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    Zeitschrift für Studium und Lehre in der Sportwissenschaft · 2020, 3(2) 5 DOI: 10.25847/zsls.2019.018 Doping in der Universität!? · Pöppel Katharina Pöppel ORIGINALIA › PEER REVIEW ZUSAMMENFASSUNG Problemorientierten Lern-Settings wird ein besonderer Vorteil für Lernende zuge- sprochen. Somit sollte die Sportwissenschaft als Querschnittdisziplin ein besonderes Potenzial für die Bearbeitung thematisch breit angelegter Fragestellungen bieten. Die Behandlung des Themenbereichs Doping und Dopingprävention als Problemfeld in der Universität bietet über einen reinen Leistungssportfokus hinaus die Möglichkeit indi- viduell relevante Schwerpunkte zu setzen, diese einer gesamtgesellschaftlichen Be- trachtung zu unterziehen und er eignet sich ebenfalls für eine Betrachtung im Rahmen des Sportunterrichts sowie zur Förderung von Literacy. Zur Identifikation zugrunde liegender Haltungen hinsichtlich Dopings und dessen Prävention sowie der Gestaltung von Lern-Arrangements werden die Ergebnisse einer Online-Umfrage mit 82 Teilneh- menden (69.5 % Studierende, 17.1 % Lehrkräfte) dargestellt. Die Teilnehmenden se- hen Doping in erster Linie als ein Problem des Spitzensports an und äußern insgesamt eine dopingkritische Haltung. In Hinblick auf eine Implementierung des Themenbe- reichs in Lehr-Lern-Settings wie den schulischen Kontext werden eine Anknüpfung an verschiedene Fächer auch außerhalb des Sportunterrichts (beispielsweise Biologie oder Ethik) sowie aktivierende Lern-Settings, zum Beispiel Diskussionsrunden oder kleine Forschungsprojekte, hervorgehoben. Es zeigt sich eine Differenzierung im Ver- ständnis von Sport im Vergleich zu Sportunterricht, wobei insbesondere Lernen als Teil des Sportunterrichts angesehen wird. Die Teilnehmenden zeigen günstige Vor- aussetzungen für eine Implementierung von Doping(prävention) in Lern-Settings, die eine kritische und offene Auseinandersetzung über das Fach Sport hinaus fördern. Sofern eine Anerkennung erfolgt, dass der Bereich Doping auch außerhalb des Leis- tungssports ein Problem darstellt, bietet der Themenbereich vielfältige Profitmöglich- keiten für Lernende. Doping in the university!? A look at the implementation of doping prevention in university sports teachter training Abstract: Problem-oriented environments for learning are supposed to be particularly beneficial for students. The interdisciplinary field of sports science enables students to work on a wide range of topics. Implementing doping and doping prevention as a topic in sports science or physical education provides the opportunity to work on issues, which are perceived as individually relevant besides focusing solely on high- performance sports and which should have the potential to be beneficial for one’s li- teracy. Additionally, students have the opportunity to discuss the topic from a societal perspective. Eighty-two participants (69.5 % students, 17.1 % teachers) took part in an online survey, which focused on underlying attitudes towards doping (prevention) and the composition of learning processes. The participants regarded doping prima- rily as a problem of high-performance sports and conveyed a doping critical attitude. korrespondierende Autorin Katharina Pöppel Universität Oldenburg Institut für Sportwissenschaft Ammerländer Heerstraße 114-118 26129 Oldenburg E-Mail: katharina.poeppel@uol.de ORCID: 0000-0002-6573-3761 Schlüsselwörter Problemorientiertes Lernen, Dopingpräven- tion, Lehramt, Sportunterricht, Sportver- ständnis Keywords Problem-oriented learning, doping preventi- on, teaching profession, physical education, perception of sports Zitieren Sie diesen Beitrag wie folgt: Pöppel, K. (2020), Doping in der Univer- sität!? Eine rezeptfreie Betrachtung der Implementierung von Dopingprävention in die universitäre Sport-Lehramtsausbil- dung. Zeitschrift für Studium und Lehre in der Sportwissenschaft 3(2), 5-14. Doping in der Universität!? Eine rezeptfreie Betrachtung der Implementierung von Doping- prävention in die universitäre Sport-Lehramts- ausbildung Zeitschrift für Studium und Lehre in der Sportwissenschaft · 2020, 3(2) 6 CC BY 3.0 DE Doping in der Universität!? · Pöppel Regarding the implementation of doping (prevention) in teaching- learning processes like a school setting, they consider subjects like biology or ethics as a good option to focus on doping besides phy- sical education. Furthermore, they favor activating learning envi- ronments like discussion rounds or smaller research projects. The participants differentiate in their perception between sports and physical education. Especially learning opportunities are conside- red to be a part of physical education. The participants show favo- rable preconditions for the implementation of doping (prevention) in a learning environment, which should enable frank and critical discussions beyond the borderline of sports. If the participants ack- nowledge doping to be a general problem, this topic provides a lot of opportunities to be beneficial for students. 1 EINLEITUNG Das Thema Doping(prävention) lässt sich mit Blick auf die wissen- schaftliche Ausbildung in der universitären sportwissenschaft- lichen Lehre kontrovers diskutieren. Einerseits wachsen Kinder und Jugendliche in einer leistungsgeprägten Gesellschaft heran. Andererseits setzt man sich im Leistungssport mit der Frage ausein- ander, wie angemessen eine repressiv geprägte Bildung von Athle- tinnen und Athleten in Anbetracht wachsender Toleranz gegenüber technischen und pharmazeutischen Hilfsmitteln sowie der gesell- schaftlichen Anerkennung von Leistung ist (Petróczi, Norman, & Brueckner, 2017). Insofern umfasst der Themenbereich Doping und Dopingprävention auch eine Betrachtung der Bedingungen von Lernen und kann als exemplarisches Thema für die inhaltli- che Gestaltung von Lehrveranstaltungen herangezogen werden. Betrachtet man Lernprozesse (als charakterisierendes Merkmal einer jeden schulischen oder universitären Ausbildung) genauer, wird diesbezüglich unter anderem der Vorteil problemorientierten Lernens (Reusser, 2005) sowie die Bedeutsamkeit von Interesse und Motivation hervorgehoben (Hasselhorn & Gold, 2017). Die in- traindividuell unterschiedliche Ausprägung von Interesse und Mo- tivation lässt sich durch die Gestaltung einer Lehr-Lern-Situation positiv beeinflussen, insbesondere wenn Lernende an einer für sie relevanten Aufgaben- oder Problemstellung arbeiten können (Lut- tenberger, Wimmer, & Paechter, 2019). Die Universität sollte daher ein idealer Ort für die Gestaltung produktiver Lern-Settings sein, da von Studierenden einer Fachrichtung per se ein erhöhtes Inte- resse und eine erhöhte Motivation für die Inhalte ihres gewählten Studienfachs zu erwarten sein sollte. Gerade die Sportwissenschaft als Querschnittsdisziplin sollte demnach die Gelegenheit bieten, Inhalte und Problemstellungen mit einem breiteren Blickwinkel und auch über die Grenzen des Fachs hinaus zu betrachten. Der vorliegende Beitrag verfolgt zwei Zielsetzungen: 1) auf ei- ner übergreifenden Ebene die Betrachtung des zugrundeliegenden gesellschaftlichen Sportverständnisses sowie die Identifikation ge- sellschaftlicher Haltungen zur Initiierung von Lern- und Bildungs- prozessen in der Sportwissenschaft und im Sport; 2) auf einer in- haltsbezogenen Ebene die Identifikation einer Lernausgangslage, die universitären Bildungsprozessen im Dopingkontext zugrunde liegt. Hierzu zählen vorliegende Haltungen und die empfundene Relevanz des Themenbereichs Doping und Dopingprävention auch außerhalb des Spitzensports. Dies schließt eine Auseinanderset- zung mit Ideen ein, wie dieser Bereich aus einer universitären Per- spektive in den schulischen Kontext implementiert werden könnte. 2 LEHREN UND LERNEN IN DER SPORT- WISSENSCHAFT 2.1 Sportverständnis Das Studium der Sportwissenschaft ermöglicht vielfältige Schwer- punktsetzungen, denen das übergreifende Setting Sport gemein ist. Das Ziel der wissenschaftlichen Betrachtung von Sport „ist es, den Sport und das Sporttreiben der Menschen zu beschreiben, zu verstehen und zu erklären“ (Krüger & Emrich, 2013, S. 14). Neben wissenschaftlich orientierten Definitionen von Sportwissenschaft oder Sport(unterricht) stellt sich die Frage, was im allgemeinen Verständnis mit dem Begriff Sport verbunden wird. Dieses Verständ- nis bildet auf einer gesamtgesellschaftlichen Ebene die Wahrneh- mung von Sport ab. Während im Bereich Geschichte der Begriff des Geschichtsbewusstseins existiert, definiert als „eine übertragbare Haltung und Qualifikation, ein erschließender Weltzugang“ und als „kein Vorrat kanonischer oder auch individual-spezifischer Kennt- nisbestände“ (Meyer-Hamme & Borries, 2008, S. 110), gibt es für den Sport bisher kein Äquivalent. Nach Meyer-Hamme und von Borries (2008) setzt sich das Geschichtsbewusstsein aus drei zu- sammenhängenden Dimensionen zusammen, die einer immanenten Beeinflussung durch Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unter- liegen und die in Abbildung 1 dargestellt sind. In einem ersten Versuch sollen die benannten Dimensionen auf den Bereich Sport übertragen werden, wobei als Besonderheit so- wohl eine passiv-rezipierende Perspektive als auch eine aktiv-sport- treibende Perspektive beachtet werden. Das zu beschreibende Kon- strukt wird hierbei als Sportverständnis bezeichnet (auch um eine potentielle Konfundierung mit der kognitionspsychologischen oder medizinischen Verwendung des Bewusstseinsbegriffs zu vermei- den). In einer Arbeitsdefinition und orientiert an der Definition des Geschichtsbewusstseins wird unter Sportverständnis eine subjektive Wahrnehmung von Sport bestehend aus einem zeitunabhängigen Zusammenwirken folgender Facetten verstanden: a) der Sportkultur als eine gesellschaftlich geprägte, individuelle Wahrnehmung von Sport, ausgedrückt über die eigene Präsentation, Rezeption oder Kommunikation von bzw. über Sport, b) der eigenen Sportidenti- tät, welche die eigene Selbstdefinition, sportliche Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie Sportaffinität umfasst und c) die sportbezogene Handlungskompetenz, die das eigene sportbezogene Denk- und Handlungsvermögen umfasst. Innerhalb dieser Bereiche und ge- prägt durch das eigene Sportverständnis erfolgt demnach wissen- schaftliches Denken in der Sportwissenschaft. 2.2 Problemorientiertes Lernen im (Lehramts-) Sportstudium Fokussiert man auf Studierende und die Bereiche des wissenschaftli- chen Denkens und Arbeitens in der Sportwissenschaft, kristallisiert sich vor allem die Besonderheit des Lehramtsstudiengangs heraus, dessen Studierende einerseits an eine wissenschaftliche Ausein- andersetzung herangeführt werden und andererseits zu Experten der Initiierung von Lern- und Bildungsprozessen im Fach Sport ausgebildet werden. Dies schließt auch die Bereiche Persönlich- keitsentwicklung oder Gesundheitsförderung von Schülerinnen und Schülern sowie gesellschaftliche Teilhabe ein (Kultusministerkonfe- renz & Deutscher Olympischer Sportbund, 2017). Ein universitäres sportwissenschaftliches Studium sollte einerseits an diese Bereiche Zeitschrift für Studium und Lehre in der Sportwissenschaft · 2020, 3(2) 7 DOI: 10.25847/zsls.2019.018 Doping in der Universität!? · Pöppel anknüpfen und andererseits sollten diese Perspektiven auch im Rahmen eines Studiums angesprochen werden. Weiterhin impliziert dies eine reflexive Auseinandersetzung mit Inhalten der Sportwis- senschaft (Krüger & Emrich, 2013) bzw. des Sportunterrichts in Ergänzung zu motorischen Bildungskomponenten und steht in Ein- klang mit der für den Schulkontext formulierten Zielsetzung, dass Sportunterricht einen übergreifenden Bildungsanspruch erfüllen soll (Schierz & Miethling, 2017). Diese Zielsetzung ist verbunden mit dem Erreichen einer sogenannten Health Literacy im Sinne von gesundheitsbezogener Bildung, definiert als: „Die Fähigkeit, auf Informationen zuzugreifen, diese zu verstehen, zu bewerten und zu kommunizieren als eine Möglichkeit Gesundheit in einer Vielzahl von Settings im Laufe des Lebens zu fördern, aufrechtzuerhalten und zu verbessern.“ (Rootman & Gordon-El-Bihbety, 2008, S. 11; übersetzt aus dem Englischen). Eine gesundheitsbezogene sportwissenschaft- liche Perspektive kann hierbei ebenfalls als Bindeglied zwischen sportpädagogischen, sportmedizinischen, bewegungs- oder trai- ningswissenschaftlichen Bereichen verstanden werden (vgl. Krüger & Emrich, 2013). In Anbetracht der thematischen Breite der Sportwissenschaft müssen sich Studierende im Verlauf ihres Studiums entsprechend ihrer Interessenlagen fokussieren. Damit sollten ein erhöhtes Inter- esse und eine erhöhte Lernmotivation verbunden sein (Luttenberger et al., 2019). Im (Hoch-)Schulkontext wird problemorientiertes Lernen als besonders wertvoll für die Ausbildung von Grundlagen- wissen, fachlichen Fertigkeiten und soft skills erachtet (Reusser, 2005). Metaanalytische Ergebnisse stützen diese Annahme und zeigen einen robusten positiven Effekt problemorientierten Lernens auf die Ausbildung von Fertigkeiten. Betrachtet man das erworbene Wissen, zeigt sich, dass vergleichsweise weniger Wissen angeeignet wurde, dieses aber besser erinnert wird (Dochy, Segers, van den Bossche & Gijbels, 2003). Gestalten Lehrende Lernumgebungen, in denen Lernende an für sie relevanten Problemstellungen arbeiten können, fördert dies entsprechend des Konzepts die Eigenständig- keit der Lernenden, eine kognitive Aktivierung sowie die Aneignung transferfähigen Wissens auch innerhalb des Fachs Sport. Entspre- chend Reussers (2005) Ausführungen sind Lehrende auf der anderen Seite gefordert, relevante und bearbeitbare Problemstellungen zu ermöglichen und zudem flexibel fundierte Hilfestellungen zu leisten. Lernen wird hierbei als individueller und subjektiver Konstruktions- prozess verstanden, der basierend auf authentischen und komplexen Problemen erfolgt und frühzeitig eine fächerübergreifende Denkwei- se fördert (Hasselhorn & Gold, 2017; Reusser, 2005). Somit bietet die Sportwissenschaft oder – bezugnehmend auf angehende Sport- lehrkräfte – das Schulfach Sport zahlreiche Anknüpfungspunkte. 2.3 Praxisbeispiel aus der sportwissenschaftli- chen Lehre Offenere Seminarkonzepte wie die an der Universität Oldenburg für Lehramtsstudierende angebotene Veranstaltung Lehrgang und Labor fördern und ermöglichen ein übergreifendes wissenschaftli- ches Denken, indem Raum für alternative Denkweisen von Sport- unterricht gegeben wird, die zunächst nur grob an curricularen Vorgaben oder Maßgaben der Kultusministerkonferenz orientiert sind (Schierz, 2019). Das Seminarkonzept ist hierbei geeignet, zentrale Charakteristika problemorientierten Lernens abzudecken: (1) Studierende tragen selbst die Verantwortung für ihren Lernpro- zess, (2) es werden reale Probleme bereitgestellt, die Studierenden eine Bearbeitung mit verschiedenen Zugangsweisen ermöglichen, (3) der Lernprozess ist in einen multidisziplinären Kontext einge- bettet, (4) die Zusammenarbeit von Studierenden ist ein zentraler Bestandteil und (5) der Lernprozess erfolgt selbstgesteuert und er- möglicht eigene Lösungsfindungen (vgl. Savery, 2006). Angedockt Geschichtskultur Gesellschaftliches und individuelle Praxis in Präsentation, Rezeption und Kommunikation Historische Identität Gesellschaftliche und private Selbstdefinition und Einordnung Historische Handlungskompetenz Denk- und Handlungsvermögen (affirmativer Umgang mit Vergangenheit und Geschichte) Geschichtsbewusstsein Sportverständnis • Wettkampf1,2 • Sieg und Niederlage1,2,3 • Eigene Leistung übertreffen1,2,3 • Kooperation1,2 • Training1,2,3 • Feste Strukturen1,2 • Lerngelegenheiten1,3 • Wissenschaftliches Fundament1,2,3 • Große Sportereignisse1,2 • Gemeinsame Erlebnisse1,2,3 • Förderung von Talenten1,3 • Doping1,2,3 • Werte u. ethische Grundsätze1,2,3 Sportkultur1 Gesellschaftliches und individuelles Verständnis von Sport in Präsentation, Rezeption und Kommunikation (sowohl aus einer aktiv-sporttreibenden als auch passiv-rezipierenden Perspektive) Sportbezogene Identität2 Gesellschaftliche und private Selbstdefinition und Einordnung von Sport (sowohl aus einer aktiv- sporttreibenden als auch passiv-rezipierenden Perspektive) Sportbezogene Handlungskompetenz3 Denk- und Handlungsvermögen (sowohl aus einer aktiv-sporttreibenden als auch passiv- rezipierenden Perspektive) Abbildung 1: Ableitung der Arbeitsdefinition von Sportverständnis (samt Attributliste) aus dem Begriff des Geschichtsbewusstseins nach Meyer-Hamme und von Borries (2008). Zeitschrift für Studium und Lehre in der Sportwissenschaft · 2020, 3(2) 8 CC BY 3.0 DE Doping in der Universität!? · Pöppel an fachübergreifendes Unterrichtsmaterial des Bundesinstituts für Sportwissenschaft, der Bundeszentrale für politische Bildung, der Nationalen Anti-Doping Agentur Deutschlands und des Projekts Translating Doping (Alpermann et al., 2012) können Studierende den Themenbereich Doping und Dopingprävention frei und ent- sprechend eigener Interessenschwerpunktsetzungen auf eigene Perspektiven und seine Unterrichtstauglichkeit hin diskutieren sowie eine eigene begründete Haltung entwickeln. Das Material ermöglicht unter anderem die Kopplung an die Fächer Geschichte, Ethik oder Biologie und spricht somit auch (je nach Fächerkombi- nation im Lehramtsstudiengang) Kompetenzen und Wissen des Zweitfachs intendiert an. Basierend auf grundsätzlichen Vorgaben (z. B. Prüfungsleistungen, eine über zwei Semester angelegte Lehr- veranstaltung, etc.) erhalten die Studierenden die Gelegenheit, an als relevant empfundenen Problemstellungen zu arbeiten und diese mit der Perspektive der Gestaltung von schulischen Lernumgebun- gen zu bearbeiten. Vergleichbar mit häufig bereits in den Schulalltag implemen- tierten Themen wie dem Umgang mit Alkohol, Nikotin oder anderen Substanzen mit Sucht oder Gesundheitsgefährdungspotenzial stellt sich die Frage, wie man Prävention und Aufklärung zielführend und konstruktiv in den Schullalltag einbeziehen kann, sodass er für Schülerinnen und Schüler unter anderem in Anbetracht einer in der Regel noch wenig ausgeprägten Sorge um gesundheitserhaltende Belange relevant wird (Singler & Treutlein, 2006). Das Thema Do- ping wird hierbei explizit im Memorandum Schulsport 2019 genannt und in seiner Bedeutung für die Ausbildung einer umfassenden Handlungsfähigkeit Heranwachsender hervorgehoben (Deutscher Sportlehrerverband, Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft, Deutscher Olympischer Sportbund & Fakultätentag Sport, 2019). Da es innerhalb der curricularen Vorgaben im Unterrichtsfach Sport thematische Freiräume für Lehrerinnen und Lehrer gibt und Über- zeugungen von Lehrkräften Einfluss auf die Gestaltung von Lernset- tings haben (Reusser & Pauli, 2014), erscheint es umso wichtiger zu prüfen, mit welcher Grundhaltung bereits Sportstudierende hinsichtlich des Themas Doping und Dopingprävention ausgerüstet sind. Die eigene Health Literacy von Studierenden dient demzufolge als Ausgangspunkt für eine zukünftige Arbeit mit verschiedenen In- teressengruppen, seien es beispielweise Schülerinnen und Schüler, Athletinnen und Athleten oder Patientinnen und Patienten. 3 DIE GESELLSCHAFTLICHE BEDEUTUNG UND SCHULISCHE RELEVANZ VON DOPING(PRÄVENTION) Egal, ob man Athletinnen und Athleten, (Sport-)Studierende oder Schülerinnen und Schüler ins Zentrum einer wissenschaftlichen Betrachtung stellt: Handlungen erfolgen zielgerichtet und sind in einen Kontext eingebettet (Häcker & Stapf, 2004), der gemäß hand- lungstheoretischer Ansätze sowie gemäß der Vulnerabilitätsfakto- ren des Life-Cycle Model of Performance Enhancement (Petróczi & Aidman, 2008) durch ein Zusammenwirken von Aufgabe/Situation (situational factors), Umwelt/System (systemic factors) und Person (personality factors) charakterisiert wird. Entsprechend dieses Mo- dells mündet dieses Zusammenspiel in eine dopingablehnende oder -befürwortende Einstellung und kann nachfolgend einen leistungs- steigernden Substanzkonsum auslösen. Entsprechend aktuellerer Modellvorstellungen werden die Faktoren flankiert von Gründen für oder gegen ein Verhalten (Petróczi et al., 2017; Westaby, 2005). Die einzelnen Faktoren sind hierbei nicht klar voneinander abgegrenzt und werden im Folgenden im Transfer auf den allgemeinen Sport- kontext sowie den Konsum leistungssteigernder Substanzen im nicht-athletisch geprägten Bereich dargestellt, den das Modell ex- plizit miteinschließt. Die dargestellten Faktoren (mit Ausnahme des als vergleichsweise stabil angesehenen Personenfaktors) dienen gleichermaßen als Orientierungspunkte für die Implementierung von Präventionsmaßnahmen sowie als Grundlage der vorliegenden Untersuchung. 