Sexualisierte und interpersonale Gewalt im Sport

Sexualisierte und interpersonale Gewalt im Sport sind in den letzten Jahren immer wieder in den Medien präsent geworden. Athlet*innen prangern Missstände in Ihren Trainingsgruppen und zum Teil in ihrer Sportart allgemein an. Dennoch fehlt es nach wie vor an grundlegender Forschung zu der Thematik, auch in Deutschland. Viele Vereine und Verbände sind verunsichert, sowohl im Umgang mit Verdachtsfällen, als auch beim Thema Prävention.

Das Forschungsteam im Psychologischen Institut beschäftigt sich in erster Linie mit den folgenden Themenbereichen:

  • Ermittlung von Prävalenzen interpersonaler Gewalt im Sport
  • Ermittlung von Risiko- und Schutzfaktoren interpersonaler Gewalt
  • Empowerment Klima als Schutzfaktor gegen interpersonale Gewalt
  • Erstellung und Evaluation von Präventionsworkshops und -Materialien
  • Übertragung der Forschungsergebnisse in die Praxis
  • Durchführung von Schulungen zur Prävention sexualisierter und interpersonaler Gewalt

Das Team ist dabei sowohl national als auch international gut vernetzt und Teil des „Research Chair in Safety and Integrity in Sport ( —> SIMS)“.
Dr. Jeannine Ohlertistgemeinsam mit Dr. Christian Zepp Mitglied im Ad-Hoc-Ausschuss „Sexualisierte Gewalt“ der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs).
Das Team arbeitet zudem eng mit der ebenfalls in der Abteilung angesiedelten Initiative MentalGestärkt zusammen (MentalGestärkt)

Projekte


Projekttitel: Transferkonzepte zur Prävention und Intervention bei sexualisierter Gewalt in Sportvereinen
Projektlaufzeit: 01/2022 - 12/2024
Förderung: Bundesministerium für Bildung und Forschung

Kooperationspartner*innen:

  • Institut für Soziologie und Genderforschung der Deutschen Sporthochschule Köln (Prof. Dr. Bettina Rulofs)
  • Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie des Uniklinikum Ulm (PD Dr. Marc Allroggen)

Beteiligte Praxispartner*innen:

  • Deutsche Sportjugend (dsj) im Deutschen Olympischen Sportbund
  • Athleten Deutschland e.V.
  • Landessportbund Nordrhein-Westfalen
  • Sportjugend Hessen im Landessportbund Hessen e.V.
  • Landessportbund ThüringenLandessportbund Brandenburg


Projektintention:

Das Projekt stellte eine Fortführung des Projekts »Safe Sport« dar und hatte zum Ziel, die dort herausgearbeiteten empfohlenen Maßnahmen zur Prävention sexualisierter Gewalt mittels verschiedener Zugänge in Sportvereinen zu etablieren. Es wurden drei wichtige Handlungsfelder im Umgang mit sexualisierter Gewalt abgedeckt: Analyse, Prävention, Intervention. Alleim Projekt entwickelten Materialien und Konzepte wurden bei Projektende über die beteiligten Praxispartner Deutsche Sportjugend sowie verschiedene Landessportbünde allen Sportvereinen in Deutschland zur Verfügung gestellt, um diese bei der Entwicklung von nachhaltigen Strategien für den Schutz von Kindern und Jugendlichen gegen sexualisierte Gewalt im Sport zu unterstützen. So setzte das Projekt direkt die förderpolitischen Ziele der Förderlinie um und trug unmittelbar zur Prävention von sexualisierter Gewaltim organisierten Sport in
Deutschland bei.


Projekttitel: Schutzkonzepte in der ehrenamtlichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen: Entwicklung einer Informations- und Fortbildungsplattform
Projektlaufzeit: 07/2021 - 06/2024
Förderung: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Kooperationspartner*innen:

  • Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie des Uniklinikum Ulm (Prof. Dr. Jörg M. Fegert; Projektleitung)

Beteiligte Praxispartner*innen:

  • Deutsche Sportjugend (dsj) im Deutschen Olympischen Sportbund

Projektintention:

Im Rahmen des vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten Projektes sollte eine onlinebasierte Bildungs- und Informationsplattform für den ehrenamtlichen Bereich entwickelt werden. Der Fokus wurde hierbei auf die drei Bereiche Sport, kulturelle Kinder- und Jugendbildung sowie Jugendverbandsarbeit gelegt. Durchgeführt wurde das Projekt von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie des Universitätsklinikums
Ulm in Zusammenarbeit mit der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS). Ziele des Lernangebots waren die Sensibilisierung für Gefährdungsfaktoren sowie im Fokus die Vermittlung von Kompetenzen zur Erstellung von Schutzkonzepten in kleinen, ehrenamtlich geführten Vereinen.


Kinderschutz Plattform Saaland mit den entwickelten Materialien


Projekttitel: Change Prozess an einem Bundesstützpunkt - Weiterentwicklung des Systems für eine Kultur des Hinsehens
Projektlaufzeit: 09/2021 - 12/2022
Förderung: Bundesinstitut für Sportwissenschaft

Beteiligte Praxispartner*innen:

  • Deutscher Turner-Bund (DTB)

Projektintention:

Ziel des Transferprojekts war es, einen Bundesstützpunkt (BSP) des DTB bei seinem Prozess der Etablierung des Kultur- und Strukturwandelprozesses „Leistung mit Respekt”“ zu unterstützen. Hierzu wurden in mehreren Projektphasen mit den Beteiligten am BSP die aktuellen Gegebenheiten erfasst und anschließend erste Veränderungsprozesse erarbeitet und angestoßen. Dieser BSP dient als Leuchtturmprojekt für Veränderungsprozesse an weiteren Stützpunkten - auch außerhalb des Turnsports.


Projekttitel: Durchführung von Sensibilisierungsworkshops zu interpersonaler Gewalt mit administrativem Personal des DTB sowie Befragung verschiedener Akteur*innen im DTB im Rahmen des Kultur- und Strukturwandelprozesses „Leistung mit Respekt“
Projektlaufzeit: 01/2021 - 12/2021
Förderung: Bundesinstitut für Sportwissenschaft/eigenfinanziert

Beteiligte Praxispartner*innen:

  • Deutscher Turner-Bund (DTB)

Projektintention:

Im Rahmen des vom DTB initiierten Kultur- und Strukturwandelprozesses „Leistung mit Respekt“ wurden Sensibilisierungsworkshops mit administrativem Personal auf Verbandsebene des DTB (Verbandsführung, Geschäftsstelle, Bundesstützpunktleitungen, Bundestrainer*innen) zum Thema interpersonale Gewalt durchgeführt. Weiterhin wurden verschiedene Akteur*innen im DTB (Trainer*innen, Funktionär*innen, Athlet*innen und Eltern) zu ihrer aktuellen Zufriedenheit und ihren Erwartungen hinsichtlich des Prozesses befragt.


Projekttitel: Trainer*innen als zentrale Akteur*innen in der Prävention sexualisierter Gewalt: Umgang mit Nähe und Distanz im Verbundsystem Nachwuchsleistungssport (TraiNah)
Projektlaufzeit: 04/2019 - 12/2021
Förderung: Bundesinstitut für Sportwissenschaft

Kooperationspartner*innen:

  • Institut für Soziologie und Genderforschung der Deutschen Sporthochschule Köln (Prof. Dr. Bettina Rulofs; Projektleitung)
  • Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie des Uniklinikum Ulm (PD. Dr. Marc Allroggen)

Beteiligte Praxispartner*innen:

  • Deutscher Basketballbund (DBB)
  • Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN)
  • Deutscher Schwimmverband (DSV)
  • Deutscher Turner-Bund (DTB)
  • Deutsche Sportjugend (dsj) im Deutschen Olympischen Sportbund
  • Trainerakademie Köln des DOSB
  • Berufsverband der Trainer/innen im Deutschen Sport (BVTDS)


Projektintention:

Um ein angemessenes Klima von Nähe und Distanzin der Sportgruppe herzustellen, sind die verantwortlichen Trainer*innen die zentralen Personen, denn sie bestimmen in erster Linie den Umgang der Sportler*innen untereinander, aber auch zwischen ihnen selbst und den Sportler*innen. Trainer*innen ist diese Verantwortung und auch die Übertragung ihres eigenen Handelns auf das Klima in ihrer Trainingsgruppe häufig nicht bewusst, dabei verbringen die Athlet*innen im Nachwuchsleistungsbereich einen Großteil ihrer Zeit mit ihren Trainer*innen sowie ihrer Trainingsgruppe. Zugleich werden Trainer*innen durch die aktuell brisanten
gesellschaftlichen Diskussionen um sexuelle Belästigungen und Übergriffe auch verunsichert. Es entstehen ganz konkrete Fragen danach, wie viel Nähe angemessen und erlaubt ist, wie Trainer*innen heranwachsende Athlet*innen stärken ıund ihre Unversehrtheit sichern können.

 


Projekttitel: Schutz von Kindern und Jugendlichen im organisierten Sportin Deutschland - Analyse von Ursachen, Präventions- und Interventionsansätzen bei sexualisierter Gewalt
Projektlaufzeit: 10/2014 - 09/2017
Förderung: Bundesministerium für Bildung und Forschung

Kooperationspartner*innen:

  • Institut für Soziologie und Genderforschung der Deutschen Sporthochschule Köln (Prof. Dr. Bettina Rulofs; Projektleitung)
  • Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie des Uniklinikum Ulm (Prof. Dr. Jörg M. Fegert)

Beteiligte Praxispartner*innen:

  • Deutsche Sportjugend (dsj) im Deutschen Olympischen Sportbund

Projektintention:

Der organisierte Sportin Deutschland zählt zu den wichtigsten Orten für Freizeitaktivitäten von Kindern und Jugendlichen. Mehr als 27 Millionen Mitgliedschaften in über
90.000 Turn- und Sportvereinen zählt aktuell der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB). Die Deutsche Sportjugend repräsentiert mit über zehn Millionen jungen Menschen den gröRßten freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland. Die Sportverbände und -vereine fördern nicht nur die sportliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen, sondern stellen einen wichtigen Sozialisationsrahmen für die Heranwachsenden dar. Besonders die Nähe und die Bindungen, welche im Sport entstehen, bergen aber auch Risiken für den Schutz von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Im Forschungsprojekt „Safe Sport“ untersuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Häufigkeiten und Formen von sexualisierter Gewaltim Wettkampf- und Leistungssport sowie den Umsetzungsstand von Präventions- und Interventionsmaßnamen in Sportverbänden und -vereinen. Das Forschungsprojekt bestand aus fünf Modulen: Zu Beginn der Datenerhebung stand eine Basisbefragung von zentralen Organisationen und Einrichtungen des Sports in Deutschland, durchgeführt unter der Leitung der Deutschen Sporthochschule Köln (Modul 1). Mit Hilfe von Onlinefragebögen und Telefoninterviews wurden die Ansprechpersonen in den 98 Mitgliedsorganisationen des Deutschen Olympischen Sportbundes bzw. der Deutschen Sportjugend (dsj) sowie die Leitungen von 19 Olympiastützpunkten und 62 Sportinternaten befragt.


Schulungen und Workshops

Eine wichtige Intention unseres Teams ist es, Wissen über sexualisierte und interpersonale Gewalt im Sport (und auch im Schulsport) zu vermitteln und Menschen im Sport Handlungssicherheit zu geben, wenn es um die Gewaltprävention geht, aber auch im Umgang mit Verdachtsfällen. Auch Workshops für Trainer*innen und Vereine zur Etablierung einer Kultur der respektvollen Führung (Empowerment Klima) werden angeboten. Für die Athlet*innen steht die Erkennung von eigenen Grenzen sowie die Erarbeitung von Regeln für den gemeinsamen Umgang im Vordergrund.

Verschiedene Schulungen finden in unregelmäßigen Abständen standardmäßig statt, u.a. Schulungen für Sportpsycholog*innen, Trainer*innen und Lehrkräfte, aber auch für Athlet*innen.

Wenn Sie selbst Interesse daran haben, an einer solchen Schulung teilzunehmen oder in ihrer Organisation eine spezielle Schulung in Kooperation mit unserem Team anbieten möchten, dann wenden Sie sich gerne an Dr. Jeannine Ohlert. Schulungen sind auch in Online-Form möglich - wir würden jedoch die Durchführung von Workshops in Präsenz empfehlen.

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