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  • ZSLS-Themenheft_01-21-Pfitzner_et_al.pdf
    Zeitschrift für Studium und Lehre in der Sportwissenschaft ∙ 2021, 4(1) 5 DOI: 10.25847/zsls.2020.029 Lehramtsstudiengänge Sport theorieorientiert entwickeln · Pfitzner, Krüger, Mühlbauer, Flecken, van Aerde, Hoffmann Michael Pfitzner, Mirko Krüger, Thomas Mühlbauer, Gabi Flecken, Ellen van Aerde & Dirk Hoffmann ORIGINALIA › PEER REVIEW ZUSAMMENFASSUNG Die Entwicklung universitärer Lehrprogramme unterliegt fachlichen Ansprüchen, um – im vorliegenden Falle – Lehrerbildungsanliegen in der Sportwissenschaft umzusetzen. Daneben gilt es, eine Reihe weiterer Anforderungen und Vorgaben für Lehrentwicklungsprozesse zu berücksichtigen. Das Modell pädagogischer Hoch- schulentwicklung von Brahm et al. (2016) bietet Hilfestellungen. Im Gerüst des Akkreditierungsverfahrens einer Universität ergeben sich damit Möglichkeiten einer Profilierung von Lehramtsstudiengängen im Fach Sport. Letztlich bleibt die Heraus- forderung, Impulsen zur Verschulung hochschulischer Bildung ein Stück weit Alter- nativen gegenüber zu stellen. Im Beitrag wird die theoriegeleitete Überarbeitung von Bachelor- und Masterstudiengängen mit Lehramtsoption für das Unterrichtsfach Sport bis zur exemplarischen Darstellung von Detailentscheidungen vorgestellt. Developing teacher training courses in sport in a theory-oriented way - challenges and approaches to solutions Abstract: The development of teaching programs in higher education is subject to high professional demands in order to implement relevant matters for teacher training in sports science. At the same time, numerous additional requirements and standards need to be considered within the process of course development. The model of ped- agogical higher education development by Brahm et al. (2016) acts as a supportive resource in this process. Consequently, within the framework of a universities’ accred- itation process the opportunity arises to emphasise teaching degree programs for P.E. teachers. It remains, however, challenging to counteract the movement to-wards “school-like“ approaches within higher education by providing alternative procedures. Within this article, the theory-based revision of Bachelor- and Master-degree courses in teaching will be presented for the subject P.E. and examples of the detailed decision processes will be provided. EINLEITUNG Die Freiheit von Forschung und Lehre ist ein Kernmerkmal der Arbeit an der Hoch- schule (vgl. § 4 im HSG NRW, MI NRW, 2020). Die Lehrenden eines Studienganges mit Lehramtsoption legen gerahmt durch die „Ländergemeinsamen inhaltlichen Anforde- rungen für die Fachwissenschaften und Fachdidaktiken in der Lehrerbildung“ (KMK, 2019) fest, wann die Studierenden welche Kompetenzen erreichen sollen, welche inhaltlichen Schwerpunktsetzungen dazu gelegt werden und wie der Kompetenzer- werb geprüft wird. Das Verhältnis zwischen den anzustrebenden Kompetenzen in den einzelnen Veranstaltungen, auf der Modulebene und das Verhältnis dieser als mal additiver, in anderen Fällen aber auch integrativer Ansatz und die daran orientierte korrespondierender Autor Prof. Dr. Michael Pfitzner Universität Duisburg-Essen Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften Arbeitsbereich Sportpädagogik und -didaktik Gladbecker Straße 182 45141 Essen michael.pfitzner@uni-due.de Autor*innengruppe Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft der Universität Duisburg-Essen Arbeitsbereich Sportpädagogik Mirko Krüger, Prof. Dr. Thomas Mühlbauer, Gabi Flecken, Dr. Ellen van Aerde, Dr. Dirk Hoffmann Schlüsselwörter Pädagogische Hochschulentwicklung Hochschuldidaktik, Sportstudium Lehrentwicklung, Kompetenzorientierung Keywords Pedagogical higher education development, Didactics in higher education, Study of sports sciences, Course development, Competence orientation Zitieren Sie diesen Beitrag wie folgt: Pfitzner, M., Krüger, M., Mühlbauer, T., Fle- cken, G., van Aerde, E. & Hoffmann, D. (2021). Lehramtsstudiengänge Sport theorieorientiert entwickeln - Herausforderungen und Lösungs- ansätze. Zeitschrift für Studium und Lehre in der Sportwissenschaft, 4(1), 5-13. Lehramtsstudiengänge Sport theorieorientiert entwickeln - Herausforderungen und Lösungs- ansätze Zeitschrift für Studium und Lehre in der Sportwissenschaft ∙ 2021, 4(1) 6 CC BY 3.0 DE Lehramtsstudiengänge Sport theorieorientiert entwickeln · Pfitzner, Krüger, Mühlbauer, Flecken, van Aerde, Hoffmann Ausgestaltung von Lehrveranstaltungen ist keinesfalls trivial. Es fordert den Beteiligten intensive Abstimmungsprozesse ab (vgl. u.a. Stubner & Vondran, 2019). Eine umfangreiche Literaturlage ist Beleg für das gewachsene Verständnis darüber, dass gute Lehre ei- ner intensiven, systematischen und theorieorientierten Auseinan- dersetzung bedarf (Heuchemer, Szczyrba & van Treeck, 2019). Den Modulkonferenzen als „Orte“ der Verständigung über gute Lehre mit allen im betreffenden Modul Lehrenden kommt eine besonde- re Bedeutung zu. In ihnen bündelt sich die fachliche Expertise. In diesem Beitrag werden die Herausforderungen im Rahmen der Re- Zertifizierung der Studiengänge Sport mit Lehramtsoption am Ins- titut für Sport- und Bewegungswissenschaften (ISBW) der Universi- tät Duisburg-Essen (UDE) dargelegt. Dabei wird das Zusammenspiel zwischen Lehrentwicklungsmaßnahmen in den Modulkonferenzen und der modellorientierten Steuerung des Prozesses orientiert am Modell „Pädagogischer Hochschulentwicklung“ von Brahm, Jenert & Euler (2016b) pointiert. Zunächst werden die Rahmenbedingun- gen der Re-Zertifizierung der UDE vorgestellt. Es folgen Hinweise zum Steuerungsmodell „Pädagogische Hochschulentwicklung“. Da- bei verfolgte Lösungsansätze werden im Anschluss konkretisiert. Abschließend werden sie in einem Fazit und Ausblick reflektiert. RAHMENBEDINGUNGEN DER RE-ZERTIFI- ZIERUNG AN DER UDE Veränderungen von Studiengängen spiegeln qualitative Ent- wicklungen in Studium und Lehre wider und erfahren eine breite Unterstützung durch zentrale Einrichtungen der UDE. Die Re-Zer- tifizierung eines Studiengangs, die an der UDE als systemakkredi- tierte Universität in den Händen des Prorektorats für Studium und Lehre (ProR S&L) liegt, wird durch zentrale Einrichtungen wie das Dezernat Hochschulentwicklungsplanung (HSPL), das Zentrum für Hochschulqualitätsentwicklung (ZHQE), das Justiziariat, die Studi- endekanate und bei lehramtsbezogenen Studiengängen durch die Koordinationsstelle Lehramt (KOLA) im Zentrum für Lehrerbildung (ZLB) unterstützt. Zudem ist das zuständige nordrhein-westfäli- sche Ministerium für Schule und Bildung (MSB NRW) eingebunden. Die inhaltliche Arbeit findet in Verantwortung der Fakultäten in Ab- stimmung mit dem Studiendekanat statt. Eine wichtige operative Aufgabe kommt den Studiengangmanager*innen in den Fakultäten zu (vgl. UDE, 2020). Re-Zertifizierungsprozesse sind eingebunden in das permanente Managementsystem zur Qualitätssicherung an der UDE (vgl. Abb. 1). Jährliche Qualitätssicherungsverfahren auf Ebene der Lehrein- heiten wie z. B. Qualitätskonferenzen werden von den Fakultäten durchgeführt (siehe oben links in Abb. 1). Sie unterstützen den Prozess der kontinuierlichen Qualitätssicherung im laufenden Abb. 1: Modell der kontinuierlichen Qualitätssicherung an der Universität Duisburg-Essen (nach UDE, 2020) Fokus: Studium & Lehre Fokus: Lehre & Studium, Forschung, Organisation, Services JÄHRLICHE Qualitätskonferenz / Tag der Lehre (in der Verantwortung der Fakultäten) » Jährliche Betrachtung der Lehreinheit » sechsjährliche vertiefte Be- trachtung der Studiengänge Qualtitätsbericht Jahr Z » LE x,y » B.A. x » M.A. y » B.Sc. Y ALLE 3 JAHRE Ziel und Leistungs- vereinbarungen (ZLV) » Entwicklungsbericht » Statusraster (vorangegangener Zyklus) » ZLV-Vereinbarungsraster (aktu- eller Zyklus) ALLE 6 JAHRE » Institutionelle Evaluation » Selbstbericht » Externe Begutachtung Follow-ups mit dem Rektorat interne Rezertifizie- rung/ Reak- kreditierung Datensets, Datenblätter (Standard)/ weitere Daten (opti- onal) weitere Information (eigene Daten (SWOT-) Analysen, etc. ZLV- Vertrag mit dem Rektorat Reflexion & Maßnahmen- Planung Follow-ups aus der Inst. Evaluation mit dem Rektorat Kennzahlen & Statistiken (aus hochschulstatistischen Datenbanken) Studierendenpanel (Befragungen im Studienverlauf) Absolvent/innenbefragung Lehrveranstaltungsbewertung Qualitative Feedbackmethoden (optional) Workloadevaluation (optional) Modulevaluation (optional) Zeitschrift für Studium und Lehre in der Sportwissenschaft ∙ 2021, 4(1) 7 DOI: 10.25847/zsls.2020.029 Lehramtsstudiengänge Sport theorieorientiert entwickeln · Pfitzner, Krüger, Mühlbauer, Flecken, van Aerde, Hoffmann Studienbetrieb sowie, im Rahmen des Re-Zertifizierungsprozesses, die alle sechs Jahre durchzuführende vertiefende Betrachtung der Studiengänge. Die Ergebnisse werden in Qualitätsberichten nie- dergelegt, im Rahmen von Qualitätsgesprächen mit dem ProR für S&L erörtert und in verbindliche Maßnahmen (sog. Follow-ups) zur Qualitätssicherung der Lehreinheiten überführt (vgl. UDE, 2020). Die vertiefende Betrachtung der Studiengänge erfolgt nach einem durch das Rektorat der UDE beschlossenen Qualitätsplan zur Gewährleistung einer kontinuierlichen Zertifizierung. Die Durch- führung der Re-Zertifizierungsverfahren umfasst in der Regel ein Zeitfenster von eineinhalb Jahren. Je nach Art der Änderungen greifen standardisiert vorgegebene Qualitätssicherungsverfahren (vgl. UDE, 2020). Lehramtsstudiengänge unterliegen in diesem Kontext Verfahrens- schritten, die ausschließlich auf die Qualitätssicherung dieser abgestimmt sind. Exemplarisch ist der Abgleich inhaltlicher und struktureller Veränderungen der Studiengänge mit länderüber- greifenden Rahmungen der