3.1 Doping(prävention) unter Berücksichti- gung der Umwelt-Perspektive Die Wirkung des Faktors Umwelt wird von Petróczi und Aidman (2008) als wandelbar angesehen. Er umfasst die Haltung gegen- über leistungssteigernden Substanzen innerhalb einer Gesellschaft sowie die Wahrnehmung von Fairness oder Sanktionen. Somit werden Konzepte angesprochen, die auch im Sportstudium oder allgemeinen Sportunterricht bedeutsam sind. Betrachtet man diesen systemischen Faktor sollte zunächst eine Relevanzein- schätzung erfolgen, die zur Legitimation der Berücksichtigung von Doping(prävention) im (Sport)Studium oder Unterricht und somit auch außerhalb athletischer Zielgruppen beiträgt. Im Leis- tungssport existieren Indizien, dass die von der Welt Anti-Doping Agentur (2018) identifizierte Anzahl von 1.4 % auffälliger Proben „die Spitze des Eisbergs“ darstellen. Dieser Zahl stehen Prävalenz- hochrechnungen aus dem Leichtathletikbereich von bis zu 61.8 % (Ulrich et al., 2017) sowie Schätzungen für den internationalen (48.8 %) und nationalen (25.5 %) Leistungssport gegenüber (Pöppel & Büsch, 2019). Darüber hinaus stellt der Missbrauch leistungssteigernder Substanzen auch ein Problem des Breiten- und Freizeitsports (Nieß, Striegel, & Wiesing, 2014) sowie in Fitnessstudios dar, inklusive gravierender Wissenslücken über die (Folge-)Wirkungen der Substanzen (Kläber, 2010). Motive für den Einsatz von Substanzen sind nicht ausschließlich die Steigerung der sportlichen Leistungsfähigkeit, sondern auch persönliche äs- thetische Zielstellungen (Pedersen, 2010). Somit ist die Relevanz dieses Themenbereichs nicht ausschließlich im (Leistungs-)Sport zu verorten und der Blickwinkel der Betrachtung deutlich weiter zu fassen (z. B. Arzneimittelmissbrauch), was wiederum Chancen für problemorientierte Aufgabenstellungen und eine Förderung von Health Literacy bietet. Das Doping-Einstiegsalter kann bereits in der Präadoleszenz liegen, ist unabhängig vom sportlichen Leistungsniveau und die Bereitschaft zur Nutzung steigt mit zunehmendem Alter (Wanjek, Rosendahl, Strauss, & Gabriel, 2007). Demnach kann die Adoles- zenz als vulnerable Phase angesehen werden, wodurch auch das Handeln von (angehenden) Sportlehrkräften über den Leistungs- sportkontext hinaus für die Ausbildung einer kritischen Haltung gegenüber leistungssteigernden Substanzen von Schülerinnen und Schülern an Bedeutung gewinnt. Mit dem Ziel einer frühzeitigen Prävention und Gesundheitsförderung werden mittlerweile aus einer gesamtgesellschaftlichen Perspektive positiv konnotierte Maßnahmen gefordert, die pharmakologische Hilfen im Alltag als charakteristisch für die gegenwärtige Zeit erachten und ein offe- neres Problembewusstsein auslösen sollen (Petróczi et al., 2017). Grundlegend – auch in Hinblick darauf, ob Doping(prävention) als universitär oder schulrelevantes Thema empfunden wird – stellt Zeitschrift für Studium und Lehre in der Sportwissenschaft · 2020, 3(2) 9 DOI: 10.25847/zsls.2019.018 Doping in der Universität!? · Pöppel sich die Frage, wie Doping gesellschaftlich wahrgenommen wird. Auf den Leistungssport bezogen konnte international einerseits eine ablehnende Haltung der Bevölkerung gegenüber dem Einsatz von Doping aufgezeigt werden (Engelberg, Moston, & Skinner, 2012). Andererseits konnte ein Wandel von einer Null-Toleranz- Haltung zu einer liberaleren Dopingauffassung unter Sportstudie- renden festgestellt werden (Vangrunderbeek & Tolleneer, 2010). Sollte sich eine liberalere Haltung bestätigen, wäre eine Wissens- vermittlung und/oder eine Bearbeitung von individuell als relevant erachteten Frage- und Problemstellungen umso wichtiger. Dadurch sollten Entscheidungen bewusst und in Kenntnis von Wirkungen und Nebenwirkungen getroffen werden können, was wiederum dem Verständnis von Health Literacy entspricht. 3.2 Doping(prävention) unter Berücksichti- gung der Aufgaben-Perspektive Die Aufgaben-Perspektive impliziert Einflüsse konkreter Situati- onen und wird als veränderbar in ihrer Wirkung aufgefasst. Unter dieser Perspektive subsumieren sich dynamische Interaktionen mit der eigenen Peergroup, Eigenschaften von Rollenmodellen oder signifikanten Anderen sowie die generelle Verfügbarkeit leistungs- steigernder Substanzen (Petróczi & Aidman, 2008). Entsprechend der Modelllogik lässt sich hier auch der Umgang mit akuten Krisen- situationen (bspw. Verletzungen oder Leistungsversagen) einord- nen. In Anbetracht der durch das Internet erleichterten Verfüg- barkeit und Beschaffung von Substanzen wäre diesbezüglich eine kritische Auseinandersetzung im universitären oder schulischen Kontext sinnvoll. 3.3 Dopingeinstellungen Die zuvor beschriebenen Faktoren sollen entsprechend der Modell- logik in eine positive oder negative Einstellung gegenüber Doping münden (Petróczi & Aidman, 2008). Eine Erhebung der expliziten Dopingeinstellungen mittels Kurzform der Performance Enhance- ment Attitude Scale (PEAS-S) ergab bei englischen Sportstudie- renden eine ablehnende Haltung gegenüber Dopingsubstanzen (Vargo et al., 2015). Betrachtet man darüber hinaus den Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln, die als bahnend für einen späte- ren Einsatz von Dopingsubstanzen und eine positivere Einstellung gegenüber Doping angesehen werden (Backhouse, Whitaker, & Petróczi, 2013), nutzten 20 % der 12- bis 17-Jährigen unabhän- gig vom eigenen Sporttreiben, ohne ernährungsphysiologische Notwendigkeit und unaufgeklärt Nahrungsergänzungsmittel (Carl- sohn, 2015). Geht man davon aus, dass sich Daten aus dem kanadi- schen Raum näherungsweise übertragen lassen, sollte auch unter sportaffinen Studierenden ein vergleichsweise höherer Nahrungs- ergänzungsmittelgebrauch zu verzeichnen sein (vgl. Kristiansen, Levy-Milne, Barr, & Flint, 2005). Für das Setting Universität oder Schule bedeutet dies eine sinnvolle und potenziell fächerüber- greifende Betrachtung der Wirkungen und Nebenwirkungen der Zufuhr von Substanzen auf den eigenen Organismus, um bereits Schülerinnen und Schülern zu reflektierten Entscheidungen zu verhelfen oder eine begründete Position zu vertreten. Während die Personen-Perspektive als stabil angesehen werden kann, sind vor allem Umwelt- und Aufgabenparameter, welche auch konkrete Situationen einschließen, als veränderlich anzusehen (Petróczi & Aidman, 2008). 4 DOPINGPRÄVENTION IN LEHR-LERN- SETTINGS Einzelne Studien konnten einen Nutzen von Präventions-Lehrein- heiten im schulischen Kontext aufzeigen. So ließen sich positive Effekte hinsichtlich expliziter Dopingeinstellungen, einem sport- lichen Normverständnis und gesundheitlicher Parameter in Folge einer thematisch breit angelegten Anti-Doping-Intervention mit zehn Unterrichtseinheiten zu Gesundheit, Moral, sozialen und psy- chologischen Aspekten sowie Nutzung von Nahrungsergänzungs- mitteln und Dopingsubstanzen im schulischen Kontext erreichen (Barkoukis, Kartali, Lazuras, & Tsorbatzoudis, 2016). Zusätzlich zeigte eine weitere Studie einen positiven Effekt in Folge von zwölf Interventionssitzungen, die auf den übergreifenden Bereich Media Literacy abzielten. Im Rahmen dieser Sitzungen erhielten die Schü- lerinnen und Schüler die Gelegenheit, mit Expertinnen und Exper- ten (z. B. aus dem Bereich Sport, Kommunikation oder Psychologie) zu diskutieren und wurden insgesamt ermutigt sich möglichst aktiv einzubringen. Insofern wird ein breites Spektrum an Notwendigkei- ten und Möglichkeiten deutlich, welches sinnvoll, und gerade auch unter einer problemorientierten Perspektive, in Lernprozesse und den schulischen Kontext implementiert werden könnte. In Einklang mit den Forderungen einer gesamtgesellschaftlich angelegten Prävention (Petróczi et al., 2017) liegen der vorliegenden Studie folgendes Thema und folgende Fragestellungen zugrunde: Die Konstitution von Health Literacy von Sportstudierenden am Beispiel Doping: Welche dopingbezogenen Haltungen und Wahr- nehmungen lassen sich identifizieren und wie lässt sich das Thema Doping(prävention) problemorientiert in einem Lehr-Lern-Kontext in die universitäre oder schulische Sportlehre implementieren? Orientiert an diesen Fragestellungen geht die Untersuchung auf insgesamt vier Bereiche ein. Auf einer Makroebene soll das vorliegende Verständnis von Sport als thematisch übergreifende Ausgangslage betrachtet werden: 1. Das allgemeine Sport- bzw. Schulsportverständnis als Abbild eines Gesamtsystems, in das sich Doping als Subfacette einglie- dert. Auf einer Mikroebene erfolgt die Bearbeitung des Themas angedockt an das vorliegende dopingbezogene Grundver- ständnis sowie konkrete Lehr-Lern-Kontexte. Fokussierend auf den Umwelt-Faktor des Life-Cycle Model of Performance Enhan cement werden hierbei die folgenden drei Bereiche betrachtet: 2. Die gesellschaftliche Wahrnehmung des Schweregrads von Do ping über verschiedene sportbezogene Niveaustufen. 3. Grundlegende Haltungen und explizite Dopingeinstellungen als Indikatoren für die Einschätzung der (gesellschaftsbezogenen) Relevanz, auf Basis derer Studierende das Thema erfassen und (angehende) Lehrkräfte (problemorientierte) Unterrichtsideen ableiten. 4. Ideen zur Umsetzung von Dopingprävention im Spitzensport und Ableitungen für Lernsettings im Sport wie die Bereitschaft den Sportunterricht für ein breiteres Themenspektrum sowie alternative Herangehensweisen der Bearbeitung zu öffnen. Zeitschrift für Studium und Lehre in der Sportwissenschaft · 2020, 3(2) 10 CC BY 3.0 DE Doping in der Universität!? · Pöppel 5 METHODE Die Datenerhebung dieser Querschnittuntersuchung erfolgte im Zeitraum Juli bis August 2019 über das Online-Umfragetool Lime- Survey. Die Rekrutierung der Teilnehmenden erfolgte über (Online-) Werbung an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, wobei bedingt durch Aushänge im Institut für Sportwissenschaft primär Sportstudierende zur Teilnahme eingeladen wurden. Da Doping und Dopingprävention als gesamtgesellschaftliches Phänomen erachtet werden, war die Einladung zur Studienteilnahme nicht auf Lehramts- studierende begrenzt. Die Teilnehmenden wurden zu Beginn des Fragebogens darüber informiert, dass ihre Daten anonym erhoben werden, ihre Teilnahme freiwillig ist und sie ihre Teilnahme jederzeit beenden können. Der Fragebogen umfasste hauptsächlich geschlossene Fragen. Sofern keine validierten Fragebögen vorlagen, orientierten sich die Fragen an Studienergebnissen oder publizierten Konzepten. Die Inhalte des Fragebogens werden im Folgenden dargestellt: Im Anschluss an die einleitende Begrüßungsseite wurden die Teilneh- merinnen und Teilnehmer aufgefordert, vier Einschätzungen von 0 bis 100 % vorzunehmen: ihre Einschätzung der Verbreitung von Doping im internationalen Leistungssport, im nationalen Leistungssport, im nationalen Breiten- und Freizeitsport sowie unter Sportstudierenden. In Folge der Schätzungen wurden die expliziten Dopingeinstellungen der Teilnehmenden mittels der in die deutsche Sprache übersetzten PEAS-S (Vargo et al., 2015) erfasst, die über eine adäquate Reliabili- tät (Cronbach’s α = .73 [95% CI: .63, .81]; Widaman, Little, Preacher, & Sawalani, 2011) verfügt. Die Skala beinhaltet acht Statements zu denen die Teilnehmenden auf einer 6-Punkt-Likert Skala (1 = stimme überhaupt nicht zu, 6 = stimme vollkommen zu) Stellung beziehen (z. B. „Die mit Doping verbundenen Risiken werden übertrieben). Die Auswertung erfolgt mittels Summerwert, orientiert an den von Vargo und Kollegen (2015) definierten Grenzwerten (8-14: starke Ablehnung, 15-21: Ablehnung, 22-28: geringfügige Ablehnung, 29- 35 geringfügige Zustimmung, 36-42: Zustimmung und 43-48 starke Zustimmung). Auf Einzelitemebene (nominalskaliert) wurde zudem erfasst, wie schwerwiegend Doping als Problem im Sport angesehen wird (abgeleitet aus: Stamm, Lamprecht, & Kamber, 2014), wie mit Dopingvergehen im Spitzensport umgegangen werden sollte (ab- geleitet aus: Savulescu, Foddy, & Clayton, 2004; Vangrunderbeek & Tolleneer, 2010), ob zwischen vorsätzlichen und nicht-intendierten Verstößen hinsichtlich der Sanktionierung unterschieden werden sollte sowie welche Grundhaltung einer modernen Dopingprävention zugrunde liegen sollte (abgeleitet aus: Petróczi et al., 2017). Die Folgeseite des Fragebogens fokussierte den Bereich Doping- prävention zunächst allgemein und dann im Kontext Schule bzw. im Sportunterricht. So wurden in diesem Bereich des Fragebogens konkrete Schulfächer abgefragt, im Rahmen derer das Thema (Anti-) Doping bearbeitet werden könnte. Abgeleitet aus dem kanadischen Ontario Curriculum für Physical and Health Education (Ontario Mi- nistry of Education, 2018), welches didaktische und methodische Umsetzungsideen zur Erreichung von Physical sowie Health Literacy anbietet, wurde eine Haltung zu diesen Ideen für die Bearbeitung des Themas Dopingprävention in einem Lehr-Lern-Kontext erfragt. Den Teilnehmenden wurden hierzu verschiedene Umsetzungsmöglich- keiten wie beispielsweise lehrerzentrierter Unterricht, Rollenspiele, Diskussionsrunden oder problemorientiertes Lernen präsentiert und sie konnten darüber hinaus eigene Ideen benennen. Abschließend erfolgte eine Erfassung des globalen Verständnis- ses von Sport und Sportunterricht. Zur Operationalisierung wurden zunächst 13 Attribute abgeleitet, die als charakteristisch für den Bereich Sport angesehen werden und die gemeinsam das Konstrukt Sportverständnis bilden (siehe Abbildung 1). Auf einer 5-Punkt-Likert Skala (1 = stimme gar nicht zu, bis 5 = stimme sehr zu) gaben die Teilnehmenden an, wie stark sie das jeweilige Attribut mit Sport bzw. Sportunterricht verbinden. Die Datenanalysen erfolgten mittels der Programme IBM SPSS Sta- tistics 26, JASP Statistiksoftware Version 0.11.1 (JASP Team, 2019, https://jasp-stats.org/), Psychometrica (Lenhard & Lenhard, 2016, https://psychometrica.de/effektstaerke.html) zur Berechnung von Effektgrößen sowie G*Power, Version 3.1 (Faul, Erdfelder, Buchner, & Lang, 2009) für Ex-Post Power Berechnungen. Von den insgesamt 102 Zugriffen auf den Fragebogen wurden 20 Datensätze von den weiteren Analysen ausgeschlossen, da entweder keine Daten übermittelt wurden (n = 10) oder weniger als die Hälfte des Fragebogens bearbeitet wurde (n = 10). In die Auswertung ge- hen die Daten von 82 Personen (weiblich: 52.4%, n = 43) mit einem Durchschnittsalter von 25.75 Jahren (SD = 7.98) ein. Die Stichprobe bestand zu einem Großteil (69.5 %, n = 57) aus Studierenden, von denen wiederum eine Mehrheit ein Lehramtsstudium (64.9 %, n = 37) mit dem Ziel Sport-Lehramt (83.8%, n = 31) absolviert. Vierzehn Per- sonen (17.1 %) der Stichprobe sind ausgebildete Lehrkräfte. Den nachfolgenden Berechnungen ging eine Prüfung auf Normal- verteilungs-Verletzungen mittels Shapiro-Wilk Test voraus. Für die intervallskalierten Variablen Wahrnehmung des Schweregrads von Doping über verschiedene Niveaustufen (Range: W(78-81 = 0.80- 0.96, p

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    Zwischen Teller und Trainingsreiz PLATZ DA! Gefahr im Gedränge – aktuelle Studien zu Menschenmengen UNSERE TITELSTORY: Wie Ernährung Leistung beeinflusst OLYMPISCHE SPIELE IN KÖLN? „Ein starkes Zukunftsprojekt für die Region“, sagt Rektor Prof. Ansgar Thiel im Interview Ist das Sport? Darts Nr. 1.26 Magazin der Deutschen Sporthochschule Köln Zeit Lupe L O Underline Nr. 1.26 - ZeitLupe 3 Im hinteren Bereich der Wiese zwischen dem Wohn- und Lehrgangsheim und dem Institutsgebäude IV ist seit dem vergangenen Jahr ein neues, lebendiges Projekt ent- standen: Honigbienen haben hier ein Zuhause gefunden. Betreut in Kooperation mit dem Kölner Imkerverein, sind die Bienenkästen inzwischen fester Bestand- teil des Campuslebens – und bringen nun sogar ein leckeres Ergebnis hervor: den Spoho-Campushonig. Bienen leben in klaren Rhythmen. Aufgaben wechseln, Jahreszeiten geben den Takt vor und jeder Abschnitt bereitet den nächsten vor. Diese kontinuierlichen Über- gänge sichern das Überleben des gesamten Volkes und machen die Biene zu einem anschaulichen Beispiel für funktionierende Kreisläufe. Die Campus-Bienen stehen damit sinnbildlich für das, was auch die Spoho ausmacht: Bewegung, Verantwortung und nachhaltiges Handeln. Der Spoho-Honig ist natürlich nicht das einzige Thema, das wir in dieser Ausgabe vorstellen wollen. Wir nehmen Sie mit in unser Biomechanik-Labor, in dem aktuelle Experimente zur Sicherheit im Gedränge stattfinden. Wir gehen mit Ihnen auf große Reise und suchen ge- meinsam mit Spoho-Mitarbeiter Dirk Heidemann Geo- caches. Wir sprechen mit unserem Rektor Prof. Ansgar Thiel über die Bewerbung von Köln.Rhein.Ruhr um die Olympischen und Paralympischen Spiele und gehen der Frage nach, ob Darts wirklich Sport ist. Das und vieles mehr können Sie auf den nächsten Seiten lesen. REINGEFLOGEN Ca m pu sh on ig g ib t’s im Spoho-Shop online und vor Ort. Lecker! 2 ZeitLupe - Nr. 1.26 EINSTIEG ZeitLupe - Nr. 1.26 Nr. 1.26 - ZeitLupe 44 5 LoStInCrowds Darts begeistert aktuell die Massen – live und im TV. In unserer Rubrik „Ist das wirk- lich Sport?“ schauen wir uns das Spiel mit den Pfeilen einmal genauer an. Seite 35 Game On! Fo to s: D SH S Kö ln ; p ri va t; E lle n Tr en n Spoho is Family Die Zirkels sind eine sportver- rückte Familie. Genau genom- men auch eine „Spoho-ver- rückte“. Ein Familienporträt. CoExo Neue Perspektiven für die Arbeitswelt von morgen: Forschung zu Exoskeletten im Arbeitsalltag. NEU: Gehirnjogging Wir haben in dieser Ausgabe eine Rätselseite eingebaut. Viel Spaß beim Knobeln! @Emilia: Danke fürs Austüfteln der Rätsel ;) wellplayd – welldone Janina Jaspers hat die App wellplayd entwickelt, die Sportvereine und Verbände bei verantwortungsvoller Vereins- führung unterstützt. Ihr Weg zur prämierten Gründerin. Durchs Schlüsselloch Was tut sich denn da? Wir haben einen Blick in unser Leichtathletikzentrum ge- worfen. Schauen Sie selbst! Mein Semester in der „Goldenen Stadt“ Spoho-Student David Budinger nimmt uns mit nach Prag, wo er ein Semester lang studiert hat. Geheimtipps inklusive. Ein Ort für alle Fälle Der Infopoint ist die erste Anlaufstelle bei Fragen oder Anliegen. Ein Blick hinter die Kulissen – mit Mitarbeiterin Sonia Stroh. Als Geocacher die Welt erkunden Dirk Heidemann, Mitarbeiter des Dezernats für Bauangele- genheiten und Gebäudema- nagement, hat ein „weitrei- chendes“ Hobby. 22 Editorial Neue Blickwinkel Manchmal summt es auf unserem Campus – ganz wörtlich: Die Campus- Bienen sind seit vergangenem Jahr Teil unseres Lebens und zeigen eindrück- lich, wie aus kleinen Beiträgen etwas Großes entstehen kann. Und auch dar- über hinaus bewegt sich an der Spoho einiges – manchmal leise, manchmal mit internationalem Rhythmus. Ein aktuelles Beispiel dafür ist die Bewerbung Köln.Rhein.Ruhr um die Olympischen und Paralympischen Spie- le. Welche Chancen und Impulse das für unsere Region und unseren Campus bedeuten, erfahren Sie im Interview mit unserem Rektor, Professor Ansgar Thiel. Doch Bewegung, Verantwortung und Zusammenarbeit sind nicht nur bei großen Projekten spürbar. Ob in unserem Biomechanik-Labor, beim Geocaching mit Mitarbeitenden oder beim Alltag auf dem Campus – über- all entstehen Ideen, Experimente und neue Perspektiven. Diese Ausgabe lädt Sie ein, das vielfäl- tige Leben an der Spoho zu entdecken, hinter die Kulissen zu schauen und den Campus aus neuen Blickwinkeln zu er- leben. Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen. Ihr Redaktionsteam der Spoho-Pressestelle Zwischen Teller und Trainingsreiz Wie Ernährung Leistung beeinflusst Seite 6 Wie verhalten sich Menschen in Massen und wie beeinflussen Alter und Erschöpfung die Sicherheit im Gedränge? Ein Forschungsprojekt. Seite 42 INHALT Olympische Spiele in Köln? Ein Interview mit Rektor Prof. Ansgar Thiel Seite 18 Unsere Titelstory 28 30 34 38 46 32 48 ZeitLupe - Nr. 1.26 Nr. 1.26 - ZeitLupe 66 7 Zwischen Teller und Trainingsreiz Nur tierische Eiweiße machen stark. Ohne Proteinshake kein Muskelaufbau. Vegane Sportler*innen sind leistungsschwächer. Nach 18 Uhr keine Kohlenhydrate. Magnesium verhindert Muskelkrämpfe. Wer viel Sport macht, braucht isotonische Getränke. Wie Ernährung Leistung beeinflusst TEXT Lena Overbeck & Theresa Templin FOTOS Jens Wenzel / Deutsche Sporthochschule Köln SPORTERNÄHRUNG ZeitLupe - Nr. 1.26 Nr. 1.26 - ZeitLupe 88 9 Sporternährung folgt dabei keinem einfachen Rezept. Trainingsumfang, Intensi- tät, Sportart und individuelle Voraussetzungen bestimmen, was der Körper braucht – und wann. Eine Er- nährung, die vor dem Training Ener- gie liefert, währenddessen stabilisiert und danach die Regeneration unter- stützt, kann den entscheidenden Unterschied machen. Oder anders ge- sagt: Manchmal entscheidet nicht das Training über den Erfolg, sondern das, was auf dem Teller liegt. Im Mittelpunkt der Forschung steht deshalb die Frage, wie Ernährung Leistung ermöglicht, Gesundheit schützt und Anpassungsprozesse unterstützt. Wie wird Energie effi- zient bereitgestellt? Welche Rolle spielen Flüssigkeit und Elektro- lyte? Wann werden Kohlenhydrate, Proteine oder Fette zum limitie- renden Faktor? Gleichzeitig boomt der Markt für Nahrungsergänzungsmittel – mit großen Versprechen, aber meist dünner wissenschaftlicher Grund- lage. Sporternährung als Forschungsfeld Genau hier setzt die Arbeit der Deut- schen Sporthochschule Köln an. Am Institut für Biochemie untersucht die Abteilung Sporternährung seit RUND UM DAS THEMA SPORT UND ERNÄHRUNG KURSIEREN UNZÄHLIGE EMPFEHLUNGEN UND MYTHEN, die sich mit- unter hartnäckig halten. Doch was ist richtig und was falsch? Fakt ist, wer sportlich aktiv ist, fordert seinen Körper anders heraus als im Alltag – und braucht entsprechend angepasste Energie- und Nährstoffstrategien. vielen Jahren, wie Ernährung im Sport sinnvoll, sicher und individuell gestaltet werden kann – jenseits von Mythen, Trends und Marketingbot- schaften. Analysen des Ernährungs- status, Studien zu Supplementen oder Konzepte zum Flüssigkeitsmanage- ment gehören ebenso dazu wie der Transfer in die Praxis. Gleichzeitig ist Sporternährung fester Bestandteil der Lehre. Studierende lernen, wissenschaftliche Erkennt- nisse kritisch einzuordnen und in reale Handlungsempfehlungen zu übersetzen – im Studium, in Weiter- bildungen und später im Berufs- alltag. Denn Sporternährung ist kein exklusives Thema für Profis, sondern betrifft alle, die ihren Körper regel- mäßig belasten: vom Hobbysportler bis zur Kaderathletin. Essen für Leistung: Was Sporternährung leisten kann – und was nicht Essen ist im Sport mehr als Energieauf- nahme. Es beeinflusst, wie lange Leis- tung aufrechterhalten werden kann, wie schnell Erholung einsetzt und wie gut sich der Körper an Training anpasst. Trotzdem hält sich die Illusion, einzelne Nährstoffe oder Supplemente könnten Leistung auf Knopfdruck steigern. Die Wissenschaft widerspricht: Ernäh- rung wirkt – aber nie isoliert. Kohlen- hydrate, Fette, Proteine, Flüssigkeit und Mikronährstoffe erfüllen jeweils spezifische Aufgaben. Ob sie leis- tungsfördernd sind, hängt immer vom Zusammenspiel mit Training, Belas- tungsdauer und individueller Situation ab. Die folgenden Abschnitte zeigen, welche Rolle die zentralen Bausteine der Sporternährung spielen – und wo klare Grenzen liegen. Kohlenhydrate – wenn die Energie ausgeht Kohlenhydrate sind der Treibstoff für intensive Belastungen. Sie ermög- lichen hohe Geschwindigkeiten, schnelle Antritte und konstante Leis- tung – solange sie verfügbar sind. Genau darin liegt das Problem: Die körpereigenen Speicher sind begrenzt. Selbst gut trainierte Sportler*innen stoßen nach 90 bis 120 Minuten inten- siver Belastung an ihre Grenzen. Die sporternährungswissenschaftliche Botschaft ist klar: Wer Leistung stabil halten will, muss seine Kohlenhydrat- speicher gezielt managen. Je nach Trainingsumfang werden drei bis über zehn Gramm pro Kilogramm Körperge- wicht und Tag empfohlen. Bei längeren Ausdauerbelastungen kann die Zufuhr während des Sports – etwa 30 bis 60 Gramm pro Stunde – Leistungsein- brüche verhindern. Entscheidend ist dabei nicht nur die Menge, sondern auch das Timing. Besonders nach dem ZAHLEN & FAKTEN: Nahrungsergänzungsmittel: Rund 4,3 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2025 in Deutschland Jede*r zweite Deutsche supple- mentiert Innerhalb der Kategorie Mine- ralstoffe und Vitamine nehmen Magnesiumpräparate mit 19% den größten Marktanteil ein Proteinpulver ist das bevorzugte Nahrungsergänzungsmittel der Deutschen (69% gaben dies an), gefolgt von Vitamin D (66%) Bevorzugtes Ernährungsprodukt im Sport: Obst & Nüsse (76%), Proteinshakes (68%) ERNÄHRUNGSEXPERTE DR. HANS BRAUN: „Sportler haben besondere Ernäh- rungsbedürfnisse. Durch angepasste Ernährungsstrategien können sie ihre mentale und körperliche Leistungsfähig- keit beeinflussen. Dabei ist zu berück- sichtigen, dass Sportler keine homogene Gruppe darstellen, sondern sich in zahl- reichen Faktoren – wie Körpergewicht, Körpergröße, Körperzusammensetzung, Trainingsinhalte, Trainingsintensität – unterscheiden, die Einfluss auf den Energie- und Nährstoffbedarf haben.“ SPORTERNÄHRUNG ZeitLupe - Nr. 1.26 Nr. 1.26 - ZeitLupe 1010 11 automatisch besser. Entscheidend sind eine gleichmäßige Verteilung über den Tag und die Kombination mit Training. Wer Proteine gezielt einsetzt, unter- stützt die Muskelproteinsynthese und reduziert Abbauprozesse. Sehr hohe Mengen oder der reflexartige Griff zum Proteinshake bringen dagegen keinen Zusatznutzen, wenn Trainingssteue- rung und Energiezufuhr nicht passen. Flüssigkeit und Elektrolyte – kleine Verluste, große Wirkung Durst ist kein verlässlicher Leistungs- indikator. Bereits ein Flüssigkeits- verlust von rund zwei Prozent des Körpergewichts kann die Leistungs- fähigkeit spürbar beeinträchtigen – besonders bei Hitze oder langen Belastungen. Empfohlen wird, Trai- ning und Wettkampf gut hydratisiert zu beginnen. Bei längeren Belastungen von mehr als 90 Minuten sollte regel- mäßig getrunken werden. Getränke mit Kohlenhydraten und Natrium können dabei helfen, Energie- und Elektrolyt- verluste gleichzeitig auszugleichen. Nach dem Sport unterstützt eine gezielte Rehydratisation, etwa 150 Prozent der verlorenen Flüssigkeits- menge, die Regeneration. Tipp: Ein Teil Apfelsaft mit 100% Fruchtgehalt, zwei Teile Wasser und eine Messer- spitze Salz ersetzen das isotonische Sportgetränk aus dem Supermarkt. Mikronährstoffe – die leisen Mitspieler Vitamine und Mineralstoffe stehen selten im Rampenlicht, sind aber unverzichtbar für Stoffwechsel, Blut- bildung und Knochengesundheit. In vielen Fällen reicht eine ausgewo- gene Ernährung aus. Doch Studien zeigen: Ausdauerathlet*innen, weib- liche Sportlerinnen oder Personen mit restriktiven Ernährungsformen haben ein erhöhtes Risiko für Defizite. Beson- ders häufig diskutiert werden Eisen, Vitamin D, Calcium und Natrium. Ein Mangel entwickelt sich oft unbemerkt – mit Folgen für Leistung, Regeneration und Gesundheit. Die Wissenschaft rät daher von pauschaler Supplementie- rung ab und empfiehlt gezielte Diag- nostik sowie individuelle Anpassung. Nahrungsergänzungs- mittel – große Versprechen, kleine Effekte Pulver, Kapseln, Drinks: Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel boomt. Allein in Deutschland wurden vergan- genes Jahr rund 4,3 Milliarden Euro umgesetzt. Ihr tatsächlicher Nutzen im Sport ist jedoch begrenzt. Nur wenige Substanzen zeigen unter kontrol- lierten Bedingungen messbare Effekte, und selbst diese fallen meist gering aus. Demgegenüber stehen Risiken: Nebenwirkungen, Wechselwirkungen oder unbeabsichtigte Dopingverstöße durch verunreinigte Produkte (siehe auch Kölner Liste). Die sportwissen- schaftliche Einordnung ist eindeutig: Leistungsentwicklung entsteht durch Training, Regeneration und eine bedarfsgerechte Ernährung. Supple- mente sind kein Turbo für Leistung – im besten Fall ergänzen sie, im schlech- testen Fall schaden sie. Mehr als eine Frage des Essens Sporternährung ist kein starres Regel- werk und keine schnelle Lösung für Leistungsprobleme. Sie ist vielmehr ein dynamisches Zusammenspiel aus wissenschaftlichen Erkenntnissen, Training und individueller Lebens- realität. Wer versteht, wie Ernährung wirkt, kann bewusster mit dem eigenen Körper umgehen – im Leistungssport ebenso wie im Freizeitsport oder im Alltag. Forschung und Lehre an der Deutschen Sporthochschule Köln zeigen dabei deutlich: Gute Sporternährung beginnt nicht mit Verzicht oder Verboten, sondern mit Wissen. Mit der Fähigkeit, den eigenen Bedarf realistisch einzu- schätzen, Empfehlungen kritisch zu hinterfragen und wissenschaftliche Erkenntnisse sinnvoll in die Praxis zu übertragen. Genau darin liegt ihre Stärke – und ihre Relevanz weit über den Wettkampf hinaus. SPORTERNÄHRUNG KÖLNER LISTE Die Kölner Liste® führt Nahrungs- ergänzungsmittel (NEM), die auf Dopingsubstanzen getestet wurden. Sie ist keine Empfehlung an Sport- ler*innen, sondern soll vor unberech- tigten Dopingvorwürfen schützen. Jedes Jahr werden allein in Deutsch- land ca. 10.000 NEM neu beim zuständigen Bundesamt für Verbrau- cherschutz und Lebensmittelsicher- heit (BVL) angezeigt – neben den bestehenden Produkten. Sie müssen sich weder einem Anmelde- und schon gar nicht einem Zulassungsverfahren (im Gegensatz zu Arzneimitteln) unterziehen. Dies bedeutet, dass eine Vielzahl von nicht kontrollierten Produkten auf dem Markt erhältlich ist. Gerade im Sport sind NEM und Sportlernahrung weit verbreitet. Für Sportler*innen besteht das Problem, dass sich Dopingsubstanzen in den Produkten befinden können. > www.koelnerliste.com Training gilt: Je schneller die Speicher wieder gefüllt werden, desto besser sind Regeneration und Anpassung an die nächste Belastung. Fette – viel Energie, wenig Tempo Fette liefern reichlich Energie und sind aus der Ernährung nicht wegzudenken. Im Sport spielen sie vor allem bei nied- rigen bis moderaten Intensitäten eine Rolle. Doch was auf den ersten Blick effizient klingt, erweist sich bei genau- erem Hinsehen als begrenzt leistungs- wirksam. Studien zeigen deutlich: Eine gezielte Erhöhung der Fettzu- fuhr, etwa durch ketogene Ernährung (extrem kohlenhydratarm, aber fett- reich) oder High-Fat-Diets, verbessert die Wettkampfleistung bei intensiven Belastungen nicht. Im Gegenteil: Wird die Kohlenhydratverfügbar- keit eingeschränkt, leidet oft genau die Leistungsfähigkeit, die im Wett- kampf gefragt ist. Als sinnvoll gilt eine Fettzufuhr von 20 bis 30 Prozent der Gesamtenergie – mit Fokus auf hoch- wertige Fettsäuren aus pflanzlichen Ölen, Nüssen oder Fisch (Stichwort: mediterrane Küche). Versprechen von Supplementen zur „Fettverbrennung“ sind wissenschaftlich kaum haltbar; ihr Nutzen bleibt in Studien meist aus. Proteine – Reparaturarbeiten im Körper Training hinterlässt Spuren – Proteine helfen, sie zu reparieren. Sie liefern die Bausteine für Muskulatur, Enzyme und hormonelle Prozesse und sind entscheidend für Regeneration und Anpassung. Für sportlich aktive Menschen liegt der empfohlene Zufuhr- bereich zwischen 1,2 und 2,0 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Doch auch hier gilt: Mehr ist nicht KURZ & KLAR: DREI DINGE, DIE SPORTERNÄHRUNG WIRKLICH AUSMACHEN 1. Ernährung wirkt – aber nur im Kontext. Kein Nährstoff wirkt isoliert. Entscheidend sind Trainingszustand, Belastungsdauer, Timing und indivi- duelle Voraussetzungen. 2. Mehr ist nicht automatisch besser. Weder extrem hohe Kohlenhydrat- oder Proteinzufuhr noch Supple- mente ersetzen eine ausgewogene, bedarfsgerechte Ernährung. 3. Wissenschaft schlägt Trends. Was langfristig Leistung, Gesund- heit und Regeneration unterstützt, basiert auf Evidenz – nicht auf Marketingversprechen. INFOGRAFIKEN Timing von Nährstoffen, Proteine- Zufuhrempfehlung, Nutri-Score, Fett- Zufuhrempfehlung, Vitamin D ... Auf den Seiten des Deutschen Forschungs- zentrums für Leistungssport Köln (momentum) gibt es zahlreiche Info- grafiken rund um das Thema Sport- ernährung. POSITIONSPAPIERE DER ARBEITSGRUPPE SPORT- ERNÄHRUNG DER DEUT- SCHEN GESELLSCHAFT FÜR ERNÄHRUNG E.V. › www.dge.de/gesunde- ernaehrung/gezielte- ernaehrung/ernaehrung- und-sport SPORTERNÄHRUNG SPORTERNÄHRUNG ZeitLupe - Nr. 1.26 Nr. 1.26 - ZeitLupe 1212 13 wird strategisch geplant, weil sie über Leistungsfähigkeit mitentscheidet. Stichwort Regeneration: Wie wichtig ist das sogenannte „anabole Fens- ter“? Das berühmte Zeitfenster wird oft überdramatisiert. Wichtig ist zunächst der Ausgleich des Flüssigkeitsverlusts – mindestens die verlorene Menge, besser das Eineinhalbfache. Je nach Trainingsbelastung sollten in der ersten Stunde Kohlenhydrate zuge- führt werden, etwa ein Gramm pro Kilogramm Körpergewicht, ergänzt durch 15 bis 25 Gramm Protein. Aber: Regeneration ist kein 30-Minuten- Zeitfenster. Sie ist ein 24-Stunden- Prozess. Man sollte sich davon nicht stressen lassen. Es geht um praktikable Routinen. Social Media suggeriert oft: Ohne Supplemente geht es nicht. Wie sehen Sie das? Der Grundsatz sollte immer lauten: Food first. Lebensmittel stehen an erster Stelle. Eine ausgewogene Ernäh- rung deckt in den meisten Fällen den Bedarf. In bestimmten Situationen – etwa bei erhöhtem Eisenbedarf oder Vitamin-D-Mangel – kann eine Supple- mentierung sinnvoll sein. Das sollte jedoch nicht nach dem Gießkannen- prinzip passieren. Ich empfehle: Bei Unsicherheit Blutwerte überprüfen lassen und Ergänzungen gezielt und moderat einsetzen. Ist Spitzensport vegetarisch oder vegan möglich ? Vegetarisch ist in der Regel problemlos. Vegan ist möglich, aber anspruchs- voller. Je mehr Lebensmittelgruppen ausgeschlossen werden, desto höher ist das Risiko für Nährstoffdefizite. Dann braucht es eine sehr gute Lebens- mittelkompetenz und gegebenenfalls gezielte Supplementierung. Pauschal Herr Braun, was haben Sie heute Morgen gefrühstückt? (lacht) Ganz unspektakulär. Im Alltag bin ich Gewohnheitsfrühstücker – oft ein Weckchen oder eine Scheibe Brot mit Kaffee. Am Wochenende oder im Urlaub kann es auch etwas Besonderes und umfangreicher sein. Ernährung scheint heute unglaub- lich komplex – und ein Trend folgt dem nächsten. Ist sie das wirklich? Ernährung ist nicht so kompliziert wie es erscheint – aber die Informationsflut macht sie kompliziert. Das Thema ist extrem populär, fast wie Mode. Trends kommen und gehen. Uns als Wissen- schaft interessieren belastbare Fakten – nicht der nächste Hype. Vieles von dem, was wir heute empfehlen, wissen wir seit 30 oder 40 Jahren. Die entschei- dende Frage ist nicht: Was sollen wir tun? Sondern: Sind wir bereit, es umzu- setzen? Was sind diese zeitlosen Grund- prinzipien? Zum Beispiel: Ein gesundes Körper- gewicht im Blick behalten – nicht perfektionistisch, sondern präventiv. Energiedichte Lebensmittel bewusst konsumieren. Bewegung als festen Bestandteil des Alltags verstehen. Ein Stück Kuchen ist kein Problem. Ich esse selbst gerne Schokolade. Entscheidend ist die Balance. Wir haben heute hoch- verarbeitete, energiereiche Lebens- mittel jederzeit verfügbar – und bewegen uns gleichzeitig weniger. Das ist ein zentrales Problem mit gesell- schaftlichen Auswirkungen. Warum ist Ernährung im Sport, ins- besondere im Leistungssport, be- sonders wichtig? Im Leistungssport ist der Energie- umsatz deutlich erhöht, Trainings- phasen sind periodisiert. Der Bedarf an Kohlenhydraten, Wasser und anderen Nährstoffen kann stark variieren. Je intensiver trainiert wird, desto wich- tiger wird die gezielte Versorgung – insbesondere mit Kohlenhydraten – vor und während des Sports. Regeneration „Essen ist kein Dogma, sondern Lebensfreude“ IM INTERVIEW FÜR UNSER CAMPUSMAGAZIN SPRICHT ERNÄHRUNGSEXPERTE DR. HANS BRAUN ÜBER TRENDS, MYTHEN, REGENERATION – UND DARÜBER, WARUM WIR ESSEN WIEDER MEHR GENIESSEN SOLLTEN. Dr. Hans Braun, geboren 1966 in Stuttgart, studierte Sport- wissenschaft an der Deutschen Sporthochschule Köln sowie Ernährungs- und Haushalts- wissenschaft an der Universität Bonn. Seit 2006 leitet er am Institut für Biochemie die Abteilung Sporternährung. Neben seinen Aufgaben als Lehrbeauftragter im Fachgebiet Sporternährung und Leiter des Zertifikatsstudiengangs Coach für Sporternährung ist er am Olympiastützpunkt Rheinland und Rhein-Ruhr für die Ernährungs- beratung der Kaderathlet*innen zuständig. Ein wesentlicher Aspekt seiner Arbeit mit den Athlet*innen ist es, wissenschaftliche Ergeb- nisse und Entwicklungen in alltagstaugliche praktische Ratschläge zu transferieren. Im gleichen Lehrgang wie Jürgen Klopp erwarb Hans Braun 2000 seine A-Lizenz der Fußballtrainer. Heute bildet er für den DFB angehende Fußball-Trainer*innen im Bereich Sporternährung aus. zu behaupten, dass man mit einer veganen Ernährung weniger leistungs- fähig ist, trifft nicht zu. Kann schlechte Ernährung Trai- ningseffekte zunichtemachen? Komplett wahrscheinlich nicht. Aber sie kann die Trainingsqualität verschlechtern, Regeneration verzö- gern und Anpassungsprozesse beein- trächtigen. Über Wochen hinweg kann das die Leistungsentwicklung durchaus bremsen. Ernährung ersetzt kein Training – aber sie unterstützt oder limitiert dessen Effekt. Sie arbeiten als Ernährungsberater am Olympiastützpunkt mit Sport- ler*innen aus unterschiedlichsten Disziplinen. Gibt es so etwas wie die perfekte Ernährung überhaupt? Nein. Es gibt keine „One size fits all“- Lösung. Jede Sportart hat eigene Anforderungen. Ausdauersport- lerinnen brauchen etwas anderes als Kampfsportler oder gewichtssensible Disziplinen wie Klettern. Wir klären zunächst Ziele, Trainingsalltag und individuelle Herausforderungen der Athlet*innen – und übersetzen dann Theorie in Praxis. Am Ende geht es um ganz konkrete Fragen wie: Was gehört in die Sporttasche für einen langen Wettkampftag? Was kann ich zube- reiten, wenn ich wenig Zeit habe? Wenn Sie nur einen einzigen Ernährungsrat geben dürften, wel- cher wäre das? Genieße dein Essen. Ernährung ist mehr als Nährstoffzufuhr. Sie hat eine soziale, psychologische und kulturelle Dimension. Wenn Essen zum dauer- haften Stressfaktor wird, läuft etwas falsch. Wir haben eine enorme Lebens- mittelvielfalt – freuen wir uns darüber. Wer mit Freude isst und grundlegende Prinzipien berücksichtigt, macht schon sehr viel richtig. SPORTERNÄHRUNG SPORTERNÄHRUNG ZeitLupe - Nr. 1.26 Nr. 1.26 - ZeitLupe 1414 15 Lukas (Institut für Trainingswissenschaft und Sportinformatik) „Zuhause sind es bei mir ganz klar Tortilla Wraps. In der Mensa mache ich mir am liebsten einen Salat an der Salatbar – den habe ich inzwischen schon fast standardisiert.“ Matteo (B.A. SMK) „Mein absolutes Lieblings- gericht ist die klassisch italienische Spezialität Ossobuco. In der Mensa esse ich besonders gern die Protein-Pfanne, und auch an der Salatbar finde ich häufig etwas für mich.“ Was ist dein Lieblingsessen- Und was isst du am liebsten in der Mensa? Samuel (B.A. SPJ) „Mein Lieblingsessen sind Käsespätzle mit extra viel Röstzwiebeln. In der Mensa präferiere ich aber ehrlich gesagt eher andere Sachen, wie zum Beispiel die veganen Nuggets mit Pommes.“ Constantin (B.A. SPJ) „Mein Lieblingsessen ist definitiv Paella. Manchmal gibt es Protein-Pasta in der Mensa, da freue ich mich dann schon den ganzen Morgen auf das Essen.“ Seyedeh Elaheh Ashrafipour (Inter- nationale Studentin) „Ich liebe Fish and Chips. Soweit ich weiß, hatte die Mensa vor einiger Zeit auch mal welche im Angebot. Ob sie aktuell noch auf dem Speiseplan stehen, weiß ich leider nicht.“ Stephanie (Fachan- gestellte für Medien und Informations- dienste - Bibliothek) „Generell finde ich Pizza sehr lecker. In der Mensa gab es vor Corona manchmal Reibekuchen, den gibt es jetzt aber leider nicht mehr, aber den fand ich sehr gut.