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  • 26.08.2025
    Einladung zur ALLSTARS-Tagung am 12. September 2025, NaWiMedi, DSHS
    Alle relevanten Informationen zur Veranstaltung "Die Stadt, der Sport, der Rand" finden Sie hier. Uhrzeit 09:30-16:00 Uhr Veranstaltungsort Deutsche Sporthochschule Köln, NaWiMedi-Gebäude, Raum 90-93 Am Sportpark Müngersdorf 6 50933 Köln

  • INOEK_Band_16_Integration_Umweltmanagementsystement.pdf
    Integration von Umweltmanagementsystemen in den Sport Diplomarbeit von Gregor Klos Deutsche Sporthochschule Köln Köln, 2003 1. Referent: Prof. Dr. R. Roth, Institut für Natursport und Ökologie 2. Referent: Versicherung: Ich versichere, dass ich diese Arbeit selbständig verfasst und keine ande- ren als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel benutzt habe. Wörtlich wiedergegebene Textstellen, auch Einzelsätze oder Teile davon, sind als Zitate kenntlich gemacht. Gregor Klos Meinen Eltern Inhaltsverzeichnis I Inhaltsverzeichnis Abbildungsverzeichnis III Tabellenverzeichnis IV Abkürzungsverzeichnis V 1 Einleitung 1 2 Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung 3 2.1 Aktionsprogramm Agenda 21 3 2.2 Begriff der nachhaltigen Entwicklung 6 2.3 Sport und das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung 9 2.4 Rolle und Aufgabe des Sports als Nichtregierungsorganisation in der Agenda 21 11 2.5 Kommunale Agenda 21 13 2.6 Sport als Akteur Lokaler Agenda 21-Prozesse 15 3 Betrieblicher Umweltschutz 19 3.1 Ökologische Unternehmensphilosophie und Unternehmenspolitik 19 3.1.1 Unternehmensphilosophie 21 3.1.2 Unternehmenspolitik 24 3.1.3 Integration der Nachhaltigkeit in die Unternehmenspolitik 27 3.2 Instrumente des betrieblichen Umweltschutzes 30 3.2.1 EG-Öko-Audit-Verordnung 32 3.2.2 Normenreihe DIN EN ISO 14000 ff. 39 3.3 Vergleich der Standards für Umweltmanagementsysteme 46 3.3.1 Kritik an der EG-Öko-Audit-Verordnung 49 3.3.2 Kritik an der ISO 14001 52 3.3.3 Positive Effekte beider Instrumente 54 3.4 Öko-Controlling 55 4 Gegenstand des Umweltmanagementsystems 59 4.1 Aufbau und Struktur eines Umweltmanagementsystems 59 4.2 Ökologische und ökonomische Wirksamkeit von Umweltmanagementsystemen 62 Inhaltsverzeichnis II 4.3 Vorbereitungen der Umweltmanagementsystem- Implementierung 68 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 73 5.1 Ökologisierung der Sportartikelindustrie 74 5.2 Ökologisierung des betrieblichen Umweltschutzes in Sportorganisationen 78 5.3 Ökologisierung von Sportgroßveranstaltungen 96 5.4 Ökologisierung von Sportstätten 114 6 Ökologisierung des Sports 127 6.1 Entwicklungspotentiale, Handlungsbedarf und Zukunftsperspektiven im Sport 127 6.2 Übertragbarkeit betrieblicher Ökologisierungsmaßnahmen auf den Sport 133 6.3 Betrieblicher Umweltschutz im Sport 142 7 Zusammenfassung 147 8 Literaturverzeichnis 149 9 Internetverzeichnis 159 Abbildungsverzeichnis III Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Zieldreieck der Nachhaltigkeit 8 Abbildung 2: Verknüpfung der Nachhaltigkeitsbereiche im Sport 18 Abbildung 3: Unternehmen im Spannungsfeld ihrer Anspruchsgruppen 20 Abbildung 4: Zusammenhang normativen, strategischen und operativen Managements 22 Abbildung 5: Gesamtzusammenhang des normativen Managements 26 Abbildung 6: Orientierungsgrundlage operativer und strategischer Managementsysteme 28 Abbildung 7: EMAS-Logo alt und neu 33 Abbildung 8: Verhältnis von EMAS I und EMAS II zur ISO 14001 35 Abbildung 9: Zusammenhang und Ablauf gemäß der EG-Verordnung 36 Abbildung 10: Plan-Do-Check-Act-Kreislauf 42 Abbildung 11: Die Elemente des Umweltmanagementsystems nach ISO 14001 45 Abbildung 12: Strategisches Defizit in der Konzeption von Umweltmanagementsystemen 53 Abbildung 13: Zusammenhänge der Elemente des Umweltmanagementsystems 62 Abbildung 14: Nutzen von Umweltmanagementsystemen 66 Abbildung 15: Organigramm des Umweltmanagementsystems der adidas-Salomon AG 77 Abbildung 16: Organisation des Umweltschutzes im Sport- und Bildungszentrum Malente und die direkte Verbindung zur ehrenamtlichen und hauptamtlichen Führungsebene 80 Abbildung 17: Umweltbezogener Organisationsplan der Nürburgring GmbH 83 Abbildung 18: Struktur des Umweltmanagementsystems der Waldsee- Therme 84 Abbildung 19: Gemeinsames Umweltsymbol Blaue Flagge für Sportboothäfen, Strände und Badestellen an Binnenseen, Luftsportgelände und Fußballanlagen 92 Abbildungs- und Tabellenverzeichnis IV Abbildung 20: Umweltrelevante Bereiche und Umweltzielsystem für Sportgroßveranstaltungen 97 Abbildung 21: Nachhaltige Bewirtschaftung der Olympiaregion Leipzig 2012 101 Abbildung 22: Strategische Partnerschaft des OK der Fußball-WM 2006 104 Abbildung 23: Wirkungen der Ski-WM 2003 auf die natürliche Umwelt 111 Abbildung 24: Ökologische Aspekte des Nachhaltigkeitskonzeptes der Ski-WM 2003 112 Abbildung 25: Zirkelstruktur eines Umweltausschusses 139 Abbildung 26: Umweltbeeinflussungen durch den Sport 143 Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Normenreihe ISO 14000 Umweltmanagement 40 Tabelle 2: Vergleich zwischen EMAS und ISO 14001 46 Tabelle 3: Nutzenpotentiale von Umweltmanagementsystemen 62 Abkürzungsverzeichnis V Abkürzungsverzeichnis ABM Arbeitsbeschaffungsmaßnahme AG Aktiengesellschaft Agenda 21 Aktionsprogramm der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro von 1992 aGEnda 21 Lokale Agenda 21 der Stadt Gelsenkirchen ASU Arbeitsgemeinschaft selbständiger Unternehmer B.A.U.M. Bundesdeutscher Arbeitskreis für umweltbewusstes Ma- nagement e.V. BHKW Blochheizkraftwerk BLfU Bayerisches Landesamt für Umweltschutz BMU Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsi- cherheit (Bundesumweltministerium) BRD Bundesrepublik Deutschland BS 7750 British Standard „Specification for Environmental manage- ment systems“ BUIS Betriebliches Umweltinformationssystem bzw. beziehungsweise ca. circa CIPRA Internationale Alpenschutzkommission (Commission Interna- tionale pour la Protection des Alpes) Co. Kompanie (Compagnie) CO2 Kohlendioxid CPC Cleaner Production Center Austria DAeC Deutscher Aero Club e.V. DAU Deutsche Akkreditierungs- und Zulassungsstelle für Um- weltmanagement-Gutachter dB Dezibel DBU Deutsche Bundesstiftung Umwelt DFB Deutscher Fußballbund DGU Deutsche Gesellschaft für Umwelterziehung d.h. das heißt DIHK Deutscher Industrie- und Handelskammertag Abkürzungsverzeichnis VI DIN Deutsches Institut für Normung e.V., Deutsche Industrie- Norm DM Deutsche Mark DMFV Deutscher Modellflieger Verband DMYV Deutscher Motoryachtenverband DSB Deutscher Sportbund DSHS Deutsche Sporthochschule Köln DSV Deutscher Seglerverband, Deutscher Skiverband DTB Deutscher Turner-Bund EAC European Accreditation of Certification EC European Communities EEC European Economic Community EG Europäische Gemeinschaft EG-VO EG-Öko-Audit-Verordnung (Verordnung (EWG) Nr. 1836/93 des Rates vom 29. Juni 1993 über die freiwillige Beteiligung gewerblicher Unternehmen an einem Gemeinschaftssystem für das Umweltmanagement und die Umweltbetriebsprüfung [EMAS I], Verordnung (EG) Nr. 761/2001 des Rates vom 19. März 2001 über die freiwillige Beteiligung von Organisatio- nen an einem Gemeinschaftssystem für das Umweltma- nagement und die Umweltbetriebsprüfung (EMAS) [EMAS II]) EMAS EG-Öko-Audit-Verordnung (Environmental Management and Audit Scheme) EN Europäische Norm EnBW Energie Baden-Württemberg AG EnEV Energiesparverordnung et al. und andere etc. et cetera EU Europäische Union ELE Emscher Lippe Energie GmbH e.V. eingetragener Verein EWG Europäische Wirtschaftsgemeinschaft f. folgende, folgende Seite FC Fußball-Club Abkürzungsverzeichnis VII FEE Stiftung für Umwelterziehung (Foundation for Environmental Education) ff. fortfolgende, folgende Seiten FH Fachhochschule FIFA Internationaler Fußballverband (Fédération Internationale de Football Association) FIS Internationaler Skiverband (Fédération Internationale de Ski) GbR Gesellschaft bürgerlichen Rechts GIS Geographisches Informationssystem GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung GTC Global Technology Center Scheinfeld (Standort adidas- Salomon AG) ha Hektar Hbf Hauptbahnhof HMULF Hessisches Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Fors- ten Hrsg. Herausgeber HT16 Hamburger Turnerschaft von 1816 r.V. HWK Handwerkskammer ICLEI Internationaler Rat für Kommunale Umweltinitiativen (Inter- national Council for Local Environmental Initiatives) IHK Industrie- und Handelskammer inkl. inklusive INÖK Institut für Natursport und Ökologie der Deutschen Sport- hochschule Köln IOC Internationales Olympisches Komitee (International Olympic Committee) ISO International Organization for Standardization I.Z.P. Institut für Zukunftsfähige Projekte e.V. kg Kilogramm KG Kommanditgesellschaft km Kilometer km² Quadratkilometer KMU kleine und mittlere Unternehmen Abkürzungsverzeichnis VIII kWh Kilowattstunde Ltd. Gesellschaft mit beschränkter Haftung (limited company) ltr. Liter LA21 Lokale Agenda 21 LSV Landessportverband, Luftsportverein LSB Landessportbund LZU Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz m² Quadratmeter m³ Kubikmeter Mio. Millionen MTB Mountainbike[en] MV Managementvertreter MWh Megawattstunde NABU Naturschutzbund Deutschland No number NOK Nationales Olympisches Komitee NPO Non-Profit-Organisation Nr. Nummer NRO Nichtregierungsorganisation (Nongovernmental Organiza- tion) NRW Nordrhein-Westfalen ÖKOPROFIT Ökologisches Projekt für integrierte Umwelttechnik ÖPNV öffentlicher Personennahverkehr OK Organisationskomitee Okt. Oktober PDCA Cycle Plan-Do-Check-Act-Kreislauf, Deming-Zyklus Pkw Personenkraftwagen PR Public Relations Prof. Professor PVC Poly Vinyl Chlorid r.V. rechtsfähiger Verein S. Seite[n] SAC Schweizer Alpen-Club SBZ Sport- und Bildungszentrum SC Sportclub Abkürzungsverzeichnis IX SIS Skigebietsinformationssystem, Stiftung Sicherheit im Ski- sport SOE Standards of Engagement der adidas-Salomon AG S.O.F. Save Our Future - Umweltstiftung SS Sommersemester St. Sankt Städt. städtische[n] t Tonne TGA Trägergemeinschaft für Akkreditierung TUS Turn- und Sportverein u. und u. a./u.a. unter anderem, und andere[s] u. Ä./u.Ä. und Ähnliche[s] UBA Umweltbundesamt UIS Umweltinformationssystem UM Umweltmanagement UMBIT Umweltmanagement und -bildung im Turnverein UMS Umweltmanagementsystem UN United Nations UNI/ASU Unternehmerinstitut der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer e.V. UNCED Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwick- lung (United Nations Conference on Environments and Deve- lopment) UR Umweltrunde[n] USA Vereinigte Staaten von Amerika (United States of America) u.v.m. und viele[s] mehr UVP Umweltverträglichkeitsprüfung vgl. vergleiche WCED Weltkommission für Umwelt und Entwicklung (World Com- mission on Environment and Development) WM Weltmeisterschaft WS Wintersemester WWF World Wide Fund of Nature www world wide web Abkürzungsverzeichnis X z.B. zum Beispiel € Euro °C Grad Celsius % Prozent 1 Einleitung 1 1 Einleitung Die Einbindung der Sportökonomie mit seiner betriebswirtschaftlichen und organisationstheoretischen Lehre in eine potentielle Ökologisierung des Sports in all seinen Bereichen ist eine interessante Herausforderung für den Verfasser und somit Anlass dieser Arbeit. Folgt man der Diskussion um eine Ökonomie des Sports, so zeigt sich, dass in den vergangenen Jahren eine immer stärkere Verzahnung der Wirtschaft mit dem Sport erfolgt ist. Spitzenvereine erwirtschaften millio- nenschwere Jahresumsätze, Spielergehälter haben siebenstellige Beträge erreicht und das Geschäft um das Sponsoring hat noch nie da gewesene Dimensionen erlangt. Die steigende Kommerzialisierung und Professiona- lisierung des Sports findet dabei ihren Ausdruck im wachsenden Trend zu professionellen Managementstrukturen in Sportvereinen. Verbunden mit dieser Optimierung des Sportmanagements, die dazu bei- trägt ökonomische Entscheidungen innerhalb des Betriebes1 des Sports zielgerecht zu treffen (HEINEMANN 1995, S. 15), ist ein erheblicher Ver- brauch natürlicher Ressourcen. Denn im Rahmen der Produktion von Sachgütern und Dienstleistungen werden Rohstoffe aus der Natur ent- nommen und gleichzeitig die Umwelt mit Emissionen belastet. Sportvereine und Sportstätten sind also auch in ihren Energie- und Stof- fumsätzen mit Wirtschaftsbetrieben zu vergleichen. Nicht nur durch ihre Trainings- und Sportanlagen sondern auch durch die Verwaltungsbereiche entstehen Umweltbelastungen, die durch Einsatz organisatorischer Maß- nahmen erheblich reduziert werden können. Dazu reicht auch hier keine herkömmliche ehrenamtliche Verwaltung mehr aus, es ist ein professio- nelles Umweltmanagement nötig. Umweltmanagement umfasst die Planung, Steuerung, Überwachung und Verbesserung aller Maßnahmen des Umweltschutzes einer Organisation. Das bedeutet für Sportorganisationen hauptsächlich die Verantwortung für die Umweltauswirkungen ihrer jeweiligen Tätigkeiten. 1 Nach WÖHE (2002, S. 2) ist ein Betrieb „als eine planvoll organisierte Wirtschaftseinheit zu um- schreiben, in der Sachgüter und Dienstleistungen erstellt und abgesetzt werden.“ 1 Einleitung 2 Um alle relevanten Umweltauswirkungen einer Organisation zu erfassen, ist eine systematische Vorgehensweise sinnvoll. Mit der Implementierung eines Umweltmanagementsystems wird sie gewährleistet. Als standardi- sierte Regelwerke für die Einführung und Zertifizierung eines Umweltma- nagementsystems stehen die EG-Öko-Audit-Verordnung EMAS und die DIN EN ISO 14001 zur Verfügung. In allen Teilen der Arbeit orientiert sich die Betrachtungsweise in erster Linie am allgemeinen Untersu- chungsgegenstand Umweltmanagementsystem. Ziel ist es, den Status quo des betrieblichen Umweltschutzes anhand der Vorstellung konkreter Beispiele von Umweltschutz- und Nachhaltigkeits- projekten und Umweltmanagementkonzepten verschiedener Bereiche im Sport zu erarbeiten. Zur Erreichung dieses Ziels stellen sich folgende Leitfragen: Welche Rolle und Aufgaben sieht die Agenda 21 für den Sport vor? Auf welchen Grundlagen basiert der betriebliche Umweltschutz? Wie sind Umweltmanagementsysteme in der Privatwirtschaft organi- siert? Welche Möglichkeiten einer Übertragung von Umweltmanagementsys- temen auf den Sport gibt es? Wo liegen Einsatzpotentiale für Umweltmanagementsysteme im Sport und welche Rahmenbedingungen sind dabei zu berücksichtigen? Inwieweit beteiligt sich der Sport in Deutschland bereits an einem res- sourcenschonenden Umweltschutz oder nimmt an einer nachhaltigen Entwicklung teil? Welche Sportorganisationen betreiben konkret ein Umweltmanage- mentsystem nach EMAS oder ISO 14001? Ein weiteres Ziel der Arbeit ist es, die erfassten Aktivitäten im Sport zu bewerten und einzuordnen. Schließlich sollen im Rahmen der Bestands- aufnahme unter anderem Erfahrungen und Leitbilder aus bestehenden Umweltschutzprozessen zusammengestellt werden. Diese sollen dazu dienen, Hinweise für den Sport abzuleiten, wie sich eine Integration von Umweltmanagementsystemen gestalten und strukturieren lassen könnte, damit Sportorganisationen eben diese erfolgreich einbinden können. 2 Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung 3 2 Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung Zahlreiche Nationen der Erde sehen sich mit Umwelt-, Entwicklungs- und Sozialproblemen konfrontiert. Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte hat zu einer Situation geführt, in der viele Menschen in Armut oder mit Be- einträchtigungen in ihrer Lebensqualität durch die Schädigung der natür- lichen Lebensgrundlagen leben müssen. Die zentrale Frage ist seitdem, wie das Problem beseitigt werden kann und welche Rolle die verschiedenen beteiligten Akteure dabei spielen. Für die vorliegende Arbeit stellt sich zunächst die Frage, welche Konse- quenzen sich aus dem Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung für den Sport ergeben. Deshalb werden die Forderungen des Aktionsprogramms Agenda 21 mit dem Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung an den Sport vorgestellt. Der Fokus liegt in diesem Kapitel also auf der Mitwirkung des Sports. Wenn im Verlaufe der Arbeit von Sport die Rede ist, dann sind damit das Sporttreiben selbst, Sportorganisationen (eingetragene Verei- ne, erwerbswirtschaftliche Betriebe), Sportstätten, Sportdienstleistungen und Sportveranstaltungen gemeint. 2.1 Aktionsprogramm Agenda 21 Der Begriff Agenda, steht für „das, was zu tun ist“, das heißt für die zu erledigenden Aufgaben. Die „21“ steht für das 21. Jahrhundert. Agenda 21 bedeutet also: Das, was für das 21. Jahrhundert zu tun ist, um sich auf den Weg einer nachhaltigen Entwicklung zu begeben. Im Juni 1992 fand in Rio de Janeiro die Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung (UNCED) statt. In den Verhandlungen zwi- schen über 170 Staaten der Erde diskutierten die Regierungen zwei Jahre lang um die Ergebnisse. Ziel war es, das Leitbild einer nachhaltigen Ent- wicklung von Empfehlungen einer unabhängigen Kommission zu politisch und auch rechtlich verbindlichen Handlungsvorgaben weiterzuentwickeln. 2 Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung 4 Unter dem Motto „Global denken, lokal handeln“ entstand die in Rio un- terzeichnete Agenda 212. Das weltweite Aktionsprogramm für eine nach- haltige Entwicklung, wird auch als „Pflichtenheft“ für das 21. Jahrhundert bezeichnet. In 40 Kapiteln, verteilt auf über 300 Seiten, beschreibt sie die wesentlichen Handlungsfelder um dem Ideal der Nachhaltigkeit gerecht zu werden (QUENNET-THIELEN 1996, S. 11, 14; TÖPFER 1992, S. 1, www). „Es enthält wichtige Festlegungen, u. a. zur Armutsbekämpfung, Bevölke- rungspolitik, zu Handel und Umwelt, zur Abfall-, Chemikalien-, Klima- und Energiepolitik, zur Landwirtschaftspolitik sowie zu finanzieller und technologischer Zusammenarbeit der Industrie- und Entwicklungsländer.“ (TÖPFER 1992, S. 1, www). Die zentralen Bereiche der Agenda 21 sind: soziale und wirtschaftliche Dimensionen, Erhaltung und Bewirtschaftung der Ressourcen für die Entwicklung, Stärkung der Rolle wichtiger Gruppen „(Anmerkung: Nichtregierungsorganisationen wie Sportvereine)“ (WEHR, PRÜLLER & DELP 1999, S. 10), Möglichkeiten der Umsetzung (AGENDA 21 2003, www; BMU 1992, www; UN 2003a, www). „In der Agenda 21 werden die dringlichsten Fragen von heute angespro- chen, während gleichzeitig versucht wird, die Welt auf die Herausforde- rungen des nächsten Jahrhunderts vorzubereiten. Die Agenda 21 ist Aus- druck eines globalen Konsenses und einer politischen Verpflichtung auf höchster Ebene zur Zusammenarbeit im Bereich von Entwicklung und Umwelt.“ (AGENDA 21 2003, S. 4, www; BMU 1992, S. 4, www; UN 2003b, www). Um eine Zukunft der Menschheit gewährleisten zu können, verfolgt die Agenda 21 folgende Ziele: Deckung der Grundbedürfnisse aller Menschen, Verbesserung des Lebensstandards aller Menschen, größeren Schutz der Ökosysteme, bessere Bewirtschaftung der Ökosysteme, Chancengleichheit für alle Menschen, 2 Neben dem Aktionsprogramm, der Agenda 21, wurden in Rio noch die Waldgrundsatzerklärung, die Klimarahmenkonvention und das Abkommen zum Schutz der biologischen Vielfalt unterzeich- net (QUENNET-THIELEN 1996, S. 14 f.), deren Vorstellung hier jedoch ausbleiben muss. 2 Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung 5 Schutz der Umwelt vor Ausbeutung und Zerstörung (AGENDA 21 2003, S. 6, www; BMU 1992, S. 7 f., www; UN 2003c, www). Die Rolle der Industrieländer wird in der Agenda 21 eingeschränkt be- schrieben, denn gerade diese haben als Hauptnutzer der natürlichen Res- sourcen ihren Umweltverbrauch einzudämmen und sich ihrer Verpflich- tung gegenüber der Dritten Welt bewusst zu werden. Dennoch stellt die Agenda 21 ein Konsenspapier dar, das das Ergebnis eines zähen Verhandlungsprozesses verkörpert. Themen wie Menschen- rechte, Verkehr und Fragen bezüglich einer zukünftigen Weltwirtschafts- ordnung werden nur am Rande betrachtet. Von Umweltschutzgruppen wird die Agenda 21 hart kritisiert. „Der Agenda-Text enthält 90 Prozent Worthülsen, d.h. Formulierungen, die keinerlei konkrete Aussagen haben [...]. Die Agenda ist insgesamt nicht nur ein unverbindlicher Entschluß, sondern auch im Detail nicht umweltschutzorientiert. Die restlichen 10 Prozent sind falsche Ziele, u. a. die Stärkung der Großkonzerne sowie der Ausbau der Gen- und Atomtechnik.“ (BERGSTEDT 1998, S. 7). So ist es das Ziel der Agenda 21, den sicheren Umgang mit radioaktiven Abfällen zu fördern (Beförderung, Lagerung). Während man sich also mit den Aus- wirkungen der Kernenergie beschäftigt, wird eine Reduzierung des Ein- satzes solcher durch Substitution durch regenerierbarer Energiequellen nicht behandelt (AGENDA 21 2003, S. 180 ff., www; BMU 1992, S. 217 ff., www; UN 2003d, www). BRAND (1997, S. 25) hält fest, dass die Agenda 21 völkerrechtlich nicht verbindlich ist und von den Unterzeichnerstaaten somit ein hohes Maß an Selbstverpflichtung verlangt. Jedoch gilt sie gleichzeitig als eine gemein- same Grundlage, welche eine Konsensfindung hinsichtlich der Umsetzung einer nachhaltigen Entwicklung erleichtert. Hervorzuheben ist, dass in der Agenda 21 erstmalig in einem UN-Dokument den Nichtregierungsorgani- sationen (NRO) eine elementare Rolle bei der Umsetzung zugeschrieben wird. NRO sind Vereine, Verbände, Initiativen, Gruppen, Organisationen unterschiedlichster Interessenausrichtung (HÄUSLER, BERKER, BAHR & BRÜ- CKMANN 1998, S. 18). Denn „[...] Politik und Regierungen können diesen Prozeß nicht allein bewältigen. Alle Gruppen und Ebenen der Gesellschaft 2 Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung 6 sind gefordert, wenn nachhaltige Entwicklung erreicht werden soll.“ (QUENNET-THIELEN 1996, S. 19). 2.2 Begriff der nachhaltigen Entwicklung Der Begriff der Nachhaltigkeit (sustainability) tauchte bereits in der Forstwirtschaft des 18. Jahrhunderts auf. Diese Nachhaltswirtschaft bein- haltet ein System nachhaltiger Bewirtschaftung des Waldes. Hinter die- sem Prinzip der nachhaltigen Waldbewirtschaftung steht die Zielsetzung, nicht mehr Holz in einem Jahr zu schlagen als in einem Jahr nachwächst, „so daß der Bestand in seiner Substanz dauerhaft erhalten bleibt.“ (STE- GER 1993, S. 42). „Auf die allgemeine Umweltproblematik übertragen be- deutet Nachhaltigkeit daher, daß die Nutzung der Umwelt so erfolgen soll, daß entstehende Eingriffe oder Belastungen im Zeitablauf kompen- siert werden, daß beispielsweise sich Vorräte oder Bestände regenerieren oder Schadstoffe abgebaut werden. Langfristig soll also der status quo der Umwelt erhalten - bzw. verbessert - werden.“ (ALTMANN 1997, S. 122). Bis heute gibt es keine eindeutige Definition von nachhaltiger Entwicklung (sustainable development). „Bei einer Durchsicht der Literatur lassen sich mittlerweile über 60 unterschiedliche Definitionen von Nachhaltigkeit fin- den.“ (KASTENHOLZ 1996, S. 1). Der Begriff der nachhaltigen Entwicklung, meist auch zukunftsfähige oder zukunftsbeständige Entwicklung, geht auf den so genannten Brundtland-Bericht3 zurück, in dem die klassische Defi- nition lautet: „Unter dauerhafter Entwicklung verstehen wir eine Entwick- lung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürf- nisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen. Die Forderung, diese Entwicklung ‚dauerhaft’ zu gestalten, gilt für alle Länder und Menschen. Die Möglichkeit kommender Generationen, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen, ist durch Umweltzerstörung ebenso gefährdet wie durch 3 Die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung (WCED) wurde 1983 von der Vollversammlung der Vereinten Nationen eingesetzt. Diese Kommission stand unter der Leitung der norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland (deshalb auch Brundtland-Kommission) und forderte in dem 1987 vorgelegten Abschlussbericht „Report of the World Commission on Environment and Development - Our Common Future“ (auch als Brundtland-Bericht bekannt) die konkrete Erarbei- tung von Handlungsempfehlungen, die den Prozess der dauerhaften Entwicklung einleiten sollte (QUENNET-THIELEN 1996, S. 9; UN 1987, www). 2 Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung 7 Umweltvernichtung und durch Unterentwicklung in der Dritten Welt.“ (HERMANN 2000, S. 1 f.; UN 1987, S. 24 f., www). Da in allen Abhandlun- gen zum Konzept einer nachhaltigen Entwicklung auf die Definition im Brundtland-Bericht hingewiesen wird, soll diese auch für die vorliegende Arbeit maßgeblich sein. Neben der Vielfalt der Definitionen nachhaltiger Entwicklung zeigen sich zusätzlich Unterschiede in der Einordnung des Leitbildes einer nachhalti- gen Entwicklung. So wird gefragt, ob dem Leitbild und dem Konzept der Nachhaltigkeit eher ein ökonomisches oder ökologisches Prinzip zugrunde liegt oder ob es ein soziales oder ein politisches Konzept darstellt. Hin- sichtlich der Frage, ob nachhaltige Entwicklung im Prinzip der Nachhaltig- keit eher ein ökonomisches oder ein ökologisches Prinzip ist, wird darauf hingewiesen, dass beide Interpretationen in der Literatur zu finden seien. „In der deutschen Diskussion stand bislang der Umweltaspekt als Grund- lage für eine Politik der nachhaltig zukunftsverträglichen Entwicklung im Vordergrund, während man die entwicklungspolitische Komponente, die soziale und ökonomische Dimension des Leitbildes vernachlässigte [...].“ (DEUTSCHER BUNDESTAG 1998, S. 16, www). RUMPF (1997) stellt fest, dass nachhaltige Entwicklung im Kern ein soziales Konzept ist, dem die Öko- nomie als gesellschaftliche Form des Stoffwechsels mit der Natur, unter Berücksichtigung ökologischer Spielregeln, angepasst werden muss. Da- bei bedeutet nachhaltige Entwicklung, dass die Gesellschaft auf ein nach- haltiges Niveau umgewandelt werden muss, wobei diese Ausrichtung auch in der Ökonomie stattzufinden hat (ebenda, S. 10). „Was die grund- legenden Herausforderungen des Leitbildes einer nachhaltig zukunftsver- träglichen Entwicklung betrifft, besteht mittlerweile breites Einvernehmen in der Diskussion. Ausgehend von dem im Brundtland-Bericht 1987 her- vorgehobenen Handlungsprinzip [...] läßt sich der Anspruch ableiten, die Bedürfnisse einer wachsenden Zahl von Menschen heute und in Zukunft befriedigen zu können und gleichzeitig eine auf Dauer für alle unter men- schenwürdigen, sicheren Verhältnissen bewohnbare Erde zu erhalten.“ (DEUTSCHER BUNDESTAG 1998, S. 16, www). Es wird allgemein anerkannt, wie Abbildung 1 zeigt, dass sich das Konzept der Nachhaltigkeit aus den drei Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales, sie werden nicht 2 Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung 8 mehr getrennt von einander betrachtet, zusammensetzt. „Ökologie, Öko- nomie und soziale Sicherheit bilden eine untrennbare Einheit. Dies ist der wesentliche Kern des Leitbildes der nachhaltigen Entwicklung [...].“ (BMU 1997, S. 4, www). Abbildung 1: Zieldreieck der Nachhaltigkeit (in Anlehnung an BMU 1997, S. 4, www) Unklar ist aber, wie sich das Kräfteverhältnis auf die drei Zielfelder Öko- logie - Ökonomie - Soziales verteilen soll, um eine nachhaltige Entwick- lung zu gewährleisten (DEUTSCHER BUNDESTAG 1998, S. 17, www). Die ökonomische Zieldimension orientiert sich dabei an der Steigerung der Lebensqualität, die ökologische an dem Erhalt des Naturkapitals und die soziale Dimension nimmt Rücksicht auf kommende Generationen (GEBHARD 1999, S. 48 ff.). „Den Weg zur Nachhaltigkeit muß dabei jede Gesellschaft für sich definieren. Er hängt von den jeweiligen geographi- schen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Gegebenheiten ab [...].“ (BMU 1997, S. 4, www). Ein breiter Konsens besteht weiter bezüglich grundlegender Kriterien, auch „Managementregeln der Nachhaltigkeit“ genannt, zur Erhaltung der Umweltqualität und zur Ressourcennutzung, wobei man eine Einigkeit bei folgenden Regeln erkennen kann: erneuerbare Ressourcen dürfen nicht übernutzt werden, nicht-erneuerbare Ressourcen sind durch erneuerbare möglichst aus- zutauschen und die Belastung der Ökosysteme ist in Grenzen zu halten (ebenda). Diese Ausführungen zu den verschiedenen Positionen in der Diskussion um das Konzept und Leitbild der Nachhaltigkeit stellt hier nur einen klei- nen Ausschnitt der tatsächlich geführten Debatte dar. Das Konzept einer Zieldreieck der Nachhaltigkeit Ökologie Soziales Ökonomie 2 Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung 9 nachhaltigen Entwicklung gibt das einzige Leitbild vor, welches eine Zu- kunft allen Lebens auf der Erde ermöglichen kann. Mittels des Konzeptes einer nachhaltigen Entwicklung gilt es, eine Entwicklung anzustreben, die zu einem zukunftsfähigen Leben und Wirtschaften der Weltbevölkerung führen soll. Für die einzelnen Teilbereiche unseres Gesellschaftssystems gilt es jedoch, das Konzept zu konkretisieren, so dass entsprechende Maßnahmen zur Umsetzung auf den verschiedenen gesellschaftli- chen Ebenen gelangen. 2.3 Sport und das Leitbild einer nachhaltigen Entwick- lung Das Aktionsprogramm der Weltgemeinschaft für das 21. Jahrhundert, die Agenda 21, gibt in 40 Kapiteln Maßnahmen an, wie in allen wichtigen Po- litikbereichen das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung umgesetzt wer- den soll. Dabei widmet sich die Agenda 21 auch der Rolle und Funktion von NRO und weist diesen die Aufgabe zu, die Umsetzung des Leitbildes einer nachhaltigen Entwicklung zu unterstützen. Für die Übertragung des Leitbildes auf den Sport betont das Bundesministerium für Umwelt, Na- turschutz und Reaktorsicherheit (BMU 1998, S. 6, www), dass es vonnö- ten ist, „natur- und umwelterträgliche Formen der Sportausübung zu fördern und weiterzuentwickeln, die Umweltverträglichkeit sportbezogener Infrastruktur zu erhöhen, die Belastung empfindlicher Gebiete zu verringern, die Sport- und Bewegungsmöglichkeiten außerhalb empfindlicher Ge- biete zu sichern und zu verbessern, die Erholungsqualität der Landschaft und ihren Erlebniswert auch für Sportreibende zu erhalten und zu erhöhen.“ In diesem Zusammenhang spielen die Punkte Verantwortung und (Um- welt-) Bildung eine besondere Rolle für den Sport, da er durch die breite Fächerung sportlicher Aktivitäten (zu Wasser, Land und Luft) in fast alle Bereiche und Systeme der Gesellschaft greift. Die Verantwortung des Sports ist gerade hinsichtlich der Erreichung nahezu aller Lebensbereiche und Bevölkerungsgruppen bezüglich der Umsetzung von Zukunftsfähig- keit von entscheidender Bedeutung (WEHR et al. 1999, S. 12). Es geht 2 Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung 10 beim Sport insbesondere darum, die eigene Institution (Verein4, Sport- stätte), den eigenen Lebensraum (Stadtviertel), zukunftsfähig zu gestal- ten und mittels einer beispielhaften Umsetzung des Leitbildes einer nach- haltigen Entwicklung der gesamten (lokalen) Gesellschaft einen Anstoß für eine Ökologisierung5 zu geben. Somit muss von Sportvereinen, da sie in der Öffentlichkeit stehen, gefordert werden, dass sie nicht nur Sport- gelegenheiten und Dienstleistungen6 zum Sporttreiben anbieten, sondern auf die Umweltbildung und -erziehung der Sporttreibenden achten. Hier- für ist es aber wichtig, dass sich der Sport selber als eine Verantwor- tungsgemeinschaft sieht. Gerade weil der Sport in beinahe alle Lebensbereiche unterschiedlicher Interessengruppen greift, zeigt sich seine besondere Rolle im Nachhaltig- keitsprozess noch deutlicher. „Ganz im Sinne der Agenda 21 ist die Arbeit des Sports als nichtstaatliche Initiative zur Unterstützung eines dauerhaft umweltgerechten Umgangs der Menschen mit der natürlichen, sozialen und gebauten Umwelt von großer Bedeutung.“ (ebenda). Indem die Sporttreibenden7 während ihrer Aktivitäten mit dem Gegenstand der nachhaltigen Entwicklung und Fragen der Zukunftsfähigkeit in Kontakt geraten, können sie dies als Multiplikator8 nach außen tragen. „Die Mit- glieder von Sportvereinen repräsentieren einen Querschnitt der Bevölke- rung und verfügen durch den hohen Organisationsgrad über viele Verbin- dungen zu weiten Teilen der Bevölkerung, zur Kommune und zur Wirt- schaft.“ (ebenda, S. 13). Geht man zudem von der Zielsetzung aus, dass der Sport durch seinen hohen Organisationsgrad und einem großen Echo in den Medien (hohe Einschaltquoten bei Fußball-Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen) auch eine Vorbildfunktion gegenüber der Ge- 4 „Im folgenden wird im Prinzip nicht zwischen Vereinen und Verbänden unterschieden. Verbände sind aufgrund ihrer rechtlichen Verfassung auch Vereine.“ (HEINEMANN 1995, S. 11). 5 „’Ökologisierung’ kann nur heißen, daß die Einseitigkeit rational-ökonomischen Verhaltens über- wunden wird und die sozio-biologische Verhaltensweise mit ihren andersartigen Umweltansprüchen gleichberechtigt und regelnd neben sie tritt.“ Dabei handelt es sich bei der Forderung nach Ökolo- gisierung „[...] in erster Linie um die grundsätzliche Überlegung , wie weit die hervorstechende Ei- genschaft natürlicher Ökosysteme, nämlich ihr dauerhaftes, relativ sicheres, anpassungsfähiges Funktionieren, auch auf die vom Menschen abhängigen oder geschaffenen Nutz- und Techno- Ökosysteme und auf die von ihnen gebildete Kulturlandschaft übertragen oder dafür nutzbar ge- macht werden kann.“ (HABER 1980, S. 55). 6 HEINEMANN (1995, S. 30) unterteilt Sportgelegenheiten, als Voraussetzung zum Sporttreiben, in: Sportstätten, Infrastruktur, Sportmilieus und Organisationen, sowie Dienstleistungen in: Erlernen einer Sportart, Training/ Übung, Förderung, Beratung, Betreuung und sportliche Veranstaltungen. 7 Entweder nichtorganisiert oder als junges oder altes, gesundes oder behindertes, männliches oder weibliches, aktives oder passives Mitglied einer Sportorganisation. 8 Zur Vereinfachung wird in dieser Arbeit nur eine Form gewählt (nicht Multiplikator und Multiplika- torinnen oder MultiplikatorInnen), obwohl beide Geschlechter gemeint sind. 2 Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung 11 sellschaft hat, wird die Verpflichtung des Sports deutlich, eine aktive Rol- le in der Vermittlung nachhaltiger Entwicklung einzunehmen (HMULF 2001a, S. 3; WEHR et al. 1999, S. 12 f.). 2.4 Rolle und Aufgabe des Sports als Nichtregierungs- organisation in der Agenda 21 Es ist festzuhalten, dass mit der Agenda 21 die Absicht verfolgt wird, Umwelt- und Entwicklungsfragen in alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche der Gesellschaft zu integrieren. Dabei ist auffällig, dass zwar für jeden Problembereich zu erreichende Ziele und entsprechende Maßnahmen be- nannt werden, diese aber größtenteils noch zu konkretisieren sind. Bei der Lektüre der Agenda 21 zeigt sich, dass NRO eine bedeutende Rol- le bei der Umsetzung des Leitbildes einer nachhaltigen Entwicklung zu- kommen. Gerade in Zeiten des abnehmenden Vertrauens in Politiker und Parteien erfahren diese NRO eine politische Aufwertung, denn ihr gesell- schaftliches Ansehen ist durch Glaubwürdigkeit, Kompetenz und Bürger- nähe gekennzeichnet (SIBUM & THIMMEL 1998, S. 249 f.). Auch wenn sich die Agenda 21 nicht in einem eigenen Kapitel mit dem Sport und den ihm zufallenden Aufgaben beschäftigt, ist für den Sport folgendes Kapitel von Bedeutung. In Kapitel 27 geht es um die „Stärkung der Rolle der nichtstaatlichen Organisationen - Partner für eine nachhalti- ge Entwicklung“ (AGENDA 21 2003, S. 210, www; BMU 1992, S. 249, www UN 2003e, www): „Nichtstaatliche Organisationen spielen eine entschei- dende Rolle bei der Ausformung und Umsetzung einer teilhabenden De- mokratie. Ihre Glaubwürdigkeit ist durch die verantwortliche und kon- struktive Rolle begründet, die sie in der Gesellschaft spielen. Formelle und informelle Organisationen wie auch Basisgruppen sollen als Partner bei der Umsetzung der Agenda 21 anerkannt werden. Die unabhängige Rolle, die den nichtstaatlichen Organisationen innerhalb der Gesellschaft zukommt, verlangt nach einer echten Mitwirkung; deshalb ist Unabhän- gigkeit ein wesentliches Merkmal nichtstaatlicher Organisationen und eine Voraussetzung für wirkliche Partizipation.“ Weiter heißt es: „Nichtstaatli- che Organisationen einschließlich gemeinnütziger Organisationen, welche die im vorliegenden Teil der Agenda 21 angesprochenen Gruppen vertre- 2 Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung 12 ten, verfügen über fundierte und vielfältige Erfahrungen, Fachkenntnisse und Fähigkeiten in Bereichen, die von besonderer Bedeutung für die Um- setzung und Überprüfung einer umweltverträglichen und sozial ausgewo- genen nachhaltigen Entwicklung sind, wie sie in der gesamten Agenda 21 angestrebt wird. Die Gemeinschaft der nichtstaatlichen Organisationen bietet deshalb ein globales Netzwerk, das erschlossen, mit den entspre- chenden Fähigkeiten ausgestattet und entsprechend ausgebaut werden soll, um anschließend zur Unterstützung der Bemühungen um die Ver- wirklichung dieser gemeinsamen Ziele herangezogen zu werden.“ (AGEN- DA 21 2003, S. 210, www; BMU 1992, S. 250, www; HÄUSLER et al. 1998, S. 138; UN 2003e, www). Das vorgestellte Kapitel der Agenda 21 ist in seiner Formulierung sehr allgemein. Zusammenfassend lässt sich deshalb festhalten, dass dieses Kapitel von NRO verlangt, sich verstärkt dem Leitbild der nachhaltigen Entwicklung zu verschrei- ben und eine Partnerschaft mit staatlichen Instanzen einzugehen (SIBUM & THIMMEL 1998, S. 250). Würde der Sport also als größte NRO in Deutschland, mit mehr als einem Drittel der Bevölkerung organisiert in über 90 000 Sportvereinen, im Sin- ne der Agenda 21 die Vorbildfunktion übernehmen, so würde die Mehrheit der deutschen Mitbürger direkt und indirekt erreicht werden (WEHR et al. 1999, S. 13). „Unter Beteiligung der Sporttreibenden können für den Sport Leitbilder entwickelt werden, die sehr eng an die sportliche Tätig- keit gebunden sind oder auch übergreifenden Charakter haben und somit zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen.“ (ebenda). Das Hessische Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Forsten (HMULF 2001a, S. 3) beschreibt in ihren umweltgerechten „Tipps für die Vereinspraxis“ die Po- tentiale für Vereine im Agenda-Prozess so: „Für den Verein bietet ein Agenda 21-Prozess die Möglichkeit, Anstöße für neue, zukunftswei- sende Ideen und Projekte aus der eigenen Mitgliederschaft zu erhalten, damit der Vereinsarbeit neue Impulse zu geben und über die Beteiligung an kommunalen Agenda 21-Prozessen die Rahmenbedingungen für den Verein zu verbessern.“ 2 Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung 13 2.5 Kommunale Agenda 21 Kennzeichnend für die Agenda 21 ist, dass sie zwischen Staaten auf glo- baler Ebene beschlossen wurde und gleichzeitig den Auftrag beinhaltet, auf lokaler Ebene umgesetzt zu werden. Die Agenda 21 ist für die Staa- ten, die sie unterzeichnet haben nicht bindend. Es gibt keine Sanktions- mechanismen, wenn ein Staat keine Anstrengungen macht, sie umzuset- zen. Die beteiligten Vertreter der Staaten haben sich auf oberster Ebene einer nachhaltigen Entwicklung verpflichtet, wobei ihre Umsetzung nur vor Ort erfolgen kann. Dieser Ansatz wird besonders deutlich bei der Betrachtung des Kapitels 28, welches zu kommunalen Aktivitäten im Rahmen der Agenda 21 aufruft. „Da viele der in der Agenda 21 angesprochenen Probleme und Lösungen auf Aktivitäten auf der örtlichen Ebene zurückzu- führen sind, ist die Beteiligung und Mitwirkung der Kommunen ein ent- scheidender Faktor bei der Verwirklichung der in der Agenda enthaltenen Ziele. Kommunen errichten, verwalten und unterhalten die wirtschaftli- che, soziale und ökologische Infrastruktur, überwachen den Planungsab- lauf, entscheiden über die kommunale Umweltpolitik und kommunale Umweltvorschriften und wirken außerdem an der Umsetzung der nationa- len und regionalen Umweltpolitik mit. Als Politik- und Verwaltungsebene, die den Bürgern am nächsten ist, spielen sie eine entscheidende Rolle bei der Informierung und Mobilisierung der Öffentlichkeit und ihrer Sensibili- sierung für eine nachhaltige umweltverträgliche Entwicklung.“ (AGENDA 21 2003, S. 212, www; BMU 1992, S. 252, www; UN 2003f, www). Die Rolle einer NRO in lokalen Agenda 21-Prozessen wird in Form einer Maßnahme weiter konkretisiert: „Jede Kommunalverwaltung soll in einen Dialog mit ihren Bürgern, örtlichen Organisationen und der Privatwirtschaft eintreten und eine ‚kommunale Agenda 21’ beschließen. Durch Konsultation und Herstellung eines Konsenses würden die Kommunen von ihren Bürgern und von örtlichen Organisationen, von Bürger-, Gemeinde-, Wirtschafts- und Gewerbeorganisationen lernen und für die Formulierung der am bes- ten geeigneten Strategien die erforderlichen Informationen erlangen. Durch den Konsultationsprozeß würde das Bewußtsein der einzelnen Haushalte für Fragen der nachhaltigen Entwicklung geschärft. Außerdem 2 Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung 14 würden kommunalpolitische Programme, Leitlinien, Gesetze und sonstige Vorschriften zur Verwirklichung der Ziele der Agenda 21 auf der Grundla- ge der verabschiedeten kommunalen Programme bewertet und modifi- ziert. Strategien könnten auch dazu herangezogen werden, Vorschläge für die Finanzierung auf lokaler, nationaler, regionaler und internationaler Ebene zu begründen.“ (AGENDA 21 2003, S. 212, www; BMU 1992, S. 252; SIBUM & THIMMEL 1998, S. 250; UN 2003 f., www). „Die Agenda verlangt von den Initiativen, daß sie nun die ‚etablierten’ lokalen Akteure als Kooperationspartner ansehen sollen (neue Allianzen), und umgekehrt wird von der Kommunalverwaltung und von herrschenden Repräsentanten erwartet, Bürgervertretungen als konstruktive Mitent- scheider und nicht mehr als reine Störenfriede anzusehen.“ (APEL & GÜN- THER 1999, S. 11). Es gilt also mittels eines beratenden Prozesses aller kommunalen Akteure, das Rahmendokument LA21 zu erstellen, welches dann als Orientierungshilfe den Nachhaltigkeitsprozess anleiten soll. Es wird deutlich, dass eine LA21 einen politischen Bildungsprozess zur Folge haben muss, bei dem die kommunalen Akteure lernen, Entscheidungen zu treffen und auch andere Entscheidungen treffen zu lassen. Es geht darum, bestehende „Feindbilder“ zwischen engagierten Bürgergruppen und den Kommunalverwaltungen aufzuweichen (ebenda). Dieser Dialog dient dazu, dass die Kommunen von allen Bürgern, Organisationen, Ver- bänden und Institutionen Vorstellungen und Ziele für die Umsetzung ei- ner nachhaltigen Entwicklung auf kommunaler Ebene sammeln. Hinter diesem Konsultationsprozess steht die Überzeugung, dass eine nachhalti- ge Entwicklung in den Kommunen nur dann erreicht werden kann, wenn jede Einzelperson, genauso wie jede Gruppierung oder Organisation, in die Entscheidungsprozesse integriert wird. Auf diese Weise können Prob- leme und Missverständnisse des Nachhaltigkeitskonzeptes geklärt und eine erfolgreiche Aufklärungsarbeit erzielt werden, die im weiteren Ver- lauf zur Umsetzung nachhaltiger lokaler Entwicklungsprogramme führen soll. Zusammenfassend lassen sich nach SIBUM & THIMMEL (1998, S. 251) nachstehende Kriterien für eine Partnerschaft zwischen Kommune und NRO als Voraussetzung für einen erfolgreichen LA21-Prozess festhalten: 2 Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung 15 gegenseitige Akzeptanz der Akteure, Konfliktfähigkeit, Lernfähigkeit, Umsetzungsbereitschaft. So ist also die LA21 als ein langfristig angelegter kommunaler Aktions- plan zu verstehen, der die Ebenen der Nachhaltigkeit - Ökonomie, Ökolo- gie und soziale Sicherheit - auf lokaler Stufe zusammenbringt. Der Inhalt der LA21 ist im Wesentlichen nichts anderes als die Übertragung der Agenda 21 auf die jeweilige spezielle kommunale Situation mit dem Ziel der nachhaltigen, zukunftsfähigen Entwicklung der Kommune (KUHN 1998, S. 5). 2.6 Sport als Akteur Lokaler Agenda 21-Prozesse Die LA21 ist nicht einfach nur ein Plan, sondern ein Bündel von Maßnah- men und Projekten vieler unterschiedlicher Akteure einer Kommune in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung. Der Sport spielt also, als ein bedeutender lokaler Akteur bei der Erarbeitung einer LA21, eine wichtige Rolle. Dem Sport wird als NRO in dem Kapitel 27 der Agenda 21 indirekt die Aufgabe zugeschrieben, das Konzept der Nachhaltigkeit bei der Um- setzung zu unterstützen und die gesellschaftliche Implementierung zu begleiten. „Auf kommunaler Ebene bietet die Mitwirkung der Sportvereine an der Lokalen Agenda 21 die Möglichkeit, die Zukunft Ihrer Stadt bzw. Gemeinde aktiv mitzugestalten.“ (HMULF 2001a, S. 13). Die Zielvorstel- lungen, Leitbilder und Maßnahmen des Sports im LA21-Prozess im Sport- verein werden von WEHR et al. (1999, S. 14 f.) beispielhaft zusammenge- fasst: zukunftsorientierte Vereinsentwicklung: Erstellung eines Vereinsleit- bildes, Vereinsentwicklungsplanung: Erarbeitung von Entwicklungsperspekti- ven, Agenda 21-Verein und Vereinssatzung: Agenda-Beauftragter des Ver- eins legt Nachhaltigkeitsprinzipien in der Vereinssatzung fest, naturverträgliches Sporttreiben: Sensibilisierung auf Umweltaspekte, Völkerverständigung: Einbindung von Randgruppen in die Vereine, nachhaltige Mobilität: Förderung von Fahrgemeinschaften, bewusster Umgang mit Ressourcen: Verhaltensüberprüfung der Mit- glieder und Nutzung erneuerbarer Ressourcen in der Sportstätte, 2 Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung 16 Konsequenter Einsatz umweltschonender Technik: Sanierung und Mo- dernisierung vorhandener Sportanlagen, Kooperationen zwischen Vereinen: gemeinsame Nutzung von Sport- stätten, bewegungsfreundliche Gemeinde/Stadt: Förderung von Sport- und Spielgelegenheiten, Förderung der allgemeinen Gesundheit: Ausbau der Angebote für den Breiten- und Gesundheitssport, Lärmminderung bei Sportanlagen: Einhalten von Verhaltensregeln und Lärmschutzmaßnahmen, Langlebigkeit von Sportgeräten und Sportbekleidung: Pflege der Ge- rätschaften und Kauf von Qualitätsprodukten, stärkere Beteiligung von Frauen an Führungsaufgaben in Vereinen: Frauenförderpläne erstellen, Fairness im Wettkampf: „Fair geht vor“, Ächtung von Kinderarbeit: Verzicht auf in Kinderarbeit hergestellten Produkten und Entschärfung des Kinderhochleistungssports. Um einen LA21-Prozess des Sports in Gang zu setzen, bedarf es einer intensiven Öffentlichkeitsarbeit, die zum Ziel hat, die Bevölkerung über die Agenda 21 und das ihr zugrunde liegende Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung zu informieren. Auf die Sportorganisation bezogen, bedeutet dies, die Mitglieder in den jeweiligen Veranstaltungen mit dem Leitbild bekannt zu machen und ein Bewusstsein zu schaffen, Agenda 21- Programme im Sportverein zu erstellen und lokale Ansätze und Aktions- bereiche vorzustellen. Eng mit der Funktion des Informanten verbunden ist die Aufgabe, in Zusammenarbeit mit lokalen Gruppen und Institutio- nen, Agenda-Projekte zu betreuen und durchzuführen (HMULF 2001a, S. 11 f.). Aufgrund der Vorbildfunktion und Reichweite des Sports, aber auch als bedeutender Ressourcenverbraucher und Wirtschaftsfaktor, hat sich der Sport der Nachhaltigkeitsproblematik auf dem eigenen Gelände zu stellen. Dies bedeutet somit, sich in verschiedenen Projekten mit der Umsetzung einer nachhaltigen Leistungserbringung zu beschäftigen, wel- che auch die eigenen lokalen Outputs analysiert. Durch diese vielfältigen Aufgaben und Qualifikationen des Sports kommt diesem eine wichtige Multiplikatorfunktion im Rahmen der LA21 zu. Er trägt die Frage der loka- len Zukunftsfähigkeit in alle kommunalen Foren und hält damit den ge- forderten und wichtigen Beratungs- und Beteiligungsprozess auf- recht (ebenda, S. 13). Innerhalb einer Beteiligung am LA21-Prozess er- öffnen sich für den Sport nachstehende Vorteile: 2 Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung 17 Mitgestaltung der Stadt- und Gemeindeentwicklung, Aufbau von Kooperationsnetzwerken mit lokalen Partnern, öffentlichkeitswirksame Imageverbesserung des Sports, Interessenvertretung des Sports und Know-how-Einbringung zum all- gemeinen Nutzen sowie Konfliktvermeidung (ebenda, S. 14). „Bisher sind Sportvereine in den Lokalen Agenda 21-Prozessen noch eher zurückhaltend engagiert.“ (ebenda, S. 13). Zur speziellen Frage nach der Beteiligung von Organisationen im Sport im Rahmen von LA21-Prozessen liegt eine wissenschaftliche Arbeit vor. Am Institut für Sport und Sportwissenschaft der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg wurde von KÄMMLER (2001) eine Examensarbeit zur Frage der „Reaktionen deutscher Sportorganisationen auf die Agenda 21“ angefer- tigt, die in der Reihe „Berichte“ für „Zukunftsorientierte Sportstättenent- wicklung“ des Landessportbund (LSB) Hessen e.V. veröffentlicht wurde. Als Dokumentationsarbeit im Rahmen der „Berichte“-Veröffentlichungen des LSB Hessen e.V. wurde die Umsetzung der „Agenda 21 im Sportver- ein - Pilotprojekt TuS Griesheim“ 2001 von SCHEER-SCHNEIDER verfasst und publiziert. In dieser Arbeit wird beispielhaft am TuS Griesheim dar- gestellt, wie ein Agenda-Prozess im Verein umgesetzt wurde (SCHEER- SCHNEIDER 2001). Nach KÄMMLER (2001) beteiligen sich insgesamt wenige Sportorganisatio- nen und -vereine am Prozess der LA21. Dabei ist die Beteiligung in ver- schiedenen Sportverbänden und -vereinen sehr unterschiedlich ausge- prägt. Die Beweggründe für eine geringe Agenda-Beteiligung von Sport- organisationen sind vielfältig. „Probleme mit Begriffsdefinitionen, mit dem Verständnis des Themas, die Abhängigkeit von Politik und Funktionären und fehlende finanzielle und personelle Mittel erschweren den Agenda 21- Prozess im Sport.“ (ebenda, S. 79). Sportorganisationen beteiligten sich bisher nicht in solch einem Ausmaß, „wie es aufgrund ihrer Größe und Möglichkeiten wünschenswert wäre.“ (ebenda). Zusammenfassend kann über die bisherigen Erkenntnisse zur Beteiligung von Organisationen im Sport am Prozess der LA21 festgehalten werden, dass sich dieser Prozess eher langsam vollzieht. „Spürbare Beeinflussung 2 Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung 18 der Bevölkerung und die Information über die Agenda 21 haben bisher weder durch die Sportverbände noch durch die Vereine stattgefunden.“ (ebenda, S. 82). KÄMMLER (2001, S. 82 f.) stellt als zentrale Erkenntnis, trotz der darge- stellten Situation, die Synthese zwischen Ökologie, Ökonomie und sozia- len Aspekten in einigen Fällen, als Beweis einer positiven Nachhaltigkeit des deutschen Sports heraus. Die Autorin hält die Verbindung „Ökologie- Ökomonie“ am Beispiel des „Öko-Check in Sportanlagen“9 fest, die Ver- bindung „Ökonomie-Soziales“ manifestiert sie an zusätzlichen Angeboten für neue Vereinsmitglieder sowie für Kinder, Jugendliche, Senioren, Frau- en und ausländische Mitbürger in Form von beispielsweise „Integrations- sport“ und die Ebene „Ökologie-Soziales“ findet ihre Synthese im ge- meinsamen Sport und Umwelt erleben, zum Beispiel durch Umweltwett- bewerbe (ebenda). Abbildung 2 zeigt deutlich, dass der Sport durchaus im Sinne der Agenda 21 nachhaltig ist. Abbildung 2: Verknüpfung der Nachhaltigkeitsbereiche im Sport (in Anlehnung an KÄMM- LER 2001, S. 83) 9 Das Projekt „Öko-Check in Sportanlagen“ findet im fünften Kapitel dieser Arbeit eine genauere Betrachtung. Synthese Ökologie - Ökonomie Energieberatung Sportartikelrecycling „Öko-Check“ Synthese Ökonomie - Soziales Integrationssport Gesundheitssport Umweltgruppen Synthese Ökologie - Soziales Umweltkindergärten Umweltolympiaden Umweltgruppen Zieldreieck der Nachhaltigkeit Ökologie Soziales Ökonomie 3 Betrieblicher Umweltschutz 19 3 Betrieblicher Umweltschutz Wie die Rolle des Sports als NRO in der Agenda 21 definiert ist, wurde im vorangegangenen Kapitel dargestellt. In Kapitel 30 der Agenda 21 ist aber auch die zentrale Rolle der Privatwirtschaft für eine nachhaltige Entwicklung definiert. Gleichzeitig ist betont, dass die Privatwirtschaft durch „effizientere Produktionsprozesse, vorbeugende Strategien, saube- re Produktionstechnologien und -verfahren [...] entscheidenden Einfluß auf die Verminderung der Auswirkungen auf die Ressourcennutzung und die Umwelt nehmen“ kann. Das Umweltmanagement soll höchste unter- nehmerische Priorität bekommen (AGENDA 21 2003, S. 216, www; BMU 1992, S. 255, www; UN 2003g, www). Vor dem Hintergrund der Fragestellung der vorliegenden Arbeit, der In- tegration von Umweltmanagementsystemen in den Sport, werden im Fol- genden grundlegend die in der Literatur dargelegten Vorgehensweisen von betriebswirtschaftlichen Unternehmen hinsichtlich der Erarbeitung einer Umweltpolitik (Selbstverpflichtung), der Entwicklung eines Um- weltmanagementsystems (betrieblicher Umweltschutz) und der Einrich- tung von Organisationseinheiten im Rahmen des betrieblichen Umwelt- schutzes vorgestellt. 3.1 Ökologische Unternehmensphilosophie und Un- ternehmenspolitik Umweltbewusste Unternehmen haben bereits Ende der 80er Jahre er- kannt, dass aktiver Umweltschutz10 eine wichtige Strategie darstellt, die auf lange Sicht Stabilität und Erfolg auf dem Markt verspricht. Im Früh- jahr 1988 wurde in zehn Leitsätzen die „Tutzinger Erklärung zur umwelt- orientierten Unternehmenspolitik“ 11 entwickelt, die zahlreiche Grundsätze und Kriterien für eine ökologische Unternehmensführung aufzeigt und 10 Der Begriff „Umweltschutz“ meint die Gesamtheit aller Umweltbelange. Im engeren Sinn wird darunter „technischer Umweltschutz“ verstanden (SCHEMEL & ERBGUTH 2000, S. 78). „Er bezieht sich auf die für den Menschen unmittelbar notwendigen Umweltressourcen [...]. Hier geht es um den Schutz vor Gesundheitsrisiken und Belästigungen.“ (ebenda). 11 „Diese Erklärung wurde formuliert und verabschiedet auf einer Veranstaltung der Evangelischen Akademie Tutzing zum Thema ‚Umweltschutz als Teil der Unternehmenskultur’ [...]. Ähnliche Er- klärungen haben die Arbeitsgemeinschaft selbständiger Unternehmer ASU und B.A.U.M. vorge- legt.“ (FREIMANN 1996, S. 204 f.). 3 Betrieblicher Umweltschutz 20 von vielen Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen unter- zeichnet wurde (BRAUN & BAUER 1993, S. 10; SCHULZ & SCHULZ 1994, S. 26 ff.; EICHMANN 2000, www). Aufgrund der verstärkten Beachtung durch die Öffentlichkeit stehen Unternehmen unter dem Zwang, den Erwartungen hinsichtlich der immer konkreter werdenden ökologischen Anforderungen und Ansprüche gegenüber Produkten und Dienstleistungen gerecht zu werden. Wie Abbildung 3 zeigt, steht jedes Unternehmen im Spannungs- feld unterschiedlicher Anspruchsgruppen und damit sich teilweise wi- dersprechender Interessen (BMU & UBA 1995, S. 9). Abbildung 3: Unternehmen im Spannungsfeld ihrer Anspruchsgruppen (in Anlehnung an BMU & UBA 1995, S. 9) „Die von den verschiedenen Anspruchsgruppen artikulierten Forderungen unterscheiden sich nicht nur durch Inhalte, sondern auch durch die Art, in der sie artikuliert werden und durch die Durchsetzungsmacht, die ihnen zukommt.“ (MICHAELIS 1999, S. 11). Ein aktives Umweltmanagement (UM) wird mittlerweile als wichtiger Bestandteil der unternehmerischen Existenzsicherung gesehen (BMU & UBA 1995, S. 9). Es hat sich in den Unternehmen verstärkt die Erkenntnis durchgesetzt, dass vereinzelte Umweltschutzmaßnahmen scheitern, da sie im Unter- nehmensablauf kontraproduktiv wirken und als „Fremdkörper“ empfun- den werden. Daraus resultiert, dass die systematische Erfassung, Organi- sation und Kontrolle der umweltbezogenen Handlungen von Unternehmen Mitarbeiter Lieferanten Konkurrenz Fremdkapi- talgeber Anlieger Parteien Verbände, Bürgerinitia- tiven u. Ä. Kunden Staat Gewerk- schaften Manager Eigentümer Unternehmen 3 Betrieblicher Umweltschutz 21 und anderen Organisationen durch Umweltmanagementsysteme (UMS) in der Praxis immer mehr an Bedeutung gewinnt (LAXHUBER, KELNHOFER & SCHLEMMINGER 1998, S. 1). JOHANN & WERNER (1994, S. 53) erklären, dass die Durchführung des Umweltschutzes in einem Unternehmen eine typi- sche Querschnittsfunktion darstellen muss, „deren Ausführungen sich ar- beitsspezifisch bis auf jeden einzelnen Mitarbeiter im Betrieb verteilen [muss], wo auch immer er tätig ist.“ Umweltschutz als Querschnittsfunk- tion erfordert flache Hierarchien, dezentrale Entscheidungsprozesse, offe- ne Kommunikationsstrukturen sowie motivierende Arbeitsstrukturen und berührt alle Funktionen im Unternehmen (STEGER 1993, S. 65). „Um aber wirksam werden zu können, muß er als ein ‚selbstverständlicher’ Teil der Geschäftsprozesse in die einzelnen Aufgabenbereiche integriert werden.“ (ebenda, S. 287). Somit ist diese Querschnittsfunktion ein wesentlicher Bestandteil einer ökologischen Unternehmensphilosophie und Unterneh- menspolitik. SEIFERT, SALLERMANN, KRINN & MEINHOLZ (1994, S. 151) gehen einen Schritt weiter: „Im Gegensatz zu ‚end of pipe’-Technologien als kostentreibende Maßnahmen wird der integrierte Umweltschutz, von der Technologie bis hin zum Mitarbeiter zunehmend zu einem betriebswirt- schaftlichen Erfolgsfaktor.“12 Und DYLLICK (1998, S. 67) bringt es auf den Punkt: „’Wirksamer Umweltschutz erfordert mehr als nur moderne Tech- nologien, sondern ebenso ein wirksames Umweltmanagement.’ Oder kür- zer ausgedrückt: ‚Umweltschutz ist Managementaufgabe!’“ Im Folgenden sind die Unternehmensphilosophie und Unternehmenspoli- tik kurz dargestellt, da sie im Rahmen der Erstellung ganzheitlicher Um- weltschutzkonzepte eine entscheidende Rolle spielen. 3.1.1 Unternehmensphilosophie Das St. Gallener Management-Konzept geht von der Annahme aus, dass die Gestaltung und Lenkung einer zukunftsgerichteten Unternehmens- entwicklung ein integratives Konzept benötigt, um den Anforderungen, 12 „Das hergestellte Produkt und das zur Produktion eingesetzte Verfahren bleiben unverändert. Die unerwünschten Emissionen werden durch den Einsatz von Filtern, Wäschern, etc. erst nach ihrer Entstehung behandelt. Eine End-of-Pipe-Technology bringt nur vergleichsweise geringe Verände- rungen betrieblicher Abläufe und Prozesse mit sich und verursacht daher auch geringere Kosten als Problemlösungen auf anderen Ebenen. Allerdings werden durch den Einsatz einer End-of-Pipe- Technology umweltschädigende Substanzen häufig nur von einem Umweltmedium (z.B. Luft) in ein anderes (z.B. Abwasser) transferiert und dort konzentriert.“ (CPC AUSTRIA 2003, www). 3 Betrieblicher Umweltschutz 22 die durch eine wachsende Komplexität und Dynamik unternehmerischer Herausforderungen entsteht, gerecht zu werden (BLEICHER 1994, S. 43; SPICKERS 2003, www). Abbildung 4 verdeutlicht diesen Sachverhalt gra- phisch. Abbildung 4: Zusammenhang normativen, strategischen und operativen Managements (in Anlehnung an BLEICHER 1994, S. 45; SPICKERS 2003, www) „Das St. Gallener Management-Modell sieht die Unternehmung als lebens- und evolutionsfähiges System, das durch Selbstorganisation an sich verändernde Umweltstrukturen angepaßt werden kann. Manage- ment in diesem Sinne umfaßt die Gestaltung und Lenkung des Systems Unternehmung in die Zukunft hinein. Neben organisatorischen Struk- turen und Verhaltensannahmen für die Akteure spielt dabei Vorhan- densein und Entwicklung von Werten und Wertsystemen eine Rolle.“13 (TISCHLER 1996, S. 29). Ein Lösungsansatz mit verbundenen Teilansätzen und Teillösungen wird in diesem Zusammenhang als nicht hilfreich erach- tet. Es geht vielmehr darum, die drei Managementdimensionen14, norma- tives, strategisches und operatives Management, vor dem Hintergrund der spezifischen Zusammenhänge und Situationen, in ein Gesamtkonzept 13 Die Hervorhebungen in den wörtlichen Zitaten entsprechen denen in den Originaltexten. 14 In der Literatur werden die drei Dimension auch teilweise als Managementebenen bezeichnet. Unternehmens- politik Unternehmens- verfassung Organisations- strukturen Management- systeme organisatorische Prozesse Dispositions- systeme Aufträge Leistungs- und Kooperations- verhalten Problem- verhalten Unternehmens- kultur Programme Mission Aktivitäten Strukturen Verhalten Horizontale Integration V e rt ik a le I n te g ra ti o n normatives Management (begründend) strategisches Management (ausrichtend) operatives Management (vollziehend) Unternehmensentwicklung 3 Betrieblicher Umweltschutz 23 zu integrieren und dabei darauf zu achten, dass ein erfolgreiches Mana- gementsystem über eine Gleichverteilung von Elementen auf allen drei Ebenen verfügt (DYLLICK & HAMSCHMIDT 2000, S. 108; SPICKERS 2003, www). „Normatives Management bezieht sich dabei auf die Gestaltung des Wertegerüstes der Unternehmung bzw. der obersten Entscheidungs- träger. Es beinhaltet die Entwicklung von Unternehmensphilosophien und Visionen in der Auseinandersetzung mit unternehmensinternen und -externen Faktoren. Strategisches Management beinhaltet die Festle- gung von längerfristigen Strukturen der Planung, Organisation und des Managementverhaltens (Problemlösungsstrategien). Operatives Ma- nagement setzt die normativen und strategischen Vorgaben auf der Maßnahmenebene um.“ (TISCHLER 1996, S. 41). „Somit gestalten normatives und strategisches Management die Unter- nehmensentwicklung, operatives Management lenkt diese. Das St. Galle- ner-Management-Modell kann die strategischen Defizite abbauen [...] und berücksichtigt sowohl einen ‚top down’- als auch einen ‚bottom up’- Ansatz im Management, der gerade für umweltorientierte Handlungen des Unternehmens von grundlegender Bedeutung ist. Das Engagement für ökologische Themen muß zwar von der höchsten Managementebene aus initiiert werden, darf jedoch nicht von oben herab verordnet werden, um eine grundsätzliche Akzeptanz ökologischer Themen im gesamten Managementbereich zu bewirken. Hinzu kommt die Einbeziehung der Mit- arbeiter des Unternehmens, damit eine Umweltpolitik im Unternehmen auf allen Ebenen und in allen Bereichen ‚gelebt’ werden kann.“ (JAHNES 1997, S. 28 f.). In diesem Zusammenhang nimmt die Unternehmensphilosophie als bei- spielhafte Leitidee eine zentrale Funktion ein. „Die Unternehmensphilo- sophie definiert also einerseits den Sinn unternehmerischer Exis- tenz im Spannungsfeld zwischen Selbstverständnis der Unternehmung und den Erwartungshaltungen ihrer Umwelt; andererseits legt sie in gro- ben Zügen Verhaltensrichtlinien fest.“ (KREUTZER, JUGEL & WIEDMANN 1986, S. 12). Sie positioniert das Unternehmen in ihrer Umwelt und be- gründet damit ihr Verhalten gegenüber den einzelnen Bezugsgruppen. KREUTZER et al. (ebenda, S. 12 f.) stellen fest, dass die Unternehmensphi- 3 Betrieblicher Umweltschutz 24 losophie häufig nicht explizit vorliegt. Vielmehr bestimmt sie implizit oder unterbewusst das Denken und Handeln im Unternehmen. In den vergan- genen Jahren streben viele Unternehmen eine schriftliche Fixierung ihrer Philosophien an. Dies geschieht dann in Form einer kursbestimmenden Summe der obersten Leitsätze der Unternehmung, welche insgesamt ein Unternehmensleitbild ergeben. Das Unternehmensleitbild lässt sich in konkretere Unternehmensleitlinien beziehungsweise -grundsätze überfüh- ren, wobei jedoch festgestellt werden muss, dass diese nur einen Teil der gesamten Unternehmensphilosophie beschreiben. So ist davon auszuge- hen, dass die in der Unternehmenspraxis formulierten Grundsätze oft Wunschdenken und werbestrategische Elemente darstellen, anstatt die handlungsbestimmende Unternehmensphilosophie darzulegen. Die Unternehmensphilosophie findet ihren Niederschlag in der Unterneh- menspolitik. 3.1.2 Unternehmenspolitik „Die ‚Unternehmenspolitik’ legt den Grundzweck, die Ziele und die Ver- haltensgrundsätze fest. Sie dokumentiert die gesellschaftliche Rolle der jeweiligen Unternehmung und ‚kodifiziert’ (von der Unternehmungslei- tung) gewünschte Handlungsweisen, d.h. das gewünschte Selbstver- ständnis.“ (HOPFENBECK, JASCH & JASCH 1995, S. 68). Die Unternehmens- politik stellt somit die Gesamtheit von Unternehmensgrundsätzen dar, die in einem Unternehmensleitbild festgehalten, oft aber auch mündlich wei- tergegeben werden. Sie regeln das Verhalten innerhalb der Unterneh- mung und geben an, welchen Werten, Normen und Idealen die Unter- nehmung verpflichtet ist. Die Unternehmensphilosophie gilt es in der Unternehmenspolitik auszu- drücken. Dabei ist zu zeigen, welche Rolle die Unternehmung in der Ge- sellschaft einnehmen will. Das daraus abgeleitete Leitbild ist dann Grund- lage und Ausdruck der Unternehmenspolitik. Wichtig ist aber, dass die Unternehmenspolitik allen Mitarbeitern des Unternehmens bekannt gege- ben wird, da sie sonst ihre richtungsweisende Funktion nicht erfüllen kann. Die Unternehmenspolitik wird in entscheidendem Maße von der Un- 3 Betrieblicher Umweltschutz 25 ternehmenskultur getragen15. Die Unternehmenskultur spricht die Verhal- tensdimension des normativen Managements an (BLEICHER 1994, S. 115 f., 487). „Unternehmenskultur ist keine direkt beobachtbare Erscheinung in einem Betrieb, sondern drückt sich eher in gemeinsamen Überzeugungen aus, die das Selbstverständnis des Unternehmens und seiner Mitarbeiter prä- gen. [...] Unternehmenskultur ist keine klar definierte und fixierte Hand- lungsanweisung in einem Betrieb. Sie wird ‚gelebt’. Unternehmenskultur gibt die Muster vor, nach denen in einem Unternehmen gehandelt werden soll. Sie vermittelt damit Sinn und Orientierung am Arbeitsplatz.“ (BRAUN & BAUER 1993, S. 14). Eine ausgeprägte Unternehmenskultur erfüllt eine Koordinations-, Integrations-, Identifikations- und Motivationsfunktion innerhalb der Unternehmung (TISCHLER 1996, S. 85). Da die Unternehmenskultur die Unternehmenspolitik trägt, wird ihre Be- deutung bei der Abänderung dieser bezüglich der Berücksichtigung von ökologischen Werten und Normen ersichtlich. „Das heißt, um wirksamen betrieblichen Umweltschutz zu leisten, müssen die wesentlichen Merkma- le des betrieblichen Umweltkonzepts in Einklang mit der Unternehmens- kultur stehen.“ (BRAUN & BAUER 1993, S. 15). Das heißt wiederum, dass die Unternehmenspolitik Schwierigkeiten bekommt, wenn sie nicht mit den Werten und Normen der Unternehmenskultur übereinstimmt. So ist die Unternehmenspolitik auch Ausdrucksform einer gewünschten Unter- nehmenskultur und somit Ansatzpunkt für ein gezieltes Management (FREIMANN 1996, S. 378 ff.). Schriftlich verankerte Unternehmensleitlinien fixieren Leitbilder (orientierungsgebende Richtlinien), die die Funktion besitzen, entsprechende Werte und Normen eines Unternehmens sichtbar zu machen und zu erfassen (BLEICHER 1994, S. 504 f.; BRAUN & BAUER 1993, S. 16). Der Gesamtzusammenhang des normativen Managements ist in Abbildung 5 wiedergegeben. 15 Diesbezüglich wird auch die Unternehmensverfassung genannt. Sie stellt die Grundsatzentschei- dung über die gestaltete Ordnung eines Unternehmens dar, regelt Kompetenzen und schafft Legi- timation für Organe und Personen eines Unternehmens. Damit greift sie grundlegend in die Macht- strukturen eines Unternehmens ein (BLEICHER 1994, S. 115 ff.). Da diese jedoch für die vorliegen- de Arbeit ohne bedeutende Rolle ist, soll sie außer Acht gelassen werden. 3 Betrieblicher Umweltschutz 26 Abbildung 5: Gesamtzusammenhang des normativen Managements (in Anlehnung an BLEICHER 1994, S. 52) In diesem Kontext soll auf die Unterschiede zwischen Unternehmenskul- tur und Unternehmensphilosophie hingewiesen werden, die KREUTZER et al. (1986, S. 13 f.) darstellen: „Während mit dem Terminus Unterneh- mensphilosophie lediglich die Wertbasis unternehmerischen Den- kens und Handelns angesprochen ist, sind mit dem Phänomen Unter- nehmenskultur darüber hinaus die Verhaltens- und Objektebene des Unternehmensgeschehens und mithin ‚Wertkonkretisierungen’ mit einzubeziehen. Die Unternehmenskultur rekrutiert sich also aus der Ge- samtheit der historisch gewachsenen, aber auch durch die aktuelle Situ- ation beeinflußten Denkmuster, Überzeugungen, Verhaltensnormen, -weisen und -routinen, Strukturen und Ordnungssysteme, Poten- tiale und Ressourcen, Beziehungen und Gegebenheiten innerhalb eines Unternehmens.“ So ist also festzuhalten, dass sich eine Unterneh- menskultur zwangsläufig entwickelt und bei der Entwicklung einer Unter- nehmensphilosophie bewusste Bemühungen sowie eine schriftliche Aus- arbeitung vonnöten sind. Zudem zeichnet sich die Unternehmensphiloso- phie zusätzlich durch einen öffentlichen Charakter aus. Unternehmensphilosophie Management- philosophie Kommunikation Vision Integration Unternehmens- kultur Mission Architektur Unternehmensentwicklung Kontext operatives Management strategisches Management Unternehmens- verfassung Unternehmens- politik 3 Betrieblicher Umweltschutz 27 3.1.3 Integration der Nachhaltigkeit in die Unternehmenspolitik „Umweltorientierte Unternehmensführung liegt dann vor, wenn der Um- weltschutzgedanke in die Führungsgrundsätze, die Planung und das Ziel- system des Unternehmens integriert ist und in entsprechende Strategien und Maßnahmen auf allen Handlungsfeldern des jeweiligen Unterneh- mens umgesetzt wird’.“ (VON DIEMER 1998, S. 85). „Die bisherige ‚klassi- sche’ Umweltpolitik wird vielfach als ökonomisch und ökologisch ineffi- zient bezeichnet. Deshalb wird vielerorts vom ‚integrierten Umweltschutz’ gesprochen:“ (HAURAND & PULTE 1996, S. 7). Mit der Zielsetzung also, umweltgerecht zu wirtschaften und sich der Umweltproblematik zu stel- len, bedarf es einer Integration von ökologischen Gesichtspunkten in das Managementsystem des Unternehmens durch Entwicklung einer betriebs- individuellen Umweltkonzeption. Betrieblicher Umweltschutz erstreckt sich nach ALTMANN (1997) auf folgende Aspekte: knappe Ressourcen sind zu schonen, zu erhalten und ihr Einsatz hat vermindert stattzufinden, Emissionen sind zu verhindern und zu vermeiden, Abfälle sind zu verhindern und zu vermeiden, Reststoffe sind zu ver- werten oder zu entsorgen und Umweltrisiken sind zu vermindern, zu verhindern oder zu begrenzen. Diese Integration von ökologischen Werten muss somit auf oberster Ebe- ne stattfinden (ebenda, S. 156). Das ökologische Bewusstsein findet seinen Niederschlag in der Leitidee des Unternehmens, also in der Unternehmensphilosophie. Die Einbezie- hung ökologischer Aspekte in die Unternehmensphilosophie führt somit zu einer Neuausrichtung der Unternehmenspolitik. Eine solche Neuaus- richtung ist deshalb nötig, weil sich die Unternehmen mit ihren Unter- nehmensphilosophien der gesellschaftlichen Werteentwicklung anpassen müssen um einem Wertekonflikt mit der Gesellschaft oder den An- spruchsgruppen zu entgehen und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. „So muß das traditionelle Leitbild der Unternehmung mit seiner Blickrich- tung von ‚innen’ nach ‚außen’, also von der Unternehmung auf ihre Um- welt dahingehend geändert werden, daß eine umgekehrte Blickrichtung von ‚außen’ nach ‚innen’ den gesamtgesellschaftlichen Anforderungen Rechnung trägt.“ (HALLAY 1996, S. 66). „Mit anderen Worten: Es geht um 3 Betrieblicher Umweltschutz 28 Entwicklungen auf den Märkten, bei den Kunden, der Konkurrenz sowie in Gesellschaft und Öffentlichkeit, weniger um Entwicklungen im Unterneh- men selber. Und es geht um solche Entwicklungen im unternehmerischen Umfeld, die sich morgen und übermorgen auf den Unternehmenserfolg auswirken werden.“ (DYLLICK 2000, S. 65; DYLLICK & HAMSCHMIDT 2000, S. 110), wie in Abbildung 6 skizziert. Abbildung 6: Orientierungsgrundlage operativer und strategischer Managementsysteme (in Anlehnung an DYLLICK 2000, S. 65; DYLLICK & HAMSCHMIDT 2000, S. 110) Dies erfordert eine Installation umweltpolitischer Leitlinien, eine so ge- nannte Umweltpolitik, in die Unternehmenspolitik (FREIMANN 1996, S. 139). Um den Umweltschutz in die Unternehmenspolitik einzubetten, werden folgende Aufgaben der Unternehmensführung zugeordnet: es ist unmissverständlich zu verdeutlichen, dass Umweltschutz ein ernsthaftes und persönliches Anliegen der Unternehmensführung ist, es sind konkrete Richtlinien für alle umweltrelevanten Unternehmens- bereiche zu erlassen, es sind klare Verantwortlichkeiten zuzuteilen und eine geeignete Or- ganisationsform für die Umsetzung ökologischer Erkenntnisse in den Betriebsalltag ist zu schaffen, umweltorientierte Ziele müssen auch in den persönlichen Zielen der Mitarbeiter verankert sein, zur Überwachung der Zielerreichung ist ein Umweltcontrolling einzu- führen und es hat eine Integration ökologischer Themen in die betriebliche Aus- und Weiterbildung stattzufinden (JAHNES 1997, S. 53). HOPFENBECK et al. (1995, S. 69) erklären den Begriff Umweltpolitik fol- gendermaßen: „ In der Umweltpolitik, als Ausdruck der grundsätzlichen Denkhaltung des Unternehmens auf dem Sektor Umwelt, werden die Ein- stellungen und Werthaltungen des Top-Managements zum Umweltschutz, die Unternehmensidentität, das ‚Selbstbild’, zum Ausdruck gebracht. Schriftlich in Form von Grundsätzen oder Leitbildern formuliert und damit nach innen und außen explizit dokumentiert, stellt sie eine selbst aufer- legte Restriktion im Bereich der umweltorientierten Unternehmensfüh- Bereich des operativen Managements Bereich des strategischen Managements Zukunft Innen Außen Vergangenheit 3 Betrieblicher Umweltschutz 29 rung dar - die laufenden Entscheidungen im Umweltmanagement haben sich daran zu orientieren. Sie drückt ein anerkanntes ‚Basiskonzept’ aus, übt damit auch eine Koordinationsfunktion aus und ist die Grundlage des Zielsystems.“ In einem idealtypischen Unternehmen also, welches sich seiner Umwelt- verantwortung bewusst ist, wird von der Unternehmensleitung verlangt, sich in einer ökologischen Selbstverpflichtung zum Umweltschutz zu be- kennen. Umweltschutz wird als „Chefsache“ verstanden (SCHULZ & SCHULZ 1995, S. 105). „Dabei muß stets der ernsthafte Wille der Unternehmens- leitung zum Umweltschutz für alle Mitarbeiter sichtbar sein [...].“ (eben- da). Die Implementierung des Leitbildes findet mittels Bekanntmachung, Verbreitung und Anwendung der Leitbilder im Unternehmen statt. Perso- nale Maßnahmen zur Bekanntmachung der Leitbilder können Informati- onsveranstaltungen, Schulungsaktivitäten sowie strukturelle Maßnahmen wie das Entwickeln von Richtlinien und Anweisungen sein. Hierbei geht es dann um die Operationalisierung der allgemein formulierten Leitbilder (JAHNES 1997, S. 60 f.). Die vorherigen Ausführungen gilt es nun in Bezug zum Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung zu setzen. Es ist festzuhalten, dass sich die tra- ditionelle betriebswirtschaftliche Sichtweise nur der Umweltproblematik öffnet und dem technischen Umweltschutz folgt. Es regiert immer noch die unternehmerische Philosophie der Umsatz- und Gewinnmaximierung, die vor allem von den Unternehmenseignern vorgegeben wird. „Gerade Großunternehmen agieren heute global und stellen gesellschaftliche Machtzentren dar, die nicht nur über ihre Produktionstätigkeit, sondern auch ihren Einfluß auf Lebensstile und Konsummuster die Nutzung von Ressourcen und die Freisetzung von Stoffen und Energien maßgeblich prägen. Aufgrund ihrer bedeutenden gesellschaftlichen Rolle müssen Un- ternehmen, ihr Handeln und die Wirkungen ihres Handelns Gegenstand der Diskussion um eine nachhaltige Entwicklung sein.“ (FICHTER 1998, S. 3). 3 Betrieblicher Umweltschutz 30 Einen Schritt Richtung Nachhaltigkeit kann in diesem Zusammenhang die EG-Öko-Audit-Verordnung, kurz EMAS16, darstellen, die als indirekte staatliche Regelung Unternehmen zur Umsetzung von Umweltmanage- mentsystemen motivieren und einen kontinuierlichen Verbesserungspro- zess zum betrieblichen Umweltschutz einleiten soll. Diese indirekte Rege- lung thematisiert das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung aber nur am Rande. Daher wird in der Literatur von den Unternehmen gefordert, Nachhaltigkeitsgrundsätze in der Unternehmens- beziehungsweise Um- weltpolitik zu formulieren, um dem Leitbild einer nachhaltigen Entwick- lung gerecht zu werden (ebenda, S. 17). Das Instrumentarium des Öko-Audits setzt sich immer mehr in den Un- ternehmen im Rahmen des betrieblichen Umweltschutzes durch und ist deshalb im Folgenden vorgestellt. 3.2 Instrumente des betrieblichen Umweltschutzes Der aus dem Englischen stammende Terminus „audit“ wurde anfangs im Deutschen mit dem Begriff der „Wirtschaftprüfung“ übersetzt. So über- nehmen externe Wirtschaftsprüfer die jährlich vorgeschriebene Revision des Finanzbereichs. Ziel ist es, Fehlentwicklungen aufzudecken und An- satzpunkte für korrigierende Eingriffe aufzuzeigen. In den vergangenen Jahren wurde das Auditingkonzept auf die Bereiche des Qualitäts- und Umweltmanagements ausgedehnt (SCHULZ & SCHULZ 1994, S. 305). „Un- ter einem Audit wird [...] die Überprüfung der Wirksamkeit von festgeleg- ten organisatorischen Maßnahmen innerhalb eines Systems mittels Soll- Ist-Vergleich, die Dokumentation des entsprechenden Geschehens und die Auswertung inkl. Einbindung der gewonnen Erfahrungen in das audi- tierte System verstanden.“ (BMU & UBA 1995, S. 619). Öko-Audits die- nen folglich dazu, die Managementrolle betrieblicher Umweltschutzmaß- nahmen zu erleichtern und die Bewertung der Übereinstimmungen mit den Leitlinien zu ermöglichen. Auf diese Weise tragen sie zur kontinuierli- chen Verbesserung des Umweltschutzes bei und bewirken in den Betrie- ben eine Beobachtung und Bewertung des betrieblichen Umweltverhaltens, 16 Der englische Name lautet: „Environmental Management and Audit Scheme“. 3 Betrieblicher Umweltschutz 31 eine Überprüfung, ob die selbst gesteckten Umweltstandards sowie die umweltrechtlichen Vorschriften erfüllt werden und ein entsprechendes Vermeiden von Risiken (SCHULZ & SCHULZ 1994, S. 305). Häufig werden die Begriffe Umweltmanagement und Öko-Audit synonym verwendet, obwohl der Begriff des Öko-Audits17 grundsätzlich nur die re- gelmäßig stattfindende, systematisch durchgeführte Überprüfung der Or- ganisation des betrieblichen Umweltschutzes, des tatsächlich geleisteten Umweltschutzes und der dafür benötigten Ausrüstung beinhaltet (BRAUN & BAUER 1993, S. 43). Weitreichender ist der Begriff des Umweltmanage- ments: „Umweltmanagement umfasst diejenigen Aspekte des Manage- ments, die eine umweltorientierte Unternehmenspolitik bestimmen, im- plementieren sowie der Umsetzungskontrolle dienen.“ (BMU & UBA 1995, S. 623). Nach CLAUSEN (1993, S. 25) zählen die Instrumente der Zielfin- dung, der strategischen Planung, des Öko-Controllings und Öko-Audits, der Personalentwicklung und des Innovationsmanagements dazu. Ein Umweltmanagementsystem ist schließlich „der Teil des gesamten, übergreifenden Managementsystems, der die Organisationsstruktur, Zu- ständigkeiten, Verhaltensweisen, förmliche Verfahren, Abläufe und Mittel für die Festlegung und Durchführung der Umweltpolitik ein- schließt.“ (EMAS 1993a, www; EMAS 1993b, S. 5, www; BMU & UBA 1995, S. 623). Für die Umsetzung und den Aufbau von Umweltmanagementsystemen stehen mit der „Verordnung (EWG) Nr. 1836/93 des Rates vom 29. Juni 1993 über die freiwillige Beteiligung gewerblicher Unternehmen an einem Gemeinschaftssystem für das Umweltmanagement und die Umweltbe- triebsprüfung“18 (EMAS 1993a, www; EMAS 1993b, S. 1, www), kurz EG- Öko-Audit-Verordnung (EG-VO) oder EMAS, und der Normenreihe DIN EN ISO 14000 ff., kurz ISO 14000 ff., zwei standardisierte Instrumente zur Verfügung. 17 Auch als Umweltmanagementaudit oder Umweltbetriebsprüfung bekannt (BMU & UBA 1995, S. 622 f.). 18 Zur Vereinfachung der Zitierweise wird im weiteren Verlauf der Arbeit in Bezug auf die Council Regulation (EEC) No 1836/93 beziehungsweise der Verordnung (EWG) Nr. 1836/93 nur EMAS ge- nannt. 3 Betrieblicher Umweltschutz 32 Mitte der 80er Jahre wuchs die Erkenntnis der Wirtschaft und Industrie, dass eine Vernachlässigung der Menschen im Unternehmen zugunsten einer Vollautomatisierung nicht den erhofften Erfolg erbringt. Zunächst sollte der Mitarbeiter mittels der Normenreihe DIN EN ISO 9000 ff. für Qualitätsmanagement wieder in das Zentrum der Betrachtung rücken. 1987 trat ISO 9000 ff. in Kraft, die als spätere Grundlage für die Entwick- lung des Umweltmanagements dienen sollte. „Die erste Norm für Um- weltmanagementsysteme war die 1992 verabschiedete British Standard BS 7750 ‚Specification for Environmental management systems’ in Groß- britannien. Es folgten einige andere nationalen Normen ähnlichen In- halts.“ EMAS wurde kurz danach am 23.03.1993 verabschiedet und Ende 1995 in Deutschland für gültig erklärt. Die ISO 14000 ff. folgte im Spät- jahr 1996 (WRUK 1998, S. 833). 3.2.1 EG-Öko-Audit-Verordnung Seit dem 10. April 1995 hat die im Jahre 1993 vom Rat der Europäischen Gemeinschaft beschlossene und unterzeichnete Verordnung „über die freiwillige Beteiligung gewerblicher Unternehmen an einem Gemein- schaftssystem für das Umweltmanagement und die Umweltbetriebsprü- fung“ in allen EU-Mitgliedsstaaten Gültigkeit erlangt. Sie greift die Eigenverantwortung der Unternehmen für den Umwelt- schutz auf. Die Ziele und Grundsätze der Umweltpolitik der EU „[...] um- fassen im besonderen die Verhütung, die Verringerung und, soweit mög- lich, die Beseitigung der Umweltbelastungen insbesondere an ihrem Ur- sprung auf der Grundlage des Verursacherprinzips sowie eine gute Be- wirtschaftung der Rohstoffquellen und den Einsatz von sauberen oder saubereren Technologien.“ (EMAS 1993a, www; EMAS 1993b, S. 2, www). EMAS steht im Kontext des fünften EG-Umweltaktionsprogramms, wel- ches eine dauerhafte und umweltgerechte Entwicklung anstrebt. Es un- terstreicht die Rolle und Verantwortung der Unternehmen für den Um- weltschutz und verfolgt das Ziel, den Umweltschutzgedanken in alle Poli- tik- und Wirtschaftsbereiche der Unternehmen zu integrieren. Das Um- 3 Betrieblicher Umweltschutz 33 weltaktionsprogramm unterstreicht die Rolle und Eigenverantwortung der Unternehmen für den Umweltschutz (MACHMER 1995, S. 10). Neuartig an dem Instrument EMAS ist, dass keine neuen ordnungsrechtli- chen Gebote oder Verbote eingeführt werden. Es werden eher Anreize geschaffen, ein UMS einzurichten. Als Folge dürfen Unternehmen, die sich über das geltende Recht hinaus zur kontinuierlichen Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes verpflichten, mit einem einheitlichen Sym- bol in der EU, wie in Abbildung 7 gezeigt, auf das fortschrittliche und umweltbewusste Niveau ihrer Betriebe aufmerksam machen. Abbildung 7: EMAS-Logo alt und neu (EMAS 1993b, S. 25, www; EMAS II 2001a, S. 21, www) Kernstück der EMAS ist nicht das Audit selbst, sondern der Weg zu einem umweltfreundlichen Unternehmen. Deshalb konzentriert sich die Verord- nung besonders auf die Einführung eines funktionierenden Umweltmana- gementsystems in den Unternehmen. Mit Inkrafttreten der „Verordnung (EG) Nr. 761/2001 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 19. März 2001 über die freiwillige Beteiligung von Organisationen an einem Gemeinschaftssystem für das Umweltmanagement und die Umweltbe- triebsprüfung (EMAS)“ (EMAS II 2001a, S. 1,www; EMAS II 2001b, S. 1, www), kurz EMAS II, als Novelle der EG-VO 1836/9319, können nun auch nichterwerbswirtschaftliche Betriebe nach EMAS zertifiziert werden. Dort heißt es: „Die bei der Anwendung der Verordnung (EWG) Nr. 1836/93 19 „Diese Verordnung übernimmt und ersetzt die Verordnung (EWG) Nr. 1836/93, die infolgedessen aufzuheben ist.“ (EMAS II 2001a, S. 2, www; EMAS II 2001b, S. 2, www). Im fortlaufenden Text wird zur Vereinfachung EMAS I mit den Veränderungen der EMAS II als EMAS geführt. Zeichen EMAS II: „Das Zeichen kann von einer Organisa- tion, die eine EMAS-Eintragung besitzt, in jeder beliebigen der 11 Sprachen verwendet werden, jedoch mit folgen- dem Wortlaut:“ „geprüftes Umweltmanagement“ Teilnahmeerklärung EMAS 3 Betrieblicher Umweltschutz 34 gewonnenen Erfahrungen sollten genutzt werden, damit das Gemein- schaftssystem für das Umweltmanagement und die Umweltbetriebsprü- fung (nachstehend „EMAS“ genannt) in noch stärkerem Maße eine Ver- besserung der gesamten Umweltleistung von Organisationen bewirken kann. Alle Organisationen mit Umweltauswirkungen sollten sich an EMAS beteiligen können, um so über ein Instrument zur Bewältigung dieser Auswirkungen und zur Verbesserung der gesamten Umweltleistung zu verfügen.“ Und: „Organisationen sollten zu einer freiwilligen Beteiligung an EMAS bewegt werden; sie können aus dieser Beteiligung Vorteile hin- sichtlich der ordnungspolitischen Kontrolle, der Kosteneinsparung und ihres Ansehens in der Öffentlichkeit ziehen.“ (EMAS II 2001a, S. 1 f., www; EMAS II 2001b, S. 1 f., www). Der Begriff der Organisation meint dabei „eine Gesellschaft, eine Körper- schaft, einen Betrieb, ein Unternehmen, eine Behörde oder eine Einrich- tung bzw. einen Teil oder eine Kombination hiervon, mit oder ohne Rechtspersönlichkeit, öffentlich oder privat, mit eigenen Funktionen und eigener Verwaltung.“ (EMAS II 2001b, S.4, www). Der Sport als „Non-Profit-Organisationen“ (NPO) erhält somit die Mög- lichkeit, sich am Gemeinschaftssystem für das Umweltmanagement und die Umweltbetriebsprüfung zu beteiligen. Die wichtigsten Änderungen bezüglich der neuen EG-Öko-Audit- Verordnung sind nachfolgend, in Anlehnung an die Internetquellen OEKO- LINE (2003), ÖSTERREICHISCHE UMWELTBUNDESAMT GMBH (2003) und QUMSULT GBR (2003), in Kürze zusammenfassend beschrieben: Gültigkeitsbereich Die Beteiligung ist nicht mehr auf den „Standort“ als kleinste Einheit beschränkt, sondern wurde auf den Begriff der „Organisation“ erwei- tert, d.h. Teile einer Organisation können ebenso registriert werden wie alle nationalen Standorte einer Organisation, was bedeutet, dass die Registrierung mehrerer Standorte einer Organisation unter einer Registriernummer geführt werden kann. Kompatibilität zur ISO 14001 Wie Abbildung 8 bildlich darstellt, wurden die eigenen Anforderungen an ein UMS gestrichen und statt dessen die Anforderungen nach der ISO 14001 übernommen und integriert. Im Anhang I-A. „Forderungen an das Umweltmanagementsystem“ der EMAS II heißt es: „Das Um- weltmanagementsystem ist nach folgender Maßgabe zu verwirklichen 3 Betrieblicher Umweltschutz 35 (EN ISO 14001:1996 Abschnitt 4)“20 (14001NEWS 2003a, www; EMAS II 2001a, S. 10, www; EMAS II 2001b, S. 10, www). Arbeitnehmerbeteiligung Die Beteiligung der Mitarbeiter wird verstärkt verlangt. indirekte Umweltaspekte Eine stärkere Berücksichtigung indirekter Umweltaspekte (Subunter- nehmer, Zulieferer, Produktökologie) wird gefordert. Validierung Die Anforderungen an die Umwelterklärungen sind deutlich präziser formuliert, selbst gesetzte Ziele und ihre Umsetzung sollen in ihr ge- nauer dargestellt werden und müssen jährlich aktualisiert werden. Publikationen sind über das Internet möglich. Werbung Das neue Logo soll EMAS bekannter machen und für Marketingmaß- nahmen genutzt werden, wobei aber immer deutlich zu machen ist, dass die EMAS-Teilnahmeerklärung nicht mit der Umweltverträglich- keit eines Produktes verwechselt werden darf. Teilnahmeberechtigung Alle Branchenbeschränkungen sind gefallen, das heißt teilnahmebe- rechtigt sind alle Organisationen, die ihren betrieblichen Umweltschutz verbessern wollen (OEKOLINE 2003, www; ÖSTERREICHISCHE UMWELT- BUNDESAMT GMBH 2003, www; QUMSULT GBR 2003, www). Abbildung 8: Verhältnis von EMAS I und EMAS II zur ISO 14001 (in Anlehnung an BLFU 2003, S. 16, www) Im Folgenden sind die Anforderungen für eine Teilnahme am EMAS vor- gestellt, wobei nur auf die wesentlichen Elemente eingegangen ist. Grundlage der Vorstellung ist die von DYLLICK (1995) vorgeschlagene Vorgehensweise zur Durchführung eines Öko-Audits gemäß EMAS21. Ab- bildung 9 stellt anschaulich dar, dass die EMAS-Verordnung drei große Phasen unterscheidet, die wiederum aus zehn Schritten bestehen. 20 Zum Inhalt der ISO 14001 sei hier auf das folgende Unterkapitel verwiesen. 21 Vgl. jedoch auch die Ausführungen und genaue Aufführung der gesetzlichen Regelungen und Nor- men mit Kommentaren zum EMAS bei HAURAND & PULTE (1996). Verhältnis von EMAS I zur ISO 14001 EMAS I ISO 14001 ISO 14001 EMAS II Verhältnis von EMAS II zur ISO 14001 3 Betrieblicher Umweltschutz 36 Abbildung 9: Zusammenhang und Ablauf gemäß der EG-Verordnung (in Anlehnung an DYLLICK 1995, S. 305) Ein systematisches Umweltmanagement besteht aus verschiedenen Bau- steinen: Phase I: Etablierung eines UMS im Unternehmen 1. Umweltpolitik Die wichtigste Voraussetzung zur Teilnahme am EMAS ist ein uneinge- schränktes Bekenntnis der Unternehmensleitung zum Umweltschutz. Die Umweltpolitik ist schriftlich zu formulieren und auf höchster Ebene festzulegen, fordert über die Einhaltung der einschlägigen Umweltvorschriften hinaus eine kontinuierliche Verbesserung des betrieblichen Um- weltschutzes und wird in der gemäß EMAS zu erstellenden Umwelterklärung veröf- fentlicht (DYLLICK 1995, S. 304 f.). 2. Umweltprüfung In der Durchführung einer standortbezogenen Umweltprüfung werden alle Bereiche des Standorts analysiert. In einer Ist-Zustandserhebung („ökologische Schwachstellenanalyse“) stellt die Umweltprüfung die Umweltleistungen des Unternehmens dar. Aus der Umweltprüfung er- geben sich die Entscheidungsgrundlagen für die notwendigen Verbes- serungsmaßnahmen des betrieblichen Umweltschutzes (DYLLICK 1995, 1 Betriebliche Umweltpolitik 2 Umweltprüfung Betriebs- prüfungs- zyklus 3 4 5 6 9 Eintragung des Standortes 10 Teilnahmeerklärung Phase I Phase II Phase III 3 Umweltprogramm 4 Umweltmanagementsystem 5 Umweltbetriebprüfung 6 Umweltziele 8 Gültigkeitserklärung 7 Umwelterklärung 3 Betrieblicher Umweltschutz 37 S. 306). „Diese grundlegende erste Umweltprüfung ist eine umfassen- de Untersuchung aller umweltbezogenen Fragestellungen für die Tä- tigkeit an diesem Standort; inklusive deren Auswirkungen auf die Umwelt.“ (LINDLAR 1995, S. 14). 3. Umweltprogramm Unter einem Umweltprogramm versteht DYLLICK (1995, S. 306 f.) „ei- ne Beschreibung der zur Erreichung der Umweltzielsetzungen und -einzelziele getroffenen oder geplanten Maßnahmen (Verantwortlich- keiten und Mittel) und der zur Erreichung der Umweltzielsetzungen und -einzelziele festgelegten Fristen;“. Das Umweltprogramm hat dabei folgenden Anforderungen zu genü- gen: Definition der Verantwortung für die Zielerreichung in jedem Auf- gabenbereich und auf jeder Unternehmensebene, Festlegung der dafür notwendigen Maßnahmen, Mittel und Fristen der Zielerreichung und Festlegung von gesonderten Umweltprogrammen für neuentwickel- te Produkte, Dienstleistungen oder Verfahren (DYLLICK 1995, S. 307; EMAS II 2001a, S. 3, 11, www; EMAS II 2001b, S. 3, 11, www). 4. Umweltmanagementsystem Das UMS ist zuständig für die Lenkung und Implementierung des im Umweltprogramm vorgeschlagenen Maßnahmenkatalogs (DYLLICK 1995, S. 307). Das UMS stellt gemäß EMAS den Teil des gesamten Managementsystems22 dar, „der die Organisationsstruktur, Planungs- tätigkeiten, Verantwortlichkeiten, Verhaltensweisen, Vorgehenswei- sen, Verfahren und Mittel für die Festlegung, Durchführung, Verwirkli- chung, Überprüfung und Fortführung der Umweltpolitik be- trifft;“ (EMAS II 2001a, S. 3, www; EMAS II 2001b, S. 3, www). Laut der Novellierung EMAS II ist dabei nach den Vorgaben der ISO 14001- Norm zu handeln23 (EMAS II 2001a, S. 10 ff., www; EMAS II 2001b, S. 10 ff., www). 5. Umweltbetriebsprüfung In einem fünften Arbeitsschritt erfolgt eine interne Umweltbetriebs- prüfung, das eigentliche Öko-Audit (DYLLICK 1995, S. 308). Sie ist „ein Managementinstrument, das eine systematische, dokumentierte, re- gelmäßige und objektive Bewertung der Umweltleistung der Organisa- tion, des Managementsystems und der Verfahren zum Schutz der Umwelt umfasst und folgenden Zielen dient: Erleichterung der Managementkontrolle von Verhaltensweisen, die eine Auswirkung auf die Umwelt haben können; Beurteilung der Übereinstimmung mit der Umweltpolitik der Orga- nisation, einschließlich ihrer Umweltzielsetzungen und -einzelziele [...];“ (EMAS 2001a, S. 3, www; EMAS 2001b, S. 3, www). Mit dieser Prüfung findet somit eine Bewertung des bestehenden UMS statt. 22 „Als Managementsystem wird heute allgemein die Gesamtheit aller organisatorischen Maßnahmen verstanden, die geeignet sind, das Erreichen eines festgelegten Unternehmensziels sicherzustel- len.“ (JOHANN & WERNER 1994, S. 54). 23 Zum Aufbau, Inhalt und zur Struktur eines UMS sei hier auf das Kapitel vier verwiesen. 3 Betrieblicher Umweltschutz 38 6. Umweltziele Umweltzielsetzung ist definiert als „ein sich aus der Umweltpolitik er- gebendes und nach Möglichkeit zu quantifizierendes Gesamtziel, das sich eine Organisation gesetzt hat;“ (EMAS 2001a, S. 3, www; EMAS 2001b, S. 3, www). Umweltziele sind auf die kontinuierliche Verbesserung des betrieb- lichen Umweltschutzes auszurichten wobei das Interesse bestimmter Gruppen zu berücksichtigen ist (EMAS II 2001a, S. 4, 11, www; EMAS II 2001b, S. 4, 11, www). 7. Umwelterklärung Siebter Vorgehensschritt ist die Ausarbeitung einer Umwelterklärung, die für die Öffentlichkeit bestimmt ist. Sie enthält eine Beschreibung des Betriebsstandortes und der Umweltauswirkungen der Unterneh- menstätigkeiten am Standort der Organisation. Diese Erklärung muss nach jeder Betriebsprüfung in knapper und verständlicher Form er- stellt werden. Sie wird von einem zugelassenen unabhängigen Um- weltgutachter validiert und hat mindestens folgenden Inhalt aufzuwei- sen (DYLLICK 1995, S. 309): Beschreibung der Organisation und Zusammenfassung der Tätig- keit, Produkte und Dienstleistung sowie Bezug zur Muttergesell- schaft, Beschreibung der Umweltpolitik und des UMS der Organisation, Beurteilung aller bedeutenden Umweltaspekte und Umweltauswir- kungen der Organisation und ihrer Tätigkeiten in Zusammenhang mit den Umweltzielen, Zusammenfassung verfügbarer Zahlen über die Umweltleistungen in Bezug auf die wesentlichen Umweltauswirkungen (Schadstof- femissionen, Abfälle, Rohstoff-, Energie-, Wasserverbrauch, Lärm und anderer Aspekte), Name und Zulassungsnummer des Umweltgutachters und Datum der Gültigkeitserklärung (EMAS II 2001a, S. 19, www; EMAS II 2001b, S. 19, www). Phase II: Kontrolle durch externen Umweltgutachter und der Öffentlich- keit 8. Gültigkeitserklärung Es erfolgt in einem achten Schritt die Validierung durch einen unab- hängigen Umweltgutachter24. Dieser prüft die Umweltpolitik des Unternehmens in Bezug auf die Vorschriften von EMAS, die Existenz und korrekte Anwendung des UMS und des Umwelt- programms, die Umweltprüfung und -betriebsprüfung auf ihre ordnungsgemäße Durchführung und Vollständigkeit (EMAS II 2001a, S. 4, www; EMAS II 2001b, S. 4, www). 24 In Artikel 4 von EMAS II werden das Zulassungssystem und die Aufsicht über die Umweltgutach- ter, in Anhang V die „Zulassung, Überwachung und Aufgaben der Umweltgutachter“ beschrieben. Detaillierte Ausführungen finden sich dazu auch bei HAURAND & PULTE (1996, S. 31 ff.). 3 Betrieblicher Umweltschutz 39 Phase III: Standortregistrierung und Teilnahmeerklärung 9. Eintragung des Standortes Die validierte Umwelterklärung wird zur Standortregistrierung bei dem zuständigen Amt, der Deutschen Akkreditierungs- und Zulassungsstel- le für Umweltmanagement-Gutachter (DAU), eingereicht und in eine internationale Standortliste aufgenommen (DYLLICK 1995, S. 311; EMAS II 2001a, S. 6 f., www; EMAS II 2001b, S. 6 f., www). Die Aufgabe der Registrierung haben in Deutschland die Industrie- und Handelskammern (IHK) sowie die Handwerkskammern (HWK) über- nommen25. 10.Teilnahmeerklärung Das Unternehmen erhält im zehnten und letzten Schritt eine Teilnah- meerklärung, die aus dem einheitlichen EMAS-Logo besteht, welches auf das Engagement des Unternehmens, des Standortes, der Organi- sation hinweist. Dieses Logo darf nur zur Verwendung in der Kommu- nikation des Unternehmens (Briefköpfe, Broschüren) genutzt werden, nicht jedoch auf Verpackungen oder als Produktwerbung (DYLLICK 1995, S. 311; EMAS II 2001a, S. 7, www; EMAS II 2001b, S. 7, www). Abschließend ist noch auf eine Kritik DYLLICK’s (1995, S. 302 f.) aufmerk- sam zu machen: „Nicht nur sprachlich schwierig, sondern konzeptionell unklar ist die Verwendung des Begriffs ‚Umweltmanagementsystem’ auf zwei völlig unterschiedlichen Ebenen. So wird der Inhalt der Verordnung insgesamt als Umweltmanagementsystem bezeichnet [...]. Dann wird mit diesem Begriff aber auch auf logisch tieferer Ebene das Instrumentarium zur Umsetzung der Umweltpolitik mittels Organisation, Verfahren und Abläufen bezeichnet.“ Der vierte Schritt der Phase I des zuvor vorgestell- ten Ablaufs eines systematischen UM ist eben dieses Instrumentarium. 3.2.2 Normenreihe DIN EN ISO 14000 ff. „ISO-Normen sind freiwillige Vereinbarungen der Industrie. Sie haben Empfehlungscharakter und sind rechtlich nicht verbindlich. ISO-Normen dienen dazu, technische Handelshemmnisse abzubauen und die internati- onale Zusammenarbeit und den Handel zu fördern. Die Normen werden in langwierigen Verhandlungen und Abstimmungsrunden im Kreis natio- naler Normenverbände und ihrer Mitglieder erarbeitet. Die International 25 Im Rahmen der Recherche nach der aktuellen absoluten Zahl aller zur Zeit nach EMAS registrierten Organisationen in Deutschland, konnten dem Verfasser weder die IHK-Zentrale in Berlin, der EMAS-Beauftragte der IHK für Deutschland in Duisburg noch der Europaverantwortliche in Brüssel, Auskunft darüber geben. Nach vorsichtigen Schätzungen liegt die Zahl der Zertifizierungen bei weit über 2600. Im Dezember 2000 ließen sich 2544 Unternehmen unter EMAS registrieren (BMU 2000, S. 5, www). 3 Betrieblicher Umweltschutz 40 Organization of Standardization (ISO) ist der weltweite Dachverband der nationalen Normungsinstitute.“ Im internationalen Dachverband wird Deutschland durch das Deutsche Institut für Normung e.V. (DIN) vertre- ten (DYLLICK & BENTZ 2001, S. 65, www). Die gesamte 14000er-Normenfamilie, die von der ISO seit 1993 entwi- ckelt und 1996 veröffentlicht wurde, beschäftigt sich mit der Entwicklung eines einheitlichen Standards für das betriebliche Umweltmanagement mit dem der Umweltschutz systematisch im Management von Unterneh- men und Organisationen verankert wird. Tabelle 1 gibt zunächst einen Überblick über die 14000er-Normenfamilie. Umweltmanagementsysteme ISO 14001 Spezifikation mit Anleitung zur Anwendung ISO 14004 Allgemeiner Leitfaden über Grundsätze, Systeme und Hilfsinstrumente Umweltaudits ISO 14010 Leitfäden - Allgemeine Grundsätze ISO 14011 Leitfäden - Auditverfahren - Audit von Umweltmanagementsystemen ISO 14012 Leitfäden - Qualifikationskriterien für Umweltauditoren ISO 14015 Umweltbewertung von Standorten und Organisationen Umweltkennzeichnungen und -deklarationen ISO 14020 Allgemeine Grundsätze ISO 14021 Selbstdeklarierte Umweltaussagen (Umweltkennzeichnungen Typ II) ISO 14024 Umweltbezogene Kennzeichnung vom Typ I - Grundlagen und Verfahren ISO 14025 Umweltdeklarationen Typ III Umweltleistungsbewertung ISO 14031 Umweltmanagement - Umweltleistungsbewertung - Leitlinien ISO 14032 Umweltmanagement - Beispiele für Umweltleistungsbewertung Lebenszyklusanalyse ISO 14040 Prinzipien und allgemeine Anforderungen ISO 14041 Festlegung des Ziels und des Untersuchungsrahmens sowie Sachbilanz ISO 14042 Wirkungsabschätzung ISO 14043 Auswertung ISO 14047 Auswertung ISO 14048 Datendokumentationsformat für die Sachbilanz ISO 14049 Anwendungsbeispiele zu ISO 14041 zur Festlegung des Untersuchungsrahmens sowie zur Sachbilanz Sonstige ISO 14050 Umweltmanagement - Begriffe ISO 14061 Informationen zur Unterstützung der Forstwirtschaft in der Anwendung der ISO 14001 und ISO 14004 Umweltmanagementsystem-Normen ISO 14062 Leitlinien zur Integration von Umweltaspekten in die Produktentwicklung ISO 14063 Leitfaden und Beispiele ISO 14064 Messung, Berichterstattung und Verifizierung von Treibhausgasemissionen Tabelle 1: Normenreihe ISO 14000 Umweltmanagement (in Anlehnung an 14001NEWS 2003c, www; DYLLICK & BENTZ 2001, S. 66, www) 3 Betrieblicher Umweltschutz 41 Der Zweck der ISO 14000 ff. liegt darin, Unternehmen und Organisatio- nen eine Anleitung zum Aufbau eines UMS zu geben sowie unterstützen- de Umweltmanagementmethoden zur Verfügung zu stellen (14001NEWS 2003b, www). „Somit können bei allen täglichen Aufgaben und firmenpo- litischen Entscheidungen die Umweltaspekte berücksichtigt werden. Ma- nagementprozesse und Organisationsstrukturen werden in den Vorder- grund gestellt.“ (UMWELTDATENBANK 2003, www). Im Rahmen der Normenreihe 14000 ff. hat die ISO 14001- Anforderungsnorm zu Umweltmanagementsystemen die größte Bekannt- heit und Bedeutung erlangt, da diese Norm die Grundlage der Zertifizie- rung darstellt. Sie wurde im September 1996 als ISO-Standard weltweit für gültig erklärt (THE ISO 14000 ENVIRONMENTAL MANAGEMENT GUIDE 2002, www). Auch hier, wie zuvor beim EMAS, wird unter dem Begriff des Umweltma- nagementsystems zweierlei verstanden: „Im engeren Sinn wird der Be- griff wie folgt definiert: ‚Der Teil des übergreifenden Managementsys- tems, der die Organisationsstruktur, Planungstätigkeiten, Verantwortlich- keiten, Methoden, Verfahren, Prozesse und Ressourcen zur Entwicklung, Implementierung, Erfüllung, Bewertung und Aufrechterhaltung der Um- weltpolitik umfasst.’ [...] Sie umfassen die planerische, führungsmässige, organisatorische und personelle Infrastruktur eines Unternehmens. [...] In einem weiteren Sinne wird der Begriff UMS für die gesamte ISO 14001-Norm bzw. für alle darin enthaltenen Anforderungen verwendet. Hier umfasst der Begriff also die Umweltpolitik, alle Elemente der Pla- nungsphase, der Einführungsphase [...], der Überwachungs- und Korrek- turphase und der Bewertungsphase.“ (DYLLICK & BENTZ 2001, S. 4 f., www). In der Einführung der ISO 14001-Norm sind die drei Zwecke der ISO 14001 aufgelistet: Instrument unternehmerischer Selbstkontrolle Organisationen soll ein wirkungsvolles UMS zur Verfügung gestellt werden, um sowohl ökologische als auch ökonomische Ziele zu errei- chen. 3 Betrieblicher Umweltschutz 42 Act Bewertung durch die oberste Leitung Plan Umweltpolitik, Planung Do Implementierung und Durchführung Check Kontroll- und Kor- rekturmaßnahmen kontinuierliche Verbesserung Grundlage für den Nachweis nach außen Organisationen soll ermöglicht werden, die Wirksamkeit eines UMS für die Umsetzung einer selbstdefinierten Umweltpolitik und konkreter Zielsetzungen zu beurteilen und nach außen nachzuweisen. Förderung des Umweltschutzes als übergeordnetes Ziel Der Umweltschutz und die Verhütung von Umweltbelastungen soll im Einklang mit sozioökonomischen Erfordernissen gefördert werden (DYLLICK & BENTZ 2001, S. 7, www). „Die Gesamtstruktur der ISO-Norm entspricht dem aus dem Qualitäts- management bekannten Plan-Do-Check-Act-Kreislauf (Planen-Durch- führen-Prüfen-Verbessern): Zu Beginn des Controlling-Kreislaufes legt die oberste Leitung die Umweltpolitik fest. Am Ende bewertet sie die Wirk- samkeit des UMS und nimmt notwendige Änderungen vor. Ziel des Kreis- laufes ist, das UMS und die Umweltleistung kontinuierlich zu verbessern.“ (ebenda, S. 9; DYLLICK & HAMSCHMIDT 2000. S. 107)26. In Abbildung 10 ist der PDCA-Kreislauf27 vorgestellt. Abbildung 10: Plan-Do-Check-Act-Kreislauf (in Anlehnung an DYLLICK & BENTZ 2001, S. 9, www) Die Grundkonzeption des Aufbaus eines Umweltmanagementsystems nach der ISO 14001-Norm baut auf fünf Forderungen eines „kontinuierli- chen Verbesserungsprozess“ (SCHALTEGGER & STURM 1995, S. 6) auf: Umweltpolitik, Planung, Umweltaspekte, gesetzliche und andere Forderungen, Zielsetzungen und Einzelziele, 26 Vgl. die Ausführungen zum PDCA Cycle (plan-do-check-act) von ROBBINS & DECENZO (2001, S. 452 f.). 27 Dieser Kreislauf ist auch als „Deming-Zyklus“ bekannt, in dessen jeweiligen Phasen Planen, Durch- führen, Prüfen und Verbessern Techniken zur Analyse, Problemlösung und Prozessstabilisierung eingesetzt werden (BUTTERBRODT 1997, S. 118 f.). 3 Betrieblicher Umweltschutz 43 Umweltmanagementprogramme, Implementierung und Durchführung, Organisationsstruktur und Verantwortlichkeit, Schulung, Bewusstsein und Kompetenz, Kommunikation, Dokumentation des Umweltmanagementsystems, Lenkung der Dokumente, Ablauflenkung, Notfallvorsorge und -maßnahmen, Kontroll- und Korrekturmaßnahmen, Überwachung und Messung, Abweichungen, Korrektur- und Vorsorgemaßnahmen, Aufzeichnungen, Umweltmanagementsystem-Audit, Bewertung durch die oberste Leitung (14001NEWS 2003a, www). Diese lassen sich, gestützt auf DYLLICK & BENTZ (2001, www), genauer beschreiben: Umweltpolitik Die Umweltpolitik ist von der obersten Leitung unter der Berücksichtigung von Art, Umfang und Umweltauswirkungen der betrieblichen Tätigkeit und Produkte zu definieren. Dabei umfasst die Umweltpolitik die kontinu- ierliche Verbesserung und Vermeidung von Umweltbelastungen und die Einhaltung umweltrelevanter Gesetze und Vorschriften. „Dies geschieht praktisch in Form eines Umweltleitbildes.“ (ebenda, S. 5, www). Der Un- ternehmensleitung kommt die Aufgabe zu, die Umweltpolitik zu doku- mentieren, sie umzusetzen, die Mitarbeiter über den Inhalt der Umwelt- politik in Kenntnis zu setzen sowie auch der Öffentlichkeit die Möglichkeit zu geben, sich über die Umweltpolitik zu informieren (14001NEWS 2003a, www; DYLLICK & BENTZ 2001, S. 5, www). Planung Im Rahmen der Planung ist der Ist-Zustand der umweltrelevanten Aspek- te28 des Unternehmens in Form einer Umweltanalyse zu ermitteln. Geeig- nete Methoden hierfür sind zum Beispiel Energie- und Stoffflussanalysen, Ökobilanzierungen sowie Risiko- und Organisationsanalysen. Dabei ist die Bedeutung von Umweltaspekten der Organisationstätigkeiten und deren Produkte und Dienstleistungen sowie die Integration der Umweltauswir- 28 „Ein Aspekt gilt als relevanter signifikanter umweltspezifischer Aspekt, wenn er signifikante Einwir- kungen auf die Umwelt hat oder haben kann.“ (HOPFENBECK et al. 1995, S. 62). 3 Betrieblicher Umweltschutz 44 kungen in die umweltbezogene Zielsetzung zu bestimmen. Des Weiteren ist die Einhaltung aller gesetzlichen Forderungen, die die Umweltvor- schriften an die Organisation stellen, verlangt. Mit der Festlegung und Dokumentation aller Zielsetzungen und Einzelziele der Organisation in Einklang mit der Umweltpolitik sind messbare Umweltziele und ein Um- weltprogramm zu erstellen (14001NEWS 2003a, www; DYLLICK & BENTZ 2001, S. 6, www). „Das Umweltprogramm enthält die konkreten, operati- ven Vorgaben und Massnahmen, um die Ziele zu realisieren [...].“ (DYL- LICK & BENTZ 2001, S. 6, www). Implementierung und Durchführung Hinsichtlich der Implementierung und Durchführung ist von entscheiden- der Bedeutung, dass zur Durchführung Aufgaben, Befugnisse und Ver- antwortlichkeiten festgelegt, dokumentiert und bekannt gemacht werden. Die Unternehmensleitung setzt alle notwendigen finanziellen und perso- nellen Mittel ein. Ein vom Management beauftragter Mitarbeiter gewähr- leistet die Einführung, Umsetzung und Aufrechterhaltung der Anforderun- gen, die das UMS stellt. Es sind Schulungen und Weiterbildungen für die Mitarbeiter zu gewährleisten, eine entsprechend geeignete interne und externe Kommunikation zwischen allen Ebenen der Organisation zu er- stellen und außerdem eine Dokumentation zur Publikation des UMS zu erarbeiten sowie Maßnahmen im Hinblick auf eine Notfallversorgung fest- zulegen (14001NEWs 2003a, www; DYLLICK & BENTZ 2001, S. 6, www). Kontroll- und Korrekturmaßnahmen Es sind Verfahren einzuführen, um umweltrelevante Vorgänge oder Tä- tigkeiten regelmäßig zu überwachen und zu messen. Informationen und Abweichungen sind zu dokumentieren. Es ist ein Verfahren einzuführen, welches Verantwortung und Befugnis für Untersuchungen und Korrek- turmaßnahmen festlegt sowie ein Verfahren zur Kennzeichnung, Pflege und Beseitigung von umweltspezifischen Aufzeichnungen. Des Weiteren ist ein Verfahren zur regelmäßigen Durchführung der Auditierung des UMS durch einen unabhängigen Gutachter zu erstellen, um die ordnungs- gemäße und konforme Umsetzung der Ziele des UMS festzustellen (14001NEWS 2003a, www; DYLLICK & BENTZ 2001, S. 6 f., www). 3 Betrieblicher Umweltschutz 45 Bewertung durch die oberste Leitung Eine Bewertung des UMS erfolgt regelmäßig durch die oberste Leitung. Wenn die Ergebnisse des Umweltmanagement-Audits oder sich ändernde Rahmenbedingungen Neuanpassungen der Umweltpolitik, den Umweltzie- len oder anderen Bestandteilen des UMS erfordern, dann sind diese im Sinne einer kontinuierlichen Verbesserung vorzunehmen (14001NEWS 2003a, www; DYLLICK & BENTZ 2001, S. 7, www). Abbildung 11: Die Elemente des Umweltmanagementsystems nach ISO 14001 (in Anleh- nung an DYLLICK 1995, S. 333; FUNK 2003, S. 9, www; HOPFENBECK et al. 1995, S. 63) Zuständig für die Zertifizierung von Unternehmen gemäß der ISO 14000 sind die Zertifizierungsstellen, die der Trägergemeinschaft für Akkreditie- rung (TGA) angehören. Die TGA ist eine privatrechtliche Organisation. Hinsichtlich des Ablaufs der Zertifizierung ergeben sich Mindestanforde- rungen, die in dem von der TGA verwandten Zertifizierungsleitfaden der European Accreditation of Certification (EAC) festgehalten sind. Diese Mindestanforderungen betreffen die Durchführung eines Voraudits, in dem die Zertifizierungsstelle den Aufbau des bestehenden Umweltmana- gements vor dem Hintergrund relevanter Umweltaspekte nachvollzieht, und eines Zertifizierungsaudits, das die Konformität des UMS mit allen Elementen der ISO-Norm 14001 überprüft (LAXHUBER et al. 1998, S. 9 ff.). Umweltpolitik Planung Bewertung durch die oberste Leitung Implementierung und Durchführung Kontroll- und Korrekturmaßnahmen kontinuierliche Verbesserung 3 Betrieblicher Umweltschutz 46 3.3 Vergleich der Standards für Umweltmanagement- systeme Es existieren also, wie im Unterkapitel zuvor vorgestellt, zwei Standards für UMS, die miteinander im Wettbewerb stehen. Die ISO 14000 ff. als nicht hoheitlicher Standard und EMAS als freiwilliger hoheitlicher Stan- dard (PETSCHOW 1998, S. 23). Zunächst machen sich jedoch formale Unterschiede bemerkbar. „Die EMAS-Verordnung ist in Artikel gegliedert, die wesentlichen System- beschreibungen finden sich in den Anhängen. Daraus resultiert eine in weiten Teilen unklare Formulierung, insbesondere ist auch die Aufteilung inhaltlicher Zusammenhänge auf verschiedene Abschnitte sehr verwir- rend. Die ISO 14001 ist dagegen in themenbezogene Kapitel eingeteilt, sehr viel klarer strukturiert und straffer geschrieben [...].“ (THIMME 1998, S. 270). Die Unterschiede zwischen EMAS und ISO 14001 lassen sich mit- tels folgender Tabelle 2 verdeutlichen: EMAS ISO 14001 öffentlich-rechtlich Rechststatus privatrechtlich kontinuierliche Verbesserung Ziel kontinuierliche Verbesserung der Umweltschutzleistung des UMS innerhalb der EU Geltungsbereich weltweit Standort einer Organisation Anwendungsbereich Unternehmen als Einheit zwingend gefordert Umweltprüfung nur empfohlen geringe Einstiegshürden Leistungsanforderung funktionsfähig bei Erstzerti- UMS fizierung Überprüfung durch Einhaltung rechtlicher Selbstverpflichtung, Umweltgutachter Umweltvorschriften keine Überprüfung Umwelterklärung Veröffentlichungspflicht lediglich Umweltpolitik Umwelterklärung öffentliche Kontrolle nicht möglich Teilnahmeerklärung Bestätigung ISO 14001-Zertifikat amtliche Registrierung Registrierung keine amtliche Registrierung durch IHK und HWK (TGA) maximal alle drei Jahre Auditzyklus jährliche Wiederholaudits Tabelle 2: Vergleich zwischen EMAS und ISO 14001 (in Anlehnung an FUNK 2003, S. 10, www) Demnach lassen sich, auf Grundlage von DYLLICK (1995), wesentliche Un- terschiede zwischen den beiden Standards festhalten: 3 Betrieblicher Umweltschutz 47 Zielsetzung der kontinuierlichen Verbesserung EMAS verlangt von den Unternehmen oder Organisationen, die an einem Audit teilnehmen wollen, dass die Umweltpolitik nicht nur die Einhaltung der einschlägigen Umweltvorschriften, sondern auch eine Verpflichtung zur angemessenen kontinuierlichen Verbesserung des betrieblichen Um- weltschutzes einfordert. Hingegen muss nach ISO 14001 die Umweltpolitik eine Verpflichtung zur kontinuierlichen Verbesserung und Vermeidung von Umweltbelastungen enthalten. Unter kontinuierlicher Verbesserung wird hierbei ein Prozess zur Weiterentwicklung des UMS verstanden. Unterrichtung der Öffentlichkeit Die Forderung von EMAS, dass Organisationen die Öffentlichkeit über ihre Umweltaspekte ihrer Tätigkeiten, Produkte und Dienstleistungen zu un- terrichten haben, ist bei diesem Instrument von zentraler Bedeutung. Auf der anderen Seite kennt die ISO-Norm kein solches System, das Ver- gleichbares wie eine Umwelterklärung einfordert. Es wird lediglich ver- langt, dass die Umweltpolitik der Öffentlichkeit zugänglich zu machen ist. Umweltaudit und Umweltbetriebsprüfung EMAS verlangt, Umweltbetriebsprüfungen an Organisationen, die ihren Umweltschutz verbessern wollen, je nach Notwendigkeit in Abständen von nicht mehr als drei Jahren durchzuführen und abzuschließen. Ziel der Prüfung ist die Bewertung des bestehenden UMS, der Umweltpolitik sowie des Umweltprogramms für den Standort der Organisation und die Kon- trolle der Übereinstimmung der Tätigkeit am Standort mit den einschlägi- gen Umweltvorschriften. Nach der ISO 14001 muss die Organisation ein oder mehrere Programme und Verfahren für die regelmäßige Auditierung des UMS erstellen, wobei es jedoch keine direkte Zeitvorgabe gibt. Dabei ist die ISO 14001 keiner- lei geographischen Beschränkungen unterworfen. Validierung und Zertifizierung Gemäß EMAS überprüfen unabhängige, zugelassene Umweltgutachter oder entsprechende Umweltorganisationen die Umweltpolitik, das Um- weltprogramm, das UMS, die Umweltprüfung sowie die Umwelterklärung 3 Betrieblicher Umweltschutz 48 auf Übereinstimmung mit den jeweiligen Vorgaben der Verordnung. Da- bei werden die Richtigkeit und Zuverlässigkeit der Daten, die Informatio- nen der Umwelterklärung und die Beachtung aller für die Organisation oder den Standort entscheidenden Umweltaspekte von den Umweltgut- achtern überprüft. Gemäß der ISO-Norm erfolgt eine Zertifizierung des UMS durch eine ak- kreditierte Zertifizierungsorganisation, die selbst für die Auswahl geeigne- ter Gutachter verantwortlich ist. Eine Evaluierung des tatsächlichen Er- folgs der betrieblichen Umweltschutzmaßnahmen wie bei EMAS findet nicht statt. Leistungsanforderungen Hier zeigen sich ebenfalls Unterschiede der Instrumente EG-VO und DIN 14001. Die Einstiegshürden bei erstmaliger Teilnahme am EMAS sind relativ ge- ring. Das UMS muss noch nicht vollständig funktionsfähig sein. Eine Um- weltbetriebsprüfung ist für den erstmaligen Erhalt der Teilnahmeerklä- rung zudem nicht zwingend notwendig, sondern stellt vielmehr eine Opti- on dar. Bei der ISO 14001 muss dagegen bereits bei der Zertifizierung ein funktionsfähiges UMS vorliegen und implementiert sein (DYLLICK 1995, S. 334 ff.). Die Gemeinsamkeiten beider Instrumente für die Umsetzung von UMS lassen sich durch folgende Punkte zusammenfassen, die die grundsätzli- che Philosophie, Struktur und Zielsetzung beider Standards aufzeigen. So geht es darum, Unternehmen zu einem selbstgesteuerten Handeln in Umweltangele- genheiten zu führen, ein wirksames UMS für die Umsetzung selbstdefinierter Umweltziele aufzubauen, im Sinne eines Minimalziels die Einhaltung aller einschlägigen Um- weltgesetze und Umweltvorschriften sicherzustellen und die Verpflichtung zu einer kontinuierlichen Verbesserung des Umwelt- schutzes zu erreichen (DYLLICK 1995, S. 333 f.; DYLLICK 1997, S. 3 f.). DYLLICK (1995) macht in seinem Aufsatz weiterhin darauf aufmerksam, dass Umweltmanagementsysteme daneben eine Vielzahl an gemeinsa- 3 Betrieblicher Umweltschutz 49 men allgemeinen Strukturelementen aufweisen, die es Unternehmen er- möglichen soll, eigenverantwortlich zu handeln. Dazu gehören ein klares Bekenntnis der „Chefetage“ zur Umweltverantwortung, eine explizite Umweltpolitik sowie festgelegte Ziele im Umweltbereich, eine Definition eines Umweltprogramms bestehend aus Maßnahmen, Mitteln und Fristen der Zielerreichung, Umweltprüfungen regelmäßig im Sinne einer Bestandsaufnahme der Umweltaspekte mittels geeigneter Analysemethoden durchzuführen sowie regelmäßig Umweltaudits zur Überprüfung und Verbesserung des be- stehenden UMS zu vollziehen (DYLLICK 1995, S. 334). ISO und EMAS haben also unterschiedliche Vor- und Nachteile. DYLLICK (1995) skizziert kurz, dass die ISO-Norm einen größeren Reifegrad auf- weist und praxisnäher ist, während EMAS noch einigen Konstruktions- mängeln unterliegt. Die Verflechtung mit dem Normensystem des Quali- tätsmanagements ISO 9000 stellt einen weiteren Vorteil der 14001er- Norm dar. Während EMAS nur innerhalb der Europäischen Union gilt, fin- det ISO 14001 eine globale Gültigkeit, was vor allem für Unternehmen, die weltweit produzieren und anbieten, von Relevanz ist. 3.3.1 Kritik an der EG-Öko-Audit-Verordnung Im Rahmen der Vorstellung beider standardisierter Instrumente für den betrieblichen Umweltschutz soll hier auch die an beiden in der Literatur geäußerte Kritik Erwähnung finden. Dabei werden nur solche Kritikpunkte angesprochen, die auch für den Aufbau eines Umweltmanagementsys- tems im Sport von Bedeutung sind. Kritiker identifizieren an der EG-VO eine Reihe problematischer Aspekte: fehlender ökologischer Maßstab, veraltete Managementstrukturen, Formalismus und Ökokontrolle statt Ökoinnovation. Bezüglich des fehlenden ökologischen Maßstabs spezifiziert die Verord- nung nur an wenigen Stellen, was für ökologische Leistungen von den teilnehmenden Organisationen zu erwartet sind. Anstatt inhaltliche Leis- tungs- und Qualitätsziele vorzugeben, verlangt EMAS nur ein Vorhanden- sein und Funktionieren eines UMS. Zudem sind auch nur Verfahren zur Kontrolle und Weiterentwicklung des UMS vorgeschrieben. Alle Prüfungs- 3 Betrieblicher Umweltschutz 50 tätigkeiten sind auf eine reine System- und Konformitätsprüfung be- schränkt. So entfallen Untersuchungen über die Qualität der Umweltziele der Organisation sowie deren Fortschrittlichkeit (DYLLICK 1995, S. 317). In diesem Zusammenhang fordert KARL (1995, S. 46): „Statt Manage- mentsysteme vorzugeben, sollten vielmehr die Ergebnisse des Umwelt- managements im Rahmen eines Öko-Audits bewertet und verglichen werden.“ Auch die Qualität der Umweltinformationen, die im Rahmen der Umwelt- erklärung als Dokumentationspflicht der Organisationen an die Öffentlich- keit gehen, gibt Anlass zu Kritik. Es ist zu erwarten, „daß die Information über Umweltbelastungen zwischen den Unternehmen und der Öffentlich- keit asymmetrisch verteilt sind. Im Zweifelsfall sind die Unternehmen besser über die von ihnen verursachten Umweltbelastungen informiert.“ (ebenda, S. 47). Um die Umweltbelastungen in einem aussagekräftigen Mengengerüst zusammenzufassen, sind die physischen Entnahmen aus der Umwelt, die physischen Abgaben an die Umwelt sowie die nicht- stofflichen Veränderungen der Umwelt (Klimaveränderung, Veränderung des Landschaftsbildes etc.) in einer eindeutig anerkannten Methodik zu erstellen. Doch solch eine Methodik ist nicht Inhalt der EMAS. Somit er- öffnet sich den Organisationen die Möglichkeit einer völlig willkürlichen Berichterstattung. Das Informationsvolumen und die Informationsqualität sind folglich nicht nachvollziehbar. Eine Vergleichbarkeit der Daten ist daher nicht gegeben (ebenda, S. 48). Daran schließt sich das Problem der Bekanntheit des Zertifizierungsver- fahrens in der Öffentlichkeit an. Die Zertifizierungskriterien müssen in der Bevölkerung bekannt sein, damit eine vernünftige Bewertung der Um- weltdokumentation und der darin publizierten Umweltdaten durch sie möglich ist. Zusätzlich wird die kommunikative Wirkung der Teilnahme am Audit eingeschränkt, da das Logo weder in der Produktwerbung noch auf der Verpackung erscheinen darf. Zudem hat die Zertifizierung der Organisationen nicht die Einhaltung gesetzlich festgelegter ökologischer Mindeststandards anzustreben, sondern die überdurchschnittliche um- weltorientierte Leistung der Organisationen auszuzeichnen (MEFFERT & KIRCHGEORG 1995, S. 110 f.). 3 Betrieblicher Umweltschutz 51 Im Blickpunkt auf veraltete Managementstrukturen hält HARTMANN (1998, S. 33) fest: „Die EG-Öko-Audit-Verordnung zielt auf eine Analyse der Einbettung des Umweltmanagements in klassisches Strukturmanagement am jeweiligen Einzelstandort, ohne Sicht auf die Wertschöpfungskette sowie die Nutzungsphase des Produkts beim Kunden.