Kultusministerkonferenz, länderspezi- fischen Gesetzgebungen, Zielen zur Lehrerbildung und hochschul- internen Profilen der Lehrerbildung anzuführen (vgl. UDE, 2020). Ziel- und Leistungsvereinbarungen (siehe Abb. 1 in der Mitte) wer- den alle drei Jahre mit dem Ziel abgeschlossen, die Aktivitäten im Hochschulentwicklungsplan mit den Zielen aller Akteure an der UDE in Lehre und Studium, Forschung, Organisation und Services zu koordinieren (vgl. UDE, 2020). Die alle sechs Jahre stattfinden- den institutionellen Evaluationen sind eingebunden in interne und externe Beurteilungsverfahren (oben rechts in Abb. 1). STEUERUNGSMODELL „PÄDAGOGISCHE HOCHSCHULENTWICKLUNG“ Fragen guter Lehre in der Hochschule haben neben dem Aufbau von Qualitätsmanagement-Maßnahmen in den vergangenen Jahren das Interesse in allgemeiner Form (u. a. Böss-Ostendorf & Senft, 2018) mit Schwerpunkten z. B. auf der Kompetenzmessung (vgl. exem- pl. Perko & Kitschke, 2014) oder auf Feedbackverfahren (Dain- ton, 2018) und zuletzt mit Hinweisen zu Digitalisierung der Lehre (z. B. Harris-Huemmert, Pohlenz & Mitterauer, 2018) gebunden. Auch zur Organisationsentwicklung im Bereich der Lehre, wie sie mit der Revision von Studiengängen verbunden sind, gibt es Refe- renzen wie u. a. das von uns herangezogene Modell der „Pädagogi- schen Hochschulentwicklung“ (Brahm et al., 2016b) (vgl. Abb. 2). Mit diesem Modell wird das Ziel verfolgt, bei der Durchführung von Einzelmaßnahmen immer „die verschiedenen Ebenen innerhalb einer Veränderungsinitiative gleichzeitig in den Blick zu nehmen“ (Brahm et al., 2016b, S. 28). Pädagogische Hochschulentwicklung kann so als interdependentes Handeln auf den Ebenen » der Lernumgebungen, bei denen es um die „Kompetenzent- wicklung der Lehrenden und Studierenden und – damit ver- bunden - Gestaltung von Lehr-/ Lernumgebungen und Kur- sen“ (Brahm et al., 2016b, S. 27) geht, » der Studienprogramme, die die „Gestaltung von Profil und Zu- sammenwirken der Kurse in einem Studiengang“ (Brahm et al., 2016b, S. 27) betrifft und » der Organisation, womit auf die „Gestaltung der strukturellen und kulturellen Rahmenbedingungen der Lehre an der Hoch- schule“ (Brahm et al., 2016b, S. 28) hingewiesen wird, ver- standen werden. Alle Aktivitäten orientieren sich an den strategischen Zielen für Leh- re und Studium. Brahm et al. (2016b, S. 29–30) weisen darauf hin, dass es sich dabei nicht um ein additives Konstrukt der Ziele aus einzelnen Lehrveranstaltungen handeln dürfe, sondern eine über- geordnete Leitidee erkennbar werden müsse. Die in der Mitte des Modells zu findende Komponente Change Ma- nagement und Change Leadership verweist auf die notwendiger- weise zu steuernden Prozesse, um die als interdependent ausge- wiesenen Ebenen nicht ungetrennt voneinander stehen zu lassen. Da Hochschulen als „`lose gekoppelte` Expertenorganisationen mit einer kollegialen Kultur verstanden“ (Brahm et al., 2016b, S. 32) werden können, und Lehre eine Aufgabe neben Forschung und akademischer Selbstverwaltung darstellt, ergeben sich erhebliche Anforderungen an die Steuerung von Lehrentwicklungsprozessen. Es geht um knappe Ressourcen der Handelnden, die Akzeptanz der Legitimität der den Prozess leitenden Personen und die damit ins- gesamt nicht einfache Entfachung einer motivierten Bereitschaft für ein Engagement zur Lehrentwicklung. Maßnahmen der Lehrentwicklung, dieses verdeutlichen die Aus- führungen, sind in komplexe institutionelle Prozesse eingebunden. Mit den dabei wirkenden überfachlichen Strukturen geht die Gefahr einher, dass fachspezifische Anliegen überdeckt werden. Um die eingangs des Beitrags reklamierte Freiheit der sportwissenschaft- lichen Lehre zum Tragen zukommen zu lassen, ist eine intensive Vergewisserung der Ziele und Maßnahmen vonnöten, für die das Modell der Pädagogischen Hochschulentwicklung eine Rahmung verschafft. Den fachlichen Zielen im Prozess nähern wir uns nach- folgend und reflektieren unsere Arbeitsbedingungen sowie -refe- renzen. Abb. 2: Bezugsrahmen der Pädagogischen Hochschulentwick- lung (Brahm et al., 2016b, S. 29) Strategische Ziele für Lehre und Studium Ebene der Lernumgebung: Kompetenzentwicklung und didaktische Designs Ebene der Studienprogramme: Gestaltung des Pro- fils und der Kohärenz eines Studiengangs Ebene der Organisation: Gestaltung der struktu- rellen und kulturellen Rahmbedingungen Change Management/ Change Leadership Zeitschrift für Studium und Lehre in der Sportwissenschaft ∙ 2021, 4(1) 8 CC BY 3.0 DE Lehramtsstudiengänge Sport theorieorientiert entwickeln · Pfitzner, Krüger, Mühlbauer, Flecken, van Aerde, Hoffmann AUSGANGSPUNKTE FÜR DIE ÜBERARBEI- TUNG DER STUDIENGÄNGE AM INSTITUT FÜR SPORT- UND BEWEGUNGSWISSEN- SCHAFTEN DER UNIVERSITÄT DUISBURG- ESSEN Für die strategischen Ziele für Lehre und Studium ergeben sich auf verschiedenen Ebenen relevante Bezugspunkte. Im Hochschul- entwicklungsplan der UDE (UDE, 2015) werden Leitlinien für das „Lehren und Lernen“ entfaltet und dabei eine Reihe relevanter Einzelpunkte z. B. zum Lehren und Lernen in einer digitalen Welt, der Förderung und Forderung einer heterogenen Studierenden- schaft u.v.m. dargelegt. Diese harmonieren mit unseren Anliegen an die Befähigung angehender Sportlehrkräfte im „kulturell bun- ten Ruhrgebiet“ in einer zunehmend digitalen Welt. Auf einer über- greifenden Zielebene erfolgt das geteilte Bekenntnis, dass es um den Kompetenzerwerb Studierender zur „Berufsbefähigung […] im Sinne einer im Medium von Wissenschaft und Forschung kritisch re- flektierten Praxisorientierung […] und nicht bloße Beschäftigungs- fähigkeit“ (UDE, 2015, S. 21, Hvh. die Vf.) geht. Das ISBW sieht sich des Weiteren geleitet durch Entwicklungen in der Fachgesellschaft und den Interessenvertretungen für den Schulsport. Positionspapiere liegen z. B. zum Ein-Fach-Bachelor- Curriculum (dvs, FT Sport, DSLV & asp, 2017), zu Herausforderun- gen wie der Inklusion (dvs, 2015) und der Lehre in der Theorie und Praxis der Sportbereiche und Bewegungsfelder (dvs, 2019) vor. Sie bieten normative Positionen über ein gutes Studium der Sportwissen- schaft. Forciert durch eine enge Einbindung in die Lehrerbildung an der UDE, u. a. im Rahmen der Initiative „Professionalisierung für Vielfalt (ProViel)“, haben auch die Lehrerbildung betreffende Sollensvorstellungen, wie sie z. B. durch das Positionspapier zur In- klusion (ProViel, 2019) dargestellt werden, eine Strategie leitende Bedeutung für die Lehre im ISBW der UDE. Bei der Arbeit mit dem leitenden dimensionalen Kompetenzmodell (vgl. Terhart, 2007, s.u.) innerhalb des Instituts kommen wir zudem wiederkehrend in einen hochschuldidaktischen Austausch über unser Verständnis von Schulsport, als zukünftigem Tätigkeitsbereich unserer Stu- dierenden, und den daraus resultierenden Konsequenzen. Hierbei richten wir den Blick auf das Ballungsgebiet Ruhrgebiet mit seinen Bedingungen einer besonders heterogenen Schüler*innenschaft (Pfitzner, Gebken & Mühlbauer, 2020). Die Vorstellungen zu einem Leitbild des Schulsports, wie sie auch von den schulsportrelevan- ten Verbänden und Kultusbehörden gesehen werden (DOSB & KMK, 2017; DSLV, dvs, DOSB & FSW, 2019), der mehr ist als Sportunter- richt, prägt unsere Arbeit. Es geht um Bewegung, Spiel und Sport im weiten Verständnis von Schulsport in erzieherischer Absicht, das den außerunterrichtlichen Schulsport und das Lernen mit Be- wegung in den anderen Fächern und Lernbereichen einschließt. Empirische Ausgangspunkte ergeben sich aus den Evaluationen von Lehrveranstaltungen, die im Rahmen des Qualitätsmanagements universitärer Alltag geworden sind. Hinzu kommen die Erfahrun- gen der Lehrenden, um Lehre weiter zu entwickeln. Eine Studie- rendenevaluation zur Situation am ISBW stellt ein Spezifikum des Re-Zertifizierungsprozesses 2019/20 dar. Diese für alle Belange der Studierenden von der Fachschaft Sport durchgeführte Evaluation ergab eine Reihe bedeutsamer Hinweise für die Überarbeitung der Studiengänge. Bevor die Ergebnisse der Studierendenevaluation vorgestellt wer- den, wird der personelle Aufbau des ISBW reflektiert und das Lehr- und Kompetenzverständnis präsentiert. Vorstellung des Instituts für Sport- und Bewegungswissenschaf- ten Das ISBW der UDE ist mit insgesamt 24 Mitarbeitenden in drei Arbeitsbereichen (Bewegungs- und Trainingswissenschaft / Bio- mechanik des Sports, Sozialwissenschaften des Sports, Sportpä- dagogik & -didaktik) das personell am geringsten ausgestattete Sportinstitut in NRW. Im Wintersemester 2019/2020, in dem ein erheblicher Teil der in diesem Beitrag reflektierten Aktivitäten im Rahmen der Re-Zertifizierung stattgefunden hat, sind 860 Studie- rende, davon 185 im Master, eingeschrieben. Sie verteilen sich auf je vier lehramtsbezogene Bachelor- und fünf Masterstudiengänge mit den Lehramtsoptionen Grundschule (2 x Master), Haupt-, Real, Sekundar- und Gesamtschule, Gymnasium / Gesamtschule und Be- rufskolleg. Für den Prozess der Re-Zertifizierung von besonderer Bedeutung sind die nach der letzten Revision der Studiengänge eingetretenen Neubesetzungen der drei Professuren. Lehr- und Kompetenzverständnis am Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften Wesentlicher Bezugspunkt für die Entwicklung von Lernsettings und der damit verbundenen Leistungsüberprüfung in den Modu- len ist das konstruktivistische Lernparadigma. Ansätze, wie z. B. das situierte Lernen, deren Konzeptualisierungen auf Arbeiten von James, Vygotsky, Dewey oder Mead (James, 2010) zurück- gehen, sehen Lernende nicht als passive Rezipienten, sondern als aktive Konstrukteure ihres Wissens an. Der Komplexität der aktiven Wissenskonstruktion der Studierenden am ISBW soll vor diesem Hintergrund sowie im Zusammenhang mit den durch die Re-Zertifizierung angestoßenen Entwicklungsmaßnahmen auch in kompetenzorientierten Formen der