21.07.2026 | Pressemitteilung
Nur neun Prozent der Kinder mit angeborenem Herzfehler bewegen sich ausreichend – ein neues Kölner Projekt will das ändern
Die Deutsche Sporthochschule Köln, die Uniklinik Köln und der 1. FC Köln starten das Pilotprojekt „Young Heart Champions". Kinder und Jugendliche mit angeborenen Herzfehlern (AHF) werden über zunächst drei bis sechs Monate gezielt an regelmäßige körperliche Aktivität herangeführt: im Mittelpunkt steht Walking Football, eine angepasste Variante des Fußballs.
Hintergrund: Bewegungsmangel trotz klarer Empfehlungen
Obwohl medizinische Leitlinien die regelmäßige Teilnahme an Sport ausdrücklich empfehlen, erreichen aktuell nur rund neun Prozent der Kinder und Jugendlichen mit AHF die von der WHO empfohlene Mindestmenge an körperlicher Aktivität. Gründe hierfür sind unter anderem Unsicherheiten bei Lehr- und Betreuungspersonal, übervorsichtiges Verhalten im familiären Umfeld sowie ein Mangel an geeigneten, zielgruppenspezifischen Angeboten. Die Folgen sind weitreichend: Neben einer reduzierten körperlichen Leistungsfähigkeit drohen soziale Isolation, eine geringere Lebensqualität sowie ein erhöhtes Risiko für Folgeerkrankungen wie Adipositas, Bluthochdruck oder Diabetes.
Projektziel: Vertrauen in Bewegung und den eigenen Körper stärken
„Young Heart Champions“ setzt genau hier an. Im Mittelpunkt stehen nicht nur körperliche Effekte, sondern auch psychosoziale Aspekte: Die Kinder sollen lernen, ihre eigene Belastbarkeit realistisch einzuschätzen und Vertrauen in ihren Körper zu entwickeln. Das Projekt wird wissenschaftlich evaluiert, um Erkenntnisse zur Umsetzbarkeit und zu gesundheitlichen Effekten zu gewinnen.
„Mit unserem Projekt möchten wir Kinder und Jugendliche mit AHF für Bewegung und Sport begeistern, ihr Vertrauen in den eigenen Körper stärken und gleichzeitig auch den Eltern die Sicherheit geben, dass Sport unter den richtigen Bedingungen möglich und sinnvoll ist“, sagt Jun.-Prof. Dr. Thomas Schmidt, der gemeinsam mit Prof. Hans-Georg Predel das Projekt „Young Heart Champions“ an der Deutschen Sporthochschule Köln leitet.
Das Bewegungsangebot: Walking Football
Das Bewegungsprogramm umfasst Koordinationsübungen, spielerische Bewegungsformen und eine an die Bedürfnisse der Kinder angepasste Form des Fußballs. Dabei werden Körperkontakt, intensives Zweikampfverhalten und hohe Belastungsspitzen bewusst vermieden, der Ball darf maximal hüfthoch gespielt werden. Ergänzt wird das Training durch Koordinationsübungen und spielerische Bewegungsformen. Vor Beginn des Programms werden alle Teilnehmenden sportmedizinisch untersucht, um individuelle Belastbarkeit und motorische Fähigkeiten zu erfassen. Das Training selbst übernehmen qualifizierte Trainer*innen des 1. FC Köln.
Neben der körperlichen Aktivität stehen Teamgeist, soziale Interaktion und Freude an der Bewegung im Vordergrund. Studien belegen, dass Fußball die kardiopulmonale Leistungsfähigkeit auch bei herzkranken Patient*innen verbessern kann. Der Deutsche Olympische Sportbund und die Bundesärztekammer haben Walking Football als Präventionssport anerkannt.
„Kinder mit angeborenen Herzfehlern dürfen und sollen sich bewegen. Dennoch erleben wir im Alltag häufig, dass Restriktionen und fehlende Bewegungsangebote dazu führen, dass viele Kinder deutlich weniger aktiv sind, als medizinisch sinnvoll wäre. Mit dem Projekt bieten wir innovative Bewegungsangebote. Sie stärken das Selbstvertrauen der Kinder und fördern die Freude an Bewegung und Sport. Unser Ziel ist es, Bewegung fest in den Alltag und die Versorgung von Kindern mit angeborenen Herzfehlern zu integrieren und passende Angebote zu etablieren", erklärt Prof. Dr. Markus Khalil, Leiter der Kinderkardiologie der Uniklinik Köln.
Starkes Netzwerk aus Sportwissenschaft, Medizin und Praxis
Das Projekt wird vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln koordiniert und in enger Zusammenarbeit mit der Kinderkardiologie der Uniklinik Köln sowie dem 1. FC Köln umgesetzt. Die interdisziplinäre Kooperation stellt sicher, dass wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in die Praxis einfließen und medizinische Expertise das Trainingsprogramm von Beginn an prägt.
Förderung und Perspektive
„Young Heart Champions“ wird von der Deutschen Herzstiftung mit insgesamt 99.750 Euro gefördert. „Für die Deutsche Herzstiftung hat die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch regelmäßige körperliche Bewegung und Sport schon im Kindesalter sehr hohe Priorität. Das gilt ganz besonders auch für chronisch herzkranke Kinder, weil regelmäßige Bewegung bei Kindern mit angeborenem Herzfehler effektiv zum Schutz vor zusätzlichen Risikofaktoren wie Übergewicht, Adipositas, Bluthochdruck beiträgt und die psychosoziale Gesundheit stärkt“, betont der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Herzstiftung Prof. Dr. Thomas Voigtländer. „Das Kölner Projekt ,Young Heart Champions‘ leistet mit seiner Walking Football Intervention einen wichtigen Beitrag, indem es das Potenzial von Walking Football für Kinder mit angeborenem Herzfehler untersucht.“
Das Pilotprojekt soll als Grundlage dienen, um vergleichbare Programme künftig auch überregional zu etablieren und so die gesundheitliche Chancengleichheit von Kindern mit AHF dauerhaft zu verbessern.
Jun.-Prof. Dr. Thomas Schmidt
Projektleiter
T.Schmidt(at)dshs-koeln.de
0221 4982-5075
Deutsche Sporthochschule Köln
Uniklinik Köln, Kinderkardiologie
1. FC Köln
Deutsche Herzstiftung
Förderverein des Herzzentrums der Uniklinik Köln