“ Tam (Mensa-Mitarbeiterin) „Ich liebe Blumenkohl. In der Mensa gibt es aber auch einige leckere Gerichte ohne Blumenkohl – zum Beispiel die Gnocchi oder den Spätzle-Auflauf.“ Insa (B.A. SUL) „Asia Nudeln mit Tofu finde ich schon lecker. In der Mensa mag ich aber vor allem die Schupfnudeln mit Kirschen und Vanillesauce.“ Patrik (B.A. SGP) „Je proteinreicher desto besser. Ich bin großer Schweinshachsen-Fan. In der Mensa nehme ich aber am liebsten Reis mit Spinat.“ Sporternährung ist längst mehr als die Frage nach dem richtigen Shake nach dem Training. Sie hat sich zu einem eigenständigen, dynamischen Handlungsfeld entwickelt, in dem aktuelle Forschung, sportliche Praxis und gesellschaftliche Trends eng miteinander verwoben sind. Ob im Leis- tungs-, Breiten- oder Gesundheitssport – Ernährungsstrategien beeinflussen Leistungsfähigkeit, Regeneration und langfristige Gesundheit maßgeblich. Gleichzeitig wächst die wissenschaft- liche Wissensbasis rasant. Studien zur periodisierten Kohlenhydratzufuhr, zur optimalen Proteinverteilung oder zur Rolle von Mikronährstoffen erscheinen in immer kürzeren Abständen. Wissen ist heute in großer Menge vorhanden – entscheidend ist, es richtig einzu- ordnen. Denn zwischen wissenschaftlicher Evidenz und konkreter Handlungsemp- fehlung liegt eine zentrale Herausfor- derung: die Übersetzung in die Praxis. Im Leistungssport können kleine Anpassungen in der Nährstoffzufuhr über Leistungsfähigkeit und Regene- ration entscheiden. Im Breitensport stehen alltagstaugliche Konzepte im Vordergrund, die Motivation fördern und langfristige Verhaltensänderungen unterstützen. Im Gesundheitssport wiederum spielen Prävention, meta- bolische Stabilität und individuelle Voraussetzungen eine zentrale Rolle. Jede dieser Zielgruppen erfordert diffe- renzierte Strategien – und Fachkräfte, die wissenschaftliche Erkenntnisse kritisch bewerten können. Gerade in der Sporternährung ist diese Kompetenz besonders wichtig. Social-Media-Trends, vermeintliche „Wunder-Supplements“ oder populäre Ernährungsmodelle verbreiten sich schnell – oft schneller, als wissenschaftliche Einordnung folgen kann. Zwischen evidenzbasierter Empfehlung und marketinggetriebener Vereinfachung verläuft daher nicht selten eine deutliche Grenze. Wissenschaftlich fundiert und alltagstauglich Professionelle Sporternährung bewegt sich deshalb im Spannungsfeld von Wissenschaft, Beratung und Kommuni- kation. Wer Athlet*innen oder gesund- heitsorientierte Zielgruppen begleitet, benötigt nicht nur fachliches Know-how, sondern auch die Fähigkeit, komplexe Inhalte verständlich zu vermitteln und individuell anzupassen. Ernährungs- empfehlungen müssen wissenschaftlich fundiert sein – und gleichzeitig im Alltag funktionieren. Wie diese Verbindung von Forschung und Anwendung systematisch vermit- telt werden kann, zeigt die Universitäre Weiterbildung der Deutschen Sporthoch- schule Köln. Der weiterbildende Master- studiengang M.Sc. Sport, Bewegung und Ernährung sowie das Zertifikatspro- gramm DSHS Coach für Sporternährung greifen genau diese Schnittstelle auf. Im Masterstudiengang werden ernäh- rungswissenschaftliche, trainingswis- senschaftliche und sportmedizinische Inhalte interdisziplinär verknüpft. Ziel ist es, Fachkräfte auszubilden, die Studien kritisch analysieren, komplexe Zusammenhänge verstehen und daraus evidenzbasierte Konzepte für unter- schiedliche sportliche Kontexte entwi- ckeln können. Das Zertifikatsprogramm ist deutlich kompakter und richtet sich stärker auf die praktische Umsetzung. Es vermittelt Grundlagen der Sport- ernährung ebenso wie Kompetenzen in Analyse, Planung und Beratung. Teilnehmende lernen, individuelle Ernährungsstrategien zu entwickeln und wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Handlungsempfehlungen zu übertragen. Beide Qualifizierungswege zeigen ex- emplarisch, worauf es in der modernen Sporternährung ankommt: auf die Fä- higkeit, wissenschaftliche Erkenntnisse nicht nur zu kennen, sondern sie ver- antwortungsvoll anzuwenden. Denn am Ende entscheidet nicht allein, was die Forschung weiß – sondern was davon im Trainingsalltag tatsächlich ankommt. Sporternährung zwischen Forschung und Praxis Wie Weiterbildung Fach- kräfte auf die wachsenden Anforderungen vorbereitet M.SC. SPORT, BEWEGUNG UND ERNÄHRUNG › Abschluss: Master of Science › Dauer: 4 Semester (berufsbegleitend) › Umfang: 120 Credit Points › Start: jährlich › Zielgruppe: Fachkräfte aus Sport, Ernährung und Gesundheitswesen Lilian (B.A. SMK) „Ich esse sehr gerne Bowls mit Reis oder Salat. Generell achte ich schon auf eine gesunde Ernährung. In der Mensa gibt es bei mir dann meistens Salat – außer, wenn es Chili Sin Carne gibt. Das ist das beste Gericht in der Mensa!“ › dshs-koeln.de/weiterbildung ZERTIFIKAT DSHS COACH FÜR SPORTERNÄHRUNG › Abschluss: Hochschulzertifikat › Dauer: berufsbegleitend › Zielgruppe: Trainer*innen, Therapeut*innen, Ernährungs- berater*innen Fo to s: p ri va t SPORTERNÄHRUNG SPORTERNÄHRUNG ZeitLupe - Nr. 1.26 Nr. 1.26 - ZeitLupe 1616 17 SPORTGETRÄNKE: WENN TRINKEN ALLEIN NICHT MEHR REICHT › Bei längeren oder intensiven Belas- tungen verliert der Körper über den Schweiß nicht nur Flüssigkeit, sondern auch Kohlenhydrate und Natrium. Wird dieser Verlust nicht ausgeglichen, kann die Leistungs- fähigkeit sinken; selbst dann, wenn regelmäßig Wasser getrunken wird. Sportgetränke kombinieren drei zentrale Komponenten: › Flüssigkeit zum Ausgleich des Schweißverlusts › Kohlenhydrate zur Energiezufuhr (ca. 30-60 g pro Stunde Belastung) › Natrium, um die Flüssigkeitsaufnahme zu unterstützen › Als Richtwert gelten 0,4-0,8 Liter pro Stunde Belastung, abhängig von Intensität und individueller Schweiß- rate. Besonders bei hohen Schweiß- verlusten kann ein natriumhaltiges Getränk sinnvoll sein. › Ein wirksames Sportgetränk lässt sich einfach herstellen: Wasser + Frucht- saft + eine Prise Salz: funktional, gut verträglich und leicht umzusetzen. › SPORTRIEGEL: PRAKTISCH, WENN KEINE MAHLZEIT MÖGLICH IST › Sportriegel können Vorteile bieten, wenn keine andere Nahrungsauf- nahme möglich ist oder herkömm- liche Lebensmittel schlecht vertragen werden. Entscheidend ist dabei nicht der Name, sondern Zusammensetzung und Einsatzzeitpunkt. Man unterscheidet zwei Haupttypen: Kohlenhydratriegel › Sie eignen sich vor, während oder nach intensiven Belastungen, um Energie bereitzustellen und die Rege- neration zu unterstützen. Empfohlen wird eine fettarme Zusammensetzung, da Fett die Verdauung verlangsamt. Ein günstiges Verhältnis liegt bei etwa 6:1 (Kohlenhydrate : Fett). Proteinriegel › Sie sind vor allem nach der Belastung sinnvoll, um die Regeneration zu unterstützen. Die empfohlene Prote- inmenge liegt bei 1525 g pro Portion, abhängig vom Körpergewicht. Für beide gilt: › Riegel vor oder während des Wett- kampfs nur verwenden, wenn sie im Training getestet wurden › Ballaststoffarme Produkte sind bei hoher Belastung besser verträglich › Eine zu hohe Kohlenhydratzufuhr kann Verdauungsprobleme verursa- chen › Zuckeraustauschstoffe (z.B. Sorbit, Maltit) können in größeren Mengen abführend wirken KOFFEIN: MENTALE UNTERSTÜTZUNG, ABER KEIN ERSATZ FÜR ENERGIE › Koffein wird im Sport gezielt einge- setzt, um Wachheit, Konzentration und Aufmerksamkeit zu erhöhen. Es wirkt dabei nicht als Energielieferant, sondern auf das zentrale Nerven- system. Das kann helfen, Belastungen subjektiv als weniger anstrengend wahrzunehmen, besonders in entscheidenden Wettkampfphasen. Wann Koffein sinnvoll sein kann: › Bei längeren Wettkämpfen, in späten oder mental fordernden Phasen, oder wenn Konzentration und Reaktions- fähigkeit entscheidend sind. › Koffein ersetzt jedoch weder Kohlen- hydrate noch Flüssigkeit. Sind die Energiespeicher leer oder der Flüssig- keitshaushalt gestört, kann Koffein das nicht kompensieren. Wirkung ist individuell › Die Reaktion auf Koffein unter- scheidet sich stark. Während manche Sportler*innen davon profitieren, reagieren andere mit Nervosität, Unruhe oder Magenproblemen. Auch die Gewöhnung spielt eine Rolle: Wer im Alltag viel Koffein konsumiert, spürt im Wettkampf oft eine geringere Wirkung. Timing und Testen sind entscheidend › Koffein wirkt zeitverzögert und nicht sofort. Deshalb sollte der Einsatz geplant und vorab im Training getestet werden. Energie-Bowl ZUTATEN 1 PORTION › 100 g Couscous › 50 g Rote Beete › 50 g Karotte › 1/2 TL Zimt › 1 TL Rapsöl › 1 Hand voll Blattspinat › 1/2 Apfel › 30 g Feta › 1 EL Walnüsse › 50 g Joghurt (1,5% Fett) › 30 g Frischkäse › Petersilie, Pfeffer, Salz › 1/2 Zitrone TIPPS ZUM EINSATZ: Kohlenhydrat- reiche Bowl füllt die Energiespeicher Verzehr 2-3 Stunden vor dem Training Rote Beete liefert Eisen – ein wichtiges Spurenelement, das am Sauerstofftrans- port und Energiestoff- wechsel beteiligt ist › Couscous gründlich abwaschen und mit ca. 250 ml Wasser und 1/2 TL Salz in einem Topf zum Kochen bringen. Bei niedriger Stufe zugedeckt ca. 10 Minuten ziehen lassen. › Rote Beete schälen und mit der Karotte in kleine Streifen schneiden. Mit Salz, Pfeffer und etwas Zimt würzen. Im Backofen mit etwas Rapsöl bissfest garen. › Spinat waschen. Apfel und Feta in kleine Würfel schneiden. Für das Dressing Petersilie hacken und mit dem Frischkäse und Joghurt vermi- schen. Evtl. etwas Wasser zugeben. › Mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft abschmecken. › Den Couscous mit den Zutaten zu einer Bowl anrichten und mit dem Dressing vermischen. Durchschnittliche Nährwerte pro 100g pro Portion (600 g)* Energie 436 kJ / 104 kcal 2616 kJ / 626 kcal Protein 4 g 25 g Fett 3 g 19 g Kohlenhydrate 15 g 87 g Ballaststoffe 2 g 11 g * Die Portionsgröße sollte je nach Körpergröße, -gewicht und Trainingsintensität angepasst werden. Wissen to go: Kleine Helfer, große Wirkung? Im Wettkampf zählt jede Entscheidung, auch bei Essen und Trinken. Oft geht es nicht um perfekte Er- nährung, sondern um praktische Lösungen, wenn Zeit, Pause oder Alternativen fehlen. Sportgeträn- ke, Sportriegel und Koffein werden dabei häufig genutzt. Richtig eingesetzt, können sie unterstützen, falsch eingesetzt, eher schaden. Hier gibt’s die wichtigsten Fakten kurz und knapp zusammengefasst. APPETIT BEKOMMEN? › Hier gibt es noch mehr Rezepte vom Institut für Biochemie, Abteilung Sporternährung 😋 SPORTERNÄHRUNG SPORTERNÄHRUNG ZeitLupe - Nr. 1.26 Nr. 1.26 - ZeitLupe 1818 19 Fo to s: x xx xx x INTERVIEW EIN STARKES ZUKUNFTSPROJEKT FÜR DIE REGION DIE RHEIN-RUHR-REGION BEWIRBT SICH UM DIE AUSRICHTUNG DER OLYMPISCHEN UND PARALYMPISCHEN SPIELE – MIT KÖLN ALS LEADING CITY. Welche Chancen könnte ein solches Großereignis für die Stadt, den Sport und die Menschen in der Region bieten? Und welche Rolle könnte die Deutsche Sporthochschule Köln dabei spielen? Darüber haben wir mit unserem Rektor Univ.-Prof. Dr. Ansgar Thiel gesprochen. INTERVIEW Lena Overbeck FOTOS Jens Wenzel ZeitLupe - Nr. 1.26 Nr. 1.26 - ZeitLupe 2020 21 INTERVIEW INTERVIEW Herr Thiel, wenn Sie an Olympische und Paralympische Spiele in Köln denken: Welches Bild kommt Ihnen als erstes in den Kopf? Ich habe sofort das Bild einer sehr le- bendigen und offenen Stadt vor Au- gen. Köln ist bekannt dafür, dass man schnell miteinander ins Gespräch kommt. Diese besondere, kölsche At- mosphäre – herzlich, international und begeisterungsfähig – passt aus meiner Sicht sehr gut zu Olympischen und Paralympischen Spielen. Ich stel- le mir Wettkämpfe vor der Kulisse des Rheins vor, Menschen aus aller Welt auf den Plätzen der Stadt und in den Vee- deln. Überall würde man Sport erleben können: auf großen Plätzen, an öffent- lichen Orten oder bei gemeinsamen Veranstaltungen. Die Spiele würden sich nicht nur auf Stadien und Sport- anlagen beschränken, sondern mitten in der Stadt stattfinden und das Leben in Köln prägen. Angenommen, Köln würde „Leading City“ der Bewerbung: Welche Bedeu- tung hätte das für den Sportstandort Köln? Köln gehört bereits heute zu den wich- tigsten Sportstandorten Deutschlands. Als Leading City könnte die Stadt diese Rolle noch einmal deutlich unterstrei- chen. Wir haben mit der Deutschen Sporthochschule Köln eine weltweit re- nommierte Institution. Dazu kommen Vereine wie der 1. FC Köln, erfolgreiche Teams in vielen anderen Sportarten so- wie Einrichtungen wie die Traineraka- demie oder die Führungsakademie des Deutschen Olympischen Sportbundes. Diese Kombination aus Spitzensport, Wissenschaft, Ausbildung und Vereins- leben ist in dieser Form einzigartig. Wenn all diese Kompetenzen gebündelt werden, kann Köln nicht nur Sportge- schichte schreiben, sondern auch Zu- kunft mitgestalten. Die Spiele könnten zeigen, welche gesellschaftliche ver- bindende Kraft Sport haben kann – und wie eine sportbegeisterte Stadt diese Kraft nutzt, um Menschen zusammen- zubringen. Welche Rolle könnte die Deutsche Sporthochschule Köln bei den Spie- len in der Region konkret spielen? Die Deutsche Sporthochschule Köln ist bereits heute in Gespräche rund um eine mögliche Bewerbung einge- bunden – etwa mit der Staatskanzlei oder dem Sportamt der Stadt Köln. In diesem Austausch bringen wir vor al- lem Ideen und wissenschaftliche Per- spektiven ein. Eine offiziell definierte Rolle gibt es derzeit noch nicht, aber unsere Expertise wird in verschiedenen Bereichen bereits nachgefragt. Grund- sätzlich könnte die Sporthochschule in mehrfacher Hinsicht eine wichtige Rol- le übernehmen. Zum einen als wissen- schaftliche Partnerin – beispielsweise in der Leistungsdiagnostik, der Trai- ningswissenschaft oder der Sportmedi- zin. Schon im Vorfeld der Spiele könn- ten wir ein wissenschaftliches Zentrum für Athletinnen und Athleten sein. Zum anderen könnten wir unsere Kom- petenzen in der Beratung einbringen, etwa in Fragen des Sportmanagements, der Organisation oder der nachhaltigen Planung von Großveranstaltungen. Gerade bei Olympischen und Paralym- pischen Spielen ist es entscheidend, sportliche, organisatorische und ge- sellschaftliche Aspekte zusammenzu- denken. Als international renommierte Universität könnten wir außerdem eine Plattform für den Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Praxis bieten. Eine solche Vernetzung kann dazu beitragen, dass Olympische und Paralympische Spiele nicht nur ein sportliches Ereignis bleiben, sondern auch langfristige Impulse für die Re- gion setzen. Welche Chancen würden die Spiele für Studierende und Forschende der Sporthochschule eröffnen? Für Studierende und Forschende wäre das eine einmalige Gelegenheit. Olym- pische und Paralympische Spiele sind nicht nur ein sportliches Großereignis, sondern auch ein enormes Forschungs- feld. Wissenschaftlerinnen und Wis- senschaftler könnten mitten im größ- ten Sportereignis der Welt arbeiten und beispielsweise untersuchen, welche Auswirkungen die Spiele auf Stadt- entwicklung, gesellschaftliche Iden- tifikation oder die Akzeptanz in der Bevölkerung haben. Solche Prozesse lassen sich über mehrere Jahre hinweg beobachten und wissenschaftlich be- gleiten. Auch organisatorisch gäbe es viele Berührungspunkte – etwa bei der Betreuung von Athletinnen und Ath- leten oder in der Dopinganalytik. Für Studierende bestünde zudem die Mög- lichkeit, als Volunteers mitzuwirken oder in Forschungsprojekte eingebun- den zu sein – eine Erfahrung, die man im Hörsaal allein nicht machen kann. Sport-Großevents werden häufig auch kritisch gesehen – wegen Kos- ten oder fehlender Nachhaltigkeit. Was müsste aus Ihrer Sicht passie- ren, damit die Spiele tatsächlich ein Gewinn für die Region werden? Ich kann diese Skepsis gut nachvollzie- hen, denn wir kennen aus der Vergan- genheit Beispiele mit stark steigenden Kosten, problematischen ökologischen Folgen oder Verdrängungseffekten in Städten. Deshalb muss eine mögliche Bewerbung von Anfang an darauf aus- gerichtet sein, Risiken zu analysieren und zu vermeiden: durch die Nutzung bestehender Sportstätten, durch klare Kostenkontrolle, durch transparente Planung und durch verbindliche Nach- haltigkeitsziele. Wenn Investitionen vor allem der Region langfristig nut- zen – etwa für Sportstätten, Mobilität oder Stadtentwicklung – dann können die Spiele tatsächlich einen Mehrwert schaffen. Entscheidend ist, dass sie nicht der Stadt „übergestülpt“ werden, sondern dass sie sich in die langfristi- ge Entwicklung der Region einfügen. Deshalb ist auch der Bürgerentscheid so wichtig: Er sorgt dafür, dass eine solche Entscheidung demokratisch ge- tragen wird. Bis zum 19. April können Bürgerin- nen und Bürger ihre Stimme abge- ben. Warum lohnt es sich aus Ihrer Sicht, dieser Bewerbung eine Chance zu geben? Olympische und Paralympische Spiele können ein starkes Zukunftsprojekt sein. Wenn sie gut geplant sind, können sie wichtige Impulse für Infrastruktur, Sportstätten oder öffentliche Räume geben. Viele Sportanlagen in Deutsch- land sind sanierungsbedürftig – hier könnte eine Bewerbung Modernisie- rung anstoßen. Gleichzeitig könnten neue Begegnungsräume entstehen: Plätze, an denen Menschen gemeinsam Sport erleben, Public Viewing verfol- gen oder sich einfach treffen. Gerade Innenstädte verändern sich derzeit stark. Viele Menschen verbringen ihre Freizeit zunehmend im privaten Raum. Die Spiele könnten Anlass sein, öffent- liche Orte neu zu gestalten – Orte, an denen Begegnung wieder selbstver- ständlich wird. Gerade für eine Region wie Köln und das Ruhrgebiet könnte eine solche Entwicklung langfristige positive Effekte haben. Stellen wir uns vor, die Spiele finden tatsächlich bei uns statt: Wie sollte Köln danach aussehen? Ich stelle mir vor, dass Köln danach noch attraktivere öffentliche Räume hat – Orte, an denen sich Menschen be- gegnen, sich bewegen und gemeinsam aktiv sein können. Das ist fast wichti- ger als neue Sportstätten allein. Idea- lerweise entstehen Plätze mit Sport- möglichkeiten, Aufenthaltsflächen und Begegnungsorte für alle Genera- tionen: Orte, an denen man Basketball spielen, sich treffen, vielleicht auch einfach draußen sitzen kann. Solche Räume können das Stadtleben nach- haltig verändern. Ein wichtiges Ver- mächtnis wäre außerdem, dass Sport und Bewegung stärker im Alltag der Menschen verankert werden. Wenn die Spiele dazu beitragen, Menschen lang- fristig zu mehr Bewegung zu motivie- ren, wäre das ein großer Gewinn. Olympische und Paralympische Spie- le in Köln … Worauf freuen Sie sich am meisten? Auf die Atmosphäre. Eine Stadt, die von einem solchen Ereignis lebt, in der Menschen gemeinsam feiern, mitfie- bern und jubeln. Die Spiele bieten au- ßerdem die Chance, viele Sportarten zu entdecken, die sonst wenig Aufmerk- samkeit bekommen. Oft konzentriert sich die öffentliche Wahrnehmung auf wenige populäre Disziplinen – dabei ist die Vielfalt des Sports viel größer. Ich freue mich auch auf die internationale Begegnung – Athletinnen und Athle- ten sowie Gäste aus der ganzen Welt. Und als Rektor der Kölner Sportuniver- sität würde ich mich besonders darüber freuen, wenn unsere Studierenden als Volunteers Teil dieses Ereignisses wer- den und aktiv daran mitwirken können. ZAHLEN & FAKTEN AUS DEM BEWERBUNGS-KONZEPT » Bis zu 14 Millionen Tickets » 100% bestehende oder tempo- räre Sportstätten » Olympischer Geist ohne Um- wege: Rund 95% der Athletin- nen und Athleten wohnen im gemeinsamen Olympischen und Paralympischen Dorf für kurze Wege und kompakte Abläufe » Kurze Wege für spektakuläre Spiele: Die meisten Sportstätten liegen innerhalb von 40 km bzw. 60 Minuten Fahrtzeit » Innovative Nachnutzung: Das temporäre Leichtathletik-Sta- dion und das Olympische/Para- lympische Dorf werden nach den Spielen zum neuen Stadtquar- tier in Köln-Blumenberg » Über 700.000 m² Messefläche www.olympiabewerbung.nrw/ unser-konzept „Diese besondere, kölsche Atmosphäre – herzlich, interna- tional und begeiste- rungsfähig – passt aus meiner Sicht sehr gut zu Olympischen und Paralympischen Spielen." „Wenn Investitionen vor allem der Region langfristig nutzen – etwa für Sportstätten, Mobilität oder Stadt- entwicklung – dann können die Spiele tat- sächlich einen Mehr- wert schaffen." » ZeitLupe - Nr. 1.26 Nr. 1.26 - ZeitLupe 2222 23 DIE ZIRKELS SIND EINE SPORTVERRÜCKTE FAMILIE. ‌Wobei, genau genommen nicht nur sportverrückt, sondern „Spoho-verrückt“. Volker und Dagmar Zirkel haben sich vor über 20 Jahren im Spoho-Studium kennengelernt, ihre beiden Kinder Oskar und Toni studieren nun auch hier. Ein Porträt über eine Familie, die ihre Uni als einen emotionalen Ort und Sport als Haltung, nicht nur Studienfach, versteht. TEXT Julia Neuburg FOTOS privat „Man muss nicht mit einem fertigen Plan hier anfangen. Wichtig ist, offen zu bleiben und Dinge auszuprobieren.