formativen und summati- ven Leistungsüberprüfung zum Nachweis des Könnens sowie der Performanz, Rechnung getragen werden. Kompetenzen werden dabei verstanden als „die bei Individuen verfügbaren oder durch sie erlernbaren ko- gnitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, um bestimmte Probleme zu lösen, sowie die damit verbundenen motivationalen, volitio- nalen und sozialen Bereitschaften und Fähigkeiten, um die Pro- blemlösungen in variablen Situationen erfolgreich und verant- wortungsvoll nutzen zu können“ (Weinert, 2001, S. 27). Orientiert an den aus Abb. 3 zu entnehmenden Dimensionen der Kompetenzentwicklung nach Terhart (2007) geht es in den Lehr- veranstaltungen am ISBW um Impulse zum Wissenserwerb (oben links), um Beiträge zur Entwicklung einer pädagogischen Hal- tung (oben rechts) und die Ausprägung von Handlungsfähigkei- ten bzw. Performanz im Verständnis von „Didaktisieren“ (unten). Alle Lehrveranstaltungsformen dienen dazu, den unterschiedli- chen Dimensionen der Kompetenzentwicklung zuträglich zu sein. In den weniger dialogischen Vorlesungen werden in besonderer Weise Beiträge zum Wissenserwerb geleistet. Projektorientierte Lehrveranstaltungen sind stärker rechts im Modell zu verorten. Veranstaltungen der „Didaktik und Methodik der Sportbereiche und Bewegungsfelder“ sind durch die untenstehende Dimension der „Handlungsfähigkeiten“ geprägt. Für unsere Lehrentwicklungsarbeit relevant ist das mit diesem Modell verbundene Verhältnis von „Kenntnissen / Wissen“ und „Handlungsfähigkeiten“. Letzteres kommt verstanden als Pra- xis für Sportstudierende zunächst als ihr eigenes Handeln als Sportler*in in den Blick. Sportstudierende erwerben Kompeten- zen in der Sportpraxis mit Anteilen, die im Positionspapier der dvs (2019, S. 2) mit mindestens 40 % veranschlagt werden. Da- bei geht es um die zum Verständnis, zum Lernen aber auch zum Zeitschrift für Studium und Lehre in der Sportwissenschaft ∙ 2021, 4(1) 9 DOI: 10.25847/zsls.2020.029 Lehramtsstudiengänge Sport theorieorientiert entwickeln · Pfitzner, Krüger, Mühlbauer, Flecken, van Aerde, Hoffmann kritischen Hinterfragen der Fachpraxis notwendigen Wissens- bestände aus den sportwissenschaftlichen Teildisziplinen. Es bietet sich eine komplexe, in dieser Form besonders lehrreiche, gleichermaßen aber auch wiederholt recht kritisch kommentier- te Konstellation an (jüngst Rode, 2020). Die Praxis soll einen Mehrwert im Sinne eines Bewährungsfeldes der Theorie darstel- len. Es verbinden sich des weiteren Ansprüche an den Erwerb von Vermittlungskompetenzen mit diesen Lehrveranstaltungen (dvs, 2019, S. 2). Neuber (2016) sortiert mit Bezügen zu Arbeiten von Patry (2014) die unterschiedlichen Formen der Praxen Sportstudierender als „erlebte“, „erteilte“, „beobachtete“ und „erzählte“ Praxis. Auf der Ebene der Theorie geht es um Theorien, mit denen sich der Anspruch verbindet, Referenz für die Praxis zu sein und Theori- en, die das Verhältnis zwischen diesen Theorien und der Praxis zu bestimmen versuchen. So zeigt sich also auch in der Sportlehr- kräftebildung ein eingehender Diskurs wie in der Lehrerbildung insgesamt (vgl. exempl. Neuweg, 2011). Zum Verhältnis von Theorie und Praxis, das für unsere Lehrent- wicklungen bedeutsam ist, sind Vorstellungen der Theorie-Praxis- Relationierung richtungweisend. Diese legen den „Schwerpunkt auf den Akteur und seine Verarbeitungsprozesse“ (Makrinus, 2013, S. 65). Wissenschaft stellt mittels Theorien Deutungsangebote bereit, die Selektion und Verwendung wird durch die Praktiker selbst bestimmt. Beide, also die Deutungsmöglichkeiten der Wis- senschaft und der Praxis, werden zueinander in Beziehung gesetzt und in ihren Unterschiedlichkeiten voneinander abgegrenzt. Zur Herstellung einer Kongruenz zwischen einer kompetenzo- rientierten Lehre und Leistungsmessung muss letztere primär auf analytische sowie problemlösende Fähigkeiten und weniger auf die reine Wissensreproduktion abzielen, um einer „authen- tischen Leistungsmessung“ (authentic assessment) zu entspre- chen. Als hierzu besonders geeignete Überprüfungsformate zäh- len z. B. „authentic performance tasks, simulations, portfolios, journals, group projects, exhibitions, observations, interviews, oral presentations, self-evaluation, peer-evaluation“ (Biren- baum, 1996). Der Kern dieser Formate besteht darin, dass sie Realitätsnähe mit Bezug auf die Lebenswelt und die zukünftigen beruflichen Anforderungen der Lernenden aufweisen (Kontex- tualisierung oder Situierung) sowie die Überprüfung vielfälti- ger fachspezifischer Fähigkeiten und die Anwendung von für die eigene Profession typischen Verfahren sowie mehrere richtige Lösungen (Divergenz) auf unterschiedlichen kognitiven Anforde- rungsniveaus ermöglichen. Vor diesem Hintergrund werden die Kompetenzen in den Modul- handbüchern auf der Grundlage der Taxonomie von Anderson & Krathwohl (2001) beschrieben. Sie wird als kategoriales Raster aufgefasst, welches gerichtete Hinweise über mögliche Schwie- rigkeitsgrade der formulierten Kompetenzen zulässt. Die sechs Ausprägungen umfassende Taxonomie wird zu drei Kategorien verdichtet, wie es in der Literatur wiederholt berichtet wird (vgl. im Hochschulkontext z.B. bei Gehmlich, 2009): » Die Kategorie Erinnern und Verstehen meint die Formulierung von Kompetenzen, die primär auf die Kenntnis von Begriffen und das Erinnern von Informationen (typische Verben: iden- tifizieren, abrufen, auflisten, erinnern, bezeichnen) sowie konzeptuelles Verständnis (typische Verben: beschreiben, erklären, zusammenfassen) fokussieren. • Der Nachweis von Kompetenzen in dieser Kategorie kommt beispielsweise in den Modulprüfungen zu den Einführungsvorlesungen sowie in den theoretischen Teilen der sportpraktischen Veranstaltungen zum Tragen, z. B. im Modul A „Einführung in die Sportwis- senschaften“: Die Studierenden kennen Gegenstand, Problemstellung und Erkenntnismodelle der Sportwissen- schaft. Das jeweils erworbene Wissen wird durch offene und geschlossene Fragestellungen überprüft. » Die mit der Kategorie Anwendung verbundenen Kompetenz- formulierungen legen den Schwerpunkt auf die Anwendung von Informationen und Konzepten auf neue Situationen (ty- pische Verben: anwenden, übertragen). • Zu dieser Kategorie ist der Nachweis von Kompetenzen in einer Reihe von Modulkontexten zu erbringen. Bspw. sollen die Studierenden im Modul E „Grundlagen der Di- daktik“ in der Veranstaltung E2 „Lehren in verschiede- nen Settings – Outdoor Winter“ die spezifischen Sicher- heitsbedingungen kennen und diese anwenden können. Zur authentischen Überprüfung dieser Kompetenzer- wartung leiten die Studierenden kleinere Lehreinhei- ten unter Berücksichtigung der spezifischen Sicher- Abb. 3: Dimensionen der Kompetenzentwicklung (mod. nach Terhart, 2007, S. 50). Kenntnisse / Wissen (Wissen was …) Selbstverständnis / pädagogische Haltung (Wissen für was …) Handlungsfähigkeiten / „Didaktisieren“ (Wissen wie …) Forschungskolloquium Begleitseminare zu Praktika BA-Seminare MA-Seminare Fachpraxis Projektseminare Vorlesung Zeitschrift für Studium und Lehre in der Sportwissenschaft ∙ 2021, 4(1) 10 CC BY 3.0 DE Lehramtsstudiengänge Sport theorieorientiert entwickeln · Pfitzner, Krüger, Mühlbauer, Flecken, van Aerde, Hoffmann heitsbedingungen am jeweiligen Exkursionsort an (z. B. im Rahmen der Skiexkursion). » Die mit der Kategorie Problemlösung verschränkten Kompe- tenzformulierungen beziehen sich auf analytische Leistun- gen, einschließlich der Fähigkeit, Schemata und Beziehun- gen von zugrundeliegenden Komponenten zu identifizieren und zu reflektieren. Hierzu gehören außerdem die Synthese von Informationen und/oder die Verknüpfung neuer Infor- mationen mit bekannten Wissensbeständen sowie die be- gründete Beurteilung von Ideen, Evidenzen und Logiken (typische Verben: analysieren, beurteilen). • Der Nachweis von Kompetenzen ist ebenfalls in ver- schiedenen Modulen zu erbringen. Insbesondere in Verbindung mit den Studienprojekten und Abschluss- arbeiten in der BA- und MA-Phase sind Studierende herausgefordert, analytische Leistungen unter Beweis zu stellen. Aber auch in den Seminaren wird diese Leis- tung insbesondere in der Masterphase angesteuert. Beispielsweise ist die Abschlussprüfung im Modul N „Didaktik des Schulsports“ so konzipiert, dass die Stu- dierenden zunächst die Ergebnisse ihres Studienpro- jekts aus dem Praxissemester vorstellen und mit ihren Kommiliton*innen diskutieren. Im Anschluss daran er- folgt eine mündliche Prüfung, in der ihnen Szenarien aus dem zukünftigen Schulalltag als authentische Pro- bleme vorgestellt werden, zu denen sie auf der Grund- lage ihres Wissens aus dem Studienprojekt, der Grund- lagentexte des Moduls und weiterer Seminarinhalte komplexe Lösungsstrategien entwickeln sollen (z. B. zur Planung einer Fortbildung zum Thema „Geschlech- tersensibler Sportunterricht“). Die Formulierung von Kompetenzen mit unterschiedlichen ko- gnitiven Anforderungsniveaus ist in den Modulhandbüchern in Wissens- (Die Studierenden kennen / wissen …) und Könnens- Aussagen (Die Studierenden können …) organisiert. Studierendenevaluation am Institut für Sport- und Bewe- gungswissenschaften Die für den Prozess der Re-Zertifizierung vorliegenden Ergebnis- se einer von der Fachschaft Sport initiierten Studierendenevalu- ation beruhen auf Aussagen von 131 schriftlich befragten Stu- dierenden. Die Ergebnisse lassen sich auf Anforderungen » an eine auszubauende Spezifität von Lehrangeboten, worun- ter ein vermehrtes Angebot an lehramtsspezifischen Veran- staltungen gemeint ist, » zur Erhöhung des Angebots im Bereich der Theorie und Praxis der Sportbereiche und Bewegungsfelder, » zur Reduktion der Projekte und » an ein Mehr an Lehrinhalten im Bereich des wissenschaftli- chen Arbeitens verdichten und beinhalten zudem den Wunsch