Wie können wir das Training von olympischen und paralympischen Sprinter*innen auf Grundlage leistungsbestimmender Faktoren besser individualisieren, um Leistung zu steigern und Verletzungsrisiken zu minimieren?
Sprintleistung ist nicht nur in der Leichtathletik von zentraler Bedeutung, sondern stellt auch in vielen Spiel- und Teamsportarten einen wichtigen Leistungsfaktor dar. Obwohl die zugrunde liegenden physikalischen Gesetzmäßigkeiten für alle Athlet*innen identisch sind, zeigen selbst Sprinter*innen auf höchstem Leistungsniveau unterschiedliche Bewegungsstrategien, um hohe Geschwindigkeiten zu erreichen. Spitzenleistungen entstehen daher nicht durch ein universelles Technikmodell, sondern durch individuelle Lösungen, die aus dem Zusammenspiel biomechanischer, physiologischer und neuromuskulärer Faktoren resultieren.
Das Promotionsprojekt untersucht, welche kinematischen, biomechanischen und physiologischen Einflussfaktoren die Sprintleistung bestimmen und wie diese Faktoren miteinander interagieren. Ziel ist es, die Merkmale erfolgreicher Sprintleistungen besser zu verstehen und daraus praxisrelevante Empfehlungen für Diagnostik, Trainingssteuerung und Leistungsentwicklung abzuleiten.
Grundlage des Projekts sind Untersuchungen mit einigen der schnellsten Sprinter*innen Deutschlands aus dem olympischen und paralympischen Leistungssport. Dabei stehen insbesondere spatiotemporale, kinematische und kraftbezogene Parameter im Fokus, die mit der Sprintleistung in Zusammenhang stehen. Darüber hinaus wird untersucht, warum Athlet*innen trotz vergleichbarer Leistungsniveaus teilweise deutlich unterschiedliche Bewegungs- und Leistungsprofile aufweisen und wie Trainingsmaßnahmen passgenau auf individuelle Voraussetzungen abgestimmt werden können. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Integration moderner Technologien und kontinuierlicher Datenerfassung in den Trainingsprozess, um leistungsrelevante Informationen möglichst praxisnah bereitzustellen.
Mit den Ergebnissen soll ein Beitrag zur Weiterentwicklung einer evidenzbasierten und individualisierten Trainings- und Diagnostikpraxis im Sprint geleistet werden. Die Erkenntnisse können Trainer*innen, Athlet*innen und Sportwissenschaftler*innen dabei unterstützen, leistungsbestimmende Faktoren präziser zu identifizieren, Trainingsmaßnahmen gezielter auszuwählen und langfristige Leistungsentwicklungen nachhaltig zu fördern.
Dez. 2024 - heute
Marlen Schapschröer