m ü. NHN) Übernachtungen 2019 (gewerbl.): 17.759.402 Einwohner: 4.134.107 Tourismusintensität: 4.296 Räumliche Schwerpunkte Tourismusintensität Wirtschaftsfaktor Tourismus: Bruttoumsätze Reisearten der Urlaubsgäste aus dem In- und Ausland Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 39 Mittelgebirge Fläche: 15.617 km² Bevölkerungsdichte: 285 Einwohner / km² Höchster Punkt: Langenberg (843 m ü. NHN) Übernachtungen 2019 (gewerbl.): 17.798.885 Einwohner: 4.447.869 Tourismusintensität: 4.002 Räumliche Schwerpunkte Tourismusintensität Wirtschaftsfaktor Tourismus: Bruttoumsätze Reisearten der Urlaubsgäste aus dem In- und Ausland Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 40 Ruhrgebiet Fläche: 3.163 km² Bevölkerungsdichte: 1.311 Einwohner / km² Höchster Punkt: Wengeberg (442 m ü. NHN) Übernachtungen 2019 (gewerbl.): 7.219.597 Einwohner: 4.146.486 Tourismusintensität: 1.741 Räumliche Schwerpunkte Tourismusintensität Wirtschaftsfaktor Tourismus: Bruttoumsätze Reisearten der Urlaubsgäste aus dem In- und Ausland Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 41 Flachland Fläche: 9.727 km² Bevölkerungsdichte: 355 Einwohner / km² Höchster Punkt: Westerbecker Berg (236 m ü. NHN) Übernachtungen 2019 (gewerbl.): 7.018.119 Einwohner: 3.449.829 Tourismusintensität: 2.034 Räumliche Schwerpunkte Tourismusintensität Wirtschaftsfaktor Tourismus: Bruttoumsätze Reisearten der Urlaubsgäste aus dem In- und Ausland Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 42 Insbesondere die naturräumliche und infrastrukturelle Prägung der Landschaftsräume bedingt deren Eignung für die jeweiligen touristischen Themen und deren speziellen räumlichen und be- trieblichen Anforderungen. Die für die touristischen Themen ermittelten Bruttoumsätze können den zuvor definierten Land- schaftsräumen zugeordnet werden. Das zeigt die Bedeutung der touristischen Themen in den einzelnen Räumen. Die Bedeutung ist relativ dargestellt, bezogen sowohl auf die Einwohnerzahl eines Raumes als auch auf die ökonomische Relevanz eines Themas. Abbildung 8: Relative Bedeutung der touristischen Teilbereiche für die definierten Land- schaftsräume (in Bezug zu Einwohnerzahl und Bruttoumsatz des jeweiligen Segments) Quelle: eigene Berechnungen ift GmbH Die Analysen und die in Abbildung 8 dargestellte wirtschaftliche Bedeutung der Tourismusarten in den verschiedenen Landschaftsräumen zeigen: Wie stark die einzelnen Tourismusarten vom Klimawandel betroffen sind und wie es dabei um Chancen und Risiken steht, untersucht das nächste Kapitel. Die räumlichen Schwerpunkte der in Teilen indoororientierten Tourismusthemen liegen entlang der Rheinschiene und im Ruhrgebiet. Der Fokus naturnaher Themen und Outdoor-Aktivitäten liegt in den Mittelgebirgen, in der Bergischen Region und teilweise im Flachland. Schneesport ist auf kleine Teile des Mittelgebirgsraums konzentriert, Gesundheitstourismus auf wenige Destinationen. Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 43 6. Chancen und Risiken Der Klimawandel verändert das Klima im Land Nordrhein-Westfalen langfristig. Das wirkt sich darauf aus, wie wahrscheinlich das Auftreten bestimmter Witterungen und Wetterlagen ist. Diese sind ein wesentlicher Einflussfaktor der Angebotsverfügbarkeit und des Nachfrageverhaltens im Tourismus. Wetter und Witterung (Temperatur, Niederschlag, Extremwettereignisse) und deren Vorhersagen haben nachweislich einen hohen Einfluss auf die eher spontane Reiseentscheidung bei Tages- ausflügen. In Nordrhein-Westfalen hat der Tagestourismus die höchste ökonomische Relevanz. Mehr als die Hälfte der touristischen Umsätze erfolgt im Rahmen privater Tagesreisen. Nach einer Untersuchung aus 2014 wurden rund 5 % der Übernachtungsreisen nach NRW bis zu einer Woche vor Reiseantritt gebucht, weitere rund 4 % ein bis zwei Wochen vor Reiseantritt. Der Einfluss des Wetters auf (spontane) Reiseentscheidungen bei Übernachtungsreisen ist damit nur bei einem kleinen Anteil der Reisen möglich. Rund 91 % der Übernachtungsreisen wurden mindestens zwei Wochen vor Reiseantritt gebucht. Mittlerweile sind die Reiseentscheidungen etwas spontaner geworden, aber es bleibt dabei, dass das Wetter spontan nur eine untergeord- nete Rolle spielen kann. Anders ist das aber hinsichtlich der grundsätzlich gemachten Erfahrun- gen mit Reisezielen, ob sie beispielsweise als verlässlich warm oder verlässlich trocken gelten – zumindest, wenn es um outdoororientierte Reisen geht. Der Einfluss von Klima, Witterung und Wetter auf Angebotsverfügbarkeit und Nachfrageverhalten ist in den vorwiegend outdoororientierten Tourismusthemen am größten. Die höchste ökonomi- sche Bedeutung im Land Nordrhein-Westfalen haben allerdings Themen mit hoher Indoor-Orien- tierung (Business-, Städte- und Kultur-, Eventtourismus). Sie können sich weitgehend wetter- und klimaunabhängig aufstellen. Zugleich konnte in den vergangenen Jahren in vielen Bereichen des Tourismus eine zunehmende Outdoor-Orientierung beobachtet werden. Radfahren und Wandern boomen nicht erst seit Beginn der Corona-Pandemie. Diese Entwicklung hängt eng mit einem fortschreitenden Wertewandel in Teilen der Gesellschaft zusammen, in dessen Mittelpunkt ein wachsendes Umweltbewusstsein steht. Der Klimawandel und seine mediale Präsenz als wichtige Herausforderung politischen, wirtschaftlichen und persönlichen Handelns und des Ringens darum sind wesentliche Treiber des Wertewandels. Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Tourismusbranche basieren daher auf zwei Ein- flussebenen: direkte Auswirkungen auf Angebot und Nachfrage durch Veränderung physikalischer Parameter (Temperatur, Niederschlag, Häufigkeit Extremwettereignisse) am eigenen Ort und am Ort der Wettbewerber, insbesondere steigende thermale Eignung und wachsende Unsicherheit/Extreme indirekte Auswirkungen auf Angebot, Nachfrage und Rahmenbedingungen durch beglei- tende ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Transformationsprozesse wie Werte- wandel mit steigendem Nachhaltigkeits- und Umweltbewusstsein sowie angepasste Ge- setzgebung (steigende Mobilitätskosten, CO2-Preis etc.). Die Abbildungen auf den folgenden Seiten skizzieren die zu erwartenden direkten und indirekten Auswirkungen des Klimawandels auf die einzelnen touristischen Themen. Sie stellen die Ausprä- gungen von Chancen und Risiken in der nahen Zukunft (bis 2050) einander gegenüber. Dieser Zeitraum hat für Touristiker die höchste Relevanz bei Strategie- und Investitionsentscheidungen und bietet zudem vergleichsweise verlässliche und szenarienübergreifende Aussagen zur klima- tischen Entwicklung. Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 44 Im Vergleich zeigt sich, dass in der nahen Zukunft die indirekten Auswirkungen des Klima- wandels auf Angebotsverfügbarkeit und Nachfrageverhalten überwiegen. Veränderte Wer- temuster und die damit einhergehenden soziokulturellen, gesellschaftlichen und ökonomischen Trends haben in der Regel wesentlich kürzere Zyklen und kurzfristigere Auswirkungen als Ent- wicklungen in der Natur, wie etwa der Klimawandel, auch wenn diese durch zivilisatorische Ein- flüsse beschleunigt werden. Direkte Auswirkungen Die Einschätzungen zu Chancen und Risiken einzelner touristischer Themen durch die direkten Auswirkungen des Klimawandels basieren auf einer Vielzahl einzelner Einflüsse und deren Ge- wichtung. Abbildung 9: Auswirkungen Klimawandel direkt mit Zeithorizont 30 Jahre: physikalische Parameter (Temperatur, Niederschlag etc.) Quelle: eigene Darstellung ift GmbH, Hinweis: Die Größe der Quadrate steht für die Bedeutung nach Umsatz, die Linien zeigen die jeweilige Spannbreite von Chancen und Risiken Nachfolgend sind alle betrachteten Chancen und Risiken für die touristischen Themen einzeln aufgeführt (+ Chance, - Risiko): Städte und Kulturtourismus: leichte Chancen (+ insgesamt bessere klimatische Eignung, vor allem im Frühjahr und Herbst Interesse an Outdoor, + Zunahme an Tagen mit Stark- regen und Schwüle zahlreiche Schlechtwetterangebote, Angebotsvielfalt vor Ort, Klimati- sierung, Wetterunabhängigkeit, + weniger Heizgradtage sinkende Heizkosten, – mehr Hitzetage sinkende Aufenthaltsqualität, – mehr Kühlgradtage steigende Klimatisie- rungskosten, – Unwetter, Hochwasser) Shoppingtourismus: leichte Chancen (+ Zunahme an Tagen mit Starkregen und Schwüle zahlreiche Schlechtwetterangebote, Klimatisierung, Wetterunabhängigkeit, + weniger Heizgradtage sinkende Heizkosten, – mehr Kühlgradtage steigende Klimatisierungs- kosten, – bessere klimatische Eignung Fokus Indoor, – Unwetter, Hochwasser) Große Chancen ergeben sich in den Themenfeldern mit starkem Outdoor-Bezug – mit Ausnahme des Schneesporttourismus. In den überwiegend urban geprägten und indoororientierten Themen sind, mit Ausnahme des Business- & MICE-Tourismus, sowohl direkte als auch indirekte Auswirkungen vergleichsweise gering. Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 45 Business & MICE-Tourismus: neutral (+ weitgehend wetterunabhängig, + sinkende Heiz- kosten, + wachsende Outdoor-Orientierung, + sinkende Betriebskosten durch neue Gebäu- dekonzepte, – Anreisen ggf. beeinträchtigt durch Wetterereignisse, – steigende Klimatisie- rungskosten, – steigende Gebäudekosten durch neue Gebäudekonzepte, – Unwetterschä- den) Kulinariktourismus: leichte Chancen (+ bessere thermale Eignung, + längere Saisonzei- ten, + weniger Heizgradtage sinkende Heizkosten, + längere Vegetationsphasen, + neue Kulturen, längere Weidezeiten, – Gefahr Extremwetter, – mehr Kühlgradtage steigende Klimatisierungskosten, – Erosion, Trockenschäden, Schädlinge, Bewässerung, Hitzestress bei Tieren) Erlebnistourismus: neutral (+ bessere thermale Eignung, + längere Saisonzeiten, + weni- ger Heizgradtage sinkende Heizkosten, – Gefahr Extremwetter, – mehr Kühlgradtage steigende Klimatisierungskosten, – Niedrig- und Hochwasser bei Schiffsfahrten, – Hitzetage) Eventtourismus: neutral (+ bessere thermale Eignung, + längere Saisonzeiten, + weniger Heizgradtage sinkende Heizkosten, – Gefahr Extremwetter, – mehr Kühlgradtage stei- gende Klimatisierungskosten) Gesundheitstourismus: leichte Risiken (+ z. T. klimatisch begünstigte Standorte, + weni- ger Heizgradtage sinkende Heizkosten, – z. T. klimaabhängige Prädikatisierung, – län- gere Phasen mit Allergenbelastung, – mehr Hitzestress, – mehr Kühlgradtage steigende Klimatisierungskosten, – Veränderung Landschaftsbild, – Anpassungsbedarf Kurparke) Radtourismus: Chancen (+ mehr Tage im klimatischen Komfortbereich (Temperatur, Son- nenscheindauer, trockene Tage), + Sommerfrische, + längere Saisonzeiten, + Ganzjährig- keit, – Schäden an (Wege-)Infrastruktur durch Extremwetter und Trockenheit, – beeinträch- tigtes Landschaftsbild durch Extremwetter und Trockenheit (Vegetation, fehlende Verschat- tung, Gewässer), – direkte und indirekte Auswirkungen auf die Gesundheit) Wandertourismus: Chancen (+ mehr Tage im klimatischen Komfortbereich (Temperatur, Sonnenscheindauer, trockene Tage), + Sommerfrische, + längere Saisonzeiten, + Ganzjäh- rigkeit, – Schäden an (Wege-)Infrastruktur durch Extremwetter und Trockenheit, – beein- trächtigtes Landschaftsbild durch Extremwetter und Trockenheit (Vegetation, fehlende Ver- schattung, Gewässer), – direkte und indirekte Auswirkungen auf die Gesundheit) Schneesporttourismus: Risiken (+ Schnee als Alleinstellungsmerkmal für höhere Lagen, + Zunahme Winterniederschläge, + technischer Fortschritt bei Beschneiung und Pistenprä- parierung, – rückläufige Schneedeckendauer, – früheres Saisonende, späterer Saisonstart, – kürzere Beschneiungszeiträume, – längere und häufigere Tauphasen, – steigender Ener- gie- und Wasserverbrauch Kosten) Badetourismus: neutral (+ mehr Tage im klimatischen Komfortbereich (Temperatur, Son- nenscheindauer, trockene Tage), + längere Saisonzeiten, + Ganzjährigkeit, – Schäden an Infrastruktur durch Extremwetter und Trockenheit, – beeinträchtigtes Landschaftsbild durch Extremwetter und Trockenheit (Vegetation, fehlende Verschattung, Gewässer), – direkte und indirekte Auswirkungen auf die Gesundheit, – Niedrigwasser und Algenbefall) Campingtourismus: leichte Chancen (+ mehr Tage im klimatischen Komfortbereich (Tem- peratur, Sonnenscheindauer, trockene Tage), + Sommerfrische, + längere Saisonzeiten, + Ganzjährigkeit, – Schäden an Infrastruktur durch Extremwetter und Trockenheit, – beein- trächtigtes Landschaftsbild durch Extremwetter und Trockenheit (Vegetation, fehlende Ver- schattung, Gewässer), – direkte und indirekte Auswirkungen auf die Gesundheit, – Hoch- wassergefahr durch exponierte Lage an Gewässern) Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 46 Naturtourismus: Chancen (+ mehr Tage im klimatischen Komfortbereich (Temperatur, Sonnenscheindauer, trockene Tage), + Sommerfrische, + längere Saisonzeiten, + Ganzjäh- rigkeit, + Ausweichmöglichkeit auf Indoor-Angebote, – Schäden an (Wege-)Infrastruktur durch Extremwetter und Trockenheit, – beeinträchtigtes Landschaftsbild durch Extremwetter und Trockenheit (Vegetation, fehlende Verschattung, Gewässer), – direkte und indirekte Auswirkungen auf die Gesundheit) Indirekte Auswirkungen Die Einschätzungen zu Chancen und Risiken einzelner touristischer Themen durch die indirekten Auswirkungen des Klimawandels basieren auf einer Vielzahl einzelner Einflüsse und deren Ge- wichtung. Abbildung 10: Auswirkungen Klimawandel indirekt mit Zeithorizont 30 Jahre: Begleitende Transformationsprozesse (Wertewandel/Nachhaltigkeitsbewusstsein, Mobili- tätskosten, CO2-Preis etc.) Quelle: eigene Darstellung ift GmbH, Hinweis: Die Größe der Quadrate steht für die Bedeutung nach Umsatz, die Linien zeigen die jeweilige Spannbreite von Chancen und Risiken Nachfolgend sind alle betrachteten Chancen und Risiken für die touristischen Themen einzeln aufgeführt (+ Chance, - Risiko): Städte und Kulturtourismus: leichte Chancen (+ i. d. R. gute Erreichbarkeit per klima- freundlichem ÖV, + guter und umfassender ÖPNV vor Ort, + wachsende Nachfrage nach regionalen, nachhaltig und klimaschonend erbrachten Dienstleistungen und Themen, – stei- gende Mobilitätskosten (CO2-Abgabe etc.), – Schnittmengen mit risikobehafteten Segmen- ten (insbesondere Business- & MICE-Tourismus), – Aufwand für Umstellung auf nachhaltige Standort- und Geschäftskonzepte, – Rückgang Flugreisen, internationale Nachfrage) Shoppingtourismus: leichte Risiken (+ i. d. R. gute Erreichbarkeit per klimafreundlichem ÖV, + guter und umfassender ÖPNV vor Ort, + wachsende Nachfrage nach regionalen, nachhaltig und klimaschonend hergestellten Produkten, – steigende Mobilitätskosten (CO2- Abgabe etc.), – zunehmende Konsumkritik, – steigendes Preisniveau, – Aufwand für Um- stellung auf nachhaltige Standort- und Geschäftskonzepte, – Rückgang Flugreisen, interna- tionale Nachfrage) Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 47 Business & MICE-Tourismus: Risiken (+ steigende Bedeutung „gute Erreichbarkeit per ÖV“, + guter ÖPNV vor Ort, + Ausbau digitaler Formate, + Verkleinerung Gebäudeflächen Kostenersparnis, – steigende Mobilitätskosten, Vermeidung Flugreisen schwächere internationale Nachfrage, – wachsende Ansprüche an Nachhaltigkeit von Unternehmen, – Vermeidung Mobilität mehr digitale Formate, – rückläufige Umsätze vor Ort (Hotel, Gast- ronomie, Shopping etc.) Kulinariktourismus: Chancen (+ wachsende Outdoor-Orientierung, + steigende Bedeutung nachhaltige Anlagen- und Durchführungskonzepte, + wachsende Nachfrage nach regiona- len Produkten, – höhere Kosten durch Kompensationsmaßnahmen Klimaschutz, – stei- gende Lebensmittelkosten) Erlebnistourismus: neutral (+ wachsende Outdoor-Orientierung, + steigende Bedeutung nachhaltige Anlagen- und Durchführungskonzepte, + steigende Bedeutung „gute Erreichbar- keit per ÖV“, + geringer Werteeinfluss im Nachfrageverhalten, – höhere Kosten durch Kom- pensationsmaßnahmen Klimaschutz, – steigende Energiekosten (Schifffahrt, Freizeitparks)) Eventtourismus: neutral (+ wachsende Outdoor-Orientierung, + steigende Bedeutung nachhaltige Anlagen- und Durchführungskonzepte, + steigende Bedeutung „gute Erreichbar- keit per ÖV“, – höhere Kosten durch Kompensationsmaßnahmen Klimaschutz, – steigende Anforderungen durch klimaneutrale Gestaltung) Gesundheitstourismus: leichte Chancen (+ wachsende Gesundheitsorientierung (auch vor dem Hintergrund klimatischer Belastungen), – hohe Grünflächenanteile und viele Outdoor- Aktivangebote, – steigende Kosten für Thermen) Radtourismus: große Chancen (+ Radfahren als nachhaltige und naturnahe Tourismus- und Fortbewegungsform, + wachsende Outdoor-Orientierung, + geringe Mobilitätskosten für inländische Nachfrage, Nähe zu Quellmärkten, + Nähe zu alternativen, wetterunabhängigen Angeboten, + gute Erreichbarkeit per ÖV, – Nutzungsbeschränkungen durch Naturschutz) Wandertourismus: große Chancen (+ Wandern als nachhaltige und naturnahe Tourismus- und Fortbewegungsform, + wachsende Outdoor-Orientierung, + geringe Mobilitätskosten für inländische Nachfrage, Nähe zu Quellmärkten, + Nähe zu alternativen, wetterunabhängigen Angeboten, + gute Erreichbarkeit per ÖV, – Nutzungsbeschränkungen durch Naturschutz) Schneesporttourismus: Risiken (+ wachsende Outdoor-Orientierung, + geringe Mobilitäts- kosten für inländische Nachfrage, Nähe zu Quellmärkten, – steigende Kosten im Betrieb, – schwierige Erreichbarkeit per ÖV, – negatives Image) Badetourismus: neutral (+ wachsende Outdoor-Orientierung, + geringe Mobilitätskosten für inländische Nachfrage, Nähe zu Quellmärkten, + Nähe zu alternativen, wetterunabhängigen Angeboten, + gute Erreichbarkeit per ÖV, – Nutzungsbeschränkungen durch Naturschutz, – steigende Energiekosten für Hallenbäder) Campingtourismus: Chancen (+ Camping als nachhaltige und naturnahe Tourismusform, + wachsende Outdoor-Orientierung, + geringe Mobilitätskosten für inländische Nachfrage, Nähe zu Quellmärkten, + Nähe zu alternativen, wetterunabhängigen Angeboten, + gute Er- reichbarkeit per ÖV, – Nutzungsbeschränkungen durch Naturschutz, – steigende Mobilitäts- kosten für Wohnmobile und Caravans) Naturtourismus: große Chancen (+ wachsende Outdoor-Orientierung, + geringe Mobilitäts- kosten für inländische Nachfrage, Nähe zu Quellmärkten, + Nähe zu alternativen, wetterun- abhängigen Angeboten, + gute Erreichbarkeit per ÖV, + wachsende Nachfrage nach intak- ter Natur, + sanfter Tourismus, – Nutzungsbeschränkungen durch Naturschutz) Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 48 7. Handlungsempfehlungen Was sind nun angesichts der spezifischen Chancen und Risiken in Zusammenhang mit dem Kli- mawandel die konkreten Handlungsansätze, welche Ziele sollen damit erreicht und welche Stra- tegien umgesetzt werden. Darum geht es in diesem Kapitel. 7.1 Ziele und Strategien Angesichts der zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels auf den Tourismus ist es das zentrale Ziel, die Resilienz und Zukunftsfähigkeit der gesamten Tourismusbranche im Klima- wandel durch gezielte Maßnahmen in der Klimaanpassung und im Klimaschutz zu erhalten und auszubauen. Weil Nordrhein-Westfalen hohe Themenvielfalt auf engem Raum bietet, können Gäste flexibel zwischen den verschiedensten Angeboten wählen und wechseln. Diese Multioptionalität und der eigene, enorm bevölkerungsreiche Quellmarkt führen dazu, dass die Resilienz des Systems Tou- rismus für äußere Einflüsse im Land Nordrhein-Westfalen bereits recht hoch ist. Damit werden die Strategien für das Tourismusland Nordrhein-Westfalen nun sinnvoll ergänzt und erweitert. Während es in der Landestourismusstrategie von 2019 maßgeblich um die Chan- cen durch die Digitalisierung, gezieltere Kundenansprache und die Verknüpfung von Standort- und Tourismusentwicklung geht, leiten sich aus dem Klimawandel wichtige Handlungsimpulse insbesondere für die Infrastruktur und Siedlungsgestaltung und die Rolle der Nachhaltigkeit bei Betrieben, Produkten, Angeboten und in der Kommunikation ab. Zukunftsstrategien für die Tourismusarbeit in Nordrhein-Westfalen vor dem Hintergrund des Kli- mawandels sind deshalb: NRW nutzt die wachsende thermale Eignung und reagiert darauf mit weiterentwickel- ten und neuen Angeboten und Geschäftsmodellen: Ausbau der Outdoor-Angebote, An- passung von Outdoor-Anlagen an die neuen klimatischen Erfordernisse z. B. durch vers- chattete Rastplätze oder Waldbaden, längere Saisonzeiten für Außengastronomie, Cam- pinganlagen, Rad- und Wanderregionen. NRW fördert und kommuniziert die große Vielfalt des touristischen Angebotes und dessen Vernetzung und stärkt dadurch die Flexibilität, Reaktionsfähigkeit und Resili- enz der Branche: In- und Outdoor-Angebote liegen oft dicht beieinander, Radtouren im Ruhrgebiet, Museen und Wellness-Hotels in den Mittelgebirgen, Kulturveranstaltungen als Open-Air-Veranstaltungen oder in der Halle. NRW fördert und kommuniziert noch stärker seine authentischen und regionalspezifi- schen Angebote und Eigenschaften (Produkte, gute Erreichbarkeit, innovative Mobilitäts- lösungen, nachhaltige Betriebskonzepte) und profiliert sich damit als nachhaltiges Rei- seziel. NRW hat die höchste ÖPV-Dichte (Öffentlicher Personenverkehr) Deutschlands, ist für Bahnreisende bestens per ICE und TGV oder Flixtrain erreichbar, es gibt erste Mobili- tätsstationen für den nahtlosen Übergang vom Zug zum Leih-E-Bike oder direkt auf den Sin- gle-Trail, nachhaltigkeitszertifizierte Betriebe und Veranstaltungen fördern bewusstes und verantwortungsvolles Reisen, regionale Produkte schmecken vor Ort am besten. NRW schafft die Rahmenbedingungen für eine nachhaltige und zukunftsfähige Tou- rismusentwicklung, künftig verstärkt mit dem Fokus auf den Klimawandel. Klimawan- del und zunehmendes Nachhaltigkeitsbewusstsein sind Treiber von Innovation und Fortschritt im Tourismus. Wenn der Wertewandel durch den Klimawandel getrieben wird, kann die Tourismus- und Freizeitbranche nicht nur mit Leistungen überzeugen, sondern Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 49 auch mit der Art und Weise, wie sie Erlebnisse verantwortungsvoll schafft. Also: nachhalti- gere Angebote entlang der gesamten Customer Journey. NRW konzentriert sich mehr auf den potenzialstarken Binnenmarkt. Nahreisen sind die nachhaltigeren Reisen, kurze Wege schonen die Umwelt, Outdoor-Aktivitäten kommen in die Ballungsräume, Städter genießen die Natur und Sommerfrische im eigenen Bundesland, Verbund-Tickets und -programme erleichtern Erkundungen und sorgen für den nötigen An- reise-Komfort. Wie das ganz konkret umgesetzt werden kann, wie Nordrhein-Westfalen vor dem Hintergrund des Klimawandels zum noch kompetenteren, begehrteren und vor allem nachhaltigeren Reiseziel werden kann, das zeigen die nächsten Kapitel. Mit der Umsetzung der vorgeschlagenen Strategien wächst ein resilientes, nachhaltig zukunftsfähiges Tourismusland Nordrhein-Westfalen. Das ist das zentrale Ziel. Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 50 7.2 Optionen nach Handlungsfeldern Die Teilnehmenden der fünf Themenwerkstätten und zwei Regionskonferenzen haben in den Werkstattphasen insgesamt mehr als 300 Einzelmaßnahmen entwickelt. Diese wurden anschlie- ßend verbunden, geclustert und in einem weiteren Filterungsprozess auf ihren Bezug zu direkten und indirekten Auswirkungen des Klimawandels, ihr touristisches Potenzial und ihren Beitrag zur Standortauthentizität und -profilierung hin geprüft. Das Ergebnis sind 27 Themenbündel mit einer Vielzahl einzelner, konkreter Handlungsempfeh- lungen im Bereich der Klimaanpassung und des Klimaschutzes in fünf Handlungsfeldern: Infrastruktur Betriebe Angebote, Produkte Kommunikation und Organisation. Die Darstellung der Themenbündel erfolgt in Steckbriefen. Die dargestellten Impulse und prak- tischen Folgen stellen den Bezug zu den direkten und indirekten Folgen des Klimawandels und deren Auswirkungen auf den Tourismus her, die wichtigsten Impulse werden jeweils zuerst ge- nannt. Der Block „Empfehlungen“ umfasst in der Regel vier konkrete, handlungsfeldbezogene Maß- nahmenvorschläge. Aus deren Umsetzung ergeben sich wirtschaftliche Potenziale und Chan- cen für die handelnden Protagonisten, deren Umfeld und weitere damit verbundene Unterneh- mungen. Zur besseren Einordnung der aufgeführten Potenziale und Chancen wird zunächst auf die ökonomische Bedeutung der betroffenen Themen, aktuelle Marktentwicklungen bzw. landes- und themenspezifische Stärken und Herausforderungen verwiesen. Im Block „Themen und Räume“ werden die von den jeweiligen Maßnahmen vor- und nachran- gig betroffenen touristischen Themenfelder und Landschaftsräume skizziert. Diese Verbindung aus Themen und Räumen (s. auch Abbildung 8) dient im nachfolgenden Kapitel der Ableitung von Handlungsschwerpunkten für alle fünf Landschaftsräume. Zudem geben die Steckbriefe Aufschluss über die Zuständigkeiten, Zeithorizonte und Priori- täten bei der Umsetzung der jeweiligen Maßnahmen. Die dreistufig ausgewiesene Priorität ori- entiert sich an den Einschätzungen der Teilnehmenden der 2. Digitalkonferenz zur Wirksamkeit der entsprechenden Maßnahme. Der Bedarf an finanziellen und personellen Ressourcen zur Umsetzung ist stark abhängig vom Umfang der jeweiligen Maßnahme und den jeweiligen Umständen. Es muss Ziel und Gegenstand vertiefender Studien auf Betriebs-, Orts- und Destinationsebene bzw. maßnahmenbezogener Machbarkeitsstudien sein, diese individuell zu konkretisieren und mit einem destinations-, stand- ort- und betriebsspezifischen, detaillierten Zeit- und Kostenplan zu versehen. Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 51 7.2.1 Infrastruktur 1. Städtische Klimaresilienz / Aufenthaltsqualität steigern – „Grüne und Blaue Stadt“ Handlungsfeld ■ Infrastruktur Betriebe Angebote, Produkte Kommunikation Organisation Impulse mehr heiße Tage, vor allem in der Rheinschiene und im Ruhrgebiet steigende Durchschnittstemperaturen und höhere Sonnenscheindauer mehr Starkregenereignisse und sommerliche Trockenperioden Praktische Folge Während Phasen hoher Hitzebelastungen sinkt die Aufenthaltsqualität be- sonders in den dicht bebauten Innenstädten (Effekt städtischer Hitzein- seln). Zugleich führen eine steigende Durchschnittstemperatur und Son- nenscheindauer zu einer wachsenden thermalen Eignung für Aufenthalte im Freien, insbesondere in den Frühjahrs- und Herbstmonaten. Im Zuge der wachsenden Outdoor-Orientierung steigt die Nachfrage nach urbanen Frei-, Grün- und Wasserflächen und kühleren Bereichen. Veränderte Niederschlagsregime und -intensitäten stellen zusätzliche An- forderungen an das städtische (Regen-)Wassermanagement (Retention, Schwammstadt). Empfehlungen Grünflächen und wasserbezogene Freiräume ausbauen Attraktionspunkte mit grünen und blauen Bändern verbinden Plätze, Verkehrswege und Gebäude begrünen + Wasserelemente Ausbau des Gastgewerbes fördern Wirtschaftliche Potenziale und Chancen Mit jährlichen Bruttoumsätzen von rund 3,4 Milliarden Euro hat der Städte- und Kulturtourismus einen hohen ökonomischen Stellenwert in Nordrhein- Westfalen. Attraktive innerstädtische Flächen mit hoher Aufenthaltsqualität (auch an heißen Tagen) führen zu einer steigenden Aufenthaltsdauer und zusätzlichen Konsumausgaben der Gäste. Aus betrieblicher Perspektive steigt die Standortqualität. Attraktive Wegeverbindungen und eine entspre- chende touristische Routenführung haben das Potenzial, zusätzliche Kopp- lungsbesuche zu initiieren. Themen und Räume Primär Sekundär Städte und Kultur Shopping Erlebnis Business & MICE Event Zuständigkeit ■ Betriebe ■ Kommunen Land ■ örtl. Tourismusorganisation regionale Tourismusorganisation Landestourismusorganisation Verbände Priorität ■■■ Zeithorizont kurzfristig (1–2 Jahre) ■ mittelfristig (2–5 Jahre) ■ langfristig (> 5 J.) Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 52 2. Veranstaltungsstätten flexibler machen Handlungsfeld ■ Infrastruktur Betriebe Angebote, Produkte Kommunikation Organisation Impulse steigende Durchschnittstemperaturen und Sonnenscheindauer mehr Sommertage und heiße Tage mehr Wetterextreme (insbesondere Starkregen, Schwüle) Praktische Folge Hohe Hitzebelastung, Sonneneinstrahlung und Schwüle mindern die Auf- enthaltsqualität sowohl in Außenbereichen als auch in nicht-klimatisierten Räumen. Zeitgleich nehmen die thermale Eignung und die Nachfrage nach Aufenthalten und Aktivitäten im Freien im Event- und MICE-Bereich zu. Dadurch steigt die Exponiertheit gegenüber Wetterextremen, deren zeitli- ches und räumliches Auftreten häufig nur sehr kurzfristig und unzureichend vorhergesagt werden können. Es kommt zu einer Zunahme wetterbeding- ter Veranstaltungsausfälle. Die Anforderungen an die Flexibilität von Veran- staltungsstätten steigen. Empfehlungen offenere und flexiblere Raumkonzepte entwickeln: indoor und outdoor Outdoor-Rahmenprogramme als Vorteil gegenüber digitalen For- maten anbieten wetterunabhängige Outdoor-Flächen schaffen (Sonnen- und Re- genschutz) Gebäude besser isolieren und ggf. klimatisieren Wirtschaftliche Potenziale und Chancen Business-, MICE- und Eventtourismus erwirtschaften gemeinsam jährlich Bruttoumsätze von mehr als 12 Milliarden Euro. Damit sind sie die ökono- misch bedeutsamsten Segmente des Tourismus in Nordrhein-Westfalen. Wetterunabhängige und flexiblere Angebote und Räumlichkeiten fördern eine höhere und ganzjährige Auslastung der Veranstaltungsstätten. Zu- gleich ist die Verfügbarkeit von Rahmenprogrammen, Outdoor-Flächen und Klimatisierung ein zunehmend relevantes Buchungskriterium. Zusätzliche Flächen im Außenbereich können weitere Umsätze generieren. Themen und Räume Primär Sekundär Event Städte und Kultur Business & MICE Kulinarik Erlebnis Gesundheit Zuständigkeit ■ Betriebe ■ Kommunen Land örtl. Tourismusorganisation regionale Tourismusorganisation Landestourismusorganisation Verbände Priorität ■ Zeithorizont kurzfristig (1–2 Jahre) ■ mittelfristig (2–5 Jahre) ■ langfristig (> 5 J.) Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 53 3. Wege klimaangepasst gestalten Handlungsfeld ■ Infrastruktur Betriebe Angebote, Produkte Kommunikation Organisation Impulse mehr Wetterextreme (Starkregenereignisse, Hitze, sommerliche Tro- ckenheit, ggf. Stürme) steigende Durchschnittstemperaturen und höhere Sonnenscheindauer Praktische Folge Durch steigende Durchschnittstemperaturen und eine höhere Sonnen- scheindauer nimmt die Anzahl an Tagen mit geeigneten Witterungsverhält- nissen zum Wandern und Radfahren zu. In Kombination mit funktioneller Kleidung werden diese Aktivitäten zunehmend nahezu ganzjährig ausge- übt. Angebotsseitig führen vermehrte Wetterextreme zu Hitze- und Trocken- stress, Überflutungen, Erosion und Windwurf. Die Folge sind oftmals Schä- den an touristischen Wegen, Infrastrukturen und der Beschilderung sowie ein verändertes Landschaftsbild (Kalamitäten). Steigende Temperaturen und fehlende natürliche Beschattung erhöhen die Hitzebelastung auf We- gen. Empfehlungen Rad-, Wanderwege und Stellplätze durch Begleitgrün verschatten (geschützte) Rast- und Verpflegungsmöglichkeiten schaffen dynamische, wetterabhängige Wegeleitung (Hitzefrei-Radweg) installieren professionelles/digitales Wege- und Infrastrukturmanagement etablieren Wirtschaftliche Potenziale und Chancen Die Trendthemen Radfahren und Wandern mit ihren unterschiedlichen Spielarten verzeichneten in Nordrhein-Westfalen zuletzt in allen Jahreszei- ten eine stark steigende Nachfrage. Das Angebot muss sich der gestiege- nen Nachfrage sowohl qualitativ als auch quantitativ anpassen, um im in- tensiven Wettbewerb der Destinationen mit einer hohen Erlebnisqualität bestehen zu können. Dadurch steigen die Gästezufriedenheit und die An- zahl der (Wiederholungs-)Besuche. Vor allem durch (zusätzliche) gastge- werbliche Angebote entlang der Routen und Parkraumbewirtschaftung kön- nen weitere Umsätze in der Tourismuswirtschaft generiert werden. Themen und Räume Primär Sekundär Wandern Camping Rad Gesundheit Natur Zuständigkeit ■ Betriebe ■ Kommunen ■ Land ■ örtl. Tourismusorganisation ■ regionale Tourismusorganisation Landestourismusorganisation ■ Verbände Priorität ■■■ Zeithorizont kurzfristig (1–2 Jahre) ■ mittelfristig (2–5 Jahre) ■ langfristig (> 5 J.) Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 54 4. Wassertouristische Angebote an zukunftsfähigen Standorten ausbauen Handlungsfeld ■ Infrastruktur Betriebe Angebote, Produkte Kommunikation Organisation Impulse mehr Sommertage und heiße Tage höhere Sonnenscheindauer in allen Landschaftsräumen NRWs mehr Wetterextreme (insbesondere Hitze, Trockenheit, Starkregen) Praktische Folge Steigende Durchschnittstemperaturen und häufigere Sommer- und Hitze- tage führen zu einer erhöhten Nachfrage im Badetourismus und nach was- sernahen oder -gebundenen Angeboten und Aktivitäten. In den Frühjahrs- und Herbstmonaten hat dies eine Verlängerung der klassischen Saisonzei- ten zur Folge. Das häufigere Auftreten von Hoch- und Niedrigwasser sowie der Befall durch Algen infolge intensiverer Niederschläge, längerer Trockenheit und steigenden Gewässertemperaturen schränken die Angebotsverfügbarkeit temporär oder z. T. auch dauerhaft ein und bergen gesundheitliche Risi- ken. Empfehlungen Gewässer mit hoher Resilienz (Wasserstände/-temperatur) fokussieren Schwimmstege zum flexiblen Umgang mit Wasserständen installieren wasserbezogene Angebote (Freizeit, Gastgewerbe, Mobilität) ausbauen Bergbaufolgelandschaften touristisch nutzen und entwickeln Wirtschaftliche Potenziale und Chancen Vor allem im Tagestourismus haben wassertouristische Angebote in der Sommersaison eine hohe Bedeutung. Neben ihrer touristischen Attraktivität leisten sie als Standortfaktor auch einen wesentlichen Beitrag zur Naherho- lung und Lebensqualität der lokalen und regionalen Bevölkerung. Der Fokus auf resiliente Gewässer und die (Weiter-)Entwicklung wider- standsfähiger und flexibler Infrastrukturen können dazu beitragen, Betriebs- ausfälle und -einschränkungen zu reduzieren. Der Ausbau kommerzieller Angebote an bestehenden Standorten und die Erschließung neuer Gewäs- ser(-abschnitte) stärken die ökonomische Bedeutung des Badetourismus. Themen und Räume Primär Sekundär Baden Camping Natur Erlebnis Zuständigkeit ■ Betriebe ■ Kommunen Land örtl. Tourismusorganisation regionale Tourismusorganisation Landestourismusorganisation Verbände Priorität ■ Zeithorizont kurzfristig (1–2 Jahre) ■ mittelfristig (2–5 Jahre) ■ langfristig (> 5 J.) Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 55 5. Nachhaltige Mobilitätsangebote verbessern Handlungsfeld ■ Infrastruktur Betriebe Angebote, Produkte Kommunikation Organisation Impulse steigendes Nachhaltigkeitsbewusstsein Praktische Folge Vor allem der mediale Diskurs rund um den Klimawandel bewirkt in Teilen der Bevölkerung ein steigendes Nachhaltigkeitsbewusstsein, das wiederum zu einer wachsenden Nachfrage nach nachhaltigen und klimaschonenden Mobilitätslösungen entlang der gesamten Customer Journey beiträgt. Die Bereitschaft, ÖPNV-Angebote zur An- und Abreise sowie für die Mobili- tät vor Ort zu nutzen, steigt und damit die Ansprüche an Multimodalität und Buchbarkeit. Die Popularität elektrisch betriebener Fahrzeuge als attraktive und innovative Mobilitätslösungen nimmt zu. Zugleich steigen die Kosten für fossile Energieträger infolge politischer, ökonomischer und gesetzlicher Klimaschutz- und -anpassungsmaßnahmen. Empfehlungen ÖPNV-Angebote ausbauen und integrieren Bahnreisen attraktiver machen flexible, innovative intra- und überregionale Mobilitätslösungen entwickeln E-Mobilität ausbauen und fördern Wirtschaftliche Potenziale und Chancen Die Verkehrswegedichte ist in großen Teilen Nordrhein-Westfalens über- durchschnittlich hoch. Die gute Erreichbarkeit ist ein wichtiger Wettbe- werbsfaktor vieler Destinationen im Land, der durch zukunftsfähige und at- traktive Mobilitätslösungen gestärkt und ausgebaut werden kann. Davon profitieren Gäste und Einheimische gleichermaßen. Gute Erreichbarkeit und Mobilität vor Ort generiert nicht nur zusätzliche Besuche, sondern ist auch ein wesentliches Element des Standortmarketings und fördert die Profilierung der Destinationen. Ein Großteil der im Tourismus verursachten Emissionen entsteht bei An- und Abreise der Gäste. Beim Klimaschutz hat die Mobilität entsprechend branchenweit die größte Hebelwirkung. Themen und Räume themenübergreifend Zuständigkeit ■ Betriebe ■ Kommunen ■ Land ■ örtl. Tourismusorganisation ■ regionale Tourismusorganisation Landestourismusorganisation Verbände ■ Sonstige: Deutsche Bahn AG, sonstige Mobilitätsdienstleister Priorität ■■■ Zeithorizont ■ kurzfristig (1–2 Jahre) ■ mittelfristig (2–5 Jahre) langfristig (> 5 J.) Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 56 7.2.2 Betriebe 6. Gastgewerbe für Outdoor-Themen qualitätsvoll entwickeln und ausbauen Handlungsfeld Infrastruktur ■ Betriebe Angebote, Produkte Kommunikation Organisation Impulse steigende Durchschnittstemperaturen und höhere Sonnenscheindauer steigendes Nachhaltigkeitsbewusstsein Praktische Folge Durch steigende Durchschnittstemperaturen und eine höhere Sonnen- scheindauer wächst die thermale Eignung für Outdoor-Aktivitäten mit Aus- nahme des Schneesports. Das führt zu einer zunehmenden Outdoor-Orien- tierung, verlängerten Saisonzeiten bis hin zur Ganzjährigkeit und einer wachsenden Nachfrage nach touristischen Routen und aktivtouristischen Angeboten. Zugleich nimmt die Nachfrage nach nachhaltigen Reiseformen und Aktivitäten zu. Empfehlungen Kapazitäten Camping und Wohnmobil-Stellplätze ausbauen Serviceangebote entwickeln (z. B. Gepäcktransport) Zertifizierungen fördern (bett+bike, Wanderbares Deutschland) Ausflugsgastronomien stärken und ausbauen Wirtschaftliche Potenziale und Chancen Wandern, Radfahren und Camping sind besonders große touristische Wachstumsmärkte. Die Umsätze mit Wanderausrüstung, E-Bikes und Wohnmobilen sind seit Jahren hoch und können noch weiter wachsen. Dies gilt auch für den Bedarf an zielgruppenspezifischen Angeboten. Im verschärften Wettbewerb um die Gäste können Betriebe mit zusätzlichen Service-Angeboten und Qualitätsmerkmalen buchungsrelevante Kriterien und Mehrwerte schaffen. Das Marktwachstum birgt die Chance, neue Be- triebe, Angebote und Geschäftsmodelle zu entwickeln und damit die Ange- botsvielfalt und -qualität weiter zu erhöhen. Themen und Räume Primär Sekundär Wandern Natur Rad Kulinarik Camping Zuständigkeit ■ Betriebe ■ Kommunen ■ Land ■ örtl. Tourismusorganisation regionale Tourismusorganisation Landestourismusorganisation ■ Verbände Priorität ■■ Zeithorizont ■ kurzfristig (1–2 Jahre) ■ mittelfristig (2–5 Jahre) langfristig (> 5 J.) Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 57 7. Nachhaltigkeitsmanagement in Betrieben etablieren und ausbauen Handlungsfeld Infrastruktur ■ Betriebe Angebote, Produkte Kommunikation Organisation Impulse steigendes Nachhaltigkeitsbewusstsein Praktische Folge Ein steigendes gesellschaftliches Bewusstsein für Nachhaltigkeitsbelange wirkt sich insbesondere auf das Konsum- und damit auch auf das Reise- entscheidungsverhalten aus. Die Bedeutung von Nachhaltigkeitsaspekten im Reiseentscheidungsprozess nimmt zu und dadurch die Nachfrage nach nachhaltigen und klimaschonenden Bausteinen entlang der gesamten Servicekette. Für Betriebe gibt es eine Vielzahl an Ansatzpunkten, die eigene betriebli- che Nachhaltigkeit zu optimieren. Oftmals fehlt es auf dieser Ebene an Ressourcen, um den damit verbundenen Aufgaben den nötigen Stellenwert einzuräumen oder vorhandene Möglichkeiten bestmöglich auszuschöpfen. Zugleich nimmt durch steigende Preise (für fossile Energieträger) der Handlungsdruck zu. Empfehlungen Beratungs- und Schulungsangebote zur betrieblichen Nachhaltig- keit machen und nutzen Kriterien für Zulieferer und Logistik definieren und Umsetzung überprüfen Themen-Paten ernennen, Mitarbeitende im Prozess einbeziehen auch (Nischen-)Segmente bedienen, z. B. Eco-Camping Wirtschaftliche Potenziale und Chancen Die Zielgruppe für Nachhaltigen Tourismus wächst. Betriebe können diese Zielgruppe durch nachhaltiges Wirtschaften und eine transparente Kommu- nikation ihres Handelns (s. Maßnahme 10) ansprechen und buchungsrele- vante Kriterien für sie schaffen. Nachhaltiges Wirtschaften auf betrieblicher Ebene kann im laufenden Be- trieb bereits kurzfristig zu Kosten-Einsparungen führen. Die gezielte Nut- zung von Fördermitteln kann die finanzielle Belastung durch Investitionen in die Zukunft des Betriebs verringern. Themen und Räume themenübergreifend Zuständigkeit ■ Betriebe ■ Kommunen Land örtl. Tourismusorganisation ■ regionale Tourismusorganisation ■ Landestourismusorganisation ■ Verbände ■ Sonstige: Wirtschaftsförderung, IHK Priorität ■■■ Zeithorizont ■ kurzfristig (1–2 Jahre) ■ mittelfristig (2–5 Jahre) langfristig (> 5 J.) Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 58 8. Klimafreundliches Gebäude-/Energiemanagement in Betrieben etablieren Handlungsfeld Infrastruktur ■ Betriebe Angebote, Produkte Kommunikation Organisation Impulse mehr Sommertage, heiße Tage und höhere Sonnenscheindauer steigendes Nachhaltigkeitsbewusstsein Praktische Folge Das vermehrte Auftreten von Sommertagen und heißen Tagen sowie eine höhere Sonnenscheindauer können in nicht klimatisierten Räumen zu einer sinkenden Aufenthaltsqualität führen. Der Kühlbedarf (Kühlgradtage) steigt, während der Heizbedarf (Heizgradtage) sinkt. Dadurch verändern sich die Anforderungen an Gebäude und ihre Bauweise und Ausstattung. Zugleich nimmt durch steigende Preise für fossile Energieträger der Handlungsdruck zu. Die zunehmende Bedeutung von Nachhaltigkeitsaspekten im Reiseent- scheidungsprozess betrifft auch die Nachhaltigkeit beim Bauen und Maß- nahmen zum Klimaschutz in Bestandsgebäuden. Empfehlungen Innenräume – wo nötig – klimatisieren oder natürlich kühlen Gebäudeisolierung verbessern, klimagerecht bauen nachhaltige und eigene Energiegewinnung fördern (z. B. Photovoltaik) energiesparende Beleuchtung einsetzen Wirtschaftliche Potenziale und Chancen Energieeffizientes und klimafreundliches Gebäudemanagement ist Teil ei- ner betrieblichen Nachhaltigkeitsstrategie (s. Maßnahme 7) und verbessert die betriebliche Ressourceneffizienz (s. Maßnahme 9). Maßnahmen im Ge- bäude- und Energiemanagement können im laufenden Betrieb bereits kurz- fristig zu Kosten-Einsparungen führen. Die gezielte Nutzung von Fördermit- teln kann die finanzielle Belastung durch Investitionen in die energetische Effizienz bzw. die Energieerzeugung eines Gebäudes verringern. Untersuchungen zeigen, dass die wahrgenommene Aufenthaltsqualität und das durchsetzbare Preisniveau durch Maßnahmen zur Klimatisierung von Hotelräumen steigen. Themen und Räume themenübergreifend Zuständigkeit ■ Betriebe ■ Kommunen ■ Land örtl. Tourismusorganisation regionale Tourismusorganisation Landestourismusorganisation Verbände Priorität ■■ Zeithorizont ■ kurzfristig (1–2 Jahre) ■ mittelfristig (2–5 Jahre) langfristig (> 5 J.) Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 59 9. Ressourceneffizienz und Abfallmanagement in Betrieben verbessern Handlungsfeld Infrastruktur ■ Betriebe Angebote, Produkte Kommunikation Organisation Impulse steigendes Nachhaltigkeitsbewusstsein Praktische Folge Ein steigendes gesellschaftliches Bewusstsein für Nachhaltigkeitsbelange wirkt sich insbesondere auf das Konsum- und damit auch auf das Reise- entscheidungsverhalten aus. Die Bedeutung von Nachhaltigkeitsaspekten im Reiseentscheidungsprozess nimmt zu. Dadurch steigt die Nachfrage nach nachhaltigen und klimaschonenden Bausteinen entlang der gesamten Servicekette. Auf betrieblicher Ebene betrifft dies vor allem den Umgang mit Ressourcen und Abfall. Dieser ist für den Gast an einigen Stellen direkt sicht- und erleb- bar. Entsprechend hoch sind die Erwartungen der Gäste, z. B. an den Um- gang mit Plastik, Verpackungen, Wasser und regionalen Lebensmitteln. Zugleich nimmt der Handlungsdruck durch steigende Preise für Lebensmit- tel zu. Empfehlungen Mehrwegalternativen (z. B. Fair-Cups, Glas) vor allem in der Gastronomie und Eventbranche weitestgehend Naturmaterialien einsetzen (Verpackung, Give-aways etc.) Abfall reduzieren und vermeiden Gäste für nachhaltigen (Lebensmittel-)Konsum sensibilisieren Wirtschaftliche Potenziale und Chancen Die Zielgruppe für Nachhaltigen Tourismus wächst. Betriebe können diese Zielgruppe durch nachhaltiges Wirtschaften und eine transparente Kommu- nikation ihres Handelns (s. Maßnahme 10) ansprechen und buchungsrele- vante Kriterien für sie schaffen. Nachhaltiges Wirtschaften auf betrieblicher Ebene und insbesondere ein effizienterer Umgang mit Ressourcen und das Vermeiden von unnötigen Abfällen können bereits kurzfristig zu Kosteneinsparungen im laufenden Betrieb führen. Themen und Räume themenübergreifend Zuständigkeit ■ Betriebe ■ Kommunen Land örtl. Tourismusorganisation regionale Tourismusorganisation Landestourismusorganisation ■ Verbände ■ Sonstige: Veranstaltungswirtschaft Priorität ■■ Zeithorizont ■ kurzfristig (1–2 Jahre) mittelfristig (2–5 Jahre) langfristig (> 5 J.) Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 60 10. Betriebliche Nachhaltigkeit kommunizieren Handlungsfeld Infrastruktur ■ Betriebe Angebote, Produkte Kommunikation Organisation Impulse steigendes Nachhaltigkeitsbewusstsein Praktische Folge Ein steigendes gesellschaftliches Bewusstsein für Nachhaltigkeitsbelange wirkt sich insbesondere auf das Konsum- und damit auch auf das Reise- entscheidungsverhalten aus. Die Bedeutung von Nachhaltigkeitsaspekten im Reiseentscheidungsprozess nimmt zu und dadurch die Nachfrage nach nachhaltigen und klimaschonenden Bausteinen entlang der gesamten Servicekette. Für den Gast besteht eine große Herausforderung darin, nachhaltige Pro- dukte und Leistungen einfach identifizieren zu können. Dies ist oftmals Folge einer fehlenden Transparenz in Verbindung mit einem Mangel oder einer Flut an Informationen. Dadurch besteht die Gefahr, dass die in Teilen der Gesellschaft vorhandene erhöhte Preisbereitschaft für nachhal- tige Produkte und Leistungen nicht ausgeschöpft oder fehlgeleitet wird. Empfehlungen Maßnahmen und Preisunterschiede transparent darstellen nachhaltige Maßnahmen personalisieren, greifbar machen, Storytelling diverse Kanäle und Medien nutzen, z. B. Rubrik auf Website, Kurzfilme Maßnahmen über Zertifizierungen und Wettbewerbe kommunizieren Wirtschaftliche Potenziale und Chancen Die Zielgruppe für Nachhaltigen Tourismus wächst. Betriebe können diese Zielgruppe durch nachhaltiges Wirtschaften ansprechen und buchungsrele- vante Kriterien für sie schaffen. Die Ansprache ist Gegenstand und Ziel ei- ner transparenten und zielgerichteten Kommunikation entlang der gesam- ten Servicekette. Neben der Neukundengewinnung dient diese auch der Gästebindung. Zugleich fördert der wachsende Anspruch an ein hochwertiges und trans- parentes betriebliches Marketing die Nutzung neuer Kommunikationska- näle und leistet darüber hinaus einen Beitrag zur Profilierung. Themen und Räume themenübergreifend Zuständigkeit ■ Betriebe ■ Kommunen ■ Land ■ örtl. Tourismusorganisation ■ regionale Tourismusorganisation ■ Landestourismusorganisation ■ Verbände Priorität ■■ Zeithorizont ■ kurzfristig (1–2 Jahre) mittelfristig (2–5 Jahre) langfristig (> 5 J.) Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 61 7.2.3 Angebote, Produkte 11. Klimawandel und Nachhaltigkeit zum Gegenstand touristischer Angebote machen Handlungsfeld Infrastruktur Betriebe ■ Angebote, Produkte Kommunikation Organisation Impulse steigendes Nachhaltigkeitsbewusstsein mehr Wetterextreme (Starkregen, ggf. Sturm, Hitze etc.) Praktische Folge Die wachsende Bedeutung des Klimawandels in vielen Lebensbereichen und vor allem im medialen Diskurs führt zu einem steigenden Interesse an den damit verbundenen Themen (z. B. Energiegewinnung, Nachhaltigkeit, Extremwetter) – auch im schulischen Kontext. Zugleich nehmen die Folgen des Klimawandels und deren Sichtbarkeit in Natur und Landschaft (z. B. Kalamitäten, Flutschäden) zu und werden durch den Gast stärker wahrge- nommen. Dadurch steigt der Bedarf an anschaulich, leicht verständlich auf- bereiteten Informationen und Verknüpfungen zur Lebensrealität der Gäste. Empfehlungen Einrichtungen, Führungen, Veranstaltungen zu Klimawandel, Ener- gie etc., Veranstaltungen als Plattform für Klimaschutz/-anpas- sung, Nachhaltigkeit nutzen touristische Themenrouten anlegen (z. B. Sturmroute, Flutweg) außerschulische Lernorte/BNE-Angebote entwickeln Kooperationen zwischen Tourismus und Wissenschaft fördern Wirtschaftliche Potenziale und Chancen Edukative Angebote zu den Themen Klimawandel und Nachhaltigkeit spre- chen die große Zielgruppe der Schulklassen, Kindergärten und Bildungsrei- senden an. Im Zuge der Digitalisierung nehmen die Simulations- und Ver- anschaulichungsmöglichkeiten (VR, AR) und damit die Erlebnisqualität zu. Die Entwicklung neuer Angebote und Geschäftsmodelle fördert u. a. die touristische Inwertsetzung bestehender Strukturen und kann dank einer ho- hen medialen Aufmerksamkeit signifikante Beiträge zur Profilierung einer Destination und deren Standortmarketing leisten. Themen und Räume Primär Sekundär Erlebnis Städte und Kultur Event Wandern Rad Zuständigkeit ■ Betriebe ■ Kommunen ■ Land ■ örtl. Tourismusorganisation ■ regionale Tourismusorganisation ■ Landestourismusorganisation ■ Verbände ■ Sonstige: Wissenschaft, Energiewirtschaft, Naturschutz Verbände etc. Priorität ■■■ Zeithorizont ■ kurzfristig (1–2 Jahre) ■ mittelfristig (2–5 Jahre) langfristig (> 5 J.) Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 62 12. Outdoor- und Aktiv-Angebote für Städtereisende schaffen Handlungsfeld Infrastruktur Betriebe ■ Angebote, Produkte Kommunikation Organisation Impulse steigende Durchschnittstemperaturen und höhere Sonnenscheindauer mehr Sommertage, heiße Tage mehr Wetterextreme (vor allem Starkregen, Hitze, Schwüle) Praktische Folge Mit steigenden Durchschnittstemperaturen und einer höheren Sonnen- scheindauer steigt die thermale Eignung für Aufenthalte und Aktivitäten im Freien – insbesondere auch außerhalb der Sommermonate. Das bedeutet für Outdoor-Aktivitäten längere Saisonzeiten bis hin zur Ganzjährigkeit. Da- mit wächst die Nachfrage nach touristischen und gastgewerblichen Ange- boten im Freien (auch in Kombination mit Indoor-Angeboten). Die Expo- niertheit gegenüber Wetterextremen steigt und damit die Nachfrage nach flexiblen und kombinierten Angeboten. Empfehlungen Außenbereiche nutzen, ausstatten und inszenieren (z. B. Dachterrassen) Außengastronomie und Open-Air-Modelle (z. B. Kinos, Märkte) stärken Angebote Stadt-Land und Outdoor-Indoor kombinieren innerstädtische Naturerlebnisse schaffen Wirtschaftliche Potenziale und Chancen Die Anzahl hybrider, multioptionaler und flexibler Gäste mit diametralen Motivbündeln (z. B. Kultur und Aktiv) nehmen zu. Viele Städte in Nordrhein- Westfalen haben aufgrund ihrer Nähe zu Naturräumen das Potenzial, die- sen Wünschen der Gäste mit eigenen Angeboten oder in Zusammenarbeit mit benachbarten Destinationen zu begegnen. Der Ausbau und die Diversifizierung des touristischen Angebots fördern die Resilienz der gesamten Destination und Branche und einen ganzjährigen Tourismus. Zusätzliche Flächen im Außenbereich können weitere Umsätze generieren. Themen und Räume Primär Sekundär Städte und Kultur Shopping Erlebnis Business & MICE Event Kulinarik Zuständigkeit ■ Betriebe ■ Kommunen Land ■ örtl. Tourismusorganisation ■ regionale Tourismusorganisation Landestourismusorganisation Verbände Priorität ■ Zeithorizont kurzfristig (1–2 Jahre) ■ mittelfristig (2–5 Jahre) ■langfristig (> 5 J.) Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 63 13. Buchbare, nachhaltige Pauschalen entwickeln Handlungsfeld Infrastruktur Betriebe ■ Angebote, Produkte Kommunikation Organisation Impulse steigendes Nachhaltigkeitsbewusstsein Praktische Folge Ein steigendes gesellschaftliches Bewusstsein für Nachhaltigkeitsbelange wirkt sich insbesondere auf das Konsum- und damit auch auf das Reise- entscheidungsverhalten aus. Die Bedeutung von Nachhaltigkeitsaspekten im Reiseentscheidungsprozess nimmt zu und dadurch die Nachfrage nach nachhaltigen und klimaschonenden Bausteinen entlang der gesamten Servicekette. Für den Gast besteht eine große Herausforderung darin, nachhaltige Pro- dukte und Leistungen einfach identifizieren zu können. Dies resultiert oft- mals aus einer fehlenden Transparenz in Verbindung mit einem Mangel oder einer Flut an Informationen (s. Maßnahme 10). Die durchgehende Verfügbarkeit nachhaltiger Angebote entlang der gesamten Servicekette stellt den Gast vor weitere Herausforderungen. Empfehlungen nachhaltige Angebote entlang Customer Journey bündeln zielgruppengerechte Pauschalen entwickeln (Rad-Wochenenden) Kooperationen mit Mobilitätsdienstleistern eingehen Nachhaltigkeitskriterien zur Angebotsauswahl festlegen Wirtschaftliche Potenziale und Chancen Die Zielgruppe für Nachhaltigen Tourismus wächst. Betriebe und Destinati- onen können diese Zielgruppe durch passende Angebote und deren Ver- marktung gezielt ansprechen und buchungsrelevante Kriterien für sie schaffen. Die Betriebe und Destinationen entwickeln konkrete und buchbare Ange- bote für eine wachsende Zielgruppe. Pakete und Pauschalen sind ein Mehrwert für den Gast, erhöhen die Gästebindung und initiieren Kopp- lungsbesuche. Themen und Räume themenübergreifend Zuständigkeit ■ Betriebe Kommunen Land ■ örtl. Tourismusorganisation ■ regionale Tourismusorganisation ■ Landestourismusorganisation Verbände ■ Sonstige: Deutsche Bahn AG, sonstige Mobilitätsdienstleister Priorität ■■ Zeithorizont ■ kurzfristig (1–2 Jahre) ■ mittelfristig (2–5 Jahre) langfristig (> 5 J.) Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 64 14. Abhängigkeit von (Natur-)Schnee reduzieren Handlungsfeld Infrastruktur Betriebe ■ Angebote, Produkte Kommunikation Organisation Impulse steigende Temperaturen (in den Wintermonaten) rückläufige natürliche Schneedeckendauer längere und häufigere Phasen mit Tauwetter Praktische Folge Eine natürliche Schneedecke, die reicht, um verschiedene Schneesportar- ten (Ski alpin, Langlauf, Rodeln) auszuüben, tritt an weniger Tagen im Jahr auf. Durch ein früheres Saisonende und einen späteren Saisonstart ver- kürzt sich im Wintersport die Saisondauer in den deutschen Mittelgebirgen. Dieser Entwicklung wird durch technische Beschneiung vielerorts erfolg- reich entgegengewirkt. Ohne weitere technische Innovationen werden die Beschneiungszeiträume durch steigende Temperaturen allerdings weiter eingeschränkt, während der Bedarf an technischer Schneeerzeugung und die damit verbundenen Energiekosten steigen. Empfehlungen Angebotspalette diversifizieren (Winterwandern, Wellness, Events) schneeabhängige und -unabhängige Angebote mit Gästekarte bündeln Infrastrukturen und Anlagen ganzjährig nutzen (z. B. Biketrans- port) technische Beschneiung möglichst nachhaltig und umweltgerecht einsetzen und optimieren Wirtschaftliche Potenziale und Chancen Im Hochsauerland hat der Schneesporttourismus teilräumlich eine sehr hohe wirtschaftliche Bedeutung und einen hohen Anteil an der ganzjähri- gen touristischen Nachfrage. Technische Beschneiung kann den Wirt- schaftsfaktor Schneesporttourismus vorerst erhalten. Der Ausbau schnee- unabhängiger Angebote soll Gästen und Betrieben Alternativen bieten, Sai- sonzeiten und Aufenthaltsdauern verlängern und dadurch zusätzliche und langfristige wirtschaftliche Perspektiven für die Region schaffen. Themen und Räume Primär Sekundär Schneesport Wandern Natur Rad Gesundheit Zuständigkeit ■ Betriebe ■ Kommunen Land ■ örtl. Tourismusorganisation ■ regionale Tourismusorganisation Landestourismusorganisation Verbände ■ Sonstige: Wintersport-Arena Sauerland Priorität ■ Zeithorizont ■ kurzfristig (1–2 Jahre) ■ mittelfristig (2–5 Jahre) langfristig (> 5 J.) Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 65 15. Radtouristische Infrastruktur und Angebote verbessern und ausbauen Handlungsfeld Infrastruktur Betriebe ■ Angebote, Produkte Kommunikation Organisation Impulse steigende Durchschnittstemperaturen und höhere Sonnenscheindauer mehr Sommertage, heiße Tage steigendes Nachhaltigkeitsbewusstsein Praktische Folge Infolge steigender Durchschnittstemperaturen und höherer Sonnenschein- dauer nimmt die Anzahl an Tagen mit geeigneten Witterungsverhältnissen zum Radfahren zu. In Kombination mit funktioneller Kleidung und techni- schen Neuerungen kann diese Aktivität zunehmend ganzjährig ausgeübt werden. Zugleich nimmt die Bedeutung des Radtourismus als nachhaltige Reise- form und -aktivität zu. Das führt zu einer wachsenden Nachfrage in allen radtouristischen Segmenten (insbesondere E-Bike) und nach entsprechen- den Routen und Angeboten. Andere Outdoor-Aktivitäten haben ebenfalls eine steigende Nachfrage. Empfehlungen Infrastruktur für (E-)Fahrräder ausbauen (Routen, Ladestation, Stellplätze) Kombi-Angebote schaffen: Bike & Hike, Bike & Swim, Pedal & Paddel (über-)regionale Systemfahrradvermietung etablieren/ausbauen Radmobilität und ÖPNV vernetzen (z. B. Fahrradbusse) Wirtschaftliche Potenziale und Chancen Eine infrastrukturelle und angebotsseitige Qualitätsoffensive im Radtouris- mus trifft auf eine stark steigende Nachfrage. Zusätzliche Kapazitäten und neue kommerzielle und buchbare Angebote entstehen. Die Qualität des Reiseerlebnisses und die Wertschöpfung entlang der touristischen Radrou- ten steigen. Die Kombination und bessere Vernetzung mit anderen touristischen Leis- tungsträgern und weiteren Outdoor-Aktiv-Angeboten kreieren neue Ge- schäftsmodelle, Angebote und initiieren Kopplungsbesuche. Themen und Räume Primär Sekundär Rad Zuständigkeit ■ Betriebe ■ Kommunen ■ Land ■ örtl. Tourismusorganisation ■ regionale Tourismusorganisation Landestourismusorganisation ■ Verbände ■ Sonstige: Regionale Verkehrsbetriebe, ADFC, Betriebe Radbranche Priorität ■■■ Zeithorizont ■ kurzfristig (1–2 Jahre) ■ mittelfristig (2–5 Jahre) langfristig (> 5 J.) Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 66 16. Anreize für klimafreundliches Reisen schaffen Handlungsfeld Infrastruktur Betriebe ■ Angebote, Produkte Kommunikation Organisation Impulse steigendes Nachhaltigkeitsbewusstsein wachsende Anforderungen an Nachhaltigkeit von Branchen und Unter- nehmen Praktische Folge Ein steigendes gesellschaftliches Bewusstsein für Nachhaltigkeitsbelange wirkt sich insbesondere auf das Konsum- und damit auch auf das Reise- entscheidungsverhalten aus. Die Bedeutung von Nachhaltigkeitsaspekten im Reiseentscheidungsprozess nimmt zu und dadurch die Nachfrage nach nachhaltigen und klimaschonenden bzw. -neutralen Bausteinen entlang der gesamten Servicekette. Zum Ziel der landesweiten Klimaneutralität muss auch der Tourismus sei- nen Beitrag leisten. Der Mangel an Anreizen und Informationen verhindert in vielen Fällen sowohl bei Gästen als auch Betrieben ein klimafreundliche- res Verhalten. Empfehlungen CO2-Kompensation entlang gesamter Wertschöpfungskette anbieten Gäste für nachhaltiges Verhalten sensibilisieren („Belohnungssystem“) klimaschonende/klimaneutrale Angebote mit Preispolitik fördern lokale Klimaschutzmaßnahmen (z. B. Bäume pflanzen) fördern Wirtschaftliche Potenziale und Chancen Die Zielgruppe für Nachhaltigen Tourismus und damit die Nachfrage nach klimaneutralen bzw. klimaschonenden Angeboten wachsen. Die obigen Empfehlungen tragen zu deren Entwicklung und Förderung bei. Dadurch kann sich Nordrhein-Westfalen glaubhaft als klimafreundliche Destination etablieren und positionieren. Lokale und regionale Maßnahmen unter Ein- bindung der Gäste fördern die (emotionale) Gästebindung an die Destina- tion. Zugleich leistet die Branche einen Beitrag zur landesweiten Kli- maneutralität und beugt zusätzlichen Kosten durch den steigenden CO2- Preis vor. Themen und Räume themenübergreifend Zuständigkeit ■ Betriebe ■ Kommunen Land ■ örtl. Tourismusorganisation regionale Tourismusorganisation Landestourismusorganisation Verbände Priorität ■■■ Zeithorizont ■ kurzfristig (1–2 Jahre) ■ mittelfristig (2–5 Jahre) langfristig (> 5 J.) Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 67 17. Gesundheitskompetenzen der Heilbäder und Kurorte nutzen Handlungsfeld Infrastruktur Betriebe ■ Angebote, Produkte Kommunikation Organisation Impulse mehr Hitze- und Schwületage verlängerte Phasen mit hoher Allergenbelastung Praktische Folge Hohe Temperaturen, das häufigere Auftreten bestimmter Wetterlagen (ins- besondere Schwüle) und längere Zeiträume mit hoher Allergenbelastung erhöhen die gesundheitlichen Belastungen durch das Klima. Ältere Men- schen und Personen mit Vorerkrankungen reagieren besonders sensibel auf diese äußeren Einflüsse. Dieser Trend geht einher mit einem steigenden Gesundheitsbewusstsein in großen Teilen der Gesellschaft. Die Nachfrage nach klimatisch begünstig- ten Standorten und gesundheitsfördernden Angeboten steigt. Empfehlungen hitzelindernde Angebote ausbauen (Waldbaden, Trinkkuren) Angebote/Anlagen verschatten und miteinander verknüpfen Klima- und Kneipp-Therapeuten vermehrt einsetzen gesundheitlichen Mehrwert/Standortvorteil kommunizieren (Allergenarmut) Wirtschaftliche Potenziale und Chancen 17 % der Übernachtungen in gewerblichen Beherbergungsbetrieben im Land Nordrhein-Westfalen entfallen auf hochprädikatisierte Heilbäder und Kurorte. Die Maßnahmen tragen dazu bei, deren klimatischen Standortvor- teile zu nutzen und zu erhalten. Neue buchbare Angebote entstehen. Die Diversifizierung des Angebots spricht zudem eine wachsende Zielgruppe an. Die neuen Angebote und deren Kommunikation stärken die wahrgenommenen Kompetenzen der Heilbäder und Kurorte und tragen zu deren Profilierung bei – auch im Sinne des Standortmarketings. Themen und Räume Primär Sekundär Gesundheit Wandern Natur Zuständigkeit ■ Betriebe ■ Kommunen Land ■ örtl. Tourismusorganisation regionale Tourismusorganisation Landestourismusorganisation ■ Verbände ■ Sonstige: Heilbäderverband, Kliniken, Ärzte, Therapeuten etc. Priorität ■ Zeithorizont kurzfristig (1–2 Jahre) ■ mittelfristig (2–5 Jahre) langfristig (> 5 J.) Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 68 18. Naturparke zu Kompetenzzentren der Nachhaltigkeit entwickeln Handlungsfeld Infrastruktur Betriebe ■ Angebote, Produkte Kommunikation Organisation Impulse steigendes Nachhaltigkeitsbewusstsein steigende Durchschnittstemperaturen und höhere Sonnenscheindauer Praktische Folge Durch steigende Durchschnittstemperaturen und eine höhere Sonnen- scheindauer wächst die thermale Eignung für Outdoor-Aktivitäten und Auf- enthalte im Freien. Damit gehen eine zunehmende Outdoor-Orientierung und eine wachsende Nachfrage nach naturnahen Räumen, insbesondere im Umfeld von Ballungsgebieten, einher. Die zwölf Naturparke im Land Nordrhein-Westfalen und der Nationalpark Eifel stehen im Mittelpunkt der gestiegenen Nachfrage. Zugleich wächst das gesellschaftliche Interesse am Klimawandel und den damit verbundenen Themen (z. B. Ökologie, Nachhaltigkeit) – auch im schulischen Kontext. Die Naturparke und der Nationalpark Eifel sind zen- trale Anlaufstellen für entsprechende Bildungsangebote und zugleich von den Folgen des Klimawandels besonders betroffen (vor allem Kalamitäten). Empfehlungen Markenbildung Naturpark (naturnah, qualitätsvoll, nachhaltig, Genuss) Thema Klimawandel in Angebote der Naturparke integrieren Netzwerk von klimafreundlichen Naturerlebnisangeboten in NPs aufbauen für Bedeutung der NPs sensibilisieren (Mitmach-NPs, NP-Schulen etc.) Wirtschaftliche Potenziale und Chancen Der Naturtourismus steuert jährlich rund 3,0 Milliarden Euro Bruttoumsatz zur Wirtschaftskraft des Tourismus in Nordrhein-Westfalen bei. Naturparke gibt es in allen fünf Landschaftsräumen. Die bestehenden Angebote sollen zielgruppengerecht und standortspezifisch entwickelt und ergänzt werden. Davon profitieren die Naturparke und ihre Partner. Mitmach-Angebote stär- ken die Bindung der Gäste und steigern die Akzeptanz der Naturparke und deren wahrgenommene Kompetenz. Themen und Räume Primär Sekundär Natur Zuständigkeit ■ Betriebe ■ Kommunen Land örtl. Tourismusorganisation ■ regionale Tourismusorganisation Landestourismusorganisation Verbände ■ Sonstige: Natur- und Nationalparke Priorität ■■■ Zeithorizont kurzfristig (1–2 Jahre) ■ mittelfristig (2–5 Jahre) langfristig (> 5 J.) Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 69 19. Regionale Kulinarik mit Erlebnis kombinieren Handlungsfeld Infrastruktur Betriebe ■ Angebote, Produkte Kommunikation Organisation Impulse steigende Durchschnittstemperaturen und höhere Sonnenscheindauer steigendes Nachhaltigkeitsbewusstsein Praktische Folge Die Folge steigender Durchschnittstemperaturen und einer höheren Son- nenscheindauer ist eine wachsende thermale Eignung für Outdoor-Aktivitä- ten und Aufenthalte im Freien. Damit wächst die Nachfrage nach Ausflugs- gastronomien, die zugleich von klimatisch bedingt längeren Saison- und Öffnungszeiten profitieren. Mit steigendem Nachhaltigkeits- und Umweltbewusstsein wächst zudem die Nachfrage nach klimaschonenden kulinarischen Angeboten und Pro- dukten. Der Umsatz mit regional und biologisch erzeugten Lebensmitteln steigt stark an. Empfehlungen Bewegungs- und Kulinarikangebote kombinieren (z. B. Wanderrouten) Erlebnisübernachtungen in Verbindung mit regionalen Produkten anbieten Aktivitäten (Kochkurse, Touren) mit nachhaltigen Erzeugern anbieten regionale Erzeugerfestivals und -märkte initiieren Wirtschaftliche Potenziale und Chancen Die stärkere touristische Vermarktung lokaler und regionaler Erzeuger und ihrer Produkte stärkt die heimischen Wirtschaftskreisläufe und generiert zu- sätzliche Umsätze. Der Kontakt mit den lokalen und regionalen Erzeugern schafft zudem Bewusstsein und Akzeptanz für die Landwirtschaft in Nord- rhein-Westfalen. Die Eventisierung und zusätzliche Erlebnisangebote schaffen neue und regelmäßige Reise- und Besuchsanlässe und deren Kombination erzeugt Synergien zwischen den verschiedenen Anbietern. Themen und Räume Primär Sekundär Kulinarik Wandern Natur Rad Event Gesundheit Zuständigkeit ■ Betriebe ■ Kommunen Land ■ örtl. Tourismusorganisation ■ regionale Tourismusorganisation Landestourismusorganisation Verbände ■ Sonstige: Landwirte Priorität ■■■ Zeithorizont ■ kurzfristig (1–2 Jahre) ■ mittelfristig (2–5 Jahre) langfristig (> 5 J.) Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 70 20. Bessere Anbaubedingungen für bestimmte landwirtschaftliche Produkte touristisch nutzen Handlungsfeld Infrastruktur Betriebe ■ Angebote, Produkte Kommunikation Organisation Impulse längere und intensivere Vegetationsphasen durch thermale Verände- rungen steigendes Nachhaltigkeitsbewusstsein Praktische Folge Längere und intensivere Vegetationsphasen verbessern die Anbau- und Wachstumsbedingungen für zahlreiche landwirtschaftliche Produkte. Die Folge sind eine höhere Sortenvielfalt und Qualität der erzeugten Produkte, z. B. im Wein- und Obstbau. Mit steigendem Nachhaltigkeits- und Umweltbewusstsein wächst zudem die Nachfrage nach klimaschonenden kulinarischen Angeboten und Pro- dukten. Der Umsatz mit regional und biologisch erzeugten Lebensmitteln steigt stark an. Empfehlungen Wein- und Obstbau touristisch inszenieren (z. B. Routen, Tastings) Erzeuger mit Gastronomen vernetzen (Plattformen schaffen) Erzeuger mit Endkunden vernetzen (Online-Direktvertrieb, Hofläden etc.) Mitmach-Angebote, Veranstaltungen, Themenwochen entwickeln Wirtschaftliche Potenziale und Chancen Die stärkere touristische Vermarktung lokaler und regionaler Erzeuger und ihrer Produkte stärkt die heimischen Wirtschaftskreisläufe und generiert zu- sätzliche Umsätze. Der Kontakt mit den lokalen und regionalen Erzeugern schafft zudem Bewusstsein und Akzeptanz für die Landwirtschaft in Nord- rhein-Westfalen. Die neuen und diversifizierten Angebote generieren nicht nur Wertschöp- fung in den Betrieben, sondern können in Destinationen auch profilbildende Wirkung entfalten. Das Vorgebirge ist als Obst- und Gemüsegarten Kölns bekannt und nutzt dieses Image auch touristisch (Rheinische Apfelroute). Themen und Räume Primär Sekundär Kulinarik Wandern Natur Rad Event Gesundheit Zuständigkeit ■ Betriebe ■ Kommunen Land ■ örtl. Tourismusorganisation ■ regionale Tourismusorganisation Landestourismusorganisation Verbände ■ Sonstige: Landwirte Priorität ■ Zeithorizont kurzfristig (1–2 Jahre) ■ mittelfristig (2–5 Jahre) ■ langfristig (> 5 J.) Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 71 7.2.4 Kommunikation 21. Besucher analog und digital lenken Handlungsfeld Infrastruktur Betriebe Angebote, Produkte ■ Kommunikation Organisation Impulse steigende Durchschnittstemperaturen und höhere Sonnenscheindauer mehr Sommertage, heiße Tage mehr Wetterextreme (vor allem Starkregen, Trockenheit, Hoch- und Niedrigwasser) Praktische Folge Mit steigenden Durchschnittstemperaturen und einer höheren Sonnen- scheindauer steigt die thermale Eignung für Aufenthalte und Aktivitäten im Freien. Damit wächst die Nachfrage nach Outdoor- und wasserbezogenen Aktivitäten. Zugleich nimmt die Exponiertheit touristischer (Wege-)Infra- strukturen gegenüber Wetterextremen zu. Die Folge ist eine teils einge- schränkte Angebotsverfügbarkeit, beispielsweise durch Sperrungen von Wegen oder Gewässern. In Zeiträumen und an Orten mit hoher touristi- scher Nachfrage und/oder eingeschränkter Angebotsverfügbarkeit können Hotspots mit einhergehenden Überlastungserscheinungen entstehen. Empfehlungen Gäste proaktiv über Information und Angebot lenken in Echtzeit Auslastung, Sperrungen, Wetter kommunizieren Alternativen empfehlen, Hierarchisierung von Wegen („Amazon-Prinzip“) digitales Besuchermanagement (z. B. Apps und Online-Ticketing) nutzen Wirtschaftliche Potenziale und Chancen Die Besucherlenkung verfolgt das Ziel, die touristische Nachfrage räumlich und zeitlich besser zu verteilen. Im Sinne eines Auslastungsmanagements sollen die Aufenthaltsqualität und die Zufriedenheit der Gäste erhöht wer- den. Höhere Auslastung und mehr Gästezufriedenheit lassen die Konsum- ausgaben steigen. Zugleich besteht die Möglichkeit, den Tourismus in we- niger stark frequentierten Räumen zu fördern. Themen und Räume Primär Sekundär Baden Schneesport Wandern Rad Natur Gesundheit Zuständigkeit ■ Betriebe ■ Kommunen Land ■ örtl. Tourismusorganisation ■ regionale Tourismusorganisation Landestourismusorganisation Verbände Priorität ■■■ Zeithorizont ■ kurzfristig (1–2 Jahre) mittelfristig (2–5 Jahre) langfristig (> 5 J.) Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 72 22. Warn- und Informationssysteme etablieren Handlungsfeld Infrastruktur Betriebe Angebote, Produkte ■ Kommunikation Organisation Impulse steigende Durchschnittstemperaturen und höhere Sonnenscheindauer mehr Sommertage, heiße Tage mehr Wetterextreme (vor allem Starkregen, Trockenheit, Hoch- und Niedrigwasser, Schwüle) Praktische Folge Infolge steigender Durchschnittstemperaturen und höherer Sonnenschein- dauer nehmen Aufenthalte im Freien zu. Die zunehmende Hitze- und UV- Belastung führt insbesondere in den Sommermonaten zu erhöhten gesund- heitlichen Risiken bei Aufenthalten und Aktivitäten im Freien. Auch weitere Wetterextreme, wie Starkregenereignisse, können für Einheimische und Gäste zur Gefahr werden. Die Herausforderung besteht in der frühzeitige- ren Vorhersagbarkeit von Wetterextremen hinsichtlich ihrer Intensität sowie ihrer räumlichen und zeitlichen Ausprägung. Empfehlungen Wetter-Infos kommunizieren (auf Homepage, vor Ort, Infosäulen etc.) als Betrieb und Dienstleister über UV-Strahlung und -Index informieren (Früh-)Warnsysteme ausbauen, Kommunikation vereinheitlichen Gäste für Wetter sensibilisieren und konkrete Verhaltenshinweise geben Wirtschaftliche Potenziale und Chancen In Krisenzeiten gewinnt die signalisierte und wahrgenommene Sicherheit als wesentlicher Aspekt im Reiseentscheidungsverhalten an Bedeutung. Dazu gehört auch das Vermeiden negativer Besuchserlebnisse. Höheres Sicherheitsempfinden kann zu einem zeitlich und räumlich veränderten und insgesamt höheren Reiseaufkommen führen. Die bereits vorhandenen und vielfältig genutzten analogen und digitalen Kanäle müssen um leicht zu- gängliche, zielgruppen- und themenspezifisch aufbereitete Informationen ergänzt werden. Themen und Räume themenübergreifend Zuständigkeit ■ Betriebe ■ Kommunen Land ■ örtl. Tourismusorganisation regionale Tourismusorganisation Landestourismusorganisation Verbände ■ Sonstige: öffentliche und private Wetterdienste Priorität ■■ Zeithorizont ■ kurzfristig (1–2 Jahre) mittelfristig (2–5 Jahre) langfristig (> 5 J.) Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 73 23. Sommerfrische kommunizieren Handlungsfeld Infrastruktur Betriebe Angebote, Produkte ■ Kommunikation Organisation Impulse mehr heiße Tage, insbesondere in tief gelegenen Regionen längere Hitzephasen mehr Wetterextreme (vor allem Hitze, Schwüle) Praktische Folge Hohe Hitzebelastungen, wie sie vermehrt in den Sommermonaten in tiefe- ren Lagen auftreten, führen zu sinkender Aufenthaltsqualität im Freien und in Gebäuden und zu erhöhten gesundheitlichen Belastungen. Dadurch steigt die Nachfrage nach „erfrischenden“ Angeboten im Sommer. Höhen- lagen und bewaldete Regionen können als Rückzugsorte aufgrund niedri- gerer Temperaturen und Hitzebelastungen profitieren. Die Sommerfrische erlebt eine Renaissance. Empfehlungen Angebote für Sommerfrische entwickeln und kommunizieren Kühle/gesundheitlichen Mehrwert in Destinationen kommunizieren temporäre Werbeaktionen bei erhöhter Hitzebelastung klimabelastete Quellgebiete ansprechen (NL, Rheinschiene, Ruhrgebiet) Wirtschaftliche Potenziale und Chancen Bereits im Jahr 2019 entfielen 54 % aller Übernachtungen in gewerblichen Beherbergungsbetrieben im Hochsauerlandkreis auf das Sommerhalbjahr. Die stärkere Kommunikation der klimatischen Vorteile in diesem Land- schaftsraum trägt dazu bei, die Sommersaison zentrales Standbein neben dem Winter weiter zu stärken. Long Stay- und Co-Working-Angebote füh- ren zu einer längeren Aufenthaltsdauer der Gäste und steigern die Auslas- tung der Betriebe. Themen und Räume themenübergreifend Zuständigkeit ■ Betriebe Kommunen Land ■ örtl. Tourismusorganisation ■ regionale Tourismusorganisation ■ Landestourismusorganisation Verbände Priorität ■■ Zeithorizont ■ kurzfristig (1–2 Jahre) mittelfristig (2–5 Jahre) langfristig (> 5 J.) Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 74 7.2.5 Organisation 24. Innovationen für Klimaschutz und -anpassung fördern Handlungsfeld Infrastruktur Betriebe Angebote, Produkte ■ Kommunikation Organisation Impulse sämtliche Veränderungen klimatischer Parameter und Einflüsse im Tourismus steigendes Nachhaltigkeitsbewusstsein Praktische Folge Der Klimawandel und der Umgang mit dessen Folgen sind im Sinne des Klimaschutzes und der Klimaanpassung bereits heute in einigen Destinati- onen wichtige Aufgabenbereiche mit stetig wachsender Bedeutung. Daraus resultieren veränderte und z. T. wachsende Ansprüche an die touristische Infrastruktur, die Angebots- und Produktgestaltung und deren Vermarktung. Der Bedarf an innovativen Lösungsansätzen und touristischen Angeboten steigt. Eine zentrale Herausforderung ist die Finanzierung der notwendigen Investitionen. Empfehlungen Innovationsfördernde Formate etablieren (Akademien, Inkubatoren, Wettbewerbe) Nachhaltigkeit und Innovation im Zusammenhang mit Klimawandel als Förderkriterium Einnahmequellen erweitern (Crowd-Funding, Gästekarte mit Klimaabgabe) Wirtschaftliche Potenziale und Chancen Ziel ist es, innovative und klimaschonende Maßnahmen im Tourismus zu entwickeln und zu fördern. Daraus können neue (einnahmenschaffende) Angebote und Produkte entstehen. Zugleich sollen weitere Einnahmequel- len für die Tourismuswirtschaft erschlossen werden. Die daraus generier- ten Mittel dienen dazu, die notwendigen Maßnahmen refinanzieren und ein attraktives, klimaangepasstes Angebot bereitstellen zu können. Themen und Räume themenübergreifend Zuständigkeit Betriebe ■ Kommunen ■ Land ■ örtl. Tourismusorganisation ■ regionale Tourismusorganisation Landestourismusorganisation Verbände ■ Sonstige: Hochschulen Priorität ■■■ Zeithorizont kurzfristig (1–2 Jahre) ■ mittelfristig (2–5 Jahre) langfristig (> 5 J.) Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 75 25. Wissensmanagement zu Tourismus und Klimawandel betreiben Handlungsfeld Infrastruktur Betriebe Angebote, Produkte ■ Kommunikation Organisation Impulse sämtliche Veränderungen klimatischer Parameter und Einflüsse im Tourismus steigendes Nachhaltigkeitsbewusstsein Praktische Folge Der Klimawandel und der Umgang mit dessen Folgen sind im Sinne des Klimaschutzes und der Klimaanpassung bereits heute in einigen Destinati- onen wichtige Aufgabenbereiche mit stetig wachsender Bedeutung. Die Auswirkungen differieren stark in Abhängigkeit des jeweiligen Raumes, tou- ristischen Themas und Handlungsfeldes. Zugleich sind die Akteurinnen und Akteure mit der wachsenden Bedeutung von Nachhaltigkeitsaspekten im Reiseentscheidungsprozess konfrontiert. Zentrale Herausforderungen bestehen in der Integration aller zu Beteiligen- den, einem Mangel an belastbaren Daten zum Nachfrageverhalten im Kli- mawandel und in der Messbarkeit von Veränderungen und Fortschritt. Empfehlungen Instrument Marktforschung nutzen (Themendossier zu Gästeer- wartungen, Nachfrageänderungen im Klimawandel) Beteiligung fördern (z. B. Green-Offices für Gäste, Betriebe, Bevölkerung als Austausch- und Informationsangebot) vertiefende Studien und Konzepte für Handlungsfelder, Themen, Betriebe, Orte und Destinationen fördern Indikatoren zur Messung der Nachhaltigkeit (Balanced Scorecard) entwickeln und erheben Wirtschaftliche Potenziale und Chancen Marktforschungsergebnisse und vertiefende Studien am Schnittpunkt von Tourismus und Klimawandel schaffen die Basis für eine evidenzbasierte Angebotsentwicklung und deren Vermarktung. Sicht- und messbare Fortschritte fördern die Positionierung Nordrhein- Westfalens und seiner Destinationen als klimafreundliche Besuchs- und Reiseziele und leisten einen wesentlichen Beitrag im Sinne des Standort- marketings. Themen und Räume themenübergreifend Zuständigkeit ■ Betriebe ■ Kommunen ■ Land örtl. Tourismusorganisation ■ regionale Tourismusorganisation ■ Landestourismusorganisation Verbände Priorität ■■■ Zeithorizont ■ kurzfristig (1–2 Jahre) ■ mittelfristig (2–5 Jahre) langfristig (> 5 J.) Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 76 26. Netzwerke und Organisationsstrukturen für Klimaschutz und -anpassung bilden Handlungsfeld Infrastruktur Betriebe Angebote, Produkte ■ Kommunikation Organisation Impulse sämtliche Veränderungen klimatischer Parameter und Einflüsse im Tourismus steigendes Nachhaltigkeitsbewusstsein Praktische Folge Der Klimawandel und der Umgang mit dessen Folgen sind im Sinne des Klimaschutzes und der Klimaanpassung bereits heute in einigen Destinati- onen wichtige Aufgabenbereiche. Bei den Gästen wächst die Sensibilität für und die Nachfrage nach klimafreundlichen Destinationen. Die im Touris- mus Handelnden müssen auch organisatorisch auf die daraus resultieren- den Anforderungen reagieren. Der Mangel an übergreifendem Austausch (Regionen, Kommunen, Abtei- lungen, Branchen) und oftmals fehlende Expertise, personelle Ressourcen und Zuständigkeiten für das Thema zählen zu den Hauptherausforderun- gen. Empfehlungen Beauftragte für Klimawandel und Nachhaltigkeit auf verschiedenen touristischen Ebenen benennen, Koordinierungsstellen einrichten Stakeholder aus dem Bereich Klimaanpassung/Nachhaltigkeit einbeziehen regelmäßige Austauschformate (interkommunal, abteilungsübergreifend) etablieren Wirtschaftliche Potenziale und Chancen Ziel ist es, effiziente und effektive Netzwerks- und Organisationsstrukturen zu schaffen. Dadurch sollen Innovation, Expertise und Beteiligung gefördert und die Attraktivität und Zukunftsfähigkeit des touristischen Angebots in Nordrhein-Westfalen erhöht werden. Die Positionierung Nordrhein-Westfa- lens und seiner Regionen als klimafreundliche Destinationen wird gestärkt – Basis für Kundenzuspruch und Marktanteilsgewinne. Themen und Räume themenübergreifend Zuständigkeit ■ Betriebe ■ Kommunen ■ Land ■ örtl. Tourismusorganisation ■ regionale Tourismusorganisation ■ Landestourismusorganisation Verbände Priorität ■■■ Zeithorizont ■ kurzfristig (1–2 Jahre) mittelfristig (2–5 Jahre) langfristig (> 5 J.) Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 77 27. Destinationsübergreifende Nachhaltigkeits-Kommunikationsstrategie etab- lieren Handlungsfeld Infrastruktur Betriebe Angebote, Produkte ■ Kommunikation Organisation Impulse steigendes Nachhaltigkeitsbewusstsein Praktische Folge Das steigende gesellschaftliches Bewusstsein für Nachhaltigkeitsbelange wirkt sich insbesondere auf das Konsum- und damit auch auf das Reise- entscheidungsverhalten aus. Die Bedeutung von Nachhaltigkeitsaspekten im Reiseentscheidungsprozess nimmt zu und dadurch die Nachfrage nach nachhaltigen und klimaschonenden Bausteinen entlang der gesamten Servicekette. Für den Gast besteht eine große Herausforderung darin, nachhaltige Pro- dukte und Leistungen einfach identifizieren zu können. Dies liegt oftmals an einer fehlenden Transparenz in Verbindung mit einem Mangel oder einer Flut an Informationen. Empfehlungen Kommunikationsstrategie NRWs zu Nachhaltigkeit im Tourismus entwickeln und umsetzen NRW-Label zur Kennzeichnung und als gemeinsamen Standard etablieren Botschafter einsetzen (Bevölkerung, Leistungsträger, Testimonials etc.) Nachhaltigkeitsrubrik auf Homepage des TV NRW anlegen Wirtschaftliche Potenziale und Chancen Die Zielgruppe für Nachhaltigen Tourismus wächst. Destination können diese Zielgruppe durch entsprechende Angebote und deren Kommunika- tion ansprechen. Das Land und die Regionen können die Rahmenbedin- gungen für eine transparente und zielgerichtete Kommunikation entlang der gesamten Servicekette schaffen. Neben der Neukundengewinnung dient diese auch der Gästebindung und einem einheitlichen Markenauftritt. Die Kommunikation des eigenen Nachhaltigkeitsengagements fördert die Positionierung Nordrhein-Westfalens und seiner Regionen als klimafreund- liche Destinationen nach innen und nach außen und leistet einen wesentli- chen Beitrag im Sinne des Standortmarketings. Themen und Räume themenübergreifend Zuständigkeit Betriebe Kommunen ■ Land örtl. Tourismusorganisation ■ regionale Tourismusorganisation ■ Landestourismusorganisation Verbände Priorität ■■■ Zeithorizont ■ kurzfristig (1–2 Jahre) ■ mittelfristig (2–5 Jahre) langfristig (> 5 J.) Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 78 7.3 Optionen nach Landschaftsräumen Die zuvor dargestellten Maßnahmenbündel und Empfehlungen zeigen, wie die Handelnden im Tourismus in Nordrhein-Westfalen die wirtschaftlichen Potenziale im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung konkret nutzen können. Viele der Empfehlungen gelten regionsunabhängig, bei- spielsweise aus den Handlungsfeldern Organisation und Mobilität, betriebliche Nachhaltigkeit oder Kulinarik. Für die Landschaftsräume und Regionen ergeben sich, je nach Bedeutung der verschiedenen touristischen Themen, unterschiedliche Schwerpunkte. Diese Schwerpunkte ste- hen im Fokus der folgenden Regionsbetrachtung. Zusätzlich gibt es in Form von Fallbeispielen Vertiefungen für die exemplarisch ausgewählten Destinationen Sauerland (als aktivtouristische Region, Mittelgebirge und Schwerpunkt des Schneesports) und Düsseldorf (als bedeutender MICE-Standort und städte- und kulturtouristi- sches Zentrum, stellvertretend für die zahlreichen Städtedestinationen und Ballungsräume in Nordrhein-Westfalen). Als Schwerpunkt des Schneesports bzw. als bedeutender MICE-Standort sind die beiden Destinationen in besonderem Maß von den direkten und indirekten Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Die beiden Fallbeispiele zeigen, wie sich die Empfehlungen lokal- und regionalspezifisch adaptieren lassen und wie diese z. T. auch heute schon in der Tourismus- arbeit umgesetzt werden. 7.3.1 Regionsübergreifende Empfehlungen Folgende Handlungsansätze sind nahezu überall relevant: Regionale Kulinarik mit Erlebnis kombinieren Warn- und Informationssysteme etablieren Nachhaltige Mobilitätsangebote verbessern Nachhaltigkeitsmanagement in Betrieben etablieren und ausbauen Klimafreundliches Gebäude-/Energiemanagement in Betrieben etablieren Ressourceneffizienz und Abfallmanagement in Betrieben verbessern Buchbare, nachhaltige Pauschalen entwickeln Anreize für klimafreundliches Reisen schaffen Betriebliche Nachhaltigkeit kommunizieren Drei weitere Handlungsansätze betreffen bestimmte Teilräume, die in allen fünf definierten Land- schaftsräumen vorzufinden sind: Wassertouristische Angebote an zukunftsfähigen Standorten ausbauen Bessere Anbaubedingungen für bestimmte landwirtschaftliche Produkte touristisch nutzen Naturparke zu Kompetenzzentren der Nachhaltigkeit entwickeln Darüber hinaus gelten die weiteren Handlungsansätze (s. Kap. 7.2) in angepasster Form, wie im Bereich der Städte oder der Mobilität. Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 79 7.3.2 Bergische Region Die Bergische Region (Bergisches Land exkl. Leverkusen, Bergisches Städtedreieck, Kreis Mett- mann) vor den Toren Kölns ist eine Region, in der der Ausflugstourismus eine ausgesprochen große Rolle spielt. Besonders wichtig sind deshalb Strategien und Maßnahmen, wie z. B. das Gastgewerbe für Outdoor-Themen (Wandern, Radfahren) qualitätsvoll zu entwickeln und auszu- bauen. Das gilt vor allem entlang der touristischen Routen wie Bergischer Weg, Bergische Streifzüge, Bahntrassen- und Fluss-Radwege und an den Talsperren. Die Rad- und Wanderwege müssen zudem klimaangepasst gestaltet werden, also z. B. Verschattung und schnelle Reparatur nach Starkregenereignissen oder Räumung nach Windwurf. Für heiße Tage kann es spezifische Routenempfehlungen geben. Die E-Bike-Infrastruktur an und von den Bahnhöfen muss gezielt ausgebaut werden. Schließlich spielt wegen der starken Besucherkonzentration an Wochenen- den und im Sommerhalbjahr an Gewässern, aber auch auf Wegen, die analoge und digitale Be- sucherlenkung eine besonders große Rolle. Abbildung 11: Bergische Region – Themenschwerpunkte und Maßnahmen Quelle: eigene Darstellung ift GmbH Wege klimaangepasst gestalten Gastgewerbe für Outdoor-Themen qualitätsvoll entwickeln/ausbauen Besucher analog und digital lenken Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 80 7.3.3 Rheinschiene Die Rheinschiene ist städtisch geprägt. Spezifische Handlungsschwerpunkte in der Rheinschiene (Bonn und Rhein-Sieg-Kreis, Köln und Rhein-Erft-Kreis, Leverkusen, Düsseldorf, Rhein-Kreis Neuss, Duisburg) sind deshalb, städtische Klimaresilienz zu stärken und die Aufenthaltsqualität zu steigern, beispielsweise durch einen verbesserten Zugang zum Rhein und seinen Nebenflüs- sen. Innerstädtische Grün- und Wasserflächen können vor allem an heißen Tagen noch stärker in die Besucherlenkung eingebunden werden. Auf kommunaler Ebene muss sich der Tourismus künftig noch stärker in die Entwicklung und Gestaltung klimaresilienter Stadträume einbringen. Zur Resilienz gehört auch, die zahlreichen Veranstaltungsstätten entlang des Rheins flexibler zu machen – also sowohl Indoor- als auch Outdoor-Angebote machen zu können bzw. diese zu kombinieren. Weil Städtereisende und auch Naherholungssuchende insbesondere an warmen Tagen oder im durch den Klimawandel verlängerten zeitlichen Eignungsfenster für Outdoor-Akti- vitäten verstärkt auch Aktiv- und Erholungsangebote im Grünen suchen, müssen solche Ange- bote stadtnah ausgebaut werden. Wegen des enorm bevölkerungsreichen Einzugsgebietes, der bereits guten ÖPV-Erreichbarkeit der Städte und der vergleichsweise guten ÖPNV-Angebote in Verbindung mit noch mehr nachhaltig aufgestellten Betrieben können Klimawandel und Nachhal- tigkeit verstärkt zum Gegenstand der Vermarktung und touristischer Angebote gemacht werden, zumal Teile des jüngeren, städtischen Publikums an solchen Angeboten besonders interessiert sind. Abbildung 12: Rheinschiene – Themenschwerpunkte und Maßnahmen Quelle: eigene Darstellung ift GmbH Städtische Klimaresilienz / Aufenthaltsqualität steigern Veranstaltungsstätten flexibler machen Klimawandel und Nachhaltigkeit zum Gegen- stand touristischer Angebote machen Outdoor- und Aktiv-Angebote für Städtereisende schaffen Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 81 Das Beispiel Düsseldorf Düsseldorf ist die Stadt mit den zweitmeisten touristischen Übernachtungen in Nordrhein- Westfalen. Die Nachfrage wird von Städte- und Kultur-, Shopping- und Eventreisenden, vor allem aber durch einen hohen Anteil Geschäftsreisender und ausländischer Gäste (2019: 37 % aller Gästeankünfte aus dem Ausland) geprägt. Der Flughafen Düsseldorf ist der wich- tigste Flughafen Nordrhein-Westfalens (2019: 25,5 Mio. Passagiere) und die Messe Düssel- dorf eine der größten in Deutschland (2019: 1,3 Mio. Fachbesucher). Der Klimawandel und das dadurch gestiegene Nachhaltigkeitsbewusstsein führen zu höhe- ren Mobilitätskosten, wachsenden Anforderungen an die Nachhaltigkeit von Unternehmen und zur Vermeidung von Flugreisen. Zu diesen Herausforderungen, die vor allem den Busi- ness- & MICE-Tourismus betreffen, kommt die steigende Hitzebelastung im urbanen Raum hinzu, die neue Anforderungen an Düsseldorf als Destination, Wohn- und Arbeitsort stellt. Im Bereich Infrastruktur haben deshalb innerstädtische Grün- und Wasserflächen eine hohe Bedeutung. Als Stadt am Fluss hat Düsseldorf frühzeitig begonnen, seine Potenziale zu nut- zen, und mit der Rheinufer-Promenade, aber auch dem Kö-Bogen II, innerstädtische Pilot- projekte geschaffen. Solche Projekte befinden sich am Schnittpunkt unterschiedlicher städ- tischer Aufgabenbereiche: Stadtplanung, Verkehr, Stadtmarketing und Einzelhandel, Natur- und Umweltschutz und Tourismus. Die gute Erreichbarkeit und Mobilität vor Ort bietet nicht nur vor dem Hintergrund eines steigenden Nachhaltigkeitsbewusstseins große Chancen für die Stadt Düsseldorf. Zur klimaresilienten Stadtentwicklung bedarf es im Handlungsfeld Organisation effektiver und effizienter Strukturen. Der Austausch zwischen den städtischen Abteilungen zu Themen des Tourismus und Klimawandels muss deshalb interdisziplinär verstetigt werden. Auf Ab- teilungsebene hat die Stadt Klima- und Nachhaltigkeitsbeauftragte eingesetzt. Zudem sind Klimaschutz und -anpassung bereits konzeptionell und strategisch verankert (u. a. Klimaan- passungskonzept). Im Tourismus ist dies bisher noch nicht umgesetzt, aber bereits erklärtes Ziel. Darüber hinaus gibt es in den Handlungsfeldern Produkte und Kommunikation weitere An- satzpunkte, um die Stadt Düsseldorf als lebenswerte Stadt und attraktives Reiseziel im Kli- mawandel zu positionieren: sehr gutes ÖPNV-Angebot, Radnutzung als Teil touristischer Pakete, attraktive Grün- und Wasserflächen, „grüne“ Großveranstaltungen. Wünschenswert ist auch die Wiedereinführung der kostenlosen ÖPNV-Nutzung mit Messetickets. Mittels ge- zielter Kommunikation kann eine wachsende Zielgruppe für nachhaltigen, klimaschonenden Tourismus angesprochen werden. Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 82 7.3.4 Mittelgebirge Mittelgebirge sind klassische Outdoor-Ziele. Spezifische Handlungsschwerpunkte im Bereich der Mittelgebirge (Sauerland, Eifel, Teutoburger Wald, Siegerland) sind deshalb, Wege (Wandern, Rad) klimaangepasst zu gestalten und das Gastgewerbe entlang der Routen und an frequenz- starken Outdoor-Aktivitätsschwerpunkten qualitätsvoll zu entwickeln und auszubauen, z. B. durch besondere Übernachtungsangebote mit hoher Erlebnisqualität. Besucherspitzen und hohe Ver- kehrsbelastungen insbesondere an witterungsattraktiven Wochenenden können durch Maßnah- men der Besucherlenkung und alternative Mobilitätsangebote, wie Rad- und Wanderbusse oder eine Hierarchisierung von Wegen, verbessert werden. Eine besondere Chance liegt für Mittelge- birge darin, angesichts der deutlich zunehmenden Hitzetage in der Rheinebene die dann ange- nehmeren Temperaturen in den Mittelgebirgen als Sommerfrische zu kommunizieren und sich hierzu auch als Ziel für Kurzurlaube oder längere Aufenthalte an der Schnittstelle von Arbeit und Freizeit (Workation) zu positionieren. Spezifisch für die Destination Teutoburger Wald gilt, die besonderen Gesundheitskompetenzen der dort in größerer Zahl vertretenen Heilbäder und Kurorte zu nutzen, insbesondere auch durch niedrigschwellige Angebote für eine breite Zielgruppe. Die Bedeutung des Nationalparks Eifel und der zahlreichen Naturparke in der Region als Kompetenzzentren der Nachhaltigkeit muss durch weitere touristische Angebote, Bewusstseins- und Markenbildung verstärkt werden. Abbildung 13: Mittelgebirge – Themenschwerpunkte und Maßnahmen Quelle: eigene Darstellung ift GmbH Wege klimaangepasst gestalten Gastgewerbe für Outdoor- Themen qualitätsvoll entwickeln/ausbauen Besucher analog und digital lenken Sommerfrische kommunizieren Gesundheitskompetenzen der Heilbäder und Kurorte nutzen Abhängigkeit von (Natur-) Schnee reduzieren Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 83 Das Beispiel Sauerland Das Sauerland ist in Nordrhein-Westfalen die Reiseregion mit dem höchsten Anteil an Über- nachtungen im Winterhalbjahr. Der Grund hierfür ist die teilräumlich hohe (ökonomische) Bedeutung des Schneesporttourismus, insbesondere in der Wintersport-Arena Sauerland. Die Übernachtungsnachfrage stieg im letzten Jahrzehnt bis zum Beginn der Corona-Pande- mie sowohl im Sommer- als auch im Winterhalbjahr. Abbildung 14: Übernachtungen im Sauerland nach Halbjahren seit 2008/2009 Quelle: eigene Darstellung ift GmbH auf Basis Daten IT.NRW 2021 Der Klimawandel stellt vor allem den Schneesporttourismus vor große Herausforderungen. In der Vergangenheit und in der nahen Zukunft kann die technische Beschneiung die rück- läufige natürliche Schneesicherheit in hohen Lagen kompensieren (s. Kap. 9.4). Die Renta- bilität des Skibetriebs hängt jedoch maßgeblich von wirtschaftlichen, technischen und gesell- schaftlichen Entwicklungen ab. Der Klimawandel kann als Entwicklungsbeschleuniger genutzt werden, um das Sauerland als resiliente Ganzjahresdestination zu festigen. Im Sommer gibt es Sommerfrische und Sauerland Seen zur Abkühlung, dazu annähernd ganzjährig nutzbare Rad- und Wander- wege in Premiumqualität. Im Handlungsfeld Betriebe bedarf es gut ausgestatteter Anlagen und direkter Bezüge zu den Aktiv-Arenen (Biken, Wintersport) und den künftig klimaresilien- teren Wegenetzen (unter Einbindung des Sauerländischen Gebirgsvereins). Um die räumliche Nähe zu den Quellmärkten, die naturräumliche Attraktivität und die klima- tischen Vorteile gewinnbringend einsetzen zu können, müssen die Verantwortlichen den Herausforderungen im Handlungsfeld Infrastruktur mit bedarfsgerechter Mobilität und ver- besserter Besucherlenkung begegnen. Durch zielgruppengerechte und ganzjährig attraktive Angebote im Tourismus und Gastgewerbe kann die Attraktivität des Sauerlands als touristi- scher Lebensraum gesteigert werden. Im Handlungsfeld Kommunikation muss eine neue, nachhaltigere Positionierung entwickelt werden. Die Planungen der DMOs im Sauerland und in Siegen-Wittgenstein sowie der Win- tersport-Arena Sauerland, die Region zur (ersten) nachhaltigen (Wintersport-)Destination (mit und ohne Schnee) in Deutschland zu entwickeln, treffen auf eine wachsende Nachfrage im Bereich Nachhaltiger Tourismus. Die proaktive Umsetzung dieses Vorhabens kann zu- sätzliche Nachfragepotenziale erschließen. Dazu müssen im nächsten Schritt die Planungen auf Basis fundierter Analysen deutlich intensiviert und konkretisiert werden. Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 84 7.3.5 Ruhrgebiet Wie die Rheinschiene ist das Ruhrgebiet ein verdichteter Siedlungsraum. Städtische Klimaresili- enz sowie höhere Aufenthaltsqualität (an warmen und an Hitzetagen) sind deshalb spezifische Handlungsschwerpunkte im Bereich Ruhrgebiet. Hinzu kommt die Strategie, Veranstaltungs- und Tagungsstätten flexibler zu machen und durch Rahmenprogramme zusätzliche Anreize gegen- über rein digitalen Formaten zu schaffen. Bereits auf gutem Weg ist das Ruhrgebiet dabei, Out- door- und Aktiv-Angebote für Städtereisende zu schaffen und auszubauen (z. B. Radrevier.Ruhr, Halden, Route Industrienatur). Durch die räumliche Nähe städte- und kulturtouristischer High- lights zu attraktiven Naturlandschaften, wie den Ruhrstauseen, der Haard oder dem Bergisch- Märkischen Hügelland, können attraktive, kombinierte Angebote entwickelt werden. Als ehemaliges europäisches Zentrum der Montanindustrie in der „Transformation zur grünsten Industrieregion der Welt“ (Wuppertal-Institut, 2021) mit in den letzten Jahrzehnten deutlich aus- gebautem Kultur- und Freizeitangebot und thematischen Ausstellungen wie im Gasometer („Das zerbrechliche Paradies“) können Klimawandel und Nachhaltigkeit künftig noch stärker zum glaub- würdigen und erfolgversprechenden Gegenstand touristischer Angebote gemacht werden. Abbildung 15: Ruhrgebiet – Themenschwerpunkte und Maßnahmen Quelle: eigene Darstellung ift GmbH Städtische Klimaresilienz / Aufenthaltsqualität steigern Veranstaltungsstätten flexibler machen Klimawandel und Nachhaltigkeit zum Gegen- stand touristischer Angebote machen Outdoor- und Aktiv-Angebote für Städtereisende schaffen Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 85 7.3.6 Flachland Im Westen und Norden dominiert in Nordrhein-Westfalen das Flachland (Niederrhein exkl. Duis- burg und Rhein-Kreis Neuss, Münsterland). Die Destinationen dort haben sich vor allem im Rad- tourismus profiliert aufgestellt. Spezifische Handlungsschwerpunkte sind deshalb die Verbesse- rung und der Ausbau der radtouristischen Infrastruktur und Angebote und die klimaangepasste Gestaltung der Wege. Verschattung, schnelle Instandsetzung nach witterungsbedingten Schä- den, der Ausbau der Infrastruktur für E-Fahrräder und Lückenschlüsse zu den benachbarten Nie- derlanden sind hier vorrangige Aufgaben. Für die Attraktivität spielt zudem die qualitätsvolle Ent- wicklung und der Ausbau des Gastgewerbes für Outdoor-Themen durch attraktive Rast-, Verpfle- gungs- und Übernachtungsmöglichkeiten, Zertifizierungen und zusätzliche Service-Angebote (z. B. Gepäcktransporte) eine zentrale Rolle. Erfolgversprechend sind hier sowohl bedarfsgerecht sonnen- und regengeschützte Terrassenbereiche als auch Konzepte, die die klimawandelbe- dingte Saisonverlängerung von Outdoor-Aktivitäten berücksichtigen. Neben dem Radtourismus spielt der Campingtourismus im Flachland eine überdurchschnittlich große Rolle. Insbesondere entlang der touristischen Routen, Flüsse und an den zahlreichen Seen kann das Angebot im Bereich Touristik-Camping klimaangepasst entwickelt und ausgebaut wer- den, z. B. durch feste Mieteinheiten, neue und verschattete Wohnmobilstellplätze und eine um- weltverträgliche und klimaangepasste Gestaltung der Plätze. Abbildung 16: Flachland – Themenschwerpunkte und Maßnahmen Quelle: eigene Darstellung ift GmbH Radtouristische Infrastruktur und Angebote verbessern und ausbauen Wege klimaangepasst gestalten Gastgewerbe für Outdoor- Themen qualitätsvoll entwickeln/ausbauen Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 86 8. Ausblick und Aufgaben Die differenzierte Betrachtung der Tourismusarten und Landschaftsräume sowie der Chancen und Risiken in Zusammenhang mit dem Klimawandel hat gezeigt, dass der Klimawandel landes- weit relevant ist. Diesem Thema muss sich jede Destination stellen, allerdings mit jeweils indivi- duellem Maßnahmenmix und -fokus. Um das in Kapitel 7.1 formulierte Ziel, Nordrhein-Westfalen im Tourismus resilienter und nach- haltig zukunftsfähiger zu machen und dabei den Klimawandel und Wertewandel als Treiber zu nutzen, zu erreichen, sind jetzt konkrete Umsetzungsschritte erforderlich. Das beginnt mit der Sensibilisierung der im Tourismus Handelnden. Geeignete Instrumente dazu sind ein umfassender Informationstransfer und die Bereitstellung von Fakten und Handlungsvor- schlägen – wie durch diese Studie. Zusätzlich bedarf es des intensiven Austauschs und der Dis- kussion von Bedeutung und konkreten Strategien und Maßnahmen. Die Handelnden müssen sich gegenseitig versichern, wie wichtig diese Fragen sind, und ein gemeinsames, aufeinander abge- stimmtes Vorgehen entwickeln. Ein mögliches Format dafür ist eine regelmäßige „NRW- Zukunftskonferenz Tourismus und Klimawandel“. Um das Ziel von mehr Resilienz und Zukunftsfähigkeit zu erreichen, kann dabei auch auf die umfassenden Erfahrungen und Erkenntnisse aus nunmehr zwei Jahren Corona-Pandemie zu- rückgegriffen werden. Die Auswirkungen der Pandemie, insbesondere die temporären Lockdowns, haben das System Tourismus erschüttert und Betriebe an den Rand ihrer Existenz gebracht. Auch dank umfassender staatlicher Hilfen konnten die gravierendsten Folgen gemildert werden. Gleichzeitig hat das Gastgewerbe Kreativität bewiesen, sich schnell auf neue Hygiene- anforderungen eingestellt, neue Absatzwege erschlossen und beispielsweise Angebote im Be- reich Außengastronomie ausgebaut. Diversifizierung, schnelles Nutzen sich bietender Chancen und manchmal auch die Anpassung und Weiterentwicklung des gesamten Geschäftsmodells sind zu einem Wettbewerbsvorteil geworden. Auch künftig wird es immer wieder neue Herausforde- rungen geben, sei es durch die wirtschaftliche oder politische Lage, sei es durch Wettbewerber oder Naturereignisse, sei es durch Pandemien. Die Kompetenz, schnell und umfassend auf neue Herausforderungen zu reagieren, ist vorhan- den, muss künftig aber zur DNA der NRW-Tourismuswirtschaft werden. Diese Kompetenz muss sich ausdrücken in Konzepten für Destinationen und Betriebe, in angepassten Prioritäten beim Management von Destinationen und Betrieben, und sie muss über Aus- und Fortbildungen stär- ker als bisher vermittelt werden. Risiko- und Chancenmanagement werden wichtiger. Neben dem Bewusstsein für die Bedeutung sind also auch konkrete Methoden und Werkzeuge nötig, um resilienter zu werden. Eine Vielzahl konkreter Ansätze vermittelt diese Studie. Im nächs- ten Schritt kommt es darauf an, den Transfer in die konkrete Arbeit von Destinationen, Kommu- nen, Tourismuswirtschaft und weiteren Agierenden, Organisationen und Dienstleistern vorzuneh- men. Resilienz und Anpassung an den Klimawandel und seine direkten und indirekten Auswir- kungen müssen Bestandteil der Arbeit auf Betriebs-, Orts- und Destinationsebene werden. Dazu braucht es sowohl einen mittel- und langfristigen Bezugsrahmen in Form von Leitbildern und Kon- zepten als auch konkretes, kurzfristiges Handeln. Klimawandel und Nachhaltigkeit müssen in künftigen Tourismusmuskonzepten auf Landes-, Destinations- und Ortsebene explizit themati- siert werden. Individuell muss geprüft werden, ob auch Strukturanpassungen sinnvoll sind. So gibt es heute bereits in Kommunen und Betrieben Beauftragte für Fragen wie Umweltschutz, Barrierefreiheit, Gleichstellung oder eben auch Klimaschutz. Neben der Verankerung in der Struktur muss das Thema Klimaanpassung auch in Prozessen verankert werden. Letztlich ist jede künftige Ent- scheidung darauf zu prüfen, ob sie nicht nur den ökonomischen Erfolg steigert, die Wettbewerbs- fähigkeit erhöht oder die Mitarbeitendenzufriedenheit verbessert, sondern ob sie auch in Bezug Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 87 auf Klimawandel und Klimaanpassung Nutzen stiftend ist. Auch die Entwicklung thematischer KPI kann hier helfen. Als gut geeignete Instrumente haben sich dabei Checklisten und Umsetzungsfahrpläne erwie- sen, die sich aus den in Leitbildern und Konzepten verankerten Zielen und Strategien ableiten. Manche Maßnahmen und Handlungsansätze sind unstrittig, z. B. die für mehr Nachhaltigkeit bei Betrieben oder ressourcenschonende Mobilitätsangebote. Ob ein Nachhaltigkeitslabel nun aber auf Landesebene NRW, auf Bundesebene oder als internationales Modell am zielführendsten ist, ob bestehende genutzt oder verändert oder ganz neue Label zu schaffen sind, das bedarf noch der weiteren Diskussion und Prüfung. Die zahlreichen Gespräche und Foren in Zusammenhang mit der Ausarbeitung dieses Konzeptes haben deutlich gemacht, dass einige wesentliche Handlungsbereiche nicht im direkten Einfluss der Tourismusbranche liegen: Mobilität, Städtebau, Energie – hier werden die Entscheidungen woanders getroffen. Aber Tourismus kann sich dafür einsetzen, dass die Rahmenbedingungen für das eigene Handeln sich auch an den Interessen und Bedarfen der Tourismusbranche aus- richten. Mit Fokus auf Fragen der Anpassung an den Klimawandel und dessen Vermeidung braucht es mehr interdisziplinären Austausch und ganzheitliches Denken. Der Impuls dafür kann vom Tourismus ausgehen. Gleichzeitig kann die Tourismusbranche in den Feldern, die sie maßgeblich selbst bestimmen kann, Vorreiter sein. Wo lassen sich neue Strategien, Maßnahmen und Verhaltensweisen besser erproben, weiterentwickeln und einüben als in der Freizeit. Urlaub und Freizeit waren schon immer die „ideale Zeit“, der Inbegriff des perfekten Lebens. Bei jeder Änderung stellt sich früher oder später auch die Fragen nach den Kosten dafür. Klima- anpassung und Klimaschutz beanspruchen finanzielle und personelle Ressourcen. Gleichzeitig kann aber jede Anpassung auch die Resilienz stärken und die Attraktivität der eigenen Leistungen erhöhen. Der Wertewandel in Richtung mehr Nachhaltigkeit ist deutlich schneller als der physi- kalisch messbare Klimawandel. Wer als Betrieb oder Destination Werte verkörpert, die immer größere Teile der Konsumenten für richtig und wichtig halten, ist auch ökonomisch auf einem Erfolg versprechenden Weg. In einer Konsumgesellschaft sind die Ausgaben für Freizeit und Rei- sen hoch, aber auch volatil. Klimawandel bietet hier – auch als Motor für Veränderungen – zahl- reiche Optionen und Perspektiven für den Tourismus in NRW. Um neben den Auswirkungen des Klimawandels auch den deutlich schnelleren Werte- und Inte- ressenwandel auf Kunden- und Gästeseite zur fundierten Grundlage von Strategien und operati- vem Handeln machen zu können, bedarf es der Begleitung durch zielgenaue Studien und Marktforschung. Im Mittelpunkt müssen dabei Nachhaltigkeitsbewusstsein und konkretes Gäs- teverhalten bezogen auf den Klimawandel stehen. Grundlegende Aspekte können gut für alle Destinationen auf Landesebene untersucht bzw. koordiniert werden. Die Konzeption für das Tourismusland Nordrhein-Westfalen (2019) hat gezeigt, wie neue Ansätze entwickelt, vor allem aber mittels entsprechendem Ressourceneinsatz auch in die Umsetzung gebracht werden können. Förderprojekte werden auch helfen, damit das Thema Anpassung an den Klimawandel in Handlungsfeldern wie Infrastruktur, Betriebe, Produkte und Angebote, Kom- munikation und Organisation über konkrete Projekte und Maßnahmen Fahrt aufnimmt. Die folgende Tabelle zeigt die Aufgaben für die Betriebe, Kommunen und Destinationsorganisa- tionen, die Landestourismusorganisation und das Land NRW im Überblick. Je mehr Kästen, desto wichtige ist die Rolle bei der Wahrnehmung der jeweiligen Aufgabe. Weitere Zuständigkeiten sind in Kapitel 7.2 dargestellt. Deutlich wird: Es kommt maßgeblich auf die Betriebe an, mehr nachhaltige Angebote zu machen und diese klimaschonend zu produzieren. Kommunen und Land sind gefragt, die infrastrukturellen Rahmenbedingungen klimawandelge- recht zu gestalten. Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 88 Die Tourismusorganisationen konzentrieren sich auf die Kommunikation, aber auch auf die Unterstützung der Betriebe bei der Angebots- und Produktentwicklung. Darüber hinaus überneh- men sie Aufgaben der Wissensgenerierung, des Wissensmanagements und der Koordination. Außerdem müssen sich alle Destinationsorganisationen verstärkt als Vordenker, Treiber und Ver- netzer beim Thema Klimaanpassung und Entwicklung von Perspektiven verstehen. Zuletzt hat sich das Aufgabenverständnis im Destinationsmanagement um das Thema „Lebensraum“ erwei- tert, jetzt geht es um die Adaption des Themas Klimaanpassung und Nachhaltigkeitsmanage- ment. Tabelle 1: Handlungsansätze und Aufgaben im Überblick Relevanz für Handlungsfeld, Handlungsansatz Betriebe Kommu- nen Destina- tions- Organisa- tionen Landes- Touris- mus- Organi- sation Land NRW Infrastruktur 1. Städtische Klima- resilienz / Aufenthalts- qualität steigern – „Grüne und Blaue Stadt“ ■ ■■■ ■ 2. Veranstaltungsstät- ten flexibler machen ■■ ■■ 3. Wege klimaange- passt gestalten ■ ■■■ ■ ■ 4. Wassertouristische Angebote an zukunfts- fähigen Standorten ausbauen ■■ ■■ 5. Nachhaltige Mobili- tätsangebote verbes- sern ■ ■■■ ■ ■■■ Betriebe 6. Gastgewerbe für Outdoor-Themen qua- litätsvoll entwickeln und ausbauen ■■■ ■ ■ ■ 7. Nachhaltigkeitsma- nagement in Betrieben etablieren und aus- bauen ■■■ ■ ■ ■ 8. Klimafreundliches Gebäude-/Energiema- nagement in Betrieben etablieren ■■■ ■ ■■ Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 89 Relevanz für Handlungsfeld, Handlungsansatz Betriebe Kommu- nen Destina- tions- Organisa- tionen Landes- Touris- mus- Organi- sation Land NRW 9. Ressourceneffizienz und Abfallmanage- ment in Betrieben ver- bessern ■■■ ■ 10. Betriebliche Nach- haltigkeit kommunizie- ren ■■■ ■ ■■■ ■■ ■ Angebote, Produkte 11. Klimawandel und Nachhaltigkeit zum Gegenstand touristi- scher Angebote ma- chen ■■■ ■ ■■■ ■■ ■ 12. Outdoor- und Ak- tiv-Angebote für Städ- tereisende schaffen ■■ ■ ■■ 13. Buchbare, nach- haltige Pauschalen entwickeln ■■■ ■ ■ 14. Abhängigkeit von (Natur-)Schnee redu- zieren ■■■ ■■ ■ 15. Radtouristische Inf- rastruktur und Ange- bote verbessern und ausbauen ■■■ ■■ ■ ■ 16. Anreize für klima- freundliches Reisen schaffen ■■■ ■ ■ 17. Gesundheitskom- petenzen der Heilbä- der und Kurorte nutzen ■■ ■■ ■ 18. Naturparke zu Kompetenzzentren der Nachhaltigkeit entwi- ckeln ■ ■■ ■■ 19. Regionale Kulina- rik mit Erlebnis kombi- nieren ■■■ ■ ■■ Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 90 Relevanz für Handlungsfeld, Handlungsansatz Betriebe Kommu- nen Destina- tions- Organisa- tionen Landes- Touris- mus- Organi- sation Land NRW 20. Bessere Anbaube- dingungen für be- stimmte landwirtschaft- liche Produkte touris- tisch nutzen ■■■ ■ ■ Kommunikation 21. Besucher analog und digital lenken ■ ■■ ■■■ 22. Warn- und Infor- mationssysteme etab- lieren ■ ■■ ■■ 23. Sommerfrische kommunizieren ■■ ■■ ■ Organisation 24. Innovationen für Klimaschutz und -an- passung fördern ■■ ■ ■■ 25. Wissensmanage- ment zu Tourismus und Klimawandel be- treiben ■ ■ ■■■ ■■■ ■■■ 26. Netzwerke und Or- ganisationsstrukturen für Klimaschutz und -anpassung bilden ■■ ■■ ■■■ ■■■ ■■■ 27. Destinationsüber- greifende Nachhaltig- keits-Kommunikations- strategie etablieren ■■■ ■■■ ■■■ Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 91 9. Anhang Die für Nordrhein-Westfalen relevanten Klimaprognosen in Bezug auf Lufttemperatur, Nieder- schlag, Wind und Schneedecke für die nahe Zukunft bis 2050 werden hier ausführlicher darge- stellt. Je nach Datenlage erfolgt die Darstellung für den Zeitraum „Mitte des Jahrhunderts“ (2031–2060). 9.1 Lufttemperatur Die mittlere Jahreslufttemperatur beträgt in NRW (Daten der aktuellen Klimanormalperiode 1981–2010) 9,6 °C. Damit ist die Lufttemperatur in 100 Jahren (Vergleich zur Klimanormalperiode 1881–1910) um 1,2 K bzw. °C angestiegen. Für die nahe Zukunft (2021–2050) bewegen sich die Ergebnisse der Klimaprojektionen für die drei berücksichtigten Klimaszenarien in einem ähnlichen Rahmen. Die Unterschiede zwischen den Szenarien werden erst zum Ende des Jahrhunderts (2071–2100) deutlicher. Für die mittlere Temperatur projizieren alle Szenarien einen weiteren Anstieg. Tabelle 2: Mittlere Lufttemperatur 1971–2000 sowie Änderungen 2021–2050 und 2071–2100 Mittlere Lufttemperatur, Jahr 1971–2000 Klimaszenario 2021–2050 2071–2100 9.3 °C „Klimaschutz“ (RCP2.6) Max: +1.4 K Mittel: +1.0 K Min: +0.7 K Max: +1.5 K Mittel: +1.0 K Min: +0.8 K Moderates (RCP4.5) Max: +1.6 K Mittel: +1.2 K Min: +0.6 K Max: +2.7 K Mittel: +2.0 K Min: +1.3 K „weiter wie bisher“ (RCP8.5) Max: +1.8 K Mittel: +1.4 K Min: +0.9 K Max: +4.4 K Mittel: +3.6 K Min: +2.8 K Quelle: LANUV 2019a, Mittlere jährliche beobachtete Lufttemperatur im Zeitraum 1971–2000 sowie Änderun- gen 2021–2050 und 2071–2100 bezogen auf 1971–2000 für das „Klimaschutz“-Szenario (RCP2.6), das mo- derate (RCP4.5) und das „weiter wie bisher“(RCP8.5)-Klimaszenario: durch das Minimum und Maximum wird die Spannweite der mittleren 70 % der Ergebnisse des Modellensembles dargestellt, außerdem wird der Me- dian der Modellergebnisse (Mittel) angegeben Räumliche Verteilung Die Entwicklung zeigt für ganz NRW eine Temperaturzunahme – die Höhe der Zunahme ist ab- hängig von Zeitraum, Szenario und Perzentil (Abbildung 17). Regionale Variationen zeigen sich nur in wenigen Modelläufen, so dass insgesamt keine relevanten Unterschiede festgestellt wer- den können. Bei einer Temperaturzunahme von 1,8 bis 1,9 K würden Verhältnisse herrschen, wie wir sie bisher nur aus den wärmsten Jahren der Aufzeichnung wie beispielsweise 2020 mit einer Durchschnitts- temperatur von 11,1 °C kennen. Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 92 Abbildung 17: Projizierte Änderung der Jahresmitteltemperatur in Nordrhein-Westfalen für die Mitte des Jahrhunderts (2031–2060) Quelle: LANUV – Klimaatlas NRW; Datengrundlage: Brienen et al. 2020, Projizierte Änderung der Jahresmit- teltemperatur in Nordrhein-Westfalen für die nahe Zukunft (2031–2060) bezogen auf 1971–2000. Die Basis bildet das DWD-Referenzensemble v2018, zum Stand Juni 2018 der Szenarien RCP2.6, RCP4.5 und RCP8.5 Temperaturkenntage Entsprechend der bisher beobachteten stärkeren Temperaturzunahme im Winterhalbjahr haben die kältebedingten Kenntage stärker abgenommen, als die wärmebedingten Kenntage zugenom- men haben. Aktuell (KNP 1981–2010) treten in NRW im Mittel 14 Eistage, 66 Frosttage, 31 Som- mertage und 6 Heiße Tage pro Jahr auf. Auch die Klimaprojektionen zeigen meist eine stärkere Zunahme der Temperaturen im Winter- halbjahr, so dass sich die etwas stärkere Abnahme der kältebedingten Kenntage und etwas ge- ringere Zunahme der wärmebedingten Kenntage voraussichtlich fortsetzen wird (Tabelle 3). Tabelle 3: Mittlere jährliche Anzahl der beobachteten Temperaturkenntage im Zeitraum 1971–2000 sowie Änderung 2021–2050 und 2071–2100 Mittlere Anzahl Eistage Tmax < 0 °C pro Jahr 1971–2000 Klimaszenario 2021–2050 2071–2100 14 Tage „Klimaschutz“ (RCP2.6) Max: –4 Mittel: –5 Min: –6 Max: –4 Mittel: –6 Min: –8 Moderates (RCP4.5) Max: –2 Mittel: –6 Min: –9 Max: –4 Mittel: –9 Min: –11 „weiter wie bisher“ (RCP8.5) Max: –3 Mittel: –6 Min: –8 Max: –9 Mittel: –11 Min: –13 Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 93 Mittlere Anzahl Heiße Tage Tmax ≥ 30 °C pro Jahr 1971–2000 Klimaszenario 2021–2050 2071–2100 5 Tage „Klimaschutz“ (RCP2.6) Max: +7 Mittel: +3 Min: +2 Max: +7 Mittel: +4 Min: +2 Moderates (RCP4.5) Max: +7 Mittel: +4 Min: +2 Max: +12 Mittel: +6 Min: +5 „weiter wie bisher“ (RCP8.5) Max: +7 Mittel: +4 Min: +2 Max: +23 Mittel: +16 Min: +11 Quelle: LANUV 2019a, Mittlere jährliche Anzahl der beobachteten Temperaturkenntage im Zeitraum 1971– 2000 sowie Änderung 2021–2050 und 2071–2100 bezogen auf 1971–2000 in Tagen für das „Klimaschutz“- Szenario (RCP2.6), das moderate (RCP4.5) und das „weiter wie bisher“(RCP8.5)-Klimaszenario: durch das Minimum und Maximum wird die Spannweite der mittleren 70 % der Ergebnisse des Modellensembles dar- gestellt, außerdem wird der Median der Modellergebnisse (Mittel) angegeben. Für die kältebedingten Eis- und Frosttage wird eine leichte regionale Differenzierung sichtbar. In den Höhenlagen der Mittelgebirge wird ein etwas stärkerer Rückgang der Eis- und Frosttage pro- jiziert als in den Tieflagen (Beispiel Eistage, Abbildung 18). Bei den hitzebedingten Kenntagen ist keine eindeutige regionale Differenzierung über NRW erkennbar, ein etwas stärkerer Anstieg die- ser Kenntage könnte für die Niederrheinische Bucht erwartet werden (Beispiel Heiße Tage, Ab- bildung 19). Abbildung 18: Projizierte Änderung der Eistage in Nordrhein-Westfalen für die Mitte des Jahrhunderts (2031–2060) Quelle: LANUV – Klimaatlas NRW; Datengrundlage: Brienen et al. 2020, Projizierte Änderung der Eistage in Nordrhein-Westfalen für die nahe Zukunft (2031–2060) bezogen auf 1971–2000. Die Basis bildet das DWD- Referenzensemble v2018, zum Stand Juni 2018 der Szenarien RCP2.6, RCP4.5 und RCP8.5 Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 94 Abbildung 19: Projizierte Änderung der Heißen Tage in Nordrhein-Westfalen für die Mitte des Jahrhunderts (2031–2060) Quelle: LANUV – Klimaatlas NRW; Datengrundlage: Brienen et al. 2020, Projizierte Änderung der Heißen Tage in Nordrhein-Westfalen für die nahe Zukunft (2031–2060) bezogen auf 1971–2000. Die Basis bildet das DWD-Referenzensemble v2018, zum Stand Juni 2018 der Szenarien RCP2.6, RCP4.5 und RCP8.5 Insgesamt zeigen alle Klimaszenarien (RCP2.6, RCP4.5, RCP8.5) in der Mitte des Jahrhunderts einen ähnlichen Wertebereich für die Änderung der Kenntage. Für die Mitte des Jahrhunderts wird ein möglicher Rückgang der Eistage zwischen –3 bis –11 Tagen projiziert, für die ferne Zu- kunft ein Rückgang der Eistage um –4 bis –13 Tage erwartet. Für die Heißen Tage wird in der Mitte des Jahrhunderts eine Zunahme um +1 bis +9 Tage projiziert, der sich bis zum Ende des Jahrhunderts (2071–2100) auf +2 bis +23 Tage verstärkt. 9.2 Niederschlag Die durchschnittliche jährliche Niederschlagssumme beträgt aktuell (KNP 1981–2010) 918 mm. Im Vergleich zur KNP 1881–1910 bedeutet dies einen Anstieg der Niederschlagssumme um rund 14 %. Für die nahe Zukunft (2021–2050) bewegen sich die Ergebnisse der Klimaprojektionen für die drei Klimaszenarien in einem ähnlichen Rahmen. Die Unterschiede zwischen den Szenarien wer- den erst zum Ende des Jahrhunderts (2071–2100) deutlicher. Beim mittleren Jahresniederschlag reicht die Spanne über alle Klimaszenarien hinweg von einer leichten Abnahme bis zu einer Zu- nahme des Niederschlags (Tabelle 4). Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 95 Tabelle 4: Mittlere jährliche beobachtete Niederschlagssumme im Zeitraum 1971–2000 sowie Änderungen 2021–2050 und 2071–2100 Mittlere Niederschlagssumme, Jahr 1971–2000 Klimaszenario 2021–2050 2071–2100 873 mm „Klimaschutz“ (RCP2.6) Max: +7 % Mittel: +3 % Min: –2 % Max: +5 % Mittel: +2 % Min: –6 % Moderates (RCP4.5) Max: +8 % Mittel: +3 % Min: 0 % Max: +11 % Mittel: +4 % Min: 0 % „weiter wie bisher“ (RCP8.5) Max: +7 % Mittel: +3 % Min: –2 % Max: +13 % Mittel: +5 % Min: –3 % Quelle: LANUV 2019a, Mittlere jährliche beobachtete Niederschlagssumme im Zeitraum 1971–2000 sowie Änderungen 2021–2050 und 2071–2100 bezogen auf 1971–2000 für das „Klimaschutz“-Szenario (RCP2.6), das moderate (RCP4.5) und das „weiter wie bisher“(RCP8.5)-Klimaszenario: durch das Minimum und Maxi- mum wird die Spannweite der mittleren 70 % der Ergebnisse des Modellensembles dargestellt, außerdem wird der Median der Modellergebnisse (Mittel) angegeben. Dabei verteilt sich die Niederschlagszunahme nicht gleichmäßig über das Jahr. Bei den Nieder- schlagsprojektionen gibt es Jahreszeiten, in welchen manche Modelle eine Abnahme, andere eine Zunahme zeigen. Im Sommer projiziert der Großteil der Modelle eine Abnahme des Nieder- schlags. Die Niederschlagsentwicklung zeigt sowohl regional als auch über die Perzentile, Zeiträume und Szenarien hinweg ein sehr variables Bild. Betrachtet man den Jahresniederschlag im Zeitraum 2031–2060 in NRW, schwankt die Änderung für alle Szenarien zwischen keiner Änderung (–3 bis –1 %, 15. Perzentil) und einer Zunahme zwischen 6 und 8 % (85. Perzentil). Für die ferne Zukunft erhöht sich die Schwankungsbreite für alle Szenarien und reicht von einer leichten Abnahme zwischen –6 und 0 % (15. Perzentil) bis zu einer leichten Zunahme zwischen 5 bis 13 % (85. Perzentil). Die Schwankungsbreite der jährlichen Niederschlagsentwicklung wird auch von den jahreszeitli- chen Niederschlagsverschiebungen beeinflusst, die bereits in der Vergangenheit beobachtet wer- den konnten und sich voraussichtlich zukünftig fortsetzten werden. Es lässt sich ableiten, dass die Niederschläge im Frühjahr und Winter sowohl in der Mitte des Jahrhunderts als auch der fernen Zukunft eher zunehmen werden und im Sommer eher abnehmen werden. In allen Jahres- zeiten erhöht sich die Spannweite der Projektionsergebnisse in der fernen Zukunft gegenüber der nahen Zukunft, so dass die Interpretation der Entwicklung schwieriger wird. Regionale Unter- schiede lassen sich auch in den Jahreszeiten nicht ableiten. Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 96 Abbildung 20: Projizierte Änderung der mittleren Jahresniederschlagssumme in Nord- rhein-Westfalen für die Mitte des Jahrhunderts (2031–2060) Quelle: LANUV – Klimaatlas NRW; Datengrundlage: Brienen et al. 2020, Projizierte Änderung der mittleren Jahresniederschlagssumme in Nordrhein-Westfalen für die nahe Zukunft (2031–2060) bezogen auf 1971– 2000. Die Basis bildet das DWD-Referenzensemble v2018, zum Stand Juni 2018 der Szenarien RCP2.6, RCP4.5 und RCP8.5 Niederschlagskenntage Bei den Niederschlagskenntagen wird, ähnlich der Jahresniederschlagssumme, ein leichter An- stieg erwartet. Aktuell gibt es in NRW pro Jahr durchschnittlich 25 Tage mit einem Tagesnieder- schlag von mehr als zehn Millimetern und 6 Tage mit einem Tagesniederschlag von mehr als 20 mm. Bei den Starkniederschlagstagen wird für beide berechneten und dargestellten Kenntage eine leichte Zunahme projiziert. Hierbei nimmt die Spannweite und Stärke der Zunahme in der fernen Zukunft beim moderaten und „weiter wie bisher“-Szenario zu, wohingegen das „Klima- schutz“-Szenario kaum eine Veränderung zwischen den zwei Zukunftszeiträumen zeigt (Tabelle 5). Auch räumlich zeigt die Entwicklung der Niederschlagskenntage ein eher variables Bild. Die Spannweite über die Perzentile ist dabei größer als die Unterschiede zwischen den Szenarien. Vor allem in der Mitte des Jahrhunderts unterscheiden sich die Szenarien kaum, für die ferne Zukunft zeigt das RCP8.5 meist eine stärkere Veränderung. Insgesamt lässt sich kein eindeutiger Trend für die Entwicklung der Starkniederschlagskenntage (SNST) > 10 mm ableiten. Für die Mitte des Jahrhunderts (2031–2060) reicht die Spannweite im Mittel für NRW von keiner Änderung (15. Perzentil) bis zu einer Zunahme von 4 Tagen (85. Perzentil). Für die ferne Zukunft (2071–2100) wird eher mit einer Zunahme gerechnet, die über alle Szenarien hinweg im Mittel für NRW jedoch mit Änderungen zwischen 1 und 5 Tagen schwankt. Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 97 Tabelle 5: Mittlere jährliche Anzahl der beobachteten Niederschlagskenntage im Zeitraum 1971–2000 sowie Änderung 2021–2050 und 2071–2100 bezogen auf 1971–2000 Mittlere Anzahl Starkniederschlagstage > 10 mm pro Jahr 1971–2000 Klimaszenario 2021–2050 2071–2100 23 Tage „Klimaschutz“ (RCP2.6) Max: +3 Mittel: +1 Min: –1 Max: +2 Mittel: +1 Min: –1 Moderates (RCP4.5) Max: +3 Mittel: +1 Min: 0 Max: +4 Mittel: +2 Min: 0 „weiter wie bisher“ (RCP8.5) Max: +3 Mittel: +1 Min: 0 Max: +5 Mittel: +3 Min: 0 Mittlere Anzahl Starkniederschlagstage > 20 mm pro Jahr 1971–2000 Klimaszenario 2021–2050 2071–2100 5 Tage „Klimaschutz“ (RCP2.6) Max: +1 Mittel: +1 Min: 0 Max: +1 Mittel: 0 Min: 0 Moderates (RCP4.5) Max: +1 Mittel: +1 Min: 0 Max: +2 Mittel: +1 Min: 0 „weiter wie bisher“ (RCP8.5) Max: +1 Mittel: +1 Min: 0 Max: +3 Mittel: +2 Min: +1 Quelle: LANUV 2019a, Mittlere jährliche Anzahl der beobachteten Niederschlagskenntage im Zeitraum 1971– 2000 sowie Änderung 2021–2050 und 2071–2100 bezogen auf 1971–2000 in Tagen für das „Klimaschutz“- Szenario (RCP2.6), das moderate (RCP4.5) und das „weiter wie bisher“(RCP8.5)-Klimaszenario: durch das Minimum und Maximum wird die Spannweite der mittleren 70 % der Ergebnisse des Modellensembles dar- gestellt, außerdem wird der Median der Modellergebnisse (Mittel) angegeben Ebenso lässt sich für die Entwicklung der Starkniederschlagskenntage (SNST) > 20 mm kein ein- deutiger Trend ableiten. Für die Mitte des Jahrhunderts (2031–2060) zeigen sich im Mittel für NRW über alle Perzentile und Szenarien hinweg keine eindeutigen Änderungen, maximal die Zunahme um 2 Tage (85. Perzentil). Für die ferne Zukunft (2071–2100) wird maximal eine leichte Zunahme von bis zu 3 Tagen beim RCP8.5, 85. Perzentil projiziert. Räumliche Unterschiede lassen sich für beide Starkniederschlagskenntage und Zeiträume eben- falls nicht eindeutig ableiten, da sie sich zwischen den verschiedenen Perzentilen unterscheiden. Die Projektionen der Niederschlagskenntage zeigen für beide Zeiträume eher geringe Änderun- gen auf. Bei der Interpretation muss dabei auch berücksichtigt werden, dass durchaus lokal ein- zelne Ereignisse auftreten können, die die genannten Schwellenwerte um ein Vielfaches über- steigen und in ihren Auswirkungen sehr gravierend sein können (Bsp. Flutkatastrophe 2021 an Ahr und Erft und weiteren Regionen, wo extrem intensive Starkregenereignisse wirksam wurden). Allerdings sind Aussagen zur Entwicklung solch lokaler Starkregenereignisse kaum möglich. 9.3 Wind Zur zukünftiger Sturmtätigkeit zeigt die Analyse von Klimaprojektionen kein eindeutiges Ergebnis: Es gibt in etwa gleich viele Studien, die von einer Zu- bzw. Abnahme der Anzahl von Stürmen ausgehen. Die Mehrzahl dieser Studien beschreibt jedoch im Zuge eines sich wandelnden Klimas eine Zunahme der Sturmintensität (Olefs, 2021), vor allem in Zusammenhang mit zunehmenden Starkregenereignissen (vgl. Kap. 9.2). Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 98 9.4 Schneedecke bzw. Schneesport Die dargestellten Temperaturveränderungen betreffen in besonderem Maße den Schneesport. Da die Bedingungen für den Schneesport sich aber lokal sehr stark unterscheiden und von vielen kleinräumigen Variablen wie vor allem auch der Exposition abhängen, lassen sich die in den bis- herigen Kapiteln getroffenen Aussagen nicht direkt auf das lokale Schneesportangebot übertra- gen. Zum einen ist hier die Auflösung der Modelle zu gering (räumliche Auflösung 5 x 5 km, keine Expositionsberücksichtigung), zum anderen können nicht alle relevanten Parameter ausreichend gut modelliert werden (z. B. Luftfeuchte und deren Auswirkungen auf das Beschneiungspoten- zial). Daher wird am Beispiel der DWD-Station Kahler Asten die Entwicklung der Schneesportbe- dingungen dargestellt. Durch die Nähe der Station zum wichtigsten Skigebiet Nordrhein-Westfa- lens – der Wintersport-Arena Sauerland – lassen sich hier die Auswirkungen des Klimawandels auf die Schneesportbedingungen in den hohen Mittelgebirgslagen aufzeigen. Die natürliche Schneedecke hat in der langfristigen Betrachtung mit starken Schwankungen ab- genommen. Die mittleren Wintertemperaturen sind von 1971 bis 2021 um 0,7 °C gestiegen. Abbildung 21: Anzahl Tage > 20 cm Schneehöhe auf dem Kahlen Asten (1927–2021) Quelle: Wintersport-Arena Sauerland Als Folge der Erwärmung wird auch im Sauerland die für den Schneesport geeignete natürliche Schneedecke langfristig weiter zurückgehen. Dabei verkürzt sich die Dauer der Schneebede- ckung im Spätwinter um Wochen, etwas weniger stark auch im Frühwinter. In diesem Zusam- menhang ändern sich zudem die meteorologischen Rahmenbedingungen für die technische Schneeerzeugung: Anzahl und Dauer der potenziellen Schneizeiten werden sich verringern. Die Unsicherheit, ob eine für den Schneesport nutzbare Schneedecke durchgehend (über die Haupt- saison) mit technischen Mitteln erhalten werden kann, nimmt weiter zu. Auch lokalklimatologische Besonderheiten im Sauerland können durch die regionale Klimaände- rung beeinflusst werden. Dies kann für einzelne Standorte zu lokalen – zeitlich und räumlich stark begrenzten – Abweichungen vom großräumigen Klimatrend führen. Grundsätzlich bieten solche Besonderheiten (z. B. geländeabhängiger Strahlungshaushalt und Windsysteme, Inversionsla- gen, Kaltluftseen) Optimierungspotenzial für die lokal angepasste, zielgerichtete Nutzung, z. B. durch angepasstes Schneemanagement oder alternative Nutzungsformen. Inwiefern die hierfür nötigen Investitionen einen rentablen Skibetrieb ermöglichen, hängt von den sich ändernden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ab. Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 99 Impressum Herausgeber Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nord- rhein-Westfalen Berger Allee 25 D-40213 Düsseldorf Tel.: +49 (0) 211/ 61772-0 E-Mail: poststelle@mwike.nrw.de Inhaltliche Bearbeitung Jan-F. Kobernuß und Lukas Melzer ift Freizeit- und Tourismusberatung GmbH Goltsteinstraße 87a D-50968 Köln Tel.: +49 (0) 221/ 98 54 95-07 Fax: +49 (0) 221/ 98 54 95-50 E-Mail: kobernuss@ift-consulting.de Prof. Dr. Ralf Roth Deutsche Sporthochschule Köln Am Sportpark Müngersdorf 6 D-50933 Köln Tel.: +49 (0) 221/ 4982-0 Fax: +49 (0) 221/ 4982-8330 E-Mail: natursport@dshs-koeln.de Fachliche Ansprechpartner*innen im Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Kli- maschutz und Energie des Landes Nord- rhein-Westfalen: MR Frank Butenhoff Tel.: +49 (0) 211/ 61772-414 E-Mail: frank.butenhoff@mwike.nrw.de RR`in Katrin Kliese Tel.: +49 (0) 211/ 61772-228 E-Mail: katrin.kliese@mwike.nrw.de Bildnachweis Titel: Foto Erdskulptur: Thomas Wolf, Gasometer Oberhausen GmbH Seite 3: ©Land NRW/Ralph Sondermann Seite 81: ©Centrum/HGEsch Rückseite: MWIKE Die Publikation ist auf der Homepage des Ministeriums für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen unter www.wirtschaft.nrw/broschuerenservice als PDF-Dokument abrufbar. Hinweis Diese Druckschrift wird im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit der Landesregierung Nordrhein- Westfalen herausgegeben. Sie darf weder von Parteien noch von Wahlbewerberinnen und -bewerbern oder Wahlhelferinnen und -helfern während eines Wahlkampfes zum Zwecke der Wahlwerbung verwendet werden. Dies gilt auch für Landtags-, Bundestags- und Kom- munalwahlen sowie für die Wahl der Mitglieder des Europäischen Parlaments. Missbräuchlich ist insbesondere die Verteilung auf Wahlveranstaltungen an Informations- ständen der Parteien sowie das Einlegen, Aufdrucken oder Aufkleben parteipolitischer Infor- mationen oder Werbemittel. Untersagt ist gleichfalls die Weitergabe an Dritte zum Zwecke der Wahlwerbung. Eine Verwendung dieser Druckschrift durch Parteien oder sie unterstützende Organisationen ausschließlich zur Unterrichtung ihrer eigenen Mitglieder bleibt hiervon unberührt. Unabhän- gig davon, wann, auf welchem Weg und in welcher Anzahl diese Schrift der Empfängerin oder dem Empfänger zugegangen ist, darf sie auch ohne zeitlichen Bezug zu einer bevor- stehenden Wahl nicht in einer Weise verwendet werden, die als Parteinahme der Landesre- gierung zugunsten einzelner politischen Gruppen verstanden werden könnte. © August 2022 / MWIKE22-002 Tourismus und Klimawandel in Nordrhein-Westfalen – Optionen und Perspektiven 100 Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein- Westfalen Berger Allee 25, 40213 Düsseldorf www.wirtschaft.nrw