“ EMAS strebt also den Aufbau eines UMS in bereits veraltete und überholte Organisations- und Managementstrukturen der 60er bis 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts an. Dabei werden die modernen Managementkonzepte29 ignoriert. EMAS orientiert sich an Managementstrukturen, die von effi- zienten Wettbewerbern gar nicht anwendbar sind. Denn Stellen- und Auf- gabenbeschreibungen, Hierarchiegrenzen und Funktionsabgrenzungen verhindern modernes vernetztes Denken und Handeln, und somit die Er- reichung von Qualität, Sortimentskompetenz, marktadäquaten Preisen und Flexibilität (ebenda). Zu kritisieren sind bezüglich EMAS auch ein hoher Formalisierungsgrad und entsprechende Dokumentationspflichten, die in keinem Verhältnis zur Praxis stehen. Gerade viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) kön- nen die von der EG-VO geforderten Managementaufgaben und -funktionen gar nicht erfüllen. Viele Aufgaben werden häufig in Personal- union30 übernommen. So führt die von EMAS geforderte intensive Doku- mentation zu einer „Ökokratie“ (ebenda, S. 34 f.). DYLLICK (1995, S. 322) fällt dabei die Diskrepanz zwischen dem hohen Formalisierungsgrad von Instrumentarium und Organisation und den recht vagen Zielvorstellungen auf. „Statt auf die Entwicklung und Begründung von Strategien, Zielen und Motiven eines verstärkten Umweltengagements von Unternehmen einzugehen, wird [...] die Etablierung von Umweltmanagementstrukturen und -systemen verlangt.“ Einen weiteren Kritikpunkt in Zusammenhang mit der hohen Formalisierung wird von KLEMMER & MEUSER (1995, S. 33) darin gesehen, dass EMAS einen Standard für den betrieblichen Umwelt- schutz einfordert und damit das Spektrum der Lösungsmöglichkeiten auf die von der Norm angebotenen Alternativen minimiert. Allerdings wird hier auch relativiert: „Einerseits werden die Aktivitäten aller umweltorien- tierten Unternehmen auf eine Norm fixiert, was die Gefahr in sich birgt, 29 Beispielhaft seien hier flache Hierarchien und Teamstrukturen genannt. 30 Ähnlich wie der ehrenamtliche Mitarbeiter im Sportverein sein Engagement einbringt. 3 Betrieblicher Umweltschutz 52 die sinnvolle Suche nach Verbesserungen zu verhindern, andererseits richten viele Unternehmen erst aufgrund der Norm ein Umweltmanage- mentsystem ein und tragen damit zur Integration des Umweltschutzes in ihre betrieblichen Abläufe bei.“ (ebenda). Auch eine hohe Ökokontrolle und eine fehlende Forderung nach ökologi- schen Innovationen ist beim EMAS festzustellen. Es ist nicht die Leistung, die im Mittelpunkt der Betrachtung steht und geprüft wird, sondern das Managementsystem, das die Leistung gewährleisten soll (DYLLICK 1995, S. 322). Es wird zu viel zu häufig nur standortbezogen auf die Umwelt- schutzproblematik reagiert, statt aktiv und innovativ neue Prozesse und Technologien anzustreben. Das Auditprinzip zielt auf Kontrollieren statt auf Innovieren. 3.3.2 Kritik an der ISO 14001 Im Vergleich zur Kritik an EMAS lässt sich in der Literatur keine so aus- führliche Kritik an der ISO-Norm 14001 finden. Folgende Kritikpunkte zeigen aber auf, welche Aspekte von der ISO 14001 nicht beachtet wer- den, von einem zukunftsweisenden, vorbildlichen UMS31 allerdings einzu- fordern ist: Vorliegen eines strategischen Defizits, Forderung keiner Umwelterklärung, kontinuierliche Verbesserung lediglich als Fortentwicklung des Be- triebsmanagements. Betrachtet man das UMS der 14001-Norm, so kann man eine wesentliche Ungleichverteilung der Systemelemente auf den drei Managementebenen feststellen. In Abbildung 12 wird ein strategisches Defizit sichtbar32. „Während mit der Norm-Forderung nach einer betrieblichen Umweltpolitik die normative Ebene zumindest angesprochen ist, sind die weiteren Norm-Elemente schwergewichtig der operativen Ebene zuzuordnen. Weitgehend ausgespart bleibt hingegen die strategische Ebene.“ (DYLLICK & HAMSCHMIDT 2000, S. 109). 31 Beispielsweise von einem UMS eines Sportvereins. 32 Dieses strategische Defizit ist auch beim EMAS zu beobachten (DYLLICK & HAMSCHMIDT 2000, S. 109). „EMAS ist [...] durch ein gravierendes strategisches Defizit gekennzeichnet, bei gleichzei- tiger Überbetonung der operativen Ebene.“ (DYLLICK 1995, S. 323). 3 Betrieblicher Umweltschutz 53 Abbildung 12: Strategisches Defizit in der Konzeption von Umweltmanagementsystemen (in Anlehnung an DYLLICK 1995, S. 324; DYLLICK & HAMSCHMIDT 2000, S. 109) „Statt daß die operativen Vollzugsstrukturen aus den strategischen Ziel- setzungen ‚von oben nach unten’ abgeleitet und so schlank wie möglich gehalten werden, erscheinen sie losgelöst davon und geradezu als Selbstzweck.“ Daraus ergeben sich Gefahren, die darin bestehen, dass das Instrument des UMS für symbolische und politische Zwecke genutzt wird, anstatt zur Anleitung einer effektiven Verbesserung des betriebli- chen Umweltschutzes (DYLLICK 1995, S. 323). DYLLICK (2000, S. 65) hat schon früh auf die Gefahr hingewiesen, „dass Unternehmen durch diesen ‚operativen Bleifuss’ der Normforderungen einseitig belastet werden könnten statt sie durch strategische Perspektiven und Handlungsmöglich- keiten zu ‚beflügeln’.“ Die Kommunikation spielt im Rahmen des Umweltmanagements eine be- sondere Rolle. So sieht die ISO 14001 vor, spezielle Verfahren für die in- terne und externe Kommunikation bezüglich umweltrelevanter Umwelt- aspekte zu installieren (14001NEWS 2003a, www). Die ISO 14001 fordert aber keine detaillierte Umwelterklärung. Die Veröffentlichung einer Um- welterklärung ist jedoch ein wichtiges kommunikationspolitisches Marke- tinginstrument, das hilft Glaubwürdigkeit und Umweltbewusstsein der Unternehmung nach extern zu transformieren. Es ist zu erwarten, dass der Verzicht auf eine Umwelterklärung sich negativ in der Unternehmens- kommunikation auswirkt und Chancen nicht konsequent genutzt werden. Die Anspruchsgruppen eines Unternehmens fordern immer mehr Trans- parenz über die ausgehenden Umweltbelastungen der Produktion, Pro- dukte und Dienstleistungen des Unternehmens, um festzustellen inwie- Management Management operatives strategisches normatives Management 3 Betrieblicher Umweltschutz 54 weit dem Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung entsprochen wird (CLAU- SEN & FICHTER 1998, S. 875; HENN 1995, S. 143). Gemäß der ISO 14001 muss die Umweltpolitik eine Verpflichtung zur kontinuierlichen Verbesserung und Vermeidung enthalten. „Die ISO 14001 definiert jedoch ‚kontinuierliche Verbesserung’ lediglich als Fort- entwicklung des betrieblichen Umweltmanagements.“ (THIMME 1998, S. 274). Eine Aussage bezüglich einzuhaltender Umweltaktivitäten und -leistungsziele, die der betriebliche Umweltschutz dabei erreichen soll, wird nicht gemacht33, sondern nur als angenehmer Nebeneffekt der Ver- besserung des UMS verstanden. Umweltschutzorganisationen sehen da- bei die ISO 14001 bezüglich der positiven Wirkung auf die Umweltsituati- on der Unternehmen lediglich als Alibifunktion, die keine Wirkung zeigt. „Nach der ISO 14001 Norm werde im Grunde nur die ‚ökologische Effizi- enz’ im Sinne eines funktionierenden Umweltmanagementsystems zertifi- ziert [...].“ (ebenda, S. 274). 3.3.3 Positive Effekte beider Instrumente Hinsichtlich einer positiven Bewertung der Instrumente EMAS und ISO 14000 ff. lassen sich in der Literatur fast nur Aussagen zu EMAS und kaum Aussagen zur ISO-Norm finden. Im Folgenden sind aber mittels einer Praxisstudie von GEGE & NEHM (1998) und einer Untersuchung von ISO 14001-zertifizierten Unternehmen in der Schweiz von DYLLICK & HAM- SCHMIDT (2000) die gemeinsamen positiven Effekte von EMAS und ISO 14001 für Organisationen und Unternehmen darstellbar. Es ist davon auszugehen, dass durch eine große Anzahl validierter Unter- nehmen eine entsprechend größere Breitenwirkung als durch ein paar wenige ökologische Pioniere zu erzielen ist. Unabhängig vom aufgebauten UMS ist es wichtiger, ein „gelebtes“ Umweltmanagement im Unterneh- men vorzuweisen. Systematisches UM hat bereits zu bemerkenswerten Kosteneinsparungen bei den Unternehmen geführt. Des Weiteren profitie- ren die validierten Unternehmen und Organisationen durch eine erhöhte Mitarbeitermotivation, von einem positiven Image intern und extern durch Kooperationen mit Ämtern bei Genehmigungsverfahren, positiver 33 Dies gilt auch für EMAS. 3 Betrieblicher Umweltschutz 55 Presse und Kontakten zu ökologischen Anspruchsgruppen. Zudem wird die erhöhte Rechtssicherheit, die man durch den Aufbau eines funktions- fähigen UMS erreicht, und die Verbesserung der innerbetrieblichen Orga- nisation von bereits validierten Unternehmen gelobt. Auch der Begriff des Umweltmanagements, welcher durch EMAS zwar nicht explizit definiert ist, erreichte erst durch EMAS eine Breitenwirkung, was durch eine Viel- zahl von Publikationen und Veranstaltungen zu diesem Thema bewiesen ist. Mit Hilfe der Instrumente für Umweltmanagement erhalten Unter- nehmen und Organisationen, die weltweit oder auf europäischer Ebene operieren, die Möglichkeit, die Einhaltung der Umweltrichtlinien von EMAS und DIN bei ihren Lieferanten einzufordern. Dies führt folglich dazu, dass sich die Zulieferunternehmen ebenfalls dem Umweltmanagementideal öffnen müssen (GEGE & NEHM 1998, S. 6 ff.; DYLLICK & HAMSCHMIDT 2000, S. 32 ff., 126 ff.). DYLLICK (1995) arbeitet einen weiteren positiven Aspekt heraus, der sich durch die Existenz eines UMS gemäß EMAS ableiten lässt. Er weist darauf hin, dass früher betrieblicher Umweltschutz seinen Schwerpunkt im Pro- duktionsbereich hatte. Mit EMAS findet seiner Ansicht jedoch ein Para- digmawechsel statt, da erstmals der Bereich des Umweltmanagements in den Mittelpunkt rückt. Er legt dar, dass EMAS darauf abzielt, durch die Förderung geeigneter Managementstrukturen und Managementsysteme die Wirksamkeit des Umweltschutzes zu verbessern. Umweltschutz ist somit eine Managementaufgabe und stellt folglich eine Herausforderung an die Unternehmensführung dar, ihre Verantwortung und Führungsfunk- tion im Umweltbereich aktiv wahrzunehmen (ebenda, S. 316 f.). 3.4 Öko-Controlling In Zusammenhang mit dem Aufbau eines UMS ist das Öko-Controlling34 zu erwähnen, da es ein wichtiges Hilfsmittel bei der Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes darstellt. Das seit Mitte der 80er Jahre entwickelte Konzept des Öko-Controlling, welches auf eine vorbeugende und in die Zukunft gerichtete ökologische 34 Die Begriffe „Öko-Controlling“, „Umwelt-Controlling“, „umweltorientiertes Controlling“ oder „ökolo- gisches Controlling“ werden in der Literatur synonym verwandt (HAMM 1997, S. 269). 3 Betrieblicher Umweltschutz 56 Kontrolle abzielt, ist deshalb ein geeignetes Instrument, weil es wesentli- che Anforderungen an ein UMS erfüllt (BUTTERBRODT, DANNICH-KAPPELMANN, TAMMLER & KAMINSKE 1995, S. 17 ff.). Controlling wird definiert als „ein Subsystem der Führung, das Planung und Kontrolle sowie Informationsversorgung systembildend und system- koppelnd koordiniert und auf diese Weise die Adaption und Koordination des Gesamtsystems unterstützt.“ (STAEHLE 1994, S. 636). HOPFENBECK & JASCH (1993) stellen in ihrer Vorstellung des Begriffes „Controlling“ fest, dass das traditionelle Controllingverständnis dem Wesen nach dem inner- betrieblichen Rechnungswesen entspricht und sich dabei das Tätigkeits- feld auf die Erfassung von Daten und die Vorgabe und Kontrolle von Ziel- werten konzentriert. „Die Vorstellung des Controlling als eine vergangen- heitsorientierte, stark auf die Aufgaben des innerbetrieblichen Rech- nungswesens beschränkte Sichtweise kann heutigen Anforderungen nicht genügen. Ein heute notwendiges führungsorientiertes Controlling ist ge- prägt durch eine systemische Denkweise und die Beachtung der größeren Bedeutung zukunftsgerichteter Informationen unter Einbezug nichtquan- tifizierbarer Daten.“35 (ebenda, S. 47 f.). SCHALTEGGER & STURM (1995) bemerken diesbezüglich, dass der Begriff des „Controlling“ in der be- triebswirtschaftlichen Literatur und in der Praxis unterschiedlich definiert, verstanden und angewendet wird und es dabei nicht verwunderlich ist, dass es zum Thema Öko-Controlling ebenso viele Definitionen und Ansät- ze gibt36 (ebenda, S. 8 f.). So äußern sich BUNDESUMWELTMINISTERIUM & UMWELTBUNDESAMT (BMU & UBA 1995, S. 23) zum Öko- beziehungsweise Umweltcontrolling wie folgt: „Um Erfolgspotentiale nutzen zu können, reicht ein formales Um- weltmanagementsystem nicht aus. Vielmehr ist die Einbindung ökologi- scher Aspekte in alle Unternehmensbereiche notwendig. Betriebliches Umweltcontrolling ist das geeignete Instrumentarium dafür: Im Rahmen eines aktiven Umweltmanagements übernimmt es die Funktion eines In- 35 „Zum besseren Verständnis hierzu folgender Hinweis: Die Buchführung, die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung sind die klassischen Instrumente der Ergebnissteuerung eines Unternehmens. Ihr Nachteil: Sie zeigen erst am Jahresende, ob sich das Wirtschaften eines Jahres ausgezahlt hat.“ (SCHULZ & SCHULZ 1994, S. 275). 36 „Vereinfachend ausgedrückt ist ‚Umweltcontrolling’ die (vorbeugende) Kontrolle in die Zukunft, damit ein für das Unternehmen ungewolltes umweltrelevantes Ereignis nicht erst dann festgestellt wird, wenn es bereits eingetreten ist.“ (SCHULZ & SCHULZ 1994, S. 275). 3 Betrieblicher Umweltschutz 57 formations-, Analyse-, Planungs- und Steuerungsinstruments. Damit trägt es wesentlich zur Einbindung umweltorientierter Ziele in die Organi- sation des Unternehmens bei. [...] Durch das Aufzeigen von Schwachstel- len und Optimierungspotentialen sowie Steuerung der Maßnahmen steht ein systematisches Umweltcontrolling für einen kontinuierlichen Verbes- serungsprozeß.“ Zur Durchführung von Umweltschutzmaßnahmen und Umsetzung eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses beinhaltet das Öko-Controlling als Kernbestandteil ein betriebliches Umweltinformationssystem (BUIS). Dabei versorgt das Öko-Controlling mit seinem BUIS die Organisation mit solchen Informationen, die geeignet sind, ökologisch relevante unter- nehmensexterne und -interne Aspekte im Zusammenhang mit dem be- trieblichen Handeln zu erfassen und zu beurteilen. „Betriebliche Umwel- tinformationssysteme dienen der Quantifizierung der Einflüsse unterneh- merischer Tätigkeiten auf die natürliche Umwelt und ermöglichen deren Bewertung. Mit einem betrieblichen Umweltinformationssystem wird ein Unternehmen in die Lage versetzt zu planen, zu überwachen, zu steuern und zu dokumentieren.“ (BUTTERBRODT et al. 1995, S. 26). Für den Aufbau eines Öko-Controlling steht somit erst das Zusammentra- gen von Informationen über die Ressourcenverbräuche, Gefahrenpotenti- ale, Einsatzstoffe und Emissionen im Vordergrund. Die Ökobilanzierung37 als grobe Input-Output-Bilanzierung auf Betriebsebene ist der erste Schritt für eine ganzheitliche Betrachtung der umweltrelevanten Be- triebsvorgänge. Daran schließt sich eine Zielentwicklungsphase an, bei der die Zielparameter erarbeitet und später im Rahmen der Planung als Zielwerte zu konkretisieren sind. Durch einen permanenten Soll-Ist- Vergleich ist zudem ein Frühwarnsystem zum Erkennen ökologischer An- forderungen und Schwachstellen in der betrieblichen Leistungserstellung geschaffen. Damit erhält das Unternehmen oder die Organisation ent- sprechende Führungsinformationen, die es dann im Rahmen des UM im Alltagsgeschäft umzusetzen gilt (BMU & UBA 1995, S. 24 f.; HOPFENBECK & JASCH 1993, S. 51 ff.). 37 Auch: ökologische Schwachstellenanalyse (HOPFENBECK & JASCH 1993, S. 53). 3 Betrieblicher Umweltschutz 58 „Mit dem Aufbau eines Umweltcontrolling ist deshalb gewährleistet, daß die Anforderungen der EG-Öko-Audit-Verordnung erfüllt werden und das Umweltmanagementsystem einen aktiven betriebswirtschaftlichen Er- folgsfaktor darstellt.“ (BMU & UBA 1995, S. 25). „Öko-Controlling hat so- mit die Aufgabe, die effiziente und wirksame Realisierung einer ökonomi- schen und ökologischen Entwicklung von Unternehmen zu unterstützen.“ (SCHALTEGGER & STURM 1995, S. 10). 4 Gegenstand des Umweltmanagementsystems 59 4 Gegenstand des Umweltmanagementsys- tems Dem nachstehenden Teil der Arbeit sind die beiden unterschiedlichen Mo- delle von UMS, die sich aus den zwei Standards betrieblichen Umwelt- schutzes ergeben, zugrunde gelegt. Durch die Forderung des EMAS ein UMS nach ISO 14001 einzugliedern, ergeben sich aus den beiden Model- len bei der Implementierung gemeinsame Ziele und Aufgaben für Unter- nehmen. In den folgenden theoretischen Ausführungen ist das Umwelt- managementsystem im Speziellen vorgestellt, um zu zeigen, welche ver- schiedenen Ebenen bei einer Implementierung berührt werden und einer Berücksichtung bedürfen. 4.1 Aufbau und Struktur eines Umweltmanagement- systems Betrieblicher Umweltschutz ist, wie zuvor dargestellt, ein integraler Be- standteil der Unternehmenspolitik und der Unternehmensziele. Das UMS ist in das allgemeine Managementsystem der gesamten Organisation in- tegriert. Es dient dazu, die Umweltpolitik festzulegen und Organisations- strukturen zu ihrer Umsetzung einzurichten. Es orientiert sich inhaltlich an den EG-Öko-Audit-Verordnungen EMAS I und II sowie an den interna- tionalen Normen zum Umweltmanagement und Umweltaudit ISO 14000 ff. Auch FREIMANN (1996, S. 413) hält fest, dass unter einem Umweltmana- gementsystem zum einen die regelmäßige Wiederholung interner und externer Umweltaudits und die damit verbundene Überprüfung und kon- tinuierliche Verbesserung aller Umweltaspekte eines Unternehmens oder zum anderen „die organisatorische und personelle Verankerung der ver- schiedenen mit der betrieblichen Umweltpolitik verbundenen Aufgaben und damit die Schaffung der strukturellen Voraussetzungen für eine akti- ve betriebliche Umweltpolitik“ verstanden werden kann. Aufbau und Struktur eines UMS sind unterteilt in unterschiedliche Ebenen mit entsprechend unterschiedlichen Funktionen. DREWS, FÖRTSCH, KRINN, 4 Gegenstand des Umweltmanagementsystems 60 MAI, MEINHOLZ, PLEIKIES & SEIFERT (1996, S. 228) beschreiben die einzel- nen Elemente eines UMS und erklären deren Funktionen. „Das Umwelt- managementsystem legt die Verantwortung und die Zusammenarbeit bezüglich des Umweltschutzes im Unternehmen fest. Es erstreckt sich auf alle organisatorischen und technischen Maßnahmen im Unternehmen. Um die Entstehung von Umweltproblemen zu vermeiden, legt das UM-System besonderen Nachdruck auf vorbeugende Maßnahmen. Es gewährleistet die Erfüllung der betrieblichen Umweltpolitik und führt zu einer laufenden Verbesserung der betrieblichen Umweltsituation.“ Nach DREWS et al. (1996) besteht ein UMS eines Unternehmens oder ei- ner Organisation aus hierarchischen und zyklischen Systemelementen. Zu den hierarchischen Elementen zählen: Umweltpolitik, Umweltmanagementhandbuch, Umweltverfahrensanweisungen, Umweltarbeitsanweisungen, Mitarbeiter. Der Vorstand legt die Umweltpolitik und die strategischen Umweltziele fest, die in regelmäßigen zeitlichen Abständen überprüft und notfalls an- gepasst werden (ebenda, S. 229). In einem Umweltmanagementhandbuch werden die Umweltpolitik eines Unternehmens dokumentiert, Umweltschutzrichtlinien eingeführt, Zu- ständigkeiten festgelegt, das Zusammenwirken der einzelnen Elemente des UMS erläutert und letztlich wird das UMS darin dokumentiert. Es ist ein wesentlicher Bestandteil des Umweltmanagementsystems. (BMU & UBA 1995, S. 505; WRUK 1998, S. 842). Die Umweltverfahrensanweisungen ergeben sich aus dem Umweltma- nagementhandbuch. „Sie bestimmen die umweltrelevanten Bestandteile des entsprechenden Prozesses bzw. Ablaufes und geben die genauen Zie- le, die anzuwendenden Methoden und die zu erfüllenden Kriterien an.“ (SEIFERT et al. 1994, S. 154). In ihnen ist für die Mitarbeiter der Umweltschutz in exakten Arbeitsan- weisungen festgelegt. „Sie beschreiben genau die Bedienung der Anla- gen, die notwendige Einhaltung gesetzlich vorgeschriebener Grenzwerte 4 Gegenstand des Umweltmanagementsystems 61 und Korrekturmaßnahmen im Falle von Abweichungen.“ (DREWS et al. 1996, S. 229). Die betroffenen Mitarbeiter werden bereits früh eingebunden und tragen letztlich das UMS (SEIFERT et al. 1994, S. 153; WRUK 1998, S. 842). In den zyklischen Elementen sind nach DREWS et al. (1996) enthalten: Umweltprüfung/Umweltaudit, Umweltprogramm, Umwelterklärung, Validierung. In Unternehmen oder Organisationen werden Öko-Audits spätestens alle drei Jahre vollzogen. In einem Soll-Ist-Vergleich werden dabei alle Ele- mente eines UMS auf Wirksamkeit, Erreichung der Umweltziele und Ein- haltung von Umweltgesetzen geprüft. Im Umweltprogramm sind die Maßnahmen, die aus der strategischen Zielsetzung der Umweltpolitik resultieren, niedergelegt. Es enthält die notwendigen Mittel zur Zielerreichung und zur Festlegung der Verantwor- tung (ebenda, S. 229). Nach der Erstellung des UMS ist jedes Jahr eine Umwelterklärung anzu- fertigen, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und beinhaltet eine Zu- sammenfassung der ökologischen Situation des Unternehmens oder der Organisation. Innerhalb der Beteiligung einer Organisation an EMAS wird diese regel- mäßig durch einen zugelassenen, unabhängigen Umweltgutachter ge- prüft, für rechtsgültig erklärt und in das Standortregister eingetragen (DREWS et al. 1996, S. 228 f.). Wie die Elemente eines UMS zusammen- hängen, ist in Abbildung 13 dargestellt. 4 Gegenstand des Umweltmanagementsystems 62 Abbildung 13: Zusammenhänge der Elemente des Umweltmanagementsystems (in An- lehnung an DREWS et al. 1996, S. 229) 4.2 Ökologische und ökonomische Wirksamkeit von Umweltmanagementsystemen UMS sind komplex und vielseitig einsetzbar. Ihre Implementierung kann in den verschiedensten Bereichen von Unternehmen und Organisationen Nutzen stiften. Entsprechend der Ausgestaltung fallen die Effekte unter- schiedlich aus. Nach den Ausführungen von DYLLICK & BENTZ (2001, S. 44 f.) und DYLLICK & HAMSCHMIDT (2000, S. 32) kann man allgemein zwischen internen und externen Nutzenpotentialen, die zum Aufbau und Betrieb eines UMS verbunden sind, unterscheiden. Tabelle 3 gibt eine Auswahl über wichtige interne und externe Nutzenpotentiale von UMS. Interne Nutzenpotentiale Externe Nutzenpotentiale Systematisierung bestehender Imagesteigerung in der Öffentlichkeit Umweltmaßnahmen Erhöhung der Mitarbeitermotivation Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit Risikovorsorge und Haftungsvermeidung Verbesserung der Konditionen bei Banken und Versicherungen Kostensenkungspotentiale erkennen bessere Beziehungen zu Behörden Tabelle 3: Nutzenpotentiale von Umweltmanagementsystemen (in Anlehnung an DYLLICK & HAMSCHMIDT 2000, S. 32) Mitarbeiter Umwelt- politik Umweltmanage- menthandbuch Umweltverfahrens- anweisungen Umweltarbeitsanweisungen Umset- zung Ziele Rahmen- konzept Richt- linien Einzelfall- regelung Umwelt- erklärung Umwelt- programm Umwelt- begutachtung Umweltprüfung/ Umweltaudit 4 Gegenstand des Umweltmanagementsystems 63 Nach DYLLICK & BENTZ (2001) wird innerhalb der internen Nutzenpotentia- le unter der Systematisierung bestehender Umweltmaßnahmen die gere- gelte Aufbau- und Ablauffolge für den Umweltschutz verstanden. Dies führt zu einer Verbesserung der Kosteneffizienz. Die Motivation der Mit- arbeiter wird erhöht, wenn das Umweltbewusstsein der Organisation wahrgenommen und der Umweltschutz professionell durchgeführt wird. Dies verstärkt die Mitarbeiteridentifikation mit dem umweltengagierten Unternehmen. Zur Risikovorsorge und Haftungsvermeidung trägt eine systematische Überprüfung bestehender Risiken und der Einhaltung gel- tender Umweltgesetze bei. Im Rahmen des UMS sind die für das Unter- nehmen geltenden Umweltvorschriften zu dokumentieren und Verant- wortlichkeiten festzulegen. Das ökonomische Prinzip38 verlangt, möglichst sparsam mit den eingesetzten Ressourcen umzugehen. Das Aufdecken ökologischer Schwachstellen schafft ökonomische Vorteile, das heißt wer- den Umweltbelastungen analysiert, dann werden Kostensenkungspotenti- ale sichtbar. Bezüglich der externen Nutzenpotentiale verstehen DYLLICK & BENTZ (2001), dass ein Unternehmen, das ein UMS aufbaut und sich zertifizie- ren lässt, das ökologische Unternehmensbewusstsein nach außen kom- muniziert und damit eine positive Imagesteigerung generiert. Ein UMS ist bei der Stärkung der Marktposition und Wettbewerbsfähigkeit von gro- ßem Nutzen. Da einflussreiche Kunden verstärkt darauf achten, dass Un- ternehmen ihrer ökologischen Verantwortung gerecht werden, wird ein zertifiziertes Unternehmen möglicherweise bei der Vergabe von Aufträgen bevorzugt. Mit Hilfe der UMS werden Unfall-, Störfall-, Produkt- und Um- welthaftungsrisiken reduziert und damit die Kreditwürdigkeit und Versi- cherbarkeit von Firmen erhöht. Werden die Umweltbehörden schon bei der Ermittlung der gesetzlichen Vorschriften angesprochen, so wird Transparenz und Vertrauen geschaffen (ebenda, S. 44 f., www). „UMS werden auf Dauer nur dann die notwendige betriebsinterne Unter- stützung erhalten, wenn dem erheblichen Personal- und Finanzie- rungsaufwand ein entsprechender Nutzen gegenübersteht.“ (LAXHU- 38 Auch als Rationalprinzip bezeichnet, „verlangt, ein vorgegebenes Ziel mit dem geringsten Mitte- leinsatz zu erreichen (Minimumprinzip) oder mit einem vorgegeben Mitteleinsatz eine möglichst weitgehende Zielerreichung zu bewirken (Maximumprinzip).“ (NEUS 1998, S. 4). 4 Gegenstand des Umweltmanagementsystems 64 BER et al. 1998, S. 23). Aufgebaute und implementierte UMS sind nach LAXHUBER et al. (ebenda), unter drei wesentlichen Hauptaspekten, für die Zukunftssicherung von Unternehmen verantwortlich: Risikominimierung, Kostensenkung, Wettbewerbsvorteile. UMS machen Umweltrisiken schnellstmöglich erkennbar. Dies betrifft Ri- siken durch aktuelle Gefahren (Altlasten, Sondermüll), potentielle Risiken (ungewartete Betriebsanlagen, falsch entsorgte Industrieabfälle), Haf- tungsrisiken (Produkt- und Umwelthaftungsgesetz) sowie Verabschiedun- gen neuer Umweltgesetze. Sind Unternehmen auf solche Entwicklungen nicht vorbereitet, können enorme Kosten auf sie zukommen. Dem kann rechtzeitig entgegengewirkt werden, indem sich Organisation diesen um- weltbedingten Veränderungen frühzeitig stellen (HAURAND & PULTE 1996, S. 46 f.). Das UMS kann durch Dokumentation der umweltrelevanten Da- ten die Betriebsorganisation verbessern und dadurch eventuelle Ver- schuldungsvermutungen entkräften und zwischen Unternehmen und Be- hörden ein kooperatives Verhältnis schaffen, das bei künftigen Genehmi- gungsverfahren von Vorteil sein kann und liefert für das Unternehmen eine Informationsbasis um in Notfällen Schäden zu mindern und zu be- grenzen (LAXHUBER et al. 1998, S. 24 f.). „Die konkrete Kenntnis und die Dokumentation der umweltrelevanten Risiken ermöglicht eine individuell angepasste Gestaltung des Versicherungsschutzes.“ (ebenda, S. 25). UMS führen zu Kosteneinsparungen beziehungsweise Gewinnerhöhungen, in dem Potentiale zur Ressourcen- und Energieeinsparung sowie Vermin- derung des Abfallaufkommens und von Schadstoffemissionen offen gelegt werden. Kostensenkungspotentiale zeigen sich vor allem in den Bereichen der Beschaffung von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen, Wasser und Abwas- ser, Energie, Entsorgung, Transport und Verkehr sowie Verpackung (HAU- RAND & PULTE 1996, S. 41; LAXHUBER 1998, S. 25). „Dieses Potential kann durch Optimierung in verschiedenen Bereichen ausgeschöpft werden: z.B. Senkung des Energieverbrauchs durch Nutzung von Prozeßwärme und Abluft, durch Steuerungstechnik und durch Wärmedämmung, Ver- ringerung des Frischwasserverbrauchs durch geschlossene Systeme 4 Gegenstand des Umweltmanagementsystems 65 und Verringerung von Abwässern, Reduzierung des Ressourceneinsat- zes durch optimierte Fertigungstechnologien, Verringerung der Entsor- gungskosten durch Substitution schadstofferzeugender Prozesse und durch Abfallvermeidung. Vor diesem Hintergrund sind auch Ausgaben für den betrieblichen Umweltschutz Investitionen, die sich verhältnismäßig schnell amortisieren und angesichts einer zu erwartenden Preissteigerung für Rohstoffe und Energie eine spürbar bessere Kostenstruktur ermögli- chen.“ (HAURAND & PULTE 1996, S. 41). Gleichzeitig wächst die Motivation und Identifikation der Mitarbeiter durch ihr Bewusstsein und ihre Verant- wortung für den Umweltschutz. Da viele Versicherungen bestehende UMS bei der Bemessung der Prämienhöhe berücksichtigen, können auch hier Einsparungen getätigt werden (LAXHUBER 1998, S. 25). Wegen des gewachsenen Umweltbewusstseins in der Gesellschaft ermög- licht ein glaubwürdiges ökologisches Selbstverständnis und der Aufbau eines nach außen dokumentierten UMS ein positives Image und damit Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz bei der Akquisition von Kunden (HAURAND & PULTE 1996, S. 42; LAXHUBER et al. 1998, S. 25). „Das Umwelt-Emblem bzw. das zertifizierte UMS können dazu verhelfen, neue Märkte mit ökologisch orientierten Kunden zu erschließen. [...] Entspre- chend der Praxis vieler Versicherer, die ein UMS bei der Prämiengestal- tung berücksichtigen, betrachten inzwischen viele Banken ein UMS als Faktor, der die Kreditwürdigkeit verbessert.“ (LAXHUBER et al. 1998, S. 26). Diese drei Hauptaspekte der Nutzen eines UMS sind in Abbildung 14 nochmals graphisch untergliedert. 4 Gegenstand des Umweltmanagementsystems 66 Abbildung 14: Nutzen von Umweltmanagementsystemen (in Anlehnung an LAXHUBER et al. 1998, S. 23) Diesen Nutzenpotentialen als Chancen stehen Kosten als Risiken gegen- über. LAXHUBER et al. (1998, S. 31 ff.) sehen das Hauptproblem bei der Einführung von UMS in der Praxis bei dem enormen Personal- und Finan- zierungsaufwand. Dabei wird festgehalten, dass der Gesamtaufwand recht unabhängig von der Unternehmensgröße sei. Am Zeit- und Geld- aufwändigsten seien die Bestandsaufnahme der umweltrelevanten Aspek- te und der Aufbau des UMS, wobei allerdings externe Berater die be- triebsinternen Tätigkeiten durch Koordination und Betreuung unterstüt- zen können. „Externe Beratung ist insbesondere für kleinere und mittlere Unternehmen hilfreich, denen oft das nötige Know-how fehlt und die in der Regel keinen eigenen Mitarbeiter als Koordinator für das Projekt freistellen können.“ (LAXHUBER et al. 1998, S. 32). Allerdings sind dabei die Kosten von Qualität und Erfahrung des Beraters abhängig. Die Kosten für die Prüfung der Umwelterklärung oder die Zertifizierung nach ISO 14001 sind unter anderem von der Unternehmensgröße, der Unter- nehmensstruktur und dem Umfang der vom UMS umfassten Produktions- linien abhängig. „Bei kontinuierlicher Überprüfung und Verbesserung ei- nes einmal eingeführten UMS sind die laufenden Kosten erheblich gerin- ger als der Aufwand für den erstmaligen Aufbau.“ (ebenda, S. 32 f.). Die ökonomischen Effekte der UMS-Implementierung sind demnach als neutral bis positiv zu bewerten. GÜNTHER (1998, S. 16) zieht anhand der Kostensenkung Energie- und Rohstoffverbrauch senken Entsorgungskosten senken Umweltabgaben senken Mitarbeitermotivation steigern Risikominimierung Betriebsorganisation optimieren Haftungsrisiken minimieren Notfallvorsorge treffen Versicherungsschutz verbessern Behördenverhältnis verbessern Wettbewerbsvorteile Wettbewerbsfähigkeit verbessern Kreditwürdigkeit verbessern Image verbessern ökologisch orientierte Märkte erschließen Nutzen 4 Gegenstand des Umweltmanagementsystems 67 Ende 1997 publizierten UNI/ASU-Umweltmanagementbefragung39 die Schlussfolgerung, dass UMS unter ökonomischen Kriterien als äußerst wirtschaftlich und als ökonomisch sehr interessante Investitionen zu be- trachten sind und verweist auf ein attraktives Kosten/Nutzen-Verhältnis sowie auf eine kurze Amortisationszeit von UMS. Auch Ergebnisse ande- rer Studien weisen eine positive Gesamteinschätzung der Kos- ten/Nutzenrelation von Umweltmanagementsystemen auf. So stellen DYL- LICK & HAMSCHMIDT (2000) in einer Untersuchung von 15840 ISO 14001- zertifizierten Unternehmen in der Schweiz fest, dass der wirtschaftliche Gesamtnutzen von UMS von gut zwei Drittel (67%) der befragten Unter- nehmen eher positiv beurteilt werden „und jedes achte Unternehmen (13%) sieht sogar einen sehr positiven Einfluss des UMS auf die Wirt- schaftlichkeit des Unternehmens.“ (ebenda, S. 77 f.). Zusammenfassend lässt sich nach FREIMANN & WALTHER (2003) die Wirk- samkeit von Umweltmanagementsystemen bezüglich ihrer ökologischen Effekte beurteilen, denn diese gilt es innerhalb des Systems zu reduzie- ren. Nach wie vor dominieren betriebsökologische Maßnahmen, allerdings ist ein Trend zu Umweltschutz über organisatorische Aktivitäten und Pro- duktökologie auszumachen. Ein Erfolg der UMS kann in den Einsparpo- tentialen durch die Verringerung des Ressourceneinsatzes als quantifi- zierbarer ökonomischer Nutzen festgemacht werden. Unabhängig vom genutzten Standard, zeigt sich in der Praxis ein nahezu gleicher Umgang mit dem betrieblichen Umweltschutz. „Unterschiede in der ökologischen Leistung zwischen Unternehmen resultieren mehr aus den unterneh- menspolitischen Intentionen, mit denen die Systeme etabliert werden, und den unternehmenskulturellen Bedingungen, in die sie eingefügt wer- den, als aus dem Standard selber.“ (ebenda, S. 5, www). Bezüglich der Amortisationszeit ist zu erkennen, dass in Unternehmen in der Anfangs- phase nur das Ausschöpfen der Einsparpotentiale im Vordergrund steht. Dabei profitieren insbesondere Unternehmen die einen extremen ökologi- schen Nachholbedarf aufweisen. Da den Unternehmen hohe Investitions- und Betriebskosten bei gleichzeitigen unsicheren Nutzen im Umgang mit 39 An der Umfrage beteiligten sich rund 800 Praktiker, vorwiegend aus KMU (GÜNTHER 1998, S. 16). 40 Stichtag der Erhebung war der 31.03.1999, zu dem 361 Unternehmen zertifiziert waren. Der Rück- lauf von 158 Fragebögen, entspricht 45% aller zertifizierten Unternehmen der Schweiz (DYLLICK & HAMSCHMIDT 2000, S. 23 f.). 4 Gegenstand des Umweltmanagementsystems 68 UMS gegenüberstehen, müssen die UMS ihre Existenz im Betrieb über ihre internen und externen Nutzen rechtfertigen (ebenda, S. 4 ff., www). 4.3 Vorbereitungen der Umweltmanagementsystem- Implementierung Wie in den vorherigen Ausführungen beschrieben, ist die Überzeugung des obersten Managements ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Imple- mentierung jedes Managementsystems. Um bei den Mitarbeitern die ge- nannte Akzeptanz und Motivation erreichen zu können, muss die Philoso- phie eines Umweltmanagements der „Chefetage“ völlig klar sein, bevor ein solches System als Selbstverpflichtung in die Strukturen einer Organi- sation eingeführt werden kann. Um die Einführung erfolgreich zu gestal- ten hat sich in der Praxis eine Projektorganisation für geeignet erwiesen. Das obere Management hat dabei alle innerbetrieblichen Strukturen zu schaffen und die benötigten Mittel bereitzustellen (NEUHOLD 1997, S. 114 f.). Im Folgenden wird der prinzipielle Ablauf bei der Implementierung eines UMS nach NEUHOLD (1997) vorgestellt: Sammlung von umweltrelevanten Daten, Formulierung einer Umweltpolitik, Identifizierung der Umweltaspekte, Ausformulierung der Umweltziele und -programme, Betreuung der Umsetzung und Durchführung, Prüfung der Zweckmäßigkeit und Wirksamkeit, Unterrichtung der Öffentlichkeit, Integration in bestehende Managementsysteme. Unter den einzelnen Projektschritten werden in einer exakteren Hinwen- dung folgende Sachverhalte verstanden: Sammlung von umweltrelevanten Daten Um eine genaue Ist-Zustands-Aufnahme, in der alle umweltrelevanten Aspekte ermittelt und Informationen gesammelt werden, zu ermöglichen, dienen folgende Erhebungs- und Auswertungsmethoden: Studium der bisherigen Tätigkeiten am Standort, Sichtung relevanter Unternehmensdokumentationen, Berechnungen, eigene Prüfungen und Messungen, 4 Gegenstand des Umweltmanagementsystems 69 Mitarbeiterbefragung, Prüfung von Anlageplänen und Bescheiden, Benchmarking41, Ermittlung und Bewertung von Kennwerten, Input-Output-Analysen, Ökobilanzen. Mit diesen Analysemethoden können die Ressourcen, die Finanzierung, der Zeitrahmen und der personelle Aufwand für die Einführung und Um- setzung des UMS in das Unternehmen zuverlässig abgeschätzt werden. In dieser Phase erfolgt auch die Festlegung des Erfüllungsgrades der Anfor- derungen der EMAS beziehungsweise der ISO 14001 und die Entschei- dung, ob ein externer Berater zur Unterstützung in Anspruch genommen wird (ebenda, S. 115). Formulierung einer Umweltpolitik Analog der EG-Verordnung müssen Organisationen eine Umweltpolitik formulieren, festlegen und schriftlich formulieren. Eine klare, einprägsa- me Umweltpolitik stellt eine langfristige strategische Zielformulierung für den betrieblichen Umweltschutz dar (DREWS et al. 1996, S. 231). Mögli- che Inhalte einer Umweltpolitik könnten, in Anlehnung an NEUHOLD (1997, S. 116), sein: Vermeidung negativer Umweltauswirkungen durch Prävention, Umweltschonung über alle Phasen von der Produktentwicklung bis zur Produktnutzung und dessen Entsorgung, Effiziente Nutzung der Ressourcen, offene Kommunikation zur Vertrauensbildung, ständige Verbesserung der Umweltleistung, Einhaltung des Stands der Technik und aller gesetzlicher Umweltbe- stimmungen, Einbeziehung der Zulieferer und Kunden in den Umweltschutz und Förderung des Umweltschutzgedankens der Mitarbeiter. Identifizierung der Umweltaspekte „Innerhalb der Umweltprüfung werden die im Ersten Umweltcheck identi- fizierten umweltrelevanten Tätigkeiten am Standort auf ihre Umweltaus- wirkungen hin untersucht.“ (DREWS et al. 1996, S. 231). Untersucht und 41 „Beim Benchmarking werden ausgewählte Teilbereiche, ganze Funktionsbereiche [...], Prozesse [...] oder Produkte des eigenen Unternehmens, zumeist branchenübergreifend mit anderen Unter- nehmen verglichen, die in Bezug auf den zu untersuchenden Teilbereich als weltweit führend gel- ten.“ (MEFFERT 2000, S. 391). 4 Gegenstand des Umweltmanagementsystems 70 bewertet werden dabei die Auswirkungen der einzelnen Tätigkeiten und Materialien im Unternehmen auf ihre Umweltauswirkungen um somit den Standard im betrieblichen Umweltschutz zu ermitteln und mögliche Defi- zite aufzuzeigen. Dabei treffen möglicherweise folgende Aspekte zu, die im Wesentlichen von der Art der Tätigkeiten, Größe des Unternehmens und den erzeugten Produkten beziehungsweise erbrachten Dienstleistun- gen abhängen: Emissionen in die Atmosphäre, Ableitungen in Gewässer oder die Kanalisation, (gefährliche) Abfälle, Erdreichkontamination, Nutzung von Boden, Wasser, Luft und Energie, Lärm, Wärme, Geruch, Staub, Erschütterung und optische Einwirkun- gen, Auswirkungen auf Umweltteilbereiche und Ökosysteme (NEUHOLD 1997, S. 116 f.). Hier stellt sich die Frage der Systemabgrenzung. „Die Systemgrenzen sollten nicht zu eng [...], aber auch nicht zu umfassend [...], gewählt werden. Es liegt auf der Hand, daß bei zu enger Wahl der Systemgrenzen kein wirklicher Effekt zur Verbesserung der Umweltleistungen des Unter- nehmens erreicht werden kann. Andererseits wird bei zu weiten System- grenzen die praktische Durchführung und Nachweisbarkeit nicht mehr wirtschaftlich möglich sein.“ (ebenda, S. 117). Ausformulierung der Umweltziele und -programme Für die als besonders umweltrelevant erkannten Teilbereiche einer Orga- nisation sollen selbst beeinflussbare Umweltziele formuliert werden: Energieeinsatz/-ausnutzung, Rohstoffeinsatz/-ausnutzung, Wasserverbrauch und Abwassermengen, Abfallmengen nach Abfallarten und Recyclinganteil, Emissionswerte, Unfälle und Störfälle, Umweltimage in den Anspruchsgruppen, Einhaltung von Umweltauflagen, Betriebsverbräuche, Langlebigkeit, Reparaturfähigkeit sowie Entsorg- barkeit von Produkten. 4 Gegenstand des Umweltmanagementsystems 71 Im Umweltprogramm werden die Ziele, die Verantwortlichen, die Res- sourcen und die geplanten Maßnahmen mit Zeitplan aufgeführt. Das Um- weltprogramm entspricht den Grundsätzen der Umweltpolitik und ver- schreibt sich dem kontinuierlichen Verbesserungsprozess des betriebli- chen Umweltschutzes (ebenda, S. 118 f.). Betreuung der Umsetzung und Durchführung Es ist eine klar strukturierte Aufbau- und Ablauforganisation vonnöten. Die Verantwortlichen und Betreuer im Management, des UMS und rele- vanter Teilbereiche sollten über eine Spezialausbildung und entsprechen- der Praxiserfahrung verfügen, da ihnen eine besondere Bedeutung zu- kommt. Umweltrelevante Tätigkeiten laufen in nahezu allen Unterneh- mensbereichen, von der Erfassung der Marktbedürfnisse bis hin zur Sammlung und Verwertung alter Produkte, ab. Um negativen Umwelt- auswirkungen bei potentiellen Unfällen entgegenzuwirken, gilt es umfas- sende Notfallpläne mit möglichen Inhalten zu erstellen: Stoffübersicht mit Gefährdungspotential und deren Lagerort, Standorte von Hilfsmitteln zur Schadensbegrenzung, Sicherheitsdatenblätter, Angaben und Hilfsmittel zum Schutz der Mitarbeiter, zu benachrichtigende Personen, einzuhaltende Abläufe, Regelungen über öffentliche Stellungnahmen und Kriterien zur Selbst- anzeige. Alle Produkte, Tätigkeiten und Prozesse des Unternehmens mit umweltre- levantem Charakter sind regelmäßig zu überwachen und zu messen so- wie auf ihre Übereinstimmung mit den gesetzlichen Vorgaben zu bewer- ten. Abweichungen des Soll-Zustands sind festzustellen, festzuhalten, zu bewerten und die erforderlichen Korrekturmaßnahmen einzuleiten. Das Umweltmanagementsystem ist durch interne Audits periodisch zu über- wachen um festzustellen, ob die Anforderungen der EMAS beziehungs- weise der ISO 14001 erfüllt sind. Alle festgelegten Verfahren sind in dem Umweltmanagementhandbuch übersichtlich darzustellen (ebenda, S. 119 ff.). 4 Gegenstand des Umweltmanagementsystems 72 Prüfung der Zweckmäßigkeit und Wirksamkeit Hierzu dienen regelmäßig durchgeführte Management-Reviews, die auf nachstehenden Daten und Informationen basieren: Erfüllung der Umweltziele, Entwicklungstrends der Umweltleistung, Auditergebnisse, Erwartungen der Anspruchsgruppen, Stand der Wissenschaft und Technik, Gesetzesänderungen, Ergebnisse der Kommunikation, Änderungen der Organisation, von Prozessen oder Produkten, vollzogene Korrektur- oder Vorbeugungsmaßnahmen (ebenda, S. 121). Unterrichtung der Öffentlichkeit Jedes Unternehmen und jede Organisation publiziert ihre umweltspezifi- schen Daten und Angaben um eine Vertrauensbasis zur Öffentlichkeit zu gestalten. Für die Teilnahme am EMAS ist eine Veröffentlichung einer Umwelterklärung zwingend, während dies bei der ISO-Norm auf Freiwil- ligkeit beruht42 (ebenda, S. 122). Integration in bestehende Managementsysteme In vielen Unternehmen sind bereits andere Managementsysteme einge- führt, deren bestehende Systemelemente mit den UMS kombiniert und genutzt werden können. Allerdings bleibt es nicht aus, bestehende Struk- turen zu verändern oder neue zu schaffen um eine gemeinsame Struktur zu erhalten. In der Literatur finden sich zahlreiche Leitfäden und Ratge- ber zu Kombinationsmöglichkeiten bestehender Managementsysteme, wie zum Beispiel die ISO-Normen 9001 und 14001 (ebenda). Im Sinne der kontinuierlichen Verbesserung sollte eine ständige Aktuali- sierung der Umweltaspekte, eine Weiterentwicklung des UMS, eine Be- achtung des Standes der Technik und der rechtlichen Rahmenbedingun- gen sowie die Erfahrungen interner Audits und auftretender Umweltprob- leme genutzt werden, um eine permanente Pflege des Managementsys- tems zu gewährleisten (ebenda, S. 123). 42 Die Inhalte einer Umwelterklärung sind in Kapitel drei dieser Arbeit wiedergegeben. 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 73 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport Ein Ziel dieser Arbeit ist es, den Status quo von Ökologisierungsmaß- nahmen im Sport aufzuzeigen. Die Ausführungen in Kapitel zwei dienten in diesem Zusammenhang dazu, die Rolle des Sports im Agenda 21- Prozess zu verdeutlichen. Das Kapitel drei half zu veranschaulichen, wel- che Ansätze und Konzepte bezüglich der Ökologisierung von Unterneh- men durch den betrieblichen Umweltschutz eine Hilfestellung bieten kön- nen. Ausführlich wurden dabei die beiden Standards EMAS und ISO 14001 für UMS vorgestellt und besprochen. Das „Untersuchungsobjekt“ Umweltmanagementsystem wurde in einer tieferen Betrachtung in Kapitel vier behandelt. Im Folgenden wird versucht, Aktivitäten von Sportorgani- sationen vor dem Hintergrund der bisherigen Ausführungen zu untersu- chen und zu interpretieren. Die zuvor gemachten theoretischen Abhandlungen können für die Ökolo- gisierung des Sports zwar grundsätzliche Vorgehensweisen und Rahmen- bedingungen für die Umsetzung und Integration einzelner Maßnahmen vorgeben, doch lassen sich aus diesen nur schwer allgemeine Praktiken für Ökologisierungsmaßnahmen ableiten. Deshalb ist es in dieser Arbeit unverzichtbar, Umweltschutz- und Nach- haltigkeitskonzepte im Sport vorzustellen und zu analysieren, um prakti- sche Anhaltspunkte zur Ökologisierung des Sports zu gewinnen. Da in der Literatur kaum Umweltschutz- und Nachhaltigkeitskonzepte und -projekte im Sport beschrieben werden, muss diese Analyse vor allem durch eine ausführliche Internetrecherche mit Seiten von Organisationen ergänzt werden, die eine Umsetzung oder Entwicklung eben jener Konzepte und Projekte zum Inhalt haben. Die Erkenntnisse aus der Literaturanalyse und der einzelnen Internetsei- ten führen schließlich zu einer Beschreibung des Ist-Zustands von Um- weltschutz- und Nachhaltigkeitsaktivitäten des Sports in Deutschland. 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 74 5.1 Ökologisierung der Sportartikelindustrie „Umweltbelastungen können in allen Lebenszyklen eines Sportartikels auftreten, also bei der Rohstoffgewinnung, der Vorproduktion, der eigent- lichen Herstellung des Artikels, dem Vertrieb, dem Gebrauch und der Ent- sorgung. Bisher dominieren in der Sportartikelindustrie sogenannte End- of-Pipe-Strategien, die lediglich auf die nachträgliche Minderung bereits entstandener Belastungen gerichtet sind.“ (BMU 1998, S. 16, www). In direkter Übertragung des betrieblichen Umweltschutzes und der Ver- antwortung der erwerbswirtschaftlichen Industrie gegenüber der sozialen und ökologischen Umwelt soll zunächst eine exemplarische Betrachtung der Sportartikelindustrie anhand der adidas-Salomon AG stattfinden. Die adidas-Salomon AG ist ein international tätiges börsennotiertes Sportartikelunternehmen. Sie ist mit rund 15% Marktanteil ein führender Hersteller von Produkten aus den Bereichen Sportschuhe, Sportbeklei- dung und -zubehör. Der Hauptsitz im fränkischen Herzogenaurach leitet den gesamten Konzern, der insgesamt aus über 100 Tochtergesellschaf- ten weltweit besteht und annähernd 15000 Mitarbeiter beschäftigt (ADI- DAS-SALOMON AG 2002, S. 17, www). Ganz im Sinne der Agenda 21 und dem Leitbild einer nachhaltigen Ent- wicklung, strebt der Sportartikler die Vision und Strategie eines nachhal- tigen Unternehmens durch ein Umwelt- und Sozialengagement an (eben- da, S. 15, www). Gründe für ein nachhaltiges Wirtschaften sieht der Kon- zern darin, dass eine verantwortungsbewusste Steuerung der Beschaf- fungskette und eine bessere Umweltverträglichkeit sich positiv auf den Ruf und die Finanzlage des Konzerns auswirkt. Um darüber hinaus die Grundrechte eines jeden Menschen zu achten und zu respektieren hat die AG ihr Bemühen in Form der „Prinzipien der Nachhaltigkeit“ ausformu- liert. Diese beinhalten die Berücksichtigung rechtlicher Vorschriften, die Koordination der sozialen und ökologischen Auswirkungen der Pro- duktion durch entsprechendes Management, den Einfluss der Zulieferer und Kunden hinsichtlich der Übereinstim- mung mit den adidas-Salomon „Standards of Engagement“ (SOE)43, 43 Die SOE ist der Verhaltenskodex des Unternehmens, nach dem Arbeitsbedingungen beurteilt wer- den. „Als Leitprinzip befassen sie sich mit unterschiedlichen Aspekten der Beschäftigung, ein- 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 75 eine Unterstützung sozial- und umweltschutzaktiver Organisationen sowie die Kommunikation nach extern mit den Anspruchsgruppen über Um- welt- und Sozialverträglichkeit innerhalb des Konzerns (ebenda, S. 16, www). Um die Umweltauswirkungen in jeder Phase des Produktlebenszyklus an den eigenen Standorten sowie an denen der Zulieferer so gering wie möglich zu halten, fördert das Unternehmen „umweltbewusste Manage- mentpraktiken“ und entwickelt Schulungsunterlagen sowie vorbildliche Maßnahmen. Um umweltrelevante Daten erfassen zu können, bedient sich die adidas-Salomon AG bestimmter Instrumente: Zuliefererunterstützung bezüglich der Reduzierung der Umweltauswir- kungen, Einhaltung internationaler Standards in Form von Managementsyste- men, Erfassung der Umweltkennzahlen bezüglich der „Nutzung von Rohstof- fen, Energie und Wasser sowie Abfall- und Emissionsmengen“, Verzicht auf das giftige PVC in der Produktion, „Kontrolle und Überwachung von Gefahrstoffen“ sowie „Verringerung flüchtiger organischer Verbindungen in der Schuhpro- duktion“ (ebenda, S. 40 f., www). Die adidas-Salomon AG wird in vielerlei Hinsicht dem Leitbild einer nach- haltigen Entwicklung gerecht. In Bezug auf die Fragestellung der vorlie- genden Arbeit soll an dieser Stelle der Punkt der internationalen Stan- dards besondere Berücksichtigung finden. In ihrem „Sozial- und Umweltbericht 2002“ stellt der Konzern fest: „Für Unternehmen, die den steigenden Erwartungen in Bezug auf Sozialver- träglichkeit, Umweltschutz, Sicherheit und Gesundheit sowie geschäftli- chen Erfolg gerecht werden wollen, spielen Managementsysteme eine zunehmend wichtigere Rolle. Effektive Managementsysteme können den Abfall und damit die Betriebskosten senken, die Wettbewerbsfähigkeit steigern und als Indikator zur Gesetzeseinhaltung dienen.“ (ebenda, S. 40, www). Anregend für die Geschäftspartner nimmt das Unternehmen selbst eine Vorbildfunktion ein, indem die chineschische Tochtergesellschaft adidas Suzhou Ltd. 2002 nach ISO 14001 zertifiziert wurde, schliesslich Arbeitnehmerrechten, Umwelt sowie Sicherheit und Gesundheit. Die auf internationalen Gesetzen, Konventionen und Grundsätzen basierenden Standards dienen [...] zudem als Auswahl- kriterien in bezug auf [...] Zulieferer.“ (ADIDAS-SALOMON AG 2002, S. 6, www). 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 76 mehrere Schuhfabriken, Betriebe, Zulieferer und Partnerunternehmen in Nord- und Lateinamerika, Kolumbien, Brasilien und Mexiko ISO 14001-Zertifizierungen erhielten und die konzerneigene deutsche Fabrik in Scheinfeld bereits 2001 gemäß EMAS II revalidiert wurde (ebenda). Adidas-Salomon bemüht sich mit ihrem Standort „Global Technology Center“ (GTC) „mit dem dort ebenfalls ansässigen Testcenter, Training Center und dem Export/Versand“ in Scheinfeld ihre Geschäftspartner auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung aktiv zu begleiten (ADIDAS- SALOMON AG 2001, S. 5, www). „In Scheinfeld werden Modelle, Prototy- pen sowie maßgefertigte Hochleistungsprodukte produziert und getestet. Außerdem unterhält das Unternehmen dort die letzte noch existierende Sportschuhproduktion in Deutschland. Hergestellt werden neben Fußball- schuhen Spezialschuhe für olympische Sportarten sowie Komponenten für Fußbälle.“ (ebenda, S. 6, www). Die adidas-Salomon AG verfolgt mit einer konsequenten, ökologieorien- tierten Optimierung ihrer Aktivitäten und Produkte die langfristige Strate- gie, ihre Wettbewerbsfähigkeit und Ergebnisse zu verbessern (ADIDAS- SALOMON AG 2002, S. 15, www). Durch die konsequente Berücksichtigung der Ökologie soll also einerseits die innerbetriebliche Effizienz gesteigert und andererseits die Konkurrenzfähigkeit am Markt gehalten und ausge- baut werden. Betrieblicher Umweltschutz ist ein wesentlicher integrierter Bestandteil am Standort und bezieht sich auf die Aktivitäten: Einsatzstoffreduktion durch innovative Technik, Lärmbelastungsverringerung durch „Neuanschaffung schallarmer Ma- schinen“, moderne Abfallwirtschaft und Energiekonzeption, Rohstoffreduzierung und Abfallminimierung in der Ballproduktion, Integration eines unternehmenseigenen Testcenters zur Erforschung umweltrelevanter Daten, Schulungen zu den Themen „Umweltschutz am Standort“ und „Um- welt- und Sozialverantwortung entlang der Beschaffungskette“ im Trainingscenter, Arbeitssicherung und Gesundheitsschutzaktivitäten sowie Pendlerverkehrsreduktion durch Bereitstellung betriebseigener Klein- busse (ADIDAS-SALOMON AG 2001, S. 9 ff., www). Der Aufbau eines UMS am Standort Scheinfeld fand statt, um die Um- weltauswirkungen auf ein „Mindestmaß zu reduzieren“. Abbildung 15 be- 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 77 inhaltet die Organisation des betrieblichen Umweltschutzes der adidas- Salomon AG mit ihrem Standort in Scheinfeld. „Auf oberster Ebene des Umweltschutzes der adidas Salomon AG steht der Global Director for Social and Environmental Affairs, der für alle Bereiche Koordinierungs- und Beratungsfunktion übernimmt. Standortbezogen wird der betriebliche Umweltschutz durch den Beauftragten der obersten Leitung, den Um- weltbeauftragten und Umweltverantwortliche aus allen relevanten Berei- chen umgesetzt. Umweltziele und Umweltprogramme werden vom Standortleiter in Zusammenarbeit mit dem Umweltbeauftragten und den Mitgliedern des Öko-Audit-Teams festgelegt und hinsichtlich ihrer Umset- zung kontinuierlich verfolgt. Die Verantwortung für die Anwendung und Aufrechterhaltung des Umweltmanagementsystems liegt in erster Linie beim Umweltbeauftragten. Der Betriebsrat ist in alle Belange des Um- weltschutzes zu jeder Zeit miteingebunden.“ (ebenda, S. 13, www). Abbildung 15: Organigramm des Umweltmanagementsystems der adidas-Salomon AG (in Anlehnung an ADIDAS-SALOMON AG 2001, S. 13, www) Das Sozial- und Umweltengagement der adidas-Salomon AG hat eindeu- tig Vorbildcharakter und beweist, dass gewinnorientierte Unternehmen im Sport sich durchaus der ökologischen Problematik bewusst sind, Ökologie und Ökonomie nicht unbedingt in Widerspruch sehen und das öffentlich- Beratung Umweltbeauftragter Umweltmanagementvertreter Standort GTC Produktion Schuhe Produktion Bälle Energie- wirtschaft Wasser- wirtschaft Testcenter Labor Einkauf Versand Abfall Gefahr- stoffe Trai- ningscenter Verwaltung Lager Betriebs- technik Schuhe Kantine umweltrelevante Bereiche Koordinator Qualität und Umwelt Social & Environmental Affairs 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 78 keitswirksame Instrument der UMS-Zertifizierung zur Imagesteigerung und besseren Marktpositionierung erkannt haben. 5.2 Ökologisierung des betrieblichen Umweltschutzes in Sportorganisationen Hinsichtlich der Entwicklung und Verbreitung von UMS als Ökologisierung des betrieblichen Umweltschutzes in (nichterwerbswirtschaftlichen) Spor- torganisationen bieten sich die für den „Betrieb von Sportanlagen“ und für „sonstige Hilfs- und Nebentätigkeiten für die Luftfahrt, Erwachsenen- bildung und sonstiger Unterricht“ nach EMAS registrierten Organisatio- nen44 (DIHK 2002, S. 105, 115, www) an: Landessportverband Schleswig-Holstein e.V. (LSV) mit seinem Sport- und Bildungszentrum (SBZ) Malente sowie seiner Geschäftstelle im Haus des Sports in Kiel, Nürburgring GmbH, Waldsee-Therme, Golf Club Gut Apeldör e.V. und Luftsportverein Südtondern e.V. Sowie die drei Umweltprojekte: „Modellprojekt Umweltmanagement und -bildung im Turnverein“ (UM- BIT) der Hamburger Turnerschaft von 1816 r.V. (HT16), Umweltkampagne um das Umweltsymbol „Blaue Flagge“ und „Öko-Check in Sportanlagen“. LSV Schleswig-Holstein Der LSV hat in Malente 1997 damit begonnen, alle umweltrelevanten Pro- zesse im SBZ einem UMS zuzuführen. Der LSV ist der erste Landessport- verband, der für einen seiner Standorte eine Überprüfung nach der EG- Öko-Audit-Verordnung vornehmen ließ (HANSEN 1999, www). Das SBZ hat sich 1998 erstmalig dem Öko-Audit unterzogen. 2002 erfolgte die erneute Validierung (WATERMANN 2001, S. 3, www). Das SBZ ist für den Betrieb der Ausbildungsstätte sowie die Unterbrin- gung und Verpflegung der Gäste verantwortlich. Auf dem 24 000 m² gro- ßen Gelände befinden sich neben den Verwaltungsgebäuden drei Quartie- re mit insgesamt 130 Betten, eine Sporthalle mit Trainingsmöglichkeiten 44 Stand: 02.05.2002 (DIHK 2002, S. 1, www). 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 79 für Leichtathletik- und Ballsportarten, eine Schwimmhalle, Sauna, Solari- um, Kraft- und Konditionsraum sowie zwei Tennisplätze und ein Bolz- platz. Für Gruppen- und Seminararbeiten stehen vier Tagungsräume zur Verfügung. Insgesamt 16 Mitarbeiter, zusätzlich ein Zivildienstleistender und bei Bedarf zehn Aushilfen, sorgen im SBZ, welches im Jahr mit rund 33 000 Übernachtungen und etwa 120 000 Mahlzeiten zu über 80% aus- gelastet ist, für einen laufenden Betrieb (REITMEIER 1999, S. 3, www; WA- TERMANN 2001, S. 3, www). Um ein effektives UMS im SBZ Malente zu entwickeln und zu betreiben, wurde ein hauptamtlicher Umweltbeauftragter eingesetzt. „Kern des Sys- tems in Malente sind jährlich vier Umweltrunden, in denen der Umwelt- beauftragte gemeinsam mit dem Standortleiter und den verantwortlichen [...] Mitarbeitern der einzelnen Betriebszweige wie Küche, Verwaltung und Reinigung die Umweltziele entwickelt, ihre Umsetzung in die Praxis festlegt und der Erfolg kontrolliert wird.“ (WATERMANN 2001, S. 4, www). Der Umweltbeauftragte „ist für das Berichtswesen und die Dokumentation verantwortlich, berät bei allen umweltrelevanten Entscheidungsprozessen und sorgt damit dafür, daß die Belange des Umweltschutzes stets ange- messen berücksichtigt werden.“ (REITMEIER 1999, S. 5, www). Innerhalb der Organisationsstruktur wird festgelegt, wie der Umwelt- schutz in die Aufbau- und Ablauforganisation des SBZ zu integrieren ist. Indem die Mitarbeiter verantwortlich in den Umweltschutz eingebunden werden, sollen kurze Kommunikationswege entstehen und die Fach- kenntnisse der Mitarbeiter vor Ort genutzt werden. „Die Besonderheit des Managementsystems des SBZ Malente ergibt sich aus der Organisationsform seines Trägers. Der Landessportverband Schleswig-Holstein e.V., als Träger des SBZ Malente, besteht in seiner Organisationsform als ein ehrenamtlich durch Präsidium und Vorstand geführter eingetragener Verein. Die Geschäftsstelle mit Geschäftsführung und die Leitung seiner Einrichtungen (Sport- und Bildungszentrum und Bildungswerk) sind hauptamtlich besetzt. Zur Wahrnehmung der Aufga- ben [...] hat das Präsidium des Landessportverbandes den Leiter des Sport- und Bildungszentrums Malente als Management-Vetreter des Standorts eingesetzt. Dieser berichtet dem Vorstand und Präsidium re- 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 80 gelmäßig über den Fortgang der Arbeiten. Einzelne Maßnahmen des Um- weltprogramms, die einen höheren Finanz- oder Personaleinsatz erforder- lich machen, unterliegen der Zustimmung des Vorstands bzw. des Präsi- diums. Somit wird die ehrenamtliche Führungsebene des Landessport- verbandes in das Managementsystem des SBZ Malente mit einbezogen.“ (REITMEIER 1999, S. 6, www). Der Aufbau der Organisationsstruktur ist nachfolgend in Abbildung 16 dargestellt. Abbildung 16: Organisation des Umweltschutzes im Sport- und Bildungszentrum Malente und die direkte Verbindung zur ehrenamtlichen und hauptamtlichen Füh- rungsebene (in Anlehnung an REITMEIER 1999, S. 6, www) Die wesentlichen aktuellen Erfolge und Ergebnisse des UMS des SBZ in Malente wurden von WATERMANN (2001, S. 4, www) als „High-Lights“ festgehalten: die jährlichen Betriebskosten konnten um 20 513 Euro gesenkt wer- den, durch eine 1065 Euro teuere Umrüstung der Überlaufanlage im Schwimmbad wird das Überlaufwasser nun aufgefangen und dem Wasserkreislauf wieder zugefügt, anstatt direkt in die Kanalisation zu gelangen und spart dadurch 5128 Euro an Wasser- und Heizkosten pro Jahr, geschultes Reinigungspersonal konnte den Jahresbedarf an Reini- gungsmittel von 1460 kg auf 590 kg senken, durch Aufgabe der zentralen Wasserenthärtungsanlage werden nun im Jahr 2625 kg Wasserenthärter eingespart. Dem Vorbild des Sport- und Bildungszentrums in Malente folgend, wurde auch für die LSV-Geschäftsstelle in Kiel ein UMS eingeführt. Auch hier werden alle Geschäfts- und Betriebsabläufe umweltfreundlich ausgerich- tet (LSV 2001a, S. 13, www). Präsidium/Vorstand Geschäftsführung Umweltbeauftragter des SBZ Standortleiter des SBZ (Managementvertreter) Reinigung Bildungs- werk Verwaltung Schwimm- halle Haus- technik Küche 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 81 Durch die Umweltschutzarbeiten des LSV zeigt sich, wie durch Berück- sichtigung des betrieblichen Umweltschutzes Investitions- und Betriebs- kosten spürbar reduziert werden können (LSV 2002, S. 10, www). „Dies zeigt sich auch in einer weiteren erfolgreichen Initiative des Landessport- verbandes, dem Projekt ‚Öko-Audit-Light’, in dem circa 15 Sportbetriebs- stätten in Schleswig-Holstein einer umweltgerechten Betriebsprüfung zu- geführt werden.“45 (ebenda). Finanzierung und Unterstützung finden die Projekte im Umweltministerium und dem regionalen Energieversorger, der Schleswag AG als Sponsor. Nürburgring GmbH Schon 1996 begann die Nürburgring GmbH durch die Einstellung eines Umweltbeauftragten mit dem Aufbau eines UMS nach EMAS I. Erst mit der Novellierung der EG-VO konnte der Rennsportveranstalter und Be- treiber der gleichnamigen Rennstrecke am EG-Öko-Audit-System teil- nehmen. Nach 1998 fand im März 2001 die zweite Validierung statt. Ge- prüft wurde neben der Umwelterklärung unter anderem der Fortschritt im Umweltprogramm, die Erreichung der Umweltziele46 und die Beherr- schung der umweltrelevanten Wirkungen aus dem Betrieb der Rennstre- cke (AGIMUS GMBH 2003, www; NÜRBURGRING GMBH 2001, S. 8, 10). Jeder Mitarbeiter ist an der Umsetzung des UMS beteiligt. Die Verantwor- tungsbereiche, Schlüsselfunktionen und Ablauforganisation aller Umwelt- aspekte sind ausführlich im Umweltmanagementhandbuch der Nürburg- ring GmbH, welches in 13facher Ausführung allen Abteilungen zur Verfü- gung steht, sowie in zahlreichen Arbeitsanweisungen festgehalten. Neben der umweltorientierten arbeitsplatzspezifischen Einarbeitung und Schu- lung der Angestellten sieht das UMS auch die Einbeziehung aller externen Partner vor. Der Rennsportveranstalter versucht eben diese, die Ver- tragspartner, Rennteams, Hospitality-Betreiber, Markentender, Zuschauer und Touristen durch gezielte Kommunikation, Definition verbindlicher Vorgaben und durch Kontrolle der externen Nutzungen in das UMS zu integrieren (NÜRBURGRING GMBH 2001, S. 10). 45 „Öko-Audit-Light“ entspricht einer abgespeckten Version des Öko-Audits, in der auf die Zertifizie- rung und Validierung verzichtet wird (LSV 2003b, S. 1). 46 Als selbst erklärtes Ziel wird genannt: umweltfreundlichste Rennstrecke der Welt (AGIMUS GMBH 2003, www). 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 82 Der betriebliche Umweltschutz der Nürburgring GmbH ist, wie in Abbil- dung 17 als Organisationsplan dargestellt, im UMS organisiert und baut auf klaren Aufgabenzuweisungen der Mitarbeiter auf. Der Hauptge- schäftsführer ist der Umweltschutzbeauftragte und damit für die Verab- schiedung der Umweltpolitik verantwortlich. Neben vielen anderen Aufga- ben nimmt der Kaufmännische Leiter vor allem die Funktion der Ma- nagementvertretung wahr und ist zuständig für die Festlegung der Um- weltziele und des Umweltprogramms sowie die Leitung und Koordination von Umweltschutzmaßnahmen. Die Umsetzung des Umweltschutzes bei der Planung und Durchführung von Veranstaltungen, die Einbindung der Vertragspartner, Rennteams etc. ins UMS sowie die Registrierung und Analyse des Energie- und Wasserverbrauchs sind die wesentlichen Aufga- ben des Leiters der Veranstaltungsabteilung. Der Leiter der Technischen Abteilung kümmert sich um die Instandhaltung aller technischen Anlagen, darüber hinaus um die Umweltdatenerfassung, die ordnungsgemäße Energie- und Wasserversorgung sowie der Abwasser- und Abfallentsor- gung und die Umsetzung des Arbeitsschutzes. In das Aufgabenfeld der Leitung Marketing und Vertrieb fallen bezüglich des betrieblichen Umwelt- schutzes am Nürburgring kommunikative Maßnahmen zur Information der Besucher und der Öffentlichkeit sowie die Organisation eines Buspen- delverkehrs für Besucher von Großveranstaltungen. Der Leiter des Rech- nungswesens berechnet und legt die Umweltkosten um. In der Stabs- funktion ist der Umweltbeauftragte unter anderem für die Überwachung und Begleitung aller umweltrelevanten Abläufe und Tätigkeiten, die inter- nen Schulungen, die Umweltdatenanalyse sowie für die Verfassung der Umwelterklärung, des -berichtes und des -handbuches zuständig. Ihm sind ein Sicherheits- und ein Gefahrgutbeauftragter sowie eine Fachkraft für Arbeitssicherheit und beauftragte Personen47 untergliedert (ebenda, S. 11 f.). 47 Diese Personen sind zuständig für die „Sicherung der Anlieferung, des Transports und der Abho- lung von Gefahrgütern (Kraftstoff, Sonderabfälle, Öle).“ (NÜRBURGRING GMBH 2001, S. 12). 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 83 Abbildung 17: Umweltbezogener Organisationsplan der Nürburgring GmbH (in Anlehnung an NÜRBURGRING GMBH 2001, S. 11) Als Besonderheit der umweltrelevanten Wirkungen aus dem Betrieb der Rennstrecke kann festgestellt werden, dass die indirekten Umweltauswir- kungen stärker ausfallen als die direkten48. „Neben den immissions- schutzrechtlich geregelten Lärmemissionen, dem Abfallaufkommen bei Großveranstaltungen wie der Formel I, den Deutschen Tourenwagenmeis- terschaften oder ‚Rock am Ring’, der Abwasserentsorgung aus dem Ver- anstaltungsbetrieb und den Stromverbräuchen sind es besonders die Emissionen, resultierend aus der Anreise der ca. 900.000 Zuschauer der Veranstaltungen.“ (AGIMUS GMBH 2003, www). „Es wurde festgestellt, dass nur etwa 1% der Luftschadstoffe (Kohlenmonoxid, Kohlenwasser- stoff und Stickoxide) durch Rennfahrzeuge und rund 99% dieser Schad- stoffe durch Zuschauerfahrzeuge hervorgerufen werden.“ (NÜRBURGRING GMBH 2001, S. 24). Um diese Belastungen zu verringern sowie die Ent- lastung des Verkehrs zu den Zeiten der An- und Abreise und die Einspa- rung knapper Parkplätze zu fördern, wurde ein Bus-Shuttle-Service vom Hbf Koblenz eingesetzt, um den Anreiseverkehr von dem privaten Pkw auf den ÖPNV umzuleiten. Obwohl dieser leider nur von circa 6800 der 900 000 jährlichen Besucher in Anspruch genommen wird, sparen diese mehr Kohlendioxid-Emissionen ein als der gesamte Rennbetrieb im Jahr an fossilen Energieträgern erzeugt49 (AGIMUS GMBH 2003, www; NÜRBURG- RING GMBH 2001, S. 24). „Hauptaugenmerk im Umweltprogramm der 48 Direkte Umweltauswirkungen sind Handlungen, die von der Organisation kontrolliert werden kön- nen, wie z.B. Emissionen, Abfallaufkommen oder Wasserverbrauch. Indirekte Auswirkungen ent- stehen durch Tätigkeit einer Einrichtung, ohne eine Kontrolle der Verantwortlichen, wie z.B. Ver- kehr oder Einkauf von Produkten (WALDSEE-THERME 2003, S. 9, www). 49 Datenbasis: durchschnittliche Anreise über 200 km bei 2,6 Personen pro Auto und 8 ltr. Spritver- brauch auf 100 km (AGIMUS GMBH 2003, www). Hauptgeschäftsführer Kaufmänni- scher Leiter Leiter Veranstaltun- gen Leiter Technik Leiter Marketing und PR Leiter Rechnungs- wesen externe Berater Beauftragte Kaufmännischer Leiter (Koordinator aller Umweltschutzbelange) 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 84 Nürburgring GmbH ist daher die Motivation der Besucher zur Inanspruch- nahme des Shuttle-Service und die Abfallvermeidung und nicht, wie bei oberflächlicher Betrachtung angenommen werden könnte, der Rennbe- trieb.“ (AGIMUS GMBH 2003, www). Waldsee-Therme Die Waldsee-Therme wurde im Spätjahr 1994 als gesundheitsorientiertes Thermalbad eröffnet und ist ein Teil des Gesundheitszentrums Waldsee- Therme. Die Wasserfläche beträgt circa 720 m². Die Wassertemperaturen in den verschiedenen, zur Badelandschaft gehörenden, vier Innenbecken, einem Tretbecken, zwei Außenbecken und einer Dampfgrotte, liegen zwi- schen 20°C und 40°C (WALDSEE-THERME 2003, S. 2 f., www). Zur Verwirklichung der Umweltziele und Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen, die sich aus der Umweltprüfung sowie der Formulierung der Umweltziele und -programme ergeben, wurde der Umweltschutz in der Waldsee-Therme mit entsprechenden Umweltmanagementstrukturen ge- regelt. Wie Abbildung 18 zeigt, gibt es in dem UMS der Waldsee-Therme folgende Akteure: Abbildung 18: Struktur des Umweltmanagementsystems der Waldsee-Therme (in Anleh- nung an WALDSEE-THERME 2003, S. 7, www) Diese Betriebsleitung ist verantwortlich für die Einhaltung des UMS. Ihre Aufgaben bestehen in der Formulierung der Umweltpolitik und der regel- mäßigen Wirksamkeitsprüfung des UMS in Form eines Reviews. Die Be- triebsleitung soll daneben strukturbedingte Aufgaben koordinieren, wie Betriebsleitung berichtet bestellt Abfall- beauftragter Gefahrstoff- beauftragter Sicherheits- beauftragter bindet ein Umweltmanage- mentbeauftragter Sicherheits- fachkraft 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 85 die ausreichende Bereitstellung personeller, technischer und organisatori- scher Mittel zur Aufrechterhaltung des UMS. Der Umweltmanagementbeauftragte soll verwaltende und prüfende Tä- tigkeiten im Umweltmanagement-Prozess übernehmen, die in einer Stel- lenausschreibung ausführlich dargelegt sind. Zu den Aufgaben zählen un- ter anderen, die Wirksamkeitsprüfung des UMS und eine Einleitung gege- benenfalls notwendiger Korrekturmaßnahmen, eine Schwachstellenanaly- se und Berichterstattung an die Betriebsleitung, die Betreuung des Um- weltmanagementhandbuches und Verteilung von Verfahrens- und Ar- beitsanweisungen, Planung, Durchführung und Auswertung inter- ner Audits sowie die Pflege und Weiterentwicklung des UMS. Zur Unterstützung bindet der Umweltmanagementbeauftragte weitere Beauftragte (Abfall-/Gefahrstoffbeauftragter und Sicherheitsfachkraft/ -beauftragte) ein. Ihre Aufgabe besteht unter anderem darin, sicherzu- stellen, dass die jährlichen Überprüfungen bezüglich der Umsetzung des UMS durchgeführt werden (ebenda, S. 7 f., www). Golf Club Gut Apeldör e.V. Der Golf Club Gut Apeldör ist der erste Golfplatz Deutschlands, der nach EMAS zertifiziert wurde. Die Anlage ist ein circa 112 ha großes Stück ty- pischer Dithmarscher Geest- und Knicklandschaft. Die 1996 entstandene Golfanlage liegt zwischen Nordsee und Eider in Hennstedt bei Hei- de/Holstein und ist etwa 110 km von Hamburg entfernt. Die Golfanlage verfügt über eine Golfschule mit Zielgolfanlage, einer Driving Range, ei- ner öffentlichen 6-Loch- und 9-Loch-Anlage PAR 36 sowie einem 18 Lö- cher Meisterschaftsplatz PAR 72 mit zwei Grüns. In die Anlage ist das Gutshof Restaurant mit Übernachtungsmöglichkeiten integriert (GOLF CLUB GUT APELDÖR 2003a, www). Der Golfclub gibt in seiner Umweltpolitik an (GOLFANLAGE GUT APELDÖR 1999, S. 7; GOLF CLUB GUT APELDÖR 2003b, www), dass der Erhalt der na- türlichen Ressourcen und sogar die ökologische Aufwertung des von dem Club genutzten Geländes für ihn eine wichtige Voraussetzung des eigenen Handelns darstellt. Die Einrichtungen des Golfplatzes erfuhren von An- fang an eine Berücksichtigung ökologischer Kriterien und finden in der Teilnahme am EMAS eine ständige selbstkritische Überprüfung sowie eine 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 86 Optimierung aller umweltrelevanten Aspekte. „Die Gut Apeldör Golfplatz KG und der Golf Club Gut Apeldör e.V. wollen Transparenz über bauliche Einzelheiten, Pflege des Platzes sowie das Zusammenspiel von Natur, Menschen und Sport [...] schaffen und damit helfen, Vorurteile abzubau- en“. (GOLFANLAGE GUT APELDÖR 1999, S. 7; GOLF CLUB GUT APELDÖR 2003b, www). Das erklärte Ziel ist der Einsatz möglichst vieler Naturprodukte. Im Rahmen der Reduzierung der Umweltauswirkungen werden die ge- setzlichen Bestimmungen und Auflagen, die im landschaftspflegerischen Begleitplan festgelegt wurden, eingehalten. Um einen sparsamen Ver- brauch von Energieträgern, insbesondere Wasser, zu gewährleisten, hat sich der Verein vorgenommen, wo es ihm wirtschaftlich möglich ist, die beste Technik anzuwenden. In vierteljährlichen Mitteilungen an Mitglie- der, Gäste und durch regelmäßige interne Gesprächsrunden mit den Mit- arbeitern soll Transparenz über die Umweltaktivitäten geschaffen werden. Dadurch soll eine wachsende Umweltsensibilisierung aller Beteiligten stattfinden (GOLFANLAGE GUT APELDÖR 1999, S. 7; GOLF CLUB GUT APELDÖR 2003b, www). Das UMS des Golfplatzes wird als ein betriebsinternes Netzwerk aus Mit- arbeitern der Gut Apeldör Golfplatz KG sowie ehrenamtlich agierenden Mitgliedern des Golfclubs Gut Apeldör e.V. beschrieben, in dem regelmä- ßig interne Prüfungen der Umweltauswirkungen stattfinden und damit zu einer kontinuierlichen Verbesserung von umweltschonenden Maßnahmen führen (GOLFANLAGE GUT APELDÖR 1999, S. 7). „Das UMS des Golf Club Gut Apeldör wird im wesentlichen durch viermal im Jahr stattfindende Um- weltrunden (UR) umgesetzt und aufrechterhalten. Informationen zu Aus- wirkungen auf die Umwelt und umweltrelevanten Aktivitäten werden vom Managementvertreter (MV) gebündelt, ausgewertet, weitergeführt und anschließend der Allgemeinheit wieder zugänglich gemacht. Die UR bilden dabei die Instanzen und Zeitpunkte, in denen die Daten und Informatio- nen aus den einzelnen Bereichen Geschäftsführung, Verwaltung, Kü- che/Restaurant, Hauswirtschaft/Reinigung, Platzpflege/Haustechnik und Gästezimmer und durch die jeweils Zuständigen zusammengetragen, dis- kutiert, Maßnahmen (teilweise) beschlossen und den Mitarbeitern be- kannt gemacht werden.“ (ebenda, S. 9). 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 87 Die Qualifikation und das Verantwortungsbewusstsein der Mitarbeiter wird durch Weiterbildung, berufliche Perspektiven und Motivation geför- dert. Aufträge werden unter Berücksichtigung umweltpolitischer Kriterien vergeben. Hier wird die Zusammenarbeit mit Lieferanten und Geschäfts- partnern gefördert, die die Schonung der Umwelt genauso aktiv unter- stützen wie der Golfclub (GOLFANLAGE GUT APELDÖR 1999, S. 7; GOLF CLUB GUT APELDÖR 2003b, www). Luftsportverein Südtondern e.V. In der Nähe der dänischen Grenze bei Aventoft befindet sich das nörd- lichste Segelfluggelände Deutschlands, mit einer ungefähren Größe von 10 ha, auf dem sich eine 1 km lange Start- und Landebahn aus naturbe- lassener, aber geschnittener Wiese, eine Flugzeughalle, 30 Parkplätzen sowie ein Clubhaus mit Sanitärräumlichkeiten, einem Büro, einem Flug- vorbereitungsraum mit angrenzender Werkstatt und ein Treib- und Schmierstofflager befindet. Der Luftsportverein gibt in seiner Umwelterklärung von 1999 an, dass sich die wesentlichen umweltrelevanten Auswirkungen seines Standortes direkt aus dem Flugbetrieb und dem Betrieb der Anlagen am Boden erge- ben (LUFTSPORTVEREIN SÜDTONDERN E.V. 1999, S. 5). „An erster Stelle steht der Energieverbrauch in Form von Treibstoffen für Fahrzeuge, die Start- winde und den Motorsegler sowie der Stromverbrauch für die Beheizung und den Betrieb des Clubhauses. Ferner werden auf dem Gelände zum Betrieb und Erhalt der Einrichtung diverse Gefahrstoffe gelagert und ge- braucht.“ (ebenda). Für ein aktives Umweltengagement auf dem Fluggelände wurde dem Luftsportverein bereits 1998 das Umweltsymbol „Blaue Flagge“50 verlie- hen. Darüber hinaus arbeitet der Verein mit dem örtlichen Naturschutz- verein Wiedigharde zusammen, um der Öffentlichkeit die Umweltproble- matik der Landschaftsnutzung darstellen zu können (ebenda, S. 6). „Im LSV Südtondern e.V. wird betriebsintern ein System von Zuständig- keiten zur Förderung und Unterstützung des Umweltmanagements errich- 50 Die „Blaue Flagge“ wird im Folgenden dieser Arbeit noch genauer vorgestellt. 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 88 tet. Die Funktion des Systems wird regelmäßig intern überprüft und einer kontinuierlichen Verbesserung zugeführt.“ (ebenda, S. 7).51 „Modellprojekt Umweltmanagement und -bildung im Turnverein“ der HT16 Die HT16 ist der älteste Verein der Welt und zählt mit, am Projektstand- ort, vier Hallen, einem Fitness-Studio mit Saunabereich, einem Gastro- nomiebereich mit vier Kegelbahnen, einer Begegnungsstätte für Jugendli- che und Senioren und einem vereinseigenen Kindergarten zu den größten im Norden Deutschlands. Rund 8000 Mitglieder trainieren in über 5000 organisierten Sportstunden in 30 Abteilungen. 54 hauptamtliche Mitarbei- ter und circa 180 Übungsleiter und Trainer kümmern sich um einen rei- bungslosen Verwaltungs- und Sportbetrieb. Etwa 400 Mitglieder tragen durch ihr ehrenamtliches Engagement zusätzlich zum Gelingen des Ver- einsbetriebes bei (BMU & UBA 2003, www; HT16 2003, www; WATERMANN 2001, S. 2, www). Der Gegenstand des Modellprojektes sollte nicht nur Maßnahmen zur Wasser- und Energieeinsparung sowie Abfallvermeidung zum Inhalt ha- ben, sondern es ging vielmehr darum, ein UMS erstmalig nach dem Öko- Audit-Verfahren in einem Sportverein aufzubauen und die Vereinsmitglie- der für das Thema Umweltschutz zu sensibilisieren, also Umweltbildung zu betreiben (THIELEBEIN 1999a, S. 12; WATERMANN 2001, S. 2, www). Die wesentlichen Fragestellungen des Projektes lauteten (THIELEBEIN 1999a, S. 12): „Mit welcher Organisationsform lässt sich Umweltschutz im Verein dauerhaft und nachhaltig verbessern? Wie können möglichst viele Mitglieder in den Verbesserungsprozess eingebunden werden? Welche Ergebnisse kann ein Verein im Umweltschutz erzielen? Welcher Nutzen entsteht für die Umwelt und den Verein?“ Das eineinhalbjährige Projekt, von Juli 1997 bis Dezember 1998 durchge- führt, wurde von der „Initiative Sport und Umwelt“ des Deutschen Tur- 51 Aufbau, Struktur und Inhalt der Umwelterklärung und damit das UMS des Luftsportvereins Südtondern e.V. entspricht exakt dem der zuvor vorgestellten Golfanlage Apeldör und macht damit ein erneutes Referieren überflüssig. Es wurden nur die vereinsspezifischen Parameter ausge- tauscht. Den möglichen Grund dafür sieht der Verfasser in der Tatsache, dass beide Organisatio- nen von demselben Büro, nämlich SYNERGIE GmbH Berlin, beraten wurden (GOLFANLAGE GUT APEL- DÖR 1999, S. 2; LUFTSPORTVEREIN SÜDTONDERN E.V. 1999, S. 2). 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 89 ner-Bundes (DTB) und der Save Our Future - Umweltstiftung S.O.F. Hamburg ins Leben gerufen und von der Deutschen Bundesstiftung Um- welt (DBU) gefördert und unterstützt. Die Ergebnisse des Projektes, die in dem Praxisleitfaden „Umweltschutz im Sportverein“ publiziert wurden, sollen für Vereine interessante Anregungen zur Verbesserung des be- trieblichen Umweltschutzes sowie zur Information und Sensibilisierung der Mitglieder dienen und Senkungspotentiale der Betriebskosten aufzei- gen (SCHEMEL & ERBGUTH 2000, S. 174; THIELEBEIN 1999a, S. 12, 15; WA- TERMANN 2001, S. 2, www). Zur Durchführung und Umsetzung der Inhalte des Projektes wurde ein hauptamtlicher Umweltbeauftragter eingesetzt, dessen Personalkosten anteilig von der DBU und der HT16 getragen wur- den (THIELEBEIN 1999a, S. 12). Der Praxisleitfaden, finanziert von der Umweltbehörde Hamburg, ist in sechs Einzelbroschüren aufgeteilt, die über Umweltschutzarbeit in Sportvereinen anhand von Wasser-, Strom- und Wärmesparen, Solarenergie und Abfallentsorgung informieren. Eine Dokumentation über die praktische Umsetzung findet sich in einem bei- gefügten Videoband (THIELEBEIN 1999a, S. 15; WATERMANN 2001, S. 2, www). Die Maßnahmen, Ergebnisse und Erfahrungen des Modellprojektes UMBIT lassen sich, auch hier, anhand der Aufzählung von WATERMANN 52 (2000, S. 2 f., www), wie folgt, zusammenfassend darstellen: Durch Reduzierung des Wasser- und Energieverbrauchs und dem Ab- fallaufkommen konnten die jährlichen Betriebskosten bis zu 22%, das entspricht 30 678 Euro, verringert werden. Durch Installation einer Solarthermieanlage53 zur Brauchwasserer- wärmung werden rund 30% des jährlichen Energiebedarfs gedeckt. Die alte Warmwasseranlage dient dabei noch als Speicher der Solar- energie. Durch diese Maßnahme werden 2556 Euro per anno einge- spart und 12 500 kg klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) vermieden. Anstelle der alten Heizungsanlage trat ein Miniblockheizkraftwerk. Dieses ermöglicht dem Verein ⅓ des Strom- und ⅔ des Wärmebedarfs selbst zu erzeugen und spart dadurch 2812 Euro Energiekosten pro Jahr ein. Der Anschaffungspreis von 12 782 Euro amortisiert sich da- mit innerhalb von fünf Jahren. 52 Aus vereinfachenden Gründen fiel die Wahl des Verfassers auf den Aufsatz von WATERMANN, da hier die monetären Ergebnisse in Euro dargestellt sind. Es sei natürlich auch auf den Praxisleitfaden selbst (THIELEBEIN 1999a, S. 12 ff.) sowie auf die Ausführungen in dem Handbuch „Sport und Um- welt“ (SCHEMEL & ERBGUTH 2000, S. 175 ff.) hingewiesen. 53 Zur Funktionsweise und Nutzungsmöglichkeit einer Solarthermieanlage in diesem Kapitel später mehr. 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 90 Eine 30 678 Euro teuere Gas-Infrarot-Strahlungsheizungsanlage in der Jahnhalle spart jährlich 7669 Euro Energiekosten ein und rechnet sich damit bereits nach vier Jahren. Diese Strahlungsheizung wurde unter der Hallendecke montiert und ersetzt die Luftheizungsanlage, die die Luft das gesamte Jahr über auf 50°C erwärmte. Einfachste Wasserspartechnik, installiert in Form von Wasserdurch- flusskonstanten in allen Duschen und Waschbecken, reduzieren den Trinkwasserverbrauch des Vereins um zwei Millionen Liter und senken damit die Betriebskosten um weitere 7956 Euro. Mit der Erstellung eines Beleuchtungskonzeptes liegt das Einsparpo- tential beim Stromverbrauch pro Jahr bei 3323 Euro. Durch gezieltes Ausschalten des Lichtes bei Nichtnutzung oder Teilen der Halle lassen sich rund 770 weitere Euro einsparen. Bezüglich der Aktivitäten im Umweltschutz flossen Fördermittel und Sponsorengelder in Höhe von 89 920 Euro in die Vereinskasse. Zur Sicherstellung des Umweltschutzes auch nach Ende der Projektar- beit wurde ein interner Umweltausschuss eingerichtet sowie der Um- weltschutz als Vereinsziel in die Satzung geschrieben. Durchgeführte Bildungsmaßnahmen reichten von Workshops über In- formationsveranstaltungen und Ausstellungen bis hin zu Exkursionen. Umweltsymbol „Blaue Flagge“ Die Blaue Flagge54 ist ein Umweltsymbol, welches im Jahr 2002 an über 2800 Badestellen und Sportboothäfen in 23 europäischen Ländern sowie in Südafrika vergeben wurde. Die Kampagne Blaue Flagge wird von der NRO Stiftung für Umwelterziehung (FEE) in Kopenhagen geleitet und durchgeführt. Als Dachorganisation besitzt die FEE nationale Mitgliedsor- ganisationen in 30 Ländern in Europa, Afrika und Amerika. Als Symbol für hohe Umweltstandards sowie gute Sanitär- und Sicherheitseinrichtungen im Hafen- und Badestellenbereich ist die Blaue Flagge international aner- kannt. Die Auszeichnung basiert auf der Übereinstimmung mit vier Hauptkriterien: Wasserqualität, Umweltkommunikation und -erziehung, Umweltmanagement sowie Sicherheits- und Serviceaspekte. Diese Auszeichnung wird jeweils für eine Saison verliehen, wenn der Be- werber eine genaue Berücksichtigung dieser Kriterien nachweisen kann (BLUE FLAG 2003, www). 54 Auch als „Blaue-Europa-Flagge“ bekannt (BLAUE FLAGGE 2003a, www). 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 91 Seit 1987 wird auf nationaler Ebene die Auszeichnung Blaue Flagge durch die Deutsche Gesellschaft für Umwelterziehung (DGU) an Organisationen vergeben, die hinsichtlich der Umweltkommunikation und des Umwelt- managements bestimmte Auflagen erfüllen sowie Abfall-, Abwasser- und Sicherheitsaspekte berücksichtigen (BLAUE FLAGGE 2003b, www). „Die Deutsche Gesellschaft für Umwelterziehung fördert die Umweltbildung und -kommunikation als pädagogische und wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung mit der natürlichen, der sozialen und der gebauten Umwelt. Ein Schwerpunkt ist die Zusammenarbeit mit Bildungsinstitutio- nen, kommunalen Einrichtungen, Bürgern sowie Betrieben.“ (BLAUE FLAG- GE 2003c, www). Die DGU arbeitet beziehungsweise arbeitete mit nachstehenden Organi- sationen und Verbänden zusammen: Deutscher Aero Club e.V. (DAeC), Deutscher Fußballbund (DFB), Deutscher Motoryachtenverband (DMYV), Deutscher Segler-Verband (DSV) und Deutscher Modellflieger Verband (DMFV) (BLAUE FLAGGE 2003b, www). „Die Kampagne [...] setzt sich aus einem Informationsteil, dem Bewer- bungsteil, den Auszeichnungsveranstaltungen sowie Kontrollen vor Ort zusammen. Das Anspruchsniveau wird regelmäßig erhöht und die Min- destanforderungen für eine Auszeichnung heraufgesetzt. Ausgehend von einem gemeinsamen europäischen Kriterienkatalog werden in der Kam- pagne für die einzelnen Länder zusätzlich nationale Besonderheiten ein- gearbeitet und entsprechend bewertet.“ (DSV 2003, www). Als erstes gemeinsames Umweltsymbol wird in Deutschland die Kampag- ne für Sportboothäfen und Badestellen an Binnenseen, für Luftsportge- lände sowie, bis zum Jahr 2002, für Fußballanlagen55 durchgeführt (BLAUE FLAGGE 2003a, www). Abbildung 19 hat das gemeinsame Umweltsymbol für die genannten Bereiche zum Inhalt. 55 Laut telefonischer Auskunft des DFB (Herr Leick), ist die Blaue Flagge in den Landesverbänden in der dreijährigen Testphase gut angekommen. Doch seit 2003 wird keine erneute Auszeichnung angestrebt, da die Blaue Flagge nicht zum DFB passe. 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 92 Abbildung 19: Gemeinsames Umweltsymbol Blaue Flagge für Sportboothäfen, Strände und Badestellen an Binnenseen, Luftsportgelände und Fußballanlagen (BLAUE FLAGGE 2003a, www) Diese Organisationen erhalten (erhielten) die Blaue Flagge, wenn sie im Bereich der Umweltkommunikation, des Umweltmanagements sowie des Prozesses der nachhaltigen Entwicklung nachweislich hohe Umweltstan- dards einhalten (einhielten). Mit der Blauen Flagge symbolisieren Sportboothäfen, Strände und Bade- stellen an Binnengewässern gegenüber der Öffentlichkeit, dass sie Um- weltschutz ernst nehmen, zur Erhaltung der natürlichen Ressourcen bei- tragen und sich bemühen, Umweltbelastungen zu vermeiden. Dadurch wird die Verbindung zwischen Tourismus und Erhaltung von Natur und Landschaft gefördert und damit ein nachhaltiger Tourismus in der Region. Die Blaue Flagge kann gerade im Bereich der Badestellen als ein Marke- tinginstrument zur Tourismusförderung gesehen werden und mit ihr vor Ort geworben werden. Sie gibt den Gästen die Sicherheit, ihren Urlaub an einer sauberen, sichern und attraktiven Badestelle zu verbringen, die darüber hinaus umweltfreundlich und umweltverträglich geführt wird (BLAUE FLAGGE 2003a, www; DSV 2003, www). Im Jahr 2002 konnten 14 Luftsporthäfen aus sieben Bundesländern mit der Blauen Flagge ausgezeichnet werden. (BLAUE FLAGGE 2003d, www; DAEC 2003, www; DMFV 2003, www). Der DFB und zehn Fußballverbände führten bis 2002 die Kampagne Blaue Flagge durch, um ein erhöhtes Umweltengagement im Amateur- als auch im Profibereich zu zeigen (BLAUE FLAGGE 2003c, www). Nachdem 2001 noch 44 Vereine gewürdigt wurden, konnten 2002 bereits 64 Fußballver- eine mit der Blauen Flagge geehrt werden (DFB 2001, www; DFB 2002, Luftsportgelände Fußballanlagen Sportboothäfen, Strände und Badestellen an Binnen- seen 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 93 www). Insgesamt wollte „der DFB mit der ‚Blauen Flagge’ einen Beitrag zur Sicherung der ökonomischen, ökologischen und sozialen Grundlage des Fußball-Sports leisten.“ (DFB 2001, www). Um so verwunderlicher ist es, dass, obwohl 2002 die Umweltauszeichnung ins dritte Jahr ging und der DFB mit der DGU eine bundesweite Ausdehnung plante (DFB 2002, www), der DFB heute der Meinung ist, die Blaue Flagge passe nicht zur Sportart Fußball. „Öko-Check in Sportanlagen“ Öko-Check in Sportanlagen ist das Gesamtkonzept des Pilotprojektes in den Sportkreisen Darmstadt und Dieburg des Landessportbund (LSB) Hessen e.V., in dem zunächst 1998 in 83 Sportanlagen umweltrelevante Schwachstellenanalysen und Bestandsaufnahmen durchgeführt wurden56 (LSB 2000, S. 5, www; LSB 2003, S. 1, www; PRÜLLER & DELP 2001, S. 6). Das Konzept Öko-Check in Sportanlagen bietet eine Unterstützung für alle Vereine und Kommunen den Ressourcenschutz in ihren Sportanlagen zu verbessern und damit Kosten zu senken. Die Untersuchung schließt die Bereiche Wasser, Energie, Abfall, Verkehrsanbindung, Außenanlagen sowie den Betrieb und die Organisation des Vereins ein. Dabei werden sieben Teilziele verfolgt um Nachhaltigkeit in Sportanlagen zu generieren: Einbeziehung der Intentionen der LA21 in die Sportvereinsarbeit, Motivierung aller Vereinsmitglieder zur aktiven Teilnahme am Umwelt- schutz im Verein und zu Hause, Ressourcenschonung und Klimaschutz, Aufbau und Integration von UMS in Sportanlagen, Umweltbildung, umwelt- und bedarfsgerechte „zukunftsorientierte Sportanlagenkon- zepte“ sowie Betriebsoptimierungen (PRÜLLER & DELP 2001, S. 9 f.). Ausgehend von dem Wassernotstand in Südhessen der Jahre 1992 und 1993 wurde erkannt, dass nicht nur im Bereich Wasser, sondern auch bei weiteren Ressourcen Informations- und Handlungsbedarf in Sportverei- nen besteht. Grundlage des Projektes stellt die Zielsetzung dar, alle um- weltrelevanten Themen und Fragen einer Sportstätte in einer Bestands- aufnahme zu erfassen und einen anzustrebenden Soll-Zustand für die 56 Mittlerweile ist die Anzahl der durchgeführten Öko-Checks in Sportanlagen beziehungsweise in Sportvereinen auf über 500 angestiegen (SPORTSTAETTE.DE 2003a, www). 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 94 jeweilige Sportstätte zu erarbeiten (ebenda, S. 6, 11). „Mit der Begehung und Begutachtung vor Ort, der Erhebung und Auswertung von Ver- brauchsdaten und Informationen zu den technischen Anlagen werden die Bereiche herausgestellt, in denen die Möglichkeiten der Verbesserung des Umweltschutzes bestehen und in denen die Unterhaltungskosten redu- ziert werden können.“ (ebenda, S. 6). Dazu wurde ein Netzwerk mit Ko- operationspartnern aus den Sportkreisen, des Landes, Partner aus der Energieversorgungsindustrie, Sportverbänden und Unternehmen aus dem Bereich der Sportanlagentechnik zur Unterstützung der Vereine aufge- baut. Das Netzwerk verfolgt das Ziel, als Beratungs- und Informations- pool des Konzeptes Öko-Check in Sportanlagen zu fungieren (ebenda, S. 13). Die Inhalte des Öko-Checks bestehen bei der Beratung sowie der Be- stands- und Sanierungsanalyse im Wesentlichen aus den Untersuchungs- gegenständen: „Vermeidung und Verringerung des Trinkwasserverbrauchs“ durch Einsatz von Wasserspartechnik und Verwendung von Regenwasser, „Verringerung des Strom- und Wärmebedarfs“ mit einer Optimierung der Heizung und des Wärmeschutzes sowie Nutzung moderner Hei- zungs- und Beleuchtungsanlagen und der Sonnenenergie, „Verringerung des Abfallaufkommens und Vermeidung von Schadstof- fen“ mit Hilfe eines Abfallvermeidungskonzeptes und der Nutzung von Recyclingprodukten, „Reduzierung des Verkehrs“ durch Anbindungen an den ÖPNV und Radwege sowie Parkplätzen, „Organisation und Verhalten im Verein“ unter Berücksichtigung des Einsatzes eines Umweltbeauftragten, der Festschreibung des Umwelt- schutzes in der Vereinssatzung sowie der Materialbeschaffung und ei- ner umweltgerechten Sportanlagenplanung, „Lärmproblematik“ mit den Intentionen der Lärmkonfliktvermeidung und -reduzierung, „Pflege von Rasen- und Tennenplätzen“, „Energieoptimierung im Sportverein“ und „Regenwassernutzung in Reitanlagen“ als Sonderprojekte in Zusammenarbeit mit der FH Darm- stadt (ebenda, S. 10 f.). Neben der Schwachstellenanalyse, die Einspar- und Optimierungspotenti- ale aufzeigt, beinhaltet das Leistungspaket des Projektes auch die Mög- lichkeit der Zusammenarbeit mit Experten aus dem „Kooperations- partner-Netzes“, um bei planungs- und investitionsstarken Sanierungs- 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 95 maßnahmen die besten Lösungsansätze erarbeiten zu können (ebenda, S. 11). Der Handlungsbedarf, der aus den Ergebnissen57 der durchgeführten Öko-Checks resultiert, lässt sich zusammenfassend festhalten: Einführung sportanlagenspezifischer Beratung für alle Neubauten und Sanierungen58, Entwicklung von Standards für die Umweltqualität für Sportanlagen, technische Sonderprogramme für die resourcenverbrauchenden Berei- che, Neugestaltung der Vereinsförderung und der Übersicht für Fördermög- lichkeiten sowie Überprüfungen von Stromverträgen und -preisen (ebenda, S. 42). Unter Berücksichtung einer Integration von UMS in den Sport, nimmt die getroffene Schlussfolgerung der Autoren PRÜLLER & DELP (2001, S. 45) für eine nachhaltige Entwicklung in Sportvereinen eine nicht unwesentliche Stellung ein: „Die planmäßige und nicht nur punktuelle Berücksichtigung von Aspekten zur Nachhaltigkeit erfordert auf Seiten der Sportstättenbe- treiber [...] den Aufbau eines systematischen Umweltmanagements. [...] Aus diesem Grund erscheint es uns sehr wichtig, dass ein Umweltmana- gementsystem auf drei Säulen aufgebaut werden muss, damit die Ziele der Ökologie durch den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen, die Ziele der Ökonomie durch den nachhaltigen Umgang mit Finanzmitteln und die Ziele des Sozialen durch die möglichst große Multiplikation bei den Mit- gliedern der Vereine im Sinne der Agenda 21 erreicht werden können.“ Für den Erfolg des Öko-Checks in Sportanlagen des LSB Hessen e.V. spricht die Tatsache, dass das Konzept „[...] auch in einer Reihe von Kommunen und Landkreisen seine Fortsetzung gefunden hat und zu weit größeren Projekten in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Landessport- bünden und Umweltministerien, in Nordrhein-Westfalen und Baden- Württemberg führte.“ (SPORTSTAETTE.DE 2003b, www). So rief der Lan- desSportBund NRW und das Institut für Zukunftsfähige Projekte e.V. (I.Z.P.) in Zusammenarbeit mit der Energieagentur NRW und finanzieller 57 Eine detaillierte Darstellung der Ergebnisse und Vorstellung der Einsparpotentiale in den genann- ten Sportkreisen würde hier den Rahmen der Arbeit sprengen und ist deshalb für den interessier- ten Leser nachzulesen bei den Autoren PRÜLLER & DELP (2001, S. 20 ff.). 58 Aufgrund des allgemeinen hohen Bestandes an Sportstätten (rund 170 000) in der BRD prognosti- zieren PRÜLLER & DELP (2001, S. 7), dass „sich Baumaßnahmen zukünftig auf die Modernisierung oder Umwandlung vorhandener Sportstätten konzentrieren“ werden. „Neubauvorhaben werden auf wachstumsintensive bzw. auf sogenannte Trend-Sportarten beschränkt bleiben.“ (ebenda, S. 7 f.). 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 96 Unterstützung des Ministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirt- schaft und Verbraucherschutz des Landes NRW das „Projekt 1000 Öko- Schecks im Sport“ ins Leben, um Angebote zur Analyse der Schwachstel- len vor allem beim Wasser-, Elektrizitäts- und Heizenergieverbrauch ab- zugeben und damit enorme Sparpotentiale aufzudecken (I.Z.P. 2003, www). Auch der LSB Rheinland-Pfalz hat zum „Instrument“ Öko-Check in Sportvereinen gegriffen. Zunächst sollten 2002 50 Sportvereine in die- sem Pilotprojekt bezüglich ihrer umweltrelevanten Gesichtspunkte durch Mitarbeiter des Umweltcampus Birkenfeld der FH Trier wissenschaftlich analysiert werden. Die Beratung wird hier in zwei Paketen angeboten, wobei sich ein Paket auf den Wasser- und Energieverbrauch, Wärmeisola- tion, Abfallentsorgung und allgemeines Umweltmanagement konzentriert und das andere Paket eine Investitionsberatung zum Inhalt hat (LZU 2002, www). 5.3 Ökologisierung von Sportgroßveranstaltungen Sportgroßveranstaltungen sind Ereignisse, die durch große Besucherzah- len und hohen Materialeinsatz geprägt sind und eine erhebliche Umwelt- relevanz aufweisen. Sie finden meist zeitlich begrenzt und räumlich rela- tiv konzentriert statt. Konflikte mit der Umwelt entstehen dabei immer, egal ob solch ein Event in Stadien und Multifunktionsarenen oder unter freiem Himmel stattfinden (SCHEMEL & ERBGUTH 2000, S. 204). SCHEMEL & ERBGUTH (2000, S. 206) machen darauf aufmerksam, dass die wichtigsten umweltrelevanten Konfliktbereiche gleichzeitig perfekte Ansatzpunkte zur Vermeidung von Umweltbelastungen durch Sportveranstaltungen darstel- len. Die Autoren nennen diesbezüglich die Verkehrsproblematik, das Ab- fallproblem und die Standortfrage von Sportveranstaltungen (ebenda). Bereits in der Planungsphase und später, während der Durchführung, kann der Veranstalter Einfluss auf die Höhe der vermeidbaren Umweltbe- lastung nehmen. „Während im Siedlungsbereich die Problematik des verkehrsbedingten Lärms sowie des Ressourcenverbrauchs (Abfall, Energie, Wasser) im Vor- dergrund steht, geht es bei landschaftsbezogenen Sportveranstaltungen 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 97 Mobilität umweltfreundlich organisieren Baumaßnahmen nach ökologischen Kriterien durchführen Büro ressourcenschonend betreiben Lärm bei Sport und Verkehr reduzieren umweltbewusste Sportgroßveran- staltung Abfall vermeiden, wieder verwenden, verwerten Location umweltverträglich wählen Wasser sparsam verbrauchen und gut klären Energie umweltschonend und rationell einsetzen neben dem Verkehrslärm vor allem um Konflikte mit Bestandteilen der Natur.“ (ebenda, S. 206). „Bei der Bewertung der Belastung spielt es eine entscheidende Rolle, ob die Schäden reversibel sind oder zu einer dauerhaften Abwertung der ökologischen Situation am Veranstaltungsort führen.“ (ebenda, S. 207). Während Umweltbelastungen auf einer naturfernen Rasendecke in einer Grünanlage oder die kurzfristige Störung einer an den Menschen ohnehin gewöhnten Tierwelt in der Nähe eines Siedlungsbereiches von SCHEMEL & ERBGUTH (ebenda) als ökologisch unproblematisch angesehen wird, identifizieren sie Schädigungen durch ein großes Menschenaufkom- men in ökologisch reich strukturierten Landschaftsstreifen, in denen eine „Renaturierung“ als unmöglich erscheint, als ökologischen Problemfall. Handlungsansätze, die die Möglichkeiten der Vermeidung und Reduzie- rung von Umweltbelastungen anzeigen, liegen angesichts der hohen An- zahl der Sportgroßveranstaltungen in der Beeinflussung des An- und Abreiseverkehrs, Müllvermeidung und des Abfallrecyclings, Standort- und Zeitraumwahl der Veranstaltung sowie Besucherlenkung (ebenda, S. 208). Die Umweltkonflikte und vermeidbaren Umweltbelastungen durch Sport- großveranstaltungen lassen sich in einem Umweltzielsystem, wie in Ab- bildung 20 graphisch veranschaulicht, zusammenfassen. Abbildung 20: Umweltrelevante Bereiche und Umweltzielsystem für Sportgroßveranstal- tungen (in Anlehnung an Schemel & Erbguth 2000, S. 212) 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 98 „Die Verantwortlichen von Großveranstaltungen im Sportbereich haben auf die Umweltbelastungen in der Vergangenheit bereits reagiert und de- ren Reduzierung ihre Aufmerksamkeit geschenkt.“ (HOCHFELD 2002, S. 67). Deshalb ist es im Rahmen der Besprechung der Ökologisierung von Sportgroßveranstaltungen unabdingbar, auf die aktuellen Umweltkonzep- te und -projekte der Olympischen Sommerspiele von Sydney 2000 und Olympia- Bewerbung Leipzig 2012, FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland, FIS Alpinen Ski WM 2003 in St. Moritz und Pontresina sowie Durchführung von Mountainbike-Veranstaltungen einzugehen. Olympische Sommerspiele Sydney 2000 und Leipzig 2012 „Die ersten Olympischen Spiele, die durch ein erfolgreiches Umweltma- nagement auf sich aufmerksam gemacht haben, waren die Olympischen Winterspiele 1992 in Lillehammer, Norwegen. 1996 fanden die Olympi- schen Spiele in Atlanta, USA, statt, wo ein umfassendes Abfallmanage- mentsystem etabliert wurde. Bei den Winterspielen 1998 in Nagano, Ja- pan, wurden verschiedene Umweltaspekte wie z. B. Abfallvermeidung, Energiesparmaßnahmen, umweltfreundliche Baumaßnahmen oder Um- weltbildung berücksichtigt. Auch Veranstaltungen wie die Olympischen Winterspiele 2002 in Salt Lake City, USA, und 2006 in Turin, Italien, ha- ben Umweltthemen in ihre Planung aufgenommen.“ (ebenda). Bereits 1992 hat Greenpeace den Vorschlag gemacht, strenge ökologi- sche Kriterien für die Austragung der Olympischen Spiele zu manifestie- ren (TESKE 2003a, www). „Alle für die olympischen Spiele notwendigen baulichen Maßnahmen, die Ver- und Entsorgung mit Energie, Wasser und Nahrung sowie der Personenverkehr sollten demnach vollständig umwelt- freundlichen Gesichtspunkten genügen.“ (ebenda). Daraufhin hat 1995 das Internationale Olympische Komitee (IOC) in Lausanne die erste „Weltkonferenz für Sport und Umwelt“ veranstaltet (SCHEMEL & ERBGUTH 2000, S. 38). Anschließend betonte der damalige IOC-Präsident Juan An- tonio Samaranch: „Das Internationale Olympische Komitee ist entschlos- sen die Umwelt als dritte Dimension für die Olympiade aufzunehmen, die ersten beiden sind Sport und Kultur.“ (GREENPEACE 2003, S. 4, www; 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 99 HOCHFELD 2002, S. 68; TESKE 2003b, www). Die olympische Bewegung sollte also durch die drei Dimensionen „Sport“, „Kultur“ und „Umwelt“ geprägt werden, was zur Folge hatte, dass die Vergaberichtlinien der Olympischen Spiele um Umweltkriterien erweitert wurden und 1995 erstmals eine Expertengruppe für Umweltfragen des olympischen Sports vom IOC einberufen wurde (SCHEMEL & ERBGUTH 2000, S. 38). Seitdem sich Greenpeace an den achtjährigen Vorbereitungen zu den Olympischen Spielen in Sydney beteiligte, dort dann 2000 erstmals „Grüne Spiele“ ausgetragen wurden, gilt nun auch für andere Olympi- abewerber, die Idee der „Grünen Spiele“ weiterzutragen (TESKE 2003a, www; TESKE 2003b, www). Letztendlich kann behauptet werden, dass die „Grünen Spiele“ von Sydney richtungsweisend auf dem Weg zu umwelt- gerechten Sportgroßveranstaltungen waren (Hochfeld 2000, S. 68). Im Jahre 2000 wurden dem IOC durch Greenpeace neue Umweltrichtli- nien für die Ausrichtung zukünftiger Olympischer Spiele ausgehändigt, die auf Grundlage der Sydney-Umweltrichtlinien überarbeitet und aktuali- siert wurden (TESKE 2003c, www). „Mit den ‚Greenpeace Olympic En- vironmental Guidelines’, einem umfassenden Ratgeber für umweltfreund- liche Ausrichtung von großen Sportveranstaltungen, fordert die Umwelt- organisation, die Idee der grünen Spiele auch bei den zukünftigen Olym- piaden umzusetzen.“59 (ebenda). Die Hauptkriterien der neuen Green- peace-Umweltrichtlinien berücksichtigen die Erfahrungen von Sydney und beinhalten im Wesentlichen: „Ersatz von fossilen und atomaren Energien durch erneuerbare Ener- gien Ausbau von öffentlichen Verkehrsmitteln und Vermeidung von Auto- verkehr Verwendung von ökologischen Baustoffen Kein Einsatz von Substanzen, die ozon- und klimaschädigend wirken Einsatz von Holz, das nicht aus dem Raubbau der Regenwälder stammt Berücksichtigung des Artenschutzes 59 Diese Richtlinien sollen für alle zukünftigen Austragungsorte der Olympischen Spiele sowie für deren Planer, Ingenieure, Veranstalter und Sponsoren gelten und damit eine umweltfreundliche Planung und Gestaltung Olympischer Spiele gewährleisten (TESKE 2003b, www). Sie enthielten 34 Zielvorgaben. „So forderten Guideline 1 und 2 einen minimalen Energieverbrauch, die solare Pas- sivbauweise für die Unterkünfte und den Ersatz fossiler Brennstoffe durch regenerative Quellen. Die folgenden 32 Richtlinien beinhalteten unter anderem die Reduzierung des Individualverkehrs, den sparsamen Umgang mit Wasser und die Vermeidung von Müll.“ (HORBELT 2002, www). 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 100 Größtmögliche Müll- und Abwasservermeidung Verbot von gentechnisch veränderten Lebensmitteln“ (ebenda). Am 12.04.2003 entschied das Nationale Olympische Komitee (NOK) in München, dass Leipzig als deutsche Bewerberstadt für die Spiele 2012 den Zuschlag für die Bewerbung beim IOC erlangt60. In ihrem Bewer- bungskonzept für die Austragung der XXX. Olympischen Sommerspiele und der XIV. Paralympischen Sommerspiele 2012, hält die Bewerberstadt Leipzig fest, dass sie sich mit ihren Partnerstädten61 den Prinzipien der Nachhaltigkeit verpflichtet fühlt (LEIPZIG, FREISTAAT SACHSEN UND PARTNER- STÄDTE GMBH 2002, S. 46). „Ihr Konzept legt nicht nur größten Wert da- rauf, die Olympiastandorte in den urbanen Zusammenhang einzufügen und traditionelle Sportstätten wiederzubeleben. Grundlegender Bestand- teil der Bewerbung ist auch, dass die olympischen Einrichtungen an- schließend nutzbar bleiben.“ (ebenda). Innerhalb des Bewerbungskonzeptes der Stadt Leipzig wird auf sechs Sei- ten (ebenda, S. 48 ff.) auf die Umweltaspekte der Austragung der Olym- pischen Spiele 2012 in der Olympiaregion eingegangen62. Es wird darauf aufmerksam gemacht, dass die Wettkampfstätten sich dadurch auszeich- nen, „dass durch die Nutzung urbaner Flächen auf eine zusätzliche Ver- siegelung des Bodens weitestgehend verzichtet werden kann. Die Prüfung der geplanten Veranstaltungsorte für 2012 in Leipzig und der Olympiare- gion hat ergeben, dass deren Umweltqualität entweder sogar erhöht wird oder die Vorhaben zumindest als umweltneutral zu bewerten sind.“ (ebenda, S. 48). Im Rahmen des methodischen Vorgehens beur- teilt die Analyse der Umweltverträglichkeitsprüfung, in Verbindung mit schutzgutbezogener als auch nutzungsbezogener Untersuchungssichtwei- se, die Umweltrelevanz der geplanten Veranstaltungsorte, des Verkehrs- konzeptes und der Ver- und Entsorgung und umfasst eine Beschreibung des Planungsstandes und der Umweltsituation, eine Auswirkungsanalyse, eine Analyse des Optimierungspotentials sowie 60 Im Folgenden findet lediglich die Vorstellung des Leipziger Umweltkonzeptes statt, da eine Be- trachtung der Umweltkonzepte aller Bewerbungen bis 2012 den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. 61 Der Vollständigkeit halber seien sie hier genannt: Dresden, Chemnitz, Riesa und Halle. 62 Im Folgenden findet lediglich ein Referieren des Umweltkonzeptes ohne jegliche Wertung des Ver- fassers statt. 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 101 Flächennutzung/ Bodenschutz Arten und Biotope Lufthygiene/Klima Wasserhaushalt Nachhaltige Bewirtschaftung (Nutzung und Strukturen) Sportstätten Olympisches Dorf Verkehrsanlagen Medienzentrum Ver-/Entsorgungssysteme eine Beschreibung möglicher Lösungsansätze zum Umgang mit den Beeinträchtigungen (ebenda). Abbildung 21 stellt die Modellvorstellung der „Nachhaltigen Bewirtschaf- tung“ der Olympiaregion Leipzig, das den schutzgutbezogenen Ansatz mit den Schutzgütern Boden, Wasser, Biotope und Stadtklima/Lufthygiene und die nutzungsbezogenen Untersuchungsbereiche Veranstaltungsorte, Verkehrskonzept und erforderliche Infrastruktur für Ver- und Entsorgung zusammenfasst, dar (ebenda). Abbildung 21: Nachhaltige Bewirtschaftung der Olympiaregion Leipzig 2012 (in Anleh- nung an LEIPZIG et al. 2002, S. 48) In diesem Bewertungsprozess der Umweltrelevanz der Planung, in den regionale Naturschutzverbände, die Koordinationsstellen der LA21- Prozesse sowie Bürgervereine einbezogen wurden, zeigt sich, dass keiner der 21 Veranstaltungsorte eine Beeinträchtigung für die Umwelt darstellt, sondern sechs davon sogar eine deutliche ökologische Aufwertung für die Umwelt bedeuten (ebenda, S. 48 ff.). Unter dem Motto „Schützenswertes erhalten“ will Leipzig mit seinen Part- nerstädten „einen wesentlichen Beitrag zur Beschleunigung des Revitali- sierungsprozesses der Region leisten und damit zur nachhaltigen Verbes- serung der gesamten Umweltsituation beitragen.“ (ebenda, S. 51). Be- sonders deutlich wird dies an den Beispielen, dass das Olympische Dorf Feuchtbiotope integriert und erhält und ein funk- tionsschwaches Industriegebiet neu und umweltfreundlich gestaltet wird, vorhandene oder in Planung befindliche Sportstätten so konzipiert werden, dass eine sinnvolle Nachnutzung oder ein vollständiger Rück- bau gewährleistet ist, innerhalb des Transportkonzeptes erdgasbetriebene Busse der Leipzi- ger Verkehrsbetriebe den Personennahverkehr übernehmen und damit die CO2-Belastung auf einem niedrigen Niveau halten, 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 102 das Abwassersystem der Stadt Leipzig bereits heute über genügend Kapazität zur Austragung der Spiele besitzt, ein Abfallwirtschaftskonzept entwickelt wird, das der Philosophie „Vermeiden vor Verwerten vor Beseitigen“ folgt, unter Mitwirkung von Umweltverbänden Energie-, Bau-, Verkehrs-, Versorgungs- und Entsorgungskonzepte erarbeitet und Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für unvermeidbare Eingriffe in die Natur geplant werden (ebenda, S. 51 f.). Hinsichtlich des Untersuchungsgegenstandes dieser Arbeit, wird nachste- hendem Satz aus dem Bewerbungskonzept der Stadt Leipzig für 2012 eine besondere Relevanz beigemessen: „Zur Sicherung der Nachhaltigkeit und Optimierung der weiteren Planung wird bis 2012 ein Management- system in Anlehnung an die Norm ISO 14001 für die Veranstaltungsorte eingeführt.“ (ebenda, S. 51)63. FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006 Deutschland Im Gegensatz zum IOC macht der Internationale Fußballverband (FIFA) den Bewerberländern um die Austragung der Fußballweltmeisterschaften keine Auflagen bezüglich eines Umweltkonzeptes. Das kaum vorhandene Umweltengagement der FIFA findet, zum einen, seinen Ausdruck in der vergangenen WM 2002 in Südostasien, bei der Umweltschutz in den Sta- dien kein merkliches Thema war, sondern nur ein „Gigantismus um jeden Preis“ verfolgt wurde und zum anderen die FIFA beispielsweise einen Parkplatz pro fünf Besucher verlangt, obwohl eine gute Erreichbarkeit durch öffentliche Verkehrsmittel besteht und eine Müllvermeidung durch Mehrwegprodukte keinerlei Beachtung findet. Auch in der Stadienland- schaft des DFB zeigen sich ökologische Ungereimtheiten. So findet in der 280 Millionen Euro teueren Allianz-Arena in München zum Beispiel, die Ökologie gar keine Berücksichtigung. Angeblich seien die Gelder knapp bemessen, um sich Regenwasser zur Rasenbewässerung oder zur Toilet- tenspülung nutzbar zu machen und Öko-Strom zu beziehen. Doch gibt es auch umweltfreundlichere Stadienprojekte in Deutschland. So wird in Frankfurt, neben Berlin und Köln, ein gasbefeuertes Blockheizwerk aufge- stellt und das Regenwasser zur Rasenbewässerung und Toilettenspülung aufgefangen (HORBELT 2002, www). „In Leipzig und Hannover kommen 63 Vor dem Hintergrund des frühen jetzigen Zeitpunktes bis 2012 und der momentanen Phase der Konzeption sind diese Absichtserklärungen zwar löblich, würdigt der Verfasser diese aber eher kri- tisch. Zur Diskussion sei hier auf das Kapitel sechs verwiesen. 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 103 Photovoltaikanlagen auf die Dachkonstruktionen, in Köln soll ein überar- beitetes Verkehrssystem den Öffentlichen Personennahverkehr attraktiver machen.“ (ebenda). Im Übrigen lehnte der DFB eine Zusammenarbeit mit der Umweltschutzorganisation Greenpeace, die ihre Erfahrungen aus den Sydney-Spielen in die WM 2006 hätte einbringen können, ab (ebenda). Zwar hat der DFB bereits mit seinem Bewerbungsdossier für die Austra- gung der WM 2006, das 1999 der FIFA überreicht wurde, durch das Kapi- tel „Umweltkonzept für die Stadien“ eine ökologische Weichenstellung vorgenommen. Um sich an den Zielen einer nachhaltigen Entwicklung zu orientieren (HOCHFELD 2002, S. 69; ÖKO-INSTITUT E.V. 2003a, S. 2, www), wurde eine Kooperation, dank der Initiative des BMU (HORBELT 2002, www), zwischen dem FIFA Fußball-WM 2006 Organisationskomitee (OK) und den Umweltorganisationen Öko-Institut e.V. und World Wide Fund of Nature (WWF) zur Erarbeitung und Durchführung eines Umweltkonzeptes aber erst mit der Vergabe der Fußball-WM 2006 im Sommer 2000 durch die FIFA an Deutschland, eingegangen (HOCHFELD 2002, S. 69). Mit dem Beschluss des Präsidiums des DFB zur Erarbeitung des umfas- senden Umweltkonzeptes „Green Goal - auf dem Weg zu einer nachhalti- gen FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006“, welches vom Bundesumwelt- minister unterstützt und von der DBU mit 90 000 Euro sowie einer Ko- Finanzierung der Umsetzungsphase mit 300 000 Euro finanziell gefördert wird (ÖKO-INSTITUT E.V. 2003b, S. 4, www), betont der DFB im Nach- hinein sein gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Umwelt (HOCHFELD 2002, S. 69; ÖKO-INSTITUT E.V. 2003a, S. 2, www). „Um die Umweltziele zu definieren, zu konzeptionieren und natürlich auch zu erreichen, wurde die strategische Partnerschaft [wie sie Abbildung 22 zeigt], von BMU, das das OK berät und auch die Ziele mit dem OK ge- meinsam definiert und abstimmt, und dem Ökoinstitut unter Einbezug des WWF gewählt [...].“ (KROLL 2002, S. 78). 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 104 Abbildung 22: Strategische Partnerschaft des OK der Fußball-WM 2006 (in Anlehnung an KROLL 2002, S. 78; ÖKO-INSTITUT E.V. 2003b, S. 2, www) „Eine Fußball-WM nimmt in verschiedener Hinsicht eine Sonderstellung unter Sportgroßveranstaltungen ein.“ (ÖKO-INSTITUT E.V. 2003a, S. 2, www). Nach HOCHFELD (2002, S. 68 f.) liegen die wesentlichen Herausfor- derungen eines Umweltkonzeptes einer Fußball-WM darin, dass keine Umweltkonzepte, wie die der Olympischen Spiele, vorliegen, eine Fußball-WM dezentral veranstaltet wird, keine Erfahrungen in Deutschland für die Austragung solcher Me- gaevents bestehen, durch den Bundesligabetrieb die Stadien weiterhin intensiv genutzt werden und dadurch erhebliche Umweltbelastungen entstehen und durch die hohe Zahl der Mitgliedervereine eine enorme Kommunikati- onsplattform für das Thema Umwelt herrscht. Ausgangspunkt für die Konzeptphase des Umweltkonzeptes Green Goal, die unmittelbar in die Umsetzungsphase übergeht, war eine „Status-quo- Analyse“ zur Erfassung der Umweltbeeinträchtigungen der WM-Stadien und Städte sowie eine Identifizierung der Handlungsoptionen zur Verbes- serung der Umweltsituation vor Ort hin zu einer nachhaltigen Entwick- lung. Wesentliche Datengrundlage waren hierbei die Angaben der Bewer- berspielstätten innerhalb des FIFA-Pflichtenhefts, welches erstmals um OK WM 2006 Öko-Institut WWF BMU/DBU Abstimmung Steuerung Steuerung Zieldefinition Beratung Konzeption/ Umsetzung Konzeption/ Umsetzung Städte/ Stadien Medien FIFA Global Partner/ National Supplier 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 105 den Umweltaspekt erweitert wurde64 (HOCHFELD 2002, S. 70; ÖKO- INSTITUT E.V. 2003a, S. 3, www). „Darin wurden die Städte nach ihren allgemeinen Umweltzielen und dem Engagement im Umweltmanagement befragt. Diese Angaben wurden bei der Auswahl der zwölf ‚Host Cities’ der WM berücksichtigt.“ (ÖKO-INSTITUT E.V. 2003a, S. 3, www). Die Er- gebnisse der Status-quo-Analyse und eine Erfassung der umweltrelevan- ten Kennzahlen der Austragungsstätten65 basierend „auf einer Ist-Analyse der Verbrauchswerte an Energie, Wasser und des Abfallaufkommens im Rahmen des Bundesliga-Spielbetriebs in den FIFA WM-Stadien, einer Ab- schätzung des zu erwartenden Verkehrs, sowie einer Untersuchung mög- licher Umweltmaßnahmen unter Berücksichtigung erster Kosten- /Nutzenberechnungen“ (ÖKO-INSTITUT E.V. 2003c, S. 2, www) ergaben den Grundstock für die Formulierung der Umweltziele von Green Goal. Die verbindlichen Umweltziele und das Konzept zur Erreichung der Ziele wurden, in Zusammenarbeit des OK, des BMU und des Öko-Instituts, An- fang des Jahres 2003 der Öffentlichkeit als „Green Goal - Umweltziele für die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2006“ vorgestellt (ÖKO-INSTITUT E.V. 2003a, S. 4, www). Der Handlungsrahmen der quantitativen Umweltziele des Umweltkonzep- tes bezieht sich auf die Ressourcen Wasser, Abfall, Energie und Mobilität (HOCHFELD 2002, S. 71; ÖKO-INSTITUT E.V. 2003a, S. 5, www; ÖKO- INSTITUT E.V. 2003c, S. 2, www). Im Folgenden werden nun die ausgearbeiteten Umweltleitlinien, beispiel- haften Maßnahmen zur Reduzierung oder Vermeidung und die Umweltzie- le der einzelnen Kernbereiche anhand des Green Goal-Konzeptes kurz präsentiert. Wasser „Der Leitgedanke ist ein schonender Umgang mit der Ressource Trinkwasser. Dafür gilt es, den Verbrauch an Trinkwasser so weit wie möglich zu reduzieren, Regen-, Oberflächen- und Brunnenwasser an- stelle von Trinkwasser zu nutzen, Niederschlagswasser naturnah ver- sickern zu lassen und die Ab- und Grundwasserbelastung zu verrin- gern.“66 (ÖKO-INSTITUT E.V. 2003a, S. 6, www). Geplante Maßnahmen 64 Die Umweltkriterien sind: Umweltziele und Umweltengagement, umweltfreundlicher Bau, Energie, Mobilität, Abfall, Wasser und Lärmschutz (HOCHFELD 2002, S. 70). 65 Die zwölf Austragungsstätten der WM 2006 sind: Berlin, Dortmund, Frankfurt, Gelsenkirchen, Hamburg, Hannover, Kaiserslautern, Köln, Leipzig, München, Nürnberg und Stuttgart (ÖKO- INSTITUT E.V. 2003a, S. 5, www). 66 Hervorhebung im Original durch Fettdruck. 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 106 sind dabei die Erhöhung der Trinkwassersubstitution durch Regen-, Oberflächen- und Brunnenwassernutzung um 20%, die Optimierung der Beregnung der Spielfelder bei gleichzeitiger Vermeidung der Au- ßenflächenberegnung, Wassereinsparungen im Sanitär- und Gastro- nomiebereich, der Gebrauch umweltfreundlicher Reinigungs- und Ra- senpflegemittel sowie eine regelmäßige Wartung aller Armaturen und Leitungen (ÖKO-INSTITUT E.V. 2003a, S. 7, www; ÖKO-INSTITUT E.V. 2003c, S. 2, www). Abfall „Abfälle gilt es primär so weit wie möglich zu vermeiden und zu ver- mindern. Nicht vermeidbare Abfälle werden umweltfreundlich verwer- tet und nicht verwertbare Abfälle müssen schließlich fachgerecht be- seitigt werden.“67 (ÖKO-INSTITUT E.V. 2003a, S. 8, www). Um den ent- stehenden hausmüllähnlichen Abfallmengen68 durch den eigentlichen Spielbetrieb, zusätzlichen Veranstaltungen und Events in den Stadien und deren direktem Umfeld, verstärktem Gastronomiebetrieb, um- fangreichen Angeboten an Merchandising- und Werbeprodukten und Aktionen durch Sponsoren entgegenzuwirken, kommt neben den Bau- steinen des Abfallkonzeptes „Vermeiden und Vermindern“ und „Ver- werten und Entsorgen“ auch einer einheitlichen Kommunikation und Sensibilisierung innerhalb der Stadien, Städte und Locations eine gro- ße Bedeutung zu (ebenda, S. 8 f., www). Die Minimierung der erwar- teten Abfallmengen soll durch einen erhöhten Einsatz verpackungs- freier Mehrwegsysteme und einheitlicher Abfallsysteme, einer Redu- zierung von Wegwerfartikeln, Leitfäden für Catering- und Merchandi- sing-Unternehmen, einer Vermeidung von Abfällen zeitlich begrenzter Bauten und durch ein Abfallmanagement im Stadionumfeld erfolgen sowie anhand von Getrenntsammlungen, ausreichenden und mehr- sprachigen Orientierungshilfen für die Besucher, einer Beachtung der Recyclefähigkeit der Materialien und einer umweltgerechten Entsor- gung des Mülls durch zertifizierte Entsorgungsfachbetriebe realisiert werden (ÖKO-INSTITUT E.V. 2003a, S. 9, www; ÖKO-INSTITUT E.V. 2003c, S. 2, www). Energie „Die Energieeinsparpotentiale bei der Ausrichtung der Fußball-WM 2006 werden dort, wo es möglich und wirtschaftlich realisierbar ist, durch moderne technische und organisatorische Maßnahmen ausge- schöpft. Die Energie, die zur effizienten Ausrichtung der WM erforder- lich ist, wird möglichst umweltverträglich hergestellt.“69 (ÖKO-INSTITUT E.V. 2003a, S. 11, www). Der derzeitige Energiebedarf der Stadien ist der potentielle Ansatzpunkt zur Reduzierung des Energieverbrauchs. Das Öko-Institut prognostiziert, dass durch technische als auch orga- nisatorische Maßnahmen in den einzelnen Sportstätten Einsparungs- potentiale bis zu 40% im Rahmen des Möglichen liegen. Durch eine Optimierung der Betriebsführung sowie einem Energiemanagement und -controlling, Benchmarking und Sensibilisierung beim Nutzerver- 67 Hervorhebung im Original durch Fettdruck. 