nach » mehr Unterrichtsversuchen im Studium und » eine größere Übereinstimmung zwischen den Lehrinhalten und Prüfungsanforderungen. PROZESSE UND PRODUKTE IM RAHMEN DER RE-ZERTIFIZIERUNG AM INSTITUT FÜR SPORT UND BEWEGUNGSWISSEN- SCHAFTEN DER UNIVERSITÄT DUISBURG- ESSEN Unter den zuvor dargestellten institutionellen Voraussetzungen, geprägt durch das leitende Lehr- und Kompetenzverständnis und unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Studierendenevaluation wurden, in einer die Revision der Studiengänge in Gang setzenden Auftaktveranstaltung, strategische Ziele festgehalten sowie Struk- turen und Arbeitsschritte vereinbart. Sie werden im Folgenden bis zu exemplarischen Hinweisen zu einem Revisionsanliegen darge- stellt. Strategische Ziele für die Revision der Studiengänge am Insti- tut für Sport- und Bewegungswissenschaften Auf einer die Persönlichkeitsentwicklung der Studierenden abzie- lenden Ebene lässt sich mit Öffnung und Schließung ein strategi- sches Ziel für den Re-Zertifizierungsprozess benennen. Gemeint ist damit, dass den durch Rahmenbedingungen wie dem Zeit- fenstermodell für die Lehramtsfächer, der Vorgabe, dass Module in zwei Semestern studiert werden müssen usw. verbundenen recht geschlossenen Studienstrukturen Momente der bewussten Entscheidung für Lehrveranstaltungen (Öffnung) an die Seite ge- stellt werden sollen. Damit wird die Hoffnung auf die Initiierung einer Selbstreflexion auf Studierendenseite verbunden. Im Sinne einer wahrzunehmenden Kohärenz von Studien- und Prü- fungsanforderungen aufseiten der Studierenden wird zudem die Notwendigkeit einer hohen Stimmigkeit von Lehr- und (anspruchs- vollen) Prüfungsinhalten herausgehoben. Als dritte übergreifende Linie, die bei der Revision der Studiengänge besondere Aufmerk- samkeit erfahren sollte und mit dem Leitbild der Stimmigkeit in engem Zusammenhang steht, ist die wiederkehrende Reflexion anstehender Entscheidungen dahingehend, dass den Studieren- den der rote Faden durch das Studium möglichst gut erkennbar werden muss. Bedeutend ist zudem die Forderung, zukünftig ein stärkeres Engagement im Bereich des Kompetenzerwerbs der Stu- dierenden zum Wissenschaftlichen Arbeiten zu entfalten. Weitere Vorstellungen betreffen vermehrte Vermittlungsbezüge in die Leh- re zu implementieren. Die Vorstellung, dass sich ein gutes Stu- dium durch eine Begleitung der Studierenden kennzeichnet, wird über den Hinweis Mentoring erkennbar. Am Beispiel Wissenschaftliches Arbeiten wird nachfolgend ein Ein- blick in die Arbeit in den Modulkonferenzen im Rahmen der Re- Zertifizierung gegeben. Das Entwicklungsvorhaben „Stärkung des wissenschaftlichen Arbeitens“ Dieses Vorhaben zur Stärkung wissenschaftlichen Arbeitens soll- te einerseits die Förderung von Kompetenzen in der Recherche, Verwaltung und Auswertung von Literatur sowie in der Gestaltung wissenschaftlicher Textsorten (z. B. Exposé) und andererseits die Etablierung forschungsbezogener Kompetenzen in der Planung, Auswertung und Interpretation von Daten adressieren. Am Bei- spiel des Bachelor-Studiengangs Sport mit den Lehramtsoptio- nen Gymnasium / Gesamtschule (Gy/Ge) und Berufskolleg (BK) erfolgen nachfolgend Einblicke in dieses Entwicklungsvorhaben, welche sich strukturell auf den von Brahm et al. (2016b) beschrie- benen Ebenen verorten lassen: Zeitschrift für Studium und Lehre in der Sportwissenschaft ∙ 2021, 4(1) 11 DOI: 10.25847/zsls.2020.029 Lehramtsstudiengänge Sport theorieorientiert entwickeln · Pfitzner, Krüger, Mühlbauer, Flecken, van Aerde, Hoffmann Ebene der Lernumgebungen: » Zieldimensionen: Nach Brahm et al. (2016b) gilt es, auf dieser Ebene vor allem didaktische Kernfragen zu den Zielen sowie den an den Lernvoraussetzungen der Studierenden ange- passten Inhalten und Methoden, lernförderlichen Interakti- onen und Überprüfungsformaten auf der Ebene der einzelnen Veranstaltungen zu beantworten. » Realisierung: Hierzu wurden insbesondere die beiden Mo- dule D „Grundlagen sportwissenschaftlichen Arbeitens“ (2. Semester) und K „Vertiefung sportwissenschaftlichen Ar- beitens“ (5./6. Semester) neu entwickelt (vgl. Spalte 2+3 in Abb. 4). Im Rahmen von zwei in Modul D verpflichtenden Seminaren zum Thema „Einführung in das sportwissen- schaftliche Arbeiten“ erhalten die Studierenden verschie- dene Lerngelegenheiten, um wissenschaftliche Quellen und Daten vor dem Hintergrund einer Forschungsfrage zu finden, zu bearbeiten, zu interpretieren und adressatengerecht zu präsentieren. In einer Portfolioprüfung erstellen sie hierzu ein wissenschaftliches Exposé sowie eine Gliederung und ein Literaturverzeichnis, in welchem die erworbenen Kenntnis- se und Kompetenzen des Moduls angewendet werden. Zuvor haben die Studierenden ihre Fähigkeiten in der fachspezi- fischen Literaturrecherche und softwarebasierten Litera- turverwaltung (Citavi oder Endnote) durch die Nutzung von zwei in Kooperation mit der Universitätsbibliothek der UDE entwickelten Blended-Learning-Kursen vertiefen können (linke Spalte in Abb. 4). Im Rahmen von zwei weiteren in Mo- dul K verpflichtenden Seminaren vertiefen die Studierenden ihre Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens vor dem Hin- tergrund sozial- oder geistes- und naturwissenschaftlicher Fragestellungen in Bewegung, Spiel und Sport. Dabei erlan- gen die Studierenden in Verbindung mit der Anfertigung ei- ner Projektarbeit die Fähigkeit zur Erschließung, kritischen Sichtung und Präsentation von Forschungsergebnissen und sind in der Lage, wissenschaftliche Methoden und qualita- tive und / oder quantitative Auswertungsstrategien in Vor- bereitung auf die Bachelorarbeit (6. Semester) anzuwenden. Darüber hinaus werden in der Masterphase Methodenlabs zu den empirischen Anforderungen im Praxissemester genutzt. Ebene der Studienprogramme: » Zieldimensionen: Nach Brahm et al. (2016b) steht hier v. a. die Erzeugung einer kohärenten Struktur im Vordergrund, um „die in den einzelnen Kursen verfolgten Ziele auf einen Ge- samtrahmen auszurichten“ (S. 31). » Realisierung: Bislang wurden Aspekte wissenschaftlichen Arbeitens zu einem späten Zeitpunkt an die Veranstaltung „Natur- bzw. Sozialwissenschaftliches Studienprojekt“ im 6. Fachsemester (rechte Spalte in Abb. 4), also unmittelbar vor der Anfertigung der Bachelorarbeit, geknüpft. Da die Stu- dierenden jedoch bereits im 3. Semester im Modul E in der Veranstaltung „Didaktik des Sports“ eine wissenschaftliche Hausarbeit anzufertigen haben, erschien es adäquat, diese Inkongruenz durch das Vorziehen und die Erweiterung des bestehenden Lernangebots in die Studieneingangsphase aufzulösen. Hierbei wurde eine modulübergreifende Struk- tur erstellt (vgl. Abb. 4). In dieser Logik wurden auch für die anderen Studiengänge neue Angebote kreiert. Ebene der Organisation: » Zieldimensionen: Nach Brahm et al. (2016b) sind auf dieser Ebene Fragestellungen der strukturellen „Verankerung der lehr- und studienbezogenen Aktivitäten in der Aufbau- und Ablauforganisation der Hochschule“ (S. 31) verortet. Im Fo- kus stehen insbesondere Fragen zur Lernkultur, zur materi- ellen und personellen Infrastruktur, zu den regulierenden Instrumenten, zu Kompetenzvorgaben sowie zu Regeln zur Komplexität von Modulen und zur Anzahl von Prüfungen. » Realisierung: In diesem Vorhaben wurden in den Modulen D und K gemäß des bereits skizzierten Lehrverständnisses am ISBW möglichst authentische Lern- und Prüfungsformate in Verbindung mit den Kompetenzvorgaben angelegt. Ein authentisches Prüfungsformat findet sich beispielsweise in Verbindung mit dem Erwerb des Bibliotheksscheins wieder. Nachdem die Studierenden in einer Schulung (online oder vor Ort) die Grundlagen einer fachspezifischen Literaturrecher- che erworben haben, sollen sie diese anhand der Durchfüh- rung einer Rechercheaufgabe zu einer aktuellen Thematik (z. B. Digitalisierung im Sportunterricht) demonstrieren. Die Modulkomplexität und Anzahl an Prüfungen orientiert sich an den in der Gemeinsamen Prüfungsordnung für Lehramts- studiengänge an der UDE verankerten Vorgaben. Abb. 4: Übersicht zu den Anlässen des Kompetenzerwerbs zum wissenschaftlichen Arbeiten im Bachelorstudium (eigene Darstellung) 1. Semester 2. Semester 5./6. Semester 6. Semester A: Einführung sportwiss. Studium D: Einführung sportwiss. Arbeiten K: Vertiefung sportwiss. Arbeiten Bachelorarbeit Bibliotheksschein 1: Einf. Nutzung Bibliothek Bibliotheksschein 2: fachunspezifische Literaturrecherche 2. Semester D: Einführung sportwiss. Arbeiten Bibliotheksschein 3: fachspezifische Literaturrecherche Bibliotheksschein 4: Literaturverwaltungssoftware wiss. Exposé: (max. 4 Seiten) schriftl. Ausarbeitung: (insg. Max. 10 Seiten) Datenerhebung: Befragen, messen etc. Datenauswertung: qualitativ + quantitativ Studienprojekt: Daten erheben u. auswerten Projektarbeit: Theorie-Praxis-Verbund herstellen Wiss. Arbeit: begrenzte, fachspezif. Aufgabenstellung: wiss. Arbeitstechniken Formalia: Innerhalb 8 Wochen; ca. 50 Seiten Zeitschrift für Studium und Lehre in der Sportwissenschaft ∙ 2021, 4(1) 12 CC BY 3.0 DE Lehramtsstudiengänge Sport theorieorientiert entwickeln · Pfitzner, Krüger, Mühlbauer, Flecken, van Aerde, Hoffmann Change Management / Change Leadership: » Zieldimensionen: An dieser Stelle geht es Brahm et al. (2016b) zufolge insbesondere um die Frage, wie angestrebte und kon- tinuierliche Veränderungsprozesse für die angestrebte Inno- vation in Lehre und Studium in einer als ‘lose gekoppelten‘ Expertenorganisation mit kollegialer Kultur gesteuert wer- den können. » Realisierung: Das Vorhaben wurde durch eine aus allen Sta- tusgruppen und Studierendenvertreter*innen zusammenge- setzten Arbeitsgruppe (AG Re-Zertifizierung) koordiniert. Von dieser ging ein Entwicklungsauftrag an Kolleg*innen mit entsprechender Expertise, die sich als