  • Umsichtiges_Tauchverhalten_digital_foerdern.pdf
    Umsichtiges Tauchverhalten digital fördern – Digitale Vermittlungsformen von Nachhaltigkeits- und Sicherheitsaspekten beim Tauchen und ihr Lehrpotenzial Masterarbeit in Sporttourismus und Destinationsmanagement Von Annabel Schäfer Deutsche Sporthochschule Köln Köln 2022 Betreuer: Univ.-Prof. Dr. Ralf Roth Institut für Outdoor Sport und Umweltforschung Deutsche Sporthochschule Köln Eidesstattliche Versicherung Hiermit versichere ich an Eides statt, dass ich diese Arbeit selbstständig verfasst und keine anderen als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel benutzt habe. Die Stellen meiner Arbeit, die dem Wortlaut oder dem Sinn nach anderen Werken und Quellen entnommen sind, habe ich unter Angabe der Quelle kenntlich gemacht. Dasselbe gilt sinngemäß für Tabellen, Karten und Abbildungen. Diese Arbeit habe ich in gleicher oder ähnlicher Form oder auszugsweise nicht im Rahmen einer anderen Prüfung eingereicht. _______________ Annabel Schäfer Zusammenfassung DE Zur Klärung, inwiefern digitale Angebote fernab der klassischen Taucherausbildung ein umsichtiges Tauchverhalten fördern können, wurden zehn routinierte Taucher des Geräte- und Apnoetauchens befragt. Leitfadengestützte Interviews und deren Auswertung im Sinne der qualitativen Inhaltsanalyse nach MAYRING (2015) bildeten den Versuchsrahmen. Zur Interpretation bedeutender Teilaspekte wurden bestehende Erkenntnisse aus den Fachbereichen Kommunikation, Akzeptanz, Verhalten sowie digitales Lernen herangezogen. Zwei Lösungsansätze kristallisierten sich heraus: Erstens, eine langfristige Bespielung der Taucher mit gut aufbereiteten, neuartigen Fachinhalten und der Möglichkeit eines wertfreien Erfahrungsaustausches untereinander. Und zweitens, eine Ad hoc-Bedienung der Taucher während ihrer individuellen Tauchgangsplanung über die Bereitstellung vereinheitlichten Materials interaktiver Tauchplatzkartenwerke. Tauchbezogene Inhalte jeglicher Art scheinen insbesondere dann die Tauchgemeinschaft zu erreichen und potentiell in ihrem Verhalten zu beeinflussen, wenn sie von professionellen Tauchern selbst erstellt werden. EN For clarifying how digital offers, away from basic diving instruction, could encourage a more judicious diving behaviour, ten experienced scuba- and freedivers were interviewed. Guided interviews and their evaluation through qualitative content analysis (MAYRING 2015) built the experiential frame. Pre-existing, scientific insights from the fields of communication, acceptance, behaviour, and digital learning supported the process of interpretation. Two promising approaches crystallised: first, long-term exposure to well- edited, novel subject content, including an option of unbiased exchange of experiences among the divers. Second, an ad hoc provision of unified, interactive diving maps for the divers’ individual dive preparation. In general, diving-related, digital content seems most flourishing in reaching the diving community and, potentially, nourishing a judicious diving behaviour, when created by professional divers themselves. I Inhalt Abkürzungsverzeichnis ............................................................................................. III Abbildungsverzeichnis .............................................................................................. III Tabellenverzeichnis ................................................................................................... III 1. Einleitung .......................................................................................................... 1 1.1 Ziel der Arbeit und Forschungsfragen .......................................................... 2 1.2 Aufbau der Arbeit ....................................................................................... 3 2. Thematische Einführung ..................................................................................... 3 3. Theoretischer Rahmen ....................................................................................... 6 3.1 Kommunikationsmodell ............................................................................... 7 3.2 Akzeptanzmodelle ...................................................................................... 9 3.3 SHIFT-Modell .............................................................................................12 3.4 Theorien zur Online-Lehre ..........................................................................16 4. Empirischer Teil ................................................................................................18 4.1 Methodisches Vorgehen ............................................................................18 4.2 Ergebnisdarstellung und Auswertung..........................................................26 4.3 Deutung und Diskussion der Ergebnisse .....................................................42 4.3.1 Spezifika verstehen .............................................................................42 4.3.2 Zielgruppe erreichen ...........................................................................48 4.4 Reflexion des methodischen Vorgehens .....................................................53 5. Fazit und Ausblick .............................................................................................56 6. Literatur............................................................................................................58 7. Anhang ............................................................................................................62 7.1 Interviewleitfaden .......................................................................................62 7.2 Definition Kategoriensystem .......................................................................68 7.3 Anwendung Kategoriensystem ...................................................................74 7.4 Transkripte .............................................................................................. 171 7.4.1 Interview I1 ....................................................................................... 171 7.4.2 Interview I2 ....................................................................................... 190 7.4.3 Interview I3 ....................................................................................... 204 7.4.4 Interview I4 ....................................................................................... 219 7.4.5 Interview I5 ....................................................................................... 236 7.4.6 Interview I6 ....................................................................................... 249 7.4.7 Interview I7 ....................................................................................... 266 7.4.8 Interview I8 ....................................................................................... 282 7.4.9 Interview I9 ....................................................................................... 300 II 7.4.10 Interview I10 ..................................................................................... 315 III Abkürzungsverzeichnis AED Automated External Defibrillation AOWD Advanced Open Water Diver Bio Biographie; hier in Bezug auf Instagram: „link in bio“ CMAS Confédération Mondiale des Activités Subaquatiques DACH Region: Deutschland, Österreich und Schweiz Fini Finimeter GTÜM Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin MOD Maximum Operation Depth OK Oberkategorie OWD Open Water Diver PADI Professional Association of Diving Instructors SSI Scuba Schools International Trocki Trockenanzug zum Tauchen UK Unterkategorie UW Unter Wasser VDST Verband Deutscher Sporttaucher Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Shannon-Weaver-Kommunikationsmodell (1964, 34) ............................. 7 Abbildung 2: Akzeptanz-modelle, sachliche Gliederung (eigene Darstellung) .............11 Abbildung 3: TAM nach DAVIS (1989), (eigene Darstellung) .......................................12 Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Interviewleitfaden, Ausschnitt ...................................................................20 Tabelle 2: Daten Interviewpartner .............................................................................22 Tabelle 3: Ursprung deduktiver Kategorien ...............................................................25 Tabelle 4: Definition Kategoriensystem, Ausschnitt ....................................................26 file:///C:/Users/annab/Documents/Dokumente%20Annabel/2019%20Studium/TDM/Semesterinhalte/5_Thesis/570912_Schäfer_Annabel_25-03-2022.docx%23_Toc98849250 file:///C:/Users/annab/Documents/Dokumente%20Annabel/2019%20Studium/TDM/Semesterinhalte/5_Thesis/570912_Schäfer_Annabel_25-03-2022.docx%23_Toc98849251 1 1. Einleitung Dass der Mensch die Unterwasserwelt für sich nutzt ist nicht neu: Erste Beschreibungen des Apnoe- oder Freitauchens, also des Tauchens ohne Atemgerät, finden sich bereits zu Zeiten der Antike, wobei es damals zum Auffinden von Perlen und Schwämmen oder aber dem militärischen Einsatz diente. Als Natursport zur Freizeitgestaltung hat sich zuerst jedoch das Gerätetauchen, also das Tauchen mit Hilfe eines Druckluft- oder Kreislauftauchgeräts, seit der Mitte des letzten Jahrhunderts allmählich etabliert. Das Apnoetauchen nimmt seit ein paar Jahren in seiner Beliebtheit stark zu, dennoch ist das Gerätetauchen heute die klassischere Art des Tauchens. (Vgl. NUSSBERGER et al., 2007, 971) Die zwei Ansätze der Sportausübung unterscheiden sich grundsätzlich – atmen vs. Luft anhalten. Trotzdem beanspruchen sie denselben Naturraum: Unter Wasser. Da der Mensch sich normalerweise in luftgefüllten Sphären bewegt, stellt diese Unterwasserwelt einen ganz besonderen Reiz dar. Insbesondere in Bezug auf Sicherheitsaspekte und die Rücksichtnahme auf den Lebensraum, müssen besondere Tauchfertigkeiten erlernt und beachtet werden. Das Thema Sicherheit stellt einen grundlegenden Bestandteil der Taucherausbildung, sowohl im Apnoe- als auch im Gerätetauchen, dar. Eine Sensibilisierung hin zu einem möglichst naturverträglichen Verhalten während der Tauchgänge sowie auf dem Weg von und zum Wasser wird in den Anfängerkursen zwar meist grundsätzlich thematisiert, kommt jedoch detaillierter erst in entsprechenden Spezialkursen zum Ausdruck. Auf den ersten Blick scheinen die Thematiken Sicherheit und Nachhaltigkeit gänzlich unterschiedliche Bereiche des individuellen Verhaltens zu betrachten. Bei genauerem Hinsehen haben sie jedoch beide einen gemeinsamen Nenner – die Umsichtigkeit des in Eigenverantwortung agierenden Sporttauchers. Im Frühjahr des letzten Jahres hörte die Autorin in einem Online-Vortrag zum Thema „Tauchen mit Haien“, dass es trotz aller Sicherheitshinweise und Aufklärungen, wie man sich korrekt unter Wasser zu verhalten habe, immer wieder zu riskanten Situationen käme. Das „Schnorcheln mit Haien“ wurde von dem Tauchreiseveranstalter aus dem Programm genommen, nicht etwa, weil sich das Verhalten der Tiere oder die Erkenntnisse über ihre Lebensweise oder den Lebensraum geändert hätten, sondern vielmehr das Verhalten der Menschen: Während früher noch der Respekt und die Achtung der so andersartigen Unterwasserwelt überwiegte, würden sich manche Urlaubstaucher heute darauf verlassen, dass alles, was kommerziell angeboten würde in 2 vollem Umfang sicher und spaßig sei, ganz gleich wie sich individuell während des Tauchgangs verhalten würde (ESCHER 2021). Da die Autorin selbst begeisterte Sporttaucherin ist, waren die Erkenntnisse aus dem Haie-Vortrag nicht die ersten in Bezug auf das Verhalten der Taucher unter Wasser. In zahlreichen Gesprächen mit erfahrenen Buddies, sowohl aus dem Apnoe- als auch dem Gerätetauchen, werden häufig Situationen geschildert, die nicht so abliefen, dass Sicherheits- und Nachhaltigkeitsbelangen die Umsicht geschenkt wurde, die beim Tauchen eine selbstverständliche Basis bilden sollte. 1.1 Ziel der Arbeit und Forschungsfragen Zwar werden Sicherheitsaspekte in jeder klassischen Tauchausbildung behandelt und Umweltaspekte finden immer größeren Anklang in den zuvor erwähnten Spezialkursen. Es ist außerdem klar, dass der Grundstein für ein möglichst korrektes Verhalten der Taucher in den Ausbildungskursen gelegt wird. Außerdem stellen sich Tauchbasen weltweit entsprechend der steigenden Nachfrage in den letzten Jahren vermehrt auf Besucher ein, die den Aufenthalt während ihres Tauchurlaubs möglichst klimaschonend gestalten wollen (vgl. SCHILL 2019). Wenn man aber davon ausgeht, dass es zu einem umsichtigen Tauchverhalten neben der anfänglichen Schulung, stetiger Wiederholungen und Vorbilder bedarf – nicht nur während des Tauchurlaubs, sondern bestenfalls in den Alltag integriert – und obwohl die ansässigen Tauchsportvereine ihr Möglichstes tun, dass die Taucher im Becken oder dem heimischen See ihre Fähigkeiten regelmäßig schulen können, so kann doch nicht jeder Bedarf des wiederkehrenden Übens abgedeckt werden. Gründe dafür sind vielfältig: Fehlende Einrichtungen, unpassende Trainingszeiten, pandemiebedingte Einschränkungen etc. Es stellt sich daher die Frage, inwiefern das umsichtige Tauchverhalten geschult, wiederholt und aufrechterhalten werden kann, unabhängig von Häufigkeit und Regelmäßigkeit der individuellen Praxis im Wasser. Dabei soll der Blick auf digitale Möglichkeiten gelenkt werden, also auf zeit-, orts- und personenunabhängige, niedrigschwellige und barrierefreie Angebote. Die Masterarbeit befasst sich mit der Fragestellung, inwiefern ein nachhaltigeres sowie sicherheitsbewussteres Verhalten in der Ausübung von Tauchsportarten durch digitale Angebote gefördert werden kann. Weiter werden Überlegungen angestellt, wie solche digitalen Angebote auszusehen hätten, um die weitgefasste Zielgruppe der Taucher im 3 Allgemeinen, und speziellere Untergruppen dieser, zu erreichen. Die vorrangige Forschungsfrage lautet daher: Inwiefern kann ein umsichtiges Verhalten, in Bezug auf Nachhaltigkeits- und Sicherheitsaspekte beim Tauchen, digital gefördert werden? Daraus ergeben sich die Unterfragen: - Wie müssten digitale Bildungsangebote gestaltet sein, um den Tauchern zu einem sicherheitsbewussteren und nachhaltigeren Tauchverhalten zu verhelfen? - Welche digitalen Kanäle, Ansprachen und Fachinhalte eignen sich, um die Taucher zu erreichen? - Bedarf es einer Spezifizierung unterschiedlicher Taucher-Typen? 1.2 Aufbau der Arbeit Zunächst folgt die thematische Einführung, welche das Thema für den Leser greifbarer machen soll, sodass ein einheitlicher Konsens bzgl. verwendeter Begrifflichkeiten sowie des Untersuchungsgegenstands besteht. Im Kapitel zum theoretischen Rahmen werden theoretische Modelle und Theorien, zunächst ohne Bezug auf die Forschungsfragen, in ihren Grundzügen erläutert, welche im weiteren Verlauf dieser Arbeit zur Interpretation der Forschungsergebnisse sowie der Beantwortung der Forschungsfrage herangezogen wurden. Der empirische Teil beschreibt zuerst in allen Einzelheiten das methodische Vorgehen. Weiter werden diejenigen gesammelten Ergebnisse dargestellt, welche zur Beantwortung der Fragestellung beigetragen haben. Im Anschluss werden sie kritisch reflektiert, interpretiert und in den Forschungsrahmen eingeordnet. Das Fazit resümiert den Verlauf der Arbeit sowie deren Ergebnisse. Es wird ein Ausblick gegeben, wie die gewonnenen Daten weiter genutzt werden könnten und in welchen Bereichen weiterer Forschungsbedarf besteht. 2. Thematische Einführung Im Rahmen dieser Arbeit werden das Apnoe- (auch Freitauchen oder Freediving genannt) sowie das Gerätetauchen (auch Scuba- oder Flaschentauchen genannt) 4 bezüglich des Verhaltens der Taucher untersucht. Beide Tauchsportarten untergliedern sich in zahlreiche speziellere Disziplinen, die zu Teilen einer weiteren Spezialisierung der Taucher sowie des Equipments bedürfen. Spezielle Disziplinen werden nur nach expliziter Nennung durch die Probanden während der Datenerhebung genauer betrachtet. Das Verhalten von rein schnorchelnden, schwimmenden oder sich anderweitig als tauchend im Wasser befindlichen Personen wird nicht beachtet. Der allgemein formulierte Terminus „tauchen“ bezieht sich im Folgenden sowohl auf das Apnoe- als auch das Gerätetauchen. Nachhaltigkeit und Tauchen In der Literatur findet sich eine Vielzahl nachhaltigkeitsrelevanter Erkenntnisse zu den direkten Einflüssen des Tauchens auf die Natur während der Ausübung der Sportart. Zertretene Ein- und Ausstiegsstellen, Sedimentaufwirbelungen und beschädigte Korallen werden am häufigsten beobachtet (vgl. KANNEN et al. 2010; STEINGRUBE & SCHEIBE 2007; VDST 2012). Nachhaltig taucht, wer im Sinne einer ökologischen Nachhaltigkeit agiert, also einen weitsichtigen und rücksichtsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen pflegt, sodass es möglichst zu keinerlei Schädigung der Unterwasserwelt und ihrer Bewohner kommt (vgl. LEYMANN o.J.). In dieser Arbeit wird lediglich das Verhalten während des Tauchganges selbst betrachtet, da es vor Ort direkt von Tauchguides, Tauchlehrern und anderen Tauchern beobachtet werden kann. Bereits 2006 ist in der Studie von HEINISCH beobachtet worden, dass eine zunehmende Taucherfahrung oftmals mit einem abnehmenden Umweltbewusstsein einhergehe. Um dieser Tendenz entgegenzuwirken wurde dort angeregt, ökologische Inhalte als Pflichtmodul in die AOWD-Ausbildung der Tauchorganisationen zu integrieren, da diese bis dato keinen Bestandteil ebendieser Ausbildungsstufe darstellten (vgl. ebd. 341). Und auch im VDST wird gegenwärtig noch das Problem erkannt „dass das Interesse am Thema Umwelt im Verlauf zu den höheren Leistungsstufen gefühlt abnimmt und teilweise technische Aspekte in den Vordergrund rücken“, was darauf hindeute, dass ein anfängliches Interesse der Tauchnovizen am Thema Umwelt nicht über den Verlauf der individuellen Taucherausbildungen beim VDST gehalten werden könne (OLDORFF 2021, 42). Neben dem VDST sind auch die Tauchorganisationen PADI, SSI und CMAS in den letzten Jahren zunehmend bestrebt im Thema Umweltschutz einen positiven Beitrag zu leisten – die Fülle an Ökologie-Spezialkursen, Mitmachaktionen, Kollaborationen und Aufklärungskampagnen wächst stetig (vgl. VDST 2022; PADI 2022b; SSI 2022; CMAS 5 2022). Nichtsdestotrotz sind Nachhaltigkeitsthemen bisher nicht zum Pflichtbestandteil der klassischen AOWD-Ausbildung geworden. PADI beispielsweise wirbt damit, dass mit dem Kurs zum fortgeschrittenen Taucher die individuellen Tauchfertigkeiten erweitert würden: Neben den gängigen Pflichtmodulen im Navigieren, Tarieren und Tieftauchen könne der Schüler drei weitere spezielle Tauchgangsthemen wählen. Zur Auswahl stehen unter anderem „Fischbestimmung“ oder „Unterwassernaturalist“, es kann sich aber auch für rein umwelt-fremde Themenfelder entschieden werden, sodass die Berührung mit nachhaltigkeitsrelevanten Inhalten während der gesamten AOWD- Ausbildung umgangen werden kann. (Vgl. PADI 2022a) Den geringsten Input zu nachhaltigkeitsrelevantem Verhalten erfährt der Tauchschüler derzeit in den Apnoetauchkursen. So findet sich beispielsweise in den Unterlagen zum „AIDA4 – Master Freediver“-Kurs des rein auf das Apnoetauchen ausgerichteten Ausbildungsverbandes AIDA lediglich ein einseitiger „Freedive Code of Conduct“, welcher in sieben, nicht weiter erklärten, kurzen Stichpunkten das korrekte Verhalten gegenüber der Natur beschreibt (CHRISTEN 2019, 102). Sicherheit und Tauchen Auch beim Thema Tauchsicherheit wird im Rahmen dieser Thesis nur das vor Ort beobachtbare Verhalten betrachtet. Die Sicherheitsrisiken verschiedener Taucharten und Disziplinen unterscheiden sich zum Teil stark. Umwelteinflüsse wie Strömung, Gezeiten, Gifte aus der Tier- und Pflanzenwelt etc., aber auch das individuelle Tauchteam und insbesondere der Tauchbuddy, können Taucher, je nach Ort und Disziplin, unterschiedlich stark beeinflussen. Ferner die Dekompressionskrankheit (DCS) stellt ein zu berechnendes Risiko dar, und während sie früher vor allem den Tauchern mit Atemgerät zugerechnet wurde, werden heute mit zunehmendem Spezialisierungsgrad und größeren Tiefen auch die Apnoetaucher vor den DCS- Gefahren gewarnt (vgl. CHRISTEN 2019, 40ff). Die Kombination beider Taucharten innerhalb kurzer Zeit sowie etliche weitere Gesundheitseinflüsse des Aufenthalts unter Wasser finden bereits Beachtung in der Literatur (vgl. GATERMANN 2019, NUSSBERGER et al. 2007). Wie beim nachhaltigkeitsrelevanten Verhalten auch sind Tendenzen erkennbar, dass es bei fortgeschrittenen Tauchern häufiger zu sicherheitsrelevanten Komplikationen während der Tauchgänge kommt als bei Tauchanfängern. Die Unfall-Statistik des VDST beobachtet und interpretiert Vorkommen und Schwere von Tauchunfällen, um mit Hilfe gewonnener Erkenntnisse die Sicherheits- und Ausbildungsaspekte im Verband 6 weiterzuentwickeln. Der VDST stellte zuletzt ein häufigeres Auftreten von Unfällen bei tieferen und längeren Tauchgängen fest und sieht einen Zusammenhang mit einer zunehmenden Anzahl an technischen Tauchgängen, welche selbst bei sorgfältiger Planung und Durchführung noch ein erhöhtes Sicherheitsrisiko darstellten, im Vergleich zu weniger tiefen und kürzeren Tauchgängen. Insgesamt ereigneten sich 70% der Tauchunfälle erwachsener Taucher unter den erfahreneren Tauchern. Jenseits des 40. Lebensjahres werden, in Relation zu jüngeren Tauchern, mehr Unfälle verzeichnet – der VDST betont hierbei die Wichtigkeit der jährlich empfohlenen Tauchtauglichkeitsuntersuchung. (Vgl. GATERMANN 2019, 60f) Sobald in der Tauchausbildung Grundfertigkeiten gelehrt werden (z.B. Tarierung), bedeutet dies auch eine, wenigstens indirekte, Thematik der Sicherheitsaspekte, da eine korrekte Technik zur Basis des sicheren Tauchens gehört. Und während im zuvor genannten Beispiel des „AIDA4 – Master Freediver“ Nachhaltigkeitsaspekte nur sehr knapp thematisiert wurden, sind die Einheiten zu sicherheitsrelevanten Themen reichlich vorhanden, beispielsweise wenn es um die Risiken des „Lung Packing“ geht (vgl. CHRISTEN 2019, 30ff). Insgesamt werden Verhaltensaspekte des nachhaltigen sowie sicheren Tauchens auf individueller Ebene des Tauchers in dieser Thesis als gleichermaßen bedingt durch die Umsichtigkeit desselben, und außerdem als gleichermaßen wichtig für die Natursportausübung erachtet. Der Taucher wird in seinem Verhalten über unterschiedlichste Berührungspunkte von außen beeinflusst. Welche Rolle dabei welchen Faktoren zuteilwird und welche Rolle insbesondere das Digitale dabei spielt bzw. spielen könnte, wird im weiteren Verlauf behandelt. 3. Theoretischer Rahmen Auf der Suche nach Theorien und Modellen, die dieser Arbeit eine Basis verleihen sollten, entstand ein Quartett mit Ursprung in unterschiedlichen Disziplinen. Da das Forschungsvorhaben digitale Vermittlungsformen spezifischen Wissens zur Stärkung der Umsichtigkeit der Taucher zu ergründen sucht, wurde zuallererst ein Kommunikationsmodell (Kapitel 3.1) gefunden, welches unter anderem erklärt, dass ein und dieselbe Nachricht auf unterschiedlichste Weise bei einem Empfänger ankommen 7 kann. Einflussfaktoren auf das individuelle Empfangen dieser Nachricht und somit auf die Haltung und Akzeptanz (Kapitel 3.2) sowie das Verhalten und die etwaige Verhaltensänderung (Kapitel 3.3) des Individuums in Bezug auf die Nachricht bildeten folglich den nächsten Aspekt, zu dem theoretische Modelle herausgesucht wurden. Zu guter Letzt bedurfte es spezifischer Erkenntnisse, welche dabei helfen sollten, die vorangegangenen Modelle auf die Digitale Bühne zu heben (Kapitel 3.4). Dieses Kapitel beschreibt zunächst nur die Modelle und Theorien an sich. Erst im späteren Verlauf der Arbeit wird der Sinnzusammenhang zur Forschungsfrage gebildet. 3.1 Kommunikationsmodell Das Sender-Empfänger-Modell oder auch Shannon-Weaver-Model, benannt nach den Erfindern SHANNON und WEAVER (1964), beschreibt den Kommunikationsprozess zwischen Sender und Empfänger und hat zum Ziel, über ein vergrößertes Verständnis des Kommunikationsprozesses an sich die Kommunikation bzw. den Informationsaustausch insgesamt zu verbessern. Das Shannon-Weaver-Model ist genaugenommen eine Zusammensetzung aus einer mathematischen Theorie der Information (ebd., 29-125) und einer Verständlich-Machung dieser Theorie für den Ottonormalbürger (ebd., 1-28). Durch Weavers Ausführungen hielt das Modell Einzug in den kommunikationswissenschaftlichen Kontext, und obwohl es sich vorerst auf die sprachliche Kommunikation bezieht, kann es auch auf andere kommunikatorische Bereiche angewendet werden (KHABYUK 2019, 80). Das Kommunikationsmodell besteht aus fünf essentiellen Teilen, welche in Abbildung 1 erkennbar sind: Abbildung 1: Shannon-Weaver-Kommunikationsmodell (1964, 34) 8 Die Informations-/Nachrichtenquelle bzw. die sendende Person auf der einen Seite wählt eine Information aus, welche gesendet werden soll. Der Transmitter/technische Sender (bspw. die eigenen Stimmbänder oder auch heutzutage das Smartphone) codiert diese Botschaft in ein Signal, welches über einen Übertragungskanal an einen Receiver/technischen Empfänger (bspw. das Ohr des Gesprächspartners oder aber das Smartphone desselben) gesendet werden soll. Dieser wiederum übersetzt das Signal und leitet es zum Nachrichtenziel bzw. der empfangenden Person. (Vgl. SHANNON und WEAVER 1964, 33ff; KHABYUK 2019, 81) Daraus ergibt sich, dass nur bei vorhandener Kompatibilität von Transmitter und Receiver mit dem Kanal sowie einer störungsfreien Übertragung des Signals eine Botschaft überhaupt korrekt übermittelt werden kann. Kann eine unbehinderte Übertragung nicht gewährleistet werden, kann es während der Signalübermittlung zu Problemen kommen. Solche Störquellen können sich je nach verwendetem Kanal stark unterscheiden. (KHABYUK 2019, 81f) Beispielsweise werden zwei Taucher an Land miteinander sprechen, um zu kommunizieren. Sobald sie am Wasser sind, kann das gegenseitige Verstehen über das gesprochene Wort bereits erschwert sein, weil es am Ufer oder auf dem Boot stärker winden könnte oder weil sie Neoprenanzüge anziehen, die die Ohren bedecken etc. Spätestens unter Wasser wechseln Taucher ganz automatisch zur Zeichensprache. Voraussetzung hierfür sind der Blickkontakt der Kommunizierenden sowie ein gemeinsames Verständnis über spezielle Zeichen der Zeichensprache. Shannon und Weaver unterscheiden außerdem drei Level der allgemeinen Kommunikationsprobleme. (Ebd., 4): 1. Technisches Problem: Wie akkurat können Kommunikationssignale übermittelt werden? 2. Semantisches Problem: Wie präzise überliefern die Kommunikationssignale die gewünschte Botschaft in ihrer ursprünglichen Bedeutung? 3. Problem der Effektivität: Wie effektiv beeinflusst die empfangene Botschaft das Verhalten in gewünschter Weise? Hieraus lässt sich bereits erkennen, dass einerseits die verwendete Technik (Transmitter, Kanal und Receiver) die reibungslose Übermittlung einer Botschaft maßgeblich beeinflusst. Andererseits ist auf personeller Ebene zu beachten, dass die Beziehung zwischen Sender und Empfänger sowie die individuelle Haltung der 9 empfangenden Person in Bezug auf den übermittelten Sachverhalt ebenfalls eine Rolle dabei spielen, wie eine Botschaft am Ziel ankommt. Über die theoretischen Modelle der folgenden zwei Kapitel sollen Einflussfaktoren auf personeller Ebene genauer untersucht werden. 3.2 Akzeptanzmodelle Die Akzeptanzforschung bietet ein breites Feld an Modellen, welche zu erklären versuchen, weshalb ein betrachtetes Akzeptanzobjekt innerhalb eines Akzeptanzkontextes Zustimmung oder Ablehnung durch das Akzeptanzsubjekt erfährt, wovon diese Haltung abhängt und wie sich daraufhin das Akzeptanzverhalten auswirkt (vgl. etwa HÜSING et al. 2002, 24; SAUER et al. 2005, I-2; STOLL-KLEEMANN 1999, 43f). Zwar existiert bisher keine vereinheitlichte, allgemeingültige Definition des Akzeptanzbegriffs, eine ähnliche definitorische Nähe zu verwandten Begrifflichkeiten lässt sich jedoch bei diversen Autoren erkennen. Beispielsweise heißt es hierzu im Brockhaus (1986): „(…) zunächst die bejahende oder tolerierende Einstellung von Personen oder Gruppen gegenüber normativen Prinzipien oder Regelungen, auf materiellem Bereich gegenüber der Entwicklung und Verbreitung neuer Techniken oder Konsumprodukte; dann auch das Verhalten und Handeln, in dem sich diese Haltung ausdrückt. (…) Besondere Bedeutung hat die Frage der A. auf wirtschaftl. Gebiet für die Entwicklung und Gestaltung neuer Konsumgüter (Produktinnovation) und damit auch für die Investition sowie für die Verbreitung durch (akzeptanzfördernde) Werbung. (…) Die Klärung der A.-Bereitschaft für eine Neuerung ist die Aufgabe der A.-Forschung, die auf dem Wege der empirischen Sozialforschung (z.B. durch repräsentative Umfragen) und durch markt-, werbe- und betriebspsycholog. und -soziolog. Untersuchungen angestrebt wird.“ (ebd., 299) Akzeptanzdimensionen Als Akzeptanzsubjekt können folglich eine Person, Personengruppe, oder aber die Gesellschaft als Ganzes betrachtet werden, welche in ihrem Einfluss auf das Akzeptanzobjekt in der Form variieren, dass sie über den grundsätzlichen Einsatz der Technik/des Objekts bestimmen, Techniknutzer sind oder aber, fernab einer eigenen 10 Nutzung, durch die Anwendung der Technik indirekt betroffen sind (HÜSING et al. 2002, 33). Das Akzeptanzobjekt kann eine Entscheidung über ein Vorhaben, eine Handlungsweise, ein Wert u.v.m. sein, und muss somit nicht gezwungenermaßen ein klassisches, haptisches Artefakt sein. Im Bereich der Technik kann es sich beim Akzeptanzobjekt sowohl um ein einzelnes, technisches Ding handeln oder aber um ein umfassendes System. Auch hierin kann bei Bedarf weiter unterteilt werden. (Vgl. SCHÄFER & KEPPLER 2013, 19f; LUCKE 1995, 89) Der Akzeptanzkontext beschreibt das Umfeld, in der das Subjekt ein Objekt wahrnehmen, bewerten und ggfs. diesbezüglich handeln kann. Er beinhaltet dabei alle Faktoren welche auf das Verhältnis zwischen Akzeptanzsubjekt und -objekt einwirken können und in einer spezifischen Fragestellung Beachtung finden. Somit wird deutlich, dass die drei beschriebenen Dimensionen Akzeptanzsubjekt, -objekt und -kontext in einem Verhältnis gegenseitiger Beeinflussung stehen, und dass je Forschungsvorhaben eine klare Abgrenzung, Definition und Abstimmung der drei Dimensionen vonnöten ist. (Vgl. SCHÄFER & KEPPLER 2013, 22f; HÜSING et al. 2002, 24f) Nebst der Einteilung in Subjekt, Objekt und Kontext wird auf einer weiteren Dimensionsebene zeitpunktbezogen unterschieden: - Die Einstellungsdimension untersucht die Bereitschaft des Anwenders ein spezifisches Akzeptanzobjekt zu verwenden (SCHÄFER & KEPPLER 2013, 12). - Die Normative/Wertdimension betrachtet vorrangig ethische Gedanken und Überlegungen zur Verantwortlichkeit eines Akzeptanzobjekts. Sie wird in manchen Modellen unter der Begründung, dass persönliche Werte und Normen die persönliche Einstellung beeinflussen, auch der Einstellungsdimension zugeordnet (SCHÄFER & KEPPLER 2013, 14f). - Die Handlungsdimension wird von SAUER et al. (2005, I-1) beschrieben „als positive Einstellung eines Akteurs einem Objekt gegenüber, wobei diese Einstellung mit Handlungskonsequenzen (auch durch Unterlassen) verbunden ist“. Beobachtbares Verhalten können dabei der Kauf, die Nutzung, Propagierung oder Unterstützung des betrachteten Akzeptanzobjekts sein, wodurch die Handlungsdimension zeitlich nach der Einstellungs- und Wertedimension in Erscheinung tritt. 11 Akzeptanzmodelle Bei der Frage danach, was die Akzeptanz, oder ihre Ablehnung, beeinflussen kann, werden spezifische Einflussfaktoren gesucht und untersucht, die je nach Themengebiet und Interessenlage stark variieren können. Aufgrund vielfältiger und sich erheblich voneinander unterscheidender Problemstellungen werden immer wieder neue spezifische Akzeptanzmodelle entwickelt. Eine grobe und gängigere Einteilung dieser Modelle ist die sachliche Gliederung in Input-, Input/Output-, Rückkopplungs- und Prozessmodelle (vgl. SCHÄFER & KEPPLER 2013, 28ff), wie sie im Folgenden erklärt und in Abbildung 2 in genannter Reihenfolge, vereinfacht und untereinander dargestellt werden: - Input-Modelle betrachten lediglich die beeinflussenden Faktoren und gehen beispielsweise der Frage nach, ob eine Technologie in Anbetracht spezifischer Einflüsse von den Anwendern genutzt wird. - Bei den Input-/Output-Modellen werden zusätzlich zu den Einflussfaktoren auch Resultate betrachtet, beispielsweise der Grat an Zufriedenheit und eine damit einhergehende intensivere oder schwächere Nutzung des Akzeptanzobjekts. - Rückkopplungsmodelle untersuchen die Einwirkungen des Outputs auf den Input, also auf die ursprünglichen Einflussfaktoren, wodurch der Fokus auf einen Kreislauf und eine damit verbundene Situationsbezogenheit gelegt wird. - Auch bei den Phasenmodellen ist der Prozesscharakter entscheidend, wird hier jedoch zusätzlich, und im Unterschied zu den Rückkopplungsmodellen, in Phasen unterteilt. Bestimmte Einflussfaktoren entfalten sich demnach erst ab oder nur in spezifischen Phasen des Akzeptanzprozesses. Abbildung 2: Akzeptanz- modelle, sachliche Gliederung (eigene Darstellung) 12 Das weit verbreitete TAM (Technology Acceptance Model) von DAVIS (1989) kann zu den Input-Modellen gerechnet werden, grenzt sich jedoch durch seine Einfachheit von den meisten Akzeptanzmodellen ab (vgl. Schnell 2009, 6). Entgegen der Vielschichtigkeit anderer Modelle betrachtet DAVIS lediglich zwei Einflussfaktoren: Den wahrgenommenen Nutzen und die wahrgenommene Bedienbarkeit. Dies wird in Abbildung 3 ersichtlich: Sowohl wahrgenommener Nutzen als auch wahrgenommene Bedienbarkeit werden ihrerseits von zahlreichenden, je nach Forschungsfrage variierenden, externen Reizen beeinflusst, welche jedoch im TAM nicht direkt betrachtet werden. Dies bricht die Komplexität des Modells herunter und fokussiert auf die Annahme, dass mit zunehmendem wahrgenommenen Nutzen und zunehmender wahrgenommener Bedienbarkeit auch die Bereitschaft der potenziellen Anwender steige, eine bestimmte Technologie zu nutzen (Schnell 2009, 6). 3.3 SHIFT-Modell Das SHIFT-Modell entstammt einer wissenschaftlichen Literaturrecherche von WHITE et al. (2019) zum Themenkomplex des Marketings und Verhaltens, und untersucht, welches die effektivsten Methoden sind das Konsumentenverhalten in eine nachhaltigere Richtung zu lenken. Es soll Praktikern unterschiedlichster Fachbereiche einen Orientierungsrahmen bieten, sodass diese ihre (potentiellen) Konsumenten über eine angepasste Zielgruppenansprache zu einem nachhaltigeren Verhalten ermutigen können. Das Akronym ‚SHIFT‘ steht dabei für das Zusammenspiel fünf psychologischer Faktoren, die eine Verhaltensänderung maßgeblich beeinflussen: Sozialer Einfluss, Habitusbildung/Verhalten, Individuum/das Selbst, Gefühle (engl. Feelings) und Wahrnehmung sowie Greifbarkeit (engl. Tangibility). WHITE et al. (ebd.) zufolge nehmen diese fünf Faktoren bedeutenden Einfluss auf etwaige individuelle Verhaltensänderungen hin zu einem umweltbewussteren und, im weitesten Sinne, nachhaltigeren Konsum. Der Abbildung 3: TAM nach DAVIS (1989), (eigene Darstellung) 13 Nachhaltigkeitsbegriff wird in ihrem Artikel nicht tiefer erklärt. Es bleibt also offen, welche Definition von Nachhaltigkeit den Untersuchungen zugrunde lag. Zunächst sollen die fünf psychologischen Faktoren des SHIFT-Ansatzes je kurz allgemein erläutert werden: 1. Der Soziale Einfluss gehört zu den am stärksten beeinflussenden Faktoren in Bezug auf ein nachhaltigeres individuelles Verhalten und setzt sich zusammen aus sozialen Normen, sozialen Identitäten und sozialer Erwünschtheit. Soziale Beeinflussung des Individuums entsteht durch die Anwesenheit, das Verhalten und die Erwartungen derer, die das soziale Umfeld dieser Person bilden. Es existieren Normen darüber, was als angemessen und genehm anerkannt wird. Diese wiederum nehmen Einfluss darauf, wie das Individuum den Themenbereich der Nachhaltigkeit wahrnimmt. Sie beeinflussen weiter, wie es sich selbst einschätzt und welche Annahmen es darüber trifft, wie das eigene Verhalten von den Anderen bewertet wird. Entscheidend hierbei ist auch, ob das eigene Verhalten überhaupt als für andere sichtbar eingestuft wird. Wenn sich das Individuum beispielsweise als Mitglied einer ökologisch agierenden Gruppe sieht, hat dies einen starken Einfluss auf seine Entscheidungen und Handlungen bzgl. Umweltverträglichkeit. (Ebd., 24f) 2. Routinen (Habits): Auch die Bildung individueller Verhaltensweisen hin zu einem nachhaltigeren Konsum wird durch das soziale Umfeld zumindest mit beeinflusst. Entscheidend für die Neubildung eines Verhaltens oder auch die Verhaltensänderung ist, welche Anreize eine Person von der Außenwelt erfährt, ob und welches Feedback gegeben wird, oder aber, ob ein Verhalten Strafen nach sich ziehen könnte. Ist eine Verhaltensweise einmal gebildet und durch vielfaches Wiederholen gefestigt, dann steigt damit der Aufwand, den es benötigt, um dieses Verhalten abzuändern. Auch die Beeinflussung von außen wirkt weniger stark, je eingeübter ein Verhalten ist. Daher ist es wichtig, dass etwaige Interventionen über einen längeren Zeitraum erfolgen und in einer klaren Weise instruiert werden. (Ebd., 25ff) 3. Das Individuelle Selbst beinhaltet meist ein im Laufe des Lebens gebildetes Selbstkonzept, also ein Bild von sich selbst, welches die meisten Menschen als konsistent wahrnehmen wollen, und eine Selbstwirksamkeit, also eine persönliche Überzeugung, dass man mit einem bewusst gewählten Verhalten den angestrebten Effekt erzielen kann. Hierbei sind individuelle Unterschiede entscheidend: Wer sich beispielsweise grundsätzlich verbunden mit der Natur 14 fühlt, neigt auch dazu sich um diese zu sorgen und dementsprechend eher nachhaltig zu agieren. (Ebd., 27f) 4. Auch die eigenen Gefühle (Feelings) und die individuelle Wahrnehmung der Umwelt beeinflussen, inwieweit ein Mensch einer etwaigen Verhaltensänderung gegenübersteht. Beide Bereiche werden in der Studie gemeinsam betrachtet, weil ein bestimmtes Verhalten immer entweder aus einer emotionalen oder, auf der anderen Seite, einer kognitiven Herangehensweise entschieden würde. Diese Abgrenzung sei von höchster Relevanz, wenn es darum gehe, wie das Individuum auf Informationen zu Nachhaltigkeitsthemen reagiere. (Ebd., 28ff): o Auf emotionaler Basis könnten einerseits negative Gefühle, wie Angst, Schuld oder Traurigkeit, das Verhalten beeinflussen. Dem gegenüber stünden Optimismus, Verbundenheit, Empathie, Stolz und Hoffnung etc. Insgesamt entwickelte eine Ansprache positiver Gefühle eine stärkere Triebkraft hin zu einem nachhaltigeren Verhalten als eine Ansprache negativer Gefühle. o Auf kognitiver Ebene stünden Wissenslücken als eine der Hauptursachen für negatives Verhalten, zusammengesetzt aus einem Mangel gegebene Informationen zu verstehen, wenn diese nur kurzzeitig auf die Individuen einwirken können, in Kombination mit einer generellen Informationsflut und daraus resultierender Verwirrung. 5. Greifbarkeit (Tangibility), als Gegenstück zur Abstraktheit, ist dann gegeben, wenn die Resultate des eigenen oder kollektiven Handelns sichtbar werden, sodass das Individuum das Ausmaß des eigenen Verhaltens versteht und abschätzen kann. Um diese Einflussnahme für den Konsumenten greifbarer zu machen wird empfohlen, mit veranschaulichenden Beispielen und in einer bildhaften Kommunikation den Fokus auch auf künftige Generationen zu legen und außerdem das Empfinden immaterieller Werte zu stärken. Hilfreich sei außerdem, globale Umweltprobleme auf regionale oder lokale Phänomene herunter zu brechen und beispielswiese selbst erfahrbare Erlebnisse in den Fokus zu nehmen. (Ebd., 30f) Neben diesen fünf psychologischen Faktoren wurden fünf Hindernisse identifiziert, welche sich einer etwaigen individuellen Verhaltensänderung in den Weg stellen können: 1. Abgleich mit Anderen: Während ein nachhaltigeres individuelles Verhalten oftmals mit einem persönlichen Mehraufwand gleichgesetzt werde, resultierten solche Verhaltensweisen in der Regel in gesamtgesellschaftlichem, anstelle von 15 persönlichem, Nutzen. Um einem derartig empfundenen persönlichen Nachteil zu begegnen gelte es eine veränderte Perspektive, weg vom materiellen Wert und hin zu einem symbolischen Wert, zu propagieren. Auch die Verlinkung nachhaltiger Optionen mit Vorbildern aus der Öffentlichkeit scheine fruchtbar in diesem Zusammenhang. (Ebd., 31ff) 2. Langfristiger Zeithorizont: Die zweite Schwierigkeit bei der Etablierung eines nachhaltigeren Handelns sei eine meist lange Dauer bis sich daraus ergebende, positive Resultate sichtbar würden. Dies führte zu einer Art Selbstregulierungsdilemma bei den Konsumenten. Wenn sich Ergebnisse des eigenen Verhaltens erst in weit entfernter Zukunft zeigten und unter Umständen nicht einmal vom Individuum selbst beobachtbar wären, dann bräuchte es eine große Selbstkontrolle, ein solch langfristig ausgerichtetes Verhalten auch auf lange Sicht aufrechtzuerhalten. Des Weiteren hat sich aber auch gezeigt, dass Verhaltensweisen, mit denen man anderen helfen kann, einen direkten, sog. „warm glow“-Effekt (engl. warmes Leuchten) hervorriefen (GIEBELHAUSEN et al. 2016), welcher dazu führen könne, dass man anderen helfen wollte, ohne einen direkten Nutzen davon zu erzielen. Ähnlich wirke, einen Perspektivwechsel hin zu zukünftigen Generationen, wie beispielsweise den Urenkeln, vorzunehmen. Insgesamt scheine eine Mischung aus kurz- und langfristig wirkenden Tools als zielführend. (SHIFT et al. 2019, 33f) 3. Vorausgesetztes kollektives Handeln: Manch positiver Umwelteinfluss bedürfe des kollektiven Verhaltens einer größeren Gruppe von Menschen. Obwohl einerseits durch eine Betonung des kollektiven Einflusses auch das Problem der gemeinsamen Handlung à la: ‚Da macht doch niemals jeder mit! Dann kann das nicht funktionieren!‘ hervorgehoben wird, kann es andererseits auch das wahrgenommene Ausmaß der kollektiven Handlung bekräftigen. Eine Greifbarmachung solcher kollektiven Handlungsansätze in Form von Bildersprache und Analogien (z.B. ein Müllberg der Größe des Reichstags) könne Abhilfe schaffen. (Ebd., 34f) 4. Automatisiertes Verhalten: Aufgrund der individuellen Bildung von Routinen (Habits) über Jahre hinweg kann die Notwendigkeit entstehen solch angelernte und automatisierte Verhaltensweisen mit kontrolliertem Verhalten zu ersetzen, um insgesamt nachhaltiger zu agieren. Dabei bestehe die Schwierigkeit darin, sich eine neue Mentalität anzueignen, um das Verhalten tatsächlich dauerhaft abzuändern. (Ebd., 35) 16 5. Abstraktheit: Wie oben bereits erwähnt können positive Ergebnisse eines nachhaltigeren Verhaltens in ferner Zukunft liegen, andere können grundsätzlich in ihrem Ergebnis unsicher sein, und werden dadurch für den Konsumenten nur schwer greifbar, was sich wiederum in einer Demotivation oder gar einem Gefühl der Hoffnungslosigkeit äußern kann. Gerade bei Unsicherheiten könne es unterstützen, den sozialen Einfluss der eigenen Handlungen besonders hervorzuheben, und außerdem kleine, konkrete Erfolge zu feiern, die bisheriges nachhaltiges Verhalten mit sich gebracht hat. (Ebd., 35f) Sowohl den fünf psychologischen Faktoren als auch den fünf Hindernissen könne, je nach Gegebenheit, eine unterschiedlich starke Bedeutung beigemessen werden, sodass stets situationsabhängig geurteilt werden müsse, welche Konstellation vorliege, und wie bestmöglich und mit Hilfe der SHIFT-Erkenntnisse agiert werden könne. Bisher wurden die Faktoren anhand der Verhaltensänderung nur in Bezug auf Nachhaltigkeitsthemen untersucht. Es wird jedoch dazu aufgerufen, das Modell auch in andere Bereiche der individuellen Verhaltensänderung bzw. einer fruchtenden Aufforderung dazu zu tragen. Insgesamt sollte mit Hilfe des SHIFT-Ansatzes die Lücke zwischen Einstellung und tatsächlichem Verhalten gemindert und im besten Fall ganz geschlossen werden. (Ebd., 36ff) 3.4 Theorien zur Online-Lehre Nicht erst durch die pandemiebedingten Einschränkungen der vergangenen zwei Jahre und einen damit einhergehenden Anpassungsdruck, insbesondere auch bzgl. der Nutzung des Digitalen, werden Online-Möglichkeiten des Lernens und Lehrens zunehmend genutzt und fortlaufend erweitert, argumentiert LAUER (2020, 77f). Die Vor- und Nachteile des digitalen Lernens seien jedoch weiterhin umstritten: „Computer und Internet können die soziale Welt nicht ersetzen, aber sie können sie unterstützen, ja verstärken. Die Facebook-Lerngruppe gehört zu den sinnvollen Verstärkungen des Lernens ebenso hinzu, wie eine Augmented Reality, die leibhaft vor Augen und Ohren führt, wie beeindruckend elegant sich Grauwale bewegen und miteinander kommunizieren, ohne dass deren Lebenswelt zur direkt erfahrbaren Welt der Kinder gehören muss. (…) sind digitale Medien sehr gut geeignet, mehr über die Welt, ihre Tatsachen und deren Zusammenhänge zu lernen. Das hängt mit einer Eigenschaft des 17 Digitalen zusammen. Sie macht Lernen sichtbarer, also gerade nicht leichter, sondern herausfordernder.“ (ebd., 82) Folgend argumentiert LAUER, dass die geradezu unbegrenzten Möglichkeiten des Online-Lernens und der Inhalte eine Unübersichtlichkeit verursachten, gerade für diejenigen, die sich mit selbstorganisiertem Lernen schwertäten. Um allen, unabhängig vom bisherigen individuellen Bildungsstand und zuvor gesammelten Erfahrungen mit der digitalen Welt, einen Einstieg in die Online-Lehre zu ermöglichen, bedürfe es einer Lern- Ermutigung, die bereits vor der Nutzung des Digitalen Lernangebotes starte, sowie der Errichtung eines Gerüstes, welches Zugänge schaffe und Lernunterstützung biete. Dabei bezieht sich LAUER auf das theoretische Konstrukt des Scaffolding (engl. Gerüst) von WOOD et al. (1976), wonach einem Schüler nur in genau den Teilaspekten einer Problemlösung unter die Arme gegriffen werden solle, die er ohne Zutun sicher nicht alleine meistern könnte. Darüber hinaus müsse auch eine starke institutionelle Stütze gegeben sein, sodass das Lernen in einem verlässlichen und skalierbaren Rahmen stattfinden könne, wie es bei Universitäten der Fall sei. Problematisch sei jedoch der Aufwand, eine derartige umfangreiche Infrastruktur aufzubauen und langfristig in Stand zu halten. Die Idee einer flachen und selbstbestimmten digitalen Lernumwelt bewertet er dagegen als naiv. (Vgl. LAUER, 1976, 82ff) Im Kontrast dazu nahmen sich GAUS & MILLER (2013) in ihrer Studie einer genau bestimmten Lernumwelt an: Für ein zum Klimaschutz aufklärendes Informationsportal in Form einer klassischen, frei zugänglichen Website wurden die Wirkungseffekte auf die Verhaltensintentionen der Besucher untersucht. Aufgrund einer durchschnittlich kurzen Verweildauer wurde ein direkter Einfluss auf das tatsächliche Verhalten als eher unwahrscheinlich eingestuft (ebd., 39). Stattdessen sollte der Besuch „vielmehr auch für Verbraucher mit einer hohen Themenrelevanz interessant sein, damit diese in ihren Ansichten bestätigt werden und ihr Verhalten entweder weiterhin klimafreundlich gestalten oder es zukünftig sogar noch stärker am Klimaschutz ausrichten werden“ (ebd., 55). Als erfolgversprechendste Faktoren einer derartigen Website summierten sie: - Große Erklärungskraft der Inhalte - Qualitativ hochwertige Vermittlungsformen - Verständliche Darstellungsformen Des Weiteren könnten durch die Erzeugung von Flow-Erlebnissen beim Besuch der Website positive Emotionen gestärkt und dadurch gewünschte Lern- und 18 Aufklärungseffekte gefördert werden. Insbesondere in den Bereichen Portaldesign und Attraktivität, Benutzerfreundlichkeit und Integration interaktiver Elemente könne unterstützend Einfluss genommen werden. (Vgl. ebd., 55) In der Frage, wie digitale Transformationen in der Bildungslandschaft aussehen sollten, kommen HEIDER-LANG & MERKERT (2019) zu dem Schluss, dass standardisierte Konzepte wenig erfolgsversprechend seien, und insbesondere im schulischen Umfeld eine Mischung aus digitalen und analogen Lerntools am zielführendsten erscheine (ebd. 13ff). 4. Empirischer Teil Dieses Kapitel beschreibt zuerst die angewandte Methodik im Detail. Folgend werden gesammelte Daten dargestellt und ausgewertet. Die Ergebnisse werden dann in Bezug auf die zentrale Fragestellung und unter Zuhilfenahme der Erkenntnisse aus dem theoretischen Rahmen interpretiert. Zuletzt wird die methodische Vorgehensweise insgesamt reflektiert. 4.1 Methodisches Vorgehen Das methodische Vorgehen beschreibt alle zur Beantwortung der Forschungsfrage durchlaufenen Forschungs- und Analyseschritte. Es beginnt mit der Auswahl und Begründung der Erhebungsmethode, stellt die Versuchsgruppe vor und erläutert das auf Grundlage des Theoretischen Rahmens gebildete Analyseraster, welches letztendlich zur Auswertung der gesammelten Daten verwendet wurde. Erhebungsmethode und Untersuchungsinstrument Zur Ergründung der Forschungsfrage, inwiefern ein umsichtiges Verhalten in Bezug auf Nachhaltigkeits- und Sicherheitsaspekte beim Tauchen digital gefördert werden könne, wurde beschlossen, dass die Taucher selbst in Bezug zu der Taucherwelt, in der sie sich bewegen, ausführlich befragt werden sollten. Um in einer möglichst offenen Erhebungsmethode den Input jedes einzelnen Probanden in den Mittelpunkt zu stellen, fußte die Erhebung auf den Grundsätzen der qualitativ-rekonstruktiven Sozialforschung. Durch ihre Methodik wurde angestrebt „neue Phänomene und Hypothesen zu entdecken und auf dieser Grundlage neue Theorien zu entwickeln.“ (VOGT & WERNER 2014, 4) 19 Es wurden leitfadengestützte Experteninterviews und eine Auswertung dieser im Sinne der qualitativen Inhaltsanalyse nach MAYRING (2015) durchgeführt. Forschungsmethodologisch wird diese Analyseart der qualitativen Sozialforschung zugeordnet, worin das Leitfadeninterview einen gering standardisierten Erhebungsrahmen bietet (GLÄSER & LAUDEL 2010). Die qualitative Inhaltsanalyse macht sich außerdem Werkzeuge der quantitativen Forschung zunutze, sodass ein Methodenmix entstehen kann, mit Hilfe dessen eine möglichst starke Validität der Ergebnisse angestrebt wird (vgl. VOGT & WERNER 2014, 4). Während in der Anfangsphase der Sozialwissenschaftlichen Forschungsmethodologie noch eine Orientierung, entweder in rein qualitative oder rein quantitative Instrumente, die Norm bildete, entwickelte sich in den vergangenen 35 Jahren eine Zuwendung zu gemischten Forschungsweisen (MAYRING & GLÄSER-ZIRKUDA 2008, 7f). In Bezug auf die Tauch-Experteninterviews wurde den Grundzügen der Quantifizierbarkeit dadurch Rechnung getragen, dass Interviewleitfaden und Kategoriensystem einen vereinheitlichten Orientierungsrahmen bildeten. Zu Beginn dieser Thesis erfolgte die Literaturrecherche, aus welcher unter anderem die Auswahl der in Kapitel 3. Theoretischer Rahmen vorgestellten Theorien und Modelle hervorgingen. Unter Einsatz dieser Auswahl wurden im nächsten Schritt deduktiv, und nach den Regeln der qualitativen Inhaltsanalyse (MAYRING 2015), Kategorien und Subkategorien möglicher (Teil-)Untersuchungsgegenstände gebildet, von denen die Autorin annahm, dass sie von besonderem Interesse zur Beantwortung der Forschungsfrage sein könnten. Nachdem dieser erste deduktive Kategorienkatalog erstellt war, wurde der Interviewleitfaden erstellt, wobei sich die Autorin neben der Forschungsfrage und der Theorie- und Modellauswahl auch an den neu gebildeten Kategorien orientiert hat. Der Interviewleitfaden sollte durch seinen Aufbau einen möglichst flüssigen, und damit natürlichen, Gesprächsverlauf ermöglichen. Zusammengesetzt wurde dieser aus Leitfragen bzw. Erzählimpulsen, welche allen Probanden gestellt wurden, und Steuerungsfragen sowie Gesprächsaufrechterhaltungsfragen, welche dann eingestreut wurden, wenn ein Proband bei einer Leitfrage abschweifte oder schlichtweg zu knapp antwortete – in Anbetracht der Bedeutungsschwere des genannten Aspekts. In der Memospalte wurde festgelegt, auf welche der induktiven Kategorien Bezug genommen werden sollte bzw. was die Interviewerin erwartete, in welche Richtung die Antworten der Tauchexperten gehen würden. 20 Der fertige Interviewleitfaden teilt sich nach dem Schema der Akzeptanzmodelle in die drei Teilbereiche Subjekt, Kontext und Objekt sowie einer Einleitungsphase auf und findet sich in seiner Gänze im Anhang 6.1 Interviewleitfaden. Die einzelnen Teilbereiche hatten zum Ziel: a) Einleitend – Gewöhnung an Interviewsituation; Vorstellung des Probanden und seines eigenen Bezugs zum Tauchen b) Subjekt – Informationen zu den Tauchern (sowohl Proband als auch Taucher allgemein): Vorlieben, Eigenheiten und Verhaltensweisen der Taucher sowie Tauchinstanzen c) Kontext – Informationen zu digitaler Taucherwelt, Kommunikationskanälen, Fachbereichen und deren Darstellung d) Objekt – Informationen zu konkreter Nutzung und Wirkungsweise spezifischer digitaler Werkzeuge Tabelle 1 zeigt exemplarisch einen Ausschnitt des Interviewleitfadens, welcher insgesamt zwölf Leitfragen enthält und sich in zuvor genannte Bereiche gliedert: Nr. Leitfrage/Erzählimpuls Memo Steuerungsfrage c) Kommunikation und Kanäle - KONTEXT 7 Nun kommen wir zum Thema Kommunikation im digitalen Zeitalter: Über welche Kanäle erreichst du mit deinen Aktivitäten rund ums Tauchen andere Taucher? Kanal, Ansprache 7a) Was funktioniert besonders gut in der digitalen Kommunikation? 7b) Gibt es Unterschiede in deiner Art zu kommunizieren, je nachdem wen genau du ansprechen willst? 7c) Welche digitalen Plattformen und sozialen Netzwerke nutzt du zur Kommunikation mit anderen Tauchern? 8 Welche auf das Tauchen bezogenen Fachbereiche und Inhalte wecken dein Interesse? Wahrgenommener Nutzen, Design und Stil 8a) Wie müssen digitale Inhalte präsentiert sein, damit du ihnen tatsächlich deine ganze Aufmerksamkeit zuwendest? 8b) Wie gehst du bei der online- Suche nach tauchspezifischen Inhalten vor? Tabelle 1: Interviewleitfaden, Ausschnitt 21 Stichprobenbeschreibung und Datenerhebung Die Interviewteilnahme war freiwillig. Die zehn dafür gewonnenen Probanden verfügen allesamt über mehrjährige Taucherfahrungen in diversen Tauchdestinationen weltweit. Sie sind versierte Taucher – zum großen Teil sowohl mit als auch ohne Tauchgerät – und erfahrene Unterwasser-(UW-)Guides, Tauchausbilder und -trainer sowie UW- Journalisten. Drei der Befragten gehen hauptberuflich einer tauchfremden Tätigkeit nach und arbeiten nebenher und auf selbstständiger Basis als Tauchlehrer und -trainer. Für die anderen sieben Probanden ist das Tauchen Teil des Arbeitsalltags, überwiegend auf selbstständiger Basis. Das Durchschnittsalter beträgt 44,5 Jahre, die Altersspanne reicht von 34 bis 55 Jahren. Alle Interviews fanden in deutscher Sprache statt, die Probanden kamen allesamt aus der DACH-Region. Die Taucherfahrung aus Kundensicht im Apnoe- und Gerätetauchen sowie eine Expertise in mindestens einem der beiden Tauchbereiche, auch aus Anbietersicht, bildeten die Auswahlkriterien in der Suche nach Probanden. Drei der Taucher kannte die Interviewerin entfernt persönlich aus vergangenen Trainings, die sie bei oder gemeinsam mit den Tauchern absolviert hatte. Während der erste Pre-Test mit einem früheren Tauchbuddy und der zweite Pre-Test mit einem Mitglied aus dem Tauchverein, in dem die Autorin zur Zeit der Befragung tauchte, durchgeführt wurden, bildete ein regelmäßigerer Kontakt für die zehn Interviews ein weiteres Ausschlusskriterium, um dem Gütekriterium der Objektivität möglichst gerecht zu werden. Zwar variiert die Tauchexpertise der Probanden zwischen den Bereichen Tauchausbildung, Gruppenführung und Journalismus sowie der Bezug auf Sicherheits- und Nachhaltigkeitsaspekte durchaus, dennoch verbindet sie alle die Erfahrung mit vielen unterschiedlichen Menschen unter Wasser und somit die Beobachtung, wie sich diese beim Tauchen verhalten. Des Weiteren sind ihre eigenen Erfahrungen und Vorlieben in der Nutzung digitaler Anwendungen zum Thema Tauchen von großem Interesse in der Frage, welche digitalen Anwendungen sich tatsächlich in der Lebenswelt der Taucher etabliert haben. Insbesondere die Aussagen zur Nutzung digitaler Angebote, die im Zusammenhang mit dem individuellen Tauchverhalten stehen, konnten dazu beitragen herauszufinden, inwiefern ein umsichtiges Tauchverhalten digital angeregt werden könnte. Tabelle 2 zeigt die Basisdaten der Interviewten. Bei Probanden, die sich entweder auf das Apnoe- oder das Gerätetauchen spezialisiert haben, ist dies explizit erwähnt. Für 22 Probanden, die in beiden Bereichen aktiv sind, wurde keine weitere Kennzeichnung vorgenommen. Nr. Berufsfeld Tauchen Hauptberufliche Branche Alter I1 Ausbildung, Training, Reisen, Events (selbstständig) Tauchsport 45 I2 UW-Journalismus, UW-Fotografie (selbstständig) Tauchsport 34 I3 Ausbildung & Training im Tauchcenter Tauchsport 54 I4 Geschäftsführung Tauchcenter Tauchsport 39 I5 Apnoetauchen: Ausbildung, Training (selbstständig) Medizin 41 I6 Apnoetauchen: Training, Reisen, Online-Kurse Tauchsport & Mentaltraining 36 I7 Apnoetauchen: Ausbildung, Training, Seminare, Entspannungstechniken Tauchsport & Meditation 46 I8 Gerätetauchen: Ausbildung, Training Informationstechnologie 46 I9 Ausbildung, Training Marktforschung 49 I10 Gerätetauchen: UW-Journalismus Tauchsport 55 Tabelle 2: Daten Interviewpartner Die Datenerhebung fand im Zeitraum vom vierten bis zum 30. November 2021 statt. Im Abstand von je einer Woche wurden zuvor zwei Pre-Tests durchgeführt, um den theoretisch gebildeten Interviewleitfaden zu testen und außerdem das Interviewen selbst zu üben. Das direkte Feedback der zwei Pre-Test-Probanden wurde erbeten, Interviewleitfaden und Art des Interviewens entsprechend angepasst. Sowohl die Pre-Tests, als auch die tatsächlichen Interviews wurden als Video-Anrufe durchgeführt. Die Wahl des jeweiligen Tools wurde den Nutzungsgewohnheiten der Probanden angepasst. Letztendlich wurden die Dienste Microsoft Teams, Skype, Google Meet und Zoom verwendet. Die Aufzeichnung erfolgte von Seiten der Interviewerin, und nach zuvor eingeholtem Einverständnis der Probanden, über die Software Vidmore Screen Recorder. Nach einer kurzen Vorstellung durch die Interviewerin sowie einem Technik-Check wurden alle Probanden nach dem Schema des finalen Interviewleitfadens befragt. Die durchschnittliche Aufzeichnungsdauer der Interviews (exklusive der Pre-Test, welche längere Nachbesprechungen beinhalteten) betrug 45,9 Minuten. Die ersten beiden Interviews bildeten die zeitlichen Ausreißer: Während das erste Interview 54 Minuten dauerte, war das zweite Interview nach 39 Minuten beendet. Die Aufnahme wurde erst nach Einleitung der Interviewerin und Einverständnis der Probanden gestartet. Zuvor wurden sie über das rahmengebende Masterstudium der Interviewerin, das grobe Forschungsfeld der Masterarbeit, die Art der Durchführung und 23 Dauer des Interviews, die Aufnahme sowie die Anonymisierung ihrer persönlichen Daten informiert. Genannte Vorabinformationen finden sich im Anhang unter 7.1 Interviewleitfaden. Datenauswertung Die Datenauswertung wurde nach den Regeln der bereits erwähnten qualitativen Inhaltsanalyse nach MAYRING (2015) vorgenommen, welche ein „besonderes Augenmerk auf die Kategorienkonstruktion und –begründung“ (ebd., 51) legt. Dabei soll dennoch der Gegenstand selbst anstelle der Technik im Vordergrund stehen (vgl. ebd., 52). Da es sich bei den erhobenen Daten um gesprochene Interviews handelte, erfolgte zunächst eine Transkription des Materials. Diese wurde nach Vorbild des Transkriptionsmodells von KUCKARTZ (2008, 27) vorgenommen: Es wurde wörtlich unter leichter Glättung der Sprache und Interpunktion transkribiert, längere Pausen wurden durch „(…)“ und besonders betonte Wörter durch Unterstreichung gekennzeichnet. Auch Lautäußerungen, wie beispielsweise ein Lachen, wurden in Klammern notiert. Für die spätere Analyse wurden die Analyseeinheiten so festgelegt, dass ein kodierter Abschnitt mindestens einen Hauptsatz umfassen muss und mehrere aneinanderhängende Absätze umfassen darf. So gewonnene Sinneinheiten wurden auf ihre, in Bezug auf das Forschungsvorhaben, wesentlichen Inhalte reduziert, paraphrasiert, generalisiert und zum Schluss in Hinblick auf ihre Kernaussagen gebündelt. Anhand dieser Kernaussagenbündel wurden die deduktiv gebildeten Kategorien in mehreren Durchläufen überarbeitet. Die deduktiven Kategorien ergaben sich wie folgt aus der Theorie: 1. Das Kommunikationsmodell nach SHANNON und WEAVER (1964) beschreibt einen Kanal (Oberkategorie (OK) 4) über den Sender und Empfänger miteinander kommunizieren sowie Kommunikationsprobleme, welche im Prozess der Botschaftsübermittlung auftreten können. In dieser Thesis wurde daher ein besonderes Augenmerk auf eine geeignete Ansprache (OK 5) gelegt. 2. In der Theorie der Akzeptanzfaktoren werden Einflüsse aus der Umwelt genannt, die je nach Forschungsinteresse stark voneinander variieren können. In dieser Thesis sind der Soziale Einfluss (OK 3), und darunter insbesondere der direkte Einfluss des Tauchteams vor Ort (UK 3.1) sowie der Organisationale Einfluss der (Tauch-) Instanzen (UK 3.2) von besonderer Bedeutung. In Bezug auf das Objekt 24 finden sich in der Literatur auch häufig die Themen Design und Stil (vgl. SCHNELL 2009), welche hier die OK 7 formen. Speziell aus dem Technologieakzeptanzmodell wurden die Kategorien Wahrgenommener Nutzen digitaler Inhalte (OK 6) und Wahrgenommene Bedienbarkeit (OK 8) abgeleitet. 3. Auch das SHIFT-Modell beschreibt den Faktor Sozialer Einfluss (OK 3) und außerdem Routinen und Verhaltensweisen, woraus OK 2 Verhalten abgeleitet wurde. Der SHIFT-Faktor der Greifbarkeit findet sich in der Art der Ansprache (OK 5) wieder, welche bereits im Kontext des Kommunikationsmodells bedacht wurde. Die OK 1 Interessen und Neigungen, welche in der ersten Version, vor den Materialdurchläufen, noch den Namen „Individuum“ trug, leitete sich aus gleichnamigem SHIFT-Faktor ab. 4. Im Bereich der Online-Lehre wird insbesondere zwischen den Bereichen des Selbstorganisierten Lernens (UK 6.2) und, im Kontrast dazu, der klassischen Ausbildungstheorie (UK 6.1) unterschieden, aus denen die Unterkategorien für den wahrgenommenen Nutzen digitaler Inhalte (OK 6) geformt wurden. 5. Die weitere Operationalisierung und Untergliederung der OK 2 Verhalten in UK 2.1 Sicherheitsrelevantes Verhalten und UK 2.2 Umgang mit der Natur erfolgte als logische Ableitung aus der Forschungsfrage direkt. UK 6.3 Digitale Tauchgangsplanung bildet einen gänzlich neuen und noch nicht zuvor über die Theorie hergeleiteten Aspekt, und damit die einzige rein induktive Kategorie. Auf die Relevanz des Themas Tauchgangsplanung wird im späteren Verlauf der Thesis erläuternd Bezug genommen. Tabelle 3 zeigt den direkten Theoriebezug der Kategorien: Kategorie Ursprung OK 1 Interessen und Neigungen SHIFT-Faktor: Individuum OK 2 Verhalten SHIFT-Faktor: Routinen und Verhaltensweisen UK 2.1 Sicherheitsrelevantes Verhalten UK 2.2 Umgang mit Natur Zentrale Forschungsfrage OK 3 Sozialer Einfluss UK 3.1 Einfluss des Tauchteams vor Ort UK 3.2 Organisationaler Einfluss der (Tauch-)Instanzen Akzeptanzmodelle; SHIFT-Faktor: Sozialer Einfluss OK 4 Kanal Kommunikationsmodell OK 5 Ansprache Kommunikationsmodell; SHIFT-Faktor: Greifbarkeit 25 OK 6 Wahrgenommener Nutzen digitaler Inhalte Technologieakzeptanzmodell (TAM) UK 6.1 Ausbildungstheorie UK 6.2 Selbstorganisiertes Lernen Online-Lehre UK 6.3 Digitale Tauchgangsplanung Induktiv gebildete Kategorie OK 7 Design und Stil Akzeptanzmodelle OK 8 Wahrgenommene Bedienbarkeit Technologieakzeptanzmodell (TAM) Tabelle 3: Ursprung deduktiver Kategorien Insgesamt ist also ein Kategoriensystem mit acht Oberkategorien entstanden, welche sich in drei Fällen in zwei bzw. drei Unterkategorien aufgliedern. Die vollständige Kategoriendefinition inkl. Ankerbeispielen und, wo nötig, separierenden Codierregeln findet sich im Anhang 6.2 Definition Kategoriensystem. Einen Ausschnitt dieses Systems zeigt Tabelle 4: Kategorie Definition Ankerbeispiel Codierregel OK 3 Sozialer Einfluss Normen und Wertevorstellungen, Gruppenzugehörigkeiten etc. innerhalb und außerhalb der Tauchergemeinschaft Das ist individuell ganz unterschiedlich. Da sucht sich jeder seine eigenen Vorbilder, sei das jetzt der Tauchlehrer oder der Star- Apnoetaucher oder irgendein Naturfilmer oder so. Also da hat jeder so seine eigenen Heroes. UK 3.1 Direkter Einfluss des Tauch- teams vor Ort Vorbildfunktionen und Einflussnahme auf das individuelle Tauchverhalten von Seiten der Basen, Guides, Buddies und weiterer Taucher; Art des Umgangs und Kommunikation untereinander; zwischenmenschliche Aspekte, die vor Ort das taucherische Verhalten direkt beeinflussen Also diesen Vorbildcharakter darf man überhaupt nicht unterschätzen. Man muss als Tauchlehrer oder als Diveguide sich umso mehr an diese ganzen Verhaltensregeln halten. 26 Der gesamte Auswertungsprozess inklusive aller Überarbeitungsschleifen wurde unter Anwendung der Software MAXDA 2020 durchgeführt, welche die qualitative und Mixed- Methods Datenanalyse unterstützt und sich in ihrem Ansatz der Transkription an MAYRING (2015) orientiert. Das gesamte, mit Textstellen gefüllte, Kategoriensystem findet sich im Anhang 6.3 Anwendung Kategoriensystem. 4.2 Ergebnisdarstellung und Auswertung Im Folgenden werden die über die qualitative Inhaltsanalyse ermittelten Ergebnisse aus den Befragungen kategorienweise ausgewertet. Die meisten Aussagen ließen sich klar einer Kategorie zuordnen. Nur in vereinzelten Fällen tauchte eine codierte Analyseeinheit in zwei Kategorien auf. Die Ergebnisdarstellung erfolgt in der Reihenfolge des Kategoriensystems. OK 1 – Interessen und Neigungen Die Tauchergemeinschaft scheint grundsätzlich zu einen, dass das Wasser und die UW- Welt eine besondere Faszination auf sie ausüben, die sie abseits des Alltags erleben wollen: „der Explorationsgedanke ist bei allen so ein bisschen vorhanden, dass man irgendwas sich anschaut, was man nicht im Alltag ständig hat.“ (I2, 97-98). Jedoch werden auch große Interessensunterschiede deutlich, welche zwischen den Taucharten, den einzelnen Disziplinen und zum Teil sogar innerhalb der Disziplinen sichtbar werden: „Es ist wirklich sehr, sehr unterschiedlich, was die Taucher sehen wollen, was sie mögen.“ (I10, 225-226). Insgesamt berichten die Experten bei den Apnoetauchern eher, UK 3.2 Organi- sationaler Einfluss der (Tauch-) Instanzen Art der Ausbildungs-, Trainings- und Aktivitätsorganisation, Reglementierungen und weitere Wirkbereiche, der Tauchverbände, -vereine, Tourismusorganisationen, Landesregierungen etc., welche den Tauchsport direkt und somit das individuelle Tauchverhalten indirekt beeinflussen Gut ist, dass die Verbände letztlich den Finger darauf haben und erklären, wie man taucht. Dementsprechend haben sie Tauchlehrer, die sagen: ‚Schau mal, so tauchst du.‘ Ja? Dadurch kommt irgendwann Nachhaltigkeit an den Endtaucher, da kommen Sicherheitsaspekte an den Endtaucher, da kommen Verhaltensregeln an den Endtaucher, all das ist gut. Ausge- nommen sind Tauchaktivi- täten, die unmittelbar in der Natur, also im Meer oder See, stattfinden. Diese fallen in UK 3.1 Tabelle 4: Definition Kategoriensystem, Ausschnitt 27 dass das Tauchen den Alltag beeinflusse, weil eine gewisse Grundfitness für einen gelingenden Tauchgang essentiell sei: „Essen, Trinken, Alkohol und Rauchen – das hat man deutlich weniger bei den Freedivern. Und auch natürlich so Sachen, wie Yoga, Stretching, Atemübungen, was der Gesundheit und der ganzen Entspannung ja zuträglich ist, das ist natürlich beim Freediving ein viel höheres Thema und das macht man auch oft nicht nur unmittelbar vor den Tauchgängen, sondern viele integrieren das dann auch allgemein in ihr Leben. Dass man mal ein bisschen achtsamer ist mit sich selbst, sich mal Zeit nimmt für sowas.“ (I1, 201-207). Unter den Freitauchern gibt es diejenigen, welche sich im Wettbewerb messen wollen und/oder solche, die insbesondere die Entspannung und das bei-sich-selbst-Ankommen schätzen. So berichtet einer der Interviewpartner beispielhaft von seiner Entwicklung: „Vorher habe ich Freitauchen schon so ein bisschen mehr als Wettkampfdisziplin gesehen, ohne explizit in Wettkämpfe zu gehen. Aber den Wettkampf mit mir selbst, im Sinne von: Mehr Meter ist besser.“ (I9, 25-27) und an späterer Stelle zu seinem derzeitigen Antrieb im Apnoetauchen: „Für mich ist das wirklich Bewegungsmeditation.“ (I9, 37-38). Bei den breitensportlichen Gerätetauchern wurde das gesellige, gemeinsame Tauchen und Erleben der UW-Welt als wichtigste Motivation beschrieben: „Aber so der normale 08/15-Gerätetaucher macht das zum Spaß an der Freude.“ (I8, 102-103). Im Gegensatz dazu scheint die Ausübung spezialisierter Gerätetauchdisziplinen mit abgestimmten Gasgemischen zielgerichteter für spezielle Erlebnisse: „Am liebsten sind mir Wracks. Da lebe ich für oder tauche ich für. Und das hat auch mit einen Grund, warum ich gewisse Ausbildungen danach noch gemacht habe, also gerade das Thema Mischgastauchen und so weiter, weil manche Wracks dann doch auch etwas tiefer liegen.“ (I8, 16-18). Ein durch die Einflüsse von Social Media vermuteter, gesteigerter Selbstdarstellungswunsch gehört zu den jüngeren Phänomenen, welche die Probanden beobachten: „Also, je mehr Instagram und Co. da auch eine Rolle spielen, da wollen sich die Leute ja selbst so darstellen.“ (I1, 242-243). OK 2 – Verhalten Die Kategorie des Verhaltens mit ihren Unterkategorien UK 2.1 Sicherheitsrelevantes Verhalten und UK 2.2 Umgang mit der Natur diente vorrangig der Feststellung, dass die Wahrnehmung der Befragten bzgl. des allgemeinen Taucherverhaltens sich mit den in Kapitel 2 Thematische Einführung zusammengestellten Erkenntnissen vorangegangener Untersuchungen deckt. Da einige Verhaltensweisen die Sicherheit und Nachhaltigkeit 28 des Tauchgangs gleichermaßen beeinflussen werden die Unterkategorien im Folgenden zu Teilen gemeinsam erläutert. Rein sicherheitsrelevante Belange hängen nach Einschätzung der Experten von drei Faktoren ab: Dem Partnerverhalten (bspw. einer gegenseitigen Rücksichtnahme oder dem Vorhandensein von Konkurrenzgehabe etc.), der Vorbereitung (Briefing, Equipment-Check, Absprachen, Beachtung der Verhältnisse vor Ort etc.) sowie dem persönlichen Empfinden am Tag des Tauchgangs (Übelkeit durch Bootsfahrt, Dehydrierung, Schlafmangel etc.). Umweltschädigende Verhaltensweisen werden insbesondere bei Tauchern, die mit sich selbst und ihrem Equipment zu beschäftigt sind, beobachtet: „Da hat man das natürlich täglich, dass jemand das Riff oder einfach Korallen zerstört, weil er mit den Flossen da rein taucht. Oft ist das natürlich nicht böser Wille, sondern Unvermögen, also taucherisches Unvermögen, dass jemand nicht ordentlich tarieren kann oder eine schlechte Wasserlage hat, und deshalb Korallen zerstört.“ (I4, 181-185) Auch große Massen an Tauchern werden als Faktor genannt, weswegen die Umwelt Schäden davontragen kann: „Das war auch der Grund weswegen ich auch niemals Gerätetauch-Instructor werden würde, weil man dann einfach sieht, in irgendwelchen Tauchrevieren wo nur die Massen zu Reihen durchgeschleppt werden, die dann irgendwie die Korallen abtreten, weil sie nicht richtig tarieren können, weil sie kein Bewusstsein dafür haben – einfach diese Missachtung des Meeres, der Natur wo man ist, der fehlende Respekt. Das bringt mich total auf die Palme.“ (I5, 140-144). In Bezug auf beide Verhaltensbereiche werden ein mangelndes Bewusstsein über das eigene körperliche Befinden, die körperlichen Fähigkeiten sowie ein damit einhergehender Mangel an Bewusstsein über den Einfluss des eigenen Verhaltens auf Mittaucher und die Natur als Hauptfaktoren genannt. Sowohl sicherheits- als auch nachhaltigkeitsrelevante Belange werden hierdurch vernachlässigt. Im Bereich der digitalen Themen wird ein durch die Sozialen Medien geförderter Selbstdarstellungswusch genannt, welcher sich ebenfalls negativ auf das Tauchverhalten auswirken kann. Eine zur Kulisse degradierte UW-Welt erfahre weniger Respekt, das Desinteresse und damit einhergehendes fehlendes Wissen über diese andersartige Umgebung können riskante Situationen hervorrufen, in denen Sicherheit und Nachhaltigkeit des Tauchgangs nicht mehr gegeben sind: „Die meisten Taucher, die ich kenne, verstehen nicht oder wissen noch nicht mal welche Fische sie sehen.“ (I3, 192-193). 29 OK 3 – Sozialer Einfluss Der Soziale Einfluss beschreibt das Umfeld, in dem sich der Taucher befindet, und das ihn in Bezug auf sein Tauchverhalten potenziell beeinflussen kann. Neben dem privaten Umfeld, bestehend aus Freunden und Familie, kommt ein kulturelles und politisches Umfeld durch die Heimat und den Wohnort dazu. Gerade in den letzten Jahren nimmt außerdem die Bedeutung der sozialen Netzwerke stark zu: „Ja, das kippt tatsächlich mehr von der Selbstwahrnehmung und von dem Selbsterlebnis, dass man das macht, um andere Leute zu beeindrucken, vielleicht. Und sich selbst als tollen Hersteller, als tollen Taucher darzustellen. Das ist auf jeden Fall mit der Zunahme der sozialen Medien deutlich zu beobachten. Es ist ja auch so einfach jetzt geworden.“ (I1, 250-254). Wer oder was den Tauchern als Tauch-Vorbild dient scheint individuell unterschiedlich: „Da sucht sich jeder seine eigenen Vorbilder, sei das jetzt der Tauchlehrer oder der Star- Apnoetaucher oder irgendein Naturfilmer oder so. Also da hat jeder so seine eigenen Heroes.“ (I2, 168-170). Besondere Bedeutung wird den Instanzen zuteil, mit denen das Individuum in der Taucherwelt in Berührung kommt. Direkte Einflüsse beschreibt UK 3.1, indirekte und überregionale Einflüsse finden sich in UK 3.2. UK 3.1 – Tauchteam vor Ort Dass das direkte Umfeld der Taucher innerhalb des Aktivitätsbereichs den direktesten Einfluss auf das individuelle Tauchverhalten auswirkt, ist nicht überraschend. Die größte Einflussnahme geschieht dabei laut Probanden, in der Ausbildung durch den Ausbilder oder Trainer, kurz gefolgt von der Einflussnahme des Guides vor und während der Tauchgänge. Sowohl Ausbilder als auch Guide agieren im Interesse und nach der Philosophie des jeweiligen Vereins bzw. der Tauchbase. Einen weiteren direkten Einfluss übt die Tauchgruppe aus. Wenn diese über einen längeren Zeitraum besteht, dann wirkt sie beeinflussend auf die Tauchroutinen, wie beispielsweise die Häufigkeit der Tauchgänge und des Trainings. Zusammengewürfelte Tauchgruppen, etwa auf einer Tauchsafari, wirken dagegen situativ: „…und man möchte dann keine Spaßbremse sein, möchte auch den anderen den Tauchgang nicht versauen, und macht dann halt Dinge mit, für die man vielleicht gar nicht vorbereitet ist oder für die man nicht bereit ist.“ (I3, 213-215). 30 Einige Probanden betonen die Wichtigkeit, sich als erfahrenerer Taucher über die eigene Vorbildfunktion bewusst zu sein, sowohl in der Rolle des Trainers oder Guides, als auch in der Rolle des Tauchbuddys oder als Teil einer Tauchgruppe. Das Imitationslernen stelle einen nicht zu unterschätzenden Faktor auf das individuelle Taucherverhalten dar: „Na ja, das wird von anderen Tauchern natürlich beeinflusst, ganz klar, der Nachmacheffekt.“ (I10, 271-272). Rahmengebend und anleitend wirkt in erster Linie ein auf- und erklärendes Briefing, aber auch unmittelbares Feedback nach einem Tauchgang kann ein umsichtiges Tauchverhalten positiv beeinflussen. Sowohl Briefing als auch Feedback stehen direkt mit der Aktivität und dem individuellen Verhalten in Verbindung: „Und wo dieses prinzipielle Bewusstsein für die Natur herkommt, das weiß ich nicht. Aber ein Mittel, um es dann wenigstens ein bisschen zu mindern, sind sicherlich vorher Briefings: Wie funktioniert dieses Ökosystem, wovon hängt das ab und was ist unsere Rolle dabei?“ (I5, 159-162). Des Weiteren entscheidet die Crew auf dem Boot, wo und ob überhaupt getaucht wird. Sich das Tauchspot-spezifische Wissen der Locals einzuholen, ist für die Probanden selbstverständlich: „Du kannst dich nicht nur auf die digitalen Tools verlassen. Am besten ist es schon auch, mit den Leuten vor Ort – da kommt jetzt wieder das Team ins Spiel – die kennen das immer besser und die können dir immer besser sagen, wann welche Strömung und wann welche Welle herrscht.“ (I2, 324-327). UK 3.2 – Organisationaler Einfluss Überregional üben insbesondere die großen Tauchverbände Einfluss auf das individuelle Tauchverhalten aus. Zwar gibt es keine weltweit anerkannten Tauchgesetze, aber das, was die Verbände in ihren Ausbildungssystemen vermitteln, wird von vielen Tauchbasen und Vereinen als gesetzt verstanden. Die ‚Codes of Conduct‘ dienen somit als allgemeingültige Verhaltensregeln. Im Großen und Ganzen entsprechen sich die internationalen Tauchverbände in ihren Ausbildungsinhalten, kleine Unterschiede in der Schwerpunktsetzung und Wissensvermittlung bestehen dennoch. Während der Einfluss der Verbände also insbesondere indirekt über die Ausbilder wirkt, beeinflussen die Vereine, welche nach den Standards eines gewählten Verbandes agieren, das Tauchverhalten der Vereinsmitglieder direkt. Gleichzeitig wird jedoch ein Rückgang des Einflusses der Vereine berichtet, der sich auf die rückläufigen Vereinsmitgliedschaften bezieht. Heutzutage ist die Infrastruktur, beispielsweise für das Füllen von Pressluftflaschen, viel stärker ausgebaut als noch vor einigen Jahren. Gerätetaucher sind 31 daher weniger auf den Verein angewiesen, insbesondere dann, wenn sie lieber im Urlaub als dem heimischen See tauchen wollen. Neben den überregional wirkenden Verbänden stellt auch die Politik der verschiedenen Länder eine bedeutende indirekte Beeinflussung auf das individuelle Tauchverhalten dar. Proband I10 nennt hierzu beispielhaft den Haitourismus, welcher auf den Bahamas als wirksames Mittel gegen das Finning eingesetzt wird, sodass Haipopulationen direkt geschützt werden können: „Und angefangen hat es bei 70, jetzt sind es 140 Millionen, die der Haitourismus jedes Jahr bringt. Jetzt durch Corona natürlich ein bisschen weniger, aber die verdienen unheimlich viel daran und deshalb achten sie auch sehr drauf, die zu schützen.“ (I10, 408-411). An anderen Stellen wird aber auch beobachtet, dass es an Kooperationen und übergreifender Organisation mangele, um die Branche wirklich nachhaltiger zu gestalten: „Tauchen ist halt an sich eine sehr unprofessionelle Branche von den Strukturen her. Es gibt ja viele Verbände etc. Aber schlussendlich gibt es keinen zentralen Verband, wo sinnvolle Dinge gemacht werden, sondern jeder macht so seins. Und ich würde mir grundsätzlich wünschen, dass die ganze Branche mehr zusammenarbeitet und Forschungsergebnisse zusammenträgt, um die Leute aus der Branche auf aktuellem Stand zu halten.“ (I4, 470-474) OK 4 – Kanal In Bezug auf Kommunikationskanäle zeigt sich ein sehr großes Spektrum des durch die Experten Genutzten. Es wird mehrheitlich eine größere Auswahl an Kanälen genutzt, wobei sich ihre Nutzungsarten je nach Vorhaben stark unterscheiden: „Ja gut, da ich das jetzt schon ganz lange beruflich mache gibt es da viele Kanäle: Das sind Print-Magazine, das sind Online-Magazine und dann hauptsächlich die sozialen Netzwerke. Soziale Netzwerke heißt in meinem beruflichen Umfeld Facebook, Instagram, (…) die anderen nicht so stark, also zumindest nicht in der Tauchwelt. Ach doch, YouTube natürlich.“ (I2, 184-187). Wenn es darum geht, viele Taucher gleichzeitig zu erreichen, werden insbesondere die sozialen Medien als Plattform genutzt. Hierunter wurde Facebook zwar am häufigsten genannt, von mehreren Probanden jedoch bereits als abnehmend in der Bedeutung beschrieben. Dagegen stellt Instagram ein derzeitiges Standardtool dar, um der Community die eigenen Tauchaktivitäten näher zu bringen – vorzugsweise in Bildern und Kurzvideos. TikTok wurde nur einmal und als Medium der jüngeren Generationen genannt. Auf YouTube spielen die Interaktionsmöglichkeiten eine untergeordnete Rolle, 32 stattdessen wird es genutzt, um längere Videos, beispielsweise Dokumentationen, Tauchwettkämpfe oder Lernvideos, anzusehen. Proband I7 nennt explizit die Vorteile eines Bezahl-Accounts auf der Plattform Patreon, was dazu führe, dass sich spezifischere Interessengruppen zusammenfinden könnten: „Das alles habe ich eben früher als Werbung so immer auf Facebook und Instagram gemacht und ja, jetzt will ich einfach so eine kleinere Community, mit denen ich einfach so ein bisschen dichter kommuniziere.“ (I7, 301-303). Insgesamt werden die Möglichkeiten der sozialen Medien jedoch überwiegend als Mittel zum Zweck empfunden, um auf die eigenen Tauchaktivitäten aufmerksam zu machen. Bei der privaten Kommunikation der Taucher, beispielsweise für eine konkrete Verabredung zum gemeinsamen Tauchen, spielen die sozialen Medien eine untergeordnete Rolle. Einzig Messenger-Dienste (WhatsApp, Threema o.ä.) werden hierfür häufiger genutzt. Ansonsten geht die Kommunikation über Telefon, Email oder analog im direkten Gespräch. Auch wenn die Experten in der Rolle der Konsumenten agieren, trauen sie eher der persönlichen Empfehlung als einem Post ohne persönlichen Bezug über ein soziales Netzwerk. Um potenzielle Neukunden dennoch über das Digitale zu erreichen, schwören die Probanden auf Online-Bewertungen, wie sie etwa über Tripadvisor möglich sind. Die klassische Website ist für die meisten die logische Basis, auf der jedoch nur noch wenig Traffic, im Sinne der Datenübertragung, geschieht. Hier können (Neu-)Kunden sich einen ersten Überblick verschaffen. Die Website wird über klassische Suchmaschinennutzung gefunden. Beim Finden der Online-Auftritte bzw. der Standortsuche der Tauchbusiness‘ spielt außerdem Google Maps eine bedeutende Rolle: „Also Google Maps verknüpft sich dann mit den Bewertungen, die man dort hat. Die sind, glaube ich, ein extrem wichtiger Faktor.“ (I4, 295-297). Bei der grundsätzlichen Beschäftigung mit dem Tauchen in digitalen Inhalten, zum Beispiel zur Wissenserweiterung, nannten die Tauchexperten alle denkbaren Kanäle und auch explizit die Nutzung verschiedener Kanäle, um umfassend auf neue Aspekte zu kommen: Neben klassischen Taucher-Websites werden Magazine, Reisebuchungsportale, Wetter-Apps, Podcasts, Foren u.v.m. genannt. Insgesamt entsteht eine Mischung aus digitalen und analogen Tools. Während das Internet als sicher in Bezug auf Inhalte zu gut erschlossenen Tauchbereichen empfunden wird, herrscht große Skepsis, sobald es sich um spezifischere Bereiche handelt, in denen die Forschung noch nicht so weit fortgeschritten ist. Gerade für spezifischere Fachbereiche 33 werden private Kontakte oder Eins-zu-eins-Coachings bei Tauchern vorgezogen, von denen man sicher ist, dass sie einem weiterhelfen können: „Ich suche das gar nicht mehr online, weil da dann die Gefahr ist, dass so viel Halbwissen und auch leicht falsches Wissen verbreitet wird, sodass man da so viel damit beschäftigt ist, Falsches vom Richtigen zu trennen.“ (I3, 329-331) und weiter: „Das ist ganz gut für die Anfangsgründe, also es gibt so ein paar Sachen, über die sich alle einig sind, ja, so das Boyle Mariotte ist so das wichtigste Gesetz für den Taucher - da sind sich dann alle einig, das kann man mal nachgucken. Aber wenn es darüber hinausgeht, so: ‚Wo sind die Grenzen der Gasgesetze?‘ und so weiter, dann wird es entweder falsch oder weniger anschaulich. Und wenn ich ein Buch lese, dann weiß ich, dass da immer nochmal jemand drüber geschaut hat, bevor das gedruckt worden ist, das gegengelesen ist. Deswegen eher kein Internet.“ (I3, 337-343). Bezüglich des Aufbaus zielgerichteter Taucherkanäle fiel eine Ausführung ganz besonders ins Auge. Proband I2 berichtete speziell zur Wirkungsweise sozialer Netzwerke und der Schwierigkeit einen neuen Kanal schaffen zu wollen: „Es gibt ein Netzwerk ‚Deepblu‘, ja? Das ist ein Tauchcomputerhersteller. Die haben sich gedacht: ‚Mensch, das ist doch super – wir haben einen Tauchcomputer, den lesen wir aus mit unserer App und dann machen wir doch jetzt einfach noch ein soziales Netzwerk, weil dann können die ganzen Leute gleich ihre ganzen Tauchgänge miteinander teilen und liken und Fotos und so‘. Was sie sich dabei nicht überlegt haben ist, dass die Leute vielleicht gar keinen Bock haben auf ein neues Netzwerk, weil sie sind ja alle schon im sozialen Netzwerk - Facebook beispielsweise – und haben doch alle ihre Freunde auf Facebook. Wieso sollen sie jetzt neue Freunde in einem neuen Netzwerk suchen, damit sie da ihr Tauchprofil teilen können? Warum teilt man es nicht einfach auf Facebook mit einem Klick? Natürlich ist der Hintergedanke von dem Unternehmen, dass ein soziales Netzwerk einen sehr großen, monetären Wert schafft, aber das funktioniert halt nicht. Weil die Pole-Positions die sind alle schon vergeben.“ (I2, 403-413). OK 5 – Ansprache Im Bezug darauf wie die Probanden über digitale Inhalte angesprochen werden und wie sie ihre eigenen Zielgruppen ansprechen, ergab sich aus den Gesprächen folgendes Bild: Einerseits findet das Gros der Ansprache innerhalb der Tauchblase heutzutage über die sozialen Medien statt. Hierüber präsentieren die Experten Inhalte – beispielsweise zu geplanten Kursen oder Reisen oder schlicht über ihren Tauchalltag – um zu zeigen, dass sie in der Branche stetig aktiv sind. Und damit erreichen sie einen bedeutenden Teil ihrer 34 Zielgruppe. Andererseits brachten einige der Experten zum Ausdruck, dass sie eine persönliche Ansprache bevorzugten und selbst am ehesten auf Empfehlungen vertrauen. Probandin I1 schätzt jeden Eintrag in ihrem Gästebuch: „Solche Reviews, Kommentare, Empfehlungen finde ich halt schon sehr wichtig, egal ob das jetzt live ist, eins zu eins im Gespräch oder eben auch digital, sei es auf der Homepage oder einer Google-Bewertung oder so.“ (I1, 631-633). Manch anderer lässt sich jedoch von Hochglanzbildern beeinflussen, worin Proband I7 eine Problematik der sozialen Netzwerke erkennt. Er beschreibt, wie Anbieter ihre Tauchdestinationen sprichwörtlich ins beste Licht stellen wollen: „Das sind Leute, die da monatelang sind und das Destillat bringen, das Beste, was sie haben. Und der Endverbraucher denkt: ‚Mit der Buchung habe ich einen Anspruch darauf Wale in Französisch-Polynesien zu sehen oder Orcas in Norwegen zu sehen.“ (I7, 278-281). Proband I3 bemerkt eine Veränderung in der Ansprache durch Foto- und Videoinhalte: „Es gibt so eine Übersättigung an Tauchbildern, ja, also Unterwasserbildern. Die will im Grunde keiner mehr sehen. Aus meiner Sicht funktionieren zwei Dinge ganz gut: Das eine ist, wenn man arbeitet in dem Bereich und dann Dinge aus seinem Alltag zeigt, aus seinem Arbeitsalltag, das funktioniert ganz gut. Und das zweite, muss man leider sagen, sind Bikinifotos.“ (I3, 266-269). Weiter wird deutlich, dass sich die Probanden das Digitale selbst auch dann zu Nutzen machen wollen, wenn sie neue tauchbezogene Wissensinhalte suchen. Wie genau diese Inhalte rübergebracht und präsentiert werden sollen unterscheidet sich je nach Individuum, die allgemeine Tendenz geht jedoch dahin, dass weniger Effekthascherei und mehr auf den Punkt gebrachte, tiefer in die Materie hineinreichende Inhalte besser ankommen. Im Endeffekt entscheide aber nicht die Aufmachung und die Ansprache an sich, ob die Zielgruppe mit den digitalen Inhalten erreicht wird, sondern die Empfänglichkeit eines jeden Einzelnen, ob dieser überhaupt bereit für und interessiert an entsprechenden Inhalten ist. Während Proband I7 über sich selbstironisch kundgibt: „Ich glaube ich würde überhaupt nichts glauben, was auf Facebook geschrieben steht.“ (I7, 378-379), resümiert Proband I6: „Bei Social Media ist das so: Jeder sucht sich das, worauf er sowieso schon Bock hat. Also er kriegt eigentlich keinen neuen Input, sondern wird eigentlich nur mit den Dingen bespielt, mit denen er sich eh beschäftigt.“ (I6, 260- 262). Proband I3 präzisiert den Zeitpunkt, zu dem die Tauchergemeinschaft überhaupt empfänglich für digitale Tauchinhalte ist: „Also Tauchen ist eine Sache, die muss man 35 halt machen. Also das ist halt eine Erfahrung, eine sinnliche Erfahrung, eine Wahrnehmungserfahrung und diese ganzen Dinge, die außerhalb dieser Erfahrung stattfinden, glaube ich, dienen so nur der Überbrückung der Frustration bis man das nächste Mal tauchen kann. Das ist mehr oder weniger so eine Ersatzbefriedigung.“ (I3, 436-440). OK 6 – Wahrgenommener Nutzen In den Unterkategorien zum wahrgenommenen Nutzen digitaler Inhalte und Werkzeuge für den Tauchsport kommen die Ausbildungsmaterialien der Verbände, Möglichkeiten des autarken und selbstorganisierten Lernens sowie der Planungs- und Vorbereitungstools zur Sprache. Daneben gibt es weitere digitale Optionen, die das Tauchen in unterschiedlicher Weise digital unterstützen können. Die Experten berichten von diversen Online-Applikationen, welche zwar für Taucher erstellt wurden, jedoch von den Befragten insgesamt eher in geringem Maße genutzt werden. Beispielsweise können Logbuch-Apps theoretisch das Papier ersetzen, werden aber zusätzlich zum handgeschriebenen Logbuch oder überhaupt nicht von den Experten verwendet. Kameraequipment kommt dann zum Einsatz, wenn es darum geht, das Erlebte medial teilen zu wollen, z. B. um einen Kurs oder eine Reise zu bewerben. Die tatsächlichen Taucherlebnisse werden bei gleichzeitiger Kameranutzung jedoch als weniger intensiv beschrieben. Digitale Plattformen und Netzwerke zum fachlichen Austausch kommen bei den Befragten gut an, unter anderem weil sie Kontaktaufnahmen zu Gleichgesinnten und die Informationsbeschaffung einfacher machen und von überall aus darauf zugegriffen werden kann. Proband I7 beschreibt dies speziell für Patreon: „Und dann sind jetzt momentan die Österreicher dabei, weil sie nichts machen können – die haben ja Lockdown. Und dann kommen halt auch Leute aus Hamburg. Die würden jetzt nicht für einen 90-minütigen Kurs zu mir kommen, sondern die kommen da halt über Patreon.“ (I7, 336-339). Bezüglich der Verbreitung und Bekanntmachung besonderer Tauchplätze werden Tauchernetzwerke jedoch eher skeptisch betrachtet, weil eine Bekanntgabe solcher, durch die Menschen noch weniger berührten, UW-Orte zu einem Massenandrang auf diese führen könnte. In Bezug auf den Kosten-Nutzen-Abgleich spezieller Plattformen wird einerseits betont, dass kostenfreie Angebote die Nutzungsbereitschaft deutlich steigern könnten, und dass andererseits Bezahlt-Angebote zu einer sinnigen Selektion genau der Taucher führen 36 könnten, die ein spezielleres Interesse an Fachinhalten mitbringen. Die Schwierigkeit hier das Mittelmaß zu finden beschreibt Proband I9 wie folgt: „Also wirklich so eine Allrounder- Plattform fände ich gut. Das ist natürlich, glaube ich, extrem schwer umzusetzen, weil das irgendwer pflegen muss und ein professionelles Niveau hochhalten muss. Und, wenn du ein professionelles Niveau hochhältst, musst du damit auch Einnahmen generieren.“ (I9, 469-472). Die MySSI-Plattform des SSI-Verbandes trat an mehreren Stellen in den Interviews auf, meist als Beispiel für eine Plattform, welche die Vernetzung und Informationsübermittlung zwischen Tauchern, Tauch- und Wissensangeboten bisher am elegantesten und im größten Maßstab betreibt. Der Nutzen von MySSI ergibt sich aus der Interaktion der Nutzer auf Kunden- und Anbieterseite, wodurch erst die Fülle an tauchspezifischen Informationen möglich wird. Die App und eine kleine Auswahl der SSI-Online-Kurse stehen für die Nutzer kostenlos zur Verfügung. UK 6.1 – Ausbildungstheorie Die Tauchexperten sehen die Ausbildungsmaterialien der Tauchverbände überwiegend aus Ausbildersicht und haben ihre eigenen Ausbildungsschritte meist bereits viele Jahre zurückliegend durchlaufen. Die klassischen Schulungsunterlagen werden als sich stetig, aber sehr langsam verbessernd, und als weiterhin ausbaufähig wahrgenommen. Gründe für die langsame Aufbesserung werden in der überwiegenden Freiwilligkeit der gemeinnützigen Organisationen und fehlenden Verbesserungsanreizen gesehen. Der Nutzen der digitalen Materialien besteht im Vergleich zu den zuvor genutzten klassischen Büchern und analogen Theoriestunden darin, dass die Online-Theorieeinheiten schneller, bequemer, in gewünschter Sprache, für alle Betriebssysteme vereinheitlicht und überall abrufbar sind. Die digitalen Lernplattformen der Verbände, die mittlerweile den Standard darstellen, bilden dabei eine kommunikative Schnittstelle bzw. einen Marketingkanal zwischen Schulen und Schülern. Theoretisch sind diese Schulungsmaterialien für den Schüler ein Leben lang nutzbar, Proband I7 vermutet dennoch: „Ich glaube die Leute nutzen das, um sich irgendwo weiterzubilden, um nachher die Theorieprüfung zu schaffen, um die Zertifizierung zu bekommen, und ich glaube dann wird keiner nochmal das SSI Level 1 Kit durcharbeiten.“ (I7, 466-468). Der höchste Nutzen digitaler Ausbildungsmaterialien ergebe sich nach Expertensicht für Tauchanfänger und für Gelegenheitstaucher zum Einprägen und zur Auffrischung der Basistheorie: „Also ich selbst nutze das nicht so. Ich denke mal das spricht vielleicht eher 37 Taucher an, die deutlich unter 100 Tauchgänge haben oder wirklich länger nicht im Wasser waren.“ (I1, 514-516). Ein Nutzungsinteresse an entsprechenden Unterlagen entsteht, wenn überhaupt, in Zeiten, in denen es den Tauchprofis nicht möglich ist ins Wasser zu gehen. Aber auch in dem Fall sind es nicht die Basis-Theoriethemen, welche das Interesse der Probanden erwecken, sondern viel eher neue Erkenntnisse oder tieferführende Inhalte zu spezielleren Themen wie beispielsweise der marinen Ökologie. Insgesamt wird die Tauchtheorie von den Experten als gutes und wichtiges Grundgerüst für nicht routinierte Taucher angesehen, welche jedoch mitnichten die praktische Übung ersetzen kann: „Aber die Fertigkeiten, die körperlichen Fertigkeiten die bekommst du – natürlich die ganze Erfahrung und alles andere – die bekommst du nicht im Internet, definitiv nicht!“ (I8, 534-536). UK 6.2 – Selbstorganisiertes Lernen online Sobald die klassische Anfängerausbildung bei einem der Tauchverbände abgeschlossen ist und selbst wenn, zumindest zeitweise, kein Interesse an Folge- oder Spezialkursen der Verbände besteht, kann der Taucher sich dazu entscheiden autodidaktisch online weiteres taucherspezifisches Wissen anzueignen. Während die klassischen Ausbildungsmaterialien der Verbände unter UK 6.1 durch die Experten aus Anbietersicht beschrieben wurden, sind weiterführende Wissensangebote sowohl auf Anbieter- als auch aus Konsumentensicht interessant für sie. Auf dem Anfängerlevel empfehlen die Experten, eine besondere Vorsicht an den Tag zu legen: Zum gut erschlossenen Wissensbereich gehört das Basiswissen des Gerätetauchens. Je tiefer man in die Materie einsteige, desto gründlicher müsse man jedoch unterscheiden, welche Inhalte einen Mehrwert bringen und welche Inhalte dagegen schlichtweg falsch sind. Für das Apnoetauchen, welches, wie eingangs erwähnt, im Breitensport eine erheblich jüngere Disziplin als das Gerätetauchen darstellt, wird hingegen bereits im Anfängerbereich vor Falschinformation gewarnt. Insgesamt vertreten sie den Standpunkt, dass Anfänger und Gelegenheitstaucher online gut theoretisches Wissen draufschaffen können, solange qualitativ hochwertige Quellen gesucht werden. Daneben existierten wenige Inhalte zu Tauchfertigkeiten, in denen die Experten einen wirklichen Mehrwert für sich selbst sehen. Dafür seien sie zu fortgeschritten, bzw. scheint das richtige Angebot noch nicht gefunden. Das Angebot an Webinaren bietet die Möglichkeit über Gruppensessions Wissen zu vermitteln, was wiederum als besonders geeignet für den Anfängerbereich erachtet wird. Auch hier ist 38 das Interesse der Probanden aus Konsumentensicht gering: „Es gibt ja jetzt auch sehr viele online-Coachings und online-Kurse. Jetzt auch gerade im Zuge von Corona wurde das mehr, dass es nicht Präsenzveranstaltungen sind, sondern mehr digital. Da bin ich selbst nicht so der Kunde. Aber ich denke mal, weil ich gerade selbst auch schon sehr viele Sachen durchlaufen habe. Ich glaube aber, dass das für jemanden, der noch nicht so viele Kurse live und in Präsenz gemacht hat – ich habe ja schon unglaublich viele Sachen als Teilnehmer gemacht, es ist für mich gerade eher immer so, dass ich die Sachen ja auch selbst anbiete – konsumiere ich selbst recht wenig.“ (I1, 459-465). Beim Nachhaken der Interviewerin, ob Proband I9 spezielle Online-Fachbereiche nennen könnte, die ihn beim Tauchen unterstützen könnten, antwortete dieser: „Ich glaube früher mehr. Abgesehen natürlich von der Reiseplanung und solche Sachen. (lacht) Das ist natürlich extrem wichtig. Aber ich glaube früher mehr. Also ich würde jetzt nicht sagen, dass ich inzwischen zu fortgeschritten bin. Ich bin wahrscheinlich inzwischen zu nischig, muss man sagen. Ich habe wenige Bereiche, wo ich sagen würde: ‚Das täte mich interessieren.“ (I9, 425-429). Inhalte, die die Experten selbst zur Informationsvermittlung suchen, betreffen, neben der eben genannten Reiseplanung, die Themen Medizin und Physik, Meeresbiologie sowie Ausrüstungskonfiguration (letzteres, sobald es im Gerätetauchen in einen Bereich des technischen Tauchens geht). Aus Anbietersicht interessieren sie wirtschaftliche Aspekte der Tauchbranche. Mehrfach wird der Wunsch nach einem digitalen Ort geäußert, bei dem man tiefer in Tauchmaterie einsteigen, wertfrei voneinander lernen und Erfahrungen austauschen kann. Diese Plattform wird beschrieben als eine Art Online-Universität, die reduziert auf qualitativ hochwertige Wissensinhalte bleibt – ohne das Teilen von Urlaubsfotos o.ä., wie es in den sozialen Medien gang und gäbe ist. Und weiter: „Also nutzen würde ich, glaube ich, eine Plattform, die es mir erstens ermöglicht mich mit anderen Leuten zu vernetzen. Jetzt nicht nur im Hinblick auf Verabredungen zum Tauchen, sondern auch im Hinblick auf das Teilen von Wissen. Also wenn man das hinbekommt. Das ist immer auch spannend, also egal, wie viele Tauchgänge man hat, irgendjemand hat mal eine Erfahrung gemacht, die man selbst noch nicht gemacht hat und kann daraus was lernen. Also wenn man das so hinkriegt, dass man das ohne Eitelkeit teilt mit anderen, dann wäre das eine tolle Sache. Und wenn man das so kontrollieren kann, dass das nicht in irgendwelche Hates oder Flames ausartet; das wäre super.“ (I3, 451-458). 39 UK 6.3 – Tauchgangsplanung „Unvorhergesehenes kommt ja schon oft genug noch trotzdem dazu, aber dass man wenigstens grob weiß wie der Plan ist.“ (I1, 78-79) Wie zuvor erwähnt stellt die Tauchgangsplanung die einzige induktive Kategorie in dieser Arbeit dar. Sie wurde während der Auswertung der Interviews zu den deduktiven Kategorien hinzugefügt, weil das Thema bei allen zehn Experten auftauchte und weil von einem funktionierenden Plan oft genug Sicherheits- und Nachhaltigkeitsaspekte beeinflusst werden. Genutzt werden insbesondere Informationen zu den Umgebungsbedingungen am Tauchplatz (Klima, Wetter, Gezeiten, Strömungen etc.) und dem, was es zu sehen und zu erleben gibt (Flora, Fauna, Wracks etc.). Im Technischen Tauchen werden digitale Tools standardmäßig zur Berechnung von Dekompressionsmodellen und damit zusammenhängenden Werten (genutztes Gasgemisch, Zeit, Tiefe, etc.) vor und während des Tauchgangs verwendet: „Also mich persönlich unterstützt eigentlich nur die Planungs-App von den Tauchgängen beim technischen Tauchen. Also das bedeutet, wenn ich jetzt sage man macht einen Tieftauchgang mit Dekompressionspflicht, dass man mit der Software den Tauchgang vorher planen kann, und die Software einem im Endeffekt den Bailout-Plan, also den Notfallplan, direkt mitliefert und man das Ganze dann auf den Computer übertragen kann.“ (I3, 448-453). Als ausbaufähig empfunden bzw. gewünscht werden insbesondere vereinheitlichte Daten. Verschiedenste Informationen bekommen die Experten bisher über unterschiedliche Wege: Der Tauchcomputer sowie dazu gehörige Berechnungs- und Auswertungs-Apps unterstützen den Taucher in seinem individuellen Tauchgang. Klimawerte sowie das Vorkommen bestimmter Tiere im Jahreszeitenwechsel sind bedeutend in der längerfristigen Planung einer Tauchreise, Wetter- und Wasserwerte kurz vor und während des Aufenthalts am Tauchplatz. Tauchgangsplanungsdaten werden über Wetterdienste, Reiseblogs, die Aussagen der Locals vor Ort u.v.m. gewonnen. Eine Plattform, die solche Informationen zusammenträgt und in einem einheitlichen Format darstellt, würde den Tauchern die Informationsbeschaffung vereinfachen. Besonders hervorgehoben haben die Experten in diesem Zusammenhang die Bedeutung von UW-Topografiekarten: „Also sowas ist, glaube ich, das Allerwichtigste für mich. Dass ich weiß, was da ist. Das ist so das ABC von jedem Taucher. Wenn er an einen neuen Ort geht, dann muss er immer gucken: Was gibt es da? Was kann ich da 40 machen? Auf was muss ich Acht geben? Was ist ganz wichtig? Ja, wann darf ich rein, wann darf ich nicht rein?“ (I6, 460-464). OK 7 – Design und Stil Neben den Inhalten selbst spielt auch deren Aufbereitung und Präsentation eine entscheidende Rolle dabei, ob die Experten einem bestimmten Inhalt überhaupt ihre Aufmerksamkeit schenken. Ein erstes Interesse wird für sie durch treffende Überschriften und die Information darüber geweckt, dass der digitale Inhalt Wissen enthält, welches ihnen noch unbekannt ist. Auch die Deutlichmachung des Mehrwertes für die Taucher führt zu einer Beschäftigung mit entsprechenden Inhalten. In der Aufbereitung des Contents sowie dem Schreibstil ist den Probanden wichtig, dass dies in hochwertiger, professioneller und fundierter Art geschieht. Es scheint kein grundsätzlich präferiertes Format für die Experten zu geben, sondern vielmehr ein auf die Inhalte abgestimmtes Format. Neben der fachlichen Korrektheit wissenschaftlicher Inhalte wird auch geschätzt, dass diese spannend und unterhaltend rübergebracht werden. Proband I2 nutzt zur Beschreibung den Terminus „ansprechender Wissenschaftsjournalismus“ (I2, 253): „So vom Komplexen runtergebrochen, aber nicht falsch, und das Ganze am besten noch schön anschaulich für die Zuhörerschaft.“ (I2, 254-255). Die besten bzw. für die Probanden ansprechendsten, und dadurch tatsächlich genutzten, Inhalte haben eine gemeinsame Quelle: Der entscheidende Faktor bei der Inhaltsproduktion scheint zu sein, dass die Produzenten sich hauptberuflich, leidenschaftlich und vollumfänglich mit dem Aspekt beschäftigen, über den sie Content erstellen. Je durchdachter und professioneller die Produktion vonstattengeht, desto hochwertiger empfinden die Probanden das Resultat. In einer Ausführung wird dies besonders deutlich: „Also man merkt ja, wenn es ein wissenschaftlicher Artikel ist, wenn du dich schon ein bisschen mit dem Tauchen auseinandergesetzt hast, schnell, ob die jeweiligen Redakteure auch wirklich Ahnung haben von dem, was sie da kommunizieren. Dann, also die öffentlichen, ich sage mal, die öffentlichen Kanäle, Funk und Fernsehen, die haben keine Ahnung. Also da sind Tauchreportagen – kann man sich anschauen, aber sobald man sich ein Ticken mehr mit der Materie beschäftigt hat, ist es eigentlich nicht mehr interessant. Weil das sind Menschen, die sich eben nicht in ihrem privaten Leben mit der Materie beschäftigen, und dann daraus irgendwelche Reportagen machen wollen – das funktioniert meistens nicht. Interessante Reportagen sind dann die, die 41 wirklich von den Leuten gemacht werden, die sich hauptberuflich mit Tauchen beschäftigen. Und dann ist es natürlich, je cineastischer das wird, also je besser das Bewegt-Bild-Format, desto eher schaut man es sich auch an. Weil es ist jetzt nicht nur Informationstransport, sondern es sollte schon auch irgendwie schön aussehen.“ (I2, 263-274). OK 8 – Wahrgenommene Bedienbarkeit In Bezug auf die wahrgenommene Bedienbarkeit diverser Anwendungen im Netz wird eine bessere Verknüpfung unterschiedlicher Plattformen gewünscht. Auch für die Kommunikation und Datenübermittlung zwischen Tauchern und Tauchcentern, Vereinen und Verbänden wären Verknüpfungen aus Sicht der Experten wünschenswert. Bei Plattformen, die Verlinkungen zwischen bestimmten Anwendungen bereits bieten, sei dies bisher jedoch nur unbefriedigend umgesetzt. Zwar sehen die Probanden die Vorzüge einer etwaigen, gut umgesetzten alles-aus-einer-Hand-Lösung, gleichzeitig sind sie sich aber auch der Möglichkeit einer Monopolbildung und damit einhergehenden negativen Veränderungen bewusst. Die Verlinkung gewisser Themenbereiche anstelle einer übergreifenden Verlinkung scheint zielführender: „(…) manchmal ist es glaube ich auch sinnvoll, wenn die digitalen Plattformen bei ihren Stärken bleiben und nicht versuchen alles in einen Topf zu integrieren. Also ich würde nach wie vor Social-Media- Kanal für Social Media nutzen und Bildbearbeitungssoftware für Bildbearbeitung und Computer-App für Computer, weil das funktioniert meistens nicht das alles zusammenzulegen.“ (I2, 395-399). Proband I2 überlegt weiter: „Man könnte es besser integrieren. Also das sind dann natürlich alles fremde Unternehmen, die dann irgendwie so - mit einem Klick kannst du dann so irgendwas da dann teilen, aber das ist dann oft nicht optimiert. Also, wenn du jetzt Apps miteinander verknüpfst und so, dann ist es oft sehr rudimentär gelöst, wie die Informationen da transportiert werden und wie die dann dort angezeigt werden, weil die ja auch gar kein großes Interesse haben, ihre Netzwerke aneinander anzuknüpfen. Da könnten die Verknüpfungen einfach besser und optimaler digital gestaltet werden.“ (I2, 422-428). Bei der wahrgenommenen Bedienbarkeit verwendeten Equipments im Wasser muss dieses so gestaltet sein, dass es nicht vom Tauchgang selbst ablenkt, sondern diesen unterstützt. Dies gilt insbesondere für eine Kameraausrüstung. 42 Sowohl an Land als auch im Wasser nutzen die Experten lieber ihre Basistools, welche sie regelmäßig für das Tauchen in Benutzung haben, als immer neue Technikupdates, an die sie sich erst wieder gewöhnen müssten. 4.3 Deutung und Diskussion der Ergebnisse Bei der Interpretation, Einordnung und Beurteilung der Interviewergebnisse gilt es die Perspektive der Probanden nicht außer Acht zu lassen. Auch sie waren einst Anfänger und erleben in ihrem Umfeld Taucher unterschiedlichsten Könnens. In den Interviews jedoch schilderten sie ihre gegenwärtige Wahrnehmung der Taucherwelt als Tauchexperten. 4.3.1 Spezifika verstehen Tauchertypus Apnoe- und Gerätetaucher, Anfänger wie Profis scheint zu einen, dass die UW-Welt eine ganz besondere Faszination auf die Taucher ausübt, welche durch die Andersartigkeit der Umgebung sowie das eigene Körpergefühl in dieser hervorgerufen werden. Die Wahrnehmung des vom-Waser-umgeben-Seins über einen veränderten Umgebungsdruck, die dreidimensionale Bewegungsmöglichkeit, eine gedämpfte Geräuschkulisse etc. kann oberhalb der Wasseroberfläche in ihrer Gänze nicht nachgestellt werden. Lediglich Teilaspekte des UW-Erlebnisses, des Taucherwissens o.ä. schaffen es vereinzelt Taucher über Wasser anzusprechen. So finden Inhalte, die auf das Aussehen der vom Alltag stark differierenden UW-Welt abzielen, in Bild und Bewegt-Bild-Formaten, Anklang. Auch solche Inhalte, die dazu beitragen, dass das künftige Taucherlebnis noch verbessert wird, scheinen Taucher über Wasser zu interessieren. Was genau online zur Verbesserung des Taucherlebnisses oder auch im weiteren Sinne zur digitalen Auseinandersetzung mit dem Tauchen angesehen, geteilt und genutzt wird ist jedoch höchst individuell und nicht nur von der Tauchdisziplin abhängig. Grobe Untergliederungen der Tauchergemeinschaft lassen sich treffen. Dabei darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die Unterteilungen keine harten Grenzen zueinander aufweisen und dass Taucher außerdem durchaus sowohl im Geräte- als auch im Apnoebereich aktiv sein können, selbst, wenn dies nicht den Standardfall darstellt. 43 Häufiger konzentrieren sich Taucher auf eine Tauchdisziplin oder auf mehrere ähnliche bzw. nah beieinanderliegende Disziplinen. Bei den Freitauchern kann insbesondere zwischen den Interessen des Wettkampfes und des im-Moment-Aufgehens-und-zu-sich-selbst-Findens unterschieden werden. Dennoch fördern in beiden Gruppen stete Übung in Meditation, Yoga u. ä. sowie ein angepasster, gesunder Lebensstil die Qualität der Tauchgänge. Die Übergänge zwischen beiden Gruppen sind fließend, wie es auch die persönlichen Erzählungen der Probanden von einem über die Zeit veränderten Fokus veranschaulichen. Zwischen den Geschlechtern sind keine großen Interessensunterschiede erkennbar. Im Gerätetauchen ist dagegen entscheidend, zwischen dem breitensportlichen Tauchen zum spaßigen, gemeinsamen Erleben der UW-Welt und dem technischen Tauchen (auch Tec-Tauchen), etwa zur Ermöglichung von Wrack-, Höhlen- oder besonders tiefen Tauchgängen, zu unterteilen. Auch hier sind die Übergänge fließend, weil das Tec- Tauchen auf dem breitensportlichen Gerätetauchen aufbaut und eine weiterentwickelte, spezialisierte Technik sowie Interessenslage der Tec-Taucher darstellt. Das breitensportliche Gerätetauchen kann somit den Grundstein für eine Professionalisierung in einer technischen Tauchdisziplin legen. Dabei zeigt sich deutlich, dass ein Gelegenheitstaucher, der nur dann taucht, wenn er im Urlaub an einem schönen Tauchspot ist und vor Ort Equipment leihen kann, vollkommen andere Interessen aufweist, als ein auf verzweigte Höhlensysteme spezialisierter Tec-Taucher, der seine eigene Ausrüstung und Tauchtechnik über die Jahre stetig weiterentwickelt und perfektioniert. Die Sinnhaftigkeit einer groben Untergliederung digitaler Inhalte nach Tauchinteressen deutet sich in diesen Taucherspezifika bereits an. Sie wird im späteren Verlauf der Ergebnisdeutung weiter ausgearbeitet. Kanäle, Ansprachen & Fachinhalte Während die Kanalauswahl nach rein praktischen Nutzungsvorhaben erfolgt, werden Inhalte in Bezug auf ihren Ursprung bzw. die Quelle von den Tauchexperten mit Bedacht gewählt. Kanäle der sozialen Medien dienen vornehmlich der Selbstdarstellung und Bekanntmachung der eigenen Tauchaktivitäten – im Falle der Probanden also um Tauchangebote wie Trainings oder Reisen zu kommunizieren. In der Frage der Richtigkeit und Vertrauenswürdigkeit wissenschaftlicher Fachinhalte können die sozialen Medien die Experten nicht überzeugen. Je mehr fachliche Tiefe ein Thema mit sich bringt, desto 44 weniger scheint es für sie zu der oberflächlichen Schnelllebigkeit sozialer Medien zu passen. Ähnlich verhält es sich bei der Ansprache: Auf der Suche nach wissenschaftlichen Fachinhalten lassen sich die Experten von reißerischen oder sonst wie übertrieben nach Aufmerksamkeit haschenden Ansprachen wenig beeindrucken. Was für sie zählt sind Qualitätsinhalte. Dabei decken sich ihre Aussagen vollkommen mit den zuvor genannten und von GAUS & MILLER (2013, 55) formulierten Erfolgsfaktoren digitaler Vermittlungsformen: Die Experten wünschen sich: Eine große Erklärungskraft der Inhalte, qualitativ hochwertige Vermittlungsformen und verständliche Darstellungsformen. Für diese drei Aspekte der digitalen Vermittlungsform wird davon ausgegangen, dass sie auch für Taucher aller anderen Fähigkeitsstufen gelten. GAUS & MILLER (ebd.) formulierten sie als grundsätzliche Erfolgsfaktoren und nicht etwa bezogen auf Spezialisten eines bestimmten Faches. Die Wissenserweiterung für fortgeschrittenes Taucherwissen erweist sich als umständlich. Die Probanden sehen in dieser Hinsicht derzeit nur einen geringen Mehrwert des Digitalen, weil Qualitätsinhalte sorgfältig aus einer Fülle an (Falsch-) Informationen herausgefiltert werden müssen. Lediglich im Anfängerbereich und für Gelegenheitstaucher des Gerätetauchens sind sich die Probanden einig, dass das digitale Angebot zur theoretischen Wissenserlangung und -aufrechterhaltung genutzt werden kann. Im Apnoetauchen gelte dies nicht einmal für den Anfängerbereich. Die zuvor resümierten Interviewergebnisse deuten darauf hin, dass die Experten aufgrund ihrer Expertise Fehler in unseriösen, digitalen und auf das Tauchen bezogenen Inhalte schnell entlarven können. Dass eine solche Auffassungsgabe auch bereits für weniger fortgeschrittene Taucher gilt, ist jedoch anzuzweifeln. Während also die Tauchanfänger in der Ausbildung noch einen geschützten Rahmen geboten bekommen und ihre Ausbilder nach hilfreichen oder sehenswerten digitalen Inhalten befragen können, stellt sich die Frage, wie und ob die Nutzung des Digitalen nach Kursabschluss weitergeht. Wie in der thematischen Einführung erklärt, gehen gerade fortgeschrittene Taucher für nachhaltigkeits- und sicherheitsrelevante Themen verloren (vgl. OLDORFF 2021; GATERMANN 2019; HEINISCH 2006). Die Probanden dieser Studie empfahlen zwar existierendes Lehrangebot der Tauchverbände für Tauchanfänger sowie Gelegenheitstaucher des Geräte- und Apnoetauchens, nutzten es selbst aber nur in sehr geringem Maße (ausgenommen der Nutzung in lehrender Position). Bezogen auf die Akzeptanzmodelle bedeutet dies, dass die Experten nicht über 45 die Werte- und Einstellungsdimension hinauskommen, dem Objekt zwar positiv gegenüberstehen, es jedoch nicht für ihre eigenes theoretisches Taucherwissen nutzen (Handlungsdimension). Die Kombination der Aussagen der Probanden mit den theoretischen Erkenntnissen deutet eine Angebotslücke für erfahrene Taucher an, die das Desinteresse bzw. die Nichterreichbarkeit fortgeschrittener Taucher für bestehende digitale Bildungsangebote zu Sicherheits- und Umweltthemen erklären könnte. Diese Lücke scheint sich jenseits der Brevetierung, also der Tauchzertifizierung durch die Ausbilder, aufzutun. Es wird angenommen, dass dieser Punkt für individuelle Taucher zu unterschiedlichen Zeiten erreicht werden kann, und dass dies außerdem nicht für alle Taucher gelten muss. Je nach individuellen Interessen und Neigungen können sie sich von derzeitigen Angeboten durchaus angesprochen fühlen, und z. B. die Empfehlungen für ein umsichtiges Taucherverhalten direkt in die Tat umsetzen. Taucherisches Fehlverhalten aufgreifen Über ein Verständnis der Ursachen taucherischen Fehlverhaltens sollen zielführendere Angebote im Folgenden skizziert werden. Aus den Interviews wurde ersichtlich, dass die Experten die Ursachen eines nicht umsichtigen Verhaltens bezüglich Umweltthemen und Sicherheitsrisiken ganz besonders in zwei Aspekten sehen: 1. Mangelndes Bewusstsein der Taucher 2. Wissenslücken der Taucher Eine Bewusstseinsschaffung beginnt standardmäßig in der Grundausbildung, in der die Taucher ihre ersten richtigen Taucherfahrungen machen. Auch für taucherspezifisches Wissen wird in der Ausbildung der Grundstein gelegt. Nach den Tauchkursen gilt es die Tauchnovizen nicht für diese Themen zu verlieren. Laut SHIFT-Ansatz (WHITE et al. 2019) bedarf es der steten Wiederholung, um ein gewünschtes Verhalten zu festigen. Sich ein grundsätzlich neues Verhalten anzueignen sei außerdem leichter, als eine Verhaltensänderung von einem unerwünschten, hin zu einem erwünschten Verhalten umzusetzen. In diesem Sinne kann sich der anfängliche Einfluss in der Anfängerkurse direkt zu Nutze gemacht werden: In der Ausbildung erlernte Aspekte des sicheren Tauchens sollten nach dem Kurs weiter geübt und gefestigt werden, und die digitale Theorie bietet mehrere Möglichkeiten diesen Prozess zu unterstützen: Da Sicherheitsrisiken meist erst dann wirklich sichtbar, und damit auch greifbar im Sinne des SHIFT-Modells (ebd.), werden, wenn es zu bedrohlichen 46 Zwischenfällen kommt, könnten Beispiele aus der Praxis vorbeugen, indem sie den Tauchern vor Augen führen, welche Konsequenzen eine Missachtung sicherheitsrelevanter Belange haben kann. Zwischen den Extremen übertriebener Angsterzeugung auf der einen und heruntergespielten Risiken auf der anderen Seite, gilt es die goldene Mitte zu finden und die Realität klar abzubilden. Prekär ist in diesem Zusammenhang der Einfluss der sozialen Medien, in denen oft spektakuläre Tauchszenen viral gehen. Diese regen manchen Taucher zum Nachahmen an, ohne dass er im Bilde aller vor Ort getroffenen Vorkehrungen des Gezeigten sein kann. Hier könnte es unterstützen das Making-Of solcher Videos und Bilder ebenfalls zu zeigen. Dies allen Produzenten entsprechender Inhalte auf jedweden sozialen Plattformen vorzuschreiben ist jedoch keine realistische Option. Taucher werden sich auch weiterhin von spektakulären UW-Aufnahmen inspirieren lassen, ohne immer das gesamte Ausmaß des Tauchgangs begreifen zu können. Weiter lassen die Ausführungen der Probanden erkennen, wie viel bei einem Tauchgang schiefgehen kann: Sie berichteten von ungünstigem Verhalten, verursacht durch Gruppenzwang, Konkurrenzdruck und weitere zwischenmenschliche Aspekte, aber auch von Nachlässigkeiten aus Zeitdruck oder Routine und von körperlichen Befinden, welche ein Tauchvorhaben bei ausreichender Beachtung derselben und entsprechenden sicherheitsrelevanten Überlegungen stoppen sollten. Diese Ausführungen verdeutlichen außerdem, dass fortgeschrittene und selbst sehr erfahrene Taucher vor den Sicherheitsrisiken des Tauchens nicht grundsätzlich gefeit sind. Hierdurch wird wiederum die Bedeutung bekräftigt, alle Taucher, ungeachtet ihrer Fähigkeiten, mit sicherheitsrelevanten Themen auch außerhalb des Wassers zu erreichen und immer wieder aufs Neue zu sensibilisieren. Des Weiteren deuten sie auf das Potenzial eines wertfreien Austausches unter gleichgesinnten Tauchern hin. Dieser Aspekt wird im nächsten Unterkapitel in Hinblick auf die Zielgruppenerreichung aufgegriffen. In Punkto Naturschutz und entsprechend nachhaltigem Handeln beobachten die Probanden ein langsames, aber stetig wachsendes Bewusstsein, sowohl auf Anbieter- als auch auf Kundenseite. So erkennen immer mehr Tauchbasen weltweit, dass eine ökologische Ausrichtung für mehr und mehr Taucher auch ein Buchungsgrund ist und ein über die Jahre in Takt gehaltenes Hausriff die Gäste zum Wiederkommen anregen kann. Das allgemeine Image der Taucher, wie es die Experten beschreiben, stellt sie im Vergleich zur restlichen Bevölkerung bereits mit einem gesteigerten Bewusstsein für Umweltprobleme dar. In diesem Punkt können soziale Medien der weiteren Sichtbar- und 47 somit auch Greifbarmachung zuträglich sein, weil offen dargestellte, umweltschädliche Verhaltensweisen immer häufiger in einem Shitstorm enden. Auf der anderen Seite erhalten die Natur schützende Aktionen Zuspruch. Das von den Probanden gezeichnete Bild lässt erkennen, dass in der Taucherbranche schon einiges an Bewegung herrscht, um die Nachhaltigkeit des Natursports zu stärken. Bezogen auf das SHIFT-Modell (WHITE et al. 2019) bedeutet dies, dass mehrere Bereiche bereits angesprochen werden: Der Soziale Einfluss über die Tauchergemeinschaft in Verbindung mit dem Selbstbild der Tauchindividuen zeigt das Potenzial, hier langfristig bereits ein gestärkt nachhaltiges Agieren der Taucher zu fördern. Die Bildlastigkeit und ortsunabhängige Verfügbarkeit der sozialen Medien machen Umweltprobleme außerdem direkt sichtbar, wodurch auch die Wahrnehmung der Taucher, beispielsweise im Sinne einer emotionalen Betroffenheit, angesprochen werden können. Dass es sich hierbei aber nicht um einen Selbstläufer der allgemeinen Aufklärung handelt, muss dennoch heruntergebrochen auf das Individuum vermittelt werden. Auch hierbei handelt es sich um die Bewusstseinsschaffung des Tauchers, der z.B. mit einem unkontrollierten Flossenschlag bereits einen langwierigen Schaden anrichten könnte. Die Experten betonen aber auch insgesamt die Wichtigkeit der Aufklärung, um Taucher auf ihren eigenen Einfluss, sowohl für Nachhaltigkeits- als auch für Sicherheitsaspekte, aufmerksam zu machen. Aufklärung sollte helfen vorhandene Wissenslücken zu schließen und ein gesteigertes (Selbst-)Bewusstsein zu fördern, wodurch die zwei identifizierten Hauptursachen des nicht umsichtigen Tauchverhaltens direkt adressiert würden. Für die zuvor genannten Aspekte ist es außerdem wichtig, sich erneut im Sinne des SHIFT-Modells (WHITE et al. 2019) der bereits bestehenden Informationsflut bewusst zu werden und dessen, dass ein Unverständnis der Taucher für verhaltensspezifische Tauchthemen nicht zwangsläufig aus einem Mangel an Information herrühren muss. Genauso gut kann es einer Überforderung entstammen, in der Vielzahl digitaler Inhalte herauszufiltern, was korrekt ist. Das folgende Kapitel sucht zu erklären, was es wirklich braucht, um mit spezifischen Inhalten die Taucher zu erreichen. 