68 Neben einem hohen Prozentsatz an Pappe, Papier und Karton sowie Speiseresten werden vom Öko-Institut Kunststoffe und Leichtverpackungen, Glas, Biomüll, Sonder- und Bauabfälle sowie Restmüll identifiziert (ÖKO-INSTITUT E.V. 2003a, S. 8, www). 69 Hervorhebung im Original durch Fettdruck. 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 107 halten sowie einer Realisierung eines Energie-Contracting70 sollen eben diese erschlossen werden. Eine besonders große Rolle zur Er- schließung von Einsparpotentialen spielen dabei Verbrauchserfassun- gen, bauliche Maßnahmen an der Gebäudehülle zur Wärmeisolierung sowie Veränderungen an der Heiz-, Kühl-, Lüftungs- und Beleuch- tungstechnik. Der verbleibende Energiebedarf soll durch Gebrauch re- generativer Energieträger durch Photovoltaikanlagen vor Ort selbst hergestellt oder in Form von „Grünem Strom“ von dem deutschen Energieunternehmen EnBW AG, das sich dabei als Partner der WM durch die Bereitstellung von regenerativ erzeugtem Strom einbringt, fremdbezogen werden (ebenda, S. 11 f., www). Mobilität „Ein Leitgedanke für die Fußball-WM 2006 ist es, die Mobilität umwelt- freundlich und effizient zu gestalten. Die Vermeidung unnötiger Ver- kehre und die stärkere Verlagerung auf öffentliche Verkehrsmittel steht genauso im Mittelpunkt der Aktivitäten wie eine effiziente und ökologische Gestaltung bestehender Verkehrssysteme.“71 (ÖKO- INSTITUT E.V. 2003a, S. 14, www). Das Thema Verkehr ist innerhalb der Kernbereiche am stärksten zu gestalten, da zu den 64 Spielen et- wa 3,2 Millionen Zuschauer und zusätzliche 20000 Journalisten und 1500 FIFA-Repräsentanten erwartet werden. Die WM-Verkehre der in- ländischen und ausländischen Besucher, der Journalisten und Sport- funktionäre sollen vom privaten Pkw zu mindestens 50% auf öffentli- che Verkehrsmittel umgeleitet werden, um die Klimafolgen der An- und Abreiseverkehre um 20% reduzieren zu können. Die dafür not- wendigen Anstrengungen konzentrieren sich auf die Verbesserung der Spielstättenanbindungen, eine Erhöhung der ÖPNV-Kapazitäten, Kom- biticketangeboten, Park-and-ride-Einrichtungen sowie auf die Verbes- serung der öffentlichen Verkehrsmittel unter technischen Gesichts- punkten, wie zum Beispiel „Nutzung zukunftsweisender alternativer Kraftstoffe bzw. Antriebssysteme als auch [...] Einsatz hoch effizienter Motorentechnik und modernster Abgasreinigungstechnologien.“ (ebenda, S. 13 f., www). Trotz diesem umfangreichen Maßnahmenkatalog in den vier vorgestellten Kernbereichen und Handlungsfeldern des Umweltkonzeptes Green Goal, lässt sich, nach Angaben des Öko-Instituts, die Emission von Treibhaus- gasen durch die Ausrichtung der WM nicht vermeiden (ebenda, S. 16, www). Das übergreifende quantifizierbare Umweltziel der WM 2006 wur- de deshalb als nachstehende Vision formuliert: „Das anspruchvollste Ziel stellt die Minimierung des Effekts der WM auf das globale Klima dar. Ansatzpunkte sind hier die Ausschöpfung von Effi- zienzpotentialen in den Stadien und bei der Organisation des WM- Verkehrs sowie der Einsatz regenerativer Energien. Trotz der hierüber 70 Zur Darstellung der Begrifflichkeit und des Inhalts eines Energie-Contracting sei an dieser Stelle auf das folgende Unterkapitel verwiesen. 71 Hervorhebung im Original durch Fettdruck. 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 108 erzielbaren Reduktion wird die WM 2006 zusätzlich voraussichtlich rund 100.000 Tonnen Treibhausgasemissionen im Inland verursachen. Diese Emissionen sollen durch Klimaschutzinvestitionen an anderer Stelle kom- pensiert werden. Das bedeutet: Die WM 2006 wird weltweit die erste kli- maneutrale Großveranstaltung im Sport sein.“72 (ÖKO-INSTITUT E.V. 2003c, S. 3, www). Während in der oben genannten Konzeptphase standortübergreifende Entwürfe innerhalb der Kernbereiche als Gesamtkonzept entwickelt wur- den, geht es in der Umsetzungsphase, von 2003 bis 2006, das Programm des Green Goal zu verwirklichen. Neben den bereits identifizierten wichti- gen Kernbereichen, deren Relevanz und Bearbeitungsintensität von Spiel- stätte zu Spielstätte variieren kann, sollen an den Stadien noch Informa- tionsdefizite bezüglich kurzer Amortisationszeiten betrieblicher Umwelt- schutzmaßnahmen beseitigt, mögliche Finanzierungs- und Contracting- modelle für Umweltmaßnahmen vorgestellt und ein Monitoring der durch- geführten Aktivitäten zur Überprüfung der Zielerreichung eingeführt wer- den (ÖKO-INSTITUT E.V. 2003a, S. 18 f., www). Abschließend wird in dem Hintergrundpapier zur Konzeptphase des Green Goal (ebenda, S. 19, www) hinsichtlich der praktischen Umsetzung an den Spielorten bemerkt: „Eine wichtige Maßnahme, mit deren Hilfe lang- fristig Nachhaltigkeitsziele gesichert und dauerhaft Umweltstandards ver- bessert werden können, ist die Einführung von Umweltmanagement- systemen in den Stadien.“ Diesbezüglich heißt es weiter: „Besondere Bedeutung kommt dem Aufbau und der Weiterentwicklung von Um- weltmanagementkompetenzen (vorzugsweise in Richtung EMAS II) zu, da diese Grundlage für die Umsetzung von Maßnahmen in einzelnen inhaltlichen Feldern sein können. Das OK und das Öko-Institut werden daher für die Einführung und Umsetzung von Umweltmanagementsyste- men wie EMAS II in den Spielstätten der Fußball-WM 2006 werben. Das OK - mit der Unterstützung des Öko-Instituts - tritt hier als Berater und 72 Über die genannten quantifizierbaren Umweltziele hinaus seien hier auch die qualitativen Bereiche Tourismus, Merchandising, Catering und begleitendes Kulturprogramm genannt, die als weitere umweltrelevante Themenfelder im Rahmen der Planung und Austragung der WM gesichtet wurden (HOCHFELD 2002, S. 74; ÖKO-INSTITUT E.V. 2003a, S. 17, www). 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 109 Koordinator der Städte auf, während die Stadionbetreiber mit Partnern vor Ort das Audit eigenständig durchführen.“73 (ebenda, S. 19 f., www). FIS Alpine Ski WM 2003 St. Moritz-Pontresina, Engadin Bereits 1994, während des 39. FIS-Kongresses in Rio de Janeiro, ist die FIS als NRO, als erster Weltsportverband, der Aufforderung der UNCED, sich zum Schutz des Klimas und der Wälder zu engagieren, durch den Beschluss des „Mainauer Manifest“ nachgekommen (FIS 2003a, S. 1, www). Dort heißt es, dass die FIS durch Vorgaben und Festlegungen von Rahmenbedingungen ihren Beitrag leisten will, um „den Skisport umwelt- verträglich zu gestalten und die allgemeinen Anstrengungen zur Verbes- serung der Umweltbedingungen zu stützen.“ (FIS 2003b, S. 2, www). Im Rahmen dieser Gestaltung der Rahmenbedingungen wurde für die Ausübung des Skisports allgemein festgelegt, dass die FIS den Natur- und Landschaftsschutz in ihre Satzung aufnimmt, Mitgliedsverbände verpflichtet werden, Skiwettkämpfe umweltverträg- lich zu gestalten, dazu unabhängige Experten hinzugezogen werden, nationale, kulturelle und soziale Aspekte bei der Umsetzung der Um- weltgesichtspunkte zu berücksichtigen sind, für internationale Wettkämpfe Umweltrichtlinien erarbeitet werden, die umweltgerechte Anlagen und Abläufe gewährleisten sollen, Skigroßveranstaltungen grundsätzlich vorhandene Sportstätten zu nutzen haben, bei zwingenden Bau- oder Umbaumaßnahmen eine Prüfung der Um- weltverträglichkeit und der nachhaltigen Nutzbarkeit zu erfolgen hat sowie diese Rahmenbedingungen bei der Vergabe internationaler Wettkämp- fe maßgebend sind (ebenda). Dementsprechend wurde eine FIS-Umweltgruppe beauftragt, Umweltleit- linien für Kandidaten um die Ski-Weltmeisterschaften auszuarbeiten. So ist es für den Internationalen Skiverband selbstverständlich geworden, den Bewerbern für Ski-Weltmeisterschaften, neben den einzureichenden Bewerbungsunterlagen, einen Umweltbericht abzuverlangen und auf der Einhaltung der entsprechenden Leitlinien zu bestehen. Der Umweltreport beinhaltet folgende drei Punkte (FIS 2003a, S. 1 f., www): 73 Auch hier handelt es sich bislang nur um eine Absichtserklärung. 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 110 Allgemeiner Teil Der „Allgemeine Teil“ umfasst die Intentionen der Kandidatenregionen unter Berücksichtung der Umweltbelange und „skisportlichen Interes- sen“ und darüber hinaus eine Darstellung der Umweltsituation der Re- gion, eine Verträglichkeitsprüfung der Planungen mit den gesetzlichen Vorschriften, eine Analyse der Inanspruchnahme wertvoller Lebens- räume, eine Darstellung der politischen und demographischen Akzep- tanz, eine Integration eines UM mit eigenem Umweltbudget in die Hie- rarchie des OK zur wirksameren Umsetzung der Umweltplanungen, ei- ne Zusammenarbeit zwischen Experten, staatlichen Behörden und Umweltschutzverbänden zur Bündelung von Fachwissen sowie die Un- terrichtung und Einbeziehung der Öffentlichkeit (ebenda, S. 4 ff., www). Spezieller Teil Die Gegebenheiten der Wettkampfstätten, der Infrastruktur und der umweltrelevanten Faktoren sind Inhalt des „Speziellen Teils“, der eine weitestgehende Nutzung bestehender Sportstätten und Unterkünfte mit einer geringen Distanz zueinander und einer guten Erreichbarkeit für die Zuschauer fordert, die Ressourcen Verkehr, Energie, Was- ser/Abwasser und Abfall unter umweltverträglichen Gesichtspunkten behandelt sowie kreative Ideen und Innovationen bezüglich des Um- weltschutzes fordert (ebenda, S. 6 ff., www). Bewertender Teil Als Basis für die Auswertung der FIS und Selbstorientierung der Kan- didaten dient der „Bewertungsteil“, in dem Lösungsansätze der kriti- schen Umweltfragen zu formulieren sind (ebenda, S. 8 f., www). Nach der Bewerbungsphase folgen für den gewählten Veranstalter der WM die Phasen der Vorbereitung, Durchführung sowie Nachbereitung der Weltmeisterschaften (ebenda, S. 3, www). Für die FIS Alpine Ski WM 2003, die in der ersten Februarhälfte stattfand, bekam die Schweiz, mit ihren beiden touristischen Hauptpolen St. Moritz und Pontresina in der Region Oberengadin, den Zuschlag. Mit der Intenti- on den Nutzen aus der Ski-WM für die Region zu maximieren und gleich- zeitig die Risiken für die Bewohner, Landschaft, Wirtschaft und Kultur zu minimieren, haben die Austragungsstädte im Vorfeld der WM einen Be- gleitbericht zur Untersuchung „der Ski-WM 2003 aus Sicht einer nachhal- tigen Entwicklung in Auftrag gegeben.“ (BIEGER, MÜLLER, ELSASSER & OK FIS ALPINE SKI WM ENGADIN 2003 2000, S. 4, www). Dieses Nachhaltig- keitskonzept stellte keine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP)74 im ei- 74 Eine UVP ist „eine Maßnahme zur Umsetzung des Vorsorgeprinzips im Zusammenhang mit der geplanten Realisierung von Bauvorhaben [...] und anderen Projekten. [...] Eine UVP hat nicht nur einzelne Umweltmedien, z.B. das Grundwasser, im Blickwinkel, sondern versucht die Umweltsitua- tion in weiterer Perspektive zu erfassen und erkennbare Gefahren vorzubeugen bezüglich der menschlichen Gesundheit und der Ökosysteme: Anwendungsbereiche für UVPs sind insbesondere 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 111 gentlichen Sinne dar, sondern sollte vielmehr geeignete Instrumente für die Sicherstellung einer nachhaltigen Wirkung der Ski-WM 2003 für die Austragungsregion aufzeigen (ebenda, S. 4, www). Zunächst identifiziert der Bericht, wie in Abbildung 23 veranschaulicht, dass die Ski-WM in der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung auf die „Umweltsphäre“ Natur, neben den Umweltsphären Gesellschaft und Wirtschaft, verschie- dene Wirkungen hat75 (ebenda, S. 8, www). Abbildung 23: Wirkungen der Ski-WM 2003 auf die natürliche Umwelt (in Anlehnung an BIEGER et al. 2000, S. 8, www) Die wesentlichen ökologischen Effekte werden in dem Bericht dabei wie folgt charakterisiert: Pistenplanierung Um den steigenden Anforderungen an moderne Wettkämpfstätten zu genügen, wurden spezielle Streckenführungen für sichere Wettkämpfe gebaut, Planierungen der Strecke vorgenommen, spezielle Präparie- rungstechniken angewandt, Beschneiungsanlagen aufgestellt sowie große Zielräume zur Sicherheit der Sportler und Steigerung der Renn- atmosphäre für Zuschauer und Sponsoren geschaffen. Um internatio- nalen sportlichen sowie touristischen Ansprüchen über lange Zeit zu Naturschutz und Landschaftspflege, Immissionsschutz [...], Klimaschutz, Abfallentsorgung, Was- serschutz [...], Bodenschutz [...], Energieverbrauch, Schutz vor gefährlichen Stoffen, Schutz von Tier- und Pflanzenarten [...] u.v.m.“ (ALTMANN 1997, S. 173 f.). „Nach dem Vorsorgeprinzip sol- len umweltpolitische Maßnahmen so getroffen werden, daß Umweltschäden bzw. Umweltgefahren erst gar nicht entstehen [...].“ (ebenda, S. 120). 75 Der weitere Verlauf dieser Arbeit konzentriert sich lediglich auf die ökologischen Aspekte des Nachhaltigkeitskonzeptes zur Ski-WM 2003 und sieht deshalb von einer Diskussion zu den gesell- schaftlichen und wirtschaftlichen Einwirkungen, Effekte und Konzepte ab. Ski WM 2003 Gesellschaftliche Umwelt Wirtschaftliche Umwelt Fauna Wasser, Energie Luft Land- schaftsbild Lärm Natürliche Umwelt Verkehr Unterkunft/ Verpflegung von Besuchern Pistenplanierung Flora Boden Natur- gefahren 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 112 entsprechen, wurden zudem in dem insgesamt 400 000 m² umfas- senden Wettkampfgelände auf rund 15 000 m² Pistenkorrekturen vor- genommen und der Zielraum in ein Moorbiotop von regionaler Bedeu- tung gelegt. Ver- und Entsorgung Um weiteren ökologischen Effekten entgegenzuwirken, wurde, um ei- ner zusätzlichen Beherbergungskapazität entgegenzuwirken, darauf geachtet, den zusätzlichen Besucherandrang der WM durch eine Erhö- hung der Auslastung der vorhandenen Kapazitäten zu erreichen. Verkehr Um einer Erhöhung des Verkehrsaufkommens und einer Beeinflussung des Landschaftsbildes durch zusätzliche Parkplätze entgegenzuwirken, fanden Lenkungs- und Verlagerungsmaßnahmen des Individualver- kehrs hin zum öffentlichen Verkehr statt (ebenda, S. 9 f., www). Gemäß der Begrifflichkeit der nachhaltigen Entwicklung wurde für die praktische Umsetzung des Nachhaltigkeitskonzeptes für die Ski-WM 2003 im Engadin davon ausgegangen, dass Projekte und Maßnahmen „länger- fristig sozialverträglich, umweltverantwortlich und wirtschaftlich ergiebig“ zu sein haben (ebenda, S. 13, www). Innerhalb des Konzeptes der Nach- haltigkeit heißt es: „In Anbetracht der grossen ökologischen und sozio- kulturellen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Ski WM 2003 muss nachhaltige Entwicklung mit der Zunahme der Lebensqualität [...] umschrieben werden, die per Saldo mit geringerem Einsatz an nicht ver- mehrbaren Ressourcen sowie einer abnehmenden Belastung der Umwelt und der Menschen erzielt wird.“ (ebenda). Abbildung 24 zeigt die sich für die Ski-WM 2003 ergebenden ökologischen Gesichtspunkte der Nachhal- tigkeit. Abbildung 24: Ökologische Aspekte des Nachhaltigkeitskonzeptes der Ski-WM 2003 (in Anlehnung an BIEGER et al. 2000, S. 14, www) Ökologische Nachhaltigkeit Belastung durch Bau der Infra- struktur Belastung durch das Event selbst Entwicklung eines UMS Gesellschaftliche Nachhaltigkeit Wirtschaftliche Nachhaltigkeit Nutzen alpiner Wintersport Tourismus Graubünden Region St. Moritz 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 113 Umweltbewusste Durchführung von Mountainbike-Großveran- staltungen Hinsichtlich des Zieles einer Ökologisierung von Mountainbike- Veranstaltungen bietet der Forschungsbericht „Ökologisch bewusste Durchführung von Großveranstaltungen - Teilbereich Mountainbiken“ (MTB) der Autoren ROTH, TÜRK & JAKOB (2002) „Lösungen für Sportveran- staltungen in der freien Landschaft“ (ebenda, S. 2), die die Umsetzung „einer nachhaltigen, ökologisch optimierten Durchführung“ (ebenda, S. 4) eben dieser erleichtert. So werden in der Veröffentlichung Handlungs- empfehlungen durch Maßnahmen zur Integration von Umweltgesichts- punkten bei „der Auswahl, Konzeption, Planung und Durchführung von MTB-Veranstaltungen“ abgegeben, in dem unter anderem Umweltma- nagement erwähnt wird (ebenda, S. 68). Dazu heißt es: „Der Umwelt- schutz muss personell im Organisationskomitee insbesondere bei Groß- veranstaltungen verankert sein. Hierzu ist die Einrichtung eines eigenen Ressorts im Organisationskomitee empfehlenswert.“ (ebenda, S. 71). Die Autoren ROTH et al. (2002, S. 71 f.) haben „die Aufgabenfelder eines Umweltmanagements unter spezieller Berücksichtigung des Ressorts Umwelt“ folgendermaßen zusammengefasst: Bewerbung In der Konzeptionsphase der Veranstaltung gilt es einen Umweltbe- richt „als objektive Entscheidungsgrundlage“ zu erarbeiten sowie In- formationen und Beteiligungen der Behörden und Umweltschutzorga- nisationen einzuholen und einzufordern. Streckenausweisung und Infrastruktur Die Planungsphase sieht im Rahmen der Planfeststellung und einer UVP ein „Gesamtkonzept für alle Maßnahmen“ und ein „Variantenstu- dium“ sowie „Minimierungsmaßnahmen“ der zu erwartenden Umwelt- belastungen und „Maßnahmen der Landschaftspflege“ vor. Eine ökolo- gische Begleitung der Aktivitäten durch Experten wird in der anschlie- ßenden Realisierungsphase empfohlen. Durchführung der Veranstaltung Die Vorbereitungsphase sieht zur Entwicklung von Entlastungsmaß- nahmen im technischen Umwelt- und Naturschutz, zur Integration der ökologischen Belange und entsprechender kommunikatorischer Maß- nahmen eine Implementierung des Ressorts Umwelt in das OK der Veranstaltung vor. Während der Austragung übernimmt das Ressort Umwelt des OK dann die Aufgaben der „Überwachung der laufenden Maßnahmen“, des „Monitoring und Dokumentation der Veranstaltung“ sowie die Aufgaben der PR-Arbeiten. Die abschließende Post-Event- Phase der Wettkämpfe gestaltet sich für das Umweltressort des OK in Form einer „Auswertung und Evaluation des Monitoring“, einer Wei- 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 114 terentwicklung der Aktivitäten bezüglich der Nachhaltigkeit und Um- weltverträglichkeit dieser Art der Veranstaltung sowie einer Weiterga- be und Dokumentation der gemachten Erfahrungen durch entspre- chende Kommunikations- und Informationsmaßnahmen (ebenda, S. 72). Auf dieser Grundlage der vorbildlichen „Umweltorganisation“ einer Veran- staltung ist allerdings dafür Sorge zu tragen, dass das Umweltress- ort „über ein eigenes ausreichendes Budget verfügt“, „mit eigenen Machtbefugnissen ausgestattet ist“ und „der wechselseitige Informations- fluss innerhalb des Organisationskomitees sichergestellt ist.“ (ebenda). 5.4 Ökologisierung von Sportstätten In Deutschland gibt es einen hohen Bestand an Sportstätten. Mit einer nutzbaren Sportfläche von rund 400 km² geht man von etwa 55 000 Sportplätzen76, 35 000 Sporthallen, 50 000 Tennisfreiplätzen, 3000 Ten- nishallenplätzen, 7000 Reitanlagen, 7300 Hallen- und Freibädern und 400 Golfplätzen aus (BMU 1998, S. 12, www; SCHEMEL & ERBGUTH 2000, S. 217). „Hinzu kommen zahlreiche Nebenflächen, Wassersportanlagen, Vereinsgeschäftstellen und -lokale sowie ca. 5.500 kommerzielle Fitness- Center. Aufgrund diesen hohen Bestandes werden sich Baumaßnahmen zukünftig auf die Modernisierung vorhandener Sportstätten konzentrie- ren. Neubauvorhaben werden auf wachstumsintensive Sportarten be- schränkt bleiben.“ (BMU 1998, S. 12, www). Während SCHEMEL & ERBGUTH (2000, S. 218) „Berührungspunkte“ von Sportplätzen mit der Umwelt an Flächenbeanspruchungen der Standortwahl, Belästigungen durch Licht oder Lärm der anliegenden Wohngebiete, Schadstoffablassungen in die Luft, dem Grad der Flächenversiegelung sowie „Möglichkeiten einer möglichst naturnahen Pflege von nicht oder nur gering genutzten Grünflächen“ festmachen, identifizieren die Autoren (ebenda, S. 234 f.) für überdachte Sportanlagen, neben dem Verkehr, weniger die Rauminanspruchnahme 76 „Sportplätze [...] gehören ebenso wie Sporthallen zu den Anlagen im Siedlungsbereich. [...] Unter ‚Sportplatz’ versteht man heute die Zusammenfassung von Großspielfeldern, Kleinspielfeldern, Leichtathletikanlagen, Anlagen für spielerisch-sportliche Freizeitbetätigung und die dafür benötig- ten Gebäude sowie Nebenflächen.“ (SCHEMEL & ERBGUTH 2000, S. 217). 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 115 sondern vielmehr den Verbrauch der Ressourcen Energie, Luft, Müll und Wasser. „Fragen der Umweltqualität werden durch Sporthallen und Hal- lenbäder in mehrfacher Hinsicht berührt: Bei der Standortwahl kommt es darauf an, Flächen zu finden, die wertvolle Erholungs- und Biotopflächen des Siedlungsbereichs nicht beeinträchtigen und gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln sowie mit dem Fahrrad erreichbar sind. Beim Bau und Betrieb der Gebäude kommt es auf umwelt- und ge- sundheitsverträgliche Materialwahl, Bauausführung und Nutzung an.“ (ebenda, S. 235). Innerhalb der Vorstellung einer Ökologisierung von Sportstätten ist bei- spielhaft auf Anlagen einzugehen, auf die im Rahmen der Ausübung be- stimmter Sportarten nicht verzichtet werden kann77. Zum einen sind dies Sportarten, die ohne Halle nicht betrieben werden können und zum ande- ren, „wenn die sportliche Aktivität zwar nicht in einem Gebäude stattfin- det, wohl aber bestimmter Anlagen bedarf [...].“ (ebenda, S. 120). Vor dem Hintergrund der Ökologisierung von Sportanlagen werden nun das „Auditing in Skigebieten“ als Leitfaden zur ökologischen Aufwer- tung, das Umweltengagement der Arena AufSchalke als modernstes multi- funktionales Stadion seiner Art in Europa, Möglichkeiten der Betreibung von Sportstätten mit alternativen Ener- giequellen sowie das Finanzierungsmodell „Contracting“ als Beispielprojekte und modellhafte Maßnahmen aufbereitet und präsen- tiert78. „Auditing in Skigebieten“ Der „Leitfaden zur ökologischen Aufwertung - Auditing in Skigebieten“ wurde von der Stiftung pro natura - pro ski vor dem Hintergrund vielfälti- ger Möglichkeiten, „Skigebiete aufzuwerten und ihre Stabilität, aber auch ihre Eignung als Lebensraum für einheimische Tiere und Pflanzen zu ver- bessern“ initiiert. Durch die Auswahl dreier unterschiedlicher Testräume 77 Unberücksichtigt bleiben an dieser Stelle Sportarten, die „nicht auf bestimmte, künstlich geschaf- fene Einrichtungen angewiesen sind, wie z.B. Joggen, Bergsteigen, Surfen, Angeln, Skilanglauf und Rad fahren.“ (SCHEMEL & ERBGUTH 2000, S. 120). 78 An dieser Stelle sollte ebenfalls eine Vorstellung der Bayerischen Zugspitzbahn AG in Garmisch- Partenkirchen, die als erstes europäisches Bergbahnunternehmen 1996 eine Umwelterklärung nach der EG-VO vorgelegt und ein UMS nach der ISO 14001 eingeführt und umgesetzt hat (SCHEMEL & ERBGUTH 2000, S. 653 f.), sowie eine Vorstellung des betrieblichen Umweltschutzes der Kölnarena erfolgen, doch scheiterte dieses Vorhaben des Verfassers an einer mangelnden Kooperation der Verantwortlichen vor Ort. 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 116 beziehungsweise Skigebiete aus drei Alpenstaaten79 ergab sich der Vor- teil, „dass übergreifend die relevanten Fragestellungen in verschiedenen Ländern und Landschaftsstrukturen im Leitfaden enthalten sind.“ (ebenda, S. 28). Der Leitfaden besteht aus sechs Phasen, die zusammengenommen „ein eigenes methodisches Set“ sowie einen eigenen „Prüfrahmen“ für das Auditing von Skigebieten darstellt. Aufgrund der Anlehnung der Methode an die Grundstruktur des EG-Öko-Audit-Systems und der allgemeinen Formulierung soll das Modell auch auf andere Skigebiete übertragbar sein und „die methodischen Fragen im Zusammenhang mit der Erhebung und Bewertung vegetationskundlicher, wildbiologischer sowie landeskulturel- ler Auswirkungen“ klären (ebenda, S. 25 ff.). Es wird empfohlen, nach dem vorgestellten Konzept vorzugehen. Dies wird damit begründet, dass das Unternehmen „auf der Grundlage einer Bestandsanalyse mit Be- schreibung der Entwicklung des Skigebietes, den gegenwärtigen Nutzun- gen, der aktuellen Vegetation und den wichtigsten winteraktiven Tierar- ten sowie den derzeitigen Belastungen“ entscheiden kann, ob eine punktweise Aufwertung des Skiareals, ein langfristig geplantes Instand- setzungs- und Modernisierungskonzept oder eine Umweltbetriebsprüfung einschließlich eines UMS erreicht werden soll. Dadurch eröffnet sich zu- mindest die Gelegenheit, eine Validierung anzustreben, um jenes öffent- lichkeitswirksame Instrument auch in Skigebieten anwenden zu können. Andererseits besteht zugleich die Möglichkeit, sich lediglich an die vorge- schlagene mehrstufige Vorgehensweise zur ökologischen Aufwertung und zur Erstellung eines UMS zu halten, ohne jedoch eine Validierung gemäß der EG-VO durchzuführen (ebenda, S. 100). Das Auditing-Modell setzt sich, basierend auf den Ausführungen des Leitfadens der Stiftung pro na- tura - pro ski (ebenda, S. 40 ff.), aus folgenden Bausteinen zusammen: Screening Innerhalb des Screenings sind die wichtigsten Arbeitsschritte und Auf- gaben die „Abgrenzung des Auditgebietes“, die „Erfassung relevanter Skigebietsdaten“ und die „Festlegung der thematischen und räumli- chen Untersuchungsschwerpunkte“. Vorgeschlagen wird die Einbezie- hung aller Sportanlagen inklusive der Abfahrtspisten sowie „die an- 79 Die Testgebiete sind: das Skigebiet Malbun des Fürstentums Liechtenstein, das österreichische Skigebiet Schladming und das Skigebiet Adelboden der Schweiz (STIFTUNG PRO NATURA - PRO SKI 2003, S. 28 ff.). 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 117 grenzenden Pistenbereiche und skisportlich genutzten Gelände abseits der Pisten.“ (ebenda, S. 40 f.). Ökologische Studie in Form von schutzgut- und nutzungsbezogener Datenerhebung Als Basis der schutzgut- und nutzungsbezogenen Datenerfassung die- nen die natürlichen Schutzgüter Boden, Wasser, Klima/Luft, Vegetati- on, Fauna und Landschaft sowie die sport- und nutzungsbezogenen Daten wie Pisten, Liftanlagen, Beschneiung, Sommertourismus und Landnutzung (ebenda, S. 45 ff.). Geographisches Informationssystem (GIS) Der Aufbau eines digitalen Skigebietsinformationssystems (SIS) kann auf die Anforderungen des UM des Skigebietes abgestimmt werden. Hauptaufgabe des SIS ist es, alle relevanten raumbezogenen Daten des Skigebietes zu erfassen, zu verwalten und zu präsentieren. Wich- tige Inhalte des Einsatzes eines GIS sind eine digitale Kartographie, raumbezogene Analysen, das SIS und der Austausch von Daten (ebenda, S. 70 f.). Auditdurchführung In enger Anlehnung an den Prozess des Öko-Audits dient auch hier die Umweltpolitik als Grundlage für alle umweltbezogenen Aktivitäten. Es folgt die Durchführung der Umweltprüfung, die die Umweltrelevanz des Unternehmens feststellen soll. Danach erfolgt die Aufstellung von Umweltzielen als Vergleich des in der Umweltprüfung beschriebenen Ist-Zustandes mit den Soll-Werten. Zur Umsetzung der in den Um- weltzielen beschriebenen Anforderungen wird ein Umweltprogramm mit Maßnahmen für jeden Umweltbereich aufgestellt. Die Bausteine ergeben letztlich das UMS, wobei „die Organisationsstruktur, die Zu- ständigkeiten, Verfahren, Abläufe und Mittel für die Umsetzung“ ein- bezogen sind. Eine wichtige Rolle kommt dem Umweltinformationssys- tem (UIS) zu, welches sich aus Daten des SIS und einem abschlie- ßenden Bericht zusammensetzt (ebenda, S. 77 ff.). Umweltengagement der Arena AufSchalke In dem Zeitraum von September 2001 bis Oktober 2002 fand für Betrie- be aus Gelsenkirchen das Umweltberatungsprogramm „Ökologisches Pro- jekt für integrierte Umwelttechnik“ (ÖKOPROFIT)80 statt (AGENDA-21- BÜRO 2002, S. 2, 4, www). Unterstützt durch und in Kooperation mit der IHK, der Kreishandwerkerschaft, der Energie- sowie Effizienzagentur NRW und des Evangelischen Kirchenkreises Gelsenkirchen-Wattenscheid finanzierte und führte die Stadt Gelsenkirchen das Projekt durch. Auch das Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Ver- 80 „ÖKOPROFIT ist ein Kooperationsprojekt zwischen einer Kommune, der örtlichen Wirtschaft und weiteren regionalen und überregionalen Partnern. Das Konzept von ÖKOPROFIT wurde in Graz entwickelt, in München 1998 deutschen Verhältnissen angepasst und mittlerweile in über 50 Kommunen durchgeführt bzw. begonnen.“ (AGENDA-21-BÜRO 2002, S. 2, www). 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 118 braucherschutz des Landes NRW beteiligte sich an der Finanzierung (ebenda, S. 2). Kernpunkt des Projektes war es, durch gemeinsame Workshops, be- triebsindividuellen Beratungen durch Experten, Arbeitsmaterialien sowie Prüfung und Auszeichnung zum ÖKOPROFIT-Betrieb, die teilnehmenden Betriebe zu befähigen, „alle umweltrelevanten Betriebsdaten eigenständig zu erheben“, „Sparpotentiale zu ermitteln und entsprechende Maßnahmen zu erar- beiten“, „die Einführung eines Umwelt-Managementsystems organisatorisch vorzubereiten“ und auch in Zukunft umweltsensibel zu handeln (ebenda, S. 3, www). An diesem Umweltberatungsprogramm nahmen, neben der FC Schalke 04-Stadion-Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. Immobilienverwaltungs- KG, kurz Arena AufSchalke, acht weitere Betriebe unterschiedlicher Grö- ßen und Branchen teil, die im Spätjahr 2002 durch die Stadt Gelsenkir- chen die ÖKOPROFIT-Auszeichnung verliehen bekamen (ebenda, S. 4, www). „Mit der Auszeichnung wird das überdurchschnittliche Engagement der Unternehmen für den Umweltschutz gewürdigt.“ (ebenda). „Durch die Teilnahme an ÖKOPROFIT Gelsenkirchen 2001/2002 haben die Unter- nehmen aufgrund der Soll-Ist-Ananlyse zunächst einen umfassen- den Überblick über ihre derzeitige Umweltsituation, rechtliche Defizite und vorhandene Potentiale erhalten. Im Laufe des Projektes wurden durch die Umsetzung technischer und organisatorischer Maßnahmen die- se Potentiale genutzt und die Rechtssicherheit erhöht. Hierdurch wurde ein Umweltmanagement aufgebaut, das eine Vorstufe zu einem zertifi- zierten oder validierten Umweltmanagementsystem bildet.“ (ebenda, S. 6, www). In der Arena AufSchalke können so jährlich 58 000 Euro an Energiekos- ten, das entspricht 166 000 kWh, eingespart und ein Beitrag zum Um- weltschutz geleistet werden (ebenda, S. 10, www). Die Maßnahmen in- nerhalb des Umweltprogramms fanden ihren Schwerpunkt in der „Nachtabschaltung der Heizungsanlage“, Laufzeitverkürzung einzelner Anlagen „und Optimierung der Beleuch- tungssteuerung“, Temperatursenkung der Entspannungsbäder, 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 119 Umstellung der Gebäudeleittechnik, „Anmeldung von Verdunstungsverlusten“, „Reduzierung des Verbrauchs von Hygieneartikel durch Schulung des Personals“, „Einführung der getrennten Sammlung von Getränkebechern“ sowie „Einführung einer verursachergerechten Veranstaltungskostenrech- nung“ (ebenda, S. 11, www). Vor dem Hintergrund der FIFA Fußball-WM 2006 und des Projektes „Green Goal“ verfolgt die modernste multifunktionale Sportstätte Euro- pas, die neben sportlichen Events auch Kulturveranstaltungen austrägt und über 60 000 Zuschauern Platz bietet, bereits die Intention dem Um- weltkonzept gerecht zu werden. „Durch die elektronische Steuerung der Toiletten und Urinale werden 25% an Wasser gespart [...].“ (FC SCHALKE 04 E.V. 2003, S. 14). Der Vorteil der Wasserversorgung durch die „elektronische Urinalsteuerung“ ist, dass sie gegenüber der „klassi- schen Methode mit Druckknopf bedarfsgerecht“ ist. In Zusammenarbeit mit der FH Gelsenkirchen wird an einem Wassermanagement gearbeitet, um den „’Spagat zwischen Hygiene und effizienter Wasserentsorgung’“ zu meistern (ebenda, S. 6). Um weiteren unnötigen Wasserverbrauch zu umgehen werden die Spielfelder „gezielt und bedarfsgerecht bewässert“ und ein 35 000 m² großes Feuchtbiotop dient innerhalb des Entwässe- rungskonzeptes als Regenwasser-Auffangbecken (ebenda, S. 14, www). Die Versorgung mit Wärme, Kälte, Strom und Erdgas wird durch ein indi- viduelles Contracting-Modell sichergestellt, das von der Emscher Lippe Energie GmbH (ELE) für die Arena entwickelte wurde (ELE 2003, www). Eine 400 m² große Solaranlage speist darüber hinaus jährlich circa 70 000 kWh Strom in das öffentliche Netz ein (FC SCHALKE 04 E.V. 2003, S. 14). Papier, Restmüll und Glas werden getrennt von einander gesam- melt und durch ein professionelles Unternehmen entsorgt. Um den An- und Abreiseverkehr der Zuschauer auf den ÖPNV umzulenken, wird be- reits seit mehreren Jahren in Kooperation mit dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr ein Kombiticket angeboten, das zugleich als Eintritts- und Fahrkarte gültig ist (ebenda). Um die Geräuschbelastungen für Anwohner und Nachbarn während Veranstaltungen so gering wie möglich zu gestal- ten, wurden nachträglich „schalltechnische Maßnahmen für die Südtribü- ne“ getroffen, die den herausdringenden „Schall um 15 bis 25 dB“ redu- 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 120 zieren können (ebenda, S. 9). Nach Angaben von Schalke 04 erfüllt die Arena schon heute viele der geforderten Kriterien des Umweltkonzeptes „Green Goal“ und setzt in der europäischen Stadienlandschaft auch im Umweltschutz moderne Maßstäbe (ebenda, S. 14)81. Möglichkeiten der Betreibung von Sportstätten mit alternativen Energiequellen Wie bereits vorgestellt, bietet sich mit einem sparsamen beziehungsweise gezielteren Umgang mit Ressourcen während der Sportaktivität eine ge- eignete Grundlage für eine nachhaltige „Nutzung von Umweltressourcen“ im Sport an (SCHEMEL & ERBGUTH 2000, S. 151 f.). Um die Frage „Wo kann Energie eingespart werden und welche umwelt- freundlichen Energiequellen lassen sich nutzen?“ beantworten zu können, muss zunächst festgehalten werden, dass Strom derzeit „überwiegend aus der Verbrennung von Kohle oder Müll, aus Kernkraftwerken und aus Wasserkraft gewonnen“ wird. „Bei der Erzeugung von Strom und Wärme aus fossilen Brennstoffen und Müll werden Rauchgase freigesetzt (z.B. Kohlendioxid, Schwefeldioxid, Stickoxide), die die Luft belasten.“ (eben- da, S. 157). SCHEMEL & ERBGUTH (ebenda, S. 158) schätzen den überflüs- sigen Energieverbrauch, „der sich durch verbesserte Technik [...] und/oder durch ein verändertes Verbraucherverhalten vermeiden lässt“, als wichtigste Energiequelle82 ein, da die Nutzung regenerierbarer Ener- gieträger83 begrenzt ist und darüber hinaus Sonnenenergie, trotz seines hohen Potentials, einen technischen und ökonomischen Rahmen findet. Die gemeinsame Kampagne „sonnenklar!“ der Naturstiftung David und des LSB Thüringen e.V. hat das Energiesparen und den Einsatz erneuer- barer Energiequellen von Sportvereinen, Schulträgern sowie Sportstätten und Sportgebäuden zum Ziel84. Die Kosten für Wärme, Wasser und Ener- 81 Diese Vorstellung stellt lediglich ein Referieren der zugänglichen Informationen ohne eine Wertung des Verfassers dar. Es bleibt abzuwarten, inwieweit die nach Green Goal geforderte UMS- Implementierung bis zur WM 2006 tatsächlich realisiert wird. 82 Diese Einschätzung wird durch die Aussage bestätigt: „Als die größte ‚Energiequelle’ der Zukunft wird von vielen Experten das Energiesparen gesehen - bis zu fünfzig Prozent des heutigen Ener- gieverbrauches könnte so eingespart werden [...].“ (SONDERMANN & JOHST ohne Jahr, S. 4). 83 Dazu zählen: Sonnenstrahlung, Windenergie, Wasserkraft, Umwelt- und Erdwärme, Gezeitenener- gie, Müll- und Deponiegas sowie Biomasse (SCHEMEL & ERBGUTH 2000, S. 158 f.). 84 Sonnenklar! ist Mitglied der Kampagne „Solar na klar!“ (SONDERMANN & JOHST ohne Jahr, S. 2), die bundesweit die größte nicht kommerzielle Solarkampagne darstellt und unter anderem die Ziele verfolgt: Erhöhung der Anzahl der Solaranlagen von 50000 (Stand 1998) auf 400000 bis zum Jah- re 2003, Schaffung zukunftsträchtiger Arbeitsplätze sowie Beitrag zur Einsparung des Treibhaus- gases Kohlendioxid durch die Anlagen bis circa 400000 t per anno (THIELEBEIN 1999b, S. 17). 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 121 gie sollen durch Beratung, individuelle Lösungsansätze und Realisie- rungshilfen vor Ort, dauerhaft gesenkt und damit gleichzeitig die Umwelt langfristig geschützt werden (SONDERMANN & JOHST ohne Jahr, S. 3). In der Broschüre „sonnenklar! Sportvereine für zukunftsfähige Energien“ (SONDERMANN & JOHST ohne Jahr) zeigen die Naturstiftung und der LSB Sparmaßnahmen für Strom (Beleuchtungsanlagen), Wasser (Wasserspa- rende Techniken) und Wärme (Wärmedämmung) auf und offerieren gleichzeitig Möglichkeiten des Einsatzes regenerativer Energiequellen für Sportvereine85. Bevor im Folgenden, exemplarisch für alle erneuerbaren Energiequellen, auf Wärme- (Solarthermie) und Stromgewinnung (Photovoltaik) aus Son- nenlicht eingegangen wird, sollen hier Argumente für „Energie von der Sonne“ anhand der Aufstellung der Autoren SCHEMEL & ERBGUTH (2000, S. 159) aufgezeigt werden. „In Deutschland liefert die Sonne pro Jahr eine Energie von rund 1.100 kWh je Quadratmeter. Solarenergie hinterlässt weder Luftschadstoffe noch Abwässer, noch Rückstände oder Müll. Weil die Sonne an jedem Ort der Erde angezapft werden kann, entfal- len sowohl Anschlüsse an Energienetze als auch aufwendige Energie- transporte. Solare Energiesysteme arbeiten ohne Verschleiß und bei langer Le- bensdauer nahezu wartungsfrei. Durch den modularen Aufbau können Fotovoltaiksysteme für jeden Leistungsbereich eingesetzt werden. Eine Solaranlage lärmt nicht und stinkt nicht.“ In den gebräuchlichen Sonnenkollektoren von Solarthermieanlagen befin- den sich Rohrschleifen, „durch die eine Wärmeträgerflüssigkeit [...] ge- pumpt wird. Die bei Sonneneinstrahlung von der Flüssigkeit aufgenom- mene Wärme wird über ein gut gedämmtes Rohrsystem zur Heizungsan- lage befördert und dort über einen Wärmeaustauscher an das Trink- und Brauchwasser abgegeben oder in das Heizungssystem eingespeist. Da die Sonne nicht immer scheint, wenn die Wärme auch benötigt wird, sind die Kollektoren mit Warmwasserspeichern gekoppelt, in denen die Wärme 85 Ähnliche Broschüren liegen mit dem Leitfaden für Sportstättenbetreiber „ Sport braucht Energieef- fizienz“ und „Sport braucht Energie“ der Energieagentur NRW vor (ENERGIEAGENTUR NRW ohne Jahr; ENERGIEAGENTUR NRW 2001). 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 122 gespeichert werden kann.“ (THIELEBEIN 1999b, S. 9)86. Nach Angaben der Autoren SONDERMANN & JOHST (ohne Jahr, S. 16) ist eine Solarthermiean- lage in den Sommermonaten dazu fähig, den gesamten Warmwasserbe- darf einer Sportstätte oder einer Sportanlage zu decken, in den Winter- monaten aber eine Nachheizung erforderlich. „Da die Duschen in Sport- vereinen zum Teil unregelmäßig und dann intensiv genutzt werden, ist ein größeres Speichervolumen sinnvoll.“ (ebenda). Genau umgekehrt verhält es sich bei der Nutzung der Solarenergie zu Beheizungszwecken. Während der Wasserverbrauch über das ganze Jahr gleich bleibt, ist der Heizenergiebedarf im Winter am höchsten und im Sommer gleich Null (ebenda). Im Rahmen des bereits vorgestellten Modellprojektes UMBIT der HT16 wurde eine solche Anlage mit einer, anhand der Auswertung des Wasser- verbrauchs zuvor ermittelten, optimalen Kollektorfläche zur Unterstüt- zung der Brauchwassererwärmung für das vereinseigene Fitness-Studio installiert. Die Erfassung der ortsspezifischen Wasserverbrauchsdaten ergab, dass das meiste Wasser erst nachmittags und in den Abendstun- den benötigt wird, so dass die tagsüber eingefangene Sonnenwärme in den Warmwasserspeichern gesammelt werden kann (THIELEBEIN 1999b, S. 19 f.). Bereits 1995 hat auch das Freiburger Dreisamstadion des Fußballligisten SC Freiburg zur Wasseraufbereitung eine thermische Solaranlage mit ei- ner Kollektorfläche von 86 m² auf den Dächern der Haupttribüne und des Funktionshauses errichtet (persönliche Mitteilung der Marketingabteilung SC Freiburg vom 23.05.2003). Das Duschwasser wird erwärmt und spart somit bis zu 7000 ltr. Heizöl im Jahr ein. Die benötigte Restenergie im Winter oder bei Nacht liefert ein Pflanzenöl-Heizkraftwerk (HMULF 2001a, S. 9). „Photovoltaik bedeutet, dass die Energie des Sonnenlichtes direkt in elektrischen Strom umgewandelt wird.“87 (SONDERMANN & JOHST ohne Jahr, S. 18). Auch hier ist Freiburg beispielhaft. „Im Oktober 1995 wurde 86 Unterschiede und technischen Feinheiten einer Solarthermieanlage sind ausführlich in den Ausfüh- rungen von THIELEBEIN (1999b, S. 10 ff.) zu erfahren. 87 Auch „Aufbau und Funktion einer Solarzelle“ kann bei THIELEBEIN (1999b, S. 24 ff.) nachgeschlagen werden. 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 123 auf dem Dach der neuen Südtribüne die damals weltweit größte private Gemeinschaftsanlage zur Erzeugung von Solarstrom in Betrieb genom- men. 90.000 kWh Strom werden dort jährlich erzeugt. Das entspricht einem Bedarf von 60 Energiesparhaushalten und vermeidet die Bildung von 100 Tonnen CO2. Und noch einmal 56.000 kWh sauberen Strom lie- fert die Photovoltaikanlage, die 1999 auf der neuen Osttribüne in Betrieb genommen wurde.“ (SC FREIBURG 2003, www). Die Finanzierung der Gesamtkosten (76 000 DM) der Solarthermieanlage der HT16 wurde damals aus öffentlichen Fördermitteln der Stadt Ham- burg (30 900 DM), einem Zuschuss des Hamburger Klimaschutz Fond e.V. (HKF) (35 000 DM) und einem Sponsoringbetrag (5000 DM) der Hamburgischen Electricitäts-Werke AG getragen (THIELEBEIN 1999b, S. 23). Finanzierungsmodell „Contracting“ Neben der ehrenamtlichen Mitarbeit als Eigenleistung, bietet sich des Weiteren noch das Finanzierungsmodell Contracting als Investitions- instrument an, das im Folgenden vorgestellt wird. Während sich zwei Grundtypen des Contracting in der Praxis durchgesetzt haben, gibt es eine Reihe an weiteren Modellen, Sonderfällen und Misch- formen88. Basierend auf dem Leitfaden des UBA „Contracting für kommu- nale Sportstätten“ (KUHN, BRÜNE & CAMES 2002) wird nachstehend ledig- lich auf die zwei Grundtypen des Contracting eingegangen, um dann, in einem nächsten Schritt, die Chancen und Potentiale des Sports bezie- hungsweise für Sportstätten aufzuzeigen und Best Practice-Beispiele vor- zustellen89. Der Leitfaden nennt als wesentliches Merkmal des Contracting, „dass ein per Vertrag , d.h. per Contract, eingeschalteter Dienstleister das Risiko der energetischen Gebäude- oder Anlagenbewirtschaftung übernimmt. Der Contractor erschließt dabei Effizienzpotentiale und erhält durch die Übernahme des unternehmerischen Risikos die Chance auf Erzielung ei- nes angemessenen Gewinns. Unter Contracting versteht man also 88 Weitere Contracting-Modelle sind z.B. Betriebsführungs-Contracting, Solares Contracting, Zuzah- lungsmodell und Mischformen (KUHN, BRÜNE & CAMES 2002, S. 9 f.). 89 Der Beitrag von CAMES & KUHN (2002) „Energiesparpotentiale im Sportstättenbau durch Ener- giecontracting“ im Kongressbericht des INÖK fasst den Inhalt des Leitfadens zusammen. 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 124 Betriebs- und Finanzierungsverfahren zur Bereitstellung gebäu- despezifischer Energiedienstleistungen.“ (ebenda, S. 8). Contracting beinhaltet aber wesentlich mehr als nur die Eigenschaft des Finanzie- rungsinstrumentes. Wesentlicher Kern bei der Gestaltung eines Contracts zwischen dem Gebäudeeigentümer als Auftraggeber und einem privaten Energiedienstleistungsunternehmen als Auftragnehmer, dem so genann- ten Contractor, sind planerische und umsetzungstechnische Elemente zur Betriebsführung, und -betreuung sowie Steigerung der Nutzermotivation. Darüber hinaus finden durch den Contractor Wartungs- und Instandhal- tungsarbeiten sowie Störfallbeseitigungen der technischen Anlagen statt (ebenda). „Anlagen-Contracting (auch Energieliefer-Contracting genannt) widmet sich vornehmlich der Ersatz- oder Ergänzungsinvestition von Energiever- sorgungsanlagen, beinhaltet Finanzierung, Planung, Errichtung und Be- trieb dieser Anlagen und refinanziert sich aus Sicht des Contractors über festvereinbarte Nutzungsentgelte für die bedarfsgerechte Energieliefe- rung zumeist in Form von festvereinbarten Grund- und Arbeitspreisen für Wärme, Strom und Kälte.“ (ebenda). „Energiespar-Contracting (auch Performance-Contracting genannt) integriert Rationalisierungsinvestitionen in allen Bereichen der gebäude- bezogenen Energieanwendung, umfasst Finanzierung, Planung, Errich- tung und Betreuung von eingebrachten wie auch übernommenen Anlagen und Energiesparmaßnahmen; der Contractor refinanziert seine Investitio- nen aus den erzielten Energiekosteneinsparungen.“ (ebenda). Für die Träger und Eigentümer von Sportstätten, das heißt für die öffent- liche Hand, gemeinnützige Sportvereine und private Betreiber, bietet das Modell des Contracting in vielerlei Hinsicht Chancen „beschränkte Hand- lungsspielräume auszuweiten, sich auf die Kernaufgaben zu konzentrie- ren, Risiken auf einen privaten Contractor zu verlagern, Kostensenkungs- potentiale zu erschließen bzw. die eigenen finanziellen Ressourcen zu schonen und Kompetenzbereiche zu erweitern“ und „ihren Bedürfnissen gerechte Investitionen zum vereinbarten Zeitpunkt sowie das notwendige Know-how für deren Betrieb“ zu erhalten (ebenda, S. 10 f.). In den etwa 170 000 Sportstätten Deutschlands werden allein in Sportplatzgebäuden, 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 125 Sporthallen, Bädern, Eissporthallen und Schießsportanlagen circa 20 Mil- liarden kWh Energie im Jahr verbraucht. Vor dem Hintergrund des Ein- sparpotentials dieser Anlagen, identifiziert das UBA rund 122 000 Sport- stätten als „prinzipiell für die Anwendung von Contracting geeignet.“90 (ebenda, S. 11 f.). Durch eine Durchführung von Contracting-Projekten wäre es möglich, den derzeitigen Energieverbrauch von Sportstätten um 5 bis 14% zu reduzieren sowie durch eine Brennstoffumstellung der Heiz- anlagen die Treibhausgasemissionen um 8 bis 17% zu verringern. Neben diesen positiven ökologischen Effekten wird darauf aufmerksam gemacht, dass das finanzielle Einsparpotential bei 60 bis 185 Millionen Euro liegt (ebenda, S. 12 f.). Der Leitfaden nennt weitere Fakten: „12 bis 37 Mio. € könnten jährlich bei den Betreibern von Sportstätten bereits im Vertrags- zeitraum eingespart werden. Nach Abschluss der Contracting-Projekte in etwa 7 bis 10 Jahren gehen die Einsparungen voll an die Betreiber der Sportstätten. [...] Außerdem würden durch die vollständige Umsetzung des Potentials an Contracting-Projekten in Sportstätten Investitionen im Umfang von ca. 420 bis 1.260 Mio. € ausgelöst und etwa 2.850 bis 8.540 Arbeitsplätze neu geschaffen.“ (ebenda, S. 13). Die Best Practice-Beispiele des Leitfadens zeigen eindrucksvoll, welches Potential das Contracting von Sportstätten inne hat. Allen Beispielen ist gemein, dass die Investitionen in moderne Technik ohne eigene Mittel oder Kreditaufnahmen realisiert wurden und Energiekosteneinsparungen sowie Reduzierungen von Treibhausgasemissionen erzielt werden konn- ten (ebenda, S. 37 ff.). So konnte die Sporthalle Möglingen durch ein Be- leuchtungscontracting (Anlagen-Contracting) bereits im ersten halben Betriebsjahr die Energiekosten von 23 150 DM im Jahr, durch eine Ver- brauchseinsparung von 18 000 kWh, um die prognostizierte Energieein- sparung von 5600 DM senken und die CO2-Emissionen um etwa 15 Ton- nen im Jahr reduzieren (ebenda, S. 37 f.). Ein Energiespar-Contracting der Olympia-Schwimmhalle München ermöglichte sogar ein Übertreffen der prognostizierten Werte von 580 000 DM Energiekosteneinsparungen und den Energieverbräuchen Strom, Wärme und Wasser/Abwasser sowie 90 „Dies gilt vor allem dann, wenn die Sportstätten aufgrund der am 1. Februar 2002 in Kraft getre- tenen Energiesparverordnung (EnEV) ohnehin modernisiert werden müssen.“ (KUHN, BRÜNE & CAMES 2002, S. 13). 5 Ökologisierungsprojekte und -konzepte im Sport 126 eine Reduzierung der Emissionen um rund 2000 Tonnen (ebenda, S. 39 ff.). Ein Klein-BHKW-Contracting im Landkreis Odenwaldkreis als Anla- gen-Contracting erwirtschaftete durchschnittliche Einsparungen beim Energieverbrauch von 36% und bei den Energiekosten von circa 9000 DM per anno. Darüber hinaus konnte eine CO2-Reduzierung von jährlich 214 Tonnen erreicht werden (ebenda, S. 42 ff.). Durch eine Energiesparpart- nerschaft der Berliner Bäderbetriebe wurde der Investitionsstau abgebaut und Energieeinsparungen kurzfristig erschlossen. „Aufgrund der Energie- einsparungen wird eine jährliche Reduzierung der CO2-Emissionen in Hö- he von rund 5.000 t erzielt.“91 (ebenda, S.47). Auch die Deutsche Sporthochschule (DSHS) Köln hat die Vorteile des Contractings für sich erkannt. Die DSHS ist im Februar 2000 einen Ener- giesparvertrag über eine Laufzeit von 12 Jahren und einer Erfolgsgarantie mit der Thyssen Energie-Systeme GmbH im Rahmen eines Pilotprojektes des Landes Nordrhein-Westfalen eingegangen. Mit einer Investition des Contractors über 2,7 Millionen DM sollen garantierte Einsparungen der Liegenschaften der DSHS, vor allem mit der Besonderheit des „Sport- Campus“, von 390 MWh Strom und 10 200 MWh Erdgas pro Jahr verwirk- licht werden. Die technischen Maßnahmen beinhalten dabei eine Erneue- rung der Heizzentrale, Optimierungsmaßnahmen an der Regelung, Wär- merückgewinnung aus Abwässern sowie eine Optimierung der Lüftungs- anlagen (ÖKO-INSTITUT E.V. 2003d, www; ÖKO-INSTITUT E.V. 2003e, www). „Der Contractor wird mit 78 % der eingesparten Energie- und Wasserkos- ten vergütet.“ (ÖKO-INSTITUT E.V. 2003e, www). 91 Detaillierte Ausführungen zu den jeweiligen Vorgeschichten, Projektentwicklungen, Vertragsgestal- tungen, Projektumsetzungen und -daten sowie Ergebnisse und Schlussfolgerungen sind für den in- teressierten Leser im Leitfaden selbst zu entnehmen (KUHN, BRÜNE & CAMES 2002, S. 37 ff.). Dar- über hinaus sind weitere zahlreiche Projekte genannt (S. 50 ff.), Kontaktadressen aufgelistet (S. 73 ff.) sowie Förderungsmöglichkeiten dargestellt (S. 79 ff.). 6 Ökologisierung des Sports 127 6 Ökologisierung des Sports Die Umsetzbarkeit des betrieblichen Umweltschutzes im Sport muss an- hand des zuvor erfassten Ist-Zustands kritisch diskutiert werden. Ziel ist es, die erfassten Aktivitäten im Sport im Rahmen des betrieblichen Um- weltschutzes vor dem Hintergrund der dargestellten betriebswirtschaftli- chen Theorie einzuordnen und zu bewerten. 6.1 Entwicklungspotentiale, Handlungsbedarf und Zu- kunftsperspektiven im Sport Da Megaevents des Sports sehr lange Planungszeiträume vorangehen, kann es durchaus geschehen, dass in den nächsten Jahren verstärkt „ganzheitliche Nachhaltigkeitskonzepte“ in der Planung und Durchführung nachgefragt werden. Unbestreitbar bleibt allerdings, dass sich bei Sport- großveranstaltungen in Verbindung mit der Umsetzung eines Nachhal- tigkeitskonzeptes, die einmalige Chance bietet, das Leitbild der Nachhal- tigkeit am praktischen Beispiel als „integralen Bestandteil moderner Pla- nung darzustellen“ und einem Weltpublikum zu präsentieren (HOCHFELD 2002, S. 74 f.). Das heißt, Sport kann mit seinem Sympathiewert, den er erst recht in Verbindung mit solchen internationalen Spielen genießt, her- vorragend für einen rücksichtvollen Umgang mit der Umwelt und ihren Ressourcen werben. Rückblickend lässt sich auf die vergangene FIS Alpine Ski WM 2003 in St. Moritz-Pontresina, Engadin anhand einiger Kritikerstimmen konstatieren, dass erhebliche Eingriffe in die natürliche Umwelt stattfanden. Die Bedin- gungen der FIS zur Austragung der Wettkämpfe machten diese notwen- dig (UMWELT-GRAUBÜNDEN 2003, www). Trotz einer Versorgung sämtlicher Geräte und Maschinen der Gemeinde St. Moritz während der Wettkampf- tage der WM mit grünem Strom durch das Projekt der Rätia Energie als Sponsor (REPOWER 2003, www), schonenden Ausführungen der Bauarbei- ten, Aufwertungs- und Renaturierungsmaßnahmen für Hoch- und Flach- moore sowie Gewässer der Region ließen sich sehr große Eingriffe in die Natur und extreme Erdbewegungen nicht vermeiden (UMWELT- GRAUBÜNDEN 2003, www). „Die teilweise Zuschüttung des Flachmoores im 6 Ökologisierung des Sports 128 Zielgebiet [...] war dabei ein besonders heikler Punkt. Die Pisten wurden mehr oder weniger völlig neu gebaut und auf der ganzen Länge mit Be- schneiungsanlagen, Energie- und Kommunikationsanlagen versehen. Da- zu kommen ein enormer Wasserverbrauch, die Abfall- und Abwasserent- sorgung sowie ein stark erhöhtes Verkehrsaufkommen während der WM.“ (ebenda). Gerade das Beispiel der Alpinen Ski-WM 2003 in St. Moritz spiegelt wie- der, dass bei solchen Großveranstaltungen die Eingriffe in Natur und Landschaft groß bleiben (GRASS 2002, S. 3, www; STEIN, SCHWÄRZEL & KOMMISSION UMWELT DES SAC 2002, S. 3, www). „Obwohl immer wieder versichert wurde, dass nur bestehende Anlagen genutzt werden, werden die Skipisten völlig neu gebaut, lange Beschneiungsleitungen verlegt so- wie aufwändige Einrichtungen für Zuschauer und Medien erstellt. Dies beweist eindeutig, dass an neuen Austragungsorten wieder zusätzliche, zeitgemässe Anlagen gebaut werden müssten, was jeweils mit schwer- wiegenden Eingriffen in die hochsensible alpine Natur und Landschaft verbunden ist.“ (GRASS 2002, S. 3, www). Es bleibt abzuwarten, inwieweit aus den Konzepten und Absichtserklä- rungen der Olympischen Spiele 2012 in Leipzig, bei vorausgesetzter Aus- tragung, und der Fußball-WM 2006, vor dem Hintergrund der einzelnen Standorte, ernsthafte Konsequenzen bezüglich der Beachtung der Ökolo- gisierung der Sportgroßveranstaltungen gezogen, die Projekte wie ge- plant durchgeführt und tatsächlich UMS-Implementierungen stattfinden werden. Umweltbelastungen resultieren aus dem Betrieb von Sportanlagen meist aus einem hohen Wasser- und Energieverbrauch, im Schnitt sind dies rund 400 000 kWh Energie pro Jahr. Grundsätzlich lassen sich Um- weltressourcen schonen, das heißt die Umwelt kann entlastet werden und Kosten können gesenkt werden, durch den Einsatz verbesserter Wärme- dämmung, neuer Beleuchtungsanlagen oder wassersparender Technik. Solaranlagen sind dabei nur eine zusätzliche Möglichkeit. Aufgrund hoher Einspareffekte amortisieren sich Investitionen in den Bereichen Energie und Wasser oftmals bereits in kürzester Zeit und der Einsatz umweltge- rechter Techniken ist ohnehin ideal für Renovierungs- und Neubauvorha- 6 Ökologisierung des Sports 129 ben geeignet (BMU 1998, S. 13, www). Die ENERGIEAGENTUR NRW (ohne Jahr, S. 34) bemerkt in diesem Zusammenhang ganz richtig: „Sie finan- zieren sich also selbst! Sie müssen demnach nicht finanziert, sondern al- lenfalls zwischenfinanziert werden. Hierbei beginnt das Dilemma, denn viele Kommunen können die Investition zu Anfang nicht aufbrin- gen.“ Oder um es mit den Worten des BMU (1998, S. 13, www) zu for- mulieren: „Nur allzu oft jedoch verhindern die begrenzten Haushaltsmittel von Kommunen und Vereinen die Finanzierung der anfänglich notwendi- gen Investitionskosten für umweltgerechte Sportstätten.“ SONDERMANN & JOHST (ohne Jahr, S. 22) identifizieren eine Reihe von Möglichkeiten „die Mehrkosten für Projekte zur effizienten Energienutzung zu reduzieren.“ Es kommt auf eine geschickte Kombination verschiedener Geldquellen an. Öffentliche Fördermittel können dabei eine Hilfe sein, reichen alleine aber meist nicht aus. Wichtig ist deshalb auch das Engagement ehrenamtlicher Mitarbeiter und die Unterstützung durch Sponsoren, die sich gerne für eine zukunftsfähige Energieversorgung einsetzen möchten und das posi- tive Image von Sport und Umwelt nutzen wollen (ebenda). Als moderner Lösungsansatz zur Behebung der Finanzknappheit bietet sich die Maß- nahme des Contracting an, mit der es möglich ist, hohe Investitionskos- ten auf Darlehensbasis zu finanzieren und den Kredit aus den eingespar- ten Betriebskosten zu tilgen (BMU 1998, S. 13, www; CAMES & KUHN 2002, S. 54; ENERGIEAGENTUR NRW ohne Jahr, S. 34; SONDERMANN & JOHST ohne Jahr, S. 22). Es wird also dabei das Investitionsrisiko vom Sport- stättenbetreiber auf den Contractor abgewälzt. Der Vorteil liegt auf der Hand: Der Nutzer verzichtet auf die anfänglichen Investitionen. Nachteilig macht sich allerdings der, aufgrund der sehr langen Vertragslaufzeiten, erst viel später eintretende Einzug des direkten Gewinns der umgesetzten Maßnahmen bemerkbar (SONDERMANN & JOHST ohne Jahr, S. 22). Bisher gab es kein verfügbares Wissen „für die Integration der Landschaft in die Auditierung skisportlicher Anlagen.“ Daher wurde ein Audit- Verfahren in Form des Leitfadens „Auditing in Skigebieten“ für Skigebiete entwickelt. Innerhalb einer ökologischen Studie in Testgebieten in der Schweiz, Österreich, Deutschland und Liechtenstein „wurden zunächst methodische Grundlagen entwickelt, die den Anforderungen an internati- 6 Ökologisierung des Sports 130 onale Standards gerecht werden.“ (SIS & DSV-UMWELTBEIRAT 2000, S. 5, www). Mit dem Leitfaden wurde die Grundlage für „eine alpenweite Um- setzung eines einheitlichen Auditierungsverfahrens“ geschaffen, mit der Skigebiete nun über ein effektives Werkzeug verfügen. „Das Öko-Audit für Skigebiete trägt zur Konfliktminimierung zwischen Skisport und Na- turschutz bei und zeigt Wege für einen umweltverträglichen Skisport [...] im Alpenraum auf.“ (ebenda, S. 6, www). Als Grundlage einer kontinuier- lichen Aufwertung skisportlich genutzter Areale diente das Instrument des Öko-Audits als betriebliche Eigenverantwortung zur Aufwertung von Skigebieten (STIFTUNG PRO NATURA - PRO SKI 2003, S. 13 f.). „Dabei sollte sich die Studie nur auf den Teilbereich der Pisten und betroffenen Natur- räume und nicht auf das gesamte Unternehmen beziehen. Es geht also um ein Audit der landschaftlichen Nutzungen im Wirkungs- und Einfluss- bereich eines Skigebiets.“ (ebenda, S. 15). Ziel des Leitfadens ist es, „Be- treiber von Seilbahnen und Skigebieten zur Durchführung eines Audits anzuregen und ihnen dazu Hilfestellung zu geben“ (ebenda, S. 16) sowie die besondere Chance des Vorhabens zu nutzen, „Umweltmanagement und ökologische Daten in die Planung, Organisation und Durchführung von nationalen und internationalen Wettkämpfen zu integrieren.“92 (ebenda, S. 101). Vor dem Hintergrund der Vorstellung der Ökologisierung von Sportstätten hätte sich, neben der Arena AufSchalke, eine Darstellung des betriebli- chen Umweltschutzes beziehungsweise des Umweltengagements der Köl- narena als Deutschlands größte Veranstaltungshalle sowie der Bayeri- schen Zugspitzbahn AG als erstes zertifiziertes Bergbahnunternehmen angeboten. In diesem Zusammenhang konnte weder öffentlich zugängli- ches Informationsmaterial gesichtet noch eine Bereitschaft zur Mitarbeit erkannt werden. Die Marketingabteilung der Kölnarena bemerkte in einer persönlichen Mitteilung, dass intern die Regelung einer Nichtkooperation mit Diplomarbeiten getroffen wurde und die Zugspitzbahn sah sich nicht in der Lage, auf mehrmaliges Besprechen der Mailbox, zu antworten. 92 Erst durch die Beteiligung der FIS in der projektbegleitenden Arbeitsgruppe eröffnete sich diese Möglichkeit (STIFTUNG PRO NATURA - PRO SKI 2003, S. 101). 6 Ökologisierung des Sports 131 Hinsichtlich des eigentlichen Untersuchungsobjektes UMS im Sport bezie- hungsweise im Sportverein sind insbesondere die Ergebnisse des LSV Schleswig-Holstein e.V. mit seinem SBZ in Malente sowie die der HT16 von Bedeutung. Die Ergebnisse zeigen, dass neben dem ökologischen Nutzen des Umweltschutzes auch zahlreiche Einsparmöglichkeiten für Vereine vorhanden sind. Hervorzuheben ist dabei, dass der Umweltschutz der gesamten Organisationen betrachtet wird. Ziele und Verbesserungen im betrieblichen Umweltschutz an einer Sportinstitution können nur er- reicht werden, wenn man bereit ist, alle Problembereiche des betriebli- chen Umweltschutzes in die Betrachtung mit einzubeziehen. Mit den Pro- jekten des LSV und der HT16 wurde der Versuch unternommen, diesem Gesamtansatz dadurch gerecht zu werden, dass mittels der Projekte dem Sport Vorbilder beziehungsweise Leitfäden zum Aufbau eines Umweltma- nagements gemäß EMAS gegeben wird. Für die Projekte, insbesondere für die Hamburger Turnerschaft von 1816, hat die Agenda 21 bezüglich der Umsetzung eines Umweltmanagements in dem Sportverein ei- ne zentrale Bedeutung gehabt, da sie aus Sicht der Verantwortlichen eine stärkere „Berücksichtigung des Umweltschutzes in den vereinseigenen Anlagen“ (THIELEBEIN 1999a, S. 18) anspricht. Schwerpunkt der Projekte ist es daher gewesen, die Verbesserung des betrieblichen Umweltschut- zes in den Standorten zu erreichen. Bezüglich einer möglichen Validierung eines UMS in Sportvereinen ist ins- besondere der große Vorteil der Vereinsstruktur zu beachten, die eine gute Möglichkeit bietet, mit der Durchführung eines Öko-Audits den Um- weltschutz als integralen Bestandteil in die Vereinsorganisation aufzu- nehmen (SCHEMEL & ERBGUTH 2000, S. 179). Gleichzeitig ist zu begrüßen, dass im Rahmen eines Audits die Organisationsstrukturen untersucht und verbessert werden. „So bietet sich z.B. die Einrichtung eines Umweltaus- schusses an, der mit konkreten Aufgaben betraut wird und neben ande- ren Vereinsorganen eine definierte Stellung in der Vereinsorganisation erhält.“ (ebenda). Des Weiteren finden innerhalb des Audits Schwachstel- lenanalysen statt, die enorme Verminderungspotentiale des Abfallauf- kommens sowie des Wasser- und Energieverbrauchs aufdecken und so- 6 Ökologisierung des Sports 132 mit neben dem positiven ökologischen Effekten auch nicht unerhebliche Kosteneinsparungen bewirken. „Im Rahmen des Modellprojektes wurde deutlich, dass eine Vielzahl der bei der HT16 durchgeführten Maßnahmen und erzielten Ergebnisse auch auf kleine und mittlere Vereine übertragbar sind.“ (ebenda, S. 180). Ab- schließend bleibt anzumerken, dass die HT16, obwohl alle Vorraussetzun- gen erfüllt waren, auf die Beteiligung am EMAS verzichtet hat, da der Turnerschaft der Nutzen des Audits im Vergleich zum Aufwand als zu ge- ring erschien (WATERMANN 2000, S. 3, www). „Aus ihrer Sicht war die Re- sonanz auf einzelne Aktionen und die Umsetzung von Umweltschutzmaß- nahmen größer als auf die Darstellung der allgemeinen Ziele des Modell- projektes. Zudem fallen für die Überprüfung durch einen externen Gut- achter und die Eintragung zusätzliche Kosten an.“ (ebenda). Aufgrund seines Modellcharakters kann, beziehungsweise soll das UMBIT- Projekt auch auf andere Vereine übertragen werden. Es hat sich hier ge- zeigt, dass die Organisationsstrukturen von Vereinen es grundsätzlich ermöglichen, bei der Behandlung von Umweltfragen die Mitglieder mit einzubeziehen (SCHEMEL & ERBGUTH 2000, S. 178). Die Vorgehensweise nach der EG-Öko-Audit-Verordnung stellt jeweils ei- ne Empfehlung für die Reihenfolge dar, in der ein UMS aufgebaut werden soll. Dabei sind jedoch die jeweiligen Ausgangsbedingungen der einzelnen Vereine für die Übertragbarkeit des Modells maßgebend. Der Leitfaden „Umweltschutz im Sportverein“ hilft, wenn ein UMS gemäß EMAS aufge- baut werden soll. Dadurch eröffnet sich zumindest die Gelegenheit, eine Validierung anzustreben, um jenes öffentlichkeitswirksame Instrument zur Imageverbesserung oder für Sponsoringprojekte am Sportverein be- ziehungsweise an der Organisation anwenden zu können. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass in der untersuchten breit gefächerten „Sportlandschaft“ zwar das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung und damit insbesondere das Instrument des Umweltmana- gementsystems zur Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes an- genommen wurde, ihnen aber bisher nicht ganz die Menge an Aufmerk- samkeit und Achtung entgegengebracht wurde, wie es zu der Vorbild- funktion des Sports gehören würde sowie vonnöten und wünschenswert 6 Ökologisierung des Sports 133 wäre. Basierend auf den erfassten Aktivitäten im deutschen Sport lässt sich ableiten, dass kaum Ökologisierungsmaßnahmen in Sportorganisati- onen stattfinden. Berücksichtigt man allein die hohe Zahl von rund 90 000 organisierter Vereine im DSB und stellt ihr die äußert geringe Zahl der gemäß EMAS zertifizierten und validierten Sportinstitutionen ge- genüber, so wird ersichtlich, dass eine entsprechende Ökologisierung des Sports, beziehungsweise eine Integration von Umweltmanagementsys- temen in den Sport noch in den „Startblöcken“ steckt. Um es weiterhin sportlich zu formulieren, kann aber trotzdem festgehalten werden, dass das „Aufwärmprogramm“ abgeschlossen ist, das heißt potentielle Ansätze erkennbar sind sowie Leitbilder, Beispiele und vor allem Leitfäden für umweltbewusste Sportorganisationsführung vorliegen und gegeben sind93. Zur Frage einer Integration von Umweltmanagementsystemen in den Sport bestehen weiterhin zahlreiche offene Fragen. Durch die vorliegende Arbeit haben sich insbesondere folgende ergeben: Ob die mangelnde Beteiligung im Sport unter anderem mit der fehlen- den Verbindlichkeit zur Ökologisierung beziehungsweise zum betriebli- chen Umweltschutz zu erklären ist, kann nach den Ergebnissen dieser Arbeit zwar vermutet, aber nicht als abgesicherte Erkenntnis definiert werden. Zur Frage, warum sich Sportorganisationen nicht oder nur sehr gering am betrieblichen Umweltschutz beteiligen, besteht weite- rer Forschungsbedarf. Um Aussagen über den Zusammenhang von Vereinskultur und UMS- Beteiligung machen zu können, müssten einzelne Organisationen um- fassender betrachtet werden. Nur durch eine Teilnahme am Alltag be- ziehungsweise durch eine Beobachtung vor Ort können interne Abläu- fe erfasst werden. 6.2 Übertragbarkeit betrieblicher Ökologisierungs- maßnahmen auf den Sport Während privatwirtschaftliche Unternehmen Produkt- und profitorientiert sind, ist das Ziel des Sportvereins als NPO die Deckung des Bedarfs und die Interessenvertretung der Mitglieder. Vor diesem Hintergrund soll im Folgenden die Übertragbarkeit der vorgestellten Umweltschutzaktivitäten von Unternehmen auf Sportorganisationen diskutiert werden. 93 Vgl. hierzu die Bewertung der Ergebnisse bezüglich der Agenda-Aktivitäten im Sport von KÄMMLER (2001, S. 74, 79, 84). 6 Ökologisierung des Sports 134 Auch der Sportverein hat im Rahmen des Aufbaus von UMS und in der Absicht, ein Öko-Audit durchführen zu wollen, entsprechende Umweltpoli- tiken und Leitlinien zu erarbeiten, die die Selbstverpflichtung des Sports vor der Umweltproblematik thematisieren. Die Vorgehensweise von Un- ternehmen, die insbesondere gemäß EMAS ein UMS aufgebaut haben, setzt sich auch im Sport (sehr) langsam durch. Jedoch zeigen sich bei den einzelnen Selbstverpflichtungen der Projekte im Sport unterschiedli- che Ausprägungen hinsichtlich ihrer Inhalte. Während sich einige Vereine beziehungsweise Sportstättenbetreiber gemäß EMAS zertifizieren lassen, versuchen andere Projekte die Umweltproblematik hinsichtlich einer nachhaltigen Entwicklung lediglich in Zusammenhang mit ein oder zwei Ressourcen zu behandeln. Dieses Herausgreifen von „Rosinen“, also Be- reichen, die sich leicht ökologisieren lassen, führt dazu, dass schwierige Ökologisierungsbereiche umgangen werden können. Sich aber die „Rosi- nen“ zertifizieren zu lassen, sich den Imagegewinn für eine umwelt- freundliche Organisation einzustreichen, während andere Einheiten unbe- achtet bleiben94 (SIETZ 2000, www), entspricht nicht der Vorbildfunktion des Sports. Deshalb muss bei der Ökologisierung des betrieblichen Um- weltschutzes der gesamte Sport(verein) betrachtet werden. Die Erstellung einer Umweltpolitik für einen Sportverein auf der Grundla- ge der LA21 stellt somit einen wichtigen Schritt dar, der jedoch nicht zwangsläufig eine Ökologisierung dieser Institution nach sich zieht. Eine entsprechende Organisationsstruktur und funktionierende Anreizmecha- nismen sind notwendig, um in einer demokratischen Organisation einen Ökologisierungsprozess einzuleiten. Gerade das Instrument EMAS wurde mittlerweile auch von Sportinstituti- onen als besonders geeignete Grundlage, beziehungsweise geeignetes Hilfsmittel für die Durchführung eines Öko-Audits und den Aufbau eines UMS auf dem eigenen Sportgelände, beziehungsweise in einzelnen Berei- chen anerkannt. 94 Hierfür bietet sich gerade mit der ISO 14001 eine Möglichkeit (SIETZ 2000, www). 6 Ökologisierung des Sports 135 Dies zeigt sich vor allem durch die Tatsache, dass unter anderem95 der LSV Schleswig-Holstein e.V. für seine Standorte in Malente mit den Einrichtungen Sport- und Bildungszentrum und Bildungswerk so- wie seiner Geschäftstelle im Haus des Sports in Kiel Öko-Audits absol- viert hat, sich selbige durch einen Umweltgutachter gemäß EMAS be- stätigen ließ und deren Umwelterklärungen validiert sind (REITMEIER 1999, www; LSV 2001b, www), sich nach dem Pilotprojekt in Malente des LSV sechs weitere Sport- stätten in Schleswig-Holstein entschieden haben, an dem EMAS- System teilzunehmen (LSV 2003a, www), der Golf Club Gut Apeldör e.V. in Hennstedt (GOLF CLUB GUT APELDÖR 2003a, www), der Luftsportverein Südtondern e.V. (LUFTSPORTVEREIN SÜDTONDERN E.V. 1999), die Waldsee-Therme in Bad Waldsee (WALD- SEE-THERME 2003, www) und die Nürburgring GmbH als Betreiber der gleichnamigen Rennstrecke, die 2001 bereits zum zweiten Mal nach der EG-Öko-Audit-Verordnung validiert wurde (AGIMUS GMBH 2003, www), im EMAS-Register eingetragen sind (DIHK 2002, S. 105, 115, www), das wesentliche Ziel des Modellprojektes UMBIT der HT16 der Aufbau eines UMS nach EMAS I war (THIELEBEIN 1999a, S. 19; SCHEMEL & ERB- GUTH 2000, S. 174), der Naturschutzbund Deutschland (NABU) Umweltleitlinien für die Olympia-Bewerbungen Düsseldorf Rhein-Ruhr, Hamburg und Stuttgart 2012 erarbeitet hatte, in denen der Einsatz eines Umwelt- Zertifizierungsverfahrens nach EMAS oder ISO 14001 gefordert wurde (NABU-UMWELTLEITLINIEN 2003a, S. 3, www; NABU-UMWELTLEITLINIEN 2003b, S. 2, www; NABU-UMWELTLEITLINIEN 2003c, S. 1, www) und das Öko-Institut e.V. im Rahmen des Hintergrundpapiers zur Kon- zeptphase des „Green Goal - Umweltziele für die FIFA Fußball- Weltmeisterschaft 2006“ zur Sicherung der Nachhaltigkeitsziele und dauerhafter Verbesserung der Umweltstandards ausdrücklich eine Ein- führung von UMS in Richtung EMAS II in den Stadien fordert und dem Aufbau und der Weiterentwicklung von Umweltmanagementkompe- tenzen besondere Bedeutung zumisst (ÖKO-INSTITUT E.V. 2003a, S. 19, www). Aufgrund dieser Aktivitäten im Sport zum Aufbau und zur Umsetzung ei- nes UMS wird deutlich, dass die Frage nach dem „Ob“ bezüglich der Durchführung von Umweltschutzmaßnahmen im Sport mittlerweile auch in der Praxis der Frage nach dem „Wie“ weicht. Es muss aber gerade vor dem Hintergrund einer nachhaltigen Entwick- lung die Frage gestellt werden, ob diese Instrumente einen Beitrag zur Ökologisierung des Sports leisten können. Die Erarbeitung eines UMS gemäß EMAS oder ISO 14001 ist nicht gleichbedeutend mit der Umset- 95 Um an dieser Stelle nur einige Beispiele zu nennen. 6 Ökologisierung des Sports 136 zung des Leitbildes einer nachhaltigen Entwicklung. Zwar wird von der EG-VO betont, dass die Durchführung eines Öko-Audits und der Aufbau eines UMS eine dauerhafte und umweltgerechte Entwicklung anstrebt, doch ist dort auch von einem dauerhaften und umweltgerechten Wachs- tum die Rede (EMAS II 2001a, S. 1, www; EMAS II 2001b, S. 1, www). Das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung wird somit eher als Umwelt- management gesehen. Die Signalwirkung der beiden Instrumente ist nicht zu unterschätzen, da sich diese verstärkt bei den privatwirtschaftlichen Unternehmen durchge- setzt und in der Öffentlichkeit mittlerweile einen gewissen Bekanntheits- grad erreicht hat. Deshalb empfiehlt es sich für den Sport, diese Konzep- te aufzugreifen und entsprechend einer nachhaltigen Entwicklung auszu- gestalten. Das Ziel muss dabei aber eine Ökologisierung sein, wobei das UMS des Sports aufgrund seiner Vorbildfunktion innovativ und zukunfts- weisend zu werden hat. Hierfür bieten die beiden Standards zumindest eine Basis. Es müssen hingegen bereits mit der Festlegung der Umwelt- politik die Weichen für vorbildliche Umweltziele und für ein entsprechen- des UMS gelegt werden. Die Ökologisierung des Sports ist dabei als ein dauerhafter Prozess zu sehen. Auch wenn einige Projekte im Sport die Teilnahme an EMAS anstreben, hat eine Zertifizierung nach EMAS oder ISO 14001 nicht wirklich einen nachhaltigen Sport zum Ziel. Somit kann der Erhalt eines Zertifikats aufgrund der notwendigen Ökolo- gisierung der Sportvereine nur einen ersten Schritt in Richtung der Öko- logisierung des betrieblichen Umweltschutzes darstellen. Die Ausrichtung eines UMS der Sportvereine muss jedoch deutlich über die Inhalte von EMAS und der 14000er-Norm hinausgehen. Die von allen Vereinsangehörigen gemeinsam entworfene Selbstverpflich- tung kann als Motivation und Leitplanke für eine Ökologisierung des Ver- eins dienen, doch ist damit nicht garantiert, dass sich die Vereinsgrup- pen, insbesondere die einflussreiche Gruppe der Ehrenamtlichen, an ent- sprechenden Maßnahmen beteiligen. 6 Ökologisierung des Sports 137 Hier muss die Frage gestellt werden, welche Anreize ehrenamtliche Mit- arbeiter96 dazu bringen sollen, sich für den Aufbau eines UMS zu engagie- ren. Während das hauptamtliche Personal über Dienstanweisungen zu einer Mitarbeit aufgefordert werden kann, ein Top-down-Ansatz wie bei privatwirtschaftlichen Unternehmen also möglich ist, ist das ehrenamtli- che Personal nicht an die Anweisungen der Vereinsleitung gebunden. Deshalb sind mögliche Anreize für diese Mitarbeiter ein wichtiges Thema, da gerade die Ehrenamtlichen, vor allem als Übungsleiter, es über Trai- ningsveranstaltungen vermögen, die große Gruppe der Sporttreibenden zu erreichen und zur Mitarbeit an der Ökologisierung des Vereins zu mo- tivieren. Denn für ein Vereinsmitglied ergeben sich „Probleme der Kosten- Nutzen-Analyse“ bezogen auf die Nutzung seiner Zeit. Das Mitglied muss Vor- und Nachteile einer Verwendung der Zeit für den Einkommenser- werb gegen Verwendung der Zeit für Arbeit innerhalb des Vereins abwä- gen, den Stellenwert der Nutzung der Zeit für den Verein gegenüber dem Zeitverbringen mit der Familie, beziehungsweise dem Nachgehen von Hobbies oder anderer Freizeitaktivitäten feststellen und die Leistungsan- gebote anderer, kommerzieller oder staatlicher, Anbieter prüfen (HEINE- MANN 1995, S. 154). Mögliche Anreize für ehrenamtliche Mitarbeit, lassen sich als „[...] Ziele, Ehre, Anerkennung und Gemeinschaft, Selbstverwirk- lichung in der Arbeit und Einfluss auf das Vereinsgeschehen [...]“ identifi- zieren97 98 (HEINEMANN 1995, S. 166). Aufgrund der komplexen Aufgabenstruktur, die mit der Ökologisierung des betrieblichen Umweltschutzes einhergeht, verfügen große Unterneh- men meist über ausgebildete Umweltschutzbeauftragte, die sich um die Umweltschutzorganisation innerhalb des Betriebes kümmern. Zwar kön- nen sich Vereine solche Experten in ihren Reihen nicht leisten, verfügen jedoch über die Ressource des ehrenamtlichen Engagements ihrer Mit- glieder. Der große Vorteil dabei ist, dass die Vereinsmitglieder aus allen 96 Nach HEINEMANN (1995, S. 66) ist die wichtigste Ressource einer NPO „[...] die freiwillig, unentgelt- lich und ohne direkte Gegenleistung erbrachte ehrenamtliche Mitarbeit [...].“ 97 Welche Anreize zur Verfügung gestellt werden müssen, damit Mitglieder zur ehrenamtlichen Tätig- keit bereit sind, stellt für einen Verein sowieso ein grundlegendes und allgemeines Problem dar. 98 Auf die „Probleme der Freiwilligenarbeit“ eines Vereins soll an dieser Stelle nicht eingegangen werden. Hier sei auf HEINEMANN (1995, S. 161 ff.) verwiesen, der die Besonderheiten der Personal- wirtschaft ehrenamtlicher Mitarbeiter in einem Verein an Möglichkeiten der Personalwirtschaft des Vereins festmacht: 1. Bedarfsermittlung und Karriereplanung, 2. Rekrutierung, 3. Einbindung, 4. Qualifikation und 5. Kontrolle der Aufgabenerfüllung. 6 Ökologisierung des Sports 138 Gesellschaftsschichten kommen und dadurch über ein weit gestreutes Fachwissen und Kenntnisse verfügen (THIELEBEIN 1999a, S. 30). Neben dieser „Qualifikationsvielfalt“ der Ehrenamtlichen nennt HEINEMANN (1995, S. 70) noch den Vorteil der Personalkosteneinsparung durch ehrenamtli- che Mitarbeit, den Vorteil der „Beziehungsressourcen“ in Form von Kon- takten, Informationen, Einfluss, Prestige und Ansehen der Mitglieder in- nerhalb der Gesellschaft um die Organisationsinteressen gegenüber Drit- ten durchsetzen zu können, den Vorteil einer hohen zeitlichen, sachlichen und sozialen „Flexibilität“ in der Aufgabenerfüllung und dem Einbringen zusätzlicher „externer Ressourcen“ zur Erfüllung des Ehrenamtes. Diese Aspekte können bei der Organisation des Umweltschutzes im Verein ge- nutzt werden. Da eine einzelne Person mit der Koordination und Durchführung der Öko- logisierungsmaßnahmen schnell überfordert sein kann, wird neben der Berufung eines Umweltbeauftragten im Vereinsvorstand (WILKEN & NEUER- BURG 1997, S. 19) im Praxisleitfaden „Umweltschutz im Sportverein“ zu- sätzlich auch die Gründung eines „Umweltausschusses“ oder eines „Ar- beitskreises Umweltschutz“ empfohlen (THIELEBEIN 1999a, S. 30). Die Einrichtung der Position eines Umweltbeauftragten, die sich gezielt mit der Einhaltung von Vorschriften und Auflagen beschäftigt, ist auch für Sportvereine wichtig und verpflichtend. Durch Wissen, einer kompetenten Beratung und seiner Vorbildfunktion trägt der Umweltbeauftragte zur praktischen Umsetzung des Umweltschutzes im Sport bei99 (HMULF 2001b, S. 3). Auch stellt die Implementierung eines Umweltausschusses oder Umweltarbeitskreises gerade für einen Sportverein ein wichtiges In- strument dar, da diese durch ihren teilhabenden Charakter, viele Ver- einsmitglieder in die Ökologisierung des Vereins einbeziehen können. Es wird zurecht darauf hingewiesen, dass die Mitarbeit der Hausmeister und Haustechniker eines Vereins ein unverzichtbares Element darstellt, da sie meist die einzigen sind, „die sich mit den technischen Anlagen im 99 „In den Handlungsfeldern Natur, Landschaft, Ressourcenschonung und Sportstättenerhaltung sind Umweltbeauftragte im Sport gefragt. Sie treten im Bereich ‚Sport und Umwelt’ für die Wahrneh- mung der Interessen des Sports ein, streben gleichzeitig den Ausgleich bestehender Konflikte an und überführen ihre Informationen über ressourcenschonende Maßnahmen in die Praxis, um die Umweltbelastungen durch den Verein zu vermindern.“ (HMULF 2001b, S. 4). Die konkreten Aufga- benfelder eines Umweltbeauftragten im Sport sind ebenda nachzulesen. 6 Ökologisierung des Sports 139 Zentralzirkel Umweltausschuss Mitglieder Mitglieder Mitglieder Mitglieder Mitglieder Mitglieder Mitglieder Zirkel 5 Büro/Gastrono- mie/Sportbetrieb Zirkel 1 Wasser/Abwasser Zirkel 2 Energie Zirkel 4 Verkehr/Lärm/ Außenbereiche Zirkel 3 Abfall Vereinsgebäude auskennen“ und damit eine Ökologisierung in ihren Grundfunktionen tragen, da sie über die entscheidenden Instrumente zur Verringerung der Auswirkungen auf die Umwelt verfügen (HMULF 2001b, S. 3; THIELEBEIN 1999a, S. 30). Je nach Umweltzielen des Vereins können die Aufgaben des Umweltaus- schusses recht umfangreich ausfallen. Der Praxisleitfaden „Umweltschutz im Sportverein“ der Initiative „Sport und Umwelt“ des DTB und der S.O.F. Save Our Future - Umweltstiftung nennt folgende Inhalte: Erfassung der umweltrelevanten Auswirkungen des Vereinsbetriebes, Untersuchung von Alternativen zur Umweltauswirkungsreduzierung, Entscheidungsvorbereitung für die Maßnahmenumsetzung, Aufsicht der Maßnahmenumsetzung, Ergebnisauswertung und Berichterstattung, Information der Mitglieder über Umweltaspekte und Maßnahmen, de- ren Ergebnisse sowie Umweltsensibilisierung (THIELEBEIN 1999a, S. 31). Laut diesem Praxisleitfaden hat sich hinsichtlich des Umfangs der Aufga- ben und der Bedeutung der Informationsvermittlung, wie in Abbildung 25 dargestellt, eine Zirkelstruktur für die Umweltschutzorganisation in einem Sportverein bewiesen. Abbildung 25: Zirkelstruktur eines Umweltausschusses (in Anlehnung an THIELEBEIN 1999a, S. 32) 6 Ökologisierung des Sports 140 „In dem Zirkelmanagement übernehmen einzelne Mitglieder des Umwelt- ausschusses bestimmte Aufgabenfelder und organisieren deren Bearbei- tung relativ eigenständig. Dabei können sie sowohl mit anderen Umwelt- ausschussmitgliedern zusammenarbeiten als auch weitere Vereinsmit- glieder in die Arbeit einbinden. Die Abstimmung der Arbeiten und die In- formation über den Stand der Arbeiten erfolgt regelmäßig in einem soge- nannten Zentralzirkel. Die Koordination übernimmt z.B. ein gewählter Umweltausschusssprecher, der den Ausschuss auch gegenüber anderen Vereinsgremien vertritt. [...] Umweltschutz ist damit nicht Aufgabe ein- zelner, sondern ein Thema, das von allen Vereinsmitgliedern mit gestaltet werden kann. Welche Aufgabenbereiche einzelne Zirkel übernehmen und wie viele Zirkel geschaffen werden, hängt von den gesteckten Zielen, der Größe des Vereins und von dem Engagement seiner Mitglieder ab.“ (ebenda, S. 31 ff.). Deshalb ist hinsichtlich der Ökologisierung des gesamten Sportvereins das Innovationspotential und der Ideenreichtum aller Mitglieder zu integrieren. Somit lassen sich eher Erfolge in der Öko- logisierung des betrieblichen Umweltschutzes im Sportverein erzie- len (ebenda, S. 33). Da Aufbau und Implementierung eines UMS mit erheblichen Kosten ver- bunden sind, muss an dieser Stelle noch die Frage nach Möglichkeiten der Finanzierung von Ökologisierungsmaßnahmen im Sport gestellt werden. Innerhalb der Finanzstruktur eines Sportvereins zählt HEINEMANN (1995, S. 153 ff.) folgende Ressourcen eines Vereins auf: Art der Ressource (Zeit und Geld), Abgabeverpflichtung (erzwungene Mitgliedsbeiträge und Übernahme von Dienstaufgaben oder Spenden und Freiwilligenarbeit), Gegenleistung (Transfer als Spenden, Erbschaft, staatliche Subventio- nen und verbandliche Zuschüsse oder Tausch als Pacht, Miete, Zins, Dividende sowie Verkauf von Gütern, Diensten und Rechten) und Herkunft der Ressource (durch Mitglieder oder Nicht-Mitglieder). Bei Einnahmen von Nicht-Mitgliedern ist zu unterscheiden, ob sie aus Verkaufserlösen resultieren oder vom Staat kommen100. Den Zuschüssen aus der staatlichen Kasse kommt in Hinblick auf die För- derung von UMS eine besondere Bedeutung zu. „Zuschüsse stellen geld- 100Die Probleme, die die Einahmen von Dritten für einen Verein darstellen, würden hier den Rahmen der Arbeit überlasten und sind bei HEINEMANN (1995, S. 156 ff.) nachzulesen. 6 Ökologisierung des Sports 141 oder geldwerte Leistungen des Staates [...] zur Unterstützung der Arbeit des Vereins dar.“ (ebenda, S. 157). Die Formen öffentlicher Subventio- nen können wie folgt unterschieden werden: Sach- (Räume, Sportstätten), Personal- (Zivildienstleistende, ABM- Kräfte) und Finanzmittelleistungen, Zweckgebundene oder ohne Zweckbindung zufließende Unterstützung, Dauer- oder Initialförderung (Anschubfinanzierung), Förderungen auf Wunsch der Vereine (passiv) oder aktiv zur Bewälti- gung von Aufgaben im Verein, direkte Mittelvergabe an den Verein oder Zuschuss indirekt über eine Vermittlungsinstanz (Dachverband, Stiftung), offene Zuschüsse (Sach-, Personal- und Geldmittel) oder Erhaltungs- subventionen (Steuererleichterungen, zinslose Darlehen) als verdeck- te Zuschüsse, Einzelprojektförderung oder Förderung eines Vereins als Institution (ebenda, S. 158). Die Broschüre „Förderung von Umweltmanagementsystemen in Deutsch- land“ (BMU 2000, S. 5, www) gibt einen Überblick über die in Deutsch- land existierenden staatlichen Förderungsmöglichkeiten, um ganz allge- mein die Verbreitung des betrieblichen UM voranzutreiben, aber vor allem die kostenintensive UMS-Implementierung der Unternehmen (besonders KMU) zu unterstützen. „Eine unmittelbare, finanzielle Förderung der Teil- nahme am Gemeinschaftssystem für das Umweltmanagementsystem und die Umweltbetriebsprüfung (Umwelt-Audit-System) erfolgt in Deutschland durch die Länder. Die Förderung erfolgt dabei sowohl durch spezielle För- derprogramme als auch im Rahmen anderer Programme. [...] Die finan- zielle Unterstützung erfolgt zumeist in Form einer Zuschussförderung. Bezuschusst werden insbesondere Beratungs-, Auditierungs- und Perso- nalkosten. Vereinzelt fördern Länder auch Pilotprojekte, während ansons- ten eine Breitenförderung durchgeführt wird. [...] Neben der finanziellen Unterstützung bieten einige Länder Workshops, Arbeitskreise und (Bran- chen-) Seminare an. Ferner bestehen zahlreiche Kooperationen mit ver- schiedenen Institutionen (z.B. Kammern, Verbänden, Gewerkschaften, Hochschulen).“101 (ebenda, S. 6, www). 101Es bleibt anzumerken, dass in den einzelnen Bundesländern keine einheitliche Struktur bezüglich der speziellen Förderprogramme herrscht. Zur Einsicht der Arten der Förderung jedes einzelnen Landes sei hier auf die Broschüre des BMU verwiesen (BMU 2000, www). 6 Ökologisierung des Sports 142 Um in der Bundesrepublik die Maßnahmen zur Implementierung eines UMS nach EMAS oder der ISO 14001-Norm durch die Ländern zu subven- tionieren, wurden auf Bundesebene bereits diverse Aktivitäten zur Förde- rung der Beteiligung am Umwelt-Audit entwickelt: Kostendeckung eines Öko-Audits durch Förderung des Bundes mit langfristigen und zinsgünstigen Darlehen, Generierung von Förderungspotentialen aus Mitteln der EU- Strukturfonds, Bezuschussung von externen Beratern innerhalb des Öko-Audits aus der Beratungsförderung des Bundeswirtschaftsministeriums, Berücksichtigung der Gutachterkosten im Zusammenhang mit der Vergabe von Investitionskrediten (ebenda, S. 6 f., www). 6.3 Betrieblicher Umweltschutz im Sport „Der Sport-Umwelt-Konflikt entzündete sich am sogenannten ‚Natur- sport’. Als Ursachen für Umweltbelastungen wurden in erster Linie sport- liche Handlungen erkannt, deren unmittelbaren Nebenfolgen als Schädi- gung von Flora und Fauna offensichtlich identifiziert werden konnten.“ (KUHN 1996, S. 12). Innerhalb dieses Konfliktes wurde unter Umwelt nur „Natur“ als Synonym für das Tier- und Pflanzenreich gesehen. Unter um- weltschädigendem Verhalten, so macht KUHN (1996) weiter aufmerksam, wurde nur die direkte Beeinträchtigung durch die aktuelle Sportausübung und unter umweltschädigendem Sport nur „Natursport“, „Out-Door- Sport“ oder „Motorsport“ verstanden. Aber insbesondere sportbegleitende Handlungen, Massensportarten und Sportgroßveranstaltungen, die sich eigentlich in Form des täglichen Trainings und Wettkampfes abspielen, werden als umweltbelastend identifiziert (ebenda, S. 12 f.). Die wesentliche Frage dieser Arbeit ist der schonende Umgang mit den natürlichen Ressourcen Energie, Wasser und Luft im Rahmen des Sport- treibens. Durch Sportaktivitäten werden die „Umweltmedien“ Klima, Luft, Boden, Wasser, Tier- und Pflanzenwelt sowie Rohstoffe, wie Abbildung 26 aufzeigt, beeinträchtigt oder verbraucht. Diese Beeinträchtigung der „Na- turgüter“ ist das Ergebnis „des Verbrauchs von Sportmaterialien (Geräte, Bekleidung etc.), der Nutzung von Sportinfrastruktur (z.B. Sportplätze, Hallen) und des Mobilitätsbedarfs der Sportler (Erreichen von Zielen der Sportausübung).“ (SCHEMEL & ERBGUTH 2000, S. 149). 6 Ökologisierung des Sports 143 Abbildung 26: Umweltbeeinflussungen durch den Sport (in Anlehnung an HMULF 2001b, S. 2) Zusammenfassend soll der Sport mit seinen Sportstätten, Wettkampf- und Regelordnungen, Systemen des Trainings und der Talentförderung, Organisationen, seiner Wirtschaft, Geschichte sowie aktiver und passiver Sportler (HEINEMANN 1995, S. 9) also seine Funktionen mit minimalem Stoff- und Energiedurchsatz vor dem Hintergrund des Ziels einer nachhal- tigen Entwicklung erfüllen (SCHEMEL & ERBGUTH 2000, S. 149). Gerade Sportvereine und Sportstätten, ob vereinseigen oder kommunal, sind in ihren Energie- und Stoffumsätzen mit Wirtschaftsunternehmen zu vergleichen. Nicht nur durch ihre Trainings- und Sportanlagen sondern auch durch die Verwaltungsbereiche entstehen Umweltbelastungen, die durch Einsatz organisatorischer Maßnahmen erheblich reduziert werden können. Neben der Ökologisierung des Sports, muss also zwangsläufig auch die Ökologisierung des betrieblichen Umweltschutzes in den Fokus der Be- trachtung rücken. Diesbezüglich halten das BUNDESUMWELTMINISTERIUM & UMWELTBUNDESAMT (BMU & UBA 2003, www) fest: „Sportvereine verstehen sich nicht nur als Anbieter von Sport- und Fitnessprogrammen. Sie leisten auch einen Beitrag zur Gesundheit der Menschen, zur Persönlichkeitsbil- dung und zur Einübung sozialer und demokratischer Verhaltensweisen. Deswegen spielt Umweltschutz auch in Turn- und Sportvereinen eine wichtige Rolle. Es geht dabei um mehr als die Beeinträchtigung der Natur durch naturbezogene Sportarten. Der Aspekt des betrieblichen Umwelt- schutzes einerseits und die Möglichkeit zur Sensibilisierung und Informa- tion von Vereinsmitgliedern über Umweltschutzthemen andererseits [...] Wirkungen Lokalklima Tier-/Pflanzenwelt Bodenstruktur Wasserhaushalt Rohstoffe/ Emission Abluft/Abwärme Abwasser/ Abfall Strahlung Lärm Umwandlung Input Output Sport Ressourcenverbrauch Frischluft Materialien/Rohstoffe Wasser und Energie naturnahe Flächen 6 Ökologisierung des Sports 144 hat eine große Bedeutung.“ Und MERKEL (1997, S. 6) bemerkt: „Bei Ge- staltung, Pflege und Bewirtschaftung von über 80.000 Sportplätzen und Sporthallen, von Wassersportanlagen, Vereinsgeschäftsstellen und gast- ronomischen Einrichtungen sowie bei der Organisation von Veranstaltun- gen können erhebliche Potentiale für den Natur- und Umweltschutz er- schlossen werden.“ Es wird also deutlich, dass der Sport hinsichtlich der Durchführung des Leitbildes einer nachhaltigen Entwicklung besonders gefordert ist, weil er besser als andere Institutionen in der Lage ist, Informationen der Öffent- lichkeit zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig ist Sport jedoch auch Kon- sument natürlicher Ressourcen. Die Dimension des Ressourcenver- brauchs des Sports wird allein dadurch ersichtlich, wenn man sich vor Augen führt, dass in über 87 000 Turn- und Sportvereinen in 91 Sportor- ganisationen in Deutschland rund 27 Millionen Mitglieder lehren, trainie- ren und arbeiten (DSB 2003, www). Diese Menschen tragen auf unter- schiedliche Art und Weise zur Veränderung der natürlichen Umwelt bei, indem sie über ihre jeweiligen Tätigkeiten den Ressourcenverbrauch durch den Sport beeinflussen. Damit ist vom Sport ein vorbildliches, nachhaltiges Umweltverhalten bei der eigenen Leistungserbringung zu fordern. Dies bedeutet, in Anlehnung an den Ratgeber für „Umweltschutz im Sportverein“ für die Vereinspraxis von WILKEN & NEUERBURG (1997), dass in einem ersten Schritt die Ressourcen- und Energieverbräuche der ein- zelnen Vereinsbereiche in einer Bestandsaufnahme zu bestimmen sind. „Für vereinsbezogene Umweltschutzmaßnahmen gibt es im wesentlichen drei Ansatzpunkte: Vermeidung von Belastungen (z.B. Verkehr) und Verminderung des Bedarfs (z.B. Energie) Verwendung umweltverträglicher Produkte (z.B. Recycling-Papier) Wiederverwertung und geregelte Entsorgung (z.B. Abfalltrennung).“ (ebenda, S. 16). Daran schließt sich die Entwicklung eines Maßnahmenkatalogs an, der einzelne Ökologisierungsmaßnahmen erarbeitet, um die festgelegten Umweltziele zu erreichen. Günstig ist es dabei, eine Gewichtung der Maßnahmen durchzuführen, um einen Katalog der kurz-, mittel- und 6 Ökologisierung des Sports 145 langfristig umzusetzenden Maßnahmen erstellen zu können. Die Zielerrei- chung wird regelmäßig kontrolliert, wobei der gesamte Verein über die Aktivitäten im Umweltbereich informiert wird (ebenda, S. 16 ff.). Auf Ba- sis dieser Überprüfung der Umweltaktivitäten werden, in logischer Konse- quenz, neue Umweltziele und ein darauf abgestimmtes Handlungspro- gramm definiert. Damit geht es um die Erstellung und Implementierung eines Managementprozesses, der die Ökologisierung des betrieblichen Umweltschutzes im Sportverein in entsprechenden Perioden kontinuier- lich verbessert. Um diesen ständigen Ökologisierungsprozess zu koordi- nieren und zu optimieren, ist darüber hinaus ein UIS aufzubauen, wel- ches alle relevanten Verbräuche und Daten des Sportvereins, der Sport- stätte beziehungsweise der jeweiligen Leistungsbereiche erfassen und ausweisen kann. Damit wird die Basis für ein vorsorgendes Umweltma- nagement gelegt, welches in vorausschauender Weise Umweltverbräu- che, Verbesserungs- und Gefahrenpotentiale ermittelt. Erkenntnisse, Er- gebnisse und optimale Vorgehensweisen teilt der Verein darauf ausführ- lich der Öffentlichkeit mit, um dieser Wissen in Form von Best Practice- Beispielen und Good Practice-Maßnahmen über erfolgreiche Umweltma- nagementkonzepte und Ökologisierungsmaßnahmen zur Verfügung zu stellen. Dabei steht der Verein in Kontakt mit Umweltexperten, die sich mit der Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes und entspre- chenden Ökologisierungsmaßnahmen beschäftigen (ebenda, S. 17 ff.). Der Aufbau eines UM im Rahmen der Ökologisierung des betrieblichen Umweltschutzes im Sport ist kein in sich geschlossenes Projekt, das un- abhängig von den anderen Ökologisierungsmaßnahmen betrachtet und angegangen werden kann. So stellt auch die Ökologisierung des Sports eine Querschnittsfunktion dar, welche sich an alle Bereiche und Vereins- gruppen richtet. Für das Untersuchungsobjekt „Sportverein“, „Sportorga- nisation“ beziehungsweise „Sportstätte“ bedeutet dies, dass die Ökologi- sierung des betrieblichen Umweltschutzes nicht nur Aufgabe der Verwal- tung sondern genauso Aufgabe der Sportausübung und des Trainings ist. Ein vorbildlicher Umweltschutz ist nämlich nur dann zu erreichen, wenn die Umsetzung von Umweltmaßnahmen auch gleichzeitig im Bereich der Ausübung und des Trainings nicht nur beachtet, sondern auch unterstützt 6 Ökologisierung des Sports 146 wird. Da eine Ökologisierung sich ständig neuen ökologischen Rahmen- bedingungen anpassen und, gemäß dem Leitbild einer nachhaltigen Ent- wicklung, eine ständige Verbesserung des betrieblichen Umweltschutzes zum Ziel haben muss, bedeutet dies für den Sportverein und die einzel- nen Akteure, eine flexible Organisationsstruktur für die Ökologisierung des betrieblichen Umweltschutzes zu schaffen. Zusammenfassend kann von der „sportlichen“ Ökologisierung des be- trieblichen Umweltschutzes verlangt werden, dass die Verwaltung des Sports sich als Einheit hinsichtlich des Ziels der Ressourcenschonung versteht, ein Managementsystem mit klar definierten Prozessen und Aufgaben- zuteilungen entwickelt wird, welches das Ziel eines vorbildlichen und vor allem kontinuierlichen Verbesserungsprozesses im betrieblichen Umweltschutz verfolgt, klare Ziele und entsprechende Maßnahmen zur Ökologisierung des betrieblichen Umweltschutzes festgelegt werden, wobei die Zielerrei- chung regelmäßig überprüft und die Öffentlichkeit über die Ergebnisse informiert wird, der Ökologisierungsprozess in Zusammenarbeit mit den Bereichen der Sportausübung und des Trainings erfolgt und eine Organisationsstruktur geschaffen wird, die eine Mitarbeit aller Mitglieder ermöglicht, den Informationsfluss unterstützt und die Ko- operation zwischen den einzelnen Akteuren verbessert. An dieser Stelle soll die Diskussion hinsichtlich des Untersuchungsgegen- standes Umweltmanagementsysteme im Sport mit der Forderung des BMU (1998, S. 13, www) schließen: „Die planmäßige und nicht nur punk- tuelle Berücksichtigung von Umweltaspekten erfordert auf Seiten der Sportstättenbetreiber (Kommune, Verein, Gewerbebetrieb) ein systema- tisches Umweltmanagement. Zu dessen wesentlichen Elementen zählen u.a. die Benennung eines Umweltverantwortlichen, die verbindliche Be- rücksichtigung von Umweltaspekten bei allen wichtigen Entscheidungen, die Einführung eines Öko-Controlling sowie die regelmäßige Durchführung umweltbezogener Mitarbeiterschulungen. Durch die Einsparung wertvoller Ressourcen können umweltverträglich gestaltete und betriebene Sport- stätten einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Förderung nachhaltiger Entwicklung und damit auch zur Umsetzung der Agenda 21 leisten. Dies gilt insbesondere für den Schutz des Klimas durch Reduktion von CO2- Emissionen.“ 7 Zusammenfassung 147 7 Zusammenfassung Umweltmanagementsysteme sind für alle Wirtschaftsbereiche und Orga- nisationstypen geeignet und in den meisten Fällen durchaus lohnenswert. Alle Organisationseinheiten können ihren Beitrag zum Umweltschutz und somit zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlage leisten, indem sie die negativen Umweltauswirkungen ihrer Tätigkeiten reduzieren. Damit tra- gen sie in verantwortungsbewusster Weise erheblich zur Umsetzung des Leitbildes einer nachhaltigen Entwicklung bei. Sportvereine und Sportstätten sind in ihren Energie- und Stoffumsätzen mit Wirtschaftsunternehmen zu vergleichen. Nicht nur durch ihre Trai- nings- und Sportanlagen sondern auch durch die Verwaltungsbereiche entstehen Umweltbelastungen, die durch Einsatz organisatorischer Maß- nahmen erheblich reduziert werden können. Die Ökologisierungen von privatwirtschaftlichen Unternehmen geben in Form der Instrumente des Öko-Audits gemäß der EG-Öko-Audit- Verordnung EMAS und der DIN EN ISO 14001 sowie Organisationsstruk- turen des betrieblichen Umweltschutzes Hilfestellungen oder Ansätze für den Sport ab. Basierend auf der Vorstellung von Umweltschutz- und Nachhaltigkeitspro- jekten und Umweltmanagementkonzepten im Sport ergibt sich eine Ist- Zustandsbeschreibung der betrieblichen Umweltschutzorganisation und -aktivität im Sport. Es werden Ökologisierungsmaßnahmen in den Berei- chen Sportartikelindustrie, Sportorganisationen, Sportgroßveranstaltun- gen und Sportstätten erfasst. Dabei zeigt sich, dass sich der Sport unter- schiedlich intensiv und in unterschiedlichen Formen dem betrieblichen Umweltschutz öffnet. Anhand von konkreten Fallbeispielen und Ökologisierungsprojekten aus den genannten Bereichen wird der Status quo der Integration von Um- weltmanagementsystemen in den Sport nachgezeichnet. Hier haben sich Umweltmanagementsysteme als zweifelsfrei geeignete Instrumente er- wiesen. 7 Zusammenfassung 148 Es wird deutlich, dass sich in Sportverbänden und Sportvereinen ein gro- ßes Potential eröffnet und dass sich auch unter schwierigen wirtschaftli- chen Rahmenbedingungen ein Umweltmanagementsystem erfolgreich einführen lässt, beziehungsweise die betrieblichen Umweltleistungen er- höhen lassen. Hierzu sind nichterwerbswirtschaftliche Sportorganisatio- nen aber aufgrund ihrer knappen personellen, zeitlichen und finanziellen Ressourcen auf Unterstützung externer Berater und Förderprogramme angewiesen. Aus der Analyse der Projektbeispiele lässt sich schließen, dass mit einem Umweltmanagementsystem eine kontinuierliche Verbesserung des be- trieblichen Umweltschutzes erzielt, natürliche Ressourcen geschont und Kostensenkungspotentiale erschlossen werden sowie anfängliche Investi- tionen sich schon in kurzer Zeit amortisieren. Dazu ist aber eine Beteili- gung aller Mitarbeiter und vor allem die der großen Gruppe der Ehren- amtlichen unumgänglich. Allein die Einführung eines Umweltmanage- mentsystems bietet allerdings noch keine Garantie für eine herausragen- de Umweltleistung einer Organisation. Eine zufriedenstellende Qualität ist nur dann gewährleistet, wenn die Organisation von dem Nutzen über- zeugt ist und entsprechend angemessene Investitionen für die Reduzie- rung ihrer Umweltauswirkungen tätigt. Der Ist-Zustand der Umweltschutz- und Nachhaltigkeitsaktivitäten im Sport belegt, dass die Novellierung der EG-Öko-Audit-Verordnung EMAS II wohl als Möglichkeit erkannt wurde aber bisher kaum Auswirkungen auf den Sport gehabt hat. Aufgrund der hohen Zahl organisierter Vereine und Verbände des Sports in Deutschland, ihrer Vorbildfunktion und den erheblichen Potentialen herrscht diesbezüglich Handlungsbedarf. Durch EMAS II, den positiven Beispielen der Hamburger Turnerschaft von 1816 r.V. und dem LSV Schleswig-Holstein e.V. ist aber zu hoffen, dass künftig auch weitere Sportorganisationen den Umweltschutz als Chance erkennen. Wenn diese sich mit Umweltmanagement als Umweltschutz- instrument auseinandersetzen, haben sie mit den Leitfäden und Erfah- rungen der genannten Projekte einen Überblick und Best Practice-Modelle über bereits integrierte Umweltmanagementsysteme in den Sport. 8 Literaturverzeichnis 149 8 Literaturverzeichnis ALTMANN, J. 1997: Umweltpolitik: Daten, Fakten, Konzepte für die Praxis. (1. Auflage). Lucius & Lucius Stuttgart. 410 S. APEL, H. & GÜNTHER, B. 1999: Mediation und Zukunftswerkstatt: Prozeß- werkzeuge für die Lokale Agenda 21. Deutsches Institut für Erwachse- nenbildung e.V. Frankfurt am Main. 156 S. BERGSTEDT, J. 1998: Der Agenda-Mythos ist eine Lüge. In: POLITISCHE ÖKOLOGIE, Nr. 54, Mai/Juni. 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Zugriff am 26.03.2003 unter http://www.un.org/esa/sustdev /documents/agenda21/english/agenda21chapter28.htm UN - UNITED NATIONS 2003g: Agenda 21 - Chapter 30. Stand 24.03.2002. Zugriff am 26.03.2003 unter http://www.un.org/esa/sustdev /documents/agenda21/english/agenda21chapter30.htm WALDSEE-THERME 2003: Umwelterklärung 2002 mit den Verbrauchsdaten der Jahre 1999 bis 2001. Zugriff am 28.04.2003 unter http://www.waldsee-therme.de/Umwelterklaerung_Waldsee_aktuell_ .pdf, 19 S. WATERMANN, B. 2001: Agenda 21 und Sport. In: AKADEMIE FÜR NATUR UND UMWELT DES LANDES SCHLESWIG-HOLSTEIN (UMWELTAKADEMIE) (Hrsg.): Akademie aktuell. Informationsblatt der Akademie für Natur und Um- welt des Landes Schleswig-Holstein 10/ 2001. Zugriff am 23.04.2003 unter http://www.umweltakademie-sh.de/downloads/ak_all10.pdf, 4 S. Lebenslauf Persönliche Daten Gregor Leopold Klos geboren am 16.07.1976 in Oppeln unverheiratet Hochschulstudium SS 98 - WS 99 Vordiplom im Studiengang Sportwissenschaften an der DSHS Köln seit SS 00 Hauptstudium mit dem Studienschwerpunkt „Ökono- mie und Management“ Studentische Weiterbildung Freier Wahlbereich: SS 00 - WS 02 Zusatzqualifikation „Zertifikat Sport und Umwelt- Management“ WS 01 - WS 02 Zusatzqualifikation Sportinformatik Schwerpunktspezifische Spezialisierung: SS 00 Beachvolleyball Stufe I SS 00 - SS 01 Basketball Stufe I und II Praktika 11.97 - 01.98 Full-Service-Sponsoringagentur Media-Friends, Köln 02.98 - 03.98 Sponsoringagentur avsponsorconsulting, Hürth 02.00 - 03.00 P+R Video TV und Filmproduktions-GmbH, Speyer 09.02 - 12.02 Institut für Natursport und Ökologie, DSHS Köln Studentische Tätigkeiten 11.98 - 10.99 Studio- und Außenproduktionen des WDR (ARD Sport- schau, SportschauTelegramm und Sport im Westen), Köln seit 11.00 Hausdruckerei der KPMG Deutsche Treuhand- Gesellschaft AG, Niederlassung Köln Schulbildung 1983 -1996 Grundschule und Gymnasium in Speyer Zivildienst 1996 - 1997 Behindertenfahrdienst, Malteser-Hilfsdienst e. V. Speyer Köln, im Juni 2003 Gregor Klos

  • INOEK_Band_08_d_Handbuch_Nordic-Walking.pdf
    = a ae a Sportorganisati Naturpark V. a Stdschwarzwald e Herausgeber: Konzeption, Text: Gestaltung: Druck: Fotos: Naturpark Stidschwarzwald e.V. Haus der Natur SUdschwarzwald Dr.-Pilet-Spur 4 79868 Feldberg www.naturpark-suedschwarzwald.de Prof. Dr. Ralf Roth / Alexander Kramer / Andreas Schafer Institut fur Natursport und Okologie (INOK) Deutsche Sporthochschule Kéln Carl-Diem-Weg 6 50933 Kdéln www.dshs-koeln.de/natursport Land in Sicht AG, Sulzburg Sikora ...mehr als Druck, Offenburg Touristinformation Munstertal A. Kramer J. Hahne 2. Auflage August 2003 Der Stidschwarzwald ist eine der schénsten und meist besuchten Erholungs- regionen Deutschlands. Eine unverwechsel- bare Mischung aus Natur und Kultur bietet Besuchern und Einheimischen vielfaltige Méglichkeiten, bei sportlichen Aktivitaten, ein grandioses Stick Natur zu erleben, Der Naturpark SUdschwarzwald ist als momentan grdéBter deutscher Naturpark ein Gemeinschaftsprojekt von fuinf Land- kreisen und sowie..100. Stadten und Gemeinden der Region. Er -unterstutzt die nachhaltige Nutzung, die naturvertragliche Entwicklung sowie die Erhaltung unserer einzigartigen Landschaft. Hierzu gehéren u.a. Projekte der Landschaftspflege ebenso wie Umweltbildung oder naturvertragliche touristische Projekte. Neben dem umfangreichen Winter- sportangebot bieten alle denkbaren Som- mersportaktivitaten im Naturpark breite Betatigungsmdglichkeiten (z.B. Wandern, Mountain-Biking, Golf, Segeln, Surfen, Schwimmen, Kanu- und Kajak-Sport, Gleit- schirmfliegen, Reiten, Nordic-Walking oder andere Trendsportarten). Ziel des Naturparks Sidschwarzwald ist es, Naturschutzanliegen und touristi- sche Interessen erfolgreich zu vereinen. Nur unter Berlicksichtigung der Interessen von-Landschaft und Natur ist eine méglichst naturnahe touristische Nutzung unserer Region nachhaltig méglich. Dabei ist das Ziel des Naturparks besonders der qualita- tive und nicht der quantitative Ausbau der touristischen Infrastruktur. Mit den. vorliegenden Informationen werden den Gemeiden, Sportorganisa- tionen und touristischen Leistungstragern im Naturpark erstmals Grundlagen an die Hand gegeben, um gemeindetibergreifend und Naturpark-einheitlich ausgeschilderte ~Nordic-Walking-Strecken” ausweisen zu kénnen. Dabei war es fur den Naturpark unverzichtbar, diese in Abstimmung mit den Belangen von Naturschutz, Forstwirtschaft und Tourismus zu erarbeiten. Mit den nun vorliegenden Grundlagen im Bereich Nordic-Walking” ist dem Naturpark ein wichtiger Schritt in diese Richtung gelun- gen. yA U0 Dr. Bernhard Witz Vorsitzender \nediss Ueda dk Walter Holderried Geschaftstuhrer in dieser Reihe sind bereits erschienen: Mountainbike-Handbuch Hatapsck a Mountainbike-Handbuch — Shere Winterwandern-Handbuch 2, Matuspark — Sidscheotecald e Y, Die sporttouristische Infrastruktur und Angebotsentwicklung konzentrierte sich im Gebiet des Naturparks Stidschwarzwald bislang hauptsachlich auf traditionelle Sportarten wie Wandern, Radfahren / Mountainbiking, Ski Alpin oder auch Ski Langlauf. im Sinne einer nachhaltigen Ent- wicklung attraktiver sporttouristischer Angebote kommt daher zukunftig gerade neuen Angebotsfeidern eine besondere Bedeutung zu, e die nicht an eine aufwendige, inves- und innovativer titionsintensive Infrastruktur gebun- den sind, e die nicht an eine bestimmte Wet- terlage (z.B. eine gewisse Mindest- schneehdhe, 0.4.) gebunden sind, e die besonders familienfreundlich sind und Aspekte der Umwelt- und Erleb- nispadagogik integrieren und e die neue Sport- und Erlebnistrends natur- und landschaftsvertraglich auf- greifen. Auf Grundlage der Leitlinien des Naturparks SGdschwarzwald wurden daher im Rahmen eines Forschungsprojekts durch das Institut fur Natursport und Okologie an der Deutschen Sporthochschule K6in inno- vative Sommer- und Wintersportangebote entwickelt. In verschiedenen Modellge- bieten wurde dabei u.a. die Sportart Nordic-Walking behandelt und untersucht. In dem vorliegenden Handbuch werden nun die Ergebnisse der Untersuchung fir diese Sportart vor- und dargestellt. Nordic-Walking 0.00. eee nee een en eee ees 6 Rechtliche Grundlagen .6 0. ene eae 8 Allgemeines zu Nordic-Walking-Strecken . 00... ee een eee 9 Markierungsfarbe 2.00 eee ttt eens g WeGQwelser o 6. eee renee 10 Streckenplanung .. 20ers 12 HOhenprofil und Streckenkarte 20 e tt eens 13 ANNANG 60 ee eee eee 14 HauptWwegweiser on ee ees 15 Zwischenwegweiser .. 6... cc eee eee ees 15 Beispiele fur leichte, mittelschwere und schwere Nordic-Walking-Streck@n 2000. et te ees 16 Beispiele ftir GIS- und GPS-gestiitzte professionelle Héhenprofile mit Streckenauswertung ©... 02.0... eee 20 Mustervereinbarung 2.0. eet ee tenes 24 Urspringlich als Sommertraining von Skilanglaufern durchgefihrt, wurde das sportliche Gehen mit St6écken als neue Fitness-Sportart Nordic Walking 1997 in Finnland erstmals der Offentlichkeit vor- gestellt und hat sich seither explosionsartig verbreitet. Bis zum Jahr 2001 haben Uber 70 % der Finnen Nordic Walking zumin- dest schon einmal ausprobiert, ein Drittel der Bevélkerung tibt diese Sportart regel- maBig (3 mal pro Woche) aus. Und auch in Deutschland erfreut sich Nordic Walking einer standig wachsenden Beliebtheit. Die Grunde hierftir liegen auf der Hand: Im Gegensatz zum normalen Walking fulhrt der Stockeinsatz zu einer gleichmaBi- gen Belastung des Kérpers, da neben der Bein- auch die Oberkérpermuskulatur bean- sprucht wird und somit 90 % aller Muskeln aktiviert werden. Einerseits die ideale Vorbereitung auf die Langlaufsaison, ist Nordic-Walking andererseits ideal zum Stressabbau und wird in Deutschland und der Schweiz bereits in Einzelfallen als Therapie fur Kreislauf- und Gelenkprobleme 4rztlich verordnet. Insgesamt ist Nordic-Walking durch den Stockeinsatz einerseits gelenkschonend und andererseits bis zu 50% effektiver als Walking ohne Stécke. Aus gesundheitlicher Sicht sind als Ziele die Verbesserung der kérperlichen Fitness und der aeroben Ausdauer, die Gewichtsreduktion, die Muskelkraftigung sowie eine Verbesserung der Koordination zu nennen. Eine Ubersicht Uber die gesundheitli- chen Aspekte des Nordic-Walkings stellt die folgende Aufzahlung dar (Quelle: INWA - International Nordic Walking Association). ! | 5 Nordic-Walking... e ist bis zu 40-50 % effektiver als Walking ohne Stécke e ist sehr leicht und schnell erlernbar e trainiert die aerobe Ausdauer und kraftigt gleichzeitig die Oberkérper- muskulatur e lést Muskelverspannungen im Schul- ter- und Nackenbereich e verbessert die Herz-Kreislaufleistung e entlastet den Bewegungsapparat um bis zu 30 % und ist daher besonders geeignet flr Personen mit Knie- und Ruckenproblemen e ist die am besten geeignete Out- doorsportart fur Personen mit Knie- und Ruckenproblemen e ist die am besten geeignete Outdoor- sportart fur die Rehabilitation nach Sportverletzungen steigert den Kalorienverbrauch (Ver- gleich: Walking 280 Kcal/h, Nordic- Walking 400 Kcal/h) e ist das optimale Outdoortraining zur Gewichtsreduktion e steigert durch den aktiven Einsatz der Atemhilfsmuskulatur die Sauer- stoffversorgung des gesamten Orga- nismus e vermittelt ein sicheres Laufgefthl auch auf glattem Untergrund Nordic-Walking stellt daher auch ein ideales Erganzungsangebot flr Wintersport- orte dar, da es nicht an Schnee gebunden ist und eine breite Zielgruppe anspricht. Dartiber hinaus ist das Nordic-Walking keinen jahreszeitlichen Beschrankungen unterworfen und wird vor allem im Sommer ausgeubt. Nachdem das Nordic-Walking im Naturpark Stdschwarzwald bereits ver- einzelt kommerziell angeboten wird und diese Sportart weiter boomt, werden im Rahmen dieser Empfehlung, vor dem Hin- tergrund der Naturpark-Leitlinien und unter Berucksichtigung der sportwissenschaft- lichen Grundlagen der Sportart Nordic- Walking, naturparkweite Standards fur die Planung, Markierung und Umsetzung von Nordic-Walking-Strecken definiert. a’ ¢ Das Bedurfnis nach markierten Stre- cken flr das Nordic-Walking besteht wie bei den Wanderwegen grundsatzlich auch im Winter. Das in Artikel 2, Absatz 1 des Grundgesetzes (GG) der Bundesrepublik Deutschland jedem Burger garantierte freie Betretungsrecht der Natur enthalt keine Ein- schrankungen hinsichtlich der Jahreszeiten, ftir welche es gelten soll. Auch im Bundes- waldgesetz (BWaldG) finden sich keine jah- reszeitlichen Regelungen, sondern lediglich die Zweckbindung (Erholung) sowie das Handeln auf eigene Gefahr beim Betreten des Waldes. Grundsatzlich sollten Nordic- Walking-Strecken wie die Wanderwege méglichst gefahrios dffentlich begangen werden kénnen. Offensichtlich wurde im Rahmen der bisherigen Gesetzgebung der Bereich des Wanderns lediglich im Sommer angesiedelt und nicht im Winter mit schnee- und eisbe- deckten Wegen. Sofern sich Trager wie beispielswei- se der Schwarzwaldverein e.V. flr den Bereich Wanderwege oder andere Inte- ressengemeinschaften wie z.B. Kur- und Verkehrsvereine, Stadte oder Gemeinden bereit erklaren, die Verantwortung beztig- lich Planung, Anlage, Unterhalt und Markie- rung zu Ubernehmen, kénnen Strecken fur das Nordic-Walking markiert werden. SSS ad Da das Nordic-Walking eine Ganzjah- resaktivitat darstellt, ist die Wegweisung in diesem Bereich das ganze Jahr Uber angebracht. Nordic-Walking-Strecken werden grund- sAtzlich als Rundkurse angelegt und mit einer einheitlichen, sich von den herké6mm- lichen Wanderwegweisern deutlich abhe- benden, auffalligen Farbe gekennzeichnet, um auch bei schlechter Sicht eine Orien- tierung mdglich zu machen. Die Strecken werden so von den Nordic-Walkern einheit- lich und unmissverstandlich erkannt und mussen sich nicht an den Routenverlaufen der Wanderer orientieren. Ebenso werden die Rundstrecken wie Loipen in der Regel nur in eine Richtung ausgeschildert. Die Klassifizierung der Strecken orien- tiert sich grundsatzlich an Streckenlange und Héhendifferenz. Es werden blaue, rote und schwarze Strecken ausgewiesen. Verlaufen Nordic-Walking-Strecken entlang bereits ausgewiesenener Sommer- wanderwege, so kénnen deren Befesti- gungselemente (Rohre und Pfosten) mit- verwendet werden. Markierungsfarbe Die Nordic-Walking-Strecken werden zur Gew&ahrleistung einer guten Erkennbar- keit und zur Vermeidung einer zu groBen Schildervielfalt im Raum in Anlehnung an die Beschilderung der Mountainbike- Routen im Naturpark SUdschwarzwald ausgewiesen (gleiche Farbgebung). Um eine Verwechslung zwischen den Moun- tainbike-Schildern und den Nordic-Walking- Schildern auf gréBere Entfernung zu vermei- den, sind die Nordic-Walking-Schilder rund (Durchmesser 200 mm). Die Rundform mit Durchmesser 200 mm wird fur alle Beschilderungen der ,neuen/ innovativen” Sportarten im Naturpark eingefUhrt bzw. festgelegt (Nordic-Walking, Schneeschuh- laufen, Skitourengehen, Winterwandern). Die Schilder werden als blauer Druck (RAL 5015 ,Himmelblau”) auf gelbem Hintergrund (RAL 1023 ,,Verkehrsgelb”) ausgefuhrt. In Anlehnung an die Zielsetzungen des Naturparks SUdschwarzwald sollten bei Art und Ausftihrung der Beschilderung neben Kriterien wie Haltbarkeit, Belastungsfahig- keit oder Diebstahlsicherheit auch Aspekte wie Energiebilanz und Recyclingfahigkeit Beachtung finden. Daher werden die Schil- der in Form von Aluminiumplatten ent- sprechender GréBe und Materialstarke aus- gefuhrt. Einerseits spricht hierfur die hohe Stabilitat und andererseits die Méglichkeit des Recycling Uber das Einschmelzen. Zur Markierung der Nordic Walking Strecken werden die bereits beschriebe- nen Rundschilder mit 20 cm Durchmesser verwendet (vgl. Abbildung im Anhang). Sie enthalten das Piktogramm_ ,,Nordic Walking”, einen Richtungspfeil und die farb- liche Markierung der Streckenschwierigkeit (blaues, rotes oder schwarzes Rechteck). Laufen Strecken zeitweise parallel, so wer- den beide Streckenschwierigkeiten ange- geben. Weiterhin ist auf den Schildern das Naturpark-Logo und das DSV-aktiv-Logo enthalten. Nach der Halfte jeder Strecke ist ein »Halbzeit-Schild” anzubringen, auf dem die noch zurickzulegende Strecke angegeben wird. Dieses rechteckige Schild hat eine GréBe von 30x 18cm. Die Markierungen verbleiben das ganze Jahr an den jeweili- gen Standorten. Druckvorlagen ftir die Schilder mit den Definitionen fur Farbgebung, Schrift- art- und gréBe, Piktogrammen und exak- ter Positionierung sind Gber den Naturpark erhaltlich. Im Rahmen der Streckenfestlegung ist ein digitaler Beschilderungsplan zu erstellen (vgl. Beispiel im Anhang). In diesem ist jeder Schilderstandort fotogra- phisch dokumentiert. Weiterhin sind fol- gende Angaben enthalten: Fortlaufende Nummer, Entfernung vom Start, Art des Schildes (Richtung und Schwierigkeitsgrad), Hinweise zur Befestigung. Ein solcher Beschilderungspian ist notwendig, um eine effektive und eindeutige Ausschilderung der Strecken zu gewahrleisten. Gleichzeitig wird er zur jahrlichen Uberpriifung der Strecken- beschilderung herangezogen. Eventuell zer- storte oder abhanden gekommene Schilder kénnen so schnell und sicher erhoben wer- den und ein Ersatz angefordert werden. i i : i i | sa Starttafel Die Nordic Walking Strecken Gemeinde sollten in der Regel an einem Hier gibt Informationen Uber das einer zentralen Punkt beginnen. eine Starttafel Streckenangebot (Lage, Lange, Schwie- rigkeit, Profile), die richtige Nordic Walking Technik, sowie gezielte Ubungen zum Aufwarmen und Stretchen. Die GréBe der Starttafeln betragt 84x 119cm (DINAO), das Layout ist im Anhang dargestellt. Als Tragergertist haben sich optisch ansprechen- de Holzkonstruktionen (z.B. aus Douglasie, vgl. Foto) bewahrt. Bei der Herstellung der Tafeln ist auf Wetterbestandigkeit zu achten. Die Streckenkarte selbst sollte auf Grundlage einer Topographischen Karte im MaRstab 1:25.000 dargestellt werden (vgl. Anhang). Lizenzrechte sind diesbezuglich mit dem Landesvermessungsamt abzustim- men. Gleiches gilt auch fuir den Fall, dass die Streckenkarten in Flyern oder fur die Darstellung im Internet verwendet wer- den. Bei der Darstellung der Profile sollten zusatzliche technische Streckenparameter angegeben werden. Ebenso sollten die An- und Abstiege farblich unterschiedlich dargestellt werden (vgl. Anhang). An einem geeigneten Standort entlang jeder Strecke ist zudem eine _,,Pulstafel” anzubringen, die Uber das richtige Puls- messen, eine angepasste Nordic Walking Geschwindigkeit und Stretchingubungen Hinweise gibt. Als Standort bieten sich Stationen nach langeren Belastungsphasen / Anstiegen an. Diese sollten sich auch in etwa nach der Halfte der zurickgelegten Strecke befinden und nach Méglichkeit auch land- schaftliche Anreize (z.B. schéne Aussicht) bieten. Die GréBe der Pulstafeln betragt 70 x 100 cm. Das Layout richtet sich nach den Vorgaben im Anhang. Als Tragergeriist haben sich wie bei den Starttafeln optisch ansprechende Holzkonstruktionen mit Dach bewahrt. Nordic-Walking-Strecken werden in Anlehnung der aus dem Skisport hinlanglich bekannten Einteilung von Schwierigkeiten ansteigend von blau (leicht) Uber rot (mittelschwierig) nach schwarz (schwierig) klassifiziert. Die Ausweisung von speziellen Strecken stellt vor allem in Zusammen- hang mit den Informationsangeboten im Bereich der Strecken (Anleitung zur Technik des Nordic Walking, Ubungen zum Aufwarmen und Stretchen sowie Anleitung zum Pulsmessen) und den sporttouristischen Serviceeinrichtungen (Kurse, Materialverleih) fur den Sportler eine umfassende Méglichkeit dar, diese vergleichsweise neue Ausdauersportart gezielt zu erlernen und auszutiben. Beim gezielten Training wird die Herzfrequenz als MaB fur die individu- elle Belastung herangezogen. Unter Berticksichtigung des angestrebten Trai- ningsbereichs: e Gesundheitsbereich: Sie treiben selten Sport und wollen etwas fur Ihre Gesundheit tun. e Fitnessbereich: Sie treiben regelmaBig Sport (2-4 mal/Woche) und wollen Ihre Fitness verbessern. ° Profibereich: Sie betreiben nahezu taglich Aus- dauersport und wollen Ihre Leistung verbessern. ist anhand von Tabellen festzustellen, ob sich der Nordic Walker entsprechend seines Alters im richtigen Nordic-Walking- Tempo bewegt. Liegt er oberhalb der angegebenen Grenzwerte, sollten die Geschwindigkeit etwas reduziert werden. Sofern er unter- halb der angegebenen Grenzwerte liegt, sollte er etwas zUgiger Walken. Durch die nach den Belastungsphasen positionierten Pulsmessstationen entlang der ausgewiese- nen Nordic-Walking-Strecken werden die Nordic Walker fur diese Thematik sensibi- lisiert und die ideale Gehgeschwindigkeit kann individuell ermittelt werden. Im Gegensatz zum Skilanglauf las- sen sich daher beim Nordic Walking durch Reduktion der Geschwindigkeit auch steilere und langere Anstiege bewailtigen. Ma8geblich ist die individu- elle Gehgeschwindigkeit im angestrebten Trainingsbereich. Es ist daher sinnvoll eine Auswahl verschiedener Strecken anzubieten, die sich hinsichtlich der Lange und des Gesamt- anstieges voneinander unterscheiden. Mit Hilfe der Pulsmessstationen kann somit die individuelle Gehgeschwindigkeit auch in unterschiedlichem Terrain ermittelt wer- den. Die folgenden Parameter zur Strecken- homologierung wurden an der Deutschen Sporthochschule Kéln in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Skiverband anhand umfangreicher Profilanalysen und leistungs- diagnostischen Untersuchungen ermittelt. arzwald « Streckenlange Die Langen der ausgewiesenen Nordic Walking Strecken liegen im optimaien Falle zwischen 2,5 und 10 km. Im Hinblick auf den Schwierigkeitsgrad sollten 2,5 bis 5,0 km, 5,0 bis 7,5 km, 7,5 bis 10 km lang sein. leichte Strecken: mittelschwierige Strecken: schwierige Strecken: Gesamtanstieg Der Gesamtanstieg stellt die Summe (Hdhenmeter) aller Anstiege, das heiBt der Streckenabschnitte mit positiver Steigung, dar. Die Nordic Walking Strecken sollten einen Gesamtanstieg zwischen 50m und 400 m aufweisen. Im Hinblick auf den Schwierig- keitsgrad sollte der Gesamtanstieg von leichten Strecken: 50 bis 100 m, mittelschwierigen Strecken: 100 bis 200 m, schwierigen Strecken: 200 bis 400 m betragen. Hoéhendifferenz Der Héhenunterschied dem héchsten und niedrigsten Punkt zwischen im Streckenverlauf sollte zwischen 40 und 240 m liegen. Im Hinblick auf den Schwierigkeitsgrad Schwierigkeitsgrad der Strecke sollte die Hdhendifferenz bei leichten Strecken: 40 bis 80 m, mittelschwierigen Strecken: 80 bis 160 m, 160 bis 240 m betragen. Entscheidend ist dabei vor allem das Verhaltnis von Héhendifferenz zum Gesamtanstieg, d.h. die Hdhendifferenz sollte deutlich kleiner sein als der Gesamt- anstieg. Dadurch wird vermieden, dass die Strecke durch einen einzigen (monotonen) schwierigen Strecken: Anstieg dominiert wird. Die Héhendifferenz kann vor allem als Referenzwert bei der Konzeption der Strecken herangezogen werden, um — ausgehend von einem fixen Startpunkt — zu berprufen welche Punkte bzw. Héhenlagen erreicht werden k6nnen. Hoéchstanstieg Als Héchstanstieg wird der Anstieg mit der gréBten Hdhendifferenz bezeich- net. Um zu vermeiden, dass die Strecken durch lange monotone Anstiege domi- niert werden, sollte der Héchstanstieg nur in Ausnahmefallen mehr als 75% des Gesamtanstieges ausmachen. Entsprechend den zuvor gemachten Angaben setzt sich der Schwierigkeitsgrad der Nordic Walking Strecken aus der Lange, dem Gesamtanstieg und der Héhendifferenz zusammen. Es ergeben sich die folgenden Richtwerte zur Unterscheidung in blaue, rote und schwarze Strecken: Gesamtanstieg [m] Héhendifferenz [m] Schwierigkeitsgrad Lange [km] 2,5 bis 5,0 5,0 bis 7,5 Schwietlg 7,5 bis 10 i | | i | 50 bis 100 40 bis 80 100 bis 200 80 bis 160 200 bis 400 160 bis 240 Die Planung von Nordic-Walking- ° Zur Konfliktminimierung mussen bei der Strecken ist méglichst fruhzeitig im kon- struktiven Dialog aller Interessensgruppen (Forstamter, Grundstucksbesitzer, Jagdpach- ter, Naturschutzverbande und zustandige Fachbehérden, Sportvereine, Tourismus, kommerzielle Anbieter) abzustimmen. Ein Bestandteil ist die Ermittlung von Konflikt- potenzialen, die Festlegung von MaBnah- men zur Vermeidung beziehungsweise Mini- mierung mdglicher Konflikte und damit die Prifung méglicher LenkungsmaBnahmen durch eine abgestimmte StreckenfUhrung. Die Ergebnisse dieses Abstimmungspro- zesses werden in gemeinsamen Aktionen und Materialien propagiert, begleitet von Offentlichkeitsarbeit in den allgemeinen Medien, den Outdoor- und Wander- bezie- hungsweise Trekking-Fachzeitschriften und den Organen der beteiligten Institutionen (Deutscher Skiverband, Tourismusverbande, etc.). Das Angebot von markierten Stre- cken fur das Nordic-Walking sollte keine isolierte Initiative sein, sondern bereits aus wirtschaftlichen Gruinden und Marketing- aspekten in das touristische Angebot einer Region integriert werden. Hierzu gehdrt es auch, eine umweltfreundliche Anreise mit 6ffentlichen Verkehrsmitteln zu ermdgli- chen und gezielt zu bewerben. Bei der Planung von Nordic-Walking- Strecken beziehungsweise von Strecken- netzen in diesem Bereich sind daher fol- gende Aspekte zu berticksichtigen: ° Wegekonzeption alle Interessensgruppen fruhzeitig beteiligt und dkologische und soziale Aspekte berticksichtigt werden. Die endgiltige Planung und Umsetzung der Streckenfithrung und der Beschilderung muss abgestimmt sein. Streckenauswahl und Umsetzung kénnen auf der regionalen Ebene optimal mit Hilfe eines Geographischen Informations- systems (GIS) geplant werden: Alle rele- vanten Raumdaten k6énnen dberlagert, sportbezogene Parameter bestimmt und Konflikte erkannt und minimiert werden. Die Durchgangigkeit der Beschilde- rung muss im ganzen Naturparkgebiet gewéhrleistet sein. Sie untersttitzt die Wiedererkennung und sofortige Orientierung der Nordic-Walker, beugt gefahrlichen Verwechslungen vor und lasst sich effektiver touristisch vermarkten. Die Strecken mUissen den beschriebenen sportlichen Anforderungen gentigen. In der Regel sollte jede Gemeinde von einem zentralen Startpunkt aus je eine blaue, rote und schwarze Strecke ausweisen. Entlang jeder Strecke ist eine Pulsmess- station anzubringen. Die Position der Tafel ist mit der Gemeinde, dem Forst und dem Grundstickseigenttimer abzustimmen. Zur exakten und effizienten Profilver- messung bietet sich der Einsatz hoch- auflésender GPS-Systeme an. Weiterhin ist die Profilerhebung auch mittels hoch- wertigen und digital aufzeichnenden Héhenmessern in Kopplung mit einer Entfernungsmessung durchfuhrbar. Die Schilderstandorte mussen fotographisch in einem digitalen Beschilderungsplan idschwarzwald« verzeichnet sein, der Zusatzangaben zur Entfernung vom Start, sowie der Schilder- und Befestigungsart enthalt. Gleichzeitig empfiehlt es sich, die Lage der Schilderstandorte in einem Geographischen Informationssystem zu erheben und zu verwalten. ® Streckenkarten im MaBstab 1:25.000 sollen zusdatzlich touristische Informationen und Héhenprofile enthalten. ° Die auszuschildernden Wege_ sollen zielgruppenorientiert bearbeitet wer- den: Die Ausweisung aller Strecken erfolgt als Rundkurse, getrennt nach Schwierigkeitsgraden, in Abhangigkeit von Zeitbedarf und Héhenprofilen. ° Auch ortsfremde Nordic-Walker mUssen sich auf Anhieb ohne Karte anhand der Wegweiser orientieren kénnen. ° Die Strecken sollen auf moglichst natur- belassenen, nichtasphaltierten Feld-, Wald- und Wanderwegen in naturnahen, wenig zersiedelten Raumen angelegt werden. Ausblicke und vielfache Wechsel der Landnutzung machen die Strecken attraktiver. Die Ausweisung von Strecken ftir das Nor- dic-Walking fuihrt zu positiven Lenkungs- und Bundelungseffekten sowohl aus der Sicht des Sports und des Tourismus als auch aus der Sicht des Naturschutzes. Zur Komplettierung des Angebots ist ein Stockverleih sinnvoll. Ebenso ist das Anbieten von Schnupperkursen und regelmaBigen Nordic-Walking-Treffs win- schenswert. Die Ausbildung von qualifizier- ten Nordic Walking Instructoren wird zum Beispiel vom Deutschen Skiverband ange- boten. Fur den Schwarzwald ist hierfUr das DSV-Nordic-activ-Ausbildungszentrum Herzogenhorn-Feldberg zustandig. © Nordic-Walking-Wegweiser ftir die Markierung von Nordic-Walking-Strecken im Naturpark SUdschwarzwald und Halbzeit-Schild mit Angabe der noch zurUckzulegenden Entfernung e Layout-Beispiel flr die Start- bzw. Eingangstafel ¢ Layout-Beispiel fur die Pulstafel e Beispiel fur eine Holzkonstruktion zur Befestigung der Start- bzw. Pulstafeln ¢ Detail: Profildarstellung und Legende © Detail: Streckenkarte auf Grundlage der Topographischen Karte im MaBstab 1:25.000 mit Zusatzangaben ¢ Beispiel fir eine Seite eines digitalen Beschilderungsplanes e Mustervereinbarung zwischen Gemeinden und privaten GrundstUcksbesitzern Uber die Mitbenutzung von Privatgrundstticken im Rahmen der Ausweisung von Nordic-Walking-Strecken. _ ecuraark | Sildscliwarewald ev. - Haturperk: Sldschwarewald ov, Nordic-Walking-Wegweiser an Wegkreuzungen entlang des Streckenverlaufes mit Richtungspfeil und farblicher Darstellung des Schwierigkeitsgrades Halbzeit-Schild mit Angabe der Rest-Entfernung Layout-Beispiel fur die Start- bzw. Eingangstafel Beispiel far eine Holzkonstruktion zur Befestigung der Start- bzw. Pulstafeln | ie Bredeee Nordic Walking Zentrum Autwarme Nordic Walking Ghersichiskart hy yan Ly at a da ee, Azad te fot eomaiet 4 ate Past teens, ripen Hs be fabth tan hao aha ed te retchin: Nordic Walking Technik hte preteen pheckop rete Ege logentin tobe een. eta ee et bs Naturpark fidschwarzwald __. Nardic Walking. Stack: siege hex wha rt paged ts: od paoentngten tart fi Pena eF medyAL EMEP pe 3S Layout-Beispiel fur die Pulstafel Nordic Walking Zentrum Pulsmessung und Stretching ‘Der Pubs ist ie am einfarhsten nd schmalls- Suretehinglbupgen zim Wohlfuhten; ten nd erlascenade Memarbfe, uum die Indi: Suchen Sie sich nath det Pulsmsssurg Yer oun. “cridvglle Beansrichung au bebverten. Aus ‘ganides am ineiston beanipcuchten Maskelpaiti- dem Ergelmis dat Fulsinesuing Kernen Sie gh aus, Jede Ubung 20-39 secin der Endisthing ahrekt eli RUskechiea aol dhe tichtiges haben tach usin Nordic Waren saliten Sie aus. otic Walking Teaspso zichent ‘ylehig dha Muskutatuc dehnen (alle Obungen), Stretching Pulsmessun eres ‘reba Fodor tnd ab fobs were wept sap ech Bt Ack te fe an een 4 et Baro oh ete ‘Cas be gy fparte tate ata katy atten fa ati Soca Gee harry tart tencrdin Wtphrmre: Pa de Fe heleret ee Ea foreaerio Aa beet ARE Roy Wir donken. 188 £0 00m TC: 465.4 m, HO: 63.0. | Langa 7.0500, TE 983.8 ca; MO 187.0 mi 4101 sv 1480 = qo 1400! ote 383 @) ¥9289 $200" , Detail: Station / Tafel zum Pulsmessen und Stretchen Profildarstellung und Legende " TJourenstartpunkt / / Eingangstafei (ais ‘ We 1 t ‘ Feldberg-Herzoganhorn Schwierigkeitsgrad der Tour (Karte) women Leichte Tour resmreneencaes Mittelschwierige Tour emia Schwlerige Tour Topographie (Profil) Anstieg Kupiertes Gelande Hhendifferenz unter 10 m Abstieg Te: Gesamtanstieg (mj Summe der Héhenmeter aller Steigungen HD: Hohendiffereng [Mm] Bifferenz zwischen héchstem und niedrigstem Punkt AWG Detail: Streckenkarte aut Grundlage der Topographischen Karte im MaBstab 1:25.000 mit Zusatzangaben dts oa ere erns : 4 rs oe a < By Stockverleih Bergtour-Center, Hotel Feldberger Hof seas RT REG Schwierige Tour: Feldberg- Herzogenhorn A 86 83. 19009 ca RG 200 Siundage: ‘Topographische ‘gate 1:25,000, 2603, he 2851.24 DIz304 mit Bacon. “Witte any (ove bw.de) Mittelschwierige Tour: Kleine Feldbergtour 4 400 600 800m Le - Late " 4 Aon taiitentop} +4815 f 5 ca . Strecke Schild- (km ab Art! Montage / Bemerkungen Foto Nr. Richtung Start) 13 2,68 we an Wanderwegweiser; diesen aufrichten bzw. & > ermeuermn 14 & Trennung der schwarzen Tour von der roten und blauen & a Halbzeitschild rote Tour Halbzeit t tot & Halbzeit- Schild rot 45 3,04 ne an bestehenden Wancderwegweiser; im vgl. Zum Foto Schild leicht > nach rechts verdrehen 16 3,13 B Anbringung der Schilder an & den Pfosten der Stationstafel; 17 & > bestehendes Spielplatzschild Stations- entfernen und weiter rechts tafel neu aufstellen & Trennung der roten und der blauen Tour a 18 3,42 neuer Pfosten Beispiel fair eine Selte eines digitalen Beschilderungsplanes Vereinbarung zwischen der Gemeinde im Naturpark Siidschwarzwald und dem Eigenttimer/Bewirtschafter (Anrede) (Vorname) (Ort) wegen der Fithrung einer Nordic-Walking-Strecke Uber die Grundstticke, Flursttick — NT der Gemarkung im Naturpark. Vorbemerkung: Die Gemeinde im Naturpark Stdschwarzwald betreibt als Service fur Gaste und Einheimische Nordic-Walking-Strecken, die zum Teil tiber Privatwaldgelande sowie Uber private landwirtschaftliche Flachen fiihren. Die Privatbesitzer gestatten die Erhaltung der Wege fur das Nordic-Walking unter der Voraussetzung, dass die Gemeinde sich verpflichtet, durch hinreichend wahrnehmbare Beschilderung daftr Sorge zu tragen, dass sich die Benutzer der von den Land- und Forstwirt-schaftswegen ausgehenden Gefahren bewusst sind und so Schadensfalle méglichst vermieden werden. Die folgende Vereinbarung setzt voraus, dass jeder Privateigenttiimer beziehungsweise Land- und Forstwirt eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen hat, die das Risiko aus Haus- und Grundbesitz sowie der Bewirtschaftung abdeckt. Zur Haftungsregelung zwischen der Gemeinde und dem jeweiligen Privatbesitzer bezie- hungsweise Land- und Forstwirt wird nachfolgende Vereinbarung geschlossen: a a \warzwald« 81 Die Gemeinde tragt als Betreiber der Nordic-Walking-Strecken die Verkehrssicherungs- pflicht sowie die sich hieraus fir die spezielle Benutzung durch Nordic-Walker ergebende Unterhaltslast. Sie Ubernimmt die Verkehrssicherungspflicht fur die privaten land- und forstwirtschaft- lichen Flachen, die an die beschilderten Nordic-Walking-Strecken angrenzen, soweit von diesen erkennbare atypische Gefahren fur die Benutzer der Nordic-Walking-Strecken aus- gehen, mit denen diese nicht rechnen mUssen. §2 Die Gemeinde ist verpflichtet, vor Ausweisung des oben genannten Weges flr das Nordic-Walking, die erforderlichen behdérdlichen Bewilligungen auf ihre Kosten einzu- holen sowie die gesamte Strecke unter Einbeziehung von zertifizierten Nordic-Walking- Trainern beziehungsweise Sportwissenschaftlern periodisch zumindest einmal jahrlich vor Saisonbeginn auf ihre Eignung und Klassifizierung hin zu Uberpriifen. Vor Gefahren- stellen entlang der Strecke ist durch entsprechende Hinweisschilder zu warnen. §3 Die Gemeinde Ubernimmt die gesetzliche Haftungspflicht des Privatbesitzers beziehungs- weise Land- und Forstwirts, soweit aus der Bewirtschaftung Gefahren fiir den Nordic- Walker herrUhren und kein Versicherungsschutz Uber die Haftpflichtversicherung des Privatbesitzers beziehungsweise Land- und Forstwirts besteht. Die Gemeinde stellt die privaten Eigenttimer beziehungsweise von ihnen beauftragte Dritte von etwaigen Haftungsanspriichen Dritter ftir Schaden frei, die im Zusammenhang mit dem Betrieb der Nordic-Walking-Strecken einschlieBlich der in diesem Zusammenhang der Gemeinde obliegenden Verkehrssicherungspflicht fur die angrenzenden Flachen stehen. Fur den Fall der eigenen Inanspruchnahme verzichtet die Gemeinde auf die Geltendma- chung von Rickgriffsansprichen gegen die Privateigentimer oder deren Beauftragten. Die Haftung der privaten Eigentumer beziehungsweise von ihnen beauftragte Dritte fur Vorsatz und grobe Fahrlassigkeit bleibt von dieser Haftungsfreistellung beziehungsweise diesem Verzicht unbertihrt. Die Nichteinhaltung der Unfallverhdtungsvorschriften der Berufsgenossenschaft hat nicht automatisch grobe Fahrlassigkeit zur Folge. Die Gemeinde hat bei Vertragsabschluss nachzuweisen, dass eine ausreichende Haft- pflichtversicherung besteht, durch welche die vertragliche Haftungsubernahme und die Freistellungsanspriche gedeckt werden. (Datum) (Burgermeister) (Grundstickseigenttimer)