“ Dagmar PORTRÄT ZeitLupe - Nr. 1.26 Nr. 1.26 - ZeitLupe 2424 25 Als der Laptop im Arbeitszimmer aufgeklappt wird, sitzt Oskar (21) in seinem WG-Zimmer in Oslo und grinst in die Kame- ra. Seit zwei Wochen wohnt er im ver- schneiten Norden und absolviert dort ein Auslandssemester. Zwischen ihm und seiner Familie in Köln liegen mehr als 1.000 Kilometer. Und doch merkt man sofort: Auch über die Entfernung hält diese Familie zusammen; lustige Sprüche und Neckereien fliegen hin und her und es wird viel gelacht. Im Kölner Büro sitzen – ganz real – Mutter Dagmar (51), Vater Volker (53) und Schwester Toni (19). Und irgendwo dazwischen trottet Labrador Sam vorbei, elfjähriges Familienmitglied auf vier Pfoten. Was die Zirkels verbindet, ist mehr als Ver- wandtschaft. Es ist eine Universität. Es ist der Sport. Zusammen: die Spoho. Zwischen Segelkurs und Zimmer 64/56 Die Geschichte, wie sich Dagmar und Volker Mitte der 1990er Jahre an der Spoho kennengelernt haben, kennen die Kinder natürlich in- und auswen- dig. „Das ist halt die Geschichte“, sagt Dagmar. Und die beginnt nicht im Hör- saal, nicht auf dem Campus, nicht ein- mal in einem Sportkurs. Sondern auf einer Segelexkursion der Spoho nach Quiberon/Frankreich. Bis dahin ha- ben sich Dagmar und Volker auf dem Campus nie wahrgenommen, aber sich mit Freund*innen zusammen eben für diese Exkursion „Sportartengruppe C – Segeln“ angemeldet. Zufall, wie so oft. „Ich war mit meinem Kumpel im Zimmer 64 und die Mädels auf demsel- ben Flur in Zimmer 56“, erinnert sich Volker. „Das hat sich dann im Laufe der zwei Wochen etwas durchmischt.“ Ge- lächter in der Runde. Zurück in Köln verlieren sich die beiden Neusegler*in- nen erstmal wieder aus den Augen. Erst ein Nachtreffen und eine zufällige Begegnung in der geliebten Spoho-Ca- feteria bringt sie zusammen. Segeln spielt heute übrigens keine große Rolle mehr. Zweimal im Urlaub mit den Kin- dern, mehr nicht. „Von einer Passion zu sprechen, die an uns Kinder wei- tergegeben wurde, wäre maßlos über- trieben“, scherzt Oskar und alle lachen wieder. Für die Beziehung der Eltern sei also gar nicht der Sport an sich ent- scheidend gewesen, sondern der Ort, an dem alles begann: an der Spoho. Ein Studium als Lebensschule Für Dagmar, genannt Daggi, aufge- wachsen in Ostwestfalen-Lippe, war früh klar, dass sie Sportlehrerin werden möchte, schon mit fünf Jahren. Raus aus Minden, rein ins Studium. Sie be- ginnt im Wintersemester 1993/94 ihr Diplom-Sportstudium, kurz darauf das Mathestudium an der Pädagogischen Hochschule, wohnt direkt auf dem Spoho-Campus in Wohnheim 1, Zimmer 117. Volker, gebürtig aus Ratingen, startet ein Semester später. Auch für ihn ist Sport immer gesetzt, ein Sport- studium das Naheliegendste der Welt. „Meine Eltern sind beide Lehrer“, sagt er. „Ich wollte etwas anderes.“ Bei- de erinnern sich an ein Studium, das weniger auf einen klaren Berufsweg ausgerichtet war, mehr auf Erfahrung, Kommunikation und das soziale Mit- einander. „Wir waren viel freier als die Studierenden heute“, sagt Volker. „Es ging darum, sich von morgens bis abends zu bewegen, mit Gleichgesinn- ten zusammen zu sein.“ Beide haben im Studium Menschen fürs Leben ge- funden und Freundschaften geknüpft, die bis heute halten. Früh haben das auch schon Toni und Oskar mitbekom- men: „Der gesamte Freundeskreis un- serer Eltern besteht aus Uni-Leuten“, sagt Oskar. Lange in der Cafeteria oder im Biergarten zu sitzen, hatte damals sogar einen Namen: „Großer Schwer- punkt Cafete“. Volker erinnert sich außerdem an zwei legendäre Semester mit Weizenbier vom Fass und an Zeiten, in denen man beim Eignungstest noch zuschauen durfte und im Publikum da- rauf gewettet wurde, wer es schafft und wer versagt. „Da konnte man schon mal ein Mittagessen gewinnen“, erzählt er grinsend. Sport als Familienalltag Dass Sport später den Familienalltag prägen würde, überrascht niemanden. Oskar und Toni sind beide in Köln ge- boren. Der Sport ist immer da, erst, weil sie als Kinder mit zu den elterlichen Spielen geschleppt werden, dann als aktive Sportler*innen: Toni früh beim Trampolinturnen, dann im Handball und Volleyball, Oskar zuerst im Fuß- ball, dann im Handball. Der Sport ist Alltag und gemeinsamer Nenner für die Familie. Dagmar wird Lehrerin für Sport und Mathe an einer Gesamtschule und auch Volker macht seine Leidenschaft zum Beruf: erst als Geschäftsführer eines Fitnessstudios, dann ab 2003 als Geschäftsführer der Kinder- und Jugendsportschule NRW (KJS), eine Institution, die eng mit der Spoho ver- bunden ist. Alle der 20 festangestellten Mitarbeitenden sind Alumni der Spoho und von den rund 350 Kursleiter*innen sind 80 bis 90 Prozent Studierende der Sporthochschule. KJS ist der größte Arbeitgeber für Spoho-Studierende und langjähriger Partner des Spoho-Career Service. Ein Ort, der bleibt Dass nun auch die Kinder an derselben Universität studieren, war fast zwangs- läufig – und doch keine Pflicht. „Es war immer Thema“, sagt Oskar, der im vierten Semester Sportmanagement und Sportkommunikation studiert und aktuell in Oslo die Lebensqualität und die Zufriedenheit der Menschen dort schätzt – und natürlich den Handball. Toni ist gerade erst an der Spoho an- gekommen, das erste Semester Sport- journalismus liegt hinter ihr. Beide ha- ben keinen festen Plan, was sie später beruflich machen wollen. Und das ist völlig okay. „Viele Eltern hätten damit vielleicht ein Problem“, sagt Volker. „Wir nicht.“ Flexibilität sei eine der wichtigsten Lektionen aus dem eige- nen Studium. Auf die Frage, ob die Kin- der jetzt verstehen können, warum ihre Eltern diesen Ort so lieben, muss keiner lange überlegen: „Die Menschen. Alle machen gerne Sport zusammen, schät- zen ihre Freiheit. Das ist heute genauso wie früher.“ „Brutale Combo“ Die Vorstellung, nochmal gemeinsam Erstsemester an der Spoho zu sein, sorgt für große Heiterkeit. „Brutale Combo“, fällt Tonis Fazit aus. Wie sie sich wohl gegenseitig beschreiben würden? „Toni würde ich wahrscheinlich als Quassel- strippe und Draufgängerin erleben, Os- kar wäre für mich der Leuchtturm – we- gen seiner Größe“, sagt Volker. Ob sich der Sohn mit dem Vater als Ersti ange- freundet hätte, steht auf einem anderen Blatt. „Schon etwas anstrengend“, sagt Oskar grinsend. Bei Dagmar sind sich die anderen Familienmitglieder einig: erst zurückhalten und beobachtend, dann taut sie aber auch schnell auf. „Und sie würde über alle unsere Witze lachen“, ist Toni sicher. Und was würden die Vier den neuen Ers- tis für ihr Studium an der Spoho mitge- ben? Auch da ist sich die Familie recht einig. „Offen in die Welt blicken und vorurteilsfrei auf Menschen zugehen“, sagt Volker. „Sich auf alles einlassen, sich selbst keinen Druck machen und sich selbst nicht zu ernst nehmen“, ergänzen Toni und Oskar. Und Dagmar fügt an: „Sportarten ausprobieren! Segeln oder Skifahren – das habe ich alles erst hier gelernt.“ Mit Erfolg – aus den ersten Segelerfahrungen in Qui- beron ist schließlich eine echte Crew geworden. VORWÄRTS SPOHO 98 – EIN STUDIERENDENVEREIN WIRD GE- BOREN! Im Jahr 1998 hat ein Haufen fußballverrückter Spoho-Studie- render, darunter Volker Zirkel, den Fußballverein Vorwärts Spoho 98 gegründet. Von der ersten Saison an gab es eine Damen- und Herren- mannschaft. Seit 2003 ist Volker 1. Vorsitzender. Bis heute ist der Verein Heimat vieler Spoho-Stu- dierender: Über 80% der Vereins- mitglieder sind Studierende und Alumni unserer Uni. www.vorwaertsspoho.de KINDER- UND JUGEND- SPORTSCHULE NRW (KJS) KJS bietet erlebnisorientierte Bewegungsangebote im offenen Ganztag an (Grund-)Schulen in Köln und Umgebung. Pro Woche nehmen durchschnittlich 20.000 Kinder und Jugendliche an den Bewegungsange- boten aus den Bereichen Bewegung, Tanz und Schauspiel, Zirkus, Erlebnis- pädagogik und Gesundheitsförderung teil. Das KJS-Team besteht aus 20 festangestellten Mitarbeitenden und ca. 350 Kursleiter*innen. Es werden durchgehend Studierende gesucht, die Kurse im offenen Ganztag von Schulen leiten und dort wichtige pädagogische und fachpraktische Erfahrungen sammeln können. https://kjsnrw.de „Das Sportstudium ist eine super Grund- lage, um ins Leben zu starten.“ Volker „Man muss sich einfach trauen mitzumachen – der Rest ergibt sich von selbst.“ Toni „Die Leute hier ticken ähnlich wie damals bei meinen Eltern: Man macht gern zusammen Sport und nimmt das Leben nicht zu schwer.“ Oskar PORTRÄT ZeitLupe - Nr. 1.26 Nr. 1.26 - ZeitLupe 2626 27 Fo to s: H ei nz S ch um ac he r; D SH S; K I g en er ie rt NEWS Geschlechtliche Vielfalt im Sport Die Deutsche Sporthochschule Köln beteiligt sich an einem dreijährigen Forschungsprojekt zum Umgang geschlecht- licher Vielfalt im Wettkampf- und Leistungssport. Gefördert vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft untersucht das Projekt die Situation von trans*, inter* und nicht-binären Athletinnen, aktuelle Regularien und die Perspektiven von Sportlerinnen, Funktionärinnen und Expertinnen. Ziel ist die Entwicklung eines praxisorientierten Handlungsleitfadens, der chancengleiche Teilhabe im Sport fördern soll. Beteiligte Verbände und Community-Organisationen begleiten den Prozess aktiv. 8.000 Euro erschwammen die Teilnehmer*innen beim Christmas Sunrise Swim für das WDR2-Weihnachtswunder. Dafür legten sie 963 Kilometer zurück. ITB tanzt – Raus aus der Komfortzone, rauf auf die Bühne Ein ausverkaufter Hörsaal, gespannte Stille – dann öffnet sich der Vorhang: ITB tanzt 2026 verwandelte den Hörsaal 1 der Deutschen Sporthochschule Köln erneut in eine große Bühne für Tanz und Bewegung. Innerhalb von nur zwei Stunden waren alle Karten vergriffen, rund 500 Zuschauer*innen verfolgten die Aufführungen. Studierende aus verschiedenen Lehrveranstaltungen präsentierten eigene Choreografien – von kreativen Stücken aus dem Basisstudium bis zu anspruchs- vollen Abschlussarbeiten. Auf der Bühne trafen ausdrucksstarker Tanz, akrobati- sche Elemente und emotionale Geschichten aufeinander. Auch Gastbeiträge, unter anderem von einem Tanzstudio und einem Gymnasium, bereicherten das Programm. Ein besonderer Moment war die Würdigung des ehemaligen Institutsleiters Wolfgang Tiedt zu seinem 80. Geburtstag. Den Abschluss bildete das Gemeinschaftsprojekt „Rausch(los)“ der Profilergänzung Tanz mit rund 150 Beteiligten auf der Bühne. ITB tanzt zeigt, wie vielfältig Tanz an der Sporthochschule gelebt wird – als künstlerische Ausdrucksform, Experimentierfeld und Teil universitärer Lehre. Studierende können sich über verschiedene Module, Kurse und Studienprogramme aktiv beteiligen. » Es geht bei ITB tanzt nicht um die perfekte Performance, sondern um Spaß an Bewegung und Tanz – und darum, sich zu über- winden, etwas komplett Neues auszuprobieren. Univ.-Prof.'in Dr. Claudia Steinberg, Leiterin des Instituts für Tanz und Bewegungskultur (ITB) Kick-off für COSMOS Ende Februar fand an der Deut- schen Sporthochschule Köln das Auftakttreffen des internatio- nalen Masterprojekts COSMOS (Community Sport and Move- ment for Social Transformation) statt. Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines vollständig integrierten, zweijährigen internationalen Masterstudien- gangs zum Thema Community Sport. Neben der Sporthoch- schule sind mehrere interna- tionale Partneruniversitäten beteiligt, darunter die Palacký University Olomouc, die Univer- sity of Gothenburg, die Munster Technological University, die University of Zagreb School of Medicine sowie die University of São Paulo. Gemeinsam arbeiten sie an den inhaltlichen und strukturellen Grundlagen des geplanten Studienprogramms. Der Masterstudiengang soll Community Sport als Ansatz zur Förderung von Teilhabe, Diversität und sozialer Trans- formation wissenschaftlich fundieren und praxisorientiert weiterentwickeln. Studierende sollen künftig die Möglichkeit haben, an mehreren internatio- nalen Hochschulen zu studieren und sich im Themenfeld Commu- nity Sport international zu vernetzen. Das Projekt wird im Rahmen der Erasmus-Mundus- Förderlinie Design Measures unterstützt. Mitwachsender Kinderschuh Studierende der Sporthochschule haben einen Schuh entwickelt, der mitwächst. Kern der Entwicklung ist ein in der Sohlenstruktur integrierter Mechanismus, mit dem sich die Größe von außen anpassen lässt. Kinderfüße wachsen schnell – Schuhe hingegen nicht. Drei Studierende der Deutschen Sporthochschule Köln haben des- halb einen Kinderschuh entwickelt, dessen Größe sich anpassen lässt. Mit ihrem Start-up Sizeless wollen sie eine Lösung für ein Problem bieten, das viele Familien kennen. Am 16. März startet das Team eine Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter, um die erste Produktionsserie zu ermöglichen. Die Idee entstand im Rahmen eines Studienprojekts an der Sport- hochschule. In Gesprächen mit Eltern wurde den Gründern schnell klar, wie häufig Kinder neue Schuhe benötigen. „Ein Kind braucht im Schnitt rund zwölf Paar Schuhe, bis es in die Grundschule kommt“, sagt Mitgründer Alexander Schemel. „Das ist teuer, zeitaufwändig und auch aus ökologischer Sicht problematisch. Wir wollten herausfinden, ob es dafür eine bessere Lösung geben kann.“ Gemeinsam mit Fachleuten aus dem Umfeld des Instituts für Biomechanik und Orthopädie entwickelten die Studierenden erste Prototypen eines verstellbaren Kinderschuhs. Kern der Entwicklung ist ein Mechanismus, mit dem sich die Größe von außen anpassen lässt. Er ist in die Sohlenstruktur integriert und kommt nicht mit dem Fuß in Kontakt. Ziel ist es, Komfort, Fußgesundheit und Langlebigkeit miteinander zu verbinden. Die zugrunde liegende Tech- nologie wurde bereits zum Patent angemeldet und ist durch Gebrauchs- muster geschützt. Aus dem Studienprojekt entwickelte sich schließlich das Start-up Size- less. Das Team wird im Gründungsprozess durch den Transfer- und Grün- dungsbereich der Sporthochschule begleitet und hat unter anderem an einem Inkubatorprogramm teilgenommen. Zudem ist das Projekt Teil des Verbunds der Gateway Hochschulen Köln und wird im Rahmen des Förderprogramms EXIST unterstützt. Mit der Crowdfunding-Kampagne möchte das Team nun die Produktion der ersten Serie ermöglichen und zugleich testen, wie groß das Interesse an dem Konzept eines größen- verstellbaren Kinderschuhs ist. www.sizeless-shoe.com Spoho richtet GSUN-Gipfel 2026 aus Die Deutsche Sporthochschule Köln richtet am 7. und 8. Oktober 2026 den GSUN’26 Summit des Global Sport University Network aus. Das internationale Treffen bringt Wissenschaftler*innen sowie Vertreter*innen aus Sportorga- nisationen, Industrie und Medien in Köln zusammen. Ziel des 2023 gegründeten Netzwerks ist es, sportwissenschaft- liche Expertise zu bündeln, um globale Herausforderungen interdisziplinär anzugehen. Im Mittelpunkt des zweitägigen Gipfels steht der Austausch darüber, wie die Innovations- kraft des Sports für gesellschaftliche Entwicklungen genutzt werden kann. Inhaltlich orientiert sich GSUN an den vier Themenfeldern Gesundheit und Leistung, Gesellschaft, Inno- vation und Nachhaltigkeit. Termin vormerken: 7./8. Oktober Webseite: www.gsun.org/summiti > Rückblick Zur Crowdfunding- Kampagne NEWS http://www.sizeless-shoe.com FORSCHUNG ZeitLupe - Nr. 1.26 Nr. 1.26 - ZeitLupe 2828 29 Exoskelette gelten als vielver- sprechende Technologie, um körperlich belastende Tätigkei- ten in Industrie und Handwerk zu erleichtern. Besonders bei Über- kopf-Arbeiten – etwa beim Schrauben, Bohren oder Schleifen – können sie die Muskulatur entlasten und arbeits- bedingten Erkrankungen vorbeugen. Doch wie wirkt sich ihr Einsatz auf Auf- merksamkeit, Bewegungskoordination und Leistungsfähigkeit aus? Dieser Frage widmet sich das neue, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte, Forschungsprojekt „CoExo – Kognitiv-motorische Interfe- renzen beim Exoskeletteinsatz“, das an der Deutschen Sporthochschule Köln in Kooperation mit der Technischen Uni- versität Bergakademie Freiberg durch- geführt wird. Unterstützung mit Nebenwirkungen? Arbeitsbedingte muskuloskelettale Erkrankungen zählen zu den häufigs- ten Ursachen für Arbeitsausfälle. Exo- skelette sollen körperliche Belastun- gen reduzieren – zugleich verändern sie jedoch Bewegungsabläufe und stellen neue Anforderungen an ihre Nutzer*innen. Dabei kann es zu soge- nannten kognitiv-motorischen Inter- ferenzen kommen: Leistungseinbußen entstehen, wenn körperliche und kog- nitive Anforderungen gleichzeitig um begrenzte Ressourcen konkurrieren. „Ein Exoskelett kann körperlich entlas- ten, darf aber nicht zulasten von Prä- zision oder Sicherheit gehen“, erklärt Univ.-Prof.'in Dr. Bettina Wollesen, Leiterin der Abteilung Bewegungsori- entierte Präventions- und Rehabilita- tionswissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln. „Deshalb ist es wichtig zu verstehen, wann Assistenz- systeme wirklich unterstützen und wann sie zusätzliche Anforderungen erzeugen.“ Realistische Szenarien, präzise Messungen Im Projekt CoExo führen insgesamt 100 Versuchspersonen – 50 Handwer- ker*innen sowie 50 gesunde Erwach- sene, jeweils zur Hälfte Frauen und Männer – typische industrielle Über- kopf-Tätigkeiten aus. Die Aufgaben werden mit und ohne Exoskelett sowie teilweise unter zusätzlicher kogniti- ver Belastung durchgeführt. Erfasst werden die körperlichen und neuronalen Beanspruchungen mithil- fe moderner mobiler Messverfahren, darunter: » 3D-Bewegungsanalyse » Muskelaktivitätsmessung » funktionelle Nahinfrarot- spektroskopie (fNIRS) So lassen sich Bewegungsmuster, Muskelbeanspruchung und Gehirn- aktivität gleichzeitig und unter reali- tätsnahen Bedingungen analysieren. Ein besonderer Fokus liegt auf indi- viduellen Unterschieden wie Alter, Geschlecht und Körpermaßen. „Viele bisherige Studien basieren überwie- gend auf männlichen Probanden“, so Wollesen. „Unser Ziel ist es, Exoske- lette künftig besser an unterschied- liche Nutzergruppen anzupassen.“ Grundlagen für intelli gente Assistenzsysteme Auf Basis der Ergebnisse entwickelt das Forschungsteam ein Modell der kogni- tiv-motorischen Ressourcenallokation. Dieses Modell soll künftig helfen, adap- tive Exoskelett-Funktionen zu gestal- ten, die sich automatisch an Aufgabe, Situation und individuelle Bedürfnisse anpassen. Ziel ist es, körperliche Entlastung und kognitive Leistungsfähigkeit optimal miteinander zu verbinden – und so ei- nen wichtigen Beitrag zur gesundheits- gerechten Gestaltung der Arbeitswelt von morgen zu leisten. N eu e Pe rs pe kt iv en fü r d ie Ar be it v on m or ge n CoExo: Forschung zu Exoskeletten im Arbeitsalltag DFG-gefördertes Forschungsprojekt der Deutschen Sporthochschule Köln und der Technischen Universität Bergakademie Freiberg untersucht kognitiv-motorische Effekte bei Überkopf-Arbeiten. TEXT Lena Overbeck FOTOS Theresa Templin www.instagram.com/ p/DVN7rMSDL1O Nr. 1.26 - ZeitLupe 30 31 RÄTSEL RÄTSEL ANAGRAMME AUS SPORT WIRD PROST AUS TOR WIRD ORT AUS TEAM WIRD MATE. Welche Begriffe verstecken sich hinter diesen Wortneuschöpfungen? Kleiner Tipp: Wir konnten uns in den Lösungen nicht ganz von Köln und der Spoho lösen. 1. Fun-Sport-Event, das Handball, Basketball, Fuß- ball &Volleyball vereint 2. Beim Kegeln alle "..." ab- geräumt 3. Steht 16.000x auf dem Spoho-Campus 4. Podcastformat der Spoho 5. Europameisterschaft (Abk.) 6. Vorname unseres Rektors 7. Knock Out (Abk.) 8. zweite Disziplin des Sie- benkampfes (Leichtathletik) 9. Anzahl d. Bachelorstu- diengänge der Spoho (ohne Lehramt) 10. Austragungsland Basket- ball WM der Frauen 2026 11. ehem. Spoho-Student & Goldmedaillengewinner Olympia 12. passt 26x auf den Cam- pus (Kölner ...) 