Modulverantwortliche in Modulkonferenzen mit weiteren Kolleg*innen in die Ausgestal- tung der angestrebten Lehrinnovation begeben haben. Die AG Re-Zertifizierung leitete den Prozess in monatlichen Sitzun- gen, der sich über rund ein Jahr erstreckte und mit mehreren Feedbackschleifen zu den Kernthemen auf den Ebenen der Lernumgebung, der Studienprogramme und der Organisation verbunden war. Beispielsweise erging von der AG Re-Zertifizie- rung der Auftrag an interessierte und durch ihre Expertise hier- für geeignete Kolleg*innen, das Modul D „Grundlagen sport- wissenschaftlichen Arbeitens“ neu zu konzipieren. In einem ersten Schritt traf man sich hierzu in mehreren Sitzungen, um einen den strukturellen Vorgaben des Modulhandbuchs ent- sprechenden Vorschlag vorzubereiten. Dieser wurde in einem zweiten Schritt im Rahmen einer Klausurtagung des ISBW dem Kollegium zur Diskussion vorgelegt. In einem dritten Schritt kam die beauftragte Kleingruppe zusammen, um die Diskussi- onspunkte aus der Klausurtagung einzupflegen und den Vor- schlag der AG zu unterbreiten. In einem vierten Schritt wurde der Vorschlag in der AG diskutiert und mit einigen Nachfragen an die beauftragte Kleingruppe zur Kommentierung zurückge- geben. In einem letzten Schritt kam es zur erneuten Vorlage des Vorschlags und Genehmigung in der AG Re-Zertifizierung. FAZIT UND AUSBLICK Im engen Zeitgerüst des Qualitätsmanagements der UDE hat das Kollegium des ISBW in rund eineinhalb Jahren seine Studiengänge einer kritischen Revision unterzogen, Impulse aus verschiedenen Quellen für eine Strategie zeitgemäßer Lehrerbildung im Fach Sport aufgenommen. Hierdurch konnte, zumindest für den Moment, eine neue Studieneingangsphase mit Angeboten zur Sportpraxis ab dem ersten Fachsemester, eine größere Stimmigkeit zwischen den Lehr- und Prüfungsformaten, die Etablierung fachspezifischer Angebote zum wissenschaftlichen Arbeiten und Forschen, eine größere Flexi- bilität (Öffnung vs. Schließung) sowie Ausdünnung von Studienpro- jekten hergestellt werden. Beginnend mit den Evaluationen der Studierenden in den ers- ten Lehrveranstaltungen der revidierten Studiengänge startet der Vergewisserungsprozess darüber, welche Maßnahmen sich bewährt haben und welche dem Kompetenzerwerb der Studierenden weni- ger zuträglich sind. In Qualitätskonferenzen wird ein Austausch darüber erfolgen, Follow-ups werden festgelegt und Szenarien der Umsetzung erarbeitet usw., bis nach einigen Jahren der Prozess von Neuem beginnt. Das Modell „Pädagogische Hochschulentwicklung“ von Brahm, Jenert & Euler (2016a) hat sich zur Initiierung und Steuerung des Prozesses als tragfähig erwiesen. Die Orte der Lehrentwicklung sind die Modulkonferenzen. Die sich darin sammelnde Expertise kann nicht hoch genug geschätzt werden. Ihr Selbstverständnis hin zu einer ausgeprägten Verantwortungsübernahme für gute Lehre gilt es zu fördern. Zentrale Bedeutung für die Arbeiten hat die AG Re-Zertifizierung, in der im vorliegenden Falle der Studiengangma- nager mitgewirkt hat. Sie steuert den Prozess, in dem sie die Ein- zelmaßnahmen bündelt, Transparenz über sie herstellt und in die falsche Richtung weisende Entwicklungen frühzeitig unterbindet. Hinsichtlich der zu Beginn der Arbeiten zu klärenden strategi- schen Ausrichtung der Arbeit prägt eine Fülle von Referenzen der eigenen Institution, der Fachgesellschaft und der beteiligten Perso- nen die Positionierung. Die gesetzten Ziele lassen sich als Synthese daraus verstehen. Damit ist der Forderung von Brahm et al. (2016b), dass die strategischen Ziele keine wenig verbundene Addition von Teilzielen sein mögen, nur schwer zu entsprechen. Das Ringen um die großen Linien der Ausrichtung der Arbeit im ISBW lässt sich in die ambivalenten Diskussionen in Folge der Bologna-Reformen um Hochschulen als „Disziplinäres vs. College- bzw. Tutorialsystem“ (Schrittesser 2009a, S. 60, 2009b, S. 10) und „Berufsfähigkeit vs. Beschäftigungsfähigkeit“ (UDE, 2015, S. 21) einordnen. Die jeweils erstgenannten Leitbilder und damit eine zum Teil zurückzuführende „Verschulung universitärer Bildung“ am ISBW scheinen leitend und gleichermaßen eine enge Begleitung der Studierenden im Sinne der Hochschule als Tutorialsystem gewünscht. Es bleibt spannend zu verfolgen, wohin uns die weiteren Entwicklungen führen. LITERATURVERZEICHNIS Anderson, L.W. & Krathwohl, D.R. (2001). A taxonomy for learning, teaching, and assessing. A revision of Bloom’s taxonomy of educational objectives. New York: Longman. Birenbaum, M. (1996). Alternatives in assessment of achievements, learning processes and prior knowledge. Boston: Kluwer Acad. Publ. Böss-Ostendorf, A. & Senft, H. (2018). Einführung in die Hochschul- Lehre. Der Didaktik-Coach. Stuttgart: UTB. Brahm, T., Jenert, T. & Euler, D. (Hrsg.). (2016a). Pädagogische Hoch- schulentwicklung. Von der Programmatik zur Implementierung. Brahm, T., Jenert, T. & Euler, D. (2016b). 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  • ZSLS-02-2020-S15-22.pdf
    Zeitschrift für Studium und Lehre in der Sportwissenschaft · 2020, 3(2) 15 DOI: 10.25847/zsls.2020.023 Interesse Selbstkonzept Lehramt Sport · Fischer, Raven, Ohlert Britta Fischer, Hanna Raven, Jeannine Ohlert ZUSAMMENFASSUNG Motivationale Faktoren haben eine zentrale Bedeutung für die Auswahl, Ausführung, Aufrechterhaltung und Regulierung von Handlungen und Verhalten. Eine wichtige Rolle im Hinblick auf Engagement und Motivation von Lehramtsstudierenden im Stu- dium spielen in diesem Kontext das Interesse an den Studieninhalten und die diesbe- züglichen Selbstkonzepte. In der vorliegenden Fragebogenstudie wurden 105 Studie- rende mit dem Studienfach Sport zu ihrem Interesse am Studienfach Sport und den Bildungswissenschaften sowie zu ihrem fachbezogenen und bildungswissenschaftli- chen Selbstkonzept befragt. Die Ergebnisse weisen auf ein höheres Interesse sowie auf ein positiveres Selbstkonzept bezogen auf das Studienfach Sport im Vergleich mit den Bildungswissenschaften hin. Zudem zeigten sich Geschlechtereffekte: Das Interesse an beiden Studienbereichen war bei weiblichen Studierenden höher ausgeprägt als bei männlichen, außerdem waren die studienbereichsbezogenen Unterschiede bezogen auf die Selbstkonzepte bei weiblichen Studierenden geringer. Aus den Ergebnissen lassen sich Konsequenzen für die universitäre Lehrer*innenbildung ableiten. Interest and self-concept of P.E. teacher trainees Abstract: Motivational factors are of central importance for the selection, execution, maintenance and regulation of actions and behavior. It can therefore be concluded that an interest in the study content and the relevant self-concepts play an important role with regard to commitment and motivation of P.E. teacher trainees during their degree. In the present questionnaire-based study, 105 P.E. students studying sport were asked about their interest in the subject sport, educational science and in their subject-related and educational self-concept. The results indicate a higher level of interest and a more positive self-concept in relation to the subject physical education compared to the educational sciences. There were also gender effects: the interest in both fields of study was more pronounced among female students than among male students and the differences relating to self-concepts were lower among female stu- dents. Consequences for university teacher training can be derived from the results. Interesse und Selbstkonzept von Lehramtsstudierenden mit dem Studienfach Sport Der studierendenseitige Erwerb von fachlichem wie von bildungswissenschaftlichem Professionswissen ist ein zentrales Ziel der universitären Lehrer*innenbildung. In- wiefern sich Studierende die entsprechenden Wissensbestände tatsächlich aneignen, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Auf Seiten der angehenden Lehrkräfte dürften gemäß aktueller Modellvorstellung- en zum Erwerb professioneller Kompetenz diesbezüglich nicht nur kognitive Fähigkei- korrespondierende Autorin Dr. Hanna Raven Deutsche Sporthochschule Köln Psychologisches Institut, Abteilung Gesundheit und Sozialpsychologie Am Sportpark Müngersdorf 6 50933 Köln E-Mail: h.raven@dshs-koeln.de Tel.: +49 221 4982 5530 Prof. Dr. Britta Fischer Institut für Sportwissenschaft Philosophische Fakultät Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Olshausenstraße 74 24098 Kiel E-Mail: britta.fischer@email.uni-kiel.de Tel.:+49 431 880-5370 Dr. Jeannine Ohlert Das Deutsche Forschungszentrum für Leis- tungssport - momentum - (Psychologie) Zentrum für Sportlehrer*innenbildung Deutsche Sporthochschule Köln Am Sportpark Müngersdorf 6 50933 Köln E-Mail: j.ohlert@dshs-koeln.de Tel.: +49 221 4982 8728 Schlüsselwörter Interesse; Selbstkonzept; Motivation; Studie- rende; Lehramt; Sportunterricht Keywords interest; self-concept; motivation; students; teaching position; physical education (P.E.) Zitieren Sie diesen Beitrag wie folgt: Fischer, B., Raven, H., Ohlert, J. (2020), Interesse und Selbstkonzept von Lehramts- studierenden mit dem Studienfach Sport. Zeitschrift für Studium und Lehre in der Sport- wissenschaft 3 (2), 15-22. Interesse und Selbstkonzept von Lehramts- studierenden mit dem Studienfach Sport Zeitschrift für Studium und Lehre in der Sportwissenschaft · 2020, 3(2) 16 CC BY 3.0 DE Interesse Selbstkonzept Lehramt Sport · Fischer, Raven, Ohlert ten oder Merkmale der Persönlichkeit relevant sein, sondern auch motivationale Faktoren (Voss, Kunina-Habenicht, Hoehne & Kunter, 2015) wie das Interesse am Studienfach oder auch das fachbezo- gene Selbstkonzept. Ausgegangen wird davon, dass motivationale Orientierungen eine entscheidende Bedeutung für die Auswahl, Ausführung, Aufrechterhaltung und Regulierung von Handlungen und Verhalten haben (Gebauer, 2013). Bei Lehramtsstudierenden