  • INOEK_Band_14_Fachbegriffe.pdf
    Fachbegriffe aus Natursport und Ökologie Deutsche Sporthochschule Köln Institut für Natursport und Ökologie Prof. Dr. R. Roth Carl-Diem-Weg 6 50933 Köln Tel.: 0221/ 4982-454 Fax: 0221/ 4982-848 E-Mail: roth@hrz.dshs-koeln.de I Vorwort Nicht alle Probleme, die sich bei der Konfliktlösung zwischen Landschaftsnutzung durch Natursport und den Zielen von Umwelt- und Naturschutz ergeben, sind wirkliche Sachprobleme. Oftmals erge- ben sich Verständnisschwierigkeiten, da Fachbegriffe unbekannt sind oder mit verschiedenen Sachinhalten gebraucht werden. Durch die Zusammenstellung und Definition relevanter Fachbegriffe aus der Diskussion um Natur- sport und Ökologie soll eine einheitliche Diskussionsgrundlage geschaffen werden. Es ist das Ziel dieses Kataloges, Missverständnisse und die davon ausgehenden Schwierigkeiten bei der Zusam- menarbeit von Personen, Verbänden und Verwaltungen zu reduzieren. Das Interesse an einer sol- chen Aufarbeitung erscheint sehr groß. Die Bearbeitung erfolgte in Seminaren der Deutschen Sporthochschule Köln. Dabei wurde besonde- rer Wert auf möglichst kurz gefasste Erläuterungen gelegt, die Missverständnisse ausräumen und zur sprachlichen Vereinheitlichung geeignet sind. Es ist geplant, diesen Katalog weiter auszubauen und gegebenenfalls eine Übersetzung ins Englische anzubieten. Prof. Dr. R. Roth Köln, im Oktober 2003 1 Abbau [dismantling, degradation, decompo- sition] = Zersetzung. Abfall [waste, litter, detritus, discard, refuse, garbage, srap] Umweltschutz: Bei der Produktion und beim Verbraucher anfallen- de feste, flüssige oder gasförmige Neben- stoffe (Reste), die infolge ihrer Beschaffen- heit, Konzentration, Größe usw. nicht mehr oder erst nach erneuter Aufbereitung (Re- cycling) verwertbar sind. Ökologie: Abge- storbene organische Substanz von Pflanzen und Tieren. Abfluss [outflow drainage, effluent, outlet, discharge, sink] Unter dem Einfluss der Schwerkraft auf und unter der Landoberflä- che sich bewegendes Wasser. Quantitativ: Wasservolumen aus einem Einzugsgebiet in einer Zeiteinheit. Abhärtung [hardening, induration, inure- ment] Prozess, bei dem die Widerstandsfä- higkeit gegenüber Extrembedingungen, z.B. Kälte oder Dürre, durch vorangegangene Erfahrungen mit den gleichen, aber weniger extremen Bedingungen erhöht wird. abiotisch [abiotic] = unbelebt. Ökolog. wirk- same Einflussgrößen der unbelebten Um- welt (z.B. Temperatur). abiotischer Faktor [abiotic factor] = unbe- lebte (physikal. und chem.) Einflussgröße in Ökosystemen, z.B. die Boden-, Wasser- und Luftverhältnisse. Abschlagsfläche [tee] Golfsport: Durch regelmäßigen Kurzschnitt und spez. Dün- gung extrem gepflegter Rasen, der den Spielbeginn für eine Golfbahn darstellt und damit ein hindernisfreies Abschlagen des Golfballes erlaubt. Abtrag [denutation, erosion] Mit dem oberir- disch abfließenden Wasser in Hanglagen verlagertes Bodenmaterial und abge- schwemmte Stoffe wie Dünger, Ernterück- stände, Streu. Abtragung [erosion] Massenverlagerungen, die zum Ausgleich von Reliefunterschieden führen. Die A. setzt in der Regel an der Erd- oberfläche bei den Böden ein mit der häu- figen Folge einer Zerstörung der Bodenpro- file. Dabei lässt sich zw. flächenhafter (Denudation) und linienhafter A. (Erosi- on) unterscheiden. Die Agentien der A. sind Wasser, Wind und Eis, die sie bedingende Kraft ist die Gravitation. Kombinierte Kräfte treten außerdem bei der Meeresbrandung auf. Durch A. werden Oberflächenformen erniedrigt, aber auch herausgearbeitet. Abundanz [abundance] Zahl der Organis- men einer Population auf einer best. Flä- che, wobei die Populationsdichte sowie die Artendichte einbezogen sind. Adaptation [adaption] Genetisch bedingte Eigenschaft(en) eines Organismus, einer Art, einer Population, einer Lebens- gemeinschaft, welche die Fähigkeit zum Überleben (und zur Fortpflanzung) in den von ihnen bewohnten Lebensräumen er- möglicht. Anpassung (aktiv und passiv) der Organismen an ihre (unbelebte und belebte) Umwelt und deren Änderungen, mit dem Ziel, den vollständigen Ablauf der Lebensfunktionen zu gewährleisten. aerob [aerobic] = unter Luftzufuhr, mit Sau- erstoff lebend. aerober Abbau [aerobic degradation] Ab- bauprozess organischer Moleküle in einfa- che anorganische Bestandteile in Gegenwart von Sauerstoff. Ästivation [aestivation] = Übersommerung. Ruhezustand während des Sommers oder Trockenperioden. Agenda 21 [agenda 21] Agenda = das, was zu tun ist; 21 = das 21. Jahrhundert, d.h. das, was für das 21. Jahrhundert zu tun ist, um sich auf den Weg einer Nachhaltigen Entwicklung zu begeben. Zusammen mit den Vereinbarungen zum Rio-Protokoll wur- de auf der UNCED-Konferenz 1992 unter dem Motto „Global denken, lokal handeln“ eine Liste vom Maßnahmen und Aktivitäten aufgestellt, die unter dem Begriff „Agenda 21“ bekannt geworden sind. Es ist eine aus- führliche Sammlung von Handlungsweisun- gen zur Umsetzung der Übereinkommen von Rio de Janeiro (Klimarahmenkonvention und Übereinkommen über die biologische Vielfalt). Sie besitzt zwar keine Rechtsver- bindlichkeit, ist aber z.B. Vorbild für die Er- arbeitung von „Lokalen Agenda 21“. Agenda 2000 [agenda 2000] Beschlüsse zur Entwicklung der EU-Politik bis zum Jahr 2006 mit Reform der Agrar- und Struktur- politik. aggregierte Verteilung [aggregated distri- bution, ~ spreading] Verteilung von Or- ganismen, bei der die Individuen in best. Bereichen stärker gehäuft vorkommen, als es bei einer gleichmäßigen oder Zufallsver- teilung der Fall wäre. Akklimatisation [acclimatization] Auch Ak- klimation, ist die Gewöhnung der physiol. Reaktion eines Organismus an Umweltbe- dingungen. Akkumulation [accumulation] = Anreiche- rung, Anhäufung. Aktivenquote [quota of active participants, rate ~ ?] Gibt den Anteil derjenigen Ein- wohner aus der gesamten Einwohnerschaft an, die Sport treiben oder zukünftig ausü- ben wollen. Sie bilden die sog. sport-aktive Bevölkerung. 2 Allelopathie [allelopathy] = schädigende Unterdrückung andersartiger Pflanzen. allochthon [allochthonous] = nicht einheimi- schen Ursprungs, biotopfremd. Allokation [allocation] = Ressourcenauf- teilung (Reproduktionsaufwand). Alpenkonvention [convention alpine] = Übereinkommen zum Schutz der Alpen. 1991 anlässlich der zweiten internat. Alpen- konferenz in Salzburg von den Alpenstaaten unterschrieben und in Deutschland am 06. März 1995 in Kraft getreten. Alpiner Skisport [skiing] Überwiegend in den Alpenländern entwickelter Skisport, der folgende Disziplinen umfasst: Abfahrts- lauf, Slalom, Riesenslalom und Super- Riesenslalom. Altersklassenwald [age-class forest] = gleichaltriger, durch schlagweise Begrün- dung entstandener Baumbestand. Altholzinsel [special smaller areas with old trees] Altbaumgruppe in inselartiger Vertei- lung im Wirtschaftswald. amphibisch [amphibious] = im Laufe eines Lebenszyklus sowohl im Wasser als auch an Land lebend. anaerob [anaerobic] = unter Luftabschluss, ohne Sauerstoff lebend. anaerober Abbau [anaerobic degradation] Abbauprozess organischer Moleküle in ein- fachere anorganische Bestandteile in Abwe- senheit von Sauerstoff. Analogie [analogy] Art- bzw. systemtypische Merkmalsübereinstimmung auf Grund ver- gleichbarer Anpassungen bzw. Selekti- onsdrucke. Angeln [angling, fishing] = Angelfischerei, Fischfang mit der Handangel. anlagenbezogene Sportaktivität [site- oriented sports activity] Meint, dass die sportl. Aktivität in Zusammenhang mit ei- ner, meist baulichen, Anlage ausgeübt wird. Das ist nicht nur der Fall, wenn die jeweilige Sportart ohne eine Halle o.ä. nicht aus- kommt (Squash) bzw. ebenfalls oder vor- wiegend „drinnen“ betrieben wird (Basket- ball, Volleyball). Anlagenbezug liegt auch dann vor, wenn die sportl. Aktivität zwar nicht in einem Gebäude stattfindet, wohl aber best. Anlagen bedarf und von diesen ausgeht, wie etwa Reitsport (Stallungen) oder Flugsport (Start- und Landebahn). Ggs. nichtanlagenbezogene Sportaktivität. Anlagen-Contracting [energy equipment contracting] Auch Energieliefer-Contracting genannt, widmet sich vornehmlich der Er- satz- oder Ergänzungsinvestition von Ener- gieversorgungsanlagen, beinhaltet Finanzie- rung, Planung, Errichtung und Betrieb die- ser Anlagen und refinanziert sich aus Sicht des Contractors über fest vereinbarte Nut- zungsentgelte für die bedarfsgerechte Ener- gielieferung zumeist in Form von fest ver- einbarten Grund- und Arbeitspreisen für Wärme, Strom und Kälte. anoxisch [anoxic] = ohne Sauerstoff ablau- fend. Anpassung [adaption, adaptation, ad- justment, assimilation, fit] = Adaptation. Antagonismus [antagonism] = allg.: gegen- läufige Prozesse. Im Ökosystem: gegen- seitige Hemmung miteinander konkurrie- render Lebewesen, Wirkung von Präda- toren auf ihre Beute- bzw. Wirts- Orga- nismen. anthropogen [anthropogenic] = durch den Menschen verursacht. Anthropophilie [anthropophiliy] Tendenz gewisser Arten, sich als Kulturfolger in der Nähe des Menschen anzusiedeln und dessen Infrastruktur, z.B. Gebäude zu nutzen. Anthropozentrismus [anthropocentrism] = Ethik oder Weltsicht, bei der der Mensch (anthropos) im Mittelpunkt (artrum) steht. Man unterscheidet den moralischen und den wissenschafts- und erkenntnistheoretischen A. Eine Ethik ist anthropozentrisch im mora- lischen Sinn, wenn sie nur dem Menschen einen moralischen Status (Eigenwert, Wür- de) zugesteht und die Natur anschließend auf ihren Wert für den Menschen hin be- trachtet. Apnoe-Tauchen [apnoea diving] = ohne Atmung und meint beim A.-T. das bewusste Atemanhalten. Wettkampfdisziplinen sind Zeit-, Strecken- und Tieftauchen. aquatisch [aquatic] = im Wasser lebend. Arboretum [arboretum] = Gehölzsammlung. Teil eines Botanischen Gartens. Arborizide [arboricide] Giftstoffe zur Se- lektion der Baumartenzusammensetzung in der Verjüngungs- bis Stangenholzphase. Areal [area, range] = Verbreitungsgebiet von Tieren und Pflanzen. Geogr. abgegrenz- ter Raum, der von den Individuen (Po- pulationen) eines Taxons entsprechend ihrer Lebensansprüche bewohnt ist. Art/Spezies [species, nature, kind] Ge- samtheit der Individuen, die sich auf na- türl. Weise untereinander uneingeschränkt fortpflanzen und in allen typischen Merkma- len untereinander und mit ihren Nachkom- men übereinstimmen. Artengruppe [species group] Pflanzen- oder Tierarten mit gleichen/ähnl. Ansprüchen un- 3 ter ökolog. und/oder systematischen Ge- sichtspunkten. Artenreichtum [biodiversity] = Zahl der Arten einer Lebensgemeinschaft. Artenrückgang [decline of species] Bis Mitte der 70er Jahre war der Rückgang von Ar- ten und deren Lebensräumen unüberseh- bar, aber statistisch nur in geringem Um- fang erfasst. Dieser Artenschwund ist bis heute in erster Linie durch den Menschen verursacht und liegt etwa zehnmal höher als die natürl. Aussterberate. Mit der Einfüh- rung der Roten Listen der gefährdeten Pflanzen- und Tierarten in den 70er Jahren wurde erstmals eine fachl. fundierte Über- sicht über den Zustand der biologischen Vielfalt in Deutschland geliefert, aus dem sich der konkrete Handlungsbedarf im Be- reich des Artenschutzes ableiten lässt. Der A. konnte bisher allerdings nicht grund- legend gestoppt oder gar umgekehrt wer- den. Etwa ein Drittel aller Tier- und Pflan- zenarten sind immer noch gefährdet. In ei- nigen Tiergruppen, z.B. bei den Reptilien, liegt der Anteil der gefährdeten Arten mit fast 80% noch sehr viel höher. Mit dem Bundesnaturschutzgesetz soll eine deutli- che Wende erreicht werden. Artenschutz [protection of species, species preservation] Schutz von seltenen oder in ihrem Bestand gefährdeten Pflanzen- und Tierarten. Die geschützten Arten sind i.d.R. in den einschlägigen Rechtserlassen, die gefährdeten in den Roten Listen auf- gezählt. Artenvielfalt [biodiversity, species diversity, ~ richness, abundance of species, diversity ~] Ausdruck für die quantitative und quali- tative Artenzusammensetzung einer Bio- zönose. artgemäß [specific to the species in ques- tion] = artgerecht, d.h. den natürl. Ansprü- chen, Eigenschaften und Reaktionen einer Art entsprechend. Assimilat [assimilate] = Photosynthesepro- dukt, d.h. die energiereichen organischen Moleküle, die bei der Photosynthese pro- duziert werden. Atmung [breathing, respiration] = Respi- ration. Alle zur Erzeugung von Stoffwech- selenergie dienenden Prozesse. Audit [audit] Planmäßige, periodische und systematische Überprüfung von Zielen, Ak- tivitäten und Infrastruktur, mit dem Zweck, frühzeitig und umfassend Probleme zu er- kennen. Aue [lea] = morphol. bedingtes Über- schwemmungsgebiet eines Wasserlaufes. Ausbreitung [diffusion, dispersion, distribu- tion, spread, propagation] = Ausdehnung des Areals von Pflanzen- und Tierarten. Ausgleichsflächen [buffer areas] Flächen, die i.S. des §18 des BNatSchG zum Aus- gleich von Eingriffen genutzt werden. Ausgleichsmassnahme [compensatory measure] Maßnahme zur identischen Wie- derherstellung der durch Eingriffe beein- trächtigten Funktionen. Als gesetzl. Forde- rung ist ein Ausgleich im streng naturwis- senschaftl. Sinn durch eine sehr enge zeitl. und räuml. Bindung an den Eingriff häufig nicht möglich (Kompensation, Ersatz- maßnahme). Auslastungsfaktor [capital utilization factor, load factor] Gibt den Grad der zu erreichen- den Auslastung von Sportanlagen an. Ausstattung [equipment, furnishings] Die Gesamtheit von Einrichtungen (Bauten, An- lagen) in einem Gebiet, die dessen Nutzung erleichtern oder ermöglichen. Die A. eines Erholungsgebietes bilden z.B. die Erho- lungseinrichtungen. Aussterben [extinction of species] Zustand, der mit dem Tod des weltweit oder lokal letzten überlebenden Individuums einer Art, einer Gruppe oder eines Genes ein- tritt. autochthon [autochthonal, autochthonous] = bodenständig, einheimisch. Autökologie [autoecology] Teilgebiet der Ökologie. Sie untersucht die Beziehung einzelner Arten zu den verschied. Um- weltfaktoren. Sie stellt insbes. fest, unter welchen Bedingungen eine Art lebensfähig ist und wie ihre Anpassung an bestimmte Gegebenheiten ist. Autökolog. Kenntnisse bieten die Grundlage praktisch jeder umfas- senden Ökosystemanalyse. Autotrophe [autotrophe] Organismen, die von der Zufuhr organischer Nahrung von außen unabhängig sind und aus anorgani- schen Substanzen ihr eigenes organisches Material herstellen. Avifauna [avifauna] = Vogelwelt (lat. avis = Vogel und Fauna = Tierwelt). http://dict.leo.org/?p=/37m..&search=autochthonal http://dict.leo.org/?p=/37m..&search=autochthonous 4 Bagatellgrenze [buffer, minimum cession amount, ~ claims limit] Flächengröße der nach §30 BNatSchG pauschal geschützten Biotope, unterhalb der die Funktion als Lebensraum für typische Biozönosen dieses Biotoptyps fraglich erscheint. Ballon [balloon] B. waren die ersten Flugge- räte, mit denen Menschen in die Luft aufge- stiegen sind. Diese Luftfahrzeuge funktio- nieren nach dem Prinzip „leichter als Luft“. Für den Auftrieb sorgt entweder Gas (heute überwiegend Forschungsb.) oder Heißluft. Im Luftsport dominieren die Heißluftb. Ballonfahren [ballooning] Fliegen in einem Gas- oder Heißluftballon. Bannwald [protection forest, protected ~, closed ~, forest reserve] Allg.: In ihrer Aus- dehnung zur Aufrechterhaltung allg. Schutz- funktionen geschützte Waldfläche mit un- terschiedl. Nutzungsbeschränkungen bis zum Nutzungsverbot. Forstrechtl.: Rechts- begriff nach Wald- und Forstgesetzen der Bundesländer mit unterschiedl. Bedeutungs- inhalt. I.d.R. ist die Umwandlung des B. in eine andere Nutzung untersagt. Bauleitplanung [urban land use planning] Die von den Gemeinden durchzuführende städtebaul. Rahmenplanung schlägt sich nieder in Flächennutzungs- und Bebau- ungsplänen. Beeinträchtigung [impairment of nature or landscape] Neg. Auswirkungen auf die Leis- tungsfähigkeit des Naturhaltes oder das Landschaftsbild, die insbes. durch raum- bezogene Vorhaben und Maßnahmen her- vorgerufen werden. Zu den B. gehören u.a. die Umwidmung und Versiegelung von unbebauten und begrünten Flächen, die nicht auf Sparsamkeit und Nachhaltigkeit ausgerichtete Nutzung der Naturgüter, der Verlust der natürl. Fruchtbarkeit des Bodens, die Zerstörung wertvoller Land- schaftsteile durch den Abbau von Boden- schätzen, die Gefährdung der Selbstreini- gungskraft von Gewässer, die Schädigung der Vegetation durch Luftverunreinigung, die Zerschneidung und Verkleinerung der Lebensräume (Biotope) wild lebender Tiere und Pflanzen, der Verlust von Erho- lungsgebieten für den Menschen, insb. durch eine fortschreitende Landschaftszer- siedelung. Belastbarkeit [impact resistance, carrying capacity] = ökolog. Pufferkapazität. Ein Grundbegriff der Landschaftsökologie. Sie kennzeichnet die Fähigkeit von Organis- men, Populationen oder Ökosystemen, einen gewissen Grad von Belastung zu er- tragen, ohne sich zu verändern. Wird die Grenze der B. überschritten, bricht das be- troffene System zusammen, und es verliert seine Funktionsfähigkeit. Belastung [burdening, load, strain, stress] Durch Einwirkung des Menschen ausgelöste, normalerweise nicht auftretende Beeinflus- sung, welche die Funktionsfähigkeit eines Ökosystems oder seiner Bestandteile be- einträchtigt, die Nutzbarkeit vermindert, ei- nem normativ festgesetzten Sollzustand wi- derspricht oder seine Existenz gefährdet. Belegungsdichte [population density] An- zahl derjenigen Sportler in einer Sportart, die gleichzeitig auf einer Sportanlage Sport ausüben können. Bergsteigen [mountaineering] = Technik des Gehens (Bergwandern) und Kletterns in Fels oder Eis. Berichtspflicht [duty to report] Zusammen- fassende Darstellung des Standes, der Um- setzung oder der erteilten Ausnahmen und der durchgeführten Maßnahmen zur Kon- trolle von Schutzgebietssystemen. Berner Konvention [Bern Convention] Übereinkommen (1979) über die Erhal- tung der europäischen wildlebenden Pflan- zen und Tiere und ihrer natürl. Lebens- räume. Besatzdichte [edging density, trimming ~, stocking rate] Gewicht oder Anzahl der Weidetiere, die gleichzeitig auf einer best. Futterfläche weiden. I.ü.S. auch für genutz- te, wildlebende Tiere verwendet, z.B. für Wild und Fische. Beschneiungsanlagen [artificial snow blo- wer] Technische Geräte zur Erzeugung von sog. Technischem Schnee unter Verwen- dung von Wasser, Druckluft und Energie. Unterschieden werden Niedrig- (z.B. Schneekanonen) und Hochdruckanlagen (z.B. HKD-Lanzen). Die Schneeerzeugung beruht immer auf rein physikal. Prinzip und benötigt best. klimatische Außenbedingun- gen der Temperatur und Luftfeuchte. Die Produktion technisch erzeugten Schnees soll die Schneesicherheit auf Pisten gewähr- leisten und gilt bereits als Voraussetzung für den alpinen Wettkampfsport. Aus öko- log. Sicht werden insb. der Wasser- und Energieverbrauch, Lärmbelastung sowie die „unnatürliche“ Verlängerung der Skifahr- möglichkeiten sehr kritisch diskutiert. Vor- teile werden in der Sicherung der Boden- und Pflanzendecke durch ausreichende Schneedecken gesehen. besondere Schutzgebiete [Special Protec- tion Areas (SPA), Special Area of Conserva- tion (SAC)] Gebiete für das NATURA 2000 Schutzgebietsystem, die die b. S. (SPA) nach Art. 4 Abs. 1 der Vogelschutzrichtlinie (79/409/EWG) zum Schutz der wildleben- http://dict.leo.org/?p=/37m..&search=minimum http://dict.leo.org/?p=/37m..&search=cession http://dict.leo.org/?p=/37m..&search=amount http://dict.leo.org/?p=/37m..&search=minimum http://dict.leo.org/?p=/37m..&search=claims http://dict.leo.org/?p=/37m..&search=limit 5 den Vogelarten und ihrer Lebensräume und die b. S. (SAC) nach Art. 4 Abs. 4 der FFH-Richtline (92/43/EWG) beinhalten. Bestandserfassung [stocktaking, standta- king] Ökologie: Versuch, jedes Mitglied einer Population zu zählen. Besucherlenkung [visitor flow manage- ment] Unter B. werden Maßnahmen zur Be- einflussung von Besuchern in Bezug auf ihre räuml. und quantitative Verteilung sowie auf ihre Verhaltensweisen dem besuchten Objekt gegenüber verstanden. Diese sollen die touristischen Aktivitäten von sensiblen Räumen fernhalten bzw. versuchen, diese zu „kanalisieren“ oder in weniger empfindli- che Räume zu lenken. Betretungsrecht [right of public acces] Das B. umfasst die Befugnis, sich im Rahmen der Gemeinverträglichkeit zum Zweck der Erholung aufzuhalten, zu rasten und zu lagern. §56 BNatSchG (Betreten der Flur) regelt: (1) Das Betreten der Flur auf Stra- ßen und Wegen sowie auf ungenutzten Grundflächen zum Zwecke der Erholung ist auf eigene Gefahr gestattet. (2) Die Länder regeln die Einzelheiten. Sie können das Be- treten aus wichtigen Gründen, insbes. aus solchen des Naturschutzes und der Landschaftspflege, des Feldschutzes und der landwirtschaftl. Bewirtschaftung, zum Schutze der Erholung suchenden oder zur Wahrung anderer schutzwürdiger Interessen des Grundstücksbesitzers einschränken so- wie andere Benutzungsarten ganz oder teil- weise dem Betreten gleichstellen. (3) Wei- tergehende Vorschriften der Länder und Be- fugnisse zum Betreten von Teilen der Flur bleiben unberührt. betrieblicher Umweltschutz [operational environmental protection] = Umweltma- nagementsystem (UMS). Beute [prey] Ein Individuum, das potentiell von einem Prädator getötet und verzehrt werden kann oder tatsächl. getötet und ver- zehrt wird. BfN [Federal Nature Conservation Agency] = Bundesamt für Naturschutz. Das BfN ist ei- ne Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU). Es berät das BMU in allen Fragen des nat. und internat. Naturschutzes und der Landschaftspflege, fördern Natur- schutzprojekte, betreuen Forschungsvorha- ben und sind Genehmigungsbehörde für die Ein- und Ausfuhr geschützter Tier- und Pflanzenarten. Biathlon [biathlon] Doppelwettkampf aus Skilanglauf und Schießübungen, wobei das Kleinkalibergewehr mitgeführt wird. Fehlschüsse ergeben Strafzeiten oder Straf- runden. Bildung für eine nachhaltige Entwick- lung [education for sustainable develop- ment?] Versuch, die Mehrdimensionalität und den globalen Zusammenhang von Nachhaltigkeit in pädagog. Konzepte Ein- gang finden zu lassen. Konzeption von neu- en Bildungsprogrammen die ökonom., öko- log. und gesellschaftl. Aspekte von Umwelt- entwicklung im Zusammenhang mit globa- len Problemen berücksichtigt. Biodiversität [biodiversity] = biologische Vielfalt. Biodiversitätskonvention [biodiversity convention] Völkerrechtl. internat. Überein- kommen zum Schutz der biologischen Vielfalt, unterzeichnet auf dem Umweltgipfel in Rio de Janeiro (1992) „Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Ent- wicklung (UNCED)“. Bioethik [bioethics] Steht in Zusammenhang mit Problemen, die durch neue Entwicklun- gen in der Medizin und den biochem. orien- tierten Wissenschaften entstanden sind. Be- zogen auf die Biologie ergeben sich ethische Herausforderungen jedoch nicht nur aus neuen techn. Möglichkeiten, sondern von absehbaren Folgen der Eingriffe des Men- schen in die Natur. biogeographische Region [biographical region] Räuml. Bewertungsrahmen für die Auswahl der Gebiete von gemeinschaftl. Bedeutung nach der FFH-Richtlinie. Der- zeit sechs Regionen: kontinental (mitteleu- ropäisch), atlantisch, mediteran, alpin (Hochgebirgsregionen), marokanesisch (Ka- naren, Azoren, Madeira) und boreal. Bioindikatoren [bioindicators] = Indikator- organismen. Arten, deren Lebensfunktio- nen sich mit best. Umweltfaktoren so eng korrelieren lassen, dass sie als Zeiger dafür verwendet werden können. Aus ihrem Vor- kommen oder Fehlen sind Rückschlüsse auf best. Standorteigenschaften möglich, z.B. Bodenreaktion, Salzgehalt, Feuchtigkeit, Licht, Wärme, Wasser- oder Luftverschmut- zung. Bes. Bedeutung besitzen die B. für die Bewertung von Belastungen. biologische Vielfalt [biodiversity] Vielfalt der Lebensformen in allen ihren Ausprägun- gen und Beziehungen untereinander. Einge- schlossen ist die gesamte Bandbreite an Va- riation in und Variabilität zw. Systemen und Organismen der unten aufgeführten ver- sch. Ebenen sowie die strukturellen und funktionellen Beziehungen zw. diesen Ebe- nen, einschließl. des menschl. Einwirkens: ökolog. Diversität: Vielfalt von Biomen, Landschaften und Ökosystemen, bis hin zu ökologischen Nischen. Diversität 6 zw.Organismen: Vielfalt zwischen taxo- nomischen Gruppen wie Stämmen, Fami- lien, Gattungen bis hin zu Artenvielfalt. Genetische Diversität: Vielfalt von Popula- tionen über Individuen bis hin zu Genen und Nukleotidsequenzen. Biome [biome] Eine der großen Kategorien der verschied. Pflanzengesellschaften der Erde. BioMar [BioMar] Von der Europäischen Union unter LIFE gefördertes Projekt zur Klassi- fizierung und zum Schutz der marinen und Küstenlebensräume. Die Ergebnisse des Projektes schließen Lücken im CORINE bi- otopes-System und sollen in die paläarkti- sche Lebensraumklassifizierung eingehen. Biomonitoring [biomonitoring] Passives B.: Fortdauernde Beobachtung und Analyse von Bioindikatoren (Wild- und Kulturpflanzen am Wuchsort, Tiere in ihrem natürl. Habi- tat) zur Überwachung des Zustandes der Umwelt. Aktives B.: Exponierung von Bioindikatoren im Überwachungsraum und deren Beobachtung sowie Analyse. Biosphäre [biosphere] Der von Organis- men bewohnbare Raum der Erde, der die Gesamtheit der Ökosysteme umfasst. Biosphärenreservat [biosphere reserve] In geeigneter Weise geschütztes großflächiges Gebiet, das in ein globales Netz gleicharti- ger Schutzgebiete eingebunden ist. Es dient der Erhaltung der natürl. Entwick- lungsfähigkeit der zu schützenden Öko- systeme sowie zu Zwecken der Natur- schutzforschung und ist in ein internat. Sys- tem der Umweltbeobachtung eingebun- den. I.d.R. erfolgt eine Zonierung nach der Intensität der menschl. Eingriffe mit einer streng geschützten Kernzone (core area), einer Pufferzone (buffer zone) zur Abschirmung der Kernzone vor schädigen- den Einflüssen und einem Übergangsgebiet (transition area) mit traditionellen Nutzflä- chen, Testflächen für experimentelle For- schung und Sanierungsflächen. Biota [biota] = Gesamtheit der Tiere und Pflanzen, also aller Lebewesen an einem Ort. biotisch [biotic] = belebt. Ökolog. wirksame Einflussfaktoren der belebten Umwelt (z.B. Parasitismus). biotische Faktoren [biotic factors] Von Lebewesen ausgehende Einflussgrößen im Ökosystem. Biotop [biotope, habitat] = Ort (griech. to- pos) des Lebens (griech. bios). Ein gegen- über seiner Umgebung abgrenzbarer Le- bensraum mit charakteristischen Merkma- len, an dem best. Pflanzen und Tiere ihre artgemäßen Lebensbedingungen finden und eine Lebensgemeinschaft (Biozöno- se) bilden (synökolog. Begriff in Abgrenzung zu Habitat). Biotopkartierung [habitat maps] Erfassung und Beschreibung von Lebensräumen, die entw. vorwiegend unter den Aspekten der Seltenheit und Gefährdung ausgewählt (se- lektive B.) oder, z.T. unter Einbeziehung weiterer Kriterien, flächendeckend kartiert werden. B. kann sich auf Landschaftsräu- me erstrecken oder auf einzelne Landnut- zungsformen beschränken (z.B. Stadtbio- topkartierung, Waldbiotopkartierung). biotoplenkende Maßnahmen [?] Land- schaftspflegerische Maßnahmen zur geziel- ten Erhaltung oder Wiederherstellung best. Biotoptypen. Biotopmanagement [habitat management, biotope ~] Anwendung geeigneter Metho- den zur Erhaltung, Entwicklung oder Wie- derherstellung best., v.a. schützenswerter bzw. geschützter Lebensräume (z.B. Be- weidung von Wacholderheiden). Biotopschutz [biotope protection] Gesamt- heit der Maßnahmen zu Schutz und Pflege der Lebensräume von Pflanzen und Tieren in ihrer natürl. und hist. gewachsenen Viel- falt. Biotoptyp [type of biotope, type of habitat] = Gruppe gleichartiger oder ähnl. Einzelbio- tope. Biotopverbund [biotope network, ~ system, habitat network, habitat ~] Räuml. Verbin- dung von Biotopen, die den auf diese Lebensräume angewiesenen Lebensge- meinschaften Ausbreitung bzw. Austausch ermöglicht. Sie ist unmittelbar, wenn eine gemeinsame Grenze bzw. Übergangszone vorliegt, oder mittelbar, wenn lediglich funktionelle Beziehungen bestehen. Biotyp [biotype] = physiolog. Rasse oder Gruppe von Individuen, die best. geneti- sche Merkmale gemeinsam haben. Biozentrismus [biocentrism] Das Leben, seine Steigerung und Erhaltung in den Mittelpunkt aller Überlegungen stellen, alles Lebendige als wertvoll und alle Lebewe- sen als Moralobjekte zu betrachten sowie die Ehrfurcht und der Respekt vor dem Le- ben. Biozide [biocide] = chem. Substanzen zur Bekämpfung lebender Organismen. B. umfassen unter anderem Herbizide (ge- gen Pflanzen), Fungizide (gegen Pilze), Insektizide (gegen Insekten), Rodentizide (gegen Nager) usw. Biozönose [biocenosis, biotic community] = Leben (altgriech. bio) und gemeinsam (alt- griech. koinos), Lebensgemeinschaft. 7 Birdlife International [Birdlife Internatio- nal] Nachfolgeorganisation des International Council for Bird Preservation (Internationa- ler Rat für Vogelschutz) (ICBP/IRV). Birkenberg Wirtschaftsbedingte Förderung birkenreicher Pionierwaldstadien in Kombi- nation mit Waldfeldbau, Waldweide und Holzproduktion. BJG [federal hunting law] = Bundesjagdge- setz. Das Jagdrecht ist die ausschließl. Be- fugnis, auf einem best. Gebiet wildlebende Tiere, die dem Jagdrecht unterliegen (Wild) zu hegen, auf sie die Jagd auszu- üben und sie sich anzueignen. Mit dem Jagdrecht ist die Pflicht zur Hege verbun- den. Blaue Flagge [Blue Flag] Umweltzeichen, das an Badestellen und Sportboothäfen in Europa, Afrika und Amerika vergeben wird. Die Kampagne wird von der Stiftung für Umwelterziehung (FEE) in Kopenhagen ge- leitet und durchgeführt. Als Symbol für ho- he Umweltstandards sowie gute Sanitär- und Sicherheitseinrichtungen im Hafen- und Badestellenbereich ist dieses internat. aner- kannt. Die Auszeichnung basiert auf der Übereinstimmung mit den Kriterien: Was- serqualität, Umweltkommunikation und -erziehung, Umweltmanagement sowie Sicherheits- und Serviceaspekte. BMU [Federal Ministry for the Environment, Nature Conservation and Nuclear Safety] = Bundesministerium für Umwelt, Natur- schutz und Reaktorsicherheit. Am 6. Juni 1986 wurde das BMU gebildet. Es ist seit- dem innerhalb der Bundesregierung feder- führend verantwortlich für die Umweltpoli- tik des Bundes. Zum Geschäftsbereich des BMU gehören außerdem drei Bundesämter: das Umweltbundesamt (UBA), das Bun- desamt für Naturschutz (BfN) sowie das Bundesamt für Strahlenschutz. Darüber hinaus wird das Ministerium in Form von Gutachten und Stellungnahmen von mehre- ren unabhängigen Sachverständigengremi- en beraten. Die wichtigsten Beratungsgre- mien sind der Rat von Sachverständigen für Umweltfragen und der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen. BMV [Federal Ministry for Transport, Building and Housing] = Bundesministerium für Ver- kehr. BNatSchG [Federal Nature Conservation Act] = Bundesnaturschutzgesetz als Rahmenge- setz des Bundes für die konkrete Ausgestal- tung des Naturschutzes im Länderrecht. Boden [bottom, floor, base, solum, ground, soil] Die aus verwittertem Gestein und or- ganischer Substanz bestehende oberste Erdschicht bezeichnet, die von der Erdober- fläche bis zum Ausgangsgestein reicht und höheren Pflanzen als Standort dient. An der Bodenbildung sind physikal., chem. und bio- log. Vorgänge beteiligt. Auf Grund der Ein- flüsse von Umweltfaktoren werden ver- schied. Bodentypen ausgeprägt (Boden- art). Bodenabtragung [soil erosion] Durch Erosion verursachter Bodenverlust, ange- geben in mm Verkürzung des Bodenprofils an einer definierten Stelle oder als abge- spülte Bodenmenge von einer definierten Fläche am Hang in t je Flächeneinheit und Zeitraum bzw. Ereignis. Bodenart [soil type, kind of soil, textures class, soil class] Die Zusammensetzung ei- nes Bodens kann über die physikal. Größe der Körnung bestimmt werden. Von sehr fein bis grob werden die Gruppen Schluff, Sand und Kies unterteilt. Bodenerosion [soil erosion] Bodenabtra- gung durch oberirdisch abfließendes Wasser (Wassererosion) oder durch Wind in Form flächenhafter Abwehung (Winderosion, De- flation). Die B. wird meist anthropogen beeinflusst. Erosionsschäden können durch Bodenabtragung und -auftrag entstehen. Bodengefüge [soil structure] = Bodenstruk- tur. Räuml. Anordnung der festen Bodenbe- standteile und das dadurch bedingte Hohl- raumsystem (Porensystem) des Bodens, das sich in Abhängigkeit von Korngröße durch natürl., physikal. und biotische Vor- gänge ausbildet und anthropogenen Be- einflussungen unterliegt. Bodenschutz [soil protection] Maßnahmen und Empfehlungen für Schutz, Pflege und Sanierung von Böden und Bodenfunktio- nen. Bodenschutzwald [soil protection forest] Schutzwald zur Bewahrung seines Stan- dortes sowie benachbarter Flächen vor den Auswirkungen von Erosion, Aushagerung, Steinschlag, Rutschvorgängen und Boden- kriechen. Bodentyp [soil type] Böden, die durch das Zusammenwirken gleichartiger Bodenbil- dungsfaktoren entstanden und durch cha- rakterist. Horizonte sowie spez. Merkmalen und Eigenschaften gekennzeichnet sind werden zu B. zusammengefasst (z.B. Braunerde, Podsol). Der B. ist die zentrale Kategorie der Bodensystematik. Höhere Ka- tegorien sind Abteilungen und Klassen; niedrigere Kategorien Subtyp, Varietät, Subvarietät sowie die Bodenform. Bodenverdichtung [soil compaction] Vor- gang, der eine Dichtlagerung des Bodens bewirkt (Sackungs-, Druck- bzw. Einlage- rungsverdichtung). Übermäßig dichte Lage- rung eines Bodens bzw. eines Bodenhori- 8 zontes, die geolog., bodengenetisch oder anthropogen bedingt sein kann. Vor allem das Befahren bindiger Böden bei zu feuch- tem Bodenzustand führt zur Verdichtung, wenn der Bodendruck größer ist als die Tragfähigkeit des Bodens. Verdichtungen beeinträchtigen den Wasser- und Lufthaus- halt sowie die Durchwurzelbarkeit des Bo- dens. Bodenversiegelung [soil sealing] Anthro- pogene Überdeckung oder Abdichtung eines Bodens (z.B. durch Gebäude, Straßen) mit der Folge, dass wichtige Bodenfunktio- nen (z.B. Wasserfilterung, Grundwasser- neubildung, Transformationsvermögen, bio- log. Standortfunktion) vollständig oder teil- weise unterbunden werden. Bonitätsklassen [site class, locality ~, ferti- lity ~, site quality (class), grade of locality] = Bewertungsklassen von Bäumen für die Holzproduktion. Bonner Konvention [Bonn Convention] Übereinkommen zur Erhaltung der wan- dernden wildlebenden Tierarten, mit mehre- ren Regionalabkommen für dessen Umset- zung. boreal [boreal] = nordisch, kontinental- kühle, nördl. Nadelwaldzone. Bouldern [bouldering] Klettern an Felsen oder Steinblöcken ohne Seilsicherung über wenige schwere Kletterzüge bis zu einer Höhe, aus der noch gefahrlos abgesprungen werden kann. B. wird als eigene Sportart betrieben, besonders aber auch als Trai- ningsmöglichkeit (Kraft, Technik und Koor- dination) genutzt. Brundtland-Bericht [Brundtland Report] Die Weltkommission für Umwelt und Entwick- lung (WCED) wurde 1983 von der Vollver- sammlung der Vereinten Nationen einge- setzt. Diese Kommission stand unter der Leitung der norwegischen Ministerpräsiden- tin Gro Harlem Brundtland (deshalb auch Brundtland-Kommission) und forderte in dem 1987 vorgelegten Abschlussbericht „Report of the World Commission on En- vironment and Development – Our Common Future“ (auch als Brundtland-Bericht be- kannt) die konkrete Erarbeitung von Hand- lungsempfehlungen, die den Prozess der dauerhaften Entwicklung einleiten sollte. BSG [Special Protection Areas] Besondere Schutzgebiete für das NATURA 2000- Schutzgebietssystem nach Art. 4 Abs. 1 der Vogelschutzrichtlinie und die Besonde- ren Schutzgebiete nach Art. 4 Abs. 4 der FFH-Richtlinie (92/43/EWG) beinhalten. Bundesnaturschutzgesetz [Federal Nature Conservation Act] = BNatSchG. Bungee-Springen [bungee jumping, bungy ~] Durch ein Seil gesicherter Sturz kopfüber aus großer Höhe (ab 50m aufwärts). B. zählt zum Extremsport. 9 Canadier [canadian canoes] Offenes, ehe- maliges Transportboot der Indianer, das ur- sprüngl. kniend mit einem Stechpaddel an- getrieben wird. Canyoning [canyoning] = das Begehen von Schluchten. C. wird als Wassersport ein- geordnet, da die Begehung von Schluchten den Kontakt mit Wasser unweigerlich mit sich bringt und die Nutzung von Naturrut- schen und Schwimmpassagen ebenfalls zum C. gehört. Hierzu wird eine Canyoningaus- rüstung benötigt. Diese umfasst: Neopren- anzug, Helm, Sitzgurt und moderne Kletter- systeme. Caving [caving, spelunking] = Höhlenklet- tern. Cellulose [cellulose] Komplexes Polymer aus Glucosemolekülen. Grundlegender Bestand- teil der Zellwände aller grünen Pflanzen. Chalk [chalk] = Magnesiumcarbonat oder Magnesia. Hilfsmittel beim Klettern. Challenge [challenge] = Herausforderung, Aufforderung. CIPRA [international commission for the protection of the alps] (Commission Inter- national pour la Protection des Alpes) Inter- nationale Alpenschutzkommission. Clearing-House Mechanismus [clearing- house mechanism] Instrumentarium zur Verbreitung von Information und Know-how zur Umsetzung des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (Biodiversitäts- konvention). Contracting = Betriebs- und Finanzierungs- verfahren zur Bereitstellung gebäudespezifi- scher Energiedienstleistungen. Ein per Ver- trag, d.h. per Contract, eingeschalteter Dienstleister übernimmt dabei das Risiko der energetischen Gebäude- oder Anlagen- bewirtschaftung. Der Contractor erschließt dabei Effizienzpotentiale und erhält durch die Übernahme des unternehmerischen Ri- sikos die Chance auf Erzielung eines ange- messenen Gewinns. In der Praxis haben sich zwei Grundformen, das Anlagen- Contracting und das Energiespar- Contracting, durchgesetzt. CORINE-Projekt [Community-wide Coordi- nation of Information on the Environment] Europaweites Pilotprojekt (gegr. 1985), dessen Ziel der Aufbau eines europ. umfas- senden Informationssystems für Daten des Umwelt- und Naturschutzes ist. Cross-Country [cross-country mountainbik- ing] Spez. Fahrtechnik im Mountainbike- sport, bei der das Rad abseits befestigter Wege auf freien oder vorgegebenen Trails auch teilw. durch unwegsames Gelände ge- fahren, getragen oder geschoben werden muss. 10 DAeC [german aero-club] = Deutscher Aero Club. Dauergrünland [permanent grassland] Langjährig durchgehend als Wiese oder Weide genutzte Fläche ohne Umbruch und andere Zwischennutzung. Degradation [soil degradation, ~ degenera- tion, degradation of the soil profile] Ände- rung oder Zerstörung des ursprüngl. Bo- denaufbaus und der natürl. Bodeneigen- schaften. Deltafliegen [hang gliding] Drachenflie- gen. Denutation [denudation, erosion] = Entblö- ßung. Im Ggs. zur Erosion bedeutet D. mit ihrer Tiefenwirkung die flächenhafte Abtragung der Erdoberfläche durch Ab- spülung (Regen) und Massenbewegung (z.B. Bergsturz). Deposition [deposition] Ablagerung von Luftverunreinigungen auf die Oberfläche der belebten und unbelebten Umwelt in Form von nasser D. (in Niederschlägen gelöste Luftverunreinigungen, z.B. als Regen, Schnee, Nebel) und trockener D. (Gas, Staub). Messung als Stoffmenge pro Flä- chen- und Zeiteinheit. Destination [destination] Raum (Ort, Regi- on, grosses Hotel), den der Gast als Reise- ziel wählt. Sie enthält sämtl. für einen Auf- enthalt notwendigen Einrichtungen für Be- herbergung, Verpflegung, Unterhaltung und Beschäftigung. Devastation [devastation (of a region)] = tiefgreifende, meist irreversible Zerstörung von Lebensgemeinschaften und ihrer Biotope. Devastierung [land degradation, ~ distur- bance] = Devastation. Diapause [diapause] Zustand, bei dem die Entwicklung oder das Wachstum eingestellt ist und der mit einem stark reduzierten Stoffwechsel einhergeht. Diasporen [diaspore] Verbreitungsorgane der Pflanzen, wie Sporen und Samen. digitales Geländemodell [digital terrain model] Digitale Speicherung der Höhenda- ten in regelmäßigen oder unregelmäßigen Netzen, spez. Dreiecksvermaschungen, mit Darstellungs- und Analysefunktionen. direkte Umweltauswirkung [direct en- vironmental effect, direct ~ consequence] Handlungen, die von Organisatio- nen/Unternehmen kontrolliert werden kön- nen, wie z.B. Emissionen, Abfallaufkom- men oder Wasserverbrauch. Ggs. indirek- te Umweltauswirkungen. Disjunkte [disjoint] = Teilareale. Zersplitter- te Gesamtverbreitung einer Art oder eines Biotoptyps mit mehreren räuml. getrenn- ten Teilarealen, die soweit voneinander ent- fernt liegen, dass eine Durchmischung der Genpools der dort lebenden Populationen unmöglich ist. Dispersion [dispersion] Ausbreitung der Jungtiere zur Besiedlung neuer Territorien nach Erreichen der Selbstständigkeit. Diversität [diversity] Auf eine Biozönose, ein Ökosystem oder eine Raumeinheit be- zogenes Maß für die Vielfalt von Erschei- nungsformen (Arten und Strukturen) und der Gleichmäßigkeit ihrer Verteilung. Dormanz [dormancy] Ausgedehnte Periode der Inaktivität oder stark reduzierten Aktivi- tät, z.B. Ästivation (Übersommerung) und Winterschlaf. Downhill [downhill mountainbiking] Spez. Renndisziplin im Mountainbikesport in An- lehnung an den alpinen Skisport. Wird auf einer ausschließl. abschüssigen Strecke durchgeführt, oftmals mit vollgefederten Rädern, um bei hoher Geschwindigkeit, Stoß- und Druckbelastungen besser abfan- gen zu können. Häufig Streckenausweisung in Verbindung mit mechanischen Auf- stiegshilfen (Liftanlagen). Drachenfliegen [hang-gliding] Internat. wegen der Geräteform auch Deltafliegen genannt. Geflogen wird hier nicht sitzend unter einem Schirm, sondern horizontal hängend unter einem lenkbaren Drachen. Die Fluggeschwindigkeit gleicht der großer Vögel. Deshalb wirken die örtl. Windströ- mungen in anderem Maße auf das Gerät ein, als bei anderen Flugsportarten. 11 ECE-Gewässerkonvention [ECE-conven- tion on water] Übereinkommen zum Schutz und zur Nutzung grenzüberschreitender Wasserläufe und internat. Seen. ECE [Economic Commission for Europe] = Wirtschaftskommission für Europa. Diese erstellte 1992 die ECE-Gewässerkonven- tion. EC-NATURE = ständige Arbeitsgruppe für Naturschutz und Biodiversität der Hel- sinki-Kommission. edaphisch [edaphic] = bodenbedingt, auf den Boden bezogen. EG-Öko-Audit-Verordnung [Environmental Management and Audit Scheme] Verord- nung (EWG) Nr. 1836/93 des Rates vom 29. Juni 1993 über die freiwillige Beteiligung gewerblicher Unternehmen an einem Ge- meinschaftssystem für das Umweltma- nagement und die Umweltbetriebsprüfung [EMAS I] sowie als Novelle Verordnung (EG) Nr. 761/2001 des Rates vom 19. März 2001 über die freiwillige Beteiligung von Organi- sationen an einem Gemeinschaftssystem für das Umweltmanagement und die Umwelt- betriebsprüfung [EMAS II] (EMAS). ehrenamtlicher Naturschutz [honorary nature conservancy] Konstitutiver Bestand- teil der Naturschutzorganisationen, welcher eine landesweite Naturschutzarbeit mit ei- nem Mindestmaß an Finanz- und Personal- ressourcen ermöglicht und verantwortl. für die gute Verbreitung und Bedeutung von Zielen des Naturschutzes in weiten Teilen der Bevölkerung ist. Eignungsbewertung [quantifying, valuation of suitability] Ermittlung und Bestimmung der Nutzungseignung eines Gebietes mit Hilfe von im Voraus def. Indikatoren und Eignungskriterien. Eingriff [change, depthing, encroachment, inroad, intervention, invasion, intrusion, in- terference] in Natur und Landschaft = Veränderung von Gestalt und Nutzung von Landschaftsbestandteilen, wodurch die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes oder das Landschaftsbild erhebl. oder nachhaltig beeinträchtigt werden. Einwanderung [immigration] = Zuwandern von Organismen in eine Population. Eionet [European Environment Information and Observation Network] Europäisches Umweltinformations- und Umweltbeobach- tungsnetz gemäß der Verordnung (EWG) Nr. 1240/90 des Rates. Eisklettern [ice climbing] Beklettern von gefrorenen Wasserfällen oder künstl. Eis- wänden. EMAS [Environmental Management and Audit Scheme] EG-Öko-Audit-Verordnung. Emerald [emerald] (engl. Smaragd) „Edel- steine des Naturschutzes“. Bezeichnung des Schutzgebietesystems des Europarates (Resolution 3/1996) im Rahmen der Ber- ner Konvention. Emigration [emigration] Abwandern von Individuen aus einer Population oder aus einem Gebiet in ein anderes. Emission [emission] Die von einer festen oder ortsveränderl. Quelle (Anlage) oder von einem Produkt in die Umwelt abgege- benen festen, flüssigen und gasförmigen Stoffe oder Verbindungen sowie Geräusche, Strahlen, Wärme, Erschütterungen und ähnl. Erscheinungen. Hieraus folgende um- weltbelastende Luft-, Wasser- oder Boden- verunreinigungen werden am Einwirkungs- ort als Immission bezeichnet. endemisch [endemic] Arten, deren Ver- breitung auf eine best. Region begrenzt ist. Endemit [endemite] Art, die ausschließl. in einem eng begrenzten Gebiet heimisch ist. Endenergie [final energy] Die dem Endver- braucher nach Umwandlungs- und Trans- portvorgängen zur Verfügung stehende Energie. Energiespar-Contracting [energy-saving contracting] Auch Performance-Contracting genannt, integriert Rationalisierungsinvesti- tionen in allen Bereichen der gebäudebezo- genen Energieanwendung, umfasst Finan- zierung, Planung, Errichtung und Betreuung von eingebrachten wie auch übernommenen Anlagen und Energiesparmaßnahmen. Der Contractor refinanziert seine Investitionen hierbei aus den erzielten Energiekostenein- sparungen. Environtologie [environmentology] Teilge- biet der Futurologie, das sich spez. mit den Umweltfaktoren befasst und versucht v.a. festzustellen, welche Veränderungen in der Umwelt durch den wiss.-techn. Fortschritt zu erwarten sind und wie sie auf den Men- schen zurückwirken werden oder könnten. Epidemie [epidemic, pandemic] Ausbruch einer Krankheit, wobei eine große Anzahl und/oder ein hoher Anteil der Individuen einer Population gleichzeitig befallen wird. Erdfallsee [Erdfallsee?] Seen, die durch die Auflösung von Salzen im Untergrund und der daraus entstandenen Hohlräume, die später einstürzten, entstanden sind. Erhaltung [conservation, maintainance pre- servation, conservation of nature and natu- ral resources] Umfasst alle Maßnahmen, die erforderl. sind, um die natürlichen Le- bensräume in einem günstigen Erhaltungs- http://www.wissen.de/xt/default.do?MENUID=40,156,538,547&MENUNAME=InfoContainer&OCCURRENCEID=.SL0011745601.TM01-FullContent&WissenID=P4LMN8AvZeJCzGtkRgwUabjNmuGVB8iUj1nT2yhwfIRaB1Q09uN5|8008619976285802057/182718476/6/7062/7062/7003/7003/7062/-1|4712143283758884521/182718477/6/7062/7062/7003/7003/7062/-1|1065536567492 12 zustand zu erhalten oder diesen wieder her- zustellen. Erhaltungsziele [preservation goals, ~ ob- jectives] Sind für die NATURA 2000- Gebiete festzulegen und beschreiben den angestrebten Zustand (Zielzustand). Für die Lebensraumtypen nach Anhang I und Arten nach Anhang II der FFH-Richtlinie sowie von Lebensräumen nach Anhang I der Vogelschutzrichtlinie. erhebliche Beeinträchtigung [considerable impairment] Erhebl. ist eine B., wenn sie sich nicht nur unwesentl. auf die Funktion eines Schutzgebietes aus- wirkt. Die B. ist erhebl., wenn sie der Er- haltung oder Wiederherstellung eines güns- tigen Erhaltungszustandes der betroffenen Lebensraumtypen und Arten zu wider läuft oder die B. den Schutzzielen des Ge- bietes widerspricht. Erholung [recovery, recreation] Vorgänge zur Regeneration physischer und psychi- scher Kräfte nach vorausgehender Belas- tung durch Arbeit, Lebensweise, Umweltein- flüsse. Erholung in freier Natur [recovery, recrea- tion in the open countryside, to go to the nature for a rest?] Über die physiolog. Re- generierung i.S. der Arbeitsmedizin hinaus gehört zur E. jene Art geistigen, seelischen und körperl.-gesundheitl. Wohlbefindens, das mit dem Erlebnis der Landschaft oder dem Aufenthalt und Betätigung in der Land- schaft im Zusammenhang steht. Zur E. i.S. des BNatSchG (§2, Abs. 1, Nr. 13) gehö- ren auch natur- und landschaftsverträgl. sportl. Betätigungen in der freien Natur. Erholungsaktivität, -tätigkeit [recreational activity?] = Aktivität (Betätigung), welche die Erholung bewirken oder fördern kann. Erholungsstätte [rest home, health resort] Bauten und Anlagen, welche der Ausübung von Erholungsaktivitäten dienen. I.w.S. umfassen sie auch Bauten und Anlagen für den Aufenthalt, die Verpflegung, und die Unterhaltung der Erholungssuchenden. Erholungsgebiet, -zone [recreation area] In einem Plan (Sachplan, Richtplan) bez. Gebiet, dass sich für die Ausübung von Erholungsaktivitäten eignet und hierfür auch benötigt wird. Im Flächennutzungs- plan abgegrenzte Zone für den gleichen Zweck. Erholungskapazität [carrying capacity] = Fassungsvermögen eines Erholungsgebie- tes an Besuchern. Erholungswaldung [recreation(al) forest, amenity ~] Waldfläche, die in überdurch- schnittl. Maße Erholungszwecken dient. Sie kann durch Rechtsvorschriften ausgewiesen werden und ist häufig Regelungen über ihre Bewirtschaftung und Nutzung unterworfen. Erholungsvorsorge [recreational precau- tion, provision for one’s recreation?] Ge- währleistung von Erholungsmöglichkeiten durch (Planungs-, Bau-, Wald-, Wasser-, Naturschutz-) Gesetze des Bundes und der Länder. Sie zielt auf Qualitäten, Flächen und die Nutzungsfähigkeit durch Erschlie- ßung, Gestaltung, Entwicklung und Erhal- tung ab. Eine weitere Aufgabe ist die Ver- meidung bzw. der Abbau von Beeinträch- tigungen und Belastungen der Erholungs- eignung von Natur und Landschaft (Betretungsrecht). Erlebnispädagogik [system of education through practical experience rather than classroom studies, “erlebnis” pedagogy] Ist in der Reformpädagogik verwurzelt, jedoch sucht sie neue Wege zu Erziehungs- und Bildungseinrichtungen außerhalb bestehen- der Institutionen. Die E. hängt primär mit „Outdoor“-Aktivitäten zusammen und fasst soziale Beziehungen sowie Erlebnis und Erfahrung in der Natur zusammen. Erlebnispotential (-fähigkeit) [receptivity] Gesamtheit der Landschaftsfaktoren, wel- che für das Landschaftserlebnis des Men- schen von Bedeutung ist. Erlebnis [experience] Psychisches Konstrukt, das nicht durch Güter oder Dienstleistungen ersetzt werden kann. E. müssen selbst er- lebt werden und entstehen durch Aktivitä- ten, die Selbstreflexion ermöglichen, z.B. Körpergefühl bei einer neuen Sportart oder bei einer kulturellen geistigen Auseinander- setzung mit einem best. Thema. Erlebniswirkung [effect of experience, ex- perimental effect, ~ impact?] Die seelische Wirkung einer wertenden Erfahrung der Umwelt. Auf die Landschaft bezogen gründet sie v.a. auf ästhetischen Erfahrun- gen, kann sich aber auch an anderen Wert- bereichen orientieren (z.B. Erholung, Heimat, Nützlichkeit). Erosion [erosion] Landnutzung: Abtragung und Abtransport der obersten Schichten der Erdkruste (Böden und Gesteine) durch Kräfte des Wassers und Windes. E. trägt wesentl. zur Formung der Erdoberfläche (Geomorphologie) bei und bedingt i.d.R. best. Erosionsformen. errastisch [errastic] = ungerichtete örtl. Verschiebung. Ein Tier zeigt errastisches Verhalten, wenn es weder Ortstreue noch gerichtetes Zugverhalten zeigt. Erreichbarkeit [accessibility] = die Möglich- keit, von einem Ort zu einem anderen zu gelangen. Sie wird in der Regel durch den 13 Indikator Reisedistanz oder Reisezeit quantifiziert. Ersatzbiotop [replacement biotope, substi- tute ~, surrogate ~?] Naturschutzrecht: Im Zuge einer Ersatzmaßnahme (wieder-) hergestelltes Biotop. Ersatzmaßnahme [replacement, substitute measure] Kompensation, über die ver- sucht wird, nach Eingriffen wieder möglichst ähnl., zumindest gleichwertige Funktionen im Naturhaushalt zu erreichen. Der enge räuml. und zeitl. Bezug zum Eingriff ge- genüber der Ausgleichsmaßnahme ist deutlich gelockert. Espoo-Konvention [Espoo Convention] Übereinkommen über Umweltverträglich- keitsprüfung im grenzüberschreitenden Zu- sammenhang (1991). ETC [European Topic Centers] = Europäische Thematische Zentren unter Leitung der Eu- ropäischen Umweltagentur (EUA), die am Aufbau des europäischen Umweltinformati- onssystems Eionet beteiligt sind. Es gibt derzeit die folgenden acht ETC`s: ETC/A (air quality) Luftqualität, ETC/IW (inland waters) Binnengewässer, ETC/AEM (atmo- spheric emissions) Luftemission, ETC/MC (marine and coastal environment) Meeres- und Küstenumwelt, ETC/LC (landcover) „Bodenbedeckung“/Landnutzung, ETC/NC (nature conservation) Naturschutz, ETC/S (soil) Bodenschutz, ETC/CDS (catalogue of data sources) Datenquellenkatalog. ETC/NC [European Topic Center for Nature Conservation] Europäisches Thematisches Zentrum für Naturschutz unter Leitung der Europäischen Umweltagentur (EUA). Das ETC/NC führt in Zusammenarbeit mit der Kommission die Bewertung gemein- schaftl. Bedeutung der nat. Vorschlagslisten (pSCI`s) nach der FFH-Richtlinie durch. Ethologie [ethology] Vergleichende und phy- siolog. Verhaltensforschung der Tiere in ih- rer natürl. Umwelt. Etho-Ökologie [etho ecology?] Verhaltens- forschung unter Berücksichtigung ökolog. Zusammenhänge. EU [European Union] Europäische Union. EUA [European Environment Agency] Euro- päische Umweltagentur, gegr. mit Verord- nung Nr. 1210/40 (EWG) des Rates, in Kraft getreten am 30. Oktober 1993, mit Sitz in Kopenhagen. Hauptaufgabe ist die Sammlung und Bereitstellung von themen- und fachspezif. Informationen zur Entwick- lung und Durchführung von Umweltmaß- nahmen in der EU und den seit 1995 der EUA beigetretenen Mitgliedstaaten. EUNIS [European Nature Information Sys- tem] = Europäisches Informationssystem zum Naturschutz unter Leitung des ETC/NC und der EUA. Europadiplom [european diploma] Vom Europarat verliehenes Prädikat für ge- schützte Landschaften, Schutzgebiete oder Einzelschöpfungen der Natur von eu- rop. Interesse. Europäische Kommission [European Com- mission] Durchführungsorgan (Exekutive) der Europäischen Gemeinschaften mit Sitz in Brüssel, zusätzl. mit dem alleinigen Initi- ativrecht für die EG-Gesetzgebung ausge- stattet. Europäische Union [European Union] (frü- her EG bzw. EWG). Wesentl. Gremien sind der Rat der Europäischen Gemeinschaften, die Europäische Kommission, das Europäi- sche Parlament und der Europäische Ge- richtshof. Europareservat [european nature reserve] Prädikat für Gebiete mit europ. Bedeutung für den Vogelschutz. European Habitats Forum [?] = Europäi- scher Dachverband der Naturschutzorgani- sationen. EUROSILVA Verbund von Forschungseinrich- tungen zur Waldökosystemforschung aus 17 europ. Ländern. euryök [euryoecious] Art, die an starke ökolog. Variationen angepasst ist (Ggs. stenök). eutroph [eutrophic] Bez. für nährstoffreiche und stark produktive Gewässer. Eutrophierung [eutrophication] Anreiche- rung von Nährstoffen, die zu Veränderungen in einem Ökosystem (z.B. Zunahme des Pflanzenwachstums in Gewässern) oder Teilen davon führt. Evolution [evolution] = Entwicklung. Biolo- gie: E. bezeichnet den Verlauf der Stam- mesgeschichte von den niedrigsten Organi- sationsstufen des Lebens bis zu den heuti- gen hoch organisierten Formen. EWG [European Economic Community] Eu- ropäische (Wirtschafts-) Gemeinschaft, Europäische Union. exogen [exogenic] = von außerhalb eines Organismus stammend. Explorationsverhalten [exploratory behavi- our] Verhalten zur Erkundung der Umge- bung. Dient der Erschließung neuer geeig- neter Lebensräume. ex situ-Erhaltung [ex-situ conservation] Erhaltung von Bestandteilen der biologi- schen Vielfalt außerhalb ihrer natürl. Le- 14 bensräume, z.B. in zoolog./botan. Gärten, Genbanken, Zuchtstationen (Ggs. in situ- Erhaltung). Extensivierung [extensification] Verringe- rung des Einsatzes von ertragsfördernden Betriebsmitteln (z.B. Dünger, Pflanzen- schutzmittel) bzw. Herabsetzung der Nut- zungsintensität. Extremskifahren [extreme skiing] Skifahren in sehr schwierigem Gelände abseits von Pisten. Extremsport [extreme sport(s)] Das Ausü- ben außergewöhnl. sportl. Disziplinen, wo- bei der Betreffende höchsten psychischen und physischen Belastungen ausgesetzt ist. Ist bei der Durchführung der betreff. Diszip- lin ein objektiv vorhandenes und/oder sub- jektiv empfundenes Gesundheits- bis Le- bensrisiko vorhanden, spricht man auch vom Risikosport. E. umfasst Disziplinen wie Bungeejumping, Skysurfing, Base- Jumping und Rapjumping. 15 Fallschirmspringen [skydiving] = Fall- schirmsport. Sportl. betriebener Absprung mit Fallschirm aus spez. Flugzeugen in ver- sch. Disziplinen mit unterschiedl. Wettbe- werbsgedanken. F. gehört zum Flug- sport. Familie [family] Gruppe mehrerer miteinan- der verwandter Gattungen. Begriff der Taxonomie direkt über der Gattung. Es gibt auch F., die nur durch eine Gattung vertreten sind. Fangbaum [trap tree] Fällung von Bäumen zur Schaffung künstl. „Brutmaterials“ für Schadinsekten, das nach Befall begiftet oder verbrannt wird. Fauna [fauna] Die Tierwelt eines best. Ge- bietes. Fairway [fairway] Hierunter ist die kurz ge- mähte Rasenfläche einer Golfbahn zw. Abschlag und Green eines Lochs zu ver- stehen. Die Übersetzung kennzeichnet das F. als jene Fläche, die einen „fairen Weg“ zum Loch darstellt. Unterschieden vom F. werden die Hindernisse (Bunker oder Wasserhindernisse) und das Rough. Fekundität [fecundity] = Fruchtbarkeit. Zahl der Eier, Samen oder ganz allg. Nachkom- men im ersten Stadium des Lebenszyklus, die ein Individuum produziert. Femelschlag [femel coupe] Kleinflächige Holznutzung, die eine Waldverjüngung auf „Femellücken“ induziert. Ferienerholung/Erholungsurlaub [holiday, vacation] Erholungsaufenthalt mit vier und mehr Übernachtungen in einem Erho- lungsgebiet außerhalb des Wohnortes. Feuchtbiotop [wetland habitat] Lebensstätte von Biozönosen, die mind. zeitweilig auf offenes Wasser, nasse, feuchte oder wech- selfeuchte Bedingungen angewiesen sind. Feuchtgebiet [wetland] Gebiet, das von Feuchtbiotopen (z.B. Gewässern, Sümp- fen, Mooren, Brüchen und Feuchtwiesen) beherrscht wird, auch nach teilw. Entwässe- rung. Nach dem internat. Feuchtgebiets- Übereinkommen von 1971 (Ramsar- Konvention): Feuchtwiesen, Moor- und Sumpfgebiete oder Gewässer, die natür- lich oder künstl., dauernd oder zeitweilig, stehend oder fließend, Süß-, Brack- oder Salzwasser sind, einschließl. solcher Mee- resgebiete, die eine Tiefe von 6 m bei Nied- rigwasser nicht übersteigen. FFH-Richtlinie [habitats directive, FFH- Guidelines] Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie. Richtlinie des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürl. Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen (92/43/EWG, geändert durch die Richtli- nie 97/62/EG des Rates vom 27. Oktober 1997) mit dem Ziel bisherige Richtlinien zu vereinheitlichen. Es verpflichtet die Mit- gliedsstaaten zur Schaffung eines europa- weiten Netzes von Schutzgebieten für bes. seltene Tier- und Pflanzenarten unter der Bezeichnung „NATURA 2000“. FIB [?] Feuchtgebiete Internationaler Bedeu- tung (auch Ramsar-Gebiete). Gebiete die für die Ramsar-Konvention zum Schutz von Feuchtgebieten angemeldet sind. FIS [International Ski Federation] (Fédéra- tion Internationale de Ski). Internationaler Skiverband als Dachorganisation der 51 in- ternat. Skiverbände. Fitness [fitness] „Tüchtigkeit“, bezügl. indi- vidueller Lebenserwartung, Fortpflanzungs- erfolge oder Repräsentanz der Gene eines Elternteils in der Population. Flächennutzung [land utilization] Verwen- dung und Gestaltung der Erdoberfläche und der an sie gebundenen Naturraumpotenti- ale und Naturressourcen für die Erfüllung gesellschaftl. Bedürfnisse des Menschen. Flächennutzungsplan [plan of land utiliza- tion] Darstellung der gegenwärtigen und beabsichtigten Flächennutzung einer Ge- meinde. Flora [flora] Gesamtheit der in einem best. Gebiet (Florengebiet) vorkommenden Pflan- zenarten. Flugplatz [airfield] Festgelegtes Gebiet zu Lande oder Wasser, einschließl. aller Ge- bäude und Anlagen, das normalerweise dem Start und der Landung von Fluggeräten dient. Laut Luftverkehrsgesetzgebung ist der Begriff „Flugplatz“ der Oberbegriff für Flughäfen, Landeplätze und Segelfluggelän- de. F. dürfen nur mit Genehmigung der Luftfahrtbehörden angelegt und/oder be- trieben werden. Flugsport [flying, aviation] Luftsport. Fluss [river] Jedes fließende Gewässer des Festlandes. Im allg. Sprachgebrauch wer- den bedeutendere F. Ströme, kleinere F. Bäche und kleinste F. Rinnsale genannt. Sie münden in einen anderen F. (Neben-F.) oder in einen Endsee bzw. ein Meer. Forst [forest, wood] Zur Holzproduktion künstl. begründeter Baumbestand. Fragmentierung [fragmentism] Zerteilung eines vormals zusammenhängenden Bio- tops in mehrere, meist voneinander isolierte Teile. Freecarve [freecarve snowboarding] Fahrstil im Snowboardsport. Er ist durch sportl. Fahren mit rasanten, weit geschwungenen 16 und auf der Kante gefahrenen Turns ge- kennzeichnet. Free Solo [free solo] = seilfreies Durchstei- gen von Kletterrouten, die die Absprunghö- he von Bouldern überschreiten. Freestyle, Ski [freestyle skiing] Eigenstän- dige Schneesportdisziplin, auch als Trickski- lauf bekannt. Diese beinhaltet Buckelpiste, Ballett und Kunstspringen. Freestyle, Snowboard [freestyle snowboar- ding] Ist ein Fahrstil im Snowboardsport. Es stehen v.a. Sprünge und Tricks im Vor- dergrund, die in der Halfpipe, über Kicker oder im freien Gelände gemacht werden. Freeride [freeriding, freeride snowboarding] Fahrstil im Snowboardsport und bedeutet das Fahren in jedem Gelände, sowie im Powder (vgl. Variantenskilauf). freie Landschaft [countryside] Landschafts- raum außerhalb der Siedlungsgebiete, d.h. die nicht besiedelte Landschaft. Freiklettern [free climbing] Nur die natürl. Struktur der Felsoberfläche gibt die Halte- punkte zur Fortbewegung vor. Techn. Hilfs- mittel wie Seil, Karabiner, Klemmkeile und Haken dienen ausschließl. der Sicherheit im Fall eines Sturzes. Sie werden weder als Halte-, noch als Rastpunkte bei einer Bege- hung verwendet. Freiraum [freedom] Gebiete innerhalb und außerhalb der Siedlungen, die nicht über- baut sind (freie Landschaft). Freiraumerholung [recreational freedom, freedom recreation?] Erholung im Frei- raum durch die Ausübung von Erholungs- aktivitäten. freiwillige Vereinbarungen [voluntary ar- ranging, ~ arrangement, ~ agreement] Re- gelungen zw. mind. zwei Parteien, die auf unterschiedl. Ebenen getroffen werden. Am allg. sind die „Goldenen Regeln“, die für die meisten Sportarten bestehen. Darin werden Verhaltensgrundsätze für eine na- turverträgl. Ausübung der jeweiligen Sport- arten festgehalten. Konkreter sind landes- weite Vereinbarungen, die in Form von Kon- zepten für ganze Bundesländer oder Regio- nen erarbeitet wurden. Freizeit [leisure time, spare ~, free ~] Die Zeit, welche der Bevölkerung in der arbeits, und pflichtfreien Zeit frei zur Verfügung steht (arbeitsfreie Zeit abzg. Zeit für Schla- fen, Körperpflege usw.). Unterschieden werden die Kategorien: Pause, Feierabend, Wochenende, Ferien. Freizeitaktivitäten (-gestaltung) [orga- nization of one’s leisure time] Betätigungen (i.w.S. Verhaltensweisen), die überwiegend oder ausschließl. in der Freizeit praktiziert werden. Freizeiterholung [leisure time recovery] Erholung in der Freizeit durch die Aus- übung von Erholungsaktivitäten. Freizeitmobilität [leisure mobility] Durch den Umfang, die Vielfältigkeit und Ortsun- gebundenheit der Freizeitaktivitäten kommt es in hohem Ausmaß zu räuml. Mobilität. Damit meint man den Orts- wechsel von Menschen (einzelner oder von Gruppen) im geogr. Raum. Fremdenverkehr [tourism, tourist trade] Die Gesamtheit von Erscheinungen, die sich aus der Reise und dem Aufenthalt von Pers. ergeben, für die der Aufenthaltsort weder hauptsächl. Wohnort noch Arbeitsort ist. frugivor [frugivorous] = fruchtfressend. Fungizid [fungicide] = Pilzvernichtungsmit- tel. 17 Gattung [variety, kind, sort, genus, species] Gruppe mehrerer miteinander verwandter Arten. Begriff der Taxonomie direkt über der Art. Es gibt auch G., die nur durch eine Art vertreten sind. Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeu- tung [Site of Community Interest] Für die nat. Gebietslisten nach der FFH-Richtlinie führt die Kommission Bewertungsverfahren durch, welche innerhalb von max. drei Jah- ren die G. von gemeinschaftl. B. festlegen. Gen [gene] = Einheit des Erbmaterials, ein Erbfaktor. Gemeinlastprinzip [principle of the common burden] Maßnahmen zur Verringerung der Umweltbelastung aus Steuermitteln finan- ziert. Diese gelten nach dem G. als umwelt- polit. Notbehelf, da sie, anders als Maß- nahmen nach dem Verursacherprinzip, die Marktkräfte nicht gleichzeitig in die ökolog. erwünschte Richtung lenken. Genotyp [genotype] Alle genetischen Merk- male, welche die Struktur und die Funktion eines Organismus bestimmen. Gentechnik [genetic engineering] Jeder künstl. Eingriff in die genetische Struktur eines Organismus, der zu Veränderungen führt, die im Normalfall in der Natur nicht auftreten würden. Geographisches Informationssystem (GIS) [geographic information system] System (Software) zur Erfassung, Verwal- tung, Analyse und Darstellung räuml. veror- teter Geometrien mit darauf bezogenen Sachdaten. geographische Kline [geographical…?] Pro- gressive Veränderung von Faktoren in Ab- hängigkeit von der Höhenlage oder der ge- ogr. Breite. Gewässer [water] Alle Ansammlungen von Wasser auf und unter der festen Erdoberflä- che, Stehendes (Tümpel, Weiher, Teich, See u.a.) und fließendes G. (Quelle, Rinn- sal, Bach, Fluss, Strom), unterird. G. (Grund-, Karst-, Höhlenwasser), natürl. und künstl. G., Süß-, Salz- und Brackwasser. Gewässerschutz [water pollution control, water protection] Alle Maßnahmen zum Schutz der Gewässer (oberird. Gewässer, Küstengewässer und Grundwasser) vor Ver- unreinigungen bes. durch Abwässer, Ab- fälle u.a. wassergefährdende Stoffe, um das Wasser optimal nutzen zu können und ge- sundheitl. Gefahren und Beeinträchtigun- gen abzuwenden. GGB [Site of Community Interest] = Gebie- te gemeinschaftlicher Bedeutung. Gleitschirmfliegen [hang-gliding, paragli- ding] Auch Paragliding. Das Fliegen mit fallschirmähnl. Gleitsegeln von Bergen oder nach Aufstieg mit Schleppwinden. Mit Fuß- start begonnen, werden spez. Gleitsegel von 20-28 m² Fläche benutzt, die durch zwei Steuerleinen rechts und links gesteuert und gebremst werden. Der Start und die Landung erfolgt an gemäß der Raumpla- nung geprüften und freigegebenen Plätzen. Global Environment Facility Bei der Welt- bank angesiedelter multilateraler Fonds als vorläufiger Finanzierungsmechanismus zur Umsetzung des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (Biodiversitäts- konvention); vergibt an Entwicklungs- und Transformationsländer Zuschüsse für Inves- titionen und techn. Beratung in den Berei- chen Klimaschutz, biologische Vielfalt, Schutz internationaler Gewässer und Schutz der Ozonschicht. Global-Positioning-System (GPS) Ein amerikan. Funknavigationssystem, bei dem die Standortbestimmung eines Objektes mit Hilfe von Satelliten erfolgt. Das GPS, ur- sprüngl. zum Zweck der militär. Verteidi- gung entwickelt, bietet zivilen Nutzern eine hohe Positionsgenauigkeit. globale Umweltzerstörung [global en- vironmental degradation] Von einer globa- len U. ist die Rede, weil die gegenw. Um- weltbelastungen sich häufig nicht regional begrenzen lassen (Radioaktivität, Schad- stoffe in Luft und Wasser). Die Produktion von Umweltbelastungen hat heute häufig weltweite Auswirkungen. globaler Wandel [global change] Summe aller weltweit zu erwartenden Veränderun- gen infolge anthropogen induzierter Kli- maveränderung (z.B. Abtauen des Polarei- ses, Anhebung des Meeresspiegels, Ver- schiebung der Vegetationszonen, Zunahme katastrophaler Naturereignisse). Globalisierung [globalization] Bezieht sich auf einen fortschreitenden Prozess der Ver- änderung von Raum- und Zeitverhältnissen und der sich ständig verkürzenden Entfer- nungen in der Ausprägung von zivilisatori- schen und wirtschaftl. Wertschätzungen und Mustern der Wahrnehmung, des Denkens und Verhaltens. Weltweit findet eine zu- nehmende Verknüpfung zw. den Staaten der Welt auf soz., polit. und wirtschaftl. Ebene statt. GNOR = Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz. Goldene Regeln [golden rules] Die hierin enthaltenen Leitbilder umfassen u.a. die Förderung, Weiterentwicklung und Siche- rung von umweltverträgl. Formen der Sportausübung, die Erhöhung der Um- http://www.bfn.de/09/#biodiv http://www.bfn.de/09/#biodiv 18 weltverträglichkeit einer sportbezogenen Infrastruktur, die Verringerung der Belas- tung empfindl. Gebiete bis hin zur Erhal- tung der Erholungsqualität und des Erleb- niswertes der Landschaft für Sporttrei- bende. Golf [golf] Zu den Ziel- und Treibspielen gehörendes Vollballspiel in naturgegebenen oder nur gering verändertem Gelände. Sinn des Spiels ist es, mit möglichst wenig Schlägen den Ball mit einem Schläger über verschied. lange Bahnen in ein Loch zu spie- len. Golfbahn [golf course, golf links] Ein Golf- platz baut sich entsprechend einer Lochzahl aus verschiedenen Bahnen auf, welche sich wiederum aus Abschlag, Fairway, Green, Rough, Bunker und sonstige Hindernisse zusammensetzen. Golfplatz [golf course, golf links] Oft park- ähnlich gestaltete Sportstätte, die der Ausübung des Golfs dient und wird unter- schieden entsprechend der Lochzahl (9-, 18-, 27-Loch-Anlagen). Ein G. baut sich aus einer entsprechenden Anzahl an Golfbah- nen auf. Die durchschnittl. Platzgröße be- trägt ca. 60-80 ha. Green [green] Extrem gepflegter Rasen in unmittelbarer Nachbarschaft zum Loch einer Golfbahn, der ein hindernisfreies Putten erlaubt. Pflege ist gekennzeichnet durch re- gelmäßigen Kurzschnitt und spez. Düngung. Grünordnung [green rules, rules of the green?] Gesamtheit der Landespflege und ihrer Maßnahmen in Städten und Dörfern als Aufgabenbereich der Gemeinden. Grünordnungsplan [green structures plan] Fachplan des Naturschutzes und der Landschaftspflege auf der Ebene des Bebauungsplanes. Grundwasser [underground water, subsoil ~, ground~] Unterird., die Holräume der Erdkruste zusammenhängend ausfüllendes und der Schwerkraft unterliegendes Wasser. 19 Habitat [habitat] Ort, an dem Organismen einer Art regelmäßig anzutreffen sind (au- tökologischer Begriff in Abgrenzung zu Bi- otop). Habitatausschuss [habitat committee?] Ausschuss der zur Durchführung der Umset- zung der FFH-Richtlinie eingesetzt ist und die EU-Kommission unterstützt. Mitglieder für Deutschland: je ein Vertreter des BMU und ein Repräsentant der Bundesländer. Habitat-Klassen [habitat classes] Einteilung von Lebensräumen, basierend auf Forma- tions- oder Landnutzungstypen, die einer groben Beschreibung von Natura 2000- Gebieten dient. Habitatsstruktur [habitat structure] Cha- rakterist. Merkmale von Vegetationsbestän- den sowie abiotischer Landschaftsele- mente, die für die Existenz best. Arten wesentl. sind. Habitus [habit] = der charakterist. Bau einer Pflanze oder eines Tieres. Halbtrockenrasen [semidry grassland] Ve- getationskundl. Einheit , überwiegend anthropogen. Durch Beweidung oder Mahd entstandene Grasfluren, die sich ohne menschl. Zutun im Zuge der natürl. Suk- zession zu Wald entwickeln. Half-Pipe [half pipe] = künstl. im Schnee angelegte halbe Röhre. Freestyle-Disziplin im Snowboardsport. Handlungsstrategie [strategy of action?] Greifen in einem Realitätsbereich bekannte Handlungsregeln nicht oder reicht das Wis- sen für Problemlösungen nicht aus, muss vom wissens- bzw. regelbasierten Handeln auf die Ebene des Problemlösens und damit der Strategiebildung gewechselt werden. I.S. der Handlungstheorie ist eine Strategie ein Handlungsentwurf, der Oberziele sowie Teil- und Unterziele beinhaltet. Hauberg [hawberk, hauberque] Niederwald- betrieb zur Nutzung von Schwachholz aus Stockausschlag, mit Zwischenbau von Ge- treide. Hedonismus [hedonism] Lebenseinstellung, bei der Lust und Genuss die zentralen Ziele und Lebensinhalte darstellen. Hege [cultivate] Die H. hat zum Ziel die Erhaltung eines den landschaftl. und lan- deskulturellen Verhältnissen angepassten artenreichen und gesunden Wildbestandes sowie die Pflege und Sicherung seiner Le- bensgrundlagen. Auf Grund anderer Vor- schriften bestehende gleichartige Verpflich- tungen bleiben unberührt. Die H. muß so durchgeführt werden, dass Beeinträchti- gungen einer ordnungsgemäßen land-, forst- und fischereiwirtschaftl. Nutzung, ins- bes. Wildschäden, möglichst vermieden werden. Helikopter Skiing [helicopter skiing] In Nordamerika entstandene Form der Auf- stiegshilfe in entfernte, zumeist unerschlos- sene Gebirgslandschaften. Von Hubschrau- bern werden die Schneesportler in großen Höhen abgesetzt, um lange, unverspurte Abfahrten durch tiefen Pulverschnee (Powder) machen zu können. In Europa nur in der Schweiz erlaubt. Heißluftballon [hot-air balloon] H. haben eine Höhe von ca. 25 m und einen Durch- messer von rd. 18 m. Unter dem Ballon hängt ein Korb, der je nach Ballongröße bis 19 Pers. aufnehmen kann, üblich sind vier Pers. In den Ecken des Korbes sind die Pro- pangasflaschen untergebracht. Der Brenner ist mit einem flexiblen Gestänge oberhalb des Piloten am Korb befestigt. Mit ihm wird die Luft, die in den Ballon einströmt, auf über 100 °C erhitzt. Hemerobie [hemeroby] Maß des menschl. Kultureinflusses auf (natürliche) Öko- systeme. Herbizide [herbicide, weed killer] Chem. oder biolog. Präparate zum Abtöten von Pflanzen. Hillclimb [hill-climb mountinbiking] Oder Uphill-Rennen genannt, sind aufwärts ver- laufende Bergrennen im Mountainbike- sport. Hochwasserscheitel [high water zenith, flood ~] = höchster Wasserstand einer Hochwasserwelle. Homöostase [homeostasis] Die Aufrechter- haltung relativ konst. innerer Bedingungen angesichts einer schwankenden äußeren Umwelt. homoiotherme Körpertemperatur [home- othermic body temperature?] Konst. Kör- pertemperatur der Warmblüter, die unab- hängig von der wechselnden Umgebungs- temperatur ist. Ggs. poikilotherme Kör- pertemperatur der Kaltblüter. Homologie [homology] Art- bzw. system- spezif. Merkmalsübereinstimmung auf Grund evolutiver Abstammung. Humanökologie [human ecology] Die Wis- senschaft von der Struktur und Funktion der vom Menschen in zunehmendem Maße ver- änderten Natur. Sie untersucht die Sys- temeigenschaften der Ökosphäre, die Wechselwirkungen und irreversiblen Verän- derungen der Systemelemente sowie das Ausmaß der Abhängigkeiten des Menschen von seiner natürl. Umwelt. 20 Hutung [?] = nicht eingezäunte, extensiv genutzte Weidefläche, auf der Nutztiere ge- hütet werden. Hydrospeed [hydrospeed, white-water swimming] H. zählt zum Schwimmsport und wird in Gebirgsbächen und Flüssen aus- geübt. Die Ausrüstung besteht aus einem Schwimmkissen, Flossen und einem Neo- prenanzug. Hydrosphäre [hydrosphere] = das Wasser im Boden, in Flüssen, Seen und Mee- ren. 21 Immigration [immigration] = Einwande- rung. Immission [immission, intromission] = an- kommende Luft- oder Wasserverunreini- gungen in Ökosystemen. Messung als Konzentration (g/m3 oder ml/l) für gas- förmige und feste Luftverunreinigungen bzw. mg/l für gelöste Verunreinigungen. Indikator [indicator] Reaktionsgröße, deren raum-zeit-varianter Zustand vergleichswei- se leicht erfassbar ist und die zugleich überdurchschnittl. Erklärungsgehalt in Be- zug auf das zugrundegelegte Problem be- sitzt. indirekte Umweltauswirkung [indirect environmental effect, indirect ~ conse- quence] I. U. entstehen durch Tätigkeiten einer Einrichtung, ohne eine Kontrolle der Verantwortlichen, wie z.B. Verkehr oder Einkauf von Produkten. Individuum [individual] = das Einzele- xemplar, das Einzelwesen, bes. der einzelne Mensch im Ggs. zur Gesellschaft, d.h. der einzelne Mensch in seiner Besonderheit. Insectivor [insectivore] = der Insektenfres- ser. Insektizid [insecticide] = das Insektenver- nichtungsmittel. Insel [island, isle] Ökologie: Ein räuml. klar begrenztes, in einer andersartigen Um- gebung liegendes Biotop oder Biotopkom- plex. in situ-Erhaltung [in-situ conservation] Erhaltung von Ökosystemen und Le- bensgemeinschaften sowie die Bewahrung und Wiederherstellung lebensfähiger Po- pulationen von Arten in ihrer natürl. Um- gebung (Ggs. ex situ). Integrationsmodell [integration model] Naturschutzleistung als Teilaufgabe der Waldwirtschaft. Intensivierung [intensification] Erhöhung des Einsatzes von ertragsfördernden Be- triebsmitteln bzw. Verstärkung der Nut- zungsintensität. Interferenzanalyse [interference analysis] Feststellung und Interpretation der Überla- gerung von Nutzungsansprüchen auf einer Fläche. http://www.bfn.de/09/#exsitu 22 Jagd [hunt, chase, shoot, pursuit] Aufsu- chen, Nachstellen, Erlegen und Fangen jagdbarer Tiere durch Jagdausübungsbe- rechtigte. Joggen [jogging] (engl. to jog = traben). Leichter Dauerlauf in mäßiger Geschwindig- keit. 23 Kahlschlag [clearing, clear cut(ting), ~ felling] Forstl. Nutzungsart, bei der alle Bäume eines Bestandes auf einmal ent- nommen werden. Kajak [kayak] Sehr wendiges, bis auf die Sitzluke geschlossenes Boot. Ehemaliges Jagdboot der Eskimos, das sitzend mit ei- nem Doppelpaddel angetrieben wird. Kanupolo [canoe-polo] Beim Kanupolo spie- len zwei Mannschaften à fünf Spieler in Kajaks auf einem 35x22 m großen Feld mit einem Wasserball auf zwei Tore, die in ca. 2 m Höhe über der Wasseroberfläche angebracht sind. Im Winter wird der Sport in Hallen ausgeübt, im Sommer dagegen auf strömungsarmen Seen. Kanusport [canoeing, canoe sport, paddle- sport] Wassersportart, die als Wander- fahren zur Erholung und Entspannung dient, oder als Wettkampf im Kanurenn- sport, im Wildwasserfahren (Kanuslalom, Abfahrtsrennen, Rodeo), Kanusegeln und im Kanupolo ausgeübt wird. Je nach Art des K. unterscheiden sich die Bootstypen (Canadier, Kajak, Faltboot). Kanurennsport [canoe racing] wird mit Canadiern und Kajaks auf Stillwasser sowie auf Wildwasser ausgetragen: Als Flachbahnregatta wird der Wettkampf auf Stillwasser bezeichnet. Beim Kanumarathon werden Strecken von 15 bis 42 km (extrem: mehre Tage dauernden Rennen bis zu 500 km) zurückgelegt. Der Kanumehrkampf stellt eine abgewandelte Form des Triath- lons dar, bei dem verschiedene Strecken in unterschiedl. Sportarten (z.B. Laufen, Fahr- radfahren, Schwimmen und Kanufahren) zu- rückgelegt werden. Kanuwandern [flat water paddling] Die meistpraktizierte Form des Kanusports ist das K., bei dem Tages- oder Mehrtagestou- ren auf Flüssen und Seen unternommen werden. Katabolismus [catabolism] Abbau kom- plexer organischer Moleküle in einfachere Formen unter Freisetzung von Energie durch lebende Organismen. Katastrophe [catastrophe, desaster] Ein- schneidende Umweltveränderung, die um- fangreiche Schäden hervorruft, gewöhnl. weiträumig Todesopfer fordert, aber so sel- ten auftritt, dass die Auswirkungen der na- türl. Selektion durch ähnl. Ereignisse in der Vergangenheit nicht im genetischen Ge- dächtnis von Arten haften blieben. Kennarten [criterion, sign, mark, symptom] Charakterarten, die eine Vegetationseinheit kennzeichnen. Klassifikation [classification] Methode zur Kategorisierung von Lebensgemeinschaf- ten, wobei solche mit ähnl. Artenzusam- mensetzung zu Untergruppen zusammenge- fasst werden. Klettergarten [klettergarten, rock climbing area] Gut ausgewiesene und eingerichtete Klettergebiete mit zumeist niedrigen Wand- höhen. K. gibt es sowohl in Mittelgebirgsre- gionen als auch in den Tallagen der Alpen. Lange Zeit nur als Trainingsmöglichkeit für alpines Bergsteigen angesehen, stellen sie heute wichtige Zentren des Sportkletterns dar. Aufgrund der Übersicht und der mini- mal vorhandenen objektiven Gefahren kön- nen in K. höhere Schwierigkeitsgrade ge- klettert werden. Neue Impulse entwickeln sich häufig erst im K. bevor sie sich auch in Naturräumen durchsetzen. Klettern [climbing, rock climbing, free clim- bing] = alle Bewegungsformen im Fels und Eis. Prinzipiell werden zwei Formen unter- schieden: 1. Technisches Klettern unter Verwendung techn. Hilfsmittel zur Fortbe- wegung und 2. Freiklettern bei der die Fortbewegung ohne techn. Hilfsmittel er- folgt, diese werden nur zur Absicherung ge- nutzt. Klettersicherung [backup belay system, belay system] = alle techn. Hilfsmittel zur Überwindung von tritt- oder griffarmen Kletterpassagen (Eisschrauben, Felshaken, Gurt, Karabiner, Klemmkeile, Schlingen, Seil usw.) Klettersteige [fixed rope route] Mit Draht- seilen, Eisenleitern und Eisenklammern ge- sicherte K., die zumeist ohne Seilsicherung begangen werden können, jedoch ist Schwindelfreiheit Voraussetzung. K. sind keine Wanderwege. Kletterstile [movement techniques] Nach Fortbewegungsweise und Sicherung werden unterschieden: Rotpunkt, Pinkpoint, On- sight, Flash, Toprope, Free Solo, Solo und Bouldern. Klima [clime, climate] Das K. ist die Summe aller Erscheinungen in der Atmosphäre, über einen längeren Zeitraum hinweg be- trachtet. Zu den Klimafaktoren gehören: Niederschlag, Temperatur, Luftfeuchte und Wind. Klimaschutzwald [climate protection forest] Lokale K. bewahren Wohnstätten, Erho- lungsanlagen, landwirtschaftl. Nutzflächen und Sonderkulturen vor Kaltluftschäden und nachteiligen Windeinwirkungen. Regionale K. verbessern das Klima benachbarter Siedlungsbereiche und Freiflächen über Luftaustausch. 24 Klimax [climax] Vorstellung über das End- stadium einer Vegetations- bzw. Bodenent- wicklung, das mit den derzeit herrschenden Umweltbedingungen in Einklang steht. Koexistenz [coexistence] Zusammenleben von zwei Arten (oder Organismen) im selben Lebensraum, wobei keine von der anderen verdrängt wird. Kohärenz [coherence] = Zusammenhang. Die Funktion des ökolog. Netzes i.S. eines Biotopverbundes. Kolonisation [colonisation] = Kolonisierung. Eindringen und Ausbreitung einer Art (oder von Genen) in ein Gebiet, einen Lebensraum oder eine Population, in der sie zuvor nicht vorkam. KOM = Europäische Kommission. Komfortverhalten [comfort behaviour] Ver- haltensweisen, die entweder der Körper- pflege dienen (Putzen, Kratzen, Sich- Schütteln und –Scheuern, Wasser-, Staub- oder Sonnenbaden) oder dem Stoffwechsel, v.a. der Sauerstoffversorgung (Sich- Strecken, Gähnen). K. wird manchmal se- kundär zum „Ausdrucksverhalten“ weiter- entwickelt, mit dem Artgenossen beeinflusst werden können, das also der Verständigung dient (Balzen, Drohen, Beschwichtigen etc.). Kommensal [commensal] Arten, die eng mit einem Menschen zusammenleben und von ihm profitieren. kosmopolitisch [cosmopolitan] Arten mit weltweiter Verbreitung. Kompensation [compensation] Maßnahmen die auf die Wiederherstellung der Leistungs- fähigkeit des Natur- und Landschafts- haushaltes abzielen und in Ausgleichs- und Einsatzmaßnahmen unterteilt ist. K. ist ein Begriff aus der Landschaftsplanung. Konkurrenz [competition, rivalry] Wechsel- beziehung zw. zwei (oder mehreren) Or- ganismen (oder Arten), bei der gegensei- tig die Geburts- und/oder Sterberate erhöht wird. Konzertierungsverfahren [conciliation pro- cedure] Streitschlichtungsverfahren zw. dem Mitgliedsstaat und der Kommission nach Art. 5 FFH-Richtlinie. Krankheit [disease, disorder, illness, ma- lady, sickness] Gestörter oder veränderter Zustand eines Organismus, der durch die Anwesenheit eines Antagonisten (Toxin oder Pathogen) oder durch das Fehlen irgendei- nes essentiellen Stoffes (z.B. Spurenele- mente oder Vitamine) verursacht wird. K-Strategie [K-strategy] Lebensraumnut- zung unterhalb der Kapazitätsgrenze, bei relativer Langlebigkeit, geringer bzw. relativ konstanter Fortpflanzungsrate. Kulturlandschaft [culturalland, man-made land, agricultural scope landscape] Über- wiegend von anthropogenen Ökosyste- men (einschließl. Siedlungen) gebildete Landschaft. Kunstschnee [artificial snow] Technischer Schnee. 25 Landeplatz [landing place] L. sind Flug- plätze, die nach Art und Umfang des Vor- gesehenen Flugbetriebes einer Sicherung durch einen Bauschutzbereich nicht bedür- fen und nicht nur als Segelfluggelände die- nen. Es werden L. des allg. Verkehrs (Ver- kehrslandeplätze) und L. für bes. Zwecke (Sonderladenplätze) unterschieden. Landeplatz-Lärmschutzverordnung [landing place noise protection establish- ment] Zum 28. Januar 1999 in Kraft getre- tene Verordnung, die wesentl. zeitl. Ein- schränkungen für den Flugbetrieb an stark genutzten Landeplätze mit mehr als 15.000 Flugbewegungen durch Flugzeuge, Motorsegler und Drehflügler pro Jahr. Nach der Landeplatz-Lärmschutzverordnung sind Starts und Landungen von Lärmschutzzeug- nis während der Ruhezeiten grunds. verbo- ten, d. h. wochentags vor 7 Uhr, zwischen 13 und 15 Uhr und nach Sonnenuntergang sowie samstags, sonn- und feiertags vor 9 Uhr und nach 13 Uhr. In der BRD gelten die strengsten Lärmgrenzwerte der Welt. Landespflege [care of countryside, land conservation] Zusammenfassende Bez. für die Aufgabengebiete Naturschutz und Landschaftspflege, inkl. der Grünord- nung. Gesamtheit der Maßnahmen zur nachhaltigen Sicherung und Entwicklung von Landschaften. Landesplanung [country planning, rural ~] Aufgabe der öffentl. Verwaltung in den Län- dern, die zusammenfass., überörtl., über- geordnete, den Grundsätzen der Raum- ordnung entsprechende Programme und Pläne aufstellt und raumbedeutsame Pla- nungen und Maßnahme koordiniert (Raum- ordnung in den Ländern). Landesraumordnungsprogramm [regional development plan adopted by a land] Ge- samträuml. Planung auf Länderebene (Bun- desland) zur Abstimmung unterschiedl. An- forderungen an den Raum (mit unter- schiedl. Bez. in den einzelnen Bundeslän- dern). landgebundener Sport [landlocked sport(s)] Umfasst folgende Sportarten: Wandern, Trekking, Orientierungslauf, Geländelauf (Crosslauf), Bergsteigen, Klettern, Wilderness-Survival, Walking, Nordic- Walking, Joggen, Inline-Skating, Skirollen, Grasskifahren, Reitsport, Rad- fahren, Mountainbikesport. Extrem- und Trendsport umfassen weitere Sportarten wie z.B. Sandboarding, Grassboarding, Mountainboarding. Landschaft [countryside, landscape, terrain, scenery] Von Struktur (Landschaftsbild) und Funktion (Landschaftshaushalt) ge- prägter, als Einheit aufzufassender Aus- schnitt der Erdoberfläche, aus einem Gefüge von Ökosystemen oder Ökotypen be- stehend. Eine Naturlandschaft wird über- wiegend von naturbedingten, eine Kultur- landschaft überwiegend von kulturbedingten Ökosystemen eingenommen. In der Raumplanung oft auch für das nicht über- baute Gebiet (freie Landschaft u. Sied- lungsfreiräume) verwendet. Landschaftsleitbild [landscape model] Na- turschutzfachl. Zielkonzeption für eine Landschaft als Beitrag zur Landschafts- planung, in der innerfachl. Zielkonflikte ausgeräumt sind. Landschaftsanalyse [landsape analysis] Erkundung der natürlich bedingten und anthropogen überprägten Eigenschaften und Prozesse in der Landschaft. Landschaftsbestandteil [landscape ele- ment] Bez. für kleinere und größere Einzel- objekte in der Landschaft (Wald, See, Siedlung usw.), abgrenzbarer flächen- oder objekthafter Teil der Landschaft; vielfach i.S. von „Geschützter Landschaftsbestand- teil“ gebraucht. Landschaftsbild [characteristic landscape, natural scenery] Der visuelle Gesamtein- druck eines Landschaftsausschnittes ohne Betrachtung der Wirkungszusammenhänge. Landschaftsdiagnose [landscape diagnosis] Bewertung der Nutzbarkeit und Entwick- lungsmöglichkeit eines Landschaftsrau- mes. Aus dem Vergleich zw. aktuellem Landschaftszustand und potentieller Leis- tungsfähigkeit werden Aussagen zur Nut- zungseignung sowie zu Folgewirkungen und Reaktionsweisen nach anthropogenen Einwirkungen getroffen. Landschaftselement [landscape element] Gegenstandsbereich der Landschaft, von dem aufgrund struktureller Eigenschaften gesellschaftl. interessierende Auswirkungen unmittelbar ausgehen, und an dem sich ge- sellschaftl. Einwirkungen unmittelbar voll- ziehen (z.B.: Acker, Wald, See, Fluss, Autobahn). Landschaftsfaktor [landscape factor] Bez. für die in der Landschaft enthaltenen Er- scheinungen in ihrer Eigenschaft als wirken- de Kräfte im Gesamtgefüge des Land- schaftshaushaltes. Landschaftsfunktion [landscape function] = von der Landschaft realisierte Leistungen i.w.S. Landschaftsgestaltung [landscaping, land- scape gardening, landscape architecture] Maßnahmen zur Erhaltung und Entwick- lung der Landschaft, meist im Zusam- menhang mit techn. Eingriffen in das http://dict.leo.org/?p=/37m..&search=regional http://dict.leo.org/?p=/37m..&search=development http://dict.leo.org/?p=/37m..&search=plan http://dict.leo.org/?p=/37m..&search=adopted http://dict.leo.org/?p=/37m..&search=by http://dict.leo.org/?p=/37m..&search=a http://dict.leo.org/?p=/37m..&search=land 26 Landschaftsbild und den Landschafts- haushalt. Landschaftshaushalt [landscape energe- tics] = funktionales Wirkungsgefüge der Landschaftsfaktoren. landschaftsorientierte Freizeitaktivitäten [landscape orientational organization of o- ne’s leisure time?] Umfassen Golf, Cross- Golfing Angeln, Sportfischerei, Jagd, Naturbeobachtung, Erholung am Ge- wässer, Spazierengehen, Camping. Landschaftsökologie [landscape ecolology] = Geoökologie. Wissenschaft welche die Analyse und synthetische Betrachtung der komplexen Wechselwirkungen der bioti- schen und abiotischen Merkmale eines Naturausschnittes und damit die Aufhellung des Landschaftshaushaltes in den Mittel- punkt stellt. Landschaftsökosystem [landscape ecosys- tem] = die räuml. zusammenhängende Ge- samtheit funktional miteinander verbunde- ner Ökosysteme. Landschaftspflege [landscape care, en- vironmental management, preservation of landscape, rural amenity, ~ engineering, ~ cultivation, ~ management, ~ tending] Ein- satz von Maßnahmen zur Erhaltung oder Wiederherstellung der nachhaltigen Nut- zungsfähigkeit der Naturgüter sowie der Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Natur und Landschaft unter ökolog., ökonom. und soz. Aspekten. landschaftspflegerischer Begleitplan [ac- companying landscape conservation plan, landscape conservation support plan] Text- und kartenmäßige Darstellung der Maß- nahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege, die darauf abzielen, vorhabensbedingte Funktionsstörungen im Wirkungsgefüge von Naturhaushalt und Landschaftsbild, die sich durch best. techn. Ausgestaltungen des Vorhabens nicht vermeiden oder beheben lassen, physisch- real zu kompensieren. Der l. B. ist das Er- gebnis eines Planungsprozesses, der land- schaftspflegerischen Begleitplanung, und ist (recht.) Bestandteil des Fachplanes. Landschaftsplan [landscape plan] Text- und kartenmäßige Darstellung gebietsbezogener Erfordernisse und Maßnahmen zur Verwirk- lichung der Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege. Der L. ist das Er- gebnis eines Planungsprozesses, der Landschaftsplanung, und wird i.d.R. auf kommunaler Ebene aufgestellt. Landschaftsplanung [landscape planning] Raumbezogenes Planungsinstrument auf gesetzl. Grundlage zur Verwirklichung der Ziele von Naturschutz und Landschafts- pflege in besiedelter und unbesiedelter Landschaft, gegliedert in Landschafts- programm, Landschaftsrahmenplan und Landschaftsplan. Planungsprozess, der zu Landschaftsprogramm, Landschaftsrahmen- plan oder Landschaftsplan führt. Landschaftsprogramm [landscape pro- gram] Es sind die überörtl. Erfordernisse und Maßnahmen zur Verwirklichung der Zie- le des Naturschutzes und Landschafts- pflege unter Beachtung der Grundsätze und Ziele der Raumordnung und Landespla- nung für Bereiche eines Landes darzustel- len. Die raumbedeutsamen Erfordernisse und Maßnahmen der L. sollen unter Abwä- gung mit den anderen raumbedeutsamen Planungen und Maßnahmen nach Maßgabe der landesplanerischen Vorschriften der Länder in die Landesraumordnungspro- gramme/-pläne aufgenommen werden (vgl. §15 BNatSchG). Landschaftsrahmenplan [landscape framework plan] Landschaftsplanung auf regionaler Ebene (z.B. Regierungsbezirk, Region, Kreis) u.a. als Fachbeitrag zum Regionalplan (§5 BNatSchG). Landschaftsschäden [landscape spoilation] Dauernde oder zeitl. begrenzte Störungen des Landschaftsbildes und/oder des Landschaftshaushaltes. Landschaftsschutz [protection of lands- capes] Maßnahmen zur Erhaltung und Pfle- ge der natürlichen und kulturellen Eigen- art einer Landschaft. Landschaftsschutzgebiet [protected lands- cape, landscape protected area] Durch Rechtsverordnungen geschütztes Gebiet, in dem ein bes. Schutz zur Erhaltung und Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes oder der Nutzungs- fähigkeit der Naturgüter wegen der Viel- falt, Eigenart oder Schönheit des Land- schaftsbildes oder wegen der bes. Bedeu- tung für die Erholung erforderl. ist. Landschaftsstruktur [landscape structure] Die räuml. und funktionale Anordnung der Landschaftselemente bei Vernachlässi- gung des Wirkungsgefüges. Landschaftswandel [landscape change] Wesentl. qualitative Veränderungen der Landschaft, die den Stoff- und den Ener- giehaushalt, das naturgegebene Potential oder das äußere Landschaftsbild betref- fen. Langlauf [cross-country skiing] = klass. Form des Skilaufs. L. wird in eigens dafür angelegten Loipen betrieben, häufig zur Erholung und als Ausgleichssportart in reizvollen Landschaftsbereichen sowie als Wettkampfsport als olympische Disziplin. 27 Der Laufstil wird in die klass. Lauftechnik und die Skatingtechnik (Freistil) unterschie- den. Lawinenschutzwald [barrier forest] Schutzwald, der die Entstehung von Lawi- nen und Schneerutschungen verhindern so- wie abgehende Lawinen und Schneerut- schungen nach Möglichkeit lenken, bremsen oder zum Stillstand bringen soll. Lebensgemeinschaft [biotic community, life ~] Die Gemeinschaft der in einem Biotop regelmäßig vorkommenden Arten von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen, de- ren Vertreter alle untereinander mit den Angehörigen anderer Arten in Wechselbe- ziehung stehen, sich gegenseitig bedingen und durch Fortpflanzung dauernd erhalten (Biozönose). Lebensqualität [quality of live] = medizin. Ordnungskategorie. Je näher der Allgemein- zustand einer Pers. einem gesunden Ge- samtbild gleicht (innerhalb festgelegter Grenzwerte) und je höher die Leistungs-, Lust- und Genussfähigkeit ist, desto höher wird die L. angesehen. Lebensraum [biosphere, biotope, living space, environment, habitat] Wird allg. so- wohl i.S. der Begriffe Habitat als auch Biotop benutzt. Er kann bei Tieren aus mehreren saisonal genutzten Gebieten be- stehen. Lebensraumtyp (Prioritär Arten) [habitat type] Arten bzw. natürl. Lebensraumty- pen, deren Erhaltung im Gebiet der Eu- ropäischen Union eine besondere Bedeu- tung zukommt: Kennzeichnung in den An- hängen I bzw. II der FFH- Richtlinie mit (*). Lebenstafel [life table] Zusammenfassung (nach Altersklassen) der Überlebensfähig- keit von Individuen einer Population. Lebenszyklus [life cycle] Abfolge von Stadi- en eines Organismus während seiner Ent- wicklung von der Zygote bis zur Produkti- on von Nachkommen. Lebenszyklusanalyse [life cycle assess- ment] Beschreibt die Umweltbelastungen eines Produktes oder eines Prozesses von der Produktion bis zur Entsorgung, unter Einbezug der vor- und nachgelagerten Pro- zesse. Die materiellen und energetischen In- und Outputs werden in einer Sachbilanz erfasst. Die daraus folgenden Umweltbe- lastungen werden in einem weiteren Schritt des Assessments den jeweiligen Umwelt- kompartimenten (z.B. Wasser, Boden, Luft) zugeordnet und danach bewertet. Lebenszyklusstrategie [life cycle strategy] Muster von Wachstum, Differenzierung, Speicherung und Reproduktion während des Lebens eines Organismus. Lebewesen [creature, life-form, organism] = Organismus. Ein aus Zellen oder einer Zelle bestehender lebender Körper. L. sind Mikroorganismen, Pflanzen und Tiere (inkl. Mensch). Lee [lee] = die windabgewandte Seite (Ggs. Luv). Leistungsfähigkeit [capacity, competitiven- ess, efficiency] Aus der räuml.-materiellen Struktur, Funktion und Dynamik sowie aus den Substanzen, Energien und Prozessen der landschaftl. Ökosysteme resultieren- des Vermögen zur Erbringung ökolog. Leis- tungen. Leitbild [model, overall concept] Regional oder lokal spezifizierte Ziele und Grundsätze bzw. zusammengefasste Darstellung des angestrebten Zustandes, der in einem best. Landschaftsraum in einer planerisch ab- sehbaren Zeitphase erreicht werden soll. Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung [model of sustainable development] Auch Zieldreieck der Nachhaltigkeit, das sich aus den drei Dimensionen Ökologie, Ökonomie und Soziales zusammensetzt. Unklar ist aber, wie sich das Kräfteverhält- nis auf die drei Zielfelder verteilen soll, um eine nachhaltige Entwicklung zu gewähr- leisten. Die ökonom. Zieldimension orien- tiert sich dabei an der Steigerung der Le- bensqualität, die ökolog. an dem Erhalt des Naturkapitals und die soziale Dimension nimmt Rücksicht auf kommende Generatio- nen. Leitbildanalyse [Leitbild analysis] = analyt. Verfahren der Sozialforschung. Sie zielt nicht auf die Entwicklung und normative Vorgabe von Leitbildern, sondern auf deren Rekonstruktion und Identifikation im Den- ken und Alltagshandeln von Individuen, Sozietäten und Institutionen. Leitlinien [guidelines] = allgemeingültige ökolog. Ziele und Grundsätze. LIFE [LIFE] Seit 1992 bestehendes Finanzie- rungsinstrument der EG für Pilotvorhaben in den Bereichen Umwelt, Natur und Drittländer. Bezieht sich im Förder- Teilbereich Natur auf Maßnahmen in An- wendung der EG-Vogelgesetzrichtlinie und der EG-Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-Richt-linie). Life Style [lifestyle] Bez. das gemeinsame, von anderen abgrenzbare Verhalten und Wertmuster einer Personengruppe. Gruppen mit gleichem Lebensstil können als Milieus oder Szenen bezeichnet werden. 28 Lift [ski lift] Mechanische Aufstiegshilfe für Schneesportler auf Ski und Snowboard. Es werden Schlepplift mit an einem umlaufen- den Seil hängenden Bügeln oder Sessellift mit am Seil hängenden Sitzen unterschie- den. Limikolen [limicole] = populärwissenschaftl. Sammelbegriff für „Wat- und Stelzvögel“. Loipe [cross-country ski run] Für den Lang- lauf präparierte, meist auf land- und forst- wirtschaftl. Wegen für die Klassische und Skating-Technik angelegte Strecke. L. er- möglichen eine Besucherlenkung und -konzentration auf vorgegebenen Achsen. Lokale Agenda 21 (LA21) [local agenda 21] In der Agenda 21 werden in Kapitel 28 explizit die Kommunalverwaltungen auf- gefordert, zusammen mit Politik und Ver- waltung, Wirtschaft, Nichtregierungsorga- nisationen und Bürgern eine LA21 zu erstel- len. Hier sollen direkte Probleme, die den Bürger betreffen, aufgegriffen werden und i.S. der nachhaltigen Entwicklung Lö- sungsansätze entwickelt werden. LSG = Landschaftsschutzgebiet. Luftfahrerschein [pilot license] Staatl. Er- laubnis für Piloten zum Führen und Bedie- nen von Luftfahrzeugen wie Flugzeuge, Segelflugzeuge oder Ballone. Luftfahrzeug [aircraft] Fahrzeuge, die so beschaffen sind, dass sie sich ohne unmit- telbaren Kontakt mit der Erdoberfläche durch die Luft bewegen können. Als L. zäh- len Motorsegelflugzeuge, Segelflugzeuge, Drehflügler, Ballone (Frei- und Fesselbal- lone), Luftschiffe, Rettungsfallschirme, Luftsportgeräte und Flugmodelle. Luftraum [airspace] Der Raum in der Luft, in dem sich Luftfahrzeuge bewegen. In den Luftfahrerkarten ist die Luftraumstruktur wiedergegeben, d.h. bes. ausgewiesenen L., die z.B. nur für best. Luftfahrzeugkategorien vorgesehen sind oder für die best. Anforde- rungen erfüllt sein müssen. Z.B. sind in der Umgebung von Flughäfen sog. kontrollierte Lufträume eingerichtet, in die nur mit spezi. Berechtigungen eingeflogen werden darf. Luftsport [air sport] Die sportl. Betätigung mit Luftfahrzeugen in der Freizeit oder bei Wettbewerben umfasst folgende Sport- arten: Hängegleiten (Drachenfliegen, Gleitschirmfliegen), Fallschirmspringen, Ballonfahren, Modellflug, Motorflug, Se- gelflug, Ultraleichtfliegen, Wasserfliegen. In Deutschland wird der Flugsport vom Deut- schen Aero Club e.V. (DAeC) organisiert. Luftsportgerät [sporting aircraft, piece of air sports equipment?] Unter L. fallen ein- oder mehrsitzige Ultraleichtflugzeuge, Hän- gegleiter (Drachen), Gleitsegel (Gleitschir- me), Sprungfallschirme, Gleitflugzeuge bis 120 kg Leermasse. Luv [luff] = die windzugewandte Seite (Ggs. Lee). 29 Maare [maar] = wassergefüllte Krater, die in der Vulkaneifel anzutreffen sind. Makrophyten [macrophyte] = Pflanzen, die makroskopisch als Individuen erkennbar sind. mechanische Aufstiegshilfe [lift] Diese Transportmittel lassen sich in zwei Haupt- gruppen einteilen. 1. Seilschwebebahnen: Pendelseilbahnen, Umlaufseilbahnen mit geschlossenen (Kabinen, Gondeln) oder of- fenen Fahrbetriebsmitteln (Sesselbahn). 2. bodengebundene Seilbahnen (Lifte): Standseilbahnen, Schlepplifte. Mehrfachnutzung [multiple use] Gleichzei- tige oder zeitl. und räuml. differenzierte In- anspruchnahme von Landschaftselemen- ten durch Nutzer unterschiedl. Bereiche für versch. Zwecke. Melioration [melioration, land improvement] Maßnahmen zur nutzungsorientierten Ver- besserung des Bodens seitens der Land- und Forstwirtschaft. mesotroph [mesotrophic] Bez. für mäßig produktive Seen. Metabolismus [metabolism] = Stoffwechsel. Summe aller chem. Reaktionen in einer Zel- le oder einem Organismus. Migration [migration] = Wanderung. Die Wanderung von Individuen und häufig ganzen Populationen von einem Gebiet in ein anderes. Milieu [milieu] Bez. in Deutschland die kultu- rell-soz. Umwelt. Die Milieutheorie besagt, dass der Mensch Produkt seiner Umwelt sei (konträr zur Vererbungstheorie). Mindestflughöhe [minimum flight altitude] Generell darf nicht tiefer als 150 m bzw. 300 m (über besiedeltem Gebiet) geflogen werden. Im Überlandflug gilt 600 m über Grund als M. Diese darf nur von nicht moto- risierten Luftfahrzeugen unterschritten werden, wenn die Art ihres Betriebes das notwendig macht und eine Gefahr für Pers. und Sachen nicht zu befürchten ist sowie von motorisierten Luftfahrzeugen für Start und Landung und wenn die Einhaltung der Sichtflugregeln dies erforderlich macht. Minimalareal [minimum area] Auch Mini- mumareal bzw. Minimalfläche. Natur- schutz: Kleinste Flächengröße, die noch ei- ne best. (möglichst hohe) Schutzleistung in einem best. (möglichst langen) Zeitraum erbringen kann. Die Schutzobjekte sind Individuen, Populationen oder Öko- systeme. Pflanzensoziologie: Flächengröße, die im mehr oder weniger homogenen Be- stand gerade noch alle charakterist. oder konstanten Arten erfasst, deren Zahl sich aber bei Vergrößerung des Areals nicht wesentl. erhöht. Mitgeschöpflichkeit [animals’ right to live] Bez. die Geschwisterlichkeit aller Lebewe- sen relativ zur Vaterschaft des göttl. Schöp- fers. Es ist eine theolog. Form des natürl. Mitseins (natürliche Mitwelt). Sie sieht dieses in der Gemeinsamkeit des Geschaf- fenseins durch den Schöpfer. mitweltliches Handeln [contemporary act] = moralisch richtiges Handeln der Natur gegenüber. Mobilität [mobility] = Beweglichkeit. Bez. für die subjektive und objektive Fähigkeit zum Ortswechsel. Die natürl. Befähigung der Menschen zur M. spricht heutzutage für die individuelle Freiheit eines jeden, zu ge- hen, wohin er will. Monokultur [monoculture, monocropping] = große, von einer einzigen Pflanzenart be- deckte Fläche; experimentell der Anbau ei- ner einzigen Pflanzenart. monomorph [monomorph] = in nur einer Form auftretend. Mono Ski [monoski] Ein-Ski: etwas länger und breiter als ein normaler Ski. Monitoring [monitoring] Fortdauernde Be- obachtung von abiotischen und/oder bi- otischen Faktoren und Kompartimenten zur Überwachung des Zustandes der Umwelt, um Veränderungen zu erkennen. Morphogenese [morphogenesis] Entwick- lung der Körpergröße, Gestalt oder anderer struktureller Eigenschaften eines Orga- nismus. Morphologie [morphology] Die Lehre von Form und Struktur der Organismen und den Lageverhältnissen der Organe. Mountainbikesport [mountain biking] Rela- tiv junge Radsportart, die ausschließl. im Gelände mit einem spez. Bergfahrrad (leicht, geländegängig, robuster Rahmen, Rasterschaltung, Stollenprofilreifen) ausge- übt wird. Folgende Renndisziplinen werden unterschieden: Cross-Country, Downhill, Hillclimb. Darüber hinaus gibt es noch Pa- rallelslaloms, Langstreckenrennen, Sprint- und Geschicklichkeitswettbewerbe (Trials). Müll [garbage, rubbish, waste, refuse] = feste Abfallstoffe von Haushalten und Un- ternehmen, die in best. Behältern gesam- melt und von der Müllabfuhr abgeholt wer- den. Mykorrhiza [mykorrhiza] Symbiose zw. Pilzen und den Wurzeln von höheren Pflan- zen, wobei die Gefäßpflanze Assimilate und der Pilz Nährstoffe und Wasser beisteu- ert. 30 NABU [nature conservation association of germany] = Naturschutzbund Deutschland e.V. Verein zum Schutz der Natur. Nachhaltigkeit [sustainability] Dauernde Erhaltung der Leistungsfähigkeit ökolog. Systeme zum Nutzen gegenwärtiger und zukünftiger Generationen. Forstwirtschaft: Das Prinzip der dauerhaften Gewährleistung einzelner oder mehrerer Waldfunktionen. Ursprüngl. v.a. auf die Holzerzeugung bezo- gen, erstreckt sich die Nachhaltigkeitsforde- rung heute zumeist auf eine stetige und op- timale Bereitstellung sämtl. materieller und immaterieller Leistungen des Waldes. Landwirtschaft: Fähigkeit eines Agraröko- systems, bei Nutzung und Ausgleich der Verluste dauerhaft gleiche Leistungen zu erbringen, ohne sich zu erschöpfen. Nachhaltige Entwicklung [sustainable de- velopment] Meist auch zukunftsfähige oder zukunftsbeständige Entwicklung, geht auf den Brundtland-Bericht zurück: „Unter dauerhafter Entwicklung verstehen wir eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heu- tigen Generation entspricht, ohne die Mög- lichkeiten künftiger Generationen zu ge- fährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befrie- digen und ihren Lebensstil zu wählen. Die Forderung, diese Entwicklung ‚dauerhaft’ zu gestalten, gilt für alle Länder und Men- schen. Die Möglichkeit kommender Genera- tionen, ihre eigenen Bedürfnisse zu befrie- digen, ist durch Umweltzerstörung ebenso gefährdet wie durch Umweltvernichtung und durch Unterentwicklung in der Dritten Welt.“ nachhaltige Nutzung [sustainable utilizati- on, ~ exploitation] Die Nutzung von Be- standteilen der biologischen Vielfalt in ei- ner Weise und in einem Ausmaß, die nicht zum langfristigen Rückgang der biolog. Viel- falt führen, wodurch ihr Potenzial erhalten bleibt, die Bedürfnisse und Wünsche heuti- ger und künftiger Generationen zu erfüllen. Nächsterholung [?] Erholung in unmittel- barer Nähe der Wohnung oder der Arbeits- stätte. Naherholung [local recreation] Erholung in der näheren Umgebung des Wohnortes, in der Regel Tageserholung. Naherholungsgebiet [local recreational area, recreation area close to a town] Er- holung im Freien in der Nähe des Wohnor- tes als ein erschlossenes Gebiet für die Naherholung. Nahrungskette [food chain] Abstrakte Dar- stellung der Verbindungen zw. Konsumen- ten und konsumierten Populationen. Nationalpark (NLP) [national parc] Durch Rechtsvorschrift streng geschütztes, groß- räumiges Gebiet, in dem der Schutz der na- türl. Abläufe absoluten Vorrang vor Nutzung und Inanspruchnahme hat. nationale Gebietslisten [proposed Sites of Community Interest] Bis Juni 1995 mussten Gebietsvorschläge der Mitgliedstaaten (engl. pSCI) in nationalen Gebietslisten für die FFH-Richtlinie an die Kommission gesandt werden. Natur [nature] Gesamtheit der nicht vom Menschen geschaffenen belebten und unbe- lebten Erscheinungen. NATURA 2000 [natura 2000] Schutzgebiets- system der Europäischen Union (EU). Es umfasst alle Gebiete nach der FFH- Richtlinie und der Vogelschutzrichtlinie. natürlich [natural] = vom Menschen unver- ändert, in ursprüngl. Zustand d.h. ohne di- rekten menschl. Einfluss entstanden. natürliche Mitwelt [natural contemporaries] Die n. M. umfasst die gesamte außer- menschl. Natur, einschließl. ihrer Gestal- tung durch den Menschen. So wie die Menschheit ist auch unsere n. M. ein Teil des Ganzen der Natur. Natürlichkeitsgrad [naturalness] Abstufung des menschl. Einflusses auf ein Ökosys- tem oder eine Biozönose. Man unterschei- det: natürlich und naturnah, d.h. ohne direkten menschl. Einfluss entstanden, vom Menschen nicht wesentl. verändert sowie halbnatürl., was bedeutet, vom Menschen nicht bewusst geschaffen, aber beeinflusst und von diesem Einfluss abhängig und anthropogen bzw. naturfern. naturbezogene Pädagogik [natural educa- tion, ~ pedagogy] Beinhaltet ein hand- lungsorientiertes Modell für diejenigen, die Natur und Menschen gleichermaßen schätzen. Naturbezogen leben und andere Erwachsene, Kinder und Jugendliche an die- sem Leben teilhaben lassen, den Kreislauf der Natur verständlich machen und hier ei- ne Nähe zum menschl. Handeln suchen. Naturbildung [nature education?] Bildung der Menschen für die Natur diese zu er- kennen und in der Erkenntnis zu „lieben“ (zu respektieren). Die Diskussion eines Ei- genwertes auch der nichtmenschl. Natur, die Aufwertung individuellen Naturerle- bens mit allen Sinnen als Ergänzung zur ra- tionalen Wissensvermittlung. Naturdenkmal [natural monument, ~ land- mark] Durch Rechtsverordnung geschützte objekthafte oder flächig klar von der Umge- bung abgrenzbare Einzelschöpfung der Natur. N. werden aus wissenschaftl. Gründen oder wegen ihrer Seltenheit, Ei- genart oder Schönheit geschützt. 31 Naturentfremdung [nature alienation, ~ estrangement?] Ein Teil der Ideologie, „dass der Mensch einst, ja noch vor Kurzem in Eintracht mit der Natur“ gelebt habe, sich nun aber stetig, wie es jedes andere Le- bewesen auch getan hätte, weiter entwi- ckelt habe und sich so durch Eroberung von der natürl. in eine techn. Welt gelebt hätte. Naturerfahrung [nature experience] = ein ganzheitl. Aneignungsprozess relativ natur- naher Lebensumwelt. Sie basiert auf dem unmittelbaren subjektiven Empfinden, Wahrnehmen und Erleben von natürl. Gebil- den. Sie trägt dazu bei, dass sich der Mensch seiner natürl. Lebensgrundlage be- wusst ist und motiviert ihn gegebenenfalls zu einem Umwelthandeln i.S. der nach- haltigen Entwicklung. Naturerleben [experiencing nature] Ist auf ästhetische und ethische Wertbildung und das dadurch begründetet Handeln im Be- reich des Natur- und Umweltschutzes gerichtet. Inszeniert und reflektiert werden v.a. wohltuend bekräftigende Naturerfah- rungen mit allen Sinnen. Mit N. soll insbes. in den naturwissenschaftl. Fächern der be- drückenden Informationsflut in der Umwelt- krisendiskussion entgegengewirkt werden. Naturerlebnisgebiet [nature experience area?] N. sind im Naturschutz Flächenka- tegorien, die in bes. Weise dem freien Na- turerleben der Menschen, deren Lernen, Spielen und Erholung in der Landschaft und nicht primär klass. Naturschutzzielen vorbehalten sind. naturgemäße Waldwirtschaft [natural management of forests, nature-based forest management] Von einer forstl. Richtung praktizierte waldbauliche Vorgehensweise mit dem Ziel, den wertvollen Einzelstamm ausreifen zu lassen. Kennzeichnend sind die standortheimische bzw. standortgerechte Baumartenwahl, die konsequente Vermei- dung des Kahlschlags („Dauerwald“), die systematische Schaffung von Mischbestän- den, Ungleichaltrigkeit, Ausnutzung der Na- turverjüngung sowie Verzögerung der End- nutzung zur Starkholzproduktion. Naturgüter [natural assets] = natürl. Res- sourcen. Erneuerbare N. (z.B. Wälder, Fischbestände) dürfen auf Dauer nur im Rahmen ihrer Regenerationsfähigkeit ge- nutzt werden. Nicht erneuerbare N. (z.B. fossile Energieträger, landwirtschaftl. Nutz- fläche) dürfen nur in dem Maße genutzt werden, wie ihre Funktion durch andere er- setzt werden können (vgl. Substitution). Naturhaushalt [ecosystem, natural balance] Bez. für das Verhältnis von Energie und Bio- elementen in Form von Input, internem Umsatz und Output in der Natur, in der Regel bezogen auf Ökosysteme. Naturkatastrophe [natural disaster] = durch abiotische (geolog., klimatolog.) Faktoren verursachtes und schwere Schä- den bewirkendes Ereignis, das ein größeres Areal betrifft und bei dem Menschen zu Tode kommen sowie schwere materielle Schäden entstehen können. Naturlandschaft [natural landscape, virgin ~, wilderness] Von unmittelbaren menschl. Aktivitäten unbeeinflusst gebliebene Landschaft, die lediglich auf dem Zusam- menwirken der derzeit herrschenden natur- bedingten ökolog. Faktoren beruht. Gedach- te Landschaft, wie sie ohne Einfluss des Menschen aussehen würde, wobei zw. einer effektiven N. (= Urlandschaft) und einer theoret. N. (= Landschaft unter den derzei- tigen natürl. Bedingungen ohne Eingriffe des Menschen) unterschieden werden muss. Natur-, Landschaftspfleger [nature con- servator, landscape ~] Nicht-akadem. Berufsabschluss im Naturschutz, zum ge- prüften Natur- und Landschaftspfleger nach der Bundesverordnung vom 6. März 1998. Die Ausbildung umfasst die Umsetzung von Landschaftspflegemaßnahmen, Kompetenz im Bereich der Besucherinformation und Schutzgebietsbetreuung. naturnah [naturalistic] = ohne direkten menschl. Einfluss entstanden und vom Men- schen nicht wesentl. verändert, d.h. dem natürl. Zustand nahe kommend. naturnahe Landschaft [nature-orientated landscape, near-natural ~] Kulturland- schaft, die noch sehr stark von standortge- mäßen natürl. Landschaftselementen ge- prägt wird. Naturpark [nature parc, natural parc, natu- ral preserve] Großräumige, abwechslungs- reiche Kulturlandschaft von bes. land- schaftl. Reiz und hohem Erholungswert. Das Schutzziel der N. in Deutschland besteht in der Erhaltung der Vielfalt, Schönheit und Eigenart von Kulturlandschaft, ihres Land- schaftsbildes und Landschaftshaushaltes. Naturphilosophie [natural philosophy] Zählt neben Logik und Theologie bzw. Ethik zu den theoret. Wissenschaften. In der Antike befasst sich die N. mit den sinnlich wahr- nehmbaren Dingen sowie den Bedingungen ihrer Erkenntnis und ist gleichbedeutend mit Naturwissenschaft. Metaphysische N. wird nur als Gegenposition zur empirisch expe- rimentell orientierten Naturerkenntnis ge- sehen. Die wesentl. Fragestellung der N. ist hierbei: „Ist der Mensch Teil der Natur oder nicht?“ 32 Naturraum [area of unspoiled nature] Ein beliebig großer Ausschnitt der Erdoberflä- che, der durch natürl. Elemente und Fakto- ren bestimmt wird. Physisch-geographische Raumeinheit mit charakteristischem Bio- bzw. Ökotopengefüge. Im Grunde ent- spricht der N. der Naturlandschaft. In der Kulturlandschaft bildet er jene Komponen- te, welche die naturgesetzl. Verflechtung bewirkt. Natur(raum)potential [nature kingdom capacity, ~ potential] Das Leistungsvermö- gen eines Naturraumes in Bezug auf die von Mensch und Gesellschaft nutzbaren Landschaftsfunktionen. Erfasst wird das N. in Form von partiellen Potentialen. Be- kannt sind insbesondere das biot. Ertrags- und Regenerationspotential, das klimat. Re- generationspotential, das Wasserange- botspotential und das Entsorgungspotential. Naturschutz [nature protection, wildlife conservation, nature ~, nature conservan- cy] Gesamtheit der Maßnahmen zur Erhal- tung und Förderung der natürl. Lebens- grundlagen (Naturgüter), von Pflanzen und Tieren wildlebender Arten und ihrer Lebensgemeinschaften sowie zur Siche- rung von Landschaften und Landschafts- teilen in ihrer Vielfalt und Eigenart. Naturschutzbeauftragter [commissioner for nature preservation] Als Hauptaufgabe obliegt dem N. die fachl. Beratung der un- teren Naturschutzbehörde (§48 Abs. 2 Nr. 3 BNatSchG). Die N. sind den unteren Na- turschutzbehörden angegliedert. Sie sind an fachl. Weisungen nicht gebunden und wer- den von den Stadt- und Landkreisen jeweils für die Dauer von fünf Jahren im Benehmen mit der höheren Naturschutzbehörde be- stellt. Sie haben Anspruch auf Auslagener- satz gegenüber dem Stadt- und Landkreis und auf eine angemessene Aufwandsent- schädigung gegenüber dem Land. Das Mi- nisterium hat die Obliegenheiten der N. zu regeln. Danach tritt der N. mit seiner Be- stellung in ein ehrenamtl. Treueverhältnis zu dem Stadt- und Landkreis. Das Beneh- men mit der höheren Naturschutzbehörde, die auch die Bezirksstelle einschaltet, hat insbes. zum Ziel, die Mitwirkung des Landes bei der Bestellung sicherzustellen. In Stadt- kreisen sind in der Regel zwei, in den Land- kreisen vier bis sechs N. zu bestellen. Zu- ständig ist für die Bestellung in den Land- kreisen der Kreistag im Einvernehmen mit dem Landrat und in den Stadtkreisen der Gemeinderat im Einvernehmen mit dem Oberbürgermeister. Die Bestellung kann auch auf Ausschüsse übertragen werden. Fast die Hälfte der N. kommt aus der Forst- verwaltung. Einen hohen Anteil stellen auch die Vertreter der Landwirtschaft und der Bi- ologie. Schließlich folgen Vertreter der Ver- waltung, Flurbereinigung, Handwerk und Technik. Ihre Kompetenz ergibt sich aus ih- rer Berufs- oder Verbandserfahrung. Ent- sprechend dem Arbeitsschwerpunkt der un- teren Naturschutzbehörde liegt der Schwer- punkt der Arbeit des N. ebenfalls bei der Eingriffsregelung (Genehmigungen, Anord- nungen, Stellungnahmen zu Bauvorhaben und Bauleitplanungen) im wesentl. durch die Erarbeitung von schriftl. und mündl. Stellungnahmen. Der N. muss beim Land- schaftspflegeprogramm mitwirken und Pfle- gearbeiten organisieren und überwachen. Hinzu kommen Stellungnahmen zu Land- schaftsschutzgebieten und v.a. zu Natur- denkmalen. Er muss Biotope erfassen, Schutzgebiete und wichtige Biotope über- wachen, zumindest die Naturschutzwarte entsprechend anweisen und einteilen. Naturschutzbehörde [Nature Conservation Agency, nature conservation authority] Die N. werden in oberste N. auf Ebene der Mini- sterien für Umwelt der Länder, in obere N., die auf Landesregierungsebene bei den Regierungspräsidien angesiedelt sind und untere N. auf Kreisebene unterteilt. Naturschutzbiologie [conservation biology] Prinzipien und Praktiken der Wissenschaft, die sich mit der Bewahrung von Arten vor dem Aussterben sowie mit der Erhal- tung von Lebensräumen befasst. Naturschutzgroßprojekte [Federal Nature Protection Projects] Projekte im Bundesför- derprogramm zur „Errichtung und Sicherung schutzwürdiger Teile von Natur und Landschaft mit gesamtstaatl. repräsenta- tiver Bedeutung“ (seit 1979) sowie im Ge- wässerrandstreifenprogramm des Bundes (seit 1989). Naturschutzgebiet [nature protection area] N. dienen dem Schutz von Natur und Landschaft und von wild lebenden Pflan- zen- und Tierarten. Sie werden aus wiss. und naturgeschichtl. Gründen sowie wegen der Seltenheit der Arten oder der hervor- ragenden Schönheit der Landschaft ange- legt. Die Erklärung zum N. erfolgt durch Eintragung in das Landesnaturschutzbuch bei der obersten Naturschutzbehörde. Naturschutzrecht [nature protection law, nature conservation rights] Unter N. wird der Teilbereich des Umweltrechts ver- standen, der sich spez. mit dem Schutz von Tieren und Pflanzen, ihrer Lebensräume, der Leistungsfähigkeit des Naturhaushal- tes sowie der Vielfalt, Eigenart und Schön- heit der Landschaft befasst. Rechtsgrund- lage hierfür ist das Bundesnaturschutzge- setz (BNatSchG.). Naturschutzverband [nature protection association] Nach §29 BNatSchG aner- http://www.uvm.baden-wuerttemberg.de/nafaweb/berichte/g-NatSchG/natsg61.htm http://www.uvm.baden-wuerttemberg.de/nafaweb/berichte/g-NatSchG/natsg61.htm http://dict.leo.org/?p=/37m..&search=nature http://dict.leo.org/?p=/37m..&search=protection http://dict.leo.org/?p=/37m..&search=area 33 kannter Verein, der vorwiegend die Ziele des Naturschutzes und der Landschafts- pflege fördert. Natursport [synonym: outdoor recreation, ~ activities, ~ pursuits] Jede selbst bestimm- te Bewegungshandlung in der freien Landschaft, die weder an Motorantrieb, noch an Sportanlagen zwingend gebunden ist und die die Auseinandersetzung mit sich selbst in der Natur und mit der Natur er- möglicht. Natursportartenordnung [system of ?] Natursport wird in folgende Bereiche un- terteilt: landgebundener Sport, Wasser- sport, Luftsport, Wintersport, land- schaftsorientierte Freizeitaktivitäten. Natursportausprägungen [value of ?] Risi- kosport, Extremsport, Erholungs- und Ge- sundheitssport, Funsport, Soulsport, Trendsport, Wettkampfsport. Naturwacht [ranger] Sammelbez. für haupt- oder ehrenamtl. tätige Schutzgebietsbe- treuer mit Überwachungs- und Informa- tionsfunktion („Ranger“). Naturwald [natural forest] Bez. für Natur- waldreservat in Niedersachsen. Naturwaldreservat [strict natural forest area] Waldfläche, die der Erhaltung, Ent- wicklung und Erforschung naturnaher Waldökosysteme dient; wirtschaftsbest. Eingriffe sind ausgeschlossen. Naturwaldzelle [strict natural forest area] Bez. für Naturwaldreservat in Nordrhein- Westfalen und im Saarland. Neophyten [neophyte] Neusiedler unter den Pflanzen, die durch zufällige Einschleppung oder gezielte Pflanzung vom Menschen ein- gebracht wurden. Neozoen [non-indigenous animals, neozoen] Zugewanderte oder eingeführte bzw. einge- schleppte gebietsfremde Tierarten, die im neu besetzten Gebiet selbsttragende Po- pulationen bilden. Neues Ökologisches Paradigma [New Environmental Paradigm (NEP)] Bez. ein neues Werte- und Einstellungsmuster, das dem in den USA bis dahin vorherrschenden Wertemuster („Dominant Social Paradigm“) eine neue Orientierung entgegensetzt. Kern des N. Ökolog. P. ist die Orientierung an der Eigengesetzlichkeit der Natur und an ihrer Erhaltung. Damit richtet es sich gegen die einseitige Orientierung an wissenschaftl. Fortschritt und wirtschaftl. Wachstum. nichtanlagenbezogene Sportaktivität [non site-located sports activity] Sportar- ten, die nicht regelmäßig auf best., künstl. geschaffene Einrichtungen angewiesen sind, wie z.B. Joggen, Bergsteigen, Surfen, Angeln, Skilanglauf und Radfahren (Ggs. anlagenbezogene Sportaktivität). Nichtregierungsorganisationen (NRO) [Non-governmental Organization (NGO)] Bez. von nicht-staatl. Selbsthilfe- und Inte- ressengruppen mit fester Organisations- struktur, die eigenständig oder in Abstim- mung mit Regierungsstellen nat. oder inter- nat. (INGOs) in einzelnen Politikfeldern tätig sind, in denen tatsächl. oder antizipierte soz., ökonom. oder polit. Probleme von staatl. Akteuren nicht befriedigend gelöst werden. Die wichtigsten internat. Betäti- gungsfelder sind Entwicklungspolitik (z.B. Hilfwerke der Kirchen, polit. Stiftungen), Umweltpolitik (z.B. Greenpeace) sowie Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe (z.B. Amnesty International, IKRK). Wach- sende Bedeutung haben die INGOs für die Sonderkonferenzen der Vereinten Nationen u.a. zu Welternährung (Rom 1974) und Umweltschutz (Stockholm 1972, Rio de Janeiro 1992, Kyoto 1997) erlangt. Die nicht profitorientierten INGOs, deren Zahl inzw. auf über 5.000 geschätzt wird, unter- scheiden sich von den profitorientierten multinationalen Konzernen (Business Inter- national Non-governmental Organisations, BINGOs), die ebenfalls Institutionen des in- ternat. Privatrechts sind, und den durch zwischenstaatl. Vereinbarungen geschaffe- nen internat. Organisationen (International Governmental Organisations, IGOs), die Völkerrechtssubjekte sind. Nische [niche] Grenzen aller wesentl. Um- weltmerkmale, innerhalb derer die Indivi- duen einer Art überleben, wachsen und sich fortpflanzen können. Nivologie [nivologie] = die Wissenschaft vom Schnee (lat. nives f. pl. = Schneemas- sen). Nordischer Skisport [nordic skiing] Besteht aus Langlauf, Skispringen, nordische Kombination und Biathlon. Normenreihe DIN EN ISO 14000 ff. [ISO 14000 Environmental Management Guide/ series of standards?] Die gesamte 14000er- Normenfamilie beschäftigt sich seit 1996 mit der Entwicklung eines einheitl. Stan- dards für das betriebl. Umweltmanage- ment mit dem der Umweltschutz syste- matisch im Management von Unternehmen und Organisationen verankert wird. Nutzungseignung [utilisation aptitude?] Kriterien für die zulässigen Nutzungsformen und -intensitäten, die unter Beachtung der Regenerationsfähigkeit von Landschaf- ten, Naturräumen und Ökosystemen un- terschiedl. Integrationsebenen zu berück- sichtigen sind. http://www.wissen.de/xt/default.do?MENUID=40,156,538,547&MENUNAME=InfoContainer&OCCURRENCEID=.SL0011738491.TM01-FullContent&WissenID=P5PMP69Euuo53BA1w1T6Ly20u4Q4Wip9O38FJBVM522aKJ7brvZO|7581382956870048232/182718475/6/7063/7063/7003/7003/7063/- http://www.wissen.de/xt/default.do?MENUID=40,156,538,547&MENUNAME=InfoContainer&OCCURRENCEID=.SL0011706250.TM01-FullContent&WissenID=P5PMP69Euuo53BA1w1T6Ly20u4Q4Wip9O38FJBVM522aKJ7brvZO|7581382956870048232/182718475/6/7063/7063/7003/7003/7063/- http://www.wissen.de/xt/default.do?MENUID=40,156,538,547&MENUNAME=InfoContainer&OCCURRENCEID=.SL0011801666.TM01-FullContent&WissenID=P5PMP69Euuo53BA1w1T6Ly20u4Q4Wip9O38FJBVM522aKJ7brvZO|7581382956870048232/182718475/6/7063/7063/7003/7003/7063/- 34 Nutzungskonflikt [conflict of utilisation, ~ of use] Folgewirkung einer räuml. Bezie- hung von Nutzungen, die einander aus- schließen oder behindern. Nutzungspriorität [utilisation priority?] Vorrang einer oder mehrerer Nutzungen in Gebieten mit Nutzungsüberlagerungen. Nutzwertanalyse [value benefit analysis, cost-benefit analysis] Verfahren zur verglei- chenden Beurteilung von Maßnahmen, die sich nur bedingt für eine Bewertung in Geld eignen, wie dies für Maßnahmen des Na- turschutzes und der Umweltpolitik häufig zutrifft. An Stelle einer Bewertung in Geld werden die Beiträge zu einem vorgegebe- nen Zielsystem nach einem Punkteschema bewertet und unter mögl. Alternativen die- jenige ausgewählt, die, bezogen auf ver- gleichbare Kosten, einen möglichst hohen Nutzwert in Form von gewichteten Zielerrei- chungsgraden aufweist. 35 obere Naturschutzbehörde [Higher Nature Conservation Agency, higher nature conser- vation authority] Ein Schwerpunkt ist die Mitwirkung bei allen Planungen und Vorha- ben, für die das Regierungspräsidium Ver- fahrensträger ist (Straßenbauvorhaben, wasserrechtl., abfallrechtl., immissions- schutzrechtl. und baurechtl. Entscheidun- gen, Raumordnungsverfahren, Bauleitpla- nungen und Außenbereichsvorhaben). Dabei ist über Eingriffe in Natur und Land- schaft zu entscheiden. Beim Ausgleich von Eingriffen in Natur und Landschaft im Ver- fahren anderer Behörden (Flurbereinigungs- ämter, Regionalverbände) ist ebenfalls eine Mitwirkung vorgesehen. Diese Untersu- chungen sind in Form von Stellungnahmen zu formulieren, wobei die Bezirksstelle die fachl. Vorgabe gibt, während die o. N. für die Durchführung des Verfahrens zuständig ist. Die Mitarbeiter der o. N. und der Be- zirksstelle sind i.d.R. jeweils für best. Land- kreise zuständig (Gebietsreferenten). Oberflächenabfluss [surface ~, overland flow, surface run off, ~ drainage] Teil des Abflusses, der oberird. dem Vorfluter zufließt, ohne in den Boden eingedrungen zu sein. O. kann i.e.S. Abtrag verursa- chen. Offshore Im eigentl. Sinne alle Gebiete jen- seits der Strandbereiche. In der aktuellen polit. Diskussion benutzt für marine Gebiete jenseits der deutschen Hoheitsgewässer (12 nautische Seemeilen). Öko-Audit [environmental audit, eco ~] Der aus dem Englischen stammende Terminus „audit“ wurde anfangs im Deutschen mit dem Begriff der „Wirtschaftsprüfung“ über- setzt. So übernehmen externe Wirtschafts- prüfer die jährl. vorgeschriebene Revision des Finanzbereichs. Ziel ist es, Fehlentwick- lungen aufzudecken und Ansatzpunkte für korrigierende Eingriffe aufzuzeigen. In den vergangenen Jahren wurde das Audi- tingkonzept auf die Bereiche des Qualitäts- und Umweltmanagements ausgedehnt. Der Begriff des Öko-Audits beinhaltet grundsätzl. nur die regelmäßig stattfinden- de, systematisch durchgeführte Überprü- fung der Organisation des betrieblichen Umweltschutzes, des tatsächl. geleisteten Umweltschutzes und der dafür benötigten Ausrüstung. Sie dienen folglich dazu, die Managementrolle betriebl. Umweltschutz- maßnahmen zu erleichtern und die Bewer- tung der Übereinstimmungen mit den Leitlinien zu ermöglichen. Ökobilanz [ecological balance, ecobalance, environmental performance evaluation, life cycle assessment] Eine Methode zur Unter- suchung der Umweltauswirkungen eines Un- ternehmens oder dessen Produkte. Bei der produkt- oder stoffbezogenen Ö. stehen einzelne Produkte oder Produktlinien über ihre versch. Entwicklungsstufen von der Rohstoffgewinnung, über die Verarbeitung bis hin zur Entsorgung im Mittelpunkt der Analyse. Ö. gehören zu den weichen um- weltpolit. Instrumenten, deren Einführung präventiven Umweltschutz ermöglichen und planbar machen soll. Öko-Check in Sportanlagen [ecocheck, ecological check for sports halls/sports fields?] Gesamtkonzept des Pilotprojektes in den Sportkreisen Darmstadt und Dieburg des Landessportbundes Hessen e.V., in dem in Sportanlagen umweltrelevante Schwach- stellenanalysen und Bestandsaufnahmen durchgeführt werden. Ökoenergetik [ecoenergetics] Zweig der Ökologie, der Lebensgemeinschaften aus dem Blickwinkel des Energieflusses er- forscht. Ökologie [ecology] Wissenschaft von den Wechselbeziehungen zwischen den Orga- nismen untereinander und mit ihrer abio- tischen Umwelt. ökologische Nische [ecological niche] Auf- gabe bzw. Funktion, die eine Tier- oder Pflanzenart in der Lebensgemeinschaft ei- nen Biotops ausübt. Eine ökolog. N. ist also nicht als physischer Ort definiert, son- dern, um zum Vergl. einen Marketingbegriff der Wirtschaft zu bemühen, eine ökolog. „Marktlücke“, die von einer Art z.B. durch spezialisierte Habitat- bzw. Nahrungsan- sprüche besetzt wird, wenn sie dadurch die Konkurrenz anderer Arten vermeiden oder reduzieren kann. ökologische Schwelle/Grenze [ecological barrier/limit?] = Grenze der Tragfähigkeit eines Systems (bspw. der Erde). ökologischer Zeigerwert [ecological poin- ter, indicator deflection?] Unter normalen Konkurrenzbedingungen erkennbares öko- log. Verhalten von Pflanzenarten gegenüber Standortfaktoren mit regional begrenzter und faktorabhängig unterschiedl. strenger Beziehung; durch Zuordnung von Wertstu- fen (meist 1-9) für einen qualitativen Ver- gleich best. Standortfaktoren geeignet. ökologisches Gleichgewicht [ecological balance] Innerhalb einer best. Zeitspanne konstanter Zustand des Ausgleichs zw. den versch. physikal., chem. und biolog. Wech- selbeziehungen sowie Energie-, Stoff- und Informationsflüssen in einem Ökosystem oder einer Landschaft. ökologisches Handeln [ecological practice] Setzt voraus, dass Menschen nicht nur rea- gieren, sondern geplant und zielorientiert die Umwelt verändern bzw. erhalten kön- 36 nen. Es steht dem ökolog. Verhalten und Resultieren gegenüber. Ökonomie [economy, economics] Biologie: Wirtschaft sowie Wirtschaftlichkeit, Spar- samkeit, d.h. sparsamer Umgang mit der eigenen Energie, um sicherzustellen, dass der Energieaufwand insb. zur Nahrungssu- che und –aufnahme nicht größer wird als der dafür benötigte Energieverbrauch. Ein Beutegreifer z.B. jagt vorzugsweise die Beu- te, die er am leichtesten erbeuten kann, und zwar dort, wo sie am leichtesten zu er- beuten ist. (lat. oeconomie = Einteilung, Ordnung, Verwaltung). Ökophysiologie [ecophysiology] Studium der Physiologie und der Toleranzgrenzen von Arten für ein besseres Verständnis ih- rer Verbreitung in Bezug auf abiotische Bedingungen. Ökosphäre [ecosphere] Jener Bereich, der ohne menschl. Zutun evolviert. Die Ö. ist als abstraktes Gebilde definiert und nicht eindeutig einer realen Örtlichkeit zuorden- bar (die Ö. ist nicht die Gesamtoberfläche der Erde). In der Ö. gibt es geschlossene Stoffkreisläufe (Generation und Degenerati- on), die sich in einem Gleichgewicht (fern vom thermodynamischen Gleichgewicht) befinden. Der Zweck des Begriffs Ö. liegt in der Darstellung von Stoff- und Energieflüs- sen, die durch den Menschen hervorgeru- fen, bzw. beeinflußt werden (der Begriff Ö. ist eine Notwendigkeit aus bilanztechn., analyt. Erwägungen). Ökosteuer [ecotax] Eine spezielle Form der Zwangsabgaben, zu denen auch Gebühren, Beiträge und Sonderabgaben zu rechnen sind. Sie haben eine Lenkungs- und Finan- zierungsfunktion. Umweltbelastende Ent- wicklungsverfahren oder Aktivitäten werden besteuert und umweltschonende somit be- günstigt und lukrativer. Durch die mit der Ö. erfolgte Verpreisung von Umweltnutzung kann die Suche nach umweltverträgl. Alter- nativen für Unternehmen auch ökon. attrak- tiver werden. Ökosystem [ecosystem] Eine funktionelle Einheit aus Biozönose und Biotop. Es stellt ein Wirkungsgefüge aus Organismen und unbelebten natürl. sowie vom Mensch geschaffenen Umweltfaktoren dar, die un- tereinander und mit ihrer Umgebung in energetischen, stoffl. und informatorischen Wechselwirkungen stehen. Ökosystemanalyse [ecosystem analysis] In der Ö. werden ökolog. Prozesse am Compu- ter simuliert, bei denen die Wechselwirkun- gen von Organismen im Vordergrund ste- hen. Die dabei entstehenden Modelle liefern ein Verständnis für die komplexen Zusam- menhänge in ökolog. Systemen, können de- ren zeitl. Entwicklung prognostizieren und Entscheidungshilfen geben. Schwerpunkte der Forschung sind die Entstehung und Dy- namik von Raum-Zeit-Strukturen in ökolog. Systemen sowie deren Konsequenz für die Biodiversität. Dazu wurde eine leistungs- starke Methode, die sog. „Gitterbasierte Modellierung“, entwickelt. Weiterhin werden Standardverfahren entwickelt, mit denen die Überlebenschancen von Kleinpopulatio- nen sowie von vernetzten Populationen (Biotopverbundsysteme) bestimmt werden. Ökoton [ecoton] Übergangszone zw. zwei oder mehreren Ökotypen, oft repräsen- tiert durch Pflanzengemeinschaften. Ökotop [ecotope] Kleinste landschaftsöko- log. relevante Raumeinheit aus einer Bio- zönose und den sie bedingenden Standort- gegebenheiten. Lebensstätte, an der eine Art zu irgendeiner Zeit ihres Lebens re- gelmäßig anzutreffen ist. Ökotopengefüge [……texture ,~ structure?] Ökolog. Raumeinheit aus mehreren Öko- typen, zumeist in typischer Wiederholung, die aufgrund der Struktur und der haushaltl. Prozesse der Landschaft in best. Weise räuml. miteinander verbunden (vergesell- schaftet) sind. Ökotourismus [ecotourism] = verantwor- tungsvolle Form des Reisens in naturnahe Gebiete, die zum Schutz der Umwelt und zum Wohlergehen der lokalen Bevölkerung beiträgt. Ökotyp [ecotype] Durch natürl. Selektion entstandene Rasse einer Tier- oder Pflan- zenart mit erblich bedingter Anpassung an best. Standortbedingungen in ihrem Ver- breitungsgebiet. Oikos [oikos] = Haus, Haushalt, Hausrat und –stand, Menschen, Tiere, Felder, das ge- samte Hauswesen. Der Begriff der Ökologie geht auf O. zurück. Im Deut- schen ist der Begriff O. mit dem Begriff der Heimat verwandt. oligophag [oligophagous] = sich von einem eingeschränkten Nahrungsspektrum ernäh- rend. oligotroph [oligotrophic] Bez. für nährstoff- arme und schwach produktive Seen. Oligotrophie [oligotrophie] = Nährstoffar- mut bzw. geringe Nährstoffversorgung. Ontogenese [ontogenesis] = individuelle Entwicklungsgeschichte von Lebewesen. Opportunismus [opportunism] Verhalten einer wenig selektiven Art, die bezügl. Er- nährung und Habitatwahl sehr anpassungs- fähig ist. opportunistische Arten [opportunistic species] Arten, die in der Lage sind, unre- 37 gelmäßig auftretende Umwelten zu nut- zen. Organisationsfaktor [?] Gibt den Anteil der in Sportvereinen organisierten Sportler in einer best. Sportart an. Organismen [organisms] Alle Lebensformen sind O. Es gibt höhere O. (Menschen, Tier und Pflanze) und niedere O. (Einzeller) O. sind einheitl. Systeme zusammenwirkender Organe und lassen sich nach Merkmalen des Stoff- u. Energiewechsels in verschied. Wei- se klassifizieren. Organismus [organism] = Lebewesen. Orientierungstauchen [navigation-diving] Best. Punkte müssen in einer Wasserfläche möglichst schnell angetaucht werden. Eine am Körper des Tauchers befestigte, kleine Boje zeigt dessen Standort an. Ornithologie [ornithology] Vogelkunde (alt- griech.); ein Vogelkundler ist ein Ornitholo- ge. ortsgebunden [stationary] Schließt ver- wandte Konzepte wie Ortverbundenheit, Ortsidentität oder territoriale Bindung mit ein, wobei die Ortsbindung im Gegenteil zur Ortsidentität eher emotionale Aspekte von engen Person-Umwelt-Beziehungen betont. Die Ortsbindung ist fester Bestandteil von wissenschaftl. Konzepten in der Umweltpsy- chologie und Sozialgeographie. Osmoregulation [osmotic regulation] Regu- lation der Salzkonzentration in Zellen und Körperflüssigkeiten. OSPAR Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt des Nordostatlantiks (Paris 1992). 1998 in Kraft getreten ersetzt sie die Oslo- und Parisübereinkommen zur Verhin- derung von Meeresverschmutzung des Nordostatlantiks von 1972 bzw. 1974. Outward Bound [outward bound] Begriff aus der engl. Seefahrt: Ein Schiff kann – zu großer Fahrt gerüstet und bereit – auslau- fen. Dieses Bild wurde in die Pädagogik übertragen: Der junge Mensch soll auf eine aktive und verantwortungsbewusste Le- bensführung vorbereitet werden – eben auf seine große Fahrt. Ozonschicht [ozone layer] In einer Höhe von 20 bis 50 km über dem Erdboden bildet sich die sog. O., die ein lebensnotwendiges Schutzschild gegen die UV-Strahlung dar- stellt. Durch den Eintrag von Schadstoffen, u.a. bes. von FCKWs kommt es zum Ozonabbau. 38 Paläarktis [palaearctic] Biogeograph. Regi- on, welche die Landmassen Europas und Asiens von ihrer nördl. Grenze bis zur Saha- ra und dem Himalaja umfasst. paläarktische Lebensraumklassifizierung [palaearctic habitat/living space categorisa- tion, classification?] Katalog und hierarch. Gliederungssystem der Biotoptypen der Paläarktis. Parasit [parasite] Organismus, der seine Nährstoffe von einem oder einigen wenigen Wirten erlangt und diese schädigt, aber nicht unmittelbar abtötet. Paragliding [paragliding] Gleitschirmflie- gen. Para-Skiing [para-skiing] Winterl. Kombina- tionssportart mit den zwei voneinander ge- trennten Einzeldisziplinen Riesenslalom (Ski) und Fallschirmzielspringen. Parapatrie [parapatrie] Zwei Arten sind parapatrisch, wenn ihre Verbreitungsareale sich berühren oder sich höchstens in einer schmalen Kontaktzone überschneiden. Sympatrie. Passivenquote [quota of passive partici- pants?] Gibt den Anteil derjenigen Spar- tenmitglieder in Sportvereinen an, die nicht aktiv Sport betreiben, d.h. passive Spar- tenmitglieder sind. Pathogene [pathogen] = Krankheitserreger. Permafrost [pergelisol, permafrost] = Dau- erfrostboden, d.h. eine permanent gefrore- ne Bodenschicht. Pestizid [pesticide] = Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung tierischer und pflanzl. Organismen. Pflanzenassoziation [vegetation unit, plant association, ~ society, ~ clan, ~ communi- ty] Pflanzengesellschaft, die in Abhängig- keit vom Standort eine typische Zusam- mensetzung aufweist. Pflanzengemeinschaft [plant community] Real vorhandene Kombination von Pflanzen- individuen, die durch Konkurrenz u.ä. in wechselseitiger Beziehung stehen. Pflanzengesellschaft [plant community] Typ einer umweltabhängigen Kombination von Pflanzenarten, der sich durch Konkur- renz u.ä. im Gleichgewicht befindet und ei- ne gewisse Stabilität bezügl. der Artenzu- sammensetzung aufweist. Pheromone [pheromone] Gewöhnl. in gerin- gen Mengen von Tieren abgegebene chem. Duftstoffe, die von Artgenossen erkannt werden und Signalwirkung haben. Photoperiode [photoperiod] = Dauer der Tageslänge. Photosynthese [photosynthetic] Produktion von Zuckern aus Kohlendioxid und Wasser unter Nutzung der Sonnenenergie. Phylogenese [phylogenesis] = evolutive Stammesgeschichte (griech. Phyle = Stamm). Physiologie [physiology] Studium der inne- ren Prozesse und Aktivitäten von Orga- nismen. phytophag [phytophag] = pflanzenfressend. Pionierart [pioneer species] Tier- oder Pflanzenart, die auf bisher unbesiedelten Boden oder in ein bisher unbewohntes Gebiet vordringt; oft Vorbereiter für an- spruchsvollere Arten. Piste [piste, run] Skipiste. Pistenskilauf [piste skiing] Bez. für das Befahren von markierten Abfahrten durch Skifahrer, Mono-Skifahrer oder Snowboar- der etc. P. gewährleistet einen gewissen Komfort durch mechan. Aufstiegshilfen, wie Schlepplifte, Sessellifte oder Gondeln. Die Lenkungs- und Konzentrationsfunktio- nen des P. ermöglichen eine Minimierung ökolog. Konfliktzonen. Der Bau und Betrieb der Komforteinrichtungen kann allerdings mit erhebl. Eingriffen in die Landschaft verbunden sein. Planfeststellungsverfahren [planning per- mission hearings] Rechtsverbindl. Verfah- ren, in dem zur Schaffung von Baurecht für Vorhaben die Abwägung aller Belange ab- schließend vorzunehmen ist. Plankton [plankton] Die im Freiwasser schwebenden Pflanzen (Phytoplankton), Tie- re (Zooplankton) und Bakterien (Bakterio- plankton) mit fehlender oder nur geringer Eigenbewegung. Plenterwald [selection forest, culled ~, fe- mel ~, plenter ~] Durch „Plenterung“ (Ein- zelstammentnahme) reich gestufter Wirt- schaftswald mit max. Altersspreitung, meist von schattenverträgl. Baumarten dominiert. Plot [plot] = Untersuchungsfläche für floristi- sche und faunistische Erhebungen. Poikilotherme [poikilotherme] Organis- men, deren Körpertemperatur stark mit der ihrer Umgebung korreliert ist. Polder [polder] Binnenland: von Deichen umschlossenes Gebiet im Überschwem- mungsbereich eines Wasserlaufs, das dem Hochwasserschutz dienen soll. polyphag [polyphagous] = sich von einem breiten Nahrungsspektrum ernährend. polytroph [polytrophic] Bez. für sehr stark produktive Seen. 39 Population [population] Gesamtheit der Individuen einer Art mit gemeinsamen genetischen Gruppenmerkmalen innerhalb eines best. Raumes. Populationsdichte [population density] Individuenzahl in einer Population pro Flä- cheneinheit, manchmal auch „pro Volumen- einheit“, „pro Blatt“ oder was auch immer geeignet ist. Populationsdynamik [population dynamics] Schwankungen der Populationsdichte und -verteilung einer Art in Abhängigkeit von exogenen (Umwelt) und endogenen Fak- toren in Raum und Zeit. potentielle natürliche Vegetation [poten- tial natural vegetation] Vegetation, die sich unter den gegenwärtigen Umweltbedingun- gen ohne Eingriffe des Menschen von selbst einstellen würde. Powder [powder] = Tiefschnee, Pulver- schnee. Prädator [predator] = Beutegreifer. Orga- nismen, die sich von lebenden anderen Or- ganismen ernähren; unterteilbar in echte Räuber, Weidegänger, Parasiten und Pa- rasitoide, d.h. i.e.S. alle Raubtiere bzw. Fleischfresser, i.w.S. alle Konsumenten, die die Individuendichte einer Beuteart senken können (z.B. samenfressende Nagetiere). Primärenergie [primary energy] Die zur Deckung des Energiebedarfs zur Verfügung stehende Energie in meist natürl. Energie- trägern. Protozoen [protozoa] = einzellige Tiere. Prozessschutz [processing protection] Zu- lassen aller für das jeweilige Ökosystem natürl., sowohl biotische als auch abioti- sche Vorgänge. 40 Qualität [quality] Fähigkeit von Produkten, die in sie gesetzte Erwartung des Konsu- menten zu erfüllen. 41 Radfahren [cycling] Das Rad wird schon seit ca. 6.000 Jahren vom Menschen ge- nutzt. Die Geschichte des Fahrradfahrens begann zu Beginn des 19. Jahrhundert, als in Deutschland das erste vom Menschen angetriebene Zweirad als Laufrad patentiert wurde. Je nach Verwendungszweck und Si- tuation unterscheiden sich die Motivationen und Ambitionen der Fahrradfahrer. So zählt für Radrennsportler weniger das Land- schaftsbild, sondern eher die erreichte Zeit auf einer best. Strecke. Für den Freizeitfah- rer kann das Erleben der Natur bei Rad- touren oder beim Radwandern ein wichtiges Kriterium sein. Die großen deutschen Fahr- radverbände/-vereine sind der Bund Deut- scher Radfahrer (BDR) und der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC). Rafting [rafting, white-water rafting] In Gruppen von in der Regel 6-10 Pers. wer- den Wildwasserflüsse mit einem Schlauch- boot befahren und von den „Raftern“ mit Stechpaddeln gesteuert. Ausrüstungsge- genstände sind dabei Neoprenanzug, Spritz- jacke, Wildwasserhelm, Neoprenfüsslinge, Schwimmweste und ein Paddel. Ramsar Gebiete [Ramsar Site] FIB. Ramsar-Konvention [Ramsar Convention] 1971 in Ramsar/Iran in Form eines Vertra- ges der Teilnehmerstaaten getroffenes Übereinkommen über Feuchtgebiete inter- nat. Bedeutung (FIB). Die Ramsar Gebiete erfüllen die Kriterien der Vogelschutzricht- linie und sind daher von den Mitgliedsstaa- ten als Vogelschutzgebiete innerhalb des Schutzgebietsnetzes NATURA 2000 aus- zuweisen. Rannen-Verjüngung […juvenescence, dimi- nution?] = standortbegünstigtes Aufwach- sen von Waldbäumen auf Moderholz verrot- tender Baumkadaver. Rapjumping [rap jumping] Das Abseilen kopfüber von Felswänden, wobei der „Rapjumper“ die Geschwindigkeit der Ab- wärtsbewegung durch den Griff ins Seil ab- bremsen kann. Die innerstädtische Version (an Außenwänden von Hochhäusern) ist Houserunning. R. zählt zum Extremsport. Raumfunktion [space function] Natur- raumpotentiale. Raumordnung [environmental planning, planning for the regions] Zusammenfassen- de, überörtl. und übergeordnete Planung zur Ordnung und Entwicklung eines Rau- mes. Raumplanung [land-use planning, spatial ~] Oberbegriff für raum- bzw. flächenbezogene Planung auf Bundes-, Landes, Regions- und Gemeindeebene. Sie erfolgt durch Aufstel- lung von Plänen und Programmen, die da- rauf ausgerichtet sind, zweckmäßigste Maß- nahmen zur Erreichung eines best. Ziels in- nerhalb einer gegebenen Zeit einzusetzen. raumwirksame Tätigkeiten [?] T., welche die Nutzung des Bodens oder die Besied- lung des Landes verändern oder bestimmt sind, diese zu erhalten. Raumverträglichkeit [effects on centres and periphery] Vertretbarkeit von neg. Auswirkungen eines Vorhabens auf die Raumfunktionen. Recycling [recycling] Wiederverwendung von Abfällen, Nebenprodukten oder (ver- brauchten) Endprodukten der Konsumgüter- industrie als Rohstoffe für die Herstellung neuer Produkte. Ziel des R. ist es, den Roh- stoffverbrauch und die zu entsorgenden Ab- fallmengen zu reduzieren. Regenerationsfähigkeit [regeneration capacity] Fähigkeit eines Ökosystems, im Rahmen des Stoffkreislaufes und Energief- lusses Belastungen oder Schädigungen bis zu einem gewissen Grade auszugleichen. regenerierbare Energieträger [regenerati- ve energy carrier] Dazu zählen: Sonnen- strahlung, Windenergie, Wasserkraft, Um- welt- und Erdwärme, Gezeitenenergie, Müll- und Deponiegas sowie Biomasse. Regionalplan [regional planning] Raumord- nungsplan für einen Teil des Landesgebietes zur Abstimmung unterschiedl. Ansprüche an den Raum auf Regierungs-, Region- oder Kreis-Ebene (mit unterschiedl. Bez. in den einzelnen Bundesländern). Reifung [maturation, ripening] Prozess, bis ein Individuum vollständig differenziert, funktionstüchtig und damit fortpflanzungs- fähig ist. Reinbestand [pure stand, monoculture] = nur aus einer Art bestehender Pflanzenbe- stand. Reinluftgebiet [area of pure air] Gebiet mit geringer Immissionsrate, das als Referenz- gebiet zur Bestimmung von Luftbelastungen dient. Reitsport [(horse-) riding, equestrian sport] Wird sowohl innerhalb von Anlagen als auch in der freien Landschaft ausgeübt, wo- bei hier das Reiten durch die Landesgesetz- gebung auf Wege beschränkt ist. Reiten wird als Leistungssport (Galopp-, Hindernis- und Trabrennen; Voltigieren; Dressur-, Spring- und Jagdreiten; Vielseitigkeitsprü- fung und Fahren mit versch. Gespannen) und als Breitensport (Dressur, Springreiten, Vielseitigkeit, Voltigieren, Fahren, Distanz- reiten, Aus- und Wanderreiten) ausgeübt. Rekrutierung [recruitment] Hinzukommen von Individuen zu einer Population 42 durch Geburt oder Zuwanderung oder, im Falle einer Nettor., die Differenz zwischen einem solchen Zuwachs und den Verlusten durch Tod oder Abwanderung. Rekultivierung [recultivation, reclamation] Die Wiedernutzbarmachung (gezielte Standortaufbereitung) der terrestrischen Bereiche von ehemals intensiv genutzten Betriebsflächen (z.B. Ton-, Sand-, Kiesgru- ben; Deponiegelände) und ihre Integration in die umgebende Landschaft mit dem Ziel einer landwirtschaftl., waldbaul. oder erholungsorientierten Folgenutzung, wirt- schaftsbezogene Sanierung (vgl. Renatu- rierung). Reliktpopulation [relict population] In ei- nem ehemals größeren Verbreitungsgebiet der Art als Restvorkommen verbliebene Population, meist im Rückgang begriffen und in ihrem Bestand gefährdet. Renaturierung [renaturalization] Überfüh- rung anthropogen veränderter Lebens- räume in einen naturnäheren Zustand, d.h. Wiedernutzbarmachung von ehemals inten- siv genutzten Flächen mit Ausrichtung auf Entwicklung und Nutzung als Naturschutz- flächen, naturschutzbezogene Sanierung (vgl. Rekultivierung). Reproduktion [reproduction] Produktion neuer Individuen, i.d.R. geschlechtl. durch die Produktion einer Zygote, aus der das neue Individuum heranwächst. Bei Orga- nismen, die sich während des Wachstums teilen, spricht man oft irreführenderweise von ungeschlechtl. R. Reproduktionsaufwand [reproductive allo- cation] Jener Anteil der einem Organis- mus zur Verfügung stehenden Ressour- cen, der im Laufe eines best. Zeitraums in die Fortpflanzung investiert wird. Reproduktionsleistung [reproductive out- put] Produktion von Nachkommen durch ein Individuum oder eine Population. Reproduktionsrate [rate of reproduction] Zahl der Nachkommen eines Organismus pro Zeiteinheit oder über einen def. Zeit- raum hinweg. Resistenz [resistance] Widerstandsfähigkeit einer Lebensgemeinschaft gegen Verän- derungen bei einer Störung. Ressort [department] Ein R. ist die kleinst- mögl. Form einer Destination, oft ein gro- ßes Hotel oder ein Gebäudekomplex, der gerade noch alle Einrichtungen für einen Aufenthalt bietet, um als selbstständiges Reiseziel zu gelten. Ressourcen [resources] Vorräte materieller und ideeller Art, die i.d.R. nur im be- grenzten Umfang vorhanden sind. Natürl. R. werden als Naturgüter bezeichnet. Ressourcenaufteilung [resource partition- ing] Unterschiedl. Nutzung von Ressour- cen wie Nahrung und Raum durch Orga- nismen. Ressourceneffizienz [resource efficiency] Die bes. wirksame und daher sparsame Verwendung der Ressourcen (Rohstoffe und Energie). Respiration [respiration] = Atmung. Retentionsraum [space of retention] = Hochwasserrückhalteraum. Retinität [retinity] (lat. rete = Netz) Ge- samtvernetzung der Kulturwelt mit der Natur. Es geht um die Frage der Stimmig- keit im Verhältnis von Mensch und Natur als Ganzes, um die Rückbindung der menschl. Kulturwelt. Richtlinie [guideline] = Gesetzestext der Europäischen Union. Ringelung [girdling, ringing] Ringförmiges Entfernen der Rinde und der unmittelbar darunter liegenden lebenden Gewebe (Bast) am Stamm eines Baumes oder Strauches, wodurch der Transport der Assimilate zu den Wurzeln unterbrochen wird. Risikoanalyse [risk analysis] Instrument der Landschaftsplanung zur relativ transpa- renten Beurteilung wechselseitiger Nut- zungseinflüsse auf den Landschaftshaus- halt. Die Einzelindikatoren werden zur In- tensität potentieller Beeinträchtigungen bzw. zur Empfindlichkeit gegenüber Belas- tungen aggregiert und daran anschl. zum Risiko der Beeinträchtigung verknüpft. Röhricht [reeds] Ufervegetation im am- phibischen Bereich von Gewässern, die aus Gräsern (Schilf, Binsen) und verwand- ten Pflanzen ähnl. Wuchsform (z.B. Rohr- kolben) gebildet wird. Rodeo [(white-water) rodeo] Erst neuerdings entstandene Wettkampfform des Wild- wasserfahrens. Die Athleten führen hier in Einer-Kajaks Wildwasser-Akrobatik vor, deren Schwierigkeitsgrade von Kampfrich- tern nach Punktesystemen bewertet wer- den. Rote Liste [red list, red data list] Gebietsbe- zogene Auflistung best. Taxa der Tier- und Pflanzenwelt, von Lebensgemein- schaften oder Lebensräumen, die durch Einwirkungen des Menschen ausgestorben, vom Aussterben bedroht oder gefährdet sind. Rough [rough] Extensiv gepflegte und in der Regel zwei- bis viermal in der Vegetations- periode gemähte Vegetationsfläche der 43 Golfbahnen. Nach Art und Lage kann zwi. Semi-Rough und Hard-Rough unter- schieden werden. R-Strategie [R-strategy] Lebensraumnut- zung bis an die Kapazitätsgrenze, bei relati- ver Kurzlebigkeit und kurzfristigem Reakti- onsvermögen auf neues Lebensraum- bzw. Nahrungsangebot durch massive Steigerung der Fortpflanzungsrate. Rucksackschule [rucksack school] Gehört zum Spektrum außerschulisch entwickelter Naturbildung und umfasst gruppendyna- misch erlebnishafte Animation zur Wahr- nehmung der Natur. Kurse, Führungen sowie Projekte in Zusammenarbeit mit For- stämtern, hauptsächl. für Jugendgruppen liegen den Ansprüchen einer pädagog. Symbiose zugrunde, die das individuelle vielfältige Naturerleben fördert und mit prinzipiellem ökolog. Naturverstehen ver- bindet. 44 Saisondimorphismus [seasonal dimor- phism] = unterschiedl. Morphologie, die von der Jahreszeit abhängt. Saurer Regen [acid rain] R. mit sehr niedri- gem pH-Wert (oftmals unter 4.0), der auf Emissionen von Schwefel- und Stickstof- foxiden in die Atmosphäre zurückzuführen ist. Schädling [pest, varmint] Jede vom Men- schen als unerwünscht angesehene Art, d.h. eine Art, die mit dem Menschen um Nahrung, Rohstoffe oder Refugien konkur- riert, Krankheiten überträgt oder ander- weitig die Gesundheit, das Wohlbefinden und den Wohlstand des Menschen beein- trächtigt. Scheuheit [timidness, timidity, shyness] = keine naturgeg. Eigenschaft von Tieren, sondern das Ergebnis von Erfahrungen, wel- che entweder Vertrautheit mit dem Lebe- wesen Mensch oder Furcht davor erzeugen. Schirmart [umbrella species] Pflanzen- oder Tierart mit Lebensraum bestimmenden Effekt für die gesamte Lebensgemein- schaft. Schlüsselart [key species] Art, die in der Lebensgemeinschaft oder im Ökosystem eine zentrale Funktion hat und deren Ver- schwinden das Aussterben bzw. starke Beeinträchtigungen weiterer, von ihr ab- hängigen Arten nach sich zieht. Schneeschuhwandern [snowshoeing] Das Wandern im tiefen Schnee ohne Ski wird beim S. durch die bes. Konstruktion der Schneeschuhe ermöglicht, die durch Ober- flächenvergrößerung ein Einsinken weitge- hend verhindert. Schneesport [snowsport(s)] Alle sportl. Aktivitäten, die auf dem Medium Schnee ausgeübt werden. S. umfasst folgende Sportarten: Skisport (Alpiner Skisport und Nordischer Skisport), Variantenski- lauf, Tourenskilauf, Telemark, Snow- boardsport, Skifliegen, Freestyle und im Rahmen einer weiteren Ausdifferenzierung des Skisports durch Trendsportarten auch: Carving, Big Foot, Extremskifahren, He- likopter Skiing, Speedskiing, Para Skiing, Snow Airborn, Kite Skiing, Ski-Joring, Schneesurfen. Auch das Rodeln und der Schlittenhundesport zählen zum Schnee- sport. Schonwald [protected wood, ~ forest] = geschützte Waldfläche mit unterschiedl. def. Schutzzweck; wird auf waldgesetzl. Grund- lage ausgewiesen. Schutzwald [shelterwood] Zur Sicherung vorrangiger Schutzfunktionen in der Nut- zung eingeschränkte Waldfläche, die durch Rechtsvorschriften gesichert werden kann. Formen: Wasser-, Boden-, Lawinen-, Klima-, Immissions-, Sicht- und Straßen- schutzwald. Schutzbedürftigkeit [need for protection] Naturschutz: Maß für die Dringlichkeit der Unterschutzstellung eines schutzwürdigen Landschaftsausschnittes oder Objektes. Im Wesentl. bestimmt sich die Schutzbedürf- tigkeit aus der konkreten Gefährdung. Schutzgebiet [protected area] Aufgrund von Richtlinien und Gesetzen ausgewiesene Landschaftsräume, die auf eine erhöhte Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes, der Nutzungsfähigkeit der Naturgüter, auf die Pflanzen und Umwelt sowie die Er- haltung der Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Natur und Landschaft ziehen. Man unterscheidet z.B. in Naturschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete und geschützte Landschaftsbestandteile. Schutzgebietsan- weisungen können auch Räume mit best. Vorrangfunktionen charakterisieren, wie z.B. Wasser-, Boden- oder Lawinenschutz. Schutzwürdigkeit [worth preserving] Na- turschutz: Graduelle Abstufung der Bedeu- tung von Landschaftsausschnitten oder Ob- jekten für die Erreichung der Ziele des Na- turschutzes. Eine herausgehobene S. ist die Voraussetzung für eine rechtl. Sicherung (Unterschutzstellung). Schwojen [swing round, swing clear] Das Pendeln und Drehen eines Bootes um Anker oder Boje, hervorgerufen durch Wind oder Strömung. See [lake] Die Mehrzahl der natürlichen S. Deutschlands sind durch die Wirkung der Gletscher der Eiszeiten entstanden (glaziale Gewässer). Auf Prozesse im Erdinnern geht die Entstehung von Maaren und Erdfallseen zurück. Zu den natürl. ent- standenen Gewässern zählen ferner Wind- ausblasungsseen, Kolke und Altwässer. Künstl. S. sind entweder als „Nebenproduk- te“ bei der Abgrabung von Bodenschätzen (Baggerseen, Tagebauseen, Steinbruchge- wässer) entstanden oder gezielt angelegt (Talsperren, Hochwasserrückhaltebecken usw.) worden. Segelfluggelände [gliding field] Hier ist nur die Benutzung für Segelflugzeuge im Win- den- und Flugzeugschleppstart und nicht eigenstartfähige Motorsegler erlaubt. Für Schleppflugzeuge und eigenstartfähige Mo- torsegler muss eine Start- und Landeer- laubnis vorliegen. Segelflugzeug/motorloses Flugzeug [gli- der, sailplane] Ein Luftfahrzeug, schwerer als Luft, ohne eigenen Kraftantrieb, das sei- nen Auftrieb im Flug hauptsächl. durch dy- namische Luftkräfte an Flächen erhält. 45 Segregationsmodell [model of segregati- on?] Trennung von Schutz und Nutzung nach Schutzgebieten bzw. Wirtschaftsflä- chen. Sekundärbiotop [secondary biotope, ~ ha- bitat] = naturnaher Lebensraum aus zweiter Hand. Selbstverpflichtung [self-commitment] Stammt aus dem Bereich der Umweltbil- dung und steht in Bezug zu Verbindlichkeit und Sich-Verpflichtet-Fühlen. Der Begriff bez. das Stehen zu best. Werten und Prinzi- pien. Das „Selbst“ kennzeichnet den Unter- schied zu einer auferlegten Pflicht; es steht für eine Pflicht die man bewusst übernimmt. Selektion [selection] Über Aussonderung oder Auswahl werden aus einer Anzahl von Individuen diejenigen herausgesucht, de- ren Eigenschaften sie für einen best. Zweck bes. geeignet machen. Die natürl. S. be- wirkt, dass einige Individuen einer Popu- lation mehr Nachkommen (und Gene) zu den nachfolgenden Generationen beitragen als andere. Als treibende Kraft der Evolu- tion führt sie somit zu Veränderungen der genetetischen Zusammensetzung von Po- pulationen im Laufe der Zeit. semiterrestrisch [semi-terrestrial] = räuml. und/oder zeitl. getrennte halb aquatische und halb terrestrische Lebensweise bzw. Lebensräume. Serpentinböden [serpentine soil] = Schwermetallböden. Durch Verwitterung von Gestein mit einem hohen Gehalt an versch. Schwermetallen entstandene Bö- den. Sichtflugregeln [visual flight rules] Es gilt das Prinzip „Sehen und gesehen werden“, weshalb best. Mindestsichtweiten und Ab- stände zu den Wolken vorgeschrieben sind (Flugsicht, je nach Luftraum und Luftfahr- zeug, mindestens 800 m). Luftsport ist daher überwiegend ein „Schönwettersport“. Skiabfahrt [ski-run] Umfasst Skipiste, Skiroute und Variante. Skibergsteigen [ski-mountaineering] Tou- renskilauf. Skipiste [ski-run] = allg. zugängl. und zur Abfahrt mit Ski vorgesehene und geeignete Strecke, die in ihrer Breite der Förderleis- tung der mechanischen Aufstiegshilfe ent- spricht. Sie ist markiert, präpariert, kontrol- liert und vor alpinen Gefahren gesichert (vgl. Skiroute). Skiroute [skiroute] = allg. zugängl. und zur Abfahrt mit Ski vorgesehene und geeignete, markierte und gesicherte Strecke, die je- doch weder angelegt, präpariert und ge- pflegt noch kontrolliert wird (vgl. Skipis- te). Skisport [skiing] Der als Leistungssport aus- getragene S. wird in den Alpinen S. und den Nordischen S. unterteilt. Organisiert ist der S. in Deutschland im Deutschen Ski- verband (DSV) und das Lehrwesen im Deut- schen Skilehrerverband (DSLV). Die Dach- organisation der 51 internat. Skiverbände ist die FIS. Skispringen [ski-jumping] Wintersport- Disziplin des nordischen Skisports (olym- pisch). Früher wurde in der Vogelstil-, spä- ter in der Fischstiltechnik, heute im aerody- namischen V-Stil, gesprungen. Anlauf in der Körperhocke, Absprung vom Schanzentisch und Landung mit Ausfallschritt (Tele- marktechnik). Die Sprungwertung ergibt sich aus Haltungs- und Weitennote. Skiwandern [cross country skiing] Lang- lauf. Skysurfen [sky surfing] = Airsurfing. Diszip- lin des Fallschirmspringens, bei der Sport- ler im freien Fall mit einem modifizierten Surfboard def. Flugmanöver durchführen. S. zählt zum Extremsport. Slipanlage [ship launching device] Rampe, die zur Wasserung von Booten vom Land ins Wasser führt. Snowboardsport [snowboarding] Der S. wird nach den einzelnen Fahrstilen in vier Kategorien eingeteilt: Freestyle, Freeri- de, Freecarve und Race. Im Wettkampf- bereich gibt es die Disziplinen Slalom, Rie- senslalom, Parallelslalom (Dualslalom), Halfpipe, Obstacle Course (Kicker, Rails), Boardercross. Sozialverträglichkeit [socially acceptability] Reproduktion des gesellschaftl. Systems. S. bezieht sich auf die soz. Bestandsvoraus- setzungen einer Gesellschaft sowie auf die individuellen Bestandsvoraussetzungen ei- ner humanen und lebenswerten Existenz. Spezialisten [specialists] Lebenwesen, die an bes. Umweltbedingungen angepasst sind und nur in best. Lebensräumen vorkom- men (Ggs. Generalisten). Spezies [species] Art (lat. spezies = Blick, äußere Erscheinung). Sport [sport(s)] Sammelbez. für die an spie- ler. Selbstentfaltung sowie am Leistungs- streben ausgerichteten vielgestaltigen For- men körperl. Betätigung, die sowohl der geistigen und körperl. Beweglichkeit als auch dem allg. Wohlbefinden dienen sollen. Entsprechend der Art sportl. Betätigung unterscheidet man u.a. Freizeit- und Brei- tensport im Unterschied zum Leistungssport 46 sowie Amateursport im Unterschied zum Berufssport (Profisport). Sportanlagen [sports facilities, stadia] Spez. für den Sport geschaffene Anlagen, z.B. Sporthallen, Sportplätze, Tennisplätze, Bäder oder Eissporthallen. Sportgelegenheiten [sports facilities] Als vom Sport mit nutzbare, aber für andere Zwecke geschaffenen Anlagen oder Flächen, z.B. Parkanlagen mit Rasenflächen für Ball- spiele oder Feld- und Waldwege für Lang- lauf und Joggen. Sportgroßveranstaltungen [sporting event] Sind Ereignisse, die durch große Be- sucherzahlen und hohen Materialeinsatz ge- prägt sind und eine erhebl. Umweltrelevanz aufweisen. Sie finden meist zeitl. begrenzt und räuml. relativ konzentriert statt. Kon- flikte mit der Umwelt in Form der Ver- kehrsproblematik, des Abfallaufkommens oder der Standortfrage entstehen dabei immer, egal ob die Events in Stadien und Multifunktionsarenen oder „Open Air“ statt- finden. Sporthalle [sports hall] Auch Spiel- oder Turnhalle. Die S. ist ein Gebäude mit allen Einrichtungen für turnerische, sportl. und spielerische Übungen, die nach den Erfah- rungen des modernen Übungsstättenbaus in den Maßen ca. 15 × 27 m (Normalhalle) und ca. 27 × 45 m (große Halle) gebaut werden. Spiel- und Sporthallen mit vielsei- tigen Aufgabenstellungen haben größere Ausmaße. Sportplatz [sports field] Sportplätze gehören ebenso wie Sporthallen zu den Anlagen im Siedlungsbereich. Unter S. versteht man die Zusammenfassung von Großspielfeldern, Kleinspielfeldern, Leichtathletikanlagen, An- lagen für spielerisch-sportl. Freizeitbetäti- gungen und die dafür benötigten Gebäude sowie Nebenflächen. Sportstätte [sports place] In Deutschland gibt es einen hohen Bestand an S. Mit einer nutzbaren Sportfläche von rund 400 km2 geht man von etwa 55.000 Sportplätzen, 35.000 Sporthallen, 50.000 Tennisfrei- plätzen, 3.000 Tennishallenplätzen, 7.000 Reitanlagen, 7.300 Hallen- und Freibädern und 400 Golfplätzen aus. Hinzu kommen zahlr. Nebenflächen, Wassersportanlagen, Vereinsgeschäftsstellen und –lokale sowie ca. 5.500 kommerz. Fitness-Center. Auf- grund dieses hohen Bestandes werden sich Baumaßnahmen zukünftig auf die Moderni- sierung vorhandener S. konzentrieren. Sportwissenschaft [sport science] For- schung, Lehre und Praxis, die sich mit der Gesamtheit des Sports und seinen Teilas- pekten befasst. Sie wird oft als angewandte und interdisziplinäre Wissenschaft verstan- den. Die S. umfasst geisteswiss. Bereiche (Theorie und Geschichte von Körpererzie- hung und Sport, Sportsoziologie, Sport- pädagogik, Sportpsychologie u.a.), natur- wiss. Disziplinen (z.B. Theorie und Methodik des sportl. Trainings), bereichsorientierte Disziplinen (z.B. Methodik des Leistungs- sports, des Rehabilitationssports) sowie struktur- und technikwiss. Disziplinen (z.B. Messtechnik, Sportstättenbau). Sprengmast [partial mast] = schüttere Sa- menproduktion, an der nur wenige Wald- bäume beteiligt sind. stabiles Gleichgewicht [stable equilibrium] In ökolog. Zusammenhang das Level einer Population, mehrerer Populationen oder von Ressourcen, zu dem diese nach einer geringfügigen Störung bald wieder zu- rückkehren. Stabilität [stability] Das Bestehenbleiben eines ökolog. Systems und seine Fähigkeit, nach Veränderungen in die Ausgangslage zurückzukehren. Stadtökologie [urban ecology] Teildisziplin der Ökologie, die sich auf die Erforschung ökolog. Funktionszusammenhänge im Ökosystem bzw. Ökosystemkomplex Stadt konzentriert. Stammbaum [evolutionary tree, pedigree] = Abstammungslinien, welche die Entwick- lungsgeschichte der Verwandtschaftsbezie- hungen zwischen Organismengruppen wie- dergeben soll. Standort [location, site, place] Ökologie: Die Gesamtheit der am ständigen Aufent- halts- bzw. Wuchsort eines Organismus oder einer Biozönose auf diese einwirken- den physikal. und chem. Bedingungen. Ge- ographie: Ausschnitt der Landschaft, der durch das Zusammenwirken von Gelände- klima, Bodeneigenschaften, Wasserhaushalt und Geländeform die Ausbildung best. Le- bensgemeinschaften sowie best. Bodennut- zungsformen begünstigt. Forstwirtschaft: Gesamtheit der für das Wachstum der Waldbäume bedeutsamen Umweltbedin- gungen, wie sie durch Lage, Klima und Boden bedingt sind. Landwirtschaft: Ge- samtheit der von Boden, Klima und Re- lief dauerhaft bedingten Voraussetzungen für das Pflanzenwachstum und die Bewirt- schaftung. Ökonomie: Ort, an dem wirt- schaftl. Aktivitäten (Produktion, Verbrauch) stattfinden. Die Gunst oder Ungunst eines Produktionsstandortes wird bestimmt durch das Vorhandensein und die Qualität best. natürl. Ressourcen bzw. deren Fehlen, die Nähe zu den Produzenten von Vorproduk- ten, Anbietern von Dienstleistungen und Abnehmern der Produkte, die Qualität der Infrastruktur (Verkehrs- und Kommunikati- 47 onssystem, Verwaltung) sowie die Aufnah- mefähigkeit der Umwelt für die von der Produktion ausgehenden Belastungen (Emissionen, Abfall). Standortfaktoren [site factor, locality ~, environmental ~] Die an einem Standort auf die pflanzl. und tierische Lebensge- meinschaft wirkenden Kräfte (Land- schaftsfaktoren). Unterschieden wird zw. natürl. (wie Boden, Hangneigung, Klima usw.) und sozio-ökonom. S. (Betriebsgröße, Erschließung, aktuelle Nutzung usw.). standortheimisch [site endemic?] Arten oder Lebensgemeinschaften, die entspre- chend den in einem best. Gebiet vorhande- nen abiotischen und biotischen Stand- ortverhältnissen dort ihre natürl. Verbrei- tung haben, in geschichtl. Zeit hatten oder sich auf natürl. Weise dorthin ausdehnen und sich dort über mehrere Generationen vermehren. stenök [stenoecious] = in sehr stark be- grenzten ökolog. Bedingungen lebende Art (Ggs. euryök). Störökologie [effects of human distur- bances] Behandelt die ökolog. Auswirkun- gen von (von Menschen verursachten) Störungen auf Individuen, ihre Fort- pflanzung, Populationen und Artenge- meinschaften (ökosystemare Auswirkun- gen). Störung [disturbance, disruption, failure interference] In der Ökologie als Abwei- chung von vorhandenen Normgrößen in ei- nem Ökosystem definiert, die zu dauer- haften oder vorübergehenden Veränderun- gen führt. Dabei können einzelne Faktoren oder Faktorenkomplexe betroffen sein. I.d.R. wird der Begriff der S. hinsichtl. menschl. Eingriffe in ein Ökosystem ver- standen, z.B. Rodung, Entwässerung aber auch Verlärmung usw. S. können aber auch durch natürl. Faktoren (z.B. Naturkata- strophen) verursacht werden. Streuobstwiese [streuobstwiese] Meist ein- bis zweischürige Wiese mit lockerem Obst- baumbestand aus Hochstämmen; gefährde- ter, sehr artenreicher, halbnatürl. Lebens- raum der dorfnahen Kulturlandschaft. Substitution [substitution, replacement] = allg. Ersatz, Einsetzung, (Stell-) Vertretung, Austausch einer Größe durch eine andere. Substrat [substratum] = bodenbildendes Material. sukkulente Pflanzen [succulent plants] = wasserspeichernde Pflanzen mit verdicktem Stamm oder aufgetriebenen, dicken Blät- tern. Sukzession [sucession] Zeitl. Aufeinander- folge von Arten bzw. Lebensgemein- schaften eines Biotops, die von einem Pi- onierstadium zu einem sich selbst erhalten- den Klimaxstadium des dynamischen Gleichgewichtes führt. Surfen [surfing] = Wellenreiten. Auf Surf- brettern stehend lassen sich die Sportler von Wellen an den Strand tragen. Symbiose [symbiosis] Zusammenleben von Lebenswesen versch. Arten zum gegen- seitigen Nutzen, z.B. zwischen Blütenpflan- zen und den sie bestäubenden Insekten, Vögeln oder Fledertieren. Sympatrie [sympatry] Zwei Arten sind sympatrisch, wenn sich ihre Verbreitung geogr. stark überschneidet (Parapatrie). sympatrisch [sympatric] = im gleichen Ge- biet vorkommend. Synergismus [synergism] Situation, bei der die kombinierte Wirkung zweier Kräfte grö- ßer ist als die Summe ihrer getrennten Wir- kung. Synökologie [synecology] = Wissenschaft von den Biozönosen. Syntaxa [syntaxa?] In der Pflanzensoziologie bzw. Vegetationskunde verwendeter Begriff für Vegetationseinheiten aller Hierarchie- ebenen (Assoziation, Verband, Ordnung, Klasse usw.). syntopisch [syntopicious?] = am gleichen Ort, d.h. im gleichen Biotop lebend. 48 Tageserholung [day recreation?] Erho- lungsaufenthalt in einem Erholungsgebiet ohne Übernachtung (Naherholung). Tauchsport [diving, dipping, immersion] Grundsätzl. lässt sich das Schnorcheln mit ABC-Ausrüstung (Schnorchel, Brille, Flos- sen) vom Tauchen mit Drucklufttauchgerä- ten (DTG) abgrenzen. Tauchen wird v.a. in Küstenregionen der Meere, in Seen aber auch in Flüssen ausgeübt. Weitere Tauch- disziplinen sind Orientierungstauchen, Apnoe-Tauchen, Nitroxtauchen, Tec- Diving, Rebreather-Diving. Taxon (pl.Taxa) [taxon] Allg. Bez. für eine systemat. (taxonomische) Kategorie in der Biologie (z.B. Art, Familie, Ordnung). Taxonomie [taxonomy] = Systematik. Stu- dium der Regeln, Prinzipien und Praktiken der Klassifizierung lebender Organismen. Technischer Schnee [technical snow?] Im allt. Sprachgebrauch auch Kunstschnee. Die Schneeerzeugung beruht immer auf rein physikal. Prinzipien und benötigt best. kli- mat. Außenbedingungen der Temperatur und Luftfeuchte. Es werden keine chem. Zu- sätze verwendet. T. S. wird unter Verwen- dung von Wasser, Druckluft und Energie hergestellt. Technischer Umweltschutz [technical en- vironmental protection] Unter T. U. versteht man den Einsatz techn. Maßnahmen zur Vorbeugung und Verminderung schädigen- der Einflüsse auf die natürl. Lebensgrundla- gen und die Gesundheit des Menschen. technisches Klettern [technical climbing?] Neben der natürl. Struktur der Felsoberflä- che Einsatz von techn. Hilfsmitteln zur Fort- bewegung. Klass. Alpenkletterer nutzen ebenfalls techn. Hilfsmittel nicht nur zum Sichern sondern auch als Kletterhilfe (Griffeersatz). tektonische Platten [tectonic plates?] Teile der Erdkruste, die sich in geolog. Zeiträu- men bewegen und zur Kontinentaldrift und anderen bedeutenden Veränderungen der Topographie der Erdoberfläche führen. Telemark [telemark skiing] = hist. Skistil beim Skiabfahrtslauf. terrestrisch [terrestrial] = auf dem Land lebend. Territorialität [territoriality] Besetzen eines Gebietes (des Territoriums) durch ein oder mehrerer Tiere unter teilw. oder voll- ständigen Ausschluss anderer Individuen. Territorium [territory] = Revier. Das von einem Individuum oder einem Sozialver- band in Besitz genommene Gebiet innerhalb des Aktionsraumes, das während der Aktivi- tätsperioden allein beansprucht und gegen konkurrierende Artgenossen behauptet (Markierungshandlungen) und verteidigt wird. Tierethik [animal ethics] Teilbereich der Ethik und Begründung, weshalb der Mensch Tiere respektieren und schützen sollte. Nach anthropozentrischer Sichtweise sollten Tiere geschützt werden, da sie von instrumentel- ler Bedeutung für den Menschen sind. Topographie [topography] = Darstellung der physischen Struktur einer Umwelt. Topologie [topology] = Lage und Anordnung geometr. Objekte im Raum. Totholz [snag] = Abgestorbene (liegende und stehende) Äste, Stämme und Bäume. Tourenskilauf [backcountry skiing] Beim T., auch Skibergsteigen, erfolgt der Aufstieg des Skifahrers nicht mit Hilfe von Liftanla- gen oder anderen mechanischen Auf- stiegshilfen, sondern mit Hilfe von unter die Ski geschnallten Fellen. Motive des Touren- skilaufs sind häufig Naturerleben bzw. Er- fahrung der körperl. Leistungsgrenze. Aus ökolog. Sicht ergeben sich ähnl. Probleme wie beim Variantenskilauf, zumal der Tou- renläufer häufig auch abseits von ausgewie- senen Skigebieten unterwegs ist. Problema- tisch ist das Eindringen in Wildeinstände zu Tageszeiten, in denen Tiere bes. Ruhe be- dürfen. Tourismus [tourism] = Gesamtheit der Be- ziehungen und Erscheinungen, die sich aus dem Reisen und dem Aufenthalt von Pers. außerhalb ihres normalen Arbeits- und Wohnortes ergeben (Fremdenverkehr). toxisch [toxic, poisonous] = giftig. Tragfähigkeit [load-capacity] Maß für die Dichte, in der Lebewesen je Flächenein- heit leben können, ohne ihre Lebensgrund- lagen nachhaltig zu schädigen. Tolerierbarer Spielraum für eine mögl. Inanspruchnahme der Landschaft durch Nutzungen. Der Be- griff wird in versch. Zusammenhängen ver- wendet. Er kann sich auf Wild beziehen (game carrying capacity), auf Weidevieh (stocking capacity) oder auf die Bevölke- rung (population carrying capacity). Trail = Wanderweg, Pfad. Im Mountain- bikesport wird der Begriff Single-Trail ver- wendet, der enge Pfade und Wege be- schreibt. Transpiration [perspiration, transpiration] = Verdunstung von Wasser von einer Pflan- zenoberfläche. Treibhauseffekt [greenhouse effect] Er- wärmung der Erdatmosphäre infolge der Zunahme an Kohlendioxid und anderen Ga- sen. 49 Trekking [trekking] = Mehrtagestouren. T. meint das mehrtägige Sich-Aufhalten in der Natur, inkl. Übernachtung vornehml. in Zelten, Biwaks, Hütten o.ä., bei dem alles nötige Material und der Proviant mit sich getragen wird. Trendsport [trendsport(s)] Sammelbez. für die in jüngster Zeit entstandenen Sportar- ten bzw. -disziplinen, die sich zunehmender Beliebtheit erfreuen. T. ist v.a. dadurch ge- kennzeichnet, dass er neue Bewegungsfor- men mit neuen Sportgeräten kreiert, wobei Spaß und Aktion im Vordergrund stehen. Sie sind einem Modetrend unterworfen und unterliegen somit einer Trendkurve. Trittstein [stepping stone] Inselartig in einer anders gearteten Umgebung gelegenes Biotop, das eine Wanderung oder Aus- breitung von Organismen über größere Entfernungen ermöglicht oder verstärkt. Trockenbiotop [dry biotope, ~ habitat] = von Wassermangel geprägte Lebensstätte einer Biozönose. Trockenrasen [dry grassland] Allg.: Mehr oder weniger geschlossene, nicht oder ex- tensiv genutzte Grasfluren trockener und sehr trockener, flachgründiger Standorte. I.e.S.: Vegetationskundl. Einheiten tro- ckenwarmer bis heißer, extrem flachgründi- ger, felsiger, sandiger oder kiesiger Stand- orte. Umfasst im Wesentl. die pflanzenso- ziolog. Klasse der Festuco-Brometea. Als Volltrockenrasen wird der als Xero-Bromion geführte Verband bezeichnet. Trophie [trophie] = Nährstoffversorgung/- gehalt eines Ökosystems. Turnover [turnover] Sukzessiver Artenwech- sel in einer Lebensgemeinschaft infolge Änderungungen der Standortverhältnisse wie z.B. Nährstoffe, Struktur, Konkurrenz, Mikroklima. 50 Übernutzung [overexploitation] Nutzung einer natürl. Population (durch Entfernen von Individuen oder Biomasse) in einer höheren Rate, als diese durch Rekrutie- rung ausgleichen kann, wodurch die Popula- tion an den Rand der Ausrottung gelangt. Übertragungsschwelle [transmission threshold] Für die Ausbreitung einer Krankheit notwendige Reproduktionsra- te eines Parasiten. UMBIT = Umweltmanagement und – bildung im Turnverein. Modellprojekt der Hamburger Turnerschaft von 1816. Umtriebszeit [rotation period] = wirt- schaftsbedingte Lebensspanne der Wald- bäume zw. Ansamung/Pflanzung und Fäl- lung/Holzernte. Umwelt [environment] Räuml. und funktio- naler Lebensbereich von Organismen und ihren Gemeinschaften mit der Gesamtheit der auf sie wirkenden Einflüsse. Umweltabgabe [ecological tax] Vom Staat oder anderen Gebietskörperschaften vorge- schriebene Zahlung für umweltbelastende Tatbestände, um damit auf eine Verminde- rung hinzuwirken und/oder finanzielle Mittel für Ausgleichsmaßnahmen zu erhalten. Umweltauflage [environmental require- ment] In der Form von Geboten und Verbo- ten erlassene umweltbezogene Verhaltens- vorschriften für Produzenten und sonstige Pers., die durch ihr Verhalten einen direkten Einfluss auf die Umwelt ausüben. Sie die- nen der direkten Durchsetzung der Zielvor- stellungen umweltpolit. Instanzen. Umweltbeauftragter [represantantives for environment] U. beschäftigen sich in Orga- nisationen gezielt mit der Einhaltung von Vorschriften und Auflagen. In den Hand- lungsfeldern Natur, Landschaft, Res- sourcenschonung und Sportstättenerhaltung sind sie im Sport gefragt. Sie treten im Bereich Sport und Umwelt für die Wahr- nehmung der Interessen des Sports ein, streben gleichzeitig den Ausgleich beste- hender Konflikte an und überführen ihre In- formationen über ressourcenschonende Maßnahmen in die Praxis und um die Umweltbelastungen durch den Verein zu vermindern. Umweltbelastung [ecological damage, da- mage to the environment, environmental burden, ~ impact] Umweltkontamination, d.h. die neg. (belastende) Beeinflussung und Veränderung der natürl. Umwelt durch physikal., chem. und techn. Eingrif- fe. Verunreinigungen (z.B. durch Staub, Mikroorganismen, Chemikalien, Strahlen) können zur Umweltverschmutzung führen, wenn sie über die natürl. Regenerations- kraft der verschmutzten Medien hinausge- hen. Umweltbeobachtung [ecological environ- ment observation] Bundesweites Monito- ringkonzept des BMU zur Erfassung und Bewertung des Zustands und der Entwick- lung von Natur und Umwelt. Umweltbewusstsein [environmental awa- reness] Verhaltens-, Erlebnis- und Denkwei- sen, die Voraussetzung für die oder Ergeb- nis der Wechselwirkungen von einzelnen oder Gruppen mit der physischen Umwelt sind. Sie beinhalten das Wissen und die „Ansprechbarkeit“ hinsichtl. der Gefährdung der Umwelt durch den Menschen und ihres Nutzens für den Menschen. Umweltbildung [environmental education] Von Werten und Normen geprägter Be- wusstseinszustand des Menschen über seine Umwelt, deren Zustand und Gefährdung sowie über die Folgen ihrer Veränderung für alle Lebewesen sowie Vermittlung von In- formationen und Methoden, um den han- delnden und verantwortl. Menschen zur Auseinandersetzung mit den Folgen seines Tuns in der natürl., der gebauten und der soz. Umwelt zu befähigen. Umweltbundesamt (UBA) [department of the environment, Federal Environmental Agency] Selbst. Bundesoberbehörde mit den Aufgaben der wissenschaftl. Unterstüt- zung des Bundesumweltministeriums (BMU) auf den Gebieten der Umwelt und der gesundheitl. Belange des Um- weltschutzes sowie der Bereitstellung und Veröffentlichung von Umweltdaten. Umwelteinstellung [environmental attitu- de?] Unter U. werden Ängste, Empörung, Zorn, normative Orientierungen und Wert- haltungen sowie Handlungsbereitschaften subsumiert, die allesamt dahin tendieren, die gegenwärtigen Umweltzustände als un- haltbar anzusehen und einerseits eben da- von emotional affiziert, andererseits mental engagiert gegen die wahrgenommenen Problemlagen eingenommen zu sein. Umwelterziehung [environmental educati- on] Pädagogisch/didaktisches Bemühen, die Inhalte der Umweltbildung jungen Men- schen zu vermitteln. Umweltethik [environmental ethics] Ethisch richtiger Umgang des Menschen mit der Natur. Die zentrale Frage der U. ist dabei: „Besitzt die Umwelt einen eigenen ethi- schen Wert oder ist sie nur für den Men- schen da?“ Umweltfaktoren [environmental factors] = ökolog. Faktoren. Alle Faktoren der unbe- lebten und belebten Umwelt, die auf Lebewesen einwirken. Die Ökologie un- 51 terscheidet abiotische Faktoren (z.B. Licht, Temperatur, Boden) und biotische Faktoren (u.a. Geschlechtspartner, Nah- rung, Konkurrenten, Parasiten). Die U. bestimmen Entwicklung, Fortpflanzung, Le- ben und Tod des Individuums und der Population sowie die Arterhaltung. Meist bestehen enge Wechselbeziehungen zw. den Einzelfaktoren, sodass diese als Fakto- renkomplexe wirksam werden und dabei Populationen und Biozönosen beeinflus- sen. Umweltforschung [environmental research] U., im biolog. Sinne svw. Ökologie. Im so- ziolog. Sinne die Untersuchung und Erfor- schung der durch die Tätigkeit des Men- schen auftretenden Veränderungen seiner Umwelt und der Wechselwirkungen zw. dieser und dem natürl. Ökosystem (En- virontologie). Umweltkapazität/Kapazität [carrying capacity] = biolog. Aufnahme- oder Tragfä- higkeit. Max., dauerhaft tragbare Populati- onsgröße einer best. Umwelt, bei der in- traspezifische Konkurrenz die Nettozu- wachsrate pro Kopf auf Null reduziert hat. Ein idealisiertes Konzept, das nicht wörtl. auf die Praxis angewendet werden sollte. Umweltkommunikation [environmental communication] Ein Prozess, in dem Infor- mationen über Umweltaspekte vermittelt werden. U. besteht aus einem Sender, ei- nem Empfänger und einer umweltbezoge- nen Botschaft. Umweltmanagement (UM) [environmental management] UM umfasst diejenigen As- pekte des Managements, die eine umwelt- orientierte Unternehmenspolitik bestimmen, implementieren sowie der Umsetzungskon- trolle dienen. Umweltmanagementsystem (UMS) [en- vironmental management system] Ein UMS ist der Teil des gesamten, übergreifenden Managementsystems, der die Organisati- onsstruktur, Zuständigkeiten, Verhaltens- weisen, förml. Verfahren, Abläufe und Mittel für die Festlegung und Durchführung der Umweltpolitik einschließt. Für die Umset- zung und den Aufbau von UMS stehen mit EMAS und der Normenreihe DIN EN ISO 14000 ff. zwei standardisierte Instrumente zur Verfügung. Umweltökonomie [environmental econo- mics] Spezialdisziplin der Wirtschaftswis- senschaften, die die Wechselbeziehungen zw. dem ökolog. und ökonom. System (Ent- nahme von Ressourcen und Abgabe von Schadstoffen im Zuge von Produktion und Konsum) ermittelt. Umweltplanung [ecological planning] In- tegration der Zielsetzungen des Umwelt- schutzes in alle Maßnahmen der Struktur- und Raumordnungspolitik bzw. Raumpla- nung. U. muss auf der Grundlage einer um- fassenden Umweltstatistik und eines Infor- mationssystems erfolgen, das ständig die für die U. benötigten Daten sowie die rele- vanten Mess- und Forschungsergebnisse von Veränderungen zur Verfügung hält. Umweltpolitik [environmental policy] = die Gesamtheit der Maßnahmen zur Verbesse- rung oder zur Aufrechterhaltung einer ge- gebenen Umweltqualität. Durch die Tätig- keit öffentl. und gesellschaftl. Institutionen auf dem Gebiet des Umweltschutzes sol- len Umweltschäden möglichst beseitigt oder vermieden werden, um ein regionales, nat., kontinentales oder globales „ökolog. Gleich- gewicht“ wieder herzustellen. Wichtige Trä- ger der U. sind u.a. das BMU, das Um- weltbundesamt und das Bundesgesund- heitsamt sowie als Beratungsgremium der Rat von Sachverständigen für Umweltfra- gen. Wirtschaft: Als Ausdruck der grund- sätzl. Denkhaltung eines Unternehmens auf dem Sektor Umwelt werden in der unter- nehmerischen U. (entrepreneurial policy, corporate environmental ~) die Einstellun- gen und Werthaltungen des Top- Managements zum Umweltschutz, die Un- ternehmensidentität, das „Selbstbild“, zum Ausdruck gebracht. Schriftl. in Form von Grundsätzen oder Leitbildern formuliert und damit nach innen und außen explizit dokumentiert, stellt sie eine selbst auferleg- te Restriktion im Bereich der umweltorien- tierten Unternehmensführung dar. Umweltproblem [environmental problem] U. sind Veränderungen der natürl. Umwelt des Menschen, die – oder deren Auswirkun- gen – als unerwünscht oder bedrohlich er- scheinen, und die durch menschl. Handeln entstehen. Umweltqualitätsstandard [environmental quality standards] = konkrete Bewertungs- maßstäbe für Umweltqualitätsziele. Umweltqualitätsziele [environmental quali- ty targets] Sachl., räuml. und zeitl. def. Qualitäten von Naturressourcen, Potentia- len oder Funktionen, die in konkreten Situa- tionen erhalten oder entwickelt werden sol- len. Umweltrecht [environmental legislation] Ökolog. Schutzgut des U. sind die natürl. Lebensgrundlagen. Soweit schädl. Umwelt- einwirkungen nicht nur die ökolog. Res- sourcen bedrohen, sondern übergreifende Wirkungen auf die individuellen Rechte ein- zelner haben, dient das U. auch dem grund- rechtl. verbürgten Schutz des Lebens und der körperl. Unversehrtheit der Menschen sowie ihrer Sach- und Kulturgüter. Darüber hinaus definiert das U. auch die Möglichkei- 52 ten und die Grenzen einer zulässigen Inan- spruchnahme der natürl. Ressourcen. Umweltschutz [environmental protection, ~ conservation] = die auf Umweltforschung und Umweltrecht basierenden Maßnah- men und Bestrebungen, die dem Erhalt der Lebensgrundlagen des Menschen, dem Schutz der Natur sowie dem Ausgleich ge- störter ökolog. Beziehungen dienen. Insbes. zielen U. und Umweltpolitik auf die Ver- meidung bzw. Verringerung von Umweltbe- lastungen, -schädigungen und –zerstörun- gen, die von der industriellen Produktion i.w.S. ausgehen. Luft, Wasser, Boden, Pflanzen- und Tierwelt stellen die Grundbe- reiche des U. dar. Die entsprechenden Teil- aspekte des ökolog. und technischen U. beinhalten Maßnahmen zum Immissions- schutz, bes. zur Luftreinhaltung und zum Lärmschutz, zum Gewässerschutz, Boden- schutz, Naturschutz und Landschafts- schutz. Zum U. gehören u.a. Vorschriften und Auflagen zur Erreichung größerer Umweltverträglichkeit von Wasch- und Reinigungsmitteln, von Pflanzenschutzmit- teln, Maßnahmen zum Transport und zur grundwasserungefährlichen Lagerung von Erdöl und Kraftstoffen sowie u.a. zur Re- kultivierung ausgebeuteter Rohstofflager- stätten. Darüber hinaus sind die Wiederge- winnung von Abfallstoffen (Recycling) und Abwärme sowie der Strahlenschutz wesentl. Bestandteile des U. Umweltsponsoring [environmental sponso- ring?] Bereitstellung von Geld- oder Sach- mitteln durch Unternehmen für Pers., Orga- nisationen oder Aktionen im Bereich Um- weltschutz. Umweltverhalten [environmental behavio- ur] = umweltbewusstes, umweltgerechtes, umweltverantwortl. oder ökolog. Verhalten, das nicht weiter zur Gefährdung der be- drohten ökolog. Umwelt beiträgt. Umweltverschmutzung [environmental pollution, pollution of the environment, pol- lution] Umweltbelastung. Umweltverträglichkeit [environmental compatibility, ~ tolerance, ecofriendliness] Der Versuch, Zumutbarkeits- und Belas- tungsgrenzen für die Natur und die Ge- sellschaft bzw. den einzelnen Menschen zu bestimmen. Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) [test for ecofriendliness, environmental compatibility test] Verwaltungsverfahren zur Prüfung best. öffentl. Maßnahmen und genehmigungspflichtiger priv. Anlagen auf mögl. Auswirkungen auf die Umwelt sowie wichtiges Instrument des Vorsorgeprinzips. Umweltvorsorge [precautiona- ry/anticipatory environmental, protection, environmental precautions] Im Unterschied zum Umweltschutz geht die U. über das Bemühen Gefahren für Mensch und Um- welt abzuwehren oder Schäden vorzubeu- gen hinaus. Umweltwissen [environmental knowledge] Unter U. wird der Kenntnis- und Informati- onsstand einer Pers. über Natur, Trends und Entwicklungen in ökolog. Aufmerksam- keitsfeldern, über Methoden, Denkmuster und Traditionen im Hinblick auf Umweltfra- gen verstanden. Umweltzeichen [ecolabel, environmental label] = Bildsymbole zur Kennzeichnung umweltfreundl. Produkte. Das U. der Ver- einten Nationen („Blauer Engel“, Umwelten- gel) wird seit 1978 in der BRD vergeben. Das U. der EU (Umweltblume mit dem E) kennzeichnet Erzeugnisse, die von der Ent- wicklung bis zum Verbrauch weniger schäd- lich sind als vergleichbare Produkte. Umweltzerstörung [ecological devastation, environmental destruction] Die Arten von Umweltbelastungen lassen sich in drei Wir- kungsformen differenzieren: Akute U., Schleichende U., Aufbau eines Risikopoten- tials. Akute U. sind solche, die an best. Or- ten als eindeutig identifizierbare Erschei- nungen auftreten, z.B. das „Umkippen“ ei- nes Gewässers, Aussterben von Tier- und Pflanzenarten, Smog usw. Dies ist die spek- takulärste und augenscheinlichste Form der U. Schleichende U. äußert sich zunächst in einer graduellen Verschlechterung der Um- weltqualität (Anreicherung der Orga- nismen mit Schwermetallen oder Anwach- sen des CO2-Gehalts in der Atmosphäre), die früher oder später in akute U. wie z.B. Waldsterben übergeht. Schließlich ist noch der Aufbau eines Risikopotentials zu nen- nen. Techn. Anlagen bergen i.d.R. Unfallge- fahren in sich. Als Risiko bezeichnet man das Produkt der Schadenhöhe und der Wahrscheinlichkeit, daß der Unfall eintritt. Dafür sind Kernkraftwerke und best. chem. Produktionstechnologien gute Bspe., die sowohl lokale als auch überregionale Kata- strophen auslösen können. Umweltzertifikat [environmental certifica- te] Verbriefung des Rechts durch den Staat auf Umweltverschmutzung, d.h. Eigentü- mer erhalten das Recht, eine best. Menge eines best. Schadstoffes in die Umwelt abzuführen. UNCED [UN Conference on Enviroment and Development] = Konferenz der Vereinten Nationen zu Umwelt und Entwicklung, Rio de Janeiro, 1992. Die Konferenz erbrachte als Ergebnis zwei völkerrechtl. Verträge (Klimarahmenkonventionen und Überein- kommen über biologische Vielfalt) sowie drei nicht rechtsverbindl. Dokumente (Er- 53 klärung von Rio, Waldgrundsatzerklärung und Agenda 21). UNESCO [United Nations Educational, Scien- tific and Cultural Organisation] Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur der Vereinten Nationen. Ungleichgewichtstheorie [non equilibrium theory] Diese Theorie der Ökologie von Lebensgemeinschaften befasst sich mit dem vorübergehenden Verhalten eines Sys- tems, das sich nicht im Gleichgewicht befin- det und konzentriert das Augenmerk spez. auf die Zeit und die Variationen. Unkräuter [weeds, pest plant] Vom Stand- punkt des Menschen unerwünschte Pflan- zen, die dessen Wohlergehen beinträchti- gen, indem sie in Konkurrenz zu seinen Nahrungs-, Holz- oder Zierpflanzen treten. untere Naturschutzbehörde [Lower Nature Conservation Agency, lower nature conser- vation authority] Für Naturschutz und Landschaftspflege zuständige Behörde auf Kreisebene. Zu den Aufgaben der u. N. ge- hört v.a., für die Einhaltung der gesetzl. Bestimmungen zum Schutz von Natur und Landschaft zu sorgen, die zu deren Schutz nötigen Anordnungen zu treffen und die ggf. nötigen Befreiungen von Schutzvorschriften aus übergeordneten Gesichtspunkten zu er- teilen. Sie macht die Belange des Natur- schutzes gegenüber Planungsträgern u.a. im Flächennutzungsplan-, Bebauungsplan- und Verkehrswegeplanverfahren geltend. Sie ist weiter zuständig für den Erlass von Rechtsverordnungen zum Schutz von Le- bensräumen sowie von Einzelanordnungen für bedrohte Tier- und Pflanzenarten, wie andererseits für spez- Gestattungen nach bes. gesetzl. Vorgabe. urban [urban(e)] = städtisch, zur Stadt ge- hörend. Urwald [primeval forest, virgin forest] = vom Menschen unveränderter Primärwald (in allen Klimazonen). 54 Variante [variant, freeride area] Oder auch „Wilde Piste“ ist eine allg. zugängl., im freien Skigelände entstandene Skistrecke, die weder markiert noch auf andere Weise betreut wird. Variantenskilauf [freeriding] = Fahren ab- seits der Skipiste, meist durch Tief- schneezonen und Waldgebiete (Variante). Gerade unterhalb der Waldgrenze sind hiermit häufig Störungen verbunden, z.B. Vegetationsschäden, Belastung von Schutzgebieten und Ruhezonen von Wild. Die Variantenskiläufer fahren im Tiefschnee außerhalb der Pisten und Rou- ten ab, benutzen jedoch (im Unterschied zu den Tourenskiläufern) mechanische Auf- stiegshilfen. Vegetationsperiode [vegetationsperiod] = Wachstumszeit der Makrophyten. Verantwortung [responsibility] Bez. die Verpflichtung einer Pers., einer Gruppe oder einer Institution, gegenüber anderen Pers., Gruppen oder Institutionen, in einem best. Handlungsbereich gemäß anerkannter nor- mativer Kriterien für die Folgen des eigenen Tuns zuständig zu sein und darüber ggf. vor einer anerkannten Instanz Rechenschaft ab- legen zu können. Verbreitung [distribution, spread] Räuml. Verteilung einer Art, i.d.R. in geogr., manchmal aber auch in kleinerem Maßstab. Verflechtungsmatrix [matrix of linkages] Methode zur Verknüpfung von Einzelmerk- malen zu einer Gesamtaussage im Rahmen ökolog. Bewertungen. Verhaltenskodex der Luftsportler für umwelt- und naturbewussten Luftsport im DAeC [code of behaviour for the air sportsmen in natural and environmental questions?] Dieser Kodex beschreibt für je- de Luftsportart Möglichkeiten für ein um- weltbewusstes Verhalten aus der Erkenntnis heraus, dass Flächen beansprucht, Energie und Rohstoffe benötigt, Abfall, Lärm, Ab- gase und Schadstoffe erzeugt und insbes. beim tiefen Flug über empfindl. Gebiete Störungen hervorgerufen werden können. Verheerungen [devastations] Bedeutende Störungen im Leben einer Lebensge- meinschaft oder Population, die oft genug auftreten, um sich im „genetetischen Ge- dächtnis“ der Population niederzuschlagen (vgl. Katastrophe). Verinselung [discontinuity] Entstehung räuml. und zunehmend auch funktional iso- lierter, inselartig in einer andersartigen Umgebung liegender kleinerer Biotopflächen aus ursprüngl. räuml. zusammenhängenden und funktional vernetzten, größerflächigen Biotopen. Verkehrsmittel [means of transport, ~ of transportation, ~ of travel] = Fahrzeuge, die einen Verkehrsträger (z.B. Straße oder Schiene) benutzen. Als V. werden Individu- elle V. (nicht-motorisierte), Langsamv. (zu Fuß, Velo), motorisierte Individualv. (Auto, Motorrad, Mofa, Flugzeug) und öffentl. V. (Bahn, Bus, Straßenbahn) unterschieden. Vernetzung [networking, cross-linking] Ökologie: Wirkungsbeziehungen zw. Or- ganismen in gleichen oder verschied. Ökosystemen. Sie können direkt sein, z.B. bei unmittelbar aufeinander folgenden Glie- dern einer Nahrungskette, oder indirekt, wenn z.B. Beziehungen über Zwischenarten bestehen. Versiegelung [sealing] Abdichtung von Bo- denoberflächen (z.B. durch Asphaltierung, Betonierung, Bebauung), die zum Verlust der natürl. Bodenfunktionen (Lebensraum, Wasser- und Nährstoffkreisläufe, Filter- und Puffereigenschaften) führt. Verträglichkeitsprüfung [assessment act] Nach FFH-Richtlinie (Prüfung von Projek- ten und Plänen nach §§34, 35 BnatSchG): Mit der Umsetzung der Richtlinie 92/43/EWG vom 21. Juli 1992 in nat. Recht sind Pläne und Projekte vor ihrer Zu- lassung ihrer Durchführung nach §§34, 35 BnatSchG auf ihre Verträglichkeit mit den Erhaltungszielen eines NATURA-2000- Gebietes zu überprüfen. Ergibt die Prüfung der Verträglichkeit, dass das Projekt oder der Plan zu erhebl. Beeinträchtigungen eines solchen Gebietes in seinen für die Erhaltungsziele maßgebl. Bestandteilen führen kann, sind sie unzulässig und können nur noch unter best., nur schwer erfüllbaren Ausnahmesachverhalten zugelassen oder durchgeführt werden. Vertragsnaturschutz [management agree- ments] Verträge mit Landnutzern unter Auf- lagen einer naturverträgl. bzw. natur- schutzgerechten Bewirtschaftung, oft mit konkreter Zielstellung für den Arten- und Biotopschutz, gegen finanz. Entschädi- gung für Einkommensminderung. Verursacherprinzip [polluter pays principle] Grundsatz der Umweltpolitik, nach dem die Kosten zur Vermeidung, zur Beseitigung oder zum Ausgleich von Belastungen vom Verursacher aufzubringen sind und damit in dessen Wirtschaftlichkeitsrechnung einge- hen. Eine (Teil-) Überwälzung über den Preis widerspricht diesem Prinzip nicht. Es soll damit durch Einsatz ökonom. Instru- mente auf einen schonenden Umgang mit der Umwelt hingewirkt werden. Vogelschutzgebiet [bird protection area] Gebiet nach Richtlinie 79/409/EWG, wel- ches als Schutzgebiet für Vogelarten des 55 Anhangs I in der jeweils gültigen Fassung gemäß Art. 4 (1) ausgewiesen wurde. Vogelschutzrichtlinie [birds directive] Richtlinie 79/409/EWG des Rates vom 2. April 1979 über die Erhaltung der wildleb- endenden Vogelarten, geändert durch Richt- linie 97/49/EG des Rates vom 29. Juli 1997. Vollmast [at full mast (of flags?)] = max. Samenschüttung von Waldbäumen. Vorfluter [preclarifier, receiving water cour- se] Natürl. oder künstl. Gewässer (wie Bach, Fluss, See, Kanal) und Haupt- sammelschleuse, in die Abwasser oder Dränwasser geleitet wird. Vorrangflächen für den Naturschutz [priority areas for nature conservation] Na- turschutzvorrangflächen von bundesweiter Bedeutung (nat. bedeutsame Flächen für den Naturschutz) sind die aus Bundessicht bes. schutzwürdigen größeren zusammen- hängenden Gebiete, welche einen wesentl. Beitrag zu Erhalt und Entwicklung der biologischen Vielfalt leisten. Vorsorgeprinzip [precaution principle] Grundsatz der Umweltpolitik, nach dem staatl. Maßnahmen so getroffen werden sol- len, dass von vornherein möglichst sämtl. Umweltgefahren vermieden werden. Seine Anwendung soll dazu führen, dass die Ge- sundheit und das Wohlbefinden des Men- schen gesichert, die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes erhalten, zivilisator. Fortschritt und volkswirtschaftl. Produktivi- tät auch langfristig gewährleistet, Schäden an Kultur- und Wirtschaftsgütern vermieden und die Vielfalt von Landschaft, Pflanzen- und Tierwelt bewahrt werden. Wo seine Anwendung zu erhebl. Zielverzichten in an- deren Politikbereichen führt, ist eine Güter- abwägung erforderlich. 56 Wald [forest, wood] = ein vornehmlich durch Bäume geprägtes Ökosystem mit eigenem Bestandsinnenklima (vgl. Forst, Ur- wald). Waldhygiene [forest hygienics] = Präven- tivmassnahmen zur Minderung des Scha- densrisikos im Wald. Wandern [hiking, rambling] I. ursprüngl. S. die langsame Fortbewegungsform des Zu- fußgehens, als aktive Freizeitbeschäftigung nicht nur zur körperl. Erholung in der Natur, sondern auch als adäquate Bewe- gungsform zur Aufnahme naturwissen- schaftl. oder hist. Gegebenheiten (z.B. Ori- entierungswandern, geolog. Wandern, Bur- genwandern) betrieben. Organisiert ange- boten wird das W. von spez. Vereinen, in der BRD sind das u.a. der Verband Dt. Ge- birgs- und Wandervereine, Alpenvereine, Naturfreunde sowie versch. Institute des Fremdenverkehrs. Andere Wanderformen sind Rad-, Wasser-, Kanu-, Ski- und Reitwandern. Wanderfahren [?] Kanuwandern. Wanderkarte [trail map, map of walks, ~ trails] Orientierungskarte auf topographi- scher Grundlage, welche die in der Natur entsprechend markierten und ausgezeichne- ten Wanderwege und sonstige dem Wan- derer nützl. Eintragungen (Schutzhütten, Aussichtsturm u.a.) wiedergibt. Wanderweg [trail] W. werden durch Wege- marken hinsichtl. ihrer Funktion abgegrenzt und als best. W. kenntlich gemacht. Hauptw. führen i.d.R. durch mehrere Landschaften bzw. Naturräume und oft durch mehrere Landkreise. Sie können über die Landesgrenzen hinausreichen. Europäi- sche Fernw. sind Hauptw., die über die Lan- desgrenzen hinausreichen. Gebietsw. führen nur durch eine Landschaft bzw. Natur- raum, können jedoch durch mehrere Land- kreise gehen. Nebenw. führen durch örtl. bis kreisl. Landschaftsräume oder verbinden Haupt- und Gebietsw. zu einem Wegenetz. Rundwege und Lehrpfade fallen unter Ne- benw. Wasserbilanz [water balance] = Gegen- überstellung von Wasserverbrauch zu Was- serangebot. Wasserkapazität [water capacity] Nach freiem Durchfluss im Boden zurückgehal- tene, max. Wassermenge (das Wasserauf- nahmevermögen), gemessen als Feldkapa- zität. Wasserkreislauf [water circulation, ~ cycle, hydrological ~] Bewegung des Wassers durch Verdunstung vom Meer in die Atmo- sphäre, von dort durch Niederschläge zum Land und über den Abfluss von Flüssen wieder zurück zum Meer. Wasserschutzgebiet [water protection area, protected water gathering ground] Teil des Einzugsgebietes einer Wasserge- winnungsanlage, der zum Schutze des Was- sers Nutzungsbeschränkungen unterliegt. Wassersport [water sport(s)] Sportarten, die im oder auf dem Wasser ausgeübt wer- den. Grundsätzlich zu unterscheiden in Schwimmsport (Schwimmen, Wassersprin- gen, Sporttauchen, usw.) sowie Wasser- fahrsport (wie Kanusport, Rudern, Segeln, Windsurfen, Surfen, Wasserski, Wa- keboard), aber auch Motorbootsport. Ext- rem- und Trendsportarten wie Rafting, Hydro-speed Canyoning, Kitesurfen sind Sonderformen des W. Welterbekonvention [World Heritage Con- vention] Übereinkommen der UNESCO zum Schutz des Natur- und Kulturerbes der Welt (1972). Wertewandel [change in values] Bez. die sich teilw. rasch verändernde Denkhaltung und Normenwelt in der Gesellschaft oder bei einzelnen Bevölkerungsgruppen. Wiederkäuer [ruminant] Pflanzenfressende Säugetiere wie Kühe, die ihre Nahrung mehrmals durchkauen und komplexe Mägen besitzen, in denen Mikroorganismen die Cel- lulose der pflanzl. Nahrung abbauen. Wild [game] = alle wildlebenden Tiere, die dem Jagdrecht unterliegen. Wildbestand [game stock] = Gesamtheit des Wildes in einem best. Gebiet. Wilddichte [game density] = Anzahl der Individuen einer Wildart auf 100 ha der verfügbaren Fläche (meist nur über Schät- zungen zu ermitteln). Die W. wird im Anhalt an versch. Indikatoren (z.B. Verbiss von Weiserpflanzen, körperl. Beschaffenheit des Wildes) unter Berücksichtigung der Ziel- setzungen von Land- und Forstwirtschaft durch Jagd- und Hegemassnahmen regu- liert. Wildwasserfahren [white-water canoeing, white-water paddling] Disziplin des Ka- nusports in Gebirgsbächen. Die Schwierig- keitsgrade des Wildwassers gliedern sich gemäß der Einteilung der International Canoe Federation (ICF) und des Deutschen Kanuverbandes (DKV) in sechs versch. Ka- tegorien. Von „leicht-befahrbar“ bis zur „Grenze der Befahrbarkeit“. Wildschaden [game bite, ~ damage, dama- ge caused by game] Durch Wild verur- sachte Zerstörungen und Beschädigungen, die menschl. Interessen zuwiderlaufen. 57 Wildschutzgebiet [wildlife preservation, game preserve] Gebiet, in dem ein bes. Schutz des Wildes oder best. Wildarten eine Einschränkung des Betretungsrechts sowie ggf. Jagd- und Nutzungsbeschrän- kungen erforderlich macht. Es kann länder- weise verschieden auf der Grundlage der Wald- und/oder Jagdgesetze verordnet werden. Winderosion [eolian erosion, ~ denudation, ~ deflation] = Deflation, d.h. Abtrag von Boden durch flächenhafte Abwehung. Windsurfen [windsurfing, sailboarding] = Segelsurfen. Wassersportdisziplin, die im Stehen auf einem Kunststoffbrett (Surf- board) mit steuerbarem Segel ausgeführt wird. Seit 1984 olympische Disziplin (Frau- en seit 1992). Wintersport [winter sport(s)] Umfasst alle Sportarten, die auf Schnee und Eis ausge- übt werden. Eine neuere Begriffsdef. für den W. unterteilt diesen nach dem Medium auf dem die Sportart ausgeübt. So wird der Be- griff Schneesport für alle Aktivitäten die auf dem Medium Schnee ausgeübt werden verwendet. Schlittschuhlaufen auf gefrore- nen Seen und Eisklettern zählen somit zu den Eissportarten. Wirt [host] = Organismus, der von einem Parasiten befallen wird. wissenschaftliche Arbeitsgruppe [scienti- fic working group] Fachausschuss bzw. Ex- pertengruppe zur Klärung wissenschaftl. Fragen für den Habitatauschuss im Rah- men der Umsetzung der FFH-Richtlinie. Wochenenderholung [weekend recreati- on?] Erholungsaufenthalt in einem Erho- lungsgebiet an Wochenenden mit höchstens drei Übernachtungen. Wüste [desert] = ödes Trockengebiet mit spärl. Vegetation, in dem i.d.R. Wasser- mangel herrscht. 58 Xylobionte [?] = direkt oder indirekt vom Holz lebende Organismen. xylophon [xylophone] = Schallerzeugung mit Holz (z.B. Spechttrommeln). 59 Zeigerwert [indicator value?] Erkennbares ökolog. Verhalten von Pflanzen gegenüber Standortfaktoren in ihrem natürl. Konkur- renzumfeld. Zerschneidung [fragmentation] = aktive anthropogene Fragmentierung u.a. von Lebensräumen durch linienhafte Eingrif- fe (z.B. Straßen- und Schienenbau, Energie- trassen und Bebauung). Zersetzung [decomposition, degradation, decay, disintegration, dissociation] Abbau komplexer, energiereicher organischer Mo- leküle in einfache anorganische Bestandtei- le. Zersiedelung [spoil by development] Durch die Siedlungstätigkeit des Menschen zu- nehmende mosaikartige Durchsetzung eines zusammenhängenden Landschaftsraumes (z.B. mit Siedlungen, Nutzflächen und Infra- struktur). Zertfikat Sport- und Umwelt- Management [Certificate Sport- and En- vironment-Management] = Zusatzqualifika- tion des Instituts für Natursport und Ökologie (INÖK) der Deutschen Sport- hochschule Köln (DSHS). Ziel der Veranstal- tungen (12 Semesterwochenstunden und ein zweimonatiges Praktikum mit Naturbe- zug) ist es, wissenschaftl. Erkenntnisse und Methoden bei der Lösung komplexer Praxis- probleme im Sport- und Umweltbereich ein- zusetzen. Darüber hinaus wird angestrebt, die Studierenden für länderspezif. Unter- schiede zu sensibilisieren, Verständnis zu schaffen und zukunftsorientierte Problemlö- sungen zu fördern. Zivilisationslandschaft [agricultural lands- cape] Eine von menschl. Aktivitäten stark geprägte Kulturlandschaft (Großstadt, In- dustriegebiet, großräumiges Abbaugebiet usw.). Zonierung [zoning] = Zonation. Langge- streckte oder konzentrische ökolog. Raum- gliederung in Abhängigkeit von einem oder mehreren Standortfaktoren, die häufig ei- nem Faktorengefälle (Gradient) folgt. Z. treten in versch. Maßstäben auf: kleinräu- mig z.B. als ökolog. Catenen am Hang oder in grundwasserbeeinflussten Niederungen von Gewässern sowie als Verlandungsgür- tel von Teichen und Seen, großräumig in den hauptsächl. klimat. bestimmten, mehr oder weniger breitenkreisparallelen Land- schaftszonen oder -gürteln der Erde. Zoochorie [animal-dispersal] Samenverbrei- tung durch Tiere (aktive Aufnahme durch Verzehr von Früchten, passive durch Trans- port im Fell). Zygote [zygote] = durch Verschmelzung einer männl. und weibl. Keimzelle (Game- ten) gebildete diploide Zelle. 60 Wörterbuch englisch – deutsch abiotic abiotisch abiotic factor abiotischer Faktor abundance Abundanz abundance of species Artenvielfalt accessibility Erreichbarkeit acclimatization Akklimatisation accompanying landscape conservation plan landschaftspflegerischer Begleitplan accumulation Akkumulation acid rain Saurer Regen adaptation Anpassung adaption Adaptation, Anpassung adjustment Anpassung aerobic aerob aerobic degradation aerober Abbau aestivation Ästivation age-class forest Altersklassenwald agenda 2000 Agenda 2000 agenda 21 Agenda 21 aggregated distribution aggregierte Vertei- lung aggregated spreading aggregierte Vertei- lung agricultural landscape Zivilisationsland- schaft agricultural scope landscape Kulturland- schaft air sport Luftsport aircraft Luftfahrzeug airfield Flugplatz airspace Luftraum allelopathy Allelopathie allocation Allokation allochthonous allochthon amenity forest Erholungswaldung amphibious amphibisch anaerobic anaerob anaerobic degradation anaerober Abbau analogy Analogie angling Angeln animal ethics Tierethik animal-dispersal Zoochorie animals' right to live Mitgeschöpflichkeit anoxic anoxisch antagonism Antagonismus anthropocentrism Anthropozentrismus anthropogenic anthropogen anthropophiliy Anthropophilie anticipatory environmental protection Umweltvorsorge apnoea diving Apnoe-Tauchen aquatic aquatisch arboretum Arboretum arboricide Arborizide area Areal area of pure air Reinluftgebiet area of unspoiled nature Naturraum artificial snow Kunstschnee artificial snow blower Beschneiungsanla- gen assessment act Verträglichkeitsprüfung assimilate Assimilat assimilation Anpassung at full mast (of flags?) Vollmast audit Audit autochthonous autochthonal, autochthon autoecology Autökologie autotrophe Autotrophe aviation Flugsport avifauna Avifauna backcountry skiing Tourenskilauf backup belay system Klettersicherung balloon Ballon ballooning Ballonfahren barrier forest Lawinenschutzwald base Boden belay system Klettersicherung Bern Convention Berner Konvention biathlon Biathlon biocenosis Biozönose biocentrism Biozentrismus biocide Biozide biodiversity Artenreichtum, Biodiversität, biologische Vielfalt, Artenvielfalt biodiversity convention Biodiversitätskon- vention bioethics Bioethik biographical region biogeographische Regi- on bioindicators Bioindikatoren BioMar BioMar biome Biome biomonitoring Biomonitoring biosphere Biosphäre, Lebensraum biosphere reserve Biosphärenreservat biota Biota biotic biotisch biotic community Lebensgemeinschaft, Bio- zönose 61 biotic factors biotische Faktoren biotope Lebensraum, Biotop biotope management Biotopmanagement biotope network Biotopverbund biotope protection Biotopschutz biotope system Biotopverbund biotype Biotyp bird protection area Vogelschutzgebiet Birdlife International Birdlife International birds directive Vogelschutzrichtlinie Birkenberg Birkenberg Blue Flag Blaue Flagge Bonn Convention Bonner Konvention boreal boreal bottom Boden bouldering Bouldern breathing Atmung Brundtland Report Brundtland-Bericht buffer Bagatellgrenze buffer areas Ausgleichsflächen bungee jumping Bungeejumping bungy jumping Bungeejumping burdening Belastung canadian canoes Canadier canoe racing Kanurennsport canoe sport Kanusport canoeing Kanusport canoe-polo Kanupolo canyoning Canyoning capacity Leistungsfähigkeit capital utilization factor Auslastungsfaktor care of countryside Landespflege carrying capacity Umweltkapazität, Kapa- zität, Erholungskapazität carrying capacity Belastbarkeit catabolism Katabolismus catastrophe Katastrophe caving Caving cellulose Cellulose Certificate Sport- and Environment- Management Zertfikat Sport- und Umwelt- Management chalk Chalk challenge Challenge change Eingriff change in values Wertewandel characteristic landscape Landschaftsbild chase Jagd classification Klassifikation clear cut(ting) Kahlschlag clear felling Kahlschlag clearing Kahlschlag Clearing-House Mechanism Clearing- House Mechanismus climate Klima climate protection forest Klimaschutzwald climax Klimax climbing Klettern clime Klima closed forest Bannwald code of behaviour for the air sportsmen in natural and environmental ques- tions? Verhaltenskodex der Luftsportler für umwelt- und naturbewussten Luftsport im DAeC coexistence Koexistenz coherence Kohärenz colonisation Kolonisation comfort behaviour Komfortverhalten commensal Kommensal commissioner for nature preservation Naturschutzbeauftragter Community-wide Coordination of Infor- mation on the Environment (CORINE) CORINE-Projekt compensation Kompensation compensatory measure Ausgleichsmaß- nahme competition Konkurrenz competitiveness Leistungsfähigkeit conciliation procedure Konzertierungs- verfahren conflict of use Nutzungskonflikt conflict of utilisation Nutzungskonflikt conservation Umweltschutz, Erhaltung conservation biology Naturschutzbiologie conservation of nature and natural re- sources Erhaltung considerable impairment erhebliche Bee- inträchtigung contemporary act mitweltliches Handeln contracting Contracting convention alpine Alpenkonvention cosmopolitan kosmopolitisch cost-benefit analysis Nutzwertanalyse country planning Landesplanung countryside Landschaft, freie ~ creature Lebewesen criterion Kennarten cross-country mountainbiking Cross- Country cross-country ski run Loipe cross-country skiing Langlauf, Skiwandern cross-linking Vernetzung culled forest Plenterwald 62 cultivate Hege culturalland Kulturlandschaft cycling Radfahren damage caused by game Wildschaden damage to the environment Umweltbelas- tung day recreation? Tageserholung decay Zersetzung decline of species Artenrückgang decomposition Zersetzung, Abbau degradation Zersetzung, Abbau degradation of the soil profile Degradation denudation Denutation denutation Abtrag department Ressort Department of the Environment Umwelt- bundesamt (UBA) deposition Deposition depthing Eingriff desaster Katastrophe desert Wüste destination Destination detritus Abfall devastation (of a region) Devastation devastations Verheerungen diapause Diapause diaspore Diasporen diffusion Ausbreitung digital terrain model digitales Geländemo- dell dipping Tauchsport direct environmental consequence direkte Umweltauswirkung direct environmental effect direkte Um- weltauswirkung discard Abfall discharge Abfluss discontinuity Verinselung disease Krankheit disintegration Zersetzung disjoint Disjunkte dismantling Abbau disorder Krankheit dispersion Ausbreitung, Dispersion disruption Störung dissociation Zersetzung distribution Ausbreitung, Verbreitung disturbance Störung diversity Diversität diversity of species Artenvielfalt diving Tauchsport dormancy Dormanz downhill mountainbiking Downhill dry biotope Trockenbiotop dry grassland Trockenrasen dry habitat Trockenbiotop duty to report Berichtspflicht ECE-convention on water ECE- Gewässerkonvention EC-NATURE EC-NATURE eco audit Öko-Audit ecobalance Ökobilanz ecoenergetics Ökoenergetik ecofriendliness Umweltverträglichkeit ecolabel Umweltzeichen ecological balance ökologisches Gleichge- wicht, Ökobilanz ecological barrier? ökologische Schwelle ecological check (ecocheck?, „Öko- Check“) for sports halls/sports fields? Öko-Check in Sportanlagen ecological damage Umweltbelastung ecological devastation Umweltzerstörung ecological environment observation Um- weltbeobachtung ecological limit? ökologische Schwelle ecological niche ökologische Nische ecological planning Umweltplanung ecological pointer? ökologischer Zeigerwert ecological practice ökologisches Handeln ecological tax Umweltabgabe ecology Ökologie Economic Commission for Europe (ECE) Wirtschaftskommission für Europa economics Ökonomie economy Ökonomie ecophysiology Ökophysiologie ecosphere Ökosphäre ecosystem Ökosystem, Naturhaushalt ecosystem analysis Ökosystemanalyse ecotax Ökosteuer ecoton Ökoton ecotope Ökotop ecotope texture? Ökotopengefüge ecotope structure? Ökotopengefüge ecotourism Ökotourismus ecotype Ökotyp edaphic edaphisch edging density Besatzdichte education for sustainable development? Bildung für eine nachhaltige Entwicklung effect of experience? Erlebniswirkung 63 effects on centres and periphery Raum- verträglichkeit effects of human disturbances Störökolo- gie efficiency Leistungsfähigkeit effluent Abfluss emerald Emerald emigration Emigration emission Emission encroachment Eingriff endemic endemisch endemite Endemit energy equipment contracting Anlagen- Contracting energy-saving contracting Energiespar- Contracting environment Umwelt environment Lebensraum environmental attitude? Umwelteinstellung environmental audit Öko-Audit environmental awareness Umweltbewusst- sein environmental behaviour Umweltverhalten environmental burden Umweltbelastung environmental certificate Umweltzertifikat environmental communication Umwelt- kommunikation environmental compatibility Umweltver- träglichkeit environmental compatibility test Umwelt- verträglichkeitsprüfung (UVP) environmental destruction Umweltzerstö- rung environmental economics Umweltökono- mie environmental education Umweltbildung, Umwelterziehung environmental ethics Umweltethik environmental factor Standortfaktoren, Umweltfaktoren environmental impact Umweltbelastung environmental knowledge Umweltwissen environmental legislation Umweltrecht environmental management Landschafts- pflege, Umweltmanagement (UM) Environmental Management and Audit Scheme (EMAS) EG-Öko-Audit-Verord- nung environmental management system Um- weltmanagementsystem (UMS) environmental performance evaluation Ökobilanz environmental planning Raumordnung environmental policy Umweltpolitik environmental pollution Umweltver- schmutzung environmental precautions Umweltvorsor- ge environmental problem Umweltproblem environmental protection Umweltschutz environmental quality standards Umwelt- qualitätsstandard environmental quality targets Umwelt- qualitätsziele environmental requirement Umweltaufla- ge environmental research Umweltforschung environmental sponsoring? Umweltspon- soring environmental tolerance Umweltverträg- lichkeit environmentology Environtologie eolian deflation Winderosion eolian denudation Winderosion eolian erosion Winderosion epidemic Epidemie equestrian sport Reitsport equipment Ausstattung Erdfallsee Erdfallsee erlebnis pedagogy Erlebnispädagogik erosion Denutation, Abtrag, Abtragung, Ero- sion errastic errastisch Espoo Convention Espoo-Konvention etho ecology? Etho-Ökologie ethology Ethologie European Commission Europäische Kom- mission (KOM) european diploma Europadiplom European Economic Community Europäi- sche Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) European Environment Agency (EUA) Europäische Umweltagentur European Environment Information and Observation Network (Eionet) Europäi- sches Umweltinformations- und Umweltbe- obachtungsnetz European Habitats Forum Europäischer Dachverband der Naturschutzorganisationen European Nature Information System (EUNIS) Europäisches Informationssystem zum Naturschutz european nature reserve Europareservat European Topic Center for Nature Con- servation (ETC/NC) Europäisches Thema- tisches Zentrum für Naturschutz European Topic Centers (ETC) Europäi- sches Thematisches Zentrum European Union (EU) Europäische Union 64 EUROSILVA EUROSILVA euryoecious euryök eutrophic eutroph eutrophication Eutrophierung evolution Evolution evolutionary tree Stammbaum exogenic exogen experience Erlebnis experiencing nature Naturerleben experimental effect? Erlebniswirkung experimental impact? Erlebniswirkung exploratory behaviour Explorationsverhal- ten ex-situ conservation ex situ-Erhaltung extensification Extensivierung extinction of species Aussterben extreme skiing Extremskifahren extreme sport(s) Extremsport failure interference Störung fairway Fairway family Familie fauna Fauna fecundity Fekundität Federal Environmental Agency Umwelt- bundesamt (UBA) federal hunting law Bundesjagdgesetz (BJG) Federal Ministry for the Environment, Nature Conservation and Nuclear Safe- ty Bundesministerium für Umwelt, Na- turschutz und Reaktorsicherheit (BMU) Federal Ministry for Transport, Building and Housing Bundesministerium für Verkehr (BMV) Federal Nature Conservation Act Bun- desnaturschutzgesetz (BNatSchG) Federal Nature Conservation Agency Bundesamt für Naturschutz (BfN) Federal Nature Protection Projects Na- turschutzgroßprojekte femel coupe Femelschlag femel forest Plenterwald fertility class Bonitätsklassen FFH-Guidelines FFH-Richtlinie final energy Endenergie fishing Angeln fit Anpassung fitness Fitness fixed rope route Klettersteige flat water paddling Kanuwandern flood zenith Hochwasserscheitel floor Boden flora Flora flying Flugsport food chain Nahrungskette forest Forst, Wald forest hygienics Waldhygiene forest reserve Bannwald fragmentation Zerschneidung fragmentism Fragmentierung free climbing Freiklettern free solo Free Solo free time Freizeit freecarve snowboarding Freecarve freedom Freiraum freedom recreation? Freiraumerholung freeride area Variante freeride-skiing Variantenskilauf freeride snowboarding Freeride freeriding Freeride Freeriding Variantenskilauf freestyle skiing Freestyle, Ski freestyle snowboarding Freestyle, Snow- board frugivorous frugivor fungicide Fungizid furnishings Ausstattung game Wild game bite Wildschaden game damage Wildschaden game density Wilddichte game preserve Wildschutzgebiet game stock Wildbestand garbage Müll, Abfall gene Gen genetic engineering Gentechnik genotype Genotyp genus Gattung geographic information system (GIS) Geographisches Informationssystem (GIS) geographical …? geographische Kline german aero-club Deutscher Aero Club (DAeC) girdling Ringelung glider Segelflugzeug, motorloses Flugzeug gliding field Segelfluggelände global change globaler Wandel Global Environment Facility Global Envi- ronment Facility? global environmental degradation globale Umweltzerstörung globalization Globalisierung 65 global-positioning-system (GPS) Global- Positioning-System (GPS) golden rules Goldene Regeln golf Golf golf course Golfbahn, Golfplatz golf links Golfbahn, Golfplatz grade of locality Bonitätsklassen green Green green rules? Grünordnung green structures plan Grünordnungsplan greenhouse effect Treibhauseffekt ground Boden groundwater Grundwasser guideline Richtlinie guidelines Leitlinien habit Habitus habitat Biotop, Habitat, Lebensraum habitat classes Habitat-Klassen habitat committee? Habitatausschuss habitat management Biotopmanagement habitat maps Biotopkartierung habitat network Biotopverbund habitat structure Habitatsstruktur habitat system Biotopverbund habitat type Lebensraumtyp (Prioritär Ar- ten) habitats directive FFH-Richtlinie half pipe Halfpipe hang-gliding Drachenfliegen, Deltafliegen, Gleitschirmfliegen hardening Abhärtung hauberque Hauberg hawberk Hauberg health resort Erholungsstätte hedonism Hedonismus helicopter skiing Helikopter Skiing hemeroby Hemerobie herbicide Herbizide high water zenith Hochwasserscheitel Higher Nature Conservation Agency obere Naturschutzbehörde higher nature conservation authority obere Naturschutzbehörde hiking Wandern hill-climb mountinbiking Hillclimb holiday Ferienerholung, Erholungsurlaub homeostasis Homöostase homeothermic body temperature? homoi- otherme Körpertemperatur homology Homologie honorary nature conservancy eh- renamtlicher Naturschutz horse riding Reitsport host Wirt hot-air balloon Heißluftballon human ecology Humanökologie hunt Jagd hydrological cycle Wasserkreislauf hydrospeed Hydrospeed hydrosphere Hydrosphäre ice climbing Eisklettern illness Krankheit immersion Tauchsport immigration Einwanderung, Immigration immission Immission impact resistance Belastbarkeit impairment of nature or landscape Beein- trächtigung in-situ conservation in situ-Erhaltung indicator Indikator indicator deflection? ökologischer Zeiger- wert indicator value? Zeigerwert indirect environmental consequence indi- rekte Umweltauswirkung indirect environmental effect indirekte Umweltauswirkung individual Individuum induration Abhärtung inroad Eingriff insecticide Insektizid insectivore Insectivor integration model Integrationsmodell intensification Intensivierung interference Eingriff interference analysis Interferenzanalyse international commission for the protec- tion of the alps Internationale Alpen- schutzkommission (CIPRA) International Ski Federation Internationa- ler Skiverband (FIS) intervention Eingriff intromission Immission intrusion Eingriff inurement Abhärtung invasion Eingriff island Insel isle Insel ISO 14000 Environmental Management Guide? series of standards? Normenreihe DIN EN ISO 14000 ff. 66 jogging Joggen kayak Kajak key species Schlüsselart kind Art bzw. Spezies, Gattung kind of soil Bodenart K-strategy K-Strategie lake See land conservation Landespflege land degradation Devastierung land disturbance Devastierung land improvement Melioration land utilization Flächennutzung landing place Landeplatz landing place noise protection estab- lishment Landeplatz-Lärmschutzverord- nung landlocked sport(s) landgebundener Sport landscape Landschaft landscape analysis Landschaftsanalyse landscape architecture Landschaftsgestal- tung landscape care Landschaftspflege landscape change Landschaftswandel landscape conservation support plan landschaftspflegerischer Begleitplan landscape conservator Natur-, Land- schaftspfleger landscape diagnosis Landschaftsdiagnose landscape ecolology Landschaftsökologie landscape ecosystem Landschaftsökosys- tem landscape element Landschaftsbestandteil, Landschaftselement landscape energetics Landschaftshaushalt landscape factor Landschaftsfaktor landscape framework plan Landschafts- rahmenplan landscape function Landschaftsfunktion landscape gardening Landschaftsgestaltung landscape model Landschaftsleitbild landscape orientational organization of one’s leisure time landschaftsorientierte Freizeitaktivitäten landscape plan Landschaftsplan landscape planning Landschaftsplanung landscape program Landschaftsprogramm landscape protected area Landschafts- schutzgebiet (LSG) landscape spoilation Landschaftsschäden landscape structure Landschaftsstruktur landscaping Landschaftsgestaltung land-use planning Raumplanung lea Aue lee Lee leisure mobility Freizeitmobilität leisure time Freizeit leisure time recovery Freizeiterholung Leitbild analysis Leitbildanalyse LIFE LIFE life community Lebensgemeinschaft life cycle Lebenszyklus life cycle assessment Ökobilanz, Lebens- zyklusanalyse life cycle strategy Lebenszyklusstrategie life table Lebenstafel life-form Lebewesen lifestyle Life Style lift mechanische Aufstiegshilfe limicole Limikolen litter Abfall living space Lebensraum load Belastung load factor Auslastungsfaktor load-capacity Tragfähigkeit local agenda 21 Lokale Agenda 21 (LA21) local recreation Naherholung local recreational area Naherholungsgebiet locality class Bonitätsklassen locality factor Standortfaktoren location Standort Lower Nature Conservation Agency Un- tere Naturschutzbehörde lower nature conservation authority Un- tere Naturschutzbehörde luff Luv maar Maare macrophyt Makrophyten maintainance preservation Erhaltung malady Krankheit management agreement Vertragsnatur- schutz man-made land Kulturlandschaft map of walks Wanderkarte map of trail Wanderkarte mark Kennarten matrix of linkages Verflechtungsmatrix maturation Reifung means of transport Verkehrsmittel means of transportation Verkehrsmittel means of travel Verkehrsmittel melioration Melioration mesotrophic mesotroph 67 metabolism Metabolismus migration Migration milieu Milieu minimum area Minimalareal minimum cession amount Bagatellgrenze minimum claims limit Bagatellgrenze minimum flight altitude Mindestflughöhe mobility Mobilität model Leitbild model of segregation Segregationsmodell model of sustainable development Leit- bild einer nachhaltigen Entwicklung monitoring Monitoring monocropping Monokultur monoculture Monokultur, Reinbestand monoski Mono Ski morphogenesis Morphogenese morphology Morphologie mountain biking Mountainbikesport mountaineering Bergsteigen movement techniques Kletterstile multiple use Mehrfachnutzung mykorrhiza Mykorrhiza natura 2000 NATURA 2000 natural natürlich natural assets Naturgüter natural balance Naturhaushalt national parc Nationalpark natural contemporaries natürliche Mitwelt natural disaster Naturkatastrophe natural education naturbezogene Pädago- gik natural forest Naturwald natural forestry? naturgemäße Waldwirt- schaft natural landmark Naturdenkmal natural landscape Naturlandschaft natural monument Naturdenkmal natural parc Naturpark natural pedagogy naturbezogene Pädagogik natural philosophy Naturphilosophie natural preserve Naturpark natural scenery Landschaftsbild naturalistic naturnah natural management of forests naturge- mäße Waldwirtschaft naturalness Natürlichkeitsgrad nature Natur, Art, Spezies nature alienation? Naturentfremdung nature-based forest management natur- gemäße Waldwirtschaft nature conservancy Naturschutz nature conservation Naturschutz nature conservation association of ger- many Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) Nature Conservation Agency Naturschutz- behörde nature conservation authority Natur- schutzbehörde nature conservation rights Naturschutz- recht nature conservator Natur-, Landschafts- pfleger nature education? Naturbildung nature estrangement? Naturentfremdung nature experience Naturerfahrung nature experience area? Naturerlebnisge- biet nature kingdom capacity Natur(raum)- potential nature kingdom potential Natur(raum)- potential nature parc Naturpark nature protection Naturschutz nature protection area Naturschutzgebiet nature protection association Na- turschutzverband nature protection law Naturschutzrecht nature-orientated landscape naturnahe Landschaft navigation-diving Orientierungstauchen near-natural landscape naturnahe Land- schaft need for protection Schutzbedürftigkeit neophyte Neophyten neozoen Neozoen networking Vernetzung New Environmental Paradigm (NEP) Neues Ökologisches Paradigma niche Nische nivologie Nivologie non equilibrium theory Ungleichgewichts- theorie non site-located sports activity nichtanla- genbezogene Sportaktivität Non-governmental Organization Nichtre- gierungsorganisation non-indigenous animals Neozoen nordic skiing Nordischer Skisport offshore Offshore oikos Oikos oligophagous oligophag oligotrophic oligotroph 68 oligotrophie Oligotrophie ontogenesis Ontogenese operational environmental protection betrieblicher Umweltschutz opportunism Opportunismus opportunistic species opportunistische Arten organism Lebewesen, Organismus organisms Organismen organization of one’s leisure time Freizei- taktivitäten (-gestaltung) ornithology Ornithologie osmotic regulation Osmoregulation OSPAR Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt des Nordostatlantiks (OSPAR) outdoor activities Natursport outdoor pursuits Natursport outdoor recreation Natursport outflow drainage Abfluss outlet Abfluss outward bound Outward Bound overall concept Leitbild overexploitation Übernutzung overland flow Oberflächenabfluss ozone layer Ozonschicht paddlesport Kanusport palaearctic Paläarktis palaearctic habitat/living space catego- risation, classification? paläarktische Le- bensraumklassifizierung pandemic Epidemie paragliding Gleitschirmfliegen, Paragliding parapatrie Parapatrie parasite Parasit para-skiing Para-Skiing partial mast Sprengmast pathogen Pathogene pedigree Stammbaum pergelisol Permafrost permafrost Permafrost permanent grassland Dauergrünland perspiration Transpiration pest Schädling pest plant Unkräuter pesticide Pestizid pheromone Pheromone photoperiod Photoperiode photosynthetic Photosynthese phylogenesis Phylogenese physiology Physiologie phytophag phytophag piece of air sports equipment? Luftsport- gerät pilot license Luftfahrerschein pioneer species Pionierart piste Piste piste skiing Pistenskilauf place Standort plan of land utilization Flächennu- tzungsplan plankton Plankton planning for the regions Raumordnung planning permission hearings Planfeststel- lungsverfahren plant association Pflanzenassoziation plant clan Pflanzenassoziation plant community Pflanzengemeinschaft, ~assoziation, ~gesellschaft plant society Pflanzenassoziation plenter forest Plenterwald plot Plot poikilotherme Poikilotherme poisonous toxisch polder Polder polluter pays principle Verursacherprinzip pollution Umweltverschmutzung pollution of the environment Umweltver- schmutzung polyphagous polyphag polytrophic polytroph population Population population density Belegungsdichte, Popu- lationsdichte population dynamics Populationsdynamik potential natural vegetation potentielle natürliche Vegetation powder Powder precaution principle Vorsorgeprinzip precautionary environmental protection Umweltvorsorge preclarifier Vorfluter predator Prädator preservation goals Erhaltungsziele preservation objectives Erhaltungsziele preservation of landscape Land- schaftspflege prey Beute primary energy Primärenergie primeval forest Urwald principle of the common burden Gemein- lastprinzip priority areas for nature conservation Vorrangflächen für den Naturschutz 69 processing protection Prozessschutz propagation Ausbreitung proposed Sites of Community Interest (pSCI) Nationale Gebietslisten protected area Schutzgebiet protected forest Schonwald, Bannwald protected landscape Landschaftsschutzge- biet (LSG) protected water gathering ground Was- serschutzgebiet protected wood Schonwald protection forest Bannwald protection of landscapes Landschaftss- chutz protection of species Artenschutz protozoa Protozoen provision for one’s recreation? Erholungs- vorsorge pure stand Reinbestand pursuit Jagd quality Qualität quality of live Lebensqualität quantifying Eignungsbewertung quota of active participants? Aktivenquote quota of passive participants? Passiven- quote rafting Rafting rambling Wandern Ramsar Site Ramsar Gebiete Ramsar-Convention Ramsar-Konvention range Areal ranger Naturwacht Rannen diminution? Rannen-Verjüngung Rannen juvenescence? Rannen-Ver- jüngung rap jumping Rapjumping rate? Aktivenquote rate of reproduction Reproduktionsrate receiving water course Vorfluter receptivity Erlebnispotential (-fähigkeit) reclamation Rekultivierung recovery Erholung recovery? Erholung in freier Natur recreation Erholung recreation area Erholungsgebiet, ~zone recreation(al) forest Erholungswaldung recreation in the open countryside? Erho- lung in freier Natur recreational activity? Erholungsaktivität, ~tätigkeit recreational freedom? Freiraumerholung recreational precaution? Erholungsvorsor- ge recruitment Rekrutierung recultivation Rekultivierung recycling Recycling red data list Rote Liste red list Rote Liste reeds Röhricht refuse Müll, Abfall regeneration capacity Regenerationsfähig- keit regenerative energy carrier regenerierba- re Energieträger regional development plan adopted by a land Landesraumordnungsprogramm regional planning Regionalplan relict population Reliktpopulation renaturalization Renaturierung replacement Ersatzmaßnahme, Substitution replacement biotope? Ersatzbiotop represantantive for environment Umwelt- beauftragter reproduction Reproduktion reproductive allocation Reproduktion- saufwand reproductive output Reproduktionsleistung resistance Resistenz resource efficiency Ressourceneffizienz resource partitioning Ressourcenaufteilung resources Ressourcen respiration Atmung, Respiration responsibility Verantwortung rest home Erholungsstätte retinity Retinität riding Reitsport right of public acces Betretungsrecht ringing Ringelung ripening Reifung risk analysis Risikoanalyse rivalry Konkurrenz river Fluss rock climbing Klettern rock climbing area Klettergarten rodeo (Wildwasser-) Rodeo rotation period Umtriebszeit rough Rough R-strategy R-Strategie rubbish Müll rucksack school Rucksackschule rules of the green? Grünordnung ruminant Wiederkäuer run Piste 70 rural amenity Landschaftspflege rural cultivation Landschaftspflege rural engineering Landschaftspflege rural management Landschaftspflege rural planning Landesplanung rural tending Landschaftspflege sailboarding Windsurfen sailplane Segelflugzeug scenery Landschaft Scientific Working Group wissenschaftliche Arbeitsgruppe sealing Versiegelung seasonal dimorphism Saisondimorphismus secondary biotope Sekundärbiotop secondary habitat Sekundärbiotop selection Selektion selection forest Plenterwald self-commitment Selbstverpflichtung semidry grassland Halbtrockenrasen semi-terrestrial semiterrestrisch serpentine soil Serpentinböden shelterwood Schutzwald ship launching device Slipanlage shoot Jagd shyness Scheuheit sickness Krankheit sign Kennarten sink Abfluss site Standort site class Bonitätsklassen site endemic? standortheimisch site factor Standortfaktoren Site of Community Interest Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung (GGB) site quality (class) Bonitätsklassen site-oriented sports activity anlagenbezo- gene Sportaktivität ski lift Lift, mechanische Aufstiegshilfe skiing (Alpiner) Skisport ski-jumping Skispringen ski-mountaineering Skibergsteigen skiroute Skiroute ski-run Skiabfahrt, Skipiste sky surfing Skysurfen skydiving Fallschirmspringen snag Totholz snowboarding Snowboardsport snowshoeing Schneeschuhwandern snowsport(s) Schneesport socially acceptability Sozialverträglichkeit soil Boden soil class Bodenart soil compaction Bodenverdichtung soil degeneration Degradation soil degradation Degradation soil erosion Bodenabtragung soil erosion Bodenerosion soil protection Bodenschutz soil protection forest Bodenschutzwald soil sealing Bodenversiegelung soil structure Bodengefüge soil type Bodentyp, ~art solum Boden sort Gattung space function Raumfunktion space of retention Retentionsraum spare time Freizeit spatial planning Raumplanung special area of conservation Besondere Schutzgebiete (BSG) Special Protection Areas (SPA) Besondere Schutzgebiete (BSG) special smaller area with old trees Althol- zinsel specialists Spezialisten species Spezies, Art, Gattung species diversity Artenvielfalt species group Artengruppe species preservation Artenschutz species richness Artenvielfalt specific to the species in question art- gemäß spelunking Caving spoil by development Zersiedelung sport science Sportwissenschaft sport(s) Sport sporting aircraft? Luftsportgerät sporting event Sportgroßveranstaltung sports facilities Sportgelegenheiten, Sport- anlagen sports field Sportplatz sports hall Sporthalle sports place Sportstätte spread Ausbreitung, Verbreitung srap Abfall stability Stabilität stable equilibrium stabiles Gleichgewicht stadia Sportanlagen standtaking Bestandserfassung stationary ortsgebunden stenoecious stenök stepping stone Trittstein stocking rate Besatzdichte 71 stocktaking Bestandserfassung strain Belastung strategy of action? Handlungsstrategie stress Belastung Streuobstwiese Streuobstwiese strict natural forest area Naturwaldreser- vat, Naturwaldzelle subsoil water Grundwasser substitute biotope? Ersatzbiotop substitute measure Ersatzmaßnahme substitution Substitution substratum Substrat succulent plants sukkulente Pflanzen sucession Sukzession surface drainage Oberflächenabfluss surface flow Oberflächenabfluss surface run off Oberflächenabfluss surfing Surfen surrogate biotope? Ersatzbiotop sustainability Nachhaltigkeit sustainable development Nachhaltige Ent- wicklung sustainable exploitation nachhaltige Nut- zung sustainable utilization nachhaltige Nutzung swing clear Schwojen swing round Schwojen symbiosis Symbiose sympatric sympatrisch sympatry Sympatrie symptom Kennarten synecology Synökologie synergism Synergismus syntaxa? Syntaxa syntopicious? syntopisch system of…? Natursportartenordnung system of education through practical experience rather than classroom stud- ies Erlebnispädagogik taxon Taxon taxonomy Taxonomie technical climbing? technisches Klettern technical environmental protection Tech- nischer Umweltschutz technical snow? technischer Schnee tectonic plates? tektonische Platten tee Abschlagsfläche telemark skiing Telemark terrain Landschaft terrestrial terrestrisch territoriality Territorialität territory Territorium test for ecofriendliness Umweltverträglich- keitsprüfung (UVP) textures class Bodenart timidity Scheuheit timidness Scheuheit to go to the nature for a rest? Erholung in freier Natur topography Topographie topology Topologie tourism Tourismus tourism Fremdenverkehr tourist trade Fremdenverkehr toxic toxisch trail Wanderweg, Trail trail map Wanderkarte transmission threshold Übertragungs- schwelle transpiration Transpiration trap tree Fangbaum trekking Trekking trendsport(s) Trendsport trimming density Besatzdichte trophie Trophie turnover Turnover type of biotope Biotoptyp type of habitat Biotoptyp UMBIT Umweltmanagement und –bildung im Turnverein (UMBIT) umbrella species Schirmart UN Conference on Enviroment and Deve- lopment (UNCED) Konferenz der Verein- ten Nationen zu Umwelt und Entwicklung underground water Grundwasser United Nations Educational, Scientific and Cultural Organisation (UNESCO) Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur der Vereinten Nationen urban ecology Stadtökologie urban land use planning Bauleitplanung urban(e) urban, städtisch utilisation aptitude? Nutzungseignung utilisation priority? Nutzungspriorität vacation Ferienerholung, Erholungsurlaub valuation of suitability Eignungsbewertung value benefit analysis Nutzwertanalyse value of…? Natursportausprägungen variant Variante variety Gattung varmint Schädling vegetation unit Pflanzenassoziation 72 vegetationsperiod Vegetationsperiode virgin forest Urwald virgin landscape Naturlandschaft visitor flow management Besucherlenkung visual flight rules Sichtflugregeln voluntary agreement freiwillige Verein- barungen voluntary arrangement freiwillige Verein- barungen voluntary arranging freiwillige Vereinba- rungen waste Müll, Abfall water Gewässer water balance Wasserbilanz water capacity Wasserkapazität water circulation Wasserkreislauf water cycle Wasserkreislauf water pollution control Gewässerschutz water protection Gewässerschutz water protection area Wasserschutzgebiet water sport(s) Wassersport weed killer Herbizide weeds Unkräuter weekend recreation? Wochenenderholung wetland Feuchtgebiet wetland habitat Feuchtbiotop white-water canoeing Wildwasserfahren white-water paddling Wildwasserfahren white-water rafting Rafting white-water rodeo (Wildwasser-) Rodeo white-water swimming Hydrospeed wilderness Naturlandschaft wildlife conservation Naturschutz wildlife preservation Wildschutzgebiet windsurfing Windsurfen winter sport(s) Wintersport wood Forst, Wald World Heritage Convention Welterbekon- vention worth preserving Schutzwürdigkeit xylophone xylophon zoning Zonierung zygote Zygote Mit der Weisheit am Ende: nichts gefunden = iron maiden? biotoplenkende Maßnahmen, FIB, GNOR, Hutung, Nächsterholung, Organisationsfaktor, raumwirksame Tätigkeiten, Wanderfahren, Xylobionte 73 Quellenangabe ALLGAIER, A. et al. 1978: Lexikon für Bergfreunde. Luzern, Frankfurt am Main. ARBEITSGRUPPE „RAUMPLANUNG UND LANDWIRTSCHAFT“ DES SCHWEIZERISCHEN BAUERNVERBANDES (Hrsg.) 1983: Die Landwirtschaft in der Raumplanung. Brugg. 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  • INOEK_Band_12_Umweltbildung_im_Schulsport.pdf
    INSTITUT FUR NATURSPORT UND OKOLOGIE Institute of Outdoor Sports and Environment Umweltbildung im Schulsport Situation und Entwicklung Michael Segets Holger Schmidt Stefan Turk aa) Umweltbildung im Schulsport Inhalt Vorwort 1 Einleitung 2 Situationsanalyse der Umweltbildung 2.1. Allgemeine Umweltbildung 2.2 Umweltbildung im Sport 2.3. Moglichkeiten des Transfers auf den Schulsport 3 Umweltbildung im Schulsport 3.1 Die derzeitige Situation der Umweltbildung im Schulsport 3.2 Defizite, Probleme und ihre Ursachen 4 Aufwertungspotenziale 5 Zusammenfassung 10 13 14 14 17 20 23 © INOK © INOK Umweltbildung im Schuisport 1 Einleitung Die Beschaftigung mit Umweltthemen ist eine geselischaftliche Notwendigkeit. Dies wird zum Beispiel aus der Agenda 21 und vielen nationalen und internationalen Konfe- renzen (siehe GrsHarot 1999, 17ff.) deutlich. Fur die staatliche Bildungsinstitution Schule hat die Bildungskommission von Nordrhein- Westfalen 1995 die Bedeutung der Erstel- lung von Konzepten fiir die Umweltbildung' hervorgehoben. Die ,Umweltfrage’ wird von der Bildungskommission als gesellschaftliches Schitsselproblem’ bezeichnet (Bitounaskom- mission NRW 1995, 112). Die Forderungen nach der Integration von Umweltbildung in die Schule machen auch vor dem Sport nicht Halt. Dies wird aus der Resolution Uber den Entwurf des Kodex fiir nachhaltige Entwicklung im Sport ersichtlich. Diese Resolution wurde im Rahmen der 9. Europdischen Sportmi- nisterkonferenz im Mai 2000 verabschiedet. Der darin enthaltene Kodex legt die Richtli- nien fiir eine Arbeitspartnerschaft zwischen Sport und Umwelt fest. Dort fordern die europaischen Sportminister ,,the drawing up of curricula and provision of packs for environmental education at all levels” (SPORTMINISTERKONFERENZ 2000a), In einem da- zugehdrigen Diskussionspapier spezifizieren sie dies explizit in Bezug auf den Sportunter- richt an Schulen und verlangen ,education in environmental issues and their relation to sport which includes: environmental edu- cation as part of sports programmes in the school” (SporTMINISTERKONFERENZ 2000b) Die tatsdchliche Situation der Umweltbil- dung im Sportunterricht der Schulen muss derzeit jedoch als unbefriedigend angese- hen werden (vgl. Kapitel 3.1). Zur Erftillung und Umsetzung der Forderung der europdi- schen Sportminister innerhalb von Nordrhein- Westfalen hat daher der Club of Cologne den Auftrag fur eine Studie mit folgenden Zielen erteilt: 1. Situationsanalyse der Umweltbildung, 2. Bestimmung von Defiziten, 3. Ableitung von Aufwertungspotenzialen. Somit ergeben sich folgende konkrete Frage- stellungen: ° Welche Konzepte zur Umweltbildung (im Sport) sind bisher entwickelt worden und wie kénnen sie bewertet werden? (Vgl. Kap. 2.1 und 2.2) e Welche Bedeutung haben die allgemeine Umweltbildung und die Umweltbildung im Sport fiir die Umweltbildung im Sport- unterricht der Schule? (Vgl. Kap. 2.3) e Welche Vorgaben in Bezug auf Umwelt- bildung im Sportunterricht enthalten die Richtlinien und Lehrplane fur Nordrhein- Westfalen und wie hat die Schule den Auf- trag zur Umsetzung der Umweltbildung im Sportunterricht bisher erfuillt? (Vgl. Kap. 3.1) e Welche Defizite von Umweltbildung im Schulsport lassen sich feststellen und wel- che méglichen Ursachen haben diese Defi- zite? (Vgl. Kap. 3.2) e In welchen Bereichen bestehen Mdéglich- keiten zur Aufwertung bisheriger Konzepte von Umweltbildung im Schulsport und wie konnen Aufwertungspotenziale umgesetzt und realisiert werden? (Vgl. Kap. 4) “ WesrHo.m (1995, 8) unterscheidet zwischen Umweltbildung und Umwelterziehung in Abhangigkeit von der Zielgruppe (Erwachse- ne oder Kinder) und der Institution (Schule, Hochschule, Volkshochschule, Vereine, Verbande etc.). Nach Euteretp (1994, 2) und Pr- cet (1995, 13) jedoch kénnen die Begriffe Bildung und Erziehung synonym verwendet werden (vgl. auch GesHarpt 1999, 27-32 und f HAAN 1999, 4 ). Hier wird der weitere Begriff der Umweltbildung im Sinne von EucereLo verwendet. © INOK Abb. 1: Konzepte im Bereich Umweltbildung Umwelterziehung Okopadagogik : 2 Situationsanalyse der Umweltbildung Bevor auf das eigentiiche Kernthema, die Umweitbildung im Schulsport, eingegangen wird, erfolgt in diesem Kapitel die Untersu- chung von zwei ,Uibergeordneten’ Aspekten. Durch den Blick auf die allgemeine Umwelt- bildung und die Umweltbildung im Sport insgesamt sollen Erkenntnisse und Kriterien gewonnen werden, die auch flr die Umwelt- bildung im Schulsport von Bedeutung sind. 2.1 Allgemeine Umweltbildung Im Bereich der Umweltbildung herrscht aufgrund der Vielzah! der Ansatze und der konzeptionellen Strémungen ein_,,unzumut- bares begriffliches Wirrwarr” (Bercutotp/ STauFFeR 1997, 42). Als Hauptstr6mungen k6én- nen die Umwelterziehung, die Okopadagogik und das dkologische Lernen angesehen wer- den. Neben diesen Hauptstr6mungen gibt es noch weitere Modelle, die je nach Ausrich- tung unterschiedliche Aspekte der Umweit- bildung akzentuieren. Hier sind u. a. die Mit- welterziehung, die naturnahe Erziehung, die Okologische Padagogik und das Umweltler- nen zu nennen (vgl. Abbildung 1)’. Eine kon- sistente, diese Strémungen und Modelle ver- bindende Theorie fehit bislang. Fur einen ersten Uberblick Uber die Spann- weite der Diskussion im Bereich der Umwelt- bildung wird zunachst kurz auf deren Ziele, didaktische Prinzipien und Methoden einge- gangen. AnschlieBend werden grundlegende Probleme aufgezeigt, die sich aus den Ergeb- nissen der empirischen Sozialforschung und aus umweltpsychologischen Untersuchungen ergeben. Uber die Notwendigkeit von Umweltbil- dung als Beitrag zur Minderung der Umwelt- probleme besteht weitgehende Einigkeit. Eine verhdltnismaBig groBe Vielfalt herrscht jedoch in Bezug auf die konkrete Zielbestimmung der Umweitbildung. Eine Vielzah! von nationalen und internationalen Konferenzen haben sich auf unterschiedlichen Ebenen mit Fragen der Zielbestimmung von Umweltbildung beschaf- tigt. Die im Rahmen dieser Konferenzen auf- gesteliten Zielbestimmungen waren wiederum richtungsweisend flr eine Vielzahl weiterge- hender Untersuchungen und Verdéffentlichun- gen. Als Uberwiegend anerkannte Zielkatego- rien der Umweltbildung gelten derzeit Wissen und Einsteliungen beziehungsweise Wertkon- zepte und Verhalten (vgl. BercHTHOLD/STAUFFER 1997, 26). Mit Raver kann damit der folgende allgemeine Zielkatalog abgeleitet und als kon- sensfahig angesehen werden: 1. Erwerb problemspezifischen Wissens 2. Ausbildung eines spezifischen BewuBt- seins und entsprechender Einstellungen 3. Veranderung der individuellen und gesell- schaftlichen Wertkonzepte * Auf eine ausftthrliche Diskussion der zeitlich-inhaltlichen Entwicklung der verschiedenen theoretischen Ansatze und didaktischen Konzepte wird hier verzichtet; eine vergleichende Darstellung findet sich in BercHtoLp/STAUFFER (1997, 42-57), Bress (1994, 81-115) und Gepnarot (1999, 17-32) © INOK Umweltbildung im Schulsport 4, Hinfhrung zu umweltorientierten Verhal- tens- und Lebensformen” (Raperr 1996, 80; vgl. auch Ovzen et al. 1995, 190). Diese eher formalen Ziele bedirfen allerdings noch der inhaltlichen Ausgestaltung, um als Leitlinien in den konkreten Prozessen der Um- weltbildung dienen zu kénnen. Es muss also gefragt werden, welches Wissen vermittelt werden soll, welche Einstellungen und Wert- konzepte angestrebt werden und welche Ver- haltens- oder Lebensformen als umweltori- entiert gelten kénnen. Notwendig wird also zunachst eine starkere inhaltliche Fixierung von Zielen der Umweltbildung, die auf einer vermittelnden und konsensualen Ebene von Vertretern unterschiedlicher Konzepte getra- gen werden kénnen. Ein inhaltlicher Minimal- konsens Uber anzustrebende Ziele muss die Basis darstellen, auf der ein verbindliches und tragfahiges Konzept fur die Umweltbildung und ihre Institutionen erarbeitet wird. Als anerkannt kann dabei mittlerweile vo- rausgesetzt werden, dass die Umweltbildung Bestandteil der institutionalisierten Aus- und Fortbildung innerhalb des traditionellen Bil- dungssystems sein sollte. Dabei wird weniger ein additives Konzept verfolgt, das einen ei- genstandigen Fachbereich fir die Umwveltbil- dung vorsieht. Angestrebt wird vielmehr ein integratives Konzept, das die Eingliederung von Umweltaspekten in die bereits beste- henden Fachbereiche, Ausbildungsgange und Curricula beftirwortet?. Das bedeutet zum Beispiel in Bezug auf die Schule nicht nur, dass Umweltbildung in mdglichst vielen Fachern durchgeftihrt wird, wichtig ist auch das kontinuierliche Aufgreifen der Umwelt- thematik innerhalb der einzelnen Facher. Daraus ergeben sich jedoch eine Vielzahl von methodischen und fachdidaktischen Fra- gestellungen. Um die zuvor genannten Ziele erreichen zu kdnnen, sind einige Leitlinien bzw. Prinzipien notwendig, die das padago- gische Handeln bestimnmen sollen. In der Um- weltbildung finden allgemeine didaktische Prinzipien ihre Anwendung. Raber (1996) nennt die Situations-, die Handlungs- und Problemorientierung sowie die Interdiszipli- naritat und die Ganzheitlichkeit des Lernens (ebd., 82). Diese Auflistung ist sicherlich er- weiterbar, beispielsweise durch die Produkt- und Schuler- oder Adressatenorientierung. Zu den Arbeitsmethoden der Umweltbildung ge- horen u. a. Projektunterricht, Fallstudien und Simulationsspiele. Ein Grundproblem der Umweltbildung liegt darin, dass noch nicht geklart ist, wie die umweltbezogenen Einstellungen und Wert- haltungen sowie die kognitiven, affektiven und konativen Momente (Bouts 1995, 97F.) konkret in der Umweltbildung berticksichtigt und durch diese verandert werden kdnnen. Bislang besteht noch kein Konsens, auf wel- che Art und Weise die Ziele der Umweltbil- dung erreicht werden konnen. Insbesondere fehlen vergleichende Studien zur Wirksamkeit verschiedener Konzepte der Umweltbildung. Ein weiteres entscheidendes Problem stellt die Ermittlung von Faktoren dar, die fr eine Ver- Anderung des umweltrelevanten Verhaltens bedeutsam sind. Zu dieser fur die Umweltbil- dung essentiellen Frage liegen einige empiri- sche und umweltpsychologische Studien vor. Obwohl! die empirische Sozialforschung eine Vielzahl von EinflussgréBen auf das Umweltverhalten untersucht und ermittelt hat, gelingt es den Wissenschaftlern bis- lang nur in sehr begrenztem Umfang, das ‘Dies forderte bereits 1979 die UNESCO (vgl. Finoerte 1981, 450; vgl. auch Ravers 1996, 79). NOK Abb, 2: Widerlegte Wirkungskette zum Umweltverhalten (nach Haan/KucKartz 1996, 104) Umweltwissen jeweilige Umweltverhalten zu erklaren. Wi- derlegt werden konnte jedoch die Hypothe- se eines linearen Wirkungszusammenhangs zwischen den oben genannten Zielkatego- rien Wissen, Einstellungen und Verhalten (vgl. exemplarisch GesHarvt 1999: Hetprvck/ FiscHeR 1999). Die Zusammenhange zwi- schen diesen Variablen sind so komplex, dass die bisherigen Untersuchungen nur ge- ringe Korrelationen zwischen Wissen und Verhalten beziehungsweise zwischen Ein- Stellungen und Verhalten feststellen (Hart- MANN-Tews 1993, 21-28). a Umwelteinstellungen __ --bewuBtsein - Lediglich in vereinzelten Studien erga- ben sich durch genauere Bestimmung und Differenzierung der Faktoren Umweltwis- sen und Umwelthandeln hdhere Korre- lationen (LeHmann 1999, 94f.: siehe auch GrAseL 1999)*. Auch weitere Variablen des Umweltverhaltens wie Kontrollattribution, Betroffenheit, personliche Verantwortlich- keit und Handlungsbereitschaft erreichen in unterschiedlichen empirischen Untersu- chungen nur niedrige Korrelationen (HAan/ KuckarTz 1996, 104-114). Die Rolle von Mo- dellpersonen und affektiven Bindungen an die Natur wurden empirisch noch nicht ein- gehend untersucht (LeHmann 1999, 121 ff.). Somit tragt die empirische Sozialforschung bislang nur wenig dazu bei, die Bedeutung der verschiedenen Einflussfaktoren des Um- weltverhaltens zu identifizieren. * Finen Uberblick Uber Versuche zur genaueren Begriffsbestimmu Auch in der psychologischen Forschung existieren eine ganze Reihe von Modellen, die versuchen, Determinanten fiir 6kologisches Handeln zu bestimmen. Exemplarisch sollen hier nur zwei Konzeptionen Erwdahnung fin- den. In dem_,derzeit meist zitierten und wohl auch differenziertesten” — (Heierick/FiscHer 1999, 558) Modell, der ,, Theorie des geplanten Verhaltens” (Aizen 1991), wird angenommen, dass Verhaltensintentionen den Haupteinfluss auf das Verhalten haben. Die Intentionen wer- den nach diesem Ansatz ihrerseits durch drei Faktoren bestimmt: durch die Einstellung zum Verhalten, durch die auf das Verhalten bezo- gene subjektive Norm, sowie durch die wahr- genommene _ Verhal- tenskontrolle. Letztere hat ebenfalls einen di- rekten Einfluss auf das Verhalten (vgl. HomaurG/ MartHies 1998, 140f.). Die Individuen entschei- den sich hier rational fir das aus ihrer Sicht vor- teilhafteste Verhalten. Eine andere Konzeption vertritt Schwartz (1977), der die Bedeutung von pers6nlichen Normen flr das Handein betont. Nach seinem ,,Norm-Aktivationsmodell” akti- viert eine aus unterschiedlichen Griinden her- vorgerufene Problemwahrnehmung eine per- sOnliche Norm. Diese filhrt daraufhin zu einem aktuellen Geftih! moralischer Verpflichtung, aus dem dann das entsprechende Verhalten re- sultiert (vgl. Hompurc/MattHies 1998, 142f.), Be- reits aus der Gegentiberstellung dieser beiden Theorien wird die Streitfrage deutlich, ob eher dkonomisch-rationale oder affektiv-moralische Momente (vg!. ebd., 156) das Umweltverhalten bestimmen. Diese Frage wird kontrovers disku- tert und ist nicht geklart. ng von Umweltwissen, urnweltgerechten Einstellungen und um- weltgerechtem Verhalten geben BERCHTOLD/STAUFFER (1997, 30-37) © INOK Umweltbildung im Schulsport 9 Als ein Ergebnis der bisherigen Unter- suchungen kann festgehalten werden, dass diverse Variablen berticksichtigt Abb. 3: Einflussfaktoren auf das Umweltverhalten (nach: UnTereruner/ GeRspor- ren 1994 84) werden mUssen, um umweltre- levante Handlungen zu_ erkla- ren. UNTERBRUNER/PFLIGERSDORFFER (1994) isolieren einige Ein- flussfaktoren auf das Um- weltverhalten (vgl. Abbil- dung 3). Das Umweltverhalten ist in hohem MaBe komplex. Uber den Einfluss der unter- schiedlichen Faktoren auf das Umweltverhalten kénnen bisher weder die empirische Sozialfor- schung noch die Umweltpsycholo- gie sichere Aussagen machen. Deutlich wird jedoch, dass monokausale Erklarungen des Umweltverhaltens zu kurz greifen. Kom- plexe und vielschichtige Modelle der Umwelt- bildung werden notwendig, damit instrumen- te entwickelt werden kénnen, die zu einer Minderung der Umweltprobleme beitragen. Insbesondere die Diskrepanz zwischen Wis- sen und Verhalten sowie zwischen Einstellun- gen und Verhalten kann bisher nicht befriedi- gend geklart werden. Dies sollte jedoch nicht dazu ftihren, dass Wissen und Einstellungen als Ziele von Umweltbildung aufgegeben werden (GrAsel 1999; LANTERMANN 19995). Die inhaltliche Ausgestaltung und Prazisierung dieser Zielkategorien steht aber noch aus. Die Umweltpsychologie kann das Umwelt- verhalten und die Bedeutung von Wissen und Einstellungen nicht befriedigend erkldren. Dennoch sind umweltpsychologische Erkennt- nisse aus dem Bereich der Interventionsfor- schung fir die Umweltbildung von Interesse. Personenbezogene Interventionsansatze k6n- nen fur die ,Hinfthrung zu umweltorientier- ten Verhaltensweisen’ (siehe oben: Ziele der Umwelt- bildung) genutzt werden. Uber MaBnahmen der Wissensvermittlung hi- naus wurden normzentrierte und verhaltens- theoretisch orientierte Methoden entwickelt (HomBurG/MattHies 1998, 165-185). Normzentrierte Techniken — versuchen in Anlehnung an das zuvor skizzierte Mo- dell von Scxwartz soziale Normen und Ver- antwortungstibernahme bei den be- treffenden Personen anzuregen. Dies erscheint erfolgversprechender als reine Informationsvermittlungsstrategien (HomBurc/ Matties 1998, 185). Die verhaitenstheoretisch orientierten Strategien stehen eher der ,Theo- rie des geplanten Verhaltens’ (s. 0.) nahe. Die Situationsanalyse der Umweltbildung ergibt mehr Fragen als Antworten. Es konn- ten nur wenige Kriterien ermittelt werden, die Umweltbildung erftiilen sollte. Zunachst sollten Konzepte der Umweltbildung die Ziel- kategorien Wissen, Einstellungen oder Wert- konzepte und Verhalten berticksichtigen. Weiterhin sollte Umweltbildung im Sinne ei- © INOK 10 nes integrativen Konzeptes in bestehende Bil- dungsmaBnahmen verschiedener, auch staat- licher, Institutionen aufgenommen werden. SchlieBlich sollten die umweltpsychologischen Erkenntnisse in Bezug auf MaBnahmen zur Férderung umweltvertraglichen Verhaltens in das Methodenrepertoire der Umweltbildung einflieBen. Die ungeklarten Fragestellungen sind vergleichsweise zahlreich. So sind die Ziele von Umweltbildung zwar definiert und an- erkannt. Es fehlen jedoch Angaben zur in- haltlichen Ausdifferenzierung der Ziele und konkrete Hinweise, wie diese Ziele erreicht werden sollen. Weiterhin ist offen, wie der in empirischen Untersuchungen ermittelte nied- rige Einfluss von Wissen und Einstellungen auf das Verhalten gesteigert werden kann. Auch die Erklarungsversuche des Umweiltverhaltens mussen bisher als unbefriedigend angese- hen werden. Sie liefern der Umweltbildung keine verbindlichen Ansatzpunkte zur Ver- wirklichung ihrer verhaltensorientierten Ziele, SchlieBlich sind keine Studien zur Wirksamkeit von Konzepten der Umweltbildung bekannt. Umweltbildung ist ein Prozess, der nur schwer zu evaluieren ist und dessen Ziele nicht kurz- fristig erreichbar sind. Die Leitidee der Umweltbildung ist die (umwelt-) gebildete Persdnlichkeit, die sich umweltvertraglich verhalt. Auch der Sport muss in diesem Zusammenhang seinen Bei- trag leisten, wenn eine Minimierung der Um- weltproblematik im Allgemeinen und der Konflikte zwischen Sport und Umwelt im Be- sonderen angestrebt wird. 2.2 Umweltbildung im Sport Es gibt mittlerweile eine relativ groBe An- zahl an Konzepten und Entwurfen, die Aspek- te der Umweltbildung zumindest teilweise bei der Bearbeitung der Sport-Umwelt-Problema- tik berticksichtigen. Eine umfassende, sowohl theoriegeleitete als auch praxisorientierte Konzeption der Umweltbildung im Sport liegt jedoch nicht vor (vgl. Raverr 1996, 85). Da sich einige der bisher entwickelten Ansatze in we- sentlichen Aspekten ahnlich sind, werden sie in zwei idealtypische Gruppen eingeteilt. Ra- perr (1996) unterscheidet die so genannten ,erfahrungsorientierten” (ebd., 86) und ,,sys- temorientierten” (ebd.) Ansatze. Erfahrungsorientierte Ansatze Die erfahrungsorientierten Modelle set- zen bei der sportlichen Praxis an, d. h. bei der Sportaustibung selbst. Ihre didaktische Grundannahme besteht darin, dass die Um- welt im Sport positiv erlebt wird und diese Er- lebnisse zu perséniicher Betroffenheit und zu affektiven Bindungen fllhren. Die Naturerleb- nisse bilden wiederum die Voraussetzungen fur ein Okologisches Bewusstsein und damit ftir umweltgerechtes Verhalten> . Fir den Ski- sport bringt HeLp (1989) den Grundgedanken auf folgende Formel: ,,Uber den Skisport zum Naturerlebnis, Uber das Naturerlebnis zum Naturschutz, d.h. tiber den Skisport zum Er- lebnis in der Natur, Uber das Erlebnis zum Er- kennen und Handeln” (ebd., 447).6 Neuere erfahrungsorientierte Konzepte versuchen neben dem Naturerlebnis auch Kér- * Vertreter dieses Ansatzes sind Diecxert(1987), Dorine (1989), die DSJ (1984; 1995), Franke-THieLe/TrUmmer (1989), Heto (1989), SEEWALD/KRONBICHLER/GROSSING (1998), SperLe/Wicken (1989) und Wit

  • INOEK_Band_28_Studien_Slackline_17_07_12.pdf
    R o t h / T h o m a n n ( H r s g . ) I n s tit u t f ü r N a t u r s p o rt u n d Ö k o l o g i e I n s t i t u t e o f O u t d o o r S p o r t s a n d E n v i r o n m e n t a l S c i e n c e S c h r if t e n r e ih e N a t u r s p o r t u n d Ö k o lo g ie – B a n d 2 8 D e u t s c h e S p o r t h o c h s c h u l e K ö l n A k t u e l l e S t u d i e n z u E n t w i c k l u n g u n d P r a x i s d e r T r e n d s p o r t a r t S l a c k l i n e I m p r e s s u m Herausgeber Prof. Dr. Ralf Roth / Andreas Thomann Institut für Natursport und Ökologie (INOEK) Deutsche Sporthochschule Köln Layout & Satz Frank Armbruster Bildnachweis Deckblatt: 1, 3 und 5 © alpinstil, 2 und 5 © Thomann INOEK Die Ausführungen der Autoren müssen nicht mit der Meinung des Herausgebers übereinstimmen. ISSN 1612-2437 © 2012 – Alle Rechte vorbehalten Nachdruck – auch auszugsweise – nur mit Zustimmung des Herausgebers. S c h r i f t e n r e i h e N a t u r s p o r t u n d Ö k o l o g i e Herausgegeben vom Institut für Natursport und Ökologie Deutsche Sporthochschule Köln Band 28 A k t u e l l e S t u d i e n z u E n t w i c k l u n g u n d P r a x i s d e r T r e n d s p o r t a r t S l a c k l i n e Herausgegeben von: Prof. Dr. Ralf Roth / Andreas Thomann mit Beiträgen von: Joachim Bauer, Barbara Eigenschenk, Albert Gollhofer, Urs Granacher, Jonathan Groß, Nicolas Iten, Edwin Jakob, Thomas Kloth, Ralf Roth, Olav Schmid, Sven Schindelwick, Peter Spitzenpfeil, Andreas Thomann, Martin Zeller 5Inhalt © INÖK Inhalt Univ. - Prof. Dr. Ralf Roth Vorwort – die Trendsportart „Slackline“ 7 Dr. Joachim Bauer Grußwort 9 Martin Zeller Dynamische Reaktionen im Slacklinesystem 11 Andreas Thomann & Jonathan Groß Zur Druckverteilung durch den Slacklinesport auf den Baum als Anschlagstruktur 15 Andreas Thomann & Edwin Jakob Slacklinen in urbanen Räumen – am Beispiel der Stadt Köln 31 Andreas Thomann & Sven Schindelwick Zur Erstellung von Slacklineparks 43 Olav Schmid & Peter Spitzenpfeil Kinematische Bewegungsanalyse im Slacklinen 65 Andreas Thomann & Barbara Eigenschenk Vergleich verschiedener Lehrkonzepte im Slacklinen 77 Andreas Thomann Slacklineunterricht im formellen Sport der Schulen und Vereine 91 Nicolas Iten, Urs Granacher, Ralf Roth & Albert Gollhofer Die Auswirkung eines Slacklinetrainings auf die posturale Kontrolle und die Kraft von Sportstudierenden 101 Andreas Thomann, Barbara Eigenschenk & Thomas Kloth Slacklinen als spezielles Gleichgewichtstraining im Skilanglauf 113 7Vorwort © INÖK Univ. - Prof. Dr. Ralf Roth Vorwort – die Trendsportart „Slackline“ Sehr oft nutzen Trendsportarten attraktive Natur- und Landschaftsräume. Am Institut für Natursport und Ökologie der Deutschen Sporthochschule Köln arbeiten Experten da- ran relevante Sport- und Produktentwick- lungen frühzeitig zu erkennen und fachlich zu begleiten. Aktuell befindet sich das Slacklinen in der Etablierungsphase. Als junge freizeito- rientierte Sportart, die leicht zu erlernen ist, entfaltet sie sich in hohem Tempo in Deutsch- lands Gärten, Parkanlagen und Naturräumen. Viele Einsteiger fasziniert die wacklige Line. Schnelle Lernfortschritte, geringe Kosten und der Spaß bei der Sportausübung fördern die Sportart. Die weitere Ausdifferenzierung im Könnerbereich bietet weiteren Ansporn. Von der Rehabilitation bis hin zum Trainings- mittel im Spitzensport reicht mittlerweile der Einsatzbereich des neuen Sportgeräts. Die Entwicklung von Wettkampfformaten, der Einzug in den Vereins- und Schulsport, die große Anzahl an Slacklineherstellern sowie die Dauer des Trends, der seit über 5 Jahren anhält, belegen die Etablierung der Sportart. Durch die Nutzung von Naturräumen und Bäumen zum Aufspannen der „Line“ geriet diese Sportart schnell ins Konfliktfeld von Na- turnutzung sowie Naturpflege und -schutz. Umso mehr freuen wir uns in Zusammen- arbeit mit der Stadt Köln ein schon jetzt er- folgreiches Konzept zu präsentieren, welches der jungen Sportart Slacklinen und ihren Ak- tiven Raum zur Entfaltung bieten wird, sowie gleichzeitig Rücksicht auf die sensiblen Grün- flächen nimmt. Die neu angelegten Slackline- parks tragen zum sportlichen und modernen Image der Stadt Köln bei. Die vorliegende Studie „Slackline“ des In- stituts für Natursport und Ökologie spiegelt den aktuellen Forschungsstand der jungen Freizeitaktivität Slackline wider und fasst viele bisherige Erkenntnisse aus der Sportwissen- schaft zusammen. Die Bandbreite der behan- delten Themen reicht von den verwendeten Sportmaterialen, der Raumplanung für Natur- sportarten in einer urbanen Umgebungen bis hin zu den Bewegungs- und Trainingswissen- schaften und der richtigen methodisch-didak- tischen Herangehensweise. Univ. - Prof. Dr. Ralf Roth Leiter des Instituts für Natursport und Öko logie der Deutschen Sporthochschule Köln 9Grußwort © INÖK Dr. Joachim Bauer Grußwort Die Entwicklung der Grünflächen und des gesamtstädtischen Grünsystems in Köln blickt auf eine über 200 jährige Tradition zurück. Die Grünflächen sind Naherholungsraum für Bürger/innen, Besucher und Touristen und so- mit für die Attraktivität der Stadt von großer Bedeutung, auf der anderen Seite treffen hier aber auch sehr unterschiedliche Interessen und Nutzungsansprüche der Stadtgesellschaft aufeinander. Slacklinen ist eine dieser neuen Nutzungen und immer mehr Slackliner/-innen sind in den öffentlichen Grünflächen anzu- treffen. Macht man sich jedoch die hohen Kräfte und die Reibung, die von der „Line“ ausgehend auf die Bäume wirken bewusst, so wird schnell deutlich, dass dieser Sport zu einer ökologischen Belastung für die Bäume und letztendlich auch für die gesamte Anlage werden kann. Slacklinen ist eine faszinierende Sportart, die sich auch weiter etablieren und auswei- ten wird. Aus diesem Grund gilt es ein An- gebot für Slackliner zu schaffen, das zu kei- nen Belastungen führt. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Natursport und Ökologie der Deutschen Sporthochschule Köln, Prof. Dr. Ralf Roth und dem Slacklineexperten, Di- plomsportwissenschaftler Andreas Thomann wurde deshalb ein Konzept zu Errichtung von Slacklineparks ausgearbeitet. Hierauf aufbau- end konnten in einem ersten Schritt fünf neu entwickelte Slacklineparks im Inneren Grün- gürtel angelegt werden. Hier kann der Sport- art nachgegangen werden, ohne das Bäume geschädigt werden. In den Slacklineparks wurden zum ei- nen vorhandene Bäume mit einem saisona- len Stammschutz ausgerüstet, zum anderen wurden fest installierte Slacklinepfosten auf- gestellt. Die Stellung der gemeinsam entwi- ckelten Pfosten ist so gewählt, dass unter- schiedliche Abstände und somit differenzierte Schwierigkeitsgrade entstehen. Mit den Slacklineparks sind im Inneren Grüngürtel neue attraktive Sportanlagen ent- standen. Werden diese Angebote angenom- men, so ist eine Ausweitung auch in anderen Grünanlagen geplant. Das Amt für Land- schaftspflege und Grünflächen hofft auf die Akzeptanz der neuen Anlagen in der Slackli- neszene und geht davon aus, dass das allge- meine Slacklineverbot außerhalb der Slackli- neparks respektiert wird. Das Amt für Landschaftspflege und Grün- flächen begrüßt somit alle Slackliner in den neuen Slacklineparks und wünschen viel Spaß beim Slacklinen! Dr. Joachim Bauer Amt für Landschaftspflege und Grünflächen, Köln 11Dynamische Reaktionen im Slacklinesystem © INÖK Martin Zeller1 Dynamische Reaktionen im Slacklinesystem Vorbemerkung - Nomenklatur: ln der DIN 79400-Slacklinesysteme, wel- che im Konsens von Herstellern, Anwendern, Prüfinstituten, Versicherungen der öffentli- chen Hand sowie Vertretern aus Wissenschaft und Forschung in den vergangenen drei Jah- ren entstand, wurden die in Abb. 1 darge- stellten Begriffe festgelegt. Dynamische Reaktionen im Slacklinesystem Welche Kräfte wirken in den Anschlag- punkten durch Begehen einer Slackline, durch Sprünge, durch die Vorspannung oder die Bandcharakteristik der Slackline? Auf die Frage, welche die entscheidenden Faktoren für die resultierenden Kräfte im Slacklinesy- stem seien, antworteten fast alle befragten Slackliner mit 1. Vorspannung, 2. Verkehrslast und 3. Bandcharakteristik. In unserem Prüfinstitut wurden in den letzten drei Jahren beinahe eintausend Prü- fungen an Slacklinesystemen mit den Feld- weiten 6 m, 10 m, 12 m und 20 m durchge- führt: Unabhängig von der Vorspannung weisen Slacklines eine materialspezifisch bedingte Elastizität auf, welche durch den bestim- mungsgemäßen Gebrauch abnimmt. Abb. 1: Nomenklatur 1 Technische Überprüfungsgesellschaft mbH 12 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline Bei gleicher Vorspannung im unbelasteten System bewirkt eine Slackline hergestellt z.B. aus Polyamid (PA) einen größeren Durchhang als eine gleich dimensionierte Slackline herge- stellt z.B. aus Polyester (PE) bei gleicher Ver- kehrslast (vgl. Grafik 1 und 2 in Abb. 2). Noch weniger elastische Materialien wie z.B. Polyethylen (Dyneema) bewirken noch geringere Durchhänge bei gleicher Verkehrs- last oder gleich große Durchhänge bei hö- herer Verkehrslast im Vergleich zu anderen Materialien (vgl. Grafik 2 und 3 in Abb. 2). Ergebnis 1: Höhere Durchhänge erzeugen geringere resultierende Kräfte (Grafik 1 in Abb. 3) als geringe Durchhänge (Grafik 2 in Abb. 3). ln einem groß angelegten Versuch wurden die gemessenen resultierenden Kräfte mit vektoriell ermittelten Werten verglichen. Bei einer Feldweite bis 12 m lag die Übereinstim- mung zwischen 99,6% und 101,1%. Ergebnis 2: Jede Slackline wird durch Belastung ge- reckt und verliert an Elastizität. ln Abhängigkeit vom Material der Slack- line ergeben sich je nach eingeleiteter Ver- kehrslast und Anzahl der Belastungszyklen unterschiedliche Rest- und Rückstellkräfte. Das Verhältnis von Vorspannung zu Rest- kraft bezeichnen wir als Dämpfung. Bei einer großen Dämpfung wird ein hoher Anteil der dynamisch eingeleiteten Kraft (z.B. durch ei- nen Sprung) durch die Reckung vernichtet – die Slackline fühlt sich weich an. Bei geringer Abb. 2: Durchhang in Abhängigkeit von Bandmaterial und Verkehrslast Abb. 3: Resultie- rende Kräfte in Abhängigkeit zu den Durchhängen der Slackline 1 2 3 1 2 13Dynamische Reaktionen im Slacklinesystem © INÖK Dämpfung (also bei einem wenig elastischen Material oder bei einer vielfach gebrauchten Slackline) fühlt sich die Slackline bei einem Sprung hart an. Nachdem sich die Dämpfung einer neu- en Slackline nach dem ersten und zweiten Aufspannen unter Einleitung von jeweils fünf dynamischen Kraftstößen extrem ändert (Abb. 4), werden bei der Normprüfung meh- rere Messreihen benötigt. Schlussfolgerung Die Kräfte beeinflussenden Faktoren im Slacklinesystem sind in der Reihenfolge ihrer Wirksamkeit: 1. Bandcharakteristik, 2. Vorspannung, 3. Verkehrslast Normierung von Slacklinesystemen Auch wenn es zunächst überflüssig er- scheint, Slacklines und dazu gehörende Sys- temkomponenten zu normieren, bringt uns die geltende DIN 79400 folgende Vorteile: 1. Slacklinesysteme werden vergleichbar ge- macht – Qualität kann sich leichter durch- setzen 2. Es werden Anforderungen an die Sicher- heit gestellt – Unfälle werden vermieden 3. Die Norm liefert eine Prüfgrundlage – Prüfergebnisse werden objektiviert und sind nachvollziehbar (wichtig für Gerichts- verfahren) 4. Die Norm liefert Prüfkriterien für den Ein- satz in Sporthallen – geprüfte Slacklinesy- steme können bei Eignung im Schulsport eingesetzt werden 5. Die Norm fordert einen ausreichenden Baumschutz – normkonforme Slackline- systeme können eine Zulassung für den öffentlichen Bereich erhalten. Abb. 4: Dämpf ungsfaktor (links) in Ab- hängigkeit vom Gebrauch (unten = Wiederholung der erhöhten dynamischen Belastung) 14 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline Folgende Prüfungen sind nach der gel- tenden DIN 79400 erforderlich: 1. Ermittlung der Nennlast (0,4 kN Spannelemente-Bedienkraft, 0,8 kN Verkehrslast, statisch) 2. Ermittlung der erhöhten Nennlast (0,8 kN Spannelemente-Bedienkraft, 150 kg Verkehrslast, dynamisch) 3. Ermittlung der Bruchfestigkeit Bei der Ermittlung der Bruchfestigkeit gibt es folgende typische Versagens- formen (vgl. Abb. 5): Zerreißen einer Naht Abkanten des Bandes Deformation der Ratsche Gütesiegel Die Einhaltung einer Industrienorm ist kei- ne gesetzliche Verpflichtung. Der Nachweis der Normkonformität schützt allerdings den Hersteller und Anwender insoweit, als dass durch die Einhaltung der sicherheitstech- nischen Anforderungen der DIN die Sorgfalts- pflicht erfüllt wurde. Insofern gilt im Scha- densfall die Beweislastumkehr, ein großer juristischer Vorteil für den beklagten Herstel- ler oder Anbieter eines nach Norm geprüften Slacklinesystems. Die TÜG - Technische Überprüfungsgesellschaft mbH vergibt deshalb für alle geprüften Slacklinesy- steme, welche die Anfor- derungen der aktuellen DIN 79400 erfüllen, ein entsprechendes Gütesie- gel. Abb. 5: Versa- gensformen bei der Ermittlung der Bruchfestig- keit 15Zur Druckverteilung durch den Slacklinesport auf den Baum © INÖK Andreas Thomann1 & Jonathan Groß1 Zur Druckverteilung durch den Slacklinesport auf den Baum als Anschlagstruktur Einleitung Die verstärkte Ausübung des Slackli- nesports in den städtischen Grünanlagen führt von Seiten der Behörden zu Bedenken hinsichtlich der ökologischen Verträglichkeit der Sportart. Fast immer werden in den Parks Bäume als Anschlagstruktur verwendet. Eini- ge Vorfälle von massiven Baumschädigungen sind mittlerweile bekannt, wie zum Beispiel in der Wilhelma in Stuttgart. Daher ist es ver- ständlich, dass die Behörden sich veranlasst sehen, vorsorglich zu reagieren. Die so ausge- sprochenen Slacklineverbote stoßen aber bei den Akteuren der Sportart auf Unverständ- nis. In ihrer Sichtweise sind die Baumschädi- gungen auf wenige schwarze Schafe zurück- zuführen, die schlechtes oder unzureichendes Material verwenden oder den Aufbau der Slackline nicht beherrschen. Aufgrund des aktuellen Wissenstands kann weder für die eine noch die andere Seite Partei ergriffen werden. Folglich ist es für alle beteiligten Gruppen wichtig, dass von unabhängigen Institutionen eine Beurteilung der möglichen Schädigungen vorgenommen wird, um Lös ungsvorschläge erarbeiten zu können. Typisierung von Baumschäden und Forschungsstand Verschiedene Baumschädigungen durch den Slacklinesport werden in Fachkreisen diskutiert. Zum einen ist durch die Kraftein- leitung der Slackline am Stamm, über den so entstehenden Hebel, eine Schädigung des Wurzelwerks möglich. Zum anderen sind Bodenverdichtung oder Trittschäden durch die anwesenden Sportler denkbar. Diese Fak- toren können die Standsicherheit des Baumes beeinträchtigen. Eine zweite Art von Schäden kann über das Anbringen der Slackline am Stamm ent- stehen. Diese lassen sich in zwei Typen ein- teilen: 1. Druckschäden am Kambium: Der Anpress- druck durch das Befestigungselement der Slackline beeinträchtigt das Kambium (Wachstumsschicht). Im schlimmsten Fall führt die Belastung zum Absterben des Baumes. 2. Abriebschäden der Borke: An der äuße- ren Rinde entstehen durch Reibung und Scheuern (bei einer Auf- und Abbewe- gung des Anschlagmittels) einer Slackline Schäden. Diese Untersuchung widmet sich dem letztgenannten Thema der Baumschädi- gungen am Stamm. Somit ist, wenn im fol- genden Text von Baumschädigungen gespro- chen wird, die Schädigungen am Stamm ge- meint. Der wissenschaftliche Forschungsstand bezüglich der oben genannten Punkte be- schränkt sich derzeit auf allgemeine Erkennt- 1 Deutsche Sporthochschule Köln, Institut für Natursport und Ökologie 16 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline nisse. Nach Bauer und Escherich (1997) ist be- kannt, dass mechanischer Druck auf Bäume die Entwicklung der äußeren Baumschichten negativ beeinträchtigt. Haimann (2007) untersuchte die Einwir- kung von Elementen eines Hochseilgartens auf Borke und Kambium. Sie stellt zum ei- nen bei einer Langzeitbelastung von 200 N/ cm² schwere Schäden an Borke, Bast und Kambium fest. Hingegen bei einer zweistün- digen Belastung von 30 N/cm² wurden ledig- lich leicht zusammengedrückte Bereiche der äußersten Borkenschicht beobachtet, jedoch keine Schädigung des Kambiums (vgl. Hai- mann, 2007, S. 37-40). Somit kann der Wert 30 N/cm² als eine Art Grenzdruck für tempo- räre Belastungen angesehen werden. Fragestellung Um eine verlässliche Aussage bezüglich der Baumschädigung durch das Slacklinen treffen zu können, sind daher zwei Schritte erforderlich: 1. Feststellung der spezifischen Druckvertei- lung am Baum in Abhängigkeit des ver- wendeten Anschlagsystems einer Slackli- ne. 2. Ermittlung der Baumschädigung durch die auftretenden Drücke Aufgrund der vielfältigen Anschlagsy- steme soll die Frage geklärt werden, wie sich diese verschiedenen Anschlagvarianten auf die Druckverteilung auswirken. Die durch den ersten Schritt gewonnen Erkenntnisse liefern die Grundlage für baumphysiologische Un- tersuchungen, die im Detail klären müssen, welchem Druck Bäume in Abhängigkeit von Art, Durchmesser und Jahreszeit standhalten. Die hier vorgestellte Untersuchung möchte einen Beitrag zur Klärung des ersten Schrittes liefern und somit den Weg für den Schritt der Baumphysiologie ebnen. Kräfte im Slacklinesystem Die auftretenden Kräfte in einem Slackli- nesystem werden im Folgenden dargestellt: Mit Hilfe eines Spannelements (Flaschen- zug, Ratsche, etc.) wird die Slackline ge- spannt. Hierbei entsteht die sogenannte Vor- spannkraft (F v) in der Line. Steigt nun eine Person auf die Slackline, bewirkt sie durch ihre Gewichtskraft (Fg) einen Durchhang (D). Durch diese Belastung entsteht die Reakti- onskraft (Fr), die auf alle Elemente im System gleich wirkt. Abbildung 1 zeigt die geome- trische Beziehung der Kräfte. Abb. 1: Kräftedreieck einer Slackline 17Zur Druckverteilung durch den Slacklinesport auf den Baum © INÖK Für den einfachen Fall, dass der Slackliner in der Mitte der Line steht, sich nicht bewegt und als statische Masse betrachtet wird, ge- nügen zur Berechnung der Reaktionskraft (Fr) folgende Parameter: Länge der Slackline (L) in Meter Gewicht des Slackliners (G) in Kilogramm Durchhang der Slackline (D) in Meter Vorspannkraft (Fv) In Wirklichkeit gestaltet sich die Berech- nung der Kräfte aber sehr viel komplexer, denn folgende Faktoren sind zu beachten: 1. Bewegung des Slackliners (Position auf der Line sowie Bewegungsimpulse durch Tricks) (vgl. Conley, 2006) 2. Materialeigenschaften des Slacklinesy- stems (Bandcharakteristik) Exakte Ergebnisse für reale Bedingungen liefern daher nur Messungen aus der Praxis. In Tabelle 1 werden eine Auswahl der Unter- suchungsergebnisse von Kroiß (2007), Engel und Katlein (2008) sowie Hairer und Geyer (2008) dargestellt und geben einen generel- len Überblick. Beim Lowlinen im Park treten durch den Spannvorgang Kräfte in einer Größenord- nung von drei Kilonewton auf. Durch einfache Bewegungen, wie das Aufspringen oder Wip- pen auf der Slackline, steigen die Belastungen im System und damit auch an den Fixpunk- ten auf Werte zwischen etwa vier bis sechs Kilonewton an. Bei Sprüngen auf der Line entstehen sogar maximale Kraftspitzen von Länge [m] Bewegung/Trick Fv [kN] Fr [kN] Kroiß 12 Stehen 3 3,7 12 Wippen 3 5,9 12 Aufspringen 3 4,3 Katlein & Engel 8 Saltoabgang 3,2 8 8 Sprung 3,5 8,6 Hairer & Geyer 14,3 Sprung 4,8 8,5 14,3 Sprung 2,9 6 knapp neun Kilonewton. Die hier dargestell- ten Ergebnisse können als repräsentativ für den Slacklinesport im Breitensport angesehen werden. Die Feldweite der Untersuchungen beträgt 8 bis 14 Meter. Nach Brügmann (2010) entspricht dies der Hauptnutzergrup- pe, die Slacklinesysteme mit 15 Meter Länge verwendet. Bei größeren Feldweiten, sowie im Jumplinebereich werden allerdings größe- re Vorspannkräfte erzeugt. Diese können bis zu 10 kN betragen. Dies betrifft aber aktuell nur einen kleinen Nutzerkreis. Mobile Anschlagsysteme Zur Befestigung einer Slackline können verschiedene Anschlagsysteme verwendet werden. Unter einem mobilen Anschlag- system versteht man eine Befestigungsart, durch die eine Slackline nicht fest an einem Ort installiert wird, sondern ohne großen Auf- wand an verschiedenen Orten auf- und abge- baut werden kann. Die im Slacklinesport am häufigsten ver- wendeten Anschlagmittel sind die Slackline Tab. 1: ausgewählte Ergebnisse Kraft- messungen in Slacklines 18 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline selbst (Ankerstich), separate, längenverstell- bare Baumschlingen oder Rundschlingen aus der Industrie und einfache Bandschlingen aus dem Bergsport (vgl. Miller &Friesinger, 2009, S. 50-51). Zusätzlich existieren verschiedene Anschlagtechniken bei den einzelnen Syste- men. Das jeweilige Anschlagmittel wird ent- weder um die Anschlagstruktur festgezogen und liegt somit komplett an oder es erfolgt ein einfaches Umlegen, wodurch das An- schlagmittel nicht am ganzen Umfang des Stamms aufliegt. Eine weitere Technik ist der sogenannte Ankerstich. Dieser Knoten wird meist mit der Slackline selbst durchgeführt. In diesem Fall wird die gesamte Slackline durch eine am Ende vernähte Schlaufe gefädelt, was zur Umschlingung der Anschlagstruk- tur führt. Abbildung 2 gibt einen grafischen Überblick über die Einteilung der Anschlag- systeme, wie sie für die vorliegende Untersu- chung verwendet wurde. Ein weiterer Unterscheidungspunkt zwi- schen den verschiedenen Systemen ist die Materialcharakteristik der genutzten An- schlagmittel. Diese gibt es aus weicheren oder härteren Polyester-, Polyethylen- und Polyamid-Flachbändern. Eine Besonderheit stellen die Schlingen aus der Industrie dar. Di- ese bestehen aus Polyesterfasersträngen, die von einer Schutzhülle umgeben sind. längenverstellbare Baumschlinge Industrieschlinge Ankerstich Abb. 2: schematische Darstellung Anschlagsysteme & Techniken Untersuchungsaufbau und Messmethodik Bei einer gespannten Slackline wurde der Druck mittels einer Sensormatte zwischen dem Anschlagmittel und der Anschlagstruk- tur, einem Baum der Art Pinus sylvestris (Waldkiefer) mit stark strukturierter Borke, gemessen. Der Baumumfang betrug an der Messstelle 94 cm mit einem Durchmesser von 29,9 cm. Um Informationen zur Druck- verteilung zu bekommen, wurden bei allen untersuchten Anschlagsystemen (siehe Tab. 2) in verschiedenen Zonen (SP 1 = Sensorpo- sition 1; SP 2 = Sensorposition 2) entlang der Kontaktfläche des Anschlagmittels mit der Anschlagstruktur Messungen vorgenommen (siehe Abb. 3). Die Druckmessung beinhalte- te die Kraftstufen 1 kN, 2 kN und 3 kN Vor- spannkraft. Die Beschränkung auf diese Wer- te stellt die Belastung auf den Baum an der unteren Grenze der eingeleiteten Kräfte dar. Tritt bei diesen Werten schon ein Schaden am Kambium auf, ist generell von einer Verwen- dung von Bäumen als Anschlagstruktur im Slacklinesport abzusehen. Des Weiteren wur- den zwei unterschiedliche Baumschutztypen (Tab. 3) auf ihre Wirkung als Druckminderer getestet. 19Zur Druckverteilung durch den Slacklinesport auf den Baum © INÖK Abbildung Anschlagmittel Krz. Beschreibung Verstellbare Baumschlinge 1 VB 1 weiches Polyester-Flachband Dicke: 1 mm Breite: 10 cm (2 x 5 cm) Verstellbare Baumschlinge 2 VB 2 weiches Polyester-Flachband Dicke: 1 mm Breite: 5 cm Verstellbare Baumschlinge 3 VB 3 hartes Polyester-Flachband Dicke: 1 mm Breite: 5 cm Verstellbare Baumschlinge 4 VB 4 hartes Polyester-Flachband Dicke: 1,2 mm Breite: 2,5 cm Industrieschlinge I Kern aus Polyesterfasersträn- gen mit einem Mantel umhüllt Dicke: 3 mm Breite: 8 cm (2 x 4 cm) Ankerstich A hartes Polyester-Flachband Dicke: 1,2 mm Breite 5 cm Tab. 2: Übersicht der untersuchten Anschlagsysteme Abbildung Baumschutz Krz. Beschreibung Teppich T zweischichtiger Teppich Dicke: 300 mm Filz F Material:robuster Filz Dicke: 50 mm Kein Baum- schutz ohne Die Sensormatte liegt direkt auf dem Baum Tab. 3: Übersicht der untersuchten Baumschutz- typen 20 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline Abb. 3: Versuchsaufbau (l.) & Sensorpositionen (r.) Bei allen Messungen wurde durch den ge- wählten Versuchsaufbau (siehe Abb. 3) eine standardisierte Durchführung gewährleistet. Die Fixpunkte, das Material und die Länge der Line sowie die Höhe der Anbringung, blieben bei der gesamten Untersuchung unverändert. Ein Kraftmesser im Aufbau kontrollierte die durch eine Ratsche erzeugte Spannkraft in der Slackline. Für die Druckmessung wurde die Sensor- matte Elastisens ES 1024-160-5 der Firma Novel genutzt (siehe Abb. 4). Diese besitzt eine Sensorfläche von 25,6 cm² (160 mm x 160 mm) und eine Anzahl von 1.024 (32 x 32) Sensoren. Daraus ergibt sich eine Mess- genauigkeit von einem Sensor pro ½ cm². Der Messbereich der Sensormatte lag nach einer Lufthochdruckkalibrierung zwischen 0,5 und 63,8 N/cm² (5 - 637,5 kPa). Abb. 4: Sensor (l.) in An- wendung mit VB 2 und Datenlogger (r.) (Quelle: www. novel.de) 21Zur Druckverteilung durch den Slacklinesport auf den Baum © INÖK Ergebnisse Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen große Unterschiede des auftretenden Drucks, sowohl in den Mittelwerten als auch in den Maximalwerten, in Abhängigkeit vom gete- steten Anschlagsystem. Folgend werden die Teilergebnisse der Untersuchung in den Ka- tegorien: 1. Art des Anschlagmittels, 2. Brei- te des Anschlagmittels, 3. Material des An- schlagmittels, 4. Baumschutz dargestellt. 1. A rt des Anschlagmittels Die Mittelwerte des Drucks jedes An- schlagsystems in Bezug auf die drei gete- steten Kraftstufen und die beiden Sensorpo- sitionen (SP 1 und SP 2) sind in Abbildung 5 dargestellt. Sie reichen bei Kraftstufe 1 kN von 4,2 N/cm² (I an SP 1) bis 14,9 N/cm² (VB an SP 2). Bei Kraftstufe 3 kN liegen sie mit einer Spanne zwischen 7,9 N/cm² (I an SP 2) und 31,1 N/cm² (VB 4 an SP 2) deutlich hö- her. Dies führt zu dem Ergebnis, dass bei allen Abb. 5: Alle Anschlag- mittel an SP 1 und SP 2 bei Kraftstufe 1 kN, 2 kN und 3 kN ohne Baum- schutz 22 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline komplett am Baum anliegenden Systemen für alle drei Kraftstufen an Sensorposition 2 ein höherer Druck gemessen wird als an Sen- sorposition 1. Einzige Ausnahme bildet das System I, das sich durch eine unterschied- liche Anschlagtechnik und somit eine andere Druckverteilung von den restlichen Systemen unterscheidet. Hier ist der auf den Baum wir- kende Druck gleichmäßiger verteilt. Anhand der eingezeichneten Trendlinien ist zu erkennen, dass der Druckanstieg an SP 2 für alle Systeme mit Ausnahme des Sys- tems I steiler verläuft als an SP 1. Des Weite- ren deuten die Trendlinien auf einen positiv linearen Zusammenhang zwischen der ein- geleiteten Kraft in der Slackline und dem am Baum gemessenen Druck hin. Die berechne- ten Pearson Korrelationskoeffizienten (Pear- son KK) der jeweiligen Messreihen bestätigen diesen Zusammenhang (vgl. Tab. 4). 2. Breite des Anschlagmittels Abbildung 6 zeigt die Mittelwerte der Druckmessungen aller untersuchten An- schlagsysteme bei der Kraftstufe 3 kN. Je nach System unterscheidet sich die Druckver- teilung an der Baumrückseite (SP 1) von der seitlichen (SP 2) Druckverteilung erheblich. Die gemessenen Druckwerte für SP 1 liegen in einem Bereich von minimal 8,1 N/cm² und Anschlag system Pearson KK SP 1 Pearson KK SP 2 VB 1 0,98 1,00 VB 2 0,99 0,99 VB 3 1,00 1,00 VB 4 1,00 0,98 I 0,84 1,00 A 1,00 1,00 Tab. 4: Pearson Korrela- tionskoeffizient maximal 20,6 N/cm². An SP 2 hingegen lie- gen sie zwischen 7,9 N/cm² und 31,1 N/cm². Der höchste Wert an beiden Sensorpositi- onen wurde an dem schmalsten Anschlag- mittel (VB 4) von 25 mm Breite gemessen. Das Anschlagmittel VB 1 mit einer Breite von 100 mm zeigte an der SP 1 den niedrigsten Druck (8,1 N/cm²). Der niedrigste Druck an SP 2 beträgt 7,9 N/cm² und wurde durch das Anschlagmittel I (80 mm) erzeugt. An SP 2 lie- gen für alle anderen Anschlagmittel deutlich höhere Werte vor. Die größte Druckdifferenz zwischen den Sensorpositionen desselben Systems beträgt 10,5 N/cm² (VB 4 und A). Die Differenzen der Anschlagsysteme VB 2 und VB 3 liegen mit 10,2 N/cm² und 8,3 N/cm² nur knapp darunter. Eine deutlich geringere Druckdifferenz (4,1 N/cm²) ist dagegen bei VB 1 zu erkennen. Die einzige Ausnahme bilden die Werte des Anschlagsystems I. Hier ist der Druck an SP 2 um 0,8 N/cm² geringer als an SP 1. Die Abbildungen 7 und 8 zeigen exempla- risch die Druckwerte für die einzelnen Druck- parzellen (je 1cm²) bei der Messung mit dem Anschlagsystem VB 1 (SP 1 und SP 2) ohne Baumschutz und der dazugehörigen 3D-Grafik. Am Heimannschen Grenzdruck von 30 N/cm² wurde eine Trennlinie eingefügt. Die Mess- werte der Sensoren rechts der Trennlinie lie- gen oberhalb von 30 N/cm², die Werte links davon darunter. An SP 1 sind es 8 Druckpar- zellen (siehe Abb. 7), an SP 2 sind es mit 14 fast doppelt so viele (siehe Abb. 8). Die 3D- Grafik veranschaulicht, wie unterschiedlich die Druckverteilung auf der durch das An- schlagsystem belasteten Fläche ist. Diese Ver- teilung zeigte sich bei allen Versuchen unab- hängig vom Anschlagsystem. Zusammenfas- send für alle untersuchten Anschlagsysteme beinhaltet Tabelle 5 die Daten Mittelwert des 23Zur Druckverteilung durch den Slacklinesport auf den Baum © INÖK Abb. 6: Mittlerer Druck aller Anschlagsy- steme bei Kraft- stufe 3 kN Abb. 7: VB 1 ohne an SP 1 bei 3 kN (3D-Grafik erstellt mit Messsoftware Magic Mountain – novel) Abb. 8: VB 1 ohne an SP 2 bei 3 kN (3D-Grafik erstellt mit der Messsoftware Magic Mountain – novel) 24 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline Drucks (MW), Standardabweichung (STABW), Maximalwert des Drucks (MAX) sowie die prozentuale Angabe, wie viele Druckparzel- len über dem 30 N/cm²-Grenzwert liegen – jeweils bezogen auf die beiden Sensorpositi- onen. Die MAX-Werte unterscheiden sich bei jeder Anschlagart deutlich vom Mittelwert. Ein weiteres Maß für die starke Streuung der Druckwerte der einzelnen Messwerte gibt auch die hohe Standardabweichung wieder. Die geringste Standardabweichung und so- mit die geringste Streuung der Werte um den Mittelwert besitzt VB 1 mit einer Standard- abweichung 1 von 4,7. Ebenfalls hat dieses Anschlagmittel die geringste Anzahl an Wer- ten über 30 N/cm². Lediglich 5 % der Druck- parzellen liegen über dem Grenzwert. Bei Anschlag- system / Messfläche MW SP 1 (N/cm²) ST- ABW 1 MAX SP 1 (N/cm²) > 30 N/cm² MW SP 2 (N/cm²) ST- ABW 2 MAX SP 2 (N/cm²) > 30 N/cm² VB 1 – 160 cm² 8,1 4,7 52,9 5 % 12,2 5,7 41,8 8,8 % VB 2 – 80 cm² 14,4 6,6 50,7 15 % 24,6 9,4 64,9 38,8 % VB 3 – 80 cm² 11,8 5,6 48,1 10 % 20,1 7,9 63,8 30 % VB 4 – 40 cm² 20,6 7,2 49,8 30 % 31,1 10,9 63,8 62,5 % I – 128 cm² 8,7 5,5 44,8 7,8 % 7,9 5,6 53,9 5,5 % A – 80 cm² 13,0 6,8 63,5 8,8 % 23,5 9,5 65,9 31,3 % Tab. 5: Vergleich Anschlagart Verwendung von VB 4 hingegen besitzen ein Drittel (SP 1) aller Messparzellen einen Wert über 30 N/cm². An der Sensorposition 2 besitzt das An- schlagsystem I mit 5,5 % der Werte über 30 N/cm² den geringsten Wert, gefolgt von VB 1 mit 8,8 %. VB 4 verursacht, wie schon an Sensorposition 1, die größte Anzahl an Wer- ten (62,5 %) über 30 N/cm². 3. Material des Anschlagmittels VB 2 und VB 3 sind zwei 50 mm breite Bänder, die sich hinsichtlich der Materialfe- stigkeit unterscheiden. Die Ergebnisse der Druckmessung in Bezug auf das Material des Anschlagmittels sind in der Tabelle 6 zusam- mengefasst. Diese beinhaltet den Mittelwert Material MW SP 1 (N/cm²) STABW 1 MAX SP 1 (N/cm²) > 30 N/cm² MW SP 2 (N/cm²) STABW 2 MAX SP 2 (N/cm²) > 30 N/cm² Weich (VB 2) 14,4 6,6 50,7 15 % 24,6 9,4 64,9 38,8 % Hart (VB 3) 11,8 5,6 48,1 10 % 20,1 7,9 63,8 30 %Tab. 6: Vergleich Material 25Zur Druckverteilung durch den Slacklinesport auf den Baum © INÖK (MW), die Standardabweichung (STBAW) und den Maximalwert (MAX) des Drucks von VB 2 und VB 3 in Bezug auf Sensorposition 1 und 2. Es zeigt sich, dass das Anschlagmittel aus dem härteren Polyester-Flachband (VB 3) mit 11,8 N/cm² (SP 1) und 20,1 N/cm² (SP 2) ge- ringere MW aufweist als das weichere VB 2. Die Differenz der MW beträgt an SP 1 2,6 N/ cm² und nimmt mit 4,5 N/cm² an SP 2 zu. Die MAX-Werte stehen in einem ähnlichen Verhältnis zueinander. Auch hier liegen beim weicheren Anschlagmittel VB 2 mit 50,7 N/ cm² (SP 1) und 64,9 N/cm² (SP 2) etwas hö- here Druckwerte vor. Die Streuung der Mess- werte um den Mittelwert beläuft sich zwi- schen einer VB 3 - Standardabweichung 1 von 5,6 und der VB 2 - Standardabweichung 2 von 9,4. 4. Baumschutz Als gängige Baumschutzarten wurde ex- emplarisch Teppich und Filz untersucht. Bela- stet wurde der Baumschutz mit den zwei An- schlagmitteln Ankerstich A und VB 4. In Ta- belle 7 werden die gefundenen Daten der Be- lastung ohne Baumschutz bei dem jeweiligen Anschlagsystem gegenübergestellt. An der Sensorposition 1 verursacht der Ankerstich bei einer Teppichunterlage einen Mittelwert von 17,9 N/cm². Bei der Verwendung von Filz als Baumschutz liegt der Mittelwert bei 16,8 N/cm². Am geringsten fällt der Mittelwert bei SP 1 (ohne – A =13,0 N/cm²) bei Verzicht auf Baumschutz aus. Bei Verwendung der Baum- schlinge VB 4 lag der Durchschnitt der Mess- werte zwischen 20,6 N/cm² und 24,6 N/cm² an der SP 1. Im Gegensatz zu SP 1 liegen die Mittelwerte bei beiden Baumschlingen an der SP 2 höher. An der Sensorposition 2 weist der Baumschutz Filz für beide Anschlagmittel den höchsten Mittelwert des Drucks vor. Die ma- ximalen Werte unterscheiden sich mit oder ohne Verwendung von Baumschutz deutlich von den Mittelwerten des Drucks, unabhän- gig vom Baumschutztypen. Dies bestätigt sich auch in der sehr starken Streuung der einzeln gemessenen Druckwerte. Die höchste Stan- dardabweichung beträgt 11,4 (STABW 2 bei Filz – A). Die geringste Streuung liegt bei der Bedingung VB 1 ohne Baumschutz mit 4,7 (STABW 1) und 5,7 (STABW 2) vor. Auch für das Anschlagmittel A tritt ohne die Nutzung eines Baumschutzes die geringste Standard- abweichung auf. Mit 13,0 N/cm² (MW SP 1) ist auch der Mittelwert des Drucks unter der gleichen Bedingung am geringsten. Baumschutz MW SP 1 (N/cm²) STABW 1 MAX SP 1 (N/cm²) > 30 N/cm² MW SP 2 (N/cm²) STABW 2 MAX SP 2 (N/cm²) > 30 N/cm² Teppich - A 17,9 5,9 65,3 12,5 % 21,1 6,4 50,7 30 % Filz - A 16,8 7,9 63,8 18,8 % 27,7 9,5 63,8 43,8 % ohne – A 13,0 6,8 63,5 8,8 % 23,5 9,5 65,9 31,3 % Teppich –VB 4 21,2 6,6 54,1 30 % 31,8 7,9 63,8 60 % Filz – VB 4 24,6 8,5 61,4 37,5 % 33,0 11,4 65,1 57,5 % ohne – VB 4 20,6 7,2 49,8 30 % 31,1 10,9 63,8 62,5 % Tab. 7: Vergleich Baumschutz 26 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline Diskussion Durch Slacklinen entstehen zwei Arten von Belastung auf den Stamm als Anschlagstruk- tur. Bis dato ist nicht bekannt, wie viele Schä- den durch Druck und Reibung an Bäumen verursacht wurden. Daher ist es als sinvoll an- zusehen, generell die Einwirkungen auf den Baum als verwendete Struktur zu minimieren. Die Frage, ob die gemessenen Druckbe- lastungen aus der durchgeführten Untersu- chung zu einer Schädigung am Baum führen, ist nicht definitiv zu beantworten. Beachtet man die Ergebnisse von Haimann (2007), kann eine erste Einschätzung erfolgen. Nimmt man den von ihr verwendeten Druck von 30 N/cm² als Richtlinie, lassen sich die Er- gebnisse mit diesem Grenzdruck vergleichen. Eine etwa gleich starke Belastung wurde in der vorliegenden Arbeit als Mittelwert (31,1 N/cm² bei VB 4 an SP 2) gemessen. Der Druck bei allen anderen Bedingungen lag darunter. Zu beachten ist allerdings, dass diese Druck- größe bei einer Spannkraft der Slackline von 3 kN auftritt. Bei Spitzenbelastungen, bei- spielsweise durch Sprünge, können bis zu dreifache Kräfte entstehen (siehe Tab. 1). Für das Anschlagsystem mit der 100 mm breiten Baumschlinge (VB 1) würde sich daraus, unter der Berücksichtigung der oben beschriebenen Linearität der Druckzunahme, ein mittlerer Druck von circa 35 N/cm² ergeben. Diese Belastung liegt sehr nah an dem von Haimann beschriebenen temporären Druck ohne Folgeschäden für den Baum. Ohne Be- achtung bleiben dabei allerdings die Druck- spitzen, die zu einem gewissen Prozentsatz bestehen und über diesem Wert liegen (vgl. auch Tab 5). Zudem ist eine potenzielle Schä- digung in Abhängigkeit zur Baumart, Lebens- alter des Baumes und der Jahreszeit zu sehen. An dieser Stelle können keine verallgemei- nernden Aussagen diesbezüglich getroffen werden. Die starke Abweichung der Maximaldrü- cke von den Mittelwerten lässt sich auf die Baumart zurückführen. Im Praxistest wurden die Messungen an einer Waldkiefer durchge- führt. Diese Baumart weist eine grobe Rin- denstruktur auf. Somit müssen die äußersten Strukturen den eingeleiteten Druck aufneh- men. Aus dieser Überlegung heraus ist anzu- nehmen, dass an Baumarten mit glatter Rinde der hier errechnete jeweilige Druckmittelwert des Anschlagsystems einwirken wird. Die Untersuchung zeigt deutlich, dass der Druck am Baum durch die Größe der Auflage- fläche eines Anschlagmittels beeinflusst wird. Dies gilt unabhängig von der Anschlagtech- nik. Eine Mindestbreite für Befestigungsele- mente im Slacklinesport einzuführen, würde demnach dazu beitragen, dass die Druckein- wirkung auf den Baum grundsätzlich gerin- ger ausfällt. Betrachtet man zudem die Er- gebnisse der Druckverteilung bezogen auf die Lage am Baum, wird ein erheblicher Unter- schied bei den verschieden Breiten der unter- suchten längenverstellbaren Baumschlingen ersichtlich. Während bei den 20 bis 50 mm breiten Befestigungselementen der Druck an der Seite des Baumes im Vergleich zur hin- teren Zone um durchschnittlich 10 N/cm² hö- her lag, wurde bei der 100 mm Baumschlinge nur ein Anstieg von etwa 4 N/cm² gemessen. Damit besitzt das Anschlagsystem VB 1 nicht nur die geringsten Druckwerte, sondern auch eine günstigere Druckverteilung gegenüber den anderen VB-Systemen. 27Zur Druckverteilung durch den Slacklinesport auf den Baum © INÖK Der Vergleich der Anschlagsysteme in Be- zug auf ihre Anschlagmethode konnte zei- gen, dass bei den komplett am Baumstamm anliegenden Anschlagmitteln seitliche Druck- maxima entstehen. Im Durchschnitt lagen dort die Mittelwerte des Drucks um 8,7 N/ cm² höher. Diese ungünstige Druckverteilung wurde bei dem Anschlagsystem mit der um den Baum gelegten Industrieschlinge vermie- den. Die seitlichen Druckmaxima bei den an- deren Systemen entstehen durch den großen Winkel der Arme des Anschlagsystems am Aufhängepunkt der Slackline. Eine optimierte Kräfteverteilung entwickelt sich bei einem Winkel der Kraftarme < 60° (siehe Abb. 9). Aus den Erkenntnissen der Kräfteverteilung an Standplätzen im Bergsport ist diese Größe abzuleiten (vgl. DAV, 2005). Liegt das Anschlagmittel dagegen um den kompletten Baumumfang an, so wird der Winkel, der sich in Zugrichtung bildet, durch die Größe des Baumes vorgegeben. Das be- deutet, je größer der Baumumfang, desto größer der Anschlagwinkel und die seitlichen Druckmaxima. Die größenverstellbaren, baumumfassenden Anschlagmittel (einzige Ausnahme ist der Ankerstich) lassen eine Winkelregulierung zu und könnten damit eine ähnlich positive Druckverteilung, wie an dem Anschlagmittel durch die Untersuchung festgestellt werden konnte, zulassen. Aller- dings wurde bei der Untersuchung nicht be- rücksichtigt, dass es durch die lang vom Baum abstehenden Arme des Anschlagmittels zu stärkeren Auf- und Abbewegungen entlang der Rinde kommt. Die dadurch auftretende Reibung kann zu Abriebschäden am Baum führen. Diese potentiellen Scheuerschäden sind „relativ klein und können gut verhindert werden mit Hilfe von Schutzmaterialien [...]“ (Genenz, 2009, S. 4). Ein positiver Effekt der untersuchten Baumschutztypen auf die Druckverteilung und den Maximaldruck konnte für kein An- schlagsystem beobachtet werden. Gegentei- lig traten bei der Messung mit Filz oder Tep- pich als Baumschutz sogar minimal höhere Druckwerte auf als bei der Messung ohne Baumschutz (siehe Tab. 7). Trotzdem sollte es wegen der schon beschrieben potentiellen Reibungsschäden verpflichtend sein, einen Schutz beim Slacklinen zu verwenden. Die Begrifflichkeit Baumschutz, zumindest wenn es sich um weiche Materialien wie Teppich oder Filz handelt, trifft für den Bereich der Druckminderung nicht zu. Die Bezeichnung Rinden- oder Reibungsschutz ist eine deut- lich bessere Wahl und könnte dazu beitragen, Missverständnisse zu vermeiden. Er ist an dem Punkt anzubringen, an dem das Anschlagsy- stem den Kontakt zur Rinde verliert. Durch den direkten Vergleich zweier bis auf das Material identischen Anschlagmit- tel (VB 2 und VB 3) konnten Erkenntnisse Abb. 9: Prozentuale Kraftverteilung in den Armen der Band- schlinge, bei Einleitung der Kraft von 100% am freien Ka- rabiner in den Abhängigkeit vom Winkel der Kraftarme; Quel- le: DAV 2005 28 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline über den Einfluss der Materialcharakteristik auf den Druck gewonnen werden. Es zeigte sich, dass das härtere Polyesterband des VB 3 durchweg niedrigere Druckwerte lieferte als das weichere Anschlagmittel VB 2. Die all- gemeine Annahme, weiche Anschlagmittel seien schonender für den Baum, wurde somit widerlegt. Zusammenfassung Die Untersuchung gibt einen ersten Ein- druck zu den entstehenden Drücken, die An- schlagsysteme von Slacklines auf den Stamm ausüben. Gezeigt wurde, wie unterschiedlich sich die verschiedenen gebräuchlichen Syste- me verhalten. Vergleicht man die Ergebnisse mit dem aktuellen Forschungsstand kann folgende Aussage getroffen werden: Die Möglichkeit einer Baumschädigung besteht, ist aber nicht nachgewiesen. Nach der Er- mittlung der entstehenden Drücke sind nun Baumphysiologen gefragt diese entstehen- den Drücke in Abhängigkeit von Baumart, Umfang und Lebensalter des Baumes sowie der Jahreszeit zu untersuchen. Beim aktuellen Stand des Wissens sind die Slackliner ange- halten, zum einen möglichst baumschonende Anschlagsysteme zu verwenden und zum an- deren ein ökologisch sinnvolles Verhalten an den Tag zu legen. Hierzu sind folgende sechs Empfehlungen zu treffen. Empfehlungen für Anschlagsysteme im Slacklinesport 1. Der Durchmesser des verwendeten Baumes sollte in Höhe des Anschlagmit- tels mindestens 30 cm betragen. 2. Die Mindestbreite eines Anschlagsmittels sollte 100 mm betragen. Hierdurch kön- nen die Druckbelastungen erheblich ver- ringert werden. 3. Als Anschlagtechniken eignen sich die Nutzung einer ausreichend langen Indus- trieschlinge oder besser der verstellbaren Baumschlingen, da diese die Möglichkeit bieten, den Anschlagwinkel zu variieren und so seitliche Druckmaxima zu vermei- den. Das Anschlagen einer Slackline durch einen Ankerstich ist nicht zu empfehlen, da es so immer zu Druckspitzen an den Seiten des Baumes kommt. 4. Anschlagmittel aus hartem Polyester- Flachband sind denen aus weichem vor- zuziehen, da erstere bei der Untersuchung geringere Druckwerte aufwiesen. 5. Die Verwendung der getesteten mobilen Baumschutztypen bietet keine Druckmin- derung. Die Nutzung sollte trotzdem ver- pflichtend sein, um Abriebschäden an der Rinde zu vermeiden. 6. Von Jumplines und Longlines ist zum ak- tuellen Stand abzusehen, weil hier einge- leitete Kräfte permanent deutlich höher sind als 3 kN. 29Zur Druckverteilung durch den Slacklinesport auf den Baum © INÖK Literatur Bauer, T. & Escherich, W. (1997). Mechanical pressure inhibits vessel development of xylogenic cambial dirivates of beech trees (11). S. 349 - 355. Springer Verlag. Brügmann, J. (2010). Raumnutzung der Sportart Slackline in der Stadt Köln, Ba- chelorarbeit, Sporthochschule Köln, Insti- tut für Natursport und Ökologie. Conley, W. (2006). A Practical Analysis of Slack- line Forces. Zugriff am 20.08.2010 unter: http://wconley.dyndns.org/~wconley/clim- bing/slacklining/SlacklineAnalysis.pdf DAV (2005). Ausbilderhandbuch. München: Eigenverlag. Engel, P. &. Katlein, C. (2008). Kraftmessung in Slacklines – Applikationsbericht. In Zusam- menarbeit mit Lorenz Messtechnik GmbH Zugriff am 17.09.2010 unter: http://www. lorenz-messtechnik.de/deutsch/files/ ap- plikationen/170242.pdf Friesinger, F. & Miller, F. (2009). Slackline – Tipps Tricks Technik. (2. unveränderte Aufl.). Deiningen: Druckerei & Verlag Steinmeier GmbH. Genenz, V. (2009). Baumschutz bei Slacklines. Unveröffentlichtes Manuskript. Haimann, M. (2007). Fachhochschule Os- nabrück (Hrsg.). Auswirkungen der Be- festigung von Plattformen auf Bäume in Kletterparks. CD-ROM. (Osnabrücker Bei- träge zum Landschaftsbau Nr. 1/2007). Hairer, F. & Geyer, D. (2008). Experimen- telle Bestimmung von Kräften in einem Slacklinesystem mittels Dehnmessstreifen (DMS). Technische Universität München, Garching & Universität Regensburg. Re- gensburg Zugriff am 27.09.2010 unter http://www.wkm.mw.tum.de/Mitarbei- ter/ personal_html/hairer/Slacklinekraef- teEnd04022009.pdf Kroiß, A. (2007). Der Trendsport Slackline und seine Anwendungsmöglichkeiten im Schulsport. Examensarbeit, Technische Universität München. 30 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline 31Slacklinen in urbanen Räumen – am Beispiel der Stadt Köln © INÖK Andreas Thomann1 & Edwin Jakob1 Slacklinen in urbanen Räumen – am Beispiel der Stadt Köln Einleitung Die Planung und Errichtung des heutigen Kölner Grünsystems reicht über 100 Jahre zu- rück und beruht in seiner Grundstruktur auf den ehemaligen inneren und äußeren preu- ßischen Befestigungsringen. Diese Freiflächen blieben trotz stetigen Wachstums der Stadt während der Industrialisierung verfügbar. Sie korrespondierten ideal mit den Zielen, sowohl Grünflächen und Parkanlagen in unmittel- barer Nähe der dicht besiedelten Innenstadt vorzuhalten (innerer Grüngürtel), als auch mit Konrad Adenauers Ziel „den Einwohnern Kölns wahre und lebensnotwendige Erholung im großen Maßstabe zu bieten und Schutz vor den Braunkohlezechen zu gewähren“ (äußerer Grüngürtel). Die Grundidee dieses Grünsystems existierte bereits vor dem ersten Weltkrieg, jedoch gelang es erst Adenauer mit Hilfe des aus Hamburg „ausgeliehenen“ Städtebauers Fritz Schumacher diese Pläne in einen „Generalbebauungsplan“ zu gießen und somit erstmals eine zusammenhängende Grünraumplanung für Köln zu verwirklichen (vgl. Bauer 2001). Der Einsatz zahlreicher Arbeitsloser im Rahmen der Erwerbslosen- fürsorge ermöglichte die schnelle praktische Umsetzung der Pläne in den Zwischenkriegs- jahren. Die Grundanlage des Grünsystems hat sich trotz Kriegsschäden und einer in den Nachkriegsjahren nicht immer nachhaltigen Stadtentwicklung im linksrheinischen Köln bis heute nicht wesentlich verändert. Die konkrete Gestaltung der Flächen unterlag jedoch einem wechselnden Zeitgeist und un- terschiedlichen (auch finanziellen) Prioritäten und Möglichkeiten, die sich in veränderter Landschaftarchitektur, Flächengestaltung und veränderten funktionalen Bestimmungen nie- derschlugen. Auch wirken sich veränderte Ansprüche der Nutzer an die Grünflächen aus und führen zu partiellen Umgestaltungen und Anpassungen an neu aufkommende Nutzungen. Veränderte Ansprüche spiegeln sich aber auch in verfallenden oder wild ge- nutzten Anlagenteilen wider. Aktuell rückt u.a. durch die Initiative Grüngürtel Impuls 2012 der Kölner Grün Stif- tung, die derzeit mit der Stadt Köln unter Be- teiligung namhafter Landschaftsarchitekten ein Entwicklungskonzept für den Äußeren Grüngürtel erarbeitet, die aktive Gestaltung und Instandhaltung der Grünanlagen wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Neben den unbestritten lebenswichtigen Leistungen der Grünanlagen für das Stadtklima, die Luft- qualität, den Wasserhaushalt und den Lärm- schutz, dienen die Grüngürtel der Kölner Be- völkerung als wichtiger Erholungs- und Sport raum. Von Anfang an lag den Planungen ge- rade zum äußeren Grüngürtel die Idee eines sozialen Grünflächenprogramms zugrunde, welches in erster Linie auf die Bedürfnisse der Bevölkerung ausgerichtet war. Diese Bedürf- nisse sind aktuell auch und vor allem Bewe- gungsbedürfnisse. So bezeichneten Bach und Zeisel (1989) in ihrem Artikel „Sportgelegen- heiten – Ein neues Maßnahmenkonzept in der 1 Deutsche Sporthochschule Köln, Institut für Natursport und Ökologie 32 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline kommunalen Sportentwicklungsplanung“ Grünflächen als „Sportraum der Zukunft“. Wie sehr diese Prognose sich bewahrhei- tet hat, konnten Roth et al. 2008 in einer Studie für den Kölner Grüngürtel nachwei- sen: In absoluten Zahlen aktiver Nutzer ist der Grüngürtel die wichtigste Sportstätte der Stadt Köln. Dies verwundert nicht, in Anbe- tracht der gesellschaftlichen Entwicklungen mit einem anhaltenden Trend zur Individua- lisierung sowie gesteigertem Gesundheitsbe- wusstsein. So finden mittlerweile zwei Drittel aller Sport und Bewegungsaktivitäten selbst organisiert und ohne Verein statt. Gerade die sehr populären Soft-Ausdauer-Sportarten wie Joggen und Nordic-Walking, aber auch das freie Fußballspielen werden bevorzugt ver- einsungebunden in größeren Parkanlagen und Grünflächen der Städte ausgeübt und spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle für die Volksgesundheit, neudeutsch mit dem Modewort „Public Health“ beschrieben. Spe- ziell für den äußeren Grüngürtel muss betont werden, dass die aktive Erholung, der Sport von Anfang an bedeutenden Raum in der Konzeption der Anlage einnahmen (vgl. Bau- er 2001). So zitiert Bauer (ebd.) den ehema- ligen Leiter der Planungsabteilung im Garten- amt Theodor Nussbaum, der in den 1930er Jahren wesentlichen Anteil an der konkreten Ausgestaltung des äußeren Grüngürtels hat- te: „Neben ausgedehnten Waldwegen sind vorgesehen große Volks- und Lagerwiesen wie auch solche für Sport und Spiel, fer- ner Luft und Lichtbäder, Gartenarbeits- und Waldschulen, Kleingärten als Daueranlagen, Rad- und Reitwege, Teiche zum Kahnfahren und Eissport, wie auch Plätze zur Errichtung von Parkhäusern und ländlichen Wirtschaften in Verbindung mit Wiesen und Weiden.” Sol- len Grünflächen für die Bevölkerung relevant bleiben, muss das Leitbild vom sozialen Grün, die Idee des Volksparks weiterhin Bestand ha- ben und Grünflächen keinen musealen Cha- rakter erhalten, so müssen Grünflächen sich den wandelnden Ansprüchen der Bevölke- rung anpassen. Selbstverständlich lässt sich nicht jede neu aufkommende Aktivität oder Sportart ohne Konflikte integrieren. Unbestritten ist auch, dass die Integration neuer Nutzungen oder die Umwidmung von Flächen nicht kostenlos zu haben ist. Ohne Angebot und bei entspre- chender Nachfrage schaffen aber sich einstel- lende wilde Nutzungen Probleme und Folge- kosten, die bei frühzeitiger Lenkung durch entsprechende Angebote vermieden werden können. Eine dieser neueren Entwicklungen in der aktiven Freizeitgestaltung mit starkem Bezug zu Grünflächen ist das Slacklinen. Slacklinen steht im Verdacht, wertvolle Stadt- bäume zu schädigen und kann zu Lärmbela- stung von Anwohnern führen. Auch Unfälle durch nicht sachgemäß gespannte Slacklines sind bekannt. Wie diese neue Sportart kon- fliktarm und zum Wohle der Bürger in die Kölner Grünflächen integriert werden kann, soll dieser Artikel aufzeigen. Die Trendsportart Slacklinen Slacklinen bezeichnet das Balancieren auf einem dynamisch wirkenden Band aus Poly- ester oder Polyamid, welches zwischen zwei Anschlagpunkten (meist Bäume) gespannt ist. Die Sportart ist mit dem Seiltanz auf einem gespannten Drahtseil zu vergleichen. Wesentlicher Unterschied ist die Dynamik des Bandes gegenüber dem Drahtseil. Bewe- gungselemente aus dem Trampolinsport kön- nen so auf den 25-50 mm breiten Bändern umgesetzt werden. Im informellen Sporttrei- 33Slacklinen in urbanen Räumen – am Beispiel der Stadt Köln © INÖK ben werden meist die öffentlichen Parkan- lagen und Grünflächen zur Sportausübung genützt, wohingegen im organisierten Sport das Slacklinen in die Sporthallen und Sport- anlagen Einzug hält. Die Sportart Slacklinen liegt seit einigen Jahren im Trend. Nach dem von Wopp (2006) entwickelten Trendportfolio lässt sie sich der- zeit als wachsender Nischentrend klassifizie- ren. Die Einteilung erfolgt aufgrund der Wir- kungsdauer, die die fünf Jahresgrenze deut- lich überschritten hat, sowie einer gewissen Wirkungsbreite, die verschiedene Bereiche der Gesellschaft umfasst. Auch der Bekannt- heitsgrad in der Bevölkerung, steigende Ver- kaufszahlen, die Szenenentwicklung, Szenen- treffen (sogenannte Slacklinetreffen) und Me- dienpräsenz sprechen für einen stabilen Trend (am 5.2.2012 begeisterte ein Slackliner in der Superbowl halftime show von Madonna ge- schätzte 111 Millionen Fernsehzuschauer und wurde über Nacht vom Szene- zum Youtube- star). Das weitere Wachstum ist, wie so häufig in der Trendforschung, nur schwer abzuschät- zen. Die Tendenzen weisen aber auf eine stabile Entwicklung des Trends hin. Es ist zu erwarten, dass Slacklinen über die nächsten Jahre verstärkt auch von der breiten Masse der Bevölkerung ausgeübt wird. Slacklinen ist eine für jedermann faszinie- rende Sportart. Sowohl der Anfänger, egal welcher Altersstufe, findet seine Herausfor- derung im Überqueren der „Line“, als auch der Profi, der komplizierte Tricks einstudiert. Dieses unerschöpfliche Entwicklungspoten- tial der sportlichen Bewegung auf der Line als auch der geringe Einstiegswiderstand (fi- nanzieller sowie zeitlich und räumlicher Art) ist ein wesentlicher Grund für die aktuelle Verbreitung der Sportart und das vermute- te Wachstum. Slacklinen stellt hohe Anfor- derungen an Konzentration, Koordination, Gleichgewicht und trainiert durch die nötigen Ausgleichsbewegungen den gesamten Bewe- gungsapparat insbesondere den muskulären Hüft- und Rumpfbereich. So ist Slacklinen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, die der Gesunderhaltung dient und gleichzeitig ein soziales Miteinander fördert. Aufgrund die- ser verschiedenen positiven Eigenschaften hat Slacklinen in den Schul- und Vereinssport, der Rehabilitation und der Trainingspraxis von Profisportlern als allgemeines oder spe- zifisches Trainingsmittel Einzug gehalten. Hin- zu kommt die Mobilität des Sportgeräts, und der Reiz, an den verschiedensten Orten dieser Welt in der freien Natur oder im gestaltenden Raum eine Slackline zwischen zwei Anschlag- punkten zu spannen und dieser Sportart nachzugehen. Management der Sporträume Neue Entwicklungen im Natursport haben häufig Auswirkungen in der genutzten Land- schaft. Die Sportakteure erschließen neue Räume, Nutzungsintensitäten verändern sich und gelegentlich kommt es zu bislang un- bekannten Mehrfachnutzung eines Raumes durch die zeitgleiche Ausübung verschiedener Aktivitäten. Um Konflikten von Beginn an vorzubeugen und Grünflächen optimal zu ge- stalten, beschreiben Roth et al. (2008) ein Be- wegungsraum-Management für Kommunen. Ziel ist hierbei die Integration und Lenkung ei- ner Sportart in einem intensiv genutzten Na- turraum. Slacklinen ist im Gegensatz zu z.B. Mountainbiking wenig flächenwirksam, aber auf das Vorhandensein verlässlicher (natür- licher) Anschlagpunkte angewiesen. 34 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline Die Herausforderung in der Lenkung der Sportart Slacklinen besteht darin, Baumschä- den und Anwohnerkonflikte zu vermeiden und gleichzeitig eine hohe Akzeptanz bei den Aktiven zu finden. Daher ist nach Roth et al. (2004) jeder Aktivitätslenkung eine Bestands-, Bedarfs- und Konfliktanalyse vor- zuschalten (Abb. 1). Vor der Konzeption der eigentlichen Lenkungsmaßnahmen wurden daher Informationen über aktuell verwen- dete Slacklineplätze sowie deren eventueller Überlagerung mit naturschutzfachlich und landschaftspflegerisch bedeutender Räume in Köln gesammelt und analysiert. Bestandsanalyse Eine Bestandsanalyse beinhaltet die Er- fassung der Natursportstätten und -gelegen- heiten sowie der naturschutzfachlich und landschaftsplanerisch relevanten Raumda- ten, mittels derer eine Erfassung der tatsäch- lich genutzten Räume durch den Sport folgt (Roth et al. 2004). Für das Slacklinen im ur- banen Raum ist der letztgenannte Punkt von wesentlicher Bedeutung. Nicht jede belie- bige Fläche in einer Grünanlage eignet sich zum Slacklinen. In diesem Zusammenhang ist nicht von einer flächigen Nutzung auszu- gehen, sondern von einer punktuellen. Die Faktoren, die beliebte Slacklineplätze ausma- chen, konnten durch die Befragung ermittelt werden. Der Aufenthalt im Grünen, Wohn- ortnähe, und eine entspannte Atmosphä- re unter Freunden sind beim Slacklinen von zentraler Bedeutung. Zudem beeinflussen die Abb. 1: Schritte zur Lenkung von Sportaktivitäten nach Roth et al. (2008) Bestandsanalyse Bedarfsanalyse Konflikanalyse Aktivitätslenkung 47% 29% 9% 8% 5% 2% Grünfläche Park, Bäume, Grün, Wiese, in der Natur / Sonne Geographisch Nähe zum Wohnort, guter Untergrund, große Fläche Sozialer Kontakt viele Leute / Freunde Wohlbefinden schön und ruhig, nette Gegend, Entspannung Sonstiges andere Sportmöglichkeiten, Grillmöglichkeiten Privatsphäre Abb. 2: Motive für die Wahl des Slacklineplatzes, Angaben in Prozent, n = 52 35Slacklinen in urbanen Räumen – am Beispiel der Stadt Köln © INÖK Beschaffenheit und Distanz der Anschlag- punkte, variabel wählbare Aufspannlängen und die Untergrundbeschaffenheit die Gelän- dewahl. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die gute Erreichbarkeit des Slacklineplatzes. Drei Viertel der Slackliner reisen zu Fuß oder mit dem Fahrrad an. Dabei nimmt die Anreise bei 87 Prozent der befragten Personen weniger als 15 Minuten von Haustür bzw. Arbeitsplatz zum Slacklineplatz ein und 59 Prozent legen dabei lediglich unter 3 km zurück. Weitere 27 Prozent sind zwischen 3 km und 5 km zu ihrem Slacklineplatz unterwegs. Nur 14 Pro- zent legen mehr als 5 km zurück. Abbildung drei gibt einen Überblick über die prozentu- ale Verteilung der Nennungen hinsichtlich der verschiedenen Motive für die Wahl eines Slacklineplatzes. Je mehr positive Standortfaktoren solche Slacklineplätze in sich vereinen, desto grö- ßer ist deren Nutzung. Je nach Frequentie- rung können regelrechte Slackline Hotspots entstehen. Diese Vermutung konnte in einer Untersuchung von Brüggmann & Thomann (durchgeführt 2010) durch ein Besuchermo- nitoring und einer Befragung (n= 52) unter Slacklinern für das Stadtgebiet Köln bestätigt werden (siehe Abb. 3). Folgende Hotspots lie- ßen sich lokalisieren: Innere Grüngürtel, nördlich der Venloer- straße, Nähe Fernsehturm. Innere Grüngürtel, südlich der Venloer- straße. Innere Grüngürtel, Aachener Weiher. Innere Grüngürtel, südlich der Zülpicher- Straße, Nähe Universität. Vorgebirgspark, Kölner Süden. Abb. 3: Darstel- lung der Slack- lineplätze (rot) und Wohnorte (schwarz) von Slacklinern im Stadtgebiet Köln. Die Kumulierung von Slacklineplät- zen im Inneren Grüngürtel stellt die Slacklinehot- spots dar. 36 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline Bedarfsanalyse Der typische Slackliner, der in den Grün- anlagen Kölns anzutreffen ist, lässt sich nach den Ergebnissen der Umfrage wie folgt cha- rakterisieren: Er ist zu 65 % männlich, im Durchschnitt 28 Jahre alt (min. Alter 21 Jahre, max. Alter 46), studiert mehrheitlich (52 %), ist Angestellter (19 %) oder Selbstständiger (15 %). Den Status des Slacklinens als neue Sportart belegt auch das Einstiegsjahr der Slackliner. Es besteht ein ständiger Zuwachs der Anfänger über die Jahre, bis im Jahr 2010 35 % der befragten Slackliner mit der Sport- art begonnen haben (Abb. 4). Dies ist eine Verdoppelung der Einsteiger innerhalb von zwei Jahren in der Sportart. Mit einem Anhal- ten des Trends ist zu rechnen. Betrachtet man die Zahlen zu den Ein- stiegsjahren der Befragten, ist es nicht ver- wunderlich, dass die Selbsteinschätzung des aktuellen Könnensstandes auf der Slackline bei 46 % auf dem Anfängerniveau liegt. Wei- ter 57 % bezeichnen sich als leicht Fortge- schrittene und lediglich 17 % halten sich für Fortgeschrittene oder Profis. Diese Angaben korrelieren mit den zeitlichen Umfängen, die dem Slacklinesport pro Woche gewidmet werden. Es ist davon auszugehen, dass sich Fortgeschrittene und Profis deutlich länger mit der Ausübung ihrer Sportart befassen. 78 % der Befragten verbringen bis zu drei Stunden mit dem Slacklinesport. 12 % lie- gen zwischen drei und fünf Stunden und der kleinste Teil (10 %) verbringt fünf und mehr Stunden beim Slacklinen. Diese Zeiten inklu- dieren Anreise und Ruhepausen. Die reine Zeit auf der Slackline ist dementsprechend kürzer. Lediglich 52 % der Slackliner besitzt im Sommer 2010 eine eigene Slackline. Die pro- zentuale Verteilung der Slacklines ist Abb. 5 zu entnehmen. Die Mehrheit von 60 % ver- wendet eine Slackline mit 15 m Länge. Wei- tere 33 % slacklinen auf einer 20 m oder 25 m langen Slackline. Diese Daten entsprechen auch dem Angebot der Slacklinehersteller, deren Produktpalette derzeit hauptsächlich 15 m und 25 m lange Slacklines beinhaltet. Hinsichtlich der Bedarfsanalyse für die nächsten Jahre sind die ermittelten Angaben einer Bewertung zu unterziehen. Ausgehend von den Zahlen der Einsteiger in die Sport- art Slacklinen werden in den nächsten Jahren mehr Sportler zu erwarten sein. Die Nachfra- ge nach Slacklineplätzen und Aufspannmög- lichkeiten wird zudem durch eine Erhöhung des Anteils der Slackliner mit eigenen Lines steigen. Durch eine Verbesserung des Kön- nensstandes im Querschnitt der Slackliner ist eine intensivere Nutzung zu erwarten. Die Anzahl und Dauer der Slacklinenutzungen wird steigen. Ebenso wird eine erhöhte Nach- frage nach Aufspannmöglichkeiten zwischen 20 und 25 m oder noch längeren Distanzen zu erwarten sein. Daher ist von einer erhöh- ten Belastung auf die Grünflächen durch die Sportart Slacklinen auszugehen. 0% 10% 20% 30% 40% 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 Abb. 4: Ein- stiegsjahr der Befragten in die Sportart Slackli- nen, Angeben in Prozent, n = 52 37Slacklinen in urbanen Räumen – am Beispiel der Stadt Köln © INÖK Konfliktpotential Ökologische Bedenken seitens der Städ- te und Grünflächenämter sind seit dem ver- mehrten Auftreten der Slacklines (ca. 2005) vielfach bekannt. Laut einer Pressemeldung der Stadt Köln vom 4. September 2009 be- steht eine erhebliche Gefahr für wertvolle Stadtbäume durch das Slacklinen: „Slacklining beschädigt Bäume - Druckbe- lastung beim Seiltanzen kann zum Absterben der Gehölze führen…. Das Amt für Land- schaftspflege und Grünflächen weist darauf hin, dass dadurch erhebliche Schäden an den Bäumen entstehen, die bis zum Absterben führen können. In diesem Fall hätte die Stadt einen Anspruch auf Schadensersatz…“ (Pres- semeldung der Stadt Köln, 04.09.2009) Verbote oder ökologische Bedenken gibt es auch in anderen Städten wie Karlsruhe Stuttgart, Freiburg und München. Die Ver- antwortlichen müssen mangels fundierter wissenschaftlicher Erkenntnisse aus ihren Er- fahrungen und Beurteilungsmöglichkeiten heraus handeln und wenden ein weites Vor- sorgeprinzip an, um die Parkbäume zu schüt- zen. Derzeit laufen zwei Untersuchungen an den Universitäten Weihenstephan und Freiburg zu Standfestigkeit von Bäumen und Verhalten des Kambiums unter der Einwir- kung von Slacklines. Weitere Informationen bezüglich der Belastung auf Bäume sind dem Artikel Zur Druckverteilung durch den Slackli- nesport auf den Baum als Anschlagstruktur in der vorliegenden Publikation zu entnehmen. Es ist zwar beim aktuellen Forschungsstand noch nicht möglich zu sagen, inwieweit das Anbringen von Slacklines die Bäume durch Druck schädigt, doch alleine durch das stän- dige Auf- und Abbauen an hochfrequen- tierten Spots wird die Borke stark abgetragen und Auswirkungen auf die Gesundheit des Baumes sind anzunehmen. Da es sich beim Slacklinen wie beschrieben um eine sehr jun- ge Sportart handelt, gibt es bis dato keine stimmigen Reglementierungen. Slackline- verbote wie in einigen der oben genannten Städte werden als einseitige Lösungen der Obrigkeit, die auf die Wünsche der Sportler keine Rücksicht nimmt, wahrgenommen. Diese entstehenden Spannungen zwischen den beteiligten Interessengruppen können zu weiteren Konflikten führen. Den Slacklinern fehlt es nicht unbedingt am Verständnis für die Problematik, vielmehr an alternativen Nutzungsmöglichkeiten. Bei der Befragung unter Kölner Slacklinern befür- worteten 69 % für ihre eigene Praxis einen mobilen Baumschutz. Die Sporttreibenden in der Natur möchten ihre intakte Natur (i. d. F. den Baum) gerne behalten, ohne die die Aus- übung ihrer Sportart nicht möglich wäre. Dass allerdings der Parkbaum, an dem die Slackline befestigt ist, nicht mit einem reinen Holzwert von ca. 200 Euro gehandelt wird, sondern aufgrund seiner Lage einen Wert von bis zu 15.000 Euro besitzt, überraschte die meisten Befragten. Fortgeschrittene Slackliner sind deutlich sensibilisierter für die Thematik, da sie sich meist schon eingehend mit ihr ausein- 4% 60% 10% 23% 3% 10m 15m 20m 25m > 25m Abb. 5: Längen der eigenen oder verwendeten Slacklines, Anga- ben in Prozent, n = 30 38 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline andergesetzt haben. Problematischer ist vor allem die Gruppe der Einsteiger, die nach Er- werb einer Slackline ohne vertiefte Kenntnis dem Slacklinen im öffentlichen Raum nach- geht. Nicht zu vernachlässigen sind auch Inte- ressenskonflikte mit anderen Grünflächen- nutzern oder Anwohnern. Gelegentlich füh- len sich Spaziergänger oder Liegewiesenbe- nutzer durch die gespannten Lines gestört oder gar gefährdet. Ebenso besitzen diese traditionellen Nutzergruppen eine starke Ver- bundenheit zu ihrer Grünanlage und verstän- digen nicht selten das Ordnungsamt, um dem Tun der Slackliner Einhalt zu gebieten. Die Lärmbelästigung, die durch Sporttreibende entsteht, führt gelegentlich zu Problemen mit Anwohnern. Obwohl Slacklinen eher als sehr ruhige und geräuscharme Aktivität ein- zustufen ist, kann es an Hotspots, an denen sich mehrere Slackliner treffen, durch Anfeu- erungsrufe oder Gesprächen in den Ruhepau- sen doch zu einem nennenswerten Lärmpe- gel kommen. Aktivitätslenkung Für die Lenkung des Slacklinens empfiehlt sich bei großen urbanen Grünsystemen die Entwicklung eines Slacklinekonzepts. Dieses strebt die Integration des Slacklinens in be- stimmten Bereichen der Grünanlagen an, wo- bei den Interessen der anderen Nutzergrup- pen Rechnung getragen wird. So ist es mög- lich das Konfliktpotential auf ein Minimum zu reduzieren. Erfolgreiche Konzepte anderer Outdoorsportarten wie z.B. dem Klettern (DAV 1998) können Pate stehen. Da Slack- linen aber vorwiegend nicht im ländlichen Raum betrieben wird, sondern in urbanen Grünflächen angesiedelt ist, müssen diese Landschaftsplanerische Vorleistungen Zwangs- maßnahmen Normenstrategie Aktivitätslenkung im Slacklinesport Positive Lenkung Appell- und Konventionsstrategie Komfort- und Verhaltens- angebote Kommunikation Direkte Lenkungs- maßnahmen Slacklineparks Zonierung - Räumliche Funktionstrennung von Bereichen intensiver Nutzung bis zu „Tabu- Räumen“ - Integrale Raumansätze - Anzahl - Lage - Qualität - Kapazität - Gezielte Anpflanzungen - Barrieren - ausgewiesenen Slacklinebereiche - Erreichbarkeit - Untergrundbesch affenheit - Aufspannmöglich- keiten und - distanzen - Rückzugs- sowie Präsenzbereiche - Chillarea - Sitzmöglichkeiten chkeiten - Hinweisschilder - Info-Tafeln - Permanente Parks zum Ausprobieren - Multiplikato- renschulung - Seminare - Workshops - Mediale Bericht- erstattung - Internetpräsenz - Ge- und Verbote - Gesetzliche Be- schränkungen Abb. 6: Aktivi- tätslenkung im Slacklinesport (in Anlehnung an die Sporttou- ristische Aktivi- tätslenkung nach Roth et al. 2004) 39Slacklinen in urbanen Räumen – am Beispiel der Stadt Köln © INÖK Konzepte auf die hier herrschende Situation angepasst werden. Wie andere erfolgreiche Lenkungskonzepte im Sport gezeigt haben, ist die Planung am runden Tisch unter aktiver Beteiligung der relevanten Interessensgrup- pen eine gute Grundlage für ein zur Zufrie- denheit aller gelingendes Konzept. In Anlehnung an die Sporttouristische Ak- tivitätslenkung von Roth et al. (2004) zeigt Abb. 6 die Möglichkeiten der Aktivitätslen- kung im Slacklinesport. Zwangsmaßnahmen mit Ge- und Verboten oder gesetzlichen Be- schränkungen sollten - wenn möglich - ver- mieden werden und erst in letzter Instanz zum Zug kommen. Die Akzeptanz solcher Maßnahmen in der Slacklineszene mit ihren mehrheitlich informell organisierten Sport- treibenden ist wohl als eher gering einzu- schätzen. Positive Lenkungsmaßnahmen aus dem Bereich der Appell- und Konventions- strategien führen wahrscheinlicher zu einem langfristigen Erfolg. Das Mittel der Wahl sind Komfortangebote wie z.B. die Schaffung von ausgewiesenen Slacklinebereichen mit guter Erreichbarkeit und variablen Möglichkeiten mehrere Slacklines in verschiedenen Längen aufzubauen. Solche Spots sind ein gerne an- genommenes Angebot in der Slacklineszene. Sitzmöglichkeiten oder eine Chillarea sowie einen Rückzugs- und Präsenzbereich können das Angebot abrunden. In ausgewiesenen Slacklinebereichen ist auch die direkte Kom- munikation mit den Aktiven zur Aufklärung und Beeinflussung des Verhaltens möglich. Es kann u.a. mit Hinweisschildern und Infotafeln gearbeitet werden. Es bietet sich ebenfalls an, Slacklineworkshops oder Multiplikato- renschulungen, in denen die Problematik der Sportart aufgezeigt wird, durchzuführen. In der modernen Medienwelt ist auf eine ent- sprechende Berichterstattung in „social Me- Abb. 7: Entwurf einer möglichen Slacklinekon- zeption für das linksrheinische Stadtgebiet Köln. Slacklinen ist nur in Bereichen der Slacklineparks (rote Kreise) oder in den ausgewie- senen Feldern (blaue Areale) mit mobilen Baum- schutz an Bäu- men mit Durch- messer > 30 cm erlaubt. 40 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline dias“ und einschlägigen Foren sowie eine ei- gene Internetpräsenz, beispielsweise auf der Homepage der Kommune, zu achten. Direkte Lenkungsmaßnahmen mit gezielten Anpflan- zungen oder Barrieren zur Verhinderung des Slacklinens sind für den Bereich der Grünflä- chen nur in einzelnen Fällen denkbar. Für den Fall des Überwiegens ökologischer Bedenken hinsichtlich der freien Nutzung von Parkbäumen auch in ausgewiesenen Slackli- nebereichen können Slacklineparks mittels Pfosten und/oder saisonal fixem Baumschutz erstellt werden. Ein ausführlicher Artikel zu diesem Themenkomplex findet sich in dieser vorliegenden Veröffentlichung. Ziel eines ökologischen Konzepts für die Sportart Slacklinen im urbanen Raum ist eine Felderregelung, die den Akteuren den Sport im Wohnumfeld und attraktiver Umgebung ermöglicht. Abbildung 7 stellt eine mögliche Umset- zung für das linksrheinische Köln dar. Slack- linen ist in den ausgewiesenen Arealen er- laubt. Im Bereich der Slacklinehotspots im inneren Grüngürtel sind diese Areale vom Grünflächenamt erstellte Slacklineparks. In den Slacklineparks werden die verwende- ten Bäume entweder mit einem saisonalen Stammschutz versehen oder zusätzliche An- schlagpunkte wie Slacklinepfosten geschaf- fen. Desweiteren sollen im weniger frequen- tierten äußeren Grüngürtel Felder ausgewie- sen werden, in denen an Bäumen mit einem Durchmesser größer als 30 cm Slacklines mit mobilen Slacklinebaumschutz (Abb. 8 & 9) gespannt werden dürfen. Diese Verpflichtung zum Baumschutz ist nötig, um den Abrieb der Borke möglichst gering zu halten und Scher- kräfte zu vermeiden. Zu überlegen ist, ob Anschlagsysteme (insbesondere das Anker- stichsystem Abb. 10), die in erhöhtem Maße Scherkräfte produzieren, generell verboten werden. Abb. 8: Einfacher Baumschutz der das Abtragen der Borke durch Scheuern verhin- dert. Material- möglichkeiten: Filz, Teppich, Schaumstoffe Abb. 9: Hochwertiges Anschlag- system der Firma „alpinstil“: durch Separierung von Slackline und Baumschlinge Minimierung der Scherkräfte; 10 cm breite Auflagefläche der Baumschlinge verringern den Druck, Zweikom- ponenten Abriebschutz der die Bewegung der Baumschlinge durch die Slackline auf seiner glatten Seite aufnimmt Abb. 10: An- kerstichsystem: durch die Einlei- tung der Kraft über die direkt um den Baum gelegte Slackline werden einseitig verstärkt Scher- kräfte produziert insbesondere bei falscher, unzen- trierter Anbrin- gung 41Slacklinen in urbanen Räumen – am Beispiel der Stadt Köln © INÖK Schlussbetrachtung Das Spektrum der nachgefragten Er- holungsnutzungen in den Kölner Grünflä- chen reicht vom kontemplativen Natur- und Landschaftsgenuss, über Lagern, Grillen und Fußballspielen bis hin zu sportlich aktiven, gelegentlich sogar extremen Formen der Be- wegung wie z.B. das BMX-Rad fahren. Nicht immer ist es leicht, alle Aktivitäten konfliktfrei und ohne nachhaltige Schädigung der An- lagen zu ermöglichen. Dabei stehen oftmals fehlende Planungsgrundlagen, selbst ver- schuldete Unkenntnis, mangelnde Offenheit gegenüber neuen Nutzungen oder Nutzer- gruppen, aber auch fehlende Finanzmittel, unzureichende Personalausstattung oder star- re Denkmalschutzvorschriften einer formellen Integration neuer Nutzungen im Wege. Für die sportliche Freiluftaktivität Slacklinen sind wesentliche Planungsgrundlagen mittlerweile vorhanden. Für eine Konflikte vorbeugende Integration in die Grünflächen ist eine solide Basis geschaffen. Der nächste Schritt besteht darin, die Konzepte in der Praxis zu erproben. Die Stadt Köln will hier als Vorreiter aktiv wer- den und damit an einem kleinen Beispiel zei- gen, dass Grünflächen eben nicht nur Denk- mäler des Städtebaus, sondern dynamische Räume sind, die sich dem Erholungsbedürfnis der Bevölkerung anpassen können. Auch unter dem Druck schwacher kom- munaler Finanzen muss die Erhaltung und zeitgemäße Anpassung der Grünflächen eine hohe Priorität unter den kommunalen Aufga- ben behalten. Für das Slacklinen sind dabei einfache, kostengünstige Maßnahmen aus- reichend. Slacklinen ist ein kleiner Baustein städtischer Lebensqualität, die sich eben zu einem großen Teil aus der Erlebbarkeit und Nutzbarkeit städtischer Grünflächen speist. In Köln kommt dem äußeren Grüngürtel dies- bezüglich eine herausragende Bedeutung zu. Weitere und weitreichendere Anstrengungen sind notwendig, damit die von Konrad Ade- nauer entworfene Vision des äußeren Grün- gürtels als Erholungs- und Lebensquelle der Kölner Bevölkerung Bestand hat und in Teilen auch wiederbelebt wird: „Vom Rhein bis zum Rhein sich in einer Länge von 25 km hinziehend und von allen Punkten der Stadt auf einem Dutzend jetzt schon vorhandener, die Menschenmassen ver- teilender Straßenbahnlinien leicht erreichbar, wird er* allen Bewohnern des zukünftigen Kölns den Zusammenhang mit der Natur wie- dergeben. Sportplätze, Spielplätze, Luft und Sonnenbäder, Schwimmbäder, Waldschulen, Tageserholungsheime für Kinder und Erwach- sene soll dieser Gürtel in sich aufnehmen. Dauernde Pachtgärten (...) werden, wie einst vor 100 Jahren, wo so viele vor den Toren ih- ren Garten besaßen, den weitesten Kreisen der Bürgerschaft wieder die Fühlung mit der verjüngenden Erde geben“ (Konrad Adenauer zitiert von Bauer 2001). (*der äußere Grüngürtel, Anm. der Auto- ren) Literatur: BACH, L. & ZEISEL, M. (1989): Sportgelegen- heiten – Ein neues Maßnahmenkonzept in der kommunalen Sportentwicklungs- planung. In: Das Gartenamt. Zeitschrift für Umweltgestaltung, Freiraumplanung, Grünflächen- und Sportstättenbau. 38. Jahrgang, Heft 11. Hannover, Berlin: Pat- zerverlag GmbH & Co.KG. 42 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline BAUER J. (2001): Innerer und Äußerer Grün- gürtel. In: Adams, W. Bauer, J. (Hrsg.): Vom Botanischen Garten zum Großstadt- grün. Köln 2001, S. 150-158. BfN - Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.) (2008): Menschen Bewegen - Grünflä- chen entwickeln. Ein Handlungskonzept für das Management von Bewegungsräu- men in der Stadt. Bonn - Bad Godesberg: LV Druck GmbH & Co. KG, Münster. DAV (1998): Leitbild Klettern. DAV. München . FREYER, Walter & NAUMANN, Michaela (2007): Wellness aus tourismuswirtschaft- licher Perspektive. 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Schorndorf: Hofmann. 43Zur Erstellung von Slacklineparks © INÖK Andreas Thomann1 & Sven Schindelwick2 Zur Erstellung von Slacklineparks Einleitung Mit dem Boom der Sportart Slacklinen und dem damit verbundenen Andrang von begeisterten Sportlern auf öffentlichen Grün- und Parkanlagen rücken insbesondere die im Alltag sonst selten durch sportliche Aktivi- täten belasteten Bäume in den Blickpunkt der örtlichen Grünflächenämter. Oft versammelt sich die Slacklineszene an besonders geeig- neten Orten, wodurch die Beanspruchung der genutzten Bäume weiter steigt. Das trau- rige Ergebnis sind Slacklineverbote seitens der Kommunen für die betroffenen Parkan- lagen und Grünflächen. Unter anderem mit der Absicht solchen Verboten vorab entgegen zu wirken und den Slacklinern auch weiter- hin zu ermöglichen, ihrer Sportart im öffent- lichen Bereich nach zu gehen, wurde seit Sommer 2009 auf nationaler Ebene an einer DIN-Norm für Slacklinesysteme gearbeitet. Im Februar 2012 wurde die „Slackline-Norm“ in Form der DIN 79400 im Beuth Verlag vom Deutschen Institut für Normung veröffent- licht und definiert seither die allgemeinen und sicherheitstechnischen Anforderungen und Prüfverfahren für Slacklinesysteme. Die- ser neue Industriestandard stellt seitdem eine verbindliche Grundlage für die Konzeption und Realisierung von Slacklineparks dar. Durch die Errichtung von Slacklineparks können die zuständigen Stellen das Klientel der Slackliner gezielt an speziell für die Aus- übung des Trendsports Slacklinen bestimmte Orte im öffentlichen Bereich lenken. Ein wei- terer Beweggrund für die Errichtung von Slacklineparks sind die häufig fehlenden oder oft ungeeigneten Anschlagpunkte zum Auf- spannen von Slacklines. Schulhöfe, Kinder- gärten, Wiesen- oder urbane Flächen können hier exemplarisch genannt werden. So sind in den vergangenen Jahren bereits mehrere Slacklineparks entstanden, neue be- finden sich aktuell im Bau und weitere wer- den vermutlich folgen. Im Folgenden soll der aktuelle Stand der Technik hinsichtlich der konstruktiven Möglichkeiten zur Herstellung von Slacklineparks erfasst sowie positive und negative Entwicklungen bei der konstruktiven Realisierung dargestellt werden. Darüber hi- naus werden diese bewertet und weiterfüh- rende Informationen für gelungene Slackline- parks erörtert. 1 D efinition Slacklineparks Slacklineparks sind Anlagen, die zur Aus- übung des Slacklinesports geeignete Flächen und Anschlagpunkte bieten. Sie unterliegen in öffentlich zugänglichen Bereichen der Ver- kehrssicherungspflicht durch den Betreiber. Grundsätzlich müssen Slacklineparks in zwei Kategorien unterteilt werden, die jedoch auch beide gemeinsam als Mischformen in einer Anlage auftreten können: Anlage mit Vorrichtungen zum Anbringen von privatem Slacklinematerial Anlage mit vorinstallierten Slacklines 1 Deutsche Sporthochschule Köln, Institut für Natursport und Ökologie, 2 Erfahrungssache GmbH 44 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline Der Haftungs- und Gewährleistungsbe- reich des Herstellers eines Slacklineparks er- streckt sich demnach über alle von ihm er- brachten und gelieferten Leistungen. Je nach Anlage ist er somit entweder ausschließlich für die Anschlagpunkte haftbar oder aber für alle von ihm errichteten konstruktiven Teile der Anlage, inklusive der für den Slackline- park gelieferten Slacklines. Ihm obliegt nach dem ProdSG (Produktsicherheitsgesetz) die Produkthaftung für die durch ihn errichteten Installationen (z.B. Anschlagpunkte). Je nach vertraglicher Regelung mit dem Auftraggeber kann ein Hersteller auch lang- fristig die Verantwortung für die jährlichen Überprüfungen der Anlage und der Slacklines sowie für die Wartung und die Instandhal- tung des Slacklineparks übernehmen. 2 P lanung von Slacklineparks Slacklineparks beider Kategorien können bei funktioneller räumlicher Anlage und Aus- stattung attraktive Sportstätten bieten. Wich- tig in der Planungsphase sind die Standort- auswahl, die räumliche Anordnung der An- schlagpunkte (Bäume und Slacklinepfosten) und die Aufprallfläche. Nach DIN EN 12572-2 für Boulderwände handelt es sich bei der Auf- prallfläche um den Bereich bzw. die Fläche, in die der Benutzer nach dem Absprung oder dem Sturz eindringen kann. Diese wird von Fallschutzeinrichtungen, z.B. Gras oder Sand, bedeckt und muss die entstehende Aufpralle- nergie absorbieren können. Die wichtigste Grundlage für die Konzepti- on und Herstellung von Slacklineparks stellen die Anforderungen der Slackline-Norm DIN 79400 dar. Darüber hinaus kann unter an- derem auf die folgenden Veröffentlichungen zurückgegriffen werden: Die angeführten Normen und Fachbe- richte des DIN decken unter anderem die im Folgenden genannten für die Planung und Konzeption sowie die für den Betrieb von Slacklineparks relevanten Teilbereiche ab: Hinweise zur Standortauswahl unter Be- rücksichtigung standortbedingter Fak- toren Norm Inhalt DIN 79400 „Slackline-Norm“ DIN EN 1176-1:2008 Spielplatzgeräte und Spielplatzböden – Allgemeine sicherheitstechni- sche Anforderungen und Prüfverfahren (siehe hierzu auch GUV-SI 8017: Außenspielflächen und Spiel- platzgeräte) DIN EN 1176-7:2008 Spielplatzgeräte und Spielplatzböden – Anleitung für Installation, Ins- pektion, Wartung und Betrieb DIN EN 1176 Beiblatt 1:2009 Spielplatzgeräte und Spielplatzböden – Allgemeine sicherheitstechni- sche Anforderungen und Prüfverfahren; Beiblatt 1 DIN EN 15567-1:2008 Seilgärten – Teil 1: Konstruktion und sicherheitstechnische Anforde- rungen DIN EN 15567-1:2008 Seilgärten - Teil 2: Anforderungen an den Betrieb DIN SPEC 79600:2011 Sicherheitsrelevante Anforderungen an die Durchführung von Erlebnis aktivitäten Tab. 1: Veröf- fentlichungen im Zusammenhang mit der Planung von Slackline- parks 45Zur Erstellung von Slacklineparks © INÖK Hinweise zur fachgerechten Ausführung von Fundamenten unter Berücksichtigung sicherheitstechnischer Anforderungen Sicherheitstechnische Anforderungen an Werkstoffe, Konstruktionsmaterialien und Bauteile für die Herstellung von Anschlag- punkten Hinweise zur konstruktiven Ausführung eines Slacklineparks Schutz vor verletzungsträchtigen Stellen, u.a. Fang- und Klemmstellen Schutz gegen Verletzung durch die Be- schaffenheit der Aufprallfläche Informationen zu Bodenarten und Boden- auflagen hinsichtlich ihrer stoßdämp- fenden Eigenschaften Hinweise zur Kennzeichnung von Anlagen im öffentlichen Bereich (Informationen zu Hersteller und Betreiber, Informationen und Hinweise zur Benutzung der Anlage) Informationen zur Ermittlung der Festig- keit von Bäumen Aspekte des Natur- und Umweltschutzes Hinweise für Hersteller von Anschlag- punkten - Anforderungen an Produktinformation und Benutzerhandbuch - Anforderungen an Herstellernach- weise und Nachweisprüfungen - Informationen für Inspektion und War- tung, u.a. Verfahren, Intervalle, Doku- mentation, Wartungsanleitung Anforderungen an und Hinweise für den Betrieb von Slacklineparks Hinweise zur Erstellung einer dokumen- tierten Risikobeurteilung für den Betrieb eines Slacklineparks Für die Planung und Konzeption von Slacklineparks in öffentlichen Grünflächen empfiehlt es sich im Sinne der kooperativen Planung, alle Interessengruppen an einen runden Tisch zu versammeln. Die Stadtver- waltung mit ihrem möglichen Interesse, das Slacklinen in ihren Grünanlagen zu kanali- sieren, muss im Wesentlichen darauf achten, die Wünsche der Sportakteure umzusetzen. Dabei muss sie ihre eigenen Vorstellungen vertreten und darf gleichzeitig andere Nutzer- gruppen der Grünflächen und deren Anwoh- ner nicht außer Acht lassen. Nur so kann eine Akzeptanz der Sportstätte durch die Slackli- ner, welche zur Gruppe der nicht organisier- ten Freizeitsportler gehören, sowie die der anderen zuvor genannten Personengruppen erreicht werden. Bereits in der Konzeptions- und Planungs- phase ist es empfehlenswert, mit renom- mierten Firmen oder fachlichen Beratern zusammen zu arbeiten. Auch die frühzeitige Konsultierung einer unabhängigen Prüfinsti- tution, die nach der Realisierung der Anlage deren Normkonformität durch eine Erstab- nahme vor der Inbetriebnahme bestätigt, hilft frühzeitig – im besten Falle noch in der Kon- zeptionsphase – Planungsfehler zu erkennen und abzuwenden. 3 A llgemeine Standortfaktoren Unter Umständen können bereits beste- hende und in der Szene beliebte Plätze zum Slacklinen entsprechend umgestaltet und ge- nutzt werden. So ist von vornherein eine hohe Akzeptanz des Slacklineparks zu erwarten. Sind andere Standorte für einen Slacklinepark angedacht als die, die von den Sportlern ak- tuell genutzt werden, sind verschiedene Ein- flussfaktoren zu beachten. Die Stadtverwal- tung wird nach ihrem Flächennutzungsplan Möglichkeiten außerhalb sensibler Räume bieten. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die gespannten Slacklines weder Spa- 46 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline ziergänger, noch andere Freizeitsportler oder Naherholer, die ihrerseits die Grünflachen nutzen wollen, behindern. Desweiteren ist eine mögliche Lärmbelästigung von Anwoh- nern bereits in der Planungsphase zu berück- sichtigen. In einer Umfrage unter Slacklinern von Brüggmann & Thomann (durchgeführt 2010) konnten die wesentlichen Faktoren zur Wahl eines Platzes zum Slacklinen bestimmt werden. Ein maßgebliches Kriterium ist die gute Erreichbarkeit der Anlage. Dreiviertel der Slackliner erreichen ihren Platz zum Slacklinen zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Dabei nimmt die Anreise von vier Fünftel der befragten Personen weniger als 15 Minuten zwischen Haustür bzw. Arbeitsplatz und dem Austra- gungsort ihrer Sportart ein. Für die Anreise werden maximal 5 km zurückgelegt. Das Alter von Slacklinern liegt im Durch- schnitt unter 30 Jahren. Neu zu planende Standorte sollten dies berücksichtigen und in urbanen Bereichen etabliert werden, in denen eben dieses Klientel, aber auch deut- lich jüngere Erwachsene und Jugendliche anzutreffen sind. Hervorzuheben sind in die- sem Zusammenhang gut erreichbare Stand- orte in der Nähe von Schulen, Universitäten sowie Studentenvierteln. Neben Sonne und Schatten sollte der Slacklinepark außerdem als Rückzugsmöglichkeit vom Alltag dienen, wo die Slackliner neben der Ausübung ihres Sports in Ruhe chillen und Freunde treffen können. Ein ansprechendes Ambiente der Anlage trägt maßgeblich zur Akzeptanz bei den Sportlern bei. 4 Hinweise zur Konstruktion von Slacklineparks 4.1 U ntergrundbeschaffenheit Ein weiteres entscheidendes Motiv für die Wahl des Platzes zum Slacklinen ist die Unter- grundbeschaffenheit. Für den Slackliner ist es von Vorteil, wenn sich unter seiner Line Wiese oder eine andere Art von stoßdämpfendem, flachem Boden befindet. Bodenuneben- heiten, Müll oder gar Glasscherben sind für den häufig barfüßigen Slackliner, insbeson- dere bei ungewolltem Abstieg oder bei ge- zieltem Absprung von der Line, störend und verletzungsträchtig. Der Untergrund sollte daher nach GUV-SI 8017 (Außenspielflächen und Spielplatzge- räte) ausgelegt werden. Da die Untergrund- beschaffenheit mit der Aufspannhöhe in Zusammenhang steht, sollte von Seiten der verantwortlichen Hersteller des Slackline- parks die von ihm angedachte Aufspannhöhe durch eine Beschilderung (Benutzerregeln sie- he hierzu Kapitel 4.3.) und Markierungen an den Installationen für den Benutzer ersicht- lich sein. Die GUV-SI 8017 schreibt bis 60 cm Tritthöhe (Bereich Slackline: Aufspannhöhe) keine spezielle Bodenbeschaffenheit vor. The- oretisch wäre daher auch Asphalt möglich. Erfahrungsgemäß würden Slackliner einen solchen Untergrund aber nicht akzeptieren. Bis zu einer Höhe von 100 cm Tritthöhe ist jede Art und Verdichtung naturbelassenen Bodens zulässig. Rasen darf bis in eine Höhe von 1,50 m verwendet werden. Für höhere Anwendungen wird eine stoßdämpfende Bo- denauflage (z.B. Holzschnitzel, Rindenmulch, Sand, Kies, synthetischer Fallschutz) vorge- schrieben. Generell ist ein solcher stoßdämp- fender Boden auch für niedere Aufspannhö- 47Zur Erstellung von Slacklineparks © INÖK hen zu empfehlen, da beim Slacklinen durch die Dynamik des Slacklinebandes unkontrol- lierte Stürze, verglichen dem Trampolintur- nen, möglich sind. Trotz der Möglichkeit nach der GUV-SI 8017, die Slackline bis auf eine Höhe von 1,50 m über Rasen aufzubauen, sollte aufgrund der beschriebenen unkon- trollierten Stürze die Empfehlung ausgespro- chen werden, die Slackline nicht höher als 60 cm oder Schritthöhe bei Erwachsenen (ca. 90 cm) aufzubauen. Der Bereich für Slackline- profis mit Aufspannhöhen über 90 cm sollte ermöglicht, aber nicht von vornherein emp- fohlen werden. 4.2 D istanzen der Anschlagpunkte Slacklineparks sollten verschiedene Auf- spannlängen zulassen. Auf unterschiedlichen Leistungsniveaus werden verschiedene Line- längen favorisiert. Die Distanzen zwischen den Anschlagpunkten für die Slacklines sollten zum einen im Bereich zwischen 6 m und 15 m (in max. 2 m Schritten) liegen. Zum anderen sollten ebenfalls Aufspannmöglich- keiten für längere Lines (16 m bis 24 m) ge- boten werden. Diese Dimensionen basieren auf den Vorlieben der Slackliner, die natürlich wiederum durch das angebotene Material der Slackline Hersteller beeinflusst werden. Slack- linesets mit 15 m bzw. 25 m sind derzeit die gebräuchlichsten Längen auf dem Markt. 4.3 K ennzeichnung des Slacklineparks Der Betreiber sollte sich bei der Kennzeich- nung des Slacklineparks an den Anforderun- gen der DIN EN 1176-7, Abschnitt 8.2.4. All- gemeine Sicherheitsmaßnahmen orientieren. Diese besagt, dass auf einem Spielplatz ein Hinweisschild mit mindestens folgenden An- gaben vorhanden sein muss: (a) allgemeine Notrufnummer; (b) Telefonnummer des Wartungspersonals; (c) Name des Spielplatzes; (d) Adresse des Spielplatzes; und (e) andere relevante örtliche Informationen. Eingang, Ausgang und Notwege zu und von einem Spielplatz (Slacklinegelände), die sowohl für die Öffentlichkeit zugänglich als auch für die Nutzung durch Rettungsdienste vorgesehen sind, sollten jederzeit zugänglich und frei von Hindernissen sein. Zudem sollte, wenn möglich und sinnvoll, auf eine räumliche sichtbare Abtrennung des Geländes (z.B. quer auf dem Boden liegen- de Baumstämme, Zäune, Bodenerhöhung,…) geachtet werden, um Passanten vor unge- wolltem Kontakt mit den von der Seite teils schlecht sichtbaren Lines zu schützen. In der Slacklineszene sind besondere Vorkommnisse bislang nur ohne widrigen Ausgang bekannt. Als Beispiel kann ein Radfahrer angeführt werden, der die Abkürzung zwischen den Anschlagsbäumen nehmen möchte, dabei aber eine gerade ungenutzte Slackline nicht wahrnimmt. Daher ist bei öffentlichen Slack- lineparks im Sinne der Verkehrssicherheit auf den Schutz von anderen Nutzern des Gelän- des zu achten. 4.4 Bäume als Anschlagpunkt: Saisonaler Stammschutz Bäume sind die ursprünglichste Mög- lichkeit Slacklines aufzuspannen. Diese An- schlagmöglichkeit wird aber aktuell hin- sichtlich der möglichen Schäden an den natürlichen Trag- und Aufspannstrukturen in Fachkreisen kontrovers diskutiert. Um der Sportart und ihrer Historie sowie der von den Sportlern gewünschten Atmosphäre gerecht 48 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline zu werden, ist zu empfehlen, wenn möglich, Bäume als Anschlagpunkte in Slacklineanla- gen einzubinden. Bei der Auswahl der Bäume sollte darauf geachtet werden, dass sie die auftretenden Kräfte ohne Beschädigung auf- nehmen können. Als Empfehlung kann hier ein Baumdurchmesser von mindestens 30 cm angegeben werden. Bei Slacklineparks sollten die Bäume mit einem permanenten Stamm- schutz versehen werden, um Baumschäden (Abrieb der Borke und Druckschäden) auf- grund der hohen Frequentierung zu vermei- den. Der im Folgenden vorgestellte saisonale Stammschutz wurde von der Firma „alpinstil“ entwickelt. Eine Weiterentwicklung erfolgte mit freundlicher Genehmigung am Institut für Natursport und Ökologie. Ein erster Slackli- nepark mit fünf Bäumen wurde 2010 in Zu- sammenarbeit mit der Stadt Köln im Inneren Grüngürtel errichtet (siehe Abb. 28). Dieser Park erfreut sich aktuell größter Beliebtheit. Visuell sind derzeit (Januar 2012) keine Schä- den an den Bäumen im Anschlagbereich zu erkennen. Aus ästhetischen Gesichtspunkten ist zu erwähnen, dass sich der Stammschutz aufgrund des Ausbleichens des verwendeten Holzes kaum von seiner Umgebung abhebt (Abb. 1 und 2). Der Stammschutz besteht aus Vierkant- hölzern (Eiche), die auf einem Drahtseil mit Verschlussmanschette aufgefädelt sind und locker am Stamm befestigt werden. Erfolgt durch das natürliche Dickenwachstum des Baumes eine Zunahme des Stammdurchmes- sers, kann diese Verschlussmanschette gelo- ckert und der Stammschutz an den Baum neu angepasst werden. Wird mittels dieser Ju- stiermöglichkeit der Stammschutz in regelmä- ßigen Abständen (mindestens einmal pro Jahr nach der Wachstumsphase) an den Stamm- durchmesser der angesprochenen Bäume angepasst, kann sichergestellt werden, dass sich die Bäume in ihrem Wachstumsverhalten Abb. 1 und 2: Stammschutz nach Montage 2010 (l.) und im Juli 2011 (r.) 49Zur Erstellung von Slacklineparks © INÖK frei entwickeln können und der Stammschutz nicht aufgrund des Wachstumsdrucks der Bäume überwallt oder aber gesprengt wird. Des Weiteren wird durch die große Aufla- gefläche der Hölzer der durch die Slackline eingeleitete Druck auf die Borke großflächig verteilt. Bei stark strukturierten oder welligen Borken ist dieser Effekt nur bedingt gegeben. Jedoch auch bei diesen Baumarten kann er- höhte lokale Belastung entstehen. Die Man- schette nimmt jedoch auch in diesem Fall die weitaus problematischeren Scherkräfte auf, die ohne Verwendung eines Stammschutzes zu einem Abscheren der Rinde führen kön- nen. Auf diese Art und Weise wird verhindert, dass durch ein ständiges Auf- und Abbauen der Slacklines die Borke nach und nach ab- getragen wird. Derzeit wird durch die Auto- ren der vorliegenden Veröffentlichung eine Optimierung des Stammschutzes durch die Verwendung des Konstruktionswerkstoff Vul- kollan® getestet, welcher bereits im Bereich der Seilgärten als druckaufnehmende und druckverteilende Unterlage bei Plattform- konstruktionen und bei der Herstellung von Anschlagpunkten für Drahtseile an Bäumen eingesetzt wird. Bei Vulkollan® handelt es sich um einen witterungsbeständigen, gum- mielastischen (dauerelastischen) Werkstoff mit einem sehr guten Dämpfungsverhalten und einer hohen Rückstellkraft selbst nach Dauerbelastung. Diese Eigenschaften, in Ver- bindung mit dem hohen mechanischen Ver- schleißwiderstand von Vulkollan®, könnten die optimalen Voraussetzungen für die Her- stellung eines Dämpfungselements zwischen Borke und Slacklinematerial darstellen. Somit wird einerseits der Baum geschützt und des- sen Wachstumsverhalten nicht einschränkt, andererseits gleichzeitig eine optimale Unter- lage für das Anbringen von Slacklinematerial (textile Schlingen und Bänder) hergestellt. Aufbau und Montagehinweise Der Abbildung 3 sind die Dimensionen der Kanthölzer zu entnehmen. Die Kanten der Hölzer sind abzurunden. Die Anzahl der benötigten Hölzer hängt vom gegebenen Baumumfang ab. Für die Kantholzbreite von 7 cm kann folgende Faustformel angegeben werden: Anzahl = Baumumfang in cm / 14 cm Zur Fixierung werden die Hölzer jeweils an der Ober- und Unterseite auf ein 5 mm Drahtseil im Abstand von ca. 5-7 cm aufgefä- delt. Die Verteilung der Kanthölzer am Baum erfolgt, indem diese mittels Drahtseilklem- Abb. 3: Kantholz und saisonaler Stammschutz am Baum 50 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline men auf dem Drahtseil positioniert werden. Es ist darauf zu achten, dass die Klemmen zwischen den Kanthölzern liegen, um verlet- zungsträchtige scharfe Kanten zu vermeiden. Wenn notwendig, können in diesem Zusam- menhang die scharfkantigen Gewinde der Drahtseilklemmen mittels Hutmuttern abge- deckt werden. Da in der Slackline-Norm nur bedingt An- forderungen an die konstruktive Ausführung von Anschlagpunkte gestellt werden und es sich bei dem Stammschutz um eine Instal- lation im öffentlich zugänglichen Bereich handelt, sollten bei der Herstellung der Man- schette die Anforderungen der DIN EN 1176 (Spielplatznorm) beachtet werden. Die Aussparung im Holz (Abb. 3) oder eine farbliche Markierung stellt die seitens der verantwortlichen Hersteller empfohlene Auf- spannhöhe für die Slackline (zwischen 60 cm und 90 cm) dar. Wie im Kapitel 4.3 bereits an- geführt, sollte diese durch eine Informations- tafel an die Benutzer herangetragen werden. Durch die Länge der Kanthölzer ist trotzdem gewährleistet, dass Slackliner, die ein höheres Anschlagen bevorzugen, die Befestigung im- mer noch auf der Schutzmanschette anbrin- gen (siehe Abb. 1) können. Abbildung 4 zeigt exemplarisch die An- wendung der Schutzmanschette und stellt die möglichen Anschlagshöhen der Slackline dar. 4.5 S lacklinepfosten als Anschlagpunkt Nicht immer stehen Bäume in einem für das Anbringen von Slacklines zweckmä- ßigen Abstand zueinander. Häufig fehlt es in Grünflächen gar an einer ausreichenden An- zahl geeigneter, natürlicher Anschlagpunkte und nur selten lassen sich alle gewünschten Aufspann-Distanzen in einem bestehenden Baumbestand realisieren. Ein anderer Pla- nungsansatz verfolgt die Installation von Slacklineparks in Geländeabschnitten, an de- nen es gar keine oder nur unzureichend ge- eignete Bäume gibt. Abb. 4: saisona- ler Stammschutz: Montagehöhe und mögliche Anschlagsbe- reiche der Slack- line 51Zur Erstellung von Slacklineparks © INÖK Im informativen Anhang A der Slackline- Norm wird für Anschlagpunkte, die für das direkte Anschlagen von Slacklinesystemen vorgesehen und geprüft werden sollen, eine Mindestbruchlast/Auszugsfestigkeit von 40 kN (4 Tonnen) gefordert. Für den Anschlag- punkt muss demnach durch den Hersteller der Slacklinepfosten ein individueller Tüch- tigkeitsnachweis erbracht werden, welcher in der Herstellererklärung zu dokumentieren ist. Die Nachweisführung erfolgt in diesem Fall durch individuelle Belastungsprüfungen in Zusammenarbeit mit einer unabhängigen Prüfstelle, welche ihrerseits das Produkt, so- fern es den Prüfanforderungen genügt, für die vorgesehene Anwendung frei gibt. Da es sich bei den Slacklinepfosten um künstliche Installationen handelt, ist der Hersteller nach dem ProdSG (Produktsicher- heitsgesetz) dazu verpflichtet, für seine Kon- struktion im Rahmen der Gewährleistung zu haften (Produkthaftung). Außerdem sollte ein Hersteller bei der Übergabe der Anla- ge an den Betreiber ein Benutzerhandbuch (Gebrauchsanleitung) aushändigen. In die- ser müssen unter anderem klare Regelungen hinsichtlich notwendiger Inspektionen und Inspektionsintervallen sowie Wartungs- und Instandhaltungsmaßnahmen formuliert sein. Hersteller von Slacklineparks im Allgemei- nen und von Slacklinepfosten im Speziellen können sich hier an den Vorgaben der Spiel- platznorm (DIN EN 1176-1) sowie der Seil- gartennorm (DIN EN 15567-1) orientieren. Grundsätzlich muss jede Installation und jede Anlage mindestens einmal jährlich durch eine sachkundige Person überprüft werden. Im Rahmen dieser jährlichen Kontrolle sollten neben der Inaugenscheinnahme der Installa- tion, Belastungsprüfungen durchgeführt wer- den. Bei hölzernen Konstruktionen sollten mindestens im Abstand von drei Jahren ein- gehende Untersuchungen des Konstruktions- holzes der Pfosten stattfinden. Werden die beschriebenen Überprüfungen sowie die vom Hersteller definierten Wartungsmaßnahmen (z.B. Auftragen von neuer Schutzfarbe auf Konstruktionsholz) sorgsam und regelmäßig durchgeführt, kann ein auf diese Art künstlich angelegter Slacklinepark langfristig Bestand haben. Sollte jedoch zum Beispiel im Rahmen einer Nutzungsplanänderung der Grünfläche ein Rückbau der Anlage notwendig werden, so ist dies jederzeit möglich. Empfehlung zur Verwendung von Slacklinepfosten Nachfolgende Abbildungen stellen ver- schiedene konstruktive Lösungen für die bau- technische Realisierung von Slacklinepfosten dar. Zusätzlich wurde für die jeweiligen Kon- struktionen eine Beurteilung durchgeführt, bei welcher das Verletzungsrisiko analysiert und anschließend beurteilt wurde. 52 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline Abb. 8: Ge- kürzter Holz- pfosten (l.) oder gekürzter Metallpfosten (r.), Verletzungs- möglichkeiten im Bereich der möglichen Auf- prallfläche an der Oberkante des Pfostens Abb. 9: Gekürzter Metallpfosten, er- höhte Verletzungs- möglichkeiten im Bereich der mög- lichen Aufprallflä- che an der eckigen Oberkante des Pfostens und an den vorstehenden Gerüstösen Abb. 10/11: Lan- ger Holzpfosten (l.) oder langer Metallpfosten (r.), keine ab- stehende Struk- turen, keine erhöhte Verlet- zungsgefahr Abb. 12: langer Holzpfosten versenkt in Kies- bett, die in der Slackline-Norm geforderten 40 kN Mindest- bruchlast für Anschlagpunkte ist konstruktions- bedingt kaum realisierbar, keine erhöhte Verlet- zungsgefahr 53Zur Erstellung von Slacklineparks © INÖK Abb. 13: langer Holzpfosten eingespannt in mehrere nach innengerichteten und im Kon- struktionsholz versenkten U- Profilen, keine erhöhte Verlet- zungsgefahr Abb. 14: Detaildarstellung der in Abb. 13 dargestellten konstruktiven Lösung ; Seitenansicht (l.), Aufsicht (r.) Abb. 15: Detaildarstellung einer weiteren konstruktiven Lösung vergleich- bar mit Abb. 13 jedoch mit nach außen gerichteten U-Profilen, ge- ringfügig erhöhte Verletzungsgefahr durch möglichen Kontakt an den Stahlbauteilen ; Seitenansicht (l.), Aufsicht (r.) Abb. 16: Holzpfo- sten eingespannt in mehreren auf dem Konstruk- tionsholz auflie- genden, nach außen gerichteten U-Profilen, er höhte Verlet- zungsgefahr an den Stahlbautei- len; Seitenansicht (l.), Aufsicht (r.) 54 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline Die dargestellten Möglichkeiten zum Bau von Slacklinepfosten finden sich derzeit in verschiedenen Slacklineparks in Gebrauch. Eine Risikobeurteilung unter anderem unter Berücksichtigung der Spielplatznorm DIN EN 1176-1 schließt jedoch einige der dargestell- ten Modelle aus. Ein besonderes Augenmerk gilt verletzungsträchtigen Stellen an den Slacklinepfosten die im Bereich der Aufprall- fläche unbedingt vermieden werden müssen. Dies gilt sowohl für die Pfosten selbst als auch für alle anderen Konstruktionsbauteile wie abstehende Schrauben, Ösen oder Metallpro- file. Aus diesen Überlegungen heraus ist von einer Verwendung gekürzter Pfosten (Holz/ Metall Abb. 8 und eckigen Metallpfosten mit nach außenstehenden Gerüstösen Abb. 9) sowie Pfosten mit nicht versenkten U-Profilen (Abb. 16) abzuraten. Sicherlich sind gekürzte Pfosten, unabhängig der Verankerung im Boden, kostengünstige Lösungen, doch bie- ten die langen Ausführungen dieser Pfosten (Abb. 10 bis Abb. 13) ein Mehr an Sicherheit, da im Bereich der Aufprallfläche anstelle von gefährlichen Pfostenoberkanten lediglich der stumpfe Pfosten berührt werden kann. Wie schon erwähnt, ist Slacklinen im Ur- sprung eine Sportart, die in der Natur ausge- führt wird und bei der hauptsächlich Bäume als Anschlagpunkte genutzt werden. Diese Tatsache sollte daher weiterhin in der Planung und Umsetzung Rechnung getragen werden. Als Slacklinepfosten sind daher auch aus rein landschaftsplanerisch ästhetischen Aspekten baumähnliche Pfosten zu bevorzugen. Lan- ge Metallpfosten (vgl. Abb. 11) oder glatte Holzmasten erfüllen dieses Kriterium nicht. Natürlich wären Metallpfosten aufgrund der Haltbarkeit die beste Wahl. Wesentlicher Nachteil ist das Handling zur Befestigung der Slackline am Metallpfosten, da durch die glatte Oberfläche das Anbringen des textilen Bandmaterials erschwert wird. Aus diesen Abb. 17: gewachsener Naturstamm als Slacklinepfosten im Slacklinepark Immenstadt 55Zur Erstellung von Slacklineparks © INÖK verschiedenen Perspektiven ist ein gewach- sener Naturstamm mit belassenen Krüm- mungen (vgl. Abb. 17) die optisch beste und anwenderfreundlichste Wahl hinsichtlich des Pfostens. Zu verwenden ist witterungsbestän- diges Hartholz (Eiche, Kastanie oder Robinie), das gegen Witterungseinflüsse zusätzlich ge- schützt werden sollte. Eine Kennzeichnung der empfohlenen Anschlaghöhe der Slackline ist wie beim saisonalen Stammschutz (siehe Kapitel 4.4) durch Anbringung einer farblichen Markie- rung sinnvoll. Verankerungsart Nach der Auswahl eines den individuellen Vorstellungen entsprechenden Pfostens kann dieser auf verschiedenen Arten im Boden ver- ankert werden. Im Folgenden wird nur auf Verankerungsmöglichkeiten von Pfosten, die keine Verletzungsgefahren bergen, eingegan- gen: (a) Pfosten versenkt im Betonfundament (b) Pfosten versenkt in Kiesbett; HINWEIS: Diese Bodenverankerung wird im Folgenden angeführt und diskutiert, da es sich gegenwärtig (noch) um eine gängige Art der Gründung von Masten oder Pfosten im Erdreich handelt. Die in der Slackline-Norm geforderten 40 kN Mindestbruchlast für Anschlagpunkte ist konstruktionsbedingt jedoch nur schwer zu realisieren. (c) Pfosten eingespannt zwischen mehreren, nach innen gerichteten, im Konstrukti- onsholz versenkten U-Profilen im Beton- fundament All diesen Verankerungsarten ist gemein, dass vorab ein Bodengutachten erstellt wer- den muss. Von diesem Gutachten ist insbe- sondere die Dimensionierung des Betonfun- daments abhängig. In den meisten Fällen ist mit einer Dimensionierung des Betonfunda- ments von etwa 1 m³ zu rechnen, sofern von einem normal verfestigten Boden ausgegan- gen werden kann (Abb. 19). (a) Pfosten versenkt im Betonfundament Der Vorteil dieser Verankerungsart ist die sehr kostengünstige Lösung. Nachteilig ist dabei die direkte Versenkung des Holzpfo- stens im Betonfundament (Abb. 18) hinsicht- lich der Haltbarkeit. Die Erfahrung zeigt, dass die oben genannten, verrottungsresistenten Hölzer einige Jahre der Belastung standhal- ten. Weniger resistente Hölzer können schon nach 2-3 Jahren versagen. Grund hierfür ist die Tatsache, dass Feuchtigkeit zwischen Fun- dament und Holzpfosten eindringen, jedoch nach unten hin nicht abfließen kann. Die so im Fundament verbleibende Feuchtigkeit (Staunässe) fördert insbesondere im oberen Fundamentbereich aufgrund des dort erfol- genden Luftaustauschs Fäulnisprozesse im Konstruktionsholz. An der Austrittsstelle des Holzpfostens aus dem Betonfundament er- folgt aufgrund der auftretenden Scherkräfte und der Kerbwirkung des Fundaments eine Schwächung der Gesamtkonstruktion. Die Haltbarkeit des Holzes ist auch ab- hängig von der Versenkungstiefe des Funda- ments. Vorteilhaft ist es, wenn die Austritts- kante des Holzes am Fundament offen liegt und nicht von Erde bedeckt ist. Für Metallpfosten (Abb. 17) ist diese Ver- ankerungsart die gängige Lösung, da Metall 56 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline nicht den Witterungseinflüssen unterliegt, wie es bei Holz der Fall ist. Im Slacklinepark Immenstadt wurden mit Hilfe des Forstamts und des städtischen Bau- hofs die Slacklinepfosten binnen kürzester Zeit umgesetzt. Folgende Dimensionen wur- den verwendet: Vier Meter lange Stämme aus Eichenholz in ihrer gewachsenen Form belassen (2,4 m über Grund und 1,6 m im Boden) mit einem Mindestdurchmesser von 30 cm. Das Beton- fundament von 0,5 m³ fasst den Stamm auf- grund der Bodenbeschaffenheit in einer Tiefe von 1,3 m ein. (b) Pfosten versenkt in Kiesbett Anstelle des Fundaments tritt bei dieser Bauweise ein Kiesbett (Abb. 20). Zur besseren Platzierung und Komprimierung des Kieses eignet sich ein Betonring mit einem Durch- messer von ca. 80 cm in dessen Mitte sich der Holzstamm befindet. Der Kies wird soweit verfestigt, dass er der Hebelwirkung des Pfo- stens bei Belastung standhält. Das Kiesbett vermeidet die Entstehung von Staunässe da Regenwasser ungehindert abfließen kann. Somit wird dem im vorherigen Abschnitt be- schriebenen Fäulnisprozess entgegengewirkt. Bei dieser konstruktiven Lösung ist eine Erfül- lung der in der Slackline-Norm (DIN 79400) für Anschlagpunkte geforderte 40 kN Min- destbruchlast jedoch unwahrscheinlich, da die Festigkeit der Gesamtkonstruktion maß- geblich von der Komprimierung des Kiesbetts und der damit verbundenen Widerstandsfä- higkeit des Pfostens gegenüber horizontalem Lasteintrag abhängt. Daher ist dieses Pfosten- system für den öffentlichen Bereich nicht zu empfehlen. (c) Pfosten eingespannt zwischen U-Profilen in Betonfundament Um die Nachteile von in Betonfundamen- ten versenkten Holzpfosten zu umgehen besteht die Möglichkeit, U-Profile als Verbin- dungsbauteil zwischen Betonfundament und dem Holz des Pfosten zu nutzen. Die U-Pro- file werden im Fundament eingelassen und bilden so einen Zwischenraum, der als Ein- spannmöglichkeit für den Holzpfosten dient. Der Pfosten wird ohne Bodenberührung mit Gewindestangen an den U-Profilen fixiert. So kann der Holzpfosten nach Feuchtigkeitsein- wirkung an seiner unteren Schnittkante im- mer wieder abtrocknen sofern sichergestellt wird, dass der entstehende Raum zwischen Beton und Holzpfosten nicht durch feuch- tigkeitsbindende Materialien (wie z.B. Holz- schnitzel oder Sand) komplett aufgefüllt wird. An dieser Stelle wird nochmals darauf hinge- wiesen, dass die U-Profile nach innen gerich- tet und im Konstruktionsholz versenkt wer- den, so dass keine verletzungsträchtigen Stel- len entstehen (vgl. Abb. 13-16). Auf eine aus- reichende Dimensionierung des Holzpfostens ist zu achten, da er durch die Versenkung und die Fräsung für das U-Profil an Stabilität einbüßen wird. Diese Verankerungsart ist die aufwendigste der bis jetzt dargestellten Mög- lichkeiten, doch bei Verwendung von Pfosten aus geeignetem Holz wohl die langlebigste. 57Zur Erstellung von Slacklineparks © INÖK Abb. 17/18: Querschnitt eines Slacklinepfostens aus Metall (l.) und Holz (r.) im Beton- fundament Abb. 19: Betonfundament mit einer für eine durchschnittliche Bodenbeschaffenheit ausreichenden Dimensionierung von 1 m³ Abdeckung des Fundaments mit Sand und Rindenmulch, um die Aufprallfläche sicher zu gestalten Abb. 20: Querschnitt eines Slacklinepfosten im Kiesbett; Pfosten- durchmesser d = 40 cm; Kiesbett mit einer Breite von 15 cm um den Holzstamm; Betonring von 5 cm Dicke mit 80 cm Aussen- durchmesser Abb. 21: Querschnitt eines Slacklinepfosten eingespannt in U-Profile im Betonfundament 58 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline 4.6 K ölner Slacklinepfosten Der Kölner Slacklinepfosten wurde in Zu- sammenarbeit vom Institut für Natursport und Ökologie und dem Grünflächenamt der Stadt Köln entwickelt. Die Bestrebung war es, einen möglichst nutzungsfreundlichen, sicheren, äs- thetischen, langlebigen, aber auch wartungs- armen Anschlagpunkt für den Slacklinesport zu entwickeln. Die letztgenannten zwei Fak- toren werden durch ein Betonfundament in Kombination mit einem 3,80 m langen Me- tallpfosten von einem Durchmesser von 16,5 cm und einer Stärke von 4,8 mm erreicht. Für die Anwenderfreundlichkeit sorgt eine Belat- tung aus Holz, welche über einen höheren Reibungswiderstand als das blanke Metall verfügt. Sie verbreitert den Metallpfosten auf Abb. 22: Kölner Slacklinepfosten mit Slackline (l.) Abb. 23: Quer- schnitt Kölner Slacklinepfosten (r.) Abb. 24: Seiten- ansicht Kölner Slacklinepfosten; Dimensionierung des Pfostens (l.) Abb. 25: Fixierung der Belattung am Kölner Slackline pfosten mit Hilfe eines unterhalb aufgeschweißten Metallrings (Lö- cher zum Wasser- abfluss) (r.) Abb. 26: Auf- sicht Kölner Slacklinepfosten; Dimensionierung der Belattung (l.); Aufge- schraubter De- ckel (r.) 59Zur Erstellung von Slacklineparks © INÖK einen Durchmesser von ca. 27 cm und er- leichtert das Anlegen des Slacklinematerials am Pfosten. Zudem ist in Anlagen, die sowohl Bäume als auch Slacklinepfosten nutzen, ein Wiedererkennungswert mit dem beschrie- benen saisonalen Stammschutz gegeben (Abb. 27). So erkennt der Benutzer, welche Anschlagpunkte zum Slacklinen ausgewiesen sind und welche Bäume, auch im Nahbereich der Anlage, nicht verwendet werden dürfen. Hinsichtlich des Sicherheitsaspekts besitzt der Pfosten weder abstehende Strukturen, noch Fangstellung und weist eine Höhe von 2,40 m auf, um einen Sturz auf die Oberkante zu vermeiden. Abb. 27: Kom- bination von saisonalen Stammschutz und „Kölner Slacklinepfosten“ in einem Slackli- nepark 60 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline 5. S lacklineparks in Köln Im Folgenden werden die Slacklineparks, die im Inneren Grüngürtel der Stadt Köln er- richtet wurden, vorgestellt. Der Kölner Grün- gürtel zeichnet sich durch seine gute Erreich- barkeit und seine Nutzung als wohnungs- naher Erholungsraum aus. Seiner intensiven Nutzung als Slacklinegelände wurde mit der Errichtung von fünf Slacklineanlagen Rech- nung getragen. Diese Lenkungsmaßnahme soll sensible Parkbäume schützen, an denen der Slacklinesport nicht mehr ausgeübt wer- den darf. Bei Auswahl des Geländes wurden die Wünsche und die Vorlieben der Slackliner berücksichtigt. Zudem wurde jeder Anlage ein eigener Charakter gegeben, um den Bedürf- nissen der Benutzer optimal gerecht zu wer- den. Je nach Möglichkeit wurden Bäume als Anschlagpunkt einbezogen oder es entstan- den Kombinationen aus Bäumen und Slack- linepfosten. Zusätzlich wurden auch Slackli- neparks unter ausschließlicher Verwendung von künstlichen Anschlagpunkten errichtet. Insbesondere wurde dabei auf ein optimales Angebot an Aufspanndistanzen geachtet. Im Folgenden wird ein kurzer Überblick über die verschiedenen Parks gegeben: Slacklinepark am Kölner Fernsehturm: Chill, Grill and Slack Abseits vom Trubel des Aachener Weihers kann hier in entspannter Atmosphäre unter Bäumen die Slackline aufgebaut werden. Im Chill, Grill and Slack-Slacklinepark der nur Bäume mit saisonalen Stammschutz als An- schlagpunkte nützt, gibt es Distanzen zwi- schen 9 m und 21 m zu bewältigen. Der Park befindet sich in der Grünfläche unterhalb des Kölner Fernsehturms. Abb. 28: Slackli- nepark am Köl- ner Fernsehturm: Chill, Grill and Slack; Anschlag- punkte: Bäume mit saisonalen Stammschutz 61Zur Erstellung von Slacklineparks © INÖK Slacklinepark an der Sportanlage Venloer Straße: Slacklinesportspark Der Slacklinesportspark ist der Treffpunkt für die Profis. Distanzen bis 48 m sind mög- lich. Der Park ermöglicht aber auch Anfän- Abb. 29: Slack- linepark Sport- anlage Venloer Straße : Slack- linesportpark; Anschlagpunkte: Kölner Slackli- nepfosten Abb. 30: Slackli- nepark Achener Weiher: Slackline Central Location; Anschlagpunkte: Kölner Slackli- nepfosten gern auf der schönen Wiese in der Sonne zu slacken. Zur Erstellung wurden ausschließlich die Kölner Slacklinepfosten verwendet. Die umgebenden Sportanlagen, die sich ebenfalls südlich der Venloer Straße befinden, laden zu weiteren Aktivitäten ein. 62 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline Slacklinepark am Aachener Weiher: Slackline Central Location In unmittelbarer Nähe zum Aachener Wei- her liegt auf einer kleinen Anhöhe die Slackli- ne Central Location. Viele Slackliner haben bis jetzt das Gelände um den Aachener Weiher einen Besuch abgestattet. Der Park bietet ih- nen nun mit seinen 5 Kölner Slacklinepfosten viele Aufspannmöglichkeiten in Längen zwi- schen 6,50 m und 22,50 m. Slacklinepark an der Universität Köln: Slack and Study Park Da die Gruppe der Studierenden unter den Slacklinern den größten Anteil einnimmt, ist es nicht verwunderlich, dass die Grünflä- chen im Bereich der Kölner Universität inten- siv genutzt wurden. Studierende können nun in unmittelbarer Nähe gegenüber der Mensa beim Slacklinen vom Unialltag entspannen. Der Slacklinepark kombiniert Kölner Slackli- nepfosten mit Bäumen, die mit einem saiso- Abb. 31: Slack- linepark an der Universität Köln: Slack and Study Park; Anschlagpunkte: Kombination aus Kölner Slacklinepfosten und Bäumen mit saisonalen Stammschutz nalen Stammschutz ausgerüstet sind. So sind sechs Anschlagpunkte vorhanden, die alle gängigen Nutzungslängen vom Anfänger bis zum Profi abdecken. Slacklinepark im Volksgarten: Beginnerspark Im Beginnerspark wurde darauf geachtet viele kürzere Aufspannlängen zu ermögli- chen. So sind zwischen Slacklinepfosten und Bäumen vier Slacklinelängen zwischen 5 m und 7,50 m möglich. Für die leicht Fortge- schrittenen gibt es außerdem drei Längen von 9 m bis 11 m. Für die Profis besteht die Mög- lichkeit eine Aufspannlänge von 22,50 m zu nutzen. Der Park liegt zentral im Volksgarten und ermöglicht so den Südkölnern einen gu- ten Zugang. 63Zur Erstellung von Slacklineparks © INÖK Abb. 32: Slack- linepark im Volksgarten: Beginnerspark; Anschlagpunkte: Kombination aus Kölner Slacklinepfosten und Bäumen mit saisonalen Stammschutz Literatur: BfN - Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.) (2008): Menschen Bewegen - Grünflä- chen entwickeln. Ein Handlungskonzept für das Management von Bewegungsräu- men in der Stadt. Bonn - Bad Godesberg: LV Druck GmbH & Co. KG, Münster. ECKL, S., SCHABERT, W. (2009): Sport und Bewegung in Bensheim – Abschlussbe- richt . Institut für Kooperative Planung und Sportentwicklung GbR . Stuttgart. INÖK - Institut für Natursport und Ökologie, Deutsche Sporthochschule Köln (Hrsg.) (2003): Schriftenreihe: Fachbegriffe aus Natursport und Ökologie. Unter Mitarbeit von Ralf Roth, Stefan Türk und Gregor Klos. Offenburg: Sikora (Band 14). REUBER, P. &. SCHNELL P. (2007): Postmoder- ne Freizeitstile und Freizeiträume. Neue Angebote im Tourismus. Berlin: Erich Sch- midt Verlag. ROTH, R., JAKOB, E., KRÄMER, A. (2004): Neue Entwicklungen bei Natursportarten Konfliktpotentiale und Lösungsmöglich- keiten. Institut für Natursport und Ökolo- gie (Hrsg.): Schriftenreihe Natursport und Ökologie – Band 15. WOPP, C. (2002): Selbstorganisiertes Sport- treiben. In J. Dieckert & C. Wopp (Hrsg.), Handbuch Freizeitsport (S. 175-184). Schorndorf: Hofmann. WOPP, C. (2006): Handbuch zur Trendfor- schung im Sport. Welchen Sport treiben wir morgen? Aachen: Meyer & Meyer. NORM DIN EN 1176-1: 2008, Spielplatzgeräte und Spielplatzböden - Teil 1: Allgemeine sicherheitstechnische Anforderungen und Prüfverfahren. Berlin: Beuth. 64 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline NORM DIN EN 1176-7:2008, Spielplatzgeräte und Spielplatzböden - Teil 7: Anleitung für Installation, Inspektion, Wartung und Be- trieb. Berlin: Beuth. NORM DIN EN 1176 Beiblatt 1: 2009, Spiel- platzgeräte und Spielplatzböden – Allge- meine sicherheitstechnische Anforderun- gen und Prüfverfahren; Beiblatt 1. Berlin: Beuth. NORM DIN EN 15567-1:2008, Sport- und Freizeitanlagen - Seilgärten - Teil 1: Kon- struktion und sicherheitstechnische Anfor- derungen. Berlin: Beuth. NORM DIN EN 15567-2:2008, Sport- und Freizeitanlagen - Seilgärten - Teil 2: Anfor- derungen an den Betrieb. Berlin: Beuth. NORM DIN EN 12572-2:2009, Künstliche Kletteranlagen - Teil 2: Sicherheitstech- nische Anforderungen und Prüfverfahren für Boulderwände. Berlin: Beuth. FACHBERICHT DIN SPEC 79600:2011, Si- cherheitsrelevante Anforderungen an die Durchführung von Erlebnisaktivitäten. Berlin: Beuth. GUV-SI 8017 (2005): Außenspielflächen und Spielplatzgelände. München: Bundesver- band der Unfallkassen. 65Kinematische Bewegungsanalyse im Slacklinen © INÖK Olav Schmid1 & Peter Spitzenpfeil1 Kinematische Bewegungsanalyse im Slacklinen Zusammenfassung Das Slacklinen ist eine junge Sportart, de- ren Potential bei weitem nicht ausgeschöpft ist. Dabei ist naheliegend, dass sich die Slack- line optimal als Trainingsergänzungsmittel oder als Therapiegerät eignen könnte. Aller- dings muss dazu dieser jungen Sportart noch der Weg in die Wissenschaft geebnet werden. Vorrangiges Ziel der vorliegenden Studie war die Herausarbeitung einer Methode, um die Hauptmerkmale der sehr komplexen Ausgleichsbewegungen des Slackliners zu analysieren. Damit konnten die ausschlag- gebenden Bewegungsmechanismen quanti- fiziert werden, mit denen sich der Slackliner im Gleichgewicht hält. Des Weiteren erga- ben sich daraus Folgerungen über die unter- schiedlichen Einsatzvarianten dieser Sportart sowie ein Ausblick für Folgestudien. Mit ausgewählten Bewegungsformen wurden die wichtigsten Elemente des Slack- linens abgedeckt, auf denen möglichst viele Bewegungen aufbauen. Das in dieser Stu- die festgelegte Untersuchungsdesign brach- te gute Ergebnisse hervor und hat sich als sehr geeignet erwiesen. Die Regulationsme- chanismen bei den Standvarianten konnten klar ermittelt werden. Die Untersuchungen am Gang jedoch ergaben, dass das Unter- suchungsdesign an dieser Bewegungsform noch optimiert werden muss. Die Ermittlung der ausschlaggebenden Regulationsmechanismen beim Slacklinen und ein Ausblick auf weiterführende Untersuchungen Über einen Gruppenvergleich sowie eine Korrelationsanalyse der einzelnen Teilkör- per konnten die entscheidenden Parameter, Wegstrecke und Geschwindigkeit, erarbeitet werden. Diese Analyse zeigte den qualitativen Unterschied zwischen den Leistungsgruppen, aber auch die Bedeutung der einzelnen Aus- gleichsmechanismen auf. Kernaussage dieser Studie ist, dass die Be- wegung der Beine, insbesondere die der Knie sowie die Unterarmbewegung, den Hauptteil der Ausgleichsbewegung ausmachen. Schlüsselwörter: Slackline; Bewegungsa- nalyse, biomechanisch-kinematische. Einleitung und Problemstellung Im Zuge der vorliegenden Studie wurde die erste empirische biomechanisch-kine- matische Bewegungsanalyse im Slacklinen durchgeführt. Schwerpunkt dieser Studie war die Entwicklung eines Untersuchungsdesigns, mit dem die komplexe, hochfrequente und unbeständige Bewegung allgemeingültig und vergleichbar quantifiziert werden kann. Da diese Sportart keine verwandte Bewe- gungsausführung hat und dadurch auch keine vergleichbaren Bewegungsbeschreibungen, sollte mit der angewandten Methodik eine unabhängige Herangehensweise entwickelt werden. In diesem Zusammenhang wird von der Verwandtschaft zum Seiltanz abgesehen, 1 Technische Universität München 66 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline da das starre Stahlseil im Vergleich zur Slackli- ne keinerlei Eigendynamik aufweist (8). Nicht nur für eine konkrete Bewegungsbe- schreibung und ein daraus folgerndes Tech- nikleitbild ist die Ermittlung der wichtigsten Regulationsmechanismen unerlässlich. Auch für den eventuellen Einsatz der Slackline als Trainingsgerät oder zu präventiven und re- habilitativen Zwecken müssen diese bekannt sein. Die Anforderungen an das Zusammenspiel von Koordination, Konzentration und Ganz- körperspannung sind beste Voraussetzungen, das gespannte Band als Zusatztraining für diverse Sportarten anzuwenden. Doch auch durch die ausladenden Bewegungen liegt die Vermutung nahe, dass das Slacklinen mobi- lisierenden Charakter hat. Durch die inkon- stante, hochfrequente Bewegung muss der stabilisierende Effekt auf die unteren Extre- mitäten besonders hoch sein. Aber beson- ders weil das Training auf der Slackline sehr abwechslungsreich ist und herausfordernden Charakter hat, könnte es in Zukunft großen Anhang finden. Die Slackline hat beste Voraussetzungen, das einseitige Training auf Wackelbrettern, Kreiseln oder ähnlichem abzulösen und ihr so- mit ein ähnlich breites Anwendungsspektrum wie des Peziballs zu eröffnen. Der Gymnastik- ball ist wohl das am vielseitigsten einsetzbare Trainings- und Therapiegerät (1). Speziell bei Skifahrern, Langläufern, Biath- leten, Kletterern und Brettsportlern aller Art hat das balancieren auf dem breiten Band bereits großen Anhang gefunden. Selbst im Hochleistungssport ist die Slackline kein un- gewöhnliches Trainingsgerät mehr (12) und auch in Therapieeinrichtungen ist dieses neue Gerät immer häufiger wieder zu finden. Sei es in der rehabilitativen Behandlung von ortho- pädischen Verletzungen oder bei der präven- tiven Unterstützung der Körperbewusstseins- schulung. Nicht zuletzt die Tatsache, dass in unzähligen Vereinen bereits kommerzielle Kurse für diese neue Trendsportart angebo- ten werden und das Slacklinen selbst an Uni- versitäten als Pflichtveranstaltung eingeführt wurde, macht die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen deutlich. Diese Studie formulierte die konkreten Ausgleichsmechanismen, um dadurch wei- teren biomechanischen Untersuchungen den Weg zu ebnen. Es wurde ein Weg ermittelt, mit dem eine Analyse dieser komplexen Be- wegung möglich wurde. Genauer wurden Werte definiert, mit denen Zusammenhän- ge sowohl zwischen den Gruppen als auch innerhalb der Bewegung eines Individuums möglich waren. Eine Bewegung allgemein definiert sich über den Ortswechsel in der Zeit (7). Davon abgeleitet wurden die zwei Parameter Weg- strecke und Geschwindigkeit aller einzelnen Teilkörper für die Quantifizierung der Be- wegungen herangezogen. Dabei galt der Körperschwerpunkt als das aussagekräftige Kriterium für das Gleichgewicht, da an ihm alle äußeren Kräfte angreifen (9). Demnach stand er stellvertretend für die Stabilität, be- ziehungsweise Instabilität, mit der sich der Sportler auf dem wackeligen Band bewegt. Um die Ausgleichsmechanismen zu be- werten, wurden zwei unterschiedliche Heran- gehensweisen angewendet. Zum einen wur- de eine einfaktorielle Varianzanalyse mit un- terschiedlichen Leistungsgruppen angestellt. 67Kinematische Bewegungsanalyse im Slacklinen © INÖK Mit diesem Gruppenvergleich wurde der qualitative Aspekt mit einbezogen, den der erfahrene und routinierte Slackliner gegen- über seinen unerfahreneren Sportsfreunden aufweist. Die Bewegung des Könners galt als Muster einer hochwertigen Bewegung, da er durch seine Überlegenheit stets flexibler und aktionsbereiter ist. Zweitens konnten über die Parameter Weg und Geschwindigkeit die Zusammen- hänge zwischen der Körperschwerpunktbe- wegung und den weiteren Teilkörperbewe- gungen berechnet werden. Dadurch wurden Rückschlüsse möglich, welche Teilkörper im Einzelnen in direktem Zusammenhang mit dem Körperschwerpunkt stehen und für die Stabilität bzw. die Instabilität verantwortlich sind. Nun konnte über diese beiden Herange- hensweisen aufgezeigt werden, in welcher Form die entsprechenden Bewegungen die Stabilität des Slackliners beeinflussen und somit als ausschlaggebender Regulationsme- chanismus definiert werden kann. Methoden Testpersonen An der Studie nahmen 26 Probanden (12 w, 14 m) teil, mit dem Augenmerk, dass ein größtmögliches Leistungsspektrum der Probanden in die Untersuchungen aufge- nommen wird. Diese wurden weiter in drei Leistungsgruppen eingeteilt: Anfänger, Fort- geschrittene, Könner. Die Einteilung wurde anhand eines Fragebogens und einer Ein- gangsuntersuchung ermittelt. Bewegungsausführungen Damit die Untersuchungen möglichst große Aussagekraft und Praxisbezug haben, wurden entsprechende Bewegungsformen ausgewählt, auf denen möglichst viele Bewe- gungen und Tricks aufbauen. Zudem mussten diese sowohl für Anfänger als auch für Kön- ner zu realisieren sein. Im Einzelnen waren das der Einbeinstand, der Querstand und der Gang. Ablauf der Untersuchungen Die Untersuchungen wurden im Herbst 2008 im Biomechanischen Labor des BFTS (TU München) durchgeführt. Nachdem die anthropometrischen Daten erfasst wurden, durchliefen die Probanden einzeln die jewei- ligen Bewegungsformen. Auf der Slackline waren Markierungen angebracht, auf denen die einzelnen Bewe- gungen auszuführenden sind. Dabei musste der Einbeinstand auf dem rechten Bein statt- finden. Der Gang begann mit einem Schritt des linken Beines. Messgeräte Slackline Für die Untersuchungen wurde ein Flach- band mit handelsüblicher Industrieratsche verwendet, damit Aussagen für ein möglichst weites Anwenderfeld möglich werden. Es wurde in einer Höhe von 80 cm gespannt. Die Gesamtlänge betrug 7,60 m (effektive Länge 6,90 m), hatte eine Breite von 35 mm und einen Durchhang von 47 cm. Die Gebrauchs- dehnung lag bei 2,5 %. Zudem wurde die Slackline mit Markierungen versehen auf de- nen die einzelnen Bewegungsausführungen zu vollführen waren. 68 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline VICON VICON ist ein dreidimensionales Analyse- system zur kinematischen Darstellung von Be- wegungen und deren Auswertung. Es basiert auf Infrarot-Technik, dessen spezielle Kame- ras nur reflektierende Oberflächen erkennen können. Dazu wird das zu untersuchende Ob- jekt an aussagekräftigen Körperpunkten mit entsprechend reflektierenden Markern verse- hen, die wiederum eine definierte Größe ha- ben. Das System kann nun über die erkann- te Größe die exakte Entfernung eines jeden Markers berechnen. Über die Aufnahme einer weiteren synchronisierten Kamera entsteht ein dreidimensionales Bild, das zur kinemetri- schen Auswertung herangezogen wurde. Werden anschließend die einzelnen Mar- ker benannt, erkennt das System jeden Pro- banden anhand seiner anthropometrischen Merkmale wieder (siehe Abb. 1). Das System gibt den Wegverlauf der Mar- ker in allen drei Ebenen zeitlich in tabella- rischer Form wieder. Statistische Verfahren Die statistische Auswertung der Daten er- folgte mit SPSS und mit MS-Excel. Neben der deskriptiven Statistik zu Erhebung der Mittel- werte und Standardabweichung wurden die Daten varianz- und korrelationsanalytisch ver- arbeitet (13). Die Mittelwerte des Zeit- und Wegver- laufes der drei Leistungsgruppen wurden auf ihre Zusammenhänge hin geprüft. Im Sinne dieser Untersuchung wurde vor- erst ein Gruppenvergleich angestellt, um auf die Unterschiede der jeweiligen Könnerstufen aufmerksam zu machen. Das Signifikanzni- veau lag hierbei bei α < 0,05. Diese Differenzen wurden anschließend genauer analysiert, indem die auffälligen Kör- perteile aus dem Gruppenvergleich in Bezug zum Körperschwerpunkt gesetzt wurden - also eine bivariate Korrelationsanalyse nach Pearson. Auch hier lag das Signifikanzniveau bei α < 0,05. Der Körperschwerpunkt wurde nach dem Modell von Hanavan berechnet (9). Abb. 1: Proband beim Einbein- stand. 69Kinematische Bewegungsanalyse im Slacklinen © INÖK Ergebnisse Zur besseren Übersicht sind die unter- schiedlichen Standvarianten einzelnen aufge- führt. Desweiteren werden die verschiedenen statistischen Auswertungsmethoden einzeln besprochen. Einbeinstand Gruppenvergleich Wie in Tabelle 1 beispielhaft am Körper- schwerpunkt (KSP) zu erkennen ist, unter- scheiden sich die Mittelwerte der einzelnen Körpersegmente der Probanden aus den drei Leistungskategorien hinsichtlich der zurück- gelegten Wegstrecke, als auch der Geschwin- digkeit. Der allgemeine Trend geht dahin, dass sich bei zunehmendem Leistungsniveau die Wegstrecke, wie auch die Geschwindig- keit der einzelnen Teilkörper verringert. Je- doch bricht die Armbewegung diese Regel. Die Werte variieren zwischen 3,60 m bzw. 0,72 m/s (rechte Hand eines Fortgeschrit- tenen) und 0,12 m bzw. 0,02 m/s (Körper- schwerpunkt eines Könners) je nach Körper- teil. Hinsichtlich des Trends der zunehmenden Wegstrecke bei abnehmendem Leistungssta- tus, sind die Unterschiede der Mittelwerte jedoch nur bei folgenden Teilkörpern signifi- kant: re. Knie, re. Fuß, beide Schultern, Kopf, Nacken, KSP. Demnach sind bei der Hüfte, beiden Armen und dem linken Bein keine charakteristischen Unterschiede zu erkennen. Abbildung 2 zeigt beispielhaft die Bezie- hung zwischen der Wegstrecke des Körper- schwerpunktes und der Leistungskategorie. Dabei bewegt sich dieser im Mittel bei den Anfängern bei 29 cm, während es beim Fort- geschrittenen 21 cm und beim Könner 18 cm sind. Dieser Trend trifft sowohl bei Geschwin- digkeit als auch Wegstrecke auf alle Teilkörper zu. Nur die Hände zeigen einen gegenteiligen Trend. Bei ihnen nimmt die Geschwindigkeit und die Wegstrecke mit zunehmendem Lei- stungsniveau zu (Abb. 3). Korrelationsanalyse In Bezug auf die zurückgelegte Wegstre- cke gibt Tabelle 2 einen Gesamtüberblick aller drei Leistungsgruppen. Dargestellt wird der Zusammenhang aller Körperteile zum Körper- schwerpunkt. Die Markierungen weisen auf ein Signifikanzniveau von mind. 0,05 hin. Körpersegment Leistungskategorie Mittelwert Standardabweichung Minimum Maximum S_KSP Anfänger 0,29 0,10 0,11 0,44 Fortgeschrittener 0,21 0,08 0,11 0,32 Könner 0,18 0,05 0,13 0,27 Tab. 1: Un- terschied der Mittelwerte der zurückgelegten Wegstrecke (s) von den einzel- nen Körperseg- menten in Bezug zur Leistungs- kategorie beim Einbeinstand am Bsp. des KSP. Angaben in m. Abb. 2: Beispiel- hafte Darstellung des Bewe- gungsausmaßes vom KSP beim Einbeinstand hinsichtlich der unterschied- lichen Leistungs- kategorien. Angaben in m. 70 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline Querstand Gruppenvergleich Wie in Tabelle 1 beispielhaft zu erkennen ist, unterscheiden sich auch beim Querstand die Mittelwerte der einzelnen Körperseg- mente der Probanden aus den drei Leistungs- kategorien hinsichtlich der zurückgelegten Wegstrecke als auch der Geschwindigkeit. Der allgemeine Trend geht dahin, dass sich bei zunehmendem Leistungsniveau die Weg- strecke, wie auch die Geschwindigkeit der einzelnen Teilkörper verringert. Insgesamt variieren die Werte je nach Kör- perteil zwischen 9,23 m bzw. 2,42 m/s (rech- te Hand eines Anfängers) und 25 cm bzw. 0,05 m/s (Körperschwerpunkt eines Könners). Weiter ist zu erkennen, dass sich die Be- wegungen folgender Körperteile sowohl zwischen Anfängern und Könnern, zwischen Anfängern und Fortgeschrittenen als auch zwischen Fortgeschrittenen und Könnern un- terscheiden: Nacken, rechte Hand, linke Hüf- te und rechtes Knie. Also unterscheiden sich alle drei Grup- pen in der Bewegungsgeschwindigkeit dieser Körperteile: Kopf, linker Arm (Schulter, Ellen- bogen, Hand), rechte Schulter, rechte Hüfte und linkes Knie unterscheiden sich jeweils nur zwischen den Könnern und den beiden ande- ren Gruppen auf dem Signifikanzniveau von 0,05. Übrig bleiben noch der rechte Ellenbo- gen und beide Füße. Die Geschwindigkeiten dieser Teilkörper unterscheiden sich nur zwi- schen den Anfängern und den Könnern. Abgesehen vom Körperschwerpunkt be- steht zwischen der Gruppe der Anfänger und der der Könner bei allen restlichen Körperseg- menten ein signifikanter Unterschied. Die Ge- schwindigkeit des Körperschwerpunktes aber unterscheidet sich nur zwischen den Fortge- schrittenen und den Könnern. Korrelationsanalyse In Bezug auf die zurückgelegte Wegstre- Abb. 3: Darstel- lung vom Bewe- gungsausmaß der linken Hand beim Einbein- stand in Ab- hängigkeit vom Leistungsniveau. Angaben in m. Tab. 2: tabella- rische Auflistung der Korrelati- onen zwischen dem KSP und den weiteren Körperseg- menten beim Einbeinstand in Abhängigkeit des Leistungsni- veaus. * Die Korrelati- on ist auf dem Niveau von 0,05 (2-seitig) signifi- kant. Körper- segment S_KSP Anfänger Fortgeschrit- tener Könner S_Kopf ,717* ,808* 0,11 S_C7 0,51 ,719* 0,355 S_li.Schulter ,779* ,871* 0,653 S_li.Elbo 0,492 ,956* 0,744 S_li.Hand 0,472 ,781* 0,781 S_re.Schulter ,869* ,835* 0,744 S_re.Elbo ,718* ,935* ,990* S_re.Hand 0,354 ,808* ,976* S_li.Hüft ,885* ,965* ,996* S_re.Hüft ,943* ,955* ,997* S_li.Knie ,889* ,801* 0,638 S_li.Fuß ,890* ,787* 0,616 S_re.Knie ,803* ,910* ,899* S_re.Fuß ,746* ,906* 0,789 71Kinematische Bewegungsanalyse im Slacklinen © INÖK cke gibt Tabelle 3 einen Gesamtüberblick aller drei Leistungsgruppen. Dargestellt wird der Zusammenhang aller Körperteile zum Körper- schwerpunkt. Die Markierungen weisen auf ein Signifikanzniveau von mind. 0,05 hin. Diskussion Das Slacklinen hat sich in den letzten Jah- ren insbesondere im Freizeitsport etabliert. Wie bereits erläutert, hat die Slackline jedoch weitaus mehr Möglichkeiten als den reinen Spaßgebrauch. Um diesem potentiellen Trai- nings- und Therapiegerät den Einzug in die Wissenschaft zu ebnen, wurde im Zuge der vorliegenden Studie ein Weg ermittelt, um die Hauptmerkmale dieser sehr komplexen Bewegung beim Slacklinen zu analysieren. Methodik Im Gesamten hat sich die angewandte Untersuchungsmethodik als sehr geeignet erwiesen. Durch die Parameterwahl mit Weg- strecke und Geschwindigkeit der einzelnen Körperteile konnten gut auszuwertende Er- gebnisse ermittelt werden. Zwar wurden alle potentiellen Fehlermög- lichkeiten bei der 3D-Analyse (11) kontrol- liert, trotzdem sind die Ergebnisse durch die geringe Anzahl der Probanden mit Vorsicht zu genießen. Eine zweite Problematik be- stand in der Interpretation der Ergebnisse des Ganges. Die Parameter Wegstrecke und Ge- schwindigkeit sind nur schwer zwischen den Gruppen vergleichbar, wenn die Probanden unterschiedlich große Schritte machen bzw. Abb. 4: beispiel- hafte Darstellung des Bewegungs- ausmaßes vom KSP beim Quer- stand hinsichtlich der unterschied- lichen Leistungs- kategorien. Angaben in m. Körper- segment S_KSP Anfänger Fortge- schrittener Könner S_Kopf 0,737 ,784* ,991* S_C7 0,518 ,750* ,976* S_li.Schulter 0,691 ,822* ,990* S_li.Elbo 0,715 ,821* ,994* S_li.Hand 0,193 ,817* ,978* S_re.Schulter 0,917 ,663* ,970* S_re.Elbo 0,887 ,671* ,977* S_re.Hand -0,461 ,736* ,990* S_li.Hüft -0,931 ,749* ,982* S_re.Hüft 0,299 0,407 ,946* S_li.Knie 0,201 0,422 ,994* S_li.Fuß 0,464 0,393 ,864* S_re.Knie -,981* 0,44 ,995* S_re.Fuß 0,642 0,377 ,899* Tab. 3: tabella- rische Auflistung der Korrelati- onen zwischen dem KSP und den weiteren Körperseg- menten beim Querstand in Abhängigkeit des Leistungsni- veaus. * Die Korrelati- on ist auf dem Niveau von 0,05 (2-seitig) signifi- kant. sich unterschiedlich schnell vorwärts bewe- gen. Hier würde es sich anbieten künftig die Anzahl der Schritte und deren Länge zu defi- nieren. Zumal die Ergebnisse sehr deutlich sind und ein wichtiger Ansatz dieser Ausarbeitung darin bestand, eine Basis zu schaffen, auf der in Folgeprojekten weiter geforscht werden kann, sind diese Unzulänglichkeiten vielmehr als Optimierungsmöglichkeit zu betrachten. 72 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline Ergebnisse Die Diskussion der einzelnen Bewegungs- ausführungen beinhaltet zwei grundlegende Ansätze: Einfaktorielle Varianzanalyse Dieser Gruppenvergleich ließ genauere Aussagen sowohl über die Bedeutung als auch die Qualität der einzelnen Teilkörperbe- wegungen zu, wobei die Bewegung des Kön- ners hierbei als Musterbewegung galt. Die Bewegungsaufgabe war zwar schon dann erfüllt, wenn ein Stehen beziehungsweise das Gehen auf dem Band gewährleistet war. Der Könner war darüber hinaus jedoch durch seine Überlegenheit der Bewegungsaufgabe stets flexibler und aktionsbereiter und konnte somit schwerere und komplexere Aufgaben bewältigen. Somit waren die Werte des Kön- ners der Richtwert einer qualitativ hochwer- tigen Bewegung. Korrelationsanalyse Die Korrelationen zwischen dem Körper- schwerpunkt und der weiteren Teilkörper er- möglichten aufbauend auf der Varianzanaly- se konkretere Aussagen über die Auswirkung der einzelnen Teilkörperbewegungen auf die Stabilität und somit auf die Bedeutsamkeit der einzelnen Ausgleichsmechanismen. Die Höhe des Signifikanzniveaus war dabei nicht pauschal zu interpretieren. Durch eine hohe Signifikanz kann nicht gleich darauf geschlos- sen werden, dass das entsprechende Kör- perteil einen stabilisierenden Effekt auf den Körperschwerpunkt habe oder umgekehrt. Vielmehr waren die Korrelationen dahinge- hend zu interpretieren, dass die Bewegungen des Körperschwerpunktes und des entspre- chenden Segments einen klaren Zusammen- hang aufwiesen und sich somit gegenseitig beeinflussen. Auf welche Weise musste stets im Zusammenhang mit der Körperschwer- punkts- bzw. der Gesamtbewegung gesehen werden. Im Folgenden sollen nun die Ergebnisse des Querstandes und des Einbeinstandes ein- zeln aufgelistet werden. Querstand Beim Querstand ist sehr deutlich zu erken- nen, dass bei jedem Körperteil signifikante Unterschiede zwischen den drei Leistungs- gruppen bestehen. Hier können demnach sehr gut Rückschlüsse auf die qualitativen Unterschiede bei der Bewegungsausführung, wie sich die Bewegung im Verhältnis zum Lei- stungsniveau verändert, gezogen werden. Wie erwartet, bewegen sich die Teilkörper der Anfänger nicht nur am meisten, sondern auch am schnellsten. Der Könner bewegt sich in jeglicher Hinsicht am ruhigsten. Daraus lässt sich schließen, dass eine ruhige Bewe- gung qualitativ hochwertiger ist. Der Pro- band erfüllt die Bewegungsaufgabe insofern besser, als dass er nicht nur stehen, sondern durch seine Ruhe auch aktionsbereiter und flexibler bleibt. Auf alle Körperteile gesehen, kommen selbst die Extremwerte von Weg und Ge- schwindigkeit der Könner nicht einmal an die Mittelwerte der Anfänger heran. Weiterhin wird in diesem Zusammenhang klar, dass die Eigenbewegung der Slackline an sich - ge- messen an den Füßen, die fix auf dem Band stehen - bei den Anfängern weitaus höher ist als die der Könner. 73Kinematische Bewegungsanalyse im Slacklinen © INÖK Woran aber liegt es, dass der Könner ru- higer steht? Bei einem genaueren Blick auf die Korrelationen der Wegstrecke ist deutlich festzustellen, dass beim Querstand nur die Könner signifikante Zusammenhänge zwi- schen der Bein- und Körperschwerpunktbe- wegung aufzeigen. Im Gegensatz zu den anderen Gruppen, weisen nur die Könner hohe Signifikanzen zwischen Körperschwerpunkt und den ge- samten unteren Extremitäten auf. Folglich liegt der Schlüssel zu einer qualitativ hoch- wertigen Bewegung in einer effektiven Bein- arbeit, speziell bei den Knien. Weiter ist zu erkennen, dass der Unter- schied zwischen Könnern und Fortgeschrit- tenen verhältnismäßig geringer ist als der zwischen Fortgeschrittenem und Anfänger. Daraus lässt sich schließen, dass sich die Be- wegung recht schnell erlernen und umsetzen lässt. Einbeinstand Fast alle Körperteile weisen denselben Trend einer ruhigeren Bewegung bei zuneh- mendem Leistungsniveau auf. Auch die Kör- perschwerpunktbewegung bei den Könnern ist deutlich ruhiger als die der beiden anderen Gruppen. Sie stehen somit stabiler und akti- onsbereiter. Jedoch wurde bereits bei der Ergebnisdar- stellung eine Ausnahme besonders deutlich. Die Hände zeigen einen gegenteiligen Trend. Zwar sind die Unterschiede nicht signifikant, aber erstaunlicherweise und entgegen den Erwartungen bewegen sich die Hände der Könner am meisten. Wobei sich die Ellenbo- gen aller Gruppen dennoch dem allgemei- nen Trend der ruhigeren Bewegung bei zu- nehmendem Leistungsniveau fügen. Daraus kann klar gedeutet werden, dass die Hände einen wichtigen Teil der Ausgleichsbewegung übernehmen, indem sie sich viel und schnell bewegen. Weiter unterscheiden sich die drei Grup- pen hinsichtlich ihrer Bewegung des Stand- beines. Die Kniebewegung des Könners und des Fortgeschrittenen weisen einen signifi- kanten Unterschied zu denen der Anfänger auf. Demzufolge handelt es sich hierbei um einen ausschlaggebenden Mechanismus, der dem Könner verhilft, seinen Körperschwer- punkt ruhig zu halten. Auch beim Einbein- stand kann folglich wieder darauf geschlos- sen werden, dass der Schlüssel einer ruhigen Bewegung im Standbein liegt. Das linke freie Bein der Könner, das den Erwartungen nach sehr große Ausgleichsar- beit leisten soll, zeigt eine auffällig geringe Korrelation zum Körperschwerpunkt. Also bewegt sich der linke Fuß weitaus mehr als der Körperschwerpunkt und leistet somit viel Ausgleichsarbeit. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Kniearbeit des Standbeines wieder eine Schlüsselaufgabe bei der Aus- gleichsbewegung übernimmt. Aber auch das freie Bein ist ein wichtiges Instrument für den Slackliner, um sich damit in der Balance zu halten. Interessanterweise bewegt der Kön- ner jedoch seine Hände im Gruppenvergleich am meisten. Also sind nicht, wie erwartet, die gesamten Arme für ein stabiles Gleichge- weicht verantwortlich, sondern hauptsächlich die Unterarme. 74 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline Praxisrelevanz Für den Einsatz in der Therapie kann ge- sagt werden, dass noch einige Studien aus- stehen, um klare Richtlinien festzulegen. Nach den gewonnen Erkenntnissen bietet die Slackline jedenfalls großes Potential zum Ein- satz als Therapiegerät. Weiter wurde erörtert, dass sie beste Voraussetzungen bietet, um in das Training von Leistungssportlern integriert zu werden. Nicht zuletzt weil der Lernerfolg zwischen einem Anfänger und einem Fort- geschrittenen besonders groß ist und somit nach kurzer Eingewöhnungsphase bereits ein spezifisches Training mit der Slackline stattfin- den kann. Ausblick Abschließend sei angemerkt, dass die Sportart Slackline mit ihrem vollen Poten- tial ein sehr großes Forschungsfeld bietet, welches in naher Zukunft noch viele Fragen zur Klärung offen hält. Im Zuge dieser Arbeit wurden als Schwer- punkt die Ausgleichsbewegungen ermittelt. Als nächster Schritt wären neben der Weg- strecke und Geschwindigkeit die Beschleuni- gung und die Richtungswechsel der Teilkör- perbewegungen genauer zu betrachten. Da- durch können konkretere Aussagen über die Regulationsmechanismen angestellt werden. Weiter sollten die Trainingseffekte durch ein regelmäßiges Üben auf der Slackline nä- her untersucht werden. Zum einen die Aus- wirkungen auf die koordinativen Fähigkeiten, speziell die Gleichgewichtsfähigkeit, und zum anderen der stabilisierende Effekt, vor allem in den unteren Extremitäten und dem Rumpf. Eine mögliche Herangehensweise wäre hier das Messen der Co-Kontraktion mittels EMG an den jeweiligen Synergisten und deren An- tagonisten. Um der Slackline den vertiefenden Weg in Therapie und Training zu erleichtern, ist die Berechnung über die intern wirkenden Kräfte unerlässlich, speziell im Sprunggelenk und im Knie. Dies wäre über inverse bzw. direkte Dy- namik möglich. In diesem Zusammenhang wäre wieder in- teressant, in welcher Form die Slackline in die Therapie aufgenommen werden könnte. Also müsste aufbauend auf den Ausführungen von Kroiß (10) eine methodisch-didaktische Reihe mit konkreter Anwendung von Hilfsmitteln speziell für rehabilitative und präventive Zwe- cke erstellt werden. Dass sie dort sicher groß- en Anhang findet, liegt auf der Hand. Denn wie Bizzini (4) festhielt, eignen sich speziell Geräte zur Unterstützung der Rehabilitation am besten, „die den peripheren propriore- zeptiven Informationsfluss gezielt stimulie- ren und damit die neuromuskulären Stabili- sationssynergien des Patienten optimieren.“ Eventuell könnten diese Untersuchungen der Slackline sogar den Einzug in die medi- zinische Kartei ermöglichen und folgedessen die Zulassung als geprüftes Therapiegerät. Ganz abgesehen von den physiologischen Trainingseffekten sollten in naher Zukunft auch Untersuchungen im Bereich der kogni- tiven Lernprozesse angestellt werden, wie des Konzentrationstrainings oder der Körper- wahrnehmungsschulung. Zudem könnten all diese gewonnen Er- kenntnisse zu einem konkreten Anforde- rungsprofil und weiter in ein Technikleitbild verfasst werden. Wobei hierbei anzumerken 75Kinematische Bewegungsanalyse im Slacklinen © INÖK sei, dass bei jeder sportlichen Bewegung und Technik gewisse Freiheiten und individuelle Bewegungsmuster nicht nur legitim, sondern erwünscht sind. Besonders bei solch einer jungen Sportart wie dem Slacklinen ist dies von großer Bedeutung. Die Technikbeschrei- bungen dürfen den Sportler in keine zu enge Norm pressen und müssen viele Freiheiten offen lassen. Erst dann behält das Slacklinen in Zukunft noch großes Entwicklungspotenti- al. Ein Zitat von Scott Balcom (2) bringt dies deutlich zum Ausdruck: “If you break the rules well enough, new art will be made.” Und nebst jeder Möglichkeit der Slackline, den Weg in die Wissenschaft zu ermöglichen, darf die Freiheit dieser Bewegungskunst nicht verloren gehen. Literatur (1) Albrecht, K. (2006). Funktionelles Trai- ning mit dem großen Ball. Stuttgart: Haug. (2) Balcom, S. (2005). Walk the Line –The Art of Balance and the Craft of Slackline. Ashland/Oregon, USA: SlackDaddy Press. (3) Ballreich, R. (1996). Einführung in die Bi- omechanik des Sports. In R. Ballreich, W. Baumann. Grundlagen der Biomechanik des Sports. Probleme – Methoden - Mo- delle, 1-12. Stuttgart: Enke. (4) Bizzini, M. (2000). Sensomotorische Rehabilitation nach Beinverletzungen. Stuttgart: Thieme. (5) Bös, K., Hänsel F., Schott N. (2000). Em- pirische Untersuchungen in der Sport- wissenschaft. Hamburg: Czwalina. (6) Froböse, I., Nellessen, G., Wilke, C. (2003). Training in der Therapie – Grund- lagen und Praxis. München: Urban & Fi- scher. (7) Göhner, U. (1999). Bewegungslehre und Biomechanikdes Sports - Eine Praxisori- entierte Darstellung. Tübingen: Göhner. (8) Grabowiecki, U. von (1998): Spielerische Äquilibristik: Drahtseil-Balancen. In: Der Übungsleiter, 31 Jg., Heft 9+10 (9) Hanavan, E.P. (1964). A Mathematical Model of the Human Body. Ohio: Wright- Patterson. (10) Kroiß, A.(2007). Der Trendsport Slackline und seine Anwendungsmöglichkeiten im Schulsport. Zulassungsarbeit zum ersten Staatsexamen, Technische Universität München. (11) Matschkur, T. (2002). Biomechanisch- kinemetrische Bewegungsanalyse und Ansätze zur Bewegungssteuerung für ein Training im Wellenreiten. Dissertati- on, Technische Universität München. (12) Neureuther, F. (2008). Telefongespräch vom 3.05.2008. (13) Rasch, Friese, Hofmann & Naumann (2006). Quantitative Methoden. Band 2. Heidelberg: Springer. 76 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline 77Vergleich verschiedener Lehrkonzepte im Slacklinen © INÖK Andreas Thomann1 & Barbara Eigenschenk2 Vergleich verschiedener Lehrkonzepte im Slacklinen Einleitung Slacklinen bezeichnet das Balancieren auf einem elastischen Band. Diese Kunst des mo- dernen Seiltanzes wurde bereits vor über 30 Jahren in der amerikanischen Kletterszene geboren und erfreut sich seit einigen Jahren auch im europäischen Raum immer größe- rer Beliebtheit. Die Trendsportart hat da- bei längst die Kreise der Kletterer verlassen und erfährt derzeit eine rapide Entwicklung. Slacklines werden verbessert, die sportlichen Leistungen der Sportler steigen und der Ein- satzbereich der Sportart differenziert sich aus. Durch das starke Medieninteresse und die Tätigkeit von Vereinen und Verbänden wird Slacklinen mehr und mehr zum Breitensport. Je mehr nun Slacklinen die Bühne des infor- mellen Sports der Stadtparks verlässt und zunehmend im institutionellen Sporttreiben in Schule und Verein Einzug hält, desto drin- gender stellt sich die Frage, wie diese neue Sportart erlernt bzw. vermittelt werden kann. Diese Studie stellt zwei gängige Lernkonzepte gegenüber. Forschungsstand Als erster befasste sich Kroiß (2007) in seiner Arbeit „Slacklinen im Schulsport“ mit der optimalen methodischen Herangehens- weise. Er untersuchte mit Schülern der Jahr- gangsstufen 2, 4, 5/6, 8 und 10 (n = 100) die Anwendung verschiedener methodischer Hilfen und evaluierte deren Schwierigkeits- grad. Die Schüler hatten keine Vorerfahrung in der Sportart. So wurde die Sportstunde als Anfängerunterricht konzipiert, in dem nach einer Aufwärmphase im Stationsbe- trieb mit verschiedenen methodischen Hilfs- mitteln sowie dem freien Gehen auf der Line ein Einstieg in die Sportart gegeben wurde. Die Faszination für die Sportart spiegelt sich in seinen Ergebnissen wieder. Allen Schülern hatte die Stunde gefallen. 87% bewerteten die Stunde auf einer vierstufigen Skala (1 sehr gut - 4 gar nicht) mit sehr gut. Die restlichen 13% gaben der Stunde die Note zwei. Ein weiteres wesentliches Ergebnis seiner Studie war, dass das freie Üben von den Schülern im Durchschnitt als zu schwer bewertet wurde (vgl. Abb. 1). In den folgenden Jahren kristallisierten sich zwei Herangehensweisen im Anfänger- bereich heraus. Während man sich im infor- mellen Sporttreiben vor allem des explora- tiven Lernkonzepts „It‘s just one foot in front of the other“ (Carpenter, o.J.) bedient und auf Hilfsmittel verzichtet, hat sich aufbauend Abb. 1: Schwie- rigkeit der Sta- tionen; -1= sehr leicht; 0=gerade richtig; +1=zu schwer (Kroiß 2007) 1 Deutsche Sporthochschule Köln, Institut für Natursport und Ökologie 2 Universität Bern, Institut für Sportwissenschaft 78 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline auf der Arbeit von Kroiß ein alternativer Me- thodenmix im Lehren und Lernen herausge- bildet. Vorübungen aus dem Gleichgewichts- training, verschiedene methodische Reihen und viele methodische Hilfsmittel werden dabei eingesetzt, um einen attraktiven Un- terricht zu gestalten. Die Argumentation für die jeweilige Herangehensweise soll im Fol- genden kurz erläutert werden: Bewegungslernern ohne methodische Hilfsmittel Hierbei soll auf Hilfestellungen weitge- hend verzichtet werden, da diese, laut Mei- nung der Befürworter, das Gesamtsystem der Slackline beeinflussen (Schwingungsver- halten, etc.) und dadurch den Lernprozess behindern (u.a. Rom 2009). Nach Schöllhorn (2009) werden eben diese freien Bewegungen mit Lernen nach dem Prinzip des Versuch – Irrtum (Trial and Error) erreicht (siehe auch Birklbauer 2006). Sie lässt sich demnach dem schülerzentrierten, explorativen Bewegungs- lernen zuschreiben. Das hilfsmittelfreie Üben besitzt neben dem Effekt des unverfälschten Gesamtsystems auch den Vorteil, dass das Absteigen und Abspringen von der Line von Anfang an geübt wird. Aus sicherheitstech- nischen Gründen und hinsichtlich der Verlet- zungsprophylaxe darf dieser Aspekt nicht aus den Augen verloren werden. Bewegungslernen mit methodischen Hilfsmitteln Der Einsatz verschiedener Hilfsmittel und Hilfestellungen unterstützt die Gleichge- wichtsfähigkeit des Lernenden, wodurch er- reicht werden soll, dass er bei seinen ersten Gehversuchen auf der Slackline bereits län- gere Strecken zurücklegen kann. Je länger der Lernende sich auf der Slackline aufhält, desto länger kann er sich an das Schwingungsver- halten der Line gewöhnen. Die Zielform des Slacklinens, das freie Gehen, erreicht der Lernende über einen Abbau der Hilfsmittel, bis er die Schwingungen der Slackline selbst- ständig und ohne externe Hilfe ausgleichen kann. Durch die Reduzierung des Schwierig- keitsgrades über geeignete Hilfen können be- reits frühzeitig Tricks auf der Line einstudiert werden. Fragestellung In der hier vorgestellten Studie wurden diese zwei gängigen methodischen Heran- Abb. 2: Metho- dische Hilfsmittel (von links oben): Hilfestellung mit zwei Personen, Hilfestellung mit einer Per- son, Stöcke, Halteseil mit zwei Personen, Barrengasse, Rookie-Rope Seitenansicht, Rookie-Rope Frontalansicht, “Hängebrücke” (Slalom Stöcke), Sprung mit einer Hilfestellung 79Vergleich verschiedener Lehrkonzepte im Slacklinen © INÖK gehensweisen in Bezug auf folgende Fragen gegenübergestellt. Inwiefern unterscheiden sich die zwei Lernmethoden hinsichtlich der Fertigkeitsentwicklung, der Attraktivität des Unterrichts sowie der Lernmotivation der Schüler? Untersuchungsdesign Zur Überprüfung der Fragestellung wurde eine Interventions-Studie mit drei Schulklas- sen der 11. Und 12. Jahrgangsstufe Gymna- sium (n = 51 Schüler; Durchschnittsalter 17 Jahre) durchgeführt. Gruppe A und B nahmen an drei Unterrichtseinheiten zu je 90 min teil. Gruppe C wurde zwei Einheiten unterrichtet. Das Fertigkeitsniveau der Gruppen A und B im Slacklinen wurde zu vier Zeitpunkten bestimmt. Vor der ersten Unterrichtseinheit und jeweils zum Ende wurde die bewältigte Distanz im freien Gehen auf einer 8 m langen Slackline gemessen und so die Fertigkeitsent- wicklung der Teilnehmer über den Untersu- chungszeitraum dokumentiert. Die Attraktivität der methodischen Hilfs- mittel wurde mit einem Fragebogen erhoben. Dieser beinhaltete geschlossene und offene Fragen. Bei den geschlossenen Fragen war entweder eine Nennung (beliebteste/unbe- liebteste Station) oder eine Bewertung auf der deutschen Schulnoten Skala 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend) zu tätigen. Offene Fragen wurden inhaltsanalytisch ausgewertet und in Antwortkategorien zusammengefasst. Zur Attraktivität des Unterrichts sowie zur Lernmotivation der Schüler tätigten die an- wesenden Lehrer in leitfadengestützten Inter- views Aussagen. Zusätzliche Informationen konnten über eine offene teilnehmende Be- obachtung des Versuchsleiters aufgenommen werden. Unterrichtsdesign Gruppe A: Bewegungslernern ohne methodische Hilfsmittel (n = 17) Der Unterricht wurde schülerzentriert durchgeführt. Die Zielform der Bewegung sollte über exploratives Lernen nach dem Trail and Error Prinzip erreicht werden. So gab der Versuchsleiter den verwendeten ma- teriellen Rahmen (9 Slacklinestationen), eine Sicherheitseinweisung und die Zielform vor. Ansonsten gliederte er sich als Übender der Versuchsgruppe ein und motivierte die Schü- ler dazu, die optimalen Bewegungsausfüh- rungen induktiv zu erarbeiten. Unterrichtsdesign Gruppe B: Bewegungslernen mit methodischen Hilfsmitteln (n = 18) Die Ausgangsbasis hierfür bildeten die von Abb. 3: Beispiel für eine Metho- dische Reihe: Balancieren auf einem statischen Element (hier abgebildet Lang- bank), Balancie- ren auf einem dynamischen Element (hier ab- gebildet stehen auf Medizinball mit Zusatzauf- gabe Werfen und Fangen, Quersitzen auf der Slackline, Längssitzen auf der Slackline mit Training der Armbewe- gung, Stehen auf einem Bein, Stehen auf zwei Beinen 80 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline Kroiß vorgestellten methodischen Gerätehil- fen. Als Einstieg erfolgte in der ersten Stunde eine Einführung zum Thema Gleichgewicht. Mit einer Methodischen Reihe von Sitzen auf der Line (Quer und Längs), Grundposition (Tro- ckenübung am Boden danach auf der Line), Stehen, Aufsteigen mit dem Schnellstart bis hin zu ersten Schritten auf der Line wurde die Sportart eingeführt. Diese Übungen wurden an den 9 Slacklines in Kleingruppen mit den Partnern als Hilfestellung durchgeführt. In der zweiten Unterrichtseinheit wurde ein Stati- onsbetrieb im Sinne des variablen Übens mit methodischen Gerätehilfen ähnlich des von Kroiß verwendeten Unterrichtsaufbaus ver- wendet. Zusätzlich gab es die Möglichkeit der Partnerübung und des freien Übens. In der dritten Stunde waren die gleichen Stationen wie in der vorherigen Stunde vorhanden. Die Schüler sollten selbstständig die von ihnen fa- vorisierten methodischen Hilfsmittel wählen, wobei das Augenmerk auf dem Abbau der methodischen Hilfen zum Erreichen der Ziel- form lag. Thematisiert wurden die Möglich- keiten, wie die einzelnen methodischen Hil- fen hinsichtlich ihrer Schwierigkeit von Schü- lern variiert werden können (z.B. Griffhöhe beim Rookie Rope – je tiefer das Seil gegriffen wird, desto mehr nimmt die Unterstützungs- möglichkeit ab). Um das variable Üben noch zu verstärken und zur weiteren Motivation der Schüler, wurden erste Tricks wie Wippen, Springen, Knien und Querstehen eingeführt, die sie unter Verwendung der Hilfsmittel üben konnten. Test 1 Test 2 Test 3 Test 4 Mittelwert VG_A, ohne methodische Hilfen 0,15 m 0,54 m 1,97 m 3,68m Standardabweichung VG_A, ohne methodische Hilfen 0,16 m 0,59 m 1,02 m 1,93 m Mittelwert VG_B, mit methodischen Hilfen 0,11 m 0,41m 1,56 m 4,19m Standardabweichung VG_B, mit methodischen Hilfen 0,16 m 0,29 m 0,67 m 2,17 m Tab.1: Testresul- tate der verschie- denen Messzeit- punkte Abb. 4: Bewäl- tigte Distanz (in Metern) zu den 4 Messzeitpunkten 81Vergleich verschiedener Lehrkonzepte im Slacklinen © INÖK Unterrichtsdesign Gruppe C: je eine Einheit Bewegungslernen mit und ohne methodische Hilfsmittel (n=16) Da mit der Untersuchung der Gruppe C die Attraktivität des Lernens mit und ohne methodische Hilfen verglichen werden sollte, wurden je eine Unterrichtseinheit zu beiden Herangehensweisen durchgeführt. In der er- sten Einheit wurde das Bewegungslernen mit methodischen Hilfen eingeführt. Nach einer methodischen Hinführung zum Slacklinen (vergleichbar mit gekürzter UE1 der Gruppe B) wurde im Stationsbetrieb an den Geräte- hilfen, im freien Üben und mit Unterstützung des Versuchsleiters geübt (Mischung der UE2 und UE3 der Gruppe B). In der zweiten Ein- heit wurde auf die methodischen Hilfen ver- zichtet. Wie bei Versuchsgruppe A wurde als Thema das freie, unverfälschte Lernen der Zielform des Slacklinens thematisiert und Be- wegungsdemonstrationen gegeben. Ergebnisse der Untersuchung Eine deskriptive Datenauswertung zeigt, dass beide Versuchsgruppen ihre Leistung im Verlauf der drei Übungseinheiten kontinuier- lich verbessern konnten. Im Pretest starteten beide Versuchsgruppen ohne Vorkenntnisse, VG_A konnte durchschnittlich 0,15 m, VG_B 0,11 m auf der Slackline zurücklegen. Nach zwei Übungseinheiten erreichte VG_A einen Mittelwert von 1,97 m, VG_B hingegen eine etwas geringere Distanz von 1,56 m. Beim letzten Test wendete sich das Blatt, da die Ver- Abb. 5: Bewältigte Distanz (in Me- tern) der einzel- nen Versuchsper- sonen der VG_A (ohne Hilfen) und VG_B (mit Hilfen) zu den 4 Mess- zeitpunkten 82 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline suchsgruppe B mit methodischen Hilfen die Testreihe mit 4,19 m beendete, wohingegen Gruppe A (ohne Hilfen) im Durchschnitt nur 3,68 m zurücklegen konnte. Somit besteht eine stetige Leistungssteigerung in beiden Gruppen, wobei zwischen dem dritten und vierten Testzeitpunkt der größte Leistungszu- wachs erreicht wurde. Die Standardabweichung vergrößerte sich in beiden Versuchsgruppen deutlich ausge- hend von 0,16 m (A und B) auf Werte von 1,93 m (VG_A) und 2,17 m (VG_B) zum vierten Testzeitpunkt (vgl. Tab. 1). Dies zeigt, dass die Leistungsunterschiede im Verlauf der Übungsreihen deutlich zunehmen und sich die Schüler in der Schnelligkeit der Fertig- keitsentwicklung unterscheiden. Abbildung 5 zeigt die erreichte Distanz der einzelnen Versuchspersonen im Überblick. Hier wird die zunehmend heterogene Leistung der Schüler nochmals deutlich. Eine inferenzstatistische Auswertung der Daten anhand einer Varianzanalyse mit Mess- wiederholung ergibt, dass sich die Gruppen über die Testzeitpunkte hinsichtlich der ge- laufenen Distanz signifikant verbessern (p < 0.0005; F = 72.973). Es zeigten sich keine signifikanten Unterschiede in Bezug auf die gewählte Methode (p> 0.05, F=0.198). Ergebnisse der Befragung Versuchsgruppe B (nBefragung = 16) und C (nBefragung = 16) hatten während ihres Unter- richts verschiedene methodischen Gerätehil- fen kennengelernt und machten in der schrift- lichen Befragung Angaben zur beliebtesten Station (eine Nennung möglich). Wie in der Abbildung 6 zu erkennen ist, erwies sich das Rookie-Rope (fixiert und lose) mit 47 Prozent als beliebteste Station, vor dem Alleine Üben mit 28 Prozent. Alle anderen Hilfsmittel liegen bei einer oder zwei Nennungen. Bei der Wahl zur unbeliebtesten Station konzentrieren sich die Nennungen auf die Barrengasse (vgl. Abb. 7). Betrachtet man die Angaben zur belieb- testen Station in Abhängigkeit von der Grup- penzugehörigkeit (Abb. 8), ergibt sich eine unterschiedliche Präferenz hinsichtlich der Station Alleine Üben. Gruppe B favorisiert diese Station mit 44 Prozent, wohingegen Gruppe C ihre Stimmen gleichmäßig über die Abb. 6: Angaben zur beliebtesten Station (l.) Abb. 7: Angaben zur unbeliebtesten Station (r.) 83Vergleich verschiedener Lehrkonzepte im Slacklinen © INÖK Abb. 8: belieb- teste Station der Gruppen B und C restlichen Stationen verteilt. Das Rookie-Rope wird von beiden Gruppen als sehr beliebte Station eingestuft. Zusätzlich zu den Fragen hinsichtlich der methodischen Vorgehensweise wurden allge- meine Fragen zur Sportart Slacklinen gestellt. Es zeigte sich, dass die Sportart auf der deut- schen Schulnotenskala von allen befragten Schülern im Mittel mit einer Note von 1,8 bewertet wurde. Die Antworten auf die of- fen gestellte Frage Was hat dir am Slacklinen besonders gut gefallen? wurden in Katego- rien zusammengefasst. Die am häufigsten gegebenen Antworten bezogen sich auf die Kategorien das Üben machte mir Spaß und neues Sportgerät erlernen. Daneben wurden die schnellen Fortschritte betont und das glei- che Ausgangsniveau positiv hervorgehoben, da alle Schüler die Sportart neu erlernen. Gruppe C, die je eine Stunde mit und ohne methodische Hilfen unterrichtet wurde, benotete die Unterrichtseinheit Bewegungs- lernen mit methodischen Hilfen auf der deut- schen Schulnotenskala mit der Note 1,27, die Stunde in der keine methodischen Hilfen ver- wendet wurden mit 1,56. Ergebnisse der Lehrerinterviews Für die Lehrer der Schulklassen ist Slackli- nen an sich eine faszinierende Sportart. Aus ihrer Sicht schult sie sowohl konditionelle als auch koordinative Fähigkeiten, insbeson- dere die Gleichgewichtsfähigkeit. Zudem er- wähnten sie die hohe soziale Komponente der Sportart, da eine starke Interaktion zwi- schen den Schülern in Partnerübungen, Dis- kussionen und Gruppenarbeiten beobachtet werden konnte. Als weitere positive Eigen- schaft wurde der Aufforderungscharakter der Abb. 9: Attrak- tivität des Be- wegungslernens ohne und mit methodischen Hilfsmitteln der Gruppe C (Beno- tung anhand der deutschen Schul- notenskala von 1=sehr gut bis 6=ungenügend) Slackline genannt, die eine hohe Motivation ihrer Schüler förderte. Aufgrund dieser Beo- bachtungen gehen die Lehrer davon aus, dass sich Slacklinen in verschiedenen Bereichen der aktuellen bewegungsfeldorientierten Lehr- pläne einsetzen lässt. Allerdings wurden auch Nachteile geäußert. Es besteht ein erhöhter Zeit- und Materialaufwand, der richtige Auf- bau muss erlernt und Sicherheitsaspekte müssen beachtet werden. Zudem muss sich der Lehrende natürlich in die Sportart einar- beiten. Allerdings könnten sie sich durchaus vorstellen, mit der Unterstützung eines Slack- line Leitfadens, Slacklinen in den Schulsport oder an Projekttagen zu integrieren. Auf die Frage, ob sie ein Bewegungslernen mit oder 84 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline ohne methodische Hilfsmittel bevorzugen, waren sie sich unabhängig voneinander einig, dass sich die Verwendung von methodischen Hilfsmitteln zum Erlernen der Sportart Slack- linen gut eignet, jedoch das freie Üben auch seine Berechtigung hat: „Tendenziell befürworte ich die Herange- hensweise mit methodischen Hilfsmitteln da schwächere Schüler im Klassenverband nicht untergehen.“ „Natürlich darf das freie Üben auch nicht zu kurz kommen. Da ist eine Mischform schon sinnvoll.“ „Das gleiche Unterrichtskonzept würde ich für niedrigere Jahrgangsstufen wahr- scheinlich nicht verwenden. Jüngere Schüler benötigen aus meiner Erfahrung mehr me- thodische Hilfen während es die älteren auch schätzen selbständig und ohne Hilfen Bewe- gungsabläufe zu üben.“ Aus den Zitaten lassen sich drei Kernaus- sagen zur Verwendung von methodischen Hilfen herausfiltern: Der Heterogenität von Schulklassen kann mit methodischen Hilfen begegnet wer- den Das freie Üben besitzt einen wichtigen Stellenwert im Methodenkanon Übungsauswahl und methodische Hilfen müssen an das Alter der Schüler ange- passt werden Ergebnisse der offenen teilnehmenden Beobachtung und der Feedbackrunden In der Versuchsgruppe B Bewegungsler- nen mit methodischen Hilfsmitteln war über drei Wochen eine hohe Motivation der Teil- nehmer zu beobachten. In der methodischen Reihe der ersten UE wurde das Stehen auf der Line nur von einigen Schülern ausgeführt. Der Großteil der Schüler bewog Schritte zu ma- chen, obwohl eine starke Partnerhilfe nötig war. In der Feedbackrunde am Ende der Stun- de gaben sie als Grund den Aufforderungs- charakter der Slackline für ihre Abweichung von der Lehrervorgabe an. In der zweiten Unterrichtseinheit wurde an allen Stationen intensiv gearbeitet mit Ausnahme der Barren- gasse. Sobald sich die Schüler Sicherheit auf der Slackline erarbeitet hatten, verringerten sie sukzessiv den Einsatz der methodischen Hilfen. Dieser Vorgang war maßgeblich ge- gen Ende der zweiten UE zu beobachten. In der Feedbackrunde wurde zwar der schnelle Erfolg mit methodischen Hilfsmitteln hervor- gehoben, doch fehlte den Schülern die Mög- lichkeit des freien Übens ohne einschränken- de Vorgaben. Obwohl der Versuchsgruppe A die Ziel- form ohne Hilfen demonstriert wurde, bil- deten sich sehr schnell Gruppen in denen Hil- festellung durch die Partner gegeben wurde. Andere – primär männliche Schüler – übten jedoch auch durchgehend ohne Hilfe. Gele- gentlich wurde auch über die optimale Tech- nikausführung diskutiert. In der zweiten UE war ein Nachlassen der Motivation und ein Verlängern der Trainingspausen zu beobach- ten. Zu diesem Zeitpunkt wurden die ersten Fragen nach Hilfsmitteln gestellt. Eine Gruppe männlicher Schüler führte zeitweise eigene Wettkämpfe durch. Entweder zählten sie ihre 85Vergleich verschiedener Lehrkonzepte im Slacklinen © INÖK Schritte, ihre Weite oder die Zeit auf der Slack- line. Dies war allerdings meist sehr hektisch, unkonzentriert und unkoordiniert. Während der dritten UE wurden deshalb in Gruppen- arbeit die Technikmerkmale erarbeitet. Einige männliche Schüler verweigerten sich jedoch den erarbeiteten Techniken und bevorzugten z.B. ihre Füße in X - oder O - Beinstellung quer auf die Slackline aufzusetzen oder möglichst schnell über die Slackline zu laufen. Bei den weiblichen Schülern konnte dagegen eine höhere Motivation und Konzentration in der Umsetzung der erarbeiteten Technikmerk- male beobachtet werden. Diskussion Fertigkeitsentwicklung Die zum Testzeitpunkt 1 gemessenen Laufleistungen der Versuchspersonen in Gruppen A und B ergaben, dass kein Schü- ler Erfahrung auf der Slackline hatte. Die Lei- stungsentwicklung der Versuchsgruppen über die vier Testzeitpunkte hinweg zeigt die Be- deutung von aufeinander folgenden Übungs- einheiten, da mit der zweiten Unterrichtsein- heit ein deutlicher Lernerfolg gegeben war und nach der dritten schon fünf Schüler die Testline komplett begehen konnten. Möchte man dieses Erfolgserlebnis möglichst vielen Teilnehmern ermöglichen und alle Teilneh- mer motivieren, ebenfalls dieses am Anfang schier unerreichbare Ziel zu erreichen sollten nicht weniger als drei Unterrichtseinheiten im Slacklinen durchgeführt werden. In bei- den Gruppen zeigt sich die heterogene Fer- tigkeitsentwicklung der einzelnen Teilnehmer (siehe Standardabweichung). Während nach der ersten Unterrichtseinheit noch keine Teil- nehmer weiter als 25 cm auf der Line laufen konnte, variierte die Leistung nach der drit- ten Unterrichtseinheit zwischen 50 cm und 8 m. Je nach Talent wird Slacklinen schneller oder langsamer erlernt. Mit diesem Problem wird jeder Lehrer konfrontiert sein, egal mit welcher Methode er unterrichtet. Der Unter- schied in der Fertigkeitsentwicklung wird im Unterricht jedoch umso deutlicher, je mehr das Üben der Zielform Unterrichtsinhalt ist. Wie bei VG_A kann jeder Teilnehmer die Fer- tigkeitsentwicklung direkt beobachten, denn durch die gelaufene Distanz oder die Zeit, die sich der Lernende auf der Slackline befindet, ist der direkte Vergleich möglich. Dies kann je nach Lerngruppe den positiven Effekt haben, die Motivation zu fördern und sich gegen- seitig anzuspornen. Jedoch besteht die Ge- fahr, dass bei ausbleibendem Lernerfolg und dessen direktes vor Augen führen durch den möglichen Vergleich mit den restlichen Grup- penmitgliedern, das Interesse von den weni- ger begabten Teilnehmern sinkt. Hingegen kann der Lernende bei einer Verwendung von methodischen Hilfsmitteln, die Schwierig- keitsstufe je nach seinen Fähigkeiten wählen. Das Ziel, die Slackline auf ihrer vollen Länge zu begehen wird von jedem Teilnehmer er- reicht. Der Vergleich der Fertigkeitsentwick- lung ist nur durch ein Entfernen der Hilfs- mittel möglich oder durch exaktes Beurteilen des Hilfsmitteleinsatzes. Diese Beurteilung ist den Teilnehmern auf ihrem Niveau meist nicht möglich. Somit ist die unterschiedliche Fertigkeitsentwicklung bei einem Lehren mit methodischen Hilfsmitteln den Teilnehmern weniger auffallend. Mit diesem Wissen kann der Trainer oder Lehrer nun seinen Unterricht gestalten. Eine leistungsorientierte Wettkampfgruppe, wie z.B. die Nachwuchskader im Skibereich, ver- trägt sicherlich die Herangehensweise ohne methodische Hilfsmittel hinsichtlich ihrer Trai- 86 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline ningsmotivation besser oder möchte sogar den direkten wettkampfartigen Vergleich. Hingegen ist es im Schulsport für die sportlich schwächeren Schüler sicherlich reizvoll, ein- mal nicht im direkten Vergleich mit den Kom- militonen zu stehen. Dies kann mit einem Ein- satz von methodischen Hilfsmitteln erreicht werden. Durch die tendenziellen Unterschiede in der Leistungsentwicklung in Abhängigkeit von der gewählten Methode ergeben sich für den Kursbetrieb folgende Konsequenzen. Entscheidet sich der Leiter für die Methode ohne methodische Hilfsmittel, wird er an- fänglich einen schnelleren Erfolg bei der freien Bewegung erzielen (vgl. Test 2). Dies ist auch nicht verwunderlich, da VG_A 30 min mehr Übungszeit auf der Line hatte, als VG_B, die in dieser Zeit eine methodische Hinführung auf statischen und dynamischen Gleichgewichtsgeräten durchführte. In der zweiten Unterrichtseinheit konnte die Ver- suchsgruppe B ebenfalls nur bedingt die ge- testete Zielform üben, da im Stationsbetrieb nur eine Station das freie Gehen auf der Line beinhaltete. Trotz dieser geringeren Trainings- zeit konnte die VG_B nach der dritten Unter- richtseinheit im freien Gehen einen besseren Durchschnittswert als die Vergleichsgruppe A erzielen. Dies zeigt, dass die methodischen Hilfen, nicht wie postuliert, das Erlernen der Ausgleichsbewegung behindern, sondern dass vielfältige Übungen und eine längere Zeit auf der Line das Lernen positiv beeinflussen. Attraktivität Hervorzuheben ist die Lehrkonzept über- greifend positive Bewertung der Sportart mit einer Note von 1,8. Die Schüler sind fasziniert von der neuen Bewegungserfahrung, der Normenfreiheit der Sportart und nicht zuletzt dem Spaß den sie auf der Line mit ihren Mit- schülern zusammen haben. Dies wird in den Antworten auf die offen gestellten Fragen deutlich. Trotzdem zeigen die Ergebnisse hinsicht- lich der Attraktivität Unterschiede in den zwei Lehrkonzepten. Im direkten Vergleich (VG_C) konnte das Üben mit methodischen Hilfsmitteln eine Durchschnittsbenotung von 1,27 erreichen, wohingegen das Üben ohne methodische Hilfen mit 1,56 bewertet wur- de. Hierbei ist zu bemerken, dass die UE mit Hilfsmitteln als Erste durchgeführt wurde und die Schüler in der zweiten UE von dem in der Vorwoche Gelernten profitieren konnten. Es stellt sich daher die Frage, ob die UE in um- gekehrter Reihenfolge die Benotung noch be- einflusst hätte. Ein Indiz dafür sind Aussagen der Probanden der VG_A, die in der zweiten UE nach Hilfsmitteln fragten und dem Üben ohne methodische Hilfsmittel Kritik entgegen brachten. Somit ist von Seiten der Schüler der Wunsch nach methodischen Hilfen deutlich gegeben. Vergleicht man die Bewertungen mit den Ergebnissen der Studie von Kroiß, scheinen Unterschiede bezüglich dem Üben ohne me- thodische Hilfen zu bestehen. Die Teilnehmer von Kroiß empfanden die Station als sehr schwer. Diese Bewertung gibt aber keine Aus- künfte bezüglich der Attraktivität. Anspruchs- volle Aufgaben, zu denen das Üben ohne Unterstützung auf einem Anfängerniveau zu zählen ist, können trotzdem reizvoll sein. Die Bewertungen der Station Alleine Üben bestä- tigen dies, da es von 28,12 % als beliebteste Stationen angegeben wurde. Der Vergleich von VG_B zu VG_C deutet zudem auf die Ab- hängigkeit der Bewertung vom Lernfortschritt 87Vergleich verschiedener Lehrkonzepte im Slacklinen © INÖK hin. Das freie Üben wurde nach der dritten UE von 44 % der Personen aus VG_B als belieb- teste Station gewählt, jedoch lediglich von 13 % der VG_C nach zwei Übungseinheiten. So wird das freie Üben tendenziell attraktiver je mehr Übungseinheiten durchgeführt wer- den. Da Kroiß lediglich eine Schulstunde von 60 min vor der Befragung durchführte ist sein Ergebnis nicht überraschend. Wie die gelau- fenen Distanzen im Test 2 zeigen, kann sich ein Slacklineanfänger nach einer Einheit nicht allzu lange alleine auf der Slackline halten und wird deshalb die Station als schwer einstufen. Daher gilt für einen attraktiven Unterricht: Je länger auf der Line geübt wird, desto mehr gewinnt das freie Üben an Bedeutung. Ab der dritten Unterrichtseinheit sollte nach Möglich- keit hier der Schwerpunkt gelegt oder zumin- dest Hilfsmittel nicht mehr durch den Lehrer angewiesen werden. Als optionale Übungs- hilfe für schwächere Schüler können einige Hilfsmittel weiterhin angeboten werden. Die Ergebnisse bestätigen in gewisser Weise die Aussage von Rom (2009), dass „Methodik einen Rahmen bilden und nur für die ‚heiße Phase‘ am Anfang dienen“ sollte. Wie lange diese ‚heiße Phase‘ am Anfang jedoch nun zu wählen ist, muss auch von der jeweiligen Gruppe abhängig gemacht werden. Wie gezeigt scheinen die verwendeten Hilfsmittel in einem engen Zusammenhang mit der Attraktivität des Slackline Anfänger- unterrichts zu stehen, da diese für Abwechs- lung und Erfolgserlebnisse sorgen. Die quanti- tative Bewertung der verwendeten Stationen gibt Aufschluss, welche Hilfsmittel von den Schülern bevorzugt angenommen werden. Das Rookie - Rope wird von 47% der Teilneh- mer in der Kategorie beliebteste Station und die Barrengasse von 50% in der Kategorie unbeliebteste Station genannt. Diese Ergeb- nisse werden zudem durch die Bewertung der beiden Stationen in der jeweiligen Gegenka- tegorie mit 3% (Barrengasse in beliebtester Station) und 6 % (Rookie - Rope in unbelieb- teste Station) bestätigt. Auch für die anderen Stationen lassen sich Schlüsse hinsichtlich der Attraktivität ziehen. Die Partnerhilfe wurde lediglich von 6 % der Schüler als beliebtes- te Station genannt, jedoch erhielt sie keine Stimme bei der Wahl zur unbeliebtesten Sta- tion. So handelt es sich bei der Partnerhilfe um eine unspektakuläre jedoch akzeptierte Station. Dies wird zudem durch die Beobach- tungen in VG_A bestätigt. Dort bildeten sich ohne Anweisungen Kleingruppen und es wurde mit Partnerhilfe geübt. Schlecht fiel dagegen die Bewertung der Station Langlauf aus. 13 % bewerteten sie als unbeliebteste Station und lediglich 6 % als die beliebteste. Dieses negative Bild zeigt sich ebenfalls bei den Bewertungen der Stationen Seilschaft und Hängebrücke. Die Beobachtungen des Unterrichtsgeschehens helfen aber dabei, diese Aussagen ins rechte Licht zu rücken. Die große Akzeptanz der zwei meistgenann- ten Stationen kann bestätigt werden. Unter- schiede zwischen der Beobachtung und den Schüleraussagen zeigen sich jedoch bezüg- lich der weiteren Hilfsmittel. Speziell sind da- bei die Stationen Hängebrücke und Langlauf zu nennen. Gegenläufig zu den Ergebnissen der Befragung wurde mit diesen Hilfsmitteln auch in der freien Übungszeit rege geübt. An dieser Stelle sollte den Beobachtungen mehr Glauben geschenkt werden. Zum Übungs- zeitpunkt waren diese Stationen sehr attrak- tiv. Bei der nachträglichen Benennung der be- liebtesten Station mussten sie sich aber dem Rookie - Rope geschlagen geben. Die Konsequenz für einen attraktiven Unterricht ist folgende: Die Station Rookie 88 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline - Rope sollte in einem Unterricht mit me- thodischen Hilfen nicht fehlen. Arbeitet der Lehrer mit einer Art Stationsbetrieb können die restlichen Hilfsmittel in der folgenden Rei- henfolge angewandt werden: Üben mit dem Partner, Langlauf und Seilschaft. Lediglich auf die Barrengasse sollte in der Oberstufe ver- zichtet werden, da sie von dieser Altersklasse als unattraktiv empfunden wird. In der Unter- stufe kann sie aber dennoch zur Anwendung kommen (vgl. Kroiß 2007). Lernmotivation Heckhausen (1980, in Ehni, Kretschmer, Scherler, Weichert & Wolters 2000, S. 217) geht in seiner Motivationstheorie davon aus, dass Motivation aus anregenden äußeren Be- dingungen entspringt. Alleine das Sportgerät Slackline kann für den Anfänger eine anre- gende äußere Bedingung sein. Die beobach- tete Übungsmotivation aller Versuchsgruppen während des ersten Kontakts mit dem neu- en Sportgerät bestätigt dies. Doch zeigt sich bei VG_B in der zweiten Unterrichtseinheit eine abnehmende Übungsmotivation, da die Schüler das Potenzial der neuen Sportart nach ihren Möglichkeiten ausgeschöpft hatten. In der dritten Einheit dieser Versuchsgruppe war der Drang nach Ratschlägen, Tipps und Hil- fen, also neuen Bedingungen so groß, dass am ursprünglichen Unterrichtskonzept nicht festgehalten werden konnte. In der VG_B mit Hilfen war hingegen über die gesamte Unterrichtsreihe eine hohe Lern- motivation zu beobachten. Im Gegensatz zur VG_A wurden durch den Unterrichtsaufbau, die methodischen Hilfsmittel und den Stati- onsbetrieb ständig neue Lernbedingungen und Herausforderungen geschaffen. Zudem konnte in der VG_B eine bessere Umsetzung der Technikmerkmale im Slacklinen beobach- tet werden. Quergestellte Füße, falsche Kör- perhaltung und zu schnelles, unkonzentrier- tes Laufen auf der Line konnte im Laufe der Unterrichtsreihe verbessert werden. Durch das Unterrichtskonzept mit seinen metho- dischen Hilfsmitteln, den eingebetteten Feed- backrunden und gegebenen Korrekturen versuchten die Schüler bei hoher Konzentra- tion durch die aufgezeigten Möglichkeiten der Technikverbesserung ihr Ziel, das Laufen über die Slackline, umzusetzen. Im letzten Leistungsvergleich schnitt die VG_B besser ab und bestätigt somit die Vermutung, dass ein abwechslungsreicher Unterricht, neben den technischen und taktischen Ratschlägen, zur erfolgreichen Fertigkeitsentwicklung beiträgt (vgl. Söll 2005). Darüber hinaus hat sich gezeigt, dass das Lehrkonzept mit methodischen Hilfsmitteln im Gegensatz zum Konzept ohne metho- dische Hilfsmitteln die Motivation der Schüler über die gesamte Unterrichtsreihe aufrecht erhalten und eine angenehme Lernatmo- sphäre schaffen kann. Zusammenfassung und Fazit für Trainer und Lehrer Slacklinen ist eine attraktive Sportart, die einen hohen Aufforderungscharakter besitzt. Im schulischen Sportunterricht kön- nen zur Einführung verschiedene Lehrwege Verwendung finden. Die Untersuchung hat gezeigt, dass eine Verwendung von metho- dischen Hilfen gegenüber dem Lehren ohne diese Hilfsmittel viele Vorteile bietet, jedoch sollte, wie so oft im Lehren und Lernen, auch beim Slacklinen nicht nur in den Kategorien Schwarz und Weiß gedacht werden. Für den zukünftigen Slacklineunterricht sollte sich der 89Vergleich verschiedener Lehrkonzepte im Slacklinen © INÖK Lehrende eine Mischung aus den vorgestell- ten Lehrmethoden mit ihren jeweiligen posi- tiven Eigenschaften zunutze machen. Auf Ba- sis dieser Untersuchung ist eine Gewichtung hin zum Konzept mit methodischen Hilfsmit- teln zu empfehlen. Zusammengefasst lassen sich folgende Aussagen treffen: Durch eine Verwendung von metho- dischen Hilfen stellen sich frühe Erfolgser- lebnisse, wie das Bewältigen der gesamten Slackline ein. Einer Frustration gegenüber dieser doch anfänglich schweren Sportart kann so vorgebeugt und die Motivation im Lernprozess durch immer neue Aufgaben hochgehalten werden. Zudem können sich die Schüler kreativ einbringen, da sie auf ei- ner frühen Lernstufe Tricks und neue Bewe- gungen ausprobieren und weiterentwickeln können, ohne jedes Mal von der Slackline herunter zu fallen. Für den Slacklinelehrer bieten die methodischen Hilfen den Vorteil, dass der Schwierigkeitsgrad der vorgege- benen Übungen variiert werden kann. So sind sie gerade für heterogene Gruppen wie Schulklassen von großer Bedeutung. Schüler mit geringeren koordinativen Fähigkeiten und niedrigerer Lerngeschwindigkeit erleben kei- ne Frustration, da sie die gleichen Übungen wie ihre Klassenkameraden durchführen kön- nen, ohne dass der Niveauunterschied deut- lich erkennbar ist. Durch den Stationsbetrieb, die variabel einsetzbaren Hilfen und den da- durch ermöglichten Handlungsraum entsteht eine Spielwiese an Bewegungsmöglichkeiten, die es den Schülern erlaubt, unabhängig von ihrem persönlichen Können Erfolge zu erle- ben und ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Das zentrale Problem beim Lehren ohne methodische Hilfen war, die Motivation der Schüler aufrecht zu erhalten. Nach einer mo- tivierten Explorationsphase stellte sich auf- grund des stetigen Absteigens eine gewisse Frustration ein, der von Lehrerseite nur schwer entgegen zu wirken war. Doch zeigte sich in den anderen Gruppen, dass Slacklinen ohne methodische Hilfen mit dem Lernfortschritt immer wichtiger wurde. Aus sicherheitstech- nischen Gründen sollte das freie Gehen auf der Line bereits früh in den Lernprozess inte- griert werden, da das richtige Absteigen oder Abspringen auch gelernt sein will. Unabhängig von der gewählten Lehr- methode gilt es, die folgenden Faktoren für einen Einsatz in der Schule zu beachten: Es muss extra Material angeschafft und Aufbau- möglichkeiten in der Schule installiert wer- den. Es besteht ein nicht unerheblicher zeit- licher Aufwand zum Aufbau der Slacklines, der aber durch eine Einbindung der Schüler gelöst werden kann. Für den Lehrenden gilt es, sich die nötigen Kenntnisse in der Sport- art anzueignen. Mithilfe einer Handreichung zum Einsatz des Slacklinens im Schulsport könnten viele bestehende Probleme gelöst werden. Keine Lösung ist es, das Slacklinen im Schulsport aufgrund bestehender Pro- bleme zu verbieten. Im Gegensatz zu den traditionellen Sportarten mit ihren manchmal starren Ausbildungskonzepten, können mit dieser normenfreien Sportart viele Themen der bewegungsfeldorientierten Lehrpläne be- handelt werden. Je nach Alter der Teilnehmer bieten sich hier verschiedene pädagogische und soziale Aspekte genauso an, wie der Er- werb von Schlüsselqualifikationen hinsichtlich Selbst-, Sozial- Methoden- und Handlungs- kompetenzen. Literatur 90 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline Birklbauer, J. (2006). Modelle der Motorik: Eine vergleichende Analyse moderner Kontroll-, Steuerungs- und Lernkonzepte. Spektrum Bewegungswissenschaft. Vol. 5. Aachen: Meyer & Meyer. Carpenter C. (n.d.). The evaluation of slacklining. Zugriff am 20.10.2010 un- ter: http://www.slackline.at/cms/index. php?option=com_content&task=view&id =65&Itemid=2 Ehni, H., Kretschmer, J., Scherler, K., Weichert, W., & Wolters, P. (Hrsg.)(2000). Didaktik des Schulsports. Schorndorf: Hofmann. Heckhausen, H. (1980). Motivation und Han- deln: Lehrbuch der Motivationspsycholo- gie mit 72 Tabellen. Berlin: Springer. Kroiß, A. (2007). Der Trendsport Slacklinen und seine Anwendbarkeit im Schulsport. Schriftliche Hausarbeit zur Ersten Staats- prüfung für das Lehramt an Gymnasien, TU München. Rom, K. (2009). Die Slackline: …Für das Fach Bewegung und Sport. Bewegungserzie- hung, (03), 19–24. Schöllhorn, W. I., Beckmann, H., Janssen, D., & Michelbrink, M. (2009). Differnzielles Lehren und Lernen im Sport: Ein alterna- tiver Ansatz für ein effektiven Schulsport- unterricht, 58(2), 36–40. Söll, W. (2005). Sportunterricht - Sport unter- richten: Ein Handbuch für Sportlehrer (6. unv. Aufl.). Schorndorf: Hofmann. 91Slacklineunterricht im formellen Sport der Schulen und Vereine © INÖK Andreas Thomann 1 Slacklineunterricht im formellen Sport der Schulen und Vereine Grundlage Mit Slacklinen wird eine der neuesten Trendsportarten bezeichnet. Der Reiz dieser Sportart ist es, zwischen zwei Befestigungs- punkten ein Band zu spannen, darauf zu ba- lancieren und Tricks auszuüben. In der Praxis werden zwei unterschiedliche Lehrkonzepte diskutiert. Methode A „Bewegungslernen ohne methodische Hilfen“: Bei dieser Herangehensweise wird das Sys- tem Slackline und Slackliner nicht beeinflusst. Der Slackliner soll durch das ständige Wieder- holen die Ausgleichsbewegungen erlernen, um das Schwingungsverhalten der Slackline zu kontrollieren und so das freie Gehen erler- nen. „It‘s just one foot in front of the other“ Chris Carpenter, Pionier im Slacklinen (o.J.) Methode B „Bewegungslernen mit methodischen Hilfen“: Der Einsatz verschiedener Hilfsmittel und Hilfestellungen unterstützt die Gleichge- wichtsfähigkeit des Lernenden, wodurch er- reicht werden soll, dass er bei seinen ersten Gehversuchen auf der Slackline bereits län- gere Strecken zurücklegen kann. Je länger der Lernende sich auf der Slackline aufhält, desto länger kann er sich an das Schwingungsver- halten der Line gewöhnen. Die Zielform des Slacklinens, das freie Gehen, erreicht der Lernende über einen Abbau der Hilfsmittel, bis er die Schwingungen der Slackline selbst- ständig und ohne externe Hilfe ausgleichen kann. Durch die Reduzierung des Schwierig- keitsgrades über geeignete Hilfen können be- reits frühzeitig Tricks auf der Line einstudiert und die Motivation koordinativ inhomogener Lerngruppen hochgehalten werden. Aufbauend auf der Untersuchung von Kroiß (2007) wurde eine Interventions-Studie mit drei Schulklassen (n = 48) durchgeführt. Zur Überprüfung beider Methoden nahmen zwei Klassen an einem Slacklineunterricht über drei Unterrichtsstunden à 90 Minuten teil. Klasse A wurde mit Methode A behan- delt und Klasse B trainierte mit methodischen Hilfen (Methode B). Klasse C wurde je eine Unterrichtseinheit mit und eine ohne metho- dische Hilfen unterrichtet (Kombination aus Methode A und B). Die Ergebnisse wurden mit folgenden Methoden erhoben: Messung der zurückge- legten Distanz jedes Teilnehmers auf einer Normleine (Wiederholungsmessung), einer Befragung der Teilnehmer mittels Fragebogen und einer teilnehmenden Beobachtung durch die Lehrer. Die Analyse der Daten ergab kei- nen signifikanten Unterschied hinsichtlich der zwei Herangehensweisen obwohl ein starke Tendenz hinsichtlich Methode B zu beobach- ten ist. Aus Sicht der Lernmotivation der Teil- nehmer ist Methode B zu favorisieren. 1 Deutsche Sporthochschule Köln, Institut für Natursport und Ökologie 92 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline Vergleich verschiedener Lehrkonzepte im Slacklinen Im schulischen Sportunterricht können zur Einführung verschiedene Lehrwege Verwen- dung finden. Die Untersuchung hat gezeigt, dass eine Verwendung von methodischen Hil- fen gegenüber dem Lehren ohne diese Hilfs- mittel viele Vorteile bietet, jedoch sollte wie so oft im Lehren und Lernen auch beim Slack- linen nicht nur in den Kategorien Schwarz und Weiß gedacht werden. Für den zukünf- tigen Slacklineunterricht sollte sich der Leh- rende eine Mischung aus den vorgestellten Lehrmethoden mit ihren jeweiligen positiven Eigenschaften zunutze machen. Auf Basis dieser Untersuchung ist eine Gewichtung hin zum Konzept mit methodischen Hilfsmitteln zu empfehlen. Zusammengefasst lassen sich folgende Aussagen treffen: Durch eine Verwendung von metho- dischen Hilfen stellen sich frühe Erfolgserleb- nisse ein, wie das Bewältigen der gesamten Slackline. Einer Frustration gegenüber dieser doch anfänglich schweren Sportart kann so vorgebeugt und die Motivation im Lernpro- zess durch immer neue Aufgaben hochgehal- ten werden. Zudem können sich die Schüler kreativ einbringen, da sie auf einer frühen Lernstufe Tricks und neue Bewegungen aus- probieren und weiterentwickeln können, ohne jedes Mal von der Slackline herun- ter zu fallen. Für den Slacklinelehrer bieten die methodischen Hilfen den Vorteil, dass der Schwierigkeitsgrad der vorgegebenen Übungen variiert werden kann. So sind sie gerade für heterogene Gruppen wie Schul- klassen von großer Bedeutung. Schüler mit geringeren koordinativen Fähigkeiten und niedrigerer Lerngeschwindigkeit erleben kei- ne Frustration, da sie die gleichen Übungen wie ihre Klassenkameraden durchführen kön- nen, ohne dass der Niveauunterschied deut- lich erkennbar ist. Durch den Stationsbetrieb, die variabel einsetzbaren Hilfen und den da- durch ermöglichten Handlungsraum entsteht eine Spielwiese an Bewegungsmöglichkeiten, die es den Schülern erlaubt, unabhängig von ihrem persönlichen Können Erfolge zu erle- ben und ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Das zentrale Problem beim Lehren ohne methodische Hilfen war, die Motivation der Schüler aufrecht zu erhalten. Nach einer mo- tivierten Explorationsphase stellte sich auf- grund des stetigen Absteigens eine gewisse Frustration ein, der von Lehrerseite nur schwer entgegen zu wirken war. Doch zeigte sich in den anderen Gruppen, dass Slacklinen ohne methodische Hilfen mit dem Lernfortschritt immer wichtiger wurde. Aus sicherheitstech- nischen Gründen sollte das freie Gehen auf der Line bereits früh in den Lernprozess inte- griert werden, da das richtige Absteigen oder Abspringen auch gelernt sein will. Unabhängig von der gewählten Lehr- methode gilt es, die folgenden Faktoren für einen Einsatz in der Schule zu beachten: Es muss extra Material angeschafft und Aufbau- möglichkeiten in der Schule installiert wer- den. Es besteht ein nicht unerheblicher zeit- licher Aufwand zum Aufbau der Slacklines, der aber durch eine Einbindung der Schüler gelöst werden kann. Für den Lehrenden gilt es, sich die nötigen Kenntnisse in der Sport- art anzueignen. Mithilfe einer Handreichung zum Einsatz des Slacklinens im Schulsport könnten viele bestehende Probleme gelöst werden. Keine Lösung ist es, das Slacklinen im Schulsport aufgrund bestehender Pro- bleme zu verbieten. Im Gegensatz zu den traditionellen Sportarten mit ihren manchmal 93Slacklineunterricht im formellen Sport der Schulen und Vereine © INÖK starren Ausbildungskonzepten können mit dieser normenfreien Sportart viele Themen der bewegungsfeldorientierten Lehrpläne be- handelt werden. Je nach Alter der Teilnehmer bieten sich hier verschiedene pädagogische und soziale Aspekte genauso an, wie der Er- werb von Schlüsselqualifikationen hinsichtlich Selbst-, Sozial- Methoden- und Handlungs- kompetenzen. Slacklinen – die methodische Reihe Aufbauend auf die Ergebnisse der Studie wurde versucht, eine methodische Reihe zum Erlernen des Slacklinens zu kreieren, in der sich die verschiedenen Herangehensweisen (mit und ohne methodische Hilfen/Beeinflus- sung der Schwingung) wiederfinden. Die Un- tersuchung zeigte, dass es durchaus sinnvoll ist, nicht nur einen Weg zu beschreiten, son- dern im Unterricht verschiedene Elemente zu berücksichtigen. Abbildung 1 zeigt eine Über- sicht der unterschiedlichen Lernschritte und Möglichkeiten, diese Lernschritte abhängig von der methodischen Herangehensweise zu modifizieren. Der Lehrende kann so seine persönliche, methodische Reihe zusammen- stellen und in jedem Schritt einzelne Aspekte auswählen oder mehrere in seinen Unterricht einbauen. Einige Schlüsselschritte (im Schema in Signalfarbe Rot) sind vom Lehrenden auf- grund der Sicherheit an bestimmten Stellen des Lernprozesses zu integrieren. Nach Vorübungen (vgl. Abb. 3) und Ein- führung folgt der Schlüsselschritt Material und Sicherheit. Themen wie Dynamik des Bandes, Absprungraum, ggf. Sicherheits- stellung, Kontrolle der Line, etc. sollten hier thematisiert oder vom Leiter zumindest be- Abb. 1: Lehrweg Slackline, metho- dische Reihe 94 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline achtet und durchgesetzt werden. Vor dem Erstkontakt mit der Line gilt es, sich nun zu entscheiden, ob mit oder ohne Verfälschung des Schwingungsverhaltens (unter Beachtung des Aufstiegspunktes) der Line gearbeitet wird. Nach der Entscheidung zum Schwin- gungsverhalten steht noch die Entscheidung zur verfälschten oder unverfälschten Bewe- gung an (mit oder ohne methodische Hilfen) und wie diese zunächst umgesetzt werden soll. Bei einer Entscheidung für methodische Hilfen (siehe Abb. 2) befindet man sich schon im darauffolgenden Schritt, dem Balancieren. Möchte der Lehrende auf methodische Hilfen beim ersten Kontakt mit der Line verzichten, bieten sich ihm drei Möglichkeiten: Im Sitzen, Aufsteigen mit Übersteigen oder gleich dem freien Balancieren (vgl. Abb. 3). Nach dem er- sten Kontakt mit der Line steht nun die Ent- scheidung an, ob zuerst das statische (Stehen ein- oder zweibeinig) oder das dynamische Balancieren (Gehen) geschult werden soll. Zwischen den darauf folgenden Variablen Üben des Balancierens und den weiterfüh- renden Tricks auf der Line muss der Schlüs- selschritt Querstehen eingeführt werden, da für viele Tricks der senkrecht stehende Fuß im Bezug zur Line Voraussetzung ist. Wurde sich für den Einsatz methodischer Hilfen entschie- den, können diese Hilfen über die letzten vier Schritte wiederkehrend eingesetzt werden, bis das kontrollierte Ausführen der angestreb- ten Bewegung gegeben ist. Slacklinen – von der methodischen Reihe zur dynamischen Methodik In den Outdoorsportarten wird von einer offenen (Lern-)Situation gesprochen, wenn unterschiedliche Faktoren die Lernumstände beeinflussen. Im Slacklinen nehmen folgende Faktoren Einfluss auf den Lernprozess: Art, Länge, Spannung, (Absprung-)Gelände, ko- ordinative Voraussetzungen der Teilnehmer, Gruppengröße und -zusammensetzung, etc. Der versierte Lehrende wird sich je nach Zu- Abb. 2: Metho- dische Hilfsmittel (von links oben): Hilfestellung mit zwei Personen, Hilfestellung mit einer Per- sonen, Stöcke, Halteseil mit zwei Personen, Barrengasse, Rookie-Rope Seitenansicht, Rookie-Rope Frontalansicht, “Hängebrücke” (Slalom Stöcke), Sprung mit einer Hilfestellung die in einem Stati- onsbetrieb um- gesetzt werden können Abb. 3: Beispiel für eine Metho- dische Reihe: Balancieren auf einem statischen Element (hier abgebildet Lang- bank), Balancie- ren auf einem dynamischen Element (hier ab- gebildet stehen auf Medizinball mit Zusatzauf- gabe Werfen und Fangen, Quersitzen auf der Slackline, Längssitzen auf der Slackline mit Training der Armbewe- gung, Stehen auf einem Bein, Stehen auf zwei Beinen 95Slacklineunterricht im formellen Sport der Schulen und Vereine © INÖK sammensetzung dieser Faktoren für unter- schiedliche Lehrwege entscheiden. Die auf- gezeigte methodische Reihe bietet eine gute Basisstruktur, doch ist es im Lehrweg ein starres System. Für die beschriebene offene Lernsituation bietet sich ein dynamisches me- thodisches Modell an. Das Modell der stepping stones (Alpine Technical Manual, 2007) wird diesen An- sprüchen gerecht. Durch die Vorstellung, der Lehrweg gleicht einer Flussüberquerung, bei der es keine starre Brücke gibt, sondern viele verschiedene Trittsteine eine Überquerung ermöglichen, bekommt die klassische Start- Weg-Ziel-Methodik eine neue Dynamik. Je nach Situation können vom Lehrenden un- terschiedliche Wege zum gleich bleibenden Ziel gewählt werden. Ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren, besteht die Möglichkeit, kurzfristig einen Schritt mehr oder auch einen Schritt zurück einzubauen. Natürlich stellt das Modell an den Leh- renden einen großen Anspruch, da er für die optimale Übungsauswahl verantwortlich ist. Trotzdem bietet sich auch dem unerfahrenen Lehrenden ein größerer Handlungsspiel- raum. Zunächst kann man sich strikt an den methodischen Grundsätzen vom Leichten zum Schweren, vom Bekannten zum Unbe- kannten und vom Einfachen zum Komplexen orientieren. Je stärker der Lehrende aber in die Komplexität des Erlernens der Sportart Slacklinen eintaucht, desto eher können die Übungen auch sinnvoll in andere Reihungen gebracht werden. Hierfür bietet sich das Mo- dell des differenziellen Lernens an. Übungen mit großen Reizunterschieden folgen aufei- nander, um so eine variable Bewegungsaus- führung zu schulen. Abb.4: dyna- mische Methodik, Start und Ziel mit unterschiedlichen Lehrwegen mit Hilfe der stepping stones Methodische Übungsreihe – die Aufgaben wer- den zunehmend schwieriger und komplexer Abb. 5: Vergleich methodische Übungsreihe zu differenziellem Lernen; Quelle: Skilehrplan Praxis (2006) Differenzielles Lernen – große Reizunterschiede bei den Aufgaben 96 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline Anwendung der dynamischen Methodik – stepping stones im Slacklinen Bevor nun der Lehrende das dynamische Lehrmodell anwendet, klärt er für sich die bekannten fünf Fragestellungen der Unter- richtsdidaktik: Was ist das Ziel (Frage nach den Lernzie- len)? Wer nimmt teil (Frage nach Erfahrung der Teilnehmer, Alter und Gruppenstärke)? Wie ist der Lehrweg (Frage nach der Art des Vorgehens, des Lehrwegs)? Wie viel Zeit steht zur Verfügung (Frage nach Dauer und Anzahl der Unterrichts- einheiten)? Womit soll gelehrt werden (Frage nach den Hilfsmitteln)? Das Modell ist in einem Koordinatensy- stem angelegt. Auf der x-Achse bilden sich der Anspruch und die Komplexität der Auf- gabe ab. Die fünf Lernstufen des Slacklinens finden sich auf der y-Achse wieder. Der ima- ginäre Startpunkt ist der Nullpunkt. Auf dem Weg zum Lernziel Kontrollierte und Kom- plexe Bewegung auf der Line können die ver- schiedenen Aufgaben, die im Koordinaten- system angeordnet sind, variabel eingesetzt werden. Ziel ist es aber nicht, alle Aufgaben einer Lernstufe abzuarbeiten bis auf die näch- ste Lernstufe fortgeschritten werden darf, sondern vielmehr, die verschiedenen Aufga- ben stimmig aufeinander folgen zu lassen. Es ist nur im Sinne des sicheren und angst- freien Lernens darauf zu achten, dass Auf- gaben mit Farbe der angestrebten Lernstufe Abb. 6: dyna- mischen Metho- dik – stepping stones im Slack- linen 97Slacklineunterricht im formellen Sport der Schulen und Vereine © INÖK Abb. 7: Anwen- dungsbeispiele der stepping stones im Slacklinen für unterschiedliche Lerngruppen 98 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline vorab gestellt werden. Die Pfeile aus den drei obersten Lernstufen in Richtung Lernstufe Methodische Hilfen zeigen auf, dass die ver- schiedenen Übungen durch den Einsatz der methodischen Hilfen auf dieser Stufe inte- griert werden können oder zum Erlernen der Bewegungen auf diese Stufe zurückgekehrt werden kann. So kann der Lehrende in Ab- hängigkeit der ihm vorgegebenen Faktoren einen Individuellen Lehrweg fixieren. Zudem bietet das Modell dem Anwender die Mög- lichkeit, zusätzliche Aufgaben zu integrieren, wenn sie ihm für seinen Lehrweg nützlich er- scheinen. Anwendungsbeispiele – stepping stones im Slacklinen Im Folgenden werden zwei Anwendungs- beispiele für unterschiedliche Teilnehmer Abb. 8: Slack- lineaufbau in einer Sporthalle für eine Klassen- stärke von 30 Schülern 99Slacklineunterricht im formellen Sport der Schulen und Vereine © INÖK Abb. 9: Optimale Hilfestellung durch zwei Personen mit erhobener flacher Hand. Der Slackli- ner erhebt eben- falls die flachen Hände und stützt sich im Bedarfsfall in den erhobenen Händen der Hilfe- stellung ab, ohne sich festzuhalten. So wird die Aus- gleichsbewegung der Arme frühzeitig trainiert. © alpinstil gegeben. Ist der Lehrende mit koordinativ starken und risikofreudigeren Teilnehmern konfrontiert, die unter Umständen schon Vor- erfahrung auf der Slackline oder ähnlichen Sportgeräten mitbringen, kann er mit großen Schritten seine Flussüberquerung angehen. Er wird nach kurzer Einführung mit seinen Teil- nehmern die Line mit kurzem Aufsetzen über- springen, um danach mit einer Partnerübung das Gehen auf der Slackline einzuführen. Hie- rauf folgen der Schnellstart und einbeiniges Stehen bis hin zum freien Gehen. Nach Wip- pen und Querstehen (vielleicht mit Hilfestel- lung) schreitet er über Wippen mit Gehen zu den verschiedenen Tricks, um die Motivation seiner Teilnehmer hoch zu halten. So wird das Lernziel innerhalb kurzer Zeit erreicht. Ist aber ein Lehrweg für schwächere Teil- nehmer zu kreieren, werden deutlich mehr Schritte von Nöten sein. Hier wird der Lehren- de zum Beispiel nach der Einführung und den ersten freien Versuchen auf einen Stationsbe- trieb mit allen methodischen Hilfen zurück- greifen. Danach wird er erst das freie Gehen durch einen stetigen Abbau der Hilfsmittel einführen und immer wieder auf die Hilfsmit- tel (gestrichelte Linien) zurückgreifen, um die nächsten Übungen einzuführen. Organisationsrahmen für Schulklassen Der exemplarische Aufbau in Abbildung 8 bietet sich für Schulklassen oder größere Gruppen an, um eine hohe Übungsintensi- tät bzw. einen Stationsbetrieb gewährleisten zu können. Ein derartiges Schema bietet sich für die heimische Anlage oder Halle an (un- ter Berücksichtigung der Norm für Slacklines DIN 79400). So kann eine Routine entwickelt werden, die für alle Nutzer der Halle verpflich- tend ist. Zusätzlich dient ein solcher Plan als Gedächtnisstütze und gewährleistet so einen schnellen Aufbau. Außerdem können die Teil- nehmer anhand dieses Plans in den Aufbau- prozess integriert werden. Abb. 10: Part- nerhilfe mit Reduzierung der Unterstützungs- fläche durch z.B. Luftballons oder Tennisbälle, die nur vom Slack- liner gehalten werden dürfen. Die Hilfestellung hält die Hand flach. © alpinstil Abb. 11: Wie Abb. 10 nur mit weiterer Reduzie- rung der Unter- stützungsfläche der Partnerhilfe. Der Slackliner hält Tennisbälle in bei- den Händen und stützt sich über diese in die, durch die Partner gehal- tenen Luftballons ab. © alpinstil 100 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline Verwendete und weiterführende Literatur American Snowsports Education Association (2007). Alpin Technical Manual, 2nd.ed. Lakewood Colorado: ASEA. Birklbauer, J. (2006). Modelle der Motorik: Eine vergleichende Analyse moderner Kontroll-, Steuerungs- und Lernkonzepte. Spektrum Bewegungswissenschaft. Vol. 5. Aachen: Meyer & Meyer. Carpenter C. (n.d.). The evaluation of slacklining. Zugriff am 20.10.2010 un- ter: http://www.slackline.at/cms/index. php?option=com_content&task=view&id =65&Itemid=2 Deutscher Verband für das Skilehrwesen e.V.Skilehrplan (2006). Skilehrplan praxis. München: BLV. Ehni, H., Kretschmer, J., Scherler, K., Weichert, W., & Wolters, P. (Hrsg.) (2000). Didaktik des Schulsports. Schorndorf: Hofmann. Heckhausen, H. (1980). Motivation und Han- deln: Lehrbuch der Motivationspsycholo- gie mit 72 Tabellen. Berlin: Springer. Kroiß, A. (2007). Der Trendsport Slacklinen und seine Anwendbarkeit im Schulsport. Schriftliche Hausarbeit zur Ersten Staats- prüfung für das Lehramt an Gymnasien, TU München. Rom, K. (2009). Die Slackline: …Für das Fach Bewegung und Sport. Bewegungserzie- hung, (03), 19–24. Schöllhorn, W. I., Beckmann, H., Janssen, D., & Michelbrink, M. (2009). Differnzielles Lehren und Lernen im Sport: Ein alterna- tiver Ansatz für ein effektiven Schulsport- unterricht, 58(2), 36–40. Söll, W. (2005). Sportunterricht - Sport unter- richten: Ein Handbuch für Sportlehrer (6. unv. Aufl.). Schorndorf: Hofmann. Abb. 12: Metho- disches Hilfsmittel Stöcke: Als Länge der Stöcke emp- fiehlt sich je nach Körpergröße des Slackliners 2 - 2,50 m. Dadurch wird die angestrebte Armposition und Körperhaltung ermöglicht. Ge- griffen wird der Stock möglichst mit Daumen und Zeigefinger. © alpinstil 101 Die Auswirkungen eines Slacklinetrainings auf die posturale Kontrolle und die Kraft von Sportstudierenden © INÖK Nicolas Iten1, Urs Granacher1, Ralf Roth1 & Albert Gollhofer2 Die Auswirkung eines Slacklinetrainings auf die posturale Kontrolle und die Kraft von Sportstudierenden Zusammenfassung Das Risiko, eine Sportverletzung zu erlei- den, ist im Erwachsenenalter hoch. Defizite in der posturalen Kontrolle/Muskelkraft sind wichtige Risikofaktoren, eine Verletzung zu erleiden. Folglich ist die Absicht dieser Studie, die Überprüfung der Effekte eines typischen Balance Trainings (BT), z.B. Slacklinetrainings, auf die Balance und die Kraft. 27 Sportstudie- rende wurden randomisiert der Interventions- (INT) (22,8 ± 3,3 Jahre) und Kontrollgruppe (KON) (23,9 ± 4,4 Jahre) zugeteilt. Die INT nahm an einem vierwöchigen Slacklinetrai- ning auf Nylonbändern teil. Anschließend folgten vier Wochen ohne Training (Detrai- ning). Die Tests beinhalteten die Messung (a) der Gesamtspurlänge des Kraftangriffpunktes (KAP) während dem monopedalen Stand auf einer Gleichgewichtsplatte der Fima IMM und während der Kompensation nach einem Stör- reiz, (b) des maximalen Drehmoments und der Explosivkraft (Rate of force development RFD) auf einem Isokineten und (c) der Sprung- höhe auf einer Kraftmessplatte. Nach dem Training resultieren keine signifikanten Ef- fekte auf die statische/dynamische posturale Kontrolle, das maximales Drehmoment und die Sprunghöhe. Durch das Training konnte die Explosivkraft verbessert werden und sich nach dem Detraining nachhaltig auswirken. Da eine erhöhte Balance und Kraft wichtige Faktoren für die Verletzungsprävention dar- stellen, kann eine alleinige Verbesserung der Explosivkraft möglicherweise keinen verlet- zungspräventiven Effekt erzielen. Einleitung Der Nutzen von regelmäßiger körperlicher Aktivität auf die körperliche und mentale Ge- sundheit und deren positiven Wirkweise auf verschiedene chronische Krankheiten (z.B. Fettleibigkeit, Bluthochdruck) wurde schon lange belegt (18). Durch sportliche Aktivität einhergehende Nebeneffekte sind Sportver- letzungen, welche ein immer größeres Ge- sundheitsproblem darstellen. Gemäß einer deutschen Gesundheitsschätzung erhalten 5,6% der in der Freizeit körperlich aktiven Erwachsenen während eines Jahres medizi- nische Behandlung für nicht tödliche Sport- verletzungen (34), wobei die Verletzungs- häufigkeit bei 30-Jährigen und Jüngeren am höchsten ist. Dislokationen, Distorsionen und Bänderrisse sind für 60% aller Sportverlet- zungen verantwortlich, gefolgt von Frakturen (18%), Quetschungen, oberflächlichen oder offenen Wunden (12%) (36). Ferner gesche- hen 62% der Sportverletzungen außerhalb der Arbeitszeit. Demzufolge tragen Sportver- letzungen zu einer hohen finanziellen Bela- stung für das öffentliche Gesundheitssystem bei (31). Zwei wichtige Risikofaktoren sind Defizite der posturalen Kontrolle (39) und muskuläre Disbalancen und/oder Schwäche 1 Universität Basel, Institut für Sport und Sportwissenschaft 2 Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Institut für Sport und Sportwissenschaft 102 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline (41). Eine beeinträchtigte posturale Kontrolle offenbart sich zum Beispiel in einer verlän- gerten Latenzzeit bei der Kompensation von unerwarteten Störreizen (26) bei den unteren Extremitäten. Defizite in der Kraft führen zu einer reduzierten Gelenksteifigkeit während dynamischer Aktivitäten. Daraus resultiert eine erhöhte Verletzungsanfälligkeit des ent- sprechenden Gelenks (23). Daher sollten sich verletzungspräventive Sportprogramme auf die Förderung der Balance und Kraft fokus- sieren, um die Sportverletzungsrate effektiv zu reduzieren. In der Vergangenheit wur- de das BT als Rehabilitationsmaßnahme bei Verletzungen der unteren Extremitäten und posturalen Defizite angewendet. Prospektive Studien belegen einen präventiven Effekt auf Fuß- und Kniegelenkverletzungen (2, 5, 29, 37). Kürzlich konnten Studien sogar positive Effekte eines BT auf die statische und dyna- mische posturale Kontrolle, wie auch auf die Kraftproduktion der unteren Extremitäten bei Kindern (14), Jugendlichen (10), Erwachsenen (19), Senioren (13), Patienten (37) und Ath- leten (36) aufzeigen. Das BT führte zu einem schnelleren Kraftanstieg der unteren Extremi- täten, obwohl das BT keine spezifischen Kräf- tigungsübungen beinhaltet. Das Slacklinetraining, ein typisches BT, hat bei einigen erfolgreichen Sportlern seit eini- gen Jahren einen festen Platz im Trainings- programm und besitzt ein großes Potential, um die Balance und Kraft zu steigern. Beim Slacklinen balanciert der Akteur auf einem dehnbaren Nylonband, welches üblicherwei- se zwischen zwei Fixpunkten (Bäume, Pfo- sten) auf etwa Kniehöhe gespannt wird. Das Band ist flach (2,5 - 5 cm breit, 6 - 20 m lang) und wird mit einer Ratsche oder einem Fla- schenzug beliebig stark gespannt. Durch die hohe Balanceanforderung beim Slacklinen und der steigenden Popularität unter jungen Leuten, scheint das Slacklinen ein optimales Trainingsmittel für junge, gesunde Erwachse- ne zu sein. Nach intensiver Überprüfung der Literatur kann festgestellt werden, dass bisher keine Datenbasis zur Wirkweise eines spezi- fischen Slacklinetrainings auf die Sportverlet- zungsfaktoren der verminderten Balance und Kraft der unteren Extremitäten bei Sportlern besteht. Daher besteht das primäre Ziel der vorliegenden Studie in der Überprüfung der Effekte eines vierwöchigen Slacklinetrainings auf die statische und dynamische posturale Kontrolle, die Kraft der Plantarextensoren und der Sprunghöhe bei jungen gesunden Sportstudierenden. Basierend auf den Resul- taten von Studien, welche die Effekte eines BT auf die posturale Kontrolle und Muskel- kraft in dieser Altersgruppe untersuchten (10, 19), wurden signifikante Verbesserungen der Balance und der Kraft durch das Slacklinetrai- ning erwartet. Material und Methoden Für die Studie wurde ein Zwei-Gruppen- Versuchsplan mit Messwiederholung beste- hend aus Prä-, Post- und Follow-Up-Tests eingesetzt. Die Trainingsperiode dauerte vier Wochen, da neuronale Anpassungen erzielt werden sollten (35). Nach der Trainingsperi- ode folgte das Detraining, um die Nachhal- tigkeit der Trainingsmaßnahme zu evaluieren. Um die körperlichen Auswirkungen zu unter- suchen, wurde die statische/dynamische po- sturale Kontrolle wie auch die isometrische/ dynamische Muskelkraft ermittelt. Probanden 27 freiwillige, junge und gesunde Sport- studenten/innen ohne Slackline- und Balan- 103 Die Auswirkungen eines Slacklinetrainings auf die posturale Kontrolle und die Kraft von Sportstudierenden © INÖK cetrainingserfahrung haben an dieser Studie teilgenommen. Das dominante Bein wurde ermittelt (3), anschließend wurden die Pro- banden (Pbn) gebeten, den Freiburger Fra- gebogen zur körperlichen Aktivität (8) aus- zufüllen. Der Startzeitpunkt zur Studie wur- de durch die EKBB (Ethikkommission beider Basel) erteilt. Slacklinetraining Die Pbn wurden randomisiert der INT oder KON zugeteilt. Die Pbn der INT realisierten ein vierwöchiges Slacklinetraining, welches drei- mal wöchentlich über 60 Minuten an nicht aufeinanderfolgenden Tagen stattfand. Die Trainings wurden in den Turnhallen der St. Jakobshallen durchgeführt, welche mit spe- ziellen Betonankern aufgerüstet wurden. Die Slacklines (Power Slacker, Selzach, Schweiz) waren 3,5 cm breit, besaßen eine Elastizi- tät von 4% und wurden auf maximal 60 cm Höhe über Matten gespannt, um die größt- mögliche Sicherheit zu gewährleisten. Die Länge der Bänder variierte zwischen 6 und 15 Meter. Das Training wurde durch einen Stationenbetrieb mit unterschiedlichen Auf- gabenstellungen abwechslungsreich gestal- tet. Jedes Training startete mit einem zehn- minütigen Aufwärmen, gefolgt vom 45-mi- nütigen Training und einem fünfminütigen Auslaufen. Anfangs wurden Zweiergruppen gebildet, damit ein Proband Hilfestellung lei- sten konnte. Die Hilfsmittel wurden nach und nach abgebaut und die Aufgabenschwierig- keit nach dem Prinzip der progressiven Bela- stungssteigerung erhöht. Die je zweiminütige Belastungs- und Erholungsphase wurde mit Musik begleitet und richtete sich nach einer kürzlich veröffentlichten Studie (32). Alle Trai- nings wurden durch den Autor der Studie geleitet und überwacht. Die KON absolvierte während der vier Wochen kein zusätzliches Training. Testablauf Zu allen drei Testterminen erhielten die Pbn nach dem Betreten des biomechanischen Labors die gleichen mündlichen Instruktionen zum Testablauf. Vor Testbeginn wurden die Personendaten erfasst und die Körpergröße und das Gewicht festgehalten. Danach fand ein fünfminütiges allgemeines Aufwärmen auf einem Fahrradergometer statt, welches durch ein spezifisches Aufwärmprogramm in Form von submaximalen Sprüngen ergänzt wurde. Die Pbn wurden auf (a) die statische/dy- namische posturale Kontrolle, (b) die Sprung- höhe und (c) das maximale Drehmoment und die Explosivkraft der Plantarextensoren unter isometrischen Bedingungen auf einem Isoki- neten geprüft. Messstationen Balance-Plattform Zur Bestimmung der statischen und dy- namischen posturalen Kontrolle, standen die Pbn aufrecht und ohne Schuhe monopedal über eine Dauer von 30 s mit dem dominan- ten Bein auf einer Gleichgewichtsmessplatte (Single-Dynamik Test) (9) der Firma IMM vom Typ GKS 1000 (Mittweida, Deutschland). Die Pbn fixierten mit eingestützten Armen ein Kreuz auf Augenhöhe und versuchten mög- lichst ruhig mit einer Kniebeugung von ca. 30° zu stehen. Nach zwei Probeversuchen wurde während 30 s (24) mit einer Abtastfrequenz von 40 Hz der Kraftverlauf des Kraftangriff- punktes (KAP) in medio-lateraler und in an- 104 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline terior-posteriorer Richtung über vier Sensoren registriert. Die resultierende Gesamtspurlänge des KAP wurde in Millimeter gemessen und ergab sich aus dem Durchschnittswert von je drei Versuchen. Bei der dynamischen Mes- sung wurde die Gleichgewichtsmessplatte in ein Gestell mit vier Federn gehängt. Diese Konstruktion erlaubte es, eine Instabilität in alle drei Dimensionen zu erreichen, wodurch die dynamische posturale Kontrolle quantifi- ziert werden konnte. Die Plattform wurde mit einem Magneten 2,5 cm in lateraler Richtung befestigt und per Knopfdruck gelöst. Die Pbn hatten die Aufgabe, die Plattform so schnell wie möglich ruhig zu stellen. Die Spurlänge wurde während 10 s ermittelt, wobei der Durchschnittswert von den drei Versuchen berechnet wurde. Kraftmessplatte Bei der Sprungkraftmessung standen die Pbn im bipedalen Stand barfuß auf einer eindimensionalen, in FZ-Richtung wirkenden Kraftmessplatte (Kistler® Typ 9290AD, Win- terthur, Schweiz). Die Aufgabe bestand da- rin, durch eine Tief-Hoch-Bewegung des Körperschwerpunktes mit anschließendem beidbeinigen Absprung, dem Counter-Mo- vement-Jump (CMJ), eine möglichst große Sprunghöhe zu erzielen. Die Durchführung erfolgte analog dem standardisierten Proto- koll von Swiss Olympic (38); dabei wurde der Sprung ohne Armeinsatz absolviert (Hände auf Becken aufgestützt), um die unterschied- liche Koordination zwischen Arm- und Bein- bewegung auszuschließen (21). Der Sprung wurde dreimal absolviert und erfolgte auf ein standardisiertes Kommando. Die vertika- le Bodenreaktionskraft wurde mit einer Ab- tastfrequenz von 500 Hz aufgezeichnet. Als Parameter der Sprungkraftmessung wurde die maximale Sprunghöhe in Zentimeter he- rangezogen. Isokinetik Die Messung der Maximal- und Explosiv- kraft der Plantarextensoren erfolgte unter isometrischen Bedingungen auf einem Isoki- neten (Isomed 2000®, D & R Ferstl GmbH, Hemau, Deutschland). Der IsoMed 2000 ist ein Dynamometer mit einer Leistung von 750 Nm (22). Die Pbn wurden in liegender Position auf dem Isokineten fixiert, wobei der Sprung- gelenkwinkel 100º betrug (25, 16). Die ex- akte Position wurde dokumentiert, damit bei den Prä-, Post- und Follow-Up Messungen die identischen Einstellungen vorzufinden waren. Vor den Messungen wurden drei bis fünf sub- maximale Versuche auf ein standardisiertes Zeichen durchgeführt. Mit dem dominanten Tab. 1: Effekte eines Slackline- trainings und Detrainings auf die posturale Kontrolle, Kraft der Plantarex- tensoren und Sprunghöhe bei Erwachsenen 105 Die Auswirkungen eines Slacklinetrainings auf die posturale Kontrolle und die Kraft von Sportstudierenden © INÖK Bein erfolgten zunächst drei maximale Plan- tarextensionen mit der Dauer von jeweils fünf Sekunden und einer Pause von einer Minu- te, wobei der beste Versuch gewertet wur- de. Es wurde die Maximalkraft (N), definiert als größter, willkürlich erzielter Kraftwert im Kraft-Zeit-Verlauf und die RFD (Nm/s), defi- niert als mittlere Steigung zwischen 20 – 80 % des maximalen Drehmoments, erfasst. Diese Parameter wurden gewählt, um sie mit früheren Studien zu vergleichen (16, 17, 36). Das Protokoll wurde kürzlich in einer anderen Studie detailliert beschrieben (14). Statistische Analyse Die notwendige Stichprobengröße zur Er- zielung statistisch signifikanter Resultate wur- de anhand einer Poweranalyse ermittelt (7), wobei ein Typ 1 Fehler von 0,05, ein Typ 2 Fehler von 0,10 (statistische Power = 0,90) so- wie ein within-subject Korrelationskoeffizient von r = 0.70 für auftretende Veränderungen zwischen dem Prä-Test und den beiden nach- folgenden Untersuchungen (Post-Test, Fol- low-Up-Test) angenommen wurde. Zusätzlich wurde eine Ausfallrate von 10% berücksichti- gt. Im Ergebnis ergab die Poweranalyse, dass zwölf Probanden pro Gruppe zur Aufdeckung eines statistisch signifikanten Trainingsef- fektes ausreichend sind. Als Grundlage für die Poweranalyse dienten bereits publizierte Befunde zu Effekten eines Gleichgewichts- trainings mit puberalen Jugendlichen (12). Zur Überprüfung der Interventionseffekte wurde eine 2 (Gruppen: Intervention, Kon- trolle) x 3 (Testtermine: Prä-, Post, Follow-Up- Test) Varianzanalyse mit Messwiederholung auf den Faktor Testtermine gerechnet. Die statistische Datenanalyse erfolgte mit dem Programmpaket SPSS (Version 17.0). Das Si- gnifikanzniveau wurde auf α = 5 % festge- legt. Die Bestimmung und Klassifikation der Effektgrösse f erfolgte unter Verwendung des partiellen η²p (1). Resultate 13 Pbn haben das Slackline Training ab- solviert, wobei keine Verletzungen registriert wurden. Es konnten keine statistisch signifi- kanten Unterschiede in der Baseline zwischen den Experimentalgruppen festgestellt wer- den. Statische und dynamische posturale Kontrolle Tabelle 1 zeigt bei beiden Experimental- gruppen eine leicht reduzierte KAP Gesamt- spurlänge vom Prä- zum Posttest. Trotzdem konnten keine Effekte von Test (F (2, 156) = 1.47, p > 0.05, η 2 = 0.05, f = 0.23) und Gruppe (F (1, 25) = 0.01, p > 0.05, η 2 = 0.01, f = 0.10) festgestellt werden. Zusätzlich konn- te die Gruppe x Test Interaktion für die KAP Gesamtspurlänge das Signifikanzniveau nicht erreichen (F (2, 156) = 1.52, p > 0.05, η 2 = 0.06, f = 0.25). Bei der dynamischen Messung konnte ebenfalls bei beiden Experimentalgruppen eine leicht reduzierte KAP Gesamtspurlänge vom Prä- zum Posttest festgestellt werden. Die statistische Analyse konnte Effekte be- züglich Test (F (2, 156) = 30.96, p < 0 .01, η2 = 0.55, f = 1.11), aber nicht für die Gruppe (F (1, 25) = 0.95, p > 0 .05, η2 = 0.04, f = 0 .20) aufzeigen. Ferner konnte keine Gruppe x Test Interaktion für die KAP Gesamtspurlänge diagnostiziert werden (F (2, 156) = 0.20, p > 0.05, η 2 = 0.01, f = 0.10). 106 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline Sprunghöhe Das Slacklinetraining führte zu einer ge- ringen Reduzierung der Sprunghöhe von den Prä- zu den Postmessungen. Die Analy- se konnte keinen Effekt von Test (F (2, 156) = 1.92, p > 0.05, η 2 = 0.07, f = 0.27) und Gruppe (F (1, 25) = 0.42, p > 0.05, η 2 = 0.02, f = 0.14) erkennen. Zusätzlich wurde für die Sprunghöhe keine signifikante Gruppe x Test Interaktion erkannt (F (2, 156) = 1.61, p > 0.05, partial η 2 = 0.06, f = 0.25). Kraft der Plantarextensoren Das maximale Drehmoment der Plantarex- tensoren erhöhte sich von den Prä- zu den Postmessungen in beiden Gruppen (Tab. 1). Die Analyse zeigte Effekte auf den Test (F (2, 156) = 18.10, p < 0 .01, η2 = 0.42, f = 0.85) aber nicht auf die Gruppe (F (1, 25) = 0.71, p > 0.05, η 2 = 0.03, f = 0.18). Zusätzlich konn- te die Gruppe x Test Interaktion für das maxi- male Drehmoment der Plantarextensoren kei- ne signifikanten Werte aufzeigen (F (2, 156) = 1.12, p > 0.05, η 2 = 0.04, f = 0.20). Abbildung 1 demonstriert die Steigerung der RFD der Plantarextensoren in der Inter- ventionsgruppe von den Prä- zu den Post- messungen. Die Analyse zeigte Effekte auf den Test (F (2, 156) = 5.02, p < 0 .01, η 2 = 0.17, f = 0.45), aber nicht auf die Gruppe (F (1, 25) = 0.03, p > 0 .05, η 2 = 0.01, f = 0.10). Zusätzlich konnte aber die Analyse eine Gruppe x Test Interaktion für die RFD der Plan- tarextensoren feststellen (F (2, 156) = 5.26, p < 0.05, η 2 = 0.17, f = 0.45). Die Post-hoc Analyse offenbarte, dass sich die Explosivkraft der Teilnehmer der INT von den Prä- zu den Postmessungen signifikant erhöhte, während bei der KON keine Änderung resultierte (Abb. 1). Weiter zeigt Abbildung 1 eine leichte Ab- nahme der RFD der Plantarextensoren von den Post- zu den Follow-Up Messungen. Die Post-hoc Analyse zeigte keine signifikante Änderung. Zusätzlich blieb die RFD nach dem Detraining immer noch signifikant höher als die Baseline (Abb. 1). Abb. 1: Verän- derungen der Leistung währen der Trainings- und Detrainings- periode auf die RFD und die Platarextensoren für die INT (Mit- telwert + SD) verglichen mit der KON (Mit- telwert + SD). RFD = Rate of force develop- ment; n.s. = ein statistisch nicht signifikantes Resultat. 107 Die Auswirkungen eines Slacklinetrainings auf die posturale Kontrolle und die Kraft von Sportstudierenden © INÖK Diskussion Die Hauptresultate dieser Studie können folgendermaßen zusammengefasst werden. Erstens erbrachte das vierwöchige Slackline- training keine statistisch signifikanten Verbes- serungen in der statischen und dynamischen posturalen Kontrolle wie auch im maximalen Drehmoment der Plantarextensoren und der Sprunghöhe. Zweitens war die Explosivkraft der Plantarextensoren nach dem Training si- gnifikant erhöht und zeigte nach dem vierwö- chigen Detraining nachhaltige Effekte ohne signifikante Abnahme von den Post- zu den Follow-Up-Messungen. Dem Autor sind keine anderen Studien bekannt, welche die Effekte eines Slacklinetrainings auf die statische/ dynamische posturale Kontrolle und die iso- metrische/dynamische Kraft bei Erwachsenen untersucht hat. Darum müssen ähnliche Stu- dien, wie z.B. BT Studien, für die Diskussion herangezogen werden. Die Ergebnisse dieser Studie stimmen nicht mit den Resultaten von BT-Studien überein. Granacher et al. (10) konnte Verbesserungen der statischen posturalen Kontrolle während des einbeinigen Stands sowie eine erhöhte Sprunghöhe beim CMJ nach einem vierwö- chigen Balancetraining mit gesunden Ado- leszenten (19 ± 2 Jahre) beobachten. Weiter erkannte Taube et al. (36) eine veränderte Reflexaktivierung während der Standpertur- bation wie auch eine signifikante Zunahme der Sprunghöhe des CMJ nach einem sechs- wöchigen BT bei jungen Eliteathleten (15 ± 1 Jahre). Ferner untersuchte Heitkamp et al. (19) die Auswirkungen eines sechswöchigen BT bei gesunden aktiven Erwachsenen (32 ± 6 Jahre) auf die statische posturale Kontrolle und die Muskelkraft und beobachtete eine signifikante Verbesserung des Gleichgewichts beim monopedalen Stand und des maximalen isometrischen Drehmoments der Kniestrecker und -beuger. Schließlich zeigten Studien, dass ein BT die statische/dynamische posturale Kontrolle bei älteren Leuten verbesserte (13) wie auch bei chronischer Fußgelenkinstabili- tät (28). Bei älteren Leuten konnte eine Ver- besserung der maximalen Kraft und der RFD der Beinstrecker nach einem 13-wöchigen BT festgestellt werden (11). Folglich kann ange- nommen werden, dass die Resultate in der Li- teratur über die posturale Kontrolle und Kraft der unteren Extremitäten einheitlich für die verschiedenen Studienpopulationen gelten. Es stellt sich nun die Frage, warum das Slacklinetraining, verglichen mit dem BT, zu keinen signifikanten Verbesserungen der Gleichgewichtsfähigkeit führte. Erstens muss erwähnt werden, dass die Literatur zum BT, im Gegensatz zum Slacklinetraining, weit mehr verbreitet ist. Zusätzliche Forschung ist nötig, um weitere Evidenz des Slacklinetrainings auf die Balance und Kraft zu erhalten. Zweitens könnte man annehmen, dass die Trainings- periode zu kurz war, um adaptive Prozesse bei der posturalen Kontrolle bei Erwachsenen auszulösen. Da keine andere Slacklinestudie zur Überprüfung der Auswirkungen auf die Balance und Kraft vorzufinden war, haben wir die oft erwähnten vier Wochen Training bei BT dem Slacklinetraining angepasst. In einem kürzlich erschienenen Review über BT bei ge- sunden Menschen wurde berichtet, dass ein BT-Programm mindestens zehn Minuten pro Tag, drei Tage die Woche und über vier Wo- chen genügen sollte, um die Balance zu erhö- hen (4). Dennoch sollten zukünftige Studien die Trainingsperiode auf sechs bis acht Wo- chen mit drei Trainingseinheiten pro Woche ausdehnen. Drittens liegt vielleicht ein me- thodisches Problem vor. Doch es liegt keine 108 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline wissenschaftlich ausgewertete Studie vor, wie man ein Slacklinetraining progressiv steigert. Gruber et al. (16) und Taube et al. (35) haben für das BT Richtlinien veröffentlicht. Solche Empfehlungen sollten auch für das Slacklinen angefertigt werden, um das Training für diese attraktive und populäre Sportart effektiver zu gestalten. Unsere Resultate über die Explosivkraft nach einem Slacklinetraining sind in Überein- stimmung mit einer Studie, welche die Effekte eines vierwöchigen BT mit zwei Trainings pro Woche auf die Explosivkraft der Beinstreck- muskulatur bei isometrischer Maximalkon- traktion bei jungen gesunden Erwachsenen (28 ± 6 Jahre) überprüft hat (15). Nach dem Training konnten die Autoren keine Erhöhung der maximalen isometrischen Kraft der Bein- strecker feststellen, doch die Explosivkraft er- höhte sich um 33%, welches auf das höhere Aktivierungslevel des M. vastus medialis nach dem Training zurückzuführen ist. Da es nicht möglich ist, die Muskelmasse nach einem vierwöchigen Training zu erhöhen, nahmen Gruber und Gollhofer (15) an, dass die Er- höhung der Explosivkraft vielleicht durch die erhöhte neuromuskuläre Aktivität entsteht. Die Autoren vermuten, dass eine Abnahme der präsynaptischen Hemmung der Ia-Affe- renzen, welche durch die Motoneurone des dazugehörigen Muskels ausgelöst werden, der Grund für die erhöhte RFD sein kann. Dieser neuronale Mechanismus könnte also für die beobachtete Erhöhung des RFD der Plantarextensoren nach dem Training verant- wortlich sein. Doch wegen der methodischen Limitationen dieser Studie, können die Resul- tate nicht direkt durch die neuromuskulären Mechanismen erklärt werden. In der aktuellen Studie resultierte nach vier Wochen Detraining eine um 1,4% reduzierte RFD. Trotzdem war die RFD nach dem Detrai- ning noch signifikant höher (13%) als bei der Baseline-Messung, was eine nachhaltige Wir- kung des Slacklinetrainings zeigt. Dem Autor ist keine Studie bekannt, welche die Auswir- kungen eines Detrainings nach einem BT/ Slacklinetraining auf die posturale Kontrolle und die Kraft bei jungen Erwachsenen unter- suchte. Es bleibt die Frage, ob das Slacklinetrai- ning einen präventiven Effekt auf die Sport- verletzungsrate der unteren Extremitäten besitzt. Da sich nur die RFD der Plantarexten- soren signifikant verbesserte, die statische/ dynamische posturale Kontrolle jedoch nicht, kann angenommen werden, dass die allei- nige Veränderung der RFD nicht ausreicht, um einen verletzungspräventiven Effekt zu erzielen. Bedingt durch die wenigen Studien- teilnehmer und die kurze Interventionsdauer war es jedoch nicht möglich, die Verletzungs- rate der Teilnehmer zu ermitteln. Sollte also ein verletzungspräventiver Effekt angestrebt werden, wäre zum jetzigen Zeitpunkt das BT vorzuziehen, da dabei bereits bei Basketball- spielern (6, 27), Fussballspielern (27) und eu- ropäischen Handballspielern (29, 30, 40) eine reduzierte Verletzungsanfälligkeit bewiesen werden konnte. Wir müssen einige Limitationen dieser Studie einräumen, welche Grund zur Diskus- sion geben. Erstens ist die Teilnehmerzahl in dieser Studie relativ gering. Trotzdem bestä- tigte eine Poweranalyse, dass zwölf Pbn pro Gruppe ausreichen, um statistisch signifi- kante Ergebnisse für die Balance zu erreichen. Andere Studien konnten sogar mit kleineren Teilnehmerzahlen signifikante Effekte nach einem BT auf die Balance und Kraft von Ju- 109 Die Auswirkungen eines Slacklinetrainings auf die posturale Kontrolle und die Kraft von Sportstudierenden © INÖK gendlichen (10) und jungen Eliteathleten (36) erzielen. Zweitens haben wir für die statische/ dynamische posturale Kontrolle nur die totale KAP Gesamtspurlänge genannt. Bei unserer Analyse haben wir aber auch die Geschwin- digkeit, Durchschnittsschwankung und der Variationskoeffizient für die totale KAP Ge- samtspurlänge, wie auch die KAP Gesamt- spurlänge in mediolateraler und anterior- posteriorer Richtung berechnet. Da die sta- tistische Analyse durch die oben erwähnten Parameter keine zusätzlichen Informationen lieferten, konzentrierten wir uns nur auf die totale KAP-Gesamtspurlänge. Drittens war die eingesetzte Testmethodik, wie sie aus BT Studien bekannt ist, möglicherweise nicht optimal, um die adaptiven Effekte eines Slacklinetrainings auf die posturale Kontrolle zu erfassen, da das Slacklinen ein hochdyna- mische Bewegungsaufgabe darstellt, welche die unteren und oberen Extremitäten für die Gleichgewichtskontrolle mit einbeziehen, während das BT eher die unteren Extremi- täten beansprucht. Darum sollten zukünftige Studien mehr dynamische Tests integrieren, um mögliche Verbesserungen der posturalen Kontrolle besser zu evaluieren. Ferner führt das Slacklinen primär zu großen Gleichge- wichtsschwankungen, welche, nach der The- orie der Hüft Strategie (20), vor allem durch die gelenksumgreifenden Muskeln der Hüf- te ausgeglichen werden. Deswegen wäre es empfehlenswert, eher die Muskelkraft um das Hüftgelenk zu messen als die des Fußge- lenks. Zusammenfassend zeigt die Studie, dass das Slacklinetraining ein ungefährliches Trai- ningsmittel ist, welches Verbesserungen der RFD der Plantarextensoren bei jungen Er- wachsenen erreicht und nachhaltig wirkt. Leider zeigte das Slacklinetraining keine Ver- besserungen in der statischen/dynamischen posturalen Kontrolle. Da die Balance und die Kraft wichtig für die Verletzungsprävention sind (42), genügt die alleinige Verbesserung der RFD möglicherweise nicht, um das Slack- linen als effizientes verletzungspräventives Trainingsmittel einzusetzen. Literaturverzeichnis 1 Bortz J. Statistik für Sozialwissenschaftler. Berlin: Springer Verlag 1999 2 Caraff a A, Cerulli G, Projetti M, Aisa G, Rizzo A. Prevention of anterior cruciate ligament injuries in soccer. A prospective controlled study of proprioceptive trai- ning. Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc 1996; 4: 19–21 3 Coren S. 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Med Sci Sports Exerc 2009; Epub vor Druck 113Slacklinen als spezielles Gleichgewichtstraining im Skilanglauf © INÖK Andreas Thomann1, Barbara Eigenschenk2 & Thomas Kloth1,3 Slacklinen als spezielles Gleichgewichtstraining im Skilanglauf „Slackline is a good cross-training exer- cise for anything that requires balance, focus, strength, grace, quick reaction time and awa- reness. These are attributes that would bene- fit anyone but especially climbers, athletes, dancers, rowers, martial artists, surfers, skiers and snowboarders“ (Scott Balcom, 2005, S. 4). Viele derartige Zitate kursieren über die Sportart Slackline und lassen den Eindruck entstehen, dass das Slacklinen sämtliche Fä- higkeiten verbessert und als Trainingsgerät für alle Sportarten verwendet werden kann. Wissenschaftlich belegt sind diese Behaup- tungen jedoch keineswegs. Aktuell wird die Slackline insbesondere als Trainingsgerät im Skibereich eingesetzt und als Mittel zur Verbesserung der Gleichgewichtsfähigkeit diskutiert. Da sich den meisten Athleten im Sommer kaum die Möglichkeit bietet auf Schnee zu trainieren, ist es für sie schwierig, ihr Ski- und Gleitgefühl in der schneelosen Sommerpause zu schulen und neben dem Ausdauertraining die für die Sportart speziell erforderlichen technisch-koordinativen Fähig- keiten nicht zu vernachlässigen. Hottenrott und Urban (2004) verweisen deshalb auf die Verwendung spezieller Trainingsmittel, zu de- nen sie Technik- und Gleittraining auf Skirol- lern und Inlineskates, Imitationsübungen auf Therapiekreiseln und Wackelbrettern sowie Lauf- und Stockimitationsübungen zählen. Die Bedeutung der koordinativen Fähigkeit hat auch der Deutsche Skiverband erkannt und entsprechend im Anforderungsprofil für die Sportart Skilanglauf verankert (vgl. Abbil- dung 1). Das Gleiten und somit die Gleichgewichts- fähigkeit kann als eine der zentralen koordi- nativen Fähigkeiten der Sportart Skilanglauf betrachtet werden, die nicht umsonst zu den Gleitsportarten gezählt wird. Unter Gleich- gewichtsfähigkeit versteht man dabei die Fä- higkeit, „den gesamten Körper im Gleichge- wichtszustand zu halten oder während und nach umfangreichen Körperverlagerungen diesen Zustand beizubehalten beziehungs- Zur Anwendung der Slackline als Sommertrainingsgerät für Nachwuchsathleten Abb. 1: Lei- stungsbestim- mende Faktoren im Skilanglauf (DSV-Trainer- schule, 2006) 1 Deutsche Sporthochschule Köln, Institut für Natursport und Ökologie 2 Universität Bern, Institut für Sportwissenschaft; 3 Deutscher Skiverband 114 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline weise wiederherzustellen“ (Meinel & Schna- bel, 2007, S.225). Weineck (2007) unter- scheidet zudem in allgemeine und spezielle koordinative Fähigkeiten jeweiliger Sport- arten. Die spezielle Gleichgewichtsfähigkeit charakterisiert somit die disziplinspezifische Fähigkeit hochpräzise Steuerungsvorgänge der jeweiligen Wettkampfdisziplin umzuset- zen. Beim Skilanglauf benötigt man diese Fä- higkeit bei der Gleichgewichtsregulation auf einem Bein über dem Gleitski, aber auch bei der Wiederherstellung des Gleichgewichts nach dem Wechsel der Gleitbeinseite. „Die meisten Technikformen beim Skilanglauf sind eine komplexe Bewegung, bei der Arm-, Bein- und Rumpfarbeit kombiniert und gekoppelt werden müssen. Ziel bei jeder Technik ist es, optimal zu gleiten, […] um so möglichst kraft- sparend agieren zu können“ (Kroiß, 2011, S. 5). Für eine effiziente Technikausführung ist das Einbeingleiten auf dem Langlaufski somit eine wichtige Voraussetzung, da diese zu ei- ner ökonomischen Bewegungsausführung führt. Je besser die Gleichgewichtsregulation des Langläufers, desto länger sind seine Gleit- phasen auf einem Bein, was wiederum län- gere Erholungsphasen für die beanspruchte Muskulatur mit sich bringt. Wie bereits eingangs beschrieben wird zur Schulung der Gleichgewichtsregulation seit einigen Jahren das Trainingsgerät Slack- line diskutiert und in der Praxis angewendet. Vermutungen auf positive Trainingseffekte ergeben sich zum einen aus der Beobach- tung, dass sich die Slackline bei Topathleten bereits als Trainingsgerät etabliert hat. Zum anderen drängen sich bei der Betrachtung der beiden Sportarten Ähnlichkeiten in An- forderungsprofil und Bewegungsausführung auf, die Transfereffekte vermuten lassen. Wie beim Langlauf ist auch auf der Slackline die fortlaufende Regulation des Gleichgewichts ein leistungslimitierender Faktor. Durch die Dehnungseigenschaften des Bandes verhält sich das Sportgerät sehr dynamisch und ver- langt ein ständiges, aktives Ausgleichen der Schwingungen (Kroiß, 2007). Des Weiteren muss sowohl auf der Slackline als auch auf dem Langlaufski eine einbeinige Gleichge- wichtsregulation auf einer schmalen Unter- stützungsfläche ausgeführt werden. Gute Slackliner verwenden wenige Teilimpulse der oberen Extremität, um ihr Gleichgewicht zu halten (Schmid 2009). Ein ähnliches Ziel ver- folgt der Skilangläufer, denn Ausgleichsbe- wegungen der Arme bzw. des Oberkörpers verhindern eine ökonomische Lauftechnik und einen effizienten Krafteinsatz durch die Stockarbeit. Trotz dieser augenscheinlichen Übereinstimmung ist aus wissenschaftlicher Sicht nicht belegt, inwiefern sich die wack- lige Line als Sommertrainingsgerät tatsächlich eignet. Diese Studie beschäftigt sich deshalb mit der Frage, ob Transfereffekte von der Slack- line auf den Langlaufski bestehen und so- mit durch ein Slacklinetraining die Gleichge- wichtsfähigkeit auf Langlaufskiern verbessert werden kann. Dabei sollen aus praxisorientierter Sicht folgende Fragen beantwortet werden: wie die Slackline als spezielles Trainings- mittel zur Verbesserung der Gleichge- wichtsfähigkeit im Skilanglauf eingesetzt werden kann und welche für den Skilanglauf nutzbaren Trai- ningseffekte im Bereich der allgemeinen und speziellen Gleichgewichtsfähigkeit durch ein Slacklinetraining erzielt werden. 115Slacklinen als spezielles Gleichgewichtstraining im Skilanglauf © INÖK Forschungsstand In den bisherigen Studien über Effekte eines Slacklinetrainings wurde vor allem mit allgemeinen Koordinations- und Gleichge- wichtstests gearbeitet und die Verbesserung der allgemeinen Gleichgewichtsfähigkeit un- tersucht. Oswald (2009) überprüfte die Auswir- kungen eines 6-wöchigen Slacklinetrainings auf die ausgewählten motorischen Parameter Schnelligkeit, Reaktion und Gleichgewicht. Mit einer Versuchsgruppe von Studenten (n=25) führte sie zweimal wöchentlich jeweils eine Stunde ein Training auf der Slackline durch und verglich diese mit einer Kontroll- gruppe (n=13) ohne Gleichgewichtstraining. Die motorischen Parameter wurden zu vier Messzeitpunkten, in einem Vortest, in der Mitte des Untersuchungszeitraums, am Ende der Trainingszeit und in einem Retentiontest (nach 10 Wochen) in Form einer heterogenen Testbatterie mit vier Einzeltests erhoben. Diese setzten sich aus drei verschiedenen Tests des Talent-Diagnose-Systems (TDS) nach Werth- ner (Voss & Werthner, 1994), sowie dem S3 Körperstabilitätstest von MFT zusammen. Konkret wurden ein Hand-Reaktionstest, ein Shuttle Sprint und ein Tappingtest durchge- führt und beim S3 Körperstabilitätstest die Ergebnisse der Links-Rechts-Messung in Fron- talebene beidbeinig und einbeinig erfasst. Oswald (2009, S.61f.) kommt zu der Schluss- folgerung, dass Slacklinen grundsätzlich zur Verbesserung der motorischen Fähigkeiten eingesetzt werden kann. Positive Wirkungen auf Reaktion und Gleichgewicht, insbesonde- re auf die einbeinige Balance, konnten ten- denziell nachgewiesen werden. Jedoch wei- sen die Ergebnisse kaum signifikante Verän- derungen auf und auch bei der Kontrollgrup- pe zeigen sich Verbesserungen in den Tester- gebnissen, was auf Lerneffekte hinweist und den Rückschluss auf einen ausschließlichen Trainingseffekt nicht rechtfertigt. Abschlie- ßend stellt Oswald (2009, S.61) in Frage, ob eine Leistungsverbesserung auf der Slackline anhand von Standardtests tatsächlich gemes- sen werden kann und fordert eine engere Verknüpfung zwischen den Fähigkeiten, die auf der Slackline gefördert werden und der Testauswahl. Einen Vergleich der Trainingseffekte ver- schiedener Gleichgewichts-Trainingsgeräte beleuchteten Frank und Rist (2009). Sie untersuchten mit 65 Probanden die Aus- wirkungen eines Slacklinetrainings auf die Gleichgewichtsfähigkeit und weitere Parame- ter im Vergleich zum Einsatz herkömmlicher Trainingsmittel wie Kippbrett, Therapiekreisel, Airex-Matte, Rollbrett oder Trampolin. Sowohl die Versuchsgruppe Slackline als auch die Gruppe mit Standard Gleichgewichtstraining verbesserte die Gleichgewichtsfähigkeit signi- fikant. Obwohl das Training auf der Slackline bezüglich der resultierenden Trainingseffekte somit anderen Trainingsmitteln nicht vor- zuziehen wäre, ist doch die Tatsache positiv hervorzuheben, dass die Slacklineprobanden signifikant motivierter waren und sich eher vorstellen können, die Slackline in ihr Training zu integrieren. Zur Beantwortung der Frage, ob ein Slacklinetraining das einbeinige Gleiten im Langlauf verbessert und somit die Gleichge- wichtsregulation geschult werden kann, sind diese Ergebnisse wenig aufschlussreich. Es ist fraglich, ob sich Trainingseffekte auf der Slackline in allgemeinen Tests abbilden las- sen und ob diese wiederum als Prädiktor für die Leistung auf dem Sportgerät angesehen 116 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline werden können. Die Gleichgewichtsfähig- keit wird als zentrale koordinative Fähigkeit im Skilanglauf eingestuft. Es ist aber nicht gesagt, dass ein Sportler, der herausragende Ergebnisse in Gleichgewichtstests erzielt die- se auch „auf den Ski bringen kann“. Wei- neck (2007, S.820) fordert, dass die spezielle Gleichgewichtsfähigkeit sportartspezifisch abgetestet werden muss. Solche disziplinspe- zifischen Tests wurden in den bisherigen Stu- dien jedoch nicht behandelt, wodurch kaum Aussagen über Trainingseffekte für konkrete Sportarten getroffen werden können. Somit besteht ein Forschungsdefizit im Bereich der speziellen Gleichgewichtsfähigkeit und der Transfereffekte auf konkrete Sportarten wie dem Skilanglauf. Hypothesen: H1: Ein zusätzliches Slacklinetraining verbes- sert die spezielle Gleichgewichtsfähigkeit von Skilangläufern. H2: Ein zusätzliches Slacklinetraining verbes- sert die allgemeine Gleichgewichtsfähig- keit von Skilangläufern. Methode Zur Untersuchung der Transfereffekte eines Slacklinetrainings auf die Gleichge- wichtsfähigkeit im Skilanglauf wurde eine Längsschnittstudie mit 6-wöchiger Interven- tion in Kooperation mit den Landeskadern Skilanglauf aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz durchgeführt. Die Nachwuch- sathleten zwischen 11 und 17 Jahren wurden mit Hilfe der Stützpunkttrainer in eine Ver- suchs- (n = 16) und eine Kontrollgruppe (n = 12) aufgeteilt. Alle Teilnehmer hatten kei- ne oder nur wenig Erfahrung im Slacklinen. Bei der Zuteilung wurden die Kriterien Alter sowie räumliches Umfeld zur Durchführung berücksichtigt. Über einen Zeitraum von 6 Wochen (Mitte Mai bis Juni 2010) in der Vorbereitungsperiode I absolvierte die Ver- suchsgruppe neben dem regulären Training ein zusätzliches Slacklinetraining von 3 Ein- heiten pro Woche. Die Kontrollgruppe trai- nierte nach dem Rahmentrainingsplan. Das Slacklinetrainingsprogramm basierte auf dem Wissen einer Expertengruppe verschiedener Sportwissenschaftler und Trainer, die sowohl im Skisport als auch im Slacklinen tätig sind. Die Slackline-Intervention beinhaltete für jede Woche einen Trainingsschwerpunkt. In Woche 1 und 2 lag das Augenmerk auf dem Erlernen und Stabilisieren der Grundfertig- keiten Stehen und Gehen, Bewegen und Aus- gleichen auf der Line. In Woche 3 wurde der Schwierigkeitsgrad der Übungen erhöht und die Gleichgewichtsregulation unter erschwer- ten Bedingungen trainiert. Die 4. Woche hatte den Schwerpunkt auf Kraftelementen, darauf folgte eine Woche der anspruchsvolle- ren koordinativen Übungen mit zusätzlichen Materialien wie Bällen. Die letzte Woche ver- einte verschiedene Übungen aus den beiden Bereichen Kraft und Koordination. Die Gleichgewichtsfähigkeit der Proban- den wurde in einem Vor- und Nachtest er- hoben. Um Aussagen über mögliche Trans- fereffekte auf die Sportart Langlauf treffen zu können sollte ein Test durchgeführt wer- den, der die Sportart bestmöglich zu reprä- sentieren vermag. Die spezielle Gleichge- wichtsfähigkeit wurde deshalb anhand des Einbeingleitens auf Skirollern überprüft. Die Bewegungsform und Anforderungen auf 117Slacklinen als spezielles Gleichgewichtstraining im Skilanglauf © INÖK dem Sommertrainingsgerät Skiroller imitieren weitestgehend die Ausgleichsbewegung auf Langlaufskiern (vgl. Schwirtz, 2006, S.168). Es wurde bewusst auf eine Durchführung der Tests auf Schnee verzichtet, um die äußeren Bedingungen möglichst konstant zu halten. Vor- und Nachtest konnten so unter stan- dardisierten Bedingungen, auf trockenem Asphalt, durchgeführt werden. Nach einem Anlauf von 5 Metern im Diagonalschritt wur- de die zurückgelegte Distanz auf einem Bein gemessen. Neben dem Feldtest wurden Daten zur all- gemeinen Gleichgewichtsfähigkeit unter La- borbedingungen erhoben und dabei statische und dynamische Gleichgewichtstests auf ei- ner Challenge Disk der Firma MFT durchge- führt. Dieser Test erfordert eine dynamische Bewegung im Sprunggelenk in alle Bewe- gungsrichtungen und ist somit einachsigen Kipp-Platten wie dem S3-Check von MFT vor- zuziehen. Die Versuchsgruppe fertigte über die 6-wöchige Trainingsphase ein Trainingspro- tokoll über die absolvierten Übungseinheiten an, das insbesondere auch die persönliche Bewertung der Übungsschwierigkeit in den einzelnen Trainingswochen beinhaltete. Die Daten wurden mit Hilfe des Statistik- programms PASW 18 deskriptiv sowie mittels varianzanalytischer Methoden (mit Messwie- derholung) ausgewertet. Das Signifikanzni- veau wurde mit p < 0,05 festgelegt. Ergebnisse Die Teilnehmer der Versuchsgruppe konn- ten die Tests als auch das Training ohne ver- letzungsbedingte Ausfälle durchführen, wo- hingegen in der Kontrollgruppe einer der 12 Probanden nicht am Nachtest teilnahm. Der Altersdurchschnitt der Versuchs- gruppe betrug 14,1, die Kontrollgruppe war durchschnittlich 14,6 Jahre alt. Im Ausgangs- niveau der beiden Gruppen wurden keine signifikanten Unterschiede in den Vortester- gebnissen festgestellt (t-Test für unabhängige Stichproben, p (Einbein, MFTstat, MFTdyn) > .05). Test im Einbeingleiten auf Skirollern Betrachtet man die Ergebnisse aus deskrip- tiver Sicht, so zeigt sich eine deutliche Verbes- serung der Versuchsgruppe mit Slacklinetrai- ning im einbeinigen Gleiten. Ausgehend von 4,97 m mittlerer Gleitleistung aus drei Versu- Test Gruppe Vortest Nachtest Mittelwert Standard- abweichung Mittelwert Standard- abweichung Einbeingleiten (in m) VG-Slackline 4,97 1,20 6,48 1,68 Kontrollgruppe 5,20 0,85 4,47 1,17 MFT dymanisch (in %) VG-Slackline 12,38 1,64 16,63 1,80 Kontrollgruppe 11,00 1,46 15,73 1,34 MFT statisch (in %) VG-Slackline 36,56 6,72 45,06 7,42 Kontrollgruppe 30,67 5,53 39,09 8,85 Tab. 1: Übersicht der Messwerte 118 © INÖK Aktuelle Studien zu Entwicklung und Praxis der Trendsportart Slackline chen im Vortest konnte sie sich auf 6,48 m im Nachtest verbessern und sich somit um 1,51 m steigern. Diese entspricht einer Leistungs- steigerung von 30,38 %. Demgegenüber ver- schlechterte sich die Kontrollgruppe leicht um die durchschnittliche Distanz von 0,73 m. Anhand der Varianzanalyse mit Messwie- derholung ergeben sich keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Haupteffekte Messzeitpunkt und Methode. Jedoch zeigt die signifikante Wechselwirkung, dass Unter- schiede über die Zeit in Bezug auf die Grup- pe bestehen (F(1,25) = 10.45, p < .05, ƞ² = .295) p = .003). Die Leistungsentwicklung der Athleten wird durch die Intervention insofern beeinflusst, dass Athleten, die der Versuchs- gruppe Slackline zugeteilt wurden über die Zeit eine signifikant bessere Leistung im ein- beinigen Gleiten erzielen konnten. Die Veränderung der Leistung in Abhän- gigkeit von der Gruppe kann als großer Effekt von η² > .25 eingestuft werden (Rost, 2007). Test der Gleichgewichtsfähigkeit auf der MFT Platte Sowohl die Versuchsgruppe Slackline als auch die Kontrollgruppe zeigen im Vergleich von erstem zu zweitem Messzeitpunkt eine deutliche Verbesserung der dynamischen und statischen Leistung auf der MFT Platte (Wert in Prozent der maximal möglichen Leistung, siehe auch Tabelle 1). In beiden Testreihen, der statischen als auch der dynamischen, ergab sich ein signi- fikanter Haupteffekt der Zeit, d.h. eine signi- fikante Leistungssteigerung aller Probanden vom ersten zum zweiten Messzeitpunkt. Da- rüber hinaus zeigte sich kein Unterschied in Bezug auf die Gruppenzuteilung und keine Unterschiede über die Zeit in Bezug auf die Gruppe, d.h. keine signifikante Wechselwir- kung. Die Verbesserung der Probanden im statischen Test kann als mittlerer Effekt ein- gestuft werden. In der dynamischen Testreihe ergab sich ein grosser Effekt von η² = .619 (Rost, 2007). In Abbildung 5 werden die Testergebnisse Variable Gruppe n Mvor (SD) Mnach (SD) Einbeingleiten VG 16 4.97 (1.2) 6.48 (1.68) KG 11 5.20 (.85) 4.47 (1.17) Quelle der Variation F p η2 Messzeitpunkt (Z) 2.00 .169 .074 Gruppe (G) 1.09 .307 .042 Interaktion (ZxG) 10.45 .003 .295 Abb. 2: Ver- änderungen der Leistung im einbeinigen Gleiten auf Ski- rollern in Abhän- gigkeit von der Gruppenzuge- hörigkeit (VG = Versuchsgruppe, KG = Kontroll- gruppe) mit dazugehörigen statistischen Kennwerten der Varianzanalyse mit Messwieder- holung. Abb. 3: Ergebnisse der dynamischen und statischen Gleichgewichts- tests auf der Challenge Disc (MFT) (Wert in Prozent der ma- ximal möglichen Leistung) 119Slacklinen als spezielles Gleichgewichtstraining im Skilanglauf © INÖK des Feld- und Labortests im Vergleich darge- stellt. Dies stellt die unterschiedlichen Ten- denzen der Messwerte noch einmal heraus. Beide Gruppen verbessern sich in der Lei- stung auf der MFT Platte, sowohl in der sta- tischen als auch in der dynamischen Testreihe gleichermaßen. Demgegenüber bewirkt die Intervention eine starke Steigerung der Ver- suchsgruppe im einbeinigen Gleiten auf Ski- rollern, während sich die Kontrollgruppe im Einbeingleiten leicht verschlechtert. Diskussion Analog der Probandenauswahl lassen sich die Versuchsergebnisse auf Landeska- derathleten im entsprechenden Altersbe- reich übertragen. Tendenzen lassen sich auch für andere Gruppen ableiten, jedoch ist bei austrainierten Langläufern, die schon über eine ausgeprägte Gleichgewichtsregulati- on verfügen, nicht mit einer ähnlich großen Verbesserung zu rechnen. Die Auswahl einer Versuchsgruppe aus Nachwuchsathleten hat sich unter dem Gesichtspunkt als sinnvoll erwiesen, dass die komplexen und individu- ellen Trainingspläne von Spitzenathleten nur schwer standardisierbar sind und somit eine große Anzahl Störvariablen den Vergleich der Leistung erschwert. Hervorzuheben ist die deutliche Verbes- serung der Versuchsgruppe im einbeinigen Gleiten auf Skirollern, welche die Slackline im Bereich der speziellen Koordinations-Trai- ningsgeräte im Skilanglauf positioniert. Die widersprüchlichen Ergebnisse aus Feld- und Labortest unterstützen die eingangs beschrie- bene Problematik, dass sich die spezielle, auf die jeweilige Sportart bezogene Gleichge- wichtsfähigkeit nur schwer mit allgemeinen Koordinations- und Gleichgewichtstests ab- bilden lässt. Da die Testleistung des Einbein- gleitens näher an der Endform des Langlau- fens orientiert ist, stellt diese nach Meinung der Autoren den aussagekräftigeren Parame- ter dar, um eine Leistungsverbesserung der Gleichgewichtsregulation auf Langlaufskiern Variable Gruppe n Mvor (SD) Mnach (SD) MFT statisch VG 15 36.56 (6.72) 45.06 (7.42) KG 9 30.67 (5.53) 39.09 (8.85) Quelle der Variation F p η2 Messzeitpunkt (Z) 6.85 ..016 .237 Gruppe (G) 1.26 ..274 .054 Interaktion (ZxG) .086 ..772 .004 Variable Gruppe n Mvor (SD) Mnach (SD) MFT dynamisch VG 15 12.38 (1.64) 16.63 (1.80) KG 9 11.00 (1.46) 15.73 (1.34) Quelle der Variation F p η2 Messzeitpunkt (Z) 35.71 .

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    INSTITUT FUR NATURSPORT UND OKOLOGIE Institute of Outdoor Sports and Environment Leitfaden fur Diplomarbeiten am Institut fir Natursport und Okologie Bez 2A deb BS Be We de te th Ube Ub tie th 18 fay ere ute Lit ke ry a Ralf Roth Stefan Turk Schriftenreihe Natursport und Okologie Herausgegeben vom Institut flr Natursport und Okologie Deutsche Sporthochschule K6lIn Band 13 Impressum Herausgeber institut fir Natursport und Okologie (INOK) Deutsche Sporthochschule Kéln Autoren Ralf Roth Stefan Turk Satz/Layout Meike Unger, Nicolaus Prinz, INOK Druck Sikora, Offenburg Bildnachweis Ralf Roth ISSN 1612-2437 © 2003 ~ Alle Rechte vorbehalten Nachdruck ~ auch auszugsweise — nur mit Zustimmung des Herausgebers Vorwort Die Anfertigung von Diplomarbeiten an der Deutschen Sporthochschule Kéln hat zentrale Ausbildungsfunktion. Hierfiir mussen die Absolventen in der Lage sein, wis- senschaftliche Fragestellungen unter Verwendung von Datenverarbeitungssystemen zielorientiert bearbeiten zu kénnen. Bei der Betreuung zeigte es sich, dass den Studierenden oftmals die Fachmethodik, die Arbeitstechnik und der sachbezogene Stil einer solchen Arbeit erhebliche Schwierig- keiten bereiten. Aus diesem Grund wurde der vorliegende Leitfaden zur Anfertigung von Diplomarbeiten erstellt. Die Handreichung soll die Betreuung der Diplomarbeit am Institut fUr Natursport und Okologie verbessern und die Studierenden Uber entscheidende Qualitatskriterien be- reits zu Beginn der Arbeit informieren. Dabei werden die Anforderungen an die Inhalte einer Diplomarbeit, vom Titel Uber das Inhaltsverzeichnis bis zur Schlussfolgerung und dem Literaturverzeichnis formuliert und Empfehlungen zur Umsetzung gegeben. Im Sinne dieser Transparenz ist auch das abschlieBende Kapitel zu verstehen, in dem die wesentlichen Bewertungskriterien am Institut fur Natursport und Okologie als Checkliste dargestellt werden. Sie ermdglichen dem Studierenden, sich selbst einer Erfolgskontrolle zu unterziehen und die zur Notengebung fihrenden Kriterien zu verstehen. “Ge Prof. Dr. R. Roth PS. Diese Anleitung richtet sich gleichermaBen an Frauen und Manner — der Einfachheit halber wird jedoch nur eine Form verwendet z.B. Autor, Diplomand, Betreuer und Wissenschaftler und nicht Autor und Autorin oder Wissenschaftler(innen). Leitfaden fr Diplomarbeiten Inhalt Vorwort Die Startphase Die Planungsphase Die Durchfuhrung Die Arbeit Struktur und Gliederung Titel Inhaltsverzeichnis Dank Einleitung Material und Methoden Ergebnisse Einsatz von Abbildungen und Tabellen Tabellen Abbildungen Diskussion Zusammenfassung Zitate und Literaturverzeichnis Zitate Die Form Der Abschluss Literaturverwaltungsprogramm WinBiblio Speicherung auf CD-ROM Medienorientierte Zusammenfassung Zehn Regeln fir die Medienorientierte Zusammentassungen Die Bewertung von Diplomarbeiten Weiterfihrende Literatur 10 10 12 12 13 13 14 15 16 17 18 19 20 21 21 25 26 26 26 26 27 29 31 Leitfaden fur Diplomarbeiten 5 Die Startphase Fir eine wissenschaftliche Arbeit ist die Themenwahl der erste und wichtigste Schritt. Grundsatzlich konnen Diplomanden das Arbeitsgebiet und -thema fir ihre Diplom- arbeit frei wahlen. Vom diesem Angebot sollten sie auch Gebrauch machen, da sie dadurch die Maglichkeit erhalten, ein Themengebiet zu wahlen, in welchem sie eige- nen Starken kennen oder zumindest vermuten. Es wird daher generell erwartet, dass die Studierenden einen eigenen Themenvorschlag machen. Dieser sollten als Konzept mit Arbeitstitel, zentraler Fragestellung, ersten Ideen Uber den methodischen Ansatz bereits zum ersten Erérterungsgesprach mit dem zuktinftigen Betreuer schriftlich auf wenigen Seiten ausformuliert werden. Investiert der Diplomand in diesen Vorschlag ausreichend Zeit und Verstand, wird es ihm umso leichter fallen, seinen Betreuer von Sinn und ZweckmaBigkeit der Anfertigung der Diplomarbeit mit dem selbst gewahiten Thema zu Uberzeugen. Eine Alternative zu der selbststandigen Wahl von Themen fur eine Diplomarbeit sind die Angebote des Instituts fir Natursport und Okologie. Aktuelle Themenangebote kénnen dem Aushang (IG 1) oder der Homepage des Instituts ftir Natursport und Okologie entnommen werden (www.dshs-koeln.de/natursport). An der Bearbeitung dieser Themenvorschlage besteht ein unmittelbares Institutsinteresse, oft in Verbin- dung mit einer konkreten Mitarbeit in aktuellen Forschungsprojekten. Daher wird hier der ausgewiesene Betreuer in einem ersten Informationsgesprach zusammen mit dem Diplomanden Arbeitstitel sowie Art und Umfang der geplanten Arbeit erdrtern. Der Diplomand kann davon ausgehen, dass er in der Regel nach diesem ersten Gesprach eine angemessene Bedenkzeit haben wird, um in Ruhe entscheiden zu kénnen, ob er die skizzierte Arbeit annehmen méchte. ist die Entscheidung fir ein Arbeitsthema gefallen, muss der Studierende die Arbeit beim Priifungsamt anmelden. Hierzu muss ein beim Priifungsamt erhaltliches Form- blatt ausgefullt und vom Diplomand und ersten Referent unterschrieben werden. An der DSHS Kaln sieht die Priifungsordnung bereits zum Zeitpunkt der Anmeldung eine endgiiltige Fixierung auf den wortgenauen Titel der Arbeit vor. Dies bereitet oft Schwierigkeiten, da in naturwissenschaftlichen Arbeiten Ublicherweise zu Beginn nur ein thematischer Arbeitstitel festgelegt und der endglltige Titel erst bei weitgehender Fertigstellung spezifiziert wird, ist aber nicht zu umgehen. Ferner mussen zur An- meldung beim Priifungsamt ein kurzes, maximal einseitiges Exposé Uber Methodik und Fragestellung, ein erster Gliederungsentwurf sowie eine kurze Ubersicht tiber wesentliche Literaturhinweise eingereicht werden, die im Gegensatz Zum Titel noch vorlaufigen Charakter haben diirfen. Es empfiehit sich dennoch, auch diese Angaben vor Abgabe mit dem Betreuer abzustimmen. Nach Anmeldung mit endgiltiger Titelfixierung hat der Diplomand nach PO 98 genau vier Monate Bearbeitungszeit bis zur Fertigstellung der Arbeit. Ausnahmen sind nur liber eine gesonderte Antragstellung mdéglich. Eigene Themenwahl Umgang mit ange- botenen Themen Erledigung der Formalitaten Absprachen mit dem Betreuer Arbeitsplan erarbeiten Eingrenzung des Themas und erste Gliederung Auswahl der Methoden Entwicklung eines Zeitplans Die Planungsphase Die Planungsphase ist der Zeitpunkt, an dem alles bedacht werden muss, was den Aus- gang der Arbeit beeinflussen kdnnte. Blinder Eifer schadet nur! Bevor man sich planlos und ohne Uberblick in Einzelaktivitaten verzettelt, ist es immer lohnend, sich Zeit fur einen Arbeitsplan zu nehmen. Je praziser er durchdacht ist, desto reibungsloser und letztendlich zeitsparender kann die Durchftihrung erfolgen. Nach der Entscheidung fur das Thema sollte der Diplomand zusammen mit dem Betreuer einen Arbeitsplan entwerfen, in dem zumindest folgende Punkte schriftlich festgehalten werden: PROBLEMSTELLUNG In der Startphase einer Diplomarbeit ist es wichtig, Problemstellung und Zielsetzung festzulegen. Die Ziele sollten zunachst im Brainstorming gesammelt werden, ohne schon zu sehr ins Detail zu gehen. Bei der Strukturierung der Ziele konnen auch Mind- Mapping-Verfahren helfen. Insgesamt sollte sich eine Vorstellung davon gemacht wer- den, warum und vor welchem Hintergrund die Untersuchung durchgeftihrt werden soll. Bereits zu diesem Zeitpunkt muss in aller Regel Fachliteratur einbezogen werden. Halten Sie grundsdtzlich alle Gedanken, die Ihnen wahrend dieser Phase in den Sinn kommen, in schriftlicher Form fest. Sie helfen Ihnen spatestens bei einer abschlieBen- den Prifung, ob Sie tatsachlich alle wesentlichen Eaktoren berticksichtigt haben. In diesem Zusammenhang ist es auch von groBem Vorteil, schon friihzeitig einen Gliede- rungsentwurf flr die textliche Aufarbeitung zu entwerfen. ARBEITSPLANUNG FOLGENDE SCHRITTE SOLLTEN GEPLANT WERDEN: e Ermittlung der Einzelheiten der Arbeitsdurchfthrung ® Stichprobenumfange e Gerdte- und Materialbedarf e Finanzierung etc, e Arbeitszeitermittlung Im Bereich der Datenerhebung und Datenanalyse ergeben sich oft Probleme, die durch entsprechende Vorplanung vermieden werden kénnen. Dabei ist die Planung der geeigneten Erhebungs- und Auswertungsmethodik die Voraussetzung fur die Kldrung der Fragestellung. Daraus ergibt sich wiederum die Anlage eines Feldversuchs oder die adaquate Befragungsmethode sowie schlieBlich das zu wahlende statistische Testverfahren. Je friiher diese Punkte entsprechend skizziert und mit dem Betreuer durchgesprochen wird, desto effektiver wird die Bearbeitung sein kénnen. Auch Fra- gen zur Finanzierbarkeit empirischer Studien mtissen jetzt geklart werden, Vier Monate sind eine kurze Zeit, Insbesondere wenn empirische Studien durchgefihrt werden, ist es wichtig, eine detaillierte Arbeitszeitermittlung durchzufihren, Untersuchungszeitraume, Auswerte- Leitfaden fur Diplomarbeiten 7 und Schreibphasen sollten so genau wie méglich geplant werden. Das Konzipieren des Textes wird fast immer unterschatzt. So hért man auf die Frage nach dem Stand einer Arbeit oft: ,Ich muss nur noch zusammenschreiben!” Spater zeigt sich dann, dass das Texten ungeahnte Zeit und Nervenbelastungen verursacht hat. Um effekti- ver zu arbeiten, sucht man sich am besten die Tageszeiten aus, an denen man sein persénliches Optimum hinsichtlich Konzentrationsfahigkeit hat bzw. an denen man ungestért ist. In dieser Zeit sollte man sich dann vorrangig dem Manuskript widmen und andere Tatigkeiten, wie Auswertungen, Zeichnungen und Literaturdurchsicht in weniger ergiebige Perioden legen. Unbedingt sollten die letzten beiden Wochen vor dem Abgabetermin fir eine sorgfal- tige redaktionelle Kontrolle der zu dieser Zeitpunkt fertig gestellten Arbeit reserviert werden. Eine sprachliche Uberarbeitung, die Kontrolle der Orthographie und die Uber- ortifung auf einheitliche und korrekte Zitierweise, vollstandige Literaturliste, Numme- rierungen, Formatierungen etc. ist von groBer Bedeutung und bendtigt Zeit. Zeit fur Korrektur einplanen Umfang der Arbeit sollte 100 Seiten nicht Uberschreiten Differenzierung der Gliederung Den Text durch- schreiben, in Ab- schnitten oder in Wellen” Die Durchfthrung Wie viele Seiten muss meine Diplomarbeit umfassen? Diese Frage stellen Studierende sich immer wieder. Die notwendige Anzahl an Seiten ergibt sich selbstbestimmend aus der Anforderung, dass das gewahlte Thema angemessen dargestellt und bearbeitet werden muss. Ein strenges Reglement existiert an der Deutschen Sporthochschule Kdln nicht, in der Diplompriifungsordnung wird allerdings empfohlen, hundert Seiten nicht zu Uberschreiten. Es kommt selten vor, dass eine Diplomarbeit zu diinn ausfallt, haufiger ist sie zu ,,arm” trotz eines groBen Umfangs. Eine Arbeit mit geringerem Umfang wird gut aufgenom- men, wenn der Inhalt ergiebig ist. Umgekehrt sind Arbeiten sehr problematisch, die ihre MittelmaBigkeit hinter viel Fullmaterial verstecken. Generell gilt folgender Leit- satz: Lieber kurz und pragnant als langatmig und ausschweifend.” Der Einstieg in die eigentliche Arbeit erfolgt dartiber, dass der Diplomand das zu Grun- de gelegte Material aufarbeitet. Die Literatur muss umfassend gesichtet und die Ex- perimente und Auswertungen sind abzuschlieBen. Der Beginn der Textfassung erfolgt liber die Erstellung eines Manuskripts. Hier ist es oftmals hilfreich, nach Abschluss ein- zelner Auswertungsschritte, die wichtigsten Ergebnisse und Schlussfolgerungen, von denen man annimmt, dass sie spater in die Arbeit Ubernommen werden, stichwortar- tig zu notieren. Hier ist auch eine sorgfaltige Stoff- und Gedankensammlung immer hilfreich. Auf Basis des Manuskripts wird die Arbeitsgliederung und Arbeitspianung sukzessive verfeinert. Durch das fortwahrende Uberprtifen der logischen Zusammen- hange ergibt sich beim Schreiben des Textes automatisch die richtige Zuordnung der Gedanken und damit méglicherweise eine weitere Differenzierung der Gliederung. Beim Schreiben des Textes gibt es verschiedene Vorgehensweisen. Eine Variante ist, den Text von vorne nach hinten zu schreiben. Damit ist gemeint, dass gleich beim ers- ten Satz vorne begonnen wird und nicht jene Teile zuerst bearbeitet werden, die ein- facher oder schon vollstandig ausgewertet sind. Dieses Vorgehen kann dazu fihren, dass Einzelheiten in Kapiteln landen, in die sie nicht gehéren. AuBerdem werden die »sympathischen” Abschnitte in der Regel aufgeblaht. Die Folge kénnen aufwendige Umarbeitungen sein. Viele Diplomanden scheuen allerdings diesen Weg, da ihnen fur Teilabschnitte noch Materialien fehlen. Dieses Problem kann man lésen, in dem man solche Abschnitte beim Schreiben auslasst, sich aber doch zum Inhalt stichwortartige Notizen macht. Dabei kann zugieich der noch zu erwartende weitere Arbeitsaufwand fiir die offenen Passagen besser eingeschatzt werden. Manchmal ist es auch empfehlenswert, von diesem starren Schema abzurticken und zuerst das Kapitel ,, Material & Methoden” und anschlieBend das Kapitel Ergebnisse” zu bearbeiten. Erst zuletzt wird die Pro- blemstellung formuliert. Ein ratsamer Grundsatz ist es, den Text in ,,Wellen” zu vervollstandigen. Gerade bei Diplomarbeiten bereitet die Textformulierung oftmals Schwierigkeiten. Diese verstar- Leitfaden fiir Diplomarbeiten ken sich, wenn man gleich einen druckreifen Text zu Stande bringen mdchte. Ein langsamer Arbeitsfortschritt ist die Folge. Eine Lésung hierfur kann sein, dass man sich nicht zu lange an einzelnen Formulierungen aufhalt, sondern in der ersten Fas- sung schlechte Satze in Kauf nimmt. In einer zweiten oder dritten Bearbeitungswelle werden diese anschlieBend nach und nach ausgemerzt. Manche Passagen kann man erst dann praziser fassen, wenn man die Arbeit ein paar Tage liegen lasst und danach nochmals kritisch durchliest. Besonders hilfreich ist es, wenn ein Kommilitone das Manuskript redigiert und sachli- che Ungereimtheiten und unbefriedigende Passagen aufspurt. Man selost neigt dazu, mit Fortschritt der Arbeit in zunehmendem Ma®e ,,betriebsblind” zu werden. Diplomarbeiten sind Priiftungsaufgaben und als solche zweifellos von den Erwartungs- haltungen der Betreuer und Gutachter beeinflusst. Trotzdem empfiehlt es sich, auch bei Diplomarbeiten Uberlegungen dartiber anzustellen, wer auBer den Gutachtern als Leser solcher Abhandlungen in Frage kommen k6énnte. Der Zielpersonenkreis sollte mithin ebenfalls der zwar sportwissenschaftlich, aber nicht im Spezialgebiet vorgebildete Leser sein. Dieser Leser muss eine inm vorgelegte Diplomarbeit wenigstens in den wichtigsten Details verstehen kénnen. Manche Di- plomanden umgeben sich jedoch bereits in ihrem Erstlingswerk mit einer Anhaufung an Fachtermini und verklausulierten Satzen. Die Frage nach dem Zielpersonenkreis ist deshalb wichtig, da sie oftmals als Teil grdBerer Forschungsprojekte direkt als Berichte oder als Konzepte daflir verwertet werden. Oftmals sind sie auch Vorstudien ftir Fol- geuntersuchungen. Sie werden also durchaus von einem tiber die Gutachter hinaus- gehenden Personenkreis gelesen! Korrekturlesen durch Dritte Verstandlich fur verschiedene Adressaten 10 Gliederung und daraus resultierende Fragestellung Aufbau Titel Dank Inhaltsverzeichnis Einleitung Material und Methoden Ergebnisse./ Resultate Die Arbeit STRUKTUR UND GLIEDERUNG Das Hauptziel bei der Erstellung einer Diplomarbeit ist der Nachweis der Fahigkeit des Autors selbststandig ein gesetztes Thema wissenschaftlich zu bearbeiten, Die Forschungsarbeit und deren Ergebnisse mtissen wiederholt und Uberprtift werden kdnnen. Ein standardisierter Aufbau hilft dabei dem Autor, den Stoff zu ordnen und erleichtert dem Leser, sich in Publikationen zurechtzufinden. Insbesondere in naturwis- senschaftlich orientierten Arbeiten kann man von folgendem Aufbau beziehungswei- se folgender Struktur ausgehen: Hauptfrage Funktion Was ist das Spezifische? Aufhanger (wenn notwendig) Wie ist die Arbeit gegliedert? Struktur zeigen Welches Problem wurde studiert? Interesse. wecken Wie wurde das Problem studiert? Kochbuch erstellen __ Was waren die Ergebnisse? Sachlichkeit zeigen Diskussion / Folgerungen Was bedeuten diese Ergebnisse? ee EReRnEOlese Was wurde in der Arbeit vorgestellt? Rasche Information Zusammenfassung Literaturverzeichnis Welche Literatur wurde in der Arbeit ver- wendet? Quellen nachweisen Leitfaden flir Diplomarbeiten 11 Nachfolgend (Abb.1) werden eine Grundgliederung und zwei erweiterte Gliede- Abb.1 rungstypen aufgezeigt, die aus Arbeiten am Institut stammen. Die Beispiele zeigen un- terschiedliche Losungsméglichkeiten, die projektbezogen angepasst werden mussen. Gliederungsgrundschema __Variante 1: Erweiterte Gliederung Vorwort SoamRWN = . Einleitung . Material und Methoden . Ergebnisse . Diskussion . Zusammenfassung . Literaturverzeichnis . Anhang Vorwort 1. Einleitung 1.1 Einfahrung in den Problem- kreis 2. Projekt | 2.1 Einfuhrung 2.2. Material und Methoden 2.3 Ergebnisse 2.4 Diskussion 3. Projekt 2 3.1 Einflhrung 3,2 Material und Methoden 3.3 Ergebnisse 3.4 Diskussion 4. Projekt 3 4.1 Einftihrung 4.2 Material und Methoden 4,3 Ergebnisse 4.4. Diskussion 5. Vergleichende Interpretation der Versuchsergebnisse 6. Zusammenfassung 7. Literaturverzeichnis 8. Anhang Gliederungs- grundschema und erweiterte Gliederung Variante 2: Erweiterte Gliederung Vorwort 1. Einleitung 1.1 Einfuhrung in den Problemkreis 1.2 Einfhrung Projekt 1 1.3 Einfhrung Projekt 2 2. Material und Methoden 2.1 Allgemeine Darstellung von Materialien und Methoden 2.2 Material und Methocen von Projekt 1 2.3 Material und Methoden von Projekt 2 3, Ergebnisse 3.1 Ergebnisse Projekt 1 3.2 Ergebnisse Projekt 2 4, Diskussion 4.1 Kritische Wurdigung Projekt 1 4.2 Kritische WUrdigung Projekt 2 4.3 Vergleichende Interpretation der Versuchsprojekte 5. Zusammenfassung 6. Literaturverzeichnis 7. Anhang Keywords im Titel Eindeutige Titelwahl Inhaltsverzeichnis als Orientierung TITEL Titel sind wichtige Aushangeschilder. Sie erscheinen in Literaturlisten, Bibliotheksda- tenbanken, losgeldst von der eigentlichen Diplomarbeit. Den Titel werden viele lesen, nur wenige aber die ganze Arbeit. Titel ktindigen nicht nur an, was in der Arbeit steht, sie sollen auch wichtige Keywords enthalten, so dass Fachkollegen die Arbeit in Bibliotheken und Datenbanken finden. Der Titel soll das Spezifische des Themas ausdrticken, er muss eindeutig sein und Kurz, Um einen guten Titel zu finden, ist es empfehlenswert, verschiedene Formulierungen auf ein Blatt zu schreiben, um dann daran zu feilen. Im Titel sollte das Thema so spe- zifisch wie mdglich beschrieben werden, auch wenn die friihe Titelfixierung die Még- lichkeiten dazu natirlich stark einschrankt, Dabei ist sorgfdltig auf die Reihenfolge (Syntax) zu achten, damit die Aussage nicht entstellt wird. Erscheint ein Titel zu lang, sollte er in einen Haupt- und Untertitel unterteilt werden. Dabei gilt, der Haupttitel weist den Leser zum Untertitel, wobei immer der Haupttitel die Kernaussage der Arbeit enthalt. Der Untertitel schlieBlich erganzt oder erklart den Haupttitel. Ein Beispiel zu Haupt- und Untertitel: Technik und Produktentwicklung im alpinen Skilaut Anregungen fur die. Praxis Uberfliissige Worter und nichtssagende allgemeine Formulierungen wie_,,Untersu- chungen Uber ...”, »Beobachtungen an ...” sowie ,,Neue Erkenntnisse zu ...” haben in einem guten Titel nichts zu suchen. INHALTSVERZEICHNIS Das Inhaltsverzeichnis enthalt die Uberschriften der Kapitel, Abschnitte und Unter- abschnitte und die dazugehdrenden Seitenzahlen. Es orientiert den Leser tiber den Aufbau der Arbeit und erméglicht ihm, ausgewahlte Themen rasch zu finden. Als Uberschrift sollte statt , Inhaltsverzeichnis”, besser nur _,,Inhalt” geschrieben werden. Langere Texte werden in Kapitel, Abschnitte und Unterabschnitte unterteilt. Die Norm DIN 1421 empfiehlt: Diese Unterteilung soll in der dritten Stufe enden, damit die Abschnittsnummern noch ubersichtlich, gut lesbar und leicht ansprechbar bleiben”. Zum Beispiel: 1. Kapitel 1.1 Abschnitt 1.1.1 Unterabschnitt Wo drei Klassifikationsebenen nicht ausreichen, kann man die Arbeit nach oben in nicht nummerierte Teile gliedern (z.B. Teil A, Teil B), nach unten kann man die Unter- abschnitte mit nicht nummerierten Zwischentiteln unterteilen. Leitfaden fir Diplomarbeiten 13 Der Informationsgehalt der Uberschrift ist gering. Als Informationstrager enthalt eine Uberschrift die wichtigste Aussage des nachfolgenden Textes. Die Wegweiserfunktion tritt weniger deutlich hervor: Uberschrift als Informationstrager Uberschrift als Wegweiser 1, Skisport 1. Der Skisport im Wandel 4-1: Nur:noch Carving-Ski im Einsatz 1.1 Produktentwicklung 1.2 Hdheren Umsatz durch Carving etc. 1.2 Aufwand 1.2.1-Personeller Aufwand 1.2.2 Finanzieller Aufwand (berschriften kann man grundsatzlich als Wegweiser oder als Informationstrager gestalten. Als Wegweiser orientiert eine Uberschrift den Leser, in welche Themenbe- reiche er kommen wird. In der Diplomarbeit sollten prinzipiell Wegweiser-Uberschriften verwendet werden, die normalerweise in der Form von Hauptwort-Titeln dargestellt werden, z.B. ,,Kostenvel- gleich bei der Schneeschuhherstellung”. DANK Normalerweise kann bei Diplomarbeiten auf eine Danksagung und Vorwort verzichtet werden. Dennoch beginnen Diplomarbeiten oft mit einem Vorwort. Bei Verwendung skizziert das Vorwort knapp und sachlich die Umstande, die zur Entstehung der Arbeit gefthrt haben. Beim Dank gilt, wie beim Zitieren, die Ehrlichkeit des Autors. Was stammt von ihm und was wurde ubernommen. Grundsatzlich wird jeder wesentlichen Unterstiitzung beztiglich Arbeitsleistungen, Infrastruktur und Geldmitteln gedankt. Unbedingt zu nennen und nicht zu vergessen sind jede Form einer Unterstiitzung durch Drittmittel oder andere Geldgeber. Insbesondere die Personen, die hinter den Kulissen zum Gelingen der Arbeit beigetragen haben, verdienen hier ihre Anerkennung. Es ist ratsam, das Manuskript des Dankes denjenigen zum Durchlesen zu geben, bei denen man sich bedankt. Sie sollen beurteilen, ob der Dank angemessen formuliert ist. Wenn in der Legende zu Abbildungen bzw. Fotografien der Name des Fotografen erwahnt wird, gilt dies zugleich als Quellenangabe und Dank. E\NLEITUNG Die Einleitung hat neben dem Titel die wichtige Funktion, den Leser neugierig Zu ma- chen und sie in die Publikation hineinzuziehen. Grundsatzlich gilt, dass die Einleitung die gesamte Publikation reprasentieren muss. Sie soll daher flr einen breiten Leserkreis geschrieben sein. Wie in keinem anderen Kapitel muss der Autor hier héchste Auf- merksamkeit auf einen entsprechend interessanten Schreibstil legen. Uberschrift als Infor- mationstrager oder Wegweiser Personen, die unbedingt genannt werden mUssen Durch gut verstand- liche Einleitung Interesse wecken Die Einleitung erwahnt in wenigen Satzen folgende Chronologie: Das Umfeld des Themas _In welche Welt kommt man als Leser?. Den Stand der Kenntnisse_ Die wichtigste Literatur Was ist zu diesern Thema schon bekannt? Und warum ist die vorliegende Arbeit wichtig? _Welches sind die wichtigen Literaturquellen zum Thema? o Welche Arbeiten entstehen im Umfeld der vorliegenden Publikation? Das Ziel oder die Pro- Welche Fragen will die Arbeit beantworten? blemstellung der Arbeit | Welche Wissenslticken will sie schiieBen? Logischer Aufbau der Kernfragen Detailierte Beschreibung Auf Bekanntes verweisen, Neue- rungen ausfuhrlich beschreiben Die Inhalte der Einleitung mlissen frihzeitig definiert werden. Der Diplomand legt damit die Richtung fest, in die er seine Arbeit fUhren will. Eine friih ausformulierte Einleitung muss in der Regel nach Erstellen des Gesamtarbeit an deren Inhalt nochmals angepasst werden. Den Abschluss der Einleitung bildet ein Abschnitt zur Problemstellung und Zielset- zung. Fur den weiteren Verlauf kann es von Vorteil sein, wenn sich im Aufbau dieses Abschnittes die folgende Gliederung zu Material und Methoden, Ergebnisse und Dis- kussion widerspiegelt. Keinesfalls darf der Autor an dieser Stelle allerdings schon eine vorgezogene Zusammenfassung formulieren. Vielmehr sollte er das Gliederungssche- ma nutzen, um seine Kernfragen logisch aneinander zu reihen. MATERIAL UND METHODEN Das Kapitel Material und Methoden richtet sich ausschlieBlich an Fachleute. Wer diesen Teil liest, liest ihn genau. Er soll dem Leser erméglichen, das Gelesene auch praktisch anwenden zu kdnnen. Die ordentliche Bewertung der folgenden Ergebnisse ist nur méglich, wenn sowohl das Material und auch samtliche Methoden und Tech- niken eindrticklich beschrieben sind. Der Material und Methoden Teil muss dabei zwei Anforderungen erftillen: Volistandigkeit Die Fachkollegen sollen mit dem Teil Material und Methoden so arbeiten kénnen wie mit einem Kochrezept. Dabei sind wirklich alle Einzel- heiten zu erwahnen, die es einem Fachkollegen erméglichen, die Versuche zu wiederholen. Fachsprache Material und Methoden ist der einzige Teil der Diplomarbeit, in dem der Autor seine Fachsprache ungehemmt gebrauchen darf, Dabei ist gerade wegen der verwendeten Fachsprache auf eindeutige und verstandliche For- mulierungen zu achten. Gangige bereits ver6ffentlichte Methoden Dritter sowie eigene Methoden aus be- reits publizierten Arbeiten mussen nicht nochmals bis ins kleinste Detail aufgeftuhrt werden. Oft reicht es, sie kurz zu beschreiben oder nur zu erwahnen und auf die ent- sprechende Literaturquelle zu verweisen. Jede noch so kleine Abweichung von einem Standardrezept muss aber unbedingt genannt werden. Eine Formulierung wie: ,,Die Leitfaden ftir Diplomarbeiten 15 Leistungsdiagnostik nach Scumipt (1999) wurde modifiziert” reicht dabei nicht aus. Auch bei der Beschreibung der verwendeten Materialien muss so sorgfaltig vorgegan- gen werden, dass ein Fachkollege sie problemlos wiederbeschaffen kann. insbesondere aufgrund der Vertrautheit mit dem eigenen Text muss darauf geachtet werden, wichtige Details zu erwahnen. Es empfiehlt sich, das Manuskript zu Material und Methoden durch einen Fachkollegen auf Vollstandigkeit Uberprufen zu lassen, ERGEBNISSE Das Kapitel Ergebnisse soll sdmtliche Resultate der vorgestellten Forschungsarbeit vorstellen. Doch nicht alles, was gesehen und gemessen wurde, muss auch publiziert werden. Beim Schreiben der Resultate sollte der Diplomand: Die Ergebnisse gezielt auswahlen Der Ergebnisteil enthalt die Resultate der eigenen Arbeit. Methodische Ergebnisse gehéren im Allgemeinen in den Teil Material und Methoden und werden im Ergebnisteil nur erwahnt, wenn die Arbeit darin bestand, verschiedene Methoden zu untersuchen. Die Ergebnisse verdichten und Ubersichtlich darstellen Die Resultate werden in eine Form gebracht, die sich spater gut diskutieren laBt: Beobachtungen werden klar beschrieben, Daten Ubersichtlich aufgelistet, Messwerte statis- tisch verarbeitet, Korrelationen hergeleitet. Ergebnisse, die sich dazu eignen, sollten neben der textlichen Beschreibung zusatzlich unbedingt auch als Ta- bellen oder Abbildungen dargestellt werden. Bei der Beschreibung der Resultate werden nur die eigenen Ergebnisse berticksichtigt, die fur das Verstandnis der Diskussion nétig sind. Diese Auswahl darf aber die Resultate nicht verfalschen. So darf nicht einfach herausgestrichen werden, was man nicht erkla- ren kann, oder was gerade nicht zu der formulierten Arbeitshypothese passt. Ergeb- nisse aus anderen Publikationen sollten generell nicht im eigenen Ergebnisteil erwahnt werden. Sie werden in der Regel erst flir das Verstandnis der Diskussion bendtigt und somit auch erst dort beschrieben. Die Resultate sollten knapp und in kurzen Sétzen beschrieben werden und dabei logisch und Ubersichtlich gegliedert sein. Qualitative und quantitative Informationen sollten in jedem Fall durch Abbildungen veranschaulicht werden. Vergleichbare oder zum Vergleich herausfordernde Ergebnisse sollten ebenfalls eine besondere Form der Darstellung erfahren. Bei der Beschreibung der Abbildungen und Tabellen sollte vermie- den werden, wirklich alle Informationen der Tabellen und Abbildungen bis ins Kleinste zu wiederholen. Hier reicht es aus, die Hauptresultate hervorzuheben. Fiir alle gangigen statistischen Auswertungsprobleme stehen Standardprogramme zur Verfiigung, die auch ausgefallenere Wiinsche abdecken. Dabei haben Anwender oft Schwierigkeiten mit der Beschreibung und Interpretation von Programmleistungen. Es kommt immer wieder zu dem Effekt, dass die Studierenden ihre Daten mit einem Pro- gramm durchrechnen, ohne dass sie prifen, ob das Programm auf die Fragestellung und Versuchsmethodik ihres Projektes angepasst ist. Zudem vermitteln die vielen be- druckten und oft farbigen Ergebnisseiten ein beruhigendes, aber trigerisches GefUhl. Auswahl und Darstellung der Ergebnisse Knappe Beschrei- bung und tibersicht- liche Darstellung Abgleichen von Auswertungspro- grammen mit den eigenen Vorstel- lungen 16 Keine doppelten Darstellungen Ab 10 Datenwerten Darstellung in Tabel- le oder Grafik Hinweise auf Tabel- len im Text geben Bei Messwerten in verarbeiteter Form muss daher unbedingt die Bearbeitung ange- geben werden. Eine genaue Beschreibung der benutzten statistischen Methoden, z.B. der Berechnung der Mittelwerte, welches die Standardabweichungen sind und wie groB die Stichproben waren, ist unerlasslich und kann helfen, eventuell vorhandene Unzulanglichkeiten aufzuzeigen. . Braucht die Darstellung aller Originaldaten viel Platz, konnen sie in einem Anhang in Tabellenform aufgeftihrt oder auf ihre Darstellung unter Angabe, wo sie zu finden sind, verzichtet werden. Grundsatzlich ist klar zu unterscheiden zwischen den Resulta- ten und deren Deutung und Wertung. Letztere erfolgen erst in der Diskussion. EINSATZ VON ABBILDUNGEN UND TABELLEN In Diplomarbeiten haben die Auswertung und Prasentation von Daten und Unter- suchungsergebnissen eine zentrale Bedeutung. Dazu lassen sich einige Hinweise geben: Zur Darstellung von Untersuchungsablaufen und Ergebnissen stehen grundsatzlich Tabellen und Abbildungen (Schaubilder, Grafiken, Fotos) zur Verftigung. Oftmals sind dabei ftir bestimmte Sachverhalte mehrere Alternativen méglich, unter denen die geeignete Form ausgewahlt werden muss. Im Folgenden werden diese Techniken vergleichend dargestellt und hinsichtlich ihrer speziellen Anwendungsméglichkeiten kritisch erértert. Bei der Kldrung der Frage: ,,Tabelle oder Grafik?” ist zu bedenken, dass Daten in wis- senschaftlichen Abhandlungen grundsatzlich nur einmal prasentiert werden durfen. Schon aus 6konomischen Gesichtspunkten verbietet sich die mehrfache Darbietung, etwa in einer Tabelle und zusatzlich dann noch zur Illustration in grafischer Form. Da- gegen ist es vertretbar, wenn zum Beispiel die absoluten Messwerte tabellarisch, deren Prozentsdtze aber grafisch aufbereitet werden. Sollen nur einige wenige Zahlen prasentiert werden, so werden diese direkt in den Text integriert. Sind mehr als 5 bis 10 Daten bzw. Datenpaare anzugeben, machen sie einen Text unleserlich und die Vergleichbarkeit wird stark beeintrachtigt. Dann ist es immer besser, solche Angaben aus dem Text herauszunehmen und in einer Tabelle oder auch in einer Grafik zusammenzustellen. Auf jede Tabelle und Abbildung muss im Text verwiesen werden (,,s. Tab. ...”_,,vgl. Abb. ...” oder ,,Das Ergebnis dieser Untersuchungen ist in Tab./Abb. ... wiedergege- ben"). Erst dann sollte sie in den Text eingeftigt und ihr Inhalt erlautert werden. Wird sie vorher abgedruckt, wei der Leser in der Regel nicht, was er mit ihr anfangen soll. Allerdings ist eine solche Platzierung manchmal aus Grtinden der Layout-Gestaltung unumgdnglich, Nach dem Hinweis im Text sollten die Tabelle oder Abbildung dann aber auch so bald wie méglich eingefligt werden, damit die enge Verbindung von Text und Daten erhalten bleibt. Fur den Einbau der Abbildungen und Tabellen in den Text gilt: ® jede grafische Darstellung wird nummeriert (Abb. 1) und getrennt von den Tabellen (Tab. 1) gezahit. ° Auf jede Abbildung/Tabelle muss im Text verwiesen werden, Leitfaden fir Diplomarbeiten 17 e jede Abbildung/Tabelle muss textlich verarbeitet bzw. interpretiert werden. e Der erlauternde Text in der Unterschrift der Abbildung/Tabelle muss alle An- gaben enthalten, um ihren Inhalt , auch ohne den Text zu lesen zu verstehen. Sie erklart zudem die vorkommenden Symbole, Bezeichnungen und Abkir- zungen und enthdalt notwendige technische Angaben. TABELLEN Zusammengehorende, vergleichbare oder zum Vergleich herausfordernde Ergebnisse ordnet man zweckmaBig in Tabellen. Die Ordnung ist zweidimensional. Senkrecht stehen die Informationen in Spalten (Kolonnen), waagerecht in Zeilen (Reihen). Die Hauptleserichtung ist von oben nach unten und von links nach rechts. Der Tabellen- kopf etikettiert, was in der betreffenden Kolonne steht. Grundlagenmaterial, wie Ausgangsdaten, kann man in Form sog. Quellentabellen zusammenfassen. Aufbereitetes, rechnerisch verdichtetes und ausgewertetes Zah- lenmaterial wird in Ergebnis- oder auch Hinweistabellen dargestellt. Gleichgiltig, um welche Art Daten es sich handelt, die tabellarische Wiedergabe exakter Zahlenwerte hat den Vorteil groBen Informationswertes aufgrund hoher Detailtreue, guter Weiterverwendbarkeit und mehrstufiger Gliederungsméglichkeiten sowie Ubersichtlicher Vergleichbarkeit mehrerer Merkmale und geringen techni- schen Aufwandes bei ihrer Herstellung. Nachteilig ist dagegen, dass Tabellen mit viel Zahlenmaterial den Leser ermiden und unverdaulich werden kénnen. Die meisten Leser verstehen grafisch dargebotene Gré- Benverhaltnisse und Anderungen leichter als nackte, abstrakt empfundene Zahlen. Grafiken sind fiir sie anschaulicher. Deshalb miissen die tabellarischen Daten klar, Ubersichtlich und gut lesbar angeordnet werden. Die Lesbarkeit wird wesentlich durch Beachtung zweier Grundsdtze verbessert. Zu- nachst sollten alle entbehrlichen Zahlen weggelassen werden. AnschlieBend sind die verwendeten Daten so stark zu runden und zu vereinfachen wie sachlich vertretbar. Wenn der entscheidende Unterschied zwischen mehreren Werten bereits in der Tausender-Stelle liegt, ist es unsinnig, Dezimalstellen anzugeben. Auch mit groBen Messfehlern behaftete Ausgangsdaten werden nicht dadurch exakter, dass man Mit- telwerte mit vielen Kommastellen abdruckt. Tabellen missen in der Arbeit durchgehend nach dem gleichen Grundmuster gestaltet sein, damit sich der Leser schnell orientieren und besser vergleichen kann. Jede Tabelle muss einen klar gegliederten Tabellenkopf und gut verstandliche Bezeichnungen der Beobachtungs- oder Versuchsvarianten (Behandlungen, Arten, Testmaterialien) haben. Die durch Computereinsatz Ublichen Schltisselziffern oder Kurzbegriffe sind unbedingt in verstandliche Bezeichnungen umzusetzen. Hervorhebungen durch GroBschreibung, Sperrung, Unterstreichung und Schattierung erhdhen die Lesbarkeit. Klare, Ubersichtliche Darstellung von Zahlen 2 Grundsdatze: Ent- behrliches Weglas- sen, Daten verein- fachen Einheitliche Gestal- tung, auf eindeutige und bekannte MaB- einheiten achten 18 Kurze, passende Tabellentiberschrift oder Tabelien- unterschrift Deutliche Abheb- ung vom Text Abbildungen kén- nen groBe Daten- mengen anschau- lich darstellen Alle Mess- oder Untersuchungskriterien sind zu kennzeichnen und ihre MaBeinhei- ten (Stlick, m, %) bzw. statistischen Kennwerte (x, s, s % ) eindeutig zu bezeichnen. Abktirzungen sind nur zulassig, so weit man ihre Kenntnis wie z.B. die international gebrduchlichen MaBeinheiten beim Leser voraussetzen kann. Alle anderen sollten ent- weder ausgeschrieben, im Tabellenbegleittext oder als FuBnote erklart werden. Jede Tabelle ist mit einer kurzen treffenden Uber- oder Unterschrift zu versehen. Diese muss so viel Information enthalten, dass der Inhalt der Tabelle ohne den umgebenden Text — die Tabelle also aus sich selbst heraus — verstanden werden kann. So sind in der TabellenUber- oder -unterschrift meist Angaben Uber Ort, Zeitraum, Untersuchungs- zweck, verwendete Parameter, Bezugsbasis, statistische Verfahren erforderlich. Wegen der optischen Unterscheidung von Tabellenkopf und erklarendem Text findet man heute im Gegensatz zum klassischen deutschen Standard der Tabellentiberschrift zunehmend auch die Verwendung von Tabellenunterschriften. Bei grafischen Darstel- lungen sind Unterschriften ohnehin Ublich. Gegen den Einsatz von Tabellenunterschrif- ten ist somit nichts einzuwenden. Zur besseren Lesbarkeit wird jede Tabelle durch vollstandige Umrandung vom umge- benden Text abgehoben. Zur Férderung der Ubersichtlichkeit hat sich eine Trennung von Tabellenspalten durch senkrechte Linien eingebtirgert. Die Ubersicht innerhalb der Zeilen wird zum Beispiel durch eine unterschiedliche Graustufung erleichtert. Erlaute- rungen zu einzelnen Kriterien, Daten, Rechenverfahren kann man im Kleindruck in der Tabellenunterschrift beiftigen. A\BBILDUNGEN Abbildungen veranschaulichen vor allem qualitative Inhalte. Mit Diagrammen kann man komplexe Zusammenhange grafisch aufzeigen. In wissenschaftlichen Arbeiten haben Abbildungen oft dokumentarischen Charakter, Drucktechnisch unterscheidet man Strich- und Halbtonabbildungen (Strich- und Halbtonvorlagen): Strichabbildun- gen sind Schwarz-WeiB-Darstellungen; Halbtonabbildungen, z.B. Fotos, enthalten Schwarz-, WeiB- und Grautone. Grafische Darstellungsmethoden finden sowohl bei der Datenanalyse als auch bei der Prasentation der Ergebnisse Verwendung. So lasst sich oft erst aus der zeichnerischen Umsetzung von Daten erkennen, ob diese eine ungeordnete Punktwolke bilden oder in funktionalem Zusammenhang stehen, welche Art Verteilung gegeben ist und ob mithin weitere Berechnungen oder Transformationen angezeigt sind. Als Entscheidungshilfe fiir eine adaquate Datenprasentation sollen die wichtigsten Argumente flr oder gegen Grafiken zusammmengetragen werden. Leitfaden fur Diplomarbeiten 19 Als Vorteile.sind anzusehen: Als Nachteile-sind anzusehen: Bildhafte Darstellungen vermitteln fast Gerade wegen der guten Einpragsamkeit wird mit Gra- immer eine gréBere Anschaulichkelt und fiken leichter manipuliert als mit Zahlen. Durch die Wahl geben einen leicht fassbaren, einpragsamen des Bezugssystems und durch MaBstabsveranderungen Eindruck von den funktionalen Beziehun- lassen sich beliebige subjektiv steuerbare Eindricke beim gen. Leser erzeugen. Eine groBe Anzahl von Daten, die in funk- Grafiken kénnen dann leicht unUbersichtlich werden, tionaler, woméglich noch dreidimensionaler wenn man sie _,,Uiberfrachtet", d.h. zu viele Details auf Beziehung zueinander stehen, sind nur Uber einmal in ihnen unterbringen will. Ihr Vorteil gegentiber Grafiken visualisierbar. Tabellen wird also leicht wieder verspielt. Bei der Gestaltung von Grafiken sind eine Reihe Details zu berUicksichtigen: Fur Gra- fiken gilt in noch starkerem MaBe als bei Tabellen, dass sie Ubersichtlich und auf das Wesentliche beschrankt gestaltet werden miissen. Denn gerade ein hohes Mab an Anschaulichkeit ist das Hauptmotiv fiir die Wahl dieser Darstellungsart. Wie zu jeder Tabelle gehdren auch zu jeder Abbildung Legenden und Unterschriften, durch die sie unabhangig vom umgebenden Text verstandlich sein sollen. Bei Abbildungen, die aus einer anderen Publikation Ubernommen wurden, muss am Schluss der Legende die Quelle angegeben werden. Bei Veranderungen schreibt man z.B. ,,... umgezeichnet nach Lorzericu et AL. (1990).” Die Quellen werden im Literaturverzeichnis aufgefthrt. DIsKUSSION Die Diskussion rundet die Arbeit ab. Der Autor formuliert aus den eigenen und frem- den Resultaten ein ,,neues Bild des Wissens” (EseL unb Buerert 1990), dessen Aussage und Gtiltigkeitsbereich er dann beurteilt. Dies kann chronologisch in vier Schritten geschehen: 1. Eigene Resultate und fremde Erkenntnisse zusammenfthren: Es werden frem- de Ergebnisse und Erkenntnisse erwahnt, so weit sie fur die Problemstellung von Bedeutung sind. Eigene und fremde Resultate werden zu einem Gesam- tresultat zusammengeftigt. 2. Die Fragen der Problemstellung beantworten: Sie zeigen auf, welche Ziele er- reicht wurden und welche nicht und beantworten die in der Problemstellung aufgeworfenen Fragen. 3. Das neue Wissen werten und erklaren: Sie beurteilen die Bedeutung der neu- en Erkenntnisse und analysieren sie im Blick auf das bisherige Wissen und stecken den Gtiltigkeitsbereich ab. 4. Konsequenzen aus der Arbeit ziehen: Sie geben einen Ausblick flir die Zu- kunft. Die Wiederholung der eigenen Resultate und das Erwahnen fremder Ergebnisse er- folgt nur so weit, wie es zum Verstandnis der Diskussion zwingend ndtig Ist. Eine Ubersichtlichkeit und deutliche Be- schriftung 20 Vom Detail zum Allgemeinen Abgleichen von Einleitung und Diskussion, Empfehlungen fiir die Praxis geben Eng an cer Arbeit orientiert, genau, kurz treffend und ohne Floskeln Auflistung samtlicher eigener Resultate ist unbedingt zu vermeiden .Bei den fremden Ergebnissen muss durchweg die Quelle genannt werden. Bei der Beurteilung der Er- gebnisse sollte man vom Detail zum Allgemeinen und nicht umgekehrt, vorgehen. Die Diskussion sollte so ausfihrlich wie ndtig und so knapp wie méglich gehalten werden. Verschiedene Diskussionspunkte sollten nicht ineinander verwoben werden, sondern eine klare Trennung erfahren. Bei der Arbeit an der Diskussion zeigt sich, ob die Einleitung gentigend konkret ist. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, die Einleitung griffiger zu formulieren. Die anschlie- Bende Uberpriifung vom Ergebnisteil weist auf, ob etwas fehlt oder zu viel ist. Ab- schlieBend erfolgt dann erneut eine Bearbeitung der Diskussion. Diesen Kreislauf gilt es solange zu wiederholen, bis die Publikation abgerundet ist. Ideen flir Folgerungen konnen sich laufend beim Formulieren der Diskussion ergeben. Auch hier gilt, sie jeweils sofort zu notieren. Durch den Einbau in die Diskussion erfahrt diese eine Be- leuchtung von vielen Seiten. In der angewandten Forschung versetzt sich der Autor in die Welt der Praktiker. Da diese Anregungen oder Anleitungen suchen, wie sie das neue Wissen nutzen sollen, sollten solche Anregungen folgen. Diese Empfehlungen ftir die Praxis sollten wie eine Gebrauchsanweisung in kurzen Satzen, logisch gegliedert und ohne einzelne Gedan- kenschritte zu Uberspringen, geschrieben werden. In Arbeiten ftir Praktiker kann es sich manchmal empfehlen, einen eigenstandigen Teil ,,Empfehlungen fiir die Praxis” zu schreiben, ZUSAMMENFASSUNG Die Zusammentassung ist der meistgelesene Teil einer Publikation. Sie ermaglicht dem Leser sich rasch Uber den Inhalt der Arbeit zu informieren. Die Zusammenfassung ist also — neben dem Titel - die Visitenkarte einer Publikation. Sie soll zum Lesen einladen. Das heiBt aber auch, dass sie in der Regel nicht als Abschluss, sondern als Einstieg in eine Arbeit gelesen wird. Daher muss die Zusammenfassung fir sich allein lesbar sein. Die Leser entscheiden oft anhand der Zusammenfassung, ob sie die ganze Arbeit oder Teile davon lesen wollen oder ob sie die Arbeit beiseite legen. Ahnlich wie fur die Einleitung gilt hier, dass das angesprochene Publikum gréBer sein muss, als beim Rest der Arbeit. In der Zusammenfassung steht grundsdatzlich nichts, was nicht vorne ausfiihrlich beschrieben ist. So nennt sie das Ziel oder die Problemstellung der Arbeit, erwahnt knapp Material und Methoden und beschreibt dann die wesentlichen Resultate und Folgerungen. Die Zusammenfassung soll unbedingt auf maximal zwei Seiten beschrankt bleiben. Sie ist konsequenterweise als letzter Teil der Arbeit zu schreiben und bendtigt Zeit, da hier alles auf Anhieb verstandlich sein muss. Ein pragnanter Schreibstil ist oberstes Gebot. Der Titel sollte nicht wiederholt werden. Unbedingt zu vermeiden sind oft zu findende Floskeln wie: ,,In der vorliegenden Arbeit werden ...” oder ,,Die Resultate wurden diskutiert ...“ oder ,,Die Diskussion der Resultate hat ergeben ...". Leitfaden ftir Diplomarbeiten 21 ZITATE UND LITERATURVERZEICHNIS Am Schluss der Arbeit werden alle zitierten Publikationen in einem Verzeichnis mit genauen bibliografischen Angaben aufgelistet. Diese sollen den Lesern erméglichen, sich die genannten Publikationen zu beschaffen. Die Eintrage im Literaturverzeichnis sind alphabetisch-chronologisch nach Autor und Erscheinungsjahr geordnet. Dieses Namen-Datum-System nennt den Autor bzw. den Herausgeber und das Jahr, in dem eine Aussage gemacht oder publiziert wurde. Ein unvollstandiges Literaturverzeichnis ist ftir den Betreuer ein Hinweis, dass auch am Ubrigen Manuskript unsorgfaltig gearbeitet wurde. Es ist von Vorteil, schon wahrend der Forschungsarbeit eine persénliche Literatur-Datenbank zu flhren. Darin sollten von Anfang an alle bibliografischen Angaben vollstandig und richtig gesammelt wer- den. Beim Schreiben des Manuskriptes ist es spater aufwendiger, samtliche Quellen in der Bibliothek nochmals zu suchen. In Arbeiten sollte nur auf Quellen verwiesen werden, die wesentliche Erkenntnisse zum Thema enthalten. Nicht ins Verzeichnis gehoren Zitate aus Briefen, aus Manuskripten oder mundlichen Mitteilungen. Das Li- teraturverzeichnis soll kein Ausweis sein, wie viel man gelesen hat, sondern dass man das Richtige gelesen hat. Im Folgenden werden Hinweise ftir das richtige Zitieren gegeben. Grundsatzlich exis- tiert eine Vielzahl an Zitierrichtlinien. Nahezu jede Fachdisziplin bzw. -zeitschrift gibt solche Anleitungen heraus. Fur welche man sich entscheidet, bleibt prinzipiell dem Diplomanden tiberlassen. Entscheidend ist, dass der Diplomand durch die gesamte Arbeit ein einheitliches Schema beibehalt und nicht zwischen verschiedenen Zitierwei- sen wechselt. Die hier vorgestellten Hinweise beziehen sich im Wesentlichen auf den Standard der American Psychological Association (APA Publication Manual, 5th Edition 2001) bzw. auf ihre Anpassung flir die Anwendung in der Sportwissenschaft durch die Deutsche Vereinigung flir Sportwissenschaft (dvs): Hinsichtlich der Zitate im Text muss zunachst unterschieden werden, ob die zitierte Ar- beit von einem oder mehreren Autoren verfasst bzw. ob sie von einem oder mehreren Herausgebern publiziert wurde. Es mUussen alle Autoren bzw. Herausgeber genannt werden. Grundsatzlich mUssen Titel von Publikationen im Literaturverzeichnis wort- wortlich wiedergegeben werden, Kiirzungen oder Anderungen sind nicht gestattet. Die Angaben zu Zeitschriften und Erscheinungsorten sind gemaB der Richtlinien der jeweiligen Schriftleitungen anzugeben. ZITATE Im Text mussen alle AuBerungen, die nicht auf Basis eigener Erkenntnisse und Messun- gen zustande gekommen sind, sondern durch Dritte gemacht wurden, entsprechend kenntlich gemacht sein. Neben bereits publizierten Arbeiten kOnnen auch in Vorberei- tung stehende Arbeiten im Text zitiert und ins Literaturverzeichnis aufgenommen wer- den. Nicht gesondert publizierte Vortrage oder eingereichte Manuskripte k6nnen zwar auch zitiert werden, auf ihre Verwendung sollte aber méglichst verzichtet werden, Alphabetisch, chro- nologische Sortie- rung der Literatur Konsequente Fih- rung einer Literatur- Datenbank Keine Kurzungen beim Zitieren AuBerungen von Dritten kenntlich machen 22 Quellenangaben im Text durch Anflhren des Familiennamens und Erscheinungs- jahres Angabe der Seiten- zahl des Queiltextes Zitate immer in ,doppelten Anftih- rungszeichen", Zitat im Zitat in ,einfa- chen Anftihrungs- zeichen’ Im Text erfolgt die Quellenangabe durch Anftihren des Familiennamens des Autors und des Erscheinungsjahres seines Werkes in einem Klammerausdruck. Der Name kann in Normalschrift (GroB- und Kleinbuchstaben), als Versalien (GroBbuchstaben) oder als Kapitalchen erfolgen, allerdings mUssen alle folgenden Zitate in derselben Schreibweise erscheinen. Werden mehrere Werke eines Autors aus demselben Publi- kationsjahr angeflihrt, so werden diese durch eine erganzende Kennzeichnung mit Kleinbuchstaben (a, b, c) ohne Leerzeichen direkt an das Jahr angehangt (1999a) in Reihenfolge ihres Erscheinens im Text unterschieden. Bei Autorengruppen werden die Autorennamen durch Komma voneinander getrennt, wobei zwei Autoren bzw. der letzte Autor durch ,,und” oder ,,&” verbunden werden. Bei mehr als zwei Autoren sollten bei der Erstnennung alle Autorennamen, danach nur noch der erstgenannte Autor mit dem Zusatz ,,et al.” aufgeftihrt werden. Werden in einem Klammerausdruck mehrere unterschiedliche Werke zitiert, werden die einzelnen Angaben durch ein Se- mikolon voneinander getrennt. Klassische Werke werden sowohl mit dem Jahr der Originalausgabe wie mit dem Jahr der verwendeten Publikation zitiert. Das wartliche Zitat muss durch Angabe der genauen Seitenzahl des Quelltextes im Klammeraus- druck getrennt durch Komma von der Jahreszahl prazisiert werden. Grundsatzlich ist diese Prazisierung allerdings auch ftir alle Zitate mdglich und auch zu empfehlen. In Publikationen findet man immer wieder bei sinngemaBen Zitaten vor der Namens- angabe ein ,,vgl.". Diese Angabe soll helfen, das sinngemaBe vom wértlichen Zitat zu unterscheiden, ist allerdings nicht notwendig und nur verwirrend, da es sich bei der Textpassage um ein Zitat und nicht um einen Vergleich handelt. Im Text werden wért- liche Zitate eindeutig durch doppelte — typografische — Anftihrungszeichen (,, “) als solche gekennzeichnet. Das wartliche Zitat beginnt mit AnfUhrungszeichen unten und endet mit AnfUhrungszeichen oben. Dahinter folgt in Klammern die Quellenangabe mit abschlieBender Punktion. Zitate im Zitat sind ebenfalls méglich und werden analog durch ,einfache Anfihrungszeichen’ kenntlich gemacht. Die Nutzung des ,,vgl.” in der Quellenangabe erscheint allerdings dann sinnvoll, wenn eine eigene Aussage mit der angegebenen Quelle zum Vergleich empfohlen wird, deren Inhalte aber direkt weder sinngemaB noch wortlich zitiert werden. Beispiele: RotH (1999) schrieb... In der zweiten Darstellung wird die Naturfreude besonders betont (RotH 1999b)... Der Band von Rotn, Kramer und Turk (2001) nennt die wesentlichen Kriterien... Weitere Standardwerke zur technischen Beschneiung (Prosst. 2002; LAUTERWASSER & RotH 1999) ... Tork (im Druck) weist darauf hin... LOTZERICH, SCHMIDT UNd Boiler (1996) nennen... Verschiedentlich wurde betont (L6t- zerich et al.,1996)... ... wie bereits Laplace in seinem Essay ausftihrte (1814/1951). Turk (2001, S. 38) fUlhrt aus: ,, Auch im Sauerland ist die Entwicklung nicht stehen geblieben”... Leitfaden flr Diplomarbeiten 23 Die Untersuchungen zeigen, dass die Vegetation durch die MTB-Fahrer nicht lang- fristig in Mitleidenschaft gezogen wurden (vgl. hierzu auch die Studie von RotH, Jako & TURK 2001) Jedes im Text angeftihrte Zitat ist schlieBlich im Literaturverzeichnis anzufthren. Das Literaturverzeichnis ist alphabetisch (und dann chronologisch) zu ordnen. Sofern Zitate eines Autors und Jahrgangs durch a, b, und c getrennt wurden, ist diese Reihenfolge, gema®B der Erscheinung im Text, auch im Literaturverzeichnis wieder aufzugreifen. Fur die Quellenangabe im Literaturverzeichnis sind je nach Quelle (Bucher, Zeitschriften, Internet) verschiedene Feinheiten zu beachten, die durch die angefUhrten Beispiele deutlich werden. Grundsatzlich gilt auch hier, dass viele verschiedene Spielformen theoretisch mdglich sind, es letztendlich allerdings auf die konsequente Finhaltung einer Form ankommt: Jaxos, E., TURK, S., Roth, R. 2002: Okologische bewusste Durchfauhrung von GroB- veranstaltungen, Teilbereich Mountainbiken. Texte des Umweltbundesamtes 21/02. 79S. ScHemet, H.-J. & ErscuTH, W. 2000: Handbuch Sport und Umwelt. (3. tberarbeitete Aufl.). Meyer & Meyer Verlag. 719 S. Tork, S. 2001: Neue Akzente in der Diskussion um Natursport und Okologie. In: Hoffmann, U (Hrsg.): Training und Natur. Sporttauchen fur Fortgeschrittene. Divemaster Workshop Band 4. MTi-Press Stuttgart. S. 13-15. Rot, R. & Tork, S. 2001: Neue Impulse fur den Wintersport im Sauerland. Sport- stattenbau und Baderanlagen 6/01. S. 571-573. Nicht nur an der Sporthochschule hat sich in den letzten Jahren die Verwendung des Internets als Nachschlage- und Informationsquelle explosionsartig ausgeweitet. Hin- sichtlich der Zitation von dieser Online-Quelle herrscht aber haufig groBe Irritation. Grundsatzlich gilt, dass Internetquellen aufgrund der raschen Wechsel und der hohen Austauschrate (dieses Medium ist gepragt durch seine Schnelllebigkeit) mit groBer Sorgfalt und nur dort, wo unbedingt notwendig, angefUhrt werden sollten. Dem- entsprechend sollen auch nur solche Quellen zitiert werden, die tiber eine gewisse Bestandigkeit verftigen. Bei der Nennung und Beschreibung der Internetquelle ist der zitierte Textbereich so eng wie méglich einzugrenzen. Verweise aut Seitenzahlen bei pdf-Dokumenten oder auf nummerierte Absatze sind wunschenswert. Zur Zeit sind allerdings haufig noch als Alternative die klassischen Quellen (Printmedien) vorhan- den, welche dem Internet wegen der besseren Rekapitulierbarkeit auch unbedingt vorzuziehen sind. Fiir eine korrekte Zitierweise im Literaturverzeichnis liegt die wesentliche Angabe im URL (Uniform Resource Locator), welcher eindeutig sein muss. Oftmals wird Uber verschiedene URLs eine Inhaltsangabe mdglich sein. Wenn dies der Fall ist sollte die Adresse genutzt werden, die den direktesten Bezug und am nachsten am Original bzw. dem verantwortlichen Autor liegt. So ist z.B. www.dvs-sportwissenschaft.de ge- gentiber www.tu-darmstadt.de/dvs vorzuziehen. Bei der Angabe der URL ist die GroB- und Kleinschreibung genau zu beachten. Silbentrennungen oder das Einflgen eines Trennstrichs (,-”) innerhalb einer URL sind nicht gestattet. MUssen lange URL Uber mehrere Zeilen wiedergegeben werden, so darf die Trennung nur nach einem Schrag- Unterscheidung von BUchern, Zeitschrif- ten und Internet bei Literaturangaben Bei Internetnutzung sind Seiten, die sich nicht zu haufig dn- dern vorzuziehen Angabe der voll- standigen internet- seite 24 Angabe des Erstel- lungsdatums strich (,,slash”) oder vor einem Punkt durch Einfligen eines Leerzeichens erfolgen. Zur Quellenangabe von Internetseiten aus dem World-Wide-Web (www) gehort in je- dem Fall die genaue Datumsangabe. Diese besteht aus dem Datum des Zugriffs sowie dem Datum der Erstellung bzw. der letzten Aktualisierung der zu zitierenden Seite. Letztere Datumsangabe findet sich direkt auf der entsprechenden Seite oder in den Informationen zur aufgesuchten Homepage. Die Angabe des Erstellungs- bzw. des Re- visionsdatums erfolgt nach dem Schema Jahr, Tag (als Zahl), Punkt und Monat (ausge- schrieben). Das Datum des Zugriffs nach dem Schema Tag (als Zahl), Punkt, Monat (als Zahl) , Punkt, Jahr. Wird im Literaturverzeichnis ein eigenes Verzeichnis fiir Internetpu- blikationen aufgebaut, so sind deren Autoren im FlieBtext der Arbeit durch «www» im Anschluss an die Jahreszahl kenntlich zu machen (z.B.: Roth 2002, www), Roth, R. (2002): Sport und (Heil-) Klima im Naturpark Stidschwarzwald. Vortrag gehalten am 07.06.2002. Zugriff am 15.02.2003 unter http:/Awww.dshs- koeln.de/natursport/Service /heilklima_sport_np_2.pdf, S. 1-11. DEUTSCHE SPORTHOCHSCHULE KOLN (2003): KdIner Erfolg als Ausrichter und Teilnehmer. Zugriff am 05. 02.2003 unter http:/Avww.dshs-koeln.de/pressestelle/Events/ kanupolo_02/kanupolo_03 _ergebnisse.htm Leitfaden ftir Diplomarbeiten 25 Die Form Fur die formale Gestaltung der Arbeit werden keine Vorgaben gemacht, es gelten aber die fur wissenschaftliche Arbeiten Ublichen Kriterien. Die folgenden Angaben sind daher als Empfehlungen zu verstehen: - 1% -zeiliger Textabstand Blocksatz (oder linksbUndig) Einseitiger Druck - Seitenzahlung beginnend mit der Einleitung durchgangig in arabischen Zif- fern Seitenrander: Oben und unten 2,5 cm, links 4 cm, rechts 2,5 cm - Proportionalschrift in Schriftgr6Be 12 Punkt Zum Gebrauch der Zeiten in wissenschaftlichen Arbeiten gibt es bis heute verschiede- ne Ansichten. In Anlehnung an Day (1988) sollte folgende Zeitennutzung angewandt werden: Ist eine Forschungsarbeit einmal verdffentlicht, wird ihr Inhalt zu anerkanntem Wissen. Der Forscher, der ein Resultat gefunden hat und es erstmals beschreibt, gebraucht die Vergangenheit, zum Beispiel: ,,Der Puls erreichte bei der MTB-Tour 180 Schlage pro Minute.” Anerkanntes Wissen zitiert man grundsatzlich in der Gegenwart, zum Beispiel: ,,Beim Mountainbiking wird eine Pulsfrequenz von 180 Schlagen pro Minute erreicht (ScHMipT 1991)." Ausnahmen von dieser Zeitregel sind allerdings Ublich ftir Wendungen wie: ,,SCHMIDT (1991) zeigte, dass der Puls eine Frequenz von 180 Schlagen/Minute beim Mountain- biking erreicht.”, ,, Tabelle 4 zeigt, dass..." oder ,,Die Werte sind signifikant.” Erstmalige Beschrei- bung in der Vergan- genheit, annerkann- tes Wissen in der Gegenwart 26 Kritische Auswer- tung und Ausein- andersetzung mit der Arbeit Abb. 2: Literaturver- waltungs- programm WINBIBLIO Der Abschluss Abschluss und Auswertung sind wesentliche Projektbestandteile, die oft Ubersehen werden. Wenn die Diplomarbeit geschrieben und am Ende keine kritische Auswer- tung durchgeftihrt wird, verpasst der Studierende die Chance zu lernen — sowohl aus seinen Fehlern als auch aus dem, was richtig gemacht wurde. Der Diplomand sollte Zeit verwenden herauszufinden, wie gut die Ziele erreicht wurden. Wenn er die Bewertung seines Betreuers eingeholt hat, dann ist es soweit, das Projekt abzuschlie- Ben, LITERATURVERWALTUNGSPROGRAMM WVINBIBLIO Das Institut flr Natursport und Okologie verfiigt liber eine eigene Literaturdatenbank mit der professionellen Literaturverwaltungssoftware WinBiblio. Die verwendete Lite- ratur der Diplomarbeit sollte in dieses Programm eingearbeitet und Kopien relevanter Literatur in die Arbeitsbibliothek integriert werden. N&aheres ist mit dem jeweiligen PENCH Biblio fai Windows © [Koeln zl | Unies Sotentiel Bonderdnucke Mion, am des Skisnorise : Se elt [logge | Auliane — Beal Ge opiet Gy felts 7 ~ Vales a rr dusoiama Ts ; a . ; _ sone 2 Schbaw, ( Pisten-Skia ‘Text | {Anteil aller Pistenfidche an der Gesamiflache der Alpen betcagt rechnerisch 0.42%. Wochenendverkehr ist nicht 14 100% durch Skisporller verursacht. F , von Skipisten; : oo je a | Oman: beorigen oe eee Sune Tnetneh: ‘g108- hel Eiganamanibag uapiicenentiamen, got am Bakanfang- Alot, fee Nachname, Varnamavabbekbren: anne Aulsien’ durch Seniikolon hennen: mehrera Vomsmen durehd eerelthan oder _ Sree eee mi , ohne Leerstallas «Sa eer tech eiclon yeneey ee TO es eA SPEICHERUNG AUF CD-ROM Mit dem Abschluss bzw. der Abgabe der Diplomarbeit soll der gesamte Text der Arbeit in einem gangigen Dateiformat auf CD-ROM abgespeichert und dem Betreuer zur Verfugung gestellt werden. MEDIENORIENTIERTE ZUSAMMENFASSUNG Diese Sonderform einer Zusarnmenfassung wird im Institut flr Natursport und Okolo- gle als ein zusatzlicher Bestandteil einer Diplomarbeit angesehen. Die medienorientier- te Zusammenfassung ist allerdings kein Bestandteil der eigentlichen Priifungsarbeit, Leitfaden flr Diplomarbeiten 27 sondern wird zur Platzierung in anderen Medien vom Diplomanden erstellt. Insbeson- dere soll sie in der Homepage des Institutes publiziert werden. Die medienorientierte Zusammenfassung enthalt die wichtigsten Fakten der ange- fertigten Arbeit. In der Regel beantwortet der Text die Fragen wer, was, wo, wann, wie und warum. Die Zusammenfassung ist in Deutsch abzufassen und beinhaltet im wesentlichen sieben Elemente: Titel: Griffig, leicht verstandlich und ansprechend. Die Uberschrift weckt die Neu- gier, gibt das wichtigste Ergebnis der Arbeit in der Regel aber nicht preis. Die Lange des Titels betragt drei bis acht Worte. Text: Der Text ist 800 bis 1000 Anschlage kurz (ca. 8—10 Zeilen) und besteht aus vollstandigen Satzen. Stichworte, Aufzéhlungen mit Nummerierungen und tabellarische Darstellungen sind fehl am Platz. Die Zusammenfassung ist kein wissenschaftlicher Text. Teilaspekte milssen hervorgehoben, manchmal ein Sachverhalt vereinfacht oder zugespitzt werden. Das Wichtigste gehért an den Anfang. Zeitungsredaktionen schatzen es, wenn sie Texte von hinten her ktirzen kénnen, ohne dass die Hauptaussage verloren geht. Als Einstieg empfiehlt sich eine unerwartete, verblliffende, amUsante oder interessante Bemerkung. AutorIn: Name des Diplomanden Abschlussdatum: Bei Diplomarbeiten das Abgabedatum der Arbeit. Leitung: In der Regel Referent/in der Diplomarbeit. Publikationen: Autor/in, Titel, Erscheinungsort und -datum. Auskunftsperson/en: Name mit akademischem Titel, DSHS Kéln-Adresse, Tel.Nr., Fax und E-Mail ZEHN REGELN FUR DIE MIEDIENORIENTIERTE ZUSAMMENFASSUNGEN 1. eal Verwenden Sie kein ,,Sie” oder ,Du” in Ihren Beitragen. Sprechen Sie die Leserinnen und Leser nie direkt an. Schreiben Sie nie ,ich” oder ,,wir”. Zu jedem Namen gehdrt ein voll ausgeschriebener Vorname, ohne Herr und Frau. Erwahnen Sie den akademischen Titel (Prof. oder Dr.) der Personen, die in ihrem Text vorkommen, beim ersten Mal. Dann lassen Sie thn weg, Wo immer beide Geschlechter gemeint sind, soll dies sprachlich zum Aus- druck kommen. Zahlen von eins bis zwolf werden ausgeschrieben, ab 13 in Ziffern angege- ben. Vermeiden Sie wenn immer mdglich Abktirzungen. ,,Z.B.” (Zum Beispiel) und ,,bzw.” (beziehungsweise) werden immer ausgeschrieben, ,,ca." durch _rund”, ,etwa” oder ,zirka” ersetzt. Schreiben Sie 100 Euro und nicht Euro 100,-. Millionen kénnen abgekiirzt werden (100 Mio. Euro). 7 Elemente der medienorientierten Zusammenfassung 8. Verzichten Sie auf alle Arten von Auszeichnungen im Text (fett, kursiv, unter- strichen, GroBschrift), 9. Umgehen Sie Formulierungen mit Schragstrich (und/oder), verzichten Sie auf Ausrufezeichen und Auslassungspunkte. 10. Verwenden Sie die Zeichen ,, “ als Anfiihrungs- und Schlusszeichen. BEISPIEL: Titel: Wanderer erobern den Naturpark Text: Zuerst glaubten die Beobachter der Deutschen Sporthochschule Kéln ihren Augen nicht. Doch nach einiger Zeit wurde Ihnen immer klarer: Was sich da aus den Nebeln der Schwarzwaldtaler auf sie zubewegte, waren tatsachlich Wanderer. Es gab sie also wirklich, und man konnte sie beileibe nicht als Rotsocken titulieren. Die fuhrende Rolle, die das Wandern als sanfter Natur- sport fur den Sporttourismus im neu eingerichteten Naturpark SUdschwarz- wald hat, wurde sofort deutlich. In seiner Diplomarbeit konnte Rainer Polenz Uber Zahlungen und Befragun- gen wichtige Erkenntnisse Uber diese Natursportart gewinnen, die aufgrund der Medienwirksamkeit anderer Fun- und Erlebnissportaktivitaten kaum im dffentlichen Interesse zu stehen scheint. Dabei gibt es Wanderer in allen Altersklassen und mit den unterschiedlichsten Motivationen. Von herausra- gender Bedeutung sind fr den Wanderer naturnahe Landschaften mit einem intakten und abwechslungsreichen Landschaftsbild. Hier kann sich der Natur- park Siidschwarzwald mit seiner einzigartigen hochmontanen Mittelgebirgs- landschaft selbstbewuBt prasentieren. Das praxisorientierte Projekt wurde vom Naturpark SUdschwarzwald e.V. im Rahmen eines Forschungsauftrags an die DSHS KG6In unterstiitzt. Autorln: Polenz, Rainer Leitung/Referentin: Prof. Dr. Roth, Ralf Art: Diplomarbeit Abschlussdatum: Apri! 2000 Publikationen: Wandern im Naturpark Sidschwarzwald. Unverdffentlichte Diplo- marbeit DSHS Kdln. Auskunftsperson/en: Dr. Stefan Turk, Deutsche Sporthochschule K6ln, Institut fiir Natursport und Okologie Telefon: +49 221 4982 737 E-Mail: tuerk@dshs-koein.de Leitfaden fir Diplomarbeiten 29 Die Bewertung von Diplomarbeiten Die Bewertung einer Priifungsarbeit erfolgt durch den Referenten sowie eine weitere vom Pruifungsamt vorgeschlagene Person. Fir eine bessere Transparenz auch gegen ber dem Priifling hat das Institut fur Natursport und Okologie ein Bewertungsschema aufgebaut, das an dieser Stelle vorgestellt wird. In jeder Arbeit werden die folgenden Punkte bewertet: Form der Arbeit: In die Bewertung gehen zunachst formale Faktoren wie Schriftbild, Layout und Lesefreundlichkeit ein. AuBerdem werden die formellen Anforderungen bezuiglich Graphiken, Tabellen und Literaturzitate geprift. Inhalt: Bei der inhaltlichen Begutachtung wird kapitelweise vorgegangen. Grundsatz- lich wird auf Vollstandigkeit, Informationsgehalt, Verstandlichkeit, wissenschaftliche Sorgfalt und Korrektheit geachtet. Im Einzelnen werden folgende Kernfragen ge- stellt: e st die Gliederung systematisch aufgebaut? e Ist die Abfolge der Kapitel logisch und in sich schlussig. Ergibt sie sich aus einer gezielten Problembearbeitung? ¢ Sind in der Einleitung die Basiskenntnisse und insbesondere die Fragestellung und Zielsetzung klar und prazise formuliert? e Wird der Reiz zum Weiterlesen geweckt? e Entspricht der Material- und Methodenteil dem Katalog wissenschaftlicher Anforderungen und ist dieser nachvollziehbar beschrieben? » Entsprechen die gewahlten Methoden dem fur die Fragestellung notwendi- gen aktuellen wissenschaftlichen Technikstand? e Ist bei empirischen Arbeiten das Forschungsdesign, die Auswahl der Variablen, das Erhebungsverfahren, die Datenauswertung und der Bezug der Ergebnisse zur Fragestellung angemessen gewdhlt? e Sind die Ergebnisse eindeutig, erfassbar und logisch strukturiert dargestellt? e _Lasst die Diskussion die bisherige Arbeitsstruktur erkennen? e Werden die Arbeitshypothesen unter Verwendung der eigenen Ergebnisse bearbeitet? «In welchem Umfang sind eigenstandige Erkenntnisse Uber das bloBe Referie- ren der Literatur hinaus in der Arbeit zu erkennen? « Ist Literatur in angemessenem Umfang beriicksichtigt und themenbezogen verarbeitet und damit der Stand der Forschung mitberticksichtigt? e — |st fremdsprachige Literatur verwendet worden? e —Erfolgt ein Vergleich von Literaturerkenntnissen mit den Resultaten aus den eigenen Ergebnissen und werden Unstimmigkeiten erkannt und Losungen angeboten? e Erscheinen getroffene Aussagen ausreichend belegt? e Werden Fakten von Annahmen klar und ceutlich getrennt? 30 Werden alle anfangs gestellten Fragen behandelt? Bietet die Zusammenfassung einen geeigneten Uberblick Uber die wesentli- chen Punkte der Arbeit? Sind offene Fragen oder Prognosen erwahnt? Benotung: AbschlieBend erfolgt die zusammenfassende Bewertung. Neben der Be- wertung der oben genannten Punkte gehen in die Benotung auch Motivation, Aneignung neuer Fachkenntnisse, Selbststandigkeit, Kritikfahigkeit und Ideen- reichtum des Autors im Rahmen der Bearbeitung seines Themas ein. Die Notenfestlegung erfolgt im Rahmen der jeweils gliltigen Prifungsordnung. Zur Notenfixierung wird nach folgendem Schema vorgegangen: Sehr gute Arbeiten liegen deutlich Uber dem Durchschnitt und bieten nahezu keine Anlasse zur Kritik. Gute Arbeiten entsprechen zumindest den durchschnittlichen Erwartungen, weisen allerdings schon geringfligige Mangel auf. Befriedigende Arbeiten liegen leicht unter dem Durchschnitt und haben be- reits einige Mangel. Ausreichende Arbeiten sind deutlich unterhalb des Durchschnitts und verfti- gen Uber signifikante Mangel. Mangelhafte Arbeiten entsprechen nicht mehr den Mindestanforderungen an aine Priifungsarbeit. Leitfaden flir Diplomarbeiten 31 Weiterfuhrende Literatur AMERICAN PsYCHOLOGICAL ASSOCIATION 2001: Publication Manual of the American Psycho- logical Association : Fifth Edition. APA Books Washington. 400 S. Day, R.A. 1988: How to write and publish a scientific paper. 3rd edition. Cambridge University Press NewRochelle/Melbourne/Sydney .211S. DEUTSCHE VEREINIGUNG FUR SPORTWISSENSCHAFTEN 2002: Richtlinien zur Manuskriptgestaltung in der Sportwissenschaft. Stand 21.03.2002. Zugriff am 01.02.2003 unter http: /Awww.tu-darmstadt.de/ dvs/download/2_2.pdf Din (DeurscHes Institut FUR NormuNG) (Hrsc.) 1984: Publikation und Dokumentation 1. Gestaltung von Veréffentlichungen, terminologische Grundsatze, Drucktechnik, Normen. DIN-Taschenbuch 153. 2. Aufl. Berlin/KdIn, Bayreuth. 420 S. Eset, H.F.; Berert, C. 1990: Schreiben und Publizieren in den Naturwissenschaften. VCH Verlagsgesellschaft Weinheim/New York/Basel. 441 S. ISDS (International Serials Data System); ISO (International Organization for Standardi- zation) (Hrsg.) 1985: List of serial title word abbreviations (in accordance with ISO 4-1984, CIEPS/ISDS International Centre Geneve, Paris. 215 S. KirckHorr, M. 1992: Mind Mapping. Die Synthese von sprachlichem und bildhaftem Denken. 6. Aufl. Synchron Berlin. 115 S. Nitscu, J., Hore, H.-G., Mickter, W., Moser, T., Sever, R., Teiret, D. 1994: Der rote Faden, Eine Einfulhrung in die Technik wissenschaftlichen Arbeitens. Bps-Verlag KGIn. 301 S. Rico, G.L. 1987: Garantiert schreiben lernen. 2. Aufl. Reinbek, Rowohlt. 305 S. RiepwyL, H. 1987: Grafische Gestaltung von Zahlenmaterial. UTB flr Wissenschaft: Uni- Taschenbucher 440. 3. Aufl. Haupt Bern/Stuttgart. 165 S. Scuiapp, H. 1989: Einstieg in den Journalismus. Sauerlander Verlag Aarau/Frankfurt am Main. 155 S. ScHNeIDER, W. 1984: Deutsch fiir Profis. Gruner und Jahr Hamburg. 268 S. ScHuLz VON THUN, F. 1984: Miteinander reden: Stérungen und Klarungen. Reinbek Ro- wohlt. 269 S. 32 PROJEKT- UND FORSCHUNGSBERICHTE DES INSTITUTS FUR NA- TURSPORT UND OKOLOGIE DER DEUTSCHEN SPORTHOCHSCHULE KOLN Band 1 Roth, R.; KomMMeRScHEID, M,; Turk, S. (1999) Okologisches Risikopotential von Wintersport-GroBver- anstaltungen Band 2 Rotu, R.; KrAmer, A. (2000) Entwicklungskonzeption Sporttourismus im Naturpark Stidschwarzwald Band 3 Nout, N.; Roty, R. (2000) Mountainbiking im Naturpark SGdschwarzwald. Pers- pektiven einer ftir den Sdschwarzwald bedeutenden Natursportart Band 4 Potenz, R.; Roty, R. (2000) Wandern im Naturpark Stidschwarzwald. Eine Studie zur Raumnutzung der Feldbergregion ; Band 5 Prinz, N.; Roth, R. (2000) Schwarzwald Vertikal. Klettern im Naturpark Stid- schwarzwald, Chancen und Méglichkeiten einer Natur- sportart Band 6 Rotn, R.; Turk, S.; ArmBrusTer, F.; Potenz, R.; VelTen, A. ScHRAHE, C. (2001) Masterplan Wintersport im Sauerland und Siegerland- Wittgenstein. Stufe |: Raumliche Entwicklungskonzepti- on und Marktanalyse Band 7 Roth, R.; Jakos, E.; KrAmer, A. (2002) Okologisch bewusste DurchfUhrung von GroBveranstal- tungen, Teilbereich Mountainbiken (hrsg. unter Texte des Umweltbundesamtes 21/02) Band 8 Roth, R.; Kramer, A.; ScHArer, A. (2002) Handbticher fiir den Naturpark SUdschwarzwald (Hand- buch-Wandern / Handbuch-Mountainbiking / Hand- buch NordicWalking / Handbuch Winterwandern). (hrsg. vor Naturpark Stidschwarzwald e.V.) Band 9 Rotu, R.; Turk, S.; Krerscrimer, H.; ScHraue, C. (2002) Matersplan Wintersport im Sauerland und Siegerland- Wittgenstein. Stufe Il: Zukunftsfahige Entwicklungskon- zeption fur den Schneesport in NRW SCHRIFTENREIHE ,, NATURSPORT UND OKOLOGIE” DES INSTITUTS FUR NATURSPORT UND OxoLoGie DER DeuTSCHEN SPoRT- HOCHSCHULE KOLN Bereits erschienen: Band 10 INsTITUT FUR NATURSPORT UND OKOLOGIE, BUNDESMINISTERIUM FUR Umwet, NATURSCHUTZ UND REAKTORSICHERHEIT, BUNDESAMT FUR NaturscHutz (Hrsa.) (2002) Kongressbericht ,, Umwelt, Naturschutz und Sport im Dialog”. Deutsche Sporthochschule Kéln vom 09.-10. Juli 2002 Band 11 Roth, R.; Turk, S.; HENGHER, K.; Kios, G.} Unaer, M. (2003) Erfahrungsbericht ,, Sport erleben — Natur bewahren”. Modellprojekt Rohrhardsberg, Jugendzeltplatz WeiBen- bacher Héhe Band 12 Secets, M.; Scumipt, H.; Tork, S. (2003) Umweltbildung im Schulsport. Situation und Entwicklung Band 13 Roth, R.; Turk, S. (2003) Leitfaden flr Diplomarbeiten am Institut flr Natursport und Okologie Bezug und Lieferung Uber www.dshs-koeln.de/natursport natursport@dshs-koeln.de

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