13. Zuhause des Beachvol- leyballs an der Spoho 14. Gewinnerin der ersten Medaille für Deutschland bei Olympia 2026 (Emma) 15. Letzte Ziffer des Grün- dungsjahres der Spoho 16. Rückschlagsportart beim Eignungstest 17. Welt-Anti-Doping-Agen- tur (Abk.) 18. Fernsehmoderator und Sportreporter (Tom) 19. Trainer 1. FC Köln Män- ner (Lukas) 20. Deutsche Hochschul- meisterschaften (Abk.) 21. Die vier Säulen der Spoho stehen für das Wahre, das Starke, das Gute und das ... 22. Minutenobergrenze für 2.000m Lauf der Frauen beim ET 23. Offizielle Hausnummer der Spoho 24. Lernerfolgskontrolle (Abk.) 25. Speerwurf (engl.) 26. Moderator der Ersti- begrüßung WiSe 2025/26 (Robby) SPORT FÜRS GEHIRN Willkommen auf unserer Rätselseite! Ob Logik, Sprache oder ein bisschen um die Ecke gedacht – hier ist das Gehirn gefragt. SUMMENRÄTSEL SUDOKU MAL ANDERS – in diesem Summenrätsel sollen in jeder Zeile und jeder Spalte die Ziffern von 1 bis 6 eingetragen werden. Die kleine Zahl in der oberen Ecke verrät dir dabei die Summe der Zahlen in den mar- kierten Bereichen. 4 5 15 9 17 10 14 9 10 12 11 10 • SCHLECHT OH SO PUR • BLA BLA SEKT • AB FENSTER NUR • ALASKA NERV MUS • ABHALT AM HORN • MANAGE STERN • SCAN ICH LISTE 10 4 17 16 2 23 9 37 11 13 20 12 8 4 6 9 15 24 14 5 2 1 21 3 18 19 26 10 1 12 713 25 6 5 14 8 22 11 DIE LÖSUNG GIBT'S AUF SEITE 50. ZeitLupe - Nr. 1.26 Nr. 1.26 - ZeitLupe 3232 33 GRÜNDUNG Fo to s: E lle n Tr en n, D SH S Janina schafft es auf beein- druckende Weise, ihre wissen- schaftliche Arbeit am Institut für Soziologie und Genderfor- schung in die Praxis zu transferieren. Doch wie sieht der Weg zur preisge- krönten Gründerin wirklich aus? Der Sport spielt schon früh eine wich- tige Rolle in Janinas Leben. Über den Fußball verliebt sie sich in den Mann- schaftssport. Schon als Jugendliche übernimmt sie Verantwortung, macht mit 14 ihren Trainerinnenschein und trainiert die Minikicker ihres Heimat- vereins. Nach dem Abitur studiert Ja- nina Psychologie an der Universität zu Köln und sammelt parallel Berufs- erfahrung: erst in der Psychiatrie, spä- ter in einer Personalberatung mit dem Schwerpunkt Führungskräfteentwick- lung und Change Management. Nach dem Studium kommt Janina dann auch erstmals beruflich intensiver mit dem Sport in Kontakt. Bei der Kinder- nothilfe baut sie den Bereich Kinder- rechte und Kinderschutz im Sport auf. In dieser Rolle arbeitet sie mit Bun- desligavereinen, Verbänden aber auch kleineren Breitensportvereinen zu- sammen. Es ist ein Themenfeld, das sie fachlich nachhaltig beeinflusst und sie 2022 zur Aufnahme einer Promotion an der Spoho bewegt. „Das war eine der besten Entschei- dungen, die ich je getroffen habe“, beschreibt sie diesen Schritt rückbli- ckend. Besonders hebt Janina dabei die Rolle ihrer Betreuerinnen hervor: „Ich hatte damals das große Glück, dass sich Dr. Jeannine Ohlert und Prof.'in Dr. Bettina Rulofs bereiterklärt haben, mich in meiner Individualpro- motion zu begleiten. Sie sind für mich bis heute super unterstützende und bereichernde Betreuerinnen.“ An der Spoho ist es dann nicht nur die Forschung rund um ihr Promotionsthe- ma „Empowerment im Sport“, die Jani- na prägt, sondern vor allem auch das Umfeld, das den Transfer in die Praxis aktiv mitdenkt. Als sie zufällig auf die Ausschreibung des DSHS-Ideathlons stößt, reicht sie spontan eine Grün- dungsidee zum Thema „sexualpädago- gische Inhalte im und für den Sport“ ein. Dadurch kommt sie mit Dr. Anja Chevalier und Dr. Sophia Haski aus der Transferabteilung der Sporthochschu- le in Kontakt und nimmt 2023 mit die- ser Idee erstmals am StarS-Kader teil. Mit wertvoller Unterstützung zur Gründungsidee Der StarS-Kader ist das Inkubator-Pro- gramm der Deutschen Sporthochschu- le Köln. Es unterstützt Studierende und Wissenschaftler*innen dabei, sport-, bewegungs- oder gesundheitsbezoge- ne Gründungsideen Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. In Workshops und Coachings lernen die Teilnehmenden die Grundlagen einer Gründung, schär- fen ihr Konzept und arbeiten an einem tragfähigen Geschäftsmodell. Am Ende des Programms präsentieren sie ihre Idee bei einem öffentlichen Pitch- Event vor einer Jury und erhalten pro- fessionelles Feedback. „Womit ich gar nicht gerechnet habe, als ich an die Spoho gekommen bin, ist, dass die Transferabteilung so eine große Auswirkung auf mein Leben ha- ben wird und dass ich mich da so gut aufgehoben fühle“, erinnert sich Ja- nina. Nach ihrer ersten StarS-Kader- Teilnahme wird Janina 2024 mit der Gründungsidee eines sportlich aktiven Co-Working-Spaces EXIST-Women-Sti- pendiatin. EXIST-Women ist ein Quali- fizierungsprogramm, das gründungs- interessierte Frauen an Hochschulen in der frühen Phase vor der Unterneh- mensgründung unterstützt. „Das ist ein wahnsinnig cooles Netzwerk aus Frauen, die sich gegenseitig unterstüt- zen. An vielen Stellen ist nunmal immer noch ein sehr geringer Frauenanteil und solche Programme helfen da sehr“, erklärt Janina. 2025 entsteht dann die Idee zu well- playd – und diesmal fühlt es sich für Janina sofort ernst an. Sie merkt di- rekt, dass das Konzept auf einem an- deren Level als ihre vorherigen Grün- dungsideen ist. Denn mit ihrer Idee trifft sie ein sehr konkretes Problem im Vereinsalltag. wellplayd ist eine Softwarelösung, die sich an Vereine, Verbände und Stif- tungen richtet, in denen Trainer*in- nen und Übungsleiter*innen mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Inhaltlich knüpft wellplayd eng an Janinas beruflichen Hintergrund und ihre Promotion an: Gewaltprävention, Kinderschutz und die Frage, wie Sport so gestaltet werden kann, dass er Menschen stärkt – und nicht schadet. Auch durch die SafeSport-Studien aus dem Spoho-Umfeld ist das Thema in den letzten Jahren, vor allem durch Janinas Betreuerin und Prorektorin Prof.'in Dr. Bettina Rulofs sowie Dr. Jeannine Ohlert stärker in den Fokus gerückt. wellplayd unterstützt Ver- eine dabei, Präventions- und Auf- arbeitungsmaßnahmen als digitale Prozesse im Alltag umzusetzen – etwa bei Führungszeugnisprüfungen, Verhaltenskodizes, Einverständnis- erklärungen für Bilder oder der Struk- turierung von Meldewegen und die Bearbeitung und Dokumentation von Verdachtsfällen. Ziel ist es, Vereine gerade auf Prozessebene zu entlasten. Denn besonders im Ehrenamt ist es oft schwer, all diese Anforderungen kon- sequent umzusetzen. Mit wellplayd nimmt Janina 2025 ein zweites Mal am StarS-Kader teil und gewinnt. Das erste Jahr als Gründerin und Ge- schäftsführerin von wellplayd be- schreibt Janina als intensiv. Es ist geprägt von vielen grundlegenden Entscheidungen: von der Wahl der Rechtsform über Notarverträge, Ver- handlungen mit Gesellschafter*in- nen, Steuerberatung, Buchhaltung und Finanzen. Gleichzeitig entsteht wellplayd nicht am Reißbrett, sondern im engen Austausch mit den Vereinen: Feedback aus der Praxis wird immer wieder an die Entwickler zurück- gespielt, sodass sich das Produkt in mehreren Schleifen weiterentwickelt. Preis für Soziale Innovationen Dass sich dieser intensive Weg lohnt, zeigt sich Anfang 2026 auch ganz of- fiziell: Mit wellplayd wird Janina vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt mit dem 2. Platz beim Studierendenpreis für Soziale Innovationen ausgezeichnet. Doch Janina sieht diese Auszeichnung nicht nur als persönlichen Erfolg: „Ich finde, dass eigentlich die Spoho diese Auszeichnung verdient hat, weil es bei diesem Preis darum geht, Forschungs- ergebnisse in die Praxis zu übertra- gen.“ Genau dieses Zusammenspiel aus Wissenschaft und Anwendung werde an der Spoho strukturell mitgedacht. Dabei betont Janina vor allem die enge Verbindung zwischen Promotions- studium und Transferarbeit. Ihre Be- treuerinnen Dr. Jeannine Ohlert und Prof.'in Dr. Bettina Rulofs hätten sie nicht nur fachlich begleitet, sondern auch den Prozess mitgetragen, wenn sich der Schwerpunkt ihrer Promotion weiterentwickelte oder wenn sie wegen der Berufstätigkeit nicht völlig flexibel Termine für die Promotion wahrneh- men konnte, erklärt Janina. Gleichzeitig habe die Transferabtei- lung sie immer wieder ermutigt, Ideen zu prüfen, zu verwerfen oder neu zu denken. „Ich hatte nie das Gefühl, dass die denken, wenn ich mit der nächsten Idee komme, bin ich sprunghaft“, be- schreibt Janina. Gerade diese Ausdau- er – im Sport wie im Gründen – sei es, die an der Spoho nicht nur gefordert, sondern aktiv gefördert werde. Deshalb ermutigt Janina Studierende an der Spoho, eigene Ideen nicht zu lange im Kopf zu behalten, sondern sie aktiv in den Austausch zu bringen. „Wenn ihr eine coole Gründungsidee habt, geht damit auf die Transferabteilung zu. Das ist ein riesen Geschenk, was die Spoho bietet.“ JANINA JASPERS IST PROMOTIONSSTUDENTIN AN DER DEUTSCHEN SPORTHOCHSCHULE KÖLN – UND NEBENBEI GRÜNDERIN. Mit wellplayd, einer Soft- warelösung, die Sportvereine und Verbände bei verantwortungsvoller Vereinsführung unterstützt, wurde sie im Februar sogar vom Bundesministeri- um für Forschung, Technologie und Raumfahrt mit dem 2. Platz beim Studierendenpreis für Soziale Innovationen ausgezeichnet. Eine Idee für besseren Sport Janina Jaspers gewinnt 2025 mit wellplayd den StarS-Kader – das hochschuleigene Unterstützungsangebot für Gründer*innen TEXT Niclas von Hobe i www.dshs-koeln.de/transfer-und-gruendung www.dshs-koeln.de/stars-kader ZeitLupe - Nr. 1.26 Nr. 1.26 - ZeitLupe 3434 35 Fo to s: P re ss e un d Ko m m un ik at io n; u ns pl as h SPORT 3000 Zuschauer*innen passen in die Halle und es wirkt, als be- teiligen sich alle an der Show. Viele von ihnen sind verkleidet und grölen. Doch plötzlich ist es ganz still, denn Gabriel Clemens steht bereit hinter der Abwurflinie. 2,37 Meter sind es von hier bis zur Scheibe. In diesem Jahr hat er mehr Druck als sonst, denn neben den 3.000 Zuschauer*innen sit- zen in Deutschland zeitweise 2,2 Mil- lionen Menschen vor den Fernsehge- räten, um dieses Spiel zu sehen. Kein Wunder, Darts ist in Deutschland im Mainstream angelangt. Bis hierhin war es für das Geschicklich- keitsspiel jedoch ein weiter Weg, denn die Geburtsstunde von Darts liegt schon fast 200 Jahre in der Vergangenheit. Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde in Großbritannien auf Querschnitte von Bäumen gewor- fen. Am damaligen Dartpfeil wurden noch Federn von Truthähnen befestigt, diese wurden in den 1890ern jedoch durch Flügel aus Papier ersetzt. 1908 gab es erstmals Streit darum, was Darts denn eigentlich genau ist. Grund für den Streit war eine Anklage gegen einen Pub-Besitzer in England. Der Vorwurf: Darts ist Glücksspiel und Glücksspiel war in Pubs verboten. Daher erklärte man in der Folge Darts zum Geschick- lichkeitsspiel. Seither darf Darts auch ganz offiziell in Pubs gespielt werden. Vom Glücksspiel zum Sport? IM ALEXANDRA PALACE IN LONDON steigt die Anspannung. Die dritte Runde der Darts-WM 2026 steht an. Die deutsche Hoffnung, Gabriel Clemens, trifft auf den Weltranglisten-Zweiten, den Eng- länder Luke Humphries. Schon beim Einzug der Spieler machen die deutschen Fans auf sich aufmerksam – mit Pfiffen gegen den Englän- der. „Gabriel Clemens“ hallt es in Form von Sprechchören durch den Alexandra Palace, auch bekannt als Ally Pally. is t d a s S port? TEXT Yanis Kern GEHEIME GÄNGE ... Wir haben einen Blick auf die Baustelle unseres Leichtathletikzentrums (LAZ) geworfen. Erkennen Sie die Beton- wand oben? Das ist die hintere Wand, am Ende des ehemaligen Wurfbereichs. Doch was versteckt sich hinter den Holzbrettern? Dahinter verbirgt sich der Aufgang zur Kletterwand, die sich außen an der Rückwand befindet (siehe Bild unten). Sobald die Innenwandbe- kleidung der Betonwand angebracht ist, verschwindet der „geheime Aufgang“ wieder hinter ihr. Während drinnen noch fleißig gebaut wird, ist die Kletterwand fertiggestellt. Und auch die neue Fassade des Leicht- athletikzentrums kann in Teilen bereits bewundert werden. Der geheime Gang hinter der Wand- verkleidung ist im Übrigen nicht der einzige an der Sporthochschule. Nach Fertigstellung der Baumaßnahmen in den Nordhallen und dem Institutsge- bäude I wird der Versorgungsgang noch einmal unterirdisch erweitert. „Das unterirdische Netz unserer Infrastruktur expandiert weiter. Der Versorgungsgang wird künftig auf über 550 Meter Länge erweitert und steht den Kollegen der Technik als essentielle Versorgungslinie zur Verfügung. Als unsichtbare Achse unter der Sporthochschule wird er das gesamte Areal vom Ende der Nordhallen bis hin zur Halle acht verbinden“, er- klärt Sven Wintermeier, Mitarbeiter des Dezernats für Bauangelegenheiten und Gebäudemanagement. Spannend! FUNDSTÜCK ZeitLupe - Nr. 1.26 Nr. 1.26 - ZeitLupe 3636 37 SPORT Damit weltweit unter gleichen Bedin- gungen gespielt wird, sind Maße und Aufbau exakt geregelt. Der Mittelpunkt jeder Dartsscheibe muss 1,73 Meter hoch sein. Die Abwurflinie ist immer 2,37 Meter entfernt und die Scheibe be- steht aus 20 Segmenten, wobei jedem Segment eine Punktzahl von eins bis 20 zugeteilt ist. In der Mitte befindet sich der äußere Bull und das begehrte Bull’s Eye. Durch alle Segmente ziehen sich zwei Ringe: der Double Ring außen und der Triple Ring innen. Ein Treffer im Double Ring bringt die doppelte Punkt- zahl des Segments, bei einem Treffer in den Triple Ring gibt es das Dreifa- che an Punkten. Trifft man in der Mit- te den Bull, gibt es 25 Punkte und bei einem Treffer in das winzige Bull’s Eye ganze 50. Die höchstmögliche Punkt- zahl mit einem Wurf sind 60 Punkte. Dies ist möglich durch das Treffen des Triple Rings der 20. Es gibt drei häufig gespielte Varianten: 501, 301 und Cri- cket. Beim 501 beginnt jedes Spiel mit 501 Punkten. Ziel ist es, genau auf null Punkte zu kommen. Das Spiel muss mit einem Treffer auf ein Doppelfeld be- endet werden. Diese Variante sorgt bei Weltmeisterschaften für packende Du- elle bis zum letzten Pfeil. 301 ist eine ähnliche Spielform, mit dem Unter- schied, dass das Spiel mit 301 Punkten beginnt. Diese Form findet man häu- figer in unteren Ligen und im Hobby- bereich. Anders als beim 301 und 501 ist das Ziel beim Cricket nicht, die ge- samten Punkte zu reduzieren, sondern auf bestimmte Felder zu zielen. Hierbei sind die Zahlen 15 bis 20 und das Bull die Zielbereiche. In Deutschland gibt es seit 1982 den Deutschen Dart Verband e.V. (DDV), der als nationaler Dach- verband gilt. Seit 2003 gibt es zudem eine Bundesliga im DDV. Gespielt wird in Mannschaften. Eine Dartmannschaft in der höchsten Spielklasse besteht aus acht Spielenden. Die Bundesliga wird aufgeteilt in zwei Gruppen, die Bun- desliga Nord und Süd. Die jeweils vier Erstplatzierten jeder Gruppe spielen am Ende jeder Saison den deutschen Mann- schaftsmeister aus. Aktueller Spitzen- reiter der Bundesliga Nord ist übrigens das Dart Team Köln. Seit 2010 ist der DDV zudem Mitglied im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Damit wird Darts vom DOSB als Sport angese- hen. Seit 2018 bekommt der DDV außer- dem Fördermittel aus dem für Spitzen- sport zuständigen Bundesministerium des Innern (BMI). Zurück im Ally Pally in London verliert Gabriel Clemens sein Spiel gegen Luke Humphries mit 2:4, obwohl er so gut wirft wie noch kein deutscher Spie- ler bei Weltmeisterschaften vor ihm. Über das ganze Spiel hinweg schafft er es, einen Durchschnitt von über 100 Punkten pro drei Dartwürfe zu erzielen. Zum Vergleich: Die meisten Hobbyspie- ler*innen schaffen im Schnitt 30 bis 40 Punkte pro drei Darts. Eine Weltklasse- Leistung, mit der er ein Millionenpubli- kum in Deutschland vor den Fernsehern fesselt. Ob nun Sport oder nicht – Darts begeistert aktuell die Menschen. Herr Türk, haben Sie die- ses Jahr die Darts-Welt- meisterschaften ange- schaut? Nein. Es gibt viele Sport- arten, für die ich mich sehr interessiere und die ich mir gerne anschaue – Darts ge- hört eher nicht dazu. Aber ich weiß, dass es viele Leute begeistert hat. Sie sind Dozent für Schießsport an der Sporthochschule. Wo haben Darts und Schießsport denn Über- schneidungspunkte? Ich glaube, eine große Gemeinsamkeit dieser Sportarten ist schon die Dis- kussion darüber, ob sie überhaupt als Sport gelten. Viele Menschen verbinden Sport nämlich automatisch auch immer mit Fortbewegung. Ich betone dabei bewusst das Wort Fortbewegung, da Schießsport – genauso wie Darts – ein extremer Bewegungssport ist. Die hohe Kunst besteht darin, sich zu bewegen, ohne sich fortzubewegen. Genau darin liegt ein grundlegendes Problem unse- res Sportverständnisses. Und gerade wir hier an der Sporthochschule sollten ein sehr weites Sportverständnis haben. Als Laie vermutet man ja häufig, dass das Werfen auf eine Scheibe aus nicht mal drei Metern Entfernung, mit ge- nug Übung, gar nicht so schwer sein kann. Was genau macht Präzisions- sportarten wie Schießsport, aber auch Darts dennoch so schwer? Ich kann relativ schnell die Grundbewe- gung beherrschen und damit auch erste Erfolge haben. Ich behaupte zum Bei- spiel von mir, dass ich in der Lage bin, die Dartscheibe zu treffen. Aber treffe ich auch die Triple 20? Vielleicht mit et- was Glück – aber nicht, weil ich es wirk- lich kann. Dahin zu kommen, ist nur mit extrem viel Training möglich, mit einem hohen Zeitaufwand, mit einer sehr gu- ten Körperbeherrschung, mit dem Er- lernen von bestimmten Atemtechniken und und und. Und ich glaube, das ist etwas, das von vielen Menschen extrem unterschätzt wird. Auf die Dartscheibe zu werfen, kann im Grunde jede Person, die das ein paar Mal gemacht hat – und sie wird auch treffen. Aber 501 mit neun Wür- fen zu spielen, das ist phä- nomenal. Selbst die besten Dartspieler und -spielerinnen schaffen das nicht immer, und die freuen sich dann riesig, wenn es ihnen gelingt. Ich glaube, genau das unter- schätzen viele Laien, weil sie Darts eher als Kneipensport kennen. Kritiker behaupten manchmal, dass es sich bei solchen Präzisionssport- arten gar nicht so richtig um Sport handelt. Es gewinnt schließlich nicht der Stärkste, Schnellste oder Ausdau- erndste. Wer gewinnt eigentlich? Man hat es aktuell bei den Olympischen Winterspielen im Biathlon gesehen. Da haben wir mit Sicherheit deutsche Top- Athleten, aber die waren am Ende nicht so erfolgreich, wie man es eingeplant hat- te. Woran lag das? Beim Schießen kommt es darauf an, nach Verlassen der Loipe, möglichst rasch eine hohe Kontrolle über den Puls zu erlangen. Und kriege ich das mit der Atmung hin? Finde ich den per- fekten Schussrhythmus? Lasse ich mich vom Drumherum auch tatsächlich nicht beeinflussen? Nur wenn das funktioniert, werde ich erfolgreich sein. Und da spielt die Tagesform eine große Rolle, und die ist eben nicht an jedem Tag gleich. Aber genau das macht den Sport ja auch so faszinierend. Wenn ich immer wüsste, dass ich als Schnellster durch die Loipe hirsche und die Kippscheiben immer kip- pen lasse, ja Gott, warum sollte ich dann überhaupt noch antreten. Zum Abschluss dann bitte Ihr Fazit – ist Darts Sport? Ja, es ist alles drin, was wir von anderen Sportarten kennen. Und es erfüllt tat- sächlich, wenn ich das so beantworten darf, Anforderungen, die wir an Sport stellen müssen: Motorik, Atemtechnik, Konzentration ... Und wir finden die kom- plette Palette vom Anfängerbereich bis hin zum Wettkampf im Leistungssport. ZAHLEN & FAKTEN: » Der Deutsche Dart Ver- band e.V. beinhaltet 13 Landesverbände und 1.025 Vereine » Insgesamt hat der Verband über 20.000 Mitglieder » Seit 2018 stiegen die Mit- gliederzahlen um 68% » Frauen machen nur etwa 8% des organisierten Dartspielens aus » Seit 1978 gibt es bereits Darts-Weltmeisterschaf- ten; die bekannteste ist die PDC World Darts Championship » 5 Millionen Pfund gab es insgesamt bei der PDC- WM 2026 zu gewinnen » 1 Million Pfund kassierte Gewinner Luke Littler aus England – und das bereits zum zweiten Mal mit gerade einmal 18 Jahren IST DARTS SPORT? DARTS IN KÜRZE: » Beim Darts werfen Spieler*innen Pfeile auf eine runde Schei- be, um Punkte zu erzielen und je nach Spielvariante das Spiel zu gewinnen. » Die Scheibe ist in 20 nummerierte Segmente unterteilt. In der Mitte befinden sich das