48 4.3.2 Zielgruppe erreichen Das tatsächliche Lehrpotenzial digitaler Inhalte ergibt sich aus dem Grat des Erreichens der Zielgruppe. Vorangestellte Ergebnisse haben gezeigt, dass der derzeitige Einfluss digitaler Tools bei fortgeschrittenen Tauchern überschaubar bis gering ist, und sich bei Anfängern vor allem aus den Materialien der internationalen Tauchverbände während der Ausbildung zusammensetzt. Was dagegen außerhalb der Verbands- und Vereinsarbeit digital verbreitet wird, empfinden zumindest die Probanden dieser Befragung in ihrem konkreten Mehrwert als fragwürdig. Das Kommunikationsmodell nach SHANNON und WEAVER (1964) betrachtend, existieren mehrere Engpässe innerhalb des Kommunikationsprozesses, von denen maßgeblich abhängt, in welcher Form und ob überhaupt Inhalte gesendet, transportiert und empfangen werden. Die Kompatibilität mit dem Kanal, sowohl von Sender als auch Empfänger einer Nachricht, eine störungsfreie Übertragung, die Beziehung zwischen sendender und empfangender Person und schlussendlich die individuelle Haltung der empfangenden Person sollten beachtet werden. Für digitale Tauchinhalte bedeutet dies besonders, dass der Sender die Sprache sprechen muss, die auch die Empfänger sprechen. Laut Probanden merken Taucher schnell, ob spezielle Tauchinhalte von Tauchenthusiasten erstellt wurden – und damit in der Regel als sehenswerter und auch nützlicher empfunden werden – oder ob die Ersteller sich nicht hauptsächlich mit dem Tauchen beschäftigen, was sich in einem geringeren Mehrwert der Inhalte für die Empfänger ausdrücke. LAUER (2020, 82) erklärt die Wahl der Vorbilder so: „Wir lernen von denen, die etwas besser können, geübter sind oder schon länger eine Tätigkeit ausüben. Das erklärt, warum wir wählerisch sind, von wem wir lernen.“, und weiter: „Lernen ist darum genau besehen nicht selbstgesteuert, sondern ein höchst sozialer Vorgang des Intentionsabgleichs, bei dem das Selbst seine Umwelt danach bewertet, wo sich das Lernen lohnt (…)“. Für digitale Inhalte allgemein gilt, dass ihre Nutzung durch den Endkunden als angenehm und praktisch empfunden wird, sofern er unterschiedliche Inhalte auf seinem Endgerät störungsfrei abrufen kann. In diesem Zusammenhang berichteten mehrere Probanden, dass die Verlinkung und Verknüpfung auf das Tauchen bezogener Inhalte auf derzeit bestehenden Tauchplattformen einer deutlichen Verbesserung bedürfe. Eine derartige Verbesserung bzw. Weiterentwicklung würde einer gesteigerten wahrgenommenen Bedienbarkeit im Sinne des Technologie-Akzeptanz-Modells nach DAVIS (1989) entsprechen und könnte laut Modell eine Nutzung durch die Zielgruppe begünstigen. 49 Während auf der einen Seite also eine möglichst gute Verknüpfung aller Tauchinhalte ihren digitalen Abruf deutlich vereinfacht, ist auf der anderen Seite zu bedenken, dass die alles-in-einem-Lösung von den Tauchexperten unverkennbar angezweifelt wurde, und dass neben den Gefahren einer Monopolbildung auch die Glaubwürdigkeit speziell wissenschaftlicher Inhalte Einbußen verzeichnen würde, wenn diese sich mit den klassischen Inhalten sozialer Medien vermischten. Dies könnte mit einer verminderten Nutzung durch fortgeschrittene Taucher einhergehen, und wäre damit schlicht kontraproduktiv. Stattdessen zeigt sich ein Potenzial in der Verknüpfung und Zentrierung der auf das Tauchen bezogenen Fachinhalte bei gleichzeitiger Trennung von anderen Nutzungsvorhaben. Diese Idee wurde bereits in der Untergliederung des Tauchertypus‘ angedeutet, und würde beispielsweise eine klare Abgrenzung von sozial-medialen Bereichen wie der Eventkommunikation oder Selbstdarstellung auf Facebook oder Instagram bedeuten. Gerade für fortgeschrittene und routinierte Taucher, wie es die Probanden aus eigener Sicht berichten, wäre es besonders wünschenswert, das Angebot wissenschaftlicher, digitaler Inhalte zu erweitern. Gewünscht wäre, dass auch speziellere Aspekte aus tauchfremden Disziplinen auf das Tauchen bezogen aufbereitet würden. Konkret ergeben sich aus des Erkenntnissen der Untersuchung zwei Ansätze, welche im Folgenden erläutert werden: Ansatz 1 – Langfristige Bespielung und Diskussion spezifischer Fachinhalte unter Gleichgesinnten Die Idee einer Online-Plattform oder aber Online-Universität, die dem, zuvor erwähnten, unbefangenen Wissens- und Erfahrungsaustausch der Tauchergemeinschaft dient, ohne dabei zur klassischen Social Media-Bühne zu werden, wurde in den Interviews häufiger genannt. Dieser Ansatz zeigt, dass die Probanden den Austausch mit Gleichgesinnten durchaus befürworten, solange auf den Punkt gebrachte, relevante Inhalte sachlich diskutiert werden. Auch hieraus wird nochmals deutlich, dass es den Probanden um eine Fokussierung der Fachinhalte geht. Ein derartiger Austausch könnte sinnvolle Einblicke in problematische Verhaltensweisen und Erfahrungen anderer Taucher bieten und einen Lerneffekt erzeugen, ohne dass vergleichbare Fehler erneut gemacht würden. Hierunter werden besonders die Erfahrungen interessant, welche aufgrund befürchteter 50 Reaktionen auf sozialen Medien nicht geteilt werden. Auch solche Erfahrungen, die gerade aufgrund ihrer Brisanz geteilt, jedoch vorschnell verurteilt werden, sodass eine Aufbereitung und ein gemeinsames daraus Lernen nicht mehr stattfinden können, könnten hierüber eine Chance bekommen sachlich aufgearbeitet zu werden. Dieser Ansatz der langfristigen Ausrichtung bei steter Ansprache wird auch der Ansicht von WHITE et al. (2019) im SHIFT-Modell gerecht, wie tatsächliche Verhaltensänderungen erreicht werden können. Im Kern müsste die Plattform eine Umgebung bieten, in die die Taucher bezüglich der Wissenschaftlichkeit Vertrauen legen. Des Weiteren sollten Fachinhalte veranschaulicht und heruntergebrochen erklärt werden, welche über das Basistaucherwissen hinausgehen. Letztendlich gälte es diese Fachinhalte nach Sinneinheiten zu gliedern, um den Tauchern eine bessere Übersicht zu bieten und über solch differenzierte Fachbereiche die unterschiedlichen Tauchertypen, wie sie im vorangegangenen Kapitel skizziert wurden, anzusprechen. Passende Inhalte müssten für dieses Vorhaben nicht vollkommen neu geschaffen werden. Stattdessen könnte die Kombination einer automatisierten Vorselektion digitaler Fachinhalte unterschiedlichster Quellen mit anschließender manueller Prüfung durch erfahrene, professionelle Tauchenthusiasten zielführend wirken. Als geeignet eingestufte Inhalte könnten in einem letzten Schritt einheitlich aufbereitet und über die speziell geschaffene Taucher-Plattform kommuniziert werden. Selbige Selektion könnte auch dazu dienen, dass aus Themenvorschlägen und Erfahrungsberichten der Nutzer geeignete Inhalte ausgesucht und ebenfalls auf der Plattform geteilt würden. Ansatz 2 – Zeitpunktbezogene, prägnante Informationsübermittlung zum spezifischen Tauchplatz für die Tauchgangsplanung Der zweite Ansatz hat international vereinheitlichtes UW-Kartenmaterial zum Fokus, welches die Probanden bereits gerne nutzen und noch intensiver nutzen würden, sofern es angeboten würde. Dieses Material sollte unter Einbeziehung weiterer Daten, die die Taucher zur direkten Planung der nächsten Tauchaktivität abrufen, konzipiert werden. Hierzu zählen neben den UW-Karten im einheitlichen Format auch Informationen von Wetterdiensten, klimatischen Besonderheiten und weiteren Faktoren, die am speziellen Tauchplatz nicht zuletzt für die Sicherheit und Nachhaltigkeit des Tauchganges von Bedeutung sind. Daneben gilt es auch eine infrastrukturelle Vernetzung des Angebots an Tauchbasen, -kursen und weiteren Angeboten, sowie im besten Falle auch deren 51 Nutzerbewertung, darzustellen, um dem Wunsch der Vereinheitlichung der Anwendungen für den Themenbereich der Tauchgangsplanung nachzukommen. Durch eine Sichtbarmachung essentieller Besonderheiten der jeweils abgebildeten Tauchplätze leisten solche Karten einen direkten Beitrag – sowohl zu einem nachhaltigeren als auch zu einem sichereren Tauchverhalten. Beispielsweise können Gefahren für die Taucher entstehen, wenn sie von einer ihnen unbekannten Strömung überrascht werden. Und für die Natur wird es z.B. dann bedrohlich, wenn die Taucher Laichzeiten in speziellen Gebieten nicht beachten und dadurch die Fortpflanzung bestimmter Fischarten behindern. Eine detaillierte Beschreibung des Tauchplatzes kann diesen und anderen Risiken Abhilfe verschaffen und stellt somit einen direkten Mehrwert für Mensch und Natur dar. Der Nutzen entsprechender Karten rührt außerdem aus ihrer Attraktivität für die Taucher, auch aus ganz anderen Gesichtspunkten. Wie zuvor bereits erwähnt, gilt es die Taucher über solche Themen anzusprechen, an denen sie sowieso interessiert sind. Es wurde aus den Aussagen der Interviewten herausgelesen, dass die meisten Taucher in ihrer Entdeckerfreude nicht immer nur am selben Tauchplatz tauchen gehen wollen, und dass sie sich vor einer Tauchreise oder einem Ausflug für den nächsten Tauchgang erkundigen, wo ihnen ein gutes Potenzial genau der UW-Welt geboten wird, die sie gerne erleben wollen. Falls sie sich digital zu den Gegebenheiten vor Ort, zum UW-Relief, dem Artenbestand usw. informieren, dann gibt ihnen die UW-Karte einen schnellen und leicht verständlichen Überblick über das, was sie erwarten würde. Die Karte wäre also grundsätzlich nützlich und nicht nur in Bezug auf Sicherheits- und Nachhaltigkeitsbelange, welche jedoch im gleichen Zuge übermittelt würden. Konkret sollten die folgenden Aspekte in einem interaktiven Tauchplatzkartenwerk enthalten sein und je nach Besonderheiten des Tauchplatzes erweitert werden: Topografie o Himmelsrichtung o UW-Tiefenlinien o Tiefenpunkte wie etwa die Angabe des höchsten Riffpunktes oder des allgemein tiefsten Punktes am Tauchplatz o Riffformationen und Untergrundbeschaffenheit mit Unterteilung in Riff- und Sandböden sowie geeignete Ankerstellen o genaue Standorte von Wracks, Höhlen und weiteren sehenswerten Aspekten o empfohlene Tauchrouten (falls vorhanden) Infrastruktur vor Ort 52 o Ein- und Ausstiegsstellen am Ufer inkl. Entfernungen zueinander (falls nicht identisch) o Parkplätze und Wege zu Ein- und Ausstiegsstellen o ansässige Tauchbasen, -center und –vereine inkl. Verlinkung zu deren Angeboten sowie Kundenbewertungen o Ortsangaben über Notfall-Sauerstoff, Notfall-Ufertelefon und Notfall- Rufnummern (soweit vorhanden) Gefahrenpunkte wie Strömungen oder gesperrte Bereiche Artenvorkommen und Besonderheiten im Jahreszeitenwechsel durchschnittliche klimatische Werte im Jahreszeitenwechsel tagesaktuelle Werte der Wetterdienste o Temperaturen im Wasser und an Land o Wellengang o Windstärke und Windrichtung o etc. Einige Tauchbasen und Vereine weltweit bieten bereits sehr aussagekräftige und damit für die Taucher überaus hilfreiche UW-Karten ihrer Hausriffe oder nahegelegener Tauchplätze. Derartige Angebot auf weitere Tauchplätze zu auszuweiten, die Karten in einer vereinheitlichten Weise darzustellen und mit tagesaktuellen Werten der ansässigen Wetterdienste zu verbinden, ist die Zielsetzung dieses Ansatzes. Offenheit für digitale Angebote Beim ersten dargestellten Ansatz sowie klassischeren Wissensformaten, und im Kontrast zur generell tauchinformativen UW-Karte des zweiten Ansatzes, ist zu bedenken, dass letztendlich nur diejenigen mit der Ansprache erreicht werden, die auch offen für neue Erkenntnisse und eine damit im Zusammenhang stehende Reflexion des eigenen Tauchverhaltens sind. In den Bedenken der Probanden, dass ein mangelndes Bewusstsein für den Einfluss des eigenen Verhaltens während eines Tauchgangs auch mit einem mangelnden Interesse zusammenhängt, sich entsprechend besser zu informieren, liegt die Krux der Erreichbarkeits-Frage. Es wird angenommen, dass im Endeffekt nur die Personen erreicht werden, die sich sowieso bereits Gedanken um den eigenen Einfluss gemacht haben. Selbstverständlich hilft es auch hier, über digitale Inhalte weiter zu sensibilisieren und aufzuklären, weil oft genug kleine und vorerst unbewusste Verhaltensweisen bereits einen großen Unterschied machen können. 53 Gerade für diejenigen, die laut Probanden in ihrem gesamten UW-Verhalten ausdrücken, dass jegliche Aspekte des umsichtigen Tauchens nicht zu ihrem Interessensbereich gehören, ist der Grat der Erreichung jedoch als überaus gering einzustufen. Ein Erreichen solcher an Nachhaltigkeits- und Sicherheitsthemen uninteressierten Taucher über eine Plattform, wie sie im ersten Ansatz skizziert wurde, ist unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher wäre dagegen, diese Taucher über eine zur Faszination am Tauchen geschlagenen Brücke zu erreichen, welche indirekt und subtil Sicherheits- und Nachhaltigkeitsaspekte anspräche. Die Tauchplatzbezogene UW-Karte des zweiten Ansatzes birgt in dieser Hinsicht das größere, wenn auch nur zeitpunktbezogene, Potenzial der Beeinflussung. Generell gilt für die Taucher, ungeachtet ihres speziellen Interesses an Verhaltensaspekten, dass sie dort abgeholt werden müssen, wo das Tauchen sie begeistert. Grundsätzlich sollten daher Inhalte von den Tauchprofis selbst erstellt werden, weil sie die Sprache der Taucher sprechen, in ihrem Tun authentisch sind und die genauen Bedürfnisse und Interessen der Taucher verstehen. Sie könnten dies, nach Ansicht der Probanden, gleichzeitig in einer Weise vermitteln, die auch fortgeschrittenen Tauchern einen echten Mehrwert in Form neuen Wissens bietet. Außerdem können sie die Menschen sowohl auf emotionaler als auch auf rationaler Ebene ansprechen, den Einfluss des eigenen Verhaltens direkt veranschaulichen und immaterielle Werte innerhalb der Tauchergemeinschaft aufwerten. 4.4 Reflexion des methodischen Vorgehens Im Folgenden werden das methodische Vorgehen und die Ergebnisinterpretation bezüglich ihrer Objektivität, Validität und Reliabilität kritisch reflektiert. Außerdem werden persönliche, stichprobenbezogene und weitere Limitationen dargelegt. Gütekriterien wissenschaftlichen Arbeitens Zu Beginn der Arbeit stand schnell fest, dass der Forschungsfrage mit Hilfe leitfadengestützter Interviews und deren Auswertung im Sinne der qualitativen Inhaltsanalyse nach MAYRING (2015) auf den Grund gegangen werden sollte. Über das offene und flexible Forschungsdesign sollten möglichst tiefgreifende Einblicke in die subjektiven Ansichten der Probanden ermöglicht werden. Um dabei dennoch die Objektivität der Untersuchung zu gewährleisten, diente der klar strukturierte Interviewleitfaden mit seinen vorformulierten Fragen als essentieller Rahmen der 54 Befragung. Weiter wurden alle Probanden von der Autorin selbst befragt, die Auswertung wurde in ihrem Vorgehen genau dargelegt. So wurde versucht in allen Aspekten der Durchführung, Versuchsleitung und Auswertung die Objektivität der Arbeit sicherzustellen. In den Interviews konnten, über die Offenheit der Fragen, tiefgreifende Einblicke in die Erlebniswelt des Tauchens gewonnen werden, so wie sie die Probanden selbst wahrnehmen. Diese Suche nach der Quintessenz sollte es möglich machen, dass in einer erneuten Befragung bei identischem Versuchsaufbau und -ablauf zwar der Wortlaut differieren, der Grund-Tenor jedoch derselbe bleiben sollte wie in den ursprünglichen Interviews. Dies entspräche einer hohen Reliabilität der Untersuchung. Inwieweit extrahierte Kernaussagen wiederum zur Beantwortung der Forschungsfrage beitragen konnten, beschreibt die Validität der Arbeit. Auch hierfür bildete der sorgfältig verfasste Interview-Leitfaden die Basis. So, wie in der Beachtung der Objektivität, stellte auch für die Validität die gleichzeitig möglichst große Offenheit der Interviews ein Risiko für die Einhaltung der Gütekriterien dar. Dennoch war einer der Grundgedanken, dass die offene Gestaltung für ein Thema, welches in dieser Zusammensetzung zuvor noch nicht erforscht wurde, zielführender ist, als beispielsweise eine Befragung mit geschlossenen Fragen. Persönlicher, subjektiver Standpunkt Die Autorin ist selbst fasziniert von den Reizen des Tauchens und der UW-Welt. Eine Sensibilität für tauchbezogene Nachhaltigkeits- und Sicherheitsbelange erlangte sie über die Jahre hinweg, durch eigene Erlebnisse und persönliche Erzählungen anderer Taucher. In der digitalen Welt sah sie ein Sensibilisierungspotenzial bzgl. dieser Tauchthemen, aus dem auch die Forschungsfrage entstammte. Über die Arbeit an der Thesis hinweg reflektierte die Autorin ihren eigenen Standpunkt und ihre Wahrnehmung der Taucherwelt, nicht zuletzt auch in Bezug auf die Gütekriterien wissenschaftlichen Arbeitens. Während sie zuerst viele Gemeinsamkeiten zwischen den Erzählungen der Befragten und eigenen Erfahrungen fand, regte sich zuletzt die Vermutung, dass diese Gemeinsamkeiten auch deswegen als so bedeutend wahrgenommen wurden, weil die Autorin für diesbezügliche Aussagen der Probanden empfänglicher war als für Aussagen, die nicht ihrem eigenen Standpunkt entsprachen. Daher ist trotz bewusster Orientierung an MAYRINGS (2015) Vorgaben, klarer Formulierung des Leitfadens, trotz genauer Schilderung der Vorgehensweise sowie der Ausformulierung dieses 55 Gedankenganges eine subjektive Verzerrung durch die Autorin selbst nicht auszuschließen. Stichprobenauswahl Eine der anfänglichen Ideen war es, dass Online-Angebote vor allem auch dann hilfreich sein könnten, wenn für einen längeren Zeitraum nicht getaucht werden kann. Jedoch kennen die Tauchprofis, die zur Befragung ausgewählt wurden, zum größten Teil solche längeren Pausen überhaupt nicht, weil das Tauchen in weiten Teilen ihren Arbeitsalltag darstellt. Und so stellte für die meisten von ihnen nicht einmal die Covid-19-Pandemie gravierende Tauchbeschränkungen dar. Stattdessen fanden sie Möglichkeiten und Wege, wenigstens gemeinsam mit einem vertrauten Tauchbuddy z.B. in nahe gelegenen Seen, selbstorganisiert zu tauchen. Dies erzählten sie teilweise erst nach Beendung des offiziellen Interviews, wenn die Tonaufnahme bereits beendet war. Des Weiteren beschränkt die Stichprobenzahl von lediglich zehn Interviewten die Bezugskraft der Ergebnisse auf die Taucherwelt allgemein, und auch die Tatsache, dass alle Probanden aus dem deutschsprachigen Raum entstammen, darf in dieser Hinsicht nicht außer Acht gelassen werden. Außerdem ist zu bedenken, dass vor allem die Probanden in ihren Positionen als Tauchtrainer und –ausbilder bereits sensibilisierter für die Themenkomplexe der sicherheits- und nachhaltigkeitsbezogenen Verhaltensweisen beim Tauchen sind als der Durchschnitt der erfahreneren Taucher allgemein. Dies stellt ausdrücklich keine Kritik an gewählter Zielgruppe dar, sondern soll lediglich verdeutlichen, in welchen Bereichen weiterer Forschungsbedarf für die Zukunft besteht. Überlegungen zur Akzeptanz In dieser Thesis wurde eine bestehende Grundakzeptanz bzgl. digitaler Tauchtools angenommen. Neben hemmenden Faktoren, und wie diese gemindert oder gar eliminiert werden könnten, wurden auch akzeptanz- und damit nutzenfördernde Faktoren betrachtet. Es wurde weiter nach Hinweisen für eine bessere oder ganz neue Art der Gestaltung bereits existierender, digitaler Tauchtools gesucht, die dazu beitragen könnte, dass solche Akzeptanzobjekte dauerhafter und intensiver genutzt werden. Dennoch spiegeln die Ergebnisse lediglich eine Ableitung der Wahrnehmung aus dem Ist-Zustand der Tauchexperten wider. Aus der Zeitpunktbezogenheit der einmaligen Interviews kann nur eine statische Betrachtung der Nutzerakzeptanz entspringen. 56 5. Fazit und Ausblick Die Ergebnisse aus der Expertenbefragung haben vor allem gezeigt, dass vorhandene Online-Formate die Tauchexperten zumindest nicht in der Form erreichen, dass sie sich davon einen nutzenstiftenden Wissenszuwachs erwarten. Es kristallisierte sich heraus, dass neben einer qualitativ hochwertigen Aufbereitung und einer glaubwürdigen Informationsquelle insbesondere der Inhalt selbst von Mehrwert bietendem Interesse für die erfahrenen Taucher sein muss, um überhaupt ihre Aufmerksamkeit für sich zu gewinnen. Weiter hat sich aber auch gezeigt, dass der empfundene Nutzen für die einzelnen Tauchindividuen sehr unterschiedlich ausfallen kann. Außerdem wurde deutlich, dass eine grobe Unterteilung nach Tauchinteressen und –bereichen durchaus sinnvoll sein kann, um die Taucher direkter anzusprechen und ihr Interesse an speziell erstellten Inhalten langanhaltend hochzuhalten. Erst über diesen längerfristigen Weg des Bespielens mit interessanten, tauchrelevanten Themen könnten Wissensinhalte zu den Themen Nachhaltigkeit und Sicherheit bei den Tauchern Anklang finden und potenziell zu einer gesteigerten Umsichtigkeit im Tauchverhalten beitragen. Bezüglich kurzfristiger bzw. zeitpunktbezogener Informationsbeschaffung für den nächsten Tauchausflug oder –urlaub kann außerdem eine Art Ad hoc-Bedienung mit sicherheits- und nachhaltigkeitsrelevanten Informationen über eine vereinheitlichte Dar- und Zusammenstellung relevanter Inhalte, wie UW-Kartenmaterial u. ä. geboten werden. Ob solche Informationen zu einer tatsächlichen, langanhaltenden Verhaltensänderung bei den Nutzern der Inhalte führen würde, ist fraglich. Wenn derartige Informationen jedoch allzeit, also auch genau dann, wenn der individuelle Taucher seine Tauchgänge konkret plant, verfügbar sind und darüber hinaus in einem qualitativ hochwertigen Format überzeugen können, dann sind sie für ein umsichtiges Tauchverhalten von großem potentiellen Wert. Die Thesis konnte insgesamt dazu beitragen, einen besseren Überblick über die Ursachen eines nicht umsichtigen Tauchverhaltens sowie das derzeitige Potenzial zielgerichteter Online-Angebote zu erlangen. Den tatsächlichen Einfluss neu gestalteter Angebote jedoch gälte es an diesen Angeboten direkt und über einen längeren Zeithorizont hinweg zu untersuchen. Zwar kann nach den Aussagen der Probanden angenommen werden, dass beispielsweise eine klassische Website es in heutiger Zeit schwerer hätte mit ihren Inhalten die avisierte Zielgruppe in ihrem Verhalten zu beeinflussen als eine Plattform, auf der auch Interaktion zwischen Gleichgesinnten möglich wäre. Wie wirksam jedoch ein speziell konzipiertes Online-Angebot 57 angenommen, und darüber tatsächlich ein umsichtiges Verhalten angesprochen würde, kann nicht vorherberechnet werden. Die in dieser Arbeit gesammelten Erkenntnisse können lediglich dazu beitragen, zielgerichteter und fokussierter an einer praktischen Lösung zu arbeiten und feinfühliger auf spezifische Bedürfnisse und Nachfragen der Zielgruppe zu reagieren. Für weitere Befragungen – sei es zur konkreten Nutzung eines bestimmten Online- Formats oder einer Untersuchung, die das allgemeine Angebot und Interesse der Taucher abfragt – müssen auch Taucher anderer Fähigkeitsstufen als Probanden einbezogen werden. Die Unterschiede in der Nutzung digitaler Angebote zwischen Gelegenheitstauchern und denjenigen, welche regelmäßig ihrem Hobby nachgehen, könnten ebenfalls weitere Erkenntnisse bieten. Gänzlich unbeachtet blieb bisher der Aspekt, wer für die Finanzierung sowie die Erstellung, Instandhaltung und Erweiterung eines neu zu schaffenden Angebotes in Frage käme bzw. zuständig sein könnte. Die Rechtfertigung eines derartigen Aufwandes über positive Resultate im konkreten UW-Verhalten der Taucher weltweit wäre – so sehr sie auch die Zielerreichung repräsentieren würde – utopisch. Realistischer, jedoch auch weniger aussagekräftig, scheint die Untersuchung des Nutzerverhaltens innerhalb des speziellen digitalen Angebotes im Sinne einer nachweisbaren Einstellung bzw. Verhaltensintention, nicht aber des konkret nachweisbaren Verhaltens. Eine Zusammenarbeit mit den internationalen Tauchverbänden scheint definitiv angebracht, um genau an der Schnittstelle, wenn der Tauchschüler seine Ausbildung abgeschlossen hat, anzusetzen. 58 6. Literatur CHRISTEN, O. (2019): AIDA4 – Master Freediver. (Assistant Instructor). Manual. V1.01. AIDA International. CMAS (Hg.) (2022): UW Environment. 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Die erhobenen Daten werden lediglich im Rahmen meiner Thesis an der Sporthochschule Köln genutzt, und es erfolgt keinerlei Weitergabe an Dritte. Ich stelle sicher, dass die Anonymität gewahrt bleibt und somit keine Rückschlüsse auf deine Person möglich sind. Bist du damit einverstanden, dass ich das Interview zu Auswertungszwecken aufzeichne? Hast du ansonsten noch irgendwelche Fragen, die du vor Beginn des Interviews stellen möchtest? Dann schalte ich die Aufnahme jetzt ein. [Starten der Aufnahme] 63 L e it fr a g e /E rz ä h lim p u ls M e m o sp a lt e S te u e ru n g sf ra g e n V e rt ie fu n g a ) E in le it e n d 1 B it te s te lle d ic h u n d d e in e T a u c h a k ti v it ä te n v o r. P ro b a n d 1 a ) W ie b is t d u z u m T a u c h e n g e k o m m e n u n d w e r o d e r w a s h a t d ic h d a b e i b e e in flu s st ? 1 b ) D u b is t [S te lle ]. W ie is t e s d a zu g e k o m m e n ? 1 c ) In w e lc h e n D is zi p lin e n t a u c h st d u h a u p ts ä c h lic h ? 2 W a s m a c h t d a s T a u c h e n f ü r d ic h b e so n d e rs ? U n te rs u c h u n g sr a u m /- g e g e n st a n d 2 a ) W e lc h e n S te lle n w e rt h a t d a s T a u c h e n in d e in e m L e b e n ? 2 b ) W a s sp ri c h t a u s d e in e r S ic h t d a fü r m it d e m T a u c h e n a n zu fa n g e n ? 64 L e it fr a g e /E rz ä h lim p u ls M e m o sp a lt e S te u e ru n g sf ra g e n V e rt ie fu n g b ) B e o b a c h tb a re s V e rh a lt e n – S U B JE K T 3 B e s c h re ib e m ir b it te , w ie d e r id e a le T a u c h g a n g f ü r d ic h a u ss e h e n w ü rd e . In te re ss e n u n d N e ig u n g e n K a n n st d u n ä h e r e rl ä u te rn , w e lc h e R o lle d a b e i [a ) d e in B u d d y // b ) d a s T a u c h te a m / / c ) d ie T ie r- u n d P fla n ze n w e lt / / d ) T a u c h b e d in g u n g e n v o r O rt ] sp ie lt /s p ie le n ? K ö n n te st d u d a s a u s fü h rl ic h e r b e sc h re ib e n ? 4 W e lc h e p e rs ö n lic h e n M e rk m a le k e n n ze ic h n e n d e in e r M e in u n g n a c h d e n T yp A p n o e - u n d d e n T yp G e rä te ta u c h e r? In te re ss e n u n d N e ig u n g e n 4 a ) W e lc h e F ä h ig k e it e n m ü ss e n d ie T a u c h e r h a b e n , u m t a u c h e n z u k ö n n e n ? 5 W e lc h e s u n te r W a ss e r b e o b a c h te te V e rh a lt e n ä rg e rt d ic h ? V e rh a lt e n 5 a ) W a s is t a u s d e in e r S ic h t d ie U rs a c h e f ü r d a s P ro b le m ? 5 b ) W a n n is t e s b e ss e r? K a n n st d u m ir e in k o n k re te s B e is p ie l d a zu n e n n e n ? 6 In w ie fe rn w ir d d a s in d iv id u e lle T a u c h ve rh a lt e n v o n a u ß e n b e e in flu ss t? S o zi a le r E in flu ss W e lc h e R o lle s p ie le n d e in e r M e in u n g n a c h d ie [a ) T a u c h b a se n u n d T a u c h g u id e s / / b ) T a u c h v e re in e u n d – ve rb ä n d e ]? 6 c ) W e r d ie n t d e n T a u c h e rn a llg e m e in a ls V o rb ild ? 6 d ) U n d w ie s te h t e s u m d a s B e w u ss ts e in ü b e r d ie e ig e n e V o rb ild fu n k ti o n a ls T a u c h e r? 65 L e it fr a g e /E rz ä h lim p u ls M e m o sp a lt e S te u e ru n g sf ra g e n V e rt ie fu n g c ) K o m m u n ik a ti o n u n d K a n ä le - K O N T E X T 7 N u n k o m m e n w ir z u m T h e m a K o m m u n ik a ti o n im d ig it a le n Z e it a lt e r: Ü b e r w e lc h e K a n ä le e rr e ic h st d u m it d e in e n A k ti v it ä te n r u n d u m s T a u c h e n a n d e re T a u c h e r? K a n a l, A n sp ra c h e 7 a ) W a s fu n k ti o n ie rt b e so n d e rs g u t in d e r d ig it a le n K o m m u n ik a ti o n ? 7 b ) G ib t e s U n te rs c h ie d e in d e in e r A rt z u k o m m u n iz ie re n , je n a c h d e m w e n g e n a u d u a n sp re c h e n w ill st ? 7 c ) W e lc h e d ig it a le n P la tt fo rm e n u n d s o zi a le n N e tz w e rk e n u tz t d u z u r K o m m u n ik a ti o n m it a n d e re n T a u c h e rn ? 8 W e lc h e a u f d a s T a u c h e n b e zo g e n e n F a c h b e re ic h e u n d I n h a lt e w e c k e n d e in In te re s se ? W a h rg e n o m m e n e r N u tz e n , D e si g n u n d S ti l 8 a ) W ie m ü ss e n d ig it a le I n h a lt e p rä se n ti e rt s e in , d a m it d u ih n e n t a ts ä c h lic h d e in e g a n ze A u fm e rk sa m k e it z u w e n d e st ? 8 b ) W ie g e h st d u b e i d e r o n lin e -S u c h e n a c h ta u c h sp e zi fis c h e n I n h a lt e n v o r? 66 L e it fr a g e /E rz ä h lim p u ls M e m o sp a lt e S te u e ru n g sf ra g e n V e rt ie fu n g d ) T o o ls & W ir k u n g sw e is e – O B J E K T 9 D e r le tz te B e re ic h , zu d e m ic h d ic h b e fr a g e n m ö c h te , b e zi e h t si c h a u f d ie v o n d ir g e n u tz te n o n lin e -T o o ls u n d ih re W ir k u n g sw e is e : W e lc h e d ig it a le n A n g e b o te n u tz t d u k o n k re t a ls U n te rs tü tz u n g z u m T a u c h e n , im W a s se r u n d a n L a n d ? W a h rg e n o m m e n e r N u tz e n , W a h rg e n o m m e n e B e d ie n b a rk e it 9 a ) W a s is t d a s B e so n d e re a n d ie se m (g e n a n n te n ) T o o l? 9 b ) W e m g e n a u w ü rd e st d u d ie se s T o o l e m p fe h le n ? / / B e st e h e n U n te rs c h ie d e je n a c h T a u c h d is zi p lin ? 1 0 In w ie fe rn u n te rs tü tz e n d ic h ta u c h e rs p e zi fis c h e o n lin e -I n h a lt e u n te rs c h ie d lic h e r F a c h b e re ic h e b e im T a u c h e n s e lb st ? W a h rg e n o m m e n e r N u tz e n 1 0 a ) In w e lc h e n B e re ic h e n k a n n st d u d e in im W a ss e r e rl e rn te s T a u c h e rw is se n m it H ilf e d ig it a le r A n g e b o te a u fr e c h te rh a lt e n , se lb st w e n n d u m a l n ic h t zu m T a u c h e n k o m m st ? 1 0 b ) In w ie fe rn is t e s d ir m ö g lic h d e in im W a ss e r e rl e rn te s, t a u c h sp e zi fis c h e s W is se n o n lin e z u e rw e it e rn ? 1 1 W ir s in d je tz t fa st a m E n d e d e s In te rv ie w s a n g e la n g t. Z u k ü n ft ig : W ie w ü rd e f ü r d ic h d ie p e rf e k te d ig it a le U m g e b u n g im S in n e e in e r P la tt fo rm , e in e s T o o ls o d e r ä h n lic h e m a u ss e h e n , w e lc h e d u a ls U n te rs tü tz u n g d e in e r T a u c h tä ti g k e it e n g e rn e n u tz e n w ü rd e s t? W a h rg e n o m m e n e r N u tz e n , W a h rg e n o m m e n e B e d ie n b a rk e it , D e si g n u n d S ti l K ö n n te st d u d a s a u sf ü h rl ic h e r b e sc h re ib e n ? 67 L e it fr a g e /E rz ä h lim p u ls M e m o sp a lt e S te u e ru n g sf ra g e n V e rt ie fu n g A b sc h lie ß e n d 1 2 G ib t e s n o c h e tw a s, d a s d u e rg ä n ze n o d e r lo sw e rd e n m ö c h te st ? [S to p p e n d e r A u fn a h m e ] 68 7.2 Definition Kategoriensystem K a te g o ri e n - b e ze ic h n u n g D e fin it io n A n k e rb e is p ie l C o d ie rr e g e l 1 . B e re ic h S U B J E K T - a n a lo g u n d d ig it a l D e r in d iv id u e lle T a u c h e r u n d s e in T a u c h v e rh a lt e n O K 1 In te re ss e n u n d N e ig u n g e n E rf a h ru n g e n d e r B e fr a g te n , w a s si e se lb st u n d a n d e re T a u c h e r a m T a u c h e n in te re s si e rt , w o ra u f si e a u s s in d u n d w e sh a lb ; G e m e in sa m k e it e n u n d U n te rs c h ie d e d e s G e rä te - u n d F re it a u c h e n s; I n d iz ie n d a fü r, w e lc h e A rt e n d e r d ig it a le n A n sp ra c h e v o n T a u c h e rn z u k ü n ft ig b e ss e r o d e r sc h le c h te r fu n k ti o n ie re n k ö n n te n . E s is t w ir k lic h s e h r, s e h r u n te rs c h ie d lic h , w a s d ie T a u c h e r se h e n w o lle n , w a s s ie m ö g e n . A u s g e n o m m e n s in d a lle A u s s a g e n z u r A n s p ra c h e v o n T a u c h e rn , d ie b e re it s V e rw e n d u n g f in d e n . D ie s e f in d e n s ic h i n d e r K a te g o ri e " A n s p ra c h e ". O K 2 V e rh a lt e n A n a n d e re n b e o b a c h te te s u n d e ig e n e s V e rh a lt e n d e r T a u c h e r im W a ss e r, w e lc h e s s ic h a u f d e n T a u c h e r se lb st , a n d e re T a u c h e r o d e r d ie u m g e b e n d e U m w e lt a u s w ir k t M a c h t n ic h t so v ie le K u rs e – le rn t lie b e r ta u c h e n ! U K 2 .1 S ic h e rh e it sr e le v a n te s V e rh a lt e n T a u c h v e rh a lt e n , w e lc h e s d ie S ic h e rh e it d e r T a u c h e r b e e in flu s se n k a n n P ro b le m e , d ie u n te r W a ss e r a u ft re te n , s in d im m e r a u f e in s c h le c h te s P a rt n e rv e rh a lt e n zu rü c k z u fü h re n . U K 2 .2 U m g a n g m it d e r N a tu r T a u c h v e rh a lt e n , w e lc h e s d ie U W -W e lt b e e in flu ss e n k a n n D a h a t m a n d a s n a tü rl ic h t ä g lic h , d a s s je m a n d d a s R iff o d e r e in fa c h K o ra lle n z e rs tö rt , w e il e r m it d e n F lo ss e n d a r e in t a u c h t. O ft is t d a s n a tü rl ic h n ic h t b ö se r W ill e , s o n d e rn U n v e rm ö g e n , a ls o t a u c h e ri s c h e s U n v e rm ö g e n , d a ss j e m a n d n ic h t o rd e n tl ic h t a ri e re n k a n n o d e r e in e s c h le c h te W a ss e rl a g e h a t, u n d d e s h a lb K o ra lle n z e rs tö rt . 69 K a te g o ri e n - b e ze ic h n u n g D e fin it io n A n k e rb e is p ie l C o d ie rr e g e l 2 . B e re ic h K O N T E X T - a n a lo g u n d d ig it a l B e e in flu ss u n g d e s in d iv id u e lle n T a u c h v e rh a lt e n s v o n a u ß e n O K 3 S o zi a le r E in flu ss N o rm e n u n d W e rt e v o rs te llu n g e n , G ru p p e n zu g e h ö ri g k e it e n e tc . in n e rh a lb u n d a u ß e rh a lb d e r T a u c h e rg e m e in sc h a ft D a s is t in d iv id u e ll g a n z u n te rs c h ie d lic h . D a su c h t si c h je d e r se in e e ig e n e n V o rb ild e r, s e i d a s je tz t d e r T a u c h le h re r o d e r d e r S ta r- A p n o e ta u c h e r o d e r ir g e n d e in N a tu rf ilm e r o d e r so . A ls o d a h a t je d e r so s e in e e ig e n e n H e ro e s . U K 3 .1 E in flu ss d e s T a u c h te a m s v o r O rt V o rb ild fu n k ti o n e n u n d E in flu ss n a h m e a u f d a s in d iv id u e lle T a u c h v e rh a lt e n v o n S e it e n d e r B a se n , G u id e s, B u d d ie s u n d w e it e re r T a u c h e r; A rt d e s U m g a n g s u n d K o m m u n ik a ti o n u n te re in a n d e r; zw is c h e n m e n sc h lic h e A sp e k te , d ie v o r O rt d a s ta u c h e ri sc h e V e rh a lt e n d ir e k t b e e in flu ss e n A ls o d ie se n V o rb ild c h a ra k te r d a rf m a n ü b e rh a u p t n ic h t u n te rs c h ä tz e n . M a n m u ss a ls T a u c h le h re r o d e r a ls D iv e g u id e s ic h u m s o m e h r a n d ie se g a n ze n V e rh a lt e n s re g e ln h a lt e n . U K 3 .2 O rg a n is a ti o n a le r E in flu ss d e r (T a u c h -) In st a n ze n A rt d e r A u sb ild u n g s -, T ra in in g s - u n d A k ti v it ä ts o rg a n is a ti o n , R e g le m e n ti e ru n g e n u n d w e it e re W ir k b e re ic h e , d e r T a u c h v e rb ä n d e , – v e re in e , T o u ri s m u so rg a n is a ti o n e n , L a n d e sr e g ie ru n g e n e tc ., w e lc h e d e n T a u c h sp o rt d ir e k t u n d s o m it d a s in d iv id u e lle T a u c h v e rh a lt e n i n d ir e k t b e e in flu ss e n G u t is t, d a ss d ie V e rb ä n d e l e tz tl ic h d e n F in g e r d a ra u f h a b e n u n d e rk lä re n , w ie m a n t a u c h t. D e m e n ts p re c h e n d h a b e n s ie T a u c h le h re r, d ie sa g e n : ‚S c h a u m a l, s o t a u c h s t d u .‘ J a ? D a d u rc h k o m m t ir g e n d w a n n N a c h h a lt ig k e it a n d e n E n d ta u c h e r, d a k o m m e n S ic h e rh e it s a s p e k te a n d e n E n d ta u c h e r, d a k o m m e n V e rh a lt e n s re g e ln a n d e n E n d ta u c h e r, a ll d a s i s t g u t. A u s g e n o m m e n s in d T a u c h a k ti v it ä te n , d ie u n m it te lb a r in d e r N a tu r, a ls o im M e e r o d e r S e e , s ta tt fin d e n . D ie s e f a lle n in U K 3 .1 70 K a te g o ri e n - b e ze ic h n u n g D e fin it io n A n k e rb e is p ie l C o d ie rr e g e l O K 4 K a n a l M e d iu m , w o rü b e r T a u c h in h a lt e a b g e ru fe n , e rs te llt u n d g e te ilt w e rd e n ; d e r Z u g a n g z u s o w ie d ie P a rt iz ip a ti o n sm ö g lic h k e it in d ie se n K a n ä le n ; A u ss a g e n w e lc h e Ü b e rm it tl u n g sf o rm e n s ic h a u f w e lc h e n K a n ä le n e ig n e n J a g u t, d a ic h d a s je tz t s c h o n g a n z la n g e b e ru fli c h m a c h e g ib t e s d a v ie le K a n ä le : D a s si n d P ri n t- M a g a z in e , d a s s in d O n lin e -M a g a zi n e u n d d a n n h a u p ts ä c h lic h d ie s o zi a le n N e tz w e rk e . S o zi a le N e tz w e rk e h e iß t in m e in e m b e ru fli c h e n U m fe ld F a c e b o o k , In st a g ra m , (… ) d ie a n d e re n n ic h t so s ta rk , a ls o z u m in d e s t n ic h t in d e r T a u c h w e lt . A c h d o c h , Y o u T u b e n a tü rl ic h . O K 5 A n sp ra c h e D a s „w ie “ d e r A n sp ra c h e ( b e is p ie ls w e is e p e rs ö n lic h o d e r d is ta n zi e rt ) so w ie A u ss a g e n d a rü b e r w o d u rc h s ic h d ie T a u c h e r a n g e sp ro c h e n f ü h le n u n d w a s si e a b le h n e n E s g ib t so e in e Ü b e rs ä tt ig u n g a n T a u c h b ild e rn , ja , a ls o U n te rw a ss e rb ild e rn . D ie w ill im G ru n d e k e in e r m e h r se h e n . A u s m e in e r S ic h t fu n k ti o n ie re n z w e i D in g e g a n z g u t: D a s e in e is t, w e n n m a n a rb e it e t in d e m B e re ic h u n d d a n n D in g e a u s se in e m A llt a g z e ig t, a u s s e in e m A rb e it sa llt a g , d a s fu n k ti o n ie rt g a n z g u t. U n d d a s zw e it e , m u ss m a n le id e r s a g e n , s in d B ik in ifo to s . 71 K a te g o ri e n - b e ze ic h n u n g D e fin it io n A n k e rb e is p ie l C o d ie rr e g e l 3 . B e re ic h O B J E K T - d ig it a l T a u c h to o ls u n d - in h a lt e n e b e n d e n T a u c h g ä n g e n s e lb s t O K 6 W a h rg e n o m m e n e r N u tz e n d ig it a le r In h a lt e M e h rw e rt f ü r T a u c h e r d u rc h b e st im m te T o o ls , K o s te n -N u tz e n -A b g le ic h , m ö g lic h e A lt e rn a ti v e n U n d d a n n s in d je tz t m o m e n ta n d ie Ö s te rr e ic h e r d a b e i, w e il s ie n ic h ts m a c h e n k ö n n e n – d ie h a b e n ja L o c k d o w n . U n d d a n n k o m m e n h a lt a u c h L e u te a u s H a m b u rg . D ie w ü rd e n je tz t n ic h t fü r e in e n 9 0 -m in ü ti g e n K u rs z u m ir k o m m e n , so n d e rn d ie k o m m e n d a h a lt ü b e r P a tr e o n . U K 6 .1 A u sb ild u n g st h e o ri e D ig it a le K u rs m a te ri a lie n , d e re n N u tz u n g sm ö g lic h k e it e n u n d w ie s ie w ir k e n , so w o h l f ü r S c h ü le r a ls a u c h L e h re r, b e re it g e st e llt d u rc h T a u c h a u sb ild u n g so rg a n is a ti o n e n Ic h g la u b e d ie L e u te n u tz e n d a s , u m s ic h ir g e n d w o w e it e rz u b ild e n , u m n a c h h e r d ie T h e o ri e p rü fu n g z u s c h a ff e n , u m d ie Z e rt ifi zi e ru n g z u b e k o m m e n , u n d i c h g la u b e d a n n w ir d k e in e r n o c h m a l d a s S S I L e v e l 1 K it d u rc h a rb e it e n . U K 6 .2 S e lb st o rg a n is ie rt e s L e rn e n D ig it a le M ö g lic h k e it e n d a s in d iv id u e lle T a u c h e rw is se n a u ß e rh a lb d e r k la ss is c h e n T a u c h a u sb ild u n g z u v e rg rö ß e rn b zw . b e re it s e rl a n g te s W is se n a u fr e c h tz u e rh a lt e n ; S p e zi fis c h e F a c h b e re ic h e z u d e n e n s ic h d e r T a u c h e r d ig it a l i n fo rm ie rt , a u st a u sc h t, w e it e rb ild e t A u f d e m A n fä n g e rl e v e l f in d e s t d u a u f je d e n F a ll (… ) a ls o d a s A n fä n g e rl e v e l is t ja g e ra d e e in G e b ie t, w a s g u t e rs c h lo ss e n is t. D a h e rr s c h t b e i a lle n E in ig k e it , w ie m a n s o e in e A n fä n g e ra u sb ild u n g m a c h e n m u s s , w a s d e r w is se n m u ss , w a s d e r k ö n n e n s o ll. D a s in d s ic h e ig e n tl ic h a lle m e h r o d e r w e n ig e r e in ig . D e sw e g e n k a n n m a n d a a u c h n o c h e in e g a n ze M e n g e z u m T h e m a S c u b a -T a u c h e n f in d e n . D a s is t d a n n b e im F re e d iv in g s c h o n w ie d e r e in b is sc h e n a n d e rs . D a m u s s m a n d a n n a u c h w ie d e r v o rs ic h ti g s e in . D a g ib t e s d a n n d u rc h a u s L e u te , d ie a u f Y o u T u b e s a g e n : ‚H yp e rv e n ti la ti o n v o r d e m T a u c h g a n g is t s in n v o ll u n d s o .‘ D a s is t d a n n s c h w ie ri g , g e ra d e f ü r e in e n B e g in n e r, e in zu o rd n e n . A b e r b e i S c u b a a u f je d e n F a ll. D a s is t sc h o n l a n g e c o m m o n se n se , w a s d a v e rö ff e n tl ic h t w ir d . 72 K a te g o ri e n - b e ze ic h n u n g D e fin it io n A n k e rb e is p ie l C o d ie rr e g e l U K 6 .3 D ig it a le T a u c h g a n g sp la n u n g D ig it a le T o o ls , w e lc h e d ie T a u c h e r v e rw e n d e n , u m s ic h v o ra b a u f ih re n T a u c h g a n g v o rz u b e re it e n (K lim a , W e tt e r, U W -T o p o g ra fie , G a s - u n d T a u c h ze it e n b e re c h n u n g sh ilf e n e tc .) , w e lc h e d ie S ic h e rh e it d e r T a u c h e r u n d d a s G e lin g e n d e s T a u c h g a n g s fö rd e rn ; a u ß e rd e m A u ss a g e n z u r T a u c h c o m p u te rn u tz u n g w ä h re n d d e s T a u c h g a n g s A ls o m ic h p e rs ö n lic h u n te rs tü tz t e ig e n tl ic h n u r d ie P la n u n g s - A p p v o n d e n T a u c h g ä n g e n b e im t e c h n is c h e n T a u c h e n . A ls o d a s b e d e u te t, w e n n ic h je tz t sa g e m a n m a c h t e in e n T ie ft a u c h g a n g m it D e k o m p re ss io n s p fli c h t, d a s s m a n m it d e r S o ft w a re d e n T a u c h g a n g v o rh e r p la n e n k a n n , u n d d ie S o ft w a re e in e m i m E n d e ff e k t d e n B a ilo u t- P la n , a ls o d e n N o tf a llp la n , d ir e k t m it lie fe rt u n d m a n d a s G a n ze d a n n a u f d e n C o m p u te r ü b e rt ra g e n k a n n . D a s w ä re je tz t e ig e n tl ic h d a s E in zi g e , w a s m ic h w ir k lic h u n te rs tü tz t b e im T a u c h e n , w a s d ig it a l i s t. U K 7 D e si g n u n d S ti l A u sd ru c k sa rt d ig it a le r In h a lt e u n d in w ie fe rn s ie d a m it a n sp re c h e n d w ir k e n ( ä st h e ti sc h e M e rk m a le , S c h re ib st il e tc .) D a n n , a ls o d ie ö ff e n tl ic h e n , ic h s a g e m a l, d ie ö ff e n tl ic h e n K a n ä le , F u n k u n d F e rn se h e n , d ie h a b e n k e in e A h n u n g . A ls o d a s in d T a u c h re p o rt a g e n – k a n n m a n s ic h a n s c h a u e n , a b e r so b a ld m a n s ic h e in T ic k e n m e h r m it d e r M a te ri e b e s c h ä ft ig t h a t, is t e s e ig e n tl ic h n ic h t m e h r in te re s s a n t. W e il d a s s in d M e n s c h e n , d ie s ic h e b e n n ic h t in ih re m p ri v a te n L e b e n m it d e r M a te ri e b e s c h ä ft ig e n , u n d d a n n d a ra u s ir g e n d w e lc h e R e p o rt a g e n m a c h e n w o lle n – d a s f u n k ti o n ie rt m e is te n s n ic h t. In te re ss a n te R e p o rt a g e n s in d d a n n d ie , d ie w ir k lic h v o n d e n L e u te n g e m a c h t w e rd e n , d ie s ic h h a u p tb e ru fli c h m it T a u c h e n b e sc h ä ft ig e n . U n d d a n n is t e s n a tü rl ic h , je c in e m a ti s c h e r d a s w ir d , a ls o j e b e ss e r d a s B e w e g t- B ild -F o rm a t, d e st o e h e r sc h a u t m a n e s si c h a u c h a n . W e il e s i s t je tz t n ic h t n u r In fo rm a ti o n s tr a n sp o rt , s o n d e rn e s s o llt e s c h o n a u c h ir g e n d w ie s c h ö n a u ss e h e n . A u s g e n o m m e n s in d h ie r A s p e k te , w e lc h e d ie H a n d h a b u n g v e re in fa c h e n . D ie s e fa lle n in d ie K a te g o ri e „B e d ie n b a rk e it “. 73 K a te g o ri e n - b e ze ic h n u n g D e fin it io n A n k e rb e is p ie l C o d ie rr e g e l O K 8 W a h rg e n o m m e n e B e d ie n b a rk e it P ro ze ss - u n d Z u s ta n d s m e rk m a le , d ie d ie N u tz u n g d ig it a le r T o o ls d ir e k t v e re in fa c h e n u n d v e rb e ss e rn ( re sp o n si v , ü b e rs ic h tl ic h , in te g ri e re n d e tc .) M a n k ö n n te e s b e s se r in te g ri e re n . A ls o d a s s in d d a n n n a tü rl ic h a lle s fr e m d e U n te rn e h m e n , d ie d a n n ir g e n d w ie s o - m it e in e m K lic k k a n n s t d u d a n n s o ir g e n d w a s d a d a n n t e ile n , a b e r d a s is t d a n n o ft n ic h t o p ti m ie rt . A ls o , w e n n d u j e tz t A p p s m it e in a n d e r v e rk n ü p fs t u n d s o , d a n n i s t e s o ft s e h r ru d im e n tä r g e lö st , w ie d ie I n fo rm a ti o n e n d a t ra n s p o rt ie rt w e rd e n u n d w ie d ie d a n n d o rt a n g e ze ig t w e rd e n , w e il d ie ja a u c h g a r k e in g ro ß e s In te re s se h a b e n , ih re N e tz w e rk e a n e in a n d e r a n zu k n ü p fe n . D a k ö n n te n d ie V e rk n ü p fu n g e n e in fa c h b e s se r u n d o p ti m a le r d ig it a l g e s ta lt e t w e rd e n . 74 7.3 Anwendung Kategoriensystem OK 1 Interessen und Neigungen Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I1 Also beim Gerätetauchen hat man auch die ganze Bandbreite. Rein theoretisch könnte man das schon ab acht Jahren beginnen, wäre sehr früh natürlich, bis hin ins hohe Alter. Erst mal von der ganzen Bandbreite auch völlig berufsübergreifend. Da hast du alle dabei. Viele wollen wirklich auch einfach mal – sie lernen dann tauchen, um dann auch mal mit Haien zu tauchen. Sie suchen dann auch oft dieses Spektakuläre, um vielleicht mal Wale unter Wasser gesehen zu haben. Oder auch einfach die Gelegenheit, wenn sie in so einem Urlaub im Urlaubsort am Strand liegen und dann ist denen vielleicht langweilig und dann ist da so eine Tauchbasis, dass sie dann einfach mal so von der Gelegenheit her mitgehen oder einen Tauchschein oder Tauchkurs machen. Also vom Typ her (…) wie soll ich das sagen? Also noch mehr die ganze Bandbreite. Vielleicht auch jemand, der das nur alle paar Jahre einmal macht, die an irgendeinem schönen Urlaubsort sind, wo das Wasser auch so schön und auf jeden Fall warm ist. Eher würde ich sagen, um Tiere zu sehen, um die Unterwasserlandschaft zu sehen, um schön bunte Riffs sich anzuschauen. (151-163) UW-Welt erkunden wollen - veränderte Wahrnehmung durch unalltägliche UW- Welt - Suche nach spektakulären Erlebnissen - Gelegenheitstauchen im Urlaub - UW-Sightseeing I2 So ein bisschen, ich glaube der Explorationsgedanke ist bei allen so ein bisschen vorhanden, dass man irgendwas sich anschaut, was man nicht im Alltag ständig hat. Oder etwas erlebt, was einfach was Neues ist, das man erleben kann. (96-99) I4 Wir machen hier zum Beispiel nächstes Jahr eine Vernissage unter Wasser, das heißt wir funktionieren das Tauchcenter so für ein, zwei Wochen um zu einer Fotoausstellung, wo wir auch von dann sehr guten Fotografen im Endeffekt unter Wasser Unterwasserfotos ausstellen, und die Taucher, die hier kommen, können dann im Center tauchen und sich diese Fotos angucken. Genau, das wäre dann das, was wir nächstes Jahr erstmalig planen, was, glaube ich, sehr gut ankommen wird, weil natürlich die meisten Leute tauchen, weil sie sich was anschauen wollen unter Wasser. In Deutschland kann man das natürlich in den Seen schon machen, oder hier im Center haben wir ja eine Kunstfelsenlandschaft, aber keine Tiere drin und keine spektakulären Dinge, die man sieht. Und ich glaube das ist deshalb eine ganz coole Sache mal solche tollen Bilder zu zeigen unter Wasser. Aber wie es ankommt werden wir sehen (lacht). (346-355) I7 Dann entdecken wir eine riesen Welt und über dieses Beobachten von dem, was draußen ist, nehmen wir uns selbst in einer veränderten Umgebung natürlich auch selbst anders wahr. Und 75 OK 1 Interessen und Neigungen Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung haben den ganz großen Vorteil – und das finde ich immer so im Wasser, ich habe da so diese Entspannungstechnik XXX entwickelt – dass du, wenn du das unter Entspannungsgesichtspunkten siehst, natürlich im Wasser eine Welt hast, die mit der an Land überhaupt nichts gemein hat. (86-91) I7 Aber ich glaube Scuba Diver sind mehr Leute, die unter Wasser etwas anschauen möchten, so mehr das Sightseeing unter Wasser. (188-189) I10 Es heißt ja Sporttaucher, aber ich liebe eigentlich eher warmes Wasser, ich tauche nicht in irgendwelchen Wettbewerben oder um Tiefenrekorde zu reißen oder besonders lange die Luft anzuhalten. Mich interessiert es einfach, völlig relaxed die Unterwasserwelt anzusehen. Und die Hauptmotivation sind eigentlich Fische. Also viele Leute interessieren sich ja für Wracks oder wollen irgendwelche Höhlen erkunden und ich fand schon immer die Fische, Karibikfische, spannend, und Haie. Das war immer so meine Faszination mal Haie hautnah zu sehen. (28-34) I1 Beim Freediving, beim Apnoetauchen, hat man mehr Leute, die mehr auch Wert auf das ganze Lifestyle- Drum-Herum legen. Also auch da hat man Leute, die das einfach nur mal machen wollen, ja, aber nicht ganz so sehr wie beim Scubadiving. Ganz oft hat man beim Freediving Leute, die also auch sportlicher sind, würde ich mal so sagen. Hilft ja auch beim Freitauchen. Das ist ja auch ein bisschen körperlicher als beim Scuba-Tauchen, da muss man eigentlich, wenn man das Tarieren draufhat (…) rein theoretisch müsste man nicht mal schwimmen können. Es hält einen ja über Wasser. Ist natürlich Voraussetzung, auch, aber, wenn man das tariert, geht das. Also körperlich muss man weniger können als beim Freediving. Und das zieht dann auch einfach Leute an, die so ein bisschen sportlicher sind, würde ich mal so sagen. (164-172) Interessen und Neigungen der Apnoetaucher - sportlicher Anspruch - Lifestylebeeinflussung - nach innen gerichtete Wahrnehmung, Selbsterfahrung, Grenzen austesten - Unkompliziertheit des Tauchgangs Interessen und Neigungen der Gerätetaucher - weniger sportlicher Anspruch, stattdessen Fokus auf gemeinsamen Erleben und Spaß - nach außen gerichtete Wahrnehmung - auf Equipment angewiesen Taucher allgemein - Suche nach besonderen Erlebnissen - raus aus dem Alltag - Genussorientierung - heterogene Zielgruppe I1 Essen, Trinken, Alkohol und Rauchen – das hat man deutlich weniger bei den Freedivern. Und auch natürlich so Sachen, wie Yoga, Stretching, Atemübungen, was der Gesundheit und der ganzen Entspannung ja zuträglich ist, das ist natürlich beim Freediving ein viel höheres Thema und das macht man auch oft nicht nur unmittelbar vor den Tauchgängen, sondern viele integrieren das dann auch allgemein in ihr Leben. Dass man mal ein bisschen achtsamer ist mit sich selbst, sich mal Zeit nimmt für sowas. (201-207) I3 Beim Freediving ist die Wahrnehmung ja sehr nach innen gerichtet, man muss sich sehr viel mit sich selbst beschäftigen, und beim Scuba-Tauchen da geht es dann am ehesten um Naturbeobachtung und solche Dinge. (25-28) 76 OK 1 Interessen und Neigungen Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I3 Da muss man dann anfangen und unterscheiden zwischen Frauen und Männern, glaube ich, ohne jetzt Rollenklischees bedienen zu wollen, aber, wenn wir von Presslufttauchern sprechen, ist meine Erfahrung nach: Bei den Frauen steht tatsächlich im Vordergrund die Naturerfahrung, Tiere zu sehen, schöne Korallen zu sehen. Wenn sie mit einem Partner tauchen, dann geht es auch um die Partnererfahrung, dass man was zusammen macht, zusammen eine Sportart ausübt. Bei den Männern, meiner Erfahrung nach, gerade bei den Beginnern, geht es eben eher um Abenteuer, entdecken, ein Wrack entdecken, erkunden. Da stehen diese Dinge im Vordergrund. Bei beiden ist es dann so, dass auf jeden Fall beim Scuba-Tauchen die Außenwahrnehmung zählt. Also ich möchte Natur erleben, ich möchte ein Abenteuer erleben und solche Dinge. Also die Wahrnehmung ist nach außen gerichtet. Beim Freediving, da haben wir aus meiner Sicht keine so große Unterscheidung zwischen Männern und Frauen. Da geht es dann, im Gegensatz zum Presslufttauchen, darum, dass man die Wahrnehmung nach innen richtet. Da geht es um Selbsterfahrung, sich kennenlernen, den eigenen Körper kennenlernen, Grenzen austesten und um solche Dinge. Wenn man es auf den Punkt bringen möchte. Der größte Unterschied zwischen Scuba- und Freediving ist: Für das eine ist die Wahrnehmung ganz klar nach außen gerichtet und beim anderen ist ganz klar die Wahrnehmung nach innen gerichtet. (135-152) I4 die wenigsten machen ja Apnoetauchen, um sich dann dabei Fische anzugucken, sondern sie wollen ja schon ihre Grenzen austesten und gucken: ‚Wie tief komme ich heute, wie lange mache ich Statik, wie weit kann ich Streckentauchen?‘ Das heißt, auch wenn man da zwar im Team taucht, ist natürlich trotzdem immer ein bisschen der Vergleich dabei. (77-80) I4 Ich denke, dass man das bei den Apnoeisten ein bisschen einfacher sagen kann. Das sind in der Regel eher Leute, die meistens von ihren Charaktermerkmalen so sind, dass sie interessiert sind an sich selbst, also an ihrem Geist und an ihrem Körper. Also das heißt die sind ja in der Regel sehr interessiert an Entspannungsübungen, Atemübungen und neigen in aller Regel eher dazu etwas Außergewöhnliches leisten zu wollen. Also es ist, sage ich mal, eher so der Typ, der jetzt auch irgendwie klettern geht, Extremklettern, oder andere extremere Sportarten jetzt macht. Und das ist jetzt von den Charaktermerkmalen auch eher der Typ, der dann freitauchen geht. Kann man natürlich aber trotzdem so ganz pauschal nicht sagen. Es gibt da 77 OK 1 Interessen und Neigungen Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung viele unterschiedliche Arten von Menschen. Deshalb würde ich sagen, so das zentralste Merkmal für den Apnoetaucher ist, dass er oder sie interessiert an sich selbst ist und an seiner eigenen Leistung. (139- 149) I4 Beim Gerätetaucher würde ich jetzt, wenn man das so pauschal sagen kann – da gibt es ja sehr unterschiedliche Leute. Ob man jetzt den technischen Taucher nimmt, der Höhlentauchen geht, oder das Ehepaar, was auf die Malediven fliegt, und dort tauchen geht. Deshalb ist das schwer zu sagen. Aber grundsätzlich, würde ich sagen, wenn man versucht es pauschal zu sagen, sind die Sporttaucher eher Menschen, die gesellig sind, von ihrem Typ her. Eher gesellige Menschen, die auch etwas Außergewöhnliches machen wollen – das glaube ich haben die gemein. Also alle Taucher wollen etwas Außergewöhnliches machen, aus dem Alltag heraus, was spektakulärer ist, als Badminton oder so. (150-157) I4 Und das Schöne ist, dass das Tauchen sehr entspannend ist, sehr gute Möglichkeiten bietet einfach mal vom Alltag abzuschalten, was sehr Entspanntes zu machen, und, was für mich ein ganz besonderer Punkt ist beim Sporttauchen oder beim Tauchen insgesamt, dass es entgegen dem normalen Wesen vieler Menschen keinen oder wenig Vergleich- und Wettkampfmöglichkeiten gibt. Die meisten Sportarten sind ja – am Ende wird immer geguckt: ‚Wer ist besser, schneller, wer springt weiter, trifft besser das Tor?‘ Und beim Tauchen ist es eigentlich eine Sportart, die man macht, um gemeinsam was zu erleben und weniger um sich gegenseitig zu messen. Beim Freitauchen ist es natürlich ein bisschen was Anderes, beim Apnoetauchen, aber das ist für mich ein besonders schöner Punkt des Sports und das würde ich auch jedem Anfänger sagen. Das ist halt einfach eine Freizeitbeschäftigung, die man zusammen macht, ohne, wie das heutzutage ist, sich immer messen zu wollen; wer ist der Bessere? (55-66) I5 Und dort war ich dann auch mit meiner Frau schnorcheln - sie hatte damals auch mir zu Liebe mit dem Gerätetauchen angefangen, das war aber nie wirklich ihr Ding – dort hatte ich ihr dann auch ein paar Sachen gezeigt vom Apnoetauchen beim Schnorcheln und das war komplett ihr Ding, ihr Element, wo sie sich befreit gefühlt hat von der Abhängigkeit von der Technik. Das war für sie so der Schlüsselmoment. (33-37) I5 Aber es ist schon etwas daran, dass eben das Gerätetauchen mehr im Außen stattfindet und das Apnoetauchen natürlich viel mit einem selbst zu tun hat. (122-123) 78 OK 1 Interessen und Neigungen Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I6 Auch die Möglichkeit beim Apnoetauchen, sich mit der Umwelt so einfach zu verbinden, weil man im Endeffekt nicht blubbert und so eigentlich auch wirklich ankommen kann in dieser Tiefe. (121-122) I6 Ich habe gemerkt – ich habe ja selbst Sport studiert, ich bin eigentlich studierter Sportökonom – da hat mir irgendwie der körperliche Anreiz gefehlt. Der ist dann beim Gerätetauchen so ein bisschen weg gewesen, weil ich bin so sehr auf das Gerät angewiesen, und habe es dann beim Schnorcheln einmal so ein bisschen übertrieben und bin sehr tief getaucht und auf einmal gefallen! (22-26) I7 Ja, der Apnoetaucher möchte eher eine körperliche Erfahrung machen. Für ihn spielt halt auch die Unkompliziertheit des Tauchgangs, das Flexible, das Einfache, das Unkomplizierte eine große Rolle. Der möchte spontan sein, möchte sich selbst spüren, möchte sportlich etwas tun. (182-185) I8 Ich habe tatsächlich bei den XXX festgestellt, dass es da wenig Überschneidungen gab. Also ich bin damals immer donnerstags im Hallenbad in XXX zum Training gewesen. Da gab es wenige, die beides gemacht haben, oder sie haben dann nur noch eines gemacht, in dem Fall halt Apnoe. Also du kennst ja die ganzen Leute dort. Und die wirkten auf mich tatsächlich – aber ich habe da auch nur wenig Einblick, auch von den Leuten, die ich dann da mal am See gesehen habe – die wirkten auf mich da schon in die Richtung, dass das Training im Vordergrund steht, und Wettkampf, persönliche Bestleistungen und so weiter, also sprich, zum einen die sportliche Ertüchtigung und zum anderen dann eben auch Competition. Und bei Gerätetauchern sehe ich eher – da gibt es natürlich auch, klar, wenn ich dann am Bodensee stehe, bei ein paar Leuten, die für einen Höhlentauchgang trainieren oder was auch immer, dann sind das natürlich auch ganz besondere Gestalten. Aber so der normale 08/15- Gerätetaucher macht das zum Spaß an der Freude. (92-105) I9 Ich glaube beides sind im Idealfall schon Genießer- Typen, aber das muss nicht sein. (102-103) I9 Vorher habe ich Freitauchen schon so ein bisschen mehr als Wettkampfdisziplin gesehen, ohne explizit in Wettkämpfe zu gehen. Aber den Wettkampf mit mir selbst, im Sinne von: Mehr Meter ist besser. (25-27) I10 Apnoetaucher sind erst mal sportlicher (lacht), das als Erstes, das ist ganz klar. Die kommen eben von einer sportlichen Disziplin her, die haben einen ganz anderen Anspruch. Also die Apnoetaucher, die ich so kennengelernt habe: XXX ist ja ein Kollege von mir, den kenne ich ja nun gut. Er ist ja ein grandioser Apnoetaucher. Und das sind halt eher so Sportler, Wettbewerbstypen, XXX und die ganzen Leute. Die haben halt diesen Anspruch. Obwohl, nicht nur, also 79 OK 1 Interessen und Neigungen Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung gerade die beiden, die ich gerade genannt habe, sind jetzt keine reinen Sportsgranaten, die nur höher, schneller, weiter oder in dem Fall tiefer oder länger wollen, sondern die, ich finde, so einen leicht friedlichen Urgedanken dabeihaben, der vielen Gerätetauchern abhandengekommen ist, nämlich, dass sie dieses back-to-the-roots-Ding propagieren. Sprich, du brauchst jetzt nicht hier so zwei Tauchcomputer und den neusten Technik-Krempel, sondern es geht auch wirklich mit ganz wenig Zeug. Einfach nur das Unter-Wasser genießen und nicht hier ein Computer und da ein Computer und dann noch ein Computer in der Maske. Es gibt eben solche Freaks unter den Tauchern. Und Gerätetaucher sind anders, natürlich. Das ist eine viel größere Masse, die man überhaupt nicht homogen einschätzen kann, finde ich. Da gibt es auch diese Sportler, da gibt es aber auch diese Couchpotatoes natürlich, die Fraktion, die wirklich gar nichts macht, und die völlig unsportlich ist und nichts mit Sport am Hut hat. Und ich sage ja auch: Tauchen ist ja in dem Sinne auch kein Sport, also Gerätetauchen. Es ist ganz gut, wenn man fit ist, um diese Sachen zu schleppen und das man auch während des Tauchgangs genügend Kraft hat, um das Equipment zu tragen. Klar, Sport würde ich jedem raten, aber das ist beim Gerätetauchen nicht so notwendig und deswegen ist diese – ich habe da schon immer Schwierigkeiten gehabt im Magazin – diese Zielgruppe einzugrenzen, weil sie einfach unglaublich divers ist und von der Altersstruktur von 20 bis 80 ungefähr geht. Da sind alle möglichen Zielgruppen dabei. (192-214) I10 Es ist wirklich sehr, sehr unterschiedlich, was die Taucher sehen wollen, was sie mögen. (225-226) I9 Für mich ist das wirklich Bewegungsmeditation. Weil ich in jedem einzelnen Schritt zwar eine Tätigkeit habe, die aber relativ anspruchslos ist und gerade so viel Gehirnkapazität bindet, dass ich sonst extrem runterfahren kann, also einfach auch vom Arbeitsalltag ein Stück weit. (37-39) Meditationsinteresse - Ausübung von Yoga, Meditaions-, Atemübungen u. ä. - Interesse an Themenbereich im Apnoetauchen stärker ausgeprägt als im Gerätetauchen - Flow-Erleben während der Tauchgänge angestrebt I9 Aber es hat mich auch auf dem Weg dahin dann noch stärker zum Yoga gebracht, was ich vorher schon gemacht habe, und eben auch hin bis zu Meditation. (50-52) I9 Die guten Taucher, die auch lange dabei sind, haben schon irgendwann eine ausgeprägtere innere Ruhe, die sie dann auch ein bisschen ausstrahlen. (106- 108) I7 Na ja, es ist halt etwas Dreidimensionales, das heißt, zum einen fühlt sich das Wasser gut an, es verändert irgendwie die Perspektive. Für mich hat sich mit Sicherheit, was als Hobby angefangen hat – und speziell das Apnoetauchen, muss ich sagen, wo du ja noch stärker in die Atemtechniken, in die 80 OK 1 Interessen und Neigungen Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung Entspannung, in die Meditation gehst – hat es mit Sicherheit auch meinen Lifestyle irgendwo im Großen und Ganzen verändert. (34-38) I6 Also es kommt eher, dass ich in eine Art Flow- Zustand reinkomme, in dem eigentlich alles ganz leicht und locker ist und wo auch alles funktioniert. Ich glaube das ist das Nonplusultra, wonach wir, glaube ich, alle beim Apnoetauchen so ein bisschen streben, diesen Moment öfter zu haben. (66-69) I8 Am liebsten sind mir Wracks. Da lebe ich für oder tauche ich für. Und das hat auch mit einen Grund, warum ich gewisse Ausbildungen danach noch gemacht habe, also gerade das Thema Mischgastauchen und so weiter, weil manche Wracks dann doch auch etwas tiefer liegen. Die möchte ich mir auch angucken. (16-19) Interesse an Spezialtauchgängen Technisches Tauchen für spezielle Erlebnisse I8 2012 habe ich dann noch angefangen mit dem Sidemount-Tauchen, das hast du vielleicht auf unserer Website auch gesehen. Und da ist es ein bisschen einfacher und auch spannender da Ausbildungen zu machen, weil es nicht jeder macht und jeder kann, und du natürlich auch fertige Taucher vor dir hast und nicht irgendwie bei null anfängst. (33-36) I8 Und man muss es, denke ich mal, auch wollen. Also ich habe ja bei der Ausbildung häufig erlebt, dass wenn ein Pärchen gekommen ist, um einen Tauchschein zu machen: ‚Wir wollen einen Tauchschein machen.‘ Da hat man ganz genau gemerkt, wer von den beiden den Tauchschein machen möchte und wer halt noch mit dazu kommt. So nach dem Motto, dass man den oder die nicht alleine lässt: ‚Das soll dann schon auch ein Hobby für uns beide werden.‘ Und so hat sich das dann häufig auch im Kurs dargestellt, gerade was das Thema Kopf anbelangt. (122-128) Interesse über extrinsische Faktoren - tauchen, weil der Partner taucht - Kostenbewusstsein - Selbstdarstellung auf den sozialen Medien I9 Was ist so ein gemeinsamer Nenner von Tauchern?: Ich glaube über viele kann man sagen so eine finanzielle Knappheit. Also speziell in der Freitauchwelt ist das, zumindest, wenn ich in Urlaubsregionen schaue, ein riesen Ding. Auch wenn ich selbst als Ausbilder schaue sehe ich das schon, dass da immer noch ein ausgeprägtes Kostenbewusstsein ist, was du in vielen anderen Branchen sicherlich nicht so hast. (478-483) I3 Ja, wenn zum Beispiel die Tierwelt oder die Pflanzenwelt, die ich mir anschaue, so dekoriert wird und so degradiert wird zu irgendeiner Dekoration. Die meisten Taucher, die ich kenne, verstehen nicht oder wissen noch nicht mal welche Fische sie sehen. Die können sie noch nicht mal benennen, nicht zuordnen. Man hat oft den Eindruck es geht jetzt nur darum große Fische gesehen zu haben. Meistens können die auch nicht wirklich erzählen: Was haben sie gesehen, was haben sie erlebt? Sondern das ist 81 OK 1 Interessen und Neigungen Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung so, man hat oft den Eindruck es geht nicht wirklich um das Tauchen, um das unter Wasser sein, sondern nur einfach irgendetwas Aufregendes gemacht zu haben, von dem man erzählen kann. (190-197) OK 2 Verhalten Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I10 Jeder, der taucht, war irgendwann mal Anfänger. Und ich war bestimmt genauso: Wenn die dann vor dir rumschwimmen und mit falschen Flossenschlägen das ganze Sediment aufwirbeln, dass du nichts mehr siehst – das nervt mich tierisch. So was. Das hat oft genug schon tolle Schüsse kaputt gemacht, dadurch, Fotos. Und auch sonst im Tauchgang: Das nervt halt, wenn du Leute dabeihast, die irgendwie nicht gut klarkommen. Aber das ist normal und dann muss man eben gucken, dass man in einer Gruppe taucht, wo alle auf einem Level ungefähr sind. (236-241) Korrektes Tauchverhalten benötigt Übung I3 Macht nicht so viele Kurse – lernt lieber tauchen! (477) 82 UK 2.1 Sicherheitsrelevantes Verhalten Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I10 Extrem wichtig, weil man sich ja auf den Buddy verlassen können muss. Mir sind schon alle möglichen komischen Sachen passiert. Die Rubrik „Aus Fehlern lernen“ habe ich auch zehn Jahre begleitet und das ist immer sehr drollig: Da geben Leser ihre Tauchunfälle preis und ich habe das immer kommentiert, habe mir dann immer Experten zum jeweiligen Thema dazu geholt. Und umso drolliger: Es passiert einem selbst auch immer wieder. Gerade wenn man so in einer Tauchbasis ankommt: Die machen dann nur für uns diesen Tauchgang klar, weil wir die Redakteure sind. Und dann wird nicht so aufgepasst bei dem Ganzen, mit Einstieg, Ausstieg, ganz kurzes Briefing und nichts vorher, keiner kontrolliert da was. Und dann ist es mir schon mal in der Hektik passiert, die anderen waren hinterher, dann war bei mir das Ventil kaputt, also das waren diese blöden INT-Flaschen, und dann habe ich eine andere Flasche genommen, habe nicht gemerkt, dass die nicht richtig voll war, habe dann auch das Fini hier irgendwie so schlecht reingewürgt (deutet seitlich auf seinen Rücken), und bin dann mit einer halb leeren Flasche abgetaucht. Solche blöden Sachen. Oder ich muss mal summieren. Es sind so ein paar dumme Fehler passiert, auch beim Ausstieg, beim Einstieg, Safaribootleiter, die Klassiker: Nicht genau die ganze Zeit die Luft kontrolliert, vertaucht, nicht auf den Kompass geachtet. So diese Klassiker. Das passiert mal ganz schnell, bei der Strömung: Nicht genau drauf geachtet, rechte Schulter hin, linke Schulter zurück; einen Buddy verloren, auch oft schon passiert. Deswegen gucke ich auch immer und mache seit dem auch diesen Buddy-Check, obwohl das bei Tauchern, die schon seit über 20 Jahren tauchen, immer ein bisschen lächerlich wirkt. Aber ich mache das trotzdem immer, weil tatsächlich immer irgendwelche blöden Sachen passieren: Du tauchst und hast ein ungesichertes Blei und das Blei fällt raus – ganz blöde Sache, wenn du gerade so auf fünf, sechs Meter bist und dann musst du erst mal gucken, dass du dich da festhältst und nicht dann nach oben schießt wie ein Tischtennisball. Ja ein Check ist sehr gut. (141-163) Teilaspekte des sicheren Tauchverhaltens - Buddy-Check auch für erfahrene Taucher - emotionale Kontrolle, Fokus auf Ruhe legen - Boje setzen - unter Wasser nichts anfassen - Solo-Tauchgänge nur als speziell dazu ausgebildeter Gerätetaucher durchführen - Umgebungsbedingu ngen entscheiden über Tauchgangsart und –durchführung - Tauchcomputer ist insb. für Gerätetaucher ein Muss - Verantwortung füreinander übernehmen I9 Und in beiden Fällen finde ich auch eine ausgeprägte emotionale Kontrolle, weil du nicht im falschen Moment Panik bekommen darfst. Und es kann immer mal was falsch laufen. (119-120) I7 Und man bekommt es natürlich auch mit, dass eben solche Freizeit-Wassersportler, die dann da irgendwo unterwegs sind, natürlich schon auch Taucher überfahren und wir als Apnoetaucher auch gefährdet sind durch sowas. Also man bekommt immer wieder diese Geschichten mit, wo Taucher überfahren werden, Scuba Diver, die vielleicht ihre Boje nicht setzen oder nicht richtig setzen oder die trotz 83 UK 2.1 Sicherheitsrelevantes Verhalten Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung gesetzter Boje überfahren werden. Ich glaube, dass das ein Problem ist. Ich glaube da müsste man noch viel machen zur Sicherheit oder mehr zum Bewusstsein, dass das gefährlich ist. (153-159) I1 Beim Freediving ist es natürlich von der Entspannung umso mehr der Fall, dass man das ruhig und entspannt angehen muss. Das weißt du selbst auch: Da kommt es noch mehr auf Ruhe und Entspannung an, dass man da schon mit dem richtigen Mindset reingeht und nicht denkt: ‚Oh ich muss jetzt unbedingt die und die Tiefe schaffen oder die und die Dauer unter Wasser sein‘ dass man einfach mal das Ergebnis offenlässt und wirklich den Fokus auf Ruhe und Entspannung legt. (91-95) I1 Generell sollte man ja nichts unter Wasser anfassen. Zum einen kann man sich ja selbst gefährden. (297- 298) I6 Oder in drei Wochen fliege ich jetzt wieder nach Ägypten nur für mich für eine Woche und da werde ich mich nur meinen Kursen, also meinen online- Kursen, widmen, die ich noch abdrehe und ich werde jeden Tag tauchen gehen – aber Gerätetauchen, weil ich alleine bin. (44-46) I4 Natürlich, wenn jetzt starke Strömung ist, würde man den Tauchgang anders gestalten, als wenn keine Strömung ist (…). Also die Tauchbedingungen – was für mich ein entscheidender Faktor ist, wäre, ob man jetzt eine starke Strömung hat oder nicht. Wenn man starke Strömungen hat, würde das natürlich den Tauchgang beeinflussen, weil man dann einen Drift- Tauchgang machen würde, und so ein anderes Tauchprofil tauchen würde. (126-131) I3 Als Taucher muss man eigentlich nur psychisch stabil sein. Das ist, glaube ich, die größte Fähigkeit. Das heißt beim Freediving noch mehr als beim Scuba- Tauchen. Es ist die Fähigkeit sich in einem potenziell lebensfeindlichen Medium zu entspannen. Beim Freediving noch zusätzlich noch die Kunst sich unter tatsächlicher Luftnot zu entspannen. Das haben wir auch ganz oft in den Kursen. Das stellt kaum Anforderungen an die körperliche Fitness, aber die meisten Probleme, gerade in den Anfängerkursen, sind immer Kopfsache. Da geht es nicht darum: ‚Wie lange kann ich die Luft anhalten?‘ oder ‚klappt der Druckausgleich?‘. Es ist immer der Kopf, der ein Problem macht. Also das ist sozusagen das Allerwichtigste erst einmal, dass die Psyche einigermaßen stabil ist. (156-164) I3 Jeder, der gerade am Beginn der Tauchausbildung ist, muss zwingend einen Tauchcomputer haben! Also vor allem, wenn man das selbst noch nicht einschätzen kann, wenn ich meine Aufstiegsgeschwindigkeiten nicht selbst einschätzen kann, wenn ich meine Tiefe nicht einschätzen kann, wenn ich noch nicht, oder: Die wenigsten verstehen 84 UK 2.1 Sicherheitsrelevantes Verhalten Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung heute ja die Vorgänge der Sättigung. Da muss natürlich unbedingt zwingend, und das machen wir ja in den Kursen auch ganz, ganz dringlich, dass der Begriff der Nullzeit jedem bekannt ist und dass der verstanden worden ist. Das ist existentiell. Und dass man auch gerade, wenn man im Meer unterwegs ist, seine Tiefe überprüft. Dass man da jetzt nicht im ersten Rausch zu tief geht, sondern dass man da immer auch weiß: ‚Ich bin noch in einem Bereich, der noch gut für mich ist.‘ Auch, dass man die Tauchzeit im Auge behält und so weiter, das braucht man gar nicht zu diskutieren. Das ist lebensnotwendig für die! (393-403) I5 ich hatte ein Erlebnis, da bin ich mit zwei Leuten tauchen gegangen, der eine hat gerade seinen Level 2 - Kurs, der andere hat gerade seinen Instructor Kurs gemacht. Und wir waren zu viert im Wasser, mit meinem anderen Buddy, und es war ein bisschen Strömung. Und zum einen hatten sie ein bisschen Angst vor der Strömung, weil sie es nicht gewohnt waren. Das ist nachvollziehbar. Zeitgleich sind sie aber auch ohne Boje irgendwo runtergetaucht, ohne, dass der andere ihn gesehen hat. Die beiden waren ein „Buddyteam“ (zeigt Anführungszeichen) ohne dass sie uns bescheid gesagt haben und dann schwamm der eine da hinten, der andere da und die haben die ganze Zeit einfach nur Mist gemacht, wo ich dachte: ‚Man, der Typ ist Instructor, hat jetzt einen anderen dabei, der nicht so fit ist.‘ Wenn der Instructor ist und das alleine machen will, kann er ja machen was er will, da kann er irgendwie draufgehen. Aber wenn man mit mehreren Leuten im Wasser ist, hat man auch eine Verantwortung für die Gruppe und das Team. Und das macht mich einfach fertig. Oder wenn im Instructor Kurs einer es so unbedingt schaffen wollte, dass er sich das Trommelfell zerlegt hat! Wo ich denke: ‚Leute, warum denn? Das tut doch nicht Not!‘ (177-190) I10 Ich hatte noch eine Kamera dabei gehabt - da ist man ja immer nicht ganz so aufmerksam (166-167) Gefährdung der Sicherheit beim Tauchen Ablenkung: - Kameraequipment - UW-Welt - Selbstdarstellungsfo kus Missachtung von: - körperlichem Unwohlsein bei gleichzeitiger Selbstüberschätzung - Absprachen (fehlend od. nicht befolgt) - unzureichende Planung I10 Panikattacken können auch immer mal passieren. Da ist man nie gefeit vor. Also gerade bei Wracktauchgängen, vielleicht früh aufgestanden, nicht genug gegessen, nur so einen Kaffee getrunken, vielleicht ist einem von der Überfahrt schon so leicht schlecht – das ist mir auch schon mal passiert. Dann geht es auf 40 Meter runter, es ist komisch irgendwie, du fühlst dich nicht so ganz wohl in deiner Haut. Es ist immer gut, wenn du einen Buddy dabeihast. Man sollte sich nie selbst überschätzen bei den ganzen Geschichten, weil Tauchen immer mal wieder komisch sein kann. Meine Erfahrung ist: So in etwa jeder 50ste Tauchgang ist irgendwie merkwürdig bis unheimlich und es passiert immer mal etwas. Aber von diesen 85 UK 2.1 Sicherheitsrelevantes Verhalten Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung Tauchgängen lernt man immer das Meiste, finde ich. Ja, es ist wirklich so. Das bleibt hängen, was ich eben erzählt habe, wenn einem die Luft ausgeht und so ein Kram. Was eigentlich gar nicht passieren sollte, wenn du auf deine Instrumente achtest, aber wenn es mal spannend ist und holterdiepolter geht und du mega geile Sachen siehst, dann passiert das mal. Ja. (175-187) - mangelndes Risikoverständnis und Abgabe eigener Verantwortung an Guide oder Trainer Partnerverhalten: - Solo-Trips bzw. Rücksichtslosigkeit gegenüber der Tauchgruppe - kompetitives Verhalten I10 Dadurch mussten wir zwei Tauchgänge – wir hatten schon so wenige gehabt – frühzeitig abbrechen, nach 20 Minuten, weil Taucher verschwunden sind. Also die Sichtweite war gering, dann passiert das schon mal mit dem Verlieren. Aber die haben nicht versucht, nach der guten Technik: Suchen, wie man das normaler Weise macht, dann auftauchen, Oberfläche finden, wieder abtauchen. Es war nicht so tief. Die waren verschwunden und dann mussten wir beide Tauchgänge nach 20 Minuten abbrechen, weil irgendwelche Leute es nicht geschnallt haben, was los ist. Es war auch jedes Mal der Gleiche. Da war ich dann natürlich total sauer, dass so ein Idiot, der da auf Solo-Trip war, diese Tauchgänge zerstört hat. Und das kann überall passieren, wenn du Leute hast. Oder du hast auf einmal irgend solche Freaks, die unbedingt auf 50 Meter tauchen müssen, obwohl vorher im Briefing beschlossen war: ‚Nein, es wird maximal 30 Meter getaucht.‘ Oder die, die sich der Gruppe alleine entfernen, weil sie meinten, dass sie das könnten. Und der Tauchguide sagt dann natürlich: ‚Passt auf, der ist weg. Wir tauchen jetzt auf.‘ (254-266) I8 Wenn wir was auf dem Boot besprechen und das wird dann halt nicht so gemacht. Das mindert zumindest mal den Spaß der anderen in der Gruppe, und das könnte auch die Sicherheit gefährden, wenn man das tut. (165-167) I1 Selbstüberschätzung. (…) Das kann man nicht immer an einer Tauchgangszahl festmachen. Es gibt bestimmt talentierte Leute, die nach 10-20 Tauchgängen schon ein ganz gutes Gefühl dafür haben, tarieren können, oder auch beim Freediving, dass man weiß: ‚Oh, ich habe jetzt noch mal Flossen an den Füßen, die sind dann nochmal 80-90 cm länger und ich habe das noch nicht so gut im Griff. Da bleibe ich mal lieber noch ein bisschen weiter weg vom Riff.‘ Einige lernen es auch nach hunderten von Tauchgängen nicht. Und ich glaube das ist auch eine Einstellung, ob man das überhaupt will und wie der Fokus ist. Es gibt Leute die sagen: ‚Oh das Wichtigste ist, dass ich jetzt ein gutes Foto im Kasten habe, oder dass ich gut auf den GoPro-Videos rüberkomme.‘ Ja, das ist meistens dann zum Nachteil vom Naturschutz oder der Mittaucher. Habe ich schon oft beobachtet. (228-237) 86 UK 2.1 Sicherheitsrelevantes Verhalten Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I6 Und die Apnoetaucher wissen ganz genau: Wenn mein Körper nicht fit ist, dann kann ich es nicht. Dann kann ich es nicht wirklich abrufen. Der Gerätetaucher sagt sich dann eher: ‚Ist mir wurscht. Entweder ich habe eine größere Flasche mit oder mach das Jacket weiter auseinander oder sonst was.‘ Denen ist das relativ egal. Die beschäftigen sich deutlich weniger mit dem eigenen Körper, haben auch, glaube ich, ein anderes Risikoverständnis, wenn sie geguided werden, als die Apnoetaucher. Also, wie ich es auch vorhin schon gesagt habe: Für mich ist es extrem wichtig, einen guten Buddy zu haben und bei Gerätetauchern ist das oft so: ‚Ja, ich habe ja meinen Guide und dann wird der schon aufpassen, dass ich nicht zu tief gehe und das ist alles nicht so wild.‘ Das ist nicht bei allen so. Aber das ist zumindest das, was ich so in den letzten Jahren als Gerätetauchlehrer oder als normaler Taucher in diesen Gruppen miterlebt habe. (138- 148) I6 Und, logischer Weise auch, wenn Gerätetaucher zu viel Alkohol konsumieren. Was bei den Gerätetauchern ja schon normal ist, da gibt es dieses Deko-Bier zu trinken. Ja das Risiko steigt einfach enorm an. Und das Risiko ist eben nicht nur für den Taucher da, sondern auch gerade für den Guide oder für den Tauchlehrer. (167-170) I6 Was ich dann immer schwierig finde, sind Leute die kommen und sagen: ‚Ah ja, ich folge dir auf Instagram und ich habe dir geschrieben.‘ Und dann sprechen die mich an, als kennen die mich schon, wenn ich auf XXX beim Kaffee Trinken bin: ‚Ja ey, XXX.‘ Und ich denke mir so: ‚Ja hi. Wer bist du?‘ Und dann wollen die halt von mir wissen: ‚Welchen Spot und wo kann man noch hin?‘ Und dann sind sie groß am Posaunen, was sie denn Krasses schon gemacht haben: Mit dem Scooter alleine, auf 40 Meter. Und ich denke mir einfach so: ‚Dir sage ich gar nichts. Ich will auch gar nichts mit dir zu tun haben, weil du ein extremes Risiko einbringst und ich nicht in einem Satz mit dir genannt werden möchte.‘ (537-544) I6 Im Blue Hole ist ja vor ein paar Jahren auch jemand gestorben. Es ist auch ein Bekannter von mir gewesen. Und die haben danach das Blue Hole abgeriegelt für Apnoetaucher. Ich glaube für sechs Wochen. Und wenn eben solche Dinge passieren, die leichtfertig passieren, weil Dinge nicht gut geplant sind, dann kann es genau zu sowas kommen. (549- 553) I4 Ich würde sagen, vielleicht noch Unaufmerksamkeit für andere Taucher, also sprich, dass jemand nicht nach seinem Buddy oder nach seiner Gruppe schaut und damit andere in Gefahr bringt. Das würde ich vielleicht sagen. Also so unaufmerksames Verhalten den anderen Tauchern gegenüber. (170-173) 87 UK 2.1 Sicherheitsrelevantes Verhalten Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I3 Ja, da muss ich erst mal meine Rangliste durchgehen. Was mich am meisten ärgert, das ist dann tatsächlich bezogen auf das Partnerverhalten. Das ist ein Verhalten das wir hauptsächlich bei Männern beobachten. Das ist so eine Rücksichtslosigkeit. Also so eine Vorstellung vom Tauchgang im Kopf haben, wie der aussehen muss, wie tief der sein muss, wie lang der sein muss, und dann diese Vorstellung auf jeden Fall umzusetzen, egal ob ein Partner da jetzt mitkommt und ein Problem hat oder nicht. Das finde ich wirklich sehr ärgerlich. Das ist auch eine Sache, die wir beispielsweise in den Fortgeschrittenen Kursen beobachten können, dass wenn die Leute Deep- Dive-Kurse machen, dann wollen die, speziell die Männer, ihre 30 Meter das erste Mal auch machen und es ist völlig egal dabei, ob jetzt irgendjemand noch an der Oberfläche ist und Probleme mit dem Druckausgleich hat. Darauf wird dann gar nicht mehr reagiert, sondern es wird dann sofort abgetaucht auf 30 Meter, ohne zu gucken: ‚Kommen die anderen in der Gruppe noch hinterher oder nicht?‘ Und das ist dann genau das Verhalten, das dann natürlich zu Problemen führt. Also das ist nicht die Technik, die Schwierigkeiten macht oder ausfällt, sondern es ist im Vorfeld immer ein schlechtes Partnerverhalten. Immer, also ich würde sagen zu nahezu 100%. Probleme, die unter Wasser auftreten, sind immer auf ein schlechtes Partnerverhalten zurückzuführen: Mangelnde Kommunikation, mangelnde Absprachen und vor allem das sich nicht an Absprachen halten. Das ist, glaube ich, mit das größte Problem und das ist, was mich wirklich am meisten ärgert. (168-185) I5 Und dann gibt es natürlich auch die Kompetitiven, wo man dann wirklich aufpassen muss. Gerade, wenn zum Beispiel zwei Freunde da sind, die irgendwie den Level 2 Kurs machen wollen, wo es dann aber wirklich dieses Konkurrenz-Ding gibt. Das ist problematisch. Auch Paare, habe ich gesehen, ist manchmal durchaus problematisch, wenn dann irgendwie der Mann unbedingt beweisen will, dass er das irgendwie besser kann, aber Probleme mit dem Druckausgleich hat oder nicht die Luft hat oder sonst was. Dass er dann aber unbedingt seinen Mann stehen muss, irgendwas beweisen muss. Also da sehe ich für das Freizeittauchen dieses kompetitive Element als Hauptfaktor an, der da Probleme machen kann. (211-219) 88 OK 2.2 Umgang mit der Natur Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I9 Tatsächlich Rücksichtslosigkeit gegenüber der Umwelt, also auf Riffen rumtappen hauptsächlich; Rücksichtslosigkeit gegenüber dem, was über Jahrhunderte gewachsen ist, Müll wegschmeißen, all diese Sachen. Das ist eine ein bisschen vorhersehbare Antwort (lacht), aber tatsächlich finde ich das die mit Abstand schlimmsten Sachen. Sei es von Einzelpersonen, sei es von irgendwelchen Schiffen, die zu nah ans Riff fahren, oder ja, einfach nur Müll rausschmeißen, Dreck rausschmeißen. Also das finde ich, ist mit Abstand das Schlimmste. (131- 136) Gefährdung und Zerstörung der Natur beim Tauchen - Rücksichtslosigkeit der Natur gegenüber - Müll zurücklassen - anfassen (auch Selbstgefährdung) - drauftreten/abreißen des UW-Reliefs I8 Was mich extrem ärgert ist das Thema Naturzerstörung: Also durch das Korallenriff laufen, Sachen abreißen. Noch schlimmer ist es, wenn das auch noch absichtlich passiert. (147-148) I7 Also ich glaube: Wo sich mir jedes Mal die Fußnägel aufrollen ist, wenn man alles berühren muss. Und, mein Gott, ja, auch mein Grundgewicht ist vielleicht schon mal irgendwann in einer Koralle gelandet, ja, oder vielleicht habe ich auch schon mal mit meinen furchtbar langen Flossen eine Koralle berührt – das finde ich nicht gut, da ärgere ich mich auch über mich selbst. Insofern kann ich auch mal lockerer drüber hinwegsehen, wenn ich das bei jemand anderem sehe, wenn sowas unabsichtlich passiert. Weil ich weiß, dass mir das auch schon passiert ist und ich auch schon Schildkröten gesehen habe, denen alles scheißegal war. Die sind da einfach drüber geschrabbelt und haben alles kaputtgemacht. Aber trotzdem, was ich absolut nicht mag ist, wenn man Tiere immer anfassen muss. Also es gibt so Leute, die immer alles anfassen müssen, nicht unabsichtlich, sondern gewollt, und das stört mich. Ich finde man muss nicht immer alles antatschen. Egal, auch wenn die Leute sagen: ‚Nein, das macht dem Tier nichts und blablabla‘ – ich finde man muss nicht immer alles haptisch begreifen. (194-205) I1 Generell sollte man ja nichts unter Wasser anfassen. Zum einen kann man sich ja selbst gefährden. Es gibt immer mal wieder Bilder, wo jemand – auch die Diveguides – eine Muräne streicheln. Da könnte man denken: ‚Boah, ist der mutig.‘ Wenn die Muräne dich einmal beißt, selbst, wenn die dir nicht direkt den Finger abbeißt, könnte die durchaus - die sind ja manchmal so Oberschenkel-dick. Die können durchaus mal 2-3 Meter dick werden, groß werden. Die können ja auch mal schnell einen Finger abbeißen, aber selbst, wenn die dir nicht den Finger abbeißen, sondern nur beißen: Man weiß ja, dass die Zähne wirklich so Bakterien haben. Das wird sich höchstwahrscheinlich sehr, sehr schlimm entzünden und infizieren, dass man da im Nachhinein richtig Probleme bekommt. Aber vor allen Dingen schädigt man ja der Muräne, weil die ja so eine Schleimschicht 89 OK 2.2 Umgang mit der Natur Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung haben. Alle Fische haben ja Schuppen oder eine Schleimschicht. Und wenn man die anfasst, macht man zum Teil diese Schleimschicht ab und dann können sich Bakterien und Pilze einnisten. Und auch, wenn man nicht direkt sieht, dass man die jetzt geschädigt hat – im Nachhinein schädigt man die aber schon über einen längeren Zeitraum. Also es ist überhaupt keine coole Aktion Fische unter Wasser anzufassen. Sollte man generell nie machen und doch sieht man es ganz oft. (297-311) I4 Ja, also natürlich umweltzerstörerische Sachen, auf jeden Fall, also, wenn Leute einfach was kaputt machen. Das natürlich. Ansonsten schwierig. (166- 168) I2 Anfassen kann ich nicht so gerne sehen, wenn Leute anfangen marines Leben zu berühren oder sich festzuhalten, damit sie mitgetragen werden oder sowas (schüttelt den Kopf). Das geht einfach gar nicht. (107-109) I9 Ich bin mir nicht sicher, ob die Taucher da das Hauptproblem sind. Da gibt es zwar genug, oder immer noch, Taucher, die sich da nicht ganz bewusst sind, aber ich glaube da sind die meisten Ausbildungsorganisationen schon sehr stark drauf bedacht, die Taucher einzufangen und denen klar zu machen, was da passiert. Und wenn man ein paarmal unter Wasser war, kenne ich eigentlich nur die wenigsten, die dann noch wie wilde Stiere über die Riffe schmieden und einfach alles abfräsen. Ich glaube, dass Taucher da das kleinste Problem sind in der Gesamtbetrachtung. Es sind dann immer noch ein paar Leute, die vielleicht nicht besonders gut tarieren können und da wirklich einschlagen. Da muss man dann sicherlich noch ein bisschen an der Ausbildung arbeiten. Aber ich glaube das Bewusstsein ist da schon ausgeprägter als in, wahrscheinlich, allen anderen Bevölkerungsschichten. (177-186) Gründe für nicht nachhaltiges Verhalten - mangelndes Bewusstsein/ ungenügende Sensibilisierung - schlechte Ausbildung - Wunsch nach stärkerer Wahrnehmung durch Berühren - fehlende Reflexion über eigenes Verhalten - Mangel an Erfahrung - Überforderung - Fokus auf Selbstdarstellung - sich im Urlaub nichts vorschreiben lassen wollen - zu viele Taucher in einem Gebiet - Desinteresse/ Respektlosigkeit der Natur gegenüber I8 Das kannst du natürlich auch auf Wracks ausdehnen: Wenn da einer an einem Wrack irgendwie – da gibt es ja das eine bekannte Wrack in Ägypten, wo die LKWs noch im Laderaum stehen, wo er dann die Scheiben einschlägt oder die Munition mitnimmt, falls es nicht auch noch ihn selbst gefährden würde, oder dass er dann eben Korallen abbricht. Unabsichtlich kannst du noch sagen: ‚Okay, der hat offensichtlich eine scheiß Ausbildung genossen.‘ Und absichtlich wäre natürlich das Allerschlimmste, vielleicht nur um ein gutes Foto zu machen. Das ärgert mich am allermeisten und natürlich auch noch andere Verhaltensweisen, die mich eben ärgern. (157-164) I7 Ja klar, die wollen noch mehr spüren. Wenn in Ägypten auf einer Freediving Tour die Delphine kommen, und die hängen sich dran, weil sie das früher bei Flipper gesehen haben, dann wird für die 90 OK 2.2 Umgang mit der Natur Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung wahrscheinlich ein Jugendtraum oder ein Kindheitstraum wahr. (209-211) I7 Ich kann das schon nachvollziehen, dass die Menschen Schwierigkeiten haben, sich in das Tier reinzuversetzen, sondern eher sehen wie schön das für sie ist und wie ihnen das Herz aufgeht. Aber da müssen die einfach nochmal drüber nachdenken. Das ist einfach nicht gut. (214-216) I1 Wenn einige Taucher so überhaupt keinen Wert auf die Umwelt legen. Also, dass die vielleicht gar nicht selbst so reflektiert sind und dass die gar nicht merken, dass sie zum Beispiel mit der Flosse schon ins Riff kommen, dass sie da was abbrechen, teilweise andere Mittaucher auch stören. Das ist oft auch weil sie selbst noch sehr unerfahren sind und das gar nicht selbst merken. Folglich haben diese Menschen dann auch eine schlechte Selbsteinschätzung, überschätzen sich, haben dann in der Regel schon mal direkt die Kamera mit dabei oder irgendwie filmen alles, fotografieren alles, kommen aber im Prinzip mit sich selbst noch gar nicht klar und ja, dann passiert das schon mal, dass sie das Riff kaputt machen oder Teile vom Riff kaputt machen oder auch einfach mal andere Taucher mit der Flosse treffen und das nicht mal merken. Das ist ja quasi der Beweis, dass sie noch gar nicht dafür bereit sind. (211-220) I1 Selbstüberschätzung. (…) Das kann man nicht immer an einer Tauchgangszahl festmachen. Es gibt bestimmt talentierte Leute, die nach 10-20 Tauchgängen schon ein ganz gutes Gefühl dafür haben, tarieren können, oder auch beim Freediving, dass man weiß: ‚Oh, ich habe jetzt noch mal Flossen an den Füßen, die sind dann nochmal 80-90 cm länger und ich habe das noch nicht so gut im Griff. Da bleibe ich mal lieber noch ein bisschen weiter weg vom Riff.‘ Einige lernen es auch nach hunderten von Tauchgängen nicht. Und ich glaube das ist auch eine Einstellung, ob man das überhaupt will und wie der Fokus ist. Es gibt Leute die sagen: ‚Oh das Wichtigste ist, dass ich jetzt ein gutes Foto im Kasten habe, oder dass ich gut auf den GoPro-Videos rüberkomme.‘ Ja, das ist meistens dann zum Nachteil vom Naturschutz oder der Mittaucher. Habe ich schon oft beobachtet. I: Inwiefern wird das individuelle Tauchverhalten von außen beeinflusst? B: Du hattest ja eingangs gesagt, dass es auch Richtung Medien oder Mediennutzung ist. Also, je mehr Instagram und Co. da auch eine Rolle spielen, da wollen sich die Leute ja selbst so darstellen. Ich habe ja auch tauchen gelernt, da gab es das alles noch gar nicht. (228-243) 91 OK 2.2 Umgang mit der Natur Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I1 Die denken: ‚Ich bin hier im Urlaub. Wenn ich das anfassen will, dann fasse ich das an.‘ (268) I6 Also primär, wenn da unten viel gezappelt wird, weil mich das aus der Ruhe bringt, wenn ich jetzt aus Guide-Sicht zum Beispiel denke. Und ich denke immer so: ‚Oh hört doch auf zu zappeln. Ihr verbraucht so viel Luft. Das ist totaler Schwachsinn. Ihr könnt das doch gar nicht genießen, wenn ihr so viel am Zappeln seid.‘ Also fürs Gerätetauchen ist das schwierig. Aber ja, das Schlimmste ist einfach Anfassen. Anfassen, schlechte Tarierung, marines Leben zerstören. Und das ist gerade in Ägypten wirklich extrem. Und das ist denen – also oftmals eben Lokals – ich habe das Gefühl, dass gerade Europäer eigentlich normalerweise nicht ganz so wild sind, aber dass dieses Thema Sensibilisierung für die marine Umwelt nicht so wirklich angekommen ist. Da werden dann gerne auch mal solche Sprüche kassiert, von wegen: ‚Das ist mein Land, haut doch ab, wenn es euch nicht passt.‘ Also das ist dann natürlich hart, wenn du weißt: Gerade Korallen – es gibt ein großes Korallensterben, eine große Korallenbleiche, die Temperaturen erhöhen sich im Ozean, sie sterben ab. Und wenn dann eben auch noch Leute drauf rumtrampeln, anfassen, Dinge abbrechen – ja das ist dann natürlich nicht so cool. Also das sind so die Sachen, die mich so am meisten stören. (153-166) I6 Das erste Mal war ich dort vor zehn Jahren und wenn ich mir vorstelle, was sich alleine in diesen zehn Jahren entwickelt hat – das ist schon unglaublich. Oder als ich in Thailand war, war ich ein Jahr später nochmal dort, oder zwei Jahre später, und es war eine andere Welt! Die Korallen, die es davor gab, gab es nicht mehr. Die waren zertrampelt, die waren kaputt, das war einfach tot. Also sowas macht mir schon zu schaffen muss ich sagen. Auch, wenn du wieder diesen anderen Kontrast siehst: Wo wir jetzt dieses Jahr beispielsweise waren auf XXX im Mittelmehr, oder auch letztes Jahr in XXX, da hast du so unglaublich viel im Wasser gesehen, so viel Fisch, so aktiv! Und warum? Weil die Leute nicht mehr im Wasser waren. Weil die Boote nicht mehr gefahren sind. Also das ist schon; ich sage mal unser Hobby, ja gerade auch im Gerätetauchen, was natürlich schön ist, so wie dort, zerstört aber eigentlich so das Ursprüngliche. Das muss man auch dazu sagen. (209-219) I4 In meiner Zeit, als ich als Guide gearbeitet habe, klar. Da hat man das natürlich täglich, dass jemand das Riff oder einfach Korallen zerstört, weil er mit den Flossen da rein taucht. Oft ist das natürlich nicht böser Wille, sondern Unvermögen, also taucherisches Unvermögen, dass jemand nicht 92 OK 2.2 Umgang mit der Natur Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung ordentlich tarieren kann oder eine schlechte Wasserlage hat, und deshalb Korallen zerstört. Aber da habe ich jetzt gar nicht so ein explizites Beispiel für, sondern das ist so das Alltägliche im Leben eines Tauchguides, dass man danach natürlich dem einen oder anderen sagt: ‚Pass auf. Achte mal darauf, dass du beim nächsten Mal ein bisschen mehr Abstand vom Riff hältst, weil du hin und wieder mit deinen Flossen etwas kaputtmachst.‘ (181-189) I3 Ja, das nächste wäre vielleicht (…) so eine Respektlosigkeit, so ein Desinteresse an der Umwelt in der ich mich gerade befinde. Ja, wenn zum Beispiel die Tierwelt oder die Pflanzenwelt, die ich mir anschaue, so dekoriert wird und so degradiert wird zu irgendeiner Dekoration. Die meisten Taucher, die ich kenne, verstehen nicht oder wissen noch nicht mal welche Fische sie sehen. (189-193) I5 Also das eine ist eben auf die Umwelt bezogen, gerade beim Gerätetauchen. Das war auch der Grund weswegen ich auch niemals Gerätetauch- Instructor werden würde, weil man dann einfach sieht, in irgendwelchen Tauchrevieren wo nur die Massen zu Reihen durchgeschleppt werden, die dann irgendwie die Korallen abtreten, weil sie nicht richtig tarieren können, weil sie kein Bewusstsein dafür haben – einfach diese Missachtung des Meeres, der Natur wo man ist, der fehlende Respekt. Das bringt mich total auf die Palme. (139-144) I2 Ja, also man sieht das dann viel, es gibt immer wieder Menschen, die sich dann auch noch damit brüsten und Videos im Internet zeigen, wie jetzt ‘ne Muräne streicheln oder sonst sich wieder ganz toll vorkommen, weil sie sich mit ‘nem wilden Tier auseinandersetzen, was aussieht wie eine Schlange. Aber was sie dabei zum Beispiel nicht verstehen ist, dass sie eigentlich den natürlichen Schutzfilm auf der Haut des Tieres damit kaputtmachen und es dabei Opfer von Fressfeinden wird, wo sich das Tier eigentlich sehr gut vor schützt. (125-131) 93 OK 3 Sozialer Einfluss Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I1 Also, je mehr Instagram und Co. da auch eine Rolle spielen, da wollen sich die Leute ja selbst so darstellen. Ich habe ja auch tauchen gelernt, da gab es das alles noch gar nicht. Da hatte man vielleicht eine Kamera dabei, eine analoge noch mit einem Film, da hatte man dann vielleicht mal auf echtem Film ein Foto. Das ist ja alles noch gar nicht so durch die Presse gegangen. Da hat man wirklich mehr für sich selbst getaucht, um selbst schöne Erlebnisse zu haben und vielleicht mit dem Tauchpartner das zu teilen. Inzwischen ist das natürlich durch die ganzen sozialen Medien, jeder kann mit einem Knopfdruck das direkt hochladen, und da geht es immer mehr auch um die Außenwirkung, dass man sich präsentieren will, wie toll man doch da wieder unter Wasser war, und welche tollen Tiere man vielleicht da unten gesehen hat unter Wasser. Ja, das kippt tatsächlich mehr von der Selbstwahrnehmung und von dem Selbsterlebnis, dass man das macht, um andere Leute zu beeindrucken, vielleicht. Und sich selbst als tollen Hersteller, als tollen Taucher darzustellen. Das ist auf jeden Fall mit der Zunahme der sozialen Medien deutlich zu beobachten. Es ist ja auch so einfach jetzt geworden. (242-253) Beeinflussung des Individuums je nach sozialem Umfeld - Soziale Medien: Geförderter Selbstdarstellungswunsch, aber auch direkte Reaktionen (z.B. Shitstorm bei schädlichem Verhalten) - Privates Umfeld: Freunde und Familie mit denen gemeinsam getaucht wird - Kulturelles und politisches Umfeld: In der Heimat/ am Wohnort durch Regelungen, die Individuum oder das Tauchen betreffen I7 Und hättest du da einen Lösungsvorschlag oder eine Idee, wie es besser wäre? B: Ich glaube das geschieht schon. Ich glaube, wann immer jemand – alleine Ocean Ramsey. Bei ihr ist es gar nicht so schlimm, wenn sie an einem Weißen Hai quasi mit dem mittaucht. Ich finde die Aussage, die dieses Bild hat, hat wahrscheinlich den Weißen Haien mehr gebracht, als dass es jetzt dem einen Weißen Hai geschadet hat, an der Rückenflosse da mit zu tauchen. Kennst du das Bild? I: Ja. Das gab es eine ganze Serie davon, oder? B: Genau. Und trotzdem gibt es natürlich auch – ich habe einen Bekannten auf den Bahamas, den XXX, der macht auch so Haiinteraktionskurse. Der sagt: ‚Stell dir mal vor ich als dicker Engländer würde mich da dranhängen, was die Leute dann sagen würden?‘ Damit hat er natürlich recht. Oder er sagt: ‚Was, wenn jetzt alle Leute glauben, sie könnten sich an einen Weißen Hai hängen?‘ Ich sehe das nicht ganz so. Ich denke die Gefahr, dass sich jetzt irgendjemand an einen Weißen Hai hängt, ist doch eher gering. Ich glaube in dem Fall war es vielleicht gar nicht so schlecht, aber es zeigt einfach, dass wann immer jemand 94 OK 3 Sozialer Einfluss Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung sowas postet, es Kritik gibt, und manchmal gibt es dann eben einen Shitstorm, insbesondere, wenn die Person nicht Ocean Ramsey ist, sondern irgendjemand anderes, der irgendwelche Tiere auf einem Foto berührt, weil dann steht meistens unten irgendetwas drin. Und ich glaube mittlerweile kann man sagen: ‚Ja, das ist nicht cool.‘ Und die Leute lernen das auf dem harten Weg, weil sie damit einen Shitstorm auslösen, dass das nicht gut ist. Genauso wie wir vor 20 Jahren vielleicht noch gedacht haben so ein Stierkampf in Spanien müsste sein, weil das ja Tradition ist. Das überlebt sich einfach, und ich glaube so ähnlich ist es mit der Geschichte auch. (220-241) I7 inwiefern wird denn deiner Meinung nach das individuelle Taucherverhalten von außen beeinflusst? B: (…) Das ist eine schwierige Frage. Meinst du eher von Tauchverbänden, dass es quasi anerzogen wird wie getaucht wird, oder meinst du mehr so eine Art Gruppenzwang von Freunden, Bekannten oder von Social Media? (253-258) I8 Und man muss eben auch das Bewusstsein dafür schärfen. Das kann natürlich in einigen Kulturkreisen besser funktionieren als in anderen. Da bin ich mir sicher. Das soll jetzt nicht rassistisch klingen. Aber wenn ich einem Spanier, vor allem vor 30 Jahren, erzähle: ‚Pass mal auf, dass du nichts kaputt machst beim Harpunieren‘, dann würde er mich vermutlich auslachen und gar nicht verstehen, was ich ihm sagen will. Da wird es sicherlich jetzt andere geben, die da generell ein größeres Verständnis für sowas haben. Was ich schön finde ist, dass es weltweit in den letzten Jahren in allen Kulturkreisen, Nationen an Relevanz gewonnen hat, so ein Thema; also zumindest subjektiv für mich als Tauchtourist in der Wahrnehmung. (214-221) I2 Das ist individuell ganz unterschiedlich. Da sucht sich jeder seine eigenen Vorbilder, sei das jetzt der Tauchlehrer oder der Star- Apnoetaucher oder irgendein Naturfilmer oder so. Also da hat jeder so seine eigenen Heroes. (168-170) Vorbilder - individuell unterschiedlich - aus Buch, Film, Medien etc. I5 Und für das Freiwassertauchen, da habe ich komischer Weise ein ganz klares Bild, was so eine Mischung aus verschiedenen Büchern, Filmen und eigenen Erlebnissen ist, was ich auch häufig dann benutzt habe für die Statik und wo ich den dann wirklich ganz, ganz, ganz langsam gemacht habe. (96-99) 95 UK 3.1 Einfluss des Tauchteams vor Ort Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I1 Also wenn ich jetzt selbst das leite, dann versuche ich schon am Morgen, oder wenn man sich halt trifft, so ein bisschen die Hektik rauszunehmen. Und wenn ich selbst als Gast mal irgendwo bin – das kommt ja immer nochmal vor – dann schätze ich das auch, wenn alles entspannt ist und nicht hektisch, sodass man Zeit hat in Ruhe sich vorzubereiten, sein Equipment vorzubereiten. Dazu gehört meiner Meinung auch ein gutes, ausführliches Briefing, dass man so ein bisschen weiß, was auf einen zukommt. Und obwohl ich selbst jetzt auch bei beidem, Geräte- und Apnoetauchen, viele Erfahrungen habe, stresst mich das glaube ich ein bisschen, wenn ich nicht weiß was auf mich zukommt. ‚Springen wir dann mal rein und sehen ja dann, was passiert‘ – finde ich doof. Und das wird auch teilweise so nicht wirklich gemacht. (67-76) Rahmengebende Beeinflussung vor Ort - Briefing: Klärt über Regeln, fragile Natur, Sicherheitsaspekte etc. auf - Bootsteam: Entscheidet wo und ob getaucht wird - Wissen der Locals: Für Auskunft zu ortsspezifischen Tauchbedingungen benötigt I2 B: Das Team ist natürlich essentiell wichtig. Solche super Erlebnisse im Meer gehen nie ohne das Team. Das Wichtigste ist immer der Kapitän, der das Boot fährt. Mit dem Kapitän steht und fällt die Qualität der ganzen Aktion. Wenn der weiß, was er tut, wie er sein Boot an Tiere ran navigieren sollte/muss, ohne die zu verschrecken, dann kann es gute Erlebnisse geben. Und wenn der Kapitän nicht gut ist, dann wird es schwierig. Aber der Rest der Crew ist natürlich auch wichtig. Wenn wir mal an reguläre Tauchgänge denken, jetzt weg von den großen Tieraktionen im offenen Ozean, sondern am Riff, dann ist es natürlich wichtig, einen guten Guide zu haben, der einem Sachen zeigen kann, weil man kennt sich ja vor Ort nicht so gut aus. Und ja, helfende Hände am Tauchboot sind natürlich auch immer wichtig. Wenn da die Griffe sitzen ist das auch schön und macht alles angenehmer und flüssiger. (75-85) I2 Du kannst dich nicht nur auf die digitalen Tools verlassen. Am besten ist es schon auch, mit den Leuten vor Ort – da kommt jetzt wieder das Team ins Spiel – die kennen das immer besser und die können dir immer besser sagen, wann welche Strömung und wann welche Welle herrscht. (324-327) I5 Wenn ich mit Leuten unterwegs bin, wo ich merke, dass denen das abgeht, dass die überhaupt gar nicht dieses Gefühl dafür haben, wie wundervoll das eigentlich alles ist und wie schützenswert, das macht mich fuchsig. Und wo dieses prinzipielle Bewusstsein für die Natur 96 UK 3.1 Einfluss des Tauchteams vor Ort Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung herkommt, das weiß ich nicht. Aber ein Mittel, um es dann wenigsten ein bisschen zu mindern, sind sicherlich vorher Briefings: Wie funktioniert dieses Ökosystem, wovon hängt das ab und was ist unsere Rolle dabei? (157-162) I9 An vielen Urlaubsregionen muss man, glaube ich, den Menschen noch bewusster machen: ‚Auf was lauft ihr hier eigentlich? Das ist kein Stein, das ist eine Koralle! Sieht auf den ersten Blick so ähnlich aus, aber nur, weil schon so viele Leute drauf rumgelaufen sind. (171-173) I1 Also ich habe ja auch schon mal, auch im Ausland, als Guide und so gearbeitet. Und ja, das war so 2005. Da gab es noch nicht so viel mit Instagram und Facebook. Ich glaube das gab es da auch gar nicht so. Zumindest hatte ich das sicher noch nicht. Und ich habe schon – ich würde mal sagen ich war schon etwas strenger, weil ich versucht habe, die Gruppe absolut unter Kontrolle zu haben. Ich habe nicht zugelassen, dass die dann einfach tiefer tauchen und Sachen anfassen. Da habe ich auch unter Wasser schon durchgesetzt, dass die so etwas nicht tun. Wenn das nicht gelungen sein sollte in seltenen Fällen, dann gab es aber oben eine Ansage. Also das habe ich auf jeden Fall durchgesetzt. Ich weiß, dass viele das etwas lockerer sehen als ich. Das hat auch dazu geführt, dass einige dann nicht mehr gekommen sind. (259-268) Beeinflussung durch Guides und Ausbilder vor Ort - erklären Regeln - Vorbildfunktion, mit direktem und großem Einfluss - entscheiden über genauen Tauchort - sind teilweise von Trinkgeldern der Gäste abhängig I1 Ich sehe das oft in Ländern wie Asien zum Beispiel, wo die lokalen Diveguides auch einfach selbst nicht so viel Geld haben und auch viel auf Trinkgeld angewiesen sind. Also ich habe zum Beispiel auch überhaupt gar kein Trinkgeld bekommen. Da wusste ich vorher. Da musste ich denen ja auch nicht in den Arsch kriechen. Das ist ja auch nicht so, dass wenn jetzt jemand mehr oder weniger oder vielleicht überhaupt kein Gehalt kriegt, oder nur von Trinkgeldern abhängig ist, dann gucken die schon mal nicht so hin. Dann wollen die halt in erster Linie, dass die Gäste zufrieden sind. Und das ist nicht immer gut für die Natur. Also man kennt das dann auch öfter, um ein schönes Foto zu haben, das Beispiel mit diesen Kugelfischen, dass dann der Guide sogar den Kugelfisch nimmt und dann plustert der sich ja so auf, weil er ja Todesangst hat. Und dann wird der Kugelfisch rumgereicht, dann kann jeder mal ein Foto machen. Und dass der höchstwahrscheinlich danach stirbt, weil die nur ein- oder zweimal können - und dann kriegen die wirklich so einen Herzkasper. Das ist meistens das einzige und das letzte Mal, dass der Kugelfisch das gemacht hat. Das sieht dann 97 UK 3.1 Einfluss des Tauchteams vor Ort Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung vielleicht lustig aus oder so. Ja, ich weiß auch nicht, inwieweit die Guides das auch immer so wissen. Oder dann ist das denen vielleicht egal, Hauptsache es gibt nachher ein schönes Trinkgeld. Da muss man vielleicht auch mehr aufklären. Einige lokale Diveguides passen da auch sehr viel drauf auf, aber eben nicht alle. Das habe ich auch schon anders gesehen, dass die auch teilweise nicht mit einem guten Beispiel vorausgehen. (279-296) I1 Und wenn es dann der Diveguide vormacht, dann machen es oft auch die Kunden oder die Gäste, die man dann durchs Riff führt, nach. Schlechtes Vorbild. Also diesen Vorbildcharakter darf man überhaupt nicht unterschätzen. Man muss als Tauchlehrer oder als Diveguide sich umso mehr an diese ganzen Verhaltensregeln halten. Wenn man so ein bisschen durchblicken lässt, dass das vielleicht doch so okay sein könnte, dann machen es die auf jeden Fall auch nach. Also man muss halt noch pingeliger, noch penibler sein, noch mehr darauf achten, dass man kopiert wird. (311-317) I4 Also den größten Einfluss haben natürlich die ausbildenden Personen, egal ob in einem Verein oder in einer Tauchschule. Es ist in einem Verein sicherlich so, wie ich es eben beschrieben habe, in der Tauchschule ist es aber sicherlich das Gleiche. Das heißt, auch da lernen ja die unerfahreneren Taucher von den Erfahreneren und deshalb beeinflussen – egal ob kommerzielle Vereine oder nicht kommerzielle Tauchschule oder irgendeine andere Art von Tauchgruppe - würde ich sagen, ist der Haupteinflussfaktor immer das Lernen von Vorbildern. (253-259) I5 Die Tauchbasis vielleicht weniger, aber der entsprechende Guide oder Tauchlehrer oder sonst was sind fundamental, gerade am Anfang, weil die da auch Vorbildfunktionen haben. Und wenn die dann schon dieses Bewusstsein ausspielen, was problematisch ist, was die Flora, Fauna angeht und so weiter. Da muss man dann halt immer auch als Guide ein gutes Gleichgewicht finden, wo man dann keinem Angst macht, die Sache im Hinterkopf hat, aber trotzdem weit genug Respekt vermittelt, dass kein Blödsinn gemacht wird, aber dass es trotzdem Spaß macht. Und den Sweet Spot da zu finden, das ist die Aufgabe der Tauchbasen dann, das zu schaffen. (224-231) I7 Wann immer ich jemanden finde, der das macht, ja, dann kriegt der auf die Finger und ich sage ihm, dass er das lassen soll. Und ich glaube mittlerweile würde das jeder Freediving- und 98 UK 3.1 Einfluss des Tauchteams vor Ort Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung jeder Scuba Instructor, der einigermaßen bei Verstand ist, so auch in seinen Kursen vermitteln oder in ihren Kursen vermitteln. Und das bereinigt sich, glaube ich, von selbst. (241-245) I9 Das war eher dann im Freitauchen, dass mich da mein erster Instructor natürlich sehr beeinflusst hat. Der hat dafür gesorgt, dass ich dabeigeblieben bin, was im Freitauchen zu machen: (18-20) I9 Es kommt wahrscheinlich sehr stark darauf an, wo die Anfänger sind, aber ich glaube tatsächlich, dass das nicht so extrem ist. Die Anfängerausbildung, die ich kenne - wenn ich die in Deutschland anschaue ist es eh im Pool, bis die Leute einigermaßen tarieren können. Dann können sie in einem typischen Baggersee auch nicht so viel kaputtmachen. Wenn ich ans Meer denke und dort die Anfängerausbildung, dann ist das meistens auf Sandhalden, wo du nicht direkt am Riff unterwegs bist. Da kann man sicherlich noch optimieren, aber wahrscheinlich muss man dann eher auf den einzelnen Tauchlehrer achten, dass der sich dann Plätze raussucht, wo der Anfänger weniger kaputtmachen kann. Ich glaube aber trotzdem, dass wir da bei Tauchern im Allgemeinen auf einem relativ hohen Niveau sind. I: Und wie steht es um das Bewusstsein um die eigene Vorbildfunktion der Taucher? B: Das ist wahrscheinlich sehr unterschiedlich. Die meisten Ausbilder, die ich kenne, sind sich dessen schon sehr bewusst, dass sie ein Vorbild haben und dass sie auch Leute darauf hinweisen. Wenn jemand, also nicht nur die eigenen Taucher in meiner Gruppe, sondern wenn jemand auf dem Riff rumläuft, dass man den aktiv anspricht und sagt: ‚Mach das nicht.‘ Aber nicht nur ‚mach‘s nicht‘, sondern auch erklärt, warum: ‚Das sind Korallen, das lebt. Die sterben. Die brauchen 400 Jahre.‘ Ich glaube die meisten Ausbilder, zumindest die die ich kenne, sind sich dessen bewusst und leben das auch ein Stück weit. Auch da – natürlich kann man immer besser sein. Natürlich kann man sich immer mehr engagieren. Aber richtige Katastrophen habe ich da eigentlich noch nicht erlebt. (191-211) I1 Das war von meinem damaligen Chef auf Mallorca, der hat damals auch es zum Beispiel nur akzeptiert, wenn man ein ärztliches Attest hatte. Dann hatte er die Leute immer rausgeschickt und diesen medizinischen Selbstauskunftsbogen hatte er beispielsweise Beeinflussung der Urlaubstaucher durch Tauchbasen - bestimmen Regeln und setzen diese um 99 UK 3.1 Einfluss des Tauchteams vor Ort Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung gar nicht akzeptiert, was ja eigentlich heutzutage Usus ist, dass man sagt: ‚Ach gib halt schnell den Bogen, dann fülle ich das aus‘. Der hatte die in jedem Fall zum Arzt geschickt und wenn die das nicht wollten, haben die dann bei uns nicht getaucht. So. Also der war da auch selbst sehr konsequent. (271-277) - Eco-Diver-Anspruch schützt Natur, falls vorhanden - Wirtschaftlicher Anspruch bei touristischer Ausrichtung, also Fokus darauf, dass Urlaubern der Aufenthalt gefällt I10 Die Tauchbasen – eine Große, eine ganz Große. Also eben auch, ob es eine große Tauchbase ist. Das muss nicht unbedingt schlecht sein, aber wie groß die Schiffe sind, wie groß der Eco- Diver-Anspruch ist. Wenn der vorhanden ist, dann sind die Gruppen sowieso meist sehr klein. Sie versuchen das auch klein zu halten. Auf Barbados habe ich beispielsweise eine Tauchbasis angetroffen: Die haben immer darauf geachtet, dass die Gruppen klein sind, dass nicht mehr als sechs Leute oder maximal acht Leute unterwegs sind. Meistens waren es vier bis sechs, inklusive Guide und Team mit dabei und das ist angenehm. Auch wenn sie dann vorher so ein Briefing halten – in Ägypten habe ich das auch bei einigen Tauchcentern gemerkt, die so einen hohen Eco-Anspruch haben – dass die, bevor man mit denen tauchen gehen kann, erst einmal gucken wie du tauchst. Dann sagen sie dir hinterher: ‚Das und da drauf musst du aufpassen. Und wenn du anfasst, dann lieber einen Stein, keine Koralle und tote Korallen anfassen, ein bisschen mehr Abstand…‘ Die coachen dich hinterher bei deinem Tauchgang. Die sagen, was du machen sollst und was nicht, und machen ein De- briefing. (287-299) I2 Vielleicht muss es einfach noch stringenter umgesetzt werden, von allen, die da so mitarbeiten an so einem Tauchtag. Also wenn solches Verhalten beobachtet wird, dann sollte man die Leute einfach nicht mehr tauchen lassen. (118-120) I2 Ja die essentielle Rolle, weil die Guides sagen, was die Regeln sind. Und die Regeln werden oftmals von den Guides und den Basen selbst gemacht. (145-146) I2 Und die Basen und die Ausbildungsverbände, die sind dann mehr auch im Ausland für Urlaubstaucher. (160-161) I6 Meine Schüler tauchen natürlich anders, weil ich sie anders lehre. Weil ich denen aufzeige, was wichtig ist. Es kommt immer darauf an, wie du ausgebildet wirst. Das ist schon mal wichtig. Und natürlich auch wie die Guides mit ihren Schülern und Klienten umgehen. Also wenn es einfach ganz klare Regeln gibt, wenn es heißt: ‚Wenn ich sehe, dass du irgendetwas anfasst, 100 UK 3.1 Einfluss des Tauchteams vor Ort Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung dann gehst du nicht mehr ins Wasser und kannst dir eine andere Tauchbasis suchen.‘ Also, wenn du eine klare Restriktion machst, schon, aber du weißt wie es ist im Tourismus und in der Tauchbranche. Da ist es schwierig. Da möchte man sowas ja eigentlich nicht unbedingt machen. (223-230) I8 In Ägypten, in Thailand oder wo auch immer ist man inzwischen schon auch der Meinung, dass das erhaltenswert ist, weil sonst im Jahr drauf kein Tourist mehr kommt, wenn es das Korallenriff nicht mehr gibt. Und da habe ich dann eben auch schon Thais erlebt, die dann einem europäischen Touristen erzählen, dass er das nicht mehr tun soll, weil er sonst hier nicht mehr tauchen wird. Und das war jetzt wieder in Bezug auf die Tarierung, aber da geht es eben auch um andere Dinge. In Frankreich, in Südfrankreich, habe ich es echt häufiger erlebt, dass dann der Basenleiter den Kunden ins Büro bestellt hat, zum Rapport mehr oder weniger, und ihm dann erzählt hat: ‚Was du heute auf dem Boot getrieben hast, das lässt du, sonst kannst du dir eine andere Tauchbasis suchen.‘ Passiert schon. (241-249) I8 Das kommt, denke ich mal, darauf an, wie jetzt diese Tauchbasis und ihre Angestellten ihren Job verstehen. Ich hatte das Südfrankreichbeispiel eben: Da geht es vor allem um Sicherheit. Und da wird schon immer was gesagt. Wenn der Basenleiter, der häufig nicht auf dem Boot ist, das gesagt bekommt von anderen Kunden oder seinen Angestellten, dann versucht der das schon richtig an die Leute zu bringen und denen zu erzählen, dass die da nicht das und das und das machen können, was auch immer es ist. Und so kenne ich das auch von anderen Tauchbasen, andere Tauchbasen interessiert das aber auch überhaupt nicht. Das ist ja logisch. Da gibt es schon alles. Aber ich denke, dass es durch diese Personen auch angesprochen werden muss. Ich jetzt als Buddy kann dem anderen, der ja da auch im Urlaub ist, nicht unbedingt was so effizient sagen, wie es ihm der Guide auf dem Boot oder tatsächlich dann später der Leiter von der Tauchbasis in der Basis selbst sagen könnte. (254-264) I9 Bei den Basen ist das ein Stück weit, zu dem Thema was ich vorher schon gesagt habe: Wirtschaftlich. Das betrifft nicht nur einzelne Länder, sondern auch die Basen. Die müssen wirtschaftlich arbeiten und manche sind da sicherlich, oder potenziell, in einem Bereich, wo man darauf achten muss, ob das dann noch langfristig Sinn ergibt – tatsächlich aus der Sicht 101 UK 3.1 Einfluss des Tauchteams vor Ort Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung dort irgendwas zu zerstören, weil sie sich ja unter Umständen auch den eigenen Ast abgraben oder abschlagen. Aber auch da glaube ich – und jetzt muss ich sagen, dass ich relativ wenige negative Erfahrungen gemacht habe – vielleicht hatte ich einfach Glück, aber ich hatte tatsächlich wirklich wenige schlimme Erlebnisse, wo ich gedacht habe: ‚Uh, das ist jetzt eine katastrophale Base.‘ (227-235) I10 Inwiefern wird denn das individuelle Taucherverhalten von außen beeinflusst? B: Na ja, das wird von anderen Tauchern natürlich beeinflusst, ganz klar, der Nachmacheffekt. (269-272) Beeinflussung durch erfahrenere Taucher - Nachmachen/ Imitationslernen durch weniger erfahrene Taucher - Bewusstsein über eigene Vorbildfunktion ist teilweise vorhanden I2 Stark, weil man sich immer an jenen orientiert, die es schon länger können, wenn man anfängt mit so einem Hobby und das auch von außen, von irgendwelchen Menschen, die das schon länger machen, kennt, beigebracht bekommt. Von daher ist der Einfluss, der von außen kommt, da sehr stark: Man kopiert Verhalten, man kriegt gesagt, wie man sich zu verhalten hat. Das ist manchmal ja auch nicht immer der Optimalweg, der da kommuniziert wird. (136- 140) I2 I: Wie steht es denn um das Bewusstsein über die eigene Vorbildfunktion der Taucher? B: Ah cool. Meistens nicht so gut. Weil dafür muss man ja sein Verhalten reflektieren (lacht). Es gibt natürlich viele, die Professionals, also Guides und Tauchlehrer: Denen ist natürlich bewusst, dass wenn sie jetzt was Falsches vormachen – nicht allen, aber vielen – dass das dann nachgemacht wird oder als Verhalten akzeptiert wird, was in Ordnung ist. Aber diejenigen, die sich jetzt nicht in so einer Rolle befinden, denen ist es oft nicht bewusst, dass sich andere ihr Verhalten anschauen und dass man sich besser demnach vielleicht orientieren sollte. (172-179) I4 Das individuelle Tauchverhalten von außen beeinflusst: Ja, durch Tauchausbilder, Tauchlehrer, natürlich, durch andere Taucher, also durch Gespräche, die man vielleicht vor und nach dem Tauchen gemeinsam führt, und vor allen Dingen durch Imitationslernen, also dadurch, dass man andere Taucher sieht, was die tun, wie sie tauchen, dass man das versucht nachzuahmen, sozusagen. Das wären die drei Punkte. Also ich würde sagen: Über Wasser durch Gespräche, ich sage jetzt mal Fachsimpeln untereinander, aber dann sehr viel durch Imitationslernen. Also indem man andere 102 UK 3.1 Einfluss des Tauchteams vor Ort Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung Taucher beobachtet, denkt: ‚Oh, das sieht gut aus‘ und versucht, das nachzumachen. (193- 200) I4 Ab einem gewissen Ausbildungsgrad wird das Bewusstsein dafür stärker. Ich glaube aber auch, dass es, gerade von erfahrenen Tauchern und Tauchlehrern, unterschätzt wird, diese Vorbildfunktion. Also, dass im Endeffekt viele das nicht so klar auf dem Schirm haben, dass, wenn sie sich nicht standardkonform verhalten, ihre Schüler dann auch so ihre Verhaltensweisen annehmen. Also wenn jetzt zum Beispiel kein Buddy-Check mehr ordentlich gemacht wird etc. Also ich würde sagen, zu deiner Frage, dass das Bewusstsein eher niedrig ist, also, dass die Einflussnahme durch die Vorbildfunktion unterschätzt ist auf unerfahrenere Taucher. (263-270) I5 Also, wenn ich mit Leuten im Wasser bin, dann mache ich definitiv alles regelartig, nach allen Regeln der Kunst. (235-236) I3 Inwiefern wird das individuelle Tauchverhalten von außen beeinflusst? B: Das wird also beim Scuba-Tauchen, glaube ich, sehr stark von außen beeinflusst. Also Gruppenzwang ist ja mit das größte Problem, das wir beobachten können. Beispielsweise auf Tauchbooten, wenn man rausfährt und 19 Leute auf dem Boot sind, und einer hat Probleme mit dem Druckausgleich oder ist aufgeregt oder geängstigt vor dem Tauchgang, traut sich aber nicht das zu sagen, weil er die Gruppe nicht aufhalten will. Das sind so Einflüsse. Oder niemand möchte, wenn dann entschieden wird: ‚Okay, wir bleiben jetzt nicht auf 30 Metern, sondern irgendjemand möchte dann doch auf 40 Meter gehen, und man möchte dann keine Spaßbremse sein, möchte auch den anderen den Tauchgang nicht versauen, und macht dann halt Dinge mit, für die man vielleicht gar nicht vorbereitet ist oder für die man nicht bereit ist. Also ich denke das hat eine sehr, sehr große Auswirkung. Insbesondere vor dem Tauchgang. (205-216) Beeinflussung durch Tauchgruppe - Gefahr des Gruppenzwangs - Fürsorge füreinander als Buddyteam wird vorausgesetzt I5 Das eine ist mein Privatzeug, das ich dann mache und wo mich dann niemand sieht. Und das andere ist dann die Rolle als Instructor oder Tauchbuddy, in der ich dann auch schon versuche, die Werte des vernünftigen Tauchens zu machen. Wenn die Leute für sich selbst entscheiden, dass sie diese Risiken eingehen wollen, dann können sie es tun, aber sie sollten sich halt über die Risiken bewusst sein. Klar sage ich nicht ‚können sie tun‘, aber es ist in mir 103 UK 3.1 Einfluss des Tauchteams vor Ort Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung drin meine Meinung, dass jeder für sich selbst entscheiden kann, solange nicht andere Leute mit dranhängen. (241-246) I7 Und Freunde, Bekannte – auch gut, ja klar. Das sieht man auch immer wieder, dass man sagt, wenn man mit seiner Apnoegruppe trainiert, dass die dann einen Einfluss darauf hat, dass ich zum Tauchen komme. So: ‚Du musst mal wieder deinen Hintern ins Wasser bewegen.