kann vermutet werden, dass inner- halb ihres Zwei-Fächer-Studiums mit dem weiteren Studienbereich Bildungswissenschaften die motivationalen Faktoren nicht für alle drei Studienbereiche des Lehramts gleich ausgeprägt sind. Das Ziel dieser Arbeit war es daher, den Unterschied von Interesse und Selbstkonzept bei Lehramtsstudierenden zwischen dem Studienfach Sport sowie den fachübergreifenden Bildungswissenschaften unter Hinzunahme von möglichen Geschlechterunterschieden zu unter- suchen. Letztgenanntes, weil insbesondere das Interesse und das Selbstkonzept bezüglich des bildungswissenschaftlichen Teilstu- diengangs geschlechtsspezifischen Einflüssen unterliegen dürfte (Athenstaedt & Alfermann 2011). Der Beitrag erweitert bisherige empirische Befunde zum Interesse von angehenden Sportlehrkräf- ten an den Inhalten der universitären Lehrer*innenbildung sowie zu ihren Selbstkonzepten (Rössler, Zimmermann, Bauer, Möller & Köl- ler, 2013; Rösler, Zimmermann, Bauer, Möller & Retelsdorf, 2016), indem Studienbereiche verglichen werden. Da für das Fach Sport Wahlfreiheit besteht, jedoch nicht für den bildungswissenschaft- lichen Studienanteil, sind Unterschiede im jeweiligen Interesse und Selbstkonzept erwartbar. Wigfield und Eccles (2000) zufolge basieren Wahlentscheidungen unter anderem auf Interesse und den Vorstellungen von den eigenen gegenstandsbezogenen Fähig- keiten. Unterschiede in der quantitativen Ausprägung des studienbe- reichsspezifischen Interesses bzw. des Selbstkonzepts sind im Hin- blick auf die professionelle Entwicklung angehender Sportlehrkräfte bedeutsam, da beide Faktoren zudem als Prädiktoren für die Nutzung der jeweiligen formellen universitären Lerngelegenheiten und den Kompetenzerwerb gelten. Spätere Sportlehrkräfte benötigen für die Bewältigung der im Beruf an sie gestellten Anforderungen beides sowohl fachbezogene wie auch allgemeine bildungswissenschaftli- che Kompetenzen (KMK, 2019). Folglich kommt der universitären Lehrer*innenbildung die Aufgabe zu, sich mit Ansatzpunkten für die Förderung der Kompetenzentwicklung in den unterschiedlichen Stu- dienbereichen auseinanderzusetzen. Ein unterschiedliches Ausmaß des Interesses und Selbstkonzepts stellt einen Ansatzpunkt hierfür dar, mit dem hochschuldidaktisch unterschiedliche Anforderungen einhergehen. Studieninteresse und Selbstkonzept Ein motivationales Konstrukt, das „direkt und indirekt mit der Qualität und den Effekten des Lernens in Zusammenhang“ (Müller, 2006, S. 53) gebracht wird, ist das Interesse einer Person. Krapp (1999, S. 396) definiert das Konstrukt Interesse im Rahmen der Person-Gegenstands-Theorie des Interesses als „[…] Beziehung einer Person zu und die Auseinandersetzung mit erfahrbaren Aus- schnitten ihrer Umwelt.“ Interesse geht nach dieser Definition mit Bezug auf die Selbstbestimmungstheorie der Motivation nach Deci und Ryan (2000) eng mit hoher Selbstbestimmung und daher mit intrinsischer Motivation einher. Interessiert sich eine Person von sich aus für einen bestimmten Lerngegenstand, so wird sie sich da- mit identifizieren. Diese Identifikation führt zu einer hohen erlebten Selbstbestimmung in Bezug auf den Lerngegenstand und damit zu intrinsisch motiviertem Verhalten. Dieses stellt sowohl eine Bedin- gung für als auch das Ergebnis lebenslangen Lernens dar. In Bezug auf das Studieninteresse ist anzunehmen, dass diejenigen Studie- renden, die sich für die Inhalte eines Studiums interessieren, mit höherer Wahrscheinlichkeit selbstständig (zusätzliche) universitäre Lehrveranstaltungsangebote nutzen werden. Nach Krapp (2007) lassen sich drei zentrale Merkmalskomponen- ten von Interesse unterscheiden: die emotionale, die wertbezogene und die intrinsische Komponente. Die emotionale Merkmalskompo- nente bezieht sich auf mit dem Interessengegenstand verknüpfte positive Emotionen. „Etwas gerne tun“ geht im Sinne der Selbst- bestimmungstheorie der Motivation (Deci & Ryan, 2000) mit der Befriedigung der drei psychologischen Grundbedürfnisse nach Au- tonomie, Kompetenz und Beziehung einher (Krapp, 2007). Die wert- bezogene Merkmalskomponente von Interesse dagegen bezieht sich darauf, „dass der Interessengegenstand für die Person eine heraus- gehobene subjektive Bedeutung besitzt“ (Krapp, 1999, S. 399). Im Gegensatz zur emotionalen Komponente können hierbei rationale Entscheidungen eine zentrale Rolle spielen (Rustemeyer, 2011). Mit dem intrinsischen Charakter von Interesse wird ausgedrückt, dass sich die beiden Arten von Valenzen direkt auf den Gegenstand bzw. die Handlung beziehen. Sie treten aufgrund eines handlungs- immanenten Anreizes auf und nicht deshalb, „weil der Gegenstand mit anderen Sachverhalten in Verbindung steht, denen der eigent- liche Wert und die positiven Gefühle zukommen“ (Schiefele, Krapp, Wild & Winteler, 1993, S. 337). Das Kriterium des intrinsischen Charakters schließt bezogen auf die Person jedoch nicht aus, dass „das Handlungsergebnis einen Nutzen außerhalb des aktuellen Tätigkeitsvollzugs erbringt, solange diese [...] Vergünstigungen [...] nicht als Kontrolle aufgefasst werden, die das Gefühl absolut autonomen Handelns beeinträchtigen“ (Krapp, 1992, S. 314-315). Im Hinblick auf den Gegenstand bedeutet „intrinsisch“, dass die Interessenshandlung sich auf Sachverhalte bezieht, die aus der Sicht des Individuums zum Gegenstandsbereich seines Interesses gehören. Vor diesen theoretischen Annahmen ist davon auszugehen, dass das Interesse an Lerninhalten sowohl die Auswahl von Lern- möglichkeiten beeinflussen, als auch das Engagement in konkreten Lernsituationen (Ferdinand, 2014). So verweist auch Müller (2006) darauf, dass das thematische Interesse von Lernenden mit einer höheren Anstrengungs- und Lernbereitschaft sowie einer höheren Zielbindung oder Zielerreichung in Zusammenhang steht, es wirkt also motivational. Des Weiteren gibt es „empirische Evidenz dafür, dass Interesse mit einer stärkeren Elaboration und Verknüpfung ak- tueller Lerninhalte mit dem individuellen Vorwissen in Verbindung steht“ (Rösler et al., 2013, S. 26). Interesse geht demzufolge auch mit einer qualitativ hochwertigeren Verarbeitung von Lerninhalten einher. Obwohl dem professionsspezifischen Interesse somit eine hohe Relevanz für den Studienerfolg zugesprochen wird, fehlen weitgehend Studien, die sich speziell mit dem Studieninteresse von Lehramtsstudierenden als Interesse an den realen Inhalten uni- versitärer Studiengänge auseinandersetzen (Rössler et al., 2013; Rösler et al., 2016). Rösler und Kolleg*innen (2016, S. 92) äußern in Bezug auf das Studieninteresse, dass das fachliche und bildungswissenschaftliche Studium in der inhaltlichen Ausrichtung „deutlich voneinander getrennt [sind], sodass zu erwarten ist, dass Studierende diese Be- reiche als verschiedene Studienumwelten erleben.“ Folglich sollte das Interesse nach Studienbereichen differenzierbar sein. Fragt Zeitschrift für Studium und Lehre in der Sportwissenschaft · 2020, 3(2) 17 DOI: 10.25847/zsls.2020.023 Interesse Selbstkonzept Lehramt Sport · Fischer, Raven, Ohlert man danach, welche domänenbezogenen Interessen Lehramts- studierende aufweisen, dann ist es plausibel, dass diese ein hoch ausgeprägtes studienfachbezogenes Interesse haben, denn hin- sichtlich der Fächerwahl besteht Entscheidungsfreiheit. Für Sport- studierende liegen diesbezüglich keine empirischen Befunde vor, jedoch verweisen Befunde zur Relevanz des fachlichen Interesses bei der Studienwahlmotivation im Sinne eines in das Studium mit eingebrachten Interesses auf günstige Interessensausprägungen hin (Fischer & Bisterfeld, 2015; Fischer, Holzamer & Meier, 2017). Rösler et al. (2016) konnten fachunspezifisch einen Zusammen- hang zwischen fachlichem Eingangsinteresse und dem Interesse an den Inhalten des fachlichen Studiums zeigen. Gleichwohl ist das mit ins Studium eingebrachte fachliche Interesse nicht zwingend identisch mit den Inhalten des Studiums. Bei Sportstudierenden scheint oftmals das fachliche Eingangsinteresse vorrangig darin zu bestehen, selbst Sport zu treiben und weniger in der, im Studium verankerten, reflektierten, theoretischen Auseinandersetzung mit dem fachlichen Gegenstand Sport zu liegen (Weiß & Kiel, 2010). Während ihres Studiums sind Sportstudierende dann jedoch mit un- terschiedlichen Lehr-Lernangeboten und Anforderungen konfron- tiert. „Sie können und müssen ihre sportlichen Interessen vertie- fen, ihr Bewegungsrepertoire erweitern und sich mit Erkenntnissen und Erkenntnisweisen unterschiedlicher sportwissenschaftlicher Disziplinen auseinandersetzen. Dabei sind [durchaus] zwei ge- genläufige Entwicklungstendenzen erkennbar, nämlich einerseits eine bewegungskulturelle Zentralisierung und andererseits eine fachwissenschaftliche Dezentralisierung“ (Schierz & Miethling, 2017, S. 57). Im Hinblick auf das Interesse an den Studieninhalten sollten daher Lehramtsstudierende mit dem Unterrichtsfach Sport gesondert betrachtet werden. In Bezug auf die bildungswissenschaftlichen Studien ist hin- sichtlich des domänenbezogenen Interesses zu berücksichtigen, dass für dieses Studienelement keine Wahlfreiheit besteht. Da der Faktor der Autonomie nach der Selbstbestimmungstheorie der Motivation (Deci & Ryan, 2000) eng mit höherer Selbstbestimmung und somit auch mit dem Interesse verknüpft ist, kann vermutet werden, dass das Interesse für den bildungswissenschaftlichen Stu- dienbereich bei Lehramtsstudierenden geringer ausgeprägt ist als das Interesse an den Wahlfächern. Allerdings verweisen Befunde zur Studienwahlmotivation darauf, dass sich angehende Sportlehr- kräfte häufig nicht nur aufgrund des fachlichen Interesses, sondern auch aufgrund eines ausgeprägten pädagogischen Interesses für ein Lehramtsstudium entscheiden (Fischer & Bisterfeld, 2015; Fi- scher, Holzamer & Meier, 2017). Für dieses