äußere Bull (25 Punkte) und das Bull’s Eye (50 Punkte). Zusätzlich gibt es Double- und Triple-Felder, die die Punktzahl verdoppeln bzw. verdreifachen. » Im Profibereich wird fast ausschließlich 501 Double Out ge- spielt (in anderen Be- reichen sind auch 301 oder Cricket beliebt). » Beim 501 beginnt jede*r Spieler*in mit 501 Punkten und versucht, genau auf 0 Punkte zu kommen. Pro Aufnahme dürfen bis zu drei Darts geworfen werden, danach ist der/die Gegner*in an der Rei- he. Das Spiel muss in der Regel mit einem Doppelfeld beendet werden. » Darts wird weltweit in Pubs, Ligen und bei Profi-Turnieren gespielt. Topspie- ler*innen erreichen dabei teilweise Durch- schnittswerte von über 100 Punkten pro drei Pfeile. Das haben wir unseren Schießsport-Dozenten Dr. Stefan Türk gefragt ZeitLupe - Nr. 1.263838 39 Fo to s: x xx xx x Nr. 1.26 - ZeitLupe SPOHO ON TOUR Ich schaue die Fassade des Gebäu- des hinauf. Ein eigentlich schö- ner Altbau, der aber mal wieder einen Anstrich vertragen könnte, denke ich mir. Im Erdgeschoss ist ein asiatisches Restaurant, das zwar nicht außergewöhnlich einladend wirkt, jetzt am Abend aber gut gefüllt ist. Ich schaue mich etwas verloren um, wäh- rend immer wieder junge Leute durch die schwere Tür neben dem Restaurant kommen und sich auf den Weg in das Prager Nachtleben machen. Eine kleine, junge Frau mit lockigen Haaren ist die nächste, die das Haus verlässt. Sie be- trachtet mich kurz, geht an mir vorbei, um dann auf dem Absatz kehrt zu ma- chen. „I think I am your flatmate“, sagt sie mit einem starken französischen Akzent. Das muss Ludivine sein, denke ich mir sofort. Ludivine aus Frankreich, Delilah aus Großbritannien und Cedric, ein guter Freund, mit dem ich an der Spoho studiere, waren schon vor einer Woche in die WG im Prager Zentrum ein- gezogen, die für die nächsten vier Mo- nate mein Zuhause sein wird. Die Treppe bis hinauf in die vierte Etage zu laufen fühlt sich mit meinen Koffern wie eine Ewigkeit an. Oben warten wir zusam- men auf Cedric und unseren Vermieter, der meinen Einzug dokumentieren und meine Kaution einkassieren möchte — in bar versteht sich. „Ein komischer Typ, dieser Vladislav“, warnt mich auch Lu- divine vor. Als beide eintreffen, versu- che ich, den unangenehmen Smalltalk in gebrochenem Englisch mit Vladislav schnell hinter mich zu bringen, denn wir haben noch etwas vor. „Stell deine Sachen ab, wir gehen ins Popo Café“, sagt Cedric. Das Popo Café liegt etwas versteckt in der Prager Altstadt und ist, anders als es der Name vermuten lässt, eine Bar. Aber vor allem ist es der Treff- punkt aller Erasmus-Studierenden in Prag. Prager Nachtleben für Anfänger Ich laufe Ludivine und Cedric hinterher und versuche Schritt zu halten. Es ist schon fast Mitternacht, davon ist aber nichts zu spüren. Überall sind junge Menschen unterwegs, die Altbauten werden geschmackvoll angestrahlt und zwischen ihnen bahnen sich die histo- rischen Straßenbahnen ihren Weg. In der Bar wartet der Freundeskreis, mit dem ich in den nächsten vier Monaten jede freie Minute verbringen werde. Ich spreche mit Otto aus Malmö, dann mit Joe aus Canterbury, trinke mein erstes tschechisches Bier und spiele zum ers- ten Mal ein italienisches Kartenspiel. Schon an meinem ersten Abend in Prag spüre ich, was Erasmus ausmacht. Mittwoch ist das neue Wochenende MANCHE NENNEN SIE DIE „GOLDENE STADT“, ANDERE SPRECHEN VON DER „STADT DER HUNDERT TÜRME“, ich hingegen durfte Prag für einige Monate mein Zuhause nennen. Über das Studium, das Nachtleben und meine Geheimtipps: Kommt mit mir auf eine Reise in die tsche- chische Hauptstadt jenseits des Altstädter Rings und der Karlsbrücke. TEXT & FOTOS David Budinger Spoho-Student David Budinger über sein Aus- landssemester in Prag Nr. 1.26 - ZeitLupe 4040 41 SPOHO ON TOUR auch logisch: Wer weiß, ob wir uns alle so noch einmal wiedersehen? Für mich ist noch nicht an Abschied zu denken, denn Cedric und ich haben einen Wild- wasserkanu-Kurs und einen Outdoor- Kurs gewählt. Zunächst stürzen wir uns also eine Woche lang mit Kanus, Schlauchbooten und Kajaks in den Wildwasserkanal. Die Dozierenden hatten uns schon am ersten Tag vor der aktuell schlechten Wasserquali- tät der Moldau gewarnt. Wir sollten am besten nicht zu viel Wasser schlu- cken und nach dem Kurs viel trinken, dann würde schon alles gut gehen. Das klappt bei mir mittelmäßig, bei Cedric leider überhaupt nicht, er fällt nach zwei Tagen aus. Also hoffen wir, dass die Exkursion mit dem Outdoor-Kurs zu einem schönen, erlebnisreichen Ab- schluss an der Karls-Universität wird. Dafür fahren wir in die tiefe Wildnis des tschechischen Südens. Mit dabei sind sechs Erasmus- und circa 40 tschechi- sche Studierende. Trotz der Sprachbar- riere wachsen wir zwischen Lagerfeuer, Klettersteig, Orientierungsläufen und Kooperationsspielen zu einer echten Einheit zusammen. Das Programm ist hart und die Pausen sind sehr be- grenzt. Umso glücklicher sind wir, als wir den abschließenden Orientierungs- lauf, der für die tschechischen Studie- renden auch eine Prüfung ist, in einer respektablen Zeit schaffen. Weniger Glück hat ein tschechischer Student, der erst zwei Stunden nach dem Ende von einem nahegelegenen Feld einge- sammelt wird – er hatte sich verlaufen. Mit Muskelkater und vielen tollen Er- innerungen geht es ein letztes Mal zu- rück nach Prag. Das Beste zum Schluss Die letzten Wochen in der „Goldenen Stadt“ genieße ich noch einmal in vol- len Zügen. Es ist zwar nur noch ein har- ter Kern an Freunden übriggeblieben, aber jetzt haben auch die Letzten ihre Prüfungen geschafft. Wir schwimmen im Badesee nahe der Sportfakultät, besuchen noch einmal jede Bar, die uns etwas bedeutet, fahren Tretboot auf der Moldau und müssen doch der Wahrheit ins Auge blicken, dass unse- re Zeit in Prag langsam zu Ende geht. Als Cedric und ich uns am Busbahnhof Florenc von unseren Freunden verab- schieden, fühle ich eine Mischung aus Dankbarkeit und schon jetzt beginnen- der Wehmut. Unserer Mitbewohnerin Ludivine geht es offenbar ähnlich – sie weint, als sie uns zum Abschied um- armt. Dann fährt der Bus los und die Umrisse Prags werden im Rückspiegel langsam kleiner. Aus Eishockey wird Fußball In den nächsten Wochen erkunde ich mit meinen neuen Freunden die Stadt. Montags, dienstags und mittwochs gehe ich in die Uni. Die Dozierenden bemühen sich sehr, uns Erasmus-Stu- dierenden etwas zu bieten. Zum Aus- gleich zu den theoretischen Kursen wie Sportpsychologie oder PR und Führung in Sportorganisationen gehe ich Volley- ball oder Basketball spielen. Am Mitt- wochabend läuten wir das Wochenende ein – also ab in die nächste Bar und mal schauen, wie sich der Abend noch ent- wickelt. Meistens ziehen wir dann von Bar zu Bar und spielen Darts oder Kar- tenspiele — unser italienischer Freund Gabriel hat uns einige neue gezeigt. Um den Mittwoch und das schlechte Gefühl am nächsten Morgen auszugleichen, taufen wir den Freitag nach einigen Wochen „Kultur-Freitag“: Dann gehen wir in Museen, an historische Orte oder besuchen andere Sehenswürdigkeiten. Aus dem sehr kalten Winter in Prag wird schnell der Frühling. Statt Eishockey schauen wird jetzt Fußball bei Sparta Prag. Meine Freundin, Freunde aus Köln und meine Eltern kommen zu Besuch, während die Stadt immer grüner und voller wird. Ich gebe mein Bestes als Fremdenführer, auch wenn man sich an den Touri-Hotspots zu den Stoßzeiten kaum noch herumtreiben, geschweige denn bewegen kann. Gut also, dass ich mich mittlerweile in der Stadt ausken- ne. Diese Unbeschwertheit hält einige Wochen an. Dann stehen Klausuren und mündliche Prüfungen an – wir müs- sen lernen und Prag muss größtenteils ohne uns zurecht kommen. Zwischen Klettersteig und Wehmut Mittlerweile ist es Ende Mai und die ersten meiner Freunde verlassen Prag bereits. Antoine und Enzo aus Frank- reich schmeißen ihre Abschiedsfeier. Der Abend ist emotional — aber ist ja MEINE TOP 5 GEHEIMTIPPS FÜR EUREN AUFENTHALT IN PRAG: » Sonnenuntergang im Rieg- rovy Sady Park: Im Sommer wird es hier schon mal schnell voll. Die Aussicht über die Stadt ist aber wahnsinnig schön. Kommt am besten frühzeitig mit einer Picknick- decke und Verpflegung. » Eishockey: Solltet ihr zwischen September und April in Prag sein, müsst ihr unbedingt ein Eishockey-Spiel schauen. Das beste Prager Team ist momentan Sparta Prag, das seine Heimspiele in der O2-Arena austrägt. » Spaziergang an der Moldau in Richtung der Festung Vyšehrad: Das Stück Ufer zwischen der Karlsbrücke und dem tanzenden Haus sehen wahrscheinlich viele der Touristen in Prag. Doch auch vom tanzenden Haus noch weiter Richtung Süden lohnt sich ein Spaziergang am Wasser. Dort sind Cafés und Bars in die Begrenzungsmauer eingelassen und nach etwa 15 Minuten erreicht man die Festung Vyšehrad, von der aus man einen kostenlosen Rund- umblick auf die Stadt hat. » Kasarna Karlin: Etwas abseits des Trubels liegt die ehemalige Kaserne Karlin. Im Innenhof befindet sich eine Mischung aus Biergarten und Kulturzentrum. Je nach Tag findet man hier neben Verpflegungsständen, einem Beachvolleyballplatz und einem Freilichtkino auch Aus- stellungen in der dazugehöri- gen Galerie. » Oper oder Ballett: In Prag gibt es viele Orte, an denen Opern, Theaterstücke oder klassisches Ballett aufgeführt werden. Ein Besuch im Staats- theater oder in der Staatsoper lohnt sich alleine schon für das atemberaubende Am- biente. Die Karten sind durch das regelrechte Überangebot auch in einigen Kategorien erschwinglich. Bildinfos Links: Tschechische Staatsoper, Eines der Cafés auf dem Weg zur Festung Vyšehrad, Kühle Getränke in der Kasarna Karlin, Uni-Eishockey-Duell zwischen der Karls-Universität und der Technischen Universität Prag / Oben: Historische Straßenbahn, Blick von der Villa Richter (nahe der Prager Burg) über die Stadt, Die Kuppel der St. Nikolaus Kirche auf der Kleinseite Ein Auslandssemester in Prag An der Karls-Universität Prag studieren rund 11.000 internationale Studieren- de an einer der 14 Fakultäten. Spoho- Studierende, die sich für ein Auslands- semester interessieren, können sich an das International Office wenden: www.dshs-koeln.de/international SPOHO ON TOUR Nr. 1.26 - ZeitLupe 42 43 GEFAHR IM GEDRÄNGE Genau solche Alltagsszenarien untersucht das aktuelle For- schungsprojekt LoStInCrowds. Gemeinsam mit dem For- schungszentrum Jülich wollen unsere Wissenschaftler*innen herausfinden, wie sich Menschen in Massen bewegen und wie Alter und Erschöpfung die Si- cherheit im Gedränge beeinflussen. Im Fokus steht die Frage, wie sich die Dy- namik in einer Menschenmenge auf das individuelle Bewegungsverhalten jedes Einzelnen auswirkt und welche Faktoren somit für potenzielle Sicherheitsrisiken entscheidend sind. „Menschen unterscheiden sich nicht nur in Größe oder Geschlecht, sondern auch darin, wie schnell sie reagieren, ihr Gleichgewicht halten oder auf plötz- liche Enge reagieren“, erklärt Dr. Maik Boltes vom Forschungszentrum Jülich. Gerade bei hohem Andrang – etwa auf Bahnsteigen, bei Konzerten oder in Stadien – können kleine Ausweich- bewegungen entscheidend sein. Stol- pert jemand, können daraus schnell größere Risiken entstehen: von Prel- lungen bis hin zu Stürzen in lebensge- fährlichen Situationen. Auch der Grad der Erschöpfung ist mutmaßlich ein wichtiger Faktor für die Sicherheit im Gedränge. Aus Berichten von Einsatz- STELLEN SIE SICH FOLGENDE SITUATION VOR: Auf einem vollen Bahnsteig fährt ein Zug ein. Der Zug kommt zum Stehen und alle Personen drängen gleichzeitig Richtung Tür, um sich einen Sitzplatz zu sichern. TEXT & FOTOS Lena Overbeck FORSCHUNG FORSCHUNG Risiken erkennen, Sicherheit stärken: Aktuelle Studien zu Menschenmengen Nr. 1.26 - ZeitLupe 4444 45 KONTAKTE » Deutsche Sporthochschule Köln, Institut für Biomechanik und Orthopädie: Prof. Dr. Uwe Kersting u.kersting@dshs-koeln.de Katharina Borgmann k.borgmann@dshs-koeln.de » Forschungszentrum Jülich Institut für Zivile Sicherheitsforschung: Dr. Maik Boltes m.boltes@fz-juelich.de Carina Wings c.wings@fz-juelich.de Bild 1+2: Die Proband*innen werden gewogen und vermessen. Außerdem werden individuelle Faktoren wie Fitnessgrad und Alter erfasst. Bild 3: Die Proband*innen stehen in der Mitte des Labors. Bild 4+5: Auf ein Signal hin sollen sie sich möglichst eilig durch die Öffnung in der Wand vor ihnen bege- ben. Unter der Decke montierte Kameras erfassen die Laufwege jeder einzel- nen Person. Einige Proband*innen sind zusätzlich mit 3D-Bewegungssensoren sowie Sensoren zur Messung der Herzfrequenz ausgestattet. kräften geht hervor, dass es zum Ende von großen Veranstaltungen eher zu Unfällen kommt als davor. „Deshalb ist es wichtig, genau zu verstehen, wie un- terschiedliche Menschen in einer Menge agieren – und wie Erschöpfung oder Al- ter dabei die Sicherheit beeinflussen“, erläutert Prof. Dr. Uwe Kersting vom In- stitut für Biomechanik und Orthopädie der Deutschen Sporthochschule Köln. Mehrtägige Experimente im Labor Im Rahmen des Forschungsprojekts LoStInCrowds werden diese Fragen nun unter kontrollierten Bedingungen untersucht. Mehr als 60 Probandinnen und Probanden aus einem breiten Al- ters- und Fitnessspektrum nahmen an den Experimenten teil – die Anfang des Jahres an der Deutschen Sporthoch- schule Köln stattgefunden haben. Unter Anleitung sollen sie sich körperlich ver- ausgaben und anschließend mit erhöh- ter Motivation einen „Durchgang“ durch eine simulierte Menschenmenge passie- ren. „Mit Hilfe von Kameras, 3D-Bewe- gungssensoren und Herzfrequenzmes- sungen können wir jeden Schritt, jede Ausweichbewegung und jede Reaktion genau erfassen“, erklärt Carina Wings, die das Projekt im Rahmen ihrer Dok- torarbeit am Forschungszentrum Jülich begleitet. Individuelle Unterschiede wie Körpergröße oder Fitness fließen ebenfalls in die Analysen ein, um ein möglichst präzises Bild der Bewegungs- dynamik zu gewinnen. „Die Biomechanik hilft uns zu verstehen, wie Verletzungen in bestimmten Bewegungs- und Belas- tungssituationen entstehen. Dieses Wissen wollen wir nutzen, um individuelle Verletzungsrisiken in dichten Menschenmengen besser abzubilden und in bestehende Modelle zu integrieren." Prof. Dr. Uwe Kersting, Institut für Biomechanik und Orthopädie Transfer in die Praxis Die Ergebnisse sollen nicht nur die Wis- senschaft voranbringen, sondern auch praktisch genutzt werden: Sie können dabei helfen, Evakuierungspläne für Großveranstaltungen zu optimieren, die Planung von Verkehrsinfrastruk- turen zu verbessern und kritische Ver- dichtungen frühzeitig zu erkennen. „Unser Ziel ist es, Fußgängermodelle weiterzuentwickeln und so die Sicher- heit in Menschenmengen gezielt zu er- höhen“, betont Boltes. „Im Nachgang an dieses Kernexperi- ment werden wir Schlüsselsituationen in detaillierten Versuchen nachstellen, um die entstehenden Gelenkbelas- tungen zu ermitteln“, sagt Katharina Borgmann, Projektmitarbeiterin auf Seiten des Instituts für Biomechanik und Orthopädie. „Die Biomechanik hilft uns zu verstehen, wie Verletzun- gen in bestimmten Bewegungs- und Belastungssituationen entstehen. Die- ses Wissen wollen wir nutzen, um indi- viduelle Verletzungsrisiken in dichten Menschenmengen besser abzubilden und in bestehende Modelle zu integ- rieren“, erklärt Kersting. Das Projekt läuft noch bis Ende 2027. YouTube Shorts 2 3 4 5 1 FORSCHUNG ZeitLupe - Nr. 1.26 Nr. 1.26 - ZeitLupe 4646 47 TEXT Emilia Schmutz FOTOS Sandra Bräutigam HINTER DEN KULISSEN Es ist 7:55 Uhr morgens, als Sonia Stroh durch das noch stille Foy- er zu ihrem Arbeitsplatz geht. Ihr erster Halt: der Spoho-Card-Vali- dierer. Ein kurzer Blick, ein schneller Test – alles stempelt, läuft und funktioniert. Dann schließt sie die Tür links im Erdge- schoss auf: den InfoPoint. Ein „Welcome“-Schild vor den Glastüren, ein heller Raum und ein aufgeräumter Tresen begrüßen sie jeden Morgen als Erste. Sonia wischt zunächst die beiden Tablets an der Säule sauber. Danach zieht sie sich mit einem Kaffee in den Hinter- raum zurück und öffnet ihre E-Mails. Das Telefon bleibt noch aus. Die Stunden vor 9 Uhr und nach 15 Uhr gehören zu den ruhigsten Momenten des Tages – wenn der InfoPoint noch ge- schlossen ist oder der Trubel bereits ab- geklungen ist. Dann ist Sonia meist allein im Büro. Die Zeit nutzt sie, um Anträge zu bearbeiten und E-Mails zu beantworten. „Ich kann so schnell tippen, wie andere Klavier spielen“, sagt sie und lacht.Sonia ist die Erste, die kommt, und meistens auch die Letzte, die geht. So behält sie den Überblick. Ein Team für alle Fragen Unterstützt wird sie von drei studenti- schen Hilfskräften und ihrer festange- stellten Kollegin Nina Boehnert. Gemein- sam stemmen sie den oft turbulenten Alltag im InfoPoint. Die Zusammenarbeit mit Studierenden schätzt Sonia beson- ders. „Sie wissen oft selbst am besten, welche Fragen gerade auf dem Campus herumgehen.“ Die Stimmung im Team ist herzlich und unkompliziert. Wer hier arbeitet, braucht eine schnelle Auffas- sungsgabe und die Bereitschaft, auch der kleinsten Frage mit voller Motivation nachzugehen. „Früher habe ich im Rei- sebüro gearbeitet. Wahrscheinlich habe ich daher meinen guten Orientierungs- sinn“, erzählt Sonia. Tatsächlich scheint sie auf dem Campus jeden Winkel zu ken- nen. Und wenn doch einmal eine Frage auftaucht, auf die sie keine Antwort weiß, findet sie sie schnell heraus. Seit acht Jahren arbeitet sie inzwischen im InfoPoint und ein Ende ist nicht in Sicht. Dabei hat ihre Verbindung zur Spoho schon viel früher begonnen: Als Kind turnte sie selbst in Halle 21. Viele Jahre später bot sich mit der Stelle im In- foPoint die perfekte Gelegenheit für ein persönliches „Spoho-Comeback“. Dreh- und Angelpunkt des Campus Ohne Sonia und ihr Team würde es auf dem Campus deutlich chaotischer zu- gehen. Wer die offizielle Telefonnummer der Hochschule wählt, landet hier. Der InfoPoint ist Dreh- und Angelpunkt für unzählige Anliegen: Hier werden Spo- ho-Cards und Kraftraumausweise aus- gestellt, Hallen und Plätze reserviert oder verlorene Gegenstände abgegeben. Besonders zum Semesterstart herrscht Hochbetrieb. Neue Studierende suchen nach Hörsälen, kämpfen mit ihrem Stun- denplan oder brauchen einfach eine erste Orientierung. Gegen Semesterende stehen dagegen häufig noch schnell be- nötigte Raumreservierungen an. „Eine Gruppe hat uns einmal ihren BAS-4-Tanz vorgeführt, weil kein Raum mehr frei war“, erinnert sich Sonia schmunzelnd. Auch nach Karneval wird es oft etwas voller. „Da dürfen wir einige verlorene Studierendenausweise ersetzen.“ Mit Ruhe und Geduld begegnet Sonia dem ständigen Kommen und Gehen im Foyer. Genau diese Abwechslung macht für sie den Reiz des Jobs aus. „Das ist einfach ein echter Traumjob“, sagt sie. Kuriose Fundstücke Ärgern muss sie sich selten. Ins Staunen kommt sie dagegen schon ab und an. „Im Fundbüro sind schon die kurioses- ten Dinge gelandet: ein Schlitten, Zahn- schienen und sogar ein Krankenschwes- terkostüm.“ Leider wird nur ein Teil der verlorenen Gegenstände tatsächlich wieder abge- holt. Alles, was übrigbleibt, wird sorg- fältig sortiert und aufbewahrt. Einmal im Jahr kommen die Fundstücke dann unter den Hammer: bei der beliebten Versteigerung im Mensa-Biergarten. Dabei sind schon bis zu 2.000 Euro für einen guten Zweck zusammengekom- men. Ein offener Ort auf dem Campus Seit Ende 2025, nach einer großen Re- novierung, befindet sich der InfoPoint wieder an seinem ursprünglichen Platz hinter dem Foyer. Zwei Geräte zum Ab- rufen der Hallenbelegungen sind neu dazugekommen, ebenso eine frische Wandfarbe und ein schicker Tresen. Tageslichtlampen, ein Bild vom Central Park in New York und große Hinter- grundbildschirme sorgen für eine ein- ladende Atmosphäre. Doch nicht nur der Raum wirkt freundlich, auch Sonia selbst begrüßt die Besucherinnen und Besucher meist mit einem gelassenen Lächeln. „Das, was für euch alle der Sport ist, ist für mich das Arbeiten“, sagt sie. Besonders schätzt sie den di- rekten Austausch mit Mitarbeitenden und Studierenden. Von internationalen Studierenden gibt es sogar schon mal kleine Geschenke aus der Heimat, wie Snacks aus Taiwan. „Hier ist uns besonders die saure Pflau- me in Erinnerung geblieben“, lacht So- nia. Der respektvolle Umgang mit allen Besucherinnen und Besuchern ist ihr besonders wichtig. „Auch wenn man selbst nicht mehr so viel reist, bekommt man hier doch einen kleinen Eindruck von der Welt“, sagt sie begeistert. Die erste Adresse der Spoho Ganz ohne Missverständnisse läuft der Alltag im InfoPoint allerdings nicht. „Manchmal denken Leute, wir könnten Parkplätze reservieren oder medizini- sche Ratschläge geben“, erzählt So- nia und lacht. „Das gehört tatsächlich nicht zu unserem Job.“ Trotzdem ver- sucht das Team immer zu helfen; oder zumindest die richtige Ansprechperson zu finden. Damit sich alle willkommen fühlen, stehen im Sommer oft die gro- ßen Flügeltüren offen. Der InfoPoint soll ein Ort sein, an dem man gern vor- beikommt. Genau diese Mischung aus Professio- nalität und Herzlichkeit macht den In- foPoint für viele zur ersten Adresse auf dem Campus. Denn egal, wer gerade am Tresen sitzt, das Team verfolgt ein gemeinsames Ziel: helfen, orientieren, weitervermitteln. Für Sonia ist genau das der schönste Teil ihres Jobs: mitten im Campusleben zu stehen und jeden Tag mit Menschen zu arbeiten. Der InfoPoint ist die zentrale Anlaufstel- le der Sporthochschule: oft unbemerkt, aber unverzichtbar. Hier landen die ers- ten Fragen neuer Studierender genauso wie die letzten Hoffnungen bei verlore- nen Gegenständen. Oder anders gesagt: Wer auf dem Campus nicht weiterweiß, landet früher oder später hier. WER DIE SPORTHOCH- SCHULE BETRITT UND EINE FRAGE HAT, LANDET FRÜ- HER ODER SPÄTER HIER: im InfoPoint. Sonia Stroh und ihr Team sind Orien- tierungshilfe, Problem- löser und manchmal auch Fundbüro für den gesamten Campus. Ein Blick hinter die Kulissen eines Arbeitsplatzes, an dem kein Tag dem ande- ren gleicht. Sonia Stroh – das Gesicht des InfoPoints Das Team des InfoPoints wird von den studentischen Hilfskräften Kian Zimmermann und Lina Schneider unterstützt. ZeitLupe - Nr. 1.26 Nr. 1.26 - ZeitLupe 4848 49 SEIT 2007 IST DIRK HEIDEMANN GEOCACHER; FÜR SEIN HOBBY BEREIST ER DIE GANZE WELT. Außer seinem GPS-Gerät, Akkus und ein paar Mitstrei- ter*innen braucht er dafür nicht viel. Denn Geocaching ist eine Art Schatz- suche in der realen Welt. Sie findet jeden Tag um uns herum statt und führt Geocacher zu außergewöhnlichen und tollen Plätzen, aber auch an Orte in unserer Umgebung, die wir so noch nicht kannten. www.you- tube.com/@ DreiDcaching SPOHO PERSÖNLICH Als Geocacher die Welt erkunden ZeitLupe - Nr. 1.26 Nr. 1.26 - ZeitLupe 5050 51 Dirk Heidemann ist einer von der strukturierten und organisierten Sorte. Wenn der Spoho-Mitarbei- ter Touren mit seinen Geocaching- Freund*innen plant, koordiniert er alles bis ins kleinste Detail, fertigt seitenlange Reisepläne an. Auf dem Geocachingportal www.geocaching.com dokumentiert er unter seinem Nicknamen alle seine Geocaching- aktivitäten. Dort steht zum Beispiel, dass er in 113 von 250 Ländern weltweit, die in dem Portal erfasst sind, schon Caches gefunden hat (Stand: März 2026). Für Europa kam mit Spitzbergen die letzte Region der „Kategorie Europa“ im September 2025 hinzu. Damit hat er für Europa 55 von 55 Ländern bzw. Regio- nen auf seiner Liste abgehakt. „Ein Bekannter hat mich damals 2007 auf Geocaching gebracht“, erinnert sich der Mit- arbeiter des Dezernats für Bauangelegenhei- ten und Gebäudemanagement, der damals noch Verkaufsleiter bei Saturn war, unter an- derem für den Bereich Navigation. Mit einem Autonavigationsgerät von Garmin ging es für ihn los mit dem Geocaching. Laut www.geo- caching.com ist das Prinzip denkbar einfach: „Wähle auf der Karte einen Geocache, den du finden möchtest und lass dich zum Ziel na- vigieren. Wonach du genau suchen musst, ist unterschiedlich. Geocaches gibt es in ver- schiedenen Größen, Formen und Schwierig- keitsgraden. Geocaching ist nicht immer ein- fach, daher ist es absolut ok, begeistert zu sein, wenn du einen Cache findest. Schreib deinen Namen ins Logbuch und logge deinen Fund auf www.geocaching.com ein.“ 42.000 erfolgreiche Funde Während mittlerweile viele Geocacher das Smartphone nutzen und ihre Funde direkt von unterwegs einloggen, ist Heidemann seinem GPS-Gerät treu geblieben. Weltweit gibt es mehr als drei Millionen Geocaches; 42.000 davon hat der Spoho-Mitarbeiter schon gefunden. An seinen ersten erinnert er sich noch: Das war bei einem Kinderbau- ernhof in Neuss. Seinen bislang tiefstgelege- nen Geocache hat er in Jordanien gefunden, am Strand des Toten Meeres auf 422 m unter Normalnull (NN), seinen bislang höchstgele- genen in Andorra auf 2.510 m über NN. Das Einzige, das Dirk Heidemann im Normal- fall für sein Hobby braucht, sind sein GPS- Gerät, Akkus und nette Gesellschaft. Vier Personen haben sich als ideale Gruppengrö- ße herausgestellt. „Geocaching ist ein Spiel für draußen, wir sind an der Luft, wir bewe- gen uns und sind alle auf einer Wellenlänge. Wenn es Rätsel zu lösen gibt, ist es von Vor- teil, zu mehreren zu sein, denn acht Augen sehen mehr als zwei.“ Bei besonderen Geo- caches bedarf es auch mal eines Magnetstabs oder einer Angel oder es müssen 9-Volt-Bat- terien mitgebracht werden. Aber diese An- forderungen stehen im sogenannten Listing, das ist die Beschreibung des Geocaches auf der Internetseite. ‚Vergissmeinnicht‘ ist Favorit Für absolute Highlights sind sogar Termin- buchungen erforderlich, so zum Beispiel bei Heidemanns Lieblingscache mit dem Titel „Vergissmeinnicht – Verschollen in der Un- endlichkeit” (GC6Z4NP). Es handelt sich um einen Multicache in Niedersachsen in der Nähe von Lingen (Ems), bestehend aus 17 Stationen. Der größte Teil der Stationen liegt in einem alten Schulgebäude. Fünf bis sechs Stunden haben Heidemann & Co. benötigt, um das sogenannte Final zu finden, also die Stelle, an der sich die Dose mit dem Cache be- findet. „Zunächst einmal muss man wissen, dass man für ‚Vergissmeinnicht‘ einen Ter- min benötigt, um diesen Geocache machen zu können; die Termine sind vier Jahre im Voraus ausgebucht. Wer schon mal in einem Escape Room war, kann sich in etwa vorstel- len, wie dieser Cache funktioniert: Der Multi- Cache ist in eine Story eingebettet und führt anhand von Rätseln durch alle drei Stockwer- ke der verlassenen Schule. Hier wurde ganz viel gebastelt, geschraubt und jede Menge Elektronik verlegt“, erinnert sich Dirk Heide- mann und bekommt direkt eine Gänsehaut, weil ihn das Erlebnis so nachhaltig beein- druckt hat. Klar, dass dieser Geocache im Portal Favoritenpunkte von ihm bekommen hat. Damit können die Geocacher besonders herausragende Funde würdigen. Von spektakulär bis überraschend Das Geocaching hat Heidemann zu einem richtigen Weltenbummler gemacht. Mindes- tens zweimal im Jahr geht es auf Tour, oftmals nimmt er sich dafür drei bis vier Wochen Ur- laub. Eine Reihenfolge festzulegen, welches Land oder welches Reiseziel er ganz oben ranken würde, fällt ihm schwer. „Manchmal sind es gar nicht die objektiv spektakulärs- ten Ziele, die mich besonders beeindrucken, sondern die unerwarteten Begegnungen, die Spots, die sich ganz anders präsentieren als vorher gedacht“, sagt Heidemann. So sei es ihm zum Beispiel in Usbekistan in der Stadt Samarkand ergangen, einer der ältesten Städte der Welt und bedeutender Knoten- punkt an der Seidenstraße, oder in Åland, einer Inselgruppe, die südwestlich von Finn- land in der Ostsee liegt. Heidemanns Ziel ist es, einmal in jedem Land der Erde gewesen zu sein. „Nordkorea könnte eine Herausforderung sein“, witzelt er. Das Land sei bei www.geocaching.com nicht ge- listet. Sein nächster Trip ist natürlich schon geplant: „Im September geht es über Singa- pur, Malaysia und Indonesien nach Australi- en und Neuseeland und dann über Hongkong und Taiwan zurück nach Kölle“. Seine Erleb- nisse hält er in vielen Fotos und Videos fest und stellt diese auf seinem YouTube-Kanal DreiDcaching zur Verfügung. Das Erkunden ferner Länder und Kulturen und die Begegnungen mit Menschen – neben dem eigentlichen Geocaching ist es das, was Dirk Heidemann besonders an seinem Hobby reizt, wie hier (v.l.n.r.) zum Beispiel in Pakistan, Norwegen, Guinea-Bissau, Kenia und Island. AUF WELCHEN TYP STEHST DU? » Der Traditional Cache, un- ter Geocachern auch Tradi genannt, ist der häufigste Cachetyp. Hierbei werden die Koordinaten direkt veröffentlicht, sodass man ohne Umwege zum Cache findet. » Beim Multi-Cache sind die Koordinaten des Verstecks zu Beginn der Suche nicht bekannt. Man muss sie sich erst durch das Finden verschiedener Stationen „erarbeiten“. Das ent- spricht also einer klassi- schen Schnitzeljagd. » Besonders selten: Project APE Cache, eine gespon- serte Cacheserie zum Film „Planet der Affen“; von den ursprünglich 13 Caches, die 2001 gelegt wurden, sind nur noch zwei aktiv – den im brasi- lianischen Dschungel hat Dirk Heidemann bereits gefunden. » Vorherige Doppelseite: Kjerakbolten/Norwegen, Igua- zu/Brasilien, Dubai, Trolltunga/ Norwegen, Prypyat/Ukraine, Blue Window Gozo, Rio de Janei- ro und New York City. TEXT Julia Neuburg FOTOS Dirk Heidemann SPOHO PERSÖNLICH SPOHO PERSÖNLICH ZeitLupe - Nr. 1.265252 Impressum ZeitLupe Das Magazin der Deutschen Sporthochschule Köln Nr. 1.2026, 5. Jahrgang ZeitLupe erscheint zweimal jährlich HERAUSGEBER: Univ.-Prof. Dr. Ansgar Thiel Rektor der Deutschen Sporthochschule Köln REDAKTION: Abteilung Presse und Kommunikation Stabsstelle Hochschulkommunikation und Universitäre Weiterbildung E-Mail: presse@dshs-koeln.de Telefon: 0221 4982-3850 REDAKTIONSLEITUNG: Lena Overbeck AUTOR*INNEN: David Budinger, Niclas von Hobe, Yanis Kern, Julia Neuburg, Lena Overbeck, Emilia Schmutz, Theresa Templin Grafik: Sandra Bräutigam PRODUKTION: Brandt GmbH - Bonn ISSN-NR.: 2751-5117 AKTUELLE AUSGABE: Sommersemester 2026 AUFLAGE: 2.000 Exemplare Sofern nicht anders angegeben, liegen die Bild- rechte bei der Deutschen Sporthochschule Köln. Trotz sorgfältiger Recherchen sind Änderungen, Irrtürmer, Satz- und Druckfehler vorbehalten. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck – auch teilweise – nur mit vorheriger Genehmigung. In dieser Publikation wird in der Regel die männ- liche und weibliche Form verwendet. Sollte dies ausnahmsweise einmal nicht passiert sein, ist dies ausdrücklich nicht als Diskriminierung von Frauen zu verstehen. Die verkürzte Sprachform hat nur redaktionelle Gründe und beinhaltet keine Wertung. Die Lösungen zu unseren Rätseln finden Sie hier. Konnten Sie alle Aufgaben knacken oder mussten Sie an der einen oder ande- ren Stelle nachschauen? So oder so: Wir hoffen, Sie hatten Spaß beim Knobeln. LÖSUNG 1 3 4 2 6 5 2 4 1 6 5 3 4 6 5 3 2 1 6 1 3 5 4 2 5 2 6 1 3 4 3 5 2 4 1 6 Sporthochschule, Basketball, Stufenbarren, Karnevalsmaus, Halbmarathon, Mensagarten, Calisthenics LETZTE SEITE & IMPRESSUM RAUSGEFLOGEN Am Ende dieser Ausgabe kehren wir noch einmal dorthin zurück, wo alles begann: auf die Wiese zwischen Wohn- und Lehrgangsheim und Institutsgebäude IV. Während wir diese Seiten schließen, summt es dort weiterhin geschäftig. Die Campus-Bienen sammeln, bauen und sorgen dafür, dass aus vielen kleinen Beiträgen etwas Wertvolles entsteht. Vielleicht ist das auch ein schönes Bild für das Leben an der Spoho: Vie- le Ideen, viele Menschen und viel Bewegung – die gemeinsam etwas wachsen lassen. Bis zur nächsten Ausgabe. AUSSTIEG 54 Deutsche Sporthochschule Köln Stabsstelle Hochschulkommunikation und Universitäre Weiterbildung Abteilung Presse und Kommunikation Am Sportpark Müngersdorf 6 50933 Köln ZeitLupe online

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    Yvonne Wahl

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    Yvonne Sponer

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  • 21.07.2026
    Young Heart Champions
    Kölner Pilotprojekt bringt Kinder mit Herzfehlern in Bewegung Nur neun Prozent der Kinder mit angeborenem Herzfehler bewegen sich ausreichend – ein neues Kölner Projekt will das ändern Die Deutsche Sporthochschule Köln, die Uniklinik Köln und der 1. FC Köln starten das Pilotprojekt „Young Heart Champions". Kinder und Jugendliche mit angeborenen Herzfehlern (AHF) werden über zunächst drei bis sechs Monate gezielt an regelmäßige körperliche Aktivität herangeführt: im Mittelpunkt steht Walking Football, eine angepasste Variante des Fußballs. Hintergrund: Bewegungsmangel trotz klarer Empfehlungen Obwohl medizinische Leitlinien die regelmäßige Teilnahme an Sport ausdrücklich empfehlen, erreichen aktuell nur rund neun Prozent der Kinder und Jugendlichen mit AHF die von der WHO empfohlene Mindestmenge an körperlicher Aktivität. Gründe hierfür sind unter anderem Unsicherheiten bei Lehr- und Betreuungspersonal, übervorsichtiges Verhalten im familiären Umfeld sowie ein Mangel an geeigneten, zielgruppenspezifischen Angeboten. Die Folgen sind weitreichend: Neben einer reduzierten körperlichen Leistungsfähigkeit drohen soziale Isolation, eine geringere Lebensqualität sowie ein erhöhtes Risiko für Folgeerkrankungen wie Adipositas, Bluthochdruck oder Diabetes. Projektziel: Vertrauen in Bewegung und den eigenen Körper stärken „Young Heart Champions“ setzt genau hier an. Im Mittelpunkt stehen nicht nur körperliche Effekte, sondern auch psychosoziale Aspekte: Die Kinder sollen lernen, ihre eigene Belastbarkeit realistisch einzuschätzen und Vertrauen in ihren Körper zu entwickeln. Das Projekt wird wissenschaftlich evaluiert, um Erkenntnisse zur Umsetzbarkeit und zu gesundheitlichen Effekten zu gewinnen. „Mit unserem Projekt möchten wir Kinder und Jugendliche mit AHF für Bewegung und Sport begeistern, ihr Vertrauen in den eigenen Körper stärken und gleichzeitig auch den Eltern die Sicherheit geben, dass Sport unter den richtigen Bedingungen möglich und sinnvoll ist“, sagt Jun.-Prof. Dr. Thomas Schmidt, der gemeinsam mit Prof. Hans-Georg Predel das Projekt „Young Heart Champions“ an der Deutschen Sporthochschule Köln leitet. Das Bewegungsangebot: Walking Football Das Bewegungsprogramm umfasst Koordinationsübungen, spielerische Bewegungsformen und eine an die Bedürfnisse der Kinder angepasste Form des Fußballs. Dabei werden Körperkontakt, intensives Zweikampfverhalten und hohe Belastungsspitzen bewusst vermieden, der Ball darf maximal hüfthoch gespielt werden. Ergänzt wird das Training durch Koordinationsübungen und spielerische Bewegungsformen. Vor Beginn des Programms werden alle Teilnehmenden sportmedizinisch untersucht, um individuelle Belastbarkeit und motorische Fähigkeiten zu erfassen. Das Training selbst übernehmen qualifizierte Trainer*innen des 1. FC Köln. Neben der körperlichen Aktivität stehen Teamgeist, soziale Interaktion und Freude an der Bewegung im Vordergrund. Studien belegen, dass Fußball die kardiopulmonale Leistungsfähigkeit auch bei herzkranken Patient*innen verbessern kann. Der Deutsche Olympische Sportbund und die Bundesärztekammer haben Walking Football als Präventionssport anerkannt. „Kinder mit angeborenen Herzfehlern dürfen und sollen sich bewegen. Dennoch erleben wir im Alltag häufig, dass Restriktionen und fehlende Bewegungsangebote dazu führen, dass viele Kinder deutlich weniger aktiv sind, als medizinisch sinnvoll wäre. Mit dem Projekt bieten wir innovative Bewegungsangebote. Sie stärken das Selbstvertrauen der Kinder und fördern die Freude an Bewegung und Sport. Unser Ziel ist es, Bewegung fest in den Alltag und die Versorgung von Kindern mit angeborenen Herzfehlern zu integrieren und passende Angebote zu etablieren", erklärt Prof. Dr. Markus Khalil, Leiter der Kinderkardiologie der Uniklinik Köln. Starkes Netzwerk aus Sportwissenschaft, Medizin und Praxis Das Projekt wird vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln koordiniert und in enger Zusammenarbeit mit der Kinderkardiologie der Uniklinik Köln sowie dem 1. FC Köln umgesetzt. Die interdisziplinäre Kooperation stellt sicher, dass wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in die Praxis einfließen und medizinische Expertise das Trainingsprogramm von Beginn an prägt. Förderung und Perspektive „Young Heart Champions“ wird von der Deutschen Herzstiftung mit insgesamt 99.750 Euro gefördert. „Für die Deutsche Herzstiftung hat die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch regelmäßige körperliche Bewegung und Sport schon im Kindesalter sehr hohe Priorität. Das gilt ganz besonders auch für chronisch herzkranke Kinder, weil regelmäßige Bewegung bei Kindern mit angeborenem Herzfehler effektiv zum Schutz vor zusätzlichen Risikofaktoren wie Übergewicht, Adipositas, Bluthochdruck beiträgt und die psychosoziale Gesundheit stärkt“, betont der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Herzstiftung Prof. Dr. Thomas Voigtländer. „Das Kölner Projekt ,Young Heart Champions‘ leistet mit seiner Walking Football Intervention einen wichtigen Beitrag, indem es das Potenzial von Walking Football für Kinder mit angeborenem Herzfehler untersucht.“ Das Pilotprojekt soll als Grundlage dienen, um vergleichbare Programme künftig auch überregional zu etablieren und so die gesundheitliche Chancengleichheit von Kindern mit AHF dauerhaft zu verbessern. Pressekontakt Jun.-Prof. Dr. Thomas Schmidt Projektleiter T.Schmidt@dshs-koeln.de 0221 4982-5075 Projektpartner Deutsche Sporthochschule Köln Uniklinik Köln, Kinderkardiologie 1. FC Köln Deutsche Herzstiftung Förderverein des Herzzentrums der Uniklinik Köln Presseartikel Kölner Stadt-Anzeiger

  • Young Heart Champions
    Stellenwert von körperlicher Bewegung und Sport für Kinder und Jugendliche Regelmäßige körperliche Bewegung und Sport sind sowohl für gesunde Kinder als auch für Kinder und Jugendliche mit angeborenen Herzfehlern (AHF) ein bedeutender Bestandteil der körperlichen und geistigen Entwicklung. Aktuelle Leitlinien empfehlen nachdrücklich: Möglichst viele Kinder und Jugendliche mit AHF dürfen und sollen Sport treiben – ein generelles Sportverbot aufgrund der Erkrankung ist heutzutage nur noch in sehr wenigen Ausnahmefällen erforderlich. Aktuelle Defizite in der Versorgung und mögliche Ursachen Die Realität zeigt jedoch, dass bei Kindern und Jugendlichen mit AHF derzeit nur knapp 9% die von der WHO empfohlene Mindestmenge an körperlicher Aktivität erreichen. So ist es nicht verwunderlich, dass bei dieser Zielgruppe im Vergleich zu Herzgesunden auch eine deutliche verringerte motorische und kardiopulmonale Leistungsfähigkeit beobachtet werden kann. Die Ursachen für die mangelnde Bewegung sind vielfältig und beinhalten u.a. Unsicherheiten bei Übungsleiter*innen und Lehrer*innen, eine mögliche „Überprotektion“ der Eltern, einen möglichen Ausschluss vom Schulsport sowie ein limitiertes Angebot an zielgruppenspezifischen Angeboten. Die Konsequenzen sind offensichtlich: soziale Isolation, reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit, eine verminderte Lebensqualität und ein erhöhtes gesundheitliches Risiko für typische Folgeerkrankungen wie Adipositas, Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder Osteoporose. keyboard_arrow_left 1/6 keyboard_arrow_right Kooperationspartner*innen Kinderkardiologie der Uni Klinik Köln 1. FC Köln Förderverein des Herzzentrums Köln Herzstiftung Im Rahmen des Pilotprojektes sollen Kinder und Jugendliche mit AHF an eine regelmäßige körperliche Aktivität herangeführt werden. Übergeordnetes Ziel ist es, dass Kinder und Jugendliche mit AHF positive Erfahrungen mit Sport und körperlicher Bewegung erfahren. Die Teilnehmer*innen sollen dabei insbesondere den Umgang mit der eigenen Erkrankung erlernen und Vertrauen in ihren eigenen Körper aufbauen. Wissenschaftlich untersucht werden u.a. die Machbarkeit der geplanten Bewegungsintervention sowie die erzielten physischen und psychischen Effekte. Kontakt Jun.-Prof. Dr. Thomas Schmidt person_outline Zum Profil phone +49 221 4982-5075 mail t.schmidt(at)dshs-koeln.de Schnelle erste Eindrücke zum Projekt arrow_outward Deutsche Sporthochschule Köln arrow_outward Kölner Stadt-Anzeiger

  • Yilmaz Alp

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Zuletzt aktualisiert: 23.07.2026
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