‘ Da hat man so eine positive Art Gruppenzwang, so eine Motivation, die von einer Gruppe oder von einem Tauchpartner ausgeht. Auch das ist gut. (269-273) I8 Natürlich kommt beim Tauchen auch noch das Thema dazu, dass man das mit anderen tut. Das ist dann so ein PADI-Spruch: OWD ist ein Partnersport. Du hast deinen Buddy und gehst nicht alleine. Das ist auch eine wichtige Sache und klar, wenn man jetzt im Urlaub auf eine Basis kommt, dann hat man sofort Anschluss an irgendwelche Leute. Die anderen Taucher sehen das ja größtenteils auch genauso. (56-60) I4 Also die Tauchvereine, denke ich, spielen natürlich insofern eine große Rolle, dass ja meistens eine Community drum herum ist und das Tauchen im Grunde genommen ein zentraler Punkt ist im Zusammensein der Menschen. Das heißt, jemand ist im Tauchverein, ist dort Mitglied, geht irgendwie ein- oder zweimal die Woche ins Training, geht auch mal zu einem See oder fliegt mit dem Verein auch mal auf eine Reise und tauscht sich dort mit den anderen aus. Und da würde ich sagen, dass das einen sehr großen Einfluss auf das eigene Tauchverhalten natürlich hat, weil die organisatorischen Strukturen in den Vereinen ja schon so sind, dass man in der Regel die Mitglieder hat und dann ein paar Ausbilder, die im Endeffekt unterrichten und der zentrale Punkt in diesem Verein dann sind – also ich sage mal so die Hähne im Korb. Also man hat eine Gruppe von Tauchern, Mitgliedern und ein paar höher brevetierte Ausbilder, die natürlich zu 100% beeinflussen, wie die Mitglieder des Vereins dann auch tauchen. (211-221) Beeinflussung durch den Verein in der Heimat - große Einflussmöglichkeit auf aktive Vereinsmitglieder - Ausbildung im Verein läuft oft gründlicher ab als im Urlaub 104 UK 3.1 Einfluss des Tauchteams vor Ort Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I8 Ja gut, in der Ausbildung sollte man eben auf solche Fertigkeiten deutlich mehr Wert legen. Wobei ich schon sagen muss, dass das was ich in Deutschland bisher erlebt habe besser ist als das, was ich im Ausland erlebt habe. Also mit Deutschland meine ich auch andere Länder, wo du in einem See das Tauchen lernst. Weil da hast du ja nicht das Problem, dass du ins Korallenriff einschlägst, ein paar Korallen abbrichst oder sei es auch mal nur der Sandboden. Das ist ja genau das Gleiche: Da geht zwar nichts kaputt – ich lasse jetzt mal die ganzen Sachen für den Taucher außen vor, dass er sich vielleicht die Haut aufschlitzt oder ein Fisch nach ihm schnappt, weil er ihn im Sand beim Schlafen gestört hat. Aber im See ist es ja tatsächlich so: Da schlage ich einmal im Boden ein und dann ist der Tauchgang im Grunde genommen an der Stelle beendet, weil das ja ewig dauert bis die Sicht wieder vorhanden ist. Das heißt, ich denke, dass in Deutschland und überall, wo man in der Heimat ausbildet, mehr Wert auf Tarierung gelegt wird. Ich denke natürlich auch, dass es damit zusammenhängt, dass ich in Deutschland als Tauchschüler auch einen gewissen Fokus auf den Kurs an sich habe, nicht wie im Ausland. Das kann ich von mir selbst sagen: Ich habe das in der Domrep gemacht, war da mit zwei Kumpels zwei Wochen zum Saufen und habe dann die letzten vier Tage, weil ich es meinem Arbeitskollegen versprochen hatte - ‚Jetzt mache doch endlich mal einen Tauchschein. Er hat mir sogar ein OWD-Buch mitgegeben. Und dann habe ich das die vier Tage durchgezogen, aber wirklich nur, dass ich den Tauchschein hatte. Hinterher hat es mich natürlich geärgert, weil ich natürlich noch anderthalb Wochen danach hätte tauchen gehen können. Aber da sind wir schon zurückgeflogen. Und wie der Kurs dort ablief, zum einem: Man schleust die Leute halt durch, die sind in irgendeinem Hotel und wahrscheinlich nachher nie wieder da. Und zum anderen, dass der Tauchschüler dort auch keinen Fokus draufhat. Auch beim Tauchen natürlich nicht: Da sehe ich dann was im Meer und bin natürlich abgelenkt bei meinem Ausbildungstauchgang. Im See ist zumindest meistens nicht so viel zu sehen, oder wenn ich was sehe, dann habe ich mich da auch im Rahmen von dem Tag, an dem ich da tauchen gehe, sattgesehen. Also, wie gesagt: Ich denke es ist eine Motivation von beiden, die das durchführen, Tauchschüler und Tauchlehrer, im Ausland oder in der Heimat, die dann einen relativ großen 105 UK 3.1 Einfluss des Tauchteams vor Ort Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung Unterschied machen. Es gibt natürlich, logischer Weise, auch Ausnahmen. Wir für unseren Fall haben immer recht viel Wert auf Tarierung gelegt, damit eben sowas nicht passiert, und ich werde da auch nicht müde nach den Tauchgängen und während den Tauchgängen: ‚Füße hoch‘ und so weiter, da eben drauf hinzuweisen. Und das auch zu versuchen, die Leute da einfach hinzubekommen und das denen auch mit auf den Weg zu geben. Da macht eine kommerzielle Tauchschule, wie die die ich erwähnt habe, keinen großen Unterschied zu einem Verein. Auch da sind die Taucher nachher noch da und sollen ja auch weiter in dieses Rad miteinbezogen werden, also: Dort Tauchausrüstung kaufen, weitere Tauchausbildung kaufen. Und die sehe ich also wieder, also habe ich jetzt auch ein größeres Interesse daran, die ein bisschen besser auszubilden. (177-213) I9 Also insofern sind da riesen Potenziale zu heben. Aber ich glaube trotzdem, wichtig ist eher das, was ein Instructor daraus macht. Und da sieht man ja auch sehr, sehr große Unterschiede, nicht nur wer es ist, sondern auch wo der Instructor ist. Also, meine Ausbildung ist jetzt in Deutschland, im Pool, und die Theorie findet in einem Seminarraum statt und ist dann erst mal drei Stunden abgeschlossen. Wenn ich jetzt irgendwo am Meer bin, dann ist die Theorie meistens eine halbe Stunde bis Stunde. Das ist bei ganz vielen Centern, weil die sagen: ‚Aber die Leute wollen doch ins Wasser. Die sind doch nicht hier, um sich bei 35 Grad in einen Raum zu setzen und erstmal mir zuzuhören wie ich labere. Die wollen ins Wasser.‘ Also da ist dann der Schwerpunkt ganz anders. Da geht der Schwerpunkt auch relativ schnell in die Tiefe, wo der bei uns hier immer in der Waagerechten bleibt. Also ich glaube auch da kommt das nochmal sehr stark auf den Instructor an, auch auf dessen Erfahrung: Wie gut ist der jeweilige Instructor und wie gehen die mit den Schülern um? Ich finde das auch viel wichtiger, als dass das Material jetzt gut ist. Das Material für die Instructor-Ausbildung – das muss gut sein! Auch das hängt wieder davon ab, wer der Instructor für die ist. Und spätestens da, würde ich sagen, da muss man sich aussuchen: ‚Von wem will ich denn selbst als Instructor ausgebildet werden?‘ Wenn ich bis dahin noch keine Meinung habe, mit wem ich da zusammenarbeiten kann, von wem ich was lernen will, ich glaube dann sollte man das nicht machen. Dann sollte man lieber selbst tauchen und Spaß daran haben. (389- 405) 106 UK 3.2 Organisationaler Einfluss der (Tauch-)Instanzen Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I10 Ein großes Thema: Dauerdiskussion und Streitgespräch – ich kenne es vom Magazin, von Social Media. PADI ist nun mal der größte Tauchverband und wie bei allen großen – ob das nun, keine Ahnung, USA sind oder Fußball Bayern München: Die Nummer Eins wird immer von allen angefeindet. Das war schon immer so. Da wird alles schlechtgemacht, was die machen, obwohl es so schlecht gar nicht sein kann, weil sie der größte Tauchverband sind. Die Welt taucht PADI, fertig, aus. Bei einem anderen Verband habe ich zuerst meine Ausbildung gemacht und irgendwie haben mich dann Freunde darauf angesprochen: ‚Sag mal, wie bist denn du nicht PADI?‘ und so. Und das ist so, PADI ist das Ding, die Brand einfach für das Tauchen. Das wird bestimmt auch so bleiben. Natürlich versuchen andere das irgendwie auch für sich zu deklarieren, aber das ist ja klar: Der Erste wird immer angefochten, egal was er tut. Aber vieles machen sie auf jeden Fall ganz gut. Die anderen machen es nicht besser, machen es eigentlich genau so, würde ich sagen, ob das jetzt ein SSI ist oder wie auch immer. Dann gibt es ja auch diesen CMAS, diesen französischen Tauchverband, und VDST und wie sie alle heißen. Also es gibt sehr, sehr viele kleine Tauchverbände, die ihre kleinen, individuellen Geschichten machen. Das hat alles Vor- und Nachteile, aber ich würde sagen: Als PADI-Taucher, wenn man Sporttaucher ist, ist man ganz gut aufgehoben, weil jeder das kennt. Es gibt weltweite Standards, die bis zur letzten, entferntesten Insel verbreitet sind. Bei anderen Verbänden, schätze ich, ist das mittlerweile vielleicht auch schon ähnlich, aber das ist halt so ein Standard einfach. Und sie machen es nicht schlecht. (311-329) Tauchstandards und Verbandsarbeit - weltweit anerkannte Standards und 'Codes of Conduct' der großen Verbände sowie weitere Regularien werden überwiegend wie allgemeingültiges Gesetz behandelt - Übermittlung neuen Taucherwissens über Verbandsupdates - kleine Unterschiede in Standards wirken sich geringfügig auch auf Tauchverhalten aus - Solo-Diver-Brevet für Gerätetaucher anerkannt - international weniger Verbandszugehörigkeit als in Deutschland vermutet - ausbaufähige Ausbildungsmaterialien und Apps, aber fehlender Anreiz bei gemeinnützigen Organisationen I2 Es gibt keine Instanz auf der Welt, die sagt was die Regeln sind für tauchen unter Wasser. Das gibt es nicht. Es gibt Tauchverbände. Da kann man sich dran orientieren, was die so als Regelwerk in die Welt hinausposaunen, aber es gibt jetzt nur an wenigen Stellen wirklich Gesetz dafür. Manche Länder setzen das so um, dass die sagen: ‚okay, die Regeln, die die Tauchverbände sich ausgedacht haben, die machen wir zum Gesetz.‘ Ist sicherlich nicht verkehrt, aber an ganz vielen anderen Stellen auf der Welt gibt es einfach keine Gesetzeslage für Verhalten unter Wasser. (146-152) 107 UK 3.2 Organisationaler Einfluss der (Tauch-)Instanzen Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I2 Ja eine große, weil sie sind die Instanzen für die Ausbildungsregularien. Deswegen ist das - oftmals wird das sozusagen mit Gesetz gleichgesetzt, was die so sagen und machen. Die Vereine spielen auch eine sozialstruktur- mäßige Rolle. Also die Vereine, das ist dann eher das, was die Menschen zu Hause machen – gemeinsam sich austauschen. Und die Basen und die Ausbildungsverbände, die sind dann mehr auch im Ausland für Urlaubstaucher. Die spielen eine sehr große und interessante Rolle. Und die Vereine und die Verbände sind auch sehr eng miteinander verzahnt, weil das Ganze kann nicht ohne einander betrachtet werden. Also Vereine haben immer einen Ausbildungsverband, nach dem sie sich orientieren. Und Tauchschulen auch. (157-164) I2 Also wenn es um mein Taucherwissen für das Tauchlehrerdasein geht, dann geben die Verbände Updates über neue Änderungen im Ausbildungswesen und solche Dinge. (373-375) I4 Also natürlich wirken die Standards der Tauchverbände in gewisser Hinsicht auf das eigene Tauchverhalten, weil man ja leichte Unterschiede in den Standards hat. Also zum Beispiel der VDST, die haben diese Longhose- Konfigurationen. Das heißt die tauchen ja im Grunde mit einer Longhose-Konfiguration und dadurch lernen natürlich auch die VDST- Vereinstaucher in der Ausbildung zu tauchen. Das beeinflusst dann natürlich schon das eigene Tauchverhalten. I: Kleiner Einwurf. Die Longhose: Kannst du die bitte noch erklären? B: Also die normale Sporttauchkonfiguration, wie es ja die meisten Verbände machen, dass man ja mit einer zweiten Stufe, mit 75 cm Schlauch taucht, und an einem weiteren Schlauch in der Regel 90 oder einen ein-Meter- langen Oktopus-Schlauch hat. Und im Falle einer Luftnot kriegt der Buddy den Oktopus des Luftgebers. Und beim VDST ist es so, dass das Hauptsystem - also die zweite Stufe ist ein, ich glaube, ein 1,20 Meter bis 2,10 Meter Schlauch, also ähnlich wie beim technischen Tauchen. Und dann ist an einem Neck-Band hier unten (macht eine vorführende Bewegung) das Backup-System mit einem kurzen Schlauch. Im Falle der Luftnot gibt dann der Geber sein Longhose dem Partner ab, und wechselt auf seinen eigenen, kurzen Schlauch. Das ist also im Endeffekt wie beim technischen Tauchen. Da wird das ja auch so gemacht. Und von da her 108 UK 3.2 Organisationaler Einfluss der (Tauch-)Instanzen Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung wirkt das natürlich dann schon auf das Tauchverhalten, weil einfach andere Übungen unterrichtet werden. Ansonsten würde ich sagen, wenn man mal so darüber nachdenkt, haben sonst die Tauchverbände weniger Einfluss auf das individuelle Tauchverhalten der Leute. Außer natürlich in den Unterschieden, was sie unterrichten, wie jetzt das genannte Beispiel mit der Longhose-Konfiguration. (226-249) I3 Ja, also es gibt von einigen Verbänden die Möglichkeit so ein Solo-Diver-Brevet zu machen. Das heißt der wird ausgebildet, dass er tatsächlich alleine, ohne einen Buddy, Tauchgänge durchführen kann und darf. Da geht es hauptsächlich darum Redundanzen zu schaffen und dass man vielleicht ein zweites Set Atemregler dabeihat, dass man eine Ersatzflasche dabeihat - dass man ein Bailout hat. Das ist auch so ein bisschen die Erfahrung oder die Diskussion, dass man sagt: ‚Die meisten Buddy-Teams tauchen sowieso jeder für sich.‘ Also es gibt wenige Buddy-Teams, die wirklich aufeinander eingespielt sind und wo man wirklich nach dem Partner guckt, sondern die meisten tauchen natürlich nebeneinander her, sind zwar sozusagen als Team unterwegs, aber jeder kümmert sich mehr oder weniger um sich selbst. Und auch aus der Erfahrung heraus kann man natürlich sagen, wenn die Erfahrung stimmt, kann man natürlich auch gleich einen Schritt weitergehen, wenn die Leute sich sowieso nicht umeinander kümmern, dann können sie auch alleine tauchen, insofern sie genug Redundanzen dabeihaben. Genau, das wäre der Solo-Diver, aber es gibt tatsächlich nicht viele, die das machen. Aber es wäre denkbar. Ich glaube SSI bietet das an, PADI macht da irgendetwas, ja. (107-120) I5 So für mich selbst, am Ende jedes Manuals der Code of Conduct, das ist sowas wo ich denke: ‚Leute das muss man doch nicht sagen!‘ Aber doch, man muss es tatsächlich sagen. Manchen Leuten muss man das tatsächlich sagen. Aber mit solchen Leuten möchte ich auch nicht ins Wasser gehen (schüttelt den Kopf). (162-165) 109 UK 3.2 Organisationaler Einfluss der (Tauch-)Instanzen Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I6 Welche Rolle, meinst du, spielen dabei die Verbände, die Tauchverbände? B: (zuckt mit den Schultern und schüttelt den Kopf) Ich habe mit denen Null Berührung. Gar nicht. Also das ganze Verbandsding, das ist eher so ein deutsches Ding. Das hat eigentlich im internationalen Kontext; also, wenn du sagst du bist VDST, dann heißt das nur, dass du unglaublich konservativ bist. Ja, dann wirst du schon eher belächelt, als dass es heißt: ‚Wow, voll cool, tolle Ausbildung.‘ Sondern es ist eher so: ‚Oh man, du bist ja echt lahm.‘ (lacht) Also ja, das ist zwar also nice-to-have, aber es ist auch ein riesen Unterschied, wenn du mit Deutschen tauchen gehst in Deutschland, ja, die halt dunkel und grün und See gewohnt sind, oder wenn du rausgehst in die Welt und in der Karibik, in Asien oder sonst was mit Leuten ins Wasser gehst. Das ist ja ein ganz anderer Schlag Mensch. Das ist wie schwarz und weiß. Für mich war das damals ein riesiger Schock, als ich dann als Divemaster zurück nach Deutschland gekommen bin, und geguckt habe, wo ich da was machen kann, wo ich mich vielleicht integrieren kann, auch ehrenamtlich und sowas. Und das war irgendwie relativ schnell so: ‚Oh nein, hier fühle ich mich irgendwie nicht so richtig wohl.‘ Das ist dann doch eine ganz andere Welt. (232-246) I7 Gut ist, dass die Verbände letztlich den Finger darauf haben und erklären, wie man taucht. Dementsprechend haben sie Tauchlehrer, die sagen: ‚Schau mal, so tauchst du.‘ Ja? Dadurch kommt irgendwann Nachhaltigkeit an den Endtaucher, da kommen Sicherheitsaspekte an den Endtaucher, da kommen Verhaltensregeln an den Endtaucher, all das ist gut. (263-267) I8 Bei PADI und SSI ist es, wie du ja weißt, nicht ganz so auf den sportlichen Aspekt getrimmt wie beim CMAS 1 Stern, also da kannst du auch als relativ unfitter Mensch die Leistungsanforderungen erfüllen und dann eben auch – ich denke es ist legitim das so zu tun – einfache Tauchgänge ohne Strömung an einem Riff, auf 12 Metern, durchführen zu können, in einer sicheren Umgebung. (138-142) I8 Die Tauchverbände haben meiner Meinung nach da eher einen Einfluss drauf, wenn es ums Thema Ausbildung geht und sich der Taucher tatsächlich mit dem Buch, mit der DVD, mit irgendwelchen anderen Unterlagen befasst. Ja, es gibt natürlich auch Abhandlungen darüber in diesen Tauchzeitschriften. Vom VDST gibt es ja auch die, ich glaube „Sporttaucher“ heißt sie, 110 UK 3.2 Organisationaler Einfluss der (Tauch-)Instanzen Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung die kriege ich ja auch. Ich glaube nicht, dass es einen großen Einfluss hat. (269-273) I8 Und das kannst du dann in einer Tabelle nachgucken. Ob die jetzt von PADI, von SSI oder die Deko2000 von CMAS ist, ist genau das Gleiche. Und das Gleiche ist es bei einem technischen Tauchgang eben auch, nur, dass du noch das Thema Gasverbrauch miteinrechnest, dass du eben dann die Drittel- Regel beachtest und entsprechend Gas übrig hast für den Notfall. (492-496) I9 Ich glaube da haben alle Organisationen noch deutliche Verbesserungspotenziale. Auch da wieder: Die haben ja keinen großen Anreiz ihre Materialien zu verbessern. Der Instructor hat ein Interesse daran Schüler zu bespaßen. Der Instructor verdient daran, die Organisation mit, aber solange der Druck von den Instruktoren nicht groß genug ist, dass die sagen: ‚Mit dem Material machen wir nichts mehr‘, dann haben die Organisationen ja kein ausgeprägtes Incentive sich zu bewegen. SSI vielleicht noch etwas mehr, weil es eine kommerzielle Organisation ist. AIDA macht die ganze Aus- und Fortbildung auf freiwilliger Basis. Das heißt, irgendein paar Freiwillige müssen sich hinsetzen und die Ausbildung komplett überarbeiten, wohlwissend, dass wahrscheinlich, sobald sie es veröffentlichen, 50 Leute es doch erst mal kritisieren, dass man es doch hätte besser machen können, aber es in dem Moment nicht selbst machen wollten! (379-388) I8 Dann gibt es wunderbare Apps von SSI und ein Stück weit auch PADI, aber SSI ist da, glaube ich, ein Stück weiter vorne. (436-437) I8 Mit Sicherheit gibt es da, wenn man sich auch von den Verbänden die Apps anguckt, einiges zu verbessern, nachzuschärfen, vielleicht auch wieder zurückzudrehen. Ich hatte es ja vorhin erzählt, dieses Thema, dass es keine Plastikkärtchen mehr gibt oder geben soll. Das, finde ich, ist eine Entwicklung, die, glaube ich, nicht nur mit meinem Alter zu tun hat. Also ich finde es nicht gut. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, was der VDST da online anbietet, also in Form von Apps oder der Unterstützung bei der Ausbildung und so weiter. Ich glaube die hängen da ziemlich hinterher, ohne das jetzt wirklich zu wissen. Also da ist wirklich noch einiges zu tun, was von den Verbänden kommen sollte. (575- 582) 111 UK 3.2 Organisationaler Einfluss der (Tauch-)Instanzen Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I3 Ich glaube, dass die Bedeutung der Tauchvereine sowieso rückläufig ist. Das war früher so, vor 20 Jahren vielleicht, dass einfach auch die Infrastruktur noch nicht so gut war. Die hat sich da noch sehr konzentriert in den Vereinen. Das heißt, wenn man Flaschen füllen wollte, dann musste man dafür in die Vereine gehen, um dort seine Flasche gefüllt zu bekommen. Ich glaube aber, dass diese Vereinsstrukturen sich heute überlebt haben, weil wir auch eine bessere Infrastruktur haben, also es gibt mehr Dive-Shops und so weiter. Also auch hier im XXX füllen wir Flaschen für Leute, ohne dass die jetzt irgendwie in einem Club oder einem Verein organisiert sein müssen. Viele Leute nerven solche Vereinsstrukturen natürlich auch, die haben da keine Lust drauf. Und da man ja früher auch nicht so viele Fernreisen unternehmen konnte und sich das Ganze mehr in heimischen Gewässern abgespielt hat, hat der Tauchverein Sinn ergeben. Aber heute ist Tauchen ja für viele Leute das Tauchen im Meer, das heißt auf jeden Fall eine Fernreise. Und da spielt der Verein natürlich weniger eine Rolle. Die Tauchverbände auf der anderen Seite, die spielen eine große Rolle, auf jeden Fall, weil sie eben festlegen, tatsächlich, was gemacht werden darf. Also das, was die Verbände uns sagen, hat eigentlich auch Gesetzeswirkung für uns. (238-252) Vereinseinfluss Insgesamt rückläufig, weil Tauch- Infrastruktur auch über Basen und Tauchcenter bereitgestellt wird I10 Und jeder Hai auf den Bahamas bringt im Schnitt so 70.000 Dollar ein. Die Bahamas haben letztes Jahr, ich glaube, 130 Millionen – ich begleite diese Stories mit dem Bahamastauchen jetzt seit sechs Jahren. Und angefangen hat es bei 70, jetzt sind es 140 Millionen, die der Haitourismus jedes Jahr bringt. Jetzt durch Corona natürlich ein bisschen weniger, aber die verdienen unheimlich viel daran und deshalb achten sie auch sehr drauf, die zu schützen. Und das war schon immer so, mit dem Weißen Hai genauso. Der Weiße Hai in Südafrika – würden die nicht so viel mit diesem Käfigtauchen verdienen, dann wäre da kein einziger mehr drin. Die würden sie nämlich alle rausholen. Und dadurch, dass alle lauter Unternehmen führen und zig, hunderte von deren Mitarbeitern von Weißer Hai- Käfigtauchaktionen profitieren, bekommt jeder, der da einen Hai rausfängt, mit einem Knüppel über die Rübe. Und da gibt es richtig Druck, weil da Geschäfte kaputtgemacht werden. Deswegen passiert da nichts. Die sterben alle an Altersschwäche. Und das passiert in Asien nicht. Da siehst du nur diese kleinen Haie, weil Politischer Rahmen und Zusammenarbeit - Politische Einflussnahme beispielsweise durch gesteuerten Haitourismus anstelle von Finning - unprofessionelle Branchenstrukturen und wenig Zusammenarbeit - Umweltbewusstsein in verschiedenen Ländern unterschiedlich stark ausgeprägt; Wirksamkeit etwaiger Maßnahmen druchwachsen - Cross-Over-Kurse vonnöten, wenn Brevets in anderem Land nicht anerkannt werden 112 UK 3.2 Organisationaler Einfluss der (Tauch-)Instanzen Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung alles was da irgendwie rumschwimmt wegen des Finnings rausgeangelt wird. Und das ist dann wiederum eine gute Politik, finde ich. (406- 419) I4 Tauchen ist halt an sich eine sehr unprofessionelle Branche von den Strukturen her. Es gibt ja viele Verbände etc. Aber schlussendlich gibt es keinen zentralen Verband, wo sinnvolle Dinge gemacht werden, sondern jeder macht so seins. Und ich würde mir grundsätzlich wünschen, dass die ganze Branche mehr zusammenarbeitet und Forschungsergebnisse zusammenträgt, um die Leute aus der Branche auf aktuellem Stand zu halten. Es gibt zum Beispiel das Medizinkoviliganzgesetz, das regelt im Endeffekt das Verabreichen von Medikamenten. Wir Taucher müssen ja immer Notfallsauerstoff verabreichen, also die Tauchlehrer, wenn ein Tauchunfall passiert. Das ist aber nach diesem neuen Medizinkoviliganzgesetz nicht erlaubt. Das heißt das darf eigentlich nur ein Notarzt machen. Und das sind zum Beispiel Themen, wo weder die Verbände noch andere Organisationen überhaupt wissen, dass das so ist. Das heißt da muss man selbst im Grunde sich durchwursteln, recherchieren, um Wissen dazu zu erlangen. (470-481) I6 Du, es ist einfach – die Menschen sind dafür nicht gebildet. Vielleicht ist man auch einfach zu ignorant, um das wahrzunehmen. Also die sind in Ägypten schon relativ gut, dass es restriktiv ist, dass du oft ohne Guide gar nicht ins Wasser darfst, an verschiedenen Stellen. Du musst immer mit einem Guide reingehen, normalerweise. Sobald du außerhalb des Hausriffs ins Wasser gehst musst du mit einem Guide und darfst du nicht alleine reingehen. Ich glaube, weiß nicht, ob das wirklich deswegen ist, dass man das marine Leben schützt, sondern es geht, glaube ich, eher darum, ja, dass einfach nichts passiert. Weil wenn irgendwo jemand halt stirbt, dann ist das eben ein bisschen schwierig. Woran ich es merke ist - für dich auch als Apnoetaucherin - am Blue Hole, da wurde jetzt vor einem Jahr oder so eine Fee erhoben, um überhaupt zum Blue Hole fahren zu dürfen. Das waren fünf oder zehn Dollar oder so etwas, was extrem viel ist, eigentlich, dafür, dass du einfach nur hinfährst, was aber okay wäre, wenn sie es einfach nutzen würden, um beispielsweise das marine Leben zu schützen. Ein Blue Hole, was wir eben nur einmal haben, so zu erhalten, dass eben auch das marine Leben darin Platz findet und eben nicht zertrampelt wird. Aber das findet 113 UK 3.2 Organisationaler Einfluss der (Tauch-)Instanzen Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung nicht statt. Das heißt, dieses Geld – das sind Millionen innerhalb von einem Jahr, die sie eigentlich bekommen – das verpufft einfach bloß. Da werden so Kleinigkeiten aus Holz hin gebaut und das war es. Also das ist einfach so ein bisschen, das ist eine andere Kultur. Die arbeiten damit anders. Das ist mir durchaus bewusst, aber sowas finde ich schade. (192- 208) I6 Im Blue Hole ist ja vor ein paar Jahren auch jemand gestorben. Es ist auch ein Bekannter von mir gewesen. Und die haben danach das Blue Hole abgeriegelt für Apnoetaucher. Ich glaube für sechs Wochen. (549-551) I8 Und in Frankreich kannst du ja mit so einem PADI- oder SSI-Tauchschein fast gar nicht tauchen, da wirst du immer gegängelt. Und da habe ich mich dann zum drei-Stern-Taucher ausgebildet, habe einen Cross-Over gemacht in Deutschland. Ja genau, also ich bin drei-Stern- Taucher dann auch bei VDST und CMAS. (21- 24) I9 Eine Verhaltensänderung lässt sich nicht einfach mit einem Schalter umlegen. Klar ist Aufklärung hilfreich. Manche Länder gehen über Verbote von Plastik oder zumindest eine starke Reduktion von Plastik. Das ist sicherlich sehr hilfreich. Es müssen aber gerade die Länder sein, bei denen das Bewusstsein noch nicht ausgeprägt ist. Und bei denen ist das teilweise einfach extrem schwer umzusetzen, weil es eben wieder wirtschaftliche Auswirkungen hat, weil die Länder auch teilweise keine Priorisierung darauf haben. Ich glaube das andere Ende der Geschichte ist dann natürlich, dass wir in unseren Ländern ein ausgeprägteres Bewusstsein, und die Unterstützung dieser Länder, aber auch das Einsammeln des ganzen Mülls, der da schon im Meer ist, unterstützen müssen. Klima und analoge Projekte, die, glaube ich, viel stärker vorangebracht werden müssen, wo es dann zwar immer wissenschaftliche Diskussionen gibt, so: ‚Ja, aber das kleine Projekt bringt doch nicht viel.‘ – Nein, aber es tut schon mal deutlich mehr, als wenn man es nicht machen würde. Und wenn man das Faktor zehn, Faktor 100 skaliert, dann bewegt sich schon recht viel. (158-170) 114 OK 4 Kanal Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I10 Und eines Tages kam er dann nach XXX – er ist mittlerweile nach Neuseeland gezogen – mit einem riesigen Schwung Unterwasserfotos. Die hat man in den 90ern nicht so oft gesehen. Und das hat mich total fasziniert, was ich da gesehen habe. Und dann dachte ich: ‚Ich muss irgendwann so einen Tauchschein machen. Das ist ja irre!‘ Ja, da war diese Bilderflut noch nicht so da wie jetzt. Jetzt ist das ja vollkommen normal auf Facebook: Alle Leute posten ihre Unterwasserfotos. Das war damals etwas völlig Exotisches und das hat mich angefixt und so ging es dann immer weiter. (15-21) Digitalisierung - insgesamt Zunahme des Digitalen, auch im Tauchbereich - Bilderflut I10 Also ich mag Instagram nicht. Ich mache das eigentlich alles immer über Facebook. Also: Magazin, Facebook und eigene Website – die Kanäle – und auch WhatsApp. Das sind natürlich alles verschiedene Gruppen und da wird jetzt nicht alles geteilt, was ich gerade mache. Wenn ich für eine Reise unterwegs bin, dann mache ich mal zwischendurch Posts für die Touri-Boards, die mich da eingeladen haben. (334-338) Zielgruppenansprache Unterschiedliche Inhalte in unterschiedlichen Formaten I10 Es gibt da auch relevante Tauchen-Websites, das bekannteste ist das taucher.net, glaube ich. Aber es gibt auch tauchen.de, das ist ja auch ein Portal, was viele gucken. Facebook, Tauchen - früher gab es noch Unterwasser. Das ist ja fusioniert. Ich glaube, dass es immer ganz vom Inhalt abhängt, was da gerade so passiert. (367-370) Von den Tauchern genutzte Online-Kanäle - Taucher-Websites/- Plattformen: taucher.net; tauchen.de - Reiseportale, -führer - Tauch-, UW- Fotoreiseführer - Fernsehen (für Dokumentationen) - Videotelefonie - YouTube - Suchmaschine (beispielsweise Google) - Klassische Website - wird jedoch als veraltet wahrgenommen - Foren, insbes. im englischsprachigen Raum, im deutschsprachigen Raum auch eher veraltet - Reisebuchungsportale - Klima-/Wetterportale - lokale Apps für lokale Bedingungen - Podcasts mit zunehmender Beliebtheit - E-Books, e-Magazine, e- Fachzeitschriften - Google-Maps für Standortsuchen I10 Das heißt, ich gucke schon immer die Reiseportale durch, travelbook auch natürlich; gucke mir ein GEO Spezial zum Thema an, wenn es mich interessiert oder ich hole mir auch mal einen Tauchreiseführer, Reiseführer. So aus Spaß lese ich die gerne mal durch, so für potenzielle nächste Ziele. (471-474) I10 Tauchreiseführer habe ich aber auch, die gibt es auch, haben einige Kollegen geschrieben: Von XXX über XXX, die zu gewissen oder zu fast allen Tauchgebieten Reiseführer geschrieben haben. Und die gucke ich mir auch immer mal an, wenn ich dann weiß: ‚Aha, Domrep,‘ dann gucke ich mal. XXX hat ein Buch zu Domrep geschrieben, rausgebracht. Dann gibt es auch Unterwasser-Fotoreiseführer von Fotografen wie Herbert Frei, Kurt Amsler und so weiter und so fort. Und da kann man auch immer mal gucken, was da so zu sehen ist. (479-484) I10 Ohne Kreditkarte und die entsprechenden Apps kommst du da nicht weit. Booking.com und Tripadvisor und, was ist noch gut – Expedia. Das sind die wichtigsten Portale, dass ich weiß, wo ich denn unterkomme, und Klima, wetter.de, 115 OK 4 Kanal Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung das gucke ich mir natürlich immer an. Und wo du dann auch immer sehen kannst: Vor Ort gibt es immer viele Apps, die dir dann immer so sagen, wie die Sichtweiten unter Wasser sind. (520-525) - Google-Bewertungen - Telefon und Mail für Organisatorisches zum gemeinsamen Tauchen - Soziale Medien für Neuigkeiten und Updates Insgesamt nutzen Taucher mehrere unterschiedliche Kanäle, um auf neue Aspekte zu stoßen Analoge Kanäle: - Locals befragen - Bücher, Magazine, Fachzeitschriften I9 Ich glaube für viele Leute ist es einfach spannend, sich irgendwelche Tauchvideos von anderen anzuschauen. Oder, um vom Video wegzukommen, das dann idealerweise auch in VR oder ähnliches darzustellen. Wenn man das irgendwann umsetzen könnte, das wäre natürlich richtiger Luxus. (462-465) I8 Die Website wird noch gepflegt, vor allem von mir, die anderen steuern da auch Fotos bei, wir haben da auch einiges an Besuchern, es gibt da auch manchmal Interaktionen, so nach dem Motto: ‚Da kostet jetzt das Parken ein bisschen mehr an dem See‘, und so weiter. Das ist natürlich heutzutage nicht mehr State of the Art. Also wenn du jetzt eben eine ganz spezielle Information suchst, wirst du über Google auf so eine Website eben stoßen. Da guckst du dir dann vielleicht auch ein paar Fotos und Videos an, liest dir was durch. Und so generell meine Tauchaktivitäten: Die poste ich auf Instagram und Facebook. Das sind dann eben meistens Fotos: ‚Guck mal, hier war ich.‘ (286-294) I8 Und wie gehst du bei der Suche vor? Also du machst den PC an und dann? B: Ja, wie gesagt, man ist ja in verschiedenen Bereichen schon unterwegs, ob das jetzt ein Forum ist oder eben auf Facebook, von verschiedenen Seiten, Anbietern, Personen, man ist dort vielleicht in irgendwelchen Foren unterwegs. Da würde mach sicherlich zuerst gucken. Und dann klassisch eben die Suchmaschine. Und klar, irgendwann mal fragt man sicherlich auch Leute, die man persönlich kennt, aber das ist ja dann nicht online. Das würde sich dann eher mal an einem See oder sonst wie, telefonisch, ergeben. Aber sonst ist es eine Mischung aus Suchmaschinen und – bei Facebook würde ich, wenn ich jetzt ein bestimmtes Problem habe, nicht auf die Suche nach Gruppen gehen. Glaube ich nicht. Also da würde ich dann eher Google anwerfen. (406- 416) I8 Ansonsten gibt es natürlich auch schon relativ viel. Ob das jetzt noch zeitgemäß ist, sinnvoll oder nicht, das ist wieder etwas Anderes. Also taucher.net ist ja so eine riesen Website, beispielsweise, oder die diversen Foren, die es gibt. Im amerikanischen oder im 116 OK 4 Kanal Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung englischsprachigen Bereich gibt es übrigens extrem große Taucherforen. (582-585) I7 Aber so etwas erfahre ich dann aus Büchern oder aus Podcasts, wo wieder was präsentiert wird. Wenn ich denke, dass der Mensch einen ganz interessanten Ansatz hat, dann lese ich mal noch das Buch dazu. Oder es gibt vielleicht, keine Ahnung, ein Psychologie Magazin oder GEO. Da finde ich immer wieder Sachen, die mich interessieren, wo ich dann ein bisschen tiefer recherchiere. So würde ich es sagen. Also oftmals sind es Podcasts, die du hörst, zu dem Thema, wo dann irgendein Spezialist etwas erzählt und dann guckst du, was der für Veröffentlichungen hat und gehst dann da nochmal ein bisschen tiefer rein. Und dann guckst du, ob du was davon brauchen kannst, vielleicht oder nicht. (385-392) I6 Das war mir so auch nicht bewusst, aber ich habe halt meine eigenen Kunden befragt, und habe geguckt: Was machen die und welche Inhalte konsumieren sie. Und im Schnitt haben sie 30 Minuten pro Tag, da hören sie sich Podcasts an. Und es ist relativ breit gefächert. Meine Zielgruppe ist ja von Mitte 20 bis Ende 50 ungefähr. Keiner ist bei Facebook, zum Beispiel. Einfach, wenn die Möglichkeit theoretisch bekomme, 30 Minuten pro Tag die Möglichkeit zu haben einfach die volle Aufmerksamkeit von denen zu bekommen für ein Thema – cool. Und ich muss nicht viel schneiden, ich brauche kein Video, keine Szenerie. Ich nehme Themen auf. Entweder mache ich Solo-Sessions und erzähle einfach darüber oder ich lade Leute ein und quetsche die aus. (303-311) I4 Ja, ich würde sagen die Google-Suche an sich, dann natürlich Google Maps, also das heißt die Standorte, die bei Google dann hinterlegt sind, weil die ja regional dann auch angezeigt werden. Also wenn jetzt hier in XXX jemand eine Tauchschule sucht, dann kriegt er ja natürlich keine Tauchschule in Hamburg angezeigt, sondern die die hier in der Region sind. Deshalb also die Google-Suche allgemein, Google Maps natürlich, dann die Google Bewertungen sind glaube ich sehr, sehr wichtig und funktionieren dann entsprechend gut. Also Google Maps verknüpft sich dann mit den Bewertungen, die man dort hat. Die sind, glaube ich, ein extrem wichtiger Faktor. Ja, das genau sind die wichtigsten digitalen Instrumente von uns. (290- 297) 117 OK 4 Kanal Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I4 Also die suchen ja im Endeffekt bestimmte Suchbegriffe und dann finden die einen ja dadurch, dass man unter den ersten ein, zwei gelisteten Beiträgen ist. Die suchen jetzt zum Beispiel: ‚Tauchkurs XXX‘ oder die suchen ‚Indooor Tauchen, Indoor Tauchcenter‘, also bestimmte Schlagwörter und finden dann die Website der Anbieter, also wie jetzt bei uns zum Beispiel. Das, würde ich sagen, ist der Hauptkanal, worüber wir neue Kunden generieren, also einfach wirklich über die Google-Suche. (280-285) I4 Ansonsten, wenn es um tauchmedizinische Sachen geht, müsste es irgendeinen interessanten, fachlichen Inhalt in der Überschrift haben. Das sind jetzt natürlich so Sachen, die nicht so Social Media verbreitet sind. Das sind eher Sachen, die in der Fachzeitschrift CAISSON stehen, oder so etwas. (369-372) I4 Ich google danach. Das ist das Hauptwerkzeug. Ich google und schaue die erste Seite nach Ergebnissen durch und schaue dann teilweise noch in irgendwelchen Fachseiten, also bei der GTÜM zum Beispiel, bei DAN und das war es. Sonst gibt es da ja auch nicht viele Quellen. Und ansonsten gehe ich tatsächlich dann so vor, dass ich Kollegen anschreibe, wo ich weiß: Die sind vom Fach, aus bestimmten Fachbereichen und frage die immer: ‚Hast du eine Studie zu dem oder jenem Thema?‘ Genau. Aber das ist, glaube ich, jetzt eher speziell. Ich glaube, dass jetzt die Taucher, die das jetzt nicht beruflich machen, das natürlich weniger machen. (380- 386) I4 Nein, da können digitale Medien natürlich sehr gut bei helfen, dann eben durch online- Zeitschriften oder über wissenschaftliche Texte, die man online liest – für mich jetzt. (464-465) I3 Also ich muss sagen, dass ich da gar nicht mehr online bin. Ich suche das gar nicht mehr online, weil da dann die Gefahr ist, dass so viel Halbwissen und auch leicht falsches Wissen verbreitet wird, sodass man da so viel damit beschäftigt ist, Falsches vom Richtigen zu trennen. Da ist es günstiger, wenn man sich, also aus meiner Sicht, zum Beispiel auf dem englischsprachigen Buchmarkt umschaut. Der englischsprachige Sprachraum ist sehr viel größer als der Deutsche. Das heißt, dass man auch zu so, ich sage mal, abseitigen Themen noch Leute findet, die mal irgendetwas Gutes dazu geschrieben haben. Und ich recherchiere da kaum etwas im Internet, weil das sind dann auch immer irgendwelche Gruppen oder so, und 118 OK 4 Kanal Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung das endet dann immer in irgendwelchen Hates und Flames. Das macht für mich wenig Sinn. Das ist ganz gut für die Anfangsgründe, also es gibt so ein paar Sachen, über die sich alle einig sind, ja, so das Boyle Mariotte ist so das wichtigste Gesetz für den Taucher - da sind sich dann alle einig, das kann man mal nachgucken. Aber wenn es darüber hinausgeht, so: ‚Wo sind die Grenzen der Gasgesetze?‘ und so weiter, dann wird es entweder falsch oder weniger anschaulich. Und wenn ich ein Buch lese, dann weiß ich, dass da immer nochmal jemand drüber geschaut hat, bevor das gedruckt worden ist, das gegengelesen ist. Deswegen eher kein Internet. (329-343) I5 Welche digitalen Plattformen und Netzwerke nutzt du denn zu deiner eigenen Kommunikation für diene privaten Tauchgänge? B: WhatsApp, Threema, mal über Mail, aber eigentlich weniger, Telefon. (278-282) I5 Also ich meine da, angefangen von diesen wissenschaftlichen Papern mit Literaturrecherchen und dem hoffentlich am Leben bleibenden Science-Hub über irgendwelche Diskussionen auf Facebook, die dann zwar auch häufig mal am Thema vorbeigehen, bis hin zu den YouTube- Recherchen und einfach mal andere Meinungen hören, andere Aspekte hören – klar, immer super interessant. (403-407) I2 Wenn es um Erkenntnisse geht in der Tauchmedizin – das spült eigentlich meistens Social Media an mich heran. Also ich folge jetzt nicht irgendwelchen wissenschaftlichen Journalen, ich habe da nichts abonniert oder so. Aber dann gibt es Magazine, die ich abonniert habe, die ich lese und wo ich mich auf dem Laufenden halte. (375-379) I10 Neben der Reiseportalvernetzung ist es vielleicht auch interessant, sich mit Personen, die rumreisen und bestimmte Ziele und Aktivitäten machen, sich vielleicht mal zu vernetzen. Auch, wenn es nur wissenschaftliche Taucher sind, wie Tobias Huber oder die, die wirklich auf besondere Reisen machen, die man vielleicht selbst nicht so machen kann. Und das ist auch toll, wenn man sich ansehen kann, was die so machen. Das sieht man auch ab und zu mal im Fernsehen, was die so treiben. (495-501) Netzwerke/Kontakte - Vernetzung mit reisenden, wissenschaftlichen Tauchern, die von Tauchaktivitäten berichten - Coachings: Gruppencoachings für Anfänger; Eins-zu-eins Coachings für fortgeschrittene Taucher 119 OK 4 Kanal Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I9 Was ich tatsächlich ganz gerne habe ist dann eher lieber mal jemand, den ich in einem online- Coaching mir dazu hole, was für mich den Vorteil hat: Da weiß ich, wen ich da habe – Leute, mit denen ich schon irgendwo getaucht bin, die halt jetzt nicht hier sind, sondern woanders. Da finde ich das für mich persönlich in meinem Stadium praktischer, weil ich die Individualität schätze. Und da hat natürlich jetzt auch Teams, Webex, was auch immer, uns einen riesen Sprung beschert, dass wir einfach kreuz und quer in Kontakt treten können, was ich finde, dass es tatsächlich ein riesen Mehrwert ist. Ein konkretes Beispiel: Druckausgleich. Druckausgleich ist ja ein unglaublich spaßiges Thema, wo ich diese ganzen Details im Mund-Rachen-Raum kennenlernen kann und muss, und Luftballons aufblase und sowas. Wenn ich mir da jetzt irgendein Video anschaue oder eine Massenbespaßung mache, bei irgendeinem Gruppentraining, würde mir in meinem jetzigen Stadion das, glaube ich, nicht so viel helfen, weil ich das Meiste theoretisch kenne. Trotzdem kann ich nicht alles oder habe es wieder vergessen. Also hilft es mir dann mehr mit Andrea Zuccari ein one-to-one online-Coaching zu haben, wo er mir einfach zuschaut, wie ich irgendwas mache, was natürlich für den geneigten Zuschauer, der dann in der Raum reinkommt, völlig bizarr wirkt, aber was tatsächlich ein echter Mehrnutzen ist. (433-447) - Fachmessen - Mundpropaganda, Bewertungen über Google o.ä., Gästebucheinträge - privates Verabreden zum Tauchen mit Buddies überwiegend ohne Zuhilfenahme sozialer Netzwerke I7 Ich weiß aber jetzt nicht genau, was aus der Sache geworden ist, weil nach Corona - sonst habe ich den immer auf der boot wiedergetroffen und nach Corona hat sich das dann so ein bisschen verlaufen. (168-170) I1 Und zwar habe ich ja eine Homepage und ich selbst bin ja solo-selbstständig und ich habe jetzt kein großes Budget um online-Marketing zu machen. Deswegen freue ich mich natürlich immer über Mundpropaganda. Wenn jemand zufrieden ist, dass er das anderen auch erzählt, und optimaler Weise auch irgendwo eine Google-Bewertung oder irgendetwas im Gästebuch dalässt. (614-618) I3 Wenn ich private Tauchgänge mache, dann sind mir aber die Leute, mit denen ich tauchen gehen würde, so nahe, dass ich mich mit denen persönlich verabrede oder tatsächlich über das Telefon. Wenn, oder was ich beobachte bei anderen ist, dass da ganz viel über WhatsApp läuft. Und da gibt es eine Unmenge an Gruppen und da wird 120 OK 4 Kanal Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung sich viel abgesprochen für irgendwelche Tauchgänge. (292-297) I9 Ich persönlich tatsächlich wenig, also, wenn dann tatsächlich Facebook. Und ansonsten allenfalls das, was die Organisationen AIDA, SSI als Plattform bieten. Ich nutze das in einem überschaubaren Maß und das ist weniger geworden, muss ich auch sagen. Also zu dem, was ich vorher sagte: In der Anfangsphase, da war Facebook auch noch was und da war ich da sehr aktiv da drauf. Weil es natürlich eine Möglichkeit ist, die Leute, die man über die ganze Welt hinweg kennengelernt hat, weiterhin im Kontakt zu behalten. Aber natürlich auch um zu zeigen, wie gut ich jetzt gerade wieder war, also auch so dieses Lob abholen. Und das ist tatsächlich weniger geworden, weil ich irgendwann gedacht habe, dass ich das doch nur mache, weil ich Spaß haben will: ‚Ich brauche gar nicht von anderen Leuten gelobt werden.‘ Ich nutze es tatsächlich immer noch, um mit einzelnen, ausgesuchten Leuten in Kontakt zu bleiben, aber nicht mehr so sehr als Medium der Massenbeschallung. Auch, was jetzt Tauchschüler von mir selbst anbelangt: Mit denen bleibe ich darüber in Kontakt, zum Teil, biete denen natürlich auch die Möglichkeit an, mich für alle weiteren Fragen zu kontaktieren, aber tatsächlich ist das dann mehr im Bereich WhatsApp oder ähnliches. Das ist, glaube ich, im Moment das, was ich deutlich, deutlich mehr nutze, um da direkten Kontakt zu haben - WhatsApp und Threema. (243-257) Soziale Medien Facebook (FB) - Insgesamt abnehmende Bedeutung - bedeutend noch für Kommunikation von Reisen und Events, beispielsweise FB- Gruppen für Updates zu Workshops oder Kursen oder um Trainingspartner an speziellem Ort zu finden - Format für Diskussionen, Inhalte in Text-, Bild- und Bewegtbildformat Instagram (IG) - Format für Bilder, wenig bis kein Text - beschränkte Verlinkungsmöglichkeiten ("Link in bio") YouTube - für Wettkämpfe, Fischvideos, Lernvideos für Tauchanfänger - Bewegtbild-Format; wenig bis kein Text Messenger Dienste - beispielsweise WhatsApp, Threema - für private Kommunikation, kleine Gruppen beispielsweise Trainingsverabredungen - Format für Text oder in gesprochenem Wort (Diktierfunktion), auch Bilder, Videos etc. mögl., aber für spezielle Themendiskussionen unbrauchbar Weitere Dienste - Patreon für online-Kurse, Artikel, Blogs; bezahlt- Account; kleinere Community I9 Aber typischer Weise nutze ich diese Diktierfunktion und dann sind meine Antworten auch in einer normalen Länge, wie ich es auch so machen würde. (264-265) I9 Also, was ich mir tatsächlich sehr gerne anschaue sind Tieftauchwettkämpfe. Gott sei Dank gibt es Diveye, dass man die auch komplett verfolgen kann. (278-280) I9 Verstehe ich das richtig, dass du also trotz der reißerischen Inhalte und ähnlichem gerne auf YouTube suchst? B: Das ist mein Hauptmedium, würde ich sagen. Halt nicht zu sehr im taucherischen Bereich, da ist es wirklich, wenn Wettkämpfe sind, aber jetzt gar nicht so sehr aus der Sicht: ‚Ich möchte Fischvideos sehen.‘ Sowas schaue ich mir lieber selbst an, oder: ‚Ich muss mich da fortbilden.‘ Da gehe ich einfach davon aus, dass ich da schon relativ viel weiß und gehe dann lieber zu Coaches direkt. Die wissen wo meine Problemfelder sind. (316-323) 121 OK 4 Kanal Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I9 Gibt es irgendetwas, was du anderen Tauchern empfehlen würdest, zum Beispiel den Tauchanfängern, wenn du die unterrichtest? B: Ja, ja definitiv. Also auch da wieder relativ simpel: Ich würde denen durchaus einige YouTube-Kanäle empfehlen. Da gibt es einige von, wie ich finde, guten Freitauchern, die auch vor allem gute Videos haben. (405-411) - TikTok genutzt von jüngeren Generationen Social Media-Nutzung Insgesamt - von den Probanden allg. genutzt als Transportmedium, beispielsweise für Bewerbung angebotener Kurse, Reisen etc. - Bespielung von Social Media oft auch nur, weil es für das Tauchbusiness essentiell ist, aber kein Vergnügen bei Nutzung - im Endeffekt sind persönliche Empfehlungen entscheidend - Fachartikel sind wenig vorhanden auf Sozialen Medien - Bsp. Netzwerk Deepblu: kann nicht gut ankommen, weil die Leute bereits auf sozialen Netzwerken unterwegs und dort bereits mit ihren sozialen Kontakten vernetzt sind I8 Wir haben ein Forum gegründet, 2012, wo es tatsächlich nur um das XXX-Tauchen geht. Und da haben wir auch eine Facebook-Seite. Das Forum und alles ist kostenlos, das ist kein Verein oder eine Tauchbasis oder so was, sondern wir bieten dann mehr oder weniger auf privater Art und Weise so nebenher Ausbildungen und so weiter an. Klar, das posten wir auch bei Facebook, also in den Sozialen Medien. In dem Forum würde es tatsächlich auch um Tauchaktivitäten gehen, da hast du dann deinen harten Kern der Leute, die eben immer noch Foren lesen und da auch Fragen stellen, und Diskussionen entstehen. Aber im Großen und Ganzen wird sowas eben auf den Sozialen Medien stattfinden – leider Gottes. Ich finde tatsächlich ein Forum, wo es um was auch immer geht, ob es Tauchen ist, Wasseraquaristik oder keine Ahnung, um irgendwelche Camper, die du umbaust – das ist ja vollkommen egal. Ein Forum ist für mich eine viel, viel bessere Plattform, um Themen zu bearbeiten, zu spielen, zu finden auch, als jetzt im Vergleich dazu ein Bild auf Instagram, wo du mal drunter ein bisschen diskutieren kannst. Oder eben auch ein Diskussionsforum auf Facebook: Da kommen von oben die threats und laufen nach unten durch und fünf Tage später fragt der nächste, der frisch dazugekommen ist, wieder genau das Gleiche, weil er das da unten nicht mehr findet. (300- 315) I8 Und ja genau, was ja noch schlimmer ist als Facebook, das sind WhatsApp-Gruppen. (lacht) Da hast du ja noch nicht mal die Möglichkeit eine Frage zu stellen und die Antworten sind dann alle da drunter, sondern du hast ja einfach alles untereinander und findest nach kurzer Zeit ja überhaupt gar nichts mehr. (326-329) I8 Man merkt das ja auch, wie Instagram das macht: Wenn du da einen Link posten möchtest, dann schreiben die Leute ja immer: „Link in bio.“ Also sprich, du kannst einen Link in deine Bio reinmachen und da können die Leute dann direkt draufklicken und landen vermutlich dann auf dieser Unterseite. Ich habe es selten 122 OK 4 Kanal Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung probiert. Und dann müsstest du ja am nächsten Tag deinen Biografie-Link wieder austauschen für deinen nächsten Post. Also da merken wir ganz klar, dass Instagram, zumindest mal von denen, die es betreiben, als ganz andere Plattform gedacht ist, als beispielsweise Facebook oder ein Forum. (350-356) I7 Also ich habe letztlich, wenn man Social Media anschaut, drei Kanäle, also drei Kanäle, wo ich hauptsächlich aktiv bin: Facebook. Facebook, würde ich sagen, kann ich wohl am konkretesten auch mit Events und Reisen füllen. Ich habe jetzt aber auch wegen Corona, wo mir einfach alles so ziemlich auf den Sack gegangen ist, was in Facebook war, jetzt in letzter Zeit viel mehr auf Instagram gemacht. Ich mache jetzt also viel auf Instagram, einiges auf Facebook und habe, auch während des ersten Lockdowns einen Patreon Account gemacht, weil ich gemerkt habe – ich weiß nicht, ob du Patreon kennst: Das ist so ein Bezahlt-Account, also da können die Leute quasi ihre fünf Euro bezahlen und dann mache ich dort online-Kurse, dann stelle ich dort eben Blogs rein, Artikel und so weiter. Das alles habe ich eben früher als Werbung so immer auf Facebook und Instagram gemacht und ja, jetzt will ich einfach so eine kleinere Community, mit denen ich einfach so ein bisschen dichter kommuniziere. Das sind eigentlich so die drei Kanäle, die ich nutze und ich glaube für mich sind die alle wichtig - klar, ich habe eine Website - aber man kommuniziert doch ein bisschen schneller da mit vielen Leuten. (293-305) I7 Also wir haben jetzt für unsere Apnoegruppe eine WhatsApp-Gruppe und dann geht es darum, wer heute Abend ins Training kommt oder wer Lust hat, am Sonntag mit an den See zu gehen. Solche Sachen. (344-346) I7 Und wenn du dann dieses XXX anbietest, wie präsentierst du das und kommunizierst du das? B: Sowohl über die Social-Media-Kanäle als auch über die Website, als auch über Flyer, YouTube Videos, Artikel, so Zeugs. (368-372) I7 Ich stelle mir das so vor wie eine online- University, wo du deine Sachen hast, wo du was findest als Film, als Text, als Podcast etc. ja, zu speziellen Themen, dass man das da eingibt und darüber was findet. (490-493) 123 OK 4 Kanal Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I1 Ja, also auf Facebook bin ich auf jeden Fall, mache ich immer noch viel. Ich habe also generell meinen persönlichen Facebook- Account, aber auch nochmal so eine professionelle Seite, wo ich meine Tauchschule habe, und zum Beispiel geplante Kurse, geplante Reisen veröffentliche. In der Hoffnung, dass ich damit Leute erreiche, dass sie sich damit einbuchen. Mehr, wo ich immer mal wieder so kleine Fotos und Videos poste, ist auf Instagram. Da promote ich eigentlich weniger Tauchkurse, sondern eher so: ‚Ach, guck mal: Ich war hier, ich war da‘ oder dass ich mal Fotos, jetzt zum Beispiel auch gestern diesen Dreh mit RTL mit der XXX, dann – das habe ich zum Beispiel jetzt mal nicht auf Facebook gepostet, sondern einfach ein-zwei Making-Off-Fotos in die Story bei Instagram, dass man sieht, dass ich aktiv bin – mal eher so Schnappschüsse, mal Fotos, ja. Also Facebook, Instagram, ich habe natürlich auch eine Homepage. Das ist auch eher, um Termine und so zu veröffentlichen. Da sehe ich aber, dass ich da gar nicht mal so viele Leute erreiche über die Homepage. Das geht eher doch über Facebook und Instagram. Dass auch da Leute, die mich noch nicht kennen, finden und über die Schiene vielleicht dann auch irgendwann mal eine Reise mit mir machen oder auch mal ein Coaching oder so. Ich überlege gerade: Es geht ja jetzt um die sozialen Medien, oder? Und auch um Digitales, also Facebook, Homepage, Instagram. Ich habe auch Xing und LinkedIn und sowas alles, aber da ist natürlich wenig, da poste ich wenig regelmäßig. Da habe ich nur auch mal Accounts gemacht. Google – da habe ich auch mal einen Google-Account, aber darüber finde ich noch weniger. Aber das ist hauptsächlich, würde ich sagen, Facebook und Instagram. (323-343) I1 Um mich selbst auch zu informieren: Tatsächlich mehr auch Facebook. Da bin ich auch in so ein paar Gruppen aktiv. Da gibt es ja unzählige Facebook-Gruppen. Auch da, um zum Beispiel vor Ort einen Trainingspartner zu finden, wenn ich zum Beispiel weiß: Ich bin in Ägypten, möchte noch eine Woche länger bleiben, um mal selbst für mich auch zu trainieren. Da gibt es zum Beispiel Gruppen, wo man einfach auch mal sagen kann: ‚Hallo ich bin der und der, ich bin in einer gewissen Zeit an einem gewissen Ort und suche noch einen Trainingspartner, der so in etwa in so einer Bandbreite auch unterwegs ist‘. Also über Facebook durchaus. Das ist natürlich gar nicht so was bei Instagram. 124 OK 4 Kanal Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung Da ist das mehr so Effekthascherei kann man sagen, wo man schöne, coole Fotos sieht. Aber da erwarte ich weniger Information. Das ist eher, dass man sich schöne Fotos angucken kann. Tatsächlich Workshops, Kurse, gute Trainingspartner würde ich eher über Facebook oder halt einfach recherchiert über Suchmaschinen, um dann auf Homepages zu kommen, und dann auch herauszufinden, wer da jetzt der geeignete Ansprechpartner vor Ort wäre. Oft ist es dann so, dass ich tatsächlich dann doch eher auf Empfehlungen reagiere, dass ich weiß: ‚Ich kenne die Person schon oder ich kenne jemanden, der die Person schon kennt‘, als dass ich mich jetzt einfach nur von schönen Bildern leiten lasse. Vielleicht liegt es auch einfach nur daran, dass ich noch nicht so ein Digital Native bin. Sodass ich dann eher denke: ‚Das hat mir gut gefallen‘, dass ich mich dann eher auf Aussagen mehr verlasse, als dass ich irgendwie coole Fotos sehe. (378-395) I6 Facebook mache ich so gut wie gar nichts mehr. Das war am Anfang relativ aktiv und die Gruppen in Facebook beispielsweise, weil ich dann da reingepostet habe, dass die Leute das dann theoretisch sehen. Oder ich habe mich selbst informiert. Das ist aber alles relativ, ein ganz niedriges Niveau geworden. Also ich konsumiere darin nicht, sondern ich gebe nur Inhalte wieder, ich teile Inhalte. Dort erreiche ich auf jeden Fall Leute, ja, aber das A und O ist es, wie seit tausenden von Jahren, Mund zu Mund. Das ist das Allerwichtigste. (275-281) I4 Ja, über Social Media, also Facebook, Instagram, dann natürlich Google, also die ganz normale Google-Suche, YouTube. Und das war es eigentlich. (275-276) I3 Ja das läuft heute natürlich am meisten über Instagram und Facebook. Tatsächlich. Also da haben wir unsere Hauptaktivitäten. Eigene Website und so spielt eigentlich kaum eine Rolle. Viele Kollegen machen dann TikTok, die meisten sind auf jeden Fall auf Instagram. Die Bedeutung von Facebook nimmt ein bisschen ab, aber diese drei zusammen auf jeden Fall, das sind so die Hauptmedien, auf denen wir kommunizieren oder uns darstellen. (257-261) I5 Ach da bin ich ganz schlecht, weil ich den ganzen Social Media Kram hasse, aber man muss das ja machen. Insofern eigentlich vorwiegend Instagram und dann habe ich jetzt irgendwann mal eine Facebook-Seite ins Leben gerufen und eine Webseite und einen Blog. (253-255) 125 OK 4 Kanal Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I5 Das eine ist das Transportmedium. Und da glaube ich leider mittlerweile ist es wirklich mehr Instagram, Facebook und die ganzen Sachen. (263-265) I5 So etwas gucke ich mir gerne an und tatsächlich auch, wenn es mal irgendetwas gibt – wobei, das sind dann eher Fachartikel, jetzt über Physiologie oder so etwas. Die werden ja weniger als Social Media Inhalte geteilt. Es gibt dann Facebook-Gruppen über Freediving Science, aber selbst da ist dann relativ wenig los. (308-311) I2 Ja gut, da ich das jetzt schon ganz lange beruflich mache gibt es da viele Kanäle: Das sind Print-Magazine, das sind Online-Magazine und dann hauptsächlich die sozialen Netzwerke. Soziale Netzwerke heißt in meinem beruflichen Umfeld Facebook, Instagram, (…) die anderen nicht so stark, also zumindest nicht in der Tauchwelt. Ach doch, YouTube natürlich. (184- 187) I2 Für Bildkommunikation ist Instagram ganz gut. Für so Aufreger-Videos, wie die Muräne von vorhin, ist Facebook sehr geeignet. Und für sehr schönen, inhaltlichen Content, der eigentlich mehr die Schönheit der Natur zeigt, ist YouTube sehr geeignet. Aber es ist äquivalent. Man kann das eine auch sehr gut auf den anderen Kanälen platzieren. (195-198) I2 Instagram ist sehr Bild-lastig, da brauchst du nicht so viel Text. In Facebook kannst du schon mal ein bisschen mehr Text verwenden. Und auf YouTube liest kein Mensch Text. Das ist einfach nur ein Bewegt-Bild-Kanal. Was du da drunter schreibst, ist eigentlich egal. Und ansonsten, ja klar, Magazine und Blogs und so, das ist natürlich sehr Text-lastig. (215-218) I2 I: Welche digitalen Plattformen und sozialen Netzwerke nutzt du zur Kommunikation mit anderen Tauchern für deine privaten Tauchaktivitäten? B: WhatsApp.(220-223) I2 Es gibt ein Netzwerk ‚Deepblu‘, ja? Das ist ein Tauchcomputerhersteller. Die haben sich gedacht: ‚Mensch, das ist doch super – wir haben einen Tauchcomputer, den lesen wir aus mit unserer App und dann machen wir doch jetzt einfach noch ein soziales Netzwerk, weil dann können die ganzen Leute gleich ihre ganzen Tauchgänge miteinander teilen und liken und Fotos und so‘. Was sie sich dabei nicht überlegt haben ist, dass die Leute vielleicht gar keinen Bock haben auf ein neues Netzwerk, weil sie sind ja alle schon im sozialen Netzwerk - 126 OK 4 Kanal Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung Facebook beispielsweise – und haben doch alle ihre Freunde auf Facebook. Wieso sollen sie jetzt neue Freunde in einem neuen Netzwerk suchen, damit sie da ihr Tauchprofil teilen können? Warum teilt man es nicht einfach auf Facebook mit einem Klick? Natürlich ist der Hintergedanke von dem Unternehmen, dass ein soziales Netzwerk einen sehr großen, monetären Wert schafft, aber das funktioniert halt nicht. Weil die Pole-Positions die sind alle schon vergeben. (403-413) OK 5 Ansprache Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I10 Also die größten Hits haben wir eigentlich immer gehabt, das war so meine Erfahrung, wenn es um Umweltthemen geht, Tierquälerei – so das sind die großen Dinger. Und ich habe ja immer gesagt: Die erfolgreichste Meldung, die ich bei Tauchen auf Facebook gepostet habe, war ein Video, bei dem eine Katze mit einem Delfin spielt. Worauf ich dann gesagt habe: ‚Lasst uns einfach Katzen- und Hundevideos auf Tauchen posten. Die kriegen immer Hits.‘ Darauf läuft immer alles runter: Eigentlich wollen die Leute nur Katzen- und Hundevideos sehen. Und klar, natürlich Sea Shepherd, wenn da sowas abläuft. Da kommen immer ganz viele Hits – zu Recht: Tierquälereien von irgendwelchen Leuten, Rettungsaktionen, diese typischen YouTube-Filmchen, wo Leute einen Hai wieder reinschmeißen oder einen Rochen, oder eine Schildkröte vom Angelhaken befreien und sowas. (371-380) Ansprache inhaltlich über: - Umweltthemen emotional (beispielsweise Rettungsaktionen, Tierquälerei) - Reisethemen, rund um das Tauchen im Urlaub, auch zu Reisedestinationen - Eco-Tauchen (beispielsweise Feeding anstelle von Finning) - spektakuläre oder süße Tierszenen - UW-Fotografie-Events - Tauchequipment und Technik als eigene Wissenschaft I10 Das zieht immer noch ein bisschen mehr als so Reisegeschichten, weil da auch immer so ein bisschen – das darf man nicht vergessen – der kleine Neidfaktor mit dabei ist, dass einer denkt: ‚Ach der blöde Sack, der reist da wieder in der Weltgeschichte rum.‘ Und viele verstehen es gar nicht als Information, wie es ja eigentlich gedacht ist, weil ich ja, wenn ich als Reisereporter unterwegs bin, gucke ich es mir immer so an und versuche es auch nachher so zu beschreiben, dass jeder so eine Idee davon hat, was da so für ein Style auf der Insel abgeht, wo ich gerade bin, und was einen da so erwartet, ob es eher Upperclass ist oder relaxter oder es nicht viel zu sehen gibt oder es eine Öko-Insel ist oder eine Rambazamba-Insel ist. Darum geht es ja nun auch. Ich habe ja immer gesagt: ‚Man taucht zwei bis drei Tauchgänge, vielleicht vier Tauchgänge die Hardcore- Taucher, und danach gibt es aber noch eine 127 OK 5 Ansprache Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung ganze Menge auf der Insel zu tun. Für mich ist das Gesamtpaket immer wichtig, zwischen Landaktivitäten und Tauchen. (380-391) I10 Das habe ich, glaube ich, auch ein bisschen etabliert. Ich glaube, bevor ich bei Tauchen anfing war das eher so ein verpöntes Thema, das Feeding und so weiter. Ich fand das schon immer geil und habe das aber auch unter dem Aspekt des Eco-Tauchens vertreten und auch so kommuniziert. Und ich glaube, dass da eine ganz gute Lanze gebrochen ist. Ich war ja auch viel in der Ecke auf den Bahamas und habe viele Haitauchgänge mitgemacht. Und das wichtigste daran ist, klar, es ist mega aufregend, die so zu sehen, aber als zweites: Die werden einfach nicht rausgefischt wie in Asien. Das heißt, in der Karibik siehst du viele Haie, weil das Devisen- Bringer sind. (399-406) I1 Jetzt hört man auch immer mehr auch zum Umweltschutz, zum Glück. Wenn man das selbst mal sieht, wie verschmutzt die Meere mittlerweile sind, dass man sich auch mal einen Eindruck davon machen kann und auch sieht, dass es quasi lohnt sich darum zu kümmern und es zu schützen. (49-52) I6 Und gerade auch Pottwale, wenn ich so sehe wie die schlafen, wenn sie senkrecht im Wasser stehen und so – da kriege ich Gänsehaut. Also wenn ich, glaube ich, einfach nur so im Wasser wäre und das auch noch von außen anschauen könnte, diesen Blick in ein Auge von einem dieser unglaublichen Lebewesen, das würde mich, glaube ich, komplett wegbeamen. Also das sind so Themen, die gucke ich mir theoretisch auch bei Social Media an. Oder einfach Momente, die man nicht planen kann. Das sind eigentlich so die besten Sachen, die es gibt. (345-350) I4 Also wir machen ja hier auch im Center und auch in XXX sehr viel auch so Fotografie-Events. Das ist jetzt was, was auch mich privat ansprechen würde, wo ich sage: ‚Das interessiert mich.‘ Das würde ich mir dann auch privat anschauen. (333-335) I3 Und, jetzt auch wieder bei Männern sehr häufig: Das wird dann auch immer so eine Materialschlacht. Das ist dann so die Technik, die dann im Vordergrund steht, und nicht mehr die Erfahrung. Da werden irgendwelche Schrauben diskutiert oder: ‚Wie viele Joule- Arten Wiederstand hat mein Atemregler?‘ (197- 201) I9 Einerseits auf jeden Fall grundsätzlich mangelndes Bewusstsein, nach wie vor. Das kann durch die Medien gehen und propagiert Empfänglichkeit für Informationen - nicht jeder Taucher kann erreicht werden 128 OK 5 Ansprache Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung werden wie es will, in vielen Köpfen kommt es nicht an oder hat andere Prioritäten. (140-142) - gezielte Ansprache nur bei enger Zielgruppe möglich - es wird denen gefolgt, die dem eigenen Mind-Set entsprechen - mangelndes Vertrauen in Korrektheit der Inhalte auf Social Media - neben dem realen Tauchen grundsätzlich wenig Interesse an digitalen Tauchinhalten - digitale Inhalte dann nutzen, wenn tauchen selbst nicht möglich ist I7 Ich glaube, dass man wahrscheinlich nicht viel machen kann, ja, dass es immer und überall jemanden gibt, der mit einem Jet Ski rumfährt und allen nur auf den Sack geht. (171-173) I7 Ich glaube ich würde überhaupt nichts glauben, was auf Facebook geschrieben steht. (lacht) (378-379) I1 Also ob sich das jetzt wirklich viele durchgelesen haben weiß ich gar nicht. Ich glaube der eine oder andere vielleicht schon. Aber ich kann jetzt eh nicht hunderte von Leuten gleichzeitig bedienen. Ich mache ja immer eher kleinere Gruppen und so (643-645) I6 Also Cousteau bestimmt nicht mehr, ich glaube der ist einfach zu alt. Ich glaube den hat keiner mehr gesehen. Als Kind habe ich noch Filme von ihm gesehen, die aber da auch schon alt waren. Ich glaube heute geht es eher Richtung Social Media, was ich tatsächlich auch ganz gut finde. Ich kenne auch einige Leute, denen ich folge, die einfach einen ganz anderen Umgang mit dem marinen Leben pflegen und versuchen, auch zu sensibilisieren. Das sind aber nur die Leute, denen ich folge. Dementsprechend haben die ja einen ähnlichen Mindset wie ich. Die posten aber auch viele Sachen von anderen Leuten, die einfach, ja, grundlegend nicht so die gleichen moralischen Grundvorstellungen haben wie man mit der Umwelt umgehen sollte. Also ich glaube das ist so ein bisschen die Krux an Social Media auch, wobei ich zum Beispiel die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender total gut finde, die ein gewisses moralisches Grundverständnis haben. Bei Social Media ist das so: Jeder sucht sich das, worauf er sowieso schon Bock hat. Also er kriegt eigentlich keinen neuen Input, sondern wird eigentlich nur mit den Dingen bespielt, mit denen er sich eh beschäftigt. Daran sehe ich so ein bisschen die Gefahr, weil wir eben keine große Diversität im Bereich Reportagen beispielsweise haben. Das ist jetzt eher so eine ähnliche Situation wie mit dem Virus momentan: Die Leute, die das hören wollen, was sie hören wollen, weil sie daran glauben, holen sich nur die Medien, die das wiederum widerspiegeln, also hören und fühlen sich dort bestätigt. Und beim Tauchen ist es, glaube ich, genau das Gleiche. Das ist ein bisschen die Gefahr bei Social Media, aber natürlich kriegen gleichzeitig auch ganz andere Leute die Möglichkeit sich zu präsentieren. Gerade Shark Finning und so etwas, das sind ja auch alles riesige Themen, wo man eigentlich 129 OK 5 Ansprache Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung gar nicht drum rumkommt, an sehr großen Influencern, sich da mal reinzudenken und da mal reinzuschauen. (250-270) I6 Was inhaltlich ist – ganz ehrlich, ich konsumiere gar nicht viel. Also es gibt wirklich ganz, ganz, ganz wenig, was ich mir anschaue. Und bei den meisten Sachen fliege ich nur kurz drüber und dann gucke ich mir vielleicht mal einen Post so näher an. Ein Kollege von mir ist in Mexiko, Baja California, und der schickt mir manchmal einfach Sachen, die genial sind. Also die sind da so am Surfen und dann hält er seine GoPro unter Wasser und dann hast du einfach so Schwärme von Rochen, die an ihm vorbeiziehen. Bhoa das ist gigantisch! Sowas ist natürlich unglaublich. (356-362) I3 Also Tauchen ist eine Sache, die muss man halt machen. Also das ist halt eine Erfahrung, eine sinnliche Erfahrung, eine Wahrnehmungserfahrung und diese ganzen Dinge, die außerhalb dieser Erfahrung stattfinden, glaube ich, dienen so nur der Überbrückung der Frustration bis man das nächste Mal tauchen kann. Das ist mehr oder weniger so eine Ersatzbefriedigung. Auch die Leute, die ich beobachte: Wenn die im Winter nicht tauchen gehen können, dann fangen sie an, digitale Medien zu nutzen, dann fangen sie an YouTube Videos zu gucken. Einfach, um ein bisschen in Kontakt zu bleiben mit dem Thema, aber wirklich befriedigend ist das nicht. Das geht wirklich, glaube ich, bei den meisten darum die Zeit zu überbrücken, bis es das nächste Mal losgeht. (436-444) I9 Also, was ich grauenhaft finde ist, wenn ich irgendwelche reißerischen Dinge – also keine Ahnung – wenn ich jetzt einfach mal bei YouTube reinschaue, ist jedes zweite Bild entweder erstaunt oder sonst irgendwelche extremen Ausdrücke. Das stößt mich mit Abstand ab! Da will ich eigentlich schon gar nicht reinklicken, selbst wenn dann der Titel oder die Überschrift an sich interessant klingt. Ich finde, was tatsächlich an vielen Stellen fehlt, ist eine ausgeprägtere Ernsthaftigkeit und Seriosität. Auch das mag vielleicht ein bisschen Old School sein, aber ich finde - da sind wir ganz weit vom vernünftigen Weg weggekommen – es sollte faktenbasiert sein und trotzdem unterhaltsam sein. Aber trotzdem faktenbasiert und nicht zu sehr, sei es auf Klicks, sei es auf sonst irgendwelche reißerischen Reaktionen da zu beruhen. (295-304) Wunschansprache und was bisher funktioniert Stil: - ernsthaft, seriös, faktenbasiert und dennoch unterhaltsam - runtergebrochen auf Wissenswertes - angenehm rübergebracht - Lebensnahe Bsp., Mehrwert vermittelnd, veranschaulicht - Natürlichkeit und Authentizität der Inhalte- teilenden Person Erreichen der Zielgruppe: - je nach individuellen Präferenzen unterschiedlich I9 Und ein Paar, die vielleicht auf den ersten Blick gar nicht spannend wirken, aber, wenn man sich 130 OK 5 Ansprache Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung ein bisschen weiter damit beschäftigt, auf eine ruhige aber trotzdem kompetente Art Inhalte rüberbringen. (312-314) - persönliche Ansprache in kleinerer Gruppe kommt eher an als Massenansprache - Ansprache über persönliche Empfehlungen und Bewertungen, Mundpropaganda I9 Da gibt es einige von, wie ich finde, guten Freitauchern, die auch vor allem gute Videos haben. Dann kommt es natürlich darauf an: Bist du eher der lustige Typ – dann schaust du eher einen Adam Stern an; bist du eher jemand, der es seriös haben will – dann ist es eher ein Harry Chamas. Ja, aber da gibt es genug oder ein paar gute Kanäle, die man relativ gut empfehlen kann. Bin ich eher der wissenschaftlich Fundierte, dann bin ich bei - ich vergesse immer wie er heißt, der alte Mann, der immer mindestens eine-Stunde-Videos macht. Ich glaube du weißt, wen ich meine, sitzt in Israel, Aharon Solomons, der wirklich sehr, sehr gut ist, sehr fundiert, aber das muss man auch aussitzen können. Deshalb kommt es so ein bisschen drauf an: Welcher Schüler-Typ bin ich denn? Bin ich jemand, der einfach cool entertained werden will? Oder bin ich jemand: ‚Hey, ich habe vier Stunden Zeit, ich kann mir jetzt drei Solomons Videos anschauen, aber dafür sind sie fundiert. (410-420) I8 Ich finde immer auch Beispiele eigentlich ganz praktisch, Beispiele aus dem Leben. Das ist ja auch in vielen anderen Lebensbereichen oder in der Kindererziehung so. Wenn ich einem Kind irgendwas sagen will und dabei einen Mehrwert vermitteln kann, dann kommt das eben deutlich mehr an – im Übrigen natürlich auch hier bei meinem Hauptjob: Wenn ich einem Anwender sage, warum er ein Backup machen soll (lacht), dann ist das deutlich sinnvoller als wenn ich ihm nur erzähle, dass er eins machen soll. Weil darauf hat er ja keinen Bock. Das funktioniert ja nachher nicht besser. Also sprich, ich sollte eigentlich immer bemüht sein anderen einen Mehrwert zu vermitteln: ‚Guck mal hier, wenn du das so machst, dann hast du diesen Vorteil.‘ Und so, glaube ich, suche ich auch - wenn ich jetzt so ein bisschen spontan in mich reinhorche - so suche ich auch Informationen. Es sei denn ich habe natürlich schon einen Mehrwert für mich erkannt und mir ist irgendein Detail unklar. Dann suche ich eben da danach. Das ist ja logisch. (393-404) I7 ich weiß nicht, ob du Patreon kennst: Das ist so ein Bezahlt-Account, also da können die Leute quasi ihre fünf Euro bezahlen und dann mache ich dort online-Kurse, dann stelle ich dort eben Blogs rein, Artikel und so weiter. Das alles habe ich eben früher als Werbung so immer auf Facebook und Instagram gemacht und ja, jetzt 131 OK 5 Ansprache Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung will ich einfach so eine kleinere Community, mit denen ich einfach so ein bisschen dichter kommuniziere. (299-303) I1 Da wurde ich übrigens auch schon mal in die Irre geleitet. Das kann ich vielleicht in dem Zusammenhang mal erzählen: Da war ich auf Sansibar. Oder ich war vorher in Tansania auf einer ganz normalen Großwildsafari im Nationalpark und wir haben noch eine Woche Strandurlaub auf Sansibar drangehängt. Also zum Tauchen sollte noch eine Woche drangehängt werden. Ich habe dann im Internet recherchiert und auch eine Internetseite gefunden, wo hunderte tolle Freediving Fotos gezeigt wurden, mit Großfischen, mit Segelfischen. Hieß auch irgendwie ‚Blue Water Freediving‘ und richtig tolle Freediving Bilder und das war nachher eine Vollkatastrophe. Also abgesehen davon: Es hat wirklich überhaupt nicht gut funktioniert. Die ganze Kommunikation vor Ort war nicht gut. Die beiden Instruktoren vor Ort habe ich am Tag vorher noch eine Bong am Strand durchziehen gesehen, also eine Haschisch-Pfeife. Und entsprechend chaotisch war das dann auch am nächsten Tag. Das habe ich dann – einmal und nie wieder war ich mit denen tauchen. Und es war weit weg von dem, was uns da auf der Internetseite empfohlen wurde. Also deswegen, mehr persönliche Empfehlungen oder dass ich die Person schon kenne oder wenigstens jemanden kenne, der die Person schon kennt. Ich glaub da kann man auch oft, da kann man sich toll präsentieren und was dahintersteckt, weiß man immer erst nachher. (396-411) I1 Und auch, wenn mich dann Leute noch nicht kennen, googlen die natürlich und gucken und finden: ‚Ach guck mal da waren andere Leute ja zufrieden, dann scheint das ja gut zu sein‘. Ich selbst würde auch so funktionieren, dass ich dann gucke und auf Empfehlungen etwas buche. Jetzt ist das Gästebuch weg! Katastrophe! Ja deswegen, du meintest ja, was ich ergänzen könnte. Solche Reviews, Kommentare, Empfehlungen finde ich halt schon sehr wichtig, egal ob das jetzt live ist, eins zu eins im Gespräch oder eben auch digital, sei es auf der Homepage oder einer Google- Bewertung oder so. (627-633) I6 Dort erreiche ich auf jeden Fall Leute, ja, aber das A und O ist es, wie seit tausenden von Jahren, Mund zu Mund. Das ist das Allerwichtigste. Also wenn ich zum Beispiel an mein Freediving Camp denke: Ich habe das nicht einmal ausgeschrieben und ich bin voll. 132 OK 5 Ansprache Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung Stand heute bin ich komplett voll. Letztes Jahr war ich überbucht, ich bin komplett voll, ich mache nichts mehr dafür. Aber die Leute, die kommen, sind zu 80 Prozent Empfehlungen und zehn Prozent sind wieder – nicht mal. Sagen wir 30-40 Prozent Wiederholungen, 50-60 Prozent Empfehlungen und zehn Prozent kommen halt irgendwie. ‚Ich habe da mal irgendwann was gesehen, dass du da irgendwie was machst.‘ (280-287) I6 Ich mache einfach das, was sich für mich richtig anfühlt. Also ich verstelle mich Null. Da habe ich ja keine Lust zu. Ich glaube durch dieses Thema bin ich durch, da bin ich, glaube ich, zu alt für, dass ich jetzt hier irgendwie scheinheilig irgendwelche Videos abdrehe und pseudomäßig lustig bin oder sowas. Das bin ich nicht. (317- 320) I5 Aber Authentizität ist für mich wichtig. Das war auch diese Idee mit dem Blog dahinter, dass man sagt: Für den Fall, dass da irgendwann mal eine Tauchschule da ist, dass die Leute dann eine Idee haben, mit wem sie da eigentlich was zu tun haben und wie derjenige da hingekommen ist. (271-273) I5 I: Hättest du ein konkretes Beispiel zu diesen, in deinen Worten „verdammt, das ist richtig gut!“- Beiträgen? B: Also nicht ganz 100% mein Style, aber was ich glaube, wer relativ viel erreicht, ist Adam Stern, durch seine lustige, witzige, offene Art und wie er die Sachen auch ganz gut runterbricht oder dann zum Beispiel sich ins Meer gelegt hat und da mal ein bisschen rumgefrenzelt hat und geguckt hat, was alles da passiert. Also ich glaube der ist ganz gut. Ansonsten sind es eher einzelne Videos, die mir dann unterkommen. Das ist dann wirklich gut erklärt. Adam, finde ich, macht das auch manchmal sehr, sehr gut mit seiner trockenen, alten Art, dann die Dinge wieder zu vereinfachen. Gerade beim Frenzel gibt es ja zum Beispiel den Ted Harty, der einen kompletten Kurs über Druckausgleich gemacht hat, drei Stunden irgendwie über Frenzeln. Und Adam macht das halt in 20 Minuten, also so ganz einfach: Und jetzt noch vor den Spiegel, Zunge runter und dann funktioniert das. (313- 325) I8 Oder eben auch ein Diskussionsforum auf Facebook: Da kommen von oben die threats und laufen nach unten durch und fünf Tage später fragt der nächste, der frisch dazugekommen ist, wieder genau das Gleiche, Gegenwärtige Ansprache - Facebook: für oberflächliche Image- Werbung und Termine/Events, aber 133 OK 5 Ansprache Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung weil er das da unten nicht mehr findet. Also da kannst du vielleicht als PADI oder als SSI oder als wer auch immer so ein bisschen Image-Werbung machen, vielleicht auf das eine oder andere hinweisen, wie zum Beispiel bei PADI auf so ein Beach Clean Up oder was auch immer. So können es auch die Tauchbasen machen, aber da wirst du nachhaltig nicht irgendwelche Themen spielen können. Das ist ja immer nur so: Spotlight-Werbung. (312-320) nicht für nachaltige Diskussionen; Mittelweg (Text+Bild) - Instagram: Bilder ohne viel Info - YouTube: Watch Time vs. auf den Punkt gebracht - Foren: ältere Taucher und Fachthemenbezug, sehr informativ Allgemeine Social Media- Ansprache: - "Du" als allg. Ansprache unter Tauchern - zuerst wird gezeigt, was am Ehesten angeklickt wird - zeigt perfekte Bilder, dadurch Verzerrung der Wahrnehmung möglich - Möglichkeit der einfachen Kontaktaufnahme - Übersättigung an Tauchbildern - Bikinifotos und Taucharbeitsalltag sind gefragt - Fotoalben mit Freunden teilen Weitere Ansprachen: - Taucher, die über das berichten, was sie gerade machen, erreichen genau die Interessenten für ihre speziellen Inhalte - Tauchcenter mit genereller Ausrichtung auf Taucher - Kampagnen/ Aufklärungsarbeit zu Sicherheitsaspekten I8 Also bei jüngeren Leuten wirst du es schwerer haben, die in ein Forum zu bringen, weil es eben nicht mehr 2021 ist. Das ist klar. Das ist schon seit zehn, 15 Jahren so, dass Foren auf einem absteigenden Ast sind. Das heißt, du hast in Foren eher ältere Leute, 35, 40 plus schätze ich, und tatsächlich Leute, die ein überdurchschnittliches Interesse an diesem Thema mitbringen. Im Vergleich zu jemand anderem, der das Interesse vielleicht auch hat, aber eben nicht so ausgeprägt. Der sagt dann halt, dass ihm die Facebook-Gruppen nichts bringen, weil da nur die 08/15-Themen besprochen werden und er was Spezielles dort nicht findet. Und dort findet er dann auch nicht die Ansprechpartner, die er eben braucht, um seine Frage zu beantworten. Also wie gesagt, eine Mischung aus Motivation und Alter, in Anführungszeichen, denke ich mal, wirst du ein einem Forum noch antreffen. (329-339) I8 Das heißt du würdest je nach Medium auch vollkommen anders kommunizieren? B: Ja, definitiv. Also im Forum würde ich keine Urlaubsfotos von irgendeinem Tauchgang posten, weil es da nicht darum geht. Da geht es dann eher darum mit welcher Ausrüstung und mit welchem Tauchplan vielleicht ich, als Beispiel, diese Tauchgänge gemacht hätte. Da würde ich vielleicht auf den Instagram-Post oder das YouTube-Video verweisen, aber das würde ich da wahrscheinlich nicht reinposten. Facebook ist vielleicht so ein Mittelding, da postest du das Foto so als Eyecatcher und schreibst dann eben drunter, warum du das Foto postest. Und Instagram geht ja dann im Grunde nur um Bilder und Videos und nicht so sehr um Information. (341-349) I8 Und vielleicht bekommst du dann dort auch nur die Informationen zu sehen, die mehr Geld bringen als andere Informationen oder mehr Klicks bringen – das System kennst du ja von Facebook, das Thema, dass eben Gewalt und Populismus in deiner Timeline nach oben gespült werden, weil du dort wahrscheinlicher 134 OK 5 Ansprache Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung draufklickst als auf irgendetwas anderes, was nicht so spannend ist. Dann kann man mehr Geld mit dir verdienen und du bleibst länger auf der Plattform. (564-569) I8 Ich glaube da ist es auch noch nicht so Old Fashioned in einem Forum unterwegs zu sein wie im deutschsprachigen Bereich. Das war auch mit der Grund, warum wir gesagt haben, dass wir das XXX Forum auf Deutsch machen, weil es das schlicht und ergreifend nicht gab. Es gibt aber so Sachen wie „Scuba-Forum“, glaube ich heißt es, und noch so ein paar andere. Das ist der Hammer! Was da an Leuten unterwegs ist, was da an neuen Posts generiert wird, also das ist natürlich schon erste Sahne. Aber es ist natürlich auch viel Blödsinn dabei. (585-591) I7 Social Media – auch gut, klar. Hat den Nachteil, und das habe ich jetzt immer mal wieder gemerkt, weil ich halt doch auch zum Teil spektakulärere Reisen gemacht habe, wo die Leute viel Geld dafür bezahlen, dass sie dort hinkommen, und wo letztlich der Reiseveranstalter nie sagen würde, dass es sein könnte, dass man gar nichts sieht; wo nie die Fotografen, die diese Bilder ablichten und in die Social Media stellen oder in die Tauchmagazine stellen oder auf Netflix zeigen. Das sind Leute, die da monatelang sind und das Destillat bringen, das Beste, was sie haben. Und der Endverbraucher denkt: ‚Mit der Buchung habe ich einen Anspruch darauf Wale in Französisch- Polynesien zu sehen oder Orcas in Norwegen zu sehen. Aber das ist eben kein Zoo, und die Tiere sind nicht ausschließlich da, um uns zu belustigen, sondern, wenn wir viel Glück haben, dann sehen wir sie. Insofern habe ich gemerkt, dass Social Media auch einen ein bisschen problematischen Charakter haben kann für den Endverbraucher, und natürlich: Immer diese Selfies mit Seekuh, Selfies mit bliblablupp – das ist auch nicht immer so super schlau, wenn du eben immer auf der Suche nach irgendwelchen Highlights bist. Und das ist, glaube ich, ein Thema, was durch Social Media gefördert wird. (274-287) I7 Also du musst dir vorstellen, dass man natürlich hin und wieder ein Video auf YouTube geparkt hat oder doch wieder ein Video auf die Website gestellt, dass man dann auf Facebook und so weiter geteilt hat und man bekommt auch super viele Fragen gestellt. Ja, ich glaube als Scuba Instructor nicht so viele, aber als Freediving Instructor, weil es da einfach nicht so viele gibt oder, weil man mich vielleicht doch eben kennt. (310-314) 135 OK 5 Ansprache Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I1 Hast du Unterschiede in deiner Ansprache zum Beispiel für Scuba- und für Freitaucher? B: Da muss ich mal kurz überlegen. Also ich mache das auf jeden Fall nicht bewusst (lacht). Ich glaube zum Beispiel, also, wenn man weiß, dass ich eigentlich viel länger Gerätetauchen mache - ich komm da auf 28 Jahre - und Freediving ja weniger, ich aber jetzt den Fokus auf Freediving mache und dadurch auch mehr Freediving (…) das ist ja so ein Kreislauf. Dann deswegen: Ich mache ja mehr Freediving, deswegen poste ich auch mehr Freediving Sachen und spreche dann automatisch wieder mehr Freediver an. Jetzt zum Beispiel war ich neulich mal wieder mit meinem Patenkind Gerätetauchen. Da habe ich dann auch mal ein paar Fotos gepostet, und dann kommen natürlich wieder mehr Anfragen für Scuba. Also das ist eher eigentlich, dass – ich könnte das forcieren wie ich wollte, glaube ich. Wenn ich jetzt unbedingt sage: ‚Ach, ich habe wieder mehr Lust auf Gerätetauchen‘, dann müsste ich da nur einfach mehr posten. Ich glaube, wenn man sieht, dass ich auch Gerätetauchkurse anbiete, Indoor, auch unterwegs, auf Reisen, ich glaube dann würde das sich auch mehr wiedereinstellen. Ich glaube das ist so: Je nachdem, was ich mehr veröffentliche, da finden sich dann die Leute wieder. Ich könnte das auch bewusst steuern, ja, mache ich aber glaube ich nicht bewusst. (lacht) Natürlich denke ich immer ein paar Monate im Voraus mit Kursen und Reisen. Wenn ich jetzt zum Beispiel meine Azorenreise nächstes Jahr im Juni promoten will, dann poste ich da natürlich Fotos von Haien und wo Freediver mit Haien unterwegs sind und Freediver in tollen Caves unterwegs sind, in der Hoffnung, dass ich dann auch die Reise mit 5, 6, 7 Leuten vollbekomme. Da hätte ich jetzt nicht viel von, wenn ich Fotos poste, wo ich mit Scubas unterwegs bin. Wenn ich jetzt gerade diese Reise promoten will. Das ist immer mit ein bisschen Vorlauf. (350-372) I4 Also wir arbeiten tatsächlich so mit diesen Kanälen und versuchen in diesen Kanälen dann natürlich die unterschiedlichen Menschen anzusprechen. Was ich jetzt damit meine ist, dass wir, wenn wir Facebook-Werbung schalten, dann ist die ja strukturiert, das heißt wir können die Zielgruppe festlegen. Und natürlich: Wenn wir jetzt Kindertauchkurse bewerben, nehmen wir als Zielgruppe natürlich nicht über 60- Jährige. Da wird das dann ja schon gezielt gesteuert. Ansonsten ist es aber so, dass wir 136 OK 5 Ansprache Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung das nicht machen, dass wir jetzt zum Beispiel sagen: Wir schalten für bestimmte Gruppen und nutzen dafür unterschiedliche Marketingkanäle. Das eigentlich nicht, nein. (303-310) I4 Ja, also DAN macht hin und wieder einmal solche Sachen. Da geht es meistens natürlich um die Tauchsicherheit. Das heißt die machen dann da auch mal Kampagnen, oder auch AquaMed, die machen manchmal zum Beispiel auch im Social Media Bereich so Aufklärungsarbeit. DAN hat mal etwas Interessantes über Hydratation beim Tauchen veröffentlicht, also sprich Flüssigkeitsaufnahme und im Endeffekt damit verbundene Veränderung des Dekompressionsrisikos. Also das heißt, ich denke, dass vor allen Dingen so aufklärende Sachen von diesen Organisationen interessant sind in der Kommunikation, um die Sicherheit der Taucher zu steigern. Also im Grunde einfach Aufklärungsarbeit, dass die Leute wissen: Nach dem Tauchen sollte man nicht in die Sauna gehen oder man sollte immer viel trinken vor dem Tauchen und so weiter und so fort. Genau. (391-400) I3 Es gibt so eine Übersättigung an Tauchbildern, ja, also Unterwasserbildern. Die will im Grunde keiner mehr sehen. Aus meiner Sicht funktionieren zwei Dinge ganz gut: Das eine ist, wenn man arbeitet in dem Bereich und dann Dinge aus seinem Alltag zeigt, aus seinem Arbeitsalltag, das funktioniert ganz gut. Und das zweite, muss man leider sagen, sind Bikinifotos. Ja, wenn man sich das anguckt auf Instagram - Was bekommt die meisten Likes? - dann sind das Apnoefotos von Frauen im Bikini. Ja, also ich könnte das gleiche machen, das würde aber niemanden interessieren. Also bei mir die Dinge, die am besten funktionieren, sind eben die, die so aus meinem Alltag sind: ‚So, hier, mein Kurs. Guck mal da, wir gehen jetzt in den See, wir machen ein Deep-Dive-Speciality.‘ Das interessiert die Leute und, wie gesagt, dann halt (zuckt mit den Schultern) Bikinis. (266-275) I3 Also weil ich halt auch schon aus dem vor- Instagram-Zeitalter komme, sogar aus dem vor- Computer-Zeitalter, bin ich da nicht ganz so affin dazu wie die meisten jüngeren Kollegen. Ich nutze das eher wirklich so als Fotoalbum, das ich halt auch mit anderen Leuten teile. Das heißt, ich versuche nicht gezielt Leute anzusprechen, sondern ich veröffentliche da Dinge wo ich denke die sind ganz lustig oder spannend, und von denen ich mir denke: Die Leute, die mich kennen finden das vielleicht auch lustig oder spannend. (281-286) 137 OK 5 Ansprache Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I3 Und was ich nicht sehen wollen würde sind die immer gleichen Bilder, die irgendwelche Leute hochladen von irgendwelchen Fischen. Da hat man sich schon totgesehen. (469-470) I2 Auf sozialen Medienkanälen unterscheidet sich die Tonart so ein bisschen, je nach Kanal. Wobei (überlegt), zum Beispiel, in der Tauchwelt ist allgemein akzeptiert, dass man sich nicht formal anspricht, sondern dass man auch mit dem ‚Du‘ kommuniziert, und das kann man dann auch auf die Kanäle anwenden. Wenn wir uns in der Tauchblase bewegen, müssen wir da auf den Kanälen nicht unterscheiden – ‚Muss ich jetzt gerade duzen oder siezen?‘ zum Beispiel. Aber trotzdem gibt es unterschiedliche Arten, je nach Kommunikationskanal, ob man zum Beispiel eher länger schreibt oder kürzer schreibt oder ja, in Bildsprache arbeitet oder auch im gesprochenen Wort. (203-210) I2 Es ist halt mit den sozialen Medien, zum Beispiel YouTube bringt das so mit, dass man viel um den heißen Brei drum rum labert, um so viel Watch Time wie möglich zu bekommen. Und da gibt es dann so diese klassischen YouTuber, die einfach viel, viel reden und wenig damit sagen. (246-249) OK 6 Wahrgenommener Nutzen digitaler Inhalte Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I10 Also Logbuch-Apps und sowas nutze ich tatsächlich überhaupt nicht, habe ich auch schon gehabt, aber ich habe immer so ein paar Seiten, die ich mitnehme, also ich habe ein Logbuch. Das ist dick und schwer und ich nehme immer jeweils so für die Reise das kleine Heftchen mit, dass die sehen, wann der letzte Tauchgang war. (511-515) Nutzen/Interesse an digitalen Tools - Logbuch-Apps wenig genutzt - lokale Apps mit lokalem Nutzen - Vielzahl an Apps, aber fehlendes Interesse - Kameraequipment, um Tauchgänge zu teilen, aber Ablenkung von eigentlichem Tauchgang I8 Was ich auch nutze, tatsächlich, um meinen Tauchcomputer auszulesen oder zu aktualisieren gibt es so Logbuch-Apps. Ich schreibe allerdings klassisch Papierlogbuch und übertrage die Tauchgänge auf den PC und habe die dann im Computer-Logbuch drin. Von dort übertrage ich sie dann auch auf mein Handy und auf das Tablet. Ich habe das dann eben zusätzlich noch dabei, aber das Hauptlogbuch ist eben tatsächlich Papier. (452-456) I8 Und nice-to-have sind so Sachen wie digitale Logbücher, dass du dein Brevet online abrufen kannst, dass du das auf dem Handy den Leuten zeigen kannst. Das ist nice-to-have, aber nicht lebensnotwendig. (lacht) (508-510) 138 OK 6 Wahrgenommener Nutzen digitaler Inhalte Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I10 Also das waren eher so Sachen, die die Kapitäne, die Bootsfahrer benutzt haben. Ich habe da mal was aufgeschrieben, als wir auf den Keys waren; das sah ganz gut aus. Aber das ist zu speziell als dass ich das jetzt irgendwie zuhause nutzen könnte oder sowas. Das ist halt für Leute vor Ort gut und praktisch. Also die Kapitäne nutzen die, um zu sehen, was da wassertechnisch so abläuft, und daraus kann man dann natürlich ganz viele Daten beim Tauchen ablesen, wenn man die Daten deuten kann. (542-547) I7 Ich glaube, dass ich in keinem so super fit bin. Ich kriege auch immer mal wieder so Apps zum Apnoetauchen oder Apps, wo man eine Unterwasserlandschaft anschauen kann, und Apps wo man quasi kombinieren kann mit einem Equalisation-Tool und ich mache, glaube ich, echt gar nichts davon. Also ich finde es immer total super und denke, dass ich mich da mal reindenken muss, und dann mache ich es aber nicht. I: Okay. Das heißt, dass du dir die Tools eher oberflächlich anguckst…? B: Ja. Ich finde immer alles toll und wenn es aber dann darum geht mich mal zwei Stunden hinzusetzen oder mal eine Stunde hinzusetzen und das mal auszuprobieren – eigentlich nicht, nein. (411-421) I6 Weil der Hintergedanke ist ja nur bei dem ganzen Kamerazeug: Ich möchte es jemandem zeigen. Oder ich möchte das irgendwie teilen auf Social Media oder so. Und wenn ich das halt nicht habe – ich habe Apnoetauchgänge gemacht, die kann ich dir erzählen als wären sie gerade heute Morgen passiert. Und die sind schon zwei, drei Jahre her. Weil die so geil waren. Und die wären nicht so geil gewesen, wenn ich eine Kamera dabeigehabt hätte. Dann bin ich nicht bei mir. Dann bin ich irgendwo bei der Kamera. (449-454) I9 Also wirklich so eine Allrounder-Plattform fände ich gut. Das ist natürlich, glaube ich, extrem schwer umzusetzen, weil das irgendwer pflegen muss und ein professionelles Niveau hochhalten muss. Und, wenn du ein professionelles Niveau hochhältst, musst du damit auch Einnahmen generieren. Und da sehe ich so ein bisschen die Krux, weil – definitiv bei Freitauchern, aber zumindest bei einem großen Teil auch bei Gerätetauchern – Geld immer ein Thema ist. Dass also im Zahlungsfall ich nicht sicher wäre, wie bereit die jeweiligen Gruppen wären Nutzen digitaler Plattformen/Netzwerke - von daheim nutzbar, keine Anfahrt, leichter Zugang - Gefahr, dass Bekanntmachung besonderer Spots diese überlaufen lässt - Wunsch nach Allrounder- Plattform, aber Zahlungsbereitschaft 139 OK 6 Wahrgenommener Nutzen digitaler Inhalte Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung entsprechend auch zu investieren und für eine Mitgliedschaft auch Beiträge zahlen würden oder pro Nutzung oder was auch immer. (469- 476) nicht immer gegeben, andererseits für extra Kosten extra Inhalte bekommen Beispielhaft MySSI-App: - Kostenlos - Kontakt zu weltweiten Tauchbasen - Netzwerk zw. Kunden und Anbietern - lebt von in-App-Aktionen der Nutzer und entwickelt sich dadurch weiter I7 Und auf Patreon kann ich sagen: ‚Okay, die Leute bezahlen ja ein paar Euro‘ - auch wenn es nur fünf Euro sind im Monat, aber alleine dafür kann ich für mich leichter sagen, dass ich mich da hinsetze und auch mal einen Tag investiere, um irgendwas auf Patreon hochzuladen. Da sehe ich für mich ein bisschen mehr die Sinnhaftigkeit zu sagen, dass die was bezahlen und dafür auch was bekommen sollen. (316- 320) I7 Ich würde sagen bei Patreon sind die Leute, die sagen: ‚Ja, ich will da ein bisschen mehr drüber lernen, ich möchte da schneller, einfacher Kontakt haben.‘ Ja, ich würde sagen das sind so die Leute. Denen traue ich auch zu, dass sie wirklich was wissen wollen, wenn sie mir eine Nachricht schicken und nicht nur meine Zeit verschwenden. Aber das sind unterschiedliche Leute. Das sind nicht unbedingt nur die Leute, die sich im Apnoe verbessern wollen, sondern da sind auch welche, die etwas über Atemtechniken lernen wollen und so Zeugs. I: Und das auch aus allen Bereichen, also Anfänger, Fortgeschrittene...? B: Ja. Alle Bereiche, ja. Es sind auch viele, die bei mir schon mal einen Kurs gemacht haben und dann vielleicht, weil ich zum Beispiel meine Atemkurse über Patreon mache, oder gestern Abend hatte ich einen Kurs zum Thema Streckentauchen. Und dann sind jetzt momentan die Österreicher dabei, weil sie nichts machen können – die haben ja Lockdown. Und dann kommen halt auch Leute aus Hamburg. Die würden jetzt nicht für einen 90-minütigen Kurs zu mir kommen, sondern die kommen da halt über Patreon. (325-339) I1 Das gibt es tatsächlich bei SSI. Die sind wirklich weit vorne was die ganzen digitalen Geschichten angeht. Das muss man wirklich mal loben. Zum Beispiel haben die eine App entwickelt, die ist sogar kostenfrei. Die heißt ‚My Dive Guide‘. Du kannst dir mal die MySSI-App einfach runterladen, die kostet auch erst mal nichts. Da kannst du zum Beispiel auch Tauchbasen auf der ganzen Welt finden. Und das lebt davon: Also erst mal pflegt SSI da immer wieder was ein, aber jeder kann das nutzen und auch selbst was einpflegen. Man kann zum Beispiel sagen: ‚Ach ich war in Soma 140 OK 6 Wahrgenommener Nutzen digitaler Inhalte Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung Bay tauchen und da habe ich die und die Fische gesehen und das und das‘, und da kann man Fotos hochladen. Also da kann jeder was einpflegen. My Dive Guide. Ich selbst nutze das leider viel zu wenig. Das ist glaube ich wirklich eher was für Menschen, die in der Konsumentenrolle sind. Ich bin da glaube ich eher in der Anbieterrolle. Ich könnte da allerdings, wenn ich jetzt selbst ein Safarischiff hätte, das sehr wohl da einpflegen, in der Hoffnung, dass ich darüber auch gefunden werde. Also ich kann zum Beispiel auf dieser Plattform auch meine Kurse hochladen oder wenn jemand sagt: ‚Ich will einen SSI Level 2/Level 3 oder einen Instruktor-Kurs machen‘ – das kann ich da auch alles einpflegen. Das wird auf der ganzen Welt dann auch gefunden und das kostet erst mal nichts. Aber das gilt auch über Tauchplätze. Wenn ich jetzt zum Beispiel suchen würde: ‚Ich will mal mit Schildkröten tauchen‘, könnte man das als Suchbegriff eingeben und dann erscheinen alle Tauchplätze, wo man mit Schildkröten tauchen kann. Das wird natürlich auch immer mehr wachsen. Das lebt ja auch davon, je mehr man da einpflegt. (576-594) I6 Aber verstehe ich das richtig? Wenn du jetzt wählen müsstest zwischen: Alle haben das Tool oder niemand hat das Tool, dass du dann lieber dabeibleiben würdest, dass niemand dieses Tool hat? I: Genau. (lacht) Na ja, weil was du nachher brauchst ist Vitamin B. Du musst die Menschen kennen, die dich kennen, die ganz genau wissen, dass du keinen Blödsinn machen würdest. Ich habe ein paar Kumpels. Die geben mir coole Spots und sagen aber auch: ‚Okay das ist jetzt aber nur für dich!‘ Die schicken dir dann einen Link und da kann ich hin. (515-522) UK 6.1 Ausbildungstheorie Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I9 Primär tatsächlich das, was die Tauchorganisationen anbieten, also für die Ausbildung, eigentlich auch bei AIDA und SSI, bei denen bin ich Instructor. Und ich finde, dass AIDA das über die letzten Jahre sehr gut gemacht, dass die inzwischen relativ gute Ausbildungsvideos haben, die man auch, ohne sich dafür schämen zu müssen, an irgendwelche Schüler weitergeben kann, was ein riesen Fortschritt ist. Früher waren selbst die PowerPoint-Präsentationen grauselig. Da Qualität der Ausbildungsmaterialien - langsame Verbesserungen beobachtet, aber fehlender Anreiz für große Verbesserungen - Relevanz der Qualität der Instructor- Ausbildungsmaterialien 141 UK 6.1 Ausbildungstheorie Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung konntest du nicht mal die nutzen. Das hat sich, finde ich, deutlich verbessert. (330-335) I9 Ich glaube da haben alle Organisationen noch deutliche Verbesserungspotenziale. Auch da wieder: Die haben ja keinen großen Anreiz ihre Materialien zu verbessern. (377-378) I9 Das Material für die Instructor-Ausbildung – das muss gut sein! (398-399) I8 Also SSI hat auch für die Pros dann ein Tool, wo ich die ganzen Folien abgreifen kann. Also, wenn ich jetzt eine Nitrox-Ausbildung machen möchte, dann ‚klick‘ lädt er die Folien runter und ich kann sie am IPad präsentieren und damit eben meine Ausbildung. Also ich muss nicht mehr mich einloggen und PowerPoint runterladen, auf dem PC dann PowerPoint installiert haben und so weiter. Das geht also alles inzwischen in dieser SSI-App, die natürlich schon wichtig ist, wenn man sie braucht. Also da, würde ich sagen, ist das eine riesen Erleichterung, definitiv. (466-471) Technische Vereinfachung der Ausbildungsmaterialien - vereinheitlichte App und Materialien für alle Betriebssysteme - Lernkits per Klick freischaltbar - Papierlos, unkomplizierter, schneller Zugang - Netzwerk/ kommunikatiorische Schnittstelle/ Marketingkanal zw. Schulen und Schülern I7 Ich meine ich nutze jetzt als Instructor schon das MySSI-System, oder auch bei AIDA das EOS- System, um die Leute quasi freizuschalten. Die bekommen ihre digitalen Kits dann aufs Handy oder aufs IPad und so. Und ich nutze sie dann eigentlich zum Lehren, aber ich habe schon eine Weile keinen Kurs mehr selbst gemacht, wo ich jetzt auf digitales Kursmaterial Zugriff gehabt hätte, muss ich ehrlich sagen. (431-435) I7 Kannst du sagen, wie deine Tauchschüler das nutzen? B: Ja, die nutzen das, weil sie es müssen und weil es mittlerweile nichts mehr in Print gibt. Ich finde das auch gut. Ich finde das auch alles einfacher. Die bezahlen einen Kurs an, bekommen die Freischaltung für das digitale Kit, und ich kann auswählen in welcher Sprache sie das bekommen, sie können die Prüfung in ihrer eigenen Muttersprache machen. Es ist perfekt, wirklich super. Die finden das, glaube ich, gut und genau so wie ich es damals nicht anders kannte als dass ich Bücher benutzen muss, kennen die Meisten es auch nicht mehr anders als so – zumindest in ihrer Tauchausbildung. Das heißt, dass die jetzt wahrscheinlich nicht sagen können, dass es besser ist als früher, weil sie früher keine Ausbildung gemacht haben, sondern es wird immer normaler, dass das so ist und dass man eben keine Bücher rumstehen hat und keine Bücher rumschicken muss, sondern dass das alles unkomplizierter, schneller, digitaler geht. (443-454) 142 UK 6.1 Ausbildungstheorie Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I4 Und dann der nächste Schritt – das gibt es aber in der Form auch schon – das ist zum Beispiel die App vom Tauchverband SSI, die im Endeffekt die Tauchschulen mit den Schülern digital verbindet. Das heißt die haben also ihre App auf dem Handy, machen dann ihre Kurse bei uns, pflegen aber selbst in der App ihre Daten ein, laden ein Foto hoch, und wir schalten die dann nur für den Kurs frei. Und wenn die dann irgendwann zertifiziert werden geben wir die Zertifizierung frei, und die haben dann direkt in ihrer App das Zertifikat. Im nächsten Schritt bekommen sie dann einfach auch in dem System Angebote und Hinweise: ‚Da und da findet der und der Folgekurs statt, das heißt im Endeffekt solche Marketingkanäle in Form von so einer App (514-522) I3 Ja, also was ich natürlich selbst viel nutze sind die Dinge, die die Verbände anbieten. Da gibt es zum Teil sehr gute Schulungsunterlagen für die spezielle Anfängerausbildung. Das nutzen wir sehr viel. Die bieten oft auch Präsentationen an. Wir selbst nutzen natürlich e-Learning für unsere Schüler, ja. Die kriegen Zugang zu so einem Portal, auf dem sie dann das lesen können, dass sie das machen können und so weiter. Also das sind so die Dinge, die wir nutzen. Das ist das, was die Verbände an Schulungsunterlagen bereitstellen. I: Kannst du dieses e-Learning für die Tauchschüler noch genauer erklären? B: Ja. Das ist im Grunde, also, was wir oder auch was die Verbände zur Verfügung stellen, ist das, was man früher in Lehrbüchern hatte, wird jetzt als online-Präsentation dargestellt, kapitelweise dargestellt. Und am Ende wird dann noch mal in Form von Quizzes das Wissen abgefragt. Und das Gute ist, dass ich halt als Tauchlehrer sehen kann online: Wie weit ist der Schüler fortgeschritten bei seinem Lernen? Und wie gut oder wie schlecht hat er die online- Quizzes bearbeitet? Die Inhalte sind allerdings ganz klassisch. Es ist im Grunde wie ein Buch. Es sind die Inhalte tatsächlich eins zu eins. Aber der Vorteil ist natürlich, dass ich tatsächlich auch den Lernfortschritt des Schülers auch wirklich sehen kann. Also dass ich sehen kann: ‚Aha, er hat seine Quizzes bearbeitet.‘ Und dass ich sehen kann: Hat er das tatsächlich auch gelesen oder nicht? Ja, also hat er nur das Quiz gemacht oder hat er vorher auch tatsächlich den Teil gelesen, den er lesen sollte. Das ist für uns so 143 UK 6.1 Ausbildungstheorie Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung hauptsächlich das Interessante beim e-Learning. (410-430) I8 da gibt es ja den schönen Ausdruck des „Internet Tauchers“: Der taucht nur im Internet und kann da alles – dass du das mit fähigen Leuten live tatsächlich erlernst. Wissen sich theoretisch im Internet anzueignen ist eine super Sache. So machen das ja PADI und SSI schon seit Langem, dass die ganze Theorie vom Schüler online gemacht werden kann, also inklusive Test, und dann nur noch die Fragen besprochen werden. Aber wenn es eben um die tatsächlichen Fähigkeiten geht – ich hatte es ja vorhin gesagt: ‚Wie bringe ich meine Flasche an, dass sie gerade hängt? Wie muss mein Flossenschlag sein?‘ Ob das jetzt beim technischen Tauchgang ist, dass ich da meinen Flossenschlag beim Sidemount-Tauchen anpassen muss oder dass ich als OWD-Taucher nicht die Korallen abräume – sowas lässt sich nicht im Internet erlernen. Da kannst du dir Impressionen holen, kannst sehen: ‚Ah, guck mal, der macht das so. Das versuche ich mal.‘ Aber dann bist du im See oder im Meer und brauchst ja trotzdem von irgendjemandem auch ein Feedback. Es müsste dich also jemand filmen, beispielsweise. Also du kannst viele Sachen nicht an dir selbst erkennen, ohne dass da von außen irgendwie etwas passiert. Wenn es nur jemand ist, den du brauchst, der dich filmt und du sagst: ‚Okay, das kann ich selbst beurteilen, ob mein Flossenschlag okay war‘, aber du siehst ihn ja in dem Moment nicht. Also die Wissenserweiterung theoretisch funktioniert, definitiv, wird, wie gesagt, auch so von den Verbänden gemacht, indem man eben die Schüler gar nicht erst in den Tauchladen lässt zum Theorie Lernen – ich glaube optional ist es noch überall möglich, aber man versucht ja die Leute das im home training oder in home study machen zu lassen. Aber die Fertigkeiten, die körperlichen Fertigkeiten die bekommst du – natürlich die ganze Erfahrung und alles andere – die bekommst du nicht im Internet, definitiv nicht! (515-536) Nutzen und Inhalte der digitalen Ausbildungsmaterialien - theoretische Basis ist gut, kann aber nicht Praxis ersetzen - unterschiedliche Didaktik und Themenreihenfolge in Materialien der Verbände, aber vergleichbare Inhalte - lebenslange Nutzung der Lernkits möglich, aber Interesse der Schüler daran meist nur, um Kurs zu bestehen - in Corona-Lockdown online-Fortbildung zu Ökologieinhalten auch von Expertin genutzt, ansonsten taucht sie lieber im Wasser als online - Ökologiekurse auch für Fußgänger interessant, beispielsweise Aufklärung zu Strand- und Ufersäuberungen - digitale Auffrischungskurse für Anfänger und nicht routinierte Taucher - Erste-Hilfe-Auffrischung für Trainer 144 UK 6.1 Ausbildungstheorie Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I7 Also ich glaube nicht. Also die bekommen dann ja ihr Kit freigeschaltet und können das ihr Leben lang nutzen und das updated sich sogar, aber ich glaube nicht, dass die das machen. (lacht) Also es ist schwer, ich kann das natürlich nicht beweisen. Das ist natürlich nur eine Hypothese, ja. Aber, wenn ich beispielsweise meine Kurse bei Patreon mache, dann zeichne ich die online-Kurse immer auf und stelle nachher den Link ein. Und die Leute, die sie eben verpasst haben oder nochmal nachschauen wollen, die können das dann nochmal tun und ich sehe, dass das die Wenigsten machen. Ich glaube das ist wahrscheinlich auch bei dem digitalen Material so. Ich glaube die Leute nutzen das, um sich irgendwo weiterzubilden, um nachher die Theorieprüfung zu schaffen, um die Zertifizierung zu bekommen, und ich glaube dann wird keiner nochmal das SSI Level 1 Kit durcharbeiten. I: Und da endet dann aber auch die Unterstützung, in diesem Beispiel das SSI Kit? B: Ja, das endet da und ist damit abgeschlossen, aber ich habe eigentlich immer Zugriff drauf. Das heißt ich kann mir das immer nochmal anschauen, aber klar, mit diesem Level glaube ich, ist es für die Leute nicht mehr interessant. Wenn das jetzt irgendwie weitergehen würde, ja klar, aber wenn die weitermachen, dann machen die im Fall von SSI den Level 2 Kurs und lassen sich dann eben das Level 2 Kit freischalten. Aber ich glaube schon, dass es eher so ist, dass sie sagen: ‚Ja, einerseits interessiert es mich, aber andererseits lerne ich das jetzt alles vor allem auch darauf hin, dass ich damit irgendwann den Kurs schaffe.‘ (459-478) 145 UK 6.1 Ausbildungstheorie Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I9 I: Zuerst hattest du AIDA und ähnliche mit ihren Ausbildungsunterlagen genannt. Das heißt, da findest du aus Ausbildersicht das Angebot gut? B: Äh nein! Gut wäre echt schön! Okay. (lacht) I: Achso, ich dachte im Vergleich, wäre das so wie du es nutzen möchtest… B: Überhaupt nicht! Ich finde es okay. Ich arrangiere mich mit dem, was da angeboten wird und nutze dann das, was die haben, weil ich natürlich in dem Moment ein Repräsentant von AIDA oder von SSI bin, aber das, was ich vorher sagte: Es ist nicht so wichtig, welche Organisation du hast – du buchst immer den Instructor. Und ich glaube, wenn du irgendeine Theoriesession bei mir hast, dann ist die relativ ähnlich, unabhängig davon ob ich jetzt AIDA- oder SSI-Slides auflege, weil ich auch die Struktur von denen nicht einmal einhalte. Ein simples Beispiel: Der AIDA-Anfängerkurs im Freitauchen fängt an mit Physiologie. Also da lernst du erst mal den Körper des Tauchers kennen. Wo ist die Lunge, und all solche Sachen, und wie funktioniert mein Kreislauf? Wenn du ganz neu in den Sport reinkommst ist das erst mal eine mit dem Hammer übergerieben. Das fängt viel zu sehr im Detail an und das ist die erste Viertelstunde. Da fand ich tatsächlich SSI von der Didaktik besser. Die fangen erst mal an mit: Was ist das Equipment? Und da kann man, finde ich, schön darüber erzählen und ein bisschen ins Schwadronieren kommen, die Leute können was anfassen. Und da sieht man schon mal, selbst wenn du ein Gerätetaucher bist, dass eine Freitauchflosse anders aussieht als eine Geräteflosse. Das ist so ein bisschen ein sanfterer Weg. (355-376) I1 Es gibt aber zum Beispiel – das finde ich ganz gut, auch von SSI, so einem Tauchsportverband – ganz gute Biologie- und Ökologiekurse, die zum Teil sogar kostenfrei angeboten werden, wo man sehr viel auch wirklich lernen kann, auch als fortgeschrittener Taucher noch. Ich weiß gar nicht, Annabel, ob du die selbst alle schon so kennst. Da gibt es wirklich von Marine Ökologie angefangen, über dieses ‚Blue Oceans Programm‘, ‚Shark Diver‘ über ‚Turtle Ecology‘ über das Thema Haie, über Korallen, über diese ganzen Ökologiesegmente gibt es bestimmt 5-6 Speciality-Kurse, die rein digital sind, wo man sehr viel noch dazulernen kann, und oft werden die sogar kostenfrei angeboten. Und wo ich auch, obwohl ich wirklich schon oft im Meer tauchen war, immer noch viel dazugelernt habe. 146 UK 6.1 Ausbildungstheorie Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung Also damit habe ich mich jetzt durchaus mal im Lockdown, wo man nicht so viele andere Sachen machen konnte, beschäftigt und durchgeklickt und dann auch mal ein bisschen Wissen draufgezogen. Ich muss sagen, jetzt wo man wieder live und in 3D tauchen gehen kann, lohnt es sich natürlich das dann auch so zu machen. Tauchen zu gehen mache ich weniger online, also für mich ist das wirklich was, das muss man auch wirklich machen und fühlen. (465-478) I1 Man kann sich zum Beispiel für diese Kurse registrieren. Also das gibt es sicherlich auch bei anderen Anbietern. Bei SSI weiß ich, dass es so ist. Eventuell ist dann eine kleine Gebühr fällig oder einige sind auch immer wieder gratis. Bei diesem ‚Blue Oceans‘ weiß ich, dass es kostenfrei ist. Man kann sich da selbst so bei 4 bis 6 Kapiteln durchklicken, über Meeresökologie, sehr viel Umweltschutz, was das Problem ist wird dargestellt und wie man selbst aktiv als Taucher oder auch als Fußgänger – das spricht übrigens nicht nur Taucher an – selbst aktiv dazu beitragen kann, die Umwelt zu schützen. Also wie man zum Beispiel an Beach-Cleaning-Aktionen teilnimmt, dafür muss man ja nicht einmal tauchen. Oder auch hier am Rhein wird das öfter angeboten, dass man Ufer säubert, oder wie man selbst sowas initiieren kann oder daran teilnehmen kann – einfach so Facts, die einem gar nicht so bewusst sind. Das wird ja zum Glück immer mehr und mehr thematisiert, aber das kann man gar nicht genug machen, also welchen Impact verschiedene Sachen haben. Also, es wird einfach aufgeklärt, wie man selbst daran teilnehmen kann. Das wird da einfach dargestellt. Am Ende sind sogar immer kleine Selbstüberprüfungsfragen, wo man quasi sein Wissen nochmal bestätigen kann oder man merkt, dass man das doch noch nicht beantworten kann. So kleine Mini-Exams sind da immer drin. Was sonst noch? Wie sind die aufgebaut? Genau, also zum Beispiel bei ‚Shark Ecology‘ oder ‚Sea Turtle Ecology‘- Kursen wird man auch danach zu Tauchbasen weitergeleitet, wenn man das dann auch nochmal live im Wasser erleben möchte, zu Anbietern, die das dann auch wirklich anbieten. Da kann man sich dann weiterklicken, weltweit zu Tauchbasen, die das anbieten, und wo man dann tatsächlich zum Beispiel mit Schildkröten oder mit Haien oder Walen tauchen kann. Also es ist eine Mischung aus Aufklärung, aber auch Anleitung, wie man es besser machen kann, wie man helfen kann. Dass man jetzt nicht 147 UK 6.1 Ausbildungstheorie Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung unbedingt die Plastiktüte ins Meer wirft, das sollte hoffentlich so langsam jedem klar sein, aber was man noch darüber hinaus so machen kann. (483-505) I1 Also ich selbst nutze das nicht so. Ich denke mal das spricht vielleicht eher Taucher an, die deutlich unter 100 Tauchgänge haben oder wirklich länger nicht im Wasser waren. (514- 516) I1 Aber auch da gibt es von SSI so Update-Kurse für Freediving und auch für Scuba. Das nennt sich zum Beispiel ‚Scuba Skills Update-Kurs‘. Auch digital, wo zum Beispiel auch kurze Videos zu den Skills gezeigt werden. Das hilft ja auch ungemein, um das erst mal zu lernen, aber auch später, um das nochmal aufzufrischen. Also: ‚Wie war das alles nochmal?‘ Das fängt auch alles an mit: ‚Wie baue ich nochmal ein Tauchgerät zusammen?‘. Und diese ganzen kleinen Skills, die man auch im Open Water Diver-Kurs und mit dem fortgeschrittenen Kurs macht. Dazu gibt es immer kleine Videos, die dauern immer wenige Sekunden. Das hilft natürlich ungemein, dass wiederaufzufrischen. Also beim Erlernen aber auch, um es wiederaufzufrischen. Ich denke jetzt also wirklich, dass ich das jetzt nicht brauche, weil ich es einfach im Traum kann, aber ich weiß, dass da nicht jeder so ist und dafür wäre das auch sicher sehr hilfreich. Aber ich würde das auch sicher empfehlen, also ich empfehle das auch regelmäßig meinen Tauchschülern, wenn ich die Kurse fertig habe, Anfängern sowieso. Wenn die zum Beispiel bei Verbänden, die digitale Kursunterlagen haben, den Kurs gemacht haben – das bietet ja auch nicht jeder an – weise ich immer nochmal darauf hin, also: ‚Ihr habt jetzt den Tauchschein gemacht, ja, aber denkt dran, dass man wirklich dranbleiben muss, dass ihr regelmäßig üben solltet‘. Und ich ermutige die auch immer diese Videos, diese kleinen Skill-Videos oder Skill-Review-Videos sich auch mal regelmäßig wieder anzugucken. (523-540) 148 UK 6.1 Ausbildungstheorie Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I1 Das ist nicht mal unbedingt ein reiner Tauchkurs, aber das betrifft diese Erste-Hilfe- Geschichte. Ich mache ja auch Erste-Hilfe-Kurse im Zusammenhang mit dem Tauchen. Auch wenn ich mit jemandem einen Führerschein machen würde, könnte ich mit dem einen Erste- Hilfe-Kurs machen, aber für das Tauchen muss man ja ab einem gewissen Level auch einen aktuellen Erste-Hilfe-Kurs haben. Aber auch Sauerstoffgabe, AED und sowas, ob das jetzt ‚react ritght‘ heißt oder ‚emergency first respond‘ – das bilde ich ja auch aus und muss mich da aber auch einmal im Jahr selbst fit halten. Und da habe ich mich letztens auch – stimmt das hätte ich fast verdrängt – hatte ich mich nochmal komplett durch diese ‚react right‘- Unterlagen digital geklickt, wo alles nochmal wunderbar beschrieben ist, aber auch mit kleinen Videos unterstützt ist: ‚Wie geht nochmal die stabile Seitenlage? Wie war das nochmal gleich mit der Beatmung? Muss man jetzt gleich 30-mal pumpen oder atmen‘ und solche Kleinigkeiten, die man vielleicht schon mal vergisst, weil man es ja Gottseidank im Alltag nicht braucht. Sauerstoffgabe – was gibt es da zu beachten? Was gibt es zu beachten mit einem AED. Also eine Herz-Lungen-Wiederbelebung musste ich zum Glück noch nicht machen, aber an der Puppe habe ich es natürlich schon oft gemacht und Kurse gegeben. Aber da vergisst man immer mal Kleinigkeiten und da habe ich mich in dem Fall nochmal ganz durch die ‚react right‘- Unterlagen geklickt, um das aufzufrischen. Also es ist jetzt nicht unbedingt rein tauchspezifisch, aber man kann es auch fürs Tauchen gebrauchen. (541-559) UK 6.2 Selbstorganisiertes Lernen Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I10 Also Reisen interessiert mich eigentlich am meisten, generell auch im ganzen Thema, also nicht so die Technik und so, weil das Thema dann irgendwann für einen Sporttaucher auch mal durch ist, finde ich. Da gibt es keine riesigen Innovationen, ich habe sie auf jeden Fall noch nicht gesehen. Da ist so ein Level erreicht, dass man – klar, es gibt immer wieder kleine neue Updates, aber nicht die großen, riesigen Erfindungen, finde ich. (436-440) Für die Befragten interessante Bereiche - Medizin und Physik (Dekompressionstheorie): bedeutend für Sicherheit der Taucher - Meeresbiologie: grundsätzlich spannend/ Faszination UW-Welt - Videos von Blackouts beim Apnoetauchen u. ä.: um diese möglichst in der Praxis zu vermeiden/ Sicherheitsaspekt I10 Praxis finde ich dann wieder interessant, auch Medizin eigentlich. Das habe ich auch mal betreut eine ganze Zeit lang bei Tauchen. Natürlich dreht man sich da auch im Kreis, aber 149 UK 6.2 Selbstorganisiertes Lernen Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung eigentlich ist das ganz interessant, weil Medizin und Physik ja ein großer, wichtiger Bestandteil beim Tauchen sind. Das lernt man ja spätestens bei der Ausbildung, das fand ich ganz interessant. Aber ich finde so die Meeresbiologie, und alles was da dranhängt, eigentlich am spannendsten. (445-449) - Ausrüstungskonfiguration für das technische Tauchen - Entspannungs-, Meditationstechniken, Physiologie - Wirtschaftliche Aspekte (aus Anbietersicht) - Themenbereiche für Anfängerniveau im Gerätetauchen: gut erschlossen, auch geeignet für Gelegenheitstaucher zur Wissensauffrischung Für die Befragten uninteressante Bereiche - Technik: uninteressant, weil innovationsarm - Wissensinhalte aus dem Anfängerbereich - insgesamt herrscht unter Experten Skepsis, weil viel falsches Wissen im Netz verbreitet wird, insbesondere in Bezug auf Wissen für Fortgeschrittene Taucher im Gerätetauchen und in Bezug auf das Apnoetauchen generell I9 Ansonsten – ich weiß nicht, ob du dich daran erinnerst – es gibt sehr schöne Videos über Blackouts in Riga. (lacht) Also da tatsächlich YouTube, manchmal wirklich gerne als abschreckendes Beispiel, weil, speziell in der Ausbildung natürlich, das Thema Blackout, Samba und sowas wichtig sind, und weil das natürlich schwierig ist vorzumachen. Man möchte das gar nicht vormachen. (lacht) Und dafür gibt es eben sehr gute Videos, die eben auf YouTube oder runterladbar sind. Das finde ich eine sehr, sehr nützliche Plattformen. (335- 341) I9 I: Und gibt es konkrete Inhalte, online, also Inhalte oder Fachbereiche, die dich beim Tauchen selbst unterstützen? B: (…) Ich glaube früher mehr. Abgesehen natürlich von der Reiseplanung und solche Sachen. (lacht) Das ist natürlich extrem wichtig. Aber ich glaube früher mehr. Also ich würde jetzt nicht sagen, dass ich inzwischen zu fortgeschritten bin. Ich bin wahrscheinlich inzwischen zu nischig, muss man sagen. Ich habe wenige Bereiche, wo ich sagen würde: ‚Das täte mich interessieren.‘ (422-429) I8 Beim Sidemount-Tauchen geht es beispielsweise auch sehr viel um Ausrüstungskonfiguration und nachher dann auch Körperhaltung. (379-381) I7 Und all das finde ich super spannend. Also alles, wo man sich fragen kann, wie das helfen kann, Stress zu reduzieren, indem ich Atementspannungstechniken im Wasser ausprobiere. Wie kann es helfen Burnout vorzubeugen? Welche mentalen Fertigkeiten spielen eine Rolle? All das interessiert mich brennend! Also Atemtechniken, Entspannungstechniken, Stressreduktion in Bezug auf Apnoetauchen finde ich super spannend. (361-366) I4 Ganz klar, Tauchmedizin interessiert mich sehr, also aktuelle Forschung im Bereich Tauchmedizin. Und im Endeffekt natürlich Sachen, die die wirtschaftlichen Aspekte im Tauchen besprechen. Also Studien zu irgendwelchen Themen aus der Tauchbranche: 150 UK 6.2 Selbstorganisiertes Lernen Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung Zielgruppenanalysen oder Marktanalysen. Gibt es aber leider natürlich nicht so oft. (328-331) I3 Dekompressionstheorie finde ich ganz spannend. Das ist also das was mich am meisten (…) also das, ja, genau, Dekompressionstheorie, so chemische Zusammenhänge, physikalische Zusammenhänge – das ist das eine. Und was mich natürlich sehr interessiert, aber das ergibt sich schon aus dem, was ich vorher gesagt habe, ist halt Meeresbiologie. Also die Zusammenhänge unter Wasser, Fische. Die zwei Bereiche interessieren mich tatsächlich am meisten. (301-306) I3 Ich suche das gar nicht mehr online, weil da dann die Gefahr ist, dass so viel Halbwissen und auch leicht falsches Wissen verbreitet wird, sodass man da so viel damit beschäftigt ist, Falsches vom Richtigen zu trennen. (329-331) I3 Auf dem Anfängerlevel findest du auf jeden Fall (…) also das Anfängerlevel ist ja gerade ein Gebiet, was gut erschlossen ist. Da herrscht bei allen Einigkeit, wie man so eine Anfängerausbildung machen muss, was der wissen muss, was der können soll. Da sind sich eigentlich alle mehr oder weniger einig. Deswegen kann man da auch noch eine ganze Menge zum Thema Scuba-Tauchen finden. Das ist dann beim Freediving schon wieder ein bisschen anders. Da muss man dann auch wieder vorsichtig sein. Da gibt es dann durchaus Leute, die auf YouTube sagen: ‚Hyperventilation vor dem Tauchgang ist sinnvoll und so.‘ Das ist dann schwierig, gerade für einen Beginner, einzuordnen. Aber bei Scuba auf jeden Fall. Das ist schon lange common sense, was da veröffentlicht wird. (349-357) I5 Physiologie. Finde ich super spannend, einfach super, super, super spannend. Dann (…) so ein bisschen auch dieses Grenzbereiche zu verschieben. Also nicht über Grenzbereiche hinauszugehen, sondern diese poco a poco zu erweitern. (291-293) I5 Gäbe es dann was, wie einen Check-up oder so, den du dann einmal online durchspielen kannst, dass du wieder weißt: ‚Ach ja, genau darauf muss ich achten‘? B: Das klingt jetzt vielleicht überheblich, aber für mich selbst nicht. Weil das Tauchen so sehr mein Ding ist, dass ich auch, wenn ich nicht im Wasser bin, ständig ans Wasser denke und das ständig im Kopf habe. Wenn ich jetzt zurückdenke an meine Anfangszeiten vom Gerätetauchen: Für Anfänger da sicherlich, also 151 UK 6.2 Selbstorganisiertes Lernen Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung Checklisten einfach nochmal, zum Beispiel, wenn man Nitrox-Taucher ist, zu sehen wie das war mit MOD und so etwas. Sicherlich, klar. Aber für mich selbst persönlich sehe ich das momentan nicht. Aber für Hobbytaucher, die das einfach nur sporadisch machen, gerade im Gerätetauchen, sicherlich. (390-399) I2 Dann finde ich Tauchmedizin ist ein sehr spannendes Feld, mit dem ich mich viel auseinandersetze, also alles, was da geforscht wird. Ob das jetzt Geräte- oder Apnoetauchen ist, ist eigentlich egal. Das sind alles sehr spannende Forschungsfelder und an vielen Stellen, von denen wir denken: ‚Das steht ja eigentlich alles so schon im Tauchlexikon drin‘, sind wir eigentlich noch nicht besonders weit mit unserem Wissen. Also viel, was da passiert, zum Beispiel mit Dekompressionstheorie und solche Sachen, ist noch sehr rudimentär in dem was wir wissen und wie wird das anwenden. Also jegliche neue Erkenntnis ist da eigentlich total spannend. (233-239) I9 Ich glaube in früheren Stadien, also, wenn ich jetzt ein paar Jahre zurückdenke, hätte ich in der Tat gerne an, sei es an Webinaren oder eben auch Präsenzthemen teilgenommen, aber Webinare sind da auch deutlich besser. Oder auch eine Sara Campbell bietet Trainingsserien an, auch als Download und sowas. Ich glaube das fände ich auch sehr nützlich. (447-451) Webinare - Gruppensessions für Anfänger zur Vermittlung von Basiswissen geeignet, inkl. Download der Sessions - Gruppensessions für Fortgeschrittene weniger interessant - Video-Calls zur Vorbereitung des praktischen Apnoe- Anfängerkurses I1 Es gibt ja jetzt auch sehr viele online-Coachings und online-Kurse. Jetzt auch gerade im Zuge von Corona wurde das mehr, dass es nicht Präsenzveranstaltungen sind, sondern mehr digital. Da bin ich selbst nicht so der Kunde. Aber ich denke mal, weil ich gerade selbst auch schon sehr viele Sachen durchlaufen habe. Ich glaube aber, dass das für jemanden, der noch nicht so viele Kurse live und in Präsenz gemacht hat – ich habe ja schon unglaublich viele Sachen als Teilnehmer gemacht, es ist für mich gerade eher immer so, dass ich die Sachen ja auch selbst anbiete – konsumiere ich selbst recht wenig. (459-465) I5 Also, was ich jetzt schon mal mache, vor einem Kurs, ist einen Zoom-Call. Dann kann ich schon mal gucken, was für einen Druckausgleich die machen, ihnen möglicherweise schon ein paar Übungen geben, dass die Chancen einfach höher sind, dass es im Wasser dann nachher klappt, aber das ist ja eigentlich kein online-Tool. (341-344) 152 UK 6.2 Selbstorganisiertes Lernen Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I7 Da muss ich ja voll nachdenken. (…) Ja, ich meine es wäre natürlich schon so, dass du sagst: Du hast hier eine Plattform, auf der du interessante Leute hast, die etwas teilen, gerne auch kostenpflichtig; du hast Ressourcen an Informationen auf die du zugreifen kannst; hast vielleicht eine Plattform, wo du selbst Kurse geben kannst, aber auch selbst Kurse konsumieren kannst; das Ganze vielleicht live und auch, dass du dir das Ganze danach nochmal anschauen kannst; so strukturiert, dass es übersichtlich ist und ja, so. Also ich bräuchte jetzt nicht unbedingt schöne Bilder von Schildkröten oder sowas drauf, sondern mehr so Informatives. Ich stelle mir das so vor wie eine online-University, wo du deine Sachen hast, wo du was findest als Film, als Text, als Podcast etc. ja, zu speziellen Themen, dass man das da eingibt und darüber was findet. Und ich sehe interessante Leute oder Kurse an denen ich teilnehmen kann. Ich könnte dann auch selbst meine Kurse darüber zeigen und gleichzeitig hätten wir eine Community von interessanten Leuten, die dann auch unsere Kurse besuchen. So wäre es schön. (lacht) (484-495) Für das selbstorganisierte Lernen gewünschte Tools - Plattform für fachlichen Austausch qualitativ hochwertigen Wissens / Möglichkeit zu wertungsfreiem Erfahrungsaustausch / Teilen von Wissen, sodass Taucher voneinander lernen können - App o.ä. für Branchen- und Verbandsupdates - spezielleres Wissen aus Physik und Meeresbiologie auf Tauchen bezogen (bisher ist dieses meist aus fachfremden Bereichen zum selbst Zusammensuchen) I4 Also wenn ich jetzt wirklich von mir spreche, das was ich mir wünschen würde, wäre zum Beispiel so eine App vom Verband der Wasserwirtschaft oder vom Tauchsportindustrieverband, das sind ja solche Verbandsstrukturen bei uns in der Branche für Leute aus der Branche, also im Grunde Apps, wo es Updates gibt im Bereich Medizintechnik und wissenschaftlicher Forschung im Bereich der Branche. (465-470) I3 Ja, gerade, wenn man sich so mit den Gasgesetzen beschäftigt und so weiter, muss man aus dem Bereich der Taucherei rausgehen. Man muss dann wirklich in die Physik gehen. Man muss dann Dinge lesen, die erst einmal nichts mit dem Tauchen zu tun haben, und muss das dann selbst auf das Tauchen beziehen. Da fände ich es schön, wenn es mal jemanden gäbe, der das wirklich so in die Tiefe erklärt, speziell auf das Tauchen bezogen. Meeresbiologie im Grunde genommen auch das gleiche, das bleibt sehr an der Oberfläche. Da wird einem dann gesagt: ‚Woran erkenne ich einen Hai?‘ – große Flossen, viele Zähne und so. Und da bleibt es dann meistens stehen, aber viel mehr jetzt über die Organisation von Lebensräumen, über die Zonierung von Riffen und so weiter – das ist halt schwierig darüber etwas zu finden. Und das fände ich ganz schön, wenn das wirklich auch mal für die Leute, die 153 UK 6.2 Selbstorganisiertes Lernen Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung weitergehendes Interesse haben, dass man da ein bisschen mehr in die Tiefe geht. (313-324) I3 Also nutzen würde ich, glaube ich, eine Plattform, die es mir erstens ermöglicht mich mit anderen Leuten zu vernetzen. Jetzt nicht nur im Hinblick auf Verabredungen zum Tauchen, sondern auch im Hinblick auf das Teilen von Wissen. Also wenn man das hinbekommt. Das ist immer auch spannend, also egal, wie viele Tauchgänge man hat, irgendjemand hat mal eine Erfahrung gemacht, die man selbst noch nicht gemacht hat und kann daraus was lernen. Also wenn man das so hinkriegt, dass man das ohne Eitelkeit teilt mit anderen, dann wäre das eine tolle Sache. Und wenn man das so kontrollieren kann, dass das nicht in irgendwelche Hates oder Flames ausartet; das wäre super. (451-458) UK 6.3 Digitale Tauchgangsplanung Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I10 Oder diese Segler-Apps, da wusste ich schon bevor ich auf dem Keys war: Ich habe mir eine schlechte Woche ausgesucht, so eine Strömung, Sichtweiten waren schlecht. Die nutzen dann jeweils, in ihren Gebieten ihre eigenen Apps. In Florida hatten wir eine benutzt, Florida Keys hatte schon wieder eine andere gehabt, auf Barbados, den Bahamas hatten sie auch wieder andere Karten genutzt. Also da gibt es so kleine Local-Apps, auf die sie immer schwören. Und es ist immer ganz gut, den Kapitän oder mal den Dive Guide zu fragen, oder an der Tauchbasis, und zu fragen: ‚Wie sieht es denn da aus vor Ort, wie sind die Sichtweiten, die Strömung, der Wellengang, wie wird das Wetter?‘ Und vorher informiere ich mich natürlich auch immer über die Tiere, welche Fische da zu sehen sind, und ob ich zur richtigen Zeit da ankomme und nicht gerade, wenn sie gerade weg sind. Viele Tiere sieht man immer nur zu bestimmten Monaten und das muss man sich vorher timen. Es ist immer ärgerlich, wenn man genau ankommt, wenn es vorbei ist. Das ist mir auch schon passiert und das versuche ich deswegen zu vermeiden. (525- 536) Vorab-Recherche zur Tauchgangsplanung - einzuplanendes Equipment - Tauchzeitenplanung übers Jahr bzgl. Tier- und Pflanzenwelt - Google Maps für Küsten- /Wassereinstiegscheck - Hausriff- und Topografie- Karten falls vorhanden - Trainier vor Ort als Indiz für gute Tauchmöglichkeiten Verwendete Apps: - Tauchgangs-Planungs- App insbes. für das Technische Tauchen (spezifische Nutzung, war früher händisch und heute digital vereinfacht) - Gas-Blender-App - Wetter-Apps - Tauchcomputer- Auslesungs-App (teilbar auf Social Media, aber Funktion nicht von den Befragten genutzt) I10 Also, alle Informationen, die ich vorher gesammelt habe, die mache ich mir zu Nutze, bevor ich da irgendwo hinfahre. Ich mache die Vorbereitung da eben, und wenn ich weiß: Das ist ein reines Strömungstauchen-Ziel, dann frage ich nach, ob es da so ein Strömungsseil geben muss, oder ob ich zu gewissen Zeiten eine Boje 154 UK 6.3 Digitale Tauchgangsplanung Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung auf jeden Fall mit einpacken sollte und dies und das. Also, klar. Das versuche ich vorher rauszubekommen. (555-559) I8 und dann habe ich natürlich auch diverse Apps auf dem Handy. Die gehen dann in Richtung Tauchgangsplanung. Also beim technischen Tauchen hast du eben Mischgas dabei oder unterschiedliche Gasgemische. Dann machst du eine Tauchgangsplanung. Das gibt es auch für den PC. Meistens sind die Lizenzen kombiniert. Ich habe also sogar auch beides am Start, aber nutze es eher auf dem Handy oder Tablet, weil man das natürlich dabeihat und diesen Tauchplan vor Ort abschreiben kann. Oder, es gibt schon ewig diese Apps, die gab es schon auf Windows Mobile, falls dir das noch was sagt, das kam so Anfang der 2000er: Gas-Blender- Apps. Also, wo du an einer Füllstation gucken kannst, wie du die Flaschen füllst. Also was weiß ich: Du möchtest Nitrox 32 mischen mit einer Überströmgeschichte und dann steht da, beispielsweise bei der 15-Liter Flasche, dass du dann auf soundso viel Bar Sauerstoff rein füllst, und den Rest machst du mit Pressluft voll. Und dann hast du ein bestimmtes Gemisch. Das nutze ich. (424-435) I8 Und wenn es eben mal einen Technischen Tauchgang zu planen gibt, dann brauche ich natürlich auch diese App, wo ich den Tauchgang dann planen kann. Aber es ist nicht so, dass ich dann permanent in diesen Apps bin. Die wichtigste, puh: Also das Logbuch kann ich analog machen. Die Schulung kann ich auch auf andere Art und Weise machen. Aber beim Tauchgangsplan würde ich mich schon extrem schwertun, wenn ich das mit einem Taschenrechner und einem Stück Papier machen würde. Da ist es dann natürlich diese App, die du eigentlich nicht ersetzen kannst. (474-480) I8 Wie gesagt, das haben die früher auch mit der Hand am Arm ausgerechnet, aber es ist natürlich eine riesen Unterstützung. Definitiv. Also tatsächlich brauche ich die nicht oft, aber es ist eine riesige Unterstützung. (405-407) I7 Also Sachen, die ich selbst online anschaue: Vielleicht E-Books mal oder mal Google Maps fürs Seatrekking, also wo du so am Wasser entlangwanderst oder natürlich den Wetterbericht oder Windguru oder so, aber das war es dann eigentlich. (403-406) 155 UK 6.3 Digitale Tauchgangsplanung Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I6 Wo gehe ich hin, wo reise ich hin, was gibt es dort? Dass ich da zum Beispiel eine Tauchbase finde. Und was für mich immer ganz wichtig ist, deswegen habe ich jetzt auch ein spezielles Hotel rausgesucht, in das ich gehe. Ich will immer wissen wie das Hausriff aufgebaut ist und wie die Unterwasserwelt dort ist. Also: Welche Tiefe habe ich? Wie ist die Temperatur, Strömung? Also das sind so Sachen, das ist eine Checkliste, die ich so habe, um das zu checken: Wie ist der Einstieg? Was kann ich vor Ort sehen? Was kann ich da theoretisch machen? Und deswegen habe ich mir jetzt auch das Hotel rausgesucht, wo ich jetzt hingehe. Also das sind so Sachen, die sind halt für mich wichtig. (382-389) I6 Da habe ich geguckt, welche die Tauchbasis haben, welche davon aktiv sind momentan und wie ihr Hausriff aussieht und wie die Topografie direkt am Hausriff ist. Also: Habe ich einen direkten Einstieg oder müsste ich da noch irgendwo hinfahren mit dem Auto? Also ich will einfach vom Hotel aus, dem Steg ins Wasser. Und dann theoretisch die Möglichkeit haben ein bisschen so einen Spielplatz vor Ort zu haben. (398-402) I6 Frage mich in drei Wochen nochmal. Dann sage ich dir, ob das auch so war (lacht). Aber zumindest die Karte, die sie gezeichnet haben, ist cool. (408-410) I6 Also ich habe mir wirklich alles angeguckt. Wenn ich so ein Research mache, gucke ich mir immer zu viel an, muss ich gestehen. Ja, ich habe dann ganz viel Information. Ich hatte erst bei der Tauchbasis geschaut und die hatten dann im Endeffekt so eine Mappe über das eigene Hausriff. Und das fand ich da eigentlich ganz cool. Und dann habe ich nachher auf der Homepage tatsächlich noch gelesen, dass anscheinend auch ein Apnoelehrer da ist. Was nicht der Fall ist, ich habe nachgefragt, der ist nicht da, aber wenn ein Apnoelehrer da ist, dann müssen zumindest die Gegebenheiten dort ganz gut sein, um Apnoetauchen zu können. Davon rede ich jetzt nicht von 40+, aber so von, sag ich jetzt mal, den ersten 20 bis 30 Metern oder sowas. Da hast du ja die meisten Kurse. (418- 426) I6 Zum Beispiel so eine Karte zur Topografie finde ich gut. Also sowas ist, glaube ich, das Allerwichtigste für mich. Dass ich weiß, was da ist. Das ist so das ABC von jedem Taucher. Wenn er an einen neuen Ort geht, dann muss er immer gucken: Was gibt es da? Was kann ich da machen? Auf was muss ich Acht geben? 156 UK 6.3 Digitale Tauchgangsplanung Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung Was ist ganz wichtig? Ja, wann darf ich rein, wann darf ich nicht rein? Also, ich glaube das sind so die wichtigsten Sachen eigentlich. Sei es Strömungen und, und, und. I: Kannst du die Unterstützung durch die topografische Karte noch ein bisschen genauer erläutern? B: Das ist abhängig davon, was ich machen will. Wenn ich tiefentauchen möchte, dann weiß ich, wo die Tiefe ist, die ich brauche, was natürlich im roten Meer nicht so wild ist, weil ich da ja die Tiefe sehe, mehr oder weniger. Da sehe ich bis 30 Meter. Wenn ich aber in heimischen Seen oder sowas bin, dann brauche ich das unbedingt. Also ich sehe da gar nichts. Da siehst du eine Sicht von, wenn du Glück hast, drei Metern. Da brauche ich es auf jeden Fall. Und, ja klar du musst gucken: Wann, zu welcher Zeit gibt es Strömungen? Das ist extrem wichtig zu wissen. Gibt es eine Möglichkeit, an einer Riffkante, wo es einen Downstream gibt? – Was für uns Apnoetaucher extrem gefährlich ist. Für Gerätetaucher eigentlich auch, aber, wenn du weißt wie du damit umgehst ist es eigentlich nicht so wild. Also das sind im Endeffekt Strömungen am Riff entlang, die dann nach unten gezogen werden. Und du hast keine Chance. Da kannst du dich am Riff festhalten und das zieht dich trotzdem weiter mit runter. Also die sind extrem stark. Und die können eben von jetzt auf gleich passieren. Solche Sachen beispielsweise, wo die schönsten Spots sind, ja, wenn ich weiß: Da gibt es eine große Moräne oder da ziehen einfach mal die Delfine vorbei, da gucke ich dann natürlich eher, dass ich dann auch mal in die Richtung gehe und da mal ein bisschen verharre. Oder irgendwelche schönen Korallen oder so Unterwasserfarne – da gibt es ja alles Mögliche, was man sich anschauen kann. Ja, deshalb wäre es eigentlich hauptsächlich wichtig. Auch einfach zu gucken: Ein- und Ausstiege, was habe ich da? Wie komme ich rein, wie komme ich raus? Was man sonst noch beachten sollte, what if? Also was ist, wenn ich in einer Situation bin, in der was ist? Wie gehe ich denn damit um? Wie komme ich da am besten raus? Wo kriege ich die Hilfe? Ja, solche Sachen. (460-490) 157 UK 6.3 Digitale Tauchgangsplanung Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I3 Also das heißt der Computer schneidet ja im Endeffekt die Tauchgangsdaten mit, speichert und schickt die nachher dann auch an die App, die man dann auf dem Handy hat. Ja, klar, bei der Fotografie natürlich nutze ich eine digitale Unterwasserkamera und das war es eigentlich. An Land ja dann den Gegenpart, also sprich dann das Handy, die App des Tauchcomputerherstellers, um die Tauchgänge auszulesen und das war es, sonst eigentlich nicht wirklich was. (407-413) I3 Aber ansonsten speichern die ja alle gleichermaßen Tiefe, Zeit, Gasverbrauch. Und ansonsten haben die jetzt keine Besonderheit. Was die schon können – nutze ich nicht – dass die diese Sachen dann wiederum auch im Social Media Bereich teilen. Also man könnte jetzt hingehen und sagen: ‚Ich habe einen Tauchgang gemacht und den teile ich jetzt bei Facebook‘ oder so. Das nutze ich jetzt weniger. Also für mich ist das Besondere, dass man das dann im Handy gespeichert hat und man das nicht ins Logbuch schreiben muss mit der Hand. (421-427) I3 Also mich persönlich unterstützt eigentlich nur die Planungs-App von den Tauchgängen beim technischen Tauchen. Also das bedeutet, wenn ich jetzt sage man macht einen Tieftauchgang mit Dekompressionspflicht, dass man mit der Software den Tauchgang vorher planen kann, und die Software einem im Endeffekt den Bailout-Plan, also den Notfallplan, direkt mitliefert und man das Ganze dann auf den Computer übertragen kann. Das wäre jetzt eigentlich das Einzige, was mich wirklich unterstützt beim Tauchen, was digital ist. (448- 453) I2 An Land nutze ich gar keine Digitalen, also ich habe weder Logbuch noch sonst irgendetwas. Und im Wasser, selbstverständlich, benutze ich Tauchcomputer. Aber ansonsten bin ich da ziemlich puristisch, tatsächlich. (363-365) I5 Welche digitalen Angebote nutzt du konkret zur Unterstützung des Tauchens? B: Ich glaube keine (lacht). Jetzt muss ich erst mal überlegen, ob es da irgendetwas gibt. Aber es ist eigentlich nur die Planung (337-341) I5 Genau, also ich habe jetzt kein dezidiertes Programm, wo ich irgendetwas einplane. Ich habe hier auf meinem Rechner die Sachen und habe da meine Datenbank, dann eben schon ein bisschen so Pläne, wetterabhängig, was man wann wie machen kann, und so, aber kein online-Tool. Das mache ich dann tatsächlich 158 UK 6.3 Digitale Tauchgangsplanung Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung entweder per Mail oder WhatsApp, wo ich dann sage: ‚Dann und dann treffen wir uns und dann machen wir das, das das‘. Aber da gibt es kein durchgeplantes Kurrikulum, was dann läuft. (350-355) I5 Ja klar, das muss man ja. Da hast du recht: Windy, Windfinder, die spanische Wetteragentur, Webcams, die irgendwo stehen, Wisuki. Das sind eigentlich so die, aus denen ich dann versuche die Daten zu integrieren, nicht in einer systematischen Art und Weise, sondern mit der Tasse Kaffee, gucken: ‚Wie ist denn die Vorhersage? Aha, Welle da, Welle da, Welle da. Und wie ist der Mond, wie ist der Gezeitenkoeffizient?‘ Und das geht so und so. So würde das wahrscheinlich am ehesten funktionieren, ja. Aber jetzt nicht mit einem strukturierten Plan. (360-365) I2 Also ich habe einen smarten Tauchcomputer. Den kann ich auslesen, mit meinem Telefon. Das heißt ich nutze Apps, um mir meine Tauchprofile grafisch darzustellen, und diese Apps können das Ganze dann auch direkt in die sozialen Medien kommunizieren – sowas mache ich nicht, oder selten. (308-311) I2 Digitale Unterstützung fürs Tauchen (…) ansonsten benutzen wir fürs Tauchen natürlich sehr viele Wetter-Apps. Wind und Welle ist essentiell für jede Tauchgangsplanung. Da gibt es gute Unterstützung ‚Wind Finder‘ und ‚Windy‘ und Co. Wenn man sich Strömungen angucken will, sind Mondphasen auch sehr interessant. Da gibt es auch Apps für. (314-317) I2 Du kannst aber auch deine klassische IPhone- Wetter-App dafür benutzen. Du musst nur wissen: Bei Neumond ist Ebbe und bei Vollmond ist Flut oder so, je nachdem. Und das wirkt sich dann eben auf die Strömung aus. Und das ist aber auch vor Ort. Du kannst dich nicht nur auf die digitalen Tools verlassen. Am besten ist es schon auch, mit den Leuten vor Ort – da kommt jetzt wieder das Team ins Spiel – die kennen das immer besser und die können dir immer besser sagen, wann welche Strömung und wann welche Welle herrscht. (322-327) I2 Ja gut, ich meine, es kommt drauf an, wenn du technischer Gerätetaucher mit Mischgas bist, dann brauchst du einen anderen Tauchcomputer als ein Apnoetaucher. Ein Apnoetaucher braucht einen relativ simplen Tauchcomputer. Der muss nicht mehrere Gase berechnen können. Aber ansonsten sind die Tools eigentlich die gleichen für alle. 337-341) 159 UK 6.3 Digitale Tauchgangsplanung Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I2 Gerätetauchcomputer rechnen Dekompressionsmodelle, das heißt die simulieren in einem Rechenmodell, wie sich dein Gewebe mit Stickstoff anreichert, und simulieren dann auch wieder in einem theoretischen Rechenmodell, wie deine Gewebe diesen Stickstoff wieder abgeben. Und je nachdem, welches Gas du da unten, unter welchem Druck, sprich auf welcher Tiefe, atmest, können die das dann immer verfolgen. Das heißt: In der Regel atmen wir Luft da unten, aber fortgeschrittene Taucher atmen auch andere Sachen da unten – Nitrox, Helium - es gibt verschiedene Sachen, die man da atmen kann. Und dafür braucht man eben so einen Computer, der das kann, diese Modelle rechnen. Und Apnoetaucher brauchen das nicht. Apnoetaucher brauchen einen Computer, der ihnen die Tiefe sagen kann, und die Zeit und noch die Wassertemperatur, aber sehr viel mehr eigentlich nicht. (346-355) I10 Gut fände ich, wenn es irgendetwas gäbe, was diese Kapitäns-Apps und so – wenn du einfach sehr genau weißt, wie gut die Sichtweiten sind, vielleicht auch saisonale Besonderheiten, die in einer Form mit eingepflegt werden. Das ist tatsächlich schon möglich, wenn ich sage: Florida Keys, diese bestimmten Fische und Haie, die man jetzt gerade sehen kann; in Crystal River gibt es diese Manatees, die siehst du nur von November bis April. Sowas. Die Info könnte man da gleich mal mit reinpacken. Wenn ich zum Beispiel so eine Florida-Reise mache, kriege ich gleich so ein paar Punkte von der Karibik, die sagen: Wenn du jetzt da bist, im Januar, Februar, dann kannst du auch die Buckelwale sehen, die dann vielleicht über Turks- und Caicosinseln, über Samaná und die Dominikanische Republik entlangschwimmen. Da könnte man ja eine tolle Reiseplanung machen. Und wenn ich dann auf einen Blick dort diese ganze Karte sehe, um dann irgendwas in der ganzen Karibik zu machen, dann klicke ich das da an und: ‚Aha, Fische, Besonderheiten.‘ Wenn ich dann sehe, zum Beispiel, was ich gesagt habe, Manatees da, dann vielleicht Tigerhaie, die ich für eine gewisse Zeit dort auch sehen kann, und die Buckelwale, dann würde das meine Reiseplanung doch schon etwas verändern. Wenn ich dann mal da drauf klicke und sehe: ‚Aha, da kommen die vorbei. Ich glaube ich nehme mal Turks and Caicos.‘ Dann klicke ich da drauf und sehe: ‚Oh, zu dem Zeitpunkt gerade schlechte Sichtverhältnisse, aber eine Woche später könnte es gut sein. Neumond, blabla.‘ Also so etwas wäre mal cool! Wunsch-Plattform zur Tauchgangsplanung - Aufmachung soll vereinheitlicht, hochwertig, erweitert, professionell sein - Tauchgebiete inkl. Topografie abbildend - Tauchorte mitsamt Bewertungen - Art Google Maps für das Tauchen, aber teilweise nur selektiv für vor-Ort- Nutzung im Hotel gewünscht, da sonst Gefahr der Ausnutzung und Überfüllung besonderer Tauchplätze drohe - Allrounder Plattform inkl. Tauchmedizin - Datenbank mit weltweiten Daten - Plattform für Vorbereitung und Erwartungsabgleich inkl. wichtigen Informationen und Lehrmaterial für Anfänger über verbesserte digitale Informationsbeschaffung zur Tauchgangsplanung mehr Unabhängigkeit von Locals erlangen 160 UK 6.3 Digitale Tauchgangsplanung Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung Das könnte ich mir vorstellen. Und wenn ich dann da bin, dann kann ich gleich schon mal die nächsten Tauchbasen suchen. Nicht alles, klar, du kannst auf das normale Google Maps gehen, dann kriegst du alles drauf und den nächsten Kiosk und Supermarkt. Dass wir nur die Tauchbasen sehen, die Schiffe und dann die Tripadvisor-Bewertungen. Oder sowas mit dabei, wirklich selektiv, nichts Anderes! Nichts Anderes als das: Nur die Tauchbasen, Tripadvisor-Bewertungen mit einfließen lassen, die ich auch immer ziemlich gut finde als Bewertungs-Tool, und vielleicht noch ein paar Websites mit einbinden. PADI hat ja eine riesen Website auch zum Thema Tauchbasen und so weiter und sofort. Vielleicht Deutschsprachige noch mit einbinden. (589-614) I9 Ansonsten, was ich auch nutze ist taucher.net und solche Plattformen, aber da fehlt mir persönlich etwas, wo ich wirklich eine schöne Übersicht habe über: Was sind die besten Tauchgebiete und wie sind die topographisch aufgebaut? Also jetzt aus meiner Sicht: Wenn ich jetzt hier an irgendeinen See gehen würde – wo sind meine Tiefenlinien? Wo ist mein vernünftigster, tiefster Punkt? Und das in einer vernünftigen, hochwertigen Weise. Taucher.net und andere Plattformen bieten das so ein bisschen an, aber ich finde, dass das auf einem relativ schlechten Niveau ist, was natürlich der Tatsache zugestanden ist, dass das alles oder das Meiste irgendwie von Freiwilligen selbst da hochgeladen wird. Aber ich finde, dass da eine gewisse Professionalisierung echt nützlich wäre. Einfach, jetzt aus meiner eigenen Perspektive wüsste ich halt gerne, wie tief das Ding überhaupt ist. Und einfach nur rauszufinden, wie tief der See überhaupt ist, ist schon schwer, geschweige denn: Wo müsste ich hin? Entweder kennt man da jemanden oder hat ein Center da oder ja. Da tatsächlich eine vernünftige Angabe zu finden finde ich jetzt nicht so trivial. (342-353) I9 Aber eben auch, wo ich dann diesen tauchmedizinischen Bereich dabei habe und, was ich vorher sagte, auch so ein bisschen Tauchziele. Das können Nahziele sein, also hier der See um die Ecke, den ich vielleicht wirklich noch nicht kannte. Aber eben auch: Wo kann ich denn wirklich geil freitauchen? Oder Gerätetauchen? Also wirklich so eine Allrounder-Plattform fände ich gut. (465-469) 161 UK 6.3 Digitale Tauchgangsplanung Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I6 Also theoretisch wäre das eine Art Google Maps fürs Tauchen. Also dass wir das, was wir über Wasser haben theoretisch unter Wasser hätten. Das wäre natürlich cool, wenn ich das hätte, aber sonst keiner, weil sonst alle an die Spots gehen, an die ich gehe. (lacht) Das Problem ist immer, und das ist immer das große Geheimnis bei uns Tauchern: Wir kennen extrem viele Spots, aber wir wollen nicht alle teilen, weil sobald wir anfangen die zu teilen strömen alle Leute dort hin. Aber theoretisch wäre das für mich das perfekte Tool, wenn ich wüsste, dass ich an einen Spot könnte, wo ich - nein, so ist es nicht, ich bin viel zu egoistisch - sondern vielleicht eine Art Google Maps, bezogen auf Tauchspots, an die man gehen könnte, beispielsweise in verschiedenen Hotels. Wenn ich mir hier zum Beispiel das unter Wasser noch mal ganz schnell angucken könnte – was wäre wo? – und ich könnte mich in dem Kontext vielleicht auch noch mit anderen Leuten austauschen, die dort auch schon tauchen waren, die eine Empfehlung haben, wo was schön ist, dann wird das natürlich cool. Die Gefahr besteht natürlich immer, deswegen würde ich es wahrscheinlich nicht wollen, dass das irgendjemand ausnutzt, oder irgendein Spearfisher, der das ganz cool findet und dann da unten am Abshooten ist, weil er weiß, dass es da relativ große Grouper gibt, dann ist die ganze Magie hin. Ja also die Schwierigkeit hast du natürlich immer. Deswegen wollte ich im Idealfall wissen, wo die besten Spots sind, und was ich da angucken könnte. (497-513) I2 Und was ich ganz interessant und spannend finde, wäre dann tatsächlich mal so eine Datenbank – das fände ich super spannend – wo wirklich die Tauchplätze gut in einem einheitlichen Format beschrieben und dargestellt werden. Und zwar jetzt nicht nur bezogen auf einen See, sondern jetzt wirklich. Es gibt ja ganz viele Tauchplätze, die man gerne betaucht. Da mal eine vernünftige Beschreibung und Darstellung. Das fände ich mal ganz spannend, dass man das auch einheitlich macht. Dass man sich darüber einigt: wie stelle ich ein Riff dar in der Zeichnung, wie stelle ich die Tiefenlinien dar, wie stelle ich Strömungen dar, was gehört da rein, welche Himmelsrichtung und so weiter. Was sind die wichtigen Landmarken, was sind die wichtigen Peilmarken, um das Ding anzufahren, wie muss ich das Ding tauchen, bei welchen Witterungsverhältnissen? Sowas fände ich mal gut. (459-468) 162 UK 6.3 Digitale Tauchgangsplanung Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I5 Für Tauchkurse, Trainings und so weiter wäre sicherlich eine Plattform wo der Schüler oder eben derjenige, der mittauchen will, auch einfach schon Checklisten hat, was er hinterlegen muss: Tauchversicherung, Tauchtauglichkeit und so weiter, dass man das nicht jedes Mal wieder neu machen muss, wo er vielleicht schon eine Übersicht kriegt: Was sind die möglichen Tauchreviere, was geht, was ist wahrscheinlich, was passieren wird? Wo einfach schon so die Erwartungen ein bisschen abgeglichen werden können: Ist das wirklich etwas für einen? Wo vielleicht auch tatsächlich schon ein bisschen Lehrmaterial da ist, wie zum Beispiel einfach Videos zum Druckausgleich, um schon einmal zu gucken: ‚Wie mache ich den Druckausgleich? Wie funktioniert der Druckausgleich? Wenn nicht, was kann ich denn machen, dass er funktioniert? – einfach so vorbereitende Dinge.‘ Das ist ganz gut. (417- 426) I2 Also gerade so Portale, in denen Nutzer Tauchorte bewerten und Tauchplätze beschreiben und so, wenn man sich einlesen will und an einen neuen Ort hinkommt, und sich nicht ganz so auf die Guides verlassen will, sondern auch selbst plant, dann sind solche Plattformen super cool und hilfreich, ja. (359- 362) I8 Also generell, das hatte ich ja eben schon erwähnt, ist der optimale Tauchgang für mich in der Tat – und das soll jetzt auch nicht spießig klingen – wenn der eben so stattfinden kann, wie man den sich vorher ausgedacht und wie man ihn besprochen hat. Wenn es da keine Probleme gibt oder man dann eben irgendwelche anderen Dinge tun muss, also: Irgendjemanden einzufangen oder festzustellen, dass der Tauchplatz komplett anders ausschaut als auf der Karte und ich die Sachen suchen muss. (68- 74) Insgesamt sind Planung und Vorbereitung für den Tauchgang unerlässlich I10 Also, dass da Wert auf Ruhe und Entspannung gelegt wird, und dass man vorher schon so in etwa weiß, was einen unter Wasser erwartet. Unvorhergesehenes kommt ja schon oft genug noch trotzdem dazu, aber dass man wenigstens grob weiß wie der Plan ist. (76-79) OK 7 Design und Stil Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I10 Aber wenn du jemanden hast, der das liebt, und der Bock hat da etwas Besonderes zu zeigen, dann ist das super. (305-306) Von Tauchprofis erstellte Inhalte empfinden Befragte am ansprechendsten 163 OK 7 Design und Stil Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I10 YouTube-Filme sind manchmal sehr gut, wenn sie klasse sind, wenn da ein paar Profis mit dabei waren, die dann ein paar Sachen gefilmt haben. (360-361) - hauptberuflich tauchen und die Arbeit lieben als Garant für entsprechend erstellte Inhalte - Inhalte vorher gründlich durchdacht haben - Bsp. Laurent Ballesta I5 Das andere sind halt Inhalte und da ist es aber so, dass ich nie wirklich das geschafft habe, was ich gerne schaffen würde, nämlich wirklich Qualitätsinhalte zu kreieren. Aber dadurch, dass ich auch nicht wirtschaftlich davon abhängig bin und eben anders ein bisschen dazugekommen bin, habe ich da dann auch nicht ganz so den Druck diese Präsenz zu zeigen und Leute anzuziehen, sondern bin da eher in der passiven Rolle, wenn jemand zu mir kommt und sagt: ‚Mach das mal.‘ Dann machen wir das. (265-270) I5 Und von allen kann man so ein bisschen was ziehen und jeder ist in seiner Weise da gut. Aber was die alle gemein haben, ist, dass sie sich vorher Gedanken machen, was sie sagen, und das strukturieren und tun. Wohingegen es auch andere gibt, die einfach irgendwie drauf los erzählen, labern, die labern so wie ich jetzt einfach frei und dann vom Stückchen ins Hölzchen und danach denke ich so: ‚Okay, was ist eigentlich die Message?‘ Dieses dann eben auf den Punkt bringen und sich vielleicht nur auf ein paar Sachen zu fokussieren. (325-331) I2 Also man merkt ja, wenn es ein wissenschaftlicher Artikel ist, wenn du dich schon ein bisschen mit dem Tauchen auseinandergesetzt hast, schnell, ob die jeweiligen Redakteure auch wirklich Ahnung haben von dem, was sie da kommunizieren. Dann, also die öffentlichen, ich sage mal, die öffentlichen Kanäle, Funk und Fernsehen, die haben keine Ahnung. Also da sind Tauchreportagen – kann man sich anschauen, aber sobald man sich ein Ticken mehr mit der Materie beschäftigt hat, ist es eigentlich nicht mehr interessant. Weil das sind Menschen, die sich eben nicht in ihrem privaten Leben mit der Materie beschäftigen, und dann daraus irgendwelche Reportagen machen wollen – das funktioniert meistens nicht. Interessante Reportagen sind dann die, die wirklich von den Leuten gemacht werden, die sich hauptberuflich mit Tauchen beschäftigen. Und dann ist es natürlich, je cineastischer das wird, also je besser das Bewegt-Bild-Format, desto eher schaut man es sich auch an. Weil es ist jetzt nicht nur Informationstransport, sondern es sollte schon auch irgendwie schön aussehen. Also es gibt da coole Formate. Lass mich ein Beispiel finden. Und zwar: 164 OK 7 Design und Stil Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung Laurent Ballesta ist ein sehr bekannter Unterwasser-Filmer und –Fotograf und die haben so eine Mission gemacht, Gombessa- Mission heißt das, da haben sie, ich glaube 30 Tage oder 60 Tage auf so einer Station auf zehn Meter verbracht, im Mittelmeer, und haben glaube ich dann gemeinsam in Kooperation mit ARTE dann eine super Dokumentation darübergemacht. Die Dokumentation ist aber super, nicht, weil ARTE sie gemacht hat, sondern weil die Jungs das quasi selbst gemacht haben – für ARTE produziert und dann an ARTE verkauft. Deswegen muss kein Redakteur sitzen, irgendwo in Straßburg, der keine Ahnung davon hat von dem was da gemacht wird, sondern das sind die Jungs da unten am Mittelmeer. Die wissen genau, was sie da machen, und die zeigen eben jetzt nicht nur coole Bilder von Fischen, was sie sehr, sehr gut können, sondern machen gleichzeitig auch noch Forschung da unten, während sie das machen. Und das empfinde ich am ansprechendsten, als den spannendsten Content. Der sieht gut aus, hat Inhalt, vermittelt mir irgendwas Neues, was ich vorher noch nicht wusste, und das ist jetzt glaube ich ein ganz schönes Beispiel. (263- 287) I10 Sie müssen mich erst mal von vornherein interessieren und dann müssen sie so aufbereitet sein, dass ich auch das Gefühl habe, dass da ein bisschen mehr dahintersteckt als das, was ich schon wusste. Also, wenn ich dann merke, dass ich nach dem zweiten Absatz das lese, was ich schon tausendmal gelesen habe, dann interessiert mich das nicht. Aber wenn ich dann nach dem ersten oder zweiten Absatz merke, der natürlich auch als Einleitung zu verstehen ist: ‚Aha, der hat mir was Neues zu erzählen‘, dann super. (454-460) Interesse wecken über: - neue Aspekte - Überschrift - vermittelten Mehrwert I4 Ansonsten, wenn es um tauchmedizinische Sachen geht, müsste es irgendeinen interessanten, fachlichen Inhalt in der Überschrift haben. (369-370) I5 Aber eigentlich wäre die Aussage wirklich: Qualitätsinhalte, wo man wirklich einen Mehrwert bietet und so weiter, wobei ich das nicht mache. (275-276) I10 Oder er bereitet das spannend auf in Form einer Story von Reisejournalisten, die wirklich eine geile Story erzählen, nicht nur: ‚1792 wurde…und dann 250.000 m² große Fläche…‘ und so Zahlen runterbeten, von Wikipedia abgeschrieben. Also eher der Schreibstil dann auch, der interessiert mich. (460-463) Aufbereitung/ Schreibstil - unterhaltsam - spannend - seriös, sauber, vernünftig - hochwertig, professionalisiert 165 OK 7 Design und Stil Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I9 Eine mehrzeilige, saubere Executive Summary, bei der ich mich dann noch anschließend noch weiter eingraben kann – ob das jetzt ein Text oder ein Video ist, ist zweitrangig oder in welcher Form auch immer. Aber ein relativ kurzer, nicht ein Teaser, kein brutaler, übersimplifizierter Aufhänger, sondern eine vernünftige Summary und dann eben die Möglichkeit auch tatsächlich tiefer in Themen einzutauchen, in einer seriösen Weise dargeboten. (290-295) - inhaltsstark, reduziert auf das Wesentliche, runtergebrochen, auf den Punkt gebracht - fachlich fundiert, korrekt - in die Tiefe gehend - strukturiert kein bevorzugtes Format Bilder: - hochwertig - außergewöhnliche und außergewöhnlich schöne Bilder - Ästhetik (besonders im Apnoetauchen) ansprechender Wissenschaftsjournalismus I9 wo sind meine Tiefenlinien? Wo ist mein vernünftigster, tiefster Punkt? Und das in einer vernünftigen, hochwertigen Weise. Taucher.net und andere Plattformen bieten das so ein bisschen an, aber ich finde, dass das auf einem relativ schlechten Niveau ist, was natürlich der Tatsache zugestanden ist, dass das alles oder das Meiste irgendwie von Freiwilligen selbst da hochgeladen wird. Aber ich finde, dass da eine gewisse Professionalisierung echt nützlich wäre. (345-350) I8 Man möchte eine streamline-Konfiguration haben. Da gehört dann, wenn es um sowas geht, natürlich auch das Multimediale dazu, also, dass in irgendwelchen Videos das Anlegen von der Ausrüstung gezeigt wird, und wo nicht nur das Anlegen, sondern auch das fertige Ergebnis gezeigt wird. Bei solchen Themen wie dem Technischen Tauchen ist das Ganze natürlich nicht so interessant das jetzt multimedial zu unterlegen. Da muss es eben einfach fachlich fundiert sein. (388-393) I1 Ja, wenn man jetzt auch da nicht nur schöne Fotos hat, die gut ausgeleuchtet sind und so, also nicht nur technisch gut Fotos und Filme rüberbringt - ich finde da gibt es mittlerweile sehr viele gute – sondern auch ein bisschen Content dabei hat. Dass man Facts, kleine Sachen, die man immer noch dazulernt, in Häppchen dazu serviert bekommt. Das ist natürlich nicht immer ganz leicht. Ich versuche das manchmal auch, aber das ist echt sehr zeitintensiv. Aber wenn sich da natürlich jemand die Mühe macht und da auch immer Content liefert, dann folge ich dem natürlich lieber, als wenn jemand nur postet und das nur reine Effekthascherei ist. Ja. Inhalte. (447-453) I4 Also es müssen vor allem schöne Fotos sein. Das wäre, finde ich jetzt, sehr wichtig. Und dann kommt es so ein bisschen drauf an. Was die Unterwasserfotografie betrifft, da müssen es wirklich sehr, sehr gute Bilder sein, oder Fotos. Was mich dann besonders interessieren würde wäre, wenn es besondere Perspektiven sind, 166 OK 7 Design und Stil Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung besondere Fotos sind, die irgendeine, ja, Besonderheit in sich tragen. Das kann die Perspektive sein. Das kann aber auch irgendein Moment unter Wasser sein, der festgehalten wurde, der etwas Besonderes an dem Foto ausmacht. Also mich würde zum Beispiel nicht ein Clownfisch in einer Anemone interessieren – das ist so, sage ich mal, das Standardfoto. Ich finde es schön, wenn es irgendetwas ganz Besonderes hat, was man nicht so oft sieht oder wenn ein besonderer Moment festgehalten wird. (360-368) I3 Ja, die müssten tatsächlich fundiert sein, also mehr in die Tiefe gehen. Zum Beispiel bei denen, die von Dekompression sprechen ist das alles auf einem sehr flachen Niveau, tatsächlich. Und es ist sehr schwierig da weitergehende Informationen zu finden. (311- 313) I5 Dann fürs Apnoetauchen finde ich auch Ästhetik einen wichtigen Punkt. (274) I5 Wie müssten denn online-Inhalte präsentiert sein, dass du ihnen tatsächlich deine ganze Aufmerksamkeit zuwendest? I: Ich bin Deutscher, von daher: Strukturiert. (lacht) Das habe ich jetzt in den letzten Jahren gemerkt. Also das sind zwei Sachen, die meine Aufmerksamkeit erregen. Das eine sind halt einfach wirklich schönen Bilder – außergewöhnliche Bilder oder außergewöhnlich schöne Bilder. Und das andere sind Themen, die mich interessieren, sei es jetzt das Thema selbst oder aber wie es vermittelt wird. Also es gibt einfach Leute, die haben Lehre einfach drauf und dann schaut man: ‚Verdammt, du machst das wirklich gut!‘ (300-308) I2 Sie müssen vor allen Dingen inhaltlich korrekt sein. Da gibt es nämlich auch viel Fehlinformation, das bringt die Natur des Netzes so mit sich. Und dann ist aber auch; ich finde es immer gut, wenn man schnell auf den Punkt kommt. Es ist halt mit den sozialen Medien, zum Beispiel YouTube bringt das so mit, dass man viel um den heißen Brei drum rum labert, um so viel Watch Time wie möglich zu bekommen. Und da gibt es dann so diese klassischen YouTuber, die einfach viel, viel reden und wenig damit sagen. Ich mag es gerne, dass man, wenn man viel redet auch viel sagt. Damit wird dann auch viel Inhalt transportiert. Also ich finde, wenn wir jetzt bei dem Beispiel Tauchmedizin bleiben, reiner Informationstransport in Form eines wissenschaftlichen Journals ist natürlich nicht 167 OK 7 Design und Stil Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung so gut für die Audienz, weil da muss man sich durchkämpfen und wenn man keine Ahnung davon hat, dann ist es zäh. Ansprechender Wissenschaftsjournalismus ist, glaube ich, die Antwort auf deine Frage. So vom Komplexen runtergebrochen, aber nicht falsch, und das Ganze am besten noch schön anschaulich für die Zuhörerschaft. (244-255) OK 8 Wahrgenommene Bedienbarkeit Experte Zitate / Ankerbeispiele Auswertung I10 Ich brauche keinen Computer, dessen Display in meiner Maske erscheint und so, dass ich die Daten da habe. Das sagte ich ja eben eingangs: Also mir reicht das einfach mit Jacket, Anzug, kleiner Tauchcomputer, muss nicht der Neuste sein, ich brauche keine Mischgaskontrolle und so weiter - also das Thema nicht so. (441-444) Essentielles und Überflüssiges - gut gestaltete Basics anstelle immer neuer Funktionen - Altes, was sich bewährt hat, auch beibehalten - klassische Inhalte, aber digitalisiert und dadurch vereinfachter und mit schnellerem Zugang - Technik-Equipment beim Tauchgang selbst kann auch behindern - Algorithmen für geeignete Themenauswahl I8 Und dann haben wir nachher versucht die Brevets bei PADI zu kriegen: Die gibt es nur noch online! Im Ausnahmefall kannst du dir für viel Geld ein Plastikkärtchen bestellen. Das heißt, die erwarten inzwischen von den Tauchern, dass die mit der App auf die Basis kommen und ihr Brevet digital vorzeigen. Da habe ich dann so lange Stunk gemacht, bis wir ein Plastikbrevet bekommen haben, weil ich den Leuten versucht habe zu vermitteln: ‚Jetzt kriege ich schon einen Zehn-, Elfjährigen mal vom Bildschirm weg an den See, und dann gehen wir im Urlaub tauchen und der braucht zum Tauchen sein Handy! Das kann doch wohl nicht sein!‘ (444-451) I7 Kannst du sagen, wie deine Tauchschüler das nutzen? B: Ja, die nutzen das, weil sie es müssen und weil es mittlerweile nichts mehr in Print gibt. Ich finde das auch gut. Ich finde das auch alles einfacher. Die bezahlen einen Kurs an, bekommen die Freischaltung für das digitale Kit, und ich kann auswählen in welcher Sprache sie das bekommen, sie können die Prüfung in ihrer eigenen Muttersprache machen. Es ist perfekt, wirklich super. Die finden das, glaube ich, gut und genau so wie ich es damals nicht anders kannte als dass ich Bücher benutzen muss, kennen die Meisten es auch nicht mehr anders als so – zumindest in ihrer Tauchausbildung. Das heißt, dass die jetzt wahrscheinlich nicht sagen können, dass es besser ist als früher, weil sie früher keine Ausbildung gemacht haben, sondern es wird immer normaler, dass das so ist und dass man eben keine Bücher rumstehen hat 168 und keine Bücher rumschicken muss, sondern dass das alles unkomplizierter, schneller, digitaler geht. (443-454) I6 Aber konkret im Wasser ist das eigentlich nur der Tauchcomputer. Im Idealfall schon. Also ich sage dir wie es ist: Eigentlich habe ich gar keinen Bock mit der Kamera ins Wasser zu gehen. Ich finde das total quatsch. Also entweder ich bin bei mir oder ich bin in irgend so einem Gerät drin. (441-444) I2 Die Algorithmen wissen eigentlich schon recht gut, dass ich mich für Tauchen interessiere. Das heißt mit jeder Sekunde, die man sich in den sozialen Netzwerken verbringt, weiß das soziale Netzwerk, wofür man sich interessiert, und spielt einem das dann auch aus. Also, wenn ich dem Algorithmus nachhelfen möchte, dann like ich irgendwelche Seiten in den Netzwerken oder like auch nur einzelne Beiträge, das reicht auch schon. Und dadurch kriegt man dann in seinen News-Feed immer mehr Tauchinhalte gespült. (292-297) I9 Also in ganz simplen Worten fände ich sowas wie taucher.net nur deutlich besser und moderner nicht schlecht, weil das schon so eine schöne Breite hat, wo wirklich jeder so ein bisschen sein Ding raussuchen kann, wo ich auch in einzelnen Themenfeldern mich tief vergraben kann. Aber es müsste wirklich, deutlich, deutlich besser so Themenblöcke verlinken, wie Ausbildung, wie eben auch die Möglichkeit: ‚Wie kann ich mehr Wissen aneignen in meinem aktuellen Status?‘ oder aber auch mich anteasern. (457-462) Umfängliche Plattform gewünscht - Verlinkung von Themenblöcken - integrierte Seite - anstelle von alles-in- einem, nur bestimmte Bereiche integriert - für Kommunikation zw. Kunde und Anbieter Dabei problematisch: - alles-in-einem bringt Monopolgefahr - bisherige Ansätze noch nicht gut genug empfunden - Verlinkungen sind bisher oft nur rudimentär gelöst I8 Ja praktisch ist natürlich, wenn alles in einem ist. Also alles, was ich aufgezählt habe, in einer App, im Grunde genommen auf einer Seite: Ob das ein Forum ist, wo ich mich intensiv austauschen kann ins kleinste Detail; oder eben auch eine Art Fotoalbum bei Instagram; oder dann eben auch, wo ich meine Brevets finde, wo ich online loggen kann, wo ich Tauchplätze finde, die bewertet sind – also alles in einer App, auf einer Website, bei einem Anbieter wäre natürlich schön. Aber dann brauche ich dir natürlich auch nicht die Nachteile von so Läden wie Facebook oder was auch immer erklären. Wenn das ein Monopol ist, ist das natürlich auch nicht gut. Es ist aber für den Anwender natürlich deutlich einfacher. Logisch: Der lädt sich eine Sache runter und hat da alles drin. Dann muss er sich das nicht zusammensuchen. Am besten ist es natürlich auch, um ein bisschen auf das Technische zu kommen, wenn es diese Plattformen für alle möglichen Devices gibt, sprich, wenn es das eben nicht nur für Apple, sondern eben auch für Android gibt und umgekehrt. Und wenn man sich das dann nicht 169 zusammensuchen muss oder auch erklären muss, dass man anderen einfach sagt: ‚Lade dir die App XY runter – die gibt es übrigens für alle Geräte und die heißt auch nicht wo anders ganz anders.‘ Das sind also so allgemeine Sachen, die sich nicht nur auf das Tauchen beziehen. Ja, für den Anwender ist es am besten, wenn alles an einem Platz ist, aber dann hast du sehr schnell die Gefahr, dass sich ein Monopol entwickelt. Und natürlich auch vom Seitenbetreiber: Der hat ja ein großes Interesse an dem Besten, was jeder von uns zu bieten hat, nämlich das Geld. Also, entweder nutzt er dich als Werbemedium oder er möchte von dir Geld haben. Und sowas wird eben extrem schnell ausgenutzt. (546-564) I4 Das ist die Zukunft, dass das Gesamtsystem eine digitale Plattform hat, wo zum Beispiel jetzt Anbieter und Kunden miteinander darüber kommunizieren können. Ja, also, dass jemand sagt: ‚Das sind meine Interessen‘ und der kriegt dann jetzt Angebote von Tauchanbietern, die jetzt gerade in seiner Nähe diesen oder jeden Kurs im Angebot haben, zum Beispiel. Genau, das wäre jetzt so das, in dem ich die Zukunft sehen würde, in dem Bereich. (523-527) I5 Also für mich selbst, für meine Tauchaktivitäten wäre das eine integrierte Seite, die einfach die Daten von verschiedenen Sachen integriert, wie zum Beispiel die Webcams, die Wettervorhersagen und so weiter. Das wäre hilfreich und das habe ich mir auch schon selbst so ein bisschen zusammengebaut. (413-416) I2 Ja eigentlich muss die Plattform nur alle diese Plattformen integrieren, die ich gerade schon nutze: Sei es meine Bildbearbeitungssoftware, meine Tauchcomputer-App, Auswertungs-App und meine sozialen Netzwerke. Wobei ich da zögerlich bin, weil es gibt schon Ansätze das alles in eine Plattform zu integrieren, und die sind alle nicht gut. Und von da her (…) manchmal ist es glaube ich auch sinnvoll, wenn die digitalen Plattformen bei ihren Stärken bleiben und nicht versuchen alles in einen Topf zu integrieren. Also ich würde nach wie vor Social-Media-Kanal für Social Media nutzen und Bildbearbeitungssoftware für Bildbearbeitung und Computer-App für Computer, weil das funktioniert meistens nicht das alles zusammenzulegen. (391-398) I2 Man könnte es besser integrieren. Also das sind dann natürlich alles fremde Unternehmen, die dann irgendwie so - mit einem Klick kannst du dann so irgendwas da dann teilen, aber das ist dann oft nicht optimiert. Also, wenn du jetzt Apps miteinander verknüpfst und so, dann ist es oft sehr rudimentär gelöst, wie die Informationen da transportiert werden und wie die dann dort 170 angezeigt werden, weil die ja auch gar kein großes Interesse haben, ihre Netzwerke aneinander anzuknüpfen. Da könnten die Verknüpfungen einfach besser und optimaler digital gestaltet werden. (422-428) I4 Was für uns oder für mich die perfekte digitale Umgebung wäre oder auch schon ist: Wir arbeiten hier in XXX und auch in XXX mit Cloudsystemen, in dem Fall jetzt mit dem Google Workspace, einer Unternehmenslösung von Google. Also sprich eine bezahlte Version. Und da nutzen wir im Grunde ganz viele Sachen natürlich, so alles, was dahintersteckt. Das heißt wir nutzen einmal diese Cloudsysteme, wo natürlich die Mails drüber laufen, wo Daten gespeichert werden etc. auf der einen Seite. Dann, auf der anderen Seite, Warenwirtschaftssysteme, Kassen, Gutscheinsysteme, die alle digital sind. Zum Beispiel in XXX haben wir letztes Jahr während Corona alles digitalisiert. Wir nutzen also eigentlich gar kein Papier mehr. Und für mich wäre es die optimale, digitale Welt, wenn die Systeme der Tauchverbände an diese Systeme anschließbar wären. Also das bedeutet, wenn wir die Verwaltungssachen, die nun mal im Tauchen sehr stark ausgeprägt sind, auch in digitaler Form hätten. Also das bedeutet Training Record Cards – ich weiß nicht ob du die – bist du Tauchlehrerin? I: Nein. B: Okay. Also Training Record Cards sind - wenn du jetzt einen Tauchkurs irgendwo machst, dann füllt immer der Tauchlehrer gemeinsam mit dir so eine Training Record Card aus. Das heißt da wird der Ausbildungsfortschritt dokumentiert. Da steht also drauf: Du machst eine Poolausbildung von eins bis fünf und so weiter und so fort. Und am Ende wird dann unterschrieben, dass du den Kurs bestanden hast. Und das ist alles aber nicht digital, sondern in Papierform. Und das wäre für mich optimal, wenn man den Papierwust weghat. (494-514) Kommunikation - Vernetzung von Tauchcentern und Verbänden für effizientere Verwaltungsarbeiten gewünscht - Individualkommunikation zeitaufwändiger als Gruppenansprache, selbst wenn geeignetes Tools vorhanden I7 Und alleine, wenn du jetzt jeden Tag deine zehn Facebook-Messages beantwortest oder dann nochmal ein bisschen was auf Instagram, da geht schon relativ viel Zeit drauf. (314-316) 171 7.4 Transkripte 7.4.1 Interview I1 Datum: 04.11.2021 Dauer: 54 Minuten I: Bitte stelle dich und deine Tauchaktivitäten vor. 1 2 B: Ja, mein Name ist XXX, ich bin 45 Jahre alt und Tauchen ist für mich gleichzeitig 3 Hobby, aber seit ein paar Jahren auch Beruf. Ich mache jetzt seit 2005 - hauptberuflich lebe ich 4 quasi vom Tauchen. Die ersten Jahre bin ich auch teilweise im Ausland tätig gewesen, als Scuba-5 Tauchlehrerin. Und seit 2009 war ich fest angestellt in XXX und habe dann Scuba-, aber da auch 6 angefangen Freediving-Ausbildungen zu machen - hauptberuflich aber angestellt. Und jetzt, seit 7 2014, mache ich das Ganze selbstständig und hauptberuflich mit dem absoluten Fokus auf 8 Freediving. Also ich würde mal sagen, dass ich 95% Freediving, also Apnoetauchen, mache und 9 so ein ganz kleines bisschen immer noch das Scuba-Tauchen. Das ist es so im Wesentlichen. 10 11 I: Wie bist du zum Tauchen gekommen und wer hat dich dabei beeinflusst? 12 13 B: Zum Tauchen selbst: Da war ich 18 Jahre alt. Da war ich mit ein paar Freundinnen auf 14 Mallorca im Urlaub und habe da ganz klassisch so ein Schnuppertauchen im Pool gemacht 15 (lacht). Also eigentlich ganz unspektakulär, der Pool war auch einfach nur ein gekachelter 16 Hotelpool. Das hat mich aber fasziniert, dieses Schweben hat mich nachhaltig beeindruckt – 17 dieses schwerelose Gefühl. Und das wollte ich dann unbedingt weitermachen und habe dann bei 18 mir in der damaligen Heimatstadt einen Tauchverein gesucht und auch gefunden, wo ich dann 19 ganz langsam so Schrittchen weise die Scuba-Ausbildung durchlaufen habe. (…) Also einfach 20 nur die Gelegenheit im Urlaub und dieses Gefühl, dass ich unter Wasser atmen und schweben 21 konnte – das fand ich so cool (lacht). 22 23 I: Was macht ansonsten das Tauchen für dich besonders? 24 25 B: Die Ruhe – dass man wirklich auch mal abgeschnitten ist von so einem Alltagsstress, 26 den viele Leute ja haben. Aber den habe ich sicherlich auch mal hin und wieder. Da unten ist zum 27 172 Glück auch kein Handyempfang – noch nicht (lacht). Naturerlebnisse auf jeden Fall und ja, dass 28 man quasi mal so ein bisschen rauskommt. Man begibt sich in ein ganz anderes Medium, wo die 29 Menschen scheinbar nicht hingehören, aber man kann sich da ja für einen gewissen Zeitraum 30 sehr gut aufhalten und ist mal in einer ganz neuen Welt und hat ganz andere Eindrücke. Ja. 31 32 I: Das heißt, welchen Stellenwert hat das Tauchen in deinem Leben? 33 34 B: Ganz lange, oder auch immer noch Erholung auf jeden Fall, mittlerweile ja auch Beruf. 35 Deswegen beides: Also ich lebe dafür, aber auch davon. Ich würde aber trotz alledem immer noch 36 sagen, dass es mein Hobby ist. Also viele haben mir prophezeit: ‚Oje, also wenn du das 37 hauptberuflich machst, dann macht es dir ja irgendwann keinen Spaß mehr und dann brauchst 38 du ein neues Hobby‘. Aber das ist bis jetzt immer noch nicht so gekommen. 39 40 I: Okay, ja schön. Was spricht aus deiner Sicht dafür mit dem Tauchen anzufangen? 41 42 B: Also erst mal ist es leicht erlernbar. Viele denken das wäre schwer, also auch egal ob 43 man über das Freediving spricht oder auch Gerätetauchen. Viele meinen man müsste wer weiß 44 was für Anforderungen haben. Also erst mal ist es leicht erlernbar, also ist die Hürde eigentlich 45 ziemlich gering. Man muss ja gerade mal schwimmen können. Es wird immer wieder gesagt, man 46 müsste 200 Meter schwimmen können, also nicht mal auf Zeit. Die Hürde ist relativ klein, auch 47 der medizinische Background, und der Wert oder der Erholungswert ist noch viel höher. Also, 48 dass man wirklich mal diese Naturerlebnisse hat. Jetzt hört man auch immer mehr auch zum 49 Umweltschutz, zum Glück. Wenn man das selbst mal sieht, wie verschmutzt die Meere 50 mittlerweile sind, dass man sich auch mal einen Eindruck davon machen kann und auch sieht, 51 dass es quasi lohnt sich darum zu kümmern und es zu schützen. Wenn man mal von außen auf 52 das Meer schaut – die allermeisten Menschen finden es toll, das Meer auch mal von oben zu 53 sehen oder an Seen und so spazieren zu gehen. Aber wenn man den Kopf unter Wasser hält ist 54 man ja sofort in einer ganz anderen Welt, die einem sonst entgehen würde, zum einen. Und dass 55 man quasi mit eigenen Augen mal sieht, wie toll und spektakulär das ist und dass es sich lohnt 56 das auch zu schützen und so. Da sollte jeder mal – und sei es auch nur kurz oder für einen 57 Schnupperkurs oder so, dass man sich da mal reinbegibt. Das auf jeden Fall, und wenn man das 58 mal öfter gemacht hat, hat man auch einen sehr guten Erholungswert, Naturerlebnis, ja. Und man 59 muss auch nicht um die ganze Welt reisen, um sowas zu haben. Es reicht manchmal schon der 60 Baggersee um die Ecke. Ja, das denke ich sind so die wesentlichen Sachen, die mir da spontan 61 einfallen. 62 173 63 I: Beschreibe mir bitte, wie der ideale Tauchgang für dich aussehen würde. 64 65 B: Okay. Ich würde erst mal mit Scuba anfangen. Also das ist unterschiedlich würde ich 66 sagen. Also der ideale Tauchgang fängt für mich schon entspannt an. Also wenn ich jetzt selbst 67 das leite, dann versuche ich schon am Morgen, oder wenn man sich halt trifft, so ein bisschen die 68 Hektik rauszunehmen. Und wenn ich selbst als Gast mal irgendwo bin – das kommt ja immer 69 nochmal vor – dann schätze ich das auch, wenn alles entspannt ist und nicht hektisch, sodass 70 man Zeit hat in Ruhe sich vorzubereiten, sein Equipment vorzubereiten. Dazu gehört meiner 71 Meinung auch ein gutes, ausführliches Briefing, dass man so ein bisschen weiß, was auf einen 72 zukommt. Und obwohl ich selbst jetzt auch bei beidem, Geräte- und Apnoetauchen, viele 73 Erfahrungen habe, stresst mich das glaube ich ein bisschen, wenn ich nicht weiß was auf mich 74 zukommt. ‚Springen wir dann mal rein und sehen ja dann, was passiert‘ – finde ich doof. Und das 75 wird auch teilweise so nicht wirklich gemacht. Also, dass da Wert auf Ruhe und Entspannung 76 gelegt wird, und dass man vorher schon so in etwa weiß, was einen unter Wasser erwartet. 77 Unvorhergesehenes kommt ja schon oft genug noch trotzdem dazu, aber dass man wenigstens 78 grob weiß wie der Plan ist. Und dann brauche ich es auch gar nicht unter Wasser, dass immer 79 etwas spektakulär ist, sondern wirklich einfach nur Ruhe, Entspannung, dass ich da vor mich 80 hintreiben kann. Ich selbst mag auch sehr - wenn ich zum Beispiel im Meer tauche, was ich auch 81 am allerliebsten mache - dass ich das große Ganze beobachten kann. Natürlich gucke ich mir 82 auch die Tiere an und aber ich lass mich auch ganz oft gerne so ein bisschen zurückfallen von 83 der Gruppe oder schwimme so ein bisschen weiter weg vom Riff und gucke mir das große Ganze 84 gerne an, dass ich das Gesamtbild habe. Das mag ich sehr. Ja, und wenn man genau so die 85 Tauchgänge angeht, dann sind die auch entspannt und ruhig und alle kommen mit einem breiten 86 Grinsen wieder aus dem Wasser raus, so wie ich selbst auch. Also da brauche ich gar nicht 87 unbedingt spektakuläre Begegnungen mit Haien und Walen. Die nehme ich natürlich auch gerne 88 mit (lacht), aber es muss gar nicht unbedingt sein. Also einfach mal unter Wasser für eine Stunde, 89 eineinhalb, in die andere Welt abtauchen, buchstäblich, finde ich toll. 90 Beim Freediving ist es natürlich von der Entspannung umso mehr der Fall, dass man das ruhig 91 und entspannt angehen muss. Das weißt du selbst auch: Da kommt es noch mehr auf Ruhe und 92 Entspannung an, dass man da schon mit dem richtigen Mindset reingeht und nicht denkt: ‚Oh ich 93 muss jetzt unbedingt die und die Tiefe schaffen oder die und die Dauer unter Wasser sein‘ dass 94 man einfach mal das Ergebnis offenlässt und wirklich den Fokus auf Ruhe und Entspannung legt. 95 Und dann, je nachdem was es für ein Tauchgang ist: Wenn ich jetzt im Ausland bin und mir einfach 96 mal ein schönes Riff angucken will, dann ist es das gleiche wie ich es gerade beim Scuba-Tauchen 97 beschrieben habe. Wenn ich allerdings jetzt einfach mal ein Seil habe, die Tiefe und einen guten 98 Trainingspartner und einen Tieftauchgang machen kann - was für mich jetzt Tieftauchen ist, das 99 174 ist nochmal ein ganz anderer Ansatz – dann ist es auch gar nicht wichtig, ob das dann 40, 50 100 oder sogar 60 Meter Tiefe sind. Wenn ich quasi den Tauchgang, den ich tagesaktuell 101 vorgenommen habe, schaffe und es schaffe den Fokus zu behalten, und den genauso bis zum 102 Ende durchtauchen kann, wie ich es mir vorgenommen habe, dann macht mich das wirklich sehr 103 glücklich. Also das kann jetzt im Moment ein 40 Meter-Tauchgang sein und wenn ich ein bisschen 104 geübt habe, dann auch gerne mal ein paar Meter mehr, aber das ist letztendlich zweitrangig. Also, 105 dass ich den Tauchgang so geschafft habe, wie ich es mir vorgenommen habe, mit der 106 individuellen Tiefe, dann ist das das, was quasi das Ziel des Tauchgangs ist: Den Fokus zu 107 behalten, genau, in dem Moment zu bleiben – das ist schon alles was man braucht. 108 109 I: Jetzt hattest du beim Tieftauchen im Freediving den „guten Trainingspartner“ 110 angesprochen. Nochmal auf das Tauchen allgemein bezogen: Kannst du näher erläutern, welche 111 Rolle dein Buddy und auch das Tauchteam spielen? 112 113 B: Ja, einen sehr großen: Auch da würde ich jetzt wieder so ein bisschen differenzieren, 114 ob Freediving oder Gerätetauchen. Beim Scubadiving hat man ja im Kurs gelernt: Niemals alleine. 115 Und da ist ein Buddy für mich – also ich bin jetzt auch wirklich Fortgeschrittene, ich kann das ja 116 mal kurz erwähnen: Ich habe weit über 4000 geloggte Scuba-Tauchgänge, also ich brauche jetzt 117 nicht unbedingt den Buddy, um das Boot wiederzufinden und den Einstieg wiederzufinden. Und 118 die Flaschen und so, das habe ich alles ganz gut selbst im Griff. Aber dennoch kann einem ja 119 immer etwas unter Wasser passieren, das man doch mal Hilfe braucht. Deswegen würde ich auch 120 ungerne ohne Buddy tauchen. Um die Sicherheit zu gewährleisten. Man kann ja jetzt auch ein 121 ganz anderes Problem unter Wasser haben, was gar nicht unmittelbar mit den Sachen zu tun hat, 122 die einem vielleicht so spontan einfallen. Also ich könnte jetzt auch Kreislaufprobleme bekommen 123 oder so, die ich vielleicht auch über Wasser hätte. Dann ist es ja auch gut einen Buddy zu haben. 124 Ich habe zum Beispiel aber auch Fortbildungen gemacht, also quasi so eine Solo-125 Tauchausbildung. Also ich könnte rein theoretisch, und dürfte eigentlich auch, alleine Scuba-126 tauchen. Mache ich aber auch aus einem ganz anderen Grund ungern. Also es ist erstmal auch 127 einfach schön die Erlebnisse, die man dann unter Wasser hat, zu teilen. Ich würde das irgendwie 128 schade finden, wenn ich jetzt unter Wasser bin, tolle Erlebnisse hatte, und tauche wieder auf und 129 hätte keinen mit dem ich das so teilen könnte. Das kennen viele Taucher: Man ist noch nicht ganz 130 mit dem Kopf wieder aus dem Wasser und dann: ‚Haste das gesehen, haste das gesehen und 131 war das nicht cool?‘ – das würde mir auch total fehlen muss ich sagen. Und natürlich auch so 132 Kleinigkeiten wie: Wer macht einem den Reißverschluss zu, wenn der auf dem Rücken ist? Da 133 kommt man ja selbst schlecht dran. Also dafür würde ich sagen, würde mir auch beim 134 Gerätetauchen, beim Scubadiving, der Tauchpartner total fehlen. 135 175 Beim Freediving ist es absolut unerlässlich. Das kann man wirklich niemals ohne Buddy machen! 136 Auch, ich war gestern zum Beispiel noch mit XXX tauchen. Du wirst sie kennen, also, dass sie 137 gerade auch Weltmeisterschaften gewonnen hat, Weltrekorde taucht um die 100 Meter Tiefe. 138 Und mit ihr hatte ich mich gestern im XXX für so einen kleinen Fernsehdreh getroffen. Und sie hat 139 auch nochmal betont, dass auch sie wo sie ja deutlich, also das x-fache von der Tiefe vom 140 Tauchturm tauchen kann - nochmal doppelt so tief wie ich im Prinzip - auch nie in XXX wo es nur 141 20 Meter tief ist, alleine tauchen würde. Deswegen war ich dann dabei, um das Ganze auch 142 abzusichern und auch zu filmen. Man kann man sich nie sicher sein. Auch wenn man sehr, sehr 143 viel Erfahrung hat und schon viel mehr Tiefe, Strecke, Zeit getaucht ist, kann man sich nie sicher 144 sein. Aus Sicherheitsgründen ist da ein Tauchpartner, zusätzlich auch aus den vorhin genannten 145 Gründen, wirklich lebenswichtig in dem Sinne. 146 147 I: Welche persönlichen Merkmale kennzeichnen deiner Meinung nach den Typ Apnoe- 148 und den Typ Gerätetaucher? 149 150 B: (lacht) Sehr gute Frage. Also beim Gerätetauchen hat man auch die ganze Bandbreite. 151 Rein theoretisch könnte man das schon ab acht Jahren beginnen, wäre sehr früh natürlich, bis 152 hin ins hohe Alter. Erst mal von der ganzen Bandbreite auch völlig berufsübergreifend. Da hast 153 du alle dabei. Viele wollen wirklich auch einfach mal – sie lernen dann tauchen, um dann auch 154 mal mit Haien zu tauchen. Sie suchen dann auch oft dieses Spektakuläre, um vielleicht mal Wale 155 unter Wasser gesehen zu haben. Oder auch einfach die Gelegenheit, wenn sie in so einem Urlaub 156 im Urlaubsort am Strand liegen und dann ist denen vielleicht langweilig und dann ist da so eine 157 Tauchbasis, dass sie dann einfach mal so von der Gelegenheit her mitgehen oder einen 158 Tauchschein oder Tauchkurs machen. Also vom Typ her (…) wie soll ich das sagen? Also noch 159 mehr die ganze Bandbreite. Vielleicht auch jemand, der das nur alle paar Jahre einmal macht, die 160 an irgendeinem schönen Urlaubsort sind, wo das Wasser auch so schön und auf jeden Fall warm 161 ist. Eher würde ich sagen, um Tiere zu sehen, um die Unterwasserlandschaft zu sehen, um schön 162 bunte Riffs sich anzuschauen. 163 Beim Freediving, beim Apnoetauchen, hat man mehr Leute, die mehr auch Wert auf das ganze 164 Lifestyle-Drum-Herum legen. Also auch da hat man Leute, die das einfach nur mal machen wollen, 165 ja, aber nicht ganz so sehr wie beim Scubadiving. Ganz oft hat man beim Freediving Leute, die 166 also auch sportlicher sind, würde ich mal so sagen. Hilft ja auch beim Freitauchen. Das ist ja auch 167 ein bisschen körperlicher als beim Scuba-Tauchen, da muss man eigentlich, wenn man das 168 Tarieren draufhat (…) rein theoretisch müsste man nicht mal schwimmen können. Es hält einen 169 ja über Wasser. Ist natürlich Voraussetzung, auch, aber, wenn man das tariert, geht das. Also 170 körperlich muss man weniger können als beim Freediving. Und das zieht dann auch einfach Leute 171 an, die so ein bisschen sportlicher sind, würde ich mal so sagen. Vielleicht auch nicht unbedingt, 172 176 fängt an mit dem Rauchen zum Beispiel: Beim Gerätetauchen sehe ich immer wieder auch Leute, 173 die mal ein bisschen übergewichtig sind. Das hat man beim Freediving weniger, die Raucher sind, 174 das hat man beim Freediving weniger. Das zieht sich auch in die Ernährung mit hinein. Wenn ich 175 jetzt weiß, ich will heute noch tauchen gehen, also Freediving machen, dann zieht sich das auch 176 zum Beispiel, was ich jetzt zu mir nehme, komplett durch. Ich kann natürlich auch tauchen gehen, 177 wenn ich Currywurst gegessen habe, aber es fühlt sich einfach nicht so gut an. Beim 178 Gerätetauchen wird das eher verziehen. Weil, das ist vielleicht auch etwas unangenehmer, wenn 179 man den Bauch voll hat, man was Schweres gegessen hat, was nicht so leicht verdaulich ist und 180 so weiter. Das kann man beim Gerätetauchen eher mal verkraften, beim Freediving hindert einen 181 das schon eher. Und das zieht sich dann durch mit allem. Also ich biete ja zum Beispiel auch so 182 Safaris an. Wenn man jetzt mal so Safaris hat, wo nur Gerätetaucher an Bord sind, dann wird in 183 der Regel richtig viel geraucht, abends wird nicht nur ein Bier getrunken, sondern mal mehrere 184 Biere sich in den Kopf gekippt. Das ist beim Freediving viel, viel weniger der Fall, weil alle wissen: 185 ‚Oh ich will am nächsten Tag wieder tauchen, da sollte jetzt mal ein zwei Bier trinken, auf jeden 186 Fall nicht mehr oder mal gar nicht‘. 187 Witzige Anekdote, bei der allerersten Freediving-Safari, die ich zusammen mit der XXX organisiert 188 habe. Man muss wissen: Sie macht das seit 25 Jahren oder noch länger. Sie bietet immer Safaris 189 im Roten Meer an. Auch hauptberuflich. Und dann war diese erste Freediving-Safari und da war 190 am Ende der Woche kein Tee mehr da (lacht). Und sie hat sich totgelacht, weil normalerweise, ja 191 dann gehen mal die Biervorräte zu Ende oder so, aber dass kein Tee mehr da ist gibt es eigentlich 192 gar nicht. Und dann hatte sie das erste Mal das, dass nach einer Woche einfach kein Tee mehr 193 da war und das Bier war noch bis obenhin voll. Und da hat sie gedacht: ‚Was ist denn hier los?‘ 194 Und auch der ganze Ablauf ist ja anders, dass man eben, von den Sachen, die man isst, dass das 195 quasi gesund ist und dass das nicht so schwer im Magen liegt. Das zieht sich durch. Und vor allen 196 Dingen auch das mit dem Rauchen habe ich auch beobachtet, dass auch viele, leider auch 197 erfahrene Taucher, die anspruchsvolle Scuba-Tauchgänge machen, doch nicht unbedingt so 198 einen Lebenswandel führen, wie das vielleicht auch besser wäre - also gesund wäre, auch fürs 199 Tauchen, unabhängig davon, dass das ja auch im Alltag gesünder wäre. Also von dem, was die 200 jetzt zu sich nehmen: Essen, Trinken, Alkohol und Rauchen – das hat man deutlich weniger bei 201 den Freedivern. Und auch natürlich so Sachen, wie Yoga, Stretching, Atemübungen, was der 202 Gesundheit und der ganzen Entspannung ja zuträglich ist, das ist natürlich beim Freediving ein 203 viel höheres Thema und das macht man auch oft nicht nur unmittelbar vor den Tauchgängen, 204 sondern viele integrieren das dann auch allgemein in ihr Leben. Dass man mal ein bisschen 205 achtsamer ist mit sich selbst, sich mal Zeit nimmt für sowas. 206 207 I: Welches unter Wasser beobachtete Verhalten ärgert dich? 208 209 177 B: Also auf jeden Fall hatte ich gestern noch ein Gespräch auch mit einem Tauchlehrer-210 Kollegen: Wenn einige Taucher so überhaupt keinen Wert auf die Umwelt legen. Also, dass die 211 vielleicht gar nicht selbst so reflektiert sind und dass die gar nicht merken, dass sie zum Beispiel 212 mit der Flosse schon ins Riff kommen, dass sie da was abbrechen, teilweise andere Mittaucher 213 auch stören. Das ist oft auch weil sie selbst noch sehr unerfahren sind und das gar nicht selbst 214 merken. Folglich haben diese Menschen dann auch eine schlechte Selbsteinschätzung, 215 überschätzen sich, haben dann in der Regel schon mal direkt die Kamera mit dabei oder irgendwie 216 filmen alles, fotografieren alles, kommen aber im Prinzip mit sich selbst noch gar nicht klar und ja, 217 dann passiert das schon mal, dass sie das Riff kaputt machen oder Teile vom Riff kaputt machen 218 oder auch einfach mal andere Taucher mit der Flosse treffen und das nicht mal merken. Das ist 219 ja quasi der Beweis, dass sie noch gar nicht dafür bereit sind. Wenn man die dann darauf 220 anspricht, sind die häufig, wenn sie dann noch nicht mal einsichtig sind und denken: ‚Ja ich bin ja 221 eh der Geilste‘, dann ärgert mich das sehr. Es kann ja immer mal passieren, dass ausversehen 222 das passiert, wenn man dann aber nach dem Gespräch das immer noch nicht einsieht, das ärgert 223 mich dann sehr. 224 225 I: Was ist aus deiner Sicht die Ursache für dieses Problem? 226 227 B: Selbstüberschätzung. (…) Das kann man nicht immer an einer Tauchgangszahl 228 festmachen. Es gibt bestimmt talentierte Leute, die nach 10-20 Tauchgängen schon ein ganz 229 gutes Gefühl dafür haben, tarieren können, oder auch beim Freediving, dass man weiß: ‚Oh, ich 230 habe jetzt noch mal Flossen an den Füßen, die sind dann nochmal 80-90 cm länger und ich habe 231 das noch nicht so gut im Griff. Da bleibe ich mal lieber noch ein bisschen weiter weg vom Riff.‘ 232 Einige lernen es auch nach hunderten von Tauchgängen nicht. Und ich glaube das ist auch eine 233 Einstellung, ob man das überhaupt will und wie der Fokus ist. Es gibt Leute die sagen: ‚Oh das 234 Wichtigste ist, dass ich jetzt ein gutes Foto im Kasten habe, oder dass ich gut auf den GoPro-235 Videos rüberkomme.‘ Ja, das ist meistens dann zum Nachteil vom Naturschutz oder der 236 Mittaucher. Habe ich schon oft beobachtet. 237 238 I: Inwiefern wird das individuelle Tauchverhalten von außen beeinflusst? 239 240 B: Du hattest ja eingangs gesagt, dass es auch Richtung Medien oder Mediennutzung 241 ist. Also, je mehr Instagram und Co. da auch eine Rolle spielen, da wollen sich die Leute ja selbst 242 so darstellen. Ich habe ja auch tauchen gelernt, da gab es das alles noch gar nicht. Da hatte man 243 vielleicht eine Kamera dabei, eine analoge noch mit einem Film, da hatte man dann vielleicht mal 244 178 auf echtem Film ein Foto. Das ist ja alles noch gar nicht so durch die Presse gegangen. Da hat 245 man wirklich mehr für sich selbst getaucht, um selbst schöne Erlebnisse zu haben und vielleicht 246 mit dem Tauchpartner das zu teilen. Inzwischen ist das natürlich durch die ganzen sozialen 247 Medien, jeder kann mit einem Knopfdruck das direkt hochladen, und da geht es immer mehr auch 248 um die Außenwirkung, dass man sich präsentieren will, wie toll man doch da wieder unter Wasser 249 war, und welche tollen Tiere man vielleicht da unten gesehen hat unter Wasser. Ja, das kippt 250 tatsächlich mehr von der Selbstwahrnehmung und von dem Selbsterlebnis, dass man das macht, 251 um andere Leute zu beeindrucken, vielleicht. Und sich selbst als tollen Hersteller, als tollen 252 Taucher darzustellen. Das ist auf jeden Fall mit der Zunahme der sozialen Medien deutlich zu 253 beobachten. Es ist ja auch so einfach jetzt geworden. 254 255 I: Ja absolut. Zu diesem Punkt kommen wir gleich nochmal in einer anderen Frage. Davor 256 noch: Welche Rolle spielen deiner Meinung nach die Tauchbasen und die Tauchguides vor Ort? 257 258 B: Ja auch einen sehr großen. Also ich habe ja auch schon mal, auch im Ausland, als 259 Guide und so gearbeitet. Und ja, das war so 2005. Da gab es noch nicht so viel mit Instagram 260 und Facebook. Ich glaube das gab es da auch gar nicht so. Zumindest hatte ich das sicher noch 261 nicht. Und ich habe schon – ich würde mal sagen ich war schon etwas strenger, weil ich versucht 262 habe, die Gruppe absolut unter Kontrolle zu haben. Ich habe nicht zugelassen, dass die dann 263 einfach tiefer tauchen und Sachen anfassen. Da habe ich auch unter Wasser schon durchgesetzt, 264 dass die so etwas nicht tun. Wenn das nicht gelungen sein sollte in seltenen Fällen, dann gab es 265 aber oben eine Ansage. Also das habe ich auf jeden Fall durchgesetzt. Ich weiß, dass viele das 266 etwas lockerer sehen als ich. Das hat auch dazu geführt, dass einige dann nicht mehr gekommen 267 sind. Die denken: ‚Ich bin hier im Urlaub. Wenn ich das anfassen will, dann fasse ich das an.‘ Also, 268 dass die das dann irgendwo anders machen. Das hat mein Chef damals dann auch befürwortet. 269 Der war selbst auch streng. 270 Kleines Beispiel, das hat jetzt mit Naturschutz wenig zu tun: Das war von meinem damaligen Chef 271 auf Mallorca, der hat damals auch es zum Beispiel nur akzeptiert, wenn man ein ärztliches Attest 272 hatte. Dann hatte er die Leute immer rausgeschickt und diesen medizinischen 273 Selbstauskunftsbogen hatte er beispielsweise gar nicht akzeptiert, was ja eigentlich heutzutage 274 Usus ist, dass man sagt: ‚Ach gib halt schnell den Bogen, dann fülle ich das aus‘. Der hatte die in 275 jedem Fall zum Arzt geschickt und wenn die das nicht wollten, haben die dann bei uns nicht 276 getaucht. So. Also der war da auch selbst sehr konsequent. 277 Ich sehe das oft, wenn jetzt zum Beispiel, also ich war ja hauptsächlich Mittelmeerraum, also in 278 Europa als Diveguide zuständig. Ich sehe das oft in Ländern wie Asien zum Beispiel, wo die lokalen 279 Diveguides auch einfach selbst nicht so viel Geld haben und auch viel auf Trinkgeld angewiesen 280 179 sind. Also ich habe zum Beispiel auch überhaupt gar kein Trinkgeld bekommen. Da wusste ich 281 vorher. Da musste ich denen ja auch nicht in den Arsch kriechen. Das ist ja auch nicht so, dass 282 wenn jetzt jemand mehr oder weniger oder vielleicht überhaupt kein Gehalt kriegt, oder nur von 283 Trinkgeldern abhängig ist, dann gucken die schon mal nicht so hin. Dann wollen die halt in erster 284 Linie, dass die Gäste zufrieden sind. Und das ist nicht immer gut für die Natur. Also man kennt 285 das dann auch öfter, um ein schönes Foto zu haben, das Beispiel mit diesen Kugelfischen, dass 286 dann der Guide sogar den Kugelfisch nimmt und dann plustert der sich ja so auf, weil er ja 287 Todesangst hat. Und dann wird der Kugelfisch rumgereicht, dann kann jeder mal ein Foto 288 machen. Und dass der höchstwahrscheinlich danach stirbt, weil die nur ein- oder zweimal können 289 - und dann kriegen die wirklich so einen Herzkasper. Das ist meistens das einzige und das letzte 290 Mal, dass der Kugelfisch das gemacht hat. Das sieht dann vielleicht lustig aus oder so. Ja, ich 291 weiß auch nicht, inwieweit die Guides das auch immer so wissen. Oder dann ist das denen 292 vielleicht egal, Hauptsache es gibt nachher ein schönes Trinkgeld. Da muss man vielleicht auch 293 mehr aufklären. Einige lokale Diveguides passen da auch sehr viel drauf auf, aber eben nicht alle. 294 Das habe ich auch schon anders gesehen, dass die auch teilweise nicht mit einem guten Beispiel 295 vorausgehen. 296 Es gibt auch so das Beispiel mit der Muräne. Generell sollte man ja nichts unter Wasser anfassen. 297 Zum einen kann man sich ja selbst gefährden. Es gibt immer mal wieder Bilder, wo jemand – auch 298 die Diveguides – eine Muräne streicheln. Da könnte man denken: ‚Boah, ist der mutig.‘ Wenn die 299 Muräne dich einmal beißt, selbst, wenn die dir nicht direkt den Finger abbeißt, könnte die 300 durchaus - die sind ja manchmal so Oberschenkel-dick. Die können durchaus mal 2-3 Meter dick 301 werden, groß werden. Die können ja auch mal schnell einen Finger abbeißen, aber selbst, wenn 302 die dir nicht den Finger abbeißen, sondern nur beißen: Man weiß ja, dass die Zähne wirklich so 303 Bakterien haben. Das wird sich höchstwahrscheinlich sehr, sehr schlimm entzünden und 304 infizieren, dass man da im Nachhinein richtig Probleme bekommt. Aber vor allen Dingen schädigt 305 man ja der Muräne, weil die ja so eine Schleimschicht haben. Alle Fische haben ja Schuppen oder 306 eine Schleimschicht. Und wenn man die anfasst, macht man zum Teil diese Schleimschicht ab 307 und dann können sich Bakterien und Pilze einnisten. Und auch, wenn man nicht direkt sieht, dass 308 man die jetzt geschädigt hat – im Nachhinein schädigt man die aber schon über einen längeren 309 Zeitraum. Also es ist überhaupt keine coole Aktion Fische unter Wasser anzufassen. Sollte man 310 generell nie machen und doch sieht man es ganz oft. Und wenn es dann der Diveguide vormacht, 311 dann machen es oft auch die Kunden oder die Gäste, die man dann durchs Riff führt, nach. 312 Schlechtes Vorbild. Also diesen Vorbildcharakter darf man überhaupt nicht unterschätzen. Man 313 muss als Tauchlehrer oder als Diveguide sich umso mehr an diese ganzen Verhaltensregeln 314 halten. Wenn man so ein bisschen durchblicken lässt, dass das vielleicht doch so okay sein 315 könnte, dann machen es die auf jeden Fall auch nach. Also man muss halt noch pingeliger, noch 316 penibler sein, noch mehr darauf achten, dass man kopiert wird. 317 318 180 I: Jetzt kommen wir zur Kommunikation im digitalen Zeitalter, also zu dem, was du schon 319 angeschnitten hast. Über welche Kanäle erreichst du mit deinen Aktivitäten rund ums Tauchen 320 andere Taucher? 321 322 B: Ja, also auf Facebook bin ich auf jeden Fall, mache ich immer noch viel. Ich habe also 323 generell meinen persönlichen Facebook-Account, aber auch nochmal so eine professionelle 324 Seite, wo ich meine Tauchschule habe, und zum Beispiel geplante Kurse, geplante Reisen 325 veröffentliche. In der Hoffnung, dass ich damit Leute erreiche, dass sie sich damit einbuchen. 326 Mehr, wo ich immer mal wieder so kleine Fotos und Videos poste, ist auf Instagram. Da promote 327 ich eigentlich weniger Tauchkurse, sondern eher so: ‚Ach, guck mal: Ich war hier, ich war da‘ oder 328 dass ich mal Fotos, jetzt zum Beispiel auch XXX diesen Dreh mit RTL mit der XXX, dann – das 329 habe ich zum Beispiel jetzt mal nicht auf Facebook gepostet, sondern einfach ein-zwei Making-330 Off-Fotos in die Story bei Instagram, dass man sieht, dass ich aktiv bin – mal eher so 331 Schnappschüsse, mal Fotos, ja. 332 Also Facebook, Instagram, ich habe natürlich auch eine Homepage. Das ist auch eher, um 333 Termine und so zu veröffentlichen. Da sehe ich aber, dass ich da gar nicht mal so viele Leute 334 erreiche über die Homepage. Das geht eher doch über Facebook und Instagram. Dass auch da 335 Leute, die mich noch nicht kennen, finden und über die Schiene vielleicht dann auch irgendwann 336 mal eine Reise mit mir machen oder auch mal ein Coaching oder so. Ich überlege gerade: Es geht 337 ja jetzt um die sozialen Medien, oder? Und auch um Digitales, also Facebook, Homepage, 338 Instagram. 339 Ich habe auch Xing und LinkedIn und sowas alles, aber da ist natürlich wenig, da poste ich wenig 340 regelmäßig. Da habe ich nur auch mal Accounts gemacht. Google – da habe ich auch mal einen 341 Google-Account, aber darüber finde ich noch weniger. Aber das ist hauptsächlich, würde ich 342 sagen, Facebook und Instagram. 343 344 I: Gibt es Unterschiede in deiner Art zu kommunizieren, je nachdem wen genau du 345 ansprichst? 346 347 B: Kannst du die Frage nochmal spezifizieren? 348 349 I: Ja. Also wen genau, im Sinne von: Hast du Unterschiede in deiner Ansprache zum 350 Beispiel für Scuba- und für Freitaucher? 351 352 181 B: Da muss ich mal kurz überlegen. Also ich mache das auf jeden Fall nicht bewusst 353 (lacht). Ich glaube zum Beispiel, also, wenn man weiß, dass ich eigentlich viel länger 354 Gerätetauchen mache - ich komm da auf 28 Jahre - und Freediving ja weniger, ich aber jetzt den 355 Fokus auf Freediving mache und dadurch auch mehr Freediving (…) das ist ja so ein Kreislauf. 356 Dann deswegen: Ich mache ja mehr Freediving, deswegen poste ich auch mehr Freediving 357 Sachen und spreche dann automatisch wieder mehr Freediver an. 358 Jetzt zum Beispiel war ich neulich mal wieder mit meinem Patenkind Gerätetauchen. Da habe ich 359 dann auch mal ein paar Fotos gepostet, und dann kommen natürlich wieder mehr Anfragen für 360 Scuba. Also das ist eher eigentlich, dass – ich könnte das forcieren wie ich wollte, glaube ich. 361 Wenn ich jetzt unbedingt sage: ‚Ach, ich habe wieder mehr Lust auf Gerätetauchen‘, dann müsste 362 ich da nur einfach mehr posten. Ich glaube, wenn man sieht, dass ich auch Gerätetauchkurse 363 anbiete, Indoor, auch unterwegs, auf Reisen, ich glaube dann würde das sich auch mehr 364 wiedereinstellen. Ich glaube das ist so: Je nachdem, was ich mehr veröffentliche, da finden sich 365 dann die Leute wieder. Ich könnte das auch bewusst steuern, ja, mache ich aber glaube ich nicht 366 bewusst. (lacht) Natürlich denke ich immer ein paar Monate im Voraus mit Kursen und Reisen. 367 Wenn ich jetzt zum Beispiel meine Azorenreise nächstes Jahr im Juni promoten will, dann poste 368 ich da natürlich Fotos von Haien und wo Freediver mit Haien unterwegs sind und Freediver in 369 tollen Caves unterwegs sind, in der Hoffnung, dass ich dann auch die Reise mit 5, 6, 7 Leuten 370 vollbekomme. Da hätte ich jetzt nicht viel von, wenn ich Fotos poste, wo ich mit Scubas unterwegs 371 bin. Wenn ich jetzt gerade diese Reise promoten will. Das ist immer mit ein bisschen Vorlauf. Ja, 372 ich hoffe das hat deine Frage beantwortet. 373 374 I: Ja, absolut. Bezogen auch auf deine privaten Tauchgänge: Welche digitalen 375 Plattformen und sozialen Netzwerke nutzt du da für die Kommunikation mit anderen Tauchern? 376 377 B: Um mich selbst auch zu informieren: Tatsächlich mehr auch Facebook. Da bin ich 378 auch in so ein paar Gruppen aktiv. Da gibt es ja unzählige Facebook-Gruppen. Auch da, um zum 379 Beispiel vor Ort einen Trainingspartner zu finden, wenn ich zum Beispiel weiß: Ich bin in Ägypten, 380 möchte noch eine Woche länger bleiben, um mal selbst für mich auch zu trainieren. Da gibt es 381 zum Beispiel Gruppen, wo man einfach auch mal sagen kann: ‚Hallo ich bin der und der, ich bin 382 in einer gewissen Zeit an einem gewissen Ort und suche noch einen Trainingspartner, der so in 383 etwa in so einer Bandbreite auch unterwegs ist‘. Also über Facebook durchaus. Das ist natürlich 384 gar nicht so was bei Instagram. Da ist das mehr so Effekthascherei kann man sagen, wo man 385 schöne, coole Fotos sieht. Aber da erwarte ich weniger Information. Das ist eher, dass man sich 386 schöne Fotos angucken kann. Tatsächlich Workshops, Kurse, gute Trainingspartner würde ich 387 eher über Facebook oder halt einfach recherchiert über Suchmaschinen, um dann auf 388 Homepages zu kommen, und dann auch herauszufinden, wer da jetzt der geeignete 389 182 Ansprechpartner vor Ort wäre. Oft ist es dann so, dass ich tatsächlich dann doch eher auf 390 Empfehlungen reagiere, dass ich weiß: ‚Ich kenne die Person schon oder ich kenne jemanden, 391 der die Person schon kennt‘, als dass ich mich jetzt einfach nur von schönen Bildern leiten lasse. 392 Vielleicht liegt es auch einfach nur daran, dass ich noch nicht so ein Digital Native bin. Sodass ich 393 dann eher denke: ‚Das hat mir gut gefallen‘, dass ich mich dann eher auf Aussagen mehr verlasse, 394 als dass ich irgendwie coole Fotos sehe. 395 Da wurde ich übrigens auch schon mal in die Irre geleitet. Das kann ich vielleicht in dem 396 Zusammenhang mal erzählen: Da war ich auf Sansibar. Oder ich war vorher in Tansania auf einer 397 ganz normalen Großwildsafari im Nationalpark und wir haben noch eine Woche Strandurlaub auf 398 Sansibar drangehängt. Also zum Tauchen sollte noch eine Woche drangehängt werden. Ich habe 399 dann im Internet recherchiert und auch eine Internetseite gefunden, wo hunderte tolle Freediving 400 Fotos gezeigt wurden, mit Großfischen, mit Segelfischen. Hieß auch irgendwie ‚Blue Water 401 Freediving‘ und richtig tolle Freediving Bilder und das war nachher eine Vollkatastrophe. Also 402 abgesehen davon: Es hat wirklich überhaupt nicht gut funktioniert. Die ganze Kommunikation vor 403 Ort war nicht gut. Die beiden Instruktoren vor Ort habe ich am Tag vorher noch eine Bong am 404 Strand durchziehen gesehen, also eine Haschisch-Pfeife. Und entsprechend chaotisch war das 405 dann auch am nächsten Tag. Das habe ich dann – einmal und nie wieder war ich mit denen 406 tauchen. Und es war weit weg von dem, was uns da auf der Internetseite empfohlen wurde. Also 407 deswegen, mehr persönliche Empfehlungen oder dass ich die Person schon kenne oder 408 wenigstens jemanden kenne, der die Person schon kennt. 409 Ich glaub da kann man auch oft, da kann man sich toll präsentieren und was dahintersteckt, weiß 410 man immer erst nachher. 411 412 I: Welche auf das Tauchen bezogenen Fachbereiche und Inhalte wecken dein Interesse? 413 414 B: Ja, also beim Gerätetauchen schätze ich es sehr, wenn die Guides vor Ort sich auch 415 sehr gut mit der Flora und Fauna auskennen, dass die einem auch viel drüber erzählen können. 416 Ein sehr, sehr gutes Beispiel - das hat mir super gut in Indonesien gefallen: Lembeh Straight. Da 417 gibt es viele, viele gute, die hatten sehr, sehr gute Guides, die waren zum Teil auch wirklich 418 Biologen. Also das waren nicht irgendwelche Leute, die einfach gut tauchen können und sich 419 auskennen, sondern die hatten sich nach den Tauchgängen noch mit uns zusammengesetzt. 420 Anhand der Fotos, konnten sie dir den lateinischen Namen sagen und ganz viel über 421 Verhaltensweisen erklären. Das hat mich immer sehr beeindruckt und da hatte ich super viel 422 dazugelernt. Das wäre für mich auf jeden Fall ein Grund auch wieder da zurück zu gehen. Und 423 das Gleiche – ich selbst fotografiere jetzt nicht unbedingt unter Wasser, mein Mann aber schon – 424 das Gleiche hatten die auch für Foto. Die hatten da sehr viele gute Fotospezialisten, die dann 425 183 einen auch – also erst mal hatten sie auch für die ganzen Fotografen dann extra große 426 Kameraequipment-Räume, wo die Sachen dann da sehr gut gelagert werden konnten. Und dann 427 auch gleich die ganzen Ladegeräte – das ist ja eine Materialschlacht – dass die ihre ganzen Blitze 428 und was noch nicht alles laden konnten. Man musste dann auch nicht alles auf sein kleines 429 Hotelzimmer mitschleppen. Und wenn man mal ein kleines Problem hatte mit der Technik, dann 430 war da auch immer jemand vor Ort, der sich damit ausgezeichnet auskannte. Das hat mich jetzt 431 nicht ganz so angesprochen, mein Mann war aus dem Häuschen. (lacht) Und das würde auch 432 wirklich viele Unterwasserfotografen und auch auf ganz professionellem Level sehr ansprechen, 433 wenn das abgedeckt wird. Mich persönlich hat das total fasziniert und beeindruckt, wie gut die 434 sich auch alle mit den Tierchen da, also Flora, Fauna, auskannten. Die konnten jede Frage wirklich 435 ausschöpfend beantworten. Das war super. Also die waren sehr, sehr gebildet und gerade in dem 436 Bereich. Wirklich viele hatten sogar Doktortitel und haben da als Guide gearbeitet. Kannst du 437 natürlich nicht immer erwarten, aber das hatte mich natürlich schon sehr beeindruckt. Deswegen 438 wäre das auf jeden Fall ein Grund wiederzukommen. Ist leider jetzt nicht gerade um die Ecke und 439 deswegen auch teuer, also die Anreise. Aber die Tauchgänge waren gar nicht viel teurer als 440 anderswo, deswegen. Also sowas würde mich als Kunden binden und deswegen würde ich die 441 aus gutem Grund auch immer weiterempfehlen. 442 443 I: Und das Ganze dann wieder auf das Digitale bezogen: Wie müssten digitale Inhalte 444 präsentiert sein, damit du ihnen tatsächlich deine ganze Aufmerksamkeit schenkst? 445 446 B: Ja, wenn man jetzt auch da nicht nur schöne Fotos hat, die gut ausgeleuchtet sind 447 und so, also nicht nur technisch gut Fotos und Filme rüberbringt - ich finde da gibt es mittlerweile 448 sehr viele gute – sondern auch ein bisschen Content dabei hat. Dass man Facts, kleine Sachen, 449 die man immer noch dazulernt, in Häppchen dazu serviert bekommt. Das ist natürlich nicht immer 450 ganz leicht. Ich versuche das manchmal auch, aber das ist echt sehr zeitintensiv. Aber wenn sich 451 da natürlich jemand die Mühe macht und da auch immer Content liefert, dann folge ich dem 452 natürlich lieber, als wenn jemand nur postet und das nur reine Effekthascherei ist. Ja. Inhalte. 453 454 I: Ja. Der letzte Bereich, zu dem ich dich befragen möchte, bezieht sich auf die von dir 455 genutzten online-Tools und ihre Wirkungsweise: Welche digitalen Angebote nutzt du konkret als 456 Unterstützung zum Tauchen im Wasser und an Land? 457 458 B: Also ich selbst nutze wenig. Es gibt ja jetzt auch sehr viele online-Coachings und 459 online-Kurse. Jetzt auch gerade im Zuge von Corona wurde das mehr, dass es nicht 460 184 Präsenzveranstaltungen sind, sondern mehr digital. Da bin ich selbst nicht so der Kunde. Aber 461 ich denke mal, weil ich gerade selbst auch schon sehr viele Sachen durchlaufen habe. Ich glaube 462 aber, dass das für jemanden, der noch nicht so viele Kurse live und in Präsenz gemacht hat – ich 463 habe ja schon unglaublich viele Sachen als Teilnehmer gemacht, es ist für mich gerade eher 464 immer so, dass ich die Sachen ja auch selbst anbiete – konsumiere ich selbst recht wenig. Es gibt 465 aber zum Beispiel – das finde ich ganz gut, auch von SSI, so einem Tauchsportverband – ganz 466 gute Biologie- und Ökologiekurse, die zum Teil sogar kostenfrei angeboten werden, wo man sehr 467 viel auch wirklich lernen kann, auch als fortgeschrittener Taucher noch. Ich weiß gar nicht, 468 Annabel, ob du die selbst alle schon so kennst. Da gibt es wirklich von Marine Ökologie 469 angefangen, über dieses ‚Blue Oceans Programm‘, ‚Shark Diver‘ über ‚Turtle Ecology‘ über das 470 Thema Haie, über Korallen, über diese ganzen Ökologiesegmente gibt es bestimmt 5-6 Speciality-471 Kurse, die rein digital sind, wo man sehr viel noch dazulernen kann, und oft werden die sogar 472 kostenfrei angeboten. Und wo ich auch, obwohl ich wirklich schon oft im Meer tauchen war, immer 473 noch viel dazugelernt habe. Also damit habe ich mich jetzt durchaus mal im Lockdown, wo man 474 nicht so viele andere Sachen machen konnte, beschäftigt und durchgeklickt und dann auch mal 475 ein bisschen Wissen draufgezogen. Ich muss sagen, jetzt wo man wieder live und in 3D tauchen 476 gehen kann, lohnt es sich natürlich das dann auch so zu machen. Tauchen zu gehen mache ich 477 weniger online, also für mich ist das wirklich was, das muss man auch wirklich machen und fühlen. 478 479 I: Und dennoch, diese Speciality-Kurse: Wie genau sind diese Kurse aufgebaut? Kannst 480 du das kurz erklären? 481 482 B: Genau. Man kann sich zum Beispiel für diese Kurse registrieren. Also das gibt es 483 sicherlich auch bei anderen Anbietern. Bei SSI weiß ich, dass es so ist. Eventuell ist dann eine 484 kleine Gebühr fällig oder einige sind auch immer wieder gratis. Bei diesem ‚Blue Oceans‘ weiß 485 ich, dass es kostenfrei ist. Man kann sich da selbst so bei 4 bis 6 Kapiteln durchklicken, über 486 Meeresökologie, sehr viel Umweltschutz, was das Problem ist wird dargestellt und wie man selbst 487 aktiv als Taucher oder auch als Fußgänger – das spricht übrigens nicht nur Taucher an – selbst 488 aktiv dazu beitragen kann, die Umwelt zu schützen. Also wie man zum Beispiel an Beach-489 Cleaning-Aktionen teilnimmt, dafür muss man ja nicht einmal tauchen. Oder auch hier am Rhein 490 wird das öfter angeboten, dass man Ufer säubert, oder wie man selbst sowas initiieren kann oder 491 daran teilnehmen kann – einfach so Facts, die einem gar nicht so bewusst sind. Das wird ja zum 492 Glück immer mehr und mehr thematisiert, aber das kann man gar nicht genug machen, also 493 welchen Impact verschiedene Sachen haben. Also, es wird einfach aufgeklärt, wie man selbst 494 daran teilnehmen kann. Das wird da einfach dargestellt. Am Ende sind sogar immer kleine 495 Selbstüberprüfungsfragen, wo man quasi sein Wissen nochmal bestätigen kann oder man merkt, 496 dass man das doch noch nicht beantworten kann. So kleine Mini-Exams sind da immer drin. Was 497 185 sonst noch? Wie sind die aufgebaut? Genau, also zum Beispiel bei ‚Shark Ecology‘ oder ‚Sea 498 Turtle Ecology‘- Kursen wird man auch danach zu Tauchbasen weitergeleitet, wenn man das dann 499 auch nochmal live im Wasser erleben möchte, zu Anbietern, die das dann auch wirklich anbieten. 500 Da kann man sich dann weiterklicken, weltweit zu Tauchbasen, die das anbieten, und wo man 501 dann tatsächlich zum Beispiel mit Schildkröten oder mit Haien oder Walen tauchen kann. 502 Also es ist eine Mischung aus Aufklärung, aber auch Anleitung, wie man es besser machen kann, 503 wie man helfen kann. Dass man jetzt nicht unbedingt die Plastiktüte ins Meer wirft, das sollte 504 hoffentlich so langsam jedem klar sein, aber was man noch darüber hinaus so machen kann. 505 506 I: Jetzt hast du schon gesagt, dass du natürlich viel lieber im Wasser bist und da auch die 507 riesen Erfahrung hast, trotzdem: Inwiefern unterstützen dich auch taucherspezifische online-508 Inhalte unterschiedlicher Fachbereiche beim Tauchen selbst? (…) Also weil du eben davon 509 sprachst wie es ist, länger nicht im Wasser zu sein, zum Beispiel bei Corona: Kannst du in 510 Bereichen dein Taucherwissen, was du im Wasser erlernt hast, aufrechterhalten, dadurch, dass 511 du digitale Angebote nutzt? 512 513 B: Ah okay, ja verstehe ich. Also ich selbst nutze das nicht so. Ich denke mal das spricht 514 vielleicht eher Taucher an, die deutlich unter 100 Tauchgänge haben oder wirklich länger nicht 515 im Wasser waren. Ich war jetzt auch, aufgrund von Corona vielleicht mal ein-zwei Monate nicht 516 tauchen, aber sobald es natürlich irgendwie wieder ging bin ich natürlich wieder losgezogen. Oder 517 auch zusammen mit meinem Mann durfte ich auch die ganze Zeit in Seen tauchen. Ich bin da gar 518 nicht in die Verlegenheit gekommen, dass ich wirklich über viele Wochen oder Monate gar nicht 519 tauchen war. Und ich hatte individuell die Möglichkeit sogar im Lockdown mal in XXX tauchen zu 520 gehen mit einer Person, weil ich da einfach ganz gute Connections habe und zum Beispiel dann 521 ein Mitarbeiter vom XXX dann auch froh war, dass ich dann da war und mit ihm trainiert habe. 522 Deswegen hatte ich auch durchaus noch die Chance das trotzdem weiter zu machen. Aber auch 523 da gibt es von SSI so Update-Kurse für Freediving und auch für Scuba. Das nennt sich zum 524 Beispiel ‚Scuba Skills Update-Kurs‘. Auch digital, wo zum Beispiel auch kurze Videos zu den Skills 525 gezeigt werden. Das hilft ja auch ungemein, um das erst mal zu lernen, aber auch später, um das 526 nochmal aufzufrischen. Also: ‚Wie war das alles nochmal?‘ Das fängt auch alles an mit: ‚Wie baue 527 ich nochmal ein Tauchgerät zusammen?‘. Und diese ganzen kleinen Skills, die man auch im Open 528 Water Diver-Kurs und mit dem fortgeschrittenen Kurs macht. Dazu gibt es immer kleine Videos, 529 die dauern immer wenige Sekunden. Das hilft natürlich ungemein, dass wiederaufzufrischen. Also 530 beim Erlernen aber auch, um es wiederaufzufrischen. Ich denke jetzt also wirklich, dass ich das 531 jetzt nicht brauche, weil ich es einfach im Traum kann, aber ich weiß, dass da nicht jeder so ist 532 und dafür wäre das auch sicher sehr hilfreich. Aber ich würde das auch sicher empfehlen, also 533 ich empfehle das auch regelmäßig meinen Tauchschülern, wenn ich die Kurse fertig habe, 534 186 Anfängern sowieso. Wenn die zum Beispiel bei Verbänden, die digitale Kursunterlagen haben, 535 den Kurs gemacht haben – das bietet ja auch nicht jeder an – weise ich immer nochmal darauf 536 hin, also: ‚Ihr habt jetzt den Tauchschein gemacht, ja, aber denkt dran, dass man wirklich 537 dranbleiben muss, dass ihr regelmäßig üben solltet‘. Und ich ermutige die auch immer diese 538 Videos, diese kleinen Skill-Videos oder Skill-Review-Videos sich auch mal regelmäßig wieder 539 anzugucken. 540 Doch jetzt fällt mir doch etwas ein, was ich letztens noch gemacht habe: Das ist nicht mal 541 unbedingt ein reiner Tauchkurs, aber das betrifft diese Erste-Hilfe-Geschichte. Ich mache ja auch 542 Erste-Hilfe-Kurse im Zusammenhang mit dem Tauchen. Auch wenn ich mit jemandem einen 543 Führerschein machen würde, könnte ich mit dem einen Erste-Hilfe-Kurs machen, aber für das 544 Tauchen muss man ja ab einem gewissen Level auch einen aktuellen Erste-Hilfe-Kurs haben. 545 Aber auch Sauerstoffgabe, AED und sowas, ob das jetzt ‚react ritght‘ heißt oder ‚emergency first 546 respond‘ – das bilde ich ja auch aus und muss mich da aber auch einmal im Jahr selbst fit halten. 547 Und da habe ich mich letztens auch – stimmt das hätte ich fast verdrängt – hatte ich mich nochmal 548 komplett durch diese ‚react right‘-Unterlagen digital geklickt, wo alles nochmal wunderbar 549 beschrieben ist, aber auch mit kleinen Videos unterstützt ist: ‚Wie geht nochmal die stabile 550 Seitenlage? Wie war das nochmal gleich mit der Beatmung? Muss man jetzt gleich 30-mal 551 pumpen oder atmen‘ und solche Kleinigkeiten, die man vielleicht schon mal vergisst, weil man es 552 ja Gottseidank im Alltag nicht braucht. Sauerstoffgabe – was gibt es da zu beachten? Was gibt es 553 zu beachten mit einem AED. 554 Also eine Herz-Lungen-Wiederbelebung musste ich zum Glück noch nicht machen, aber an der 555 Puppe habe ich es natürlich schon oft gemacht und Kurse gegeben. Aber da vergisst man immer 556 mal Kleinigkeiten und da habe ich mich in dem Fall nochmal ganz durch die ‚react right‘-557 Unterlagen geklickt, um das aufzufrischen. Also es ist jetzt nicht unbedingt rein tauchspezifisch, 558 aber man kann es auch fürs Tauchen gebrauchen. (…) 559 Das ist ja auch was, was man zum Glück nicht so oft braucht. Und ich ja auch in XXX – ich musste 560 da auch schon mal einen Rettungswagen holen und habe da schon mal öfter auch mal jemandem 561 Sauerstoff gegeben, das kam schon wesentlich öfter vor. Aber jetzt wirklich beatmen und wirklich 562 Verbände anlegen das musste ich jetzt zum Glück noch nicht so oft, höchstens so Kleinigkeiten. 563 Deswegen ist das auch gut das aufzufrischen, und das war natürlich rein digital, ja. 564 565 I: Wir sind jetzt auch schon fast am Ende des Interviews. Zukünftig: Wie würde für dich 566 die perfekte digitale Umgebung, im Sinne einer Plattform, eines Tools oder ähnlichem, aussehen, 567 die du als Unterstützung deiner Tauchaktivitäten gerne nutzen würdest? 568 569 187 B: Vielleicht bin ich da nicht die Ideale, ich bin da auch oft ein bisschen Old School. (lacht) 570 Und da muss man mich manchmal so ein bisschen zu meinem Glück zwingen, und wenn ich das 571 dann doch mal mache, dann denke ich: ‚Oh das ist ja voll cool‘, aber ich denke da nie: ‚Oh das 572 fehlt noch‘ oder so. Jetzt muss ich kurz ein bisschen länger überlegen, was wirklich noch fehlt. 573 (…) 574 Also ich weiß gar nicht, ob du es schon wusstest oder ob du das schon kennst. Du hast damals 575 glaube ich AIDA bei mir gemacht. Das gibt es tatsächlich bei SSI. Die sind wirklich weit vorne was 576 die ganzen digitalen Geschichten angeht. Das muss man wirklich mal loben. Zum Beispiel haben 577 die eine App entwickelt, die ist sogar kostenfrei. Die heißt ‚My Dive Guide‘. Du kannst dir mal die 578 MySSI-App einfach runterladen, die kostet auch erst mal nichts. Da kannst du zum Beispiel auch 579 Tauchbasen auf der ganzen Welt finden. Und das lebt davon: Also erst mal pflegt SSI da immer 580 wieder was ein, aber jeder kann das nutzen und auch selbst was einpflegen. Man kann zum 581 Beispiel sagen: ‚Ach ich war in Soma Bay tauchen und da habe ich die und die Fische gesehen 582 und das und das‘, und da kann man Fotos hochladen. Also da kann jeder was einpflegen. My Dive 583 Guide. Ich selbst nutze das leider viel zu wenig. Das ist glaube ich wirklich eher was für Menschen, 584 die in der Konsumentenrolle sind. Ich bin da glaube ich eher in der Anbieterrolle. Ich könnte da 585 allerdings, wenn ich jetzt selbst ein Safarischiff hätte, das sehr wohl da einpflegen, in der Hoffnung, 586 dass ich darüber auch gefunden werde. Also ich kann zum Beispiel auf dieser Plattform auch 587 meine Kurse hochladen oder wenn jemand sagt: ‚Ich will einen SSI Level 2/Level 3 oder einen 588 Instruktor-Kurs machen‘ – das kann ich da auch alles einpflegen. Das wird auf der ganzen Welt 589 dann auch gefunden und das kostet erst mal nichts. Aber das gilt auch über Tauchplätze. Wenn 590 ich jetzt zum Beispiel suchen würde: ‚Ich will mal mit Schildkröten tauchen‘, könnte man das als 591 Suchbegriff eingeben und dann erscheinen alle Tauchplätze, wo man mit Schildkröten tauchen 592 kann. Das wird natürlich auch immer mehr wachsen. Das lebt ja auch davon, je mehr man da 593 einpflegt. Oder auch was man gerne sehen möchte und erleben möchte. Also ich denke mal das 594 ist schon ein sehr guter Ansatz. Ich bin da leider nicht kreativ, dass ich sage: ‚Das und das fehlt 595 mir noch‘. Aber ich glaube, dass das auch ein sehr gutes Angebot ist und das ist ja auch erst mal 596 kostenfrei, das finde ich auch ganz gut, um dann nicht immer direkt Menschen auszuschließen, 597 die da gerade nicht so viel Geld im Überfluss haben. Also, dass die Einstiegsschwelle erst mal 598 kostenfrei ist finde ich ganz gut. Und wenn man dann sagt man möchte da jetzt mal tauchen 599 gehen, dann wird man ja auch zu Tauchbasen vor Ort geleitet, die das dann natürlich nicht mehr 600 kostenfrei machen können. Aber es wird einem durchaus geholfen, wenn man sagt, dass es der 601 Traum ist mal einen Walhai zu sehen oder so. Dann ist das ein Tool, wo man zum Beispiel dann 602 dahin geleitet wird, wo man dann eine gute Chance hat auch mit Walhaien zu tauchen. Und das 603 gilt ja für alle, für alles. 604 605 I: Gibt es noch etwas, was du grundsätzlich ergänzen oder loswerden möchtest? 606 188 607 B: Du hattest ja im Vorhinein gesagt es geht um Kommunikation. Du meintest aber in 608 Bezug auf die sozialen Medien vorrangig, oder? Oder auch so vor Ort? 609 610 I: Vor allem das Digitale. 611 612 B: Eine kleine Anekdote wollte ich noch sagen, was mir jetzt tatsächlich gestern leider 613 passiert ist, (lacht) aus aktuellem Anlass: Und zwar habe ich ja eine Homepage und ich selbst bin 614 ja solo-selbstständig und ich habe jetzt kein großes Budget um online-Marketing zu machen. 615 Deswegen freue ich mich natürlich immer über Mundpropaganda. Wenn jemand zufrieden ist, 616 dass er das anderen auch erzählt, und optimaler Weise auch irgendwo eine Google-Bewertung 617 oder irgendetwas im Gästebuch dalässt. Gestern habe ich echt, mit einem kleinen Klick, 618 versehentlich mein Gästebuch auf meiner Homepage gelöscht. Und das war eine Katastrophe, 619 wirklich, und ist auch immer noch eine Katastrophe. Da habe ich jetzt über fast sieben Jahre 620 dutzende richtig gute Einträge gehabt, von Leuten die wirklich – du selbst hast da glaube ich auch 621 was reingeschrieben gehabt. 622 623 I: Ja. 624 625 B: Und da war ich auch stolz drauf, weil ich glaube, dass die Leute das dann auch wirklich 626 so gemeint haben. Und das hat mich selbst sehr gefreut. Und auch, wenn mich dann Leute noch 627 nicht kennen, googlen die natürlich und gucken und finden: ‚Ach guck mal da waren andere Leute 628 ja zufrieden, dann scheint das ja gut zu sein‘. Ich selbst würde auch so funktionieren, dass ich 629 dann gucke und auf Empfehlungen etwas buche. Jetzt ist das Gästebuch weg! Katastrophe! Ja 630 deswegen, du meintest ja, was ich ergänzen könnte. Solche Reviews, Kommentare, 631 Empfehlungen finde ich halt schon sehr wichtig, egal ob das jetzt live ist, eins zu eins im Gespräch 632 oder eben auch digital, sei es auf der Homepage oder einer Google-Bewertung oder so. Aber da 633 habe ich dann auch gemerkt, dass ich danach auch ganz schön frustriert war und die dämliche 634 Hotline konnte mir da überhaupt nicht weiterhelfen. Mit dem Verweis, dass meine Homepage ja 635 schließlich sieben Jahre alt ist, und da jetzt keine Datensicherung drin ist, dass ich dann einen 636 neuen Vertrag abschließen muss. Ich werde quasi dafür bestraft, dass ich sieben Jahre treuer 637 Kunde bin. Hätte ich jetzt einen neuen Vertrag wäre da auch eine Datenversicherung drin. Ich bin 638 davon ausgegangen, dass da selbstverständlich eine Datensicherung drin ist. Ist aber nicht so. 639 Das ist jetzt weg. Jetzt rate mal, wer sich ganz schnell einen neuen Anbieter sucht. Da habe ich 640 nicht mit gerechnet, habe jetzt auch selbst keine Screenshots gemacht oder so, es ist jetzt einfach 641 189 mal weg. Sehr ärgerlich, so war ich da jetzt im Negativen von betroffen, dass das leider nicht 642 gesichert war. Also ob sich das jetzt wirklich viele durchgelesen haben weiß ich gar nicht. Ich 643 glaube der eine oder andere vielleicht schon. Aber ich kann jetzt eh nicht hunderte von Leuten 644 gleichzeitig bedienen. Ich mache ja immer eher kleinere Gruppen und so, aber da war ich dann 645 doch schon ziemlich geknickt gestern und bin es auch eigentlich immer noch. 646 647 I: Ja, das glaube ich. Oh man (…). Aber so viel erst mal zur Aufnahme, die werde ich jetzt 648 stoppen. 649 190 7.4.2 Interview I2 Datum: 06.11.2021 Dauer: 34 Minuten I: Bitte stelle dich und deine Tauchaktivitäten vor. 1 2 B: Ja okay, du kennst mich ja schon ein bisschen. Du weißt, dass ich das auch beruflich 3 mache. Meine Tauchaktivitäten sind sehr vielfältig und schon lange Zeit vorhanden. Also, 4 einerseits mache ich Gerätetauchen als Sport, als Beruf als Tauchlehrer, als Beruf als 5 Unterwasserfotograf, als Beruf als Unterwasserfilmer. Und dann mache ich Apnoetauchen als 6 Sport, im Freiwasser sowie im Pool, und das Ganze auch als Tauchlehrer und joa, was habe ich 7 vergessen? Höhlentauchen, also ich decke so ziemlich die ganze Bandbreite der Disziplinen, die 8 es im Tauchsport gibt, so ab, privat als auch beruflich. Ich glaub das fasst es zusammen. 9 10 I: Wie bist du zum Tauchen gekommen und wer oder was hat dich dabei beeinflusst? 11 12 B: Zum Tauchen bin ich gekommen, da ich ein sehr wasseraffiner Mensch bin, und 13 eigentlich schon meine ganze Kindheit im Wasser verbracht habe, schwimmend und 14 schnorchelnd, und das war einfach der nächste logische Schritt, dass ich dann irgendwann auch 15 einen Gerätetauchschein mache und dann auch irgendwann das Apnoetauchen richtig lerne, wie 16 es die Athleten machen und nicht, wie man das sich so als Kind beibringt. Das war dann einfach 17 so der nächste Schritt. 18 Der zweite Teil deiner Frage war: Was hat mich dabei inspiriert? Eigentlich habe ich das schon 19 beantwortet: Meine eigene Wasseraffinität hat mich am meisten dabei inspiriert glaube ich. Ja, 20 die Leidenschaft fürs Meer und fürs selbst im Wasser Sein. 21 22 I: Was macht das Tauchen für dich besonders? Also zum Teil hast du das gerade auch 23 schon gesagt, aber welchen Stellenwert hat das Tauchen in deinem Leben? 24 25 191 B: Ja, einen sehr hohen, einerseits, weil es eine persönliche Leidenschaft ist, ein 26 persönliches Hobby, aber dann hat es natürlich auch einen sehr hohen Stellenwert, weil das 27 Hobby zum Beruf geworden ist. 28 29 I: Und was spricht aus deiner Sicht dafür mit dem Tauchen anzufangen? 30 31 B: Dass man die Möglichkeit hat sich in einer Welt zu bewegen für die wir eigentlich keinen 32 Zugang haben, in der wir uns eigentlich nicht natürlich bewegen können, weil wir für die ja 33 eigentlich nicht so ganz gemacht sind – zumindest unser Atemapparat. Und da können wir uns 34 eben mit Lebewesen auseinandersetzen, mit denen wir sonst keinen Kontakt haben. Das ist das 35 Schöne, würde ich sagen. 36 37 I: Beschreibe mir bitte, wie dein idealer Tauchgang aussehen würde. 38 39 B: Mein idealer Tauchgang ist, wenn ich den Lebewesen im Wasser begegne, die ich am 40 meisten mag. Das sind in meinem Fall Wale. Und dann ist es am besten, wenn ich mit denen auch 41 in irgendeiner Form interagieren kann. Also, wenn diese Lebewesen bemerken: ‚Da ist jemand 42 da, der uns besucht‘ und da auch irgendwas zurückgeben. Nicht nur so desinteressiert 43 wegschwimmen oder Angst haben, sondern eher so neugierig interagieren. Das sind meine 44 Lieblingstauchgänge. 45 46 I: Hast du da ein konkretes Beispiel? 47 48 B: Ja, das wäre jetzt (…) bhoa, ein einziges? Ja, also zum Beispiel: Delfine sind auch 49 Wale in gewisser Weise. Da hatten wir mal beim Schnorcheln im Atlantik, auch in Portugal, sehr 50 gute Erlebnisse mit Rauzahndelfinen. Rauzahndelfine sind relativ selten, es sind sehr launische 51 Tiere auch. Und da hatten wir einen sehr guten Moment erwischt. Man muss bei den Tieren immer 52 – das ist wie bei uns Menschen auch, dass man merkt: Wie sind die jetzt gerade drauf? Haben 53 die überhaupt Bock was zu machen oder sind die gerade mit ihrem Familienleben beschäftigt 54 oder sonst irgendwas. Und die waren halt gerade im Spielfluss und haben sich richtig gefreut, 55 dass wir da waren. Und dann ging das auch echt eine Stunde oder anderthalb, dass die da um 56 uns rumgespielt sind und sind richtig rumgerast und rumgebrüllt sogar, und sich dann einfach 57 richtig gefreut haben und den Kontakt gesucht haben. Nicht: ‚Hey geht mal weg‘, sondern das 58 war schön! Das war sehr interaktiv das Ganze. 59 192 60 I: Und weiter zu den idealen Tauchgängen: Kannst du näher erläutern, welche Rolle dein 61 Buddy dabei spielt? 62 63 B: Beim idealen Tauchgang, ja, der Buddy spielt immer eine sehr wichtige Rolle, weil man, 64 je besser man sich mit dem Buddy blind versteht, desto besser wird auch der ideale Tauchgang 65 ablaufen. Die Kommunikation ist eben erschwert unter Wasser, weil wir nicht miteinander 66 sprechen können, und da ist es dann sehr wichtig, dass man sich und seinen Buddy kennt und 67 aufeinander abgestimmt ist. Und wenn das gut und reibungslos funktioniert, dann muss man gar 68 nicht kommunizieren, weil man weiß schon was der andere macht und was man machen sollte 69 oder was man mal nicht machen sollte. Das macht den Tauchgang dann auch deutlich besser. 70 Und das war dann auch in den Highlight-Tauchgängen der Fall. 71 72 I: Und wie war es mit dem Tauchteam, welche Rolle spielt dieses? 73 74 B: Das Team ist natürlich essentiell wichtig. Solche super Erlebnisse im Meer gehen nie 75 ohne das Team. Das Wichtigste ist immer der Kapitän, der das Boot fährt. Mit dem Kapitän steht 76 und fällt die Qualität der ganzen Aktion. Wenn der weiß, was er tut, wie er sein Boot an Tiere ran 77 navigieren sollte/muss, ohne die zu verschrecken, dann kann es gute Erlebnisse geben. Und 78 wenn der Kapitän nicht gut ist, dann wird es schwierig. Aber der Rest der Crew ist natürlich auch 79 wichtig. 80 Wenn wir mal an reguläre Tauchgänge denken, jetzt weg von den großen Tieraktionen im offenen 81 Ozean, sondern am Riff, dann ist es natürlich wichtig, einen guten Guide zu haben, der einem 82 Sachen zeigen kann, weil man kennt sich ja vor Ort nicht so gut aus. Und ja, helfende Hände am 83 Tauchboot sind natürlich auch immer wichtig. Wenn da die Griffe sitzen ist das auch schön und 84 macht alles angenehmer und flüssiger. 85 86 I: Welche persönlichen Merkmale kennzeichnen deiner Meinung nach den Typ Apnoe- 87 und den Typ Gerätetaucher? 88 89 B: Also es sind beide in der Regel ein bisschen, ja das ist schwer zu (…) pauschalisieren 90 ist da sehr schwer. Der Apnoetaucher ist vielleicht ein bisschen sportlicher unterwegs als der 91 Gerätetaucher. Beide haben aber jetzt keine Berührungsangst mit Wasser und auch keine 92 Berührungsangst auch mal ein Abenteuer zu erleben. Nicht, dass die unbedingt zwangsläufig 93 193 darauf aus sind. Es geht nicht immer darum, sich immer unbedingt in ein Abenteuer zu stürzen, 94 aber es ist nicht schlimm, wenn dann auch mal beim Tauchen was abenteuerlicher ist. Es sind 95 meist Menschen, die gerne in die Welt hinausgehen und sie sich anschauen. So ein bisschen, ich 96 glaube der Explorationsgedanke ist bei allen so ein bisschen vorhanden, dass man irgendwas 97 sich anschaut, was man nicht im Alltag ständig hat. Oder etwas erlebt, was einfach was Neues 98 ist, das man erleben kann. 99 100 I: Und welche Fähigkeiten müssen die Taucher haben, um tauchen zu können? 101 102 B: Schwimmen können (lacht). 103 104 I: Dann, welches unter Wasser beobachtete Verhalten ärgert dich? 105 106 B: Anfassen kann ich nicht so gerne sehen, wenn Leute anfangen marines Leben zu 107 berühren oder sich festzuhalten, damit sie mitgetragen werden oder sowas (schüttelt den Kopf). 108 Das geht einfach gar nicht. 109 110 I: Was ist aus deiner Sicht die Ursache für dieses Problem? 111 112 B: Die Natur des Menschen (lacht). 113 114 I: Und wann wäre es besser? 115 116 B: Also es wird schon kommuniziert von den Ausbildungsverbänden, dass man das nicht 117 macht. Vielleicht muss es einfach noch stringenter umgesetzt werden, von allen, die da so 118 mitarbeiten an so einem Tauchtag. Also wenn solches Verhalten beobachtet wird, dann sollte 119 man die Leute einfach nicht mehr tauchen lassen. 120 121 I: Kannst du mir ein konkretes Beispiel nennen, wo du so eine Situation hattest, wo du 122 dich geärgert hast, bei dem Verhalten anderer Taucher? 123 124 194 B: (überlegt) Also klar, das habe ich immer mal wiedergesehen. Ja, also man sieht das 125 dann viel, es gibt immer wieder Menschen, die sich dann auch noch damit brüsten und Videos im 126 Internet zeigen, wie jetzt ‘ne Muräne streicheln oder sonst sich wieder ganz toll vorkommen, weil 127 sie sich mit ‘nem wilden Tier auseinandersetzen, was aussieht wie eine Schlange. Aber was sie 128 dabei zum Beispiel nicht verstehen ist, dass sie eigentlich den natürlichen Schutzfilm auf der Haut 129 des Tieres damit kaputtmachen und es dabei Opfer von Fressfeinden wird, wo sich das Tier 130 eigentlich sehr gut vor schützt. 131 132 I: Inwiefern wird deiner Meinung nach das individuelle Tauchverhalten von außen 133 beeinflusst? 134 135 B: Stark, weil man sich immer an jenen orientiert, die es schon länger können, wenn man 136 anfängt mit so einem Hobby und das auch von außen, von irgendwelchen Menschen, die das 137 schon länger machen, kennt, beigebracht bekommt. Von daher ist der Einfluss, der von außen 138 kommt, da sehr stark: Man kopiert Verhalten, man kriegt gesagt, wie man sich zu verhalten hat. 139 Das ist manchmal ja auch nicht immer der Optimalweg, der da kommuniziert wird. 140 141 I: Welche Rolle spielen deiner Meinung nach die Tauchbasen und Tauchguides vor Ort 142 bei dieser Beeinflussung? 143 144 B: Ja die essentielle Rolle, weil die Guides sagen, was die Regeln sind. Und die Regeln 145 werden oftmals von den Guides und den Basen selbst gemacht. Es gibt keine Instanz auf der 146 Welt, die sagt was die Regeln sind für tauchen unter Wasser. Das gibt es nicht. Es gibt 147 Tauchverbände. Da kann man sich dran orientieren, was die so als Regelwerk in die Welt 148 hinausposaunen, aber es gibt jetzt nur an wenigen Stellen wirklich Gesetz dafür. Manche Länder 149 setzen das so um, dass die sagen: ‚okay, die Regeln, die die Tauchverbände sich ausgedacht 150 haben, die machen wir zum Gesetz.‘ Ist sicherlich nicht verkehrt, aber an ganz vielen anderen 151 Stellen auf der Welt gibt es einfach keine Gesetzeslage für Verhalten unter Wasser. 152 153 I: Du hattest jetzt gerade schon die Verbände angesprochen. Wie sieht es mit den 154 Verbänden und auch mit den Tauchvereinen aus – welche Rolle spielen sie? 155 156 B: Ja eine große, weil sie sind die Instanzen für die Ausbildungsregularien. Deswegen ist 157 das - oftmals wird das sozusagen mit Gesetz gleichgesetzt, was die so sagen und machen. Die 158 195 Vereine spielen auch eine sozialstruktur-mäßige Rolle. Also die Vereine, das ist dann eher das, 159 was die Menschen zu Hause machen – gemeinsam sich austauschen. Und die Basen und die 160 Ausbildungsverbände, die sind dann mehr auch im Ausland für Urlaubstaucher. Die spielen eine 161 sehr große und interessante Rolle. Und die Vereine und die Verbände sind auch sehr eng 162 miteinander verzahnt, weil das Ganze kann nicht ohne einander betrachtet werden. Also Vereine 163 haben immer einen Ausbildungsverband, nach dem sie sich orientieren. Und Tauchschulen auch. 164 165 I: Und wer dient den Tauchern allgemein als Vorbild? 166 167 B: Das ist individuell ganz unterschiedlich. Da sucht sich jeder seine eigenen Vorbilder, 168 sei das jetzt der Tauchlehrer oder der Star-Apnoetaucher oder irgendein Naturfilmer oder so. Also 169 da hat jeder so seine eigenen Heroes. 170 171 I: Wie steht es denn um das Bewusstsein über die eigene Vorbildfunktion der Taucher? 172 173 B: Ah cool. Meistens nicht so gut. Weil dafür muss man ja sein Verhalten reflektieren 174 (lacht). Es gibt natürlich viele, die Professionals, also Guides und Tauchlehrer: Denen ist natürlich 175 bewusst, dass wenn sie jetzt was Falsches vormachen – nicht allen, aber vielen – dass das dann 176 nachgemacht wird oder als Verhalten akzeptiert wird, was in Ordnung ist. Aber diejenigen, die 177 sich jetzt nicht in so einer Rolle befinden, denen ist es oft nicht bewusst, dass sich andere ihr 178 Verhalten anschauen und dass man sich besser demnach vielleicht orientieren sollte. 179 180 I: Dann kommen wir zum Thema Kommunikation im digitalen Zeitalter. Über welche 181 Kanäle erreichst du mit deinen Aktivitäten rund ums Tauchen andere Taucher? 182 183 B: Ja gut, da ich das jetzt schon ganz lange beruflich mache gibt es da viele Kanäle: Das 184 sind Print-Magazine, das sind Online-Magazine und dann hauptsächlich die sozialen Netzwerke. 185 Soziale Netzwerke heißt in meinem beruflichen Umfeld Facebook, Instagram, (…) die anderen 186 nicht so stark, also zumindest nicht in der Tauchwelt. Ach doch, YouTube natürlich. 187 188 I: Und was von den genannten funktioniert besonders gut in der digitalen Kommunikation? 189 190 196 B: Das kommt drauf an, was du kommunizieren möchtest. 191 192 I: Das wäre in etwa meine nächste Frage gewesen. Dann erzähl mal. 193 194 B: Für Bildkommunikation ist Instagram ganz gut. Für so Aufreger-Videos, wie die Muräne 195 von vorhin, ist Facebook sehr geeignet. Und für sehr schönen, inhaltlichen Content, der eigentlich 196 mehr die Schönheit der Natur zeigt, ist YouTube sehr geeignet. Aber es ist äquivalent. Man kann 197 das eine auch sehr gut auf den anderen Kanälen platzieren. 198 199 I: Und gibt es Unterschiede in deiner Art zu kommunizieren, je nachdem wen genau du 200 ansprechen willst? 201 202 B: Ja. Auf sozialen Medienkanälen unterscheidet sich die Tonart so ein bisschen, je nach 203 Kanal. Wobei (überlegt), zum Beispiel, in der Tauchwelt ist allgemein akzeptiert, dass man sich 204 nicht formal anspricht, sondern dass man auch mit dem ‚Du‘ kommuniziert, und das kann man 205 dann auch auf die Kanäle anwenden. Wenn wir uns in der Tauchblase bewegen, müssen wir da 206 auf den Kanälen nicht unterscheiden – ‚Muss ich jetzt gerade duzen oder siezen?‘ zum Beispiel. 207 Aber trotzdem gibt es unterschiedliche Arten, je nach Kommunikationskanal, ob man zum Beispiel 208 eher länger schreibt oder kürzer schreibt oder ja, in Bildsprache arbeitet oder auch im 209 gesprochenen Wort. 210 211 I: Kannst du das noch ein bisschen genauer erläutern, wann du zum Beispiel das Wort 212 oder das Bild wählst? 213 214 B: Ja. Instagram ist sehr Bild-lastig, da brauchst du nicht so viel Text. In Facebook kannst 215 du schon mal ein bisschen mehr Text verwenden. Und auf YouTube liest kein Mensch Text. Das 216 ist einfach nur ein Bewegt-Bild-Kanal. Was du da drunter schreibst, ist eigentlich egal. Und 217 ansonsten, ja klar, Magazine und Blogs und so, das ist natürlich sehr Text-lastig. 218 219 I: Welche digitalen Plattformen und sozialen Netzwerke nutzt du zur Kommunikation mit 220 anderen Tauchern für deine privaten Tauchaktivitäten? 221 222 197 B: WhatsApp. 223 224 I: Okay. Welche auf das Tauchen bezogenen Fachbereiche und Inhalte wecken dein 225 Interesse? 226 227 B: Höhlentauchen, technisches Tauchen. Technisches Tauchen hat auch wieder sehr 228 viele Sub-Felder, die ich sehr interessant finde: Mischgastauchen, Rebreather-Tauchen. Und das 229 wiederum ist dann wieder mit verschiedenen Aktivitäten verbunden. Das Höhlentauchen 230 begeistert mich sehr und das hängt stark zusammen mit Sidemount-Tauchen oder Mischgas-231 Tauchen – je nach Höhle. 232 Dann finde ich Tauchmedizin ist ein sehr spannendes Feld, mit dem ich mich viel 233 auseinandersetze, also alles, was da geforscht wird. Ob das jetzt Geräte- oder Apnoetauchen ist, 234 ist eigentlich egal. Das sind alles sehr spannende Forschungsfelder und an vielen Stellen, von 235 denen wir denken: ‚Das steht ja eigentlich alles so schon im Tauchlexikon drin‘, sind wir eigentlich 236 noch nicht besonders weit mit unserem Wissen. Also viel, was da passiert, zum Beispiel mit 237 Dekompressionstheorie und solche Sachen, ist noch sehr rudimentär in dem was wir wissen und 238 wie wird das anwenden. Also jegliche neue Erkenntnis ist da eigentlich total spannend. 239 240 I: Und wie müssen diese digitalen Inhalte präsentiert sein, dass du ihnen tatsächlich deine 241 ganze Aufmerksamkeit zuwendest? 242 243 B: Sie müssen vor allen Dingen inhaltlich korrekt sein. Da gibt es nämlich auch viel 244 Fehlinformation, das bringt die Natur des Netzes so mit sich. Und dann ist aber auch; ich finde es 245 immer gut, wenn man schnell auf den Punkt kommt. Es ist halt mit den sozialen Medien, zum 246 Beispiel YouTube bringt das so mit, dass man viel um den heißen Brei drum rum labert, um so viel 247 Watch Time wie möglich zu bekommen. Und da gibt es dann so diese klassischen YouTuber, die 248 einfach viel, viel reden und wenig damit sagen. Ich mag es gerne, dass man, wenn man viel redet 249 auch viel sagt. Damit wird dann auch viel Inhalt transportiert. Also ich finde, wenn wir jetzt bei dem 250 Beispiel Tauchmedizin bleiben, reiner Informationstransport in Form eines wissenschaftlichen 251 Journals ist natürlich nicht so gut für die Audienz, weil da muss man sich durchkämpfen und wenn 252 man keine Ahnung davon hat, dann ist es zäh. Ansprechender Wissenschaftsjournalismus ist, 253 glaube ich, die Antwort auf deine Frage. So vom Komplexen runtergebrochen, aber nicht falsch, 254 und das Ganze am besten noch schön anschaulich für die Zuhörerschaft. 255 198 Da willst du jetzt gleich Beispiele hören (lacht und überlegt dann). Ich habe da jetzt grad keine 256 guten Beispiele (…) Oder? 257 258 I: Ja, das würde mich tatsächlich sehr interessieren. (lacht) Oder auch allgemeiner: Was 259 ist für dich ansprechend? Weil du gesagt hast, dass die Inhalte ansprechend präsentiert sein 260 müssen. 261 262 B: Ja. Also man merkt ja, wenn es ein wissenschaftlicher Artikel ist, wenn du dich schon 263 ein bisschen mit dem Tauchen auseinandergesetzt hast, schnell, ob die jeweiligen Redakteure 264 auch wirklich Ahnung haben von dem, was sie da kommunizieren. Dann, also die öffentlichen, ich 265 sage mal, die öffentlichen Kanäle, Funk und Fernsehen, die haben keine Ahnung. Also da sind 266 Tauchreportagen – kann man sich anschauen, aber sobald man sich ein Ticken mehr mit der 267 Materie beschäftigt hat, ist es eigentlich nicht mehr interessant. Weil das sind Menschen, die sich 268 eben nicht in ihrem privaten Leben mit der Materie beschäftigen, und dann daraus irgendwelche 269 Reportagen machen wollen – das funktioniert meistens nicht. Interessante Reportagen sind dann 270 die, die wirklich von den Leuten gemacht werden, die sich hauptberuflich mit Tauchen 271 beschäftigen. Und dann ist es natürlich, je cineastischer das wird, also je besser das Bewegt-Bild-272 Format, desto eher schaut man es sich auch an. Weil es ist jetzt nicht nur Informationstransport, 273 sondern es sollte schon auch irgendwie schön aussehen. Also es gibt da coole Formate. 274 Lass mich ein Beispiel finden. Und zwar: Laurent Ballesta ist ein sehr bekannter Unterwasser-275 Filmer und –Fotograf und die haben so eine Mission gemacht, Gombessa-Mission heißt das, da 276 haben sie, ich glaube 30 Tage oder 60 Tage auf so einer Station auf zehn Meter verbracht, im 277 Mittelmeer, und haben glaube ich dann gemeinsam in Kooperation mit ARTE dann eine super 278 Dokumentation darübergemacht. Die Dokumentation ist aber super, nicht, weil ARTE sie gemacht 279 hat, sondern weil die Jungs das quasi selbst gemacht haben – für ARTE produziert und dann an 280 ARTE verkauft. Deswegen muss kein Redakteur sitzen, irgendwo in Straßburg, der keine Ahnung 281 davon hat von dem was da gemacht wird, sondern das sind die Jungs da unten am Mittelmeer. 282 Die wissen genau, was sie da machen, und die zeigen eben jetzt nicht nur coole Bilder von 283 Fischen, was sie sehr, sehr gut können, sondern machen gleichzeitig auch noch Forschung da 284 unten, während sie das machen. Und das empfinde ich am ansprechendsten, als den 285 spannendsten Content. Der sieht gut aus, hat Inhalt, vermittelt mir irgendwas Neues, was ich 286 vorher noch nicht wusste, und das ist jetzt glaube ich ein ganz schönes Beispiel. 287 288 I: Ja, danke. Wie gehst du denn bei deiner Online-Suche nach tauchspezifischen Inhalten 289 vor? 290 199 291 B: Die Algorithmen wissen eigentlich schon recht gut, dass ich mich für Tauchen 292 interessiere. Das heißt mit jeder Sekunde, die man sich in den sozialen Netzwerken verbringt, 293 weiß das soziale Netzwerk, wofür man sich interessiert, und spielt einem das dann auch aus. Also, 294 wenn ich dem Algorithmus nachhelfen möchte, dann like ich irgendwelche Seiten in den 295 Netzwerken oder like auch nur einzelne Beiträge, das reicht auch schon. Und dadurch kriegt man 296 dann in seinen News-Feed immer mehr Tauchinhalte gespült. 297 298 I: Der letzte Bereich, zu dem ich dich befragen möchte, bezieht sich auf die von dir 299 genutzten Online-Tools und ihre Wirkungsweise. Welche digitalen Angebote nutzt du konkret als 300 Unterstützung zum Tauchen, im Wasser und an Land? 301 302 B: Kannst du mir ‚digitales Angebot‘ definieren? 303 304 I: Also ehrlich gesagt habe ich das extra so offen hingestellt, damit du mir die Sachen 305 erzählst, die dir als erstes in den Sinn kommen. 306 307 B: (lacht) Verstehe, okay. Also ich habe einen smarten Tauchcomputer. Den kann ich 308 auslesen, mit meinem Telefon. Das heißt ich nutze Apps, um mir meine Tauchprofile grafisch 309 darzustellen, und diese Apps können das Ganze dann auch direkt in die sozialen Medien 310 kommunizieren – sowas mache ich nicht, oder selten. 311 Ja dann, gut, ich bin Fotograf. Ich nutze Kamera und Rechner und Bildbearbeitungsprogramme 312 für meine Tauchgänge, für meine Fotos. 313 Digitale Unterstützung fürs Tauchen (…) ansonsten benutzen wir fürs Tauchen natürlich sehr viele 314 Wetter-Apps. Wind und Welle ist essentiell für jede Tauchgangsplanung. Da gibt es gute 315 Unterstützung ‚Wind Finder‘ und ‚Windy‘ und Co. Wenn man sich Strömungen angucken will, sind 316 Mondphasen auch sehr interessant. Da gibt es auch Apps für. Ja. 317 318 I: Welche Apps wären das dann konkret, die du benutzt? Also du hast jetzt gerade zum 319 Beispiel Windy genannt, aber zum Beispiel für die Mondphasen… 320 321 200 B: Das können die auch. Du kannst aber auch deine klassische IPhone-Wetter-App dafür 322 benutzen. Du musst nur wissen: Bei Neumond ist Ebbe und bei Vollmond ist Flut oder so, je 323 nachdem. Und das wirkt sich dann eben auf die Strömung aus. Und das ist aber auch vor Ort. Du 324 kannst dich nicht nur auf die digitalen Tools verlassen. Am besten ist es schon auch, mit den 325 Leuten vor Ort – da kommt jetzt wieder das Team ins Spiel – die kennen das immer besser und 326 die können dir immer besser sagen, wann welche Strömung und wann welche Welle herrscht. 327 328 I: Wem genau, oder bzw. gilt das für Freitaucher und Gerätetaucher – würdest du denen 329 genau diese Anwendungen empfehlen, also, dass sie Wind und Wetter checken, dass sie einen 330 Tauchcomputer dabeihaben? 331 332 B: Ja. 333 334 I: Und Spezielles für die eine Disziplin? Hast du sowas? 335 336 B: (schüttelt den Kopf, überlegt dann) Ja gut, ich meine, es kommt drauf an, wenn du 337 technischer Gerätetaucher mit Mischgas bist, dann brauchst du einen anderen Tauchcomputer 338 als ein Apnoetaucher. Ein Apnoetaucher braucht einen relativ simplen Tauchcomputer. Der muss 339 nicht mehrere Gase berechnen können. Aber ansonsten sind die Tools eigentlich die gleichen für 340 alle. 341 342 I: Kannst du mir den Tauchcomputer noch ein bisschen genauer erklären? Also zum 343 Beispiel, was du zu den Gasen gesagt hast, was der Computer können muss. 344 345 B: Gerätetauchcomputer rechnen Dekompressionsmodelle, das heißt die simulieren in 346 einem Rechenmodell, wie sich dein Gewebe mit Stickstoff anreichert, und simulieren dann auch 347 wieder in einem theoretischen Rechenmodell, wie deine Gewebe diesen Stickstoff wieder 348 abgeben. Und je nachdem, welches Gas du da unten, unter welchem Druck, sprich auf welcher 349 Tiefe, atmest, können die das dann immer verfolgen. Das heißt: In der Regel atmen wir Luft da 350 unten, aber fortgeschrittene Taucher atmen auch andere Sachen da unten – Nitrox, Helium - es 351 gibt verschiedene Sachen, die man da atmen kann. Und dafür braucht man eben so einen 352 Computer, der das kann, diese Modelle rechnen. Und Apnoetaucher brauchen das nicht. 353 Apnoetaucher brauchen einen Computer, der ihnen die Tiefe sagen kann, und die Zeit und noch 354 die Wassertemperatur, aber sehr viel mehr eigentlich nicht. 355 201 356 I: Inwiefern unterstützen dich Online-Inhalte spezifischer Fachbereiche beim Tauchen? 357 358 B: Ja, die sind schon hilfreich. Also gerade so Portale, in denen Nutzer Tauchorte 359 bewerten und Tauchplätze beschreiben und so, wenn man sich einlesen will und an einen neuen 360 Ort hinkommt, und sich nicht ganz so auf die Guides verlassen will, sondern auch selbst plant, 361 dann sind solche Plattformen super cool und hilfreich, ja. 362 363 I: In welchen Bereichen kannst du dein im Wasser erlerntes Taucherwissen mit Hilfe 364 digitaler Angebote aufrechterhalten, selbst wenn du mal eine längere Zeit nicht zum Tauchen 365 kommst? 366 367 B: Mit was für Medien ich kommuniziere, um mein Tauchwissen aufrechtzuerhalten? 368 369 I: Nicht wo du kommunizierst, sondern was du selbst nutzen kannst für dich, damit du, 370 sagen wir mal, nicht einrostest. 371 372 B: Es kommt drauf an, um welches Taucherwissen es geht. Also wenn es um mein 373 Taucherwissen für das Tauchlehrerdasein geht, dann geben die Verbände Updates über neue 374 Änderungen im Ausbildungswesen und solche Dinge. Wenn es um Erkenntnisse geht in der 375 Tauchmedizin – das spült eigentlich meistens Social Media an mich heran. Also ich folge jetzt 376 nicht irgendwelchen wissenschaftlichen Journalen, ich habe da nichts abonniert oder so. Aber 377 dann gibt es Magazine, die ich abonniert habe, die ich lese und wo ich mich auf dem Laufenden 378 halte. 379 380 I: Okay. Verstehe ich das richtig, dass es dabei nicht um Wissensaufrechterhaltung geht, 381 sondern dass du so auch dein Taucherwissen erweiterst? 382 383 B: Ja. Das ist da miteingeschlossen, ja. 384 385 202 I: Okay. Dann sind wir jetzt auch schon fast am Ende des Interviews angelangt. Jetzt 386 gehen wir einmal in die Zukunft: Wie würde für dich die perfekte digitale Umgebung aussehen, im 387 Sinne einer Plattform, eines Tools oder ähnlichem, welche du als Unterstützung deiner 388 Tauchaktivitäten gerne nutzen würdest? 389 390 B: (überlegt) Ja eigentlich muss die Plattform nur alle diese Plattformen integrieren, die 391 ich gerade schon nutze: Sei es meine Bildbearbeitungssoftware, meine Tauchcomputer-App, 392 Auswertungs-App und meine sozialen Netzwerke. Wobei ich da zögerlich bin, weil es gibt schon 393 Ansätze das alles in eine Plattform zu integrieren, und die sind alle nicht gut. Und von da her (…) 394 manchmal ist es glaube ich auch sinnvoll, wenn die digitalen Plattformen bei ihren Stärken bleiben 395 und nicht versuchen alles in einen Topf zu integrieren. Also ich würde nach wie vor Social-Media-396 Kanal für Social Media nutzen und Bildbearbeitungssoftware für Bildbearbeitung und Computer-397 App für Computer, weil das funktioniert meistens nicht das alles zusammenzulegen. 398 399 I: Und wie kann ich mir das vorstellen, dass das nicht so gut funktioniert das 400 zusammenzulegen? Hast du da ein Beispiel? 401 402 B: Ja, zum Beispiel: Es gibt ein Netzwerk ‚Deepblu‘, ja? Das ist ein 403 Tauchcomputerhersteller. Die haben sich gedacht: ‚Mensch, das ist doch super – wir haben einen 404 Tauchcomputer, den lesen wir aus mit unserer App und dann machen wir doch jetzt einfach noch 405 ein soziales Netzwerk, weil dann können die ganzen Leute gleich ihre ganzen Tauchgänge 406 miteinander teilen und liken und Fotos und so‘. Was sie sich dabei nicht überlegt haben ist, dass 407 die Leute vielleicht gar keinen Bock haben auf ein neues Netzwerk, weil sie sind ja alle schon im 408 sozialen Netzwerk - Facebook beispielsweise – und haben doch alle ihre Freunde auf Facebook. 409 Wieso sollen sie jetzt neue Freunde in einem neuen Netzwerk suchen, damit sie da ihr Tauchprofil 410 teilen können? Warum teilt man es nicht einfach auf Facebook mit einem Klick? Natürlich ist der 411 Hintergedanke von dem Unternehmen, dass ein soziales Netzwerk einen sehr großen, monetären 412 Wert schafft, aber das funktioniert halt nicht. Weil die Pole-Positions die sind alle schon vergeben. 413 414 I: Jetzt hattest du am Anfang der Beantwortung dieser Frage gesagt: ‚Ein Tool, was das 415 alles zusammenbringen würde‘ und dann bist du davon wieder abgekommen und hast gesagt: 416 ‚nein, eigentlich ist das besser, wenn das alles separat bleibt‘. Aber das heißt, zurückkommend 417 zur Ursprungsfrage: Was wäre für dich schön, was man noch entwickeln könnte oder was, ja was 418 würde dir noch helfen? 419 420 203 B: Man könnte es besser integrieren. Also das sind dann natürlich alles fremde 421 Unternehmen, die dann irgendwie so – mit einem Klick kannst du dann so irgendwas da dann 422 teilen, aber das ist dann oft nicht optimiert. Also, wenn du jetzt Apps miteinander verknüpfst und 423 so, dann ist es oft sehr rudimentär gelöst, wie die Informationen da transportiert werden und wie 424 die dann dort angezeigt werden, weil die ja auch gar kein großes Interesse haben, ihre Netzwerke 425 aneinander anzuknüpfen. Da könnten die Verknüpfungen einfach besser und optimaler digital 426 gestaltet werden. 427 428 I: Jetzt nochmal übergreifend zum Interview. Gibt es noch etwas, was du ergänzen oder 429 loswerden möchtest? 430 431 B: Tauchen ist schön (lacht).432 204 7.4.3 Interview I3 Datum: 11.11.2021 Dauer: 44 Minuten I: Bitte stelle dich und deine Tauchaktivitäten vor. 1 2 B: Mein Name ist XXX, ich bin Tauchlehrer für Scuba, ich bin Instructor-Trainer für Scuba, 3 Instructor-Trainer für Freediving. Ich arbeite derzeit im XXX und habe davor viele Jahre im Ausland 4 gearbeitet, unter anderem in der Karibik, in Thailand, in Afrika, und im Mittelmeer. Genau, so im 5 Wesentlichen war es das. 6 7 I: Wie bist du zum Tauchen gekommen und wer oder was hat dich dabei beeinflusst? 8 9 B: Tauchen war irgendwie immer schon ein Thema. Ich kann gar nicht sagen, dass es da 10 ein Erweckungserlebnis oder so gab, sondern es hat sich mehr oder weniger natürlich ergeben, 11 tatsächlich. Ich war schon immer so als kleines Kind im Wasser und hatte da den meisten Spaß 12 und irgendwann gab es dann die Möglichkeit für ein Schnuppertauchen. Das habe ich dann 13 natürlich ausprobiert und (…) ja, habe dann angefangen meinen ersten Schein zu machen, das 14 war vor 30-40 Jahren, und bin so zum Tauchen gekommen. Und irgendwann habe ich dann 15 angefangen, ich habe dann studiert, und habe für die Semesterferien einen Job gesucht und bin 16 auf die Art und Weise nach Madeira gekommen. Da wollte ich zwei Monate bleiben und daraus 17 wurden dann fünf Jahre. Das war es dann auch mit dem Studium. Und seitdem bin ich dabei, 18 genau. Das ist jetzt ungefähr 25 Jahre her, dass ich auf Madeira angefangen habe. 19 20 I: Und in welcher Disziplin tauchst du am liebsten? 21 22 B: Oh (…) Scuba. Ja, Presslufttauchen. Ich mache zwar auch viele Kurse im Freediving, 23 aber sozusagen das klassische Presslufttauchen, das finde ich nach wie vor am interessantesten. 24 Das ist am ehesten die Art wie man, denke ich, Meer oder Seen oder Wasser erfahren kann. Beim 25 Freediving ist die Wahrnehmung ja sehr nach innen gerichtet, man muss sich sehr viel mit sich 26 selbst beschäftigen, und beim Scuba-Tauchen da geht es dann am ehesten um 27 Naturbeobachtung und solche Dinge. Das finde ich einfach spannender. 28 205 29 I: Gut, ein bisschen hast du jetzt schon die nächste Frage angerissen: Was macht das 30 Tauchen für dich besonders? 31 32 B: Ich finde beim Tauchen tatsächlich eben die Naturerfahrung am spannendsten. Ja, ich 33 habe das immer so gesehen, dass das sozusagen ein zusätzlicher Kontinent ist, den man erfahren 34 kann und wo man auch als moderner Mensch die Möglichkeit hat noch, heute vielleicht weniger 35 als noch vor 40 Jahren, aber auch heute noch eine ursprüngliche Natur und vor allem auch noch 36 Tiere in einer natürlichen Umgebung zu erleben. Das fand ich immer sehr spannend. Also weniger 37 der Gedanke an – was viele ja haben – Abenteuer, entdecken. Diese Geschichten standen bei 38 mir weniger im Vordergrund als tatsächlich so unmittelbar eine Natur erfahren zu können. Das 39 war für mich immer im Vordergrund. 40 41 I: Und welchen Stellenwert hat das Tauchen in deinem Leben? 42 43 B: Es ist das einzige, was ich kann (lacht). Das ist das einzige wo ich gut bin. Das kann 44 man nicht so trennen. Das ist nicht: ‚Also ich habe ein Leben und es gibt noch das Tauchen‘, 45 sondern das fließt ineinander über. Das ist, ja, das ist das Leben. Tauchen ist mit das Leben, das 46 kann man sagen. 47 48 I: Was spricht denn aus deiner Sicht dafür mit dem Tauchen anzufangen? 49 50 B: Das hängt mit dem zusammen, wie ich Tauchen selbst erlebe, und ich finde, dass 51 dafür spricht wirklich das unmittelbare erleben können, sehr nahe herankommen können, an eine 52 Natur, an wilde Tiere, an große wilde Tiere beispielsweise, an eine sehr schöne Landschaft auch 53 unter Wasser. Dann natürlich, was dafürspricht, was für viele ein großer Punkt ist, ist natürlich 54 dieses Gefühl schweben zu können. Ja, das sind so die Hauptpunkte, würde ich sagen. 55 56 I: Beschreibe mir bitte wie der ideale Tauchgang für dich aussehen würde. 57 58 B: Der ideale Tauchgang (lacht) wäre alleine, auf jeden Fall, in einem tropischen Meer, 59 auf jeden Fall im Meer, nicht im See, im Meer – ganz wichtig – im maximal 10-20 Meter-Bereich. 60 206 Unabhängig davon, was man an Tieren und Korallen und so sehen kann. Einfach für sich alleine 61 die Zeit haben sich im Wasserkörper zu bewegen. Ja, das wäre so für mich der ideale Tauchgang. 62 63 I: Das heißt in deinem idealen Tauchgang würde ein Buddy gar keine Rolle spielen? 64 65 B: Genau. Das Ding ist ja: Wenn man eine bestimmte Erfahrung gesammelt hat beim 66 Tauchen, wird natürlich jeder Buddy zur Belastung, weil die Wahrscheinlichkeit, dass man mit 67 jemandem taucht, der mehr Erfahrung hat als man selbst, ist äußerst gering. Das heißt man wird 68 automatisch immer die Rolle haben, dem anderen helfen zu müssen oder was zeigen zu müssen, 69 oder, oder, oder. Und die Wahrscheinlichkeit selbst in eine Situation zu kommen, die man nicht 70 mehr handhaben kann, die ist äußerst gering. Also ich habe jetzt ungefähr 7000 Tauchgänge und 71 da habe ich natürlich schon viele Situationen erlebt, das heißt ich bin durchaus in der Lage solche 72 Situationen selbst zu meistern. Wenn ich in eine Situation komme, die ich alleine nicht mehr 73 meistern kann, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Buddy mir helfen kann, auch äußerst 74 gering. Also werde ich eher in die Situation kommen jemand anderem helfen zu müssen. Und das 75 ist natürlich auch immer eine Verantwortung, die sozusagen mittaucht. Das heißt man kann das 76 nicht immer so abschalten. Diese Fürsorge, die man dann für den Buddy hat, auch automatisch 77 durch Jahre des Trainings und der Arbeit – das kann man nicht abschalten. Und das gelingt dann 78 halt nur, wenn man alleine ist und sich auf sich selbst konzentrieren kann und auf seine eigene 79 Wahrnehmung, also ohne, dass ich irgendetwas zeigen muss oder dass man irgendwie die 80 Richtung halten muss ohne, dass man den Luftvorrat von jemand anderem korrigieren muss. Und 81 deswegen würde der Buddy also eher stören (lacht). 82 83 I: Würdest du das auf alle Tauchdisziplinen beziehen oder beziehst du das jetzt speziell 84 auf das Scuba-Tauchen? 85 86 B: Das ist jetzt speziell Scuba-Tauchen. Beim Freediving wäre es ganz anders. Da ist ja 87 der Tauchgang sowieso an sich alleine und da muss man sagen, anders als beim Scuba-Tauchen: 88 Ich denke, dass beim Scuba-Tauchen die Technik so sicher ist, dass man da den Tauchgang 89 richtig plant und durchführt, also keine Extreme macht hinsichtlich der Tiefe oder der Zeit. Da wird 90 man beim Scuba-Tauchen mit einer normalen Tauchausrüstung in einem normalen Tauchrevier 91 eher nicht in Schwierigkeiten kommen. Das ist beim Freediving natürlich anders, weil eine 92 plötzliche Ohnmacht, ein Blackout, ist da eigentlich immer möglich. Das heißt ich brauche da 93 zwingend einen Buddy, ganz klar. Das erleben wir auch immer wieder in der Ausbildung. Es kann 94 durchaus passieren, dass man mal ein kurzes Blackout hat, und insbesondere wenn die Leute an 95 207 die Grenze gehen oder man auch Freediving macht im Meer und nur abgelenkt von 96 irgendwelchen Großfischen und länger auf Tiefe bleibt, als einem guttut, dann braucht man 97 wirklich unbedingt einen dabei, der einem hilft. Das ist also auch nochmal eine Sache, die man 98 wirklich in den Freediving-Kursen nochmal vermittelt. 99 Also beim Scuba-Tauchen kann ich vielleicht darüber diskutieren, ich kann so einen Solo-Diver 100 Schein machen und wenn ich genug Redundanzen schaffe, dann kann ich das auch alleine 101 machen. Da kann man sicher drüber sprechen, aber ich denke das können wir nicht beim 102 Freediving machen. 103 104 I: Kannst du mir diesen ‚Solo-Diver‘ noch genauer erklären? 105 106 B: Ja, also es gibt von einigen Verbänden die Möglichkeit so ein Solo-Diver-Brevet zu 107 machen. Das heißt der wird ausgebildet, dass er tatsächlich alleine, ohne einen Buddy, 108 Tauchgänge durchführen kann und darf. Da geht es hauptsächlich darum Redundanzen zu 109 schaffen und dass man vielleicht ein zweites Set Atemregler dabeihat, dass man eine 110 Ersatzflasche dabeihat - dass man ein Bailout hat. Das ist auch so ein bisschen die Erfahrung 111 oder die Diskussion, dass man sagt: ‚Die meisten Buddy-Teams tauchen sowieso jeder für sich.‘ 112 Also es gibt wenige Buddy-Teams, die wirklich aufeinander eingespielt sind und wo man wirklich 113 nach dem Partner guckt, sondern die meisten tauchen natürlich nebeneinander her, sind zwar 114 sozusagen als Team unterwegs, aber jeder kümmert sich mehr oder weniger um sich selbst. Und 115 auch aus der Erfahrung heraus kann man natürlich sagen, wenn die Erfahrung stimmt, kann man 116 natürlich auch gleich einen Schritt weitergehen, wenn die Leute sich sowieso nicht umeinander 117 kümmern, dann können sie auch alleine tauchen, insofern sie genug Redundanzen dabeihaben. 118 Genau, das wäre der Solo-Diver, aber es gibt tatsächlich nicht viele, die das machen. Aber es 119 wäre denkbar. Ich glaube SSI bietet das an, PADI macht da irgendetwas, ja. 120 121 I: Und nochmal zu deinem idealen Tauchgang: Welche Rolle würde denn dabei das 122 Tauchteam spielen? 123 124 B: Gar keine. Also tauchen hat ja für viele auch, glaube ich, mit Freiheit zu tun, also schon 125 mal die Freiheit sich zu bewegen wie man möchte. Man kann alle drei Dimensionen ausnutzen 126 und die Ausrüstung, die wir mitnehmen müssen, ist schon eine Einschränkung. Das ist schon so 127 ein bisschen lästig. Wenn ich mir jetzt für meinen idealen Tauchgang vorstelle, ich hätte da jetzt 128 208 noch so ein Team im Hintergrund oder so das (schüttelt den Kopf), der Gedanke wäre mir lästig. 129 Wenn da noch Leute im Hintergrund sind oder so, nein. Nein. Nicht beim idealen Tauchgang. 130 131 I: Okay. Welche persönlichen Merkmale kennzeichnen deiner Meinung nach den Typ 132 Apnoe-und den Typ Gerätetaucher? 133 134 B: Ja. Da muss man dann anfangen und unterscheiden zwischen Frauen und Männern, 135 glaube ich, ohne jetzt Rollenklischees bedienen zu wollen, aber, wenn wir von Presslufttauchern 136 sprechen, ist meine Erfahrung nach: Bei den Frauen steht tatsächlich im Vordergrund die 137 Naturerfahrung, Tiere zu sehen, schöne Korallen zu sehen. Wenn sie mit einem Partner tauchen, 138 dann geht es auch um die Partnererfahrung, dass man was zusammen macht, zusammen eine 139 Sportart ausübt. 140 Bei den Männern, meiner Erfahrung nach, gerade bei den Beginnern, geht es eben eher um 141 Abenteuer, entdecken, ein Wrack entdecken, erkunden. Da stehen diese Dinge im Vordergrund. 142 Bei beiden ist es dann so, dass auf jeden Fall beim Scuba-Tauchen die Außenwahrnehmung zählt. 143 Also ich möchte Natur erleben, ich möchte ein Abenteuer erleben und solche Dinge. Also die 144 Wahrnehmung ist nach außen gerichtet. 145 Beim Freediving, da haben wir aus meiner Sicht keine so große Unterscheidung zwischen 146 Männern und Frauen. Da geht es dann, im Gegensatz zum Presslufttauchen, darum, dass man 147 die Wahrnehmung nach innen richtet. Da geht es um Selbsterfahrung, sich kennenlernen, den 148 eigenen Körper kennenlernen, Grenzen austesten und um solche Dinge. 149 Wenn man es auf den Punkt bringen möchte. Der größte Unterschied zwischen Scuba- und 150 Freediving ist: Für das eine ist die Wahrnehmung ganz klar nach außen gerichtet und beim 151 anderen ist ganz klar die Wahrnehmung nach innen gerichtet. 152 153 I: Und welche Fähigkeiten müssen die Taucher haben, um tauchen zu können? 154 155 B: Als Taucher muss man eigentlich nur psychisch stabil sein. Das ist, glaube ich, die 156 größte Fähigkeit. Das heißt beim Freediving noch mehr als beim Scuba-Tauchen. Es ist die 157 Fähigkeit sich in einem potenziell lebensfeindlichen Medium zu entspannen. Beim Freediving noch 158 zusätzlich noch die Kunst sich unter tatsächlicher Luftnot zu entspannen. Das haben wir auch 159 ganz oft in den Kursen. Das stellt kaum Anforderungen an die körperliche Fitness, aber die 160 meisten Probleme, gerade in den Anfängerkursen, sind immer Kopfsache. Da geht es nicht 161 darum: ‚Wie lange kann ich die Luft anhalten?‘ oder ‚klappt der Druckausgleich?‘. Es ist immer 162 209 der Kopf, der ein Problem macht. Also das ist sozusagen das Allerwichtigste erst einmal, dass die 163 Psyche einigermaßen stabil ist. 164 165 I: Welches unter Wasser beobachtete Verhalten ärgert dich? 166 167 B: (lacht) Ja, da muss ich erst mal meine Rangliste durchgehen. Was mich am meisten 168 ärgert, das ist dann tatsächlich bezogen auf das Partnerverhalten. Das ist ein Verhalten das wir 169 hauptsächlich bei Männern beobachten. Das ist so eine Rücksichtslosigkeit. Also so eine 170 Vorstellung vom Tauchgang im Kopf haben, wie der aussehen muss, wie tief der sein muss, wie 171 lang der sein muss, und dann diese Vorstellung auf jeden Fall umzusetzen, egal ob ein Partner da 172 jetzt mitkommt und ein Problem hat oder nicht. Das finde ich wirklich sehr ärgerlich. Das ist auch 173 eine Sache, die wir beispielsweise in den Fortgeschrittenen Kursen beobachten können, dass 174 wenn die Leute Deep-Dive-Kurse machen, dann wollen die, speziell die Männer, ihre 30 Meter 175 das erste Mal auch machen und es ist völlig egal dabei, ob jetzt irgendjemand noch an der 176 Oberfläche ist und Probleme mit dem Druckausgleich hat. Darauf wird dann gar nicht mehr 177 reagiert, sondern es wird dann sofort abgetaucht auf 30 Meter, ohne zu gucken: ‚Kommen die 178 anderen in der Gruppe noch hinterher oder nicht?‘ Und das ist dann genau das Verhalten, das 179 dann natürlich zu Problemen führt. Also das ist nicht die Technik, die Schwierigkeiten macht oder 180 ausfällt, sondern es ist im Vorfeld immer ein schlechtes Partnerverhalten. Immer, also ich würde 181 sagen zu nahezu 100%. Probleme, die unter Wasser auftreten, sind immer auf ein schlechtes 182 Partnerverhalten zurückzuführen: Mangelnde Kommunikation, mangelnde Absprachen und vor 183 allem das sich nicht an Absprachen halten. Das ist, glaube ich, mit das größte Problem und das 184 ist, was mich wirklich am meisten ärgert. 185 186 I: Du hattest eben eine Rangliste erwähnt. Was käme als nächstes in deiner Rangliste? 187 188 B: Ja, das nächste wäre vielleicht (…) so eine Respektlosigkeit, so ein Desinteresse an 189 der Umwelt in der ich mich gerade befinde. Ja, wenn zum Beispiel die Tierwelt oder die 190 Pflanzenwelt, die ich mir anschaue, so dekoriert wird und so degradiert wird zu irgendeiner 191 Dekoration. Die meisten Taucher, die ich kenne, verstehen nicht oder wissen noch nicht mal 192 welche Fische sie sehen. Die können sie noch nicht mal benennen, nicht zuordnen. Man hat oft 193 den Eindruck es geht jetzt nur darum große Fische gesehen zu haben. Meistens können die auch 194 nicht wirklich erzählen: Was haben sie gesehen, was haben sie erlebt? Sondern das ist so, man 195 hat oft den Eindruck es geht nicht wirklich um das Tauchen, um das unter Wasser sein, sondern 196 nur einfach irgendetwas Aufregendes gemacht zu haben, von dem man erzählen kann. Und, jetzt 197 210 auch wieder bei Männern sehr häufig: Das wird dann auch immer so eine Materialschlacht. Das 198 ist dann so die Technik, die dann im Vordergrund steht, und nicht mehr die Erfahrung. Da werden 199 irgendwelche Schrauben diskutiert oder: ‚Wie viele Joule-Arten Wiederstand hat mein 200 Atemregler?‘ Das sind so die Gesprächsthemen und das nimmt dann einen Raum ein, der für 201 mich mit Tauchen eigentlich nichts mehr zu tun hat. Das wäre so der nächste Punkt auf der Liste, 202 dass ich nicht verstehe, warum viele Leute tauchen, eigentlich. 203 204 I: Okay. Inwiefern wird das individuelle Tauchverhalten von außen beeinflusst? 205 206 B: Das wird also beim Scuba-Tauchen, glaube ich, sehr stark von außen beeinflusst. Also 207 Gruppenzwang ist ja mit das größte Problem, das wir beobachten können. Beispielsweise auf 208 Tauchbooten, wenn man rausfährt und 19 Leute auf dem Boot sind, und einer hat Probleme mit 209 dem Druckausgleich oder ist aufgeregt oder geängstigt vor dem Tauchgang, traut sich aber nicht 210 das zu sagen, weil er die Gruppe nicht aufhalten will. Das sind so Einflüsse. Oder niemand möchte, 211 wenn dann entschieden wird: ‚Okay, wir bleiben jetzt nicht auf 30 Metern, sondern irgendjemand 212 möchte dann doch auf 40 Meter gehen, und man möchte dann keine Spaßbremse sein, möchte 213 auch den anderen den Tauchgang nicht versauen, und macht dann halt Dinge mit, für die man 214 vielleicht gar nicht vorbereitet ist oder für die man nicht bereit ist. Also ich denke das hat eine 215 sehr, sehr große Auswirkung. Insbesondere vor dem Tauchgang. 216 217 I: Welche Rolle spielen dabei deiner Meinung nach die Tauchguides? 218 219 B: Die haben, glaube ich, eine sehr zentrale Rolle, die Tauchguides. Gerade vor dem 220 Tauchgang ist es entscheidend wichtig, dass ein Tauchguide in der Lage ist zu sehen, was Leute 221 leisten können, und einzuschätzen, was die machen können, auch wenn sie das selbst vielleicht 222 gar nicht wissen. Wir haben oft, also als ich auf den Malediven gearbeitet habe, weil bei den 223 Malediven ist ja immer sehr viel Strömungsgewässer - das war für viele Leute völlig neu. Die haben 224 sich dann auch gerne überschätzt dabei, die haben gesagt: ‚Kann nicht so schlimm sein, will ich 225 aber trotzdem sehen.‘ Und dann einschätzen zu können: ‚Nein, das wird nichts mit dir‘, weil sie 226 einfach noch nicht die Erfahrung haben das zu machen, und dann den Tauchgang so zu gestalten, 227 dass der das gar nicht mitbekommt, dass der trotzdem einen guten Tauchgang hat und gar nicht 228 mitbekommen hat, dass er jetzt gar nicht den Hammer Strömungstauchgang gemacht hat, 229 sondern immer noch rauskommt und denkt er ist der tolle Hecht, er hat jetzt wirklich gerade eine 230 super Leistung. Das ist die Aufgabe des Diveguides. Sozusagen die Hormon-Protzer abzuholen 231 und gleichzeitig aber dafür zu sorgen, dass die Ängstlichen, die nicht so draufgängerisch sind, 232 211 trotzdem noch abzuholen und einzubinden. Ja, also das alles unter einen Hut zu kriegen und dann 233 noch sicher zu bleiben. Das ist so die Anforderung und das ist so die Rolle von einem Tauchguide. 234 235 I: Und welche Rolle spielen deiner Meinung nach die Tauchvereine und –verbände? 236 237 B: Ich glaube, dass die Bedeutung der Tauchvereine sowieso rückläufig ist. Das war 238 früher so, vor 20 Jahren vielleicht, dass einfach auch die Infrastruktur noch nicht so gut war. Die 239 hat sich da noch sehr konzentriert in den Vereinen. Das heißt, wenn man Flaschen füllen wollte, 240 dann musste man dafür in die Vereine gehen, um dort seine Flasche gefüllt zu bekommen. Ich 241 glaube aber, dass diese Vereinsstrukturen sich heute überlebt haben, weil wir auch eine bessere 242 Infrastruktur haben, also es gibt mehr Dive-Shops und so weiter. Also auch hier im XXX füllen wir 243 Flaschen für Leute, ohne dass die jetzt irgendwie in einem Club oder einem Verein organisiert sein 244 müssen. Viele Leute nerven solche Vereinsstrukturen natürlich auch, die haben da keine Lust 245 drauf. Und da man ja früher auch nicht so viele Fernreisen unternehmen konnte und sich das 246 Ganze mehr in heimischen Gewässern abgespielt hat, hat der Tauchverein Sinn ergeben. Aber 247 heute ist Tauchen ja für viele Leute das Tauchen im Meer, das heißt auf jeden Fall eine Fernreise. 248 Und da spielt der Verein natürlich weniger eine Rolle. 249 Die Tauchverbände auf der anderen Seite, die spielen eine große Rolle, auf jeden Fall, weil sie 250 eben festlegen, tatsächlich, was gemacht werden darf. Also das, was die Verbände uns sagen, 251 hat eigentlich auch Gesetzeswirkung für uns. 252 253 I: Dann kommen wir zum Thema Kommunikation im digitalen Zeitalter: Über welche 254 Kanäle erreichst du mit deinen Aktivitäten rund ums Tauchen andere Taucher? 255 256 B: Ja das läuft heute natürlich am meisten über Instagram und Facebook. Tatsächlich. 257 Also da haben wir unsere Hauptaktivitäten. Eigene Website und so spielt eigentlich kaum eine 258 Rolle. Viele Kollegen machen dann TikTok, die meisten sind auf jeden Fall auf Instagram. Die 259 Bedeutung von Facebook nimmt ein bisschen ab, aber diese drei zusammen auf jeden Fall, das 260 sind so die Hauptmedien, auf denen wir kommunizieren oder uns darstellen. 261 262 I: Und kannst du mir erklären, was da jeweils besonders gut funktioniert in der digitalen 263 Kommunikation? 264 265 212 B: (…) Es gibt so eine Übersättigung an Tauchbildern, ja, also Unterwasserbildern. Die 266 will im Grunde keiner mehr sehen. Aus meiner Sicht funktionieren zwei Dinge ganz gut: Das eine 267 ist, wenn man arbeitet in dem Bereich und dann Dinge aus seinem Alltag zeigt, aus seinem 268 Arbeitsalltag, das funktioniert ganz gut. Und das zweite, muss man leider sagen, sind Bikinifotos. 269 Ja, wenn man sich das anguckt auf Instagram - Was bekommt die meisten Likes? - dann sind das 270 Apnoefotos von Frauen im Bikini. Ja, also ich könnte das gleiche machen, das würde aber 271 niemanden interessieren. Also bei mir die Dinge, die am besten funktionieren, sind eben die, die 272 so aus meinem Alltag sind: ‚So, hier, mein Kurs. Guck mal da, wir gehen jetzt in den See, wir 273 machen ein Deep-Dive-Speciality.‘ Das interessiert die Leute und, wie gesagt, dann halt (zuckt 274 mit den Schultern) Bikinis. Kommt bei mir jetzt nicht so, also mich will da keiner sehen, aber ja, 275 genau. 276 277 I: Und gibt es Unterschiede in deiner Art zu kommunizieren, je nachdem wen genau du 278 ansprechen willst? 279 280 B: Nein, also tatsächlich nicht. Tatsächlich nicht. Also weil ich halt auch schon aus dem 281 vor-Instagram-Zeitalter komme, sogar aus dem vor-Computer-Zeitalter, bin ich da nicht ganz so 282 affin dazu wie die meisten jüngeren Kollegen. Ich nutze das eher wirklich so als Fotoalbum, das 283 ich halt auch mit anderen Leuten teile. Das heißt, ich versuche nicht gezielt Leute anzusprechen, 284 sondern ich veröffentliche da Dinge wo ich denke die sind ganz lustig oder spannend, und von 285 denen ich mir denke: Die Leute, die mich kennen finden das vielleicht auch lustig oder spannend. 286 287 I: Welche digitalen Plattformen und sozialen Netzwerke nutzt du zur Kommunikation mit 288 anderen Tauchern für deine privaten Tauchgänge? 289 290 B: Okay. Tatsächlich (…) gar keine (lacht). Also erst mal, weil ich kaum, kaum private 291 Tauchgänge mache – das meiste ist Arbeit. Wenn ich private Tauchgänge mache, dann sind mir 292 aber die Leute, mit denen ich tauchen gehen würde, so nahe, dass ich mich mit denen persönlich 293 verabrede oder tatsächlich über das Telefon. 294 Wenn, oder was ich beobachte bei anderen ist, dass da ganz viel über WhatsApp läuft. Und da 295 gibt es eine Unmenge an Gruppen und da wird sich viel abgesprochen für irgendwelche 296 Tauchgänge. 297 298 I: Welche auf das Tauchen bezogenen Fachbereiche und Inhalte wecken dein Interesse? 299 213 300 B: Okay. Das ist in der Hauptsache: Dekompressionstheorie finde ich ganz spannend. 301 Das ist also das was mich am meisten (…) also das, ja, genau, Dekompressionstheorie, so 302 chemische Zusammenhänge, physikalische Zusammenhänge – das ist das eine. Und was mich 303 natürlich sehr interessiert, aber das ergibt sich schon aus dem, was ich vorher gesagt habe, ist 304 halt Meeresbiologie. Also die Zusammenhänge unter Wasser, Fische. Die zwei Bereiche 305 interessieren mich tatsächlich am meisten. 306 307 I: Und wie müssten solche Inhalte präsentiert sein, dass du ihnen tatsächlich deine ganze 308 Aufmerksamkeit zuwendest? 309 310 B: Ja, die müssten tatsächlich fundiert sein, also mehr in die Tiefe gehen. Zum Beispiel 311 bei denen, die von Dekompression sprechen ist das alles auf einem sehr flachen Niveau, 312 tatsächlich. Und es ist sehr schwierig da weitergehende Informationen zu finden. Ja, gerade, 313 wenn man sich so mit den Gasgesetzen beschäftigt und so weiter, muss man aus dem Bereich 314 der Taucherei rausgehen. Man muss dann wirklich in die Physik gehen. Man muss dann Dinge 315 lesen, die erst einmal nichts mit dem Tauchen zu tun haben, und muss das dann selbst auf das 316 Tauchen beziehen. Da fände ich es schön, wenn es mal jemanden gäbe, der das wirklich so in 317 die Tiefe erklärt, speziell auf das Tauchen bezogen. Meeresbiologie im Grunde genommen auch 318 das gleiche, das bleibt sehr an der Oberfläche. Da wird einem dann gesagt: ‚Woran erkenne ich 319 einen Hai?‘ – große Flossen, viele Zähne und so. Und da bleibt es dann meistens stehen, aber viel 320 mehr jetzt über die Organisation von Lebensräumen, über die Zonierung von Riffen und so weiter 321 – das ist halt schwierig darüber etwas zu finden. Und das fände ich ganz schön, wenn das wirklich 322 auch mal für die Leute, die weitergehendes Interesse haben, dass man da ein bisschen mehr in 323 die Tiefe geht. 324 325 I: Du sagst es sei schwierig zu finden, aber wie gehst du denn bei deiner online-Suche 326 vor, um diese tauchspezifischen Inhalte vielleicht doch zu finden? 327 328 B: Also ich muss sagen, dass ich da gar nicht mehr online bin. Ich suche das gar nicht 329 mehr online, weil da dann die Gefahr ist, dass so viel Halbwissen und auch leicht falsches Wissen 330 verbreitet wird, sodass man da so viel damit beschäftigt ist, Falsches vom Richtigen zu trennen. 331 Da ist es günstiger, wenn man sich, also aus meiner Sicht, zum Beispiel auf dem 332 englischsprachigen Buchmarkt umschaut. Der englischsprachige Sprachraum ist sehr viel größer 333 als der Deutsche. Das heißt, dass man auch zu so, ich sage mal, abseitigen Themen noch Leute 334 214 findet, die mal irgendetwas Gutes dazu geschrieben haben. Und ich recherchiere da kaum etwas 335 im Internet, weil das sind dann auch immer irgendwelche Gruppen oder so, und das endet dann 336 immer in irgendwelchen Hates und Flames. Das macht für mich wenig Sinn. Das ist ganz gut für 337 die Anfangsgründe, also es gibt so ein paar Sachen, über die sich alle einig sind, ja, so das Boyle 338 Mariotte ist so das wichtigste Gesetz für den Taucher - da sind sich dann alle einig, das kann 339 man mal nachgucken. Aber wenn es darüber hinausgeht, so: ‚Wo sind die Grenzen der 340 Gasgesetze?‘ und so weiter, dann wird es entweder falsch oder weniger anschaulich. Und wenn 341 ich ein Buch lese, dann weiß ich, dass da immer nochmal jemand drüber geschaut hat, bevor das 342 gedruckt worden ist, das gegengelesen ist. Deswegen eher kein Internet. 343 344 I: Aber verstehe ich das richtig, dass wenn jemand im Anfängerlevel online Informationen 345 suchen würde, dass der dann schon noch etwas tauchspezifisches finden würde, und dass es 346 erst mit zunehmendem Professionalisierungsgrad schwierig würde etwas zu finden? 347 348 B: Auf dem Anfängerlevel findest du auf jeden Fall (…) also das Anfängerlevel ist ja 349 gerade ein Gebiet, was gut erschlossen ist. Da herrscht bei allen Einigkeit, wie man so eine 350 Anfängerausbildung machen muss, was der wissen muss, was der können soll. Da sind sich 351 eigentlich alle mehr oder weniger einig. Deswegen kann man da auch noch eine ganze Menge 352 zum Thema Scuba-Tauchen finden. Das ist dann beim Freediving schon wieder ein bisschen 353 anders. Da muss man dann auch wieder vorsichtig sein. Da gibt es dann durchaus Leute, die auf 354 YouTube sagen: ‚Hyperventilation vor dem Tauchgang ist sinnvoll und so.‘ Das ist dann schwierig, 355 gerade für einen Beginner, einzuordnen. Aber bei Scuba auf jeden Fall. Das ist schon lange 356 common sense, was da veröffentlicht wird. 357 358 I: Okay. So, der letzte Bereich, zu dem ich dich befragen möchte, bezieht sich auf die von 359 dir genutzten online-Tools selbst und ihre Wirkungsweise: Welche digitalen Angebote nutzt du 360 konkret als Unterstützung zum Tauchen im Wasser und an Land? 361 362 B: An Land nutze ich gar keine Digitalen, also ich habe weder Logbuch noch sonst 363 irgendetwas. Und im Wasser, selbstverständlich, benutze ich Tauchcomputer. Aber ansonsten 364 bin ich da ziemlich puristisch, tatsächlich. 365 366 I: Und kannst du mir deine Tauchcomputernutzung noch ein bisschen genauer erklären? 367 368 215 B: Ich habe den dabei. (…) Ich muss ehrlicher Weise sagen: Ich habe den dabei, weil ich 369 ihn dabeihaben muss, gerade in der Ausbildung gehört das dazu, aber ich gucke da nicht wirklich 370 drauf. Also wenn ich jetzt privat tauchen gehe, dann vergesse ich den auch mal (zuckt mit den 371 Schultern). Ich weiß jetzt nicht wirklich, welchen Mehrwert mir der bringt. Tiefe kann ich meistens 372 einschätzen, ich kenne die Nullzeiten eigentlich auch ganz gut, wie warm oder wie kalt das Wasser 373 ist, ist mir eigentlich wurscht. Nein. Finde ich, (schüttelt den Kopf) nein. Also es ist wirklich ganz 374 selten, dass ich den benutze. Außer in der Ausbildung eigentlich nicht. 375 376 I: Und das auch wieder Disziplinen übergreifend? 377 378 B: Ja. Gerade beim Freediving. Beim Scuba-Tauchen, klar da brauche ich bezüglich der 379 Sättigung ein paar Informationen, zumindest die Nullzeit muss ich wissen. Aber beim Freediving 380 ist mir das ja völlig egal. Wie tief ich bin spielt keine Rolle, sondern ich gehe so tief wie ich mich 381 wohlfühle und wie es mein Körper mitmacht. Das ist natürlich davon unabhängig, was irgendein 382 Computer anzeigt. Außerdem würde mich das ja, wenn ich jetzt beim Freediving auf den 383 Computer schaue, aus dem Fokus rausnehmen. Also ich müsste sozusagen meine Haltung 384 unterbrechen, müsste Energie aufwenden meinen Arm zu bewegen, müsste Denkenergie 385 aufwenden, um zu interpretieren, was ich da gerade sehe – für eine Information, die jetzt gerade 386 nicht wirklich wichtig ist. Also die Tiefe hat ja beim Freediving keine Auswirkung, nur insofern, 387 dass ich halt runterkomme und wieder rauf. Wie tief das dann war ist mir dann egal. 388 389 I: Gäbe es aber andere Menschen, denen du vielleicht genau diesen Tauchcomputer 390 empfehlen würdest? 391 392 B: Ich würde auf jeden Fall – klar würde ich jedem (…) also klar! Jeder, der gerade am 393 Beginn der Tauchausbildung ist, muss zwingend einen Tauchcomputer haben! Also vor allem, 394 wenn man das selbst noch nicht einschätzen kann, wenn ich meine Aufstiegsgeschwindigkeiten 395 nicht selbst einschätzen kann, wenn ich meine Tiefe nicht einschätzen kann, wenn ich noch nicht, 396 oder: Die wenigsten verstehen heute ja die Vorgänge der Sättigung. Da muss natürlich unbedingt 397 zwingend, und das machen wir ja in den Kursen auch ganz, ganz dringlich, dass der Begriff der 398 Nullzeit jedem bekannt ist und dass der verstanden worden ist. Das ist existentiell. Und dass man 399 auch gerade, wenn man im Meer unterwegs ist, seine Tiefe überprüft. Dass man da jetzt nicht im 400 ersten Rausch zu tief geht, sondern dass man da immer auch weiß: ‚Ich bin noch in einem Bereich, 401 der noch gut für mich ist.‘ Auch, dass man die Tauchzeit im Auge behält und so weiter, das 402 braucht man gar nicht zu diskutieren. Das ist lebensnotwendig für die! 403 216 Wenn du mich persönlich fragst, dann ja (macht eine wegwerfende Bewegung) das fällt dann da 404 auseinander. 405 406 I: Inwiefern unterstützen dich tauchspezifische online-Inhalte unterschiedlicher 407 Fachbereiche beim Tauchen selbst? 408 409 B: Ja, also was ich natürlich selbst viel nutze sind die Dinge, die die Verbände anbieten. 410 Da gibt es zum Teil sehr gute Schulungsunterlagen für die spezielle Anfängerausbildung. Das 411 nutzen wir sehr viel. Die bieten oft auch Präsentationen an. Wir selbst nutzen natürlich e-Learning 412 für unsere Schüler, ja. Die kriegen Zugang zu so einem Portal, auf dem sie dann das lesen können, 413 dass sie das machen können und so weiter. Also das sind so die Dinge, die wir nutzen. Das ist 414 das, was die Verbände an Schulungsunterlagen bereitstellen. 415 416 I: Kannst du dieses e-Learning für die Tauchschüler noch genauer erklären? 417 418 B: Ja. Das ist im Grunde, also, was wir oder auch was die Verbände zur Verfügung stellen, 419 ist das, was man früher in Lehrbüchern hatte, wird jetzt als online-Präsentation dargestellt, 420 kapitelweise dargestellt. Und am Ende wird dann noch mal in Form von Quizzes das Wissen 421 abgefragt. Und das Gute ist, dass ich halt als Tauchlehrer sehen kann online: Wie weit ist der 422 Schüler fortgeschritten bei seinem Lernen? Und wie gut oder wie schlecht hat er die online-423 Quizzes bearbeitet? 424 Die Inhalte sind allerdings ganz klassisch. Es ist im Grunde wie ein Buch. Es sind die Inhalte 425 tatsächlich eins zu eins. Aber der Vorteil ist natürlich, dass ich tatsächlich auch den Lernfortschritt 426 des Schülers auch wirklich sehen kann. Also dass ich sehen kann: ‚Aha, er hat seine Quizzes 427 bearbeitet.‘ Und dass ich sehen kann: Hat er das tatsächlich auch gelesen oder nicht? Ja, also 428 hat er nur das Quiz gemacht oder hat er vorher auch tatsächlich den Teil gelesen, den er lesen 429 sollte. Das ist für uns so hauptsächlich das Interessante beim e-Learning. 430 431 I: Angenommen du hättest mal eine Phase, in der du nicht so häufig zum Tauchen 432 kommst: Würdest du dann für bestimmte Bereiche dein, im Wasser erlerntes Taucherwissen über 433 digitale Angebote aufrechterhalten können? 434 435 217 B: (…) Nein. Das kann ich mir nicht vorstellen. Also Tauchen ist eine Sache, die muss 436 man halt machen. Also das ist halt eine Erfahrung, eine sinnliche Erfahrung, eine 437 Wahrnehmungserfahrung und diese ganzen Dinge, die außerhalb dieser Erfahrung stattfinden, 438 glaube ich, dienen so nur der Überbrückung der Frustration bis man das nächste Mal tauchen 439 kann. Das ist mehr oder weniger so eine Ersatzbefriedigung. Auch die Leute, die ich beobachte: 440 Wenn die im Winter nicht tauchen gehen können, dann fangen sie an, digitale Medien zu nutzen, 441 dann fangen sie an YouTube Videos zu gucken. Einfach, um ein bisschen in Kontakt zu bleiben 442 mit dem Thema, aber wirklich befriedigend ist das nicht. Das geht wirklich, glaube ich, bei den 443 meisten darum die Zeit zu überbrücken, bis es das nächste Mal losgeht. 444 445 I: Dann sind wir jetzt auch schon fast am Ende des Interviews angelangt. Einmal noch in 446 die Zukunft: Wie würde für dich die perfekte digitale Umgebung im Sinne einer Plattform, eines 447 Tools oder ähnlichem aussehen, welche du als Unterstützung deiner Tauchaktivitäten gerne 448 nutzen würdest? 449 450 B: Oh, das ist eine schwierige Frage. (…) Also nutzen würde ich, glaube ich, eine 451 Plattform, die es mir erstens ermöglicht mich mit anderen Leuten zu vernetzen. Jetzt nicht nur im 452 Hinblick auf Verabredungen zum Tauchen, sondern auch im Hinblick auf das Teilen von Wissen 453 – das finde ich ganz. Also wenn man das hinbekommt. Das ist immer auch spannend, also egal, 454 wie viele Tauchgänge man hat, irgendjemand hat mal eine Erfahrung gemacht, die man selbst 455 noch nicht gemacht hat und kann daraus was lernen. Also wenn man das so hinkriegt, dass man 456 das ohne Eitelkeit teilt mit anderen, dann wäre das eine tolle Sache. Und wenn man das so 457 kontrollieren kann, dass das nicht in irgendwelche Hates oder Flames ausartet; das wäre super. 458 Und was ich ganz interessant und spannend finde, wäre dann tatsächlich mal so eine Datenbank 459 – das fände ich super spannend – wo wirklich die Tauchplätze gut in einem einheitlichen Format 460 beschrieben und dargestellt werden. Und zwar jetzt nicht nur bezogen auf einen See, sondern 461 jetzt wirklich. Es gibt ja ganz viele Tauchplätze, die man gerne betaucht. Da mal eine vernünftige 462 Beschreibung und Darstellung. Das fände ich mal ganz spannend, dass man das auch einheitlich 463 macht. Dass man sich darüber einigt: wie stelle ich ein Riff dar in der Zeichnung, wie stelle ich die 464 Tiefenlinien dar, wie stelle ich Strömungen dar, was gehört da rein, welche Himmelsrichtung und 465 so weiter. Was sind die wichtigen Landmarken, was sind die wichtigen Peilmarken, um das Ding 466 anzufahren, wie muss ich das Ding tauchen, bei welchen Witterungsverhältnissen? Sowas fände 467 ich mal gut. 468 Und was ich nicht sehen wollen würde sind die immer gleichen Bilder, die irgendwelche Leute 469 hochladen von irgendwelchen Fischen. Da hat man sich schon totgesehen. Also ich würde mir so 470 wünschen: Ein Tool, um Wissen zu teilen und um Tauchplätze ansehen zu können und 471 218 nachvollziehen zu können und so weiter. Das wären so die zwei Sachen, die mich am meisten 472 interessieren. 473 474 I: Und gibt es sonst noch etwas, das du ergänzen oder loswerden möchtest? 475 476 B: Ja: Macht nicht so viele Kurse – lernt lieber tauchen! (lacht) Das wäre das Wichtig.477 219 7.4.4 Interview I4 Datum: 14.11.2021 Dauer: 46 Minuten I: Bitte stelle dich und deine Tauchaktivitäten vor. 1 2 B: Ja, also mein Name ist XXX, ich bin 39 Jahre alt und bin im Tauchen aktiv, zum einen 3 in XXX mit dem Tauchsport XXX. Da betreiben wir zwei Filialen in XXX, einmal am XXX, in so einer 4 Outdoor-Location mit Strand etc. und halt im Tauchcenter. Dann haben wir ein Geschäft in XXX 5 in der Innenstadt, also einfach wie ein Sportgeschäft, ein Tauchshop, und hier das Indoor-6 Tauchcenter in XXX. In beiden Firmen, also sowohl in XXX als auch in XXX haben wir dann jeweils 7 noch einen Tauchclub angegliedert, wo dann die Gäste/Kunden ihre Mitgliedschaftsbeiträge 8 zahlen und dann verschiedene Clubleistungen geboten kriegen. 9 Ja, meine Tauchaktivitäten sind hauptsächlich Büro- (lacht) Aktivitäten, aber ich mache natürlich 10 gelegentlich Tauchkurse, wenn ich dazu komme, und tauche aber tatsächlich eher selten, muss 11 ich sagen. 12 13 I: Und wie bist du dazu gekommen bzw. wer oder was hat dich dabei beeinflusst? 14 15 B: Also ich habe mit sechs Jahren angefangen zu tauchen, also relativ früh, bin 16 tatsächlich beeinflusst worden durch meine Eltern. Also ich habe mit meinem Vater in Kroatien 17 angefangen, abenteuerlich zu tauchen, als kleiner Junge. Wir sind also da einfach zum Spaß 18 getaucht. Ich habe dann irgendwann so mit 10 Jahren meinen Junior Open Water Diver in 19 Kroatien gemacht und war dann eigentlich weitgehend ein Urlaubstaucher. Ich habe dann 20 irgendwann angefangen auch hier in den deutschen Seen zu tauchen, ebenfalls mit meinem Vater 21 zusammen, habe dann an der Sporthochschule in Köln studiert, dann in dem Zuge auch eigentlich 22 schon meine Tauchlehrerausbildung gemacht und in Kroatien und Ägypten, also verschiedenen 23 Ländern, nebenbei gearbeitet, neben dem Studium. Ich habe dann noch Rechtswissenschaften 24 studiert, in Bonn, habe das aber dann zum ersten Staatsexamen aufgehört, weil ich da schon 25 selbstständig war mit der Tauchschule in XXX, und habe mich dann für das Tauchen entschieden. 26 220 Aber die Frage, wovon ich beeinflusst wurde: Schlussendlich durch meine Eltern, weil mein Vater 27 getaucht ist und ich dann da mitgegangen bin. Ich hatte eigentlich von ganz klein auf schon immer 28 sehr viel Interesse daran und habe das dann bis heute beibehalten. 29 30 I: In welchen Disziplinen tauchst du hauptsächlich? 31 32 B: Also meine Lieblingsdisziplin ist Sporttauchen und Fotografieren. Genau, also 33 Sporttauchen. Ich mache aber auch Apnoe, ich bin früher sehr viel höhlentauchen gewesen, also 34 technisch getaucht, aber jetzt, Stand heute, sind so die schönsten Tauchgänge für mich einfach 35 im XXX See auf zwei, drei Metern tauchen, im Sommer. 36 37 I: Und, ein bisschen ist das gerade schon angeklungen, aber: Was macht das Tauchen 38 für dich besonders? 39 40 B: Ja, also es ist einmal, sage ich mal, die Ruhe und das Gefühl schwerelos zu sein, und 41 ganz entspannt, sage ich mal, dahin zu tauchen. Und so die Schönheit der Unterwasserwelt. Also 42 im Endeffekt Lichtreflexionen, Unterwasserlebewesen. Genau, das war es. 43 44 I: Welchen Stellenwert hat dann das Tauchen in deinem Leben? 45 46 B: Ja, nach der Familie einen sehr großen, weil es halt mein Beruf ist. Das heißt, für mich 47 ist es klar in einer gewissen Hinsicht auch Hobby, aber es ist halt auch mein Beruf. Deshalb hat 48 es einen sehr großen Stellenwert. 49 50 I: Was spricht aus deiner Sicht dafür mit dem Tauchen anzufangen? 51 52 B: Das ist eine gute Frage. Also es ist ein Hobby. Also wenn man im Endeffekt das 53 Tauchen beginnt, bekommt man die Möglichkeit in ein Hobby oder in eine Welt einzublicken, von 54 der man normalerweise überhaupt nichts mitkriegt. Und das Schöne ist, dass das Tauchen sehr 55 entspannend ist, sehr gute Möglichkeiten bietet einfach mal vom Alltag abzuschalten, was sehr 56 Entspanntes zu machen, und, was für mich ein ganz besonderer Punkt ist beim Sporttauchen 57 oder beim Tauchen insgesamt, dass es entgegen dem normalen Wesen vieler Menschen keinen 58 221 oder wenig Vergleich- und Wettkampfmöglichkeiten gibt. Die meisten Sportarten sind ja – am 59 Ende wird immer geguckt: ‚Wer ist besser, schneller, wer springt weiter, trifft besser das Tor?‘ 60 Und beim Tauchen ist es eigentlich eine Sportart, die man macht, um gemeinsam was zu erleben 61 und weniger um sich gegenseitig zu messen. Beim Freitauchen ist es natürlich ein bisschen was 62 Anderes, beim Apnoetauchen, aber das ist für mich ein besonders schöner Punkt des Sports und 63 das würde ich auch jedem Anfänger sagen. Das ist halt einfach eine Freizeitbeschäftigung, die 64 man zusammen macht, ohne, wie das heutzutage ist, sich immer messen zu wollen; wer ist der 65 Bessere? Das finde ich eine Besonderheit beim Tauchen. Das gibt es nicht in so vielen Sportarten. 66 67 I: Kannst du diese Unterscheidung, die du gerade getroffen hast - also beim Freitauchen 68 doch eher der Wettkampfgedanke – kannst du das noch etwas genauer erklären? 69 70 B: Ja, also beim Freitauchen ist es ja so, dass natürlich die Leistung schon mehr im 71 Mittelpunkt steht als beim Sporttauchen. Beim Tauchen mit Gerät taucht man ja im Endeffekt ab 72 und macht das, um sich etwas anzuschauen, in aller Regel, und nicht um zu schauen: ‚Wer 73 braucht weniger Luft, wer schwimmt schneller oder taucht tiefer?‘ Sondern das ist ja beim 74 Sporttauchen nicht der Grund. Beim Apnoetauchen ist es ja schon der sportliche Wettkampf, oder 75 naja, nicht unbedingt der Wettkampf, aber die Leistung, die im Vordergrund steht. Das heißt, die 76 wenigsten machen ja Apnoetauchen, um sich dann dabei Fische anzugucken, sondern sie wollen 77 ja schon ihre Grenzen austesten und gucken: ‚Wie tief komme ich heute, wie lange mache ich 78 Statik, wie weit kann ich Streckentauchen?‘ Das heißt, auch wenn man da zwar im Team taucht, 79 ist natürlich trotzdem immer ein bisschen der Vergleich dabei. Also man weiß, der eine taucht jetzt 80 easy auf 20 Meter und bleibt da zwei, drei Minuten und der andere taucht halt nur auf 15 Meter. 81 Und am Ende weiß man, wer jetzt der Bessere ist, sozusagen. Das ist mehr vergleichend, genau. 82 83 I: Beschreibe mir, wie der ideale Tauchgang für dich aussehen würde. 84 85 B: Der ideale Tauchgang – ja, gute Frage. Wenn ich jetzt einfach mal voraussetze, dass 86 man einen Tauchgang im Meer macht, dann würde ich sagen, dass man mit dem Boot rausfährt 87 und im Endeffekt einfach eine Runde tauchen geht (lacht). Also ich kann es schwer beschreiben, 88 wie der ideale Tauchgang aussieht. Ja, dass man einen schönen Tauchplatz hat, an dem man 89 langtaucht. Ansonsten habe ich da jetzt, ehrlich gesagt, keine genaue Vorstellung, wie der 90 aussehen sollte. 91 Oder was meinst du mit der Frage, wie der aussehen sollte? 92 222 93 I: Könntest du zum Beispiel beschreiben, welche Rolle dein Tauchbuddy bei diesem 94 idealen Tauchgang spielt? 95 96 B: Ja, also im Endeffekt wäre für mich der ideale Buddy einer, der entspannt mittaucht 97 und wo man nicht groß drauf aufpassen muss, sage ich jetzt mal. Bei mir ist es natürlich so, dass 98 ich es schon lange auch beruflich mache, das heißt für mich wäre der ideale Tauchpartner einer, 99 der erfahren ist und entspannt und mit dem man eigentlich ohne groß zu kommunizieren weiß, 100 was der andere gerade will oder tut. Mit dem man also einfach entspannt tauchen kann, ohne 101 dass man sich darum kümmern muss in Anführungsstrichen (lacht). 102 103 I: Und welche Rolle würde bei diesem idealen Tauchgang die Tier- und Pflanzenwelt vor 104 Ort spielen? 105 106 B: Ja, es kommt dann natürlich sehr auf den Tauchplatz an, also was man sehen will. 107 Wenn man jetzt zum Höhlentauchen geht, dann ist die Tier- und Pflanzenwelt eher zweitrangig. 108 Wenn ich aber jetzt diesen Tauchgang vom Boot aus nehme, dann würde ich sagen, wäre mir es 109 wichtig, dass es ein schönes Unterwasserrelief ist, also das heißt ich mag zum Beispiel sehr gerne 110 Steilwände und tiefes Blau. Und im Optimalfall würde dann am Ende noch ein Manta 111 vorbeikommen oder so, oder der XXX (lacht - der genannte Tauchkollege kommt in dem Moment 112 zur Tür herein). (…) 113 114 I: Und würden bei diesem idealen Tauchgang auch die Tauchbedingungen vor Ort einen 115 Faktor spielen, und wenn ja, welchen? 116 117 B: Welche Tauchbedingungen meinst du? 118 119 I: Alles, was für dich den Tauchgang beeinflussen kann. 120 121 B: Ja, also meinst du jetzt Strömung, Wind, Welle? 122 123 223 I: Zum Beispiel, ja. 124 125 B: ja klar. Also das würde natürlich eine Rolle spielen. Natürlich, wenn jetzt starke 126 Strömung ist, würde man den Tauchgang anders gestalten, als wenn keine Strömung ist (…). 127 Also die Tauchbedingungen – was für mich ein entscheidender Faktor ist, wäre, ob man jetzt eine 128 starke Strömung hat oder nicht. Wenn man starke Strömungen hat, würde das natürlich den 129 Tauchgang beeinflussen, weil man dann einen Drift-Tauchgang machen würde, und so ein 130 anderes Tauchprofil tauchen würde. Aber sonst eigentlich weniger. Also, ob jetzt Wind an der 131 Oberfläche ist oder Wellen, das wäre für mich egal. 132 133 I: Okay. Welche persönlichen Merkmale kennzeichnen deiner Meinung nach den Typ 134 Apnoe- und den Typ Gerätetaucher? 135 136 B: Das ist eine gute Frage. Das müsste man im Grunde weiter differenzieren. Es gibt jetzt 137 nicht so einen pauschal, dass man sagt ein Gerätetaucher ist immer so und ein Apnoetaucher ist 138 immer so. Ich denke, dass man das bei den Apnoeisten ein bisschen einfacher sagen kann. Das 139 sind in der Regel eher Leute, die meistens von ihren Charaktermerkmalen so sind, dass sie 140 interessiert sind an sich selbst, also an ihrem Geist und an ihrem Körper. Also das heißt die sind 141 ja in der Regel sehr interessiert an Entspannungsübungen, Atemübungen und neigen in aller 142 Regel eher dazu etwas Außergewöhnliches leisten zu wollen. Also es ist, sage ich mal, eher so 143 der Typ, der jetzt auch irgendwie klettern geht, Extremklettern, oder andere extremere Sportarten 144 jetzt macht. Und das ist jetzt von den Charaktermerkmalen auch eher der Typ, der dann 145 freitauchen geht. Kann man natürlich aber trotzdem so ganz pauschal nicht sagen. Es gibt da 146 viele unterschiedliche Arten von Menschen. Deshalb würde ich sagen, so das zentralste Merkmal 147 für den Apnoetaucher ist, dass er oder sie interessiert an sich selbst ist und an seiner eigenen 148 Leistung. 149 Beim Gerätetaucher würde ich jetzt, wenn man das so pauschal sagen kann – da gibt es ja sehr 150 unterschiedliche Leute. Ob man jetzt den technischen Taucher nimmt, der Höhlentauchen geht, 151 oder das Ehepaar, was auf die Malediven fliegt, und dort tauchen geht. Deshalb ist das schwer 152 zu sagen. Aber grundsätzlich, würde ich sagen, wenn man versucht es pauschal zu sagen, sind 153 die Sporttaucher eher Menschen, die gesellig sind, von ihrem Typ her. Eher gesellige Menschen, 154 die auch etwas Außergewöhnliches machen wollen – das glaube ich haben die gemein. Also alle 155 Taucher wollen etwas Außergewöhnliches machen, aus dem Alltag heraus, was spektakulärer ist, 156 als Badminton oder so. 157 224 Ja, das war es auch eigentlich, was mir dazu einfällt. Es ist sehr schwierig zu sagen, weil ich 158 glaube, man müsste da noch so vier, fünf, sechs Unterstufen machen. Aber so pauschal würde 159 ich sagen: Der Freitaucher, der mehr Interesse an sich selbst hat, und an seinen Grenzen, an 160 Körper und Geist (…) und der Gerätetaucher eher der gesellige, der mit anderen Tauchern was 161 erleben will. Ja. 162 163 I: Welches unter Wasser beobachtete Verhalten ärgert dich? 164 165 B: Ärgert mich? Schwierig. Von Tauchern. Da muss ich ein bisschen überlegen. (…) Ja, 166 also natürlich umweltzerstörerische Sachen, auf jeden Fall, also, wenn Leute einfach was kaputt 167 machen. Das natürlich. Ansonsten schwierig. Da fällt mir jetzt ehrlich gesagt nicht so viel ein. Also 168 vor allen Dingen Sachen, bei denen Leute einfach die Unterwasserwelt zerstören – das wäre der 169 Hauptgrund. Ich würde sagen, vielleicht noch Unaufmerksamkeit für andere Taucher, also sprich, 170 dass jemand nicht nach seinem Buddy oder nach seiner Gruppe schaut und damit andere in 171 Gefahr bringt. Das würde ich vielleicht sagen. Also so unaufmerksames Verhalten den anderen 172 Tauchern gegenüber. 173 174 I: Hättest du dafür ein konkretes Beispiel? 175 176 B: Nein. Nein, wirklich (lacht). 177 178 I: Und zur Naturzerstörung, hast du da mal etwas erlebt, was Konkretes? 179 180 B: Ja, ganz viel natürlich. In meiner Zeit, als ich als Guide gearbeitet habe, klar. Da hat 181 man das natürlich täglich, dass jemand das Riff oder einfach Korallen zerstört, weil er mit den 182 Flossen da rein taucht. Oft ist das natürlich nicht böser Wille, sondern Unvermögen, also 183 taucherisches Unvermögen, dass jemand nicht ordentlich tarieren kann oder eine schlechte 184 Wasserlage hat, und deshalb Korallen zerstört. Aber da habe ich jetzt gar nicht so ein explizites 185 Beispiel für, sondern das ist so das Alltägliche im Leben eines Tauchguides, dass man danach 186 natürlich dem einen oder anderen sagt: ‚Pass auf. Achte mal darauf, dass du beim nächsten Mal 187 ein bisschen mehr Abstand vom Riff hältst, weil du hin und wieder mit deinen Flossen etwas 188 kaputtmachst.‘ Oder so. Aber dafür habe ich jetzt nicht ein spezielles Beispiel vor Augen. 189 190 225 I: Inwiefern wird das individuelle Tauchverhalten von außen beeinflusst? 191 192 B: Das individuelle Tauchverhalten von außen beeinflusst: Ja, durch Tauchausbilder, 193 Tauchlehrer, natürlich, durch andere Taucher, also durch Gespräche, die man vielleicht vor und 194 nach dem Tauchen gemeinsam führt, und vor allen Dingen durch Imitationslernen, also dadurch, 195 dass man andere Taucher sieht, was die tun, wie sie tauchen, dass man das versucht 196 nachzuahmen, sozusagen. Das wären die drei Punkte. Also ich würde sagen: Über Wasser durch 197 Gespräche, ich sage jetzt mal Fachsimpeln untereinander, aber dann sehr viel durch 198 Imitationslernen. Also indem man andere Taucher beobachtet, denkt: ‚Oh, das sieht gut aus‘ und 199 versucht, das nachzumachen. Wenn ich die Frage jetzt richtig verstanden habe. 200 201 I: Ja, genau. Welche Taucher würde man dabei imitieren? Oder direkt aus deiner Sicht: 202 Welche Taucher hast du in deinem Lernprozess, imitiert? 203 204 B: Immer Ausbilder oder Ausbilderinnen, würde ich sagen, also immer weiter 205 fortgeschrittene Taucher, ja. 206 207 I: Und welche Rolle spielen deiner Meinung nach – auch wieder beim individuellen 208 Tauchverhalten – die Tauchvereine und –verbände? 209 210 B: Also die Tauchvereine, denke ich, spielen natürlich insofern eine große Rolle, dass ja 211 meistens eine Community drum herum ist und das Tauchen im Grunde genommen ein zentraler 212 Punkt ist im Zusammensein der Menschen. Das heißt, jemand ist im Tauchverein, ist dort Mitglied, 213 geht irgendwie ein- oder zweimal die Woche ins Training, geht auch mal zu einem See oder fliegt 214 mit dem Verein auch mal auf eine Reise und tauscht sich dort mit den anderen aus. Und da würde 215 ich sagen, dass das einen sehr großen Einfluss auf das eigene Tauchverhalten natürlich hat, weil 216 die organisatorischen Strukturen in den Vereinen ja schon so sind, dass man in der Regel die 217 Mitglieder hat und dann ein paar Ausbilder, die im Endeffekt unterrichten und der zentrale Punkt 218 in diesem Verein dann sind – also ich sage mal so die Hähne im Korb. Also man hat eine Gruppe 219 von Tauchern, Mitgliedern und ein paar höher brevetierte Ausbilder, die natürlich zu 100% 220 beeinflussen, wie die Mitglieder des Vereins dann auch tauchen. 221 Und was war die andere Frage, mit Verbänden, oder? 222 223 226 I: Genau. 224 225 B: Ja, das ist auch eine gute Frage. Also natürlich wirken die Standards der 226 Tauchverbände in gewisser Hinsicht auf das eigene Tauchverhalten, weil man ja leichte 227 Unterschiede in den Standards hat. Also zum Beispiel der VDST, die haben diese Longhose-228 Konfigurationen. Das heißt die tauchen ja im Grunde mit einer Longhose-Konfiguration und 229 dadurch lernen natürlich auch die VDST-Vereinstaucher in der Ausbildung zu tauchen. Das 230 beeinflusst dann natürlich schon das eigene Tauchverhalten. 231 232 I: Kleiner Einwurf. Die Longhose: Kannst du die bitte noch erklären? 233 234 B: Also die normale Sporttauchkonfiguration, wie es ja die meisten Verbände machen, 235 dass man ja mit einer zweiten Stufe, mit 75 cm Schlauch taucht, und an einem weiteren Schlauch 236 in der Regel 90 oder einen ein-Meter-langen Oktopus-Schlauch hat. Und im Falle einer Luftnot 237 kriegt der Buddy den Oktopus des Luftgebers. Und beim VDST ist es so, dass das Hauptsystem 238 - also die zweite Stufe ist ein, ich glaube, ein 1,20 Meter bis 2,10 Meter Schlauch, also ähnlich 239 wie beim technischen Tauchen. Und dann ist an einem Neck-Band hier unten (macht eine 240 vorführende Bewegung) das Backup-System mit einem kurzen Schlauch. Im Falle der Luftnot gibt 241 dann der Geber sein Longhose dem Partner ab, und wechselt auf seinen eigenen, kurzen 242 Schlauch. Das ist also im Endeffekt wie beim technischen Tauchen. Da wird das ja auch so 243 gemacht. Und von da her wirkt das natürlich dann schon auf das Tauchverhalten, weil einfach 244 andere Übungen unterrichtet werden. 245 Ansonsten würde ich sagen, wenn man mal so darüber nachdenkt, haben sonst die 246 Tauchverbände weniger Einfluss auf das individuelle Tauchverhalten der Leute. Außer natürlich 247 in den Unterschieden, was sie unterrichten, wie jetzt das genannte Beispiel mit der Longhose-248 Konfiguration. 249 250 I: Weniger – im Vergleich zu den Vereinen? 251 252 B: Ja, genau, oder den individuellen Vorbildern. Also den größten Einfluss haben natürlich 253 die ausbildenden Personen, egal ob in einem Verein oder in einer Tauchschule. Es ist in einem 254 Verein sicherlich so, wie ich es eben beschrieben habe, in der Tauchschule ist es aber sicherlich 255 das Gleiche. Das heißt, auch da lernen ja die unerfahreneren Taucher von den Erfahreneren und 256 deshalb beeinflussen – egal ob kommerzielle Vereine oder nicht kommerzielle Tauchschule oder 257 227 irgendeine andere Art von Tauchgruppe - würde ich sagen, ist der Haupteinflussfaktor immer das 258 Lernen von Vorbildern. 259 260 I: Und wie steht es um das Bewusstsein über die eigene Vorbildfunktion der Taucher? 261 262 B: Ja, das ist eine gute Frage. Also ich würde sagen: Ab einem gewissen Ausbildungsgrad 263 wird das Bewusstsein dafür stärker. Ich glaube aber auch, dass es, gerade von erfahrenen 264 Tauchern und Tauchlehrern, unterschätzt wird, diese Vorbildfunktion. Also, dass im Endeffekt 265 viele das nicht so klar auf dem Schirm haben, dass, wenn sie sich nicht standardkonform 266 verhalten, ihre Schüler dann auch so ihre Verhaltensweisen annehmen. Also wenn jetzt zum 267 Beispiel kein Buddy-Check mehr ordentlich gemacht wird etc. Also ich würde sagen, zu deiner 268 Frage, dass das Bewusstsein eher niedrig ist, also, dass die Einflussnahme durch die 269 Vorbildfunktion unterschätzt ist auf unerfahrenere Taucher. 270 271 I: Dann kommen wir jetzt zum Thema Kommunikation im digitalen Zeitalter. Über welche 272 Kanäle erreichst du mit deinen Aktivitäten rund ums Tauchen andere Taucher? 273 274 B: Ja, über Social Media, also Facebook, Instagram, dann natürlich Google, also die ganz 275 normale Google-Suche, YouTube. Und das war es eigentlich. 276 277 I: Bei der Google-Suche: Was meinst du da genau, also, was finden die Leute da? 278 279 B: Also die suchen ja im Endeffekt bestimmte Suchbegriffe und dann finden die einen ja 280 dadurch, dass man unter den ersten ein, zwei gelisteten Beiträgen ist. Die suchen jetzt zum 281 Beispiel: ‚Tauchkurs XXX‘ oder die suchen ‚Indooor Tauchen, Indoor Tauchcenter‘, also 282 bestimmte Schlagwörter und finden dann die Website der Anbieter, also wie jetzt bei uns zum 283 Beispiel. Das, würde ich sagen, ist der Hauptkanal, worüber wir neue Kunden generieren, also 284 einfach wirklich über die Google-Suche. 285 286 I: Funktioniert also genau diese Google-Suche besonders gut unter den von dir 287 genannten Kanälen? 288 289 228 B: Ja, ich würde sagen die Google-Suche an sich, dann natürlich Google Maps, also das 290 heißt die Standorte, die bei Google dann hinterlegt sind, weil die ja regional dann auch angezeigt 291 werden. Also wenn jetzt hier in XXX jemand eine Tauchschule sucht, dann kriegt er ja natürlich 292 keine Tauchschule in Hamburg angezeigt, sondern die die hier in der Region sind. Deshalb also 293 die Google-Suche allgemein, Google Maps natürlich, dann die Google Bewertungen sind glaube 294 ich sehr, sehr wichtig und funktionieren dann entsprechend gut. Also Google Maps verknüpft sich 295 dann mit den Bewertungen, die man dort hat. Die sind, glaube ich, ein extrem wichtiger Faktor. 296 Ja, das genau sind die wichtigsten digitalen Instrumente von uns. 297 298 I: Und gibt es Unterschiede in der Art zu kommunizieren, je nachdem wen genau ihr 299 ansprechen wollt? 300 301 B: Jein. Also du meinst, ob wir jetzt auch irgendwie eine Zeitungsanzeige schalten, wenn 302 wir sagen wir wollen ältere Leute erreichen? (lacht) Nein, eigentlich nicht. Also wir arbeiten 303 tatsächlich so mit diesen Kanälen und versuchen in diesen Kanälen dann natürlich die 304 unterschiedlichen Menschen anzusprechen. Was ich jetzt damit meine ist, dass wir, wenn wir 305 Facebook-Werbung schalten, dann ist die ja strukturiert, das heißt wir können die Zielgruppe 306 festlegen. Und natürlich: Wenn wir jetzt Kindertauchkurse bewerben, nehmen wir als Zielgruppe 307 natürlich nicht über 60-Jährige. Da wird das dann ja schon gezielt gesteuert. Ansonsten ist es 308 aber so, dass wir das nicht machen, dass wir jetzt zum Beispiel sagen: Wir schalten für bestimmte 309 Gruppen und nutzen dafür unterschiedliche Marketingkanäle. Das eigentlich nicht, nein. 310 311 I: Welchen digitalen Netzwerke und Plattformen nutzt du zur Kommunikation mit anderen 312 Tauchern für deine eigenen, privaten Tauchgänge? 313 314 B: Das mache ich eigentlich gar nicht, nur durch Gespräche im Endeffekt. Ich würde 315 sagen dann am ehesten noch WhatsApp, wo man dann mal jemandem ein Foto schickt, oder so, 316 vom Boot. Aber ich selbst poste jetzt nicht bei Facebook, wenn ich irgendwo tauchen gehe. Also 317 ich nutze an sich Social Media Sachen für mich privat eigentlich gar nicht. Wenn ich es jetzt 318 festlegen müsste, dann Instagram. Das heißt ich mache manchmal, wenn wir an einem See sind 319 – aber das ist dann auch weniger privat – da mache ich mal ein Foto und poste das bei mir im 320 Instagram Profil oder so, aber auch tatsächlich nur, weil die, die bei uns die Social Media Sachen 321 macht, sagt, ich soll das unbedingt machen (lacht). Also ich soll unbedingt mir so einen Account 322 machen und da immer mal wieder posten. Das mache ich dann hin und wieder mal. 323 324 229 I: Welche auf das Tauchen bezogenen Fachbereiche und Inhalte wecken insbesondere 325 dein Interesse? 326 327 B: Ganz klar, Tauchmedizin interessiert mich sehr, also aktuelle Forschung im Bereich 328 Tauchmedizin. Und im Endeffekt natürlich Sachen, die die wirtschaftlichen Aspekte im Tauchen 329 besprechen. Also Studien zu irgendwelchen Themen aus der Tauchbranche: 330 Zielgruppenanalysen oder Marktanalysen. Gibt es aber leider natürlich nicht so oft. Aber dann, 331 was mich persönlich jetzt interessiert, sind vor allen Dingen Tauchmedizin und auch Fotografie. 332 Also wir machen ja hier auch im Center und auch in XXX sehr viel auch so Fotografie-Events. Das 333 ist jetzt was, was auch mich privat ansprechen würde, wo ich sage: ‚Das interessiert mich.‘ Das 334 würde ich mir dann auch privat anschauen. 335 336 I: Kannst du so ein Fotografie-Event mal genauer beschreiben? 337 338 B: Ja, also wir haben hier immer die Tage der Unterwasserfotografie, wo verschiedene 339 Workshops parallel laufen. Da kommen sehr gute Referenten, so, sage ich mal, die Top-10 der 340 deutschen Unterwasserfotografie, die dann verschiedene Workshops machen. Die machen 341 Workshops zu Makro, Weitwinkel, zu Modelfotografie – also zu verschiedenen Themen in den 342 Seminarräumen hier im Hotel und bei uns im Center. Und da machen die so Workshops mit den 343 Teilnehmern im Wasser dann. Also das heißt, die machen dann so verschiedene Übungen, im 344 Endeffekt, mit den Teilnehmern. 345 Wir machen hier zum Beispiel nächstes Jahr eine Vernissage unter Wasser, das heißt wir 346 funktionieren das Tauchcenter so für ein, zwei Wochen um zu einer Fotoausstellung, wo wir auch 347 von dann sehr guten Fotografen im Endeffekt unter Wasser Unterwasserfotos ausstellen, und die 348 Taucher, die hier kommen, können dann im Center tauchen und sich diese Fotos angucken. 349 Genau, das wäre dann das, was wir nächstes Jahr erstmalig planen, was, glaube ich, sehr gut 350 ankommen wird, weil natürlich die meisten Leute tauchen, weil sie sich was anschauen wollen 351 unter Wasser. In Deutschland kann man das natürlich in den Seen schon machen, oder hier im 352 Center haben wir ja eine Kunstfelsenlandschaft, aber keine Tiere drin und keine spektakulären 353 Dinge, die man sieht. Und ich glaube das ist deshalb eine ganz coole Sache mal solche tollen 354 Bilder zu zeigen unter Wasser. Aber wie es ankommt werden wir sehen (lacht). 355 356 I: Ich bin gespannt. Vielleicht hast du dir da bereits Gedanken darübergemacht, weil ihr 357 das nächstes Jahr veranstaltet: Wie müssen denn digitale Inhalte präsentiert sein, damit du ihnen 358 tatsächlich deine ganze Aufmerksamkeit zuwendest? 359 230 B: Also es müssen vor allem schöne Fotos sein. Das wäre, finde ich jetzt, sehr wichtig. 360 Und dann kommt es so ein bisschen drauf an. Was die Unterwasserfotografie betrifft, da müssen 361 es wirklich sehr, sehr gute Bilder sein, oder Fotos. Was mich dann besonders interessieren würde 362 wäre, wenn es besondere Perspektiven sind, besondere Fotos sind, die irgendeine, ja, 363 Besonderheit in sich tragen. Das kann die Perspektive sein. Das kann aber auch irgendein 364 Moment unter Wasser sein, der festgehalten wurde, der etwas Besonderes an dem Foto 365 ausmacht. Also mich würde zum Beispiel nicht ein Clownfisch in einer Anemone interessieren – 366 das ist so, sage ich mal, das Standardfoto. Ich finde es schön, wenn es irgendetwas ganz 367 Besonderes hat, was man nicht so oft sieht oder wenn ein besonderer Moment festgehalten wird. 368 Ansonsten, wenn es um tauchmedizinische Sachen geht, müsste es irgendeinen interessanten, 369 fachlichen Inhalt in der Überschrift haben. Das sind jetzt natürlich so Sachen, die nicht so Social 370 Media verbreitet sind. Das sind eher Sachen, die in der Fachzeitschrift CAISSON stehen, oder so 371 etwas. Und so Sachen, die jetzt kein Social Media Werbung dafür machen. Deshalb würde ich 372 sagen, was zu deiner Frage in den sozialen Medien besonders wichtig ist, ist die Qualität der 373 Fotos. 374 375 I: Und jetzt noch einmal zu den drei von dir genannten Fachbereichen, also Fotografie, 376 Medizin und auch die Ökonomie: Wie gehst du bei deiner online-Suche nach tauchspezifischen 377 Inhalten denn vor? 378 379 B: Ich google danach. Das ist das Hauptwerkzeug. Ich google und schaue die erste Seite 380 nach Ergebnissen durch und schaue dann teilweise noch in irgendwelchen Fachseiten, also bei 381 der GTÜM zum Beispiel, bei DAN und das war es. Sonst gibt es da ja auch nicht viele Quellen. 382 Und ansonsten gehe ich tatsächlich dann so vor, dass ich Kollegen anschreibe, wo ich weiß: Die 383 sind vom Fach, aus bestimmten Fachbereichen und frage die immer: ‚Hast du eine Studie zu dem 384 oder jenem Thema?‘ Genau. Aber das ist, glaube ich, jetzt eher speziell. Ich glaube, dass jetzt die 385 Taucher, die das jetzt nicht beruflich machen, das natürlich weniger machen. 386 387 I: Aber gäbe es auch für die, die das nicht beruflich machen, Informationen zum Beispiel 388 von GTÜM oder DAN, weil du diese beiden genannt hast, die sinnvoll sein könnten? 389 390 B: Ja, also DAN macht hin und wieder einmal solche Sachen. Da geht es meistens 391 natürlich um die Tauchsicherheit. Das heißt die machen dann da auch mal Kampagnen, oder 392 auch AquaMed, die machen manchmal zum Beispiel auch im Social Media Bereich so 393 Aufklärungsarbeit. DAN hat mal etwas Interessantes über Hydratation beim Tauchen 394 231 veröffentlicht, also sprich Flüssigkeitsaufnahme und im Endeffekt damit verbundene Veränderung 395 des Dekompressionsrisikos. Also das heißt, ich denke, dass vor allen Dingen so aufklärende 396 Sachen von diesen Organisationen interessant sind in der Kommunikation, um die Sicherheit der 397 Taucher zu steigern. Also im Grunde einfach Aufklärungsarbeit, dass die Leute wissen: Nach dem 398 Tauchen sollte man nicht in die Sauna gehen oder man sollte immer viel trinken vor dem Tauchen 399 und so weiter und so fort. Genau. 400 401 I: Dann kommen wir auch schon zum letzten Bereich, und zwar die von dir genutzten 402 online-Tools und ihrer Wirkungsweise: Welche digitalen Angebote nutzt du konkret zur 403 Unterstützung zum Tauchen, im Wasser und an Land? 404 405 B: Ja, gute Frage, also im Wasser eigentlich nur die Logbuch-, also die digitale 406 Aufzeichnung der Tauchgänge. Also das heißt der Computer schneidet ja im Endeffekt die 407 Tauchgangsdaten mit, speichert und schickt die nachher dann auch an die App, die man dann 408 auf dem Handy hat. Ja, klar, bei der Fotografie natürlich nutze ich eine digitale 409 Unterwasserkamera und das war es eigentlich. 410 An Land ja dann den Gegenpart, also sprich dann das Handy, die App des 411 Tauchcomputerherstellers, um die Tauchgänge auszulesen und das war es, sonst eigentlich nicht 412 wirklich was. 413 414 I: Kannst du da zu einer speziellen App für die Tauchcomputerauslesung sagen, was das 415 Besondere daran ist? 416 417 B: Also ich finde die von GARMIN und SUUNTO sehr gut. Besonders ist jetzt eigentlich 418 an den beiden nichts, sondern die zeichnen eben die Tauchgangsdaten auf, aber ich würde nicht 419 sagen, dass da irgendwas Besonderes bei den beiden ist. Bei GARMIN: Die speichern den 420 Standort, also die GPS-Koordinaten – das wäre jetzt so eine Besonderheit. Aber ansonsten 421 speichern die ja alle gleichermaßen Tiefe, Zeit, Gasverbrauch. Und ansonsten haben die jetzt 422 keine Besonderheit. Was die schon können – nutze ich nicht – dass die diese Sachen dann 423 wiederum auch im Social Media Bereich teilen. Also man könnte jetzt hingehen und sagen: ‚Ich 424 habe einen Tauchgang gemacht und den teile ich jetzt bei Facebook‘ oder so. Das nutze ich jetzt 425 weniger. Also für mich ist das Besondere, dass man das dann im Handy gespeichert hat und man 426 das nicht ins Logbuch schreiben muss mit der Hand. 427 428 232 I: Aber verstehe ich das richtig, dass es im Prinzip irrelevant wäre, von welchem Anbieter 429 man den Tauchcomputer und die Tauchcomputer-App verwendet? 430 431 B: So würde ich es sagen, zumindest für die, die ich kenne. Also MARES haben wir hier 432 zum Beispiel nicht, da weiß ich nicht, ob die so eine App haben, da gehe ich aber mal von aus. 433 Das würde für mich aber keinen Unterschied machen. 434 435 I: Bestehen Unterschiede je nach Tauchdisziplin? 436 437 B: Würde ich sagen, nutze ich nur beim Gerätetauchen, mache ich aber auch mehr. Also 438 Freitauchen mache ich jetzt eher selten. Und aus meiner Sicht wird es für den Gerätetaucher 439 mehr genutzt, weil die meisten Freitauchcomputer das gar nicht können. Also da kenne ich jetzt 440 eigentlich nur den GARMIN, der das kann, und auch noch die SUUNTO D5 kann es auch. Wie 441 das die Freitaucher nutzen weiß ich ehrlich gesagt nicht. Ich glaube eher weniger. Ich glaube das 442 machen eher die Gerätetaucher. Ja. 443 444 I: Inwiefern unterstützen dich die taucherspezifischen online-Inhalte beim Tauchen 445 selbst? 446 447 B: Also mich persönlich unterstützt eigentlich nur die Planungs-App von den 448 Tauchgängen beim technischen Tauchen. Also das bedeutet, wenn ich jetzt sage man macht 449 einen Tieftauchgang mit Dekompressionspflicht, dass man mit der Software den Tauchgang 450 vorher planen kann, und die Software einem im Endeffekt den Bailout-Plan, also den Notfallplan, 451 direkt mitliefert und man das Ganze dann auf den Computer übertragen kann. Das wäre jetzt 452 eigentlich das Einzige, was mich wirklich unterstützt beim Tauchen, was digital ist. 453 454 I: Gibt es Bereiche, in denen du dein im Wasser erlerntes Tauchwissen mithilfe digitaler 455 Angebote aufrechterhalten kannst, selbst wenn du länger nicht im Wasser bist? 456 457 B: (…) Nein, würde ich sagen, die gibt es nicht. Also vielleicht ein Navigationsprogramm 458 oder so, aber nein, das gibt es eigentlich nicht. 459 460 233 I: Gilt das Gleiche dann auch für Wissenserweiterung? Also würdest du auch sagen, dass 461 man das Tauchwissen im Wasser lernen muss? Oder wäre da irgendetwas digital möglich? 462 463 B: Nein, da können digitale Medien natürlich sehr gut bei helfen, dann eben durch online-464 Zeitschriften oder über wissenschaftliche Texte, die man online liest – für mich jetzt. Also wenn 465 ich jetzt wirklich von mir spreche, das was ich mir wünschen würde, wäre zum Beispiel so eine 466 App vom Verband der Wasserwirtschaft oder vom Tauchsportindustrieverband, das sind ja solche 467 Verbandsstrukturen bei uns in der Branche für Leute aus der Branche, also im Grunde Apps, wo 468 es Updates gibt im Bereich Medizintechnik und wissenschaftlicher Forschung im Bereich der 469 Branche. Tauchen ist halt an sich eine sehr unprofessionelle Branche von den Strukturen her. Es 470 gibt ja viele Verbände etc. Aber schlussendlich gibt es keinen zentralen Verband, wo sinnvolle 471 Dinge gemacht werden, sondern jeder macht so seins. Und ich würde mir grundsätzlich 472 wünschen, dass die ganze Branche mehr zusammenarbeitet und Forschungsergebnisse 473 zusammenträgt, um die Leute aus der Branche auf aktuellem Stand zu halten. 474 Es gibt zum Beispiel das Medizinkoviliganzgesetz, das regelt im Endeffekt das Verabreichen von 475 Medikamenten. Wir Taucher müssen ja immer Notfallsauerstoff verabreichen, also die 476 Tauchlehrer, wenn ein Tauchunfall passiert. Das ist aber nach diesem neuen 477 Medizinkoviliganzgesetz nicht erlaubt. Das heißt das darf eigentlich nur ein Notarzt machen. Und 478 das sind zum Beispiel Themen, wo weder die Verbände noch andere Organisationen überhaupt 479 wissen, dass das so ist. Das heißt da muss man selbst im Grunde sich durchwursteln, 480 recherchieren, um Wissen dazu zu erlangen. Das wäre jetzt was, was für mich persönlich 481 interessant wäre, wenn es so ein Angebot geben würde, wenn so solche Sachen 482 zusammengetragen würden. Da muss ich natürlich sagen, dass das echt abwegig wäre, dass es 483 so etwas gibt, weil das nicht viele nutzen würden, würde ich jetzt mal behaupten. Aber 484 grundsätzlich wäre das eine schöne Sache, wenn es das geben würde. 485 486 I: Ja. Das jetzt einmal weitergesponnen, weil das tatsächlich meine letzte Frage in diesem 487 Interview ist. Wenn du jetzt mal in die Zukunft denkst und dir vorstellst, wie die perfekte digitale 488 Umgebung aussehen würde, die dich bei deinen Tauchtätigkeiten unterstützt: Ginge das dann in 489 die Richtung, wie du es gerade erklärt hast? 490 491 B: Nein, das gar nicht unbedingt. Das war jetzt nur eine Sache, die mich bei der täglichen 492 Arbeit unterstützen würde, in Form von so einem digitalen Medium wie so einer App. 493 Was für uns oder für mich die perfekte digitale Umgebung wäre oder auch schon ist: Wir arbeiten 494 hier in XXX mit Cloudsystemen, in dem Fall jetzt mit dem Google Workspace, einer 495 234 Unternehmenslösung von Google. Also sprich eine bezahlte Version. Und da nutzen wir im 496 Grunde ganz viele Sachen natürlich, so alles, was dahintersteckt. Das heißt wir nutzen einmal 497 diese Cloudsysteme, wo natürlich die Mails drüber laufen, wo Daten gespeichert werden etc. auf 498 der einen Seite. Dann, auf der anderen Seite, Warenwirtschaftssysteme, Kassen, 499 Gutscheinsysteme, die alle digital sind. Zum Beispiel in XXX haben wir letztes Jahr während 500 Corona alles digitalisiert. Wir nutzen also eigentlich gar kein Papier mehr. Und für mich wäre es 501 die optimale, digitale Welt, wenn die Systeme der Tauchverbände an diese Systeme anschließbar 502 wären. Also das bedeutet, wenn wir die Verwaltungssachen, die nun mal im Tauchen sehr stark 503 ausgeprägt sind, auch in digitaler Form hätten. Also das bedeutet Training Record Cards – ich 504 weiß nicht ob du die – bist du Tauchlehrerin? 505 506 I: Nein. 507 508 B: Okay. Also Training Record Cards sind - wenn du jetzt einen Tauchkurs irgendwo 509 machst, dann füllt immer der Tauchlehrer gemeinsam mit dir so eine Training Record Card aus. 510 Das heißt da wird der Ausbildungsfortschritt dokumentiert. Da steht also drauf: Du machst eine 511 Poolausbildung von eins bis fünf und so weiter und so fort. Und am Ende wird dann 512 unterschrieben, dass du den Kurs bestanden hast. Und das ist alles aber nicht digital, sondern in 513 Papierform. Und das wäre für mich optimal, wenn man den Papierwust weghat. Und dann der 514 nächste Schritt – das gibt es aber in der Form auch schon – das ist zum Beispiel die App vom 515 Tauchverband SSI, die im Endeffekt die Tauchschulen mit den Schülern digital verbindet. Das 516 heißt die haben also ihre App auf dem Handy, machen dann ihre Kurse bei uns, pflegen aber 517 selbst in der App ihre Daten ein, laden ein Foto hoch, und wir schalten die dann nur für den Kurs 518 frei. Und wenn die dann irgendwann zertifiziert werden geben wir die Zertifizierung frei, und die 519 haben dann direkt in ihrer App das Zertifikat. Im nächsten Schritt bekommen sie dann einfach 520 auch in dem System Angebote und Hinweise: ‚Da und da findet der und der Folgekurs statt, das 521 heißt im Endeffekt solche Marketingkanäle in Form von so einer App – das wäre jetzt das, wo ich 522 sage: Das ist die Zukunft, dass das Gesamtsystem eine digitale Plattform hat, wo zum Beispiel 523 jetzt Anbieter und Kunden miteinander darüber kommunizieren können. Ja, also, dass jemand 524 sagt: ‚Das sind meine Interessen‘ und der kriegt dann jetzt Angebote von Tauchanbietern, die 525 jetzt gerade in seiner Nähe diesen oder jeden Kurs im Angebot haben, zum Beispiel. Genau, das 526 wäre jetzt so das, in dem ich die Zukunft sehen würde, in dem Bereich. 527 528 I: Gibt es dann noch etwas, das du ergänzen oder loswerden möchtest? 529 530 235 B: Nein. 531 236 7.4.5 Interview I5 Datum: 17.11.2021 Dauer: 45 Minuten I: Bitte stelle dich und deine Tauchaktivitäten vor. 1 2 B: Okay. Ich bin der XXX. Mich kennst du ja mittlerweile und das hat ja auch jetzt nichts 3 zu sagen mit dem ganzen Anonymisieren. Mein Hintergrund ist, dass ich schon immer, schon als 4 kleines Kind, vom Wasser fasziniert war. Ich hatte das Glück, dass ich eigentlich jedes Jahr mit 5 meinen Eltern und meinen Geschwistern am Golf von Biskaya war, daher auch schon immer 6 geprimed darauf war, dass das Meer ein Meer ist und nicht die Ostsee oder die Nordsee, sondern 7 das war also wirklich der Atlantik. Ich habe dann eine ganze Reihe von Wasseraktivitäten immer 8 gemacht, also vom Schwimmen über ein bisschen Bodyboarden, Segeln, Surfen, 9 Rettungsschwimmen. Das waren so die ganzen Sachen, die ich so während meiner Jugend und 10 frühen Erwachsenenzeit gemacht habe. Zum Tauchen bin ich auf Sardinien gekommen, beim 11 Schwimmen und Schnorcheln und einfach Runtertauchen. Und da habe ich einen Oktopus 12 gesehen und wollte gerne mehr Zeit mit ihm verbringen und konnte es nicht, weil ich keine Luft 13 mehr hatte. Ich musste also wieder hoch, habe wieder Luft geholt, bin wieder runter und weg war 14 er. Und da habe ich mir gesagt: ‚Verdammt. Ich will mehr Zeit unter Wasser verbringen‘ und habe 15 beschlossen dort eben einen Tauchkurs zu machen – Gerätetauchkurs, weil du ja die Flasche 16 brauchst und dann mehr Zeit hast, in Anführungsstrichen. Und das hatte ich dann in Ägypten 17 gemacht, die Jahre kriege ich gar nicht mehr so ganz zusammen, aber das war so ungefähr vor 18 20 Jahren. Und dann bin ich auch erst mal so richtig vom Gerätetauchen gefangen gewesen und 19 habe das dann auch weitergemacht bis zum Master Diver, Stückchen für Stückchen, und habe 20 auch in XXX nebenberuflich dann als Taucher gearbeitet und dort im Aquarium Scheiben geputzt 21 und Fische gefüttert. Ich war dann an der Schwelle mit dem technischen Tauchen anzufangen, 22 aber in einem der letzten Tauchurlaube, da waren meine Buddys alle krank und ich hatte immer 23 das Gefühl zu viel Luft zu verbrauchen und meine Tauchzeiten dadurch zu verkürzen, und habe 24 dann ein Schild gesehen, dass da irgendwie Apnoetauchen angeboten wird und dachte: Okay, 25 das nehme ich jetzt als gutes Instrument, um einfach so ein bisschen atmen zu Trainieren - 26 Apnoetauchen heißt ja irgendwie weniger Luft verbrauchen und wenn ich das dann so in das 27 Gerätetauchen bringen kann, dann kann ich vielleicht mehr Zeit mit dem Gerätetauchen unter 28 Wasser verbringen – also so mache ich das. 29 Das war damals auch in Ägypten, ein PADI Kurs, der im Nachhinein ziemlich schlecht war, aber 30 er hatte gereicht, um mein Interesse zu wecken, aber noch nicht so richtig komplett, um mich 31 237 vom Gerätetauchen wegzuholen. Dann war ich aber auch noch ein paar Mal im Urlaub – Urlaub 32 immer am Meer! Das muss einfach sein. Und dort war ich dann auch mit meiner Frau schnorcheln 33 - sie hatte damals auch mir zu Liebe mit dem Gerätetauchen angefangen, das war aber nie 34 wirklich ihr Ding – dort hatte ich ihr dann auch ein paar Sachen gezeigt vom Apnoetauchen beim 35 Schnorcheln und das war komplett ihr Ding, ihr Element, wo sie sich befreit gefühlt hat von der 36 Abhängigkeit von der Technik. Das war für sie so der Schlüsselmoment. Dann haben wir gesagt 37 okay, mein erster Kurs war gefühlt nicht so gut, dann machen wir doch einfach nochmal 38 zusammen einen Anfängerkurs und ich mache dann gleich Level 1 und 2 als Kombo-Paktet und 39 sie macht Level 1 – im Endeffekt hat sie dann auch Level 1 und 2 gemacht. Und der Kurs war 40 auch so gut, dass ich dann wirklich komplett hooked war und das Gerätetauchen eigentlich 41 komplett habe sein lassen. Das war dann auch die Zeit als ich nach XXX gezogen bin, zumindest 42 halbjährlich immer, und habe da natürlich immer weitergemacht, weitergemacht, weitergemacht 43 und war komplett hooked dann im Level 3. Und letztendlich dann im letzten Oktober den Instructor 44 gemacht, eigentlich auch nicht, weil ich jetzt unbedingt Tauchlehrer sein will, sondern weil ich ein 45 paar Freunde auf XXX habe und die gesagt haben: ‚Komm, jetzt zeig doch mal, mach doch mal‘. 46 Und es gibt XXX. einfach keinen Apnoe Instructor. Und da wollte ich einfach meine Skills ein 47 bisschen aufpolieren und erfahren, wie man diese Sachen vermittelt und so. Ja, so bin ich zum 48 Apnoe Tauchen gekommen und so bin ich mehr oder weniger auch zufällig Apnoe Instructor 49 geworden - nicht aus Berufung, sondern aus Notwendigkeit (lacht). 50 51 I: Und was macht das Tauchen für dich besonders? 52 53 B: Das ist eine sehr offene Frage! Also (…) die einfache Antwort ist: Wasser ist mein 54 Element. Aber was in der Antwort steckt, ist irgendwie so vielschichtig. Ich habe mit Spiritualität, 55 Esoterik und so weiter wirklich nichts am Hut, ganz im Gegenteil. Aber es gibt irgendwas, was 56 das Wasser mit mir macht, was ich sonst so nicht erlebe. Und einfach eine Mischung, manchmal 57 ein bisschen Abenteuer und dann ist es aber komplette Ruhe und Eins-werden, im Element die 58 Zeit verlieren, alles andere vergessen. Es ist ein Stückchen weit Lebenselixier. 59 60 I: Und was spricht aus deiner Sicht dafür mit dem Tauchen anzufangen? 61 62 B: Es ist so ein bisschen unterschiedlich für das Apnoetauchen und für das 63 Gerätetauchen. Fürs Tauchen prinzipiell ist es einfach Neugier, wie für alle Dinge, und ein 64 bisschen Wasseraffinität. Und dann kann jeder einfach selbst gucken, was das Wasser dann 65 wirklich für einen macht. Und auch wenn ich Schüler habe, dann versuche ich möglichst wenig 66 238 von dem, was es für mich ist einzuimpfen, in Anführungszeichen, sondern klar sage ich sowas, 67 warum mir das Spaß macht, aber das muss eben jeder für sich irgendwie finden, was das Wasser 68 für einen ist. Aber ich merke schon auch, dass ich manchmal ein bisschen so einen 69 missionarischen Eifer habe, und in meinem Freundeskreis sage: ‚Ihr müsst das einfach probieren!‘ 70 (lacht) Also insofern schaffe ich das nicht ganz neutral zu bleiben. 71 Aber ich denke einfach Neugierde und was Neues zu entdecken und die Liebe zum Wasser – das 72 sind so für mich die entscheidenden Voraussetzungen. Danach kann man ja einfach gucken ob 73 es passt, also Gerätetauchen oder Apnoe oder schwimmen. 74 75 I: Dann beschreibe mir bitte mal, wie der ideale Tauchgang für dich aussehen würde. 76 77 B: Okay. Da bin ich dann beim Apnoetauchen. Da gibt es zwei ideale Tauchgänge. Das 78 eine ist also wirklich das Trainieren an der Boje und das Tieftauchen. Und das andere ist einfach 79 das Freitauchen im Meer. 80 Das erste ist für mich eigentlich wirklich das optimale an der Boje liegen, kaum Wellen, kaum 81 Windwellen, die Sonne scheint, die Sonnenstrahlen spielen im Wasser runter, man sieht einfach 82 nur die Leine nach unten gehen, die sich im Blauen verliert und relaxen, liegen. Einmal den 83 Tauchgang visualisieren, in einer schönen Variante, wie alles einfach perfekt läuft, was zu tun ist, 84 dann für einen kurzen Moment wieder alles vergessen, Luft holen und dann runter mit sauberer 85 Technik, die aber nicht anstrengend ist, wo ich nicht bewusst jetzt wirklich auf jeden einzelnen 86 Schritt achten muss, sondern einfach merke: Das ist die Ruhe pur, Druckausgleich klappt, in den 87 Freefall kommen und dann einfach dieses Gefühl annehmen, wie es langsam ein bisschen dunkler 88 wird, wie: Zwerchfell hoch, Kehlkopf runter, wie der Druck wirkt, Druckausgleich passt perfekt. Es 89 ist eine schöne Tiefe, die man sich ausgesucht hat, die einen nicht zu sehr fordert, aber die schon 90 den Reiz hat so: Man ist in einem Grenzbereich, aber nicht in so einem Grenzbereich, sondern es 91 läuft alles perfekt, unten drehen, keine Kontraktionen und dann wieder langsam hochgehen, die 92 letzten Meter dann das Gefühl haben: Okay, die Kontraktionen sind da, es passiert, ich muss jetzt 93 hoch; Hand auf die Boje, Recovery Breathing. ‚Fuck, ich will wieder runter!‘ (lacht). Das ist so 94 mein Lieblingstauchen an der Boje. 95 Und für das Freiwassertauchen, da habe ich komischer Weise ein ganz klares Bild, was so eine 96 Mischung aus verschiedenen Büchern, Filmen und eigenen Erlebnissen ist, was ich auch häufig 97 dann benutzt habe für die Statik und wo ich den dann wirklich ganz, ganz, ganz langsam gemacht 98 habe. Und das ist: Ich gehe ins Wasser, steinige Bucht mit so einem kleinen Sandstrand, gehe 99 am Sandstrand ins Wasser, tauche langsam ab, paar Meter hinter dem Sandstrand gibt es dann 100 so einen kleinen Drop off mit Steinen, da gehe ich runter. Da wartet dann so ein kleiner Igelfisch 101 mit seinen großen Augen, guckt mich an und dann spielen wir da so ein bisschen miteinander 102 239 oder, was heißt spielen? Wir gucken uns so ein bisschen an, interessiert, dann tauche ich weiter 103 runter und dann ändert sich komplett die Szenerie, weil es dann plötzlich irgendwie eher Karibik 104 ist, mit so ein bisschen Sandboden, Korallen, bunten Fischen und kleinen Canyons, durch die 105 man hindurchtauchen kann. Und dann eben dort tauchen, auch ohne Anzug, einfach nur in der 106 Badehose und Flossen; dann eben so ein bisschen durch die Canyons, sich die Riffe angucken, 107 kleine Riffhaie ziehen vorbei und am Ende, wenn eigentlich schon fast zwei Drittel des Tauchgangs 108 vorbei sind, kommt nochmal so eine große Wand und in der Wand ist ein Loch, wo man am Ende 109 auch das Licht sehen kann, sodass man dann noch durch den Tunnel durchtauchen kann. Und 110 am Ende des Tunnels ist es dann schon so, dass man eigentlich normalerweise schon auftauchen 111 würde, aber dann kommen diese zwei Delfine (lacht), mit denen man dann auch noch ein 112 bisschen spielen muss für die letzten Kontraktionen und mit denen, ja, wird dann noch ein 113 bisschen gespielt und dann geht es wieder hoch. Das habe ich immer so in meinem Kopf. 114 115 I: Schön. Welche persönlichen Merkmale kennzeichnen deiner Meinung nach den Typ 116 Apnoe- und den Typ Gerätetaucher? 117 118 B: Grobe Frage meiner Meinung nach. Es gibt ja dieses Sprichwort: Gerätetaucher 119 tauchen, um sich die Landschaft und die Fische anzugucken und Apnoetaucher gucken sich 120 selbst an, also Apnoetaucher schauen nach innen. Ganz so extrem würde ich es nicht sehen. 121 Aber es ist schon etwas daran, dass eben das Gerätetauchen mehr im Außen stattfindet und das 122 Apnoetauchen natürlich viel mit einem selbst zu tun hat. Und dass ich den Frieden oder diese 123 Ruhe, diese Verbundenheit mit dem Wasser, die finde ich nur beim Apnoetauchen, ganz selten 124 mal beim Gerätetauchen, wenn ich mich in der Silvesternacht in einen Berline See gelegt habe, 125 den Trockentauchanzug an, und mich auf den Rücken gelegt habe und einfach nur nach oben 126 geguckt habe, aber das ist nicht zu vergleichen. Insofern vielleicht schon für den Apnoetaucher 127 die Bereitschaft auch die Komfortzone mal zu verlassen, in der Hoffnung etwas zu finden, sich 128 selbst ein bisschen besser kennenzulernen und sich auf etwas einzulassen, was einem vielleicht 129 vorher ein bisschen Angst bereitet oder da einfach raus aus der Komfortzone zu gehen. Die 130 Neugier und natürlich die Liebe zum Wasser, aber Neugier und Liebe zum Wasser, das haben 131 auch viele Gerätetaucher. Wobei bei Gerätetauchern, das ist eher, das kann man mal eben so 132 nebenher machen. Das Apnoetauchen das kann man nicht mal so nebenher machen. Dann die, 133 die es letztendlich auch richtigmachen, die haben dann auch wirklich die Leidenschaft. 134 Aber so richtig verallgemeinern kann ich jetzt gar nicht. 135 136 I: Welches unter Wasser beobachtete Verhalten ärgert dich? 137 240 138 B: Da gibt es zwei: Also das eine ist eben auf die Umwelt bezogen, gerade beim 139 Gerätetauchen. Das war auch der Grund weswegen ich auch niemals Gerätetauch-Instructor 140 werden würde, weil man dann einfach sieht, in irgendwelchen Tauchrevieren wo nur die Massen 141 zu Reihen durchgeschleppt werden, die dann irgendwie die Korallen abtreten, weil sie nicht richtig 142 tarieren können, weil sie kein Bewusstsein dafür haben – einfach diese Missachtung des Meeres, 143 der Natur wo man ist, der fehlende Respekt. Das bringt mich total auf die Palme. 144 Und das andere sind einfach sicherheitsrelevante Dinge, beim Apnoetauchen auch, wo Leute 145 einfach sich selbst, und ihren Buddy auch, in unnötige Gefahr bringen und die wider besseren 146 Wissens einfach Schwachsinn machen. Das ist es. 147 148 I: Jetzt hattest du im ersten Fall gesagt, dass das Bewusstsein fehlt für die Natur. Was ist 149 aus deiner Sicht die Ursache für dieses Unbewusstsein? (kurze Pause) Oder wann ist es besser? 150 151 B: Also ich glaube jetzt nicht, dass es an Bildung oder sonst was liegt. Klar hilft es, wenn 152 man vorher ein bisschen das Ökosystem vorstellt: Wie lange braucht so eine Koralle zum 153 Wachsen und warum ist das wichtig? Und so weiter. Dieser edukative Teil spielt eine sehr große 154 Rolle. Aber was mich eben so richtig auf die Palme bringt; also für mich ist die Natur einfach so 155 ein Wunder und per se schützenswert, da brauche ich vorher keine Videos oder sonst was, über 156 irgendein Ökosystem sehen, um das zu fühlen. Wenn ich mit Leuten unterwegs bin, wo ich merke, 157 dass denen das abgeht, dass die überhaupt gar nicht dieses Gefühl dafür haben, wie wundervoll 158 das eigentlich alles ist und wie schützenswert, das macht mich fuchsig. Und wo dieses prinzipielle 159 Bewusstsein für die Natur herkommt, das weiß ich nicht. Aber ein Mittel, um es dann wenigsten 160 ein bisschen zu mindern, sind sicherlich vorher Briefings: Wie funktioniert dieses Ökosystem, 161 wovon hängt das ab und was ist unsere Rolle dabei? So für mich selbst, am Ende jedes Manuals 162 der Code of Conduct, das ist sowas wo ich denke: ‚Leute das muss man doch nicht sagen!‘ Aber 163 doch, man muss es tatsächlich sagen. Manchen Leuten muss man das tatsächlich sagen. Aber 164 mit solchen Leuten möchte ich auch nicht ins Wasser gehen (schüttelt den Kopf). 165 166 I: Und wie war das bei deinem zweiten Fall? Als zweites hattest du die Sicherheit 167 angesprochen. Was ist da die Ursache des Problems und wann ist es da besser? 168 169 B: Ein Stückchen weit ist es ein intrinsisches Problem von mir selbst. Also ich bin auch 170 Arzt und in der Rolle, die ich jetzt da im Beruf spiele, ist es natürlich immer so, dass man bemüht 171 241 ist, alles richtig zu machen, keine Fehler zu machen, alles perfekt zu machen. Das geht natürlich 172 auch nicht, man macht Fehler, aber man macht alles, um Fehler zu vermeiden und aus Fehlern 173 zu lernen. Insofern habe ich da dann schon so einen Background irgendwie, der mich da triggert 174 und wo ich vielleicht manche Sachen auch anders verstehe, weil ich gerade die ganzen 175 physiologischen Geschichten schneller verstehe und da mehr Wert drauflege. Und wenn ich dann 176 sehe - ich hatte ein Erlebnis, da bin ich mit zwei Leuten tauchen gegangen, der eine hat gerade 177 seinen Level 2 - Kurs, der andere hat gerade seinen Instructor Kurs gemacht. Und wir waren zu 178 viert im Wasser, mit meinem anderen Buddy, und es war ein bisschen Strömung. Und zum einen 179 hatten sie ein bisschen Angst vor der Strömung, weil sie es nicht gewohnt waren. Das ist 180 nachvollziehbar. Zeitgleich sind sie aber auch ohne Boje irgendwo runtergetaucht, ohne, dass der 181 andere ihn gesehen hat. Die beiden waren ein „Buddyteam“ (zeigt Anführungszeichen) ohne dass 182 sie uns bescheid gesagt haben und dann schwamm der eine da hinten, der andere da und die 183 haben die ganze Zeit einfach nur Mist gemacht, wo ich dachte: ‚Man, der Typ ist Instructor, hat 184 jetzt einen anderen dabei, der nicht so fit ist.‘ Wenn der Instructor ist und das alleine machen will, 185 kann er ja machen was er will, da kann er irgendwie draufgehen. Aber wenn man mit mehreren 186 Leuten im Wasser ist, hat man auch eine Verantwortung für die Gruppe und das Team. Und das 187 macht mich einfach fertig. Oder wenn im Instructor Kurs einer es so unbedingt schaffen wollte, 188 dass er sich das Trommelfell zerlegt hat! Wo ich denke: ‚Leute, warum denn? Das tut doch nicht 189 Not!‘ Und jetzt habe ich den Faden verloren. Was war die eigentliche Frage? (lacht) 190 191 I: Wir waren noch dabei, wann es vielleicht besser sein könnte mit dem 192 Sicherheitsempfinden. 193 194 B: Also ich bin ja wirklich ein Freund der Protokolle. Also Protokolle, nicht des Protokolls 195 halber, sondern einfach, weil es eine gewisse Routine gibt, wo man dann einfach weiß: Das Setting 196 ist vernünftig und gut. Und das merke ich einfach, wenn ich mit meinen Standard-Buddies tauche, 197 wo einfach dieses Vertrauen da ist, das Wissen da ist, das blinde Verständnis und man braucht 198 nicht darüber zu sprechen, wie Safety richtig läuft, welche Formen von Tauchgängen gemacht 199 werden, und wo es dann auch Tage gibt, wo eine Höhle ist, in die ich gerne rein will, und mir mein 200 Buddy sagt: ‚Nein, das machst du jetzt nicht, ich fühle mich heute nicht fit und kann dir jetzt da 201 kein Safety geben. Du gehst jetzt nicht da rein. Ich will aber, aber mache es halt nicht.‘ Und dieses 202 Vertrauen, was darauf basiert, dass eben das Wissen um die Problematiken da ist, das 203 Bewusstsein für theoretische Gefahren, die da sein können, und die Erfahrung miteinander. Das 204 in Kombination macht für mich das perfekte Tauchteam aus, den perfekten Tauchpartner, wo 205 man sieht: Das hat Hand und Fuß und das passt. 206 207 242 I: Und inwiefern wird das individuelle Tauchverhalten von außen beeinflusst? 208 209 B: (…) Das hängt, glaube ich, sehr von der Person ab, die am Tauchen ist: Es gibt Leute, 210 denen völlig egal ist, wenn andere dabei sind. Und dann gibt es natürlich auch die Kompetitiven, 211 wo man dann wirklich aufpassen muss. Gerade, wenn zum Beispiel zwei Freunde da sind, die 212 irgendwie den Level 2 Kurs machen wollen, wo es dann aber wirklich dieses Konkurrenz-Ding 213 gibt. Das ist problematisch. Auch Paare, habe ich gesehen, ist manchmal durchaus 214 problematisch, wenn dann irgendwie der Mann unbedingt beweisen will, dass er das irgendwie 215 besser kann, aber Probleme mit dem Druckausgleich hat oder nicht die Luft hat oder sonst was. 216 Dass er dann aber unbedingt seinen Mann stehen muss, irgendwas beweisen muss. Also da sehe 217 ich für das Freizeittauchen dieses kompetitive Element als Hauptfaktor an, der da Probleme 218 machen kann. 219 220 I: Und welche Rolle spielen deiner Meinung nach die Tauchbasen bei der Beeinflussung 221 von außen? 222 223 B: Die Tauchbasis vielleicht weniger, aber der entsprechende Guide oder Tauchlehrer 224 oder sonst was sind fundamental, gerade am Anfang, weil die da auch Vorbildfunktionen haben. 225 Und wenn die dann schon dieses Bewusstsein ausspielen, was problematisch ist, was die Flora, 226 Fauna angeht und so weiter. Da muss man dann halt immer auch als Guide ein gutes 227 Gleichgewicht finden, wo man dann keinem Angst macht, die Sache im Hinterkopf hat, aber 228 trotzdem weit genug Respekt vermittelt, dass kein Blödsinn gemacht wird, aber dass es trotzdem 229 Spaß macht. Und den Sweet Spot da zu finden, das ist die Aufgabe der Tauchbasen dann, das 230 zu schaffen. 231 232 I: Und wie steht es um das Bewusstsein über die eigene Vorbildfunktion der Taucher? 233 234 B: Gut. Also, wenn ich mit Leuten im Wasser bin, dann mache ich definitiv alles regelartig, 235 nach allen Regeln der Kunst. Dagegen bin ich dann kein gutes Vorbild, wenn ich für mich allein 236 unterwegs bin. Dann mache ich das, was ich will. Da habe ich dann aber auch keinen Buddy 237 dabei, der irgendwie dann Probleme kriegt oder irgendwas mit angucken muss. Das habe ich zum 238 Beispiel beim Gerätetauchen gemacht, nachts alleine in den See zu gehen, zwei Stunden mit 239 einer Doppel 12, und mich da vergnügen oder sowas. Aber das ist einfach ein anderes Setting. 240 Das eine ist mein Privatzeug, das ich dann mache und wo mich dann niemand sieht. Und das 241 243 andere ist dann die Rolle als Instructor oder Tauchbuddy, in der ich dann auch schon versuche, 242 die Werte des vernünftigen Tauchens zu machen. Wenn die Leute für sich selbst entscheiden, 243 dass sie diese Risiken eingehen wollen, dann können sie es tun, aber sie sollten sich halt über die 244 Risiken bewusst sein. Klar sage ich nicht ‚können sie tun‘, aber es ist in mir drin meine Meinung, 245 dass jeder für sich selbst entscheiden kann, solange nicht andere Leute mit dranhängen. Das ist 246 meine innere Rechtfertigung, warum ich das so mache. Aber in der Rolle als Instructor würde ich 247 das natürlich niemals sagen, klar. 248 249 I: Nun kommen wir zum Thema Kommunikation im digitalen Zeitalter. Über welche 250 digitalen Kanäle erreichst du mit deinen Aktivitäten rund ums Tauchen andere Taucher? 251 252 B: Ach da bin ich ganz schlecht, weil ich den ganzen Social Media Kram hasse, aber man 253 muss das ja machen. Insofern eigentlich vorwiegend Instagram und dann habe ich jetzt 254 irgendwann mal eine Facebook-Seite ins Leben gerufen und eine Webseite und einen Blog. Also 255 das war eigentlich das Ursprüngliche, dass wir einen Blog hatten über unsere Erfahrungen mit 256 dem Apnoetauchen auf XXX, aus dem sich das Ganze dann erst heraus entwickelt hat. Aber die 257 größte Reichweite hat dann, glaube ich, Instagram. 258 259 I: Jetzt hast du dem Blog und Instagram mehr Gewicht gegeben. Was darin funktioniert 260 denn besonders gut in der digitalen Kommunikation? 261 262 B: Also gut, das sind ja dann auch wieder zwei Sachen. Das eine ist das 263 Transportmedium. Und da glaube ich leider mittlerweile ist es wirklich mehr Instagram, Facebook 264 und die ganzen Sachen. Das andere sind halt Inhalte und da ist es aber so, dass ich nie wirklich 265 das geschafft habe, was ich gerne schaffen würde, nämlich wirklich Qualitätsinhalte zu kreieren. 266 Aber dadurch, dass ich auch nicht wirtschaftlich davon abhängig bin und eben anders ein 267 bisschen dazugekommen bin, habe ich da dann auch nicht ganz so den Druck diese Präsenz zu 268 zeigen und Leute anzuziehen, sondern bin da eher in der passiven Rolle, wenn jemand zu mir 269 kommt und sagt: ‚Mach das mal.‘ Dann machen wir das. Insofern bin ich da kein gutes Beispiel. 270 Aber Authentizität ist für mich wichtig. Das war auch diese Idee mit dem Blog dahinter, dass man 271 sagt: Für den Fall, dass da irgendwann mal eine Tauchschule da ist, dass die Leute dann eine 272 Idee haben, mit wem sie da eigentlich was zu tun haben und wie derjenige da hingekommen ist. 273 Dann fürs Apnoetauchen finde ich auch Ästhetik einen wichtigen Punkt. 274 244 Aber eigentlich wäre die Aussage wirklich: Qualitätsinhalte, wo man wirklich einen Mehrwert bietet 275 und so weiter, wobei ich das nicht mache. 276 277 I: Zu den Inhalten befrage ich dich gleich noch. Davor möchte ich noch wissen: Welche 278 digitalen Plattformen und Netzwerke nutzt du denn zu deiner eigenen Kommunikation für diene 279 privaten Tauchgänge? 280 281 B: WhatsApp, Threema, mal über Mail, aber eigentlich weniger, Telefon. 282 283 I: Und dann jetzt auch schon zu den Inhalten: Welche auf das Tauchen bezogenen 284 Fachbereiche und Inhalte wecken dein Interesse? 285 286 B: In dem Konsum von Medieninhalten oder prinzipiell? 287 288 I: Alles. 289 290 B: Physiologie. Finde ich super spannend, einfach super, super, super spannend. Dann 291 (…) so ein bisschen auch dieses Grenzbereiche zu verschieben. Also nicht über Grenzbereiche 292 hinauszugehen, sondern diese poco a poco zu erweitern. Beim Tauchen selbst bin ich absoluter 293 Höhlenfan, Großfischfan und es gibt nichts Besseres als wenn mal ein Hai an der Boje 294 vorbeikommt. Also da ist dann Unterwasserlandschaft und -fauna eigentlich für mich interessanter 295 als tatsächlich jetzt Tiefe. Ich bin niemand der sagt er will irgendwann mal so und so viele Meter 296 unbedingt erreichen. Klar ist das auch schön, aber es ist eigentlich mehr ein Mittel zum Zweck, 297 um andere Dinge zu erkunden. 298 299 I: Und nochmal zurück zum Digitalen: Wie müssten denn online-Inhalte präsentiert sein, 300 dass du ihnen tatsächlich deine ganze Aufmerksamkeit zuwendest? 301 302 I: Ich bin Deutscher, von daher: Strukturiert. (lacht) Das habe ich jetzt in den letzten 303 Jahren gemerkt. Also das sind zwei Sachen, die meine Aufmerksamkeit erregen. Das eine sind 304 halt einfach wirklich schönen Bilder – außergewöhnliche Bilder oder außergewöhnlich schöne 305 Bilder. Und das andere sind Themen, die mich interessieren, sei es jetzt das Thema selbst oder 306 245 aber wie es vermittelt wird. Also es gibt einfach Leute, die haben Lehre einfach drauf und dann 307 schaut man: ‚Verdammt, du machst das wirklich gut!‘ So etwas gucke ich mir gerne an und 308 tatsächlich auch, wenn es mal irgendetwas gibt – wobei, das sind dann eher Fachartikel, jetzt 309 über Physiologie oder so etwas. Die werden ja weniger als Social Media Inhalte geteilt. Es gibt 310 dann Facebook-Gruppen über Freediving Science, aber selbst da ist dann relativ wenig los. 311 312 I: Hättest du ein konkretes Beispiel zu diesen, in deinen Worten „verdammt, das ist richtig 313 gut!“-Beiträgen? 314 315 B: Also nicht ganz 100% mein Style, aber was ich glaube, wer relativ viel erreicht, ist 316 Adam Stern, durch seine lustige, witzige, offene Art und wie er die Sachen auch ganz gut 317 runterbricht oder dann zum Beispiel sich ins Meer gelegt hat und da mal ein bisschen 318 rumgefrenzelt hat und geguckt hat, was alles da passiert. Also ich glaube der ist ganz gut. 319 Ansonsten sind es eher einzelne Videos, die mir dann unterkommen. Das ist dann wirklich gut 320 erklärt. Adam, finde ich, macht das auch manchmal sehr, sehr gut mit seiner trockenen, alten Art, 321 dann die Dinge wieder zu vereinfachen. Gerade beim Frenzel gibt es ja zum Beispiel den Ted 322 Harty, der einen kompletten Kurs über Druckausgleich gemacht hat, drei Stunden irgendwie über 323 Frenzeln. Und Adam macht das halt in 20 Minuten, also so ganz einfach: Und jetzt noch vor den 324 Spiegel, Zunge runter und dann funktioniert das. Und von allen kann man so ein bisschen was 325 ziehen und jeder ist in seiner Weise da gut. Aber was die alle gemein haben, ist, dass sie sich 326 vorher Gedanken machen, was sie sagen, und das strukturieren und tun. Wohingegen es auch 327 andere gibt, die einfach irgendwie drauf los erzählen, labern, die labern so wie ich jetzt einfach 328 frei und dann vom Stückchen ins Hölzchen und danach denke ich so: ‚Okay, was ist eigentlich 329 die Message?‘ Dieses dann eben auf den Punkt bringen und sich vielleicht nur auf ein paar Sachen 330 zu fokussieren. Aber jetzt konkret, wo ich sage: ‚Das ist das Video, was ich jetzt empfehlen würde‘ 331 – das hängt immer auch von den Leuten ab, mit denen ich dann zu tun habe, wo ich weiß, wo 332 dann die Probleme sind, was am Ehesten etwas, wo sie am ehesten was mitnehmen können und 333 am ehesten Zugang haben. Das ist es. 334 335 I: Der letzte Bereich, zu dem ich dich befragen möchte, bezieht sich auf die von dir 336 genutzten online-Tools und ihre Wirkungsweise. Welche digitalen Angebote nutzt du konkret zur 337 Unterstützung des Tauchens? 338 339 B: Ich glaube keine (lacht). Jetzt muss ich erst mal überlegen, ob es da irgendetwas gibt. 340 Aber es ist eigentlich nur die Planung und dann (…) Also, was ich jetzt schon mal mache, vor 341 246 einem Kurs, ist einen Zoom-Call. Dann kann ich schon mal gucken, was für einen Druckausgleich 342 die machen, ihnen möglicherweise schon ein paar Übungen geben, dass die Chancen einfach 343 höher sind, dass es im Wasser dann nachher klappt, aber das ist ja eigentlich kein online-Tool. 344 (…) Nein, also sonst eigentlich keine. 345 346 I: Was nutzt du zur Planung, die du gerade kurz angesprochen hast? Oder ist das dann 347 der Zoom-Call? 348 349 B: Genau, also ich habe jetzt kein dezidiertes Programm, wo ich irgendetwas einplane. 350 Ich habe hier auf meinem Rechner die Sachen und habe da meine Datenbank, dann eben schon 351 ein bisschen so Pläne, wetterabhängig, was man wann wie machen kann, und so, aber kein 352 online-Tool. Das mache ich dann tatsächlich entweder per Mail oder WhatsApp, wo ich dann 353 sage: ‚Dann und dann treffen wir uns und dann machen wir das, das das‘. Aber da gibt es kein 354 durchgeplantes Kurrikulum, was dann läuft. 355 356 I: Jetzt hast du gerade das Wetter angesprochen. Nutzt du da irgendwelche Apps oder 357 irgendwelche Informationsdienste? 358 359 B: Ach so! Ja klar, das muss man ja. Da hast du recht: Windy, Windfinder, die spanische 360 Wetteragentur, Webcams, die irgendwo stehen, Wisuki. Das sind eigentlich so die, aus denen ich 361 dann versuche die Daten zu integrieren, nicht in einer systematischen Art und Weise, sondern mit 362 der Tasse Kaffee, gucken: ‚Wie ist denn die Vorhersage? Aha, Welle da, Welle da, Welle da. Und 363 wie ist der Mond, wie ist der Gezeitenkoeffizient?‘ Und das geht so und so. So würde das 364 wahrscheinlich am ehesten funktionieren, ja. Aber jetzt nicht mit einem strukturierten Plan. 365 366 I: Okay. Bestehen Unterschiede bei Windy und Co. in deiner Nutzung je nach 367 Tauchdisziplin? 368 369 B: Würden sie, wenn ich noch unterschiedliche Tauchdisziplinen machen würde, aber 370 dadurch, dass ich ja nur noch das Apnoetauchen mache nicht. Dass man sagt für das 371 Apnoetauchen gibt es Tage wo ich, wenn ich keinen Kurs habe und sehe, dass der Westen 372 irgendwie blöd ist und ich dort nicht meine Boje befestigen kann, dann können wir einfach in den 373 Süden gehen oder den Osten und dann einfach die Küste erkunden. Insofern ja, ein bisschen, 374 aber eher weniger. 375 247 376 I: Inwiefern unterstützen dich denn tauchspezifische Fachbereiche und Inhalte beim 377 Tauchen selbst? 378 379 B: Klar, es gibt das Lehrmaterial von AIDA für die Kurse, aber für das Tauchen selbst 380 wüsste ich noch nicht einmal, auf welche du dich jetzt da beziehst oder was es da gäbe. 381 382 I: Nehmen wir das Wissen, das du dir im Wasser angeeignet hast, also so, wie du tauchen 383 gelernt hast. Könntest du das über online-Inhalte für dich aufrechterhalten? 384 385 B: Die Frage kommt mir jetzt ein bisschen komisch vor. Da verstehe ich jetzt nicht so 386 ganz worauf die abzielt. Da sage ich jetzt einfach mal nein, weil ich sie nicht verstehe. 387 388 I: Okay. Stelle dir vor du könntest mal für einen längeren Zeitraum nicht ins Wasser gehen, 389 also wirklich über ein paar Monate. Gäbe es dann was, wie einen Check-up oder so, den du dann 390 einmal online durchspielen kannst, dass du wieder weißt: ‚Ach ja, genau darauf muss ich achten‘? 391 392 B: Das klingt jetzt vielleicht überheblich, aber für mich selbst nicht. Weil das Tauchen so 393 sehr mein Ding ist, dass ich auch, wenn ich nicht im Wasser bin, ständig ans Wasser denke und 394 das ständig im Kopf habe. Wenn ich jetzt zurückdenke an meine Anfangszeiten vom 395 Gerätetauchen: Für Anfänger da sicherlich, also Checklisten einfach nochmal, zum Beispiel, wenn 396 man Nitrox-Taucher ist, zu sehen wie das war mit MOD und so etwas. Sicherlich, klar. Aber für 397 mich selbst persönlich sehe ich das momentan nicht. Aber für Hobbytaucher, die das einfach nur 398 sporadisch machen, gerade im Gerätetauchen, sicherlich. 399 400 I: Und wie steht es um Wissenserweiterung, online? 401 402 B: Klar, immer. Also ich meine da, angefangen von diesen wissenschaftlichen Papern mit 403 Literaturrecherchen und dem hoffentlich am Leben bleibenden Science-Hub über irgendwelche 404 Diskussionen auf Facebook, die dann zwar auch häufig mal am Thema vorbeigehen, bis hin zu 405 den YouTube-Recherchen und einfach mal andere Meinungen hören, andere Aspekte hören – 406 klar, immer super interessant. 407 248 408 I: Dann kommen wir jetzt auch schon zur letzten Frage. Dafür gehen wir in die Zukunft: 409 Wie würde für die ideale digitale Umgebung, im Sinne eine Plattform, eines Tools oder ähnlichem 410 aussehen, welche du als Unterstützung für deine Tauchaktivitäten gerne nutzen würdest? 411 412 B: (…) Also für mich selbst, für meine Tauchaktivitäten wäre das eine integrierte Seite, 413 die einfach die Daten von verschiedenen Sachen integriert, wie zum Beispiel die Webcams, die 414 Wettervorhersagen und so weiter. Das wäre hilfreich und das habe ich mir auch schon selbst so 415 ein bisschen zusammengebaut. 416 Für Tauchkurse, Trainings und so weiter wäre sicherlich eine Plattform wo der Schüler oder eben 417 derjenige, der mittauchen will, auch einfach schon Checklisten hat, was er hinterlegen muss: 418 Tauchversicherung, Tauchtauglichkeit und so weiter, dass man das nicht jedes Mal wieder neu 419 machen muss, wo er vielleicht schon eine Übersicht kriegt: Was sind die möglichen Tauchreviere, 420 was geht, was ist wahrscheinlich, was passieren wird? Wo einfach schon so die Erwartungen ein 421 bisschen abgeglichen werden können: Ist das wirklich etwas für einen? Wo vielleicht auch 422 tatsächlich schon ein bisschen Lehrmaterial da ist, wie zum Beispiel einfach Videos zum 423 Druckausgleich, um schon einmal zu gucken: ‚Wie mache ich den Druckausgleich? Wie 424 funktioniert der Druckausgleich? Wenn nicht, was kann ich denn machen, dass er funktioniert? – 425 einfach so vorbereitende Dinge.‘ Das ist ganz gut. Wobei, ja. Das ist so etwas, was mir jetzt 426 spontan einfällt. 427 428 I: Gibt es sonst noch etwas, was du ergänzen oder loswerden möchtest? 429 430 B: Dafür bin ich zu müde (lacht). Das waren jetzt die letzten Tage oder die letzten Wochen 431 dank Vulkan. Alles ein bisschen heftig. Da bin ich jetzt nicht so kreativ. 432 433 I: Okay, dann erlöse ich dich jetzt auch und stoppe die Aufnahme.434 249 7.4.6 Interview I6 Datum: 18.11.2021 Dauer: 42 Minuten I: Bitte stelle dich und deine Tauchaktivitäten vor. 1 2 B: Also. Ich bin XXX, das ist mein Name, ich bin 36 und wohne jetzt in XXX. Meine 3 Tauchaktivitäten: Also ich bin Apnoetauchlehrer und Gerätetauchlehrer. Was du jetzt mit 4 Aktivitäten direkt meinst, weiß ich nicht genau, aber ich versuche mal auf beide Bereiche 5 einzugehen. Ich tauche eigentlich mein ganzes Leben lang schon. Die ersten Bilder, die ich im 6 Leben gemalt habe, im Kindergarten, waren: Timo im Meer. Also das ging bei mir schon ziemlich 7 früh los, das gehörte irgendwie alles so dazu. Das Tauchen gehört zum Schwimmen, gehört 8 eigentlich überall mit dazu, auch in meiner ganzen Arbeit. Ob ich jetzt tatsächlich tauche tauche, 9 im Wasser tauche – auf was du jetzt wahrscheinlich eher aus bist - oder ob ich in andere Sphären 10 eintauche, sei es ins Unterbewusstsein, wenn ich mit der Atmung arbeite, oder ob ich auch mit 11 mentalen Techniken arbeite. Das ist auch ein tiefes Abtauchen, eben in andere Welten. 12 Wenn wir jetzt vom Wasser selbst sprechen, ja, früher hieß es Tauchen sei mit Gerät und ein 13 bisschen schnorcheln kann man ja auch. Ich bin dann im Endeffekt ins Gerätetauchen 14 hineingestolpert und habe das ein paar Jahre gemacht und bin dann schnell zum Tauchlehrer 15 geworden. Davor war ich als Diveguide relativ viel unterwegs und habe dann in Indien gearbeitet, 16 in Thailand, in Mallorca, in Spanien, in Südamerika, wo auch immer. In Mittelamerika und 17 Honduras war ich auch noch und habe dann noch den Instructor gemacht und war dann auch 18 noch ein bisschen arbeiten auf der Welt zum Schein. Ich habe dann aber auch gemerkt, dass mir 19 das Gerätetauchen zwar eine innere Ruhe und eine Art Meditation gibt, wenn ich unter Wasser 20 atme, und das hat mich auch sehr beruhigt und ich somit auch die Umwelt besser wahrnehmen 21 kann. Ich habe gemerkt – ich habe ja selbst Sport studiert, ich bin eigentlich studierter 22 Sportökonom – da hat mir irgendwie der körperliche Anreiz gefehlt. Der ist dann beim 23 Gerätetauchen so ein bisschen weg gewesen, weil ich bin so sehr auf das Gerät angewiesen, und 24 habe es dann beim Schnorcheln einmal so ein bisschen übertrieben und bin sehr tief getaucht 25 und auf einmal gefallen! Also ich bin nicht mehr aufgestiegen, sondern ich bin gefallen, im 26 Salzwasser. Und das war so ein Schock, so ein richtiger Schock wo ich gedacht habe: ‚Oh Gott, 27 was passiert denn jetzt?‘ Aber dann wollte ich mehr und habe dann, glaube ich, innerhalb von 28 einem halben Jahr die komplette Ausbildung gemacht bis zum Apnoelehrer. Und in diesem 29 ganzen Prozess ist einfach extrem viel passiert, auf mentaler Ebene extrem viel passiert. Das hat 30 250 mich dazu gebracht mein komplettes Leben umzumodeln. Also das ist so der Weg zum Hier und 31 Jetzt. Und wenn deine Frage auf das Hier und Jetzt beschränkt ist, wenn wir mal Corona einfach 32 so wegrechnen, wo es super schwer ist wirklich tauchen zu gehen, dann war ich eigentlich 33 monatelang am Meer, ob ich da jetzt selbst ausgebildet habe oder ob ich da selbst am Tauchen 34 war. Und momentan bezieht es sich eher darauf, dass ich lokal ein bisschen was mache in den 35 Seen jetzt hier in Österreich; ich habe ein eigenes Freediving-Camp am Mittelmeer, das ist im Juni 36 für zwei Wochen und das ist jetzt schon ausgebucht für nächstes Jahr. Also es gibt extrem viele 37 Leute die jetzt auch wiederkommen, das dritte, vierte, fünfte Mal mitkommen, was super cool ist. 38 Und warum das für mich so cool ist, ist, weil ich meine eigene Leidenschaft weitergeben kann und 39 auch in dieser Rolle als Lehrer auch extrem gut abschalten kann. Also ich genieße auch die 40 Unterwasserwelt als Lehrer. Und natürlich, wenn alle durch sind und die zehn Tage rum sind und 41 ich rein körperlich völlig platt bin, wenn ich dann nochmal tauchen gehe, dann ist es das 42 Nonplusultra, dann bin ich out-of-space. Das ist eh klar. 43 Oder in drei Wochen fliege ich jetzt wieder nach Ägypten nur für mich für eine Woche und da 44 werde ich mich nur meinen Kursen, also meinen online-Kursen, widmen, die ich noch abdrehe 45 und ich werde jeden Tag tauchen gehen – aber Gerätetauchen, weil ich alleine bin. 46 47 I: Okay. Das heißt, was macht das Tauchen für dich so besonders? 48 49 B: Ich glaube das ist wie bei den meisten Leuten, die einfach eine Leidenschaft haben im 50 Leben. Es ist nichts, was wir wirklich in Worte fassen könnten. Also wir können es probieren. Es 51 ist einen Versuch wert zu sagen: Ich komme an einem Punkt an, an dem eine Art Equilibrium 52 herrscht, also ein Gleichgewicht irgendwie von allem, ein Moment in dem es weder Morgen noch 53 Gestern gibt. Das ist für mich so das komplette Aufgehen im Jetzt, im Hier und Jetzt, im Moment. 54 Aber auch gleichzeitig dieses komplette Abschalten. Das ist wie so eine mentale und körperliche 55 Reinigung, die da vonstattengeht. Also da geht es nicht darum, dass ich mich mit meiner Umwelt 56 im Endeffekt verbinde, sondern es geht auch viel einfach darum, dass ich mich in mir selbst finde. 57 58 I: Beschreibe mir bitte, wie der ideale Tauchgang für dich aussehen würde. 59 60 B: Der ideale Tauchgang – also jeder ist anders und das macht das Schöne auch daran 61 aus. Also grundsätzlich schon mal so gesagt. Der ideale Tauchgang ist eigentlich der Tauchgang, 62 in dem ich komplett abschalten kann und komplett im Moment bin. Das kann auf zwei Metern 63 sein, das kann Luftanhalten in der Badewanne sein, das kann auch die 50, 60 Meter sein, wo 64 dann unten irgendwie Barrakudas um mich herum ihre Runden drehen und ich gar nicht mehr 65 251 hochwill. Also es kommt eher, dass ich in eine Art Flow-Zustand reinkomme, in dem eigentlich 66 alles ganz leicht und locker ist und wo auch alles funktioniert. Ich glaube das ist das Nonplusultra, 67 wonach wir, glaube ich, alle beim Apnoetauchen so ein bisschen streben, diesen Moment öfter 68 zu haben. 69 70 I: Jetzt nur die Badewanne ausgeklammert – kannst du mir erläutern welche Rolle dabei 71 der Buddy spielt, bei diesem idealen Tauchgang? 72 73 B: Also bei mir extrem viel. Also der Buddy ist extrem wichtig, weil ich erst loslassen kann, 74 wenn ich weiß: Ich habe ein Backup. Wobei das eigentlich auch nicht ganz stimmt, muss ich 75 gestehen (lacht). Ich hatte auch schon Tauchgänge – das darf ich eigentlich keinem erzählen, 76 das brauchst du auch nicht aufschreiben – die waren auch tief und wo ich alleine war, aber die 77 einfach so passiert sind. Also das ist definitiv nicht Sinn der Sache das war ein mega geiler 78 Tauchgang, bis ich gecheckt habe: ‚Ich bin ja allein!‘ Ja aber, wenn ich jetzt mit einem 79 Maximalversuch beispielsweise reingehe und in Gefilden, die ich nicht kenne, ist es für mich immer 80 extrem wichtig jemanden zu haben, wo ich weiß: Wenn irgendetwas ist, dann ist die Person da 81 und kann mich auch wieder hochholen. Ja, da ist eher dann so diese mentale Präsenz da. Ich 82 brauche jetzt keine High-end-Taucher, die mich da sichern. Ich brauche einfach nur eine Person, 83 die präsent ist und der ich vertrauen kann, dass sie mich dann auch von 20 Metern wieder 84 hochholen könnte. Da habe ich dann eigentlich schon alle Eventualitäten schon gedeckelt beim 85 Apnoetauchen. 86 Beim Gerätetauchen, der Buddy? Man sagt immer der Buddy sollte in Schwimmnähe sein, sodass 87 ich, wenn ich die Luft anhalten und die nächsten 30, 40 Sekunden Vollgas paddeln muss, um an 88 seinen Oktopus raunzukommen beim Gerätetauchen. Der Buddy im Gerätetauchen ist nicht so 89 wild, muss ich sagen. Da ist der Aspekt beim Apnoetauchen schon viel, viel größer. 90 91 I: Und welche Rolle haben die Tier- und Pflanzenwelt in deinem Beispiel? 92 93 B: Die Tier- und Pflanzenwelt – also ohne geht es ja nicht. Also die Tier- und Pflanzenwelt 94 sind auch Höhlen für mich. Also es muss jetzt nicht unbedingt Flora und Fauna sein. Ich würde 95 das einfach alles als Unterwasserwelt nehmen. Genauso wie ich jetzt durch den Park laufe oder 96 wenn ich in Ägypten bin und durch die Wüste laufe – Flora, Fauna sehe ich da auch nicht viel. 97 Das sehe ich viel Sand. Im Endeffekt, was ich auch geil finde, im Mittelmeer, wo es gar nicht viele 98 Tiere gibt, muss man auch gestehen, ist es eher so, dass du schöne Felsformationen hast, dass 99 du so swim-throughs hast, dass du Höhlensysteme hast, wo du durchtauchen kannst. Für mich 100 252 ist es eher – also Tiere sind natürlich abgefahren, ich hatte abgefahrene Erlebnisse bisher, die 101 mich wirklich komplett aus den Socken gehauen haben. Aber ich finde auch einfach diese 102 Momente, beispielsweise auf dem Boden zu sitzen, im Sand zu sitzen, zu sehen wie das Licht im 103 Wasser bricht, ich unten bin, nicht atmen muss – sowas finde ich unglaublich. Wenn ich sehe, wie 104 weich die Wellen sind. Also das sind solche Momente, da brauche ich gar nicht extrem viel Flora 105 und Fauna, um bei mir selbst anzukommen. Weil wenn ich bei mir selbst ankomme, habe ich 106 sowieso die Augen zu. Da müsste mich schon irgendwas anstupsen, dass ich einen Aha-Effekt 107 habe. Aber die Kombination, zum Beispiel letztes Jahr, als ich in Ägypten war und tiefe 108 Tauchgänge gemacht habe, war ein schöner Moment, um das vielleicht auf den Punkt zu bringen: 109 Ich war oben, haben meinen Breathe-up gemacht, bin nach unten getaucht und habe mich 110 gefragt, warum denn jetzt die ganzen kleinen Fische weg sind. Und die die da sind, sind total 111 nervös. Keine Ahnung, was da los ist. Und ich bin halt abgetaucht, und dann war ich unten beim 112 Touch-down auf knapp 50 Metern und drehe und merke auf einmal, wie ein riesiger 113 Barrakudaschwarm um mich herum ist, bestimmt 30,40 riesen Barrakudas. Die sind um mich 114 herum gekreist und um diese Line und das war einfach gigantisch! Dann bin ich da nochmal einen 115 ganz kurzen Moment geblieben und bin ganz langsam nach oben. (lacht) Weil ich diesen Moment 116 komplett genießen wollte. Es war wirklich unglaublich! Und gerade dort war die Sicht ja super. Du 117 siehst da unten alles. Es ist ja bulle-warm und diese Lichtbrechung, die du da unten hast und dann 118 diese kurious Barrakudas um mich herum – das ist natürlich genial. Da will ich dann die Augen 119 aufmache und sowas sehe – das ist schon was Besonderes. 120 Auch die Möglichkeit beim Apnoetauchen, sich mit der Umwelt so einfach zu verbinden, weil man 121 im Endeffekt nicht blubbert und so eigentlich auch wirklich ankommen kann in dieser Tiefe. 122 123 I: Jetzt von der Umwelt zum Taucher: Welche persönlichen Merkmale kennzeichnen 124 deiner Meinung nach den Typ Apnoe- und den Typ Gerätetaucher? 125 126 B: Wir können ja mit der Optik anfangen: Der Apnoetaucher ist eher groß und schlank, 127 der Gerätetaucher wahrscheinlich eher mittel und hat eher eine Wampe. (lacht) Also das sind, 128 sage ich jetzt mal, die Extrembeispiele, okay? (macht eine beschwichtigende Handbewegung) 129 Also ich bin Gerätetauchlehrer und ich spreche da so ein bisschen aus Erfahrung, weil wir 130 meistens das Thema hatten, dass die Dekompressionskrankheit ein viel größeres Risiko hat, bei 131 eben Menschen, die etwas mehr Gewicht haben oder ja, nicht nur subkutan, sondern bei 132 Männern hauptsächlich viszerales Fett, also Fett, was sich in die Zwischenräume zwischen den 133 Organen anlegt, die eben dort ein größeres Risiko haben, dass sich die Bläschen dort ansammeln 134 und der Körper, durch die Halbwertszeiten, den Stickstoff sehr viel langsamer abgibt. Und ja, 135 solche Situationen sind da ein bisschen schwieriger. Optisch gesehen, das muss natürlich gar 136 nicht so sein, das ist nicht so super stereotype, aber ich sage grundsätzlich achten die 137 253 Gerätetaucher weniger auf ihren Körper als Apnoetaucher. Und die Apnoetaucher wissen ganz 138 genau: Wenn mein Körper nicht fit ist, dann kann ich es nicht. Dann kann ich es nicht wirklich 139 abrufen. Der Gerätetaucher sagt sich dann eher: ‚Ist mir wurscht. Entweder ich habe eine größere 140 Flasche mit oder mach das Jacket weiter auseinander oder sonst was.‘ Denen ist das relativ egal. 141 Die beschäftigen sich deutlich weniger mit dem eigenen Körper, haben auch, glaube ich, ein 142 anderes Risikoverständnis, wenn sie geguided werden, als die Apnoetaucher. 143 Also, wie ich es auch vorhin schon gesagt habe: Für mich ist es extrem wichtig, einen guten Buddy 144 zu haben und bei Gerätetauchern ist das oft so: ‚Ja, ich habe ja meinen Guide und dann wird der 145 schon aufpassen, dass ich nicht zu tief gehe und das ist alles nicht so wild.‘ Das ist nicht bei allen 146 so. Aber das ist zumindest das, was ich so in den letzten Jahren als Gerätetauchlehrer oder als 147 normaler Taucher in diesen Gruppen miterlebt habe. 148 149 I: Das führt auch gut zur nächsten Frage: Welches unter Wasser beobachtete Verhalten 150 ärgert dich? 151 152 B: Also primär, wenn da unten viel gezappelt wird, weil mich das aus der Ruhe bringt, 153 wenn ich jetzt aus Guide-Sicht zum Beispiel denke. Und ich denke immer so: ‚Oh hört doch auf 154 zu zappeln. Ihr verbraucht so viel Luft. Das ist totaler Schwachsinn. Ihr könnt das doch gar nicht 155 genießen, wenn ihr so viel am Zappeln seid.‘ Also fürs Gerätetauchen ist das schwierig. 156 Aber ja, das Schlimmste ist einfach Anfassen. Anfassen, schlechte Tarierung, marines Leben 157 zerstören. Und das ist gerade in Ägypten wirklich extrem. Und das ist denen – also oftmals eben 158 Lokals – ich habe das Gefühl, dass gerade Europäer eigentlich normalerweise nicht ganz so wild 159 sind, aber dass dieses Thema Sensibilisierung für die marine Umwelt nicht so wirklich 160 angekommen ist. Da werden dann gerne auch mal solche Sprüche kassiert, von wegen: ‚Das ist 161 mein Land, haut doch ab, wenn es euch nicht passt.‘ Also das ist dann natürlich hart, wenn du 162 weißt: Gerade Korallen – es gibt ein großes Korallensterben, eine große Korallenbleiche, die 163 Temperaturen erhöhen sich im Ozean, sie sterben ab. Und wenn dann eben auch noch Leute 164 drauf rumtrampeln, anfassen, Dinge abbrechen – ja das ist dann natürlich nicht so cool. Also das 165 sind so die Sachen, die mich so am meisten stören. 166 Und, logischer Weise auch, wenn Gerätetaucher zu viel Alkohol konsumieren. Was bei den 167 Gerätetauchern ja schon normal ist, da gibt es dieses Deko-Bier zu trinken. Ja das Risiko steigt 168 einfach enorm an. Und das Risiko ist eben nicht nur für den Taucher da, sondern auch gerade für 169 den Guide oder für den Tauchlehrer. 170 171 I: Habe ich das gerade richtig verstanden: Deko-Bier? 172 254 173 B: Ja. 174 175 I: Kannst du das erklären? 176 177 B: Ach so. Deko-Bier bedeutet bei den Tauchern; also du willst ja keine decompression 178 sickness haben so sage ich mal im Endeffekt – man trink einfach nach dem Tauchen noch ein 179 Bier (verdreht die Augen). Jetzt nicht direkt, wenn du rauskommst unbedingt, aber du trinkst eben 180 abends noch dein Deko-Bier. Vielleicht vom Gefühl halt auch: Das knallt ziemlich. Wenn du noch 181 einen relativ hohen Stickstoffgehalt im Körper hast und dann ein, zwei Bierchen trinkst, dann 182 ballert dich das relativ schnell weg. Da brauchst du auch nicht so viel. Und das ist vielleicht so für 183 den Urlaubsmodus, in den du reinkommst. Ich meine „brauchen“ ist noch ein anderes Thema, 184 darüber muss man auch fast gar nicht sprechen, aber im Endeffekt muss jeder selbst wissen, was 185 er mit seinem Körper macht. 186 187 I: Und nochmal zu Ägypten. Du hast gesagt da sei es ganz besonders schlimm mit der 188 Wahrnehmung bezüglich Umweltaspekt, also Korallen. Hast du eine Idee, was die Ursache dafür 189 ist? 190 191 B: Du, es ist einfach – die Menschen sind dafür nicht gebildet. Vielleicht ist man auch 192 einfach zu ignorant, um das wahrzunehmen. Also die sind in Ägypten schon relativ gut, dass es 193 restriktiv ist, dass du oft ohne Guide gar nicht ins Wasser darfst, an verschiedenen Stellen. Du 194 musst immer mit einem Guide reingehen, normalerweise. Sobald du außerhalb des Hausriffs ins 195 Wasser gehst musst du mit einem Guide und darfst du nicht alleine reingehen. Ich glaube, weiß 196 nicht, ob das wirklich deswegen ist, dass man das marine Leben schützt, sondern es geht, glaube 197 ich, eher darum, ja, dass einfach nichts passiert. Weil wenn irgendwo jemand halt stirbt, dann ist 198 das eben ein bisschen schwierig. Woran ich es merke ist - für dich auch als Apnoetaucherin - am 199 Blue Hole, da wurde jetzt vor einem Jahr oder so eine Fee erhoben, um überhaupt zum Blue Hole 200 fahren zu dürfen. Das waren fünf oder zehn Dollar oder so etwas, was extrem viel ist, eigentlich, 201 dafür, dass du einfach nur hinfährst, was aber okay wäre, wenn sie es einfach nutzen würden, um 202 beispielsweise das marine Leben zu schützen. Ein Blue Hole, was wir eben nur einmal haben, so 203 zu erhalten, dass eben auch das marine Leben darin Platz findet und eben nicht zertrampelt wird. 204 Aber das findet nicht statt. Das heißt, dieses Geld – das sind Millionen innerhalb von einem Jahr, 205 die sie eigentlich bekommen – das verpufft einfach bloß. Da werden so Kleinigkeiten aus Holz hin 206 gebaut und das war es. Also das ist einfach so ein bisschen, das ist eine andere Kultur. Die 207 255 arbeiten damit anders. Das ist mir durchaus bewusst, aber sowas finde ich schade. Ich finde es 208 echt schade. Das erste Mal war ich dort vor zehn Jahren und wenn ich mir vorstelle, was sich 209 alleine in diesen zehn Jahren entwickelt hat – das ist schon unglaublich. Oder als ich in Thailand 210 war, war ich ein Jahr später nochmal dort, oder zwei Jahre später, und es war eine andere Welt! 211 Die Korallen, die es davor gab, gab es nicht mehr. Die waren zertrampelt, die waren kaputt, das 212 war einfach tot. Also sowas macht mir schon zu schaffen muss ich sagen. Auch, wenn du wieder 213 diesen anderen Kontrast siehst: Wo wir jetzt dieses Jahr beispielsweise waren auf Gozo, im 214 Mittelmehr, oder auch letztes Jahr in Ägypten, da hast du so unglaublich viel im Wasser gesehen, 215 so viel Fisch, so aktiv! Und warum? Weil die Leute nicht mehr im Wasser waren. Weil die Boote 216 nicht mehr gefahren sind. Also das ist schon; ich sage mal unser Hobby, ja gerade auch im 217 Gerätetauchen, was natürlich schön ist, so wie dort, zerstört aber eigentlich so das Ursprüngliche. 218 Das muss man auch dazu sagen. 219 220 I: Inwiefern wird das individuelle Taucherverhalten von außen beeinflusst? 221 222 B: Das individuelle Taucherverhalten? Na ja gut, ich meine: Meine Schüler tauchen 223 natürlich anders, weil ich sie anders lehre. Weil ich denen aufzeige, was wichtig ist. Es kommt 224 immer darauf an, wie du ausgebildet wirst. Das ist schon mal wichtig. Und natürlich auch wie die 225 Guides mit ihren Schülern und Klienten umgehen. Also wenn es einfach ganz klare Regeln gibt, 226 wenn es heißt: ‚Wenn ich sehe, dass du irgendetwas anfasst, dann gehst du nicht mehr ins Wasser 227 und kannst dir eine andere Tauchbasis suchen.‘ Also, wenn du eine klare Restriktion machst, 228 schon, aber du weißt wie es ist im Tourismus und in der Tauchbranche. Da ist es schwierig. Da 229 möchte man sowas ja eigentlich nicht unbedingt machen. Und da ist es dann natürlich tricky. 230 231 I: Welche Rolle, meinst du, spielen dabei die Verbände, die Tauchverbände? 232 233 B: (zuckt mit den Schultern und schüttelt den Kopf) Ich habe mit denen Null Berührung. 234 Gar nicht. Also das ganze Verbandsding, das ist eher so ein deutsches Ding. Das hat eigentlich 235 im internationalen Kontext; also, wenn du sagst du bist VDST, dann heißt das nur, dass du 236 unglaublich konservativ bist. Ja, dann wirst du schon eher belächelt, als dass es heißt: ‚Wow, voll 237 cool, tolle Ausbildung.‘ Sondern es ist eher so: ‚Oh man, du bist ja echt lahm.‘ (lacht) Also ja, das 238 ist zwar also nice-to-have, aber es ist auch ein riesen Unterschied, wenn du mit Deutschen 239 tauchen gehst in Deutschland, ja, die halt dunkel und grün und See gewohnt sind, oder wenn du 240 rausgehst in die Welt und in der Karibik, in Asien oder sonst was mit Leuten ins Wasser gehst. 241 Das ist ja ein ganz anderer Schlag Mensch. Das ist wie schwarz und weiß. Für mich war das 242 256 damals ein riesiger Schock, als ich dann als Divemaster zurück nach Deutschland gekommen 243 bin, und geguckt habe, wo ich da was machen kann, wo ich mich vielleicht integrieren kann, auch 244 ehrenamtlich und sowas. Und das war irgendwie relativ schnell so: ‚Oh nein, hier fühle ich mich 245 irgendwie nicht so richtig wohl.‘ Das ist dann doch eine ganz andere Welt. 246 247 I: Was meinst du, wer dient den Tauchern allgemein als Vorbild? 248 249 B: Also Cousteau bestimmt nicht mehr, ich glaube der ist einfach zu alt. Ich glaube den 250 hat keiner mehr gesehen. Als Kind habe ich noch Filme von ihm gesehen, die aber da auch schon 251 alt waren. Ich glaube heute geht es eher Richtung Social Media, was ich tatsächlich auch ganz 252 gut finde. Ich kenne auch einige Leute, denen ich folge, die einfach einen ganz anderen Umgang 253 mit dem marinen Leben pflegen und versuchen, auch zu sensibilisieren. Das sind aber nur die 254 Leute, denen ich folge. Dementsprechend haben die ja einen ähnlichen Mindset wie ich. Die 255 posten aber auch viele Sachen von anderen Leuten, die einfach, ja, grundlegend nicht so die 256 gleichen moralischen Grundvorstellungen haben wie man mit der Umwelt umgehen sollte. Also 257 ich glaube das ist so ein bisschen die Krux an Social Media auch, wobei ich zum Beispiel die 258 öffentlich-rechtlichen Fernsehsender total gut finde, die ein gewisses moralisches 259 Grundverständnis haben. Bei Social Media ist das so: Jeder sucht sich das, worauf er sowieso 260 schon Bock hat. Also er kriegt eigentlich keinen neuen Input, sondern wird eigentlich nur mit den 261 Dingen bespielt, mit denen er sich eh beschäftigt. Daran sehe ich so ein bisschen die Gefahr, weil 262 wir eben keine große Diversität im Bereich Reportagen beispielsweise haben. Das ist jetzt eher 263 so eine ähnliche Situation wie mit dem Virus momentan: Die Leute, die das hören wollen, was sie 264 hören wollen, weil sie daran glauben, holen sich nur die Medien, die das wiederum widerspiegeln, 265 also hören und fühlen sich dort bestätigt. Und beim Tauchen ist es, glaube ich, genau das Gleiche. 266 Das ist ein bisschen die Gefahr bei Social Media, aber natürlich kriegen gleichzeitig auch ganz 267 andere Leute die Möglichkeit sich zu präsentieren. Gerade Shark Finning und so etwas, das sind 268 ja auch alles riesige Themen, wo man eigentlich gar nicht drum rumkommt, an sehr großen 269 Influencern, sich da mal reinzudenken und da mal reinzuschauen. 270 271 I: Über welche digitalen Kanäle erreichst du denn mit deinen eigenen Aktivitäten rund 272 ums Tauchen andere Taucher? 273 274 B: Sag du es mir, Annabel (lacht). Ganz ehrlich: Ich kann es dir gar nicht genau sagen. 275 Also über Instagram. Facebook mache ich so gut wie gar nichts mehr. Das war am Anfang relativ 276 aktiv und die Gruppen in Facebook beispielsweise, weil ich dann da reingepostet habe, dass die 277 257 Leute das dann theoretisch sehen. Oder ich habe mich selbst informiert. Das ist aber alles relativ, 278 ein ganz niedriges Niveau geworden. Also ich konsumiere darin nicht, sondern ich gebe nur 279 Inhalte wieder, ich teile Inhalte. Dort erreiche ich auf jeden Fall Leute, ja, aber das A und O ist es, 280 wie seit tausenden von Jahren, Mund zu Mund. Das ist das Allerwichtigste. Also wenn ich zum 281 Beispiel an mein Freediving Camp denke: Ich habe das nicht einmal ausgeschrieben und ich bin 282 voll. Stand heute bin ich komplett voll. Letztes Jahr war ich überbucht, ich bin komplett voll, ich 283 mache nichts mehr dafür. Aber die Leute, die kommen, sind zu 80 Prozent Empfehlungen und 284 zehn Prozent sind wieder – nicht mal. Sagen wir 30-40 Prozent Wiederholungen, 50-60 Prozent 285 Empfehlungen und zehn Prozent kommen halt irgendwie. ‚Ich habe da mal irgendwann was 286 gesehen, dass du da irgendwie was machst.‘ 287 288 I: Okay. Ja und wenn du schon sagst: ‚Sag du es mir‘ – wie läuft denn zum Beispiel dein 289 Podcast? 290 291 B: Extrem gut! Also es ist ja nicht nur so, dass ich den mache, sondern es ist auch so, 292 dass ich oft auf große Podcasts einfach eingeladen werde. Und zum Beispiel war ich Gast bei 293 einem, ich glaube dem Nummer-eins-Podcast zum Thema Gesundheit im deutschsprachigen 294 Raum. Der heißt irgendwie Bio 360. Und ich muss gerade gar nichts machen, weil mittlerweile 295 rennen mir die Leute die Bude ein, muss ich ganz ehrlich gestehen. Also während wir noch 296 quatschen, habe ich schon online-Kurse verkauft, ohne was dafür zu tun, ohne die zu bewerben. 297 Also das läuft jetzt momentan sehr gut, dass ich dieses Jahr nichts mehr mache. Also ich gebe 298 auch keine Kurse, Workshops, nur noch, was ich bisher fixiert habe, und dann ist mein Jahr 299 eigentlich vorbei. Ich fange erst im Januar wieder an zu arbeiten. Also in die Richtung geht es gut, 300 der Podcast läuft sehr gut. Ich kriege da ganz, ganz tolles Feedback. Auch mit Leuten, die ich 301 dann einlade, die sagen dann: ‚Übrigens Timo, was ich dir mal sagen muss: Du hast übrigens eine 302 sehr angenehme Stimme.‘ Wo ich so denke: ‚Ja, danke schön. Das ist nett, vielen Dank.‘ Das war 303 mir so auch nicht bewusst, aber ich habe halt meine eigenen Kunden befragt, und habe geguckt: 304 Was machen die und welche Inhalte konsumieren sie. Und im Schnitt haben sie 30 Minuten pro 305 Tag, da hören sie sich Podcasts an. Und es ist relativ breit gefächert. Meine Zielgruppe ist ja von 306 Mitte 20 bis Ende 50 ungefähr. Keiner ist bei Facebook, zum Beispiel. Einfach, wenn die 307 Möglichkeit theoretisch bekomme, 30 Minuten pro Tag die Möglichkeit zu haben einfach die volle 308 Aufmerksamkeit von denen zu bekommen für ein Thema – cool. Und ich muss nicht viel 309 schneiden, ich brauche kein Video, keine Szenerie. Ich nehme Themen auf. Entweder mache ich 310 Solo-Sessions und erzähle einfach darüber oder ich lade Leute ein und quetsche die aus. Genau. 311 Aber ansonsten: Mir macht das Spaß. Das ist cool. Und die Feedbacks sind auch sehr gut. 312 313 258 I: Trotzdem, gibt es Unterschiede in deiner Art zu kommunizieren, je nachdem wen genau 314 du ansprechen willst oder sagst du: Funktioniert für alle Taucher? 315 316 B: (schüttelt den Kopf) Ich mache einfach das, was sich für mich richtig anfühlt. Also ich 317 verstelle mich Null. Da habe ich ja keine Lust zu. Ich glaube durch dieses Thema bin ich durch, 318 da bin ich, glaube ich, zu alt für, dass ich jetzt hier irgendwie scheinheilig irgendwelche Videos 319 abdrehe und pseudomäßig lustig bin oder sowas. Das bin ich nicht. 320 321 I: Okay, dann nun zu den Inhalten: Welche auf das Tauchen bezogenen Fachbereiche 322 wecken dein Interesse? 323 324 B: Meinst du jetzt technisch gesehen oder generell, was mich beim Tauchen besonders 325 interessiert? 326 327 I: Generell. 328 329 B: Also, was mich mein ganzes Leben lang schon interessiert hat ist auf meiner Bucket 330 List zum Erleben. Viele Punkte muss ich nicht mehr abhaken: Ich möchte unbedingt mal mit 331 Buckel- oder Pottwalen tauchen gehen. Also das sind solche Themen, die habe ich von klein auf 332 schon. Ich habe da irgendwie schon ein Faible gehabt. Also an der italienischen Adria habe ich 333 Wale gesehen, obwohl es gar nicht stimmt. Es war einfach nur irgendeine Tonne, die sich ganz 334 langsam im Wasser bewegt hat, ganz weit weg. Ja, alle haben sich lustig gemacht und gesagt, 335 dass das ein Wal ist, ein Buckelwal. Da saß ich stundenlang da und habe mir das angeschaut und 336 gedacht: ‚Wow ein Wal. Wal. Wal.‘ Also sowas möchte ich gerne nochmal sehen. Letztes Jahr 337 sind wir mit einem Walhai in Ägypten getaucht. Das war ein unglaubliches Erlebnis, weil wir 338 eigentlich nur mal kurz für 20 Minuten ins Wasser sind. Und die Sonne ist gerade untergegangen 339 und wir wollten eigentlich abdrehen. Ich bin runtergetaucht, irgendwie flach, 16, 17 Meter, habe 340 mir noch so einen Korallenblock angeschaut. Dann kam aus dem Blauwasser heraus einfach ein 341 Walhai auf mich zu getaucht. Und mit dem sind wir dann eine Dreiviertelstunde lang 342 geschwommen. Also solche Momente sind einfach unbezahlbar. Das ist auch unbeschreiblich, 343 sowas. 344 Und gerade auch Pottwale, wenn ich so sehe wie die schlafen, wenn sie senkrecht im Wasser 345 stehen und so – da kriege ich Gänsehaut. Also wenn ich, glaube ich, einfach nur so im Wasser 346 259 wäre und das auch noch von außen anschauen könnte, diesen Blick in ein Auge von einem dieser 347 unglaublichen Lebewesen, das würde mich, glaube ich, komplett wegbeamen. 348 Also das sind so Themen, die gucke ich mir theoretisch auch bei Social Media an. Oder einfach 349 Momente, die man nicht planen kann. Das sind eigentlich so die besten Sachen, die es gibt. 350 351 I: Und in welcher Form guckst du dir die online an? Wie ist das Bildformat, was spricht 352 dich an? 353 354 B: Ja weiß ich nicht, wie groß das Bildformat ist. Also du meinst inhaltlich gesehen (lacht). 355 Also ich glaube es ist 4:5 oder 1:1 meistens als Format. Was inhaltlich ist – ganz ehrlich, ich 356 konsumiere gar nicht viel. Also es gibt wirklich ganz, ganz, ganz wenig, was ich mir anschaue. 357 Und bei den meisten Sachen fliege ich nur kurz drüber und dann gucke ich mir vielleicht mal einen 358 Post so näher an. Ein Kollege von mir ist in Mexiko, Baja California, und der schickt mir manchmal 359 einfach Sachen, die genial sind. Also die sind da so am Surfen und dann hält er seine GoPro unter 360 Wasser und dann hast du einfach so Schwärme von Rochen, die an ihm vorbeiziehen. Bhoa das 361 ist gigantisch! Sowas ist natürlich unglaublich. Solche Sachen zum Beispiel oder was, das mit 362 Walen zu tun hat. Jetzt nicht unbedingt so dieses Whale Watching ‚wir fahren mit dem Boot und 363 gucken wie einer aus dem Wasser springt und sich wieder fallen lässt. Das hooked mich irgendwie 364 nicht so. Ich glaube ich brauche eher das mit warmen Wasser, ruhiges Wasser, wo dann die Wale 365 durchziehen und ihre Kleinen gebären oder sowas. Das finde ich faszinierend. 366 367 I: Und nochmal zurück zu den online technischen Fachbereichen, was würde dich da 368 interessieren? 369 370 B: Wie meinst du das online, technische Fachbereiche? 371 372 I: Der online-Bereich, also alles, was du über den PC erfahren kannst zu den 373 Fachbereichen im Tauchen. Also was interessiert dich da? 374 375 B: Also du meinst, was ich google? 376 377 I: Zum Beispiel, ja. 378 260 379 B: Also wenn ich mir etwas kaufen müsste oder so etwas, dann würde ich ja anfangen zu 380 googlen, wo ich zum Beispiel eine neue Boje oder so herkriege. Aber das ist ja alle Lichtjahre mal. 381 Also das ist nichts Konstantes. Und ansonsten, okay jetzt mal was Konkretes: Wo gehe ich hin, 382 wo reise ich hin, was gibt es dort? Dass ich da zum Beispiel eine Tauchbase finde. Und was für 383 mich immer ganz wichtig ist, deswegen habe ich jetzt auch ein spezielles Hotel rausgesucht, in 384 das ich gehe. Ich will immer wissen wie das Hausriff aufgebaut ist und wie die Unterwasserwelt 385 dort ist. Also: Welche Tiefe habe ich? Wie ist die Temperatur, Strömung? Also das sind so Sachen, 386 das ist eine Checkliste, die ich so habe, um das zu checken: Wie ist der Einstieg? Was kann ich 387 vor Ort sehen? Was kann ich da theoretisch machen? Und deswegen habe ich mir jetzt auch das 388 Hotel rausgesucht, wo ich jetzt hingehe. Also das sind so Sachen, die sind halt für mich wichtig. 389 390 I: Wie bist du da vorgegangen? Hast du klassisch gegoogelt? 391 392 B: Nein, eigentlich war ich auf dem Flughafen und bin gerade woanders hingeflogen, und 393 habe dann mal gefragt, zu der Zeit, ob ich da von Graz irgendwohin fliegen könnte und was es 394 dort für ein cooles Tauchhotel gibt, so südlich wie möglich in Ägypten, weil: Je südlicher desto 395 wärmer. Und dann hat sie mir eins rausgesucht und dann habe ich angefangen dieses Hotel plus, 396 ich glaube es waren fünf, sechs andere, einfach zu googlen und zu gucken: Welches hat eine 397 Tauchbasis? Da habe ich geguckt, welche die Tauchbasis haben, welche davon aktiv sind 398 momentan und wie ihr Hausriff aussieht und wie die Topografie direkt am Hausriff ist. Also: Habe 399 ich einen direkten Einstieg oder müsste ich da noch irgendwo hinfahren mit dem Auto? Also ich 400 will einfach vom Hotel aus, dem Steg ins Wasser. Und dann theoretisch die Möglichkeit haben ein 401 bisschen so einen Spielplatz vor Ort zu haben. 402 403 I: Und was davon haben sie dir alles am Flughafen sagen können? 404 405 B: Die haben nur irgendein schönes Hotel gesagt und dann habe ich zu Hause dann 406 angefangen dazu ein Research zu machen. Und das war tatsächlich das Hotel, für mich und das, 407 was ich gesehen habe zumindest, mit dem Hausriff mit dem besten Einstieg. Frage mich in drei 408 Wochen nochmal. Dann sage ich dir, ob das auch so war (lacht). Aber zumindest die Karte, die 409 sie gezeichnet haben, ist cool. Und ich habe ja auch immer den Business-Hintergrund noch dabei. 410 Das heißt, ich kann mir theoretisch vorstellen im nächsten Jahr vielleicht auch Reisen nach 411 Ägypten anzubieten, an diesen Ort, an dieses Riff zum Apnoetauchen. Da kann ich mir vorstellen 412 noch ein zweites Camp zu haben. 413 261 414 I: Verstehe ich das richtig, dass am Ende deiner online-Recherche die Website des Hotels 415 ausschlaggebend war, wie die sich präsentiert haben? 416 417 B: Nein, gar nicht. Also ich habe mir wirklich alles angeguckt. Wenn ich so ein Research 418 mache, gucke ich mir immer zu viel an, muss ich gestehen. Ja, ich habe dann ganz viel 419 Information. Ich hatte erst bei der Tauchbasis geschaut und die hatten dann im Endeffekt so eine 420 Mappe über das eigene Hausriff. Und das fand ich da eigentlich ganz cool. Und dann habe ich 421 nachher auf der Homepage tatsächlich noch gelesen, dass anscheinend auch ein Apnoelehrer 422 da ist. Was nicht der Fall ist, ich habe nachgefragt, der ist nicht da, aber wenn ein Apnoelehrer 423 da ist, dann müssen zumindest die Gegebenheiten dort ganz gut sein, um Apnoetauchen zu 424 können. Davon rede ich jetzt nicht von 40+, aber so von, sag ich jetzt mal, den ersten 20 bis 30 425 Metern oder sowas. Da hast du ja die meisten Kurse. 426 427 I: Dann kommen wir jetzt noch zu dem Bereich, der die konkreten online-Tools umfasst, 428 die du verwendest und ihre Wirkungsweise: Welche digitalen Angebote nutzt du konkret als 429 Unterstützung zum Tauchen? 430 431 B: Eigentlich gar keine. Also online meinst du? Am PC? 432 433 I: Da jetzt wieder alles, was digital ist, im Wasser und an Land. 434 435 B: Also für das Tauchen selbst eigentlich nur eine Uhr. Eigentlich nur einen 436 Tauchcomputer. Das ist eigentlich der einzige Bereich, den ich digital – okay, ja gut, wenn ich 437 natürlich unter Wasser Content mache, dann ist natürlich meine Kamera, Housing, eine 438 Actioncam und sowas, das schon. Und in Verbindung damit brauche ich natürlich das Handy, um 439 die Sachen hochzuladen, und weiter für Social Media zu bearbeiten. Das sind so die Medien 440 eigentlich. Aber konkret im Wasser ist das eigentlich nur der Tauchcomputer. Im Idealfall schon. 441 Also ich sage dir wie es ist: Eigentlich habe ich gar keinen Bock mit der Kamera ins Wasser zu 442 gehen. Ich finde das total quatsch. Also entweder ich bin bei mir oder ich bin in irgend so einem 443 Gerät drin. 444 445 262 I: Okay. Das heißt es ist einfach ein komplett anderer Tauchgang, je nachdem, was du 446 dabeihast? 447 448 B: Ja, auf jeden Fall. Weil der Hintergedanke ist ja nur bei dem ganzen Kamerazeug: Ich 449 möchte es jemandem zeigen. Oder ich möchte das irgendwie teilen auf Social Media oder so. 450 Und wenn ich das halt nicht habe – ich habe Apnoetauchgänge gemacht, die kann ich dir erzählen 451 als wären sie gerade heute Morgen passiert. Und die sind schon zwei, drei Jahre her. Weil die so 452 geil waren. Und die wären nicht so geil gewesen, wenn ich eine Kamera dabeigehabt hätte. Dann 453 bin ich nicht bei mir. Dann bin ich irgendwo bei der Kamera. 454 455 I: Können dir tauchspezifische online-Inhalte unterschiedlicher Fachbereiche, können die 456 dir direkt beim Tauchen selbst helfen? Also Wissen, was du online erlangst, wo du weißt, dass du 457 dadurch besser unter Wasser klarkommst. 458 459 B: Zum Beispiel so eine Karte zur Topografie finde ich gut. Also sowas ist, glaube ich, das 460 Allerwichtigste für mich. Dass ich weiß, was da ist. Das ist so das ABC von jedem Taucher. Wenn 461 er an einen neuen Ort geht, dann muss er immer gucken: Was gibt es da? Was kann ich da 462 machen? Auf was muss ich Acht geben? Was ist ganz wichtig? Ja, wann darf ich rein, wann darf 463 ich nicht rein? Also, ich glaube das sind so die wichtigsten Sachen eigentlich. Sei es Strömungen 464 und, und, und. 465 466 I: Kannst du die Unterstützung durch die topografische Karte noch ein bisschen genauer 467 erläutern? 468 469 B: Das ist abhängig davon, was ich machen will. Wenn ich tiefentauchen möchte, dann 470 weiß ich, wo die Tiefe ist, die ich brauche, was natürlich im roten Meer nicht so wild ist, weil ich 471 da ja die Tiefe sehe, mehr oder weniger. Da sehe ich bis 30 Meter. Wenn ich aber in heimischen 472 Seen oder sowas bin, dann brauche ich das unbedingt. Also ich sehe da gar nichts. Da siehst du 473 eine Sicht von, wenn du Glück hast, drei Metern. Da brauche ich es auf jeden Fall. Und, ja klar du 474 musst gucken: Wann, zu welcher Zeit gibt es Strömungen? Das ist extrem wichtig zu wissen. Gibt 475 es eine Möglichkeit, an einer Riffkante, wo es einen Downstream gibt? – Was für uns 476 Apnoetaucher extrem gefährlich ist. Für Gerätetaucher eigentlich auch, aber, wenn du weißt wie 477 du damit umgehst ist es eigentlich nicht so wild. Also das sind im Endeffekt Strömungen am Riff 478 entlang, die dann nach unten gezogen werden. Und du hast keine Chance. Da kannst du dich 479 263 am Riff festhalten und das zieht dich trotzdem weiter mit runter. Also die sind extrem stark. Und 480 die können eben von jetzt auf gleich passieren. 481 Solche Sachen beispielsweise, wo die schönsten Spots sind, ja, wenn ich weiß: Da gibt es eine 482 große Moräne oder da ziehen einfach mal die Delfine vorbei, da gucke ich dann natürlich eher, 483 dass ich dann auch mal in die Richtung gehe und da mal ein bisschen verharre. Oder 484 irgendwelche schönen Korallen oder so Unterwasserfarne – da gibt es ja alles Mögliche, was man 485 sich anschauen kann. Ja, deshalb wäre es eigentlich hauptsächlich wichtig. 486 Auch einfach zu gucken: Ein- und Ausstiege, was habe ich da? Wie komme ich rein, wie komme 487 ich raus? Was man sonst noch beachten sollte, what if? Also was ist, wenn ich in einer Situation 488 bin, in der was ist? Wie gehe ich denn damit um? Wie komme ich da am besten raus? Wo kriege 489 ich die Hilfe? Ja, solche Sachen. 490 491 I: Okay. Dann sind wir jetzt auch schon fast am Ende des Interviews angelangt. Dafür 492 gehen wir einmal in die Zukunft: Wie würde für dich die perfekte digitale Umgebung im Sinne einer 493 Plattform, eines Tools oder ähnlichem aussehen, die du als Unterstützung deiner Tauchaktivitäten 494 gerne nutzen würdest? 495 496 B: Also theoretisch wäre das eine Art Google Maps fürs Tauchen. Also dass wir das, was 497 wir über Wasser haben theoretisch unter Wasser hätten. Das wäre natürlich cool, wenn ich das 498 hätte, aber sonst keiner, weil sonst alle an die Spots gehen, an die ich gehe. (lacht) Das Problem 499 ist immer, und das ist immer das große Geheimnis bei uns Tauchern: Wir kennen extrem viele 500 Spots, aber wir wollen nicht alle teilen, weil sobald wir anfangen die zu teilen strömen alle Leute 501 dort hin. Aber theoretisch wäre das für mich das perfekte Tool, wenn ich wüsste, dass ich an 502 einen Spot könnte, wo ich - nein, so ist es nicht, ich bin viel zu egoistisch - sondern vielleicht eine 503 Art Google Maps, bezogen auf Tauchspots, an die man gehen könnte, beispielsweise in 504 verschiedenen Hotels. Wenn ich mir hier zum Beispiel das unter Wasser noch mal ganz schnell 505 angucken könnte – was wäre wo? – und ich könnte mich in dem Kontext vielleicht auch noch mit 506 anderen Leuten austauschen, die dort auch schon tauchen waren, die eine Empfehlung haben, 507 wo was schön ist, dann wird das natürlich cool. Die Gefahr besteht natürlich immer, deswegen 508 würde ich es wahrscheinlich nicht wollen, dass das irgendjemand ausnutzt, oder irgendein 509 Spearfisher, der das ganz cool findet und dann da unten am Abshooten ist, weil er weiß, dass es 510 da relativ große Grouper gibt, dann ist die ganze Magie hin. Ja also die Schwierigkeit hast du 511 natürlich immer. Deswegen wollte ich im Idealfall wissen, wo die besten Spots sind, und was ich 512 da angucken könnte. 513 514 264 I: Aber verstehe ich das richtig? Wenn du jetzt wählen müsstest zwischen: Alle haben das 515 Tool oder niemand hat das Tool, dass du dann lieber dabeibleiben würdest, dass niemand dieses 516 Tool hat? 517 518 I: Genau. (lacht) Na ja, weil was du nachher brauchst ist Vitamin B. Du musst die 519 Menschen kennen, die dich kennen, die ganz genau wissen, dass du keinen Blödsinn machen 520 würdest. Ich habe ein paar Kumpels. Die geben mir coole Spots und sagen aber auch: ‚Okay das 521 ist jetzt aber nur für dich!‘ Die schicken dir dann einen Link und da kann ich hin. An dem Punkt ist 522 das cool. Aber weil mich auch ganz viele Leute fragen: ‚Ja du warst doch da. Wo kann man da 523 am besten hin?‘ - dann denke ich immer so: ‚Sorry, aber ich kenne dich gar nicht. Ich habe keine 524 Ahnung, ob ich dir den Spot sagen möchte. Und größtenteils denke ich mir dann ‚nö‘. (lacht) Also 525 warum sollte ich das tun? Ja, dass ich dann das nächste Mal an den Spot gehe und dann da 526 schon drei Bojen hängen? Ach nein, da habe ich keinen Bock drauf. 527 528 I: Könnten da Tauchplatzbeschränkungen helfen? 529 530 B: Also glücklicher Weise sind wir Apnoetaucher ja nicht so viele. Das ist ja eigentlich 531 ganz gut. Das ist das eine, dass ich denke, dass so viele Leute an die Spots gar nicht gehen 532 würden. Zum Beispiel auf XXX: Ich habe angefangen, da gab es zwei Apnoetaucher außer mir auf 533 XXX. Jetzt sind es, glaube ich, schon zehn oder sowas. Und fünf davon haben eine Schule. Also 534 es werden immer mehr. Das nervt mich eigentlich auch schon so ein bisschen, aber ich bin ja 535 nicht die ganze Zeit vor Ort. Von daher ist es mir wurscht. Ich mache da meine Sachen, ich weiß 536 wo ich hinkann, ich kenne die ganzen Spots und that’s it. Was ich dann immer schwierig finde, 537 sind Leute die kommen und sagen: ‚Ah ja, ich folge dir auf Instagram und ich habe dir 538 geschrieben.‘ Und dann sprechen die mich an, als kennen die mich schon, wenn ich auf XXX 539 beim Kaffee Trinken bin: ‚Ja ey, XXX‘ Und ich denke mir so: ‚Ja hi. Wer bist du?‘ Und dann wollen 540 die halt von mir wissen: ‚Welchen Spot und wo kann man noch hin?‘ Und dann sind sie groß am 541 Posaunen, was sie denn Krasses schon gemacht haben: Mit dem Scooter alleine, auf 40 Meter. 542 Und ich denke mir einfach so: ‚Dir sage ich gar nichts. Ich will auch gar nichts mit dir zu tun haben, 543 weil du ein extremes Risiko einbringst und ich nicht in einem Satz mit dir genannt werden möchte.‘ 544 Also verstehst du, was ich meine? Das ist einfach – wenn du an so einem Ort bist, wo dich jeder 545 kennt und jeder weiß, was du machst, und vertraut dir, weil du einfach eine gute Arbeit 546 beispielsweise machst. Und wenn du dann irgendjemanden mit ins Boot holst, der eigentlich in 547 relativ kurzer Zeit relativ viel kaputtmachen kann – das ist immer schwierig. Ganz, ganz schwierig. 548 Ich weiß nicht, ob du es mitbekommen hast: Im Blue Hole ist ja vor ein paar Jahren auch jemand 549 gestorben. Es ist auch ein Bekannter von mir gewesen. Und die haben danach das Blue Hole 550 265 abgeriegelt für Apnoetaucher. Ich glaube für sechs Wochen. Und wenn eben solche Dinge 551 passieren, die leichtfertig passieren, weil Dinge nicht gut geplant sind, dann kann es genau zu 552 sowas kommen. Und dann schieße ich mir damit selbst ins Bein. Wieso sollte ich sowas tun? 553 Das ist ähnlich wie bei Surfern, die geben auch nicht ihre besten Spots raus. Und wenn man sie 554 dann doch mal kennt, dann drehen die Locals durch, weil ihre Spots einfach von den Ausländern 555 eingenommen werden. Da haben sie keinen Bock drauf. 556 557 I: Gibt es sonst noch etwas, was du loswerden oder ergänzen möchtest? 558 559 B: Ich wüsste nicht in welche Richtung. Erzählen kann ich dir natürlich noch viel, aber ich 560 wüsste nicht, was du jetzt noch bräuchtest. 561 562 I: Okay, gut. Danke.563 266 7.4.7 Interview I7 Datum: 23.11.2021 Dauer: 44 Minuten I: Bitte stelle dich und deine Tauchaktivitäten vor. 1 2 B: Ja. Mein Name ist XXX, ich bin 46 Jahre alt und zwischenzeitlich hauptberuflich 3 Apnoetaucher. Ich hatte 2003 den Scuba-Instructor gemacht, habe seit 2003 in einer 4 Tauchschule gearbeitet, 2005 habe ich die Tauchschule übernommen, 2016 habe ich sie 5 wiederverkauft, eine Tauchschule hier in XXX, relativ groß, 600 Quadratmeter, und mache seit 6 2016 nur Apnoetauchen. 7 8 I: Wie bist du denn zum Tauchen gekommen und wer oder was hat dich dabei beeinflusst? 9 10 B: Also ich war immer recht schnell für jegliche Sportarten zu begeistern, habe also ganz 11 viele Sportarten gemacht, vom Ringen, weil ich früher der Kleinste war, jetzt bin ich einer der 12 Größten – also Körpergröße (lacht) – über Baseball, über Turnen, Fußball etc. Aber eigentlich war 13 für alles schnell wieder die Begeisterung verschwunden, nur das Schwimmen ist mir geblieben. 14 Und schwimmen mache ich seit ich ein kleines Kind bin, und fand da immer das Streckentauchen 15 am besten. Ich war also eigentlich immer schon ganz gerne im Wasser und irgendwann habe ich 16 gedacht, ich würde gerne mal, so wie du auch, was mit Sport machen, und habe dann eben 17 angefangen in einem Tauchladen zu arbeiten und habe gesagt: ‚Hey, ich möchte hier Tauchlehrer 18 werden‘, habe so ein Praktikum gemacht. 19 Und vorher habe ich tauchen gelernt in meiner früheren Tätigkeit: Ich habe mal in Stuttgart eine 20 Ausbildung zum Versicherungskaufmann gemacht und dann hatten wir bei der Sparkassen-21 Versicherung so eine Betriebssportgruppe und die haben irgendwann mal Tauchen angeboten. 22 Und da habe ich dann den Tauchschein gemacht, war völlig begeistert und habe gewusst, dass 23 das mit der Versicherung keine Zukunft mehr hat, sondern dass ich lieber auf den Wassersport 24 setze. (lacht) 25 Ja, so kam das irgendwie. 26 27 267 I: Witzig, dass die dich sozusagen selbst abgeworben haben. (lacht) 28 29 B: Ja! Im Nachhinein total gut. (lacht) 30 31 I: Was macht das Tauchen denn für dich besonders? 32 33 B: Na ja, es ist halt etwas Dreidimensionales, das heißt, zum einen fühlt sich das Wasser 34 gut an, es verändert irgendwie die Perspektive. Für mich hat sich mit Sicherheit, was als Hobby 35 angefangen hat – und speziell das Apnoetauchen, muss ich sagen, wo du ja noch stärker in die 36 Atemtechniken, in die Entspannung, in die Meditation gehst – hat es mit Sicherheit auch meinen 37 Lifestyle irgendwo im Großen und Ganzen verändert. Also schwierig, jetzt mal so alles auf den 38 Punkt zu bringen, aber es macht zum einen Spaß, es verändert was im Kopf und in der 39 Wahrnehmung und es ist natürlich auch der sportliche Aspekt dabei, weil du halt was mit deinem 40 Körper machst. 41 42 I: Du sagst „Lifestyle verändert“ und „veränderte Wahrnehmung“ – kannst du das 43 genauer erklären? 44 45 B: Also ich würde sagen: Früher war ich eher impulsiv, und daran habe ich auch gar nie 46 groß was geändert, ich habe einfach mit dem Apnoetraining viel Atemtraining gemacht. Und im 47 Wasser ist ein Apnoetauchgang – du bist ja selber Apnoetaucherin – auch immer ein bisschen so 48 etwas, wo du in dich selbst hineinhörst, wo du so eine Art Meditation hast, und das hat mir 49 geholfen mich ein bisschen zu regulieren. Ich habe gelernt, dass ich mehr Teil eines Ganzen bin 50 und dementsprechend irgendwann auch meine Ernährung verändert, vegetarisch gelebt, und ein 51 bisschen nachhaltiger unterwegs gewesen. Ich glaube das ist etwas, was das Apnoetauchen mit 52 Sicherheit beschleunigt hat. Ja, also dieses Denken und diesen Weg dorthin. 53 54 I: Okay. Also verstehe ich das richtig, dass diese Veränderung mit dem Apnoetauchen, 55 aber noch nicht mit dem Gerätetauchen kam? 56 57 B: Ja. 58 59 268 I: Welchen Stellenwert hat das Tauchen jetzt in deinem Leben? 60 61 B: Na ja, es nimmt natürlich sehr viel Raum ein, weil es zum einen mein Job ist, das heißt 62 ich verdiene damit mein Geld, und es zum anderen auch immer noch meine liebste 63 Freizeitbeschäftigung ist. Das heißt es ist eigentlich so allüberlagernd. Ja klar, natürlich, ich bin 64 verheiratet, habe Kinder, die sind natürlich auch sehr, sehr wichtig. Die versuche ich da auch 65 immer zu integrieren. Aber dadurch, dass es eben Hobby und Job ist, verschwimmt das alles so 66 ein bisschen und nimmt natürlich viel, viel Raum ein. Und ich würde sagen, dadurch, dass ich es 67 eben auch als Einzelperson selbstständig mache hört das natürlich auch nicht auf, wie Projekte, 68 wo du dann dasitzt, abends, und irgendwelche Artikel schreibst oder irgendwelche Bücher 69 schreibst oder dir wieder einen Plan für ein Event oder einen Kurs machst. Das kann man natürlich 70 jetzt nicht so sagen, so: ‚Oh, jetzt habe ich Feierabend.‘, sondern das macht ja alles Spaß und 71 deswegen macht man das am besten rund um die Uhr. 72 73 I: Was spricht denn aus deiner Sicht dafür mit dem Tauchen anzufangen? 74 75 B: Du meinst jetzt auch das Tauchen insgesamt, oder, also nicht nur das Apnoetauchen? 76 77 I: Genau. 78 79 B: Na ja, man entdeckt eine neue Welt. Und diese neue Welt findet man unter Wasser. 80 Das heißt, ein Großteil unseres Planeten ist von Wasser umgeben, wir fühlen uns offensichtlich in 81 der Nähe des Wassers wohl (lacht; bezieht sich auf derzeitigen Wohnort der Interviewerin) und 82 für uns ist irgendwie immer noch in unserer DNA, dass Wasser Leben ist. Und wenn wir diesen 83 Bereich versuchen zu entdecken, wenn wir sagen wir interessieren und konzentrieren uns jetzt 84 nicht nur auf das Oberflächliche, sondern wollen auch mal so ein bisschen in die Tiefe gehen, 85 wollen auch mal schauen, was da unten los ist. Dann entdecken wir eine riesen Welt und über 86 dieses Beobachten von dem, was draußen ist, nehmen wir uns selbst in einer veränderten 87 Umgebung natürlich auch selbst anders wahr. Und haben den ganz großen Vorteil – und das 88 finde ich immer so im Wasser, ich habe da so diese Entspannungstechnik XXX entwickelt – dass 89 du, wenn du das unter Entspannungsgesichtspunkten siehst, natürlich im Wasser eine Welt hast, 90 die mit der an Land überhaupt nichts gemein hat. Ja, das heißt, unter Wasser, egal ob mit Gerät 91 oder ohne Gerät, hast du kein Handy. Du kannst nicht die Social Media checken. Du hast keinen 92 vollen Schreibtisch, wo du denkst: ‚Oh scheiße, das muss ich auch mal sortieren‘ oder ‚Mist, ich 93 269 müsste die Steuererklärung machen.‘ Wenn du da unten im Wasser bist, dann bist du entkoppelt 94 vom Alltag und deswegen hat das natürlich ein ganz, ganz großes Entspannungspotenzial, wenn 95 du dir dessen bewusst bist. Wenn du dir jetzt da unten auch wieder einen Stress machst und 96 irgendwie Statussymbole in Form deiner Tauchausrüstung hast, oder versuchst tiefer zu tauchen 97 oder länger unter Wasser zu bleiben oder, oder, oder, dann verlierst du das natürlich ein kleines 98 bisschen wieder. Aber im Großen und Ganzen würde ich sagen, ist das der Hauptaspekt, dass 99 ich vermutlich einen viel größeren Ausflug vom Alltag unternehme. Also viel mehr als wenn ich im 100 Wald spazieren gehe, weil da habe ich eben doch meistens das Handy dabei und da kommt mir 101 vielleicht doch der Hund entgegen und es kommt jemand, der mich volllabert oder so. Ich glaube 102 das können wir besonders gut im Wasser erleben. Dazu kommt, dass im Wasser auch unsere 103 Ohren unter Wasser sind. Das heißt es wird gleich ein bisschen stiller um uns herum und damit 104 auch in uns. 105 Ich laber immer ziemlich viel, oder? (lacht) 106 107 I: Das ist genau das, was ich brauche. Beschreibe mir, wie dein idealer Tauchgang 108 aussehen würde. 109 110 B: Also ich finde immer so Tauchgänge, insbesondere Apnoetauchgänge, wo du einen 111 langen freien Fall hast, wo du irgendwie so: Wusch! - ab einem gewissen Punkt einfach nur noch 112 fällst und dich wirklich tief in dich zurückziehst und möglichst viele Muskeln entspannst – das ist 113 für mich eigentlich so das Schönste. Ich bin zwar nie der ganz große Knaller gewesen beim 114 Tieftauchen, aber, wenn wir ganz ehrlich sind ist das Tieftauchen schon die coolste Disziplin beim 115 Apnoetauchen. Ich genieße aber natürlich auch Statik-Tauchgänge, wenn man einfach daliegt 116 und keiner was von einem will. Aber ich würde sagen, so ein freier Fall beim Tieftauchen ist schon 117 das Coolste. 118 119 I: Und bei diesem idealen Tauchgang, welche Rolle spielen die Tier- und Pflanzenwelt vor 120 Ort oder würden sie eine Rolle spielen? 121 122 B: Ja, bei dem freien Fall jetzt nicht, aber klar, andere starke Tauchgänge sind natürlich 123 das Tauchen mit Walen. Das ist natürlich schon etwas, das lange nachhallt, wo du sagst, dass 124 das so ganz starke Erlebnisse sind. Ein freier Fall, den kann ich jeder Zeit wiederholen, aber dieses 125 eine Erlebnis, wo ich vielleicht dem Pottwal ins Auge geschaut habe, oder wie ich vor zwei Wochen 126 mit den Orcas getaucht bin, das sind Sachen an die du dich natürlich extrem zurückerinnerst. 127 270 Das ist so ein Wow-Effekt, wo du damit rechnen musst, dass das im Leben nie wieder passieren 128 wird. 129 130 I: Und gibt es andere Tauchbedingungen vor Ort, die den Tauchgang beeinflussen, 131 sodass er ideal oder vielleicht doch nicht mehr so ideal ist? 132 133 B: Ja. Also in jedem Fall würde ich sagen, sind vor allem beim Apnoetauchen Wellen 134 natürlich unangenehm, Strömungen nicht immer hilfreich. Die Kälte des Wassers spielt eine Rolle, 135 wobei ich gerne im kalten Wasser tauche, aber ich habe auch gerne warmes Wasser. Was ich 136 wirklich furchtbar finde, wovor ich auch echt am meisten Angst habe – also ich habe jetzt keine 137 Angst, dass ich vom Hai gefressen werde oder sowas – aber ich habe tatsächlich große Angst 138 vor allem, was da oben sich schnell bewegt, also irgendwelche Zodiacs oder irgendwelche Jet 139 Skis. Das sind so Sachen, vor denen ich Angst habe. Und andere Sachen wie Welle, Wind, 140 Strömungen, Brandung können anstrengen und nervig sein, und beeinflussen natürlich auch den 141 Tauchgang. 142 143 I: Hast du da mal was Spezielles erlebt mit einem Zodiac oder Jet Ski? 144 145 B: Ach ja. In Jordanien bin ich mal – da haben sie so Flugzeuge und Panzer versenkt – 146 und da war ein Fotograf und hat von mir so Bilder gemacht vor dem Panzer und dann kam so ein 147 Glasboden-Boot und ist die ganze Zeit über uns rumgefahren. Und als Apnoetaucher hast du 148 natürlich nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung. Das war anstrengend. Aber ansonsten denke ich 149 zum Beispiel immer, wenn ich in Ägypten an den sieben Säulen bin – da ist dann richtig viel los – 150 und dort ist für die Jungs das Zodiac so das, was bei uns auf dem Dorf für die Halbstarken die 151 80er ist, und brettern dann mit ihren Zodiacs überall rum und du denkst so: ‚Ach du Scheiße!‘ 152 Das ist schwierig. Und man bekommt es natürlich auch mit, dass eben solche Freizeit-153 Wassersportler, die dann da irgendwo unterwegs sind, natürlich schon auch Taucher überfahren 154 und wir als Apnoetaucher auch gefährdet sind durch sowas. Also man bekommt immer wieder 155 diese Geschichten mit, wo Taucher überfahren werden, Scuba Diver, die vielleicht ihre Boje nicht 156 setzen oder nicht richtig setzen oder die trotz gesetzter Boje überfahren werden. Ich glaube, dass 157 das ein Problem ist. Ich glaube da müsste man noch viel machen zur Sicherheit oder mehr zum 158 Bewusstsein, dass das gefährlich ist. 159 160 I: Hättest du eine konkrete Idee, was man da machen kann? 161 271 162 B: Es gibt einen Außendienstler von MARES SSI in Österreich, der hat ganz, ganz 163 Schlimmes erlebt. Der ist mit seiner Tochter in Kroatien apnoetauchen gewesen, mit Boje und mit 164 Allem. Und der wurde tatsächlich in einem abgesteckten Badebereich, wo das Boot nicht hätte 165 hinfahren dürfen, von einem Boot überfahren worden, wo seine Tochter, die 20 oder Anfang 20 166 war, dann quasi in seinen Armen gestorben ist. Der hat so etwas gegründet. Das heißt Safer 167 Shorelines, glaube ich, wo es darum geht dafür ein Bewusstsein zu machen. Ich weiß aber jetzt 168 nicht genau, was aus der Sache geworden ist, weil nach Corona - sonst habe ich den immer auf 169 der boot wiedergetroffen und nach Corona hat sich das dann so ein bisschen verlaufen. Aber 170 vielleicht ist das eine Möglichkeit, was zu machen. Ich glaube, dass man wahrscheinlich nicht viel 171 machen kann, ja, dass es immer und überall jemanden gibt, der mit einem Jet Ski rumfährt und 172 allen nur auf den Sack geht. 173 174 I: Okay, aber das heißt, dass der von Safer Shorelines Aufklärungsarbeit betreibt? 175 176 B: Genau, ich glaube in die Richtung geht das. 177 178 I: Welche persönlichen Merkmale kennzeichnen deiner Meinung nach den Typ Apnoe- 179 und den Typ Gerätetaucher? 180 181 B: Ja, der Apnoetaucher möchte eher eine körperliche Erfahrung machen. Für ihn spielt 182 halt auch die Unkompliziertheit des Tauchgangs, das Flexible, das Einfache, das Unkomplizierte 183 eine große Rolle. Der möchte spontan sein, möchte sich selbst spüren, möchte sportlich etwas 184 tun. Und der Scuba Diver, der ist mit Sicherheit nicht unbedingt derjenige, der sich jetzt gerade 185 wahnsinnig sportlich betätigen möchte, auch wenn er das manchmal tut. Manchen ist, glaube ich, 186 gar nicht bewusst, wie anstrengend das sein kann. Manche unterschätzen das, das möchte ich 187 eigentlich sagen. Aber ich glaube Scuba Diver sind mehr Leute, die unter Wasser etwas 188 anschauen möchten, so mehr das Sightseeing unter Wasser. Deswegen sind die auch dick und 189 alt, meistens. (lacht) Okay, vielleicht auch nicht. (lacht) 190 191 I: Welches unter Wasser beobachtete Verhalten ärgert dich? 192 193 272 B: (…) Also ich glaube - wo sich mir jedes Mal die Fußnägel aufrollen ist, wenn man alles 194 berühren muss. Und, mein Gott, ja, auch mein Grundgewicht ist vielleicht schon mal irgendwann 195 in einer Koralle gelandet, ja, oder vielleicht habe ich auch schon mal mit meinen furchtbar langen 196 Flossen eine Koralle berührt – das finde ich nicht gut, da ärgere ich mich auch über mich selbst. 197 Insofern kann ich auch mal lockerer drüber hinwegsehen, wenn ich das bei jemand anderem 198 sehe, wenn sowas unabsichtlich passiert. Weil ich weiß, dass mir das auch schon passiert ist und 199 ich auch schon Schildkröten gesehen habe, denen alles scheißegal war. Die sind da einfach 200 drüber geschrabbelt und haben alles kaputtgemacht. Aber trotzdem, was ich absolut nicht mag 201 ist, wenn man Tiere immer anfassen muss. Also es gibt so Leute, die immer alles anfassen 202 müssen, nicht unabsichtlich, sondern gewollt, und das stört mich. Ich finde man muss nicht immer 203 alles antatschen. Egal, auch wenn die Leute sagen: ‚Nein, das macht dem Tier nichts und 204 blablabla‘ – ich finde man muss nicht immer alles haptisch begreifen. 205 206 I: Hast du eine Idee woher das kommt, dass die Leute das so haptisch begreifen wollen? 207 208 B: Ja klar, die wollen noch mehr spüren. Wenn in Ägypten auf einer Freediving Tour die 209 Delphine kommen, und die hängen sich dran, weil sie das früher bei Flipper gesehen haben, dann 210 wird für die wahrscheinlich ein Jugendtraum oder ein Kindheitstraum wahr. Ich verstehe das, ja. 211 Ich verstehe auch, dass man sagt: ‚Mensch, ich gehe jetzt in irgend so einen Bereich, wo sie 212 vielleicht dressierte Delphine haben, die einem dann fürs Foto einen Kuss auf den Kopf machen. 213 Ich kann das schon nachvollziehen, dass die Menschen Schwierigkeiten haben, sich in das Tier 214 reinzuversetzen, sondern eher sehen wie schön das für sie ist und wie ihnen das Herz aufgeht. 215 Aber da müssen die einfach nochmal drüber nachdenken. Das ist einfach nicht gut. 216 217 I: Und hättest du da einen Lösungsvorschlag oder eine Idee, wie es besser wäre? 218 219 B: Ich glaube das geschieht schon. Ich glaube, wann immer jemand – alleine Ocean 220 Ramsey. Bei ihr ist es gar nicht so schlimm, wenn sie an einem Weißen Hai quasi mit dem 221 mittaucht. Ich finde die Aussage, die dieses Bild hat, hat wahrscheinlich den Weißen Haien mehr 222 gebracht, als dass es jetzt dem einen Weißen Hai geschadet hat, an der Rückenflosse da mit zu 223 tauchen. Kennst du das Bild? 224 225 I: Ja. Das gab es eine ganze Serie davon, oder? 226 227 273 B: Genau. Und trotzdem gibt es natürlich auch – ich habe einen Bekannten auf den 228 Bahamas, den XXX, der macht auch so Haiinteraktionskurse. Der sagt: ‚Stell dir mal vor ich als 229 dicker Engländer würde mich da dranhängen, was die Leute dann sagen würden?‘ Damit hat er 230 natürlich recht. Oder er sagt: ‚Was, wenn jetzt alle Leute glauben, sie könnten sich an einen 231 Weißen Hai hängen?‘ Ich sehe das nicht ganz so. Ich denke die Gefahr, dass sich jetzt 232 irgendjemand an einen Weißen Hai hängt, ist doch eher gering. Ich glaube in dem Fall war es 233 vielleicht gar nicht so schlecht, aber es zeigt einfach, dass wann immer jemand sowas postet, es 234 Kritik gibt, und manchmal gibt es dann eben einen Shitstorm, insbesondere, wenn die Person 235 nicht Ocean Ramsey ist, sondern irgendjemand anderes, der irgendwelche Tiere auf einem Foto 236 berührt, weil dann steht meistens unten irgendetwas drin. Und ich glaube mittlerweile kann man 237 sagen: ‚Ja, das ist nicht cool.‘ Und die Leute lernen das auf dem harten Weg, weil sie damit einen 238 Shitstorm auslösen, dass das nicht gut ist. Genauso wie wir vor 20 Jahren vielleicht noch gedacht 239 haben so ein Stierkampf in Spanien müsste sein, weil das ja Tradition ist. Das überlebt sich 240 einfach, und ich glaube so ähnlich ist es mit der Geschichte auch. Wann immer ich jemanden 241 finde, der das macht, ja, dann kriegt der auf die Finger und ich sage ihm, dass er das lassen soll. 242 Und ich glaube mittlerweile würde das jeder Freediving- und jeder Scuba Instructor, der 243 einigermaßen bei Verstand ist, so auch in seinen Kursen vermitteln oder in ihren Kursen vermitteln. 244 Und das bereinigt sich, glaube ich, von selbst. 245 246 I: Meinst du das gilt gleichermaßen für die Tier- aber auch für die Pflanzenwelt? 247 248 B: (…) Ja, vielleicht für die Tierwelt noch ein bisschen mehr als für die Pflanzenwelt. Aber 249 auch da. Ich würde sagen, vielleicht noch ein bisschen mehr die Tierwelt, ein bisschen weniger 250 die Pflanzenwelt. So ein bisschen abgestuft vielleicht. 251 252 I: Ein wenig klang es gerade schon an in deiner Erzählung, aber inwiefern wird denn 253 deiner Meinung nach das individuelle Taucherverhalten von außen beeinflusst? 254 255 B: (…) Das ist eine schwierige Frage. Meinst du eher von Tauchverbänden, dass es quasi 256 anerzogen wird wie getaucht wird, oder meinst du mehr so eine Art Gruppenzwang von Freunden, 257 Bekannten oder von Social Media? 258 259 I: Also tatsächlich meine ich beide Richtungen und für den Fall, dass du auf eine davon 260 nicht selbst gekommen wärst, hätte ich dir dann noch Unterfragen gestellt. 261 274 262 B: (lacht) Okay. Ja. Also, fangen wir mal an. Gut ist, dass die Verbände letztlich den 263 Finger darauf haben und erklären, wie man taucht. Dementsprechend haben sie Tauchlehrer, die 264 sagen: ‚Schau mal, so tauchst du.‘ Ja? Dadurch kommt irgendwann Nachhaltigkeit an den 265 Endtaucher, da kommen Sicherheitsaspekte an den Endtaucher, da kommen Verhaltensregeln 266 an den Endtaucher, all das ist gut. Ich kann ja nichts Schlechtes dran sehen, eigentlich, egal 267 welcher Verband. Ich denke alle anerkannten Verbände sind gut. 268 Und Freunde, Bekannte – auch gut, ja klar. Das sieht man auch immer wieder, dass man sagt, 269 wenn man mit seiner Apnoegruppe trainiert, dass die dann einen Einfluss darauf hat, dass ich 270 zum Tauchen komme. So: ‚Du musst mal wieder deinen Hintern ins Wasser bewegen.‘ Da hat 271 man so eine positive Art Gruppenzwang, so eine Motivation, die von einer Gruppe oder von einem 272 Tauchpartner ausgeht. Auch das ist gut. 273 Social Media – auch gut, klar. Hat den Nachteil, und das habe ich jetzt immer mal wieder gemerkt, 274 weil ich halt doch auch zum Teil spektakulärere Reisen gemacht habe, wo die Leute viel Geld 275 dafür bezahlen, dass sie dort hinkommen, und wo letztlich der Reiseveranstalter nie sagen würde, 276 dass es sein könnte, dass man gar nichts sieht; wo nie die Fotografen, die diese Bilder ablichten 277 und in die Social Media stellen oder in die Tauchmagazine stellen oder auf Netflix zeigen. Das sind 278 Leute, die da monatelang sind und das Destillat bringen, das Beste, was sie haben. Und der 279 Endverbraucher denkt: ‚Mit der Buchung habe ich einen Anspruch darauf Wale in Französisch-280 Polynesien zu sehen oder Orcas in Norwegen zu sehen. Aber das ist eben kein Zoo, und die Tiere 281 sind nicht ausschließlich da, um uns zu belustigen, sondern, wenn wir viel Glück haben, dann 282 sehen wir sie. Insofern habe ich gemerkt, dass Social Media auch einen ein bisschen 283 problematischen Charakter haben kann für den Endverbraucher, und natürlich: Immer diese 284 Selfies mit Seekuh, Selfies mit bliblablupp – das ist auch nicht immer so super schlau, wenn du 285 eben immer auf der Suche nach irgendwelchen Highlights bist. Und das ist, glaube ich, ein Thema, 286 was durch Social Media gefördert wird. 287 288 I: Wenn wir jetzt schon bei Social Media sind und der Kommunikation im digitalen 289 Zeitalter: Über welche digitalen Kanäle erreichst du mit deinen Aktivitäten rund ums Tauchen 290 andere Taucher? 291 292 B: Also ich habe letztlich, wenn man Social Media anschaut, drei Kanäle, also drei Kanäle, 293 wo ich hauptsächlich aktiv bin: Facebook. Facebook, würde ich sagen, kann ich wohl am 294 konkretesten auch mit Events und Reisen füllen. Ich habe jetzt aber auch wegen Corona, wo mir 295 einfach alles so ziemlich auf den Sack gegangen ist, was in Facebook war, jetzt in letzter Zeit viel 296 mehr auf Instagram gemacht. Ich mache jetzt also viel auf Instagram, einiges auf Facebook und 297 275 habe, auch während des ersten Lockdowns einen Patreon Account gemacht, weil ich gemerkt 298 habe – ich weiß nicht, ob du Patreon kennst: Das ist so ein Bezahlt-Account, also da können die 299 Leute quasi ihre fünf Euro bezahlen und dann mache ich dort online-Kurse, dann stelle ich dort 300 eben Blogs rein, Artikel und so weiter. Das alles habe ich eben früher als Werbung so immer auf 301 Facebook und Instagram gemacht und ja, jetzt will ich einfach so eine kleinere Community, mit 302 denen ich einfach so ein bisschen dichter kommuniziere. Das sind eigentlich so die drei Kanäle, 303 die ich nutze und ich glaube für mich sind die alle wichtig - klar, ich habe eine Website - aber man 304 kommuniziert doch ein bisschen schneller da mit vielen Leuten. 305 306 I: Jetzt hast du gesagt bei Patreon „eine kleinere Community“ kannst du da nochmal 307 genauer erklären, welche Leute du dort antriffst und wie du mit denen kommunizierst? 308 309 B: Genau. Also du musst dir vorstellen, dass man natürlich hin und wieder ein Video auf 310 YouTube geparkt hat oder doch wieder ein Video auf die Website gestellt, dass man dann auf 311 Facebook und so weiter geteilt hat und man bekommt auch super viele Fragen gestellt. Ja, ich 312 glaube als Scuba Instructor nicht so viele, aber als Freediving Instructor, weil es da einfach nicht 313 so viele gibt oder, weil man mich vielleicht doch eben kennt. Und alleine, wenn du jetzt jeden Tag 314 deine zehn Facebook-Messages beantwortest oder dann nochmal ein bisschen was auf 315 Instagram, da geht schon relativ viel Zeit drauf. Und auf Patreon kann ich sagen: ‚Okay, die Leute 316 bezahlen ja ein paar Euro‘ - auch wenn es nur fünf Euro sind im Monat, aber alleine dafür kann 317 ich für mich leichter sagen, dass ich mich da hinsetze und auch mal einen Tag investiere, um 318 irgendwas auf Patreon hochzuladen. Da sehe ich für mich ein bisschen mehr die Sinnhaftigkeit zu 319 sagen, dass die was bezahlen und dafür auch was bekommen sollen. 320 Jetzt weiß ich auch gar nicht mehr, ob das deine Frage war. (lacht) 321 322 I: Ja doch, doch. Also das heißt Patreon ist zielgerichteter? 323 324 B: Ich würde sagen bei Patreon sind die Leute, die sagen: ‚Ja, ich will da ein bisschen 325 mehr drüber lernen, ich möchte da schneller, einfacher Kontakt haben.‘ Ja, ich würde sagen das 326 sind so die Leute. Denen traue ich auch zu, dass sie wirklich was wissen wollen, wenn sie mir eine 327 Nachricht schicken und nicht nur meine Zeit verschwenden. Aber das sind unterschiedliche 328 Leute. Das sind nicht unbedingt nur die Leute, die sich im Apnoe verbessern wollen, sondern da 329 sind auch welche, die etwas über Atemtechniken lernen wollen und so Zeugs. 330 331 276 I: Und das auch aus allen Bereichen, also Anfänger, Fortgeschrittene...? 332 333 B: Ja. Alle Bereiche, ja. Es sind auch viele, die bei mir schon mal einen Kurs gemacht 334 haben und dann vielleicht, weil ich zum Beispiel meine Atemkurse über Patreon mache, oder 335 gestern Abend hatte ich einen Kurs zum Thema Streckentauchen. Und dann sind jetzt momentan 336 die Österreicher dabei, weil sie nichts machen können – die haben ja Lockdown. Und dann 337 kommen halt auch Leute aus Hamburg. Die würden jetzt nicht für einen 90-minütigen Kurs zu mir 338 kommen, sondern die kommen da halt über Patreon. 339 340 I: Und für deine privaten Tauchgänge: Welche digitalen Plattformen und sozialen 341 Netzwerke nutzt du da zur Kommunikation mit anderen Tauchern? 342 343 B: Eigentlich WhatsApp. Also wir haben jetzt für unsere Apnoegruppe eine WhatsApp-344 Gruppe und dann geht es darum, wer heute Abend ins Training kommt oder wer Lust hat, am 345 Sonntag mit an den See zu gehen. Solche Sachen. 346 347 I: Welche auf das Tauchen bezogenen Fachbereiche und Inhalte wecken dein Interesse? 348 349 B: Also ich habe ja quasi vor zehn Jahren mal gesagt: ‚Okay, beim Apnoetauchen nutzen 350 wir Entspannung. Wir müssen entspannen, um Leistung zu bringen.‘ Aber es ist trotzdem ein 351 Spannungsbogen auf der einen Seite Leistung zu bringen, aber auf der anderen Seite zu 352 entspannen. Dann kann ich doch nicht ganz so tief entspannen, weil ich immer im Kopf habe, 353 dass ich da eine gewisse Meterzahl oder eine gewisse Tiefe oder Zeit schaffen muss. Und dann 354 habe ich daraus eben meine Idee entwickelt: XXX. Und da geht es also darum, dass wir die 355 Atemtechniken, die Entspannungstechniken, den Tauchreflex als einen 356 Entspannungsmechanismus sehen. Und dass wir die mentalen Fähigkeiten aus dem Apnoe 357 nutzen, um nur zu entspannen. Das heißt es gibt keine Stoppuhr, es gibt keine Zeit, es gibt keine 358 Tiefe. Keine Zeit, keine Strecke, keine Tiefe. Und daraus habe ich dann eben ein Programm 359 gemacht: Aus Atemtechniken, aus Floating, aus Atempause mit dem Gesicht im Wasser, 360 Meditation im Wasser und Stressreduktion. Und all das finde ich super spannend. Also alles, wo 361 man sich fragen kann, wie das helfen kann, Stress zu reduzieren, indem ich 362 Atementspannungstechniken im Wasser ausprobiere. Wie kann es helfen Burnout vorzubeugen? 363 Welche mentalen Fertigkeiten spielen eine Rolle? All das interessiert mich brennend! Also 364 277 Atemtechniken, Entspannungstechniken, Stressreduktion in Bezug auf Apnoetauchen finde ich 365 super spannend. 366 367 I: Und wenn du dann dieses XXX anbietest, wie präsentierst du das und kommunizierst 368 du das? 369 370 B: Sowohl über die Social-Media-Kanäle als auch über die Website, als auch über Flyer, 371 YouTube Videos, Artikel, so Zeugs. 372 373 I: Und wenn du jetzt selbst neue Informationen über den Bereich bekommen würdest, 374 welche würden dich dann ansprechen und wie sind diese präsentiert? (…) Gehst du da zum 375 Beispiel genau über die gleichen Kanäle? 376 377 B: Nein, ich glaube nicht. Ich glaube ich würde überhaupt nichts glauben, was auf 378 Facebook geschrieben steht. (lacht) Also ich muss sagen, dass da natürlich immer eine gewisse 379 Gefahr mit reinspielt, dass man – ich bin zum Beispiel ein großer Anhänger von Pranayama, also 380 der Atemtechnik aus dem Yoga. Und trotzdem, wenn man ganz ehrlich ist, glaube ich nicht an 381 72.000 Energiekanäle, die irgendwo im Körper verlaufen sollen. Das heißt ich bin mit Sicherheit 382 nicht esoterisch unterwegs und ich glaube immer einem Pneumologen, obwohl die auch oftmals 383 nicht recht haben, mehr als einem Yogi. Trotzdem gibt es auch gute Yogis, die Sachen mitbringen, 384 die ich spannend finde. Aber so etwas erfahre ich dann aus Büchern oder aus Podcasts, wo 385 wieder was präsentiert wird. Wenn ich denke, dass der Mensch einen ganz interessanten Ansatz 386 hat, dann lese ich mal noch das Buch dazu. Oder es gibt vielleicht, keine Ahnung, ein Psychologie 387 Magazin oder GEO. Da finde ich immer wieder Sachen, die mich interessieren, wo ich dann ein 388 bisschen tiefer recherchiere. So würde ich es sagen. Also oftmals sind es Podcasts, die du hörst, 389 zu dem Thema, wo dann irgendein Spezialist etwas erzählt und dann guckst du, was der für 390 Veröffentlichungen hat und gehst dann da nochmal ein bisschen tiefer rein. Und dann guckst du, 391 ob du was davon brauchen kannst, vielleicht oder nicht. 392 393 I: Der letzte Bereich, zu dem ich dich befragen möchte, bezieht sich auf die von dir 394 genutzten online-Tools und ihre Wirkungsweise. Welche digitalen Angebote nutzt du konkret als 395 Unterstützung zum Tauchen im Wasser und an Land? 396 397 278 B: Digitale. (…) Was könnte das denn sein? Hast du da ein Beispiel? Meinst du so 398 Tauchplatzkarten oder so online-Bücher? 399 400 I: Erzähl mir alles. 401 402 B: (lacht) Ich glaube ich nutze relativ wenig, ja. Also Sachen, die ich selbst online 403 anschaue: Vielleicht E-Books mal oder mal Google Maps fürs Seatrekking, also wo du so am 404 Wasser entlangwanderst oder natürlich den Wetterbericht oder Windguru oder so, aber das war 405 es dann eigentlich. 406 407 I: Okay. Und unter den Genannten, gibt es da irgendetwas, das du anderen Tauchern 408 empfehlen würdest? 409 410 B: Nein. Nein. Ich glaube, dass ich in keinem so super fit bin. Ich kriege auch immer mal 411 wieder so Apps zum Apnoetauchen oder Apps, wo man eine Unterwasserlandschaft anschauen 412 kann, und Apps wo man quasi kombinieren kann mit einem Equalisation-Tool und ich mache, 413 glaube ich, echt gar nichts davon. Also ich finde es immer total super und denke, dass ich mich 414 da mal reindenken muss, und dann mache ich es aber nicht. 415 416 I: Okay. Das heißt, dass du dir die Tools eher oberflächlich anguckst…? 417 418 B: Ja. Ich finde immer alles toll und wenn es aber dann darum geht mich mal zwei Stunden 419 hinzusetzen oder mal eine Stunde hinzusetzen und das mal auszuprobieren – eigentlich nicht, 420 nein. 421 422 I: Okay. Inwiefern unterstützen dich taucherspezifische online-spezifische Inhalte beim 423 Tauchen selbst? Was gibt es da an Wissen, was du im Wasser nutzen kannst? 424 425 B: Mir fällt da nichts ein. 426 427 279 I: Und wenn du zurückdenkst an deine eigene Ausbildung. Gab es da, zum Beispiel 428 Lernplattformen oder ähnliches, was du genutzt hast? 429 430 B: Na klar. Ich meine ich nutze jetzt als Instructor schon das MySSI-System, oder auch 431 bei AIDA das EOS-System, um die Leute quasi freizuschalten. Die bekommen ihre digitalen Kits 432 dann aufs Handy oder aufs IPad und so. Und ich nutze sie dann eigentlich zum Lehren, aber ich 433 habe schon eine Weile keinen Kurs mehr selbst gemacht, wo ich jetzt auf digitales Kursmaterial 434 Zugriff gehabt hätte, muss ich ehrlich sagen. 435 436 I: Und zu den Zeiten als du selbst Schüler warst, wie war das damals? 437 438 B: Damals gab es noch Bücher. (lacht) Ja, damals hatten wir noch Ordner und Bücher 439 und so wurde man halt damals ausgebildet. Aber klar, es ist natürlich gut, aber ich könnte jetzt 440 nicht sagen, dass ich das nutze, nein. 441 442 I: Kannst du sagen, wie deine Tauchschüler das nutzen? 443 444 B: Ja, die nutzen das, weil sie es müssen und weil es mittlerweile nichts mehr in Print gibt. 445 Ich finde das auch gut. Ich finde das auch alles einfacher. Die bezahlen einen Kurs an, bekommen 446 die Freischaltung für das digitale Kit, und ich kann auswählen in welcher Sprache sie das 447 bekommen, sie können die Prüfung in ihrer eigenen Muttersprache machen. Es ist perfekt, 448 wirklich super. Die finden das, glaube ich, gut und genau so wie ich es damals nicht anders kannte 449 als dass ich Bücher benutzen muss, kennen die Meisten es auch nicht mehr anders als so – 450 zumindest in ihrer Tauchausbildung. Das heißt, dass die jetzt wahrscheinlich nicht sagen können, 451 dass es besser ist als früher, weil sie früher keine Ausbildung gemacht haben, sondern es wird 452 immer normaler, dass das so ist und dass man eben keine Bücher rumstehen hat und keine 453 Bücher rumschicken muss, sondern dass das alles unkomplizierter, schneller, digitaler geht. 454 455 I: Hast du einen Überblick darüber, ob das dann auch weiterhin nach den Kursen 456 verwendet wird? 457 458 B: Nein, aber ich glaube (…) nicht. Also ich glaube nicht. Also die bekommen dann ja ihr 459 Kit freigeschaltet und können das ihr Leben lang nutzen und das updated sich sogar, aber ich 460 280 glaube nicht, dass die das machen. (lacht) Also es ist schwer, ich kann das natürlich nicht 461 beweisen. Das ist natürlich nur eine Hypothese, ja. Aber, wenn ich beispielsweise meine Kurse 462 bei Patreon mache, dann zeichne ich die online-Kurse immer auf und stelle nachher den Link ein. 463 Und die Leute, die sie eben verpasst haben oder nochmal nachschauen wollen, die können das 464 dann nochmal tun und ich sehe, dass das die Wenigsten machen. Ich glaube das ist 465 wahrscheinlich auch bei dem digitalen Material so. Ich glaube die Leute nutzen das, um sich 466 irgendwo weiterzubilden, um nachher die Theorieprüfung zu schaffen, um die Zertifizierung zu 467 bekommen, und ich glaube dann wird keiner nochmal das SSI Level 1 Kit durcharbeiten. 468 469 I: Und da endet dann aber auch die Unterstützung, in diesem Beispiel das SSI Kit? 470 471 B: Ja, das endet da und ist damit abgeschlossen, aber ich habe eigentlich immer Zugriff 472 drauf. Das heißt ich kann mir das immer nochmal anschauen, aber klar, mit diesem Level glaube 473 ich, ist es für die Leute nicht mehr interessant. Wenn das jetzt irgendwie weitergehen würde, ja 474 klar, aber wenn die weitermachen, dann machen die im Fall von SSI den Level 2 Kurs und lassen 475 sich dann eben das Level 2 Kit freischalten. Aber ich glaube schon, dass es eher so ist, dass sie 476 sagen: ‚Ja, einerseits interessiert es mich, aber andererseits lerne ich das jetzt alles vor allem 477 auch darauf hin, dass ich damit irgendwann den Kurs schaffe.‘ 478 479 I: Okay. Dann sind wir jetzt auch schon fast am Ende des Interviews angelangt. Zukünftig: 480 Wie würde für dich die perfekte digitale Umgebung, im Sinne einer Plattform, eines Tools oder 481 ähnlichem aussehen, die du zur Unterstützung deiner Tauchaktivitäten gerne nutzen würdest? 482 483 B: Okay. Da muss ich ja voll nachdenken. (…) Ja, ich meine es wäre natürlich schon so, 484 dass du sagst: Du hast hier eine Plattform, auf der du interessante Leute hast, die etwas teilen, 485 gerne auch kostenpflichtig; du hast Ressourcen an Informationen auf die du zugreifen kannst; 486 hast vielleicht eine Plattform, wo du selbst Kurse geben kannst, aber auch selbst Kurse 487 konsumieren kannst; das Ganze vielleicht live und auch, dass du dir das Ganze danach nochmal 488 anschauen kannst; so strukturiert, dass es übersichtlich ist und ja, so. Also ich bräuchte jetzt nicht 489 unbedingt schöne Bilder von Schildkröten oder sowas drauf, sondern mehr so Informatives. Ich 490 stelle mir das so vor wie eine online-University, wo du deine Sachen hast, wo du was findest als 491 Film, als Text, als Podcast etc. ja, zu speziellen Themen, dass man das da eingibt und darüber 492 was findet. Und ich sehe interessante Leute oder Kurse an denen ich teilnehmen kann. Ich könnte 493 dann auch selbst meine Kurse darüber zeigen und gleichzeitig hätten wir eine Community von 494 interessanten Leuten, die dann auch unsere Kurse besuchen. So wäre es schön. (lacht) 495 281 496 I: Gibt es sonst noch etwas, was du loswerden oder ergänzen möchtest? 497 498 B: Nein.499 282 7.4.8 Interview I8 Datum: 26.11.2021 Dauer: 50 Minuten I: Bitte stelle dich und deine Tauchaktivitäten vor. 1 2 B: Ich heiße XXX, bin 46 Jahre alt, verheiratet, zwei Kinder. Tauchen tue ich seit dem Jahr 3 2000. Da habe ich einen Schnuppertauchgang gemacht in der Dominikanischen Republik und 4 das Jahr drauf den Einsteigerkurs, auch in der Dominikanischen Republik. Alle weiteren 5 Tauchscheine habe ich dann in der Heimat gemacht. Ich bin seit – oje, da müsste ich nachgucken 6 – 2006 Tauchlehrer für PADI und ein paar Jahre später dann auch für SSI, aufgrund dessen, dass 7 unser Tauchshop gewechselt ist, der hat den Verband gewechselt. Tauchgänge habe ich 8 inzwischen, also wir reden vom Gerätetauchen natürlich, etwas mehr als 1100 gesammelt in den 9 letzten Jahren. Es ist seit 2010, seitdem die Kinder da sind, ein bisschen weniger. Ich schaffe es 10 aber immer noch so auf 40, 50 Tauchgänge pro Jahr, davon dann ungefähr die Hälfte im Urlaub 11 und die Hälfte zu Hause. Auch die restliche Statistik ist, soweit ich sie im Kopf habe, ungefähr: Die 12 Hälfte im Urlaub, also im Ausland und die andere Hälfte eben im deutschsprachigen Raum, sage 13 ich jetzt mal, und auch ab und zu mal an der Schweizer Seite vom Bodensee oder für ein 14 verlängertes Wochenende nach Österreich oder so. 15 Am liebsten sind mir Wracks. Da lebe ich für oder tauche ich für. Und das hat auch mit einen 16 Grund, warum ich gewisse Ausbildungen danach noch gemacht habe, also gerade das Thema 17 Mischgastauchen und so weiter, weil manche Wracks dann doch auch etwas tiefer liegen. Die 18 möchte ich mir auch angucken. Das Thema CMAS, VDST, habe ich angegriffen, das war 19 tatsächlich mit zur Geburt des ersten Kindes, da sind wir zum ersten Mal nach Frankreich 20 gefahren. Und in Frankreich kannst du ja mit so einem PADI- oder SSI-Tauchschein fast gar nicht 21 tauchen, da wirst du immer gegängelt. Und da habe ich mich dann zum drei-Stern-Taucher 22 ausgebildet, habe einen Cross-Over gemacht in Deutschland. Ja genau, also ich bin drei-Stern-23 Taucher dann auch bei VDST und CMAS. 24 Vielleicht noch kurz zur Ausbildung: Das mache ich nebenher, neben meinem Hauptjob, just for 25 fun. - manche sagen despektierlich vielleicht auch Garagen-Tauchlehrer - allerdings in den 26 allermeisten Fällen angeschlossen an einem Tauchzentrum oder ein Tauchcenter. Im Moment 27 sind das die XXX. Ich mache da eben, ja zum Großteil anfangs die Anfängerausbildung, also ein 28 klassischer OWD, Nitrox, AOWD, manchmal einen Rescue. Inzwischen teilweise auch ein 29 bisschen Advanced Nitrox, also falls dir das was sagt das Thema: Einfach eine Flasche noch 30 283 mitführen mit einem hochwertigeren Sauerstoffgemisch, also 50 Prozent, 100 Prozent dann 31 austauchen, die Deko verkürzen. 32 2012 habe ich dann noch angefangen mit dem Sidemount-Tauchen, das hast du vielleicht auf 33 unserer Website auch gesehen. Und da ist es ein bisschen einfacher und auch spannender da 34 Ausbildungen zu machen, weil es nicht jeder macht und jeder kann, und du natürlich auch fertige 35 Taucher vor dir hast und nicht irgendwie bei null anfängst. 36 Ja. Ich hoffe das war nicht zu ausführlich. (lacht) 37 38 I: Nein, nein, gar nicht. Was macht das Tauchen denn für dich besonders? 39 40 B: Was es besonders macht, ja, das habe ich allerdings auch erst im Laufe der Zeit 41 festgestellt: Eingestiegen bin ich deswegen, weil es mich immer schon so ein bisschen interessiert 42 hat und ich mir tatsächlich auch schon immer – also ich habe die Fische in den Aquarien der Zoos 43 angesehen, habe auch, seit 2005 glaube ich, ein Meerwasseraquarium hier stehen – also Korallen 44 und Fische haben mich schon auch interessiert. Das war so der Grund das eben anzufangen. Ich 45 habe dann aber sehr schnell gemerkt, dass es nicht unbedingt nur um das geht, was man da 46 sieht. Und deswegen gehe ich auch in Deutschland tauchen, weil es da eben um das Gefühl geht: 47 Diese Schwerelosigkeit. Dann auch – ich bin den ganzen Tag am Labern, so auch jetzt – mal eine 48 Stunde lang einfach mal nichts zu hören und nichts zu sagen. Und ich finde es auch schön, dass 49 man vorher alles bespricht, im Optimalfall zumindest, und sich dann auch eine Stunde daranhält. 50 Das ist im echten Leben ja auch manchmal nicht so einfach (lacht): Sich an abgesprochene Dinge 51 halten und die dann auch so umzusetzen, ob das jetzt im Job ist oder privat. Aber beim Tauchen 52 funktioniert das doch erstaunlich häufig gut. Ich finde es auch schön, einfach mal eine Stunde 53 was entspannt zu tun, wie man es besprochen und vorgehabt hat, und das dann auch einfach so 54 zu machen. 55 Natürlich kommt beim Tauchen auch noch das Thema dazu, dass man das mit anderen tut. Das 56 ist dann so ein PADI-Spruch: OWD ist ein Partnersport. Du hast deinen Buddy und gehst nicht 57 alleine. Das ist auch eine wichtige Sache und klar, wenn man jetzt im Urlaub auf eine Basis kommt, 58 dann hat man sofort Anschluss an irgendwelche Leute. Die anderen Taucher sehen das ja 59 größtenteils auch genauso. 60 Das ist also ein Rundumschlag. Vorher hatte ich ja schon erwähnt, dass mich das Thema 61 Wracktauchen ganz besonders interessiert, aber deswegen habe ich nicht das Tauchen 62 angefangen. Das habe ich dann irgendwann festgestellt, dass mich das fasziniert. 63 64 284 I: Beschreibe mir bitte wie der ideale Tauchgang für dich aussehen würde. 65 66 B: Der ideale Tauchgang. Tja, das ist natürlich die Frage, wie du das meinst, also das, 67 was ich dort sehe oder ob es Probleme gab oder sonst irgendetwas. Also generell, das hatte ich 68 ja eben schon erwähnt, ist der optimale Tauchgang für mich in der Tat – und das soll jetzt auch 69 nicht spießig klingen – wenn der eben so stattfinden kann, wie man den sich vorher ausgedacht 70 und wie man ihn besprochen hat. Wenn es da keine Probleme gibt oder man dann eben 71 irgendwelche anderen Dinge tun muss, also: Irgendjemanden einzufangen oder festzustellen, 72 dass der Tauchplatz komplett anders ausschaut als auf der Karte und ich die Sachen suchen 73 muss. Oder ich finde nicht zum Boot zurück oder sowas. Also wenn er eben stattfindet wie 74 geplant, dann ist es auch häufig so - da kommt man irgendwann vielleicht mal in die Rolle rein - 75 wahrscheinlich schon ab 150, 200 Tauchgängen bist dann du halt der, der vorne wegschwimmt 76 und dann ist es dir natürlich recht, wenn du auf die anderen so wenig wie möglich aufpassen 77 musst. Und das passiert natürlich am ehesten, wenn der Tauchgang so ablaufen kann wie 78 geplant. Wenn nicht auf einmal eine Höllenströmung da ist oder dann am Anker nicht genug Platz 79 ist oder, oder, oder. 80 Von den Umgebungen, tatsächlich, ist es mir am liebsten, wenn der Tauchgang eben, trotz der 81 ganzen Taucherei zu Hause, stattdessen schön im Meer stattfinden kann bei angenehmen 82 Umgebungstemperaturen draußen und natürlich auch drinnen und dass es was zu sehen gibt. 83 Und vom Plan abzuweichen ist natürlich toll, wenn da jetzt ein Manta daher schwimmt. Dann wird 84 der Plan unter Wasser geändert. Das wäre etwas Anderes. Aber du weißt, was ich meine. 85 Dann habe ich auch schon genügend erlebt und du weißt wie schön das ist, wenn man aus dem 86 Wasser kommt und sagt, dass das jetzt genau so war wie es gedacht war. Genau. 87 88 I: Was meinst du: Welche persönlichen Merkmale kennzeichnen deiner Meinung nach 89 den Typ Apnoe- und den Typ Gerätetaucher? 90 91 B: Das ist eine spannende Frage. Ich habe tatsächlich bei den XXX festgestellt, dass es 92 da wenig Überschneidungen gab. Also ich bin damals immer donnerstags im Hallenbad in XXX 93 zum Training gewesen. Da gab es wenige, die beides gemacht haben, oder sie haben dann nur 94 noch eines gemacht, in dem Fall halt Apnoe. Also du kennst ja die ganzen Leute dort. Und die 95 wirkten auf mich tatsächlich – aber ich habe da auch nur wenig Einblick, auch von den Leuten, 96 die ich dann da mal am See gesehen habe – die wirkten auf mich da schon in die Richtung, dass 97 das Training im Vordergrund steht, und Wettkampf, persönliche Bestleistungen und so weiter, 98 also sprich, zum einen die sportliche Ertüchtigung und zum anderen dann eben auch Competition. 99 285 Und bei Gerätetauchern sehe ich eher – da gibt es natürlich auch, klar, wenn ich dann am 100 Bodensee stehe, bei ein paar Leuten, die für einen Höhlentauchgang trainieren oder was auch 101 immer, dann sind das natürlich auch ganz besondere Gestalten. Aber so der normale 08/15-102 Gerätetaucher macht das zum Spaß an der Freude. Das sieht man im Grunde genommen auch 103 an den Körperformen, die sich da einem eben darbieten. Also das ist jetzt schon ein deutlich 104 sportlicherer Anblick bei dem Apnoetaucher als bei dem Gerätetaucher. 105 Also wie gesagt, der Unterschied ist, denke ich einfach, die Motivation wie man eben dahinkommt 106 und da sehe ich eben das Sportliche und den Wettkampf beim Apnoe und just for fun, 107 ausschließlich, beim Gerätetaucher. Das macht der Apnoetaucher sicherlich auch, ja aber, ich 108 glaube, die grundsätzliche Motivation mit so etwas anzufangen (…) 109 Bei uns war es auch so, also ich bin mit einer kleinen Gruppe dazugekommen, mit einem 110 Bekannten, der da im Verein war. Das war auch eher so ein Thema: ‚Komm, lass uns ein bisschen 111 sportlich was tun.‘ Und dann bietet sich natürlich, wenn man eh schon taucht – das war bei den 112 anderen auch so – dann bietet es sich an, eben was in die Richtung zu machen. 113 114 I: Und welche Fähigkeiten müssen die Taucher haben, um tauchen zu können? 115 116 B: Ja gut, da sind wir jetzt bei den Leistungsanforderungen zumindest mal von einem 117 Einsteigerkurs. Ja, also das wäre ja dann deine Befähigung auch ohne eine Begleitung oder ohne 118 das im Rahmen eines Schnuppertauchens zu machen, überhaupt ins Wasser zu dürfen. Davor 119 steht natürlich noch die Tauchärztliche Untersuchung. Also es muss natürlich eine gewisse Art 120 von körperlicher Eignung dafür da sein, also keine Krankheiten und so weiter, oder irgendwelche 121 Einschränkungen, die du jetzt außerhalb von Krankheiten hast. Und man muss es, denke ich mal, 122 auch wollen. Also ich habe ja bei der Ausbildung häufig erlebt, dass wenn ein Pärchen gekommen 123 ist, um einen Tauchschein zu machen: ‚Wir wollen einen Tauchschein machen.‘ Da hat man ganz 124 genau gemerkt, wer von den beiden den Tauchschein machen möchte und wer halt noch mit 125 dazu kommt. So nach dem Motto, dass man den oder die nicht alleine lässt: ‚Das soll dann schon 126 auch ein Hobby für uns beide werden.‘ Und so hat sich das dann häufig auch im Kurs dargestellt, 127 gerade was das Thema Kopf anbelangt. 128 Wir machen bei uns immer eine Übung zuerst, das habe ich so von meinem Tauchlehrer 129 übernommen und die steht so nicht bei PADI und bei SSI drin: Wir stellen uns ins Wasser und 130 lassen die Taucher einfach nach vorne, Kopf ins Wasser, dass das Wasser ungefähr bis hier ist 131 (macht eine beschreibende Handbewegung), also die Ohren noch raus, aber Augen, Nase und 132 Mund im Wasser, und lassen sie nur aus dem Lungenautomaten atmen, ohne dass die Nase 133 bedeckt ist mit einer Maske. Und da merkst du eben schon wer das wirklich möchte und vielleicht 134 auch vorher schon konnte und wer das eben nicht möchte oder vielleicht auch nicht dazu 135 286 geeignet ist, weil er einfach immer durch die Nase atmet. Und das sind eben solche Dinge. Viel 136 spielt sich da, denke ich, im Kopf ab. Ich denke größtenteils, wenn der Taucherarzt gesagt hat, 137 dass es passt, dann spielt sich das tatsächlich im Kopf ab. Bei PADI und SSI ist es, wie du ja 138 weißt, nicht ganz so auf den sportlichen Aspekt getrimmt wie beim CMAS 1 Stern, also da kannst 139 du auch als relativ unfitter Mensch die Leistungsanforderungen erfüllen und dann eben auch – ich 140 denke es ist legitim das so zu tun – einfache Tauchgänge ohne Strömung an einem Riff, auf 12 141 Metern, durchführen zu können, in einer sicheren Umgebung. 142 War das das, was du wissen wolltest, so ungefähr? 143 144 I: Ja, danke. Welches unter Wasser beobachtete Verhalten ärgert dich? 145 146 B: Was mich extrem ärgert ist das Thema Naturzerstörung: Also durch das Korallenriff 147 laufen, Sachen abreißen. Noch schlimmer ist es, wenn das auch noch absichtlich passiert. Da 148 muss man natürlich immer auch gucken in welchem Kulturkreis man unterwegs ist. In Italien oder 149 auch Frankreich zum Teil ist es ja ganz normal mit der Harpune tauchen zu gehen. Das wäre ja 150 jetzt in unserem Denken in Deutschland eher ungewöhnlich, dass man zur Nahrungsbeschaffung 151 eben tauchen geht. Also das ist eher was Anderes. Da denkst du dir dann natürlich auch, wenn 152 da einer mit einem Zackenbarsch am Haken aus dem Wasser kommt: ‚Muss das jetzt unbedingt 153 sein?‘ Aber für dort ist das dann eher normal und wenn ich mir dann überlege, dass der dafür im 154 Supermarkt nicht irgendeinen Nordseefisch einkauft, ist das dann auch wirklich ökologisch 155 sinnvoller gewesen, dass er das dann so getan hat. 156 Also wie gesagt: Naturzerstörung stört mich am allermeisten. Das kannst du natürlich auch auf 157 Wracks ausdehnen: Wenn da einer an einem Wrack irgendwie – da gibt es ja das eine bekannte 158 Wrack in Ägypten, wo die LKWs noch im Laderaum stehen, wo er dann die Scheiben einschlägt 159 oder die Munition mitnimmt, falls es nicht auch noch ihn selbst gefährden würde, oder dass er 160 dann eben Korallen abbricht. Unabsichtlich kannst du noch sagen: ‚Okay, der hat offensichtlich 161 eine scheiß Ausbildung genossen.‘ Und absichtlich wäre natürlich das Allerschlimmste, vielleicht 162 nur um ein gutes Foto zu machen. Das ärgert mich am allermeisten und natürlich auch noch 163 andere Verhaltensweisen, die mich eben ärgern. 164 Das habe ich ja vorhin schon erwähnt: Wenn wir was auf dem Boot besprechen und das wird 165 dann halt nicht so gemacht. Das mindert zumindest mal den Spaß der anderen in der Gruppe, 166 und das könnte auch die Sicherheit gefährden, wenn man das tut. 167 168 I: Jetzt hattest du eben gesagt: „Unabsichtlich“ zum Teil, weil die Ausbildung vorher nicht 169 so toll war. 170 287 171 B: Genau. 172 173 I: Wie könnte man denn, oder wann wäre das denn besser? Was müsste in der 174 Ausbildung getan werden? 175 176 B: Ja gut, in der Ausbildung sollte man eben auf solche Fertigkeiten deutlich mehr Wert 177 legen. Wobei ich schon sagen muss, dass das was ich in Deutschland bisher erlebt habe besser 178 ist als das, was ich im Ausland erlebt habe. Also mit Deutschland meine ich auch andere Länder, 179 wo du in einem See das Tauchen lernst. Weil da hast du ja nicht das Problem, dass du ins 180 Korallenriff einschlägst, ein paar Korallen abbrichst oder sei es auch mal nur der Sandboden. Das 181 ist ja genau das Gleiche: Da geht zwar nichts kaputt – ich lasse jetzt mal die ganzen Sachen für 182 den Taucher außen vor, dass er sich vielleicht die Haut aufschlitzt oder ein Fisch nach ihm 183 schnappt, weil er ihn im Sand beim Schlafen gestört hat. Aber im See ist es ja tatsächlich so: Da 184 schlage ich einmal im Boden ein und dann ist der Tauchgang im Grunde genommen an der Stelle 185 beendet, weil das ja ewig dauert bis die Sicht wieder vorhanden ist. Das heißt, ich denke, dass in 186 Deutschland und überall, wo man in der Heimat ausbildet, mehr Wert auf Tarierung gelegt wird. 187 Ich denke natürlich auch, dass es damit zusammenhängt, dass ich in Deutschland als 188 Tauchschüler auch einen gewissen Fokus auf den Kurs an sich habe, nicht wie im Ausland. Das 189 kann ich von mir selbst sagen: Ich habe das in der Domrep gemacht, war da mit zwei Kumpels 190 zwei Wochen zum Saufen und habe dann die letzten vier Tage, weil ich es meinem Arbeitskollegen 191 versprochen hatte - ‚Jetzt mache doch endlich mal einen Tauchschein. Er hat mir sogar ein OWD-192 Buch mitgegeben. Und dann habe ich das die vier Tage durchgezogen, aber wirklich nur, dass 193 ich den Tauchschein hatte. Hinterher hat es mich natürlich geärgert, weil ich natürlich noch 194 anderthalb Wochen danach hätte tauchen gehen können. Aber da sind wir schon zurückgeflogen. 195 Und wie der Kurs dort ablief, zum einem: Man schleust die Leute halt durch, die sind in 196 irgendeinem Hotel und wahrscheinlich nachher nie wieder da. Und zum anderen, dass der 197 Tauchschüler dort auch keinen Fokus draufhat. Auch beim Tauchen natürlich nicht: Da sehe ich 198 dann was im Meer und bin natürlich abgelenkt bei meinem Ausbildungstauchgang. Im See ist 199 zumindest meistens nicht so viel zu sehen, oder wenn ich was sehe, dann habe ich mich da auch 200 im Rahmen von dem Tag, an dem ich da tauchen gehe, sattgesehen. 201 Also, wie gesagt: Ich denke es ist eine Motivation von beiden, die das durchführen, Tauchschüler 202 und Tauchlehrer, im Ausland oder in der Heimat, die dann einen relativ großen Unterschied 203 machen. Es gibt natürlich, logischer Weise, auch Ausnahmen. Wir für unseren Fall haben immer 204 recht viel Wert auf Tarierung gelegt, damit eben sowas nicht passiert, und ich werde da auch 205 nicht müde nach den Tauchgängen und während den Tauchgängen: ‚Füße hoch‘ und so weiter, 206 288 da eben drauf hinzuweisen. Und das auch zu versuchen, die Leute da einfach hinzubekommen 207 und das denen auch mit auf den Weg zu geben. 208 Da macht eine kommerzielle Tauchschule, wie die die ich erwähnt habe, keinen großen 209 Unterschied zu einem Verein. Auch da sind die Taucher nachher noch da und sollen ja auch 210 weiter in dieses Rad miteinbezogen werden, also: Dort Tauchausrüstung kaufen, weitere 211 Tauchausbildung kaufen. Und die sehe ich also wieder, also habe ich jetzt auch ein größeres 212 Interesse daran, die ein bisschen besser auszubilden. 213 Und man muss eben auch das Bewusstsein dafür schärfen. Das kann natürlich in einigen 214 Kulturkreisen besser funktionieren als in anderen. Da bin ich mir sicher. Das soll jetzt nicht 215 rassistisch klingen. Aber wenn ich einem Spanier, vor allem vor 30 Jahren, erzähle: ‚Pass mal auf, 216 dass du nichts kaputt machst beim Harpunieren‘, dann würde er mich vermutlich auslachen und 217 gar nicht verstehen, was ich ihm sagen will. Da wird es sicherlich jetzt andere geben, die da 218 generell ein größeres Verständnis für sowas haben. Was ich schön finde ist, dass es weltweit in 219 den letzten Jahren in allen Kulturkreisen, Nationen an Relevanz gewonnen hat, so ein Thema; also 220 zumindest subjektiv für mich als Tauchtourist in der Wahrnehmung. 221 222 I: Bei den ganzen Instanzen, die du jetzt schon genannt hast: Inwiefern, und in welchem 223 Maße, wird denn das individuelle Taucherverhalten von außen beeinflusst? 224 225 B: Ja, das wird sicherlich beeinflusst: Durch mich selbst, wenn ich denjenigen in der 226 Ausbildung habe. Dann sage ich ihm das eben, was mir nicht gefällt, egal ob das jetzt Tarierung 227 ist oder sonst irgendetwas. Ich versuche das natürlich so zu vermitteln, dass das positiv ist, so: 228 ‚Beim Tauchgang hat mir das und das gefallen, aber die Sachen kannst du noch verbessern.‘ Das 229 klingt natürlich anders als: ‚Du kannst nicht tauchen, lass es am besten bleiben.‘ Also es wird 230 durch den Tauchlehrer sicherlich beeinflusst, eben auch durch den Buddy. Da sagt man dann 231 natürlich nicht so häufig was, sondern wirklich natürlich nur, wenn es wirklich hart war. Dann 232 würde man dem Buddy was sagen. Ob das jetzt was ist nach dem Motto: ‚Du musst an deinem 233 Luftverbrauch arbeiten, du brauchst viel zu viel Luft und das schränkt unseren Tauchgang ein, 234 aber es schränkt auch deinen Spaß und deine Sicherheit ein, wenn du nur eine halbe Stunde 235 brauchst, um eine 15-Liter Flasche leer zu machen.‘ Ja, da hätte man dann schon einen höheren 236 Einstiegspunkt, aber ich habe tatsächlich schon einigen Leuten gesagt, dass sie die Korallen nicht 237 umreißen sollen, wenn ich das gesehen habe, und dass die einfach ein bisschen mehr danach 238 gucken sollen. Oder bei total krassem Fehlverhalten würde man natürlich auch auf die Guides 239 zugehen und denen das sagen. 240 Das hatte ich ja gerade erwähnt: In Ägypten, in Thailand oder wo auch immer ist man inzwischen 241 schon auch der Meinung, dass das erhaltenswert ist, weil sonst im Jahr drauf kein Tourist mehr 242 289 kommt, wenn es das Korallenriff nicht mehr gibt. Und da habe ich dann eben auch schon Thais 243 erlebt, die dann einem europäischen Touristen erzählen, dass er das nicht mehr tun soll, weil er 244 sonst hier nicht mehr tauchen wird. Und das war jetzt wieder in Bezug auf die Tarierung, aber da 245 geht es eben auch um andere Dinge. In Frankreich, in Südfrankreich, habe ich es echt häufiger 246 erlebt, dass dann der Basenleiter den Kunden ins Büro bestellt hat, zum Rapport mehr oder 247 weniger, und ihm dann erzählt hat: ‚Was du heute auf dem Boot getrieben hast, das lässt du, 248 sonst kannst du dir eine andere Tauchbasis suchen.‘ Passiert schon. 249 250 I: „Passiert schon.“ Kannst du das näher erläutern? Ist das eher der Normalfall oder die 251 Ausnahme? 252 253 B: Das kommt, denke ich mal, darauf an, wie jetzt diese Tauchbasis und ihre Angestellten 254 ihren Job verstehen. Ich hatte das Südfrankreichbeispiel eben: Da geht es vor allem um 255 Sicherheit. Und da wird schon immer was gesagt. Wenn der Basenleiter, der häufig nicht auf dem 256 Boot ist, das gesagt bekommt von anderen Kunden oder seinen Angestellten, dann versucht der 257 das schon richtig an die Leute zu bringen und denen zu erzählen, dass die da nicht das und das 258 und das machen können, was auch immer es ist. Und so kenne ich das auch von anderen 259 Tauchbasen, andere Tauchbasen interessiert das aber auch überhaupt nicht. Das ist ja logisch. 260 Da gibt es schon alles. Aber ich denke, dass es durch diese Personen auch angesprochen werden 261 muss. Ich jetzt als Buddy kann dem anderen, der ja da auch im Urlaub ist, nicht unbedingt was 262 so effizient sagen, wie es ihm der Guide auf dem Boot oder tatsächlich dann später der Leiter von 263 der Tauchbasis in der Basis selbst sagen könnte. 264 265 I: Und wie steht es um den Einfluss von den Tauchverbänden, die du vorhin auch schon 266 kurz genannt hattest? 267 268 B: Die Tauchverbände haben meiner Meinung nach da eher einen Einfluss drauf, wenn 269 es ums Thema Ausbildung geht und sich der Taucher tatsächlich mit dem Buch, mit der DVD, mit 270 irgendwelchen anderen Unterlagen befasst. Ja, es gibt natürlich auch Abhandlungen darüber in 271 diesen Tauchzeitschriften. Vom VDST gibt es ja auch die, ich glaube „Sporttaucher“ heißt sie, die 272 kriege ich ja auch. Ich glaube nicht, dass es einen großen Einfluss hat. Das kann ich mir nicht 273 vorstellen. Also es ist halt einfach so, wie wenn dir dein Fahrlehrer was erzählt. (lacht) Das hast 274 du vergessen, wenn du da wieder rauskommst. Das ist ruckizucki weg. Da müsste dann schon 275 dein Beifahrer dir sagen: ‚Warum lässt du denn hier immer die Kupplung so heulen?‘ Also ja, das 276 ist weg relativ schnell, glaube ich zumindest. 277 290 Es ist natürlich spannend, wenn du in die Richtung was machst, ja, wie man das verbessern 278 könnte – ich bin da mal gespannt. (lacht) 279 280 I: Ja, genau und damit kommen wir auch direkt zum nächsten Teil, nämlich der 281 Kommunikation im digitalen Zeitalter: Über welche digitalen Kanäle erreichst du mit deinen 282 Aktivitäten rund ums Tauchen andere Taucher? 283 284 B: Also, wir haben ja unsere Website, das hast du ja gesehen, dazu hattest du ja auch so 285 einen kleinen Kommentar in deiner Mail geschrieben. Die Website wird noch gepflegt, vor allem 286 von mir, die anderen steuern da auch Fotos bei, wir haben da auch einiges an Besuchern, es gibt 287 da auch manchmal Interaktionen, so nach dem Motto: ‚Da kostet jetzt das Parken ein bisschen 288 mehr an dem See‘, und so weiter. Das ist natürlich heutzutage nicht mehr State of the Art. Also 289 wenn du jetzt eben eine ganz spezielle Information suchst, wirst du über Google auf so eine 290 Website eben stoßen. Da guckst du dir dann vielleicht auch ein paar Fotos und Videos an, liest 291 dir was durch. 292 Und so generell meine Tauchaktivitäten: Die poste ich auf Instagram und Facebook. Das sind 293 dann eben meistens Fotos: ‚Guck mal, hier war ich.‘ Genauso ist es auch. Vielleicht warst du ja 294 auch auf der Seite: Wir betreiben, also das mache ich mit einem Bekannten zusammen, dieses 295 XXX Forum. Hast du diese Seite gesehen? 296 297 I: Noch nicht. 298 299 B: Nicht? Da kannst du ja mal draufgucken. Wir haben ein Forum gegründet, 2012, wo 300 es tatsächlich nur um das XXX-Tauchen geht. Und da haben wir auch eine Facebook-Seite. Das 301 Forum und alles ist kostenlos, das ist kein Verein oder eine Tauchbasis oder so was, sondern wir 302 bieten dann mehr oder weniger auf privater Art und Weise so nebenher Ausbildungen und so 303 weiter an. Klar, das posten wir auch bei Facebook, also in den Sozialen Medien. In dem Forum 304 würde es tatsächlich auch um Tauchaktivitäten gehen, da hast du dann deinen harten Kern der 305 Leute, die eben immer noch Foren lesen und da auch Fragen stellen, und Diskussionen entstehen. 306 Aber im Großen und Ganzen wird sowas eben auf den Sozialen Medien stattfinden – leider Gottes. 307 Ich finde tatsächlich ein Forum, wo es um was auch immer geht, ob es Tauchen ist, 308 Wasseraquaristik oder keine Ahnung, um irgendwelche Camper, die du umbaust – das ist ja 309 vollkommen egal. Ein Forum ist für mich eine viel, viel bessere Plattform, um Themen zu 310 bearbeiten, zu spielen, zu finden auch, als jetzt im Vergleich dazu ein Bild auf Instagram, wo du 311 mal drunter ein bisschen diskutieren kannst. Oder eben auch ein Diskussionsforum auf Facebook: 312 291 Da kommen von oben die threats und laufen nach unten durch und fünf Tage später fragt der 313 nächste, der frisch dazugekommen ist, wieder genau das Gleiche, weil er das da unten nicht mehr 314 findet. 315 Also da kannst du vielleicht als PADI oder als SSI oder als wer auch immer so ein bisschen Image-316 Werbung machen, vielleicht auf das eine oder andere hinweisen, wie zum Beispiel bei PADI auf 317 so ein Beach Clean Up oder was auch immer. So können es auch die Tauchbasen machen, aber 318 da wirst du nachhaltig nicht irgendwelche Themen spielen können. Das ist ja immer nur so: 319 Spotlight-Werbung. 320 321 I: Jetzt hast du beim Forum gesagt, dass da nur noch der harte Kern ist. Kannst du diese 322 Taucher, die das Forum nutzen, noch ein bisschen beschreiben? 323 324 B: Ich denke das sind dann Leute – das ist wahrscheinlich auch ein Altersthema. Einen 325 18-Jährigen in ein Forum zu bringen ist wahrscheinlich auch schwierig. Und ja genau, was ja noch 326 schlimmer ist als Facebook, das sind WhatsApp-Gruppen. (lacht) Da hast du ja noch nicht mal 327 die Möglichkeit eine Frage zu stellen und die Antworten sind dann alle da drunter, sondern du 328 hast ja einfach alles untereinander und findest nach kurzer Zeit ja überhaupt gar nichts mehr. Also 329 bei jüngeren Leuten wirst du es schwerer haben, die in ein Forum zu bringen, weil es eben nicht 330 mehr 2021 ist. Das ist klar. Das ist schon seit zehn, 15 Jahren so, dass Foren auf einem 331 absteigenden Ast sind. Das heißt, du hast in Foren eher ältere Leute, 35, 40 plus schätze ich, und 332 tatsächlich Leute, die ein überdurchschnittliches Interesse an diesem Thema mitbringen. Im 333 Vergleich zu jemand anderem, der das Interesse vielleicht auch hat, aber eben nicht so 334 ausgeprägt. Der sagt dann halt, dass ihm die Facebook-Gruppen nichts bringen, weil da nur die 335 08/15-Themen besprochen werden und er was Spezielles dort nicht findet. Und dort findet er 336 dann auch nicht die Ansprechpartner, die er eben braucht, um seine Frage zu beantworten. Also 337 wie gesagt, eine Mischung aus Motivation und Alter, in Anführungszeichen, denke ich mal, wirst 338 du ein einem Forum noch antreffen. 339 340 I: Das heißt du würdest je nach Medium auch vollkommen anders kommunizieren? 341 342 B: Ja, definitiv. Also im Forum würde ich keine Urlaubsfotos von irgendeinem Tauchgang 343 posten, weil es da nicht darum geht. Da geht es dann eher darum mit welcher Ausrüstung und 344 mit welchem Tauchplan vielleicht ich, als Beispiel, diese Tauchgänge gemacht hätte. Da würde 345 ich vielleicht auf den Instagram-Post oder das YouTube-Video verweisen, aber das würde ich da 346 wahrscheinlich nicht reinposten. Facebook ist vielleicht so ein Mittelding, da postest du das Foto 347 292 so als Eyecatcher und schreibst dann eben drunter, warum du das Foto postest. Und Instagram 348 geht ja dann im Grunde nur um Bilder und Videos und nicht so sehr um Information. 349 Man merkt das ja auch, wie Instagram das macht: Wenn du da einen Link posten möchtest, dann 350 schreiben die Leute ja immer: „Link in bio.“ Also sprich, du kannst einen Link in deine Bio 351 reinmachen und da können die Leute dann direkt draufklicken und landen vermutlich dann auf 352 dieser Unterseite. Ich habe es selten probiert. Und dann müsstest du ja am nächsten Tag deinen 353 Biografie-Link wieder austauschen für deinen nächsten Post. Also da merken wir ganz klar, dass 354 Instagram, zumindest mal von denen, die es betreiben, als ganz andere Plattform gedacht ist, als 355 beispielsweise Facebook oder ein Forum. 356 357 I: Welche auf das Tauchen bezogenen Fachbereiche und Inhalte wecken dein Interesse? 358 359 B: Meinst du jetzt in Richtung Technik? Also wahrscheinlich jetzt nicht in die Richtung, 360 was mich taucherisch interessiert, richtig? 361 362 I: Doch, beides. 363 364 B: Okay. Hatte ich ja vorhin schon erwähnt: Sidemount-Tauchen ist ein Thema, was mich 365 extrem gecatched hat, seitdem das da so aufgekommen ist und ich dann eben auch gesagt habe: 366 ‚Das ist jetzt was Neues, das will ich ausprobieren.‘ Und ich bin auch seither dabeigeblieben und 367 tauche auch mindestens die Hälfte in Sidemount. Und dann, ja, das Technische Tauchen ist eben 368 tatsächlich auch was, was mich mehr und mehr interessiert, allerdings auf einem normalen Level. 369 Also da möchte ich jetzt nicht in Richtung Ausbildung oder sonst etwas gehen. Das kommt 370 vielleicht wieder ein bisschen stärker das Interesse, wenn man durch die Freizeitplanung nicht 371 eingeschränkt ist was das Thema Kinder anbelangt. Also das sind die beiden Sachen, die mich 372 im Moment aus technischer Hinsicht, oder was das Thema Ausbildung und Fertigkeiten 373 anbelangt, am meisten interessieren. 374 375 I: Okay. Wenn du diese Information oder diese Inhalte online suchst, wie müssen die denn 376 präsentiert sein, damit du ihnen tatsächlich deine ganze Aufmerksamkeit schenkst? 377 378 293 B: Das kommt drauf an, was es für ein Thema ist. Beim Sidemount-Tauchen geht es 379 beispielsweise auch sehr viel um Ausrüstungskonfiguration und nachher dann auch 380 Körperhaltung und wie die einzelnen Sachen – Sidemount sagt dir schon was, oder? 381 382 I: Ja. 383 384 B. Da hast du rechts und links eine Flasche hängen. Also wenn die Flasche dann schräg 385 da hängt, dann ist das halt aus verschiedenen Gründen nicht so sinnvoll und toll. Nicht nur, wenn 386 man in einer Höhle taucht - was ich jetzt nicht mache und was mich auch nicht interessiert - nicht 387 nur, weil man in einer Höhle unterwegs ist, sondern auch so: Man möchte eine streamline-388 Konfiguration haben. Da gehört dann, wenn es um sowas geht, natürlich auch das Multimediale 389 dazu, also, dass in irgendwelchen Videos das Anlegen von der Ausrüstung gezeigt wird, und wo 390 nicht nur das Anlegen, sondern auch das fertige Ergebnis gezeigt wird. Bei solchen Themen wie 391 dem Technischen Tauchen ist das Ganze natürlich nicht so interessant das jetzt multimedial zu 392 unterlegen. Da muss es eben einfach fachlich fundiert sein. Ich finde immer auch Beispiele 393 eigentlich ganz praktisch, Beispiele aus dem Leben. Das ist ja auch in vielen anderen 394 Lebensbereichen oder in der Kindererziehung so. Wenn ich einem Kind irgendwas sagen will und 395 dabei einen Mehrwert vermitteln kann, dann kommt das eben deutlich mehr an – im Übrigen 396 natürlich auch hier bei meinem Hauptjob: Wenn ich einem Anwender sage, warum er ein Backup 397 machen soll (lacht), dann ist das deutlich sinnvoller als wenn ich ihm nur erzähle, dass er eins 398 machen soll. Weil darauf hat er ja keinen Bock. Das funktioniert ja nachher nicht besser. Also 399 sprich, ich sollte eigentlich immer bemüht sein anderen einen Mehrwert zu vermitteln: ‚Guck mal 400 hier, wenn du das so machst, dann hast du diesen Vorteil.‘ Und so, glaube ich, suche ich auch - 401 wenn ich jetzt so ein bisschen spontan in mich reinhorche - so suche ich auch Informationen. Es 402 sei denn ich habe natürlich schon einen Mehrwert für mich erkannt und mir ist irgendein Detail 403 unklar. Dann suche ich eben da danach. Das ist ja logisch. 404 405 I: Und wie gehst du bei der Suche vor? Also du machst den PC an und dann? 406 407 B: Ja, wie gesagt, man ist ja in verschiedenen Bereichen schon unterwegs, ob das jetzt 408 ein Forum ist oder eben auf Facebook, von verschiedenen Seiten, Anbietern, Personen, man ist 409 dort vielleicht in irgendwelchen Foren unterwegs. Da würde mach sicherlich zuerst gucken. Und 410 dann klassisch eben die Suchmaschine. Und klar, irgendwann mal fragt man sicherlich auch 411 Leute, die man persönlich kennt, aber das ist ja dann nicht online. Das würde sich dann eher mal 412 an einem See oder sonst wie, telefonisch, ergeben. Aber sonst ist es eine Mischung aus 413 294 Suchmaschinen und – bei Facebook würde ich, wenn ich jetzt ein bestimmtes Problem habe, 414 nicht auf die Suche nach Gruppen gehen. Glaube ich nicht. Also da würde ich dann eher Google 415 anwerfen. 416 417 I: Dann kommen wir jetzt zu dem Bereich, der sich auf die von dir genutzten online-Tools 418 und ihre Wirkungsweise bezieht. Welche digitalen Angebote nutzt du konkret als Unterstützung 419 zum Tauchen? 420 421 B: Unterstützung zum Tauchen. Ja, hatte ich ja schon erwähnt. Also klar, du schaust auf 422 den sozialen Medien, ohne die jetzt wieder alle aufzuzählen, aber auf Facebook, Instagram, 423 YouTube, dann Foren, Suchmaschinen und dann habe ich natürlich auch diverse Apps auf dem 424 Handy. Die gehen dann in Richtung Tauchgangsplanung. Also beim technischen Tauchen hast 425 du eben Mischgas dabei oder unterschiedliche Gasgemische. Dann machst du eine 426 Tauchgangsplanung. Das gibt es auch für den PC. Meistens sind die Lizenzen kombiniert. Ich 427 habe also sogar auch beides am Start, aber nutze es eher auf dem Handy oder Tablet, weil man 428 das natürlich dabeihat und diesen Tauchplan vor Ort abschreiben kann. Oder, es gibt schon ewig 429 diese Apps, die gab es schon auf Windows Mobile, falls dir das noch was sagt, das kam so Anfang 430 der 2000er: Gas-Blender-Apps. Also, wo du an einer Füllstation gucken kannst, wie du die 431 Flaschen füllst. Also was weiß ich: Du möchtest Nitrox 32 mischen mit einer Überströmgeschichte 432 und dann steht da, beispielsweise bei der 15-Liter Flasche, dass du dann auf soundso viel Bar 433 Sauerstoff rein füllst, und den Rest machst du mit Pressluft voll. Und dann hast du ein bestimmtes 434 Gemisch. Das nutze ich. 435 Dann gibt es wunderbare Apps von SSI und ein Stück weit auch PADI, aber SSI ist da, glaube 436 ich, ein Stück weiter vorne: Da kannst du deine Brevets alle abrufen, dann kannst du die auch auf 437 der Basis zeigen, also du musst nicht mal klassisch dein Logbuch dabeihaben, sondern das geht 438 anscheinend inzwischen auch digital. Ich bin da Old Fashioned und habe mein Logbuch dabei. 439 Allerdings hat es mich neulich sehr geärgert – vielleicht geht das so ein bisschen in deine 440 Richtung: Mein Sohn ist zehn gewesen, jetzt ist er elf geworden und wir haben im Sommer einen 441 Tauchschein gemacht, zusammen. Also ich habe nicht ihn ausgebildet, sondern den 442 gleichaltrigen Sohn eines Freundes und er hat meinen Sohn ausgebildet. Das gibt sonst Mord und 443 Totschlag, wenn du dein eigenes Kind ausbildest. (lacht) Und dann haben wir nachher versucht 444 die Brevets bei PADI zu kriegen: Die gibt es nur noch online! Im Ausnahmefall kannst du dir für 445 viel Geld ein Plastikkärtchen bestellen. Das heißt, die erwarten inzwischen von den Tauchern, 446 dass die mit der App auf die Basis kommen und ihr Brevet digital vorzeigen. Da habe ich dann so 447 lange Stunk gemacht, bis wir ein Plastikbrevet bekommen haben, weil ich den Leuten versucht 448 habe zu vermitteln: ‚Jetzt kriege ich schon einen Zehn-, Elfjährigen mal vom Bildschirm weg an 449 295 den See, und dann gehen wir im Urlaub tauchen und der braucht zum Tauchen sein Handy! Das 450 kann doch wohl nicht sein!‘ (lacht) Ja, das hat dann auch funktioniert. 451 Was ich auch nutze, tatsächlich, um meinen Tauchcomputer auszulesen oder zu aktualisieren 452 gibt es so Logbuch-Apps. Ich schreibe allerdings klassisch Papierlogbuch und übertrage die 453 Tauchgänge auf den PC und habe die dann im Computer-Logbuch drin. Von dort übertrage ich 454 sie dann auch auf mein Handy und auf das Tablet. Ich habe das dann eben zusätzlich noch dabei, 455 aber das Hauptlogbuch ist eben tatsächlich Papier. Ich habe jetzt im letzten Sommer tatsächlich 456 ein junges Mädel erlebt, die das nur noch online macht. Ich glaube das war auch in der SSI-App, 457 dass sie die Logbuchfunktion dort eben nutzt. Sie hat mich dann online unterschreiben lassen auf 458 ihrem Handydisplay. 459 Genau, das wären im Grunde genommen so die online-Medien, die ich so nutze. 460 461 I: Bei den Tools, die du eben genannt hast: Welches davon, würdest du sagen, ist das 462 Wichtigste für dich oder das Besondere? 463 464 B: Ja, das ist natürlich die Frage, wie oft man diese Tools nutzt. Es gibt noch ein 465 zusätzliches Tool. Also SSI hat auch für die Pros dann ein Tool, wo ich die ganzen Folien abgreifen 466 kann. Also, wenn ich jetzt eine Nitrox-Ausbildung machen möchte, dann ‚klick‘ lädt er die Folien 467 runter und ich kann sie am IPad präsentieren und damit eben meine Ausbildung. Also ich muss 468 nicht mehr mich einloggen und PowerPoint runterladen, auf dem PC dann PowerPoint installiert 469 haben und so weiter. Das geht also alles inzwischen in dieser SSI-App, die natürlich schon wichtig 470 ist, wenn man sie braucht. Also da, würde ich sagen, ist das eine riesen Erleichterung, definitiv. 471 Und ja, mein online-Logbuch, da schaue ich dann unterwegs mal rein. Wenn mich einer fragen 472 würde, wann ich den letzten Tauchgang in Frankreich gemacht habe, würde ich da reingucken 473 und nicht mein Logbuch rausziehen. Und wenn es eben mal einen Technischen Tauchgang zu 474 planen gibt, dann brauche ich natürlich auch diese App, wo ich den Tauchgang dann planen 475 kann. Aber es ist nicht so, dass ich dann permanent in diesen Apps bin. Die wichtigste, puh: Also 476 das Logbuch kann ich analog machen. Die Schulung kann ich auch auf andere Art und Weise 477 machen. Aber beim Tauchgangsplan würde ich mich schon extrem schwertun, wenn ich das mit 478 einem Taschenrechner und einem Stück Papier machen würde. Da ist es dann natürlich diese 479 App, die du eigentlich nicht ersetzen kannst. 480 481 I: Verstehe ich das richtig, dass diese App, also die Tauchgangsplanung, dich direkt beim 482 Tauchen selbst unterstützt? Kannst du das genauer erläutern? 483 484 296 B: Ja richtig. Also wenn du so tauchen möchtest, wie du es gelernt hast beim 485 Technischen Tauchen – also ich weiß nicht, wie sehr du da firm bist mit diesen Sachen – dann 486 tauchst du ja nicht nach dem Tauchcomputer, sondern eben nach einem Tauchplan. Und da heißt 487 es dann: ‚Wir tauchen ab, auf soundso viel Meter, sind da soundso lang und tauchen dann wieder 488 auf, bis auf eine bestimmte Tiefe, machen den ersten Deko-Stopp, machen einen Gaswechsel, 489 machen einen zweiten Deko-Stopp und einen dritten Deko-Stopp und sind fertig.‘ So im Groben 490 funktioniert so ein Tauchplan. Im Grunde genommen ist das aber auch nichts Anderes wie beim 491 OWD, wo der Tauchplan: Runter, unten bleiben, auftauchen ist. Und das kannst du dann in einer 492 Tabelle nachgucken. Ob die jetzt von PADI, von SSI oder die Deko2000 von CMAS ist, ist genau 493 das Gleiche. Und das Gleiche ist es bei einem technischen Tauchgang eben auch, nur, dass du 494 noch das Thema Gasverbrauch miteinrechnest, dass du eben dann die Drittel-Regel beachtest 495 und entsprechend Gas übrig hast für den Notfall. Und da hast du dann natürlich ganz andere 496 Berechnungen. Oder wenn dann das Thema Trimix oder Sauerstoff oder sonst eben was 497 reinkommt. Und natürlich auch die Maximaltiefe: Als Sporttaucher interessiert dich nicht, dass die 498 jetzt bei pp02 von 1,6 bei 67 Metern liegt. Das ist dir ja egal. Da kommst du ja eh nie hin. Bei 499 einem technischen Tauchgang, wo die Maximaltiefe dann bei Nitrox 50 bei 21 Metern liegt, ist 500 das natürlich schon interessant zu wissen, und das sollte man vorher in einem Tauchgangsplan 501 durchgespielt haben. Und dann sagt dir die App: ‚Du kannst ja eh auf 21 Metern erst das andere 502 Gemisch tauchen, brauchst also dann noch deine andere Flasche so lange und das dauert ja 503 auch, bis du dort angekommen bist. Dann brauchst du eben entsprechend mehr Gas.‘ Wie 504 gesagt, das haben die früher auch mit der Hand am Arm ausgerechnet, aber es ist natürlich eine 505 riesen Unterstützung. Definitiv. Also tatsächlich brauche ich die nicht oft, aber es ist eine riesige 506 Unterstützung. 507 Und nice-to-have sind so Sachen wie digitale Logbücher, dass du dein Brevet online abrufen 508 kannst, dass du das auf dem Handy den Leuten zeigen kannst. Das ist nice-to-have, aber nicht 509 lebensnotwendig. (lacht) 510 511 I: Und wie ist es im Bereich der Wissenserweiterung? Inwiefern ist es dir möglich dein im 512 Wasser erlerntes, tauchspezifisches Wissen online zu erweitern? 513 514 B: Ja, also tatsächlich, das geht, aber ganz wichtig ist – da gibt es ja den schönen 515 Ausdruck des „Internet Tauchers“: Der taucht nur im Internet und kann da alles – dass du das mit 516 fähigen Leuten live tatsächlich erlernst. Wissen sich theoretisch im Internet anzueignen ist eine 517 super Sache. So machen das ja PADI und SSI schon seit Langem, dass die ganze Theorie vom 518 Schüler online gemacht werden kann, also inklusive Test, und dann nur noch die Fragen 519 besprochen werden. Aber wenn es eben um die tatsächlichen Fähigkeiten geht – ich hatte es ja 520 vorhin gesagt: ‚Wie bringe ich meine Flasche an, dass sie gerade hängt? Wie muss mein 521 297 Flossenschlag sein?‘ Ob das jetzt beim technischen Tauchgang ist, dass ich da meinen 522 Flossenschlag beim Sidemount-Tauchen anpassen muss oder dass ich als OWD-Taucher nicht 523 die Korallen abräume – sowas lässt sich nicht im Internet erlernen. Da kannst du dir Impressionen 524 holen, kannst sehen: ‚Ah, guck mal, der macht das so. Das versuche ich mal.‘ Aber dann bist du 525 im See oder im Meer und brauchst ja trotzdem von irgendjemandem auch ein Feedback. Es 526 müsste dich also jemand filmen, beispielsweise. Also du kannst viele Sachen nicht an dir selbst 527 erkennen, ohne dass da von außen irgendwie etwas passiert. Wenn es nur jemand ist, den du 528 brauchst, der dich filmt und du sagst: ‚Okay, das kann ich selbst beurteilen, ob mein 529 Flossenschlag okay war‘, aber du siehst ihn ja in dem Moment nicht. Also die Wissenserweiterung 530 theoretisch funktioniert, definitiv, wird, wie gesagt, auch so von den Verbänden gemacht, indem 531 man eben die Schüler gar nicht erst in den Tauchladen lässt zum Theorie Lernen – ich glaube 532 optional ist es noch überall möglich, aber man versucht ja die Leute das im home training oder in 533 home study machen zu lassen. Aber die Fertigkeiten, die körperlichen Fertigkeiten die bekommst 534 du – natürlich die ganze Erfahrung und alles andere – die bekommst du nicht im Internet, definitiv 535 nicht! 536 537 I: Dann sind wir jetzt auch schon fast am Ende des Interviews angelangt. 538 539 B: Ach, dann habe ich nur fünf Minuten Zusatz gelabert. (lacht) 540 541 I: (lacht) Deswegen gehen wir jetzt auch nur noch kurz in die Zukunft. Wie würde für dich 542 die perfekte digitale Umgebung im Sinne einer Plattform, eines Tools oder ähnlichem aussehen, 543 die du gerne als Unterstützung deiner Tauchaktivitäten nutzen würdest? 544 545 B: Ja praktisch ist natürlich, wenn alles in einem ist. Also alles, was ich aufgezählt habe, 546 in einer App, im Grunde genommen auf einer Seite: Ob das ein Forum ist, wo ich mich intensiv 547 austauschen kann ins kleinste Detail; oder eben auch eine Art Fotoalbum bei Instagram; oder 548 dann eben auch, wo ich meine Brevets finde, wo ich online loggen kann, wo ich Tauchplätze finde, 549 die bewertet sind – also alles in einer App, auf einer Website, bei einem Anbieter wäre natürlich 550 schön. Aber dann brauche ich dir natürlich auch nicht die Nachteile von so Läden wie Facebook 551 oder was auch immer erklären. Wenn das ein Monopol ist, ist das natürlich auch nicht gut. Es ist 552 aber für den Anwender natürlich deutlich einfacher. Logisch: Der lädt sich eine Sache runter und 553 hat da alles drin. Dann muss er sich das nicht zusammensuchen. Am besten ist es natürlich auch, 554 um ein bisschen auf das Technische zu kommen, wenn es diese Plattformen für alle möglichen 555 Devices gibt, sprich, wenn es das eben nicht nur für Apple, sondern eben auch für Android gibt 556 298 und umgekehrt. Und wenn man sich das dann nicht zusammensuchen muss oder auch erklären 557 muss, dass man anderen einfach sagt: ‚Lade dir die App XY runter – die gibt es übrigens für alle 558 Geräte und die heißt auch nicht wo anders ganz anders.‘ Das sind also so allgemeine Sachen, 559 die sich nicht nur auf das Tauchen beziehen. Ja, für den Anwender ist es am besten, wenn alles 560 an einem Platz ist, aber dann hast du sehr schnell die Gefahr, dass sich ein Monopol entwickelt. 561 Und natürlich auch vom Seitenbetreiber: Der hat ja ein großes Interesse an dem Besten, was 562 jeder von uns zu bieten hat, nämlich das Geld. Also, entweder nutzt er dich als Werbemedium 563 oder er möchte von dir Geld haben. Und sowas wird eben extrem schnell ausgenutzt. Und 564 vielleicht bekommst du dann dort auch nur die Informationen zu sehen, die mehr Geld bringen als 565 andere Informationen oder mehr Klicks bringen – das System kennst du ja von Facebook, das 566 Thema, dass eben Gewalt und Populismus in deiner Timeline nach oben gespült werden, weil du 567 dort wahrscheinlicher draufklickst als auf irgendetwas anderes, was nicht so spannend ist. Dann 568 kann man mehr Geld mit dir verdienen und du bleibst länger auf der Plattform. Genau. 569 570 I: Gibt es sonst noch etwas, was du ergänzen oder loswerden möchtest? 571 572 B: Nein, eigentlich nicht. Also, ich fand es spannend, wie sich das jetzt von der 573 Fragestellung und allem entwickelt hat. Ich bin gespannt, was da draus wird. 574 Mit Sicherheit gibt es da, wenn man sich auch von den Verbänden die Apps anguckt, einiges zu 575 verbessern, nachzuschärfen, vielleicht auch wieder zurückzudrehen. Ich hatte es ja vorhin erzählt, 576 dieses Thema, dass es keine Plastikkärtchen mehr gibt oder geben soll. Das, finde ich, ist eine 577 Entwicklung, die, glaube ich, nicht nur mit meinem Alter zu tun hat. Also ich finde es nicht gut. Ich 578 weiß ehrlich gesagt gar nicht, was der VDST da online anbietet, also in Form von Apps oder der 579 Unterstützung bei der Ausbildung und so weiter. Ich glaube die hängen da ziemlich hinterher, 580 ohne das jetzt wirklich zu wissen. Also da ist wirklich noch einiges zu tun, was von den Verbänden 581 kommen sollte. Ansonsten gibt es natürlich auch schon relativ viel. Ob das jetzt noch zeitgemäß 582 ist, sinnvoll oder nicht, das ist wieder etwas Anderes. Also taucher.net ist ja so eine riesen 583 Website, beispielsweise, oder die diversen Foren, die es gibt. Im amerikanischen oder im 584 englischsprachigen Bereich gibt es übrigens extrem große Taucherforen. Ich glaube da ist es 585 auch noch nicht so Old Fashioned in einem Forum unterwegs zu sein wie im deutschsprachigen 586 Bereich. Das war auch mit der Grund, warum wir gesagt haben, dass wir das XXX Forum auf 587 Deutsch machen, weil es das schlicht und ergreifend nicht gab. Es gibt aber so Sachen wie 588 „Scuba-Forum“, glaube ich heißt es, und noch so ein paar andere. Das ist der Hammer! Was da 589 an Leuten unterwegs ist, was da an neuen Posts generiert wird, also das ist natürlich schon erste 590 Sahne. Aber es ist natürlich auch viel Blödsinn dabei. 591 Gut, also mehr fällt mir jetzt tatsächlich, wirklich nicht ein. (lacht) 592 299 593 I: Das war super – vielen Dank. 594 300 7.4.9 Interview I9 Datum: 29.11.2021 Dauer: 46 Minuten I: Bitte stelle dich und deine Tauchaktivitäten vor. 1 2 B: Ja, mein Name ist XXX, Ich bin seit 2010 am Gerätetauchen und habe kurz danach 3 auch mit Freitauchen angefangen. Beim Gerätetauchen habe ich irgendwas um die 100 4 Tauchgänge, bin Dive Control Specialist, was bei SSI so etwas wie ein Tauchlehrer-Assistent ist, 5 der also auch bei der Ausbildung da assistiert. Und im Freitauchen bin ich Tauchlehrer bei SSI 6 und AIDA und habe da, ich weiß es gar nicht, so etwa 150 Leute inzwischen ausgebildet, seit 7 sieben, acht Jahren oder sowas. 8 9 I: Und wie bist du zum Tauchen gekommen und wer oder was hat dich dabei beeinflusst? 10 11 B: Also dazu gekommen bin ich, weil ich das irgendwie unheimlich fand und gedacht 12 habe: ‚Andere Leute haben das überlebt also probiere ich das auch.‘ (lacht) Also das war 13 tatsächlich eher so ein Thema der Selbstbewegung, aber ich war dann relativ sofort angefixt, weil 14 mich beim Schnuppertauchen ein Tauchlehrer zu alleine gelassen hat und ich einen interessanten 15 Fisch gefunden habe, dem ich dann gleich auf 25 Meter hinterhergeschwommen bin. (lacht) 16 Suboptimal aus Sicht des Tauchlehrers, aber das war so mein Einstieg. 17 Beeinflusst, im Gerätetauchen - also wenig explizite Personen. Das war eher dann im Freitauchen, 18 dass mich da mein erster Instructor natürlich sehr beeinflusst hat. Der hat dafür gesorgt, dass ich 19 dabeigeblieben bin, was im Freitauchen zu machen: Der sehr umstrittene Christian Redl, 20 zumindest unter Freitauchern umstritten, weil er so ein bisschen Massenausbildung macht. Aber 21 ich fand den trotzdem sehr gut. Und ansonsten so ein, zwei Instruktoren, bei denen ich regelmäßig 22 bin und war: Adrea Zuccari und Marco Nones vor allem. Beide sind in Sharm El Sheikh, und die 23 haben - vor allem Marco hat für mich diese ganze Ruhe reingebracht: ‚Es geht um nichts, egal 24 wie tief du jetzt tauchst, mach halt.‘ Vorher habe ich Freitauchen schon so ein bisschen mehr als 25 Wettkampfdisziplin gesehen, ohne explizit in Wettkämpfe zu gehen. Aber den Wettkampf mit mir 26 selbst, im Sinne von: Mehr Meter ist besser. Danach habe ich dann auch irgendwann gedacht: 27 ‚Das ist so unterm Strich, aber ich muss das nicht mehr machen, um mir irgendwas zu beweisen.‘ 28 301 29 I: Was macht das Tauchen für dich besonders? 30 31 B: In beiden Fällen, mit und ohne Gerät, die Entspannung. Ich kann beim Gerätetauchen 32 einfach nur vor mich hindümpeln, selbst in einem deutschen See, wo man nicht viel sieht. Wenn 33 ich gut tariert bin und einfach vor mich hindümpel, bin ich ein sehr zufriedener Mensch. Und beim 34 Freitauchen auch das, ich sage mal gezwungene, Abschalten. Ich mache am liebsten 35 Tieftauchen, eben wie gerade gesagt nicht, um irgendwelche totale Tiefen zu erreichen, sondern 36 um auf dem Weg da runter in so eine innere Ruhe, eine innere Meditation zu kommen. Für mich 37 ist das wirklich Bewegungsmeditation. Weil ich in jedem einzelnen Schritt zwar eine Tätigkeit 38 habe, die aber relativ anspruchslos ist und gerade so viel Gehirnkapazität bindet, dass ich sonst 39 extrem runterfahren kann, also einfach auch vom Arbeitsalltag ein Stück weit. 40 41 I: Das heißt, welchen Stellenwert hat das Tauchen in deinem Leben? 42 43 B: Im Moment einen viel zu Geringen, einfach, weil die Bäder zu waren und ich auch 44 tatsächlich wenig in Ägypten war. Aber ansonsten schon einen sehr Hohen. Seit ich es mache 45 war ich mindestens zweimal die Woche im Wasser, eher mehr, und mindestens ein- bis dreimal 46 im Jahr in Tauchurlauben, ständig im See. Also es ist schon was, was einen sehr hohen 47 Stellenwert hatte. Das Trockentraining und sowas habe ich inzwischen voll runtergeschraubt. Das 48 war in meiner wilden Phase, als ich unbedingt besser werden wollte. Da habe ich teilweise täglich 49 eine Stunde oder anderthalb trocken trainiert. Das mache ich nicht mehr. Aber es hat mich auch 50 auf dem Weg dahin dann noch stärker zum Yoga gebracht, was ich vorher schon gemacht habe, 51 und eben auch hin bis zu Meditation. Tieftauchen ist Unterwasser-Meditation, trocken meditieren. 52 (lacht) Aber es ist trotzdem eine schöne Verbindung von beidem. 53 54 I: Beschreibe mir bitte, wie der ideale Tauchgang für dich aussehen würde. 55 56 B: Der ideale Tauchgang (…) Da gäbe es zwei Richtungen. Also tatsächlich bin ich beim 57 Gerätetauchen, würde ich sagen, irgendwas in einer vernünftigen Tiefe, nicht zu flach, weil ich 58 irgendwie finde, dass mir ab 30 Metern der Wasserdruck und die Geräuschkulisse noch eine 59 gewisse Ruhe geben. Und da dann irgendwelche spektakulären Fische, und spektakulär muss 60 nicht unbedingt groß sein. Es muss einfach nur irgendein interessanter Fisch sein, in den man 61 sich dann so ein bisschen reindenken kann. 62 302 Beim Freitauchen waren meine schönsten Tauchgänge tatsächlich immer Personal Bests, aber 63 einfach, weil es die Personal Bests waren, wo ich extrem gut vorbereitet war und wo ich wusste: 64 ‚Jetzt musst du nur noch auf Halbautomat stellen und einfach abarbeiten, was du eh kannst.‘, und 65 dann komplett tiefenentspannt runter bin, hoch bin und mich unterwegs schon riesig gefreut habe, 66 dass alles mega läuft, und oben dann auch mit so einer tiefen Zufriedenheit ankam, dass die 67 ganzen mechanischen, aber vor allem auch die mentalen Aspekte, glatt gelaufen sind und 68 funktioniert haben. Und dass ich da immer mit einer extremen Ruhe und Zufriedenheit im Positiven 69 - also nicht glücklich oder feiern oder sowas, sondern einfach so: ‚Das war mega.‘ (lacht) Und 70 das auch sehr lange angehen, auch viel in der Erinnerung immer noch. 71 72 I: Ja. Schön. Kannst du mir näher erläutern welche Rolle bei diesen idealen Tauchgängen 73 die Tauchbedingungen vor Ort spielen? 74 75 B: Ja, ja, also tatsächlich für mich eine Große, weil es mir, speziell im Freitauchen, wichtig 76 ist, mit wem ich unterwegs bin, also, dass ich Leute um mich herumhabe, denen ich völlig 77 vertraue, weil sie mich sichern müssen, die mir auch Ruhe geben oder zumindest Ruhe lassen, 78 und idealerweise auch für mich nicht viele Wellen sein sollten. Weil, wenn ich auf dem Rücken 79 liege und entspanne und ein arger Wellengang ist, dann funktioniert das nicht so gut. Also insofern 80 sind die Bedingungen wichtig. Wasserwärme ist nützlich. Wasserklarheit ist mir nicht wichtig. Das 81 brauche ich tatsächlich nicht, weil ich in beiden Fällen gar nicht so wahnsinnig viel sehen muss, 82 sowohl beim Freitauchen nicht, da schaue ich eh nur auf das Seil und schon das nehme ich kaum 83 wahr, und beim Gerätetauchen: Wenn da irgendein Fisch in meiner Nähe ist – perfekt. Und 84 ansonsten kann ich auch einfach nur so leichte Wellenbewegungen genießen. 85 86 I: Welche Rolle spielen dann also die Tier- und Pflanzenwelt? 87 88 B: (…) Ich würde fast sagen eine Untergeordnete. Also ich bin nicht der klassische 89 Schnorchler. Ich finde es total geil, wenn ich irgendetwas Spektakuläres sehe, aber ein kleines 90 Tierchen kann mir genauso viel Spaß machen wie jetzt irgendein riesen Schwarm - vielleicht sogar 91 mehr, weil man sich auf das eine Tier mehr konzentrieren kann als auf den Schwarm. 92 93 I: Welche persönlichen Merkmale kennzeichnen deiner Meinung nach den Typ Apnoe- 94 und den Typ Gerätetaucher? 95 96 303 B: Da ist man natürlich versucht gleich in große Schubladen zu greifen. Also ich glaube, 97 dass das schwer zu standardisieren ist. Ich kenne sowohl beim Gerätetauchen Leute, die extrem 98 sportlich sind, als auch welche, die weniger sportlich sind. Ich würde wahrscheinlich, wenn ich 99 Extreme suchen würde, sagen, dass der Gerätetaucher an sich potenziell unsportlicher ist als der 100 Apnoetaucher. Einfach, weil man für das gute Luftanhalten schon deutlich körperbewusster sein 101 muss, und auch ein Stück weit trainierter sein muss. Aber das ist sehr, sehr schwarz-weiß. Ich 102 glaube beides sind im Idealfall schon Genießer-Typen, aber das muss nicht sein. Also wenn ich 103 beim Apnoetauchen an einen Schnorchler denke oder an einen Speerfischer denke oder an 104 Tieftaucher denke, dann sind das so unterschiedliche Kategorien, dass ich mich schwertue da 105 Gemeinsamkeiten zu finden. Ich glaube aber in beiden Gruppen: Die guten Taucher, die auch 106 lange dabei sind, haben schon irgendwann eine ausgeprägtere innere Ruhe, die sie dann auch 107 ein bisschen ausstrahlen. 108 109 I: Und welche Fähigkeiten müssen diese Taucher haben, um tauchen zu können? 110 111 B: De Facto, für den Einstieg Wenige, um gut zu sein im Grunde genommen das, was ich 112 gerade eben sagte. Also ich glaube tatsächlich in beiden Disziplinen: Eine innere Ruhe, eine 113 Beherrschung der Technik – und im Gerätetauchen ist das dann natürlich die physische Technik, 114 um mich herum auch, dass ich weiß: ‚Wie bediene ich meine Flasche?‘ Wenn ich jetzt 115 Mischgastaucher bin, dann eskaliert das natürlich gleich. Im Freitauchen bei der Technik: Nach 116 unten führen oder meine Strecke schaffen, heißt: Einen schönen, sauberen und entspannten 117 Beinschlag hinzukriegen, heißt beim Tieftauchen natürlich auch zu wissen: ‚Wie mache ich einen 118 Druckausgleich?‘ Und in beiden Fällen finde ich auch eine ausgeprägte emotionale Kontrolle, weil 119 du nicht im falschen Moment Panik bekommen darfst. Und es kann immer mal was falsch laufen. 120 Es kann einfach mal sein, dass – das sollte nicht passieren – aber, dass die Luft weg ist beim 121 Gerätetauchen, dass da irgendwie ein technischer Fehler ist. Es kann sein, dass du beim tiefsten 122 Punkt beim Freitauchen denkst: ‚Das ist aber noch weit.‘ Und dann kann man sagen: ‚Das wusste 123 ich ja vorher (lacht), also gehen wir jetzt halt hoch.‘ Ich glaube diese emotionale Kontrolle ist sehr 124 wichtig. Und ich glaube das sieht man auch bei vielen Guten, in beiden Kategorien, dass die sich 125 emotional wirklich kontrollieren können, bis zu einem gewissen Punkt, wo sie einfach sagen: ‚So, 126 jetzt ist es erledigt, jetzt kann ich feiern.‘ 127 128 I: Welches unter Wasser beobachtete Verhalten ärgert dich? 129 130 304 B: Tatsächlich Rücksichtslosigkeit gegenüber der Umwelt, also auf Riffen rumtappen 131 hauptsächlich; Rücksichtslosigkeit gegenüber dem, was über Jahrhunderte gewachsen ist, Müll 132 wegschmeißen, all diese Sachen. Das ist eine ein bisschen vorhersehbare Antwort (lacht), aber 133 tatsächlich finde ich das die mit Abstand schlimmsten Sachen. Sei es von Einzelpersonen, sei es 134 von irgendwelchen Schiffen, die zu nah ans Riff fahren, oder ja, einfach nur Müll rausschmeißen, 135 Dreck rausschmeißen. Also das finde ich, ist mit Abstand das Schlimmste. 136 137 I: Und was denkst du, ist die Ursache für das Problem? Wo kommt das her? 138 139 B: Zwei Sachen. Einerseits auf jeden Fall grundsätzlich mangelndes Bewusstsein, nach 140 wie vor. Das kann durch die Medien gehen und propagiert werden wie es will, in vielen Köpfen 141 kommt es nicht an oder hat andere Prioritäten. Man muss einfach sagen, ich glaube, wenn es für 142 viele Leute immer noch um das eigene, nackte Überleben geht, dann ist ein Umweltbewusstsein 143 drittrangig. Gegenüber dem Meer speziell ist es aber noch mehr Unbewusstsein, weil das eine 144 große Wasserfläche hat und die Wenigsten wissen, was da unten ist. Den Wenigsten ist bewusst 145 – ja man weiß theoretisch, dass da Fische leben, aber was für ein fragiles Gesamtkonzept das ist, 146 das ist den Wenigsten, glaube ich, ernsthaft bewusst. Und auch da, was ich gerade schon sagte: 147 Viele können oder wollen sich vielleicht den Luxus gar nicht leisten, sich zu viele Gedanken darum 148 zu machen. Und jetzt sind wir da in Deutschland oder in Westeuropa vielleicht in einer besseren 149 Situation, weil wir es uns finanziell eher leisten können. Wirtschaftlicher Wohlstand ist eben einfach 150 eine Möglichkeit sich über solche Probleme mehr Gedanken zu machen. In vielen Anrainerstaaten 151 der Meere ist der Luxus nicht da. Und wenn jedes kleine Getränk in einer Plastikflasche geliefert 152 wird und dazu noch eine Plastiktüte gereicht wird, ist die Versuchung groß, wenn alle anderen 153 das einfach fallen lassen, es auch fallen zu lassen. 154 155 I: Und was würde da helfen? Wann würdest du sagen, dass es besser ist? 156 157 B: Da gibt es, fürchte ich, keine simple Lösung. Eine Verhaltensänderung lässt sich nicht 158 einfach mit einem Schalter umlegen. Klar ist Aufklärung hilfreich. Manche Länder gehen über 159 Verbote von Plastik oder zumindest eine starke Reduktion von Plastik. Das ist sicherlich sehr 160 hilfreich. Es müssen aber gerade die Länder sein, bei denen das Bewusstsein noch nicht 161 ausgeprägt ist. Und bei denen ist das teilweise einfach extrem schwer umzusetzen, weil es eben 162 wieder wirtschaftliche Auswirkungen hat, weil die Länder auch teilweise keine Priorisierung darauf 163 haben. Ich glaube das andere Ende der Geschichte ist dann natürlich, dass wir in unseren 164 Ländern ein ausgeprägteres Bewusstsein, und die Unterstützung dieser Länder, aber auch das 165 305 Einsammeln des ganzen Mülls, der da schon im Meer ist, unterstützen müssen. Klima und analoge 166 Projekte, die, glaube ich, viel stärker vorangebracht werden müssen, wo es dann zwar immer 167 wissenschaftliche Diskussionen gibt, so: ‚Ja, aber das kleine Projekt bringt doch nicht viel.‘ – Nein, 168 aber es tut schon mal deutlich mehr, als wenn man es nicht machen würde. Und wenn man das 169 Faktor zehn, Faktor 100 skaliert, dann bewegt sich schon recht viel. 170 Das Andere ist tatsächlich: An vielen Urlaubsregionen muss man, glaube ich, den Menschen noch 171 bewusster machen: ‚Auf was lauft ihr hier eigentlich? Das ist kein Stein, das ist eine Koralle! Sieht 172 auf den ersten Blick so ähnlich aus, aber nur, weil schon so viele Leute drauf rumgelaufen sind.‘ 173 174 I: Inwiefern wird denn das individuelle Tauchverhalten von außen beeinflusst? 175 176 B: Ich bin mir nicht sicher, ob die Taucher da das Hauptproblem sind. Da gibt es zwar 177 genug, oder immer noch, Taucher, die sich da nicht ganz bewusst sind, aber ich glaube da sind 178 die meisten Ausbildungsorganisationen schon sehr stark drauf bedacht, die Taucher einzufangen 179 und denen klar zu machen, was da passiert. Und wenn man ein paarmal unter Wasser war, kenne 180 ich eigentlich nur die wenigsten, die dann noch wie wilde Stiere über die Riffe schmieden und 181 einfach alles abfräsen. Ich glaube, dass Taucher da das kleinste Problem sind in der 182 Gesamtbetrachtung. Es sind dann immer noch ein paar Leute, die vielleicht nicht besonders gut 183 tarieren können und da wirklich einschlagen. Da muss man dann sicherlich noch ein bisschen an 184 der Ausbildung arbeiten. Aber ich glaube das Bewusstsein ist da schon ausgeprägter als in, 185 wahrscheinlich, allen anderen Bevölkerungsschichten. 186 187 I: Weil du sagtest, dass es besser ist, wenn die Leute schon ein paarmal unter Wasser 188 waren: Verstehe ich das richtig, dass dann die Schnuppertaucher einen größeren Faktor spielen? 189 190 B: Es kommt wahrscheinlich sehr stark darauf an, wo die Anfänger sind, aber ich glaube 191 tatsächlich, dass das nicht so extrem ist. Die Anfängerausbildung, die ich kenne - wenn ich die in 192 Deutschland anschaue ist es eh im Pool, bis die Leute einigermaßen tarieren können. Dann 193 können sie in einem typischen Baggersee auch nicht so viel kaputtmachen. Wenn ich ans Meer 194 denke und dort die Anfängerausbildung, dann ist das meistens auf Sandhalden, wo du nicht direkt 195 am Riff unterwegs bist. Da kann man sicherlich noch optimieren, aber wahrscheinlich muss man 196 dann eher auf den einzelnen Tauchlehrer achten, dass der sich dann Plätze raussucht, wo der 197 Anfänger weniger kaputtmachen kann. Ich glaube aber trotzdem, dass wir da bei Tauchern im 198 Allgemeinen auf einem relativ hohen Niveau sind. 199 306 200 I: Und wie steht es um das Bewusstsein um die eigene Vorbildfunktion der Taucher? 201 202 B: Das ist wahrscheinlich sehr unterschiedlich. Die meisten Ausbilder, die ich kenne, sind 203 sich dessen schon sehr bewusst, dass sie ein Vorbild haben und dass sie auch Leute darauf 204 hinweisen. Wenn jemand, also nicht nur die eigenen Taucher in meiner Gruppe, sondern wenn 205 jemand auf dem Riff rumläuft, dass man den aktiv anspricht und sagt: ‚Mach das nicht.‘ Aber nicht 206 nur ‚mach‘s nicht‘, sondern auch erklärt, warum: ‚Das sind Korallen, das lebt. Die sterben. Die 207 brauchen 400 Jahre.‘ Ich glaube die meisten Ausbilder, zumindest die die ich kenne, sind sich 208 dessen bewusst und leben das auch ein Stück weit. Auch da – natürlich kann man immer besser 209 sein. Natürlich kann man sich immer mehr engagieren. Aber richtige Katastrophen habe ich da 210 eigentlich noch nicht erlebt. 211 212 I: Jetzt hast du vor allem die Tauchausbilder in den Fokus gestellt. Gibt es noch andere 213 Gruppen, die da wichtig sind? 214 215 B: Na ja, letzten Endes sind es natürlich die Organisationen, die dahinterstecken, hinter 216 den Ausbildern. Wobei das natürlich immer etwas ist, was sich überlappt. SSI, PADI, AIDA, CMAS 217 – unterm Strich, auch wenn sie sagen, dass sie zum Teil ehrenamtlich sind – es sind kommerzielle 218 Organisationen. Die wollen natürlich Umsatz machen. Und natürlich hast du auch viele Ausbilder, 219 viele Basen, die davon leben wollen oder müssen. Es kommt dann aber trotzdem auf den 220 Einzelnen stärker an, als auf die Organisation. Ich werde regelmäßig gefragt: ‚Bei welcher 221 Organisation soll ich denn meine Ausbildung machen?‘ Ich finde, dass es da keine Antwort darauf 222 gibt. Die Frage ist: ‚Bei welchem Ausbilder sollte man den Kurs machen; wer ist der Typ/die Frau; 223 kann ich mit denen menschlich umgehen; halte ich von denen was?‘ Und dann versuche ich lieber 224 die kennenzulernen, als zu sagen: ‚Ich will unbedingt SSI.‘ Klar, wenn ich meine ganze Ausbildung 225 schon bei SSI habe, dann bleibe ich da. Wenn ich meine ganze Ausbildung bei CMAS oder dem 226 VDST habe, bleibe ich da. Bei den Basen ist das ein Stück weit, zu dem Thema was ich vorher 227 schon gesagt habe: Wirtschaftlich. Das betrifft nicht nur einzelne Länder, sondern auch die Basen. 228 Die müssen wirtschaftlich arbeiten und manche sind da sicherlich, oder potenziell, in einem 229 Bereich, wo man darauf achten muss, ob das dann noch langfristig Sinn ergibt – tatsächlich aus 230 der Sicht dort irgendwas zu zerstören, weil sie sich ja unter Umständen auch den eigenen Ast 231 abgraben oder abschlagen. Aber auch da glaube ich – und jetzt muss ich sagen, dass ich relativ 232 wenige negative Erfahrungen gemacht habe – vielleicht hatte ich einfach Glück, aber ich hatte 233 tatsächlich wirklich wenige schlimme Erlebnisse, wo ich gedacht habe: ‚Uh, das ist jetzt eine 234 katastrophale Base.‘ Das einzige Mal war in Alexandria, im Hafenbecken, und da müssen wir uns 235 307 nichts vormachen: Da hat nichts gelebt. (schüttelt den Kopf und lacht) Das war ein kommerzieller 236 Schiffshafen. Da war alles tot! Alle anderen Basen, glaube ich – du hast immer Leute, die sich 237 sehr bewusst sind, wo sie da unterwegs sind, die das genießen und auch erhalten wollen. 238 239 I: Dann kommen wir jetzt zum Thema Kommunikation im digitalen Zeitalter. Über welche 240 Kanäle erreichst du mit deinen Aktivitäten rund ums Tauchen andere Taucher? 241 242 B: Ich persönlich tatsächlich wenig, also, wenn dann tatsächlich Facebook. Und 243 ansonsten allenfalls das, was die Organisationen AIDA, SSI als Plattform bieten. Ich nutze das in 244 einem überschaubaren Maß und das ist weniger geworden, muss ich auch sagen. Also zu dem, 245 was ich vorher sagte: In der Anfangsphase, da war Facebook auch noch was und da war ich da 246 sehr aktiv da drauf. Weil es natürlich eine Möglichkeit ist, die Leute, die man über die ganze Welt 247 hinweg kennengelernt hat, weiterhin im Kontakt zu behalten. Aber natürlich auch um zu zeigen, 248 wie gut ich jetzt gerade wieder war, also auch so dieses Lob abholen. Und das ist tatsächlich 249 weniger geworden, weil ich irgendwann gedacht habe, dass ich das doch nur mache, weil ich 250 Spaß haben will: ‚Ich brauche gar nicht von anderen Leuten gelobt werden.‘ Ich nutze es 251 tatsächlich immer noch, um mit einzelnen, ausgesuchten Leuten in Kontakt zu bleiben, aber nicht 252 mehr so sehr als Medium der Massenbeschallung. Auch, was jetzt Tauchschüler von mir selbst 253 anbelangt: Mit denen bleibe ich darüber in Kontakt, zum Teil, biete denen natürlich auch die 254 Möglichkeit an, mich für alle weiteren Fragen zu kontaktieren, aber tatsächlich ist das dann mehr 255 im Bereich WhatsApp oder ähnliches. Das ist, glaube ich, im Moment das, was ich deutlich, 256 deutlich mehr nutze, um da direkten Kontakt zu haben - WhatsApp und Threema. 257 258 I: Und gibt es dann je nach Medium und je nach Taucher Unterschiede in deiner Art zu 259 kommunizieren, also je nachdem, wen genau du ansprechen willst? 260 261 B: Ich hoffe nicht. (lacht) Also ich versuche es tatsächlich nicht groß zu unterscheiden. 262 Also, man merkt tatsächlich einen Unterschied, ob ich jetzt tippe – dann sind meine Antworten 263 eher kurz. Aber typischer Weise nutze ich diese Diktierfunktion und dann sind meine Antworten 264 auch in einer normalen Länge, wie ich es auch so machen würde. Also, ich versuche da 265 tatsächlich nicht zu unterscheiden. 266 267 I: Mit normaler Länge meinst du, wie du mit einer Person normal sprechen würdest? 268 269 308 B: Ja. Genau, genau. Vielleicht nicht ganz so lange, wie wenn ich jetzt mit dir quasi eine 270 geplante Stunde telefoniere oder einen Teams-Call mache, aber sei es, dass ich auf Teams eine 271 Nachricht schreibe oder einen ganz kurzen Anruf mache. 272 273 I: Okay. Welche auf das Tauchen bezogenen Inhalte und Fachbereiche wecken dein 274 Interesse? 275 276 B: (…) Fachbereiche im Sinne: Freitauchen vs. Gerätetauchen? Dann beide, aber 277 Freitauchen sicherlich mehr. Da auch eher der sportliche Bereich. Also, was ich mir tatsächlich 278 sehr gerne anschaue sind Tieftauchwettkämpfe. Gott sei Dank gibt es Diveye, dass man die auch 279 komplett verfolgen kann. Aber, was nicht so sehr im Fachbereich vom Tauchen ist, ist aber das 280 Thema: Ein bisschen ausgeprägteres Umweltbewusstsein. Das sind tatsächlich die Bereiche, die 281 mich eher interessieren. Was mich langfristig interessieren würde wäre das technische Tauchen 282 mit Flasche. Aber das ist zeitabhängig und, wenn ich mein aktuelles Gerätetauchverhalten 283 anschaue, eher in ferner Zukunft. 284 285 I: Wie müssen denn die digitalen Inhalte präsentiert sein, dass du ihnen tatsächlich deine 286 ganze Aufmerksamkeit zuwendest? 287 288 B: Ich glaube, dass es am meisten bei mir ziehen würde, wenn es eine relativ kurze 289 Summary am Anfang hätte. Also tatsächlich aus dem Berufsalltag kommend, zu sagen: Eine 290 mehrzeilige, saubere Executive Summary, bei der ich mich dann noch anschließend noch weiter 291 eingraben kann – ob das jetzt ein Text oder ein Video ist, ist zweitrangig oder in welcher Form 292 auch immer. Aber ein relativ kurzer, nicht ein Teaser, kein brutaler, übersimplifizierter Aufhänger, 293 sondern eine vernünftige Summary und dann eben die Möglichkeit auch tatsächlich tiefer in 294 Themen einzutauchen, in einer seriösen Weise dargeboten. Also, was ich grauenhaft finde ist, 295 wenn ich irgendwelche reißerischen Dinge – also keine Ahnung – wenn ich jetzt einfach mal bei 296 YouTube reinschaue, ist jedes zweite Bild entweder erstaunt oder sonst irgendwelche extremen 297 Ausdrücke. Das stößt mich mit Abstand ab! Da will ich eigentlich schon gar nicht reinklicken, 298 selbst wenn dann der Titel oder die Überschrift an sich interessant klingt. Ich finde, was tatsächlich 299 an vielen Stellen fehlt, ist eine ausgeprägtere Ernsthaftigkeit und Seriosität. Auch das mag 300 vielleicht ein bisschen Old School sein, aber ich finde - da sind wir ganz weit vom vernünftigen 301 Weg weggekommen – es sollte faktenbasiert sein und trotzdem unterhaltsam sein. Aber trotzdem 302 faktenbasiert und nicht zu sehr, sei es auf Klicks, sei es auf sonst irgendwelche reißerischen 303 Reaktionen da zu beruhen. 304 309 305 I: Hättest du da ein Beispiel, wo alles stimmig ist, mit Executive Summary zum Beispiel? 306 307 B: Jetzt nichts Konkretes, was nicht aus dem beruflichen Umfeld kommt. (lacht) Aber ich 308 schaue im Moment relativ viele Finanz-YouTuber und da gibt es schon ein paar sehr gute, die das 309 wirklich seriös aufbereiten, und es gibt welche – ich meine der Finanzbereich ist traditionell für 310 Lug und Betrug offen und für irgendwelche reißerischen Dinge, wenn du da einfach reinschaust 311 hast du wahrscheinlich 90 Prozent, wo du nur denkst: ‚Die will ich gar nicht haben.‘ Und ein Paar, 312 die vielleicht auf den ersten Blick gar nicht spannend wirken, aber, wenn man sich ein bisschen 313 weiter damit beschäftigt, auf eine ruhige aber trotzdem kompetente Art Inhalte rüberbringen. 314 315 I: Verstehe ich das richtig, dass du also trotz der reißerischen Inhalte und ähnlichem gerne 316 auf YouTube suchst? 317 318 B: Das ist mein Hauptmedium, würde ich sagen. Halt nicht zu sehr im taucherischen 319 Bereich, da ist es wirklich, wenn Wettkämpfe sind, aber jetzt gar nicht so sehr aus der Sicht: ‚Ich 320 möchte Fischvideos sehen.‘ Sowas schaue ich mir lieber selbst an, oder: ‚Ich muss mich da 321 fortbilden.‘ Da gehe ich einfach davon aus, dass ich da schon relativ viel weiß und gehe dann 322 lieber zu Coaches direkt. Die wissen wo meine Problemfelder sind. Ansonsten bin ich eher so in 323 allen möglichen anderen Feldern viel auf YouTube unterwegs. Sehr selektiv. 324 325 I: Dann kommen wir jetzt zu dem Bereich, der sich auf die von die genutzten online-Tools 326 und ihre Wirkungsweise bezieht. Welche digitalen Angebote nutzt du konkret als Unterstützung 327 zum Tauchen? 328 329 B: Primär tatsächlich das, was die Tauchorganisationen anbieten, also für die Ausbildung, 330 eigentlich auch bei AIDA und SSI, bei denen bin ich Instructor. Und ich finde, dass AIDA das über 331 die letzten Jahre sehr gut gemacht, dass die inzwischen relativ gute Ausbildungsvideos haben, 332 die man auch, ohne sich dafür schämen zu müssen, an irgendwelche Schüler weitergeben kann, 333 was ein riesen Fortschritt ist. Früher waren selbst die PowerPoint-Präsentationen grauselig. Da 334 konntest du nicht mal die nutzen. Das hat sich, finde ich, deutlich verbessert. Ansonsten – ich 335 weiß nicht, ob du dich daran erinnerst – es gibt sehr schöne Videos über Blackouts in Riga. (lacht) 336 Also da tatsächlich YouTube, manchmal wirklich gerne als abschreckendes Beispiel, weil, speziell 337 in der Ausbildung natürlich, das Thema Blackout, Samba und sowas wichtig sind, und weil das 338 310 natürlich schwierig ist vorzumachen. Man möchte das gar nicht vormachen. (lacht) Und dafür gibt 339 es eben sehr gute Videos, die eben auf YouTube oder runterladbar sind. Das finde ich eine sehr, 340 sehr nützliche Plattformen. 341 Ansonsten, was ich auch nutze ist taucher.net und solche Plattformen, aber da fehlt mir persönlich 342 etwas, wo ich wirklich eine schöne Übersicht habe über: Was sind die besten Tauchgebiete und 343 wie sind die topographisch aufgebaut? Also jetzt aus meiner Sicht: Wenn ich jetzt hier an 344 irgendeinen See gehen würde – wo sind meine Tiefenlinien? Wo ist mein vernünftigster, tiefster 345 Punkt? Und das in einer vernünftigen, hochwertigen Weise. Taucher.net und andere Plattformen 346 bieten das so ein bisschen an, aber ich finde, dass das auf einem relativ schlechten Niveau ist, 347 was natürlich der Tatsache zugestanden ist, dass das alles oder das Meiste irgendwie von 348 Freiwilligen selbst da hochgeladen wird. Aber ich finde, dass da eine gewisse Professionalisierung 349 echt nützlich wäre. Einfach, jetzt aus meiner eigenen Perspektive wüsste ich halt gerne, wie tief 350 das Ding überhaupt ist. Und einfach nur rauszufinden, wie tief der See überhaupt ist, ist schon 351 schwer, geschweige denn: Wo müsste ich hin? Entweder kennt man da jemanden oder hat ein 352 Center da oder ja. Da tatsächlich eine vernünftige Angabe zu finden finde ich jetzt nicht so trivial. 353 354 I: Okay. Zuerst hattest du AIDA und ähnliche mit ihren Ausbildungsunterlagen genannt. 355 Das heißt, da findest du aus Ausbildersicht das Angebot gut? 356 357 B: Äh nein! Gut wäre echt schön! Okay. (lacht) 358 359 I: Ach so, ich dachte im Vergleich, wäre das so wie du es nutzen möchtest… 360 361 B: Überhaupt nicht! Ich finde es okay. Ich arrangiere mich mit dem, was da angeboten 362 wird und nutze dann das, was die haben, weil ich natürlich in dem Moment ein Repräsentant von 363 AIDA oder von SSI bin, aber das, was ich vorher sagte: Es ist nicht so wichtig, welche Organisation 364 du hast – du buchst immer den Instructor. Und ich glaube, wenn du irgendeine Theoriesession 365 bei mir hast, dann ist die relativ ähnlich, unabhängig davon ob ich jetzt AIDA- oder SSI-Slides 366 auflege, weil ich auch die Struktur von denen nicht einmal einhalte. Ein simples Beispiel: Der AIDA-367 Anfängerkurs im Freitauchen fängt an mit Physiologie. Also da lernst du erst mal den Körper des 368 Tauchers kennen. Wo ist die Lunge, und all solche Sachen, und wie funktioniert mein Kreislauf? 369 Wenn du ganz neu in den Sport reinkommst ist das erst mal eine mit dem Hammer übergerieben. 370 Das fängt viel zu sehr im Detail an und das ist die erste Viertelstunde. Da fand ich tatsächlich SSI 371 von der Didaktik besser. Die fangen erst mal an mit: Was ist das Equipment? Und da kann man, 372 finde ich, schön darüber erzählen und ein bisschen ins Schwadronieren kommen, die Leute 373 311 können was anfassen. Und da sieht man schon mal, selbst wenn du ein Gerätetaucher bist, dass 374 eine Freitauchflosse anders aussieht als eine Geräteflosse. Das ist so ein bisschen ein sanfterer 375 Weg. 376 Nein. Ich glaube da haben alle Organisationen noch deutliche Verbesserungspotenziale. Auch da 377 wieder: Die haben ja keinen großen Anreiz ihre Materialien zu verbessern. Der Instructor hat ein 378 Interesse daran Schüler zu bespaßen. Der Instructor verdient daran, die Organisation mit, aber 379 solange der Druck von den Instruktoren nicht groß genug ist, dass die sagen: ‚Mit dem Material 380 machen wir nichts mehr‘, dann haben die Organisationen ja kein ausgeprägtes Incentive sich zu 381 bewegen. SSI vielleicht noch etwas mehr, weil es eine kommerzielle Organisation ist. AIDA macht 382 die ganze Aus- und Fortbildung auf freiwilliger Basis. Das heißt, irgendein paar Freiwillige müssen 383 sich hinsetzen und die Ausbildung komplett überarbeiten, wohlwissend, dass wahrscheinlich, 384 sobald sie es veröffentlichen, 50 Leute es doch erst mal kritisieren, dass man es doch hätte besser 385 machen können, aber es in dem Moment nicht selbst machen wollten! 386 Also insofern sind da riesen Potenziale zu heben. Aber ich glaube trotzdem, wichtig ist eher das, 387 was ein Instructor daraus macht. Und da sieht man ja auch sehr, sehr große Unterschiede, nicht 388 nur wer es ist, sondern auch wo der Instructor ist. Also, meine Ausbildung ist jetzt in Deutschland, 389 im Pool, und die Theorie findet in einem Seminarraum statt und ist dann erst mal drei Stunden 390 abgeschlossen. Wenn ich jetzt irgendwo am Meer bin, dann ist die Theorie meistens eine halbe 391 Stunde bis Stunde. Das ist bei ganz vielen Centern, weil die sagen: ‚Aber die Leute wollen doch 392 ins Wasser. Die sind doch nicht hier, um sich bei 35 Grad in einen Raum zu setzen und erstmal 393 mir zuzuhören wie ich labere. Die wollen ins Wasser.‘ Also da ist dann der Schwerpunkt ganz 394 anders. Da geht der Schwerpunkt auch relativ schnell in die Tiefe, wo der bei uns hier immer in 395 der Waagerechten bleibt. Also ich glaube auch da kommt das nochmal sehr stark auf den 396 Instructor an, auch auf dessen Erfahrung: Wie gut ist der jeweilige Instructor und wie gehen die 397 mit den Schülern um? Ich finde das auch viel wichtiger, als dass das Material jetzt gut ist. Das 398 Material für die Instructor-Ausbildung – das muss gut sein! Auch das hängt wieder davon ab, wer 399 der Instructor für die ist. Und spätestens da, würde ich sagen, da muss man sich aussuchen: ‚Von 400 wem will ich denn selbst als Instructor ausgebildet werden?‘ Wenn ich bis dahin noch keine 401 Meinung habe, mit wem ich da zusammenarbeiten kann, von wem ich was lernen will, ich glaube 402 dann sollte man das nicht machen. Dann sollte man lieber selbst tauchen und Spaß daran haben. 403 404 I: Okay. Dennoch nochmal zurück zu den online-Tools. Gibt es irgendetwas, was du 405 anderen Tauchern empfehlen würdest, zum Beispiel den Tauchanfängern, wenn du die 406 unterrichtest? 407 408 312 B: Ja, ja definitiv. Also auch da wieder relativ simpel: Ich würde denen durchaus einige 409 YouTube-Kanäle empfehlen. Da gibt es einige von, wie ich finde, guten Freitauchern, die auch vor 410 allem gute Videos haben. Dann kommt es natürlich darauf an: Bist du eher der lustige Typ – dann 411 schaust du eher einen Adam Stern an; bist du eher jemand, der es seriös haben will – dann ist es 412 eher ein Harry Chamas. Ja, aber da gibt es genug oder ein paar gute Kanäle, die man relativ gut 413 empfehlen kann. Bin ich eher der wissenschaftlich Fundierte, dann bin ich bei - ich vergesse 414 immer wie er heißt, der alte Mann, der immer mindestens eine-Stunde-Videos macht. Ich glaube 415 du weißt, wen ich meine, sitzt in Israel, Aharon Solomons, der wirklich sehr, sehr gut ist, sehr 416 fundiert, aber das muss man auch aussitzen können. Deshalb kommt es so ein bisschen drauf 417 an: Welcher Schüler-Typ bin ich denn? Bin ich jemand, der einfach cool entertained werden will? 418 Oder bin ich jemand: ‚Hey, ich habe vier Stunden Zeit, ich kann mir jetzt drei Solomons Videos 419 anschauen, aber dafür sind sie fundiert. 420 421 I: Und gibt es konkrete Inhalte, online, also Inhalte oder Fachbereiche, die dich beim 422 Tauchen selbst unterstützen? 423 424 B: (…) Ich glaube früher mehr. Abgesehen natürlich von der Reiseplanung und solche 425 Sachen. (lacht) Das ist natürlich extrem wichtig. Aber ich glaube früher mehr. Also ich würde jetzt 426 nicht sagen, dass ich inzwischen zu fortgeschritten bin. Ich bin wahrscheinlich inzwischen zu 427 nischig, muss man sagen. Ich habe wenige Bereiche, wo ich sagen würde: ‚Das täte mich 428 interessieren.‘ Keine Ahnung, es gibt bestimmt total spannende Speerfisch-Videos, ist aber nun 429 mal gar nicht mein Ding. Ich will keine Fische schießen. Aber da, kann ich mir vorstellen, gibt es 430 mega spannende Sachen. Ich glaube wirklich, dass es im tauchmedizinischen Bereich 431 unglaublich spannende Sachen gibt, wirklich spannende Inhalte. Da bin ich aber zu wenig Nerd 432 für. Was ich tatsächlich ganz gerne habe ist dann eher lieber mal jemand, den ich in einem online-433 Coaching mir dazu hole, was für mich den Vorteil hat: Da weiß ich, wen ich da habe – Leute, mit 434 denen ich schon irgendwo getaucht bin, die halt jetzt nicht hier sind, sondern woanders. Da finde 435 ich das für mich persönlich in meinem Stadium praktischer, weil ich die Individualität schätze. Und 436 da hat natürlich jetzt auch Teams, Webex, was auch immer, uns einen riesen Sprung beschert, 437 dass wir einfach kreuz und quer in Kontakt treten können, was ich finde, dass es tatsächlich ein 438 riesen Mehrwert ist. Ein konkretes Beispiel: Druckausgleich. Druckausgleich ist ja ein unglaublich 439 spaßiges Thema, wo ich diese ganzen Details im Mund-Rachen-Raum kennenlernen kann und 440 muss, und Luftballons aufblase und sowas. Wenn ich mir da jetzt irgendein Video anschaue oder 441 eine Massenbespaßung mache, bei irgendeinem Gruppentraining, würde mir in meinem jetzigen 442 Stadion das, glaube ich, nicht so viel helfen, weil ich das Meiste theoretisch kenne. Trotzdem kann 443 ich nicht alles oder habe es wieder vergessen. Also hilft es mir dann mehr mit Andrea Zuccari ein 444 one-to-one online-Coaching zu haben, wo er mir einfach zuschaut, wie ich irgendwas mache, was 445 313 natürlich für den geneigten Zuschauer, der dann in der Raum reinkommt, völlig bizarr wirkt, aber 446 was tatsächlich ein echter Mehrnutzen ist. Ich glaube in früheren Stadien, also, wenn ich jetzt ein 447 paar Jahre zurückdenke, hätte ich in der Tat gerne an, sei es an Webinaren oder eben auch 448 Präsenzthemen teilgenommen, aber Webinare sind da auch deutlich besser. Oder auch eine Sara 449 Campbell bietet Trainingsserien an, auch als Download und sowas. Ich glaube das fände ich auch 450 sehr nützlich. 451 452 I: Okay. Dann sind wir jetzt auch schon fast am Ende des Interviews angelangt. Zukünftig: 453 Wie würde für dich die perfekte digitale Umgebung, in Sinne einer Plattform, eines Tools oder 454 ähnlichem, aussehen, die du gerne zur Unterstützung deiner Tauchaktivitäten nutzen würdest? 455 456 B: Also in ganz simplen Worten fände ich sowas wie taucher.net nur deutlich besser und 457 moderner nicht schlecht, weil das schon so eine schöne Breite hat, wo wirklich jeder so ein 458 bisschen sein Ding raussuchen kann, wo ich auch in einzelnen Themenfeldern mich tief vergraben 459 kann. Aber es müsste wirklich, deutlich, deutlich besser so Themenblöcke verlinken, wie 460 Ausbildung, wie eben auch die Möglichkeit: ‚Wie kann ich mehr Wissen aneignen in meinem 461 aktuellen Status?‘ oder aber auch mich anteasern. Ich glaube für viele Leute ist es einfach 462 spannend, sich irgendwelche Tauchvideos von anderen anzuschauen. Oder, um vom Video 463 wegzukommen, das dann idealerweise auch in VR oder ähnliches darzustellen. Wenn man das 464 irgendwann umsetzen könnte, das wäre natürlich richtiger Luxus. Aber eben auch, wo ich dann 465 diesen tauchmedizinischen Bereich dabei habe und, was ich vorher sagte, auch so ein bisschen 466 Tauchziele. Das können Nahziele sein, also hier der See um die Ecke, den ich vielleicht wirklich 467 noch nicht kannte. Aber eben auch: Wo kann ich denn wirklich geil freitauchen? Oder 468 Gerätetauchen? Also wirklich so eine Allrounder-Plattform fände ich gut. Das ist natürlich, glaube 469 ich, extrem schwer umzusetzen, weil das irgendwer pflegen muss und ein professionelles Niveau 470 hochhalten muss. Und, wenn du ein professionelles Niveau hochhältst, musst du damit auch 471 Einnahmen generieren. Und da sehe ich so ein bisschen die Krux, weil – definitiv bei Freitauchern, 472 aber zumindest bei einem großen Teil auch bei Gerätetauchern – Geld immer ein Thema ist. Dass 473 also im Zahlungsfall ich nicht sicher wäre, wie bereit die jeweiligen Gruppen wären entsprechend 474 auch zu investieren und für eine Mitgliedschaft auch Beiträge zahlen würden oder pro Nutzung 475 oder was auch immer. 476 Also ich glaube das ist – vielleicht auch noch zu deiner vorherigen Frage von ganz am Anfang: 477 Was ist so ein gemeinsamer Nenner von Tauchern? Ich glaube über viele kann man sagen so 478 eine finanzielle Knappheit. Also speziell in der Freitauchwelt ist das, zumindest, wenn ich in 479 Urlaubsregionen schaue, ein riesen Ding. Auch wenn ich selbst als Ausbilder schaue sehe ich 480 das schon, dass da immer noch ein ausgeprägtes Kostenbewusstsein ist, was du in vielen 481 314 anderen Branchen sicherlich nicht so hast. Es wäre schön, wenn es da was gäbe, aber das 482 Wirtschaftsmodell dahinter würde mich dann auch interessieren. (lacht) 483 484 I: Gibt es sonst noch etwas, was du ergänzen oder loswerden möchtest? 485 486 B: Nein, ich glaube jetzt habe ich genug geredet. (lacht)487 315 7.4.10 Interview I10 Datum: 30.11.2021 Dauer: 46 Minuten I: Bitte stelle dich und deine Tauchaktivitäten vor. 1 2 B: Ja, ich bin XXX, ich habe für das Magazin Tauchen zehn Jahre fest gearbeitet und bin 3 jetzt für die weiterhin noch als Autor aktiv. Ich tauche seit – Moment seit wann tauche ich? 1999 4 habe ich angefangen und ich habe ziemlich viele Ecken betaucht, die Klassiker: Mittelmeer, Rotes 5 Meer, in Asien war ich unterwegs und hauptsächlich, schwerpunktmäßig die letzten zehn Jahre 6 in der Karibik. 7 8 I: Und wie bist du zum Tauchen gekommen und wer oder was hat dich dabei beeinflusst? 9 10 B: Das fing in den 80er Jahren schon an, über das Schnorcheln, glaube ich, wie alle bin 11 ich da reingekommen. Aber ein Freund von mir, der hat schon damals getaucht, in den 80ern, 12 was ich schon extrem ungewöhnlich und merkwürdig fand: In den Baggerseen und sowas und 13 alleine und mit Flasche. Das fand ich einfach ein bisschen unheimlich, aber das hat mich eben 14 sehr neugierig gemacht. Und eines Tages kam er dann nach XXX – er ist mittlerweile nach 15 Neuseeland gezogen – mit einem riesigen Schwung Unterwasserfotos. Die hat man in den 90ern 16 nicht so oft gesehen. Und das hat mich total fasziniert, was ich da gesehen habe. Und dann 17 dachte ich: ‚Ich muss irgendwann so einen Tauchschein machen. Das ist ja irre!‘ Ja, da war diese 18 Bilderflut noch nicht so da wie jetzt. Jetzt ist das ja vollkommen normal auf Facebook: Alle Leute 19 posten ihre Unterwasserfotos. Das war damals etwas völlig Exotisches und das hat mich angefixt 20 und so ging es dann immer weiter. Irgendwann waren wir dann mal auf Fuerteventura und dann 21 habe ich da gelesen: „Tauchschein“ und so fing das Ganze an. Dann habe ich einen Tauchschein 22 gemacht. 23 24 I: Ja cool. Und in welchen Disziplinen tauchst du denn hauptsächlich? 25 26 B: Disziplinen? Ich bin eigentlich Sporttaucher. Also ich tauche natürlich keine Disziplinen, 27 auch kein Sport in dem Sinne. Es heißt ja Sporttaucher, aber ich liebe eigentlich eher warmes 28 316 Wasser, ich tauche nicht in irgendwelchen Wettbewerben oder um Tiefenrekorde zu reißen oder 29 besonders lange die Luft anzuhalten. Mich interessiert es einfach, völlig relaxed die 30 Unterwasserwelt anzusehen. Und die Hauptmotivation sind eigentlich Fische. Also viele Leute 31 interessieren sich ja für Wracks oder wollen irgendwelche Höhlen erkunden und ich fand schon 32 immer die Fische, Karibikfische, spannend, und Haie. Das war immer so meine Faszination mal 33 Haie hautnah zu sehen. Ja, that’s it. 34 35 I: Ist das dann auch das, was das Tauchen für dich besonders macht? 36 37 B: Ja, absolut, dass man zu so großen Tieren so nahekommt und die Interaktion, Fische 38 beobachten – das finde ich interessant. 39 40 I: Weil du jetzt gerade schon Interaktionen genannt hast: Wie sieht die denn aus? Kannst 41 du das genauer beschreiben? 42 43 B: Interaktion. Du siehst ja gerade mit dem Kollegen (zeigt auf ein Foto hinter sich, auf 44 dem er Haie füttert), dass ich die Chance hatte, die das erste Mal einfach so zu sehen. Und dann 45 natürlich auf Roatan habe ich das das erste Mal mitbekommen, bei diesen Anköderungen, wo 46 Haie angeködert werden, da kommt man schon sehr nahe dran. Die interessieren sich natürlich 47 nicht für die Taucher. Die interessieren sich in erster Linie für das Futter oder für den Menschen, 48 der die füttert, sprich diese Köderbox da hinlegt. Oder wie ich hier in dem Fall (zeigt nochmals auf 49 das Foto) aktiv füttert. Und wenn du da zusiehst, bist du schon nah dran, viel näher als sonst, weil 50 Haie meistens sehr scheu sind, wenn es nicht gerade Tigerhaie oder Weiße Haie sind. Aber die 51 anderen, die ich so erlebt habe - Longimani, also Weißspitzenhochseehaie sind auch furchtlos 52 und extrem neugierig. Aber andere Haie sind doch sehr scheu. Und wenn man die so sieht und 53 rumpaddelt und so: ‚Oh, da ist ein Hai!‘, dann schwimmen die meistens immer gleich weg. Und 54 beim Füttern ist das natürlich was Anderes: Da ist Nahrung im Spiel, die auch auf verschiedene 55 Weise präsentiert wird. Da wird dann so eine Baitbox hingelegt, das ist so eine Schublade, da 56 sind so ein paar Fischköpfe, Fischkarkassen drin. Baitbox nennt sich das. Die wird dann geöffnet 57 und dann schwimmt der weg und die holen dann diese Fischreste selbst raus. Dann gibt es diesen 58 Baitball: Da wird also ein gefrorener Fischklotz, meist in so einer Waschmaschinentonne, 59 Fischabfall gefroren, ins Wasser gelassen, der schmilzt dann, die Fische können sich dann selbst 60 da bedienen – nicht nur Haie, natürlich auch Zackenbarsche, Barrakudas. Alles was da 61 rumschwimmt beißt da munter zu. Und das ist irre, die bei diesem Feed-Vorgang zu beobachten. 62 Oder hier auf den Bahamas konnte ich selbst die Ausbildung zum Shark Feeder vor zwei Jahren 63 317 machen. Das fand ich super interessant, weil du da natürlich super nah dran bist. Da interessieren 64 sie sich wirklich nur für dich! Ich bin der, der da den Stab einführt und den Fischstab präsentiert. 65 Und das war irre die auch zu sehen, Interaktion auch gerade, weil du da siehst, wie die Haie 66 reagieren. Das ist ein bisschen wie Katzen: Du kennst ja Katzen, wenn die ihr Ziel anvisieren, dann 67 tapsen die so mit den Vorderbeinen und dann tschhh – bei Haien ist das ganz genauso. Das habe 68 ich vorher nie gesehen, auch bei diesen Feed-Vorgängen nicht. Wenn du selbst feedest, weißt du 69 ja nicht, wenn du so guckst: ‚Der könnte das jetzt kriegen und der, der ankommt, der wackelt 70 genauso, ganz schnell mit der Schnauze und dann tschhh – kommt der dazu und kurz bevor er 71 ankommt, macht er diese Hauer zu, und dann sieht der noch nicht einmal, wo er hin beißt. 72 Deswegen ist es auch gut so einen Anzug zu haben, weil: Man sieht ja hier (zeigt erneut auf das 73 Foto im Hintergrund), dass man ab und zu gebissen wird, aber das ist nicht weiter schmerzhaft. 74 Das ist ein Druck und es passiert auch nichts. Die Hände sind bei mir auch noch dran. Das siehst 75 du ja. Aber das ist jetzt zum Thema Haie gerade relevant, weil ich die toll finde. Und ich glaube, 76 dass fast alle Taucher die toll finden. Du siehst es ja auch gerade als Hintergrund. 77 Aber Interaktionen habe ich auch mit allen möglichen Arten von Fischen erlebt, sogar Weichtieren. 78 Und mit Kraken ist das manchmal ganz besonders. Die sind ja extrem neugierig. Und da hatte ich 79 auch schon die tollsten Erlebnisse am Roten Meer erlebt, wo ich unter Wasser war und dann auf 80 einmal einen Kraken gesehen habe. Die verschwinden dann da in so einem Korallenblock, aber 81 dann halten die es vor Neugier einfach nicht aus. Wenn die sehen, dass du da bist, dann kommt 82 erst das Auge raus, dann kommt so ein Ärmchen raus und dann gucken die so was da ist. Und 83 dann klapperst du ein bisschen rum und mit einem Mal kam einer, der hat sich auf meine Uhr 84 gesetzt, weil ich mit der so rumgeklappert hatte und er hatte geguckt, was da los ist und so. 85 Kraken sind irgendwie faszinierend, oder jegliche Formen von Fisch: Nicht nur die kleinen Nemos, 86 die dann ihre Anemone verteidigen und – David gegen Goliath – so klein vor deiner Maske 87 schwimmen und dich verjagen. Manchmal hast du auch so irgendwelche Rifffische, bei denen du 88 ins Revier schwimmst und die versuchen das dann so zu verteidigen. Also das ist irre. 89 Oder Zackenbarsche finde ich auch drollig. Also wie sie gucken: ‚Wer ist denn das da?‘, und 90 kommen nah ran und schwimmen dir so nah an die Maske ran und gucken, wer du bist und 91 gucken dir in die Augen. Das fand ich auch die ersten tollen Unterschiede zwischen Schnorcheln, 92 weil wenn du schnorchelst – du hast ja gerade gesagt, dass du gerne auch Apnoe tauchst und 93 schnorchelst. Ich kenne das immer: Wenn du abtauchst machst du erst mal einen ziemlichen 94 Lärm, um da runter zu kommen. Du kommst schnell auf die zugeschossen und die hauen sofort 95 ab, es sei denn du kannst richtig gut Apnoe tauchen und bist so ein paar Minuten unter Wasser. 96 Dann gleicht es sich wieder aus. Dann kannst du vielleicht noch besser an die Fische 97 herankommen – das kann ich nicht beurteilen, weil ich maximal zwei Minuten die Luft anhalten 98 kann. Ich habe es nie länger probiert. Aber normaler Weise, wenn du so stoßartig runtertauchst, 99 hauen die Fische sofort ab. Und das fand ich bei den ersten Tauchgängen mit das Tollste einfach, 100 dass ich dann da unten bin und auf einmal kommt so ein Fisch an, guckt und schwimmt nah ran, 101 318 schwimmt wieder vorbei – das ist Interaktion. Rochen auch. Aber (macht wegwerfende 102 Handbewegung) okay. 103 104 I: (lacht) Viele, viele Tiere. 105 Beschreibe mir bitte wie dein idealer Tauchgang aussehen würde. 106 107 B: In erster Linie selbstbestimmt, wenn ich damit anfange. Das klappt aber meist nie 108 (lacht), weil man das natürlich koordinieren muss. Häufig sind auch wirklich Tauchgänge in der 109 Frühe immer am besten, oder zur Mittagszeit auch, weil die Sonne so gut steht. Der ideale 110 Tauchgang müsste so sein, dass ich nicht so eine lange Anfahrt habe, weil das manchmal auch 111 nervt, finde ich. Dann hätte ich auch gerne eine nicht zu große Gruppe dabei, am liebsten nur mit 112 einem Tauchguide und irgendeinem noch dabei, mein Buddy – so zu viert, das finde ich am 113 besten. Mit so einer riesen Gruppe kann das häufig nervig sein. Dann ist es auch schön, wenn 114 das Wasser nicht allzu kabbelig beim Ein- und Ausstieg ist. Das kann manchmal ganz schön 115 anstrengend sein, wenn man nach einem anstrengendem – na gut, Tauchen ist ja nicht wirklich 116 anstrengend – aber man dann eine Stunde unter Wasser ist und sich dann da rauskämpfen muss. 117 Das ist auch nicht so schön. Passiert manchmal: Bei Strömungstauchgängen hast du das 118 manchmal. Dann, ja, das Wetter müsste toll sein. Es müsste natürlich auch was bieten, was mich 119 interessiert. Es muss jetzt nicht nur – ich habe gesagt „Fischfan“, aber es kann auch ein tolles 120 Wrack sein, was ja auch viele Fische beherbergt. Es muss nicht unbedingt tief sein. Es ist 121 manchmal toll, finde ich, wenn man so auf 40 Meter taucht, so als Sporttauchlimit. Das ist dann 122 schon ein bisschen anders. Man ist da schon so ein bisschen im Pudding und bewegt sich 123 langsamer und alles ist so ein bisschen spaciger, aber man kann dann nicht so lange da unten 124 bleiben. Und ich mag es gerne so eine Stunde unter Wasser zu sein, kein Stress dabei, gut was 125 ansehen können, keine anderen Taucher, die mich irgendwo hinziehen, wenn ich gerade was 126 Tolles entdecke, wo ich gerne mal zehn, 15 Minuten bleiben möchte. Und warmes Wasser – ich 127 hasse kaltes Wasser, also das geht gar nicht! Also das trennt ja auch die Tauchergemeinde und 128 ich habe das ja auch bei Tauchen im Magazin oft genug propagiert, weil das immer so das 129 Weichei-Ding ist und: ‚Warmwasser, Warmduscher‘ und so genannt. Aber ich stehe da 130 vollkommen zu. Kaltes Wasser trinke ich nur, on the rocks und so, und habe also gesagt: ‚Nein, 131 kaltes Wasser reizt mich einfach nicht, ich habe da keinen Bock in einen dicken Trocki 132 einzusteigen, das ganze Eingemümmel.‘ Es sei denn, man sieht da was wirklich ganz Tolles, dann 133 auf jeden Fall. Also wenn es Orcas oder irgendetwas anderes sind, dann ziehe ich auch einen 134 Trocki an, dann mache ich das auch mit, aber nicht um mir in irgendeinem Baggersee versenkte 135 Toaster anzugucken oder sowas. Das muss ich nicht mehr haben. 136 137 319 I: Und kurz hattest du es schon angesprochen: Welche Rolle spielt denn dein Buddy bei 138 diesem idealen Tauchgang? 139 140 B: Extrem wichtig! Extrem wichtig, weil man sich ja auf den Buddy verlassen können 141 muss. Mir sind schon alle möglichen komischen Sachen passiert. Die Rubrik „Aus Fehlern lernen“ 142 habe ich auch zehn Jahre begleitet und das ist immer sehr drollig: Da geben Leser ihre 143 Tauchunfälle preis und ich habe das immer kommentiert, habe mir dann immer Experten zum 144 jeweiligen Thema dazu geholt. Und umso drolliger: Es passiert einem selbst auch immer wieder. 145 Gerade wenn man so in einer Tauchbasis ankommt: Die machen dann nur für uns diesen 146 Tauchgang klar, weil wir die Redakteure sind. Und dann wird nicht so aufgepasst bei dem Ganzen, 147 mit Einstieg, Ausstieg, ganz kurzes Briefing und nichts vorher, keiner kontrolliert da was. Und 148 dann ist es mir schon mal in der Hektik passiert, die anderen waren hinterher, dann war bei mir 149 das Ventil kaputt, also das waren diese blöden INT-Flaschen, und dann habe ich eine andere 150 Flasche genommen, habe nicht gemerkt, dass die nicht richtig voll war, habe dann auch das Fini 151 hier irgendwie so schlecht reingewürgt (deutet seitlich auf seinen Rücken), und bin dann mit einer 152 halb leeren Flasche abgetaucht. Solche blöden Sachen. Oder ich muss mal summieren. Es sind 153 so ein paar dumme Fehler passiert, auch beim Ausstieg, beim Einstieg, Safaribootleiter, die 154 Klassiker: Nicht genau die ganze Zeit die Luft kontrolliert, vertaucht, nicht auf den Kompass 155 geachtet. So diese Klassiker. Das passiert mal ganz schnell, bei der Strömung: Nicht genau drauf 156 geachtet, rechte Schulter hin, linke Schulter zurück; einen Buddy verloren, auch oft schon 157 passiert. Deswegen gucke ich auch immer und mache seit dem auch diesen Buddy-Check, 158 obwohl das bei Tauchern, die schon seit über 20 Jahren tauchen, immer ein bisschen lächerlich 159 wirkt. Aber ich mache das trotzdem immer, weil tatsächlich immer irgendwelche blöden Sachen 160 passieren: Du tauchst und hast ein ungesichertes Blei und das Blei fällt raus – ganz blöde Sache, 161 wenn du gerade so auf fünf, sechs Meter bist und dann musst du erst mal gucken, dass du dich 162 da festhältst und nicht dann nach oben schießt wie ein Tischtennisball. Ja ein Check ist sehr gut. 163 Der Buddy gibt einem auch Sicherheit, wenn irgendwas passiert. Und vor zwei Jahren in der 164 Karibik ist es auch tatsächlich passiert, dass mein Buddy, was ja so gut wie nie passiert, auf einmal 165 so rüber winkt. Ich denke noch so: ‚Was ist denn da los?‘ Ich hatte noch eine Kamera dabei gehabt 166 - da ist man ja immer nicht ganz so aufmerksam – und bin dann hingeschwommen, auf Turks and 167 Caicos war das, und sie versucht da so die volle Maske leer zu blasen. Da sehe ich: Das Glas ist 168 rausgesprungen, also bei einer guten Maske! Aber die war halt auch schon 15 Jahre alt und dann 169 ist das Glas weggewesen. Und ich war dann da und sie wusste überhaupt nicht was los ist, warum 170 das nicht geht. Du bist ja unter Wasser auch immer so ein bisschen bräsig. Und dann ist es immer 171 gut, wenn du dann einen Buddy hast, der dich dann erst mal nach oben bringt, dass du einen 172 hast, an dem du dich festhalten kannst und der dich an die Oberfläche bringt. Dann ist das alles 173 sehr viel entspannter. 174 320 Panikattacken können auch immer mal passieren. Da ist man nie gefeit vor. Also gerade bei 175 Wracktauchgängen, vielleicht früh aufgestanden, nicht genug gegessen, nur so einen Kaffee 176 getrunken, vielleicht ist einem von der Überfahrt schon so leicht schlecht – das ist mir auch schon 177 mal passiert. Dann geht es auf 40 Meter runter, es ist komisch irgendwie, du fühlst dich nicht so 178 ganz wohl in deiner Haut. Es ist immer gut, wenn du einen Buddy dabeihast. Man sollte sich nie 179 selbst überschätzen bei den ganzen Geschichten, weil Tauchen immer mal wieder komisch sein 180 kann. 181 Meine Erfahrung ist: So in etwa jeder 50ste Tauchgang ist irgendwie merkwürdig bis unheimlich 182 und es passiert immer mal etwas. Aber von diesen Tauchgängen lernt man immer das Meiste, 183 finde ich. Ja, es ist wirklich so. Das bleibt hängen, was ich eben erzählt habe, wenn einem die Luft 184 ausgeht und so ein Kram. Was eigentlich gar nicht passieren sollte, wenn du auf deine Instrumente 185 achtest, aber wenn es mal spannend ist und holterdiepolter geht und du mega geile Sachen 186 siehst, dann passiert das mal. Ja. 187 188 I: Welche persönlichen Merkmale kennzeichnen deiner Meinung nach den Typ Apnoe- 189 und den Typ Gerätetaucher? 190 191 B: Tja, Apnoetaucher sind erst mal sportlicher (lacht), das als Erstes, das ist ganz klar. 192 Die kommen eben von einer sportlichen Disziplin her, die haben einen ganz anderen Anspruch. 193 Also die Apnoetaucher, die ich so kennengelernt habe: XXX ist ja ein Kollege von mir, den kenne 194 ich ja nun gut. Er ist ja ein grandioser Apnoetaucher. Und das sind halt eher so Sportler, 195 Wettbewerbstypen, Nik Linder und die ganzen Leute. Die haben halt diesen Anspruch. Obwohl, 196 nicht nur, also gerade die beiden, die ich gerade genannt habe, sind jetzt keine reinen 197 Sportsgranaten, die nur höher, schneller, weiter oder in dem Fall tiefer oder länger wollen, sondern 198 die, ich finde, so einen leicht friedlichen Urgedanken dabeihaben, der vielen Gerätetauchern 199 abhandengekommen ist, nämlich, dass sie dieses back-to-the-roots-Ding propagieren. Sprich, du 200 brauchst jetzt nicht hier so zwei Tauchcomputer und den neusten Technik-Krempel, sondern es 201 geht auch wirklich mit ganz wenig Zeug. Einfach nur das Unter-Wasser genießen und nicht hier 202 ein Computer und da ein Computer und dann noch ein Computer in der Maske. Es gibt eben 203 solche Freaks unter den Tauchern. 204 Und Gerätetaucher sind anders, natürlich. Das ist eine viel größere Masse, die man überhaupt 205 nicht homogen einschätzen kann, finde ich. Da gibt es auch diese Sportler, da gibt es aber auch 206 diese Couchpotatoes natürlich, die Fraktion, die wirklich gar nichts macht, und die völlig 207 unsportlich ist und nichts mit Sport am Hut hat. Und ich sage ja auch: Tauchen ist ja in dem Sinne 208 auch kein Sport, also Gerätetauchen. Es ist ganz gut, wenn man fit ist, um diese Sachen zu 209 schleppen und das man auch während des Tauchgangs genügend Kraft hat, um das Equipment 210 321 zu tragen. Klar, Sport würde ich jedem raten, aber das ist beim Gerätetauchen nicht so notwendig 211 und deswegen ist diese – ich habe da schon immer Schwierigkeiten gehabt im Magazin – diese 212 Zielgruppe einzugrenzen, weil sie einfach unglaublich divers ist und von der Altersstruktur von 20 213 bis 80 ungefähr geht. Da sind alle möglichen Zielgruppen dabei. Das ist nicht wie bei Surfern, wo 214 du weißt: ‚Okay, der Kern ist so bei 20 bis 40‘ oder auch der Apnoetaucher – da gibt es viel mehr 215 Punkte, wo man das dran festmachen kann. Und deswegen; um Gerätetaucher jetzt so auf den 216 Punkt zu bringen müsste ich nochmal weiter unterteilen: Ist es jetzt so einer wie ich, der eher so 217 auf Tropentauchen steht und Fische, oder ist das jetzt so ein Typ, der wirklich gerne so einen 218 leichten Tec – Also Tec-Taucher sind diese Taucher, die das technische Tauchen machen, die 219 gerne tiefer und länger wollen und Mischgas benutzen, nicht das normale Atemgas komprimiert, 220 oder Nitrox benutzen, und dass sie den Tauchgang eher wie eine Mission angehen: Dass sie den 221 Luftvorrat genau berechnen, die Tiefen genau berechnen. Wenn man tief taucht, ist das auf jeden 222 Fall das sicherere Tauchen, weil sie genau wissen was zu tun ist, wann sie wo sind. Das ist nicht 223 einfach so ein Zufallstauchgang wie bei Sportlern, also Sporttauchern. Oder ist man jetzt eher der 224 Höhlentauchfreak, was nochmal eine ganz andere Dimension ist. Ja. Es ist wirklich sehr, sehr 225 unterschiedlich, was die Taucher sehen wollen, was sie mögen. Kaltwassertaucher habe ich eben 226 auch schon angesprochen. Es gibt da viele Leute – ich habe auch einen Kollegen in der Redaktion 227 gehabt, der XXX, der war auch ein reiner Seetaucher. Der hat Kaltwasser nur geliebt und der hat 228 überhaupt keinen Bock gehabt im Roten Meer zu tauchen, so nach dem Motto: ‚Was soll ich denn 229 da? Fische gucke ich mir nicht an, die esse ich.‘ So, ja. 230 231 I: Welches unter Wasser beobachtete Verhalten ärgert dich? 232 233 B: Vieles. Ankrabbeln. Wenn dann die Taucher unter Wasser in Gruppen – man kann 234 denen das nicht vorwerfen: Natürlich taucht man mit Anfängern ab und zu mal und ich war selbst 235 auch Anfänger. Jeder, der taucht, war irgendwann mal Anfänger. Und ich war bestimmt genauso: 236 Wenn die dann vor dir rumschwimmen und mit falschen Flossenschlägen das ganze Sediment 237 aufwirbeln, dass du nichts mehr siehst – das nervt mich tierisch. So was. Das hat oft genug schon 238 tolle Schüsse kaputt gemacht, dadurch, Fotos. Und auch sonst im Tauchgang: Das nervt halt, 239 wenn du Leute dabeihast, die irgendwie nicht gut klarkommen. Aber das ist normal und dann 240 muss man eben gucken, dass man in einer Gruppe taucht, wo alle auf einem Level ungefähr sind. 241 Und ansonsten nervt mich an Tauchern genau das, was mich auch sonst an anderen Leuten 242 nervt: Wenn sie groß rumkotzen, zu viel rumprahlen und erzählen wo sie schon überall toll waren 243 und was sie für tolle Leute sind und blablabla. Also das trifft man häufig dort. Oder was für taffe 244 Kerle die doch sind: ‚Wie wir getaucht haben – das könnt ihr doch gar nicht!‘ Und so. Na ja, okay, 245 du weißt schon: ‚Als Tauchen noch gefährlich war.‘ 246 322 247 I: Und deswegen hattest du vorhin auch erwähnt, dass dir die kleine Tauchgruppe lieber 248 ist, weil die Wahrscheinlichkeit geringer ist, dass die Leute zum Beispiel die Fotos zerstören? 249 250 B: Genau. Das kann aber auch sein, dass ein Tauchgang beendet wird. Ich war jetzt 251 gerade letzte Woche auf dem Florida Keys und da war es auch so, dass wir leider immer in 252 Tauchgruppen reingekommen sind, die viel zu groß waren, und wir hatten auch ganz schlechte 253 Sicht gehabt. Das war sehr blöd. Dadurch mussten wir zwei Tauchgänge – wir hatten schon so 254 wenige gehabt – frühzeitig abbrechen, nach 20 Minuten, weil Taucher verschwunden sind. Also 255 die Sichtweite war gering, dann passiert das schon mal mit dem Verlieren. Aber die haben nicht 256 versucht, nach der guten Technik: Suchen, wie man das normaler Weise macht, dann 257 auftauchen, Oberfläche finden, wieder abtauchen. Es war nicht so tief. Die waren verschwunden 258 und dann mussten wir beide Tauchgänge nach 20 Minuten abbrechen, weil irgendwelche Leute 259 es nicht geschnallt haben, was los ist. Es war auch jedes Mal der Gleiche. Da war ich dann 260 natürlich total sauer, dass so ein Idiot, der da auf Solo-Trip war, diese Tauchgänge zerstört hat. 261 Und das kann überall passieren, wenn du Leute hast. Oder du hast auf einmal irgend solche 262 Freaks, die unbedingt auf 50 Meter tauchen müssen, obwohl vorher im Briefing beschlossen war: 263 ‚Nein, es wird maximal 30 Meter getaucht.‘ Oder die, die sich der Gruppe alleine entfernen, weil 264 sie meinten, dass sie das könnten. Und der Tauchguide sagt dann natürlich: ‚Passt auf, der ist 265 weg. Wir tauchen jetzt auf.‘ 266 Das auch zum Nachtrag, was mich an Tauchern nervt. 267 268 I: Inwiefern wird denn das individuelle Taucherverhalten von außen beeinflusst? 269 270 B: Na ja, das wird von anderen Tauchern natürlich beeinflusst, ganz klar, der 271 Nachmacheffekt. Das siehst du ja sehr gut bei Schnorchel-Touren, wenn man sowas mal 272 mitmacht. Wenn man zum Beispiel beim Dolphin Reef in Ägypten ist und ja, was könnte ich jetzt 273 noch nennen? Sowas: Da bist du dann mit 80, 90 Schnorchlern zusammen, und sobald da ein 274 Delfin ankommt – obwohl vorher gesagt wurde: ‚Passt auf, wenn die Delfine kommen, dann macht 275 nichts! Wenn du da hinschwimmst hauen sie ab.‘ Aber sobald ein Delfin kommt sind ein, zwei 276 Leute sofort da, schwimmen auf die Delfine zu und alle anderen hinterher und das war es. Dann 277 sind die Delfine weg! Und das hast du ganz oft. Ich habe das mal – genau, das war auch in 278 Ägypten – ich habe da mal ein Dugong gesehen. Das war da auch das Gleiche: Wir waren als 279 Taucher dabei, ein paar Schnorchler waren dabei, aber die Schnorchler haben es geschafft, 280 dieses Dugong einfach so zu verscheuchen. Das ging einfach nicht mehr, das hat das Tauchen 281 323 behindert und sowas ist immer schwierig. Aber Menschenmassen sind überall unangenehm, egal 282 wo man ist. 283 284 I: Was meinst du, welche Rolle bei dieser Beeinflussung die Tauchbasen spielen? 285 286 B: Die Tauchbasen – eine Große, eine ganz Große. Also eben auch, ob es eine große 287 Tauchbase ist. Das muss nicht unbedingt schlecht sein, aber wie groß die Schiffe sind, wie groß 288 der Eco-Diver-Anspruch ist. Wenn der vorhanden ist, dann sind die Gruppen sowieso meist sehr 289 klein. Sie versuchen das auch klein zu halten. Auf Barbados habe ich beispielsweise eine 290 Tauchbasis angetroffen: Die haben immer darauf geachtet, dass die Gruppen klein sind, dass 291 nicht mehr als sechs Leute oder maximal acht Leute unterwegs sind. Meistens waren es vier bis 292 sechs, inklusive Guide und Team mit dabei und das ist angenehm. Auch wenn sie dann vorher so 293 ein Briefing halten – in Ägypten habe ich das auch bei einigen Tauchcentern gemerkt, die so einen 294 hohen Eco-Anspruch haben – dass die, bevor man mit denen tauchen gehen kann, erst einmal 295 gucken wie du tauchst. Dann sagen sie dir hinterher: ‚Das und da drauf musst du aufpassen. Und 296 wenn du anfasst, dann lieber einen Stein, keine Koralle und tote Korallen anfassen, ein bisschen 297 mehr Abstand…‘ Die coachen dich hinterher bei deinem Tauchgang. Die sagen, was du machen 298 sollst und was nicht, und machen ein De-briefing. Und ich finde es immer toll, wenn die solche 299 Fischbestimmungsbücher dabeihaben, sich auch auskennen und dir wirklich zu allem was 300 erzählen können. Oder wenn du so einen halben Meeresbiologen dabeihast ist das immer sehr 301 toll. Die können dir natürlich auch ganz andere Sachen zeigen. Wenn du da einen hast, der 302 einfach nur stumpf seinen Job macht und das eigentlich auch hasst und am liebsten alleine taucht 303 und die Gruppe, die er da leitet, als lästiges Übel betrachtet, dann kann das nicht gut werden. 304 Aber wenn du jemanden hast, der das liebt, und der Bock hat da etwas Besonderes zu zeigen, 305 dann ist das super. Deswegen – die Tauchbasis ist ganz wichtig, oder der Style, wie getaucht 306 wird. Ja. 307 308 I: Und wie steht es um die Rolle der Tauchverbände? 309 310 B: Oh Gott! Ein großes Thema. Ein großes Thema: Dauerdiskussion und Streitgespräch 311 – ich kenne es vom Magazin, von Social Media. PADI ist nun mal der größte Tauchverband und 312 wie bei allen großen – ob das nun, keine Ahnung, USA sind oder Fußball Bayern München: Die 313 Nummer Eins wird immer von allen angefeindet. Das war schon immer so. Da wird alles 314 schlechtgemacht, was die machen, obwohl es so schlecht gar nicht sein kann, weil sie der größte 315 Tauchverband sind. Die Welt taucht PADI, fertig, aus. Bei einem anderen Verband habe ich zuerst 316 324 meine Ausbildung gemacht und irgendwie haben mich dann Freunde darauf angesprochen: ‚Sag 317 mal, wie bist denn du nicht PADI?‘ und so. Und das ist so, PADI ist das Ding, die Brand einfach 318 für das Tauchen. Das wird bestimmt auch so bleiben. Natürlich versuchen andere das irgendwie 319 auch für sich zu deklarieren, aber das ist ja klar: Der Erste wird immer angefochten, egal was er 320 tut. Aber vieles machen sie auf jeden Fall ganz gut. Die anderen machen es nicht besser, machen 321 es eigentlich genau so, würde ich sagen, ob das jetzt ein SSI ist oder wie auch immer. Dann gibt 322 es ja auch diesen CMAS, diesen französischen Tauchverband, und VDST und wie sie alle heißen. 323 Also es gibt sehr, sehr viele kleine Tauchverbände, die ihre kleinen, individuellen Geschichten 324 machen. Das hat alles Vor- und Nachteile, aber ich würde sagen: Als PADI-Taucher, wenn man 325 Sporttaucher ist, ist man ganz gut aufgehoben, weil jeder das kennt. Es gibt weltweite Standards, 326 die bis zur letzten, entferntesten Insel verbreitet sind. Bei anderen Verbänden, schätze ich, ist das 327 mittlerweile vielleicht auch schon ähnlich, aber das ist halt so ein Standard einfach. Und sie 328 machen es nicht schlecht. 329 330 I: Okay. Dann kommen wir jetzt zum Thema Kommunikation im digitalen Zeitalter. Über 331 welche Kanäle erreichst du mit deinen Aktivitäten rund ums Tauchen andere Taucher? 332 333 B: Also ich mag Instagram nicht. Ich mache das eigentlich alles immer über Facebook. 334 Also: Magazin, Facebook und eigene Website – die Kanäle – und auch WhatsApp. Das sind 335 natürlich alles verschiedene Gruppen und da wird jetzt nicht alles geteilt, was ich gerade mache. 336 Wenn ich für eine Reise unterwegs bin, dann mache ich mal zwischendurch Posts für die Touri-337 Boards, die mich da eingeladen haben. Jetzt auch für die Reise nach Florida gerade, außerhalb 338 vom Tauchen bediene ich ja auch ein paar Sachen, die mit Tauchen nichts zu tun haben. Dann 339 haben mich die Touri-Boards eingeladen, dann mache ich ein paar Fotos für die fertig und als 340 Nebenprodukt packe ich das dann noch auf meine Facebook-Seite, dass ich das darüber verteile 341 und die Boards sehen: ‚Aha, der ist gerade bei den Everglades und findet es toll, hat ja geklappt 342 und macht riesen Spaß, und er ist beim Kennedy Space Center, wie jetzt kürzlich gerade passiert. 343 Oder beim Tauchen auch: Natürlich wollen die, je nachdem wer mich einlädt - wenn mich ein 344 Tauchreiseveranstalter einlädt oder ein Touristen Board, also sprich so eine Touristengesellschaft 345 des Landes – die wollen natürlich auch ein paar Infos haben, ob dann alles geklappt hat und so. 346 Und die halte ich da eben auf dem Laufenden. Das ist aber Direktkommunikation, das kriegen 347 andere nicht so mit. Und ich verteile das dann eben auf meiner Seite, die ziehen sich dann die 348 Seite auf ihre Touri-Board-Seite – Visit Barbados – da teile ich das dann auch drauf, die teilen es 349 auch wieder auf ihren Unterseiten, Touristen Boards und so weiter. Und so läuft eine Kette, aber 350 eher auf – man würde fast sagen: B2B - obwohl, das nicht ganz. Sprich, ich als der der gerade 351 da war und vielleicht im Kleinen beurteilen kann, wie sehr ihm das gerade gefallen hat. Und das 352 wird dann im Einzelnen in den Gruppen verteilt. Und auf anderen Websites auch. Ich bin mit XXX 353 325 immer unterwegs, sie ist ja mein Buddy. Und sie teilt das natürlich auch auf anderen Seiten oder 354 Websites, für die sie arbeitet oder Reiseportalen. 355 356 I: Und was davon funktioniert besonders gut? 357 358 B: Tja, wenn man das wüsste. Ich kann es dir gar nicht genau sagen. Doch Filme 359 natürlich! YouTube-Filme sind manchmal sehr gut, wenn sie klasse sind, wenn da ein paar Profis 360 mit dabei waren, die dann ein paar Sachen gefilmt haben. Ich hatte es ja gerade von den 361 Haivideos oder als ich die Exumas-Tauchreise gemacht habe, waren auch ein paar tolle Filmer 362 dabei, die haben richtig toll gefilmt, so einen acht-Minuten Film, wie diese Tauchsafari eben läuft. 363 Und das ist natürlich klasse. Das hat viele Hits, das wird oft verteilt, wird dann noch auf eine 364 Minute zusammengeschnitten für das Medium, was ich nicht so mag: Instagram. Natürlich 365 verteilen die dann darauf auch wieder die Fotos. Also ich kann es dir gar nicht so genau sagen. 366 Es gibt da auch relevante Tauchen-Websites, das bekannteste ist das taucher.net, glaube ich. 367 Aber es gibt auch tauchen.de, das ist ja auch ein Portal, was viele gucken. Facebook, Tauchen - 368 früher gab es noch Unterwasser. Das ist ja fusioniert. Ich glaube, dass es immer ganz vom Inhalt 369 abhängt, was da gerade so passiert. Und bei Reisen ist das Interesse immer so medium-hoch, 370 habe ich gemerkt. Also die größten Hits haben wir eigentlich immer gehabt, das war so meine 371 Erfahrung, wenn es um Umweltthemen geht, Tierquälerei – so das sind die großen Dinger. Und 372 ich habe ja immer gesagt: Die erfolgreichste Meldung, die ich bei Tauchen auf Facebook gepostet 373 habe, war ein Video, bei dem eine Katze mit einem Delfin spielt. Worauf ich dann gesagt habe: 374 ‚Lasst uns einfach Katzen- und Hundevideos auf Tauchen posten. Die kriegen immer Hits.‘ Darauf 375 läuft immer alles runter: Eigentlich wollen die Leute nur Katzen- und Hundevideos sehen. 376 Und klar, natürlich Sea Shepherd, wenn da sowas abläuft. Da kommen immer ganz viele Hits – 377 zu Recht: Tierquälereien von irgendwelchen Leuten, Rettungsaktionen, diese typischen YouTube-378 Filmchen, wo Leute einen Hai wieder reinschmeißen oder einen Rochen, oder eine Schildkröte 379 vom Angelhaken befreien und sowas. Das zieht immer noch ein bisschen mehr als so 380 Reisegeschichten, weil da auch immer so ein bisschen – das darf man nicht vergessen – der 381 kleine Neidfaktor mit dabei ist, dass einer denkt: ‚Ach der blöde Sack, der reist da wieder in der 382 Weltgeschichte rum.‘ Und viele verstehen es gar nicht als Information, wie es ja eigentlich gedacht 383 ist, weil ich ja, wenn ich als Reisereporter unterwegs bin, gucke ich es mir immer so an und 384 versuche es auch nachher so zu beschreiben, dass jeder so eine Idee davon hat, was da so für 385 ein Style auf der Insel abgeht, wo ich gerade bin, und was einen da so erwartet, ob es eher 386 Upperclass ist oder relaxter oder es nicht viel zu sehen gibt oder es eine Öko-Insel ist oder eine 387 Rambazamba-Insel ist. Darum geht es ja nun auch. Ich habe ja immer gesagt: ‚Man taucht zwei 388 bis drei Tauchgänge, vielleicht vier Tauchgänge die Hardcore-Taucher, und danach gibt es aber 389 326 noch eine ganze Menge auf der Insel zu tun. Für mich ist das Gesamtpaket immer wichtig, 390 zwischen Landaktivitäten und Tauchen. 391 392 I: Eingangs hattest du mal erwähnt, dass es bei den Tauchern ganz unterschiedliche 393 Gruppen gibt und dass es schwierig ist, da die Zielgruppe zu finden. Gibt es denn Unterschiede 394 in deiner Art zu kommunizieren, je nachdem wen genau du ansprechen willst? 395 396 B: Da muss ich mal kurz überlegen. (…) Na ja, gut, es gibt ja strittige Themen, wie das 397 hier mit den Haien, was ich gerade gezeigt habe (zeigt erneut auf das Foto im Hintergrund, auf 398 dem er Haie füttert). Das habe ich, glaube ich, auch ein bisschen etabliert. Ich glaube, bevor ich 399 bei Tauchen anfing war das eher so ein verpöntes Thema, das Feeding und so weiter. Ich fand 400 das schon immer geil und habe das aber auch unter dem Aspekt des Eco-Tauchens vertreten 401 und auch so kommuniziert. Und ich glaube, dass da eine ganz gute Lanze gebrochen ist. Ich war 402 ja auch viel in der Ecke auf den Bahamas und habe viele Haitauchgänge mitgemacht. Und das 403 wichtigste daran ist, klar, es ist mega aufregend, die so zu sehen, aber als zweites: Die werden 404 einfach nicht rausgefischt wie in Asien. Das heißt, in der Karibik siehst du viele Haie, weil das 405 Devisen-Bringer sind. Und jeder Hai auf den Bahamas bringt im Schnitt so 70.000 Dollar ein. Die 406 Bahamas haben letztes Jahr, ich glaube, 130 Millionen – ich begleite diese Stories mit dem 407 Bahamastauchen jetzt seit sechs Jahren. Und angefangen hat es bei 70, jetzt sind es 140 408 Millionen, die der Haitourismus jedes Jahr bringt. Jetzt durch Corona natürlich ein bisschen 409 weniger, aber die verdienen unheimlich viel daran und deshalb achten sie auch sehr drauf, die zu 410 schützen. Und das war schon immer so, mit dem Weißen Hai genauso. Der Weiße Hai in Südafrika 411 – würden die nicht so viel mit diesem Käfigtauchen verdienen, dann wäre da kein einziger mehr 412 drin. Die würden sie nämlich alle rausholen. Und dadurch, dass alle lauter Unternehmen führen 413 und zig, hunderte von deren Mitarbeitern von Weißer Hai-Käfigtauchaktionen profitieren, 414 bekommt jeder, der da einen Hai rausfängt, mit einem Knüppel über die Rübe. Und da gibt es 415 richtig Druck, weil da Geschäfte kaputtgemacht werden. Deswegen passiert da nichts. Die 416 sterben alle an Altersschwäche. Und das passiert in Asien nicht. Da siehst du nur diese kleinen 417 Haie, weil alles was da irgendwie rumschwimmt wegen des Finnings rausgeangelt wird. Und das 418 ist dann wiederum eine gute Politik, finde ich. Wenn das dann so Zielgruppen – das war die 419 Eingangsfrage – oder zielgruppengerecht oder bewusst irgendwelche Sachen kommunizierst. 420 Und das war das, oder? 421 422 I: Ja. Wenn es jetzt um das Format geht, welche digitalen Plattformen, sozialen Netzwerke 423 nutzt du zur Kommunikation mit Anderen für deine eigenen, privaten Tauchgänge? 424 425 327 B: Ach so, na ja Facebook und YouTube. 426 427 I: Also du unterscheidest da gar nicht? 428 429 B: Nein. Und kein Instagram. Instagram super selten. Ich finde es – ich mag es einfach 430 nicht. 431 432 I: Okay. Und welche auf das Tauchen bezogenen Fachbereiche und Inhalte wecken 433 besonders dein Interesse, neben den von dir bereits genannten großen Fischen? 434 435 B: Ja Reisen generell. Also Reisen interessiert mich eigentlich am meisten, generell auch 436 im ganzen Thema, also nicht so die Technik und so, weil das Thema dann irgendwann für einen 437 Sporttaucher auch mal durch ist, finde ich. Da gibt es keine riesigen Innovationen, ich habe sie 438 auf jeden Fall noch nicht gesehen. Da ist so ein Level erreicht, dass man – klar, es gibt immer 439 wieder kleine neue Updates, aber nicht die großen, riesigen Erfindungen, finde ich. Ich brauche 440 das einfach nicht. Ich brauche keinen Computer, dessen Display in meiner Maske erscheint und 441 so, dass ich die Daten da habe. Das sagte ich ja eben eingangs: Also mir reicht das einfach mit 442 Jacket, Anzug, kleiner Tauchcomputer, muss nicht der Neuste sein, ich brauche keine 443 Mischgaskontrolle und so weiter - also das Thema nicht so. 444 Praxis finde ich dann wieder interessant, auch Medizin eigentlich. Das habe ich auch mal betreut 445 eine ganze Zeit lang bei Tauchen. Natürlich dreht man sich da auch im Kreis, aber eigentlich ist 446 das ganz interessant, weil Medizin und Physik ja ein großer, wichtiger Bestandteil beim Tauchen 447 sind. Das lernt man ja spätestens bei der Ausbildung, das fand ich ganz interessant. Aber ich 448 finde so die Meeresbiologie, und alles was da dranhängt, eigentlich am spannendsten. Ja. 449 450 I: Und wie müssen die digitalen Inhalte präsentiert sein, dass du ihnen wirklich deine 451 ganze Aufmerksamkeit schenkst? 452 453 B: Ja spannend. (lacht) Na klar, wie immer: Sie müssen mich erst mal von vornherein 454 interessieren und dann müssen sie so aufbereitet sein, dass ich auch das Gefühl habe, dass da 455 ein bisschen mehr dahintersteckt als das, was ich schon wusste. Also, wenn ich dann merke, 456 dass ich nach dem zweiten Absatz das lese, was ich schon tausendmal gelesen habe, dann 457 interessiert mich das nicht. Aber wenn ich dann nach dem ersten oder zweiten Absatz merke, der 458 328 natürlich auch als Einleitung zu verstehen ist: ‚Aha, der hat mir was Neues zu erzählen‘, dann 459 super. Oder er bereitet das spannend auf in Form einer Story von Reisejournalisten, die wirklich 460 eine geile Story erzählen, nicht nur: ‚1792 wurde…und dann 250.000 m² große Fläche…‘ und so 461 Zahlen runterbeten, von Wikipedia abgeschrieben. Also eher der Schreibstil dann auch, der 462 interessiert mich. Ja. 463 464 I: Und wie gehst du bei deiner online-Suche nach tauchspezifischen Inhalten vor? 465 466 B: Nach Reisen – ja ich suche mir eigentlich immer so die Reiseziele raus, das ist ja so 467 das Ding. Also, ich habe mich eben so auf die Karibik ein bisschen spezialisiert – was heißt ein 468 bisschen – ziemlich. Ich will die alle mal kennenlernen, alle Inseln aller Anrainerländer. Und da gibt 469 es eine ganze Menge anzugucken: Da sind spezifische Spots, spezifische Fische, die ich irgendwo 470 sehen will zu einer gewissen Jahreszeit. Und das ist so das Ding. Das heißt, ich gucke schon 471 immer die Reiseportale durch, travelbook auch natürlich; gucke mir ein GEO Spezial zum Thema 472 an, wenn es mich interessiert oder ich hole mir auch mal einen Tauchreiseführer, Reiseführer. So 473 aus Spaß lese ich die gerne mal durch, so für potenzielle nächste Ziele. Ja, so. 474 475 I: Weil du gerade „Tauchreiseführer“ gesagt hast: Gibt es da spezielle oder meinst du 476 klassische Reiseführer? 477 478 B: Ich meinte Reiseführer. Tauchreiseführer habe ich aber auch, die gibt es auch, haben 479 einige Kollegen geschrieben: Von XXX über XXX die zu gewissen oder zu fast allen Tauchgebieten 480 Reiseführer geschrieben haben. Und die gucke ich mir auch immer mal an, wenn ich dann weiß: 481 ‚Aha, Domrep,‘ dann gucke ich mal. XXX hat ein Buch zu Domrep geschrieben, rausgebracht. 482 Dann gibt es auch Unterwasser-Fotoreiseführer von Fotografen wie Herbert Frei, Kurt Amsler und 483 so weiter und so fort. Und da kann man auch immer mal gucken, was da so zu sehen ist. Natürlich 484 ist es auch immer gut, wenn man diese Leute, die Unterwasser-Fotografen, wie auch Tobias 485 Friedrich und Konsorten auf Facebook oder, von mir aus auch, Instagram verfolgt. Dann kann 486 man nämlich sehen, wo die gerade so sind, was die gerade so treiben und dann kriegt man wieder 487 eine neue Inspiration. Wie ich heute gesehen habe war Tobias Friedrich gerade in Mexiko 488 unterwegs und hat Marline und Segelfische fotografiert, und da dachte ich: ‚Oh, das müsste ich 489 mir auch mal angucken.‘ Oder Gerald Nowak hat auch neue Ziele neulich gepostet. Ich sage mal 490 die Community – also es ist vielleicht auch ganz gut, wenn man sich mit ein paar von diesen 491 Fotografen oder den viel Reisenden mal ein bisschen befreundet. Ja ich bin da ja auch – XXX 492 sehe ich da auch immer, weil er unterwegs ist und wir befreundet sind. Ich sehe auch immer 493 329 zwischendurch, was er gerade treibt. Das ist für mich auch eine Inspiration, dass ich sehe: ‚Hey, 494 das ist gut, das muss ich mir mal angucken.‘ Von daher vielleicht: Neben der 495 Reiseportalvernetzung ist es vielleicht auch interessant, sich mit Personen, die rumreisen und 496 bestimmte Ziele und Aktivitäten machen, sich vielleicht mal zu vernetzen. Auch, wenn es nur 497 wissenschaftliche Taucher sind, wie Tobias Huber oder die, die wirklich auf besondere Reisen 498 machen, die man vielleicht selbst nicht so machen kann. Und das ist auch toll, wenn man sich 499 ansehen kann, was die so machen. Das sieht man auch ab und zu mal im Fernsehen, was die so 500 treiben. 501 502 I: Ja, okay. Das Letzte, wozu ich dich befragen möchte, sind die online-Tools und ihre 503 Wirkungsweise: Welche digitalen Angebote nutzt du konkret als Unterstützung zum Tauchen? 504 505 B: Wie meinst du denn das? 506 507 I: Gibt es irgendwelche Tools, digital, die du auf dem Handy hast oder auf dem Computer, 508 die… 509 510 B: Ach so, so Tauchen-Apps meinst du und sowas? Ja! Also Logbuch-Apps und sowas 511 nutze ich tatsächlich überhaupt nicht, habe ich auch schon gehabt, aber ich habe immer so ein 512 paar Seiten, die ich mitnehme, also ich habe ein Logbuch. Das ist dick und schwer und ich nehme 513 immer jeweils so für die Reise das kleine Heftchen mit, dass die sehen, wann der letzte Tauchgang 514 war. Dann nehme ich natürlich meine AquaMed-Karte mit, dass die sehen: ‚Aha, der ist 515 versichert.‘ Dann muss ich ja meine Brevets immer mitschleppen und meine 516 Krankenversicherung, Auslandskrankenversicherung, wollen sie auch häufig sehen. Für Reisen 517 ins Ausland auch immer die Kreditkarte, ein sehr gutes Ding. Und natürlich das wichtigste, das 518 Ding: Smartphone. Und als Apps, die ich da immer draufhabe, die man wirklich immer braucht. 519 Auch Reisen in die USA: Niemals ohne Kreditkarte dorthin reisen! Genauso wie die Karibik: Ohne 520 Kreditkarte und die entsprechenden Apps kommst du da nicht weit. Booking.com und Tripadvisor 521 und, was ist noch gut – Expedia. Das sind die wichtigsten Portale, dass ich weiß, wo ich denn 522 unterkomme, und Klima, wetter.de, das gucke ich mir natürlich immer an. Und wo du dann auch 523 immer sehen kannst: Vor Ort gibt es immer viele Apps, die dir dann immer so sagen, wie die 524 Sichtweiten unter Wasser sind. Oder diese Segler-Apps, da wusste ich schon bevor ich auf dem 525 Keys war: Ich habe mir eine schlechte Woche ausgesucht, so eine Strömung, Sichtweiten waren 526 schlecht. Die nutzen dann jeweils, in ihren Gebieten ihre eigenen Apps. In Florida hatten wir eine 527 benutzt, Florida Keys hatte schon wieder eine andere gehabt, auf Barbados, den Bahamas hatten 528 330 sie auch wieder andere Karten genutzt. Also da gibt es so kleine Local-Apps, auf die sie immer 529 schwören. Und es ist immer ganz gut, den Kapitän oder mal den Dive Guide zu fragen, oder an 530 der Tauchbasis, und zu fragen: ‚Wie sieht es denn da aus vor Ort, wie sind die Sichtweiten, die 531 Strömung, der Wellengang, wie wird das Wetter?‘ Und vorher informiere ich mich natürlich auch 532 immer über die Tiere, welche Fische da zu sehen sind, und ob ich zur richtigen Zeit da ankomme 533 und nicht gerade, wenn sie gerade weg sind. Viele Tiere sieht man immer nur zu bestimmten 534 Monaten und das muss man sich vorher timen. Es ist immer ärgerlich, wenn man genau ankommt, 535 wenn es vorbei ist. Das ist mir auch schon passiert und das versuche ich deswegen zu vermeiden. 536 Ja, aber das waren sie so eigentlich, die digitalen Sachen. 537 538 I: Bei den lokalen Apps, die du genannt hast, diese kleineren: War da irgendwas dabei, 539 was besonders herausgestochen hat? 540 541 B: Nein. Also das waren eher so Sachen, die die Kapitäne, die Bootsfahrer benutzt haben. 542 Ich habe da mal was aufgeschrieben, als wir auf den Keys waren; das sah ganz gut aus. Aber das 543 ist zu speziell als dass ich das jetzt irgendwie zuhause nutzen könnte oder sowas. Das ist halt für 544 Leute vor Ort gut und praktisch. Also die Kapitäne nutzen die, um zu sehen, was da 545 wassertechnisch so abläuft, und daraus kann man dann natürlich ganz viele Daten beim Tauchen 546 ablesen, wenn man die Daten deuten kann. So ist es eher zu sehen. 547 548 I: Inwiefern unterstützen dich denn tauchspezifische online-Inhalte beim Tauchen selbst? 549 550 B: Meinst du für die Geschichte, die ich schreibe, oder für das Tauchen? 551 552 I: Für das Tauchen in erster Linie. 553 554 B: Ja, total. Also, alle Informationen, die ich vorher gesammelt habe, die mache ich mir 555 zu Nutze, bevor ich da irgendwo hinfahre. Ich mache die Vorbereitung da eben, und wenn ich 556 weiß: Das ist ein reines Strömungstauchen-Ziel, dann frage ich nach, ob es da so ein 557 Strömungsseil geben muss, oder ob ich zu gewissen Zeiten eine Boje auf jeden Fall mit einpacken 558 sollte und dies und das. Also, klar. Das versuche ich vorher rauszubekommen. Ja. 559 560 331 I: Und bezüglich Taucherfertigkeiten, gibt es da Möglichkeiten, wie du dein Wissen 561 erweitern kannst? 562 563 B: Da kann man sich natürlich immer fortbilden. Was ich immer mache - gerade bei so 564 Pausen, jetzt Corona, da hatte ich tatsächlich mal eine längere Pause gehabt – da haben wir dann 565 mal wieder so ein paar Anfängerübungen gemacht oder wenn man den Scuba Review macht: 566 Das ist eigentlich so ein Wiederholungskurs, den man machen sollte, wenn man ein Jahr nicht 567 mehr getaucht hat. Und dann kann man nochmal diese klassischen Übungen machen, diese 568 PADI-Skills - bei PADI sind es 20 Skills - aber auch Hovering, also Tarierübungen nochmal 569 machen, mit dem Buddy mal gucken: Man verlernt das ja nicht. Das ist wie Fahrradfahren. Aber 570 in ein paar Sachen, da ist man eingerostet oder ein bisschen raus und dann ist es gut, wenn man 571 das ein bisschen trainieren kann. Auch richtig mal wieder austarieren: Am Anfang, nach einer 572 längeren Tauchpause, merkt man, dass man irre viel Blei braucht, um erst mal runterzukommen. 573 Dann ist man aufgeregt, weil man es nicht so gewohnt ist. Und wenn man nachher dann richtig 574 im Flow ist, kann man nach und nach wieder diese Bleigewichte rausnehmen, bis man wieder auf 575 einem schönen Gewicht ist. Ja. 576 577 I: Okay, aber das heißt, dass dieser Kurs und alles, was du jetzt beschreibst, um sich 578 wieder zu erinnern – das findest schon zum größten Teil im Wasser statt? 579 580 B: Ja. Also das ist jetzt nicht wie beim Apnoe mit den Atemtechniken. Was ich dann eher 581 so mache sind wirklich die Unterwassertechniken, so Flossentechniken mal wieder zu probieren 582 und sowas. 583 584 I: Okay. Dann sind wir auch schon fast am Ende des Interviews angelangt. Zukünftig: Wie 585 würde für dich denn die perfekte digitale Umgebung, im Sinne eines Tools, einer Plattform oder 586 ähnlichem, aussehen, die du gerne als Unterstützung zum Tauchen nutzen würdest? 587 588 B: Also ich hatte es ja gerade schon gesagt: Gut fände ich, wenn es irgendetwas gäbe, 589 was diese Kapitäns-Apps und so – wenn du einfach sehr genau weißt, wie gut die Sichtweiten 590 sind, vielleicht auch saisonale Besonderheiten, die in einer Form mit eingepflegt werden. Das ist 591 tatsächlich schon möglich, wenn ich sage: Florida Keys, diese bestimmten Fische und Haie, die 592 man jetzt gerade sehen kann; in Crystal River gibt es diese Manatees, die siehst du nur von 593 November bis April. Sowas. Die Info könnte man da gleich mal mit reinpacken. Wenn ich zum 594 332 Beispiel so eine Florida-Reise mache, kriege ich gleich so ein paar Punkte von der Karibik, die 595 sagen: Wenn du jetzt da bist, im Januar, Februar, dann kannst du auch die Buckelwale sehen, 596 die dann vielleicht über Turks- und Caicosinseln, über Samaná und die Dominikanische Republik 597 entlangschwimmen. Da könnte man ja eine tolle Reiseplanung machen. Und wenn ich dann auf 598 einen Blick dort diese ganze Karte sehe, um dann irgendwas in der ganzen Karibik zu machen, 599 dann klicke ich das da an und: ‚Aha, Fische, Besonderheiten.‘ Wenn ich dann sehe, zum Beispiel, 600 was ich gesagt habe, Manatees da, dann vielleicht Tigerhaie, die ich für eine gewisse Zeit dort 601 auch sehen kann, und die Buckelwale, dann würde das meine Reiseplanung doch schon etwas 602 verändern. Wenn ich dann mal da drauf klicke und sehe: ‚Aha, da kommen die vorbei. Ich glaube 603 ich nehme mal Turks and Caicos.‘ Dann klicke ich da drauf und sehe: ‚Oh, zu dem Zeitpunkt 604 gerade schlechte Sichtverhältnisse, aber eine Woche später könnte es gut sein. Neumond, 605 blabla.‘ Also so etwas wäre mal cool! Das könnte ich mir vorstellen. Und wenn ich dann da bin, 606 dann kann ich gleich schon mal die nächsten Tauchbasen suchen. Nicht alles, klar, du kannst auf 607 das normale Google Maps gehen, dann kriegst du alles drauf und den nächsten Kiosk und 608 Supermarkt. Dass wir nur die Tauchbasen sehen, die Schiffe und dann die Tripadvisor-609 Bewertungen. Oder sowas mit dabei, wirklich selektiv, nichts Anderes! Nichts Anderes als das: 610 Nur die Tauchbasen, Tripadvisor-Bewertungen mit einfließen lassen, die ich auch immer ziemlich 611 gut finde als Bewertungs-Tool, und vielleicht noch ein paar Websites mit einbinden. PADI hat ja 612 eine riesen Website auch zum Thema Tauchbasen und so weiter und sofort. Vielleicht 613 Deutschsprachige noch mit einbinden. Ja, so. 614 615 I: Okay. Gibt es sonst noch etwas, was du ergänzen oder loswerden möchtest? 616 617 B: Ich könnte eine ganze Menge erzählen. Ich glaube das reicht. (lacht) Da musst du mal 618 gucken, was du daraus verwenden kannst. 619 620 I: Okay, danke. Dann stoppe ich jetzt die Aufnahme.621 333 333

  • 2020_03_WM_Oberstdorf_Beirat_NH-Strategie_Roth.pdf
    NACHHALTIGKEITSSTRATEGIE FIS NORDISCHE SKI WELTMEISTERSCHAFT OBERSTDORF ALLGÄU 2021 Ralf Roth, Beirat „Umwelt und Sport“ des BMU Marktgemeinde Oberstdorf am 23.05.2019 I N S T I T U T F Ü R N A T U R S P O R T U N D Ö K O L O G I E I n s t i t u t e o f O u t d o o r S p o r t s a n d E n v i r o n m e n t LEITLINIEN NACHHALTIGKEITSSTRATEGIE FIS NORDISCHE SKI WELTMEISTERSCHAFTEN OBERSTDORF 2021 ENJOY Green Legacy Ausschuss „Umwelt und Nachhaltigkeit“ Leitlinie 1: „Faktenklarheit, Partizipation und Transparenz schaffen Vertrauen und Identifikation“ Die Organisatoren und politischen Entscheidungsträger streben für Planung der Infrastrukturmaßnahmen und Durchführung der Weltmeisterschaften einen fortlaufenden, offenen und dialogorientierten Prozess an. Dabei orientieren sich die Entscheidungen an Kosteneffizienz und der Einhaltung ökologischer, sozialer und sportlicher Rahmenvorgaben. Leitlinie 2: „Moderne Sportanlagen für die Zukunft“ Aus den Weltmeisterschaften ergeben sich infrastrukturelle Impulse, um den nordischen Skisport und weitere Aktivitäten in Oberstdorf erfolgreich zu entwickeln. Darüber hinaus sollen allen Menschen der Zugang zu Sport und Bewegung ermöglicht werden. Die langfristige Nutzung für Tourismus und Sport sowie deren Vereinbarkeit ist das Ziel. Leitlinie 3: „Umwelt-, Klima- und Ressourcenschutz – Glaubwürdig“ Oberstdorf zeigt in allen Sportanlagen den schonenden Umgang mit den Ressourcen. Errichtung, Betrieb und Sanierung sowie Modernisierung der Sportanlagen sollten sich am Ziel eines klimaneutralen Gebäudebestandes bis 2050 orientieren. Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft werden weitgehend vermieden, unvermeidbare Einflüsse auf ein Minimum reduziert und umfassend kompensiert. Leitlinie 4: Verkehr – „Die Weltmeisterschaften der kurzen, barrierearmen Wege“ Verlagerung möglichst großer Anteile von Straße auf Schiene und öffentliche Verkehrsmittel, Verbesserung der Anreizsysteme. Attraktive Angebote des öffentlichen Personenverkehrs werden weiter ausgebaut, um den motorisierten Individualverkehr in Oberstdorf langfristig zu reduzieren und insbesondere bei Veranstaltungen in Oberstdorf zu minimieren . Leitlinie 5: – „Für ein gesundes und aktives Oberstdorf“ Intakte Natur, Sport und Kultur werden als wichtige Eckpfeiler einer nachhaltigen Entwicklung betrachtet. Ihre Sicherung ist unabdingbare Grundlage, den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen und die Marktgemeinde Oberstdorf mit seinen Menschen regional angepasst zu entwickeln. Leitlinie 6: – „Langlaufzentrum Ried 2021“ Der Impuls der Nordischen Skiweltmeisterschaften soll dafür genutzt werden, das Langlaufzentrum Ried sport- und umweltgerecht zu entwickeln. Zentrales Leitbild ist die „offene Sportanlage“, welche ganzjährig für alle Sportlerinnen und Sportler nutzbar ist: für Spitzen-, Nachwuchsleistungs- und Breitensport, für Touristen und Einheimische, für Menschen jedes Alters – mit und ohne Behinderung. Leitlinie 7: „Verbindlichkeit und Umsetzung“ Verbindlichkeit ist für alle involvierten Akteure eine wichtige Grundlage des Prozesses. Denn Verbindlichkeit und die Garantie für eine entsprechende Umsetzung der Arbeiten und Maßnahmen sind bestimmende Faktoren für die Glaubwürdigkeit der Nachhaltigkeitsstrategie auf lokaler Ebene, aber auch aus nationaler und internationaler Sicht. Mit der FIS Nordischen SkiWM 2021 wird Oberstdorf und das Allgäu -Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung übernehmen - anspruchsvolle Umweltstandards umsetzen und einzigartige Natur- und Kulturräume sichern - lokale und regionale Wertschöpfungsketten stärken und damit Arbeitsplätze sichern - insbesondere bei jungen Menschen das Bewusstsein für einen aktiven und gesunden Lebensstil stärken - beispielhaft den Sport als Motor für eine zukunftsfähige Kommunal- und Regionalentwicklung nutzen ..... Herzlichen Dank für ihre Aufmerksamkeit und ihr Engagement R. Roth Ausschuss Umwelt & Nachhaltigkeit

  • Auszug_aus_Innsbruck-Tirol-Olympia2026_Machbarkeitsstudie.pdf
    Machbarkeitsstudie OLYMPISCHE UND PARALYMPISCHE WINTERSPIELE INNSBRUCK /TIROL 2026 ASt+P s41/D MéI C\/CNIT NA Wax \ 2 MANAGEMENT CENTER EVENT MANAGEMENT — innspruck Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 132 132 PROPROJEKT / AS+P / SOLID / MCI 10 Impressum PROPROJEKT Planungsmanagement & Projektberatung GmbH, Frankfurt Projektverantwortung: Strategie Gesamtkonzept Finanzierung & Marketing AS+P Albert Speer + Partner GmbH, Frankfurt Projektverantwortung: Masterplanung Venue Planung Verkehrsplanung SOLID – Event Management + Consulting GmbH, Innsbruck Projektverantwortung: Venue Management Venue Overlay MCI Management Center Innsbruck Projektverantwortung: Tourismus & Unterbringung Umwelt & Nachhaltigkeit (Univ. Prof. Dr. Ralf Roth, Deutsche Sporthochschule Köln) Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 2 132 PROPROJEKT / AS+P / SOLID / MCI Inhalt 1 Einführung 4 2 Herangehensweise und Vorgehen 5 2.1 Zielsetzung 5 2.2 Prozess und Methodik 6 2.3 Planungstiefe 8 3 Untersuchung der Ausgangssituation 9 3.1 Kernanforderungen: Olympische Winterspiele 9 3.1.1 Wettkampfstätten 9 3.1.2 Nicht-Wettkampfstätten 11 3.1.3 Transport und Verkehr 12 3.1.4 Unterbringung 13 3.1.5 Sicherheit 14 3.1.6 Zeitraum der Spiele 14 3.2 Kernanforderungen: Paralympische Winterspiele 15 3.3 Innsbruck / Tirol - Der mögliche Ausrichter 16 3.4 Erwartungen aus der Bevölkerung 19 4 Strategische Grundsätze der Konzeptentwicklung 22 5 Standortfilterung / Voranalyse 24 6 Szenarienanalyse 27 6.1 Abhängigkeiten 27 6.2 Wettkampfstätten 28 6.2.1 Ski Alpin 29 6.2.2 Freestyle Ski / Snowboard 30 6.2.3 Langlauf / Nordische Kombination 31 6.2.4 Biathlon 31 6.2.5 Bob – Rodeln - Skeleton 32 6.2.6 Skispringen 33 6.2.7 Curling 35 6.2.8 Eiskunstlaufen und Short Track 37 6.2.9 Eisschnelllauf 37 6.2.10 Eishockey 39 6.3 Eröffnungs- und Schlussfeier 42 6.4 Medienzentren 44 6.4.1 International Broadcast Centre (IBC) 44 6.4.2 Main Press Centre (MPC) 46 6.5 Olympisches Dorf / Olympische Dörfer 47 7 Empfehlung Gesamtkonzept 51 7.1 Venue-Konzept – Olympische Winterspiele 51 7.1.1 Übersicht Olympiaworld Innsbruck 53 7.1.2 Tivoli Stadion Tirol 54 7.1.3 Olympiahalle Innsbruck (Olympiaworld) 55 7.1.4 Tiroler Wasserkraft Arena (Olympiaworld) 56 7.1.5 Big Air Schanze (Olympiaworld) 57 Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 3 132 7.1.6 Olympia Eiskanal Innsbruck / Igls 58 7.1.7 Bergiselschanze Innsbruck 59 7.1.8 Snow Park Kühtai 60 7.1.9 Nordic Arena Seefeld 61 7.1.10 St. Anton am Arlberg 62 7.1.11 Biathlonzentrum Hochfilzen 63 7.1.12 Max-Aicher-Arena Inzell 64 7.2 Venue-Konzept – Paralympische Winterspiele 65 7.3 Unterbringung 67 7.3.1 Unterbringungskapazitäten gemäß IOC Anforderung 68 7.3.2 IOC Hotel(s) 70 7.3.3 Fan-Unterbringung und Herkunft 71 7.3.4 Auswirkungen auf den Tourismus 79 7.4 Transport und Verkehr 80 7.4.1 Nationale und internationale Erschließung 80 7.4.2 Bestehende regionale und lokale Verkehrsinfrastruktur 83 7.4.3 Operative Zielsetzungen 85 7.4.4 Mengengerüst 86 7.4.5 Maßnahmen 98 7.5 Umwelt & Nachhaltigkeit 104 7.5.1 Rahmenvorgaben 104 7.5.2 Umweltscreening Wettkampfstandorte 108 7.5.3 Entwicklungsrahmen Nachhaltigkeitsthemen 117 7.5.4 Nachhaltige Leitziele einer möglichen Bewerbung 118 8 Finanzen 120 8.1.1 Grundlagen der Kalkulation 120 8.1.2 Die Budgets Olympischer Spiele 121 8.1.3 Einnahmepotentiale des Organisationskomitees 122 8.1.4 Kosten für die Organisation und Durchführung der Spiele (OCOG Budget) 126 8.1.5 Kosten langfristiger Investitionen (Non-OCOG Budget) 129 8.1.6 Sozio-Ökonomische Effekte 129 9 Abschließende Einschätzung 131 10 Impressum 132 Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 104 132 PROPROJEKT / AS+P / SOLID / MCI 7.5 Umwelt & Nachhaltigkeit Unter Berücksichtigung der in Kapitel 4 untersuchten Ausgangssituation, kann ein nachhaltiges Konzept für die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2026 in Innsbruck / Tirol nur ein modernes, regional tragfähiges Format mit hoher internationaler Reputation sein. Sport und Tourismus tragen hier eine große Verantwortung für die nachhaltige Entwicklung der Region, der Gesellschaft und der internationalen Gemeinschaft. Nachfolgend werden erste Ideen und Entscheidungsgrundlagen für ein nachhaltiges Konzept für die Olympischen und Para- lympischen Winterspiele 2026 beschrieben. In der vorliegenden Machbarkeitsstudie wurden erste Rahmenbedingungen erfasst, relevante Handlungsfelder identifiziert und über ein Variantenstudium und Szenarien die überzeugendsten Austragungsorte für die Wett- kämpfe ausgesucht. Diese Standortsauswahl (Vorzugsvarianten) bestimmt dabei wesentlich den jeweiligen ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Fußabdruck unter Berücksichtigung der möglichen Folgenutzungen. Im Ergebnis wurden erste Umweltscreenings für die Vorzugsvarianten erstellt, die wesentlichen Erkenntnisse zusammengefasst und erste Überlegungen für „Strategische Leitplanken einer nachhaltigen Entwicklung“ skiz- ziert. Der vorliegende Entwurf dient so als Diskussionsgrundlage und Rahmen für die Weiterentwicklung der Bewer- bung und die mögliche Durchführung der Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2026 in Innsbruck / Tirol und Österreich. 7.5.1 Rahmenvorgaben Die Grundlage für die vorliegende Arbeit bildet ein modernes Verständnis von Nachhaltigkeit und die Ziel- übereinkunft, dass das Konzept von Beginn an ökologisch verantwortbar, sozial verträglich und wirtschaftlich tragfähig sein muss. Im Zentrum stehen die Winterspiele und der Sport als möglicher Impulsgeber für eine nachhaltige Entwicklung in Tirol. Die vorliegende Machbarkeitsstudie liefert dabei wesentliche Kennwerte und Entscheidungsgrundlagen für die Politik. Regionale Rahmenvorgaben Eckdaten zum Selbstverständnis und Nachhaltigkeitsbezüge von Innsbruck und Tirol lassen sich aus verschie- denen offiziellen Erklärungen, Projekten und einer Bürgerbefragung in Innsbruck und Tirol ableiten. Diese Sich- tung und Strukturierung vorhandener Quellen und die Befragung sind Grundlage für die Entwicklung eines regional bezogenen Konzeptes. Hierzu wurden u.a. folgende Quellen ausgewertet: Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 105 132 Lebensraum Tirol 4.0 Standortstrategie Tirol (2017) Tirol ist das pulsierende Zentrum für das nachhaltige Entwickeln, Ge- stalten und Erleben der Zukunft des alpinen Lebensraums. „Tirol – Herz der Alpen. Ein Lebens- raum im Dialog mit der alpinen Na- tur.” Leistungsfelder: Spannungsbogen Kultur & alpine Natur Elementare alpine Erlebnisse Heimat des Bergsportes Aktivste Outdoor-Szene der Alpen Das Forschungs- & Bildungszentrum der Alpen Pionier für gesundes Leben in den Alpen Führend in alpiner Technologie Schätze der alpinen Landwirtschaft ZukunftsRaum Tirol_2011 Strategien zur Landesentwicklung Raumordnungsplan (2011) „Zentrales Ziel ist es, dass sich Ti- rol weiterhin als attraktiver Lebens- und erfolgreicher Wirtschaftsraum entwickelt. Angesichts der Vielfalt und zum Teil auch Widersprüchlichkeit der dabei zu berücksichtigenden Erforder- nisse und Interessen kann diese Zielsetzung langfristig nur mit der Zielsetzung der Nachhaltigkeit im Hintergrund verwirklicht werden [...]” (S. 45) Wesentliche Schwerpunkte: Qualitätsvolle, bodensparende Siedlungsentwick- lung Standortoptimierung für Wirtschaft u. Infrastr. Sorgsamer Umgang mit unserem Natur- u. Land- schaftsraum Prävention vor Naturgefahren unter Berücksichti- gung aktueller Entwicklungen Abstimmung zwischen Mobilität u. Raumordnung Konsequenzen aus dem demografischen Wandel Beitrag der Raumordnung zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel Tiroler Weg 2021 Strategie für den Tiroler Tourismus (2015) Tirol ist der Inbegriff Alpinen Le- bensgefühls. Leitlinien: Tirol ist Lebens- und Erholungsraum zugleich Tirol ist anerkannter Kompetenzführer im alpinen Tourismus Der Tiroler Tourismus ist familiengeprägt und ge- nerationenübergreifend Markenprofil Tirol (2012) Tirol ist Kraft mit alpiner Lebens- qualität voll Beständigkeit und Er- neuerung, geprägt von machtvoller Bergwelt und kulturellen Schätzen. Markenwerte: Stark, Eigenwillig, Echt, Verbunden, Mutig Markenstil: Jung, Selbstbewusst, Außergewöhnlich, Klar, Achtsam Markenprofil Innsbruck (2013) Die Symbiose aus Urbanem und Al- pinem ist das Alleinstellungsmerk- mal Innsbrucks. Markenwerte und -themen: Jung, Intelligent, weltoffen Avantgardistische Alpine Ästhetik Kompetenzfeld Sport Faszination Alpine Bergwelt Ökologische Exzellenz Pulsierender Urbaner Raum Tirol 2050 energieautonom TIROL 2050 ist ein Prozess, der alle interessierten Akteure einbindet. Bis zum Jahr 2050 soll der gesamte Energiebedarf Tirols aus eigener Produktion und heimischen Quellen abgedeckt werden. TIROL 2050 energieautonom unterstützt Menschen, Systeme, Initiativen und Unternehmen, Energie spar- sam einzusetzen und ressourcenschonende Alternati- ven zu verwenden. Bis zum Jahr 2050 soll der Ener- gieverbrauch in Tirol halbiert und der Anteil an erneu- erbaren Energieträgern um 30 % erhöht werden. Abbildung 25: Regionale Rahmenvorgaben Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 106 132 PROPROJEKT / AS+P / SOLID / MCI Zusätzlich wurden u.a. folgende Quellen gesichtet: › Nachhaltige Entwicklung in Tirol – Indikatorenbericht 2000 bis 2014 › Tiroler Energiestrategie 2020 – Grundlage für die Tiroler Energiepolitik › Tirol – Erreichung der Klimaschutzziele bis 2022- Stand 19.03.2015 › Nachhaltig beschaffen – Eine Orientierung für Gemeinden Gesamthaft lässt sich folgendes regionales Selbstverständnis als ein Ausgangspunkt für die spätere Erarbeitung einer Nachhaltigkeitsstrategie für Olympische und Paralympische Winterspiele 2026 in Innsbruck / Tirol ablei- ten: Als eine der ältesten und erfahrensten Tourismusregionen weltweit entstand in Tirol schon früh ein Be- wusstsein für die eigene Entwicklung. Die hohe wirtschaftliche Intensität in sensibler Umwelt und in enger Verflechtung mit dem Lebensraum der Bevölkerung veranlasste zur Implementierung klarer Gesetze und Konzepte, die eine bedachte und nachhaltige Entwicklung unter diesen Rahmenbedingungen ermöglichten. Im Rückblick lässt sich eine gewachsene „Entwicklungsphilosophie“ ablesen, die u.a. folgende Kernwerte umfasst: › Schutz der natürlichen Ressourcen › Alpine Identität & Wertvorstellung › Alpine Kompetenzführerschaft › Innovation & Offenheit › Erhalt der familiengeprägten Unternehmensstrukturen Die in Kapitel 4.4 beschriebenen Kernergebnisse der Bevölkerungsumfrage aus dem Frühjahr 2017, hat wich- tige Hinweise und Impulse für ein regional verankertes Konzept, in dem sich auch besondere Erwartungen an die Bereiche Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit haben ableiten lassen. Ein erfolgreiches Konzept Olym- pischer und Paralympischer Winterspielen 2026 muss diesen regionalen Werterahmen in jedem Fall erfüllen. Schutz der natürlichen Ressourcen, gesicherte Nachnutzung der Olympia-Sportstätten und wirtschaftlich-sozi- ale Tragfähigkeit werden daher als Fundament für ein erfolgreiches Konzept erachtet. Internationaler Rahmen Die 5. Weltkonferenz der Sportminister hat sich im Jahr 2013 mit über 120 Staaten der UNESCO zur Nachhal- tigkeit von Sportgroßveranstaltungen bekannt. Investitionen in Infrastrukturen und Sportstätten müssen zu- künftig im Einklang mit sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und ökologischen Nachhaltigkeitsanforderungen stehen. Die 2030-Agenda für Nachhaltige Entwicklung, die am 25. September 2015 beim UNO Nachhaltigkeitsgipfel der Staats- und Regierungschefs verabschiedet worden ist, wird die internationale Zusammenarbeit in zentralen Politikbereichen in den nächsten Jahrzehnten maßgeblich prägen. Die 17 globalen Ziele der Agenda, die soge- nannten Sustainable Development Goals (SDGs), nehmen Regierungen, aber auch Zivilgesellschaft, Privatwirt- schaft und Wissenschaft in die Pflicht – auch bei Sportgroßveranstaltungen wie Olympischen Winterspielen. Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 107 132 Abbildung 26: UNO – Ziele für Nachhaltige Entwicklung Am 08.07.2016 beschloss der Nationalrat das internationale Klimaschutzabkommen von Paris. Gemeinsames Ziel aller Länder ist, den globalen Temperaturanstieg auf deutlich unter 2 Grad Celsius zu begrenzen. Auch Olympische und Paralympische Winterspiele als weltweit größtes touristisches Ereignis sollten einen Beitrag zur Erreichung des Zieles leisten. In der Olympischen Agenda 2020 übernimmt das IOC eine deutlich aktivere Haltung und versucht gezielter sicherzustellen, dass eine „nachhaltige Entwicklung“ in alle Bereiche der Planung und Ausrichtung der Olympi- schen Winterspiele Eingang findet. Derzeitige und künftige Ausrichter der Olympischen Winterspiele werden durch die Ausarbeitung einer Nachhaltigkeitsstrategie dabei unterstützt, Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu schaf- fen und umzusetzen, die die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Bereiche in allen Projektpha- sen abdecken. Mit Hilfe des Nationalen Olympischen Komitees und externen Organisationen wie dem Weltver- band der Olympiastädte (UMVO) stellt das IOC ein Monitoring des Olympischen Erbes nach den Spielen sicher. Diese internationalen Vorgaben und Empfehlungen verdeutlichen, dass es unabdingbar wird, sich der Quer- schnittsaufgabe einer nachhaltigen Entwicklung auch im internationalen Kontext professionell zu widmen und beinhaltet nicht nur die Chance sondern vielmehr die Pflicht in Tirol ein wirkliches „Alleinstellungsmerkmal“ in diesem Themenfeld zu entwickeln. Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 108 132 PROPROJEKT / AS+P / SOLID / MCI 7.5.2 Umweltscreening Wettkampfstandorte Für die Wettkampfstätten der Vorzugsvariante wurde ein Umwelt-Screening durchgeführt, mit dem Ziel eine erste räumliche Wirkungsabschätzung der aktuellen Planung auf die Umwelt abzuleiten. Die Eisschnelllauf-Halle in Inzell (D) sowie die Eishockeyhallen (noch festzulegen) wurden dabei nicht bearbeitet, da es sich um beste- hende Infrastruktur in Siedlungsräumen handelt. Vor diesem Hintergrund wurden auch die Standorte des IBC und MPC in der Messe bzw. im Kongresszentrum in diesem Planungsstadium nicht weiter analysiert. Der vor- gesehene Standort des Olympischen Dorfs wird zusammen mit der Olmypiaworld betrachtet. Dabei wurden die folgenden Rauminformationen (Quelle: https://www.tirol.gv.at/data/) im Planungsperimeter der Wettkampfstandorte analysiert: › Natura 2000-Gebiete: › FFH-Gebiete – Gebiete zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere und Pflanzen nach „Habitat-Richtlinie“ (92/43/EWG); › Europäische Vogelschutzgebiete - Gebiete zur Erhaltung wild lebender Vogelarten im Sinne des Art. 4 Abs. 1 und 2 der Vogelschutz-Richtlinie (2009/147/EG) › Ramsar-Gebiete: Die Ramsar Konvention ist ein Rahmenprogramm zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung von Feuchtgebieten internationaler Bedeutung. › Schutzgebiete Tiroler Naturschutzgesetz 2005 - TNSchG 2005: › Nationalpark › Naturschutzgebiet › Landschaftsschutzgebiet › Ruhegebiet › Sonderschutzgebiet › Geschützter Landschaftsbestandteil › Naturdenkmal › Schutz- und Schongebiete Trinkwasser (§ 34 WRG 1959) › für die Standorte Kühtai und St. Anton am Arlberg das Raumordnungsprogramm bzw. das Tiroler Seilbahn- und Schigebietsprogramm Durch Analyse möglicher Konfliktpotenziale kann das Umwelt-Screening nachweisen, dass das Ziel des Venue- Konzepts, „keine naturschutzfachlich hochwertigen Bereiche zusätzlich zu nutzen oder gar zu beeinträchtigen“, erreichbar ist. An dieser Stelle sei erwähnt, dass das Umwelt-Screening ein geeignetes Verfahren ist, in diesem frühen Pla- nungsstadium die Auswirkungen auf die Umwelt gesamthaft zu beurteilen, die Planungsprozesse unter dem Gesichtspunkt des Umweltschutzes zu steuern und nicht zuletzt auch die Umsetzbarkeit der mit dem Konzept formulierten Ziele zu überprüfen. Unabhängig davon sind aber bei der Umsetzung der Planung die gesetzlich vorgesehenen Genehmigungsverfahren noch vollumfänglich durchzuführen. Die teilweise vorliegende Biotopkartierung wurde gesichtet. Aufgrund der geringen Planungstiefe erscheint eine Analyse möglicher Beeinträchtigungen im Rahmen dieser Machbarkeitsstudie noch nicht sinnvoll. Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 109 132 Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 110 132 PROPROJEKT / AS+P / SOLID / MCI Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 111 132 Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 112 132 PROPROJEKT / AS+P / SOLID / MCI Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 113 132 Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 114 132 PROPROJEKT / AS+P / SOLID / MCI Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 115 132 Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 116 132 PROPROJEKT / AS+P / SOLID / MCI In der folgenden Tabelle sind die Ergebnisse des Umweltscreening der Wettkampfstandorte des Venue-Konzepts dargestellt. Das Venue-Konzept zeichnet sich in hohem Maße dadurch aus, dass es sich bei den Wettkampfstandorten ausschließlich um bestehende, international bedeutsame oder temporäre Sportstätten handelt. Dies wird durch die Durchführung von Weltmeisterschaften und regelmäßigen Weltcupveranstaltungen der jeweiligen Diszipli- nen belegt. Dies schlägt sich auch in dem an dieser Stelle prognostizierten Umrüstungsaufwand für die Durch- führung von Olympischen und Paralympischen Winterspielen an diesen Standorten aus. Diese werden überwie- gend „gering“ eingeschätzt, lediglich am Standort Kühtai mit „gering / mittel“. Vorbehaltlich einer weiteren planerischen Konkretisierung dieser Einschätzung und bisher noch nicht absehbaren Entwicklungen, z.B. von Wettkampfordnungen oder Wettkampf-Formaten, kann dieser Sachverhalt unter dem Gesichtspunkt der Nach- haltigkeit nicht hoch genug eingeschätzt werden. Dies gilt neben den erforderlichen Eingriffen und Konflikten in den Naturhaushalt und das Landschaftsbild insbesondere auch im Hinblick auf eine Nachnutzung der Sport- stätten. Da in St. Anton am Arlberg und Kühtai ausschließlich vorhandene Skipisten Verwendung finden sollen, liegen die betrachteten Perimeter auch innerhalb der Bestandsgrenzen Schigebiete des Tiroler Seilbahn- und Schige- bietsprogramms. Auch die Tatsache, dass abgesehen von Kühtai alle Standorte an den Schienenverkehr angebunden sind, kann im Hinblick auf eine umweltfreundliche Anreise nur positiv herausgestellt werden. Bezüglich der naturschutzrechtlichen Schutzgebietskategorien ist festzustellen, dass alle Wettkampfstandorte des Venue-Konzepts abseits von sämtlichen Schutzgebietskategorien liegen, d.h. weder Natura 2000-Gebiete, noch Ramsar-Gebiete, noch Schutzgebietskategorien des Tiroler Naturschutzgesetzes, wie Nationalparke, Na- turschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete, Ruhegebiete, Sonderschutzgebiete, Geschützte Landschaftsbe- standteile oder Naturdenkmale sind von den Planungen betroffen. Ebenso liegen die Standorte nicht in Schutz- oder Schongebieten für Trinkwasserversorgungsanlagen. Am vorgesehenen Standort des Olympischen Dorfs am Frachtenbahnhof sind ebenfalls keine der untersuchten Schutzgebietskategorien vorhanden. Als Innenentwicklungsmaßnahmen ist dieser Standort im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung zu bevorzugen, mit dem Ziel sich harmonisch in Stadtbild einzugliedern. Standortkriterien Olympiaworld Innsbruck Bergisel Schanze Olympia Eiskanal Igls Status Bestand Big Air temporär Bestand Bestand (Ausbau Auslauf) Wettkampftradition/ Erfahrung Spiele 1964/1976 Eishockey WM 2005 EURO 2008 WC - Vierschan- zentournee WM Bob / Skeleton 2016 WM Rodeln 2017 Umrüstungsaufwand gering gering gering Anbindung ÖBB ÖBB-Fernverkehr ÖBB-Fernverkehr ÖBB-Fernverkehr Höhenlage [m ü. NN] 590 m 650 – 750 m 990 – 1.100 m Raumordnungspro- gramm - - - Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 117 132 Natura 2000-Gebiete, Ramsar-Gebiet Nicht vorhanden Nicht vorhanden Nicht vorhanden Landschaftsschutz-, Naturschutz-, Ruhe-, Sonderschutzgebiete, Nationalpark, Ge- schützte Landschafts- teile, Naturdenkmäler Nicht vorhanden Nicht vorhanden Nicht vorhanden Trinkwasser Schutz - und Schongebiet Nicht vorhanden Nicht vorhanden Nicht vorhanden Standortkriterien Snow Park Kühtai St. Anton am Arlberg Biathlonzentrum Hochfilzen Nordic Arena Seefeld Status temporär (Halfpipe Bestand) Bestand Bestand Bestand Wettkampftradition/ Erfahrung WC Alpin 2016/17, 2012 Winter Youth Olympic Games Alpine Ski-WM 2001 WM 2017, Weltcup WM 2019 (Nordic) Umrüstungsaufwand gering/mittel gering gering gering Anbindung ÖBB nein (Bus) ÖBB-Fernverkehr ÖBB-Fernverkehr ÖBB-Fernverkehr Höhenlage [m ü. NN] 1.950 – 2.150 m 1.300 – 2.300 m ca. 1.000 m 1.200 – 1.250 m Raumordnungspro- gramm innerhalb der Bestandsgrenzen Schige- biete des Tiroler Seilbahn- und Schige- bietsprogramm - - Natura 2000-Gebiete, Ramsar-Gebiet Nicht vorhanden. Nicht vorhanden. Nicht vorhanden. Nicht vorhanden. Landschaftsschutz-, Naturschutz-, Ruhe-, Sonderschutzgebiete, Nationalpark, Ge- schützte Landschafts- teile, Naturdenkmäler Nicht vorhanden. Nicht vorhanden. Nicht vorhanden. Nicht vorhanden. Trinkwasser Schutz - und Schongebiet Nicht vorhanden Nicht vorhanden Nicht vorhanden. Nicht vorhanden. 7.5.3 Entwicklungsrahmen Nachhaltigkeitsthemen Aufgrund dieser regionalen und internationalen Rahmenvorgaben kommt es darauf an, relevante Themenfelder zu bestimmen, die in der Folge dann intensiv zu bearbeiten sind. Entsprechend den drei Säulen der Nachhal- tigkeit beinhaltet das Themenfeld bei Olympischen und Paralympischen Winterspielen in Innsbruck / Tirol 2026 die folgenden Dimensionen: Infrastruktur und Verkehr, Ökologie und Ressourcen, Klima und Energie, Soziales und Partizipation sowie Ökonomie und Nachnutzung. Innerhalb dieser Themengebiete müssen in einer späteren Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 118 132 PROPROJEKT / AS+P / SOLID / MCI Bewerbungsphase besonders relevante Handlungsfelder identifiziert und über spezifische Ziele konkretisiert werden. Auf der Basis der vorliegenden Rahmenvorgaben und der Auswertung der Befragung wurde ein erster Entwick- lungsrahmen zur Operationalisierung von Nachhaltigkeit bei den Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2026 dargelegt. Dabei wurde eine dreistufige Priorisierung gewählt. Sehr hohe Relevanz (Rot); hohe Relevanz (Blau); mittlere Relevanz (Schwarz). Diese Priorisierung ist Diskussionsergebnis einer ersten Arbeitsfassung und muss mit Bezug zu den regionalen, nationalen und internationalen Perspektiven weiter entwickelt werden. Operationalisierung von Nachhaltigkeit Entwicklungsrahmen für Olympische und Paralympische Winterspiele Innsbruck / Tirol 2026 Abbildung 27: Entwicklungsrahmen für Winterspiele Innsbruck / Tirol 2026 7.5.4 Nachhaltige Leitziele einer möglichen Bewerbung Keiner kann heute voraussagen, welche regionalen, nationalen und internationalen Standards und Ziele die Nachhaltigkeitsstrategie im Jahr 2026 bestimmen werden. Dennoch müssen bereits heute Leitplanken entwi- ckelt werden, die in den kommenden Monaten über Leitlinien, Ziele und Projekte konkretisiert und angepasst werden. Innsbruck, Tirol und Österreich haben das Potenzial mit nachhaltigen Konzepten eine internationale Vorreiter- rolle moderner Olympischer und Paralympischer Winterspiele zu übernehmen. Mit dem Beschluss der Tiroler Landesregierung „Leben mit Zukunft – Tirol nachhaltig positionieren“ haben sich die Landespolitik und Landesverwaltung bereits heute zum Ziel gesetzt, eine Vorbildrolle in Bezug auf nachhal- tige Entwicklung einzunehmen. Die weitere Planung und mögliche Durchführung von Olympischen und Para- lympischen Winterspielen in Innsbruck / Tirol 2026 sollte an diese Ansprüche und spezifischen lokalen Rahmen- Machbarkeitsstudie Innsbruck / Tirol 2026 119 132 bedingungen angepasst sein. Konzepte haben die Aufgabe die Unverwechselbarkeit der Region widerzuspie- geln, regionale Stärken zu nutzen und bestehende Strategien zur nachhaltigen Entwicklung aufzugreifen. Nach dem Motto: Lokale Identität. Regionale Impulse. Internationale Wettbewerbsfähigkeit. Vor diesem Hintergrund wurden die folgenden zwölf (12) konkreten strategischen Leitplanken abgeleitet: 1. Innsbruck, Tirol und Österreich haben die Stärke und das Verantwortungsbewusstsein mit einem nach- haltigen Konzept eine Vorreiterrolle für moderne Olympische und Paralympische Winterspiele zu über- nehmen. 2. Innsbruck und Tirol können herausragende Spiele in einem modernen, regional tragfähigen For- mat unter Anwendung höchster ökologischer und sozialer Standards anbieten. 3. Innsbruck und Tirol nutzen die sich aus den Olympischen und Paralympischen Winterspielen ergeben- den Impulse für eine nachhaltige Entwicklung ihres attraktiven alpinen Lebensraums und er- folgreichen Wirtschaftsraums. 4. Ein nachhaltiges Konzept muss sich in einer angepassten Dimensionierung der Spiele und ent- sprechend begrenzten Ausgaben widerspiegeln. 5. Zielkonflikte in der Projektentwicklung müssen grundsätzlich mit Hilfe von Kosten-Nutzen-Bewer- tungen gelöst werden. Dabei orientieren sich die Entscheidungen an Kosteneffizienz und der Ein- haltung ökologischer und sozialer Rahmenvorgaben. 6. Tirol und Innsbruck werden mit den Spielen ihrer Selbstverantwortung als führendes alpines Tourismus- und Sportland mit hoher internationaler Reputation gerecht. 7. Mit den Winterspielen stärken wir den Sport und aktivieren die gesellschaftlichen Potenziale des Breiten- und Leistungssports in Tirol und ganz Österreich. 8. Wir ermöglichen allen Menschen und insbesondere der Jugend einen verbesserten Zugang zu Sport, Tradition und Kultur auf Basis der olympischen Werte „Excellence, Friendship and Respect“. 9. Von Beginn an werden die Planungen einem Umweltscreening unterzogen, um frühzeitig Kon- fliktpotenziale zu erkennen und durch Standorts- oder Planungsalternativen aufzuheben. 10. Voraussetzung jeder Sportstätten-/Gebäudeplanung ist eine kritische Bedarfsprüfung und ein öko- logisch und ökonomisch ausgewogenes Konzept für die langfristige Nutzung. 11. Wo immer möglich und soweit die sportfachlichen Anforderungen für Olympia erfüllt werden können, besitzt die Nutzung bereits bestehender Sport- und Veranstaltungsstätten in Tirol oberste Pri- orität. 12. Sorgfältige Planung und strenges Kostenmanagement sind Eckpfeiler einer Bewerbung. Maß- nahmen werden bereits in einer frühen Projektphase daraufhin untersucht, ob es unter Einhaltung der ökologischen und sozialen Rahmenvorgaben wirtschaftlich tragfähige Alternativen oder Varianten gibt.
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Zuletzt aktualisiert: 23.07.2026
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