pädagogische Eingangs- interesse lässt sich für Lehramtsstudierende empirisch ein positiver Zusammenhang mit dem Interesse an den bildungswissenschaftli- chen Inhalten des Studiums nachweisen. Anscheinend gibt es auch hier „eine gemeinsame Schnittmenge“ (Rösler et al., 2013, S. 37). Für Studierende des Lehramts Sport wurde bislang jedoch noch nicht empirisch überprüft, inwiefern ein Unterschied im Grad des Interesses an den Studieninhalten zwischen den Bildungswissen- schaften und dem Studienfach Sport besteht. Das Studieneingangs- interesse und damit die diesbezüglich vorliegenden Befunde legen bestimmte Annahmen nahe, jedoch ist zu berücksichtigen, dass das Interesse an den Inhalten der verschiedenen Teilstudiengänge des Lehramtsstudiums auch durch andere Faktoren (z.B. wahrgenom- mene Unterstützung psychologischer Grundbedürfnisse) beein- flusst wird (Rösler et al., 2016). Gleichwohl deuten Befunde auch auf die Bedeutung des Ge- schlechts hin. Sie zeigen weiterhin, dass weibliche Studierende in der Regel ein stärker ausgeprägtes pädagogisches Studienein- gangsinteresse haben als ihre männlichen Kommilitonen (Kiel & Pollak, 2011; Berweger, Kappler, Keck Frei & Bieri Buschor, 2015). Auch Fischer, Paul und Bisterfeld (2018) zeigen in diesem Kontext ein höheres pädagogisches Interesse von Frauen in einer Untersu- chung von angehenden Sport- und Mathematiklehrkräften. Folglich sind geschlechtsspezifische Unterschiede bzw. Einflüsse in Bezug auf das Interesse am bildungswissenschaftlichen Studienbereich plausibel. Hierfür spricht auch die stärkere humanistische Orien- tierung von Frauen, welche ihren Ursprung vermutlich zumindest teilweise in gesellschaftlichen geschlechterstereotypen Zuschrei- bungen hat (Athenstaedt & Alfermann 2011; Eagly Wood & Diek- mann, 2000; Fiske, Cuddy, Glick & Xu, 2000). Jedoch wurde bislang ein diesbezüglicher Geschlechterunterschied nicht für Studierende des Lehramts Sport untersucht. Hiermit gingen jedoch Konsequen- zen zur Förderung der professionellen Entwicklung zukünftiger Sportlehrkräfte einher, insbesondere für jene Studiengänge, die (klassischerweise) über einen hohen Anteil an Männern verfügen. SELBSTKONZEPT Ein weiteres wichtiges motivationales Konstrukt im Zusammenhang mit Lernqualität und -effekten ist das Selbstkonzept. Selbstkonzep- te beschreiben mentale Repräsentationen im Sinne von „Vorstellun- gen, Einschätzungen und Bewertungen, die die eigene Person be- treffen […]“ (Möller & Trautwein, 2015, S. 178). Darüber hinaus wird für Selbstkonzepte diskutiert, ob sie neben kognitiv-evaluativen auch affektive Elemente beinhalten (Möller & Köller, 2004). Selbstkonzepte gelten wie das Studieninteresse als domänen- spezifisch (Retelsdorf, Bauer, Gebauer, Kauper & Möller, 2014). Auch für dieses Konstrukt ist von einem Geschlechterunterschied auszugehen. Dies deshalb, weil Befunde zu Selbstkonzepten von Studierenden im Bereich Erziehung und Beratung auf Geschlech- terunterschiede in der Ausprägung des bildungswissenschaftlichen Selbstkonzepts hinweisen (Retelsdorf et al., 2014). Für einen Ge- schlechterunterschied sprechen auch die Ergebnisse von Mummen- dey, Albers und Sturm (1985). Zudem wird ein Zusammenhang zwischen dem Selbstkonzept und dem Interesse postuliert. So dürfte das Selbstkonzept das Studi- eninteresse von Sportstudierenden über die Wertkomponente des Interesses beeinflussen: Ein positives domänenbezogenes Selbst- konzept führt dazu, dass das Individuum die Auseinandersetzung mit Aufgaben in diesem Bereich als emotional positiver erlebt und diesen Bereich wichtiger findet. Diese Wertzuschreibung motiviert „die Person zur Auseinandersetzung mit dieser Domäne“ (Möller & Trautwein, 2015, S. 195). Theoretisch ist daher anzunehmen, dass zwischen dem Selbst- konzept in Bezug auf die Studienfächer sowie Bildungswissen- schaften und dem Interesse an den jeweiligen Gegenstands- bzw. Studienbereichen ein positiver Zusammenhang existiert (Hellmich & Janke-Klein, 2008; Möller & Trautwein, 2015). Befunde aus den schulischen Bereichen, die den Zusammenhang von Interesse und Selbstkonzept domänenbezogen untersucht haben, unterstützen diese Vermutung (Marsh et al., 2005; Gogoll, 2010). Für angehende Sportlehrkräfte liegen hierzu jedoch noch keine Ergebnisse vor. Die Zielsetzung der vorliegenden Studie besteht darin, das In- teresse am Studienfach Sport sowie an Bildungswissenschaften von angehenden Sportlehrkräften sowie ihre studienbereichsbezogenen Zeitschrift für Studium und Lehre in der Sportwissenschaft · 2020, 3(2) 18 CC BY 3.0 DE Interesse Selbstkonzept Lehramt Sport · Fischer, Raven, Ohlert Selbstkonzepte zu erheben. In Anlehnung an bestehende Befunde zum Studieneingangsinteresse (Fischer, Holzamer & Meier, 2017) wird angenommen, dass (1) das Interesse am Studienfach Sport hö- her ausgeprägt ist, als das Interesse an den Bildungswissenschaften. Hinsichtlich der studienbereichsbezogenen Selbstkonzepte ist auf- grund der sportbezogenen Lebensbiografie angehender Sportlehr- kräfte sowie der vergleichsweise guten Prüfungsnoten im Studium in der Regel (2) von eher einem positiv ausgeprägten Selbstkonzept für das Studienfach Sport auszugehen, während das Selbstkonzept im Bereich Bildungswissenschaften weniger ausgeprägt sein sollte. Weiterhin werden aufgrund der vorliegenden Studienergebnisse geschlechtsspezifische Unterschiede sowohl (3) beim Interesse an den Bildungswissenschaften als auch (4) beim diesbezüglichen Selbstkonzept in dem Sinne erwartet, dass weibliche Studierende ein höheres Interesse sowie positiveres Selbstkonzept zeigen soll- ten als männliche. Erwartet wird zudem (5) ein Zusammenhang zwischen dem Interesse an den jeweiligen Studieninhalten und dem entsprechenden Selbstkonzept. METHODE Teilnehmende Befragt wurden 105 Sportstudierende eines Universitätsstandorts, die im Durchschnitt seit 4.4 Semestern (SD = 1.0) einen Bachelor- studiengang mit dem Ziel Lehramt studierten. Ausgewählt wurden bewusst Studierende eines höheren Semesters, um die Gefahr der Erhebung des Studieninteresses als Interesse an rein antizipierten Studieninhalten zu reduzieren. Das Alter der Studierenden lag zwi- schen 19 und 28 Jahren (M = 22.3 Jahre, SD = 1.8). Die Mehrheit von ihnen studierte für ein Lehramt Gymnasium/Gesamtschule (64 %) und war männlich (58 %). Instrumente Interesse. Zur Erfassung des fachlichen Interesses wurde auf Skalen aus der Palea-Studie zurückgegriffen (Kauper, Retelsdorf, Bauer, Rösler, Möller, & Prenzel, 2012). Die Skala deckt die drei theoretisch zu differenzierenden Inhaltsmerkmale von Interesse auf insgesamt sechs Items ab, jedoch werden diese Faktoren in der empirischen Auswertung in der Regel nicht unterschieden. Die Skala wurde ge- genüber der Palea-Studie insofern modifiziert eingesetzt, als nicht nach Studienfächern allgemein, sondern jeweils gezielt nach einem konkreten Studienbereich (Sport, Bildungswissenschaften) gefragt wurde. Zur Beantwortung wurde eine vierstufige Likert-Skala (1 = trifft überhaupt nicht zu, 4 = trifft völlig zu) verwendet. Das Cron- bachs Alpha für die vorliegende Stichprobe lag für Fragen zum Stu- dienfach Sport bei gerade noch akzeptablen .60 (Bühner, 2011), für die Fragen zu Bildungswissenschaften bei .88. Selbstkonzept. Die Erhebung des Selbstkonzeptes erfolgte eben- falls mittels einer Skala aus der Palea-Studie (Kauper et al., 2012). Diese erfasst über vier Items die kognitiv-evaluativen Elemente des Selbstkonzeptes. Auf diese Weise kann eine eindeutige Trennung zum Konstrukt des Interesses vorgenommen werden (Retelsdorf et Tabelle 1: Mittelwerte und Standardabweichungen der relevanten Konstrukte für die Gesamtgruppe sowie getrennt nach Geschlecht. Interesse Selbstkonzept Gesamt M (SD) Männlich M (SD) Weiblich M (SD) Gesamt M (SD) Männlich M (SD) Weiblich M (SD) Studienfach Sport 3.26 (0.42) 3.22 (0.43) 3.33 (0.41) 3.47 (0.39) 3.49 (0.40) 3.44 (0.39) Bildungswissenschaften 2.24 (0.66) 2.12 (0.68) 2.39 (0.61) 2.84 (0.44) 2.78 (0.47) 2.91 (0.40) Tabelle 2: Korrelationen zwischen den verschiedenen Konstrukten für die Gesamtstichprobe. Interesse Sport Selbstkonzept Sport Interesse Bildungs- wissenschaften Selbstkonzept Bil- dungswissenschaften Interesse Sport - Selbstkonzept Sport .41** - Interesse Bildungswissenschaften .26** -.06 - Selbstkonzept Bildungswissenschaften .27** .43** .47** - ** signifikante Korrelation, p < .01 Zeitschrift für Studium und Lehre in der Sportwissenschaft · 2020, 3(2) 19 DOI: 10.25847/zsls.2020.023 Interesse Selbstkonzept Lehramt Sport · Fischer, Raven, Ohlert al., 2014). Die Beantwortung erfolgte ebenfalls auf einer vierstufi- gen Likert-Skala (1 = trifft überhaupt nicht zu, 4 = trifft völlig zu). Auch diese Skala wurde gegenüber der Palea-Studie modifiziert ein- gesetzt, und nicht nach Studienfächern allgemein, sondern jeweils gezielt nach einem konkreten Studienbereich (Sport, Bildungswis- senschaften) gefragt. Für die vorliegende Stichprobe lag das Cron- bachs Alpha bei den Fragen zum Studienfach Sport bei .60, für die Bildungswissenschaften bei .80. Durchführung Die Datenerhebung erfolgte im Rahmen verschiedener regulärer Un- terrichtsveranstaltungen eines Universitätsstandorts mittels eines papierbasierten Fragebogens und wurde während der Unterrichts- zeit als Befragung in einer Gruppensituation durchgeführt. Die Teilnehmenden wurden darauf hingewiesen, dass die Teilnahme an der Studie freiwillig sei, dass sie die Beantwortung des Fragebogens jederzeit unterbrechen könnten und dass die Nichtteilnahme keine negativen Konsequenzen haben würde. Die Teilnehmenden erhiel- ten keinerlei Vergütung für ihre Studienteilnahme. DATENANALYSE Alle Daten wurden in das Statistik-Analyseprogramm SPSS 24 ein- gegeben. Alle weiteren Analysen fanden mit diesem Programm statt. Die Skalenwerte für Interesse und Selbstkonzept wurden je- weils über Mittelwerte errechnet. Zur Analyse des Zusammenhangs zwischen fachspezifischem Interesse und Selbstkonzept wurden Korrelationen nach Pearson verwendet. Zur Überprüfung der Un- terschiedshypothesen wurde eine multivariate Varianzanalyse mit Messwiederholung berechnet (Messwiederholungsfaktor: Studien- bereich; unabhängige Variable: Geschlecht; abhängige Variablen: Interesse und Selbstkonzept). Da es sich um eine Gelegenheitsstichprobe handelte, wurde keine a priori-Poweranalyse zur Berechnung der notwendigen Stichpro- bengröße durchgeführt. Die a posteriori durchgeführte Powerana- lyse ergab für den signifikanten Haupteffekt des Studienbereichs bei der vorliegenden Fallzahl und gegebenen Effektstärke eine Power von 1.0. ERGEBNISSE Mittelwerte, Standardabweichungen sowie Interkorrelation der Konstrukte Insgesamt zeigten die Mittelwerte bei allen erfassten Konstrukten Werte im mittleren bis oberen Bereich der verwendeten Skalen (siehe Tabelle 1). Zudem ist festzustellen, dass die Standardabwei- chung vergleichsweise gering ausfiel und nur beim Interesse für die Bildungswissenschaften etwas höher lag als für die anderen Konst- rukte. Bei den Korrelationen zwischen den Variablen (siehe Tabelle 2) ergaben sich wie erwartet mittlere Zusammenhänge zwischen dem Interesse am jeweiligen Studienbereich und dem bereichsspezifi- schen Selbstkonzept. Weiterhin korrelierten auch die Selbstkonzep- te zu den beiden erfassten Bereichen mit mittlerer Größenordnung. Etwas niedriger lagen die Korrelation der beiden Interessensberei- che sowie der Zusammenhang zwischen Selbstkonzept Bildungswis- senschaften und Interesse am Studienanteil Sport. Für das Selbst- konzept bezüglich des Studienfachs Sport sowie das Interesse an den Bildungswissenschaften ergab sich kein Zusammenhang. Studienbereichsbezogene und geschlechtsbezo- gene Unterschiede In der multivariaten Varianzanalyse mit Messwiederholung ergab sich zunächst auf der multivariaten Ebene nach Hotelling-Spur- Kriterium ein signifikanter Haupteffekt des Studienbereichs mit einer hohen Effektstärke (Sport vs. Bildungswissenschaften; F(2,100) = 144.07, p < .001, η²(part) = .74). Der Haupteffekt des Geschlechts wurde ebenso wenig signifikant (F(2,100) = 2.75, p = .069, η²(part) = .05) wie die Interaktion Studienbereich * Geschlecht (F(2,100) = 2.36, p = .099, η²(part) = .05). Auf univariater Ebene konnte nach Huynh-Feldt-Korrektur für das Interesse zunächst ein signifikanter Haupteffekt des Studienbe- reichs mit hoher Effektstärke gefunden werden (F(1,101) = 243.55, p < .001, η²(part) = .71), wobei das Interesse für das Studienfach Sport si- gnifikant höher war als für die Bildungswissenschaften. Gleichzeitig ließ sich ein signifikanter Geschlechtereffekt (geringe Effektstärke) nachweisen (F(1,101) = 5.34, p = .023, η²(part) = .05), denn weibliche Studierende zeigten ein höheres Interesse an beiden Studienberei- chen als männliche. Die Interaktion wurde nicht signifikant (F(1,101) = 2.17, p = .144). Bezüglich des Selbstkonzepts konnte auf univariater Ebene der Haupteffekt des Geschlechts nicht gefunden werden (F(1,101) = 0.20, p = .656). Signifikant wurde auch hier der Haupteffekt des Studienbe- reichs mit hoher Effektstärke (F(1,101) = 203.92, p < .001, η²(part) = .67), wobei ebenso wie beim Interesse das Selbstkonzept für Sport posi- tiver ausgeprägt war als das Selbstkonzept für die Bildungswissen- schaften. Zusätzlich ergab sich beim Selbstkonzept ein signifikanter Interaktionseffekt Studienbereich * Geschlecht (F(1,101) = 4.64, p = .034, η²(part) = .04; geringe Effektstärke). Um zu überprüfen, durch welche Effektkonstellation sich der signifikante Interaktionseffekt ergibt, wurden anschließend zwei T-Tests durchgeführt. Es ergab sich ein signifikanter Unterschied in der Differenz der Selbstkonzepte zwischen weiblichen und männlichen Studierenden. Bei männlichen Studierenden ergab sich im Durchschnitt ein Unterschied zwischen den beiden Selbstkonzepten von 0.72 Skalenpunkten (SD = 0.46), während er bei weiblichen Studierenden signifikant geringer war mit 0.53 Skalenpunkten (SD = 0.41; t(101) = 2.15, p = .034, d = 0.43). DISKUSSION Ziel der vorliegenden Studie war es, das Interesse und Selbstkonzept von Studierenden des Lehramts Sport bezogen auf das Studienfach Sport sowie die Bildungswissenschaften zu erfassen. Weiterhin sollten Geschlechtsunterschiede analysiert werden. Entsprechend der Erwartungen wurde bei den Studierenden ein höheres Interesse sowie ein positiveres Selbstkonzept bezogen auf das Fach Sport im Vergleich mit den Bildungswissenschaften gefunden. Nicht erwartet war hingegen die Tatsache, dass weibliche Studierende sowohl für 20 CC BY 3.0 DE Interesse Selbstkonzept Lehramt Sport · Fischer, Raven, Ohlert Zeitschrift für Studium und Lehre in der Sportwissenschaft · 2020, 3(2) das Fach Sport als auch für die Bildungswissenschaften ein höheres Interesse zeigten als männliche Studierende. Zuletzt ergab sich, dass der Unterschied in den Selbstkonzepten für die beiden unter- suchten Teilstudiengänge bei männlichen Studierenden höher aus- geprägt war als bei weiblichen. Die korrelativen Befunde der vorliegenden Studie zeigen zu- nächst erwartungskonform einen Zusammenhang zwischen den bei- den Konstrukten Interesse und Selbstkonzept. Diese ist im mittleren Bereich angesiedelt, sodass sich die beiden Konstrukte trotz des Zusammenhangs konzeptuell voneinander trennen lassen. Auffällig ist bei den korrelativen Befunden die Höhe des Zusammenhangs zwischen den Selbstkonzepten, insbesondere im Vergleich zum Studieninteresse. Retelsdorf et al. (2014), die ebenfalls Selbstkon- zepte erfasst haben, fanden zwischen dem fachlichen Selbstkonzept (als generalisiertes Selbstkonzept über die studierten Unterrichts- fächer) und verschiedenen berufsbezogenen Selbstkonzepten (Er- ziehung, Diagnostik, Innovation, Medien und Beratung) deutlich geringere Korrelationen (zwischen .13 und .26). Möglicherweise ist hierfür ein Standortspezifikum ursächlich. An der Universität, an der die Befragung durchgeführt worden ist, sind die Lehrenden der sportwissenschaftlichen Theorieveranstaltungen nicht selten auch in den Bildungswissenschaften tätig. Erwartbar ist es deshalb, dass Theorie-Praxisbezüge bildungswissenschaftlicher Inhalte oftmals anhand von Lehr-Lernsituationen im Sportunterricht hergestellt werden. Hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen dem Interesse an den verschiedenen Studienbereichen, dem fachlichen Interesse und dem pädagogischen Interesse, fanden Schiefele, Streblow und Retelsdorf (2013) bei einer Befragung von Lehrkräften einen ähnli- chen Zusammenhang wie in der vorliegenden Studie (.22). Dass Frauen insgesamt ein höheres Interesse an den bildungs- wissenschaftlichen Anteilen ihres Lehramtsstudiums haben als Männer, lässt sich möglicherweise dadurch erklären, dass Frauen im Durchschnitt eine höhere pädagogische Orientierung attestiert wird als Männern, welche sich auch bei Lehramtsstudierenden niederschlägt. Postuliert wird, „dass für Frauen der Umgang mit Menschen und die humanistische Zielsetzung, die der Hilfe und Betreuung von Menschen zugrunde liegt, eine hohe Bedeutung hat […]“ (Athenstaedt und Alfermann 2011, S. 10). Hierfür sprechen auch Befunde zur Studienwahlmotivation für die Aufnahme eines Lehramtsstudiums, die für ein höheres pädagogisches Eingangs- interesse von Frauen sprechen (Fischer, Paul & Bisterfeld, 2019). Für dieses pädagogische Eingangsinteresse widerherum lässt sich empirisch ein positiver Zusammenhang mit dem Interesse an den bildungswissenschaftlichen Inhalten des Studiums nachweisen (Rösler et al., 2013). Der weitere Befund, dass Frauen im Vergleich zu Männern auch ein höheres Selbstkonzept bezüglich der Bildungswissenschaften haben, steht in Einklang mit den Befunden von Retelsdorf et al. (2014). Die Autoren konnten bedeutsame Unterschiede hinsicht- lich der Selbstkonzepte „Erziehung und Beratung“ zugunsten von weiblichen Lehramtsstudierenden finden. In die gleiche Richtung deutet der gefundene Interaktionseffekt, denn bei den weiblichen Studierenden unterscheiden sich die Selbstkonzepte für Sport und Bildungswissenschaften nicht so stark wie für ihre männli- chen Pendants. Der Effekt lässt sich hierbei ausschließlich über die Geschlechterunterschiede im auf die Bildungswissenschaften bezogenen Selbstkonzept erklären, denn bei den männlichen Studierenden ist dieses deutlich geringer ausgeprägt als bei den weiblichen Studierenden, während die Selbstkonzepte hinsichtlich des Studienbereichs Sport auf dem gleichen Niveau liegen. Dies ist insofern von Relevanz, als beispielsweise Erziehen und Beraten fachübergreifende Anforderungen an Lehrkräfte darstellen; die diesbezüglichen Kompetenzen sollen im Rahmen des bildungswis- senschaftlichen Studiums entwickelt werden (KMK, 2019). Inwiefern hier das Interesse bedeutsam für die quantitative Ausprägung des Selbstkonzeptes ist, kann aufgrund des querschnittlichen Designs der Studie nicht beantwortet werden. Denkbar sind reziproke Bezie- hungen (Marsh et al., 2005). LIMITATIONEN Bei den Befunden ist einschränkend zu berücksichtigen, dass diese auf einer kleinen und standortspezifischen Stichprobe basieren. Des Weiteren lag die interne Konsistenz der eingesetzten Skala für das Interesse am Studienbereich Sport bei Cronbachs Alpha Werten von lediglich .60. Dies hängt möglicherweise mit der Frage nach der Generalität von Konstrukten zusammen. Beispielsweise stellt sich für das Studieninteresse hier die Frage, inwiefern sich das Interesse der Studierenden an den Inhalten ihres Sportstudiums auf die Domäne (breiter thematischer Bereich) oder nur auf einen Ausschnitt desselben bezieht. Hier kann angenommen werden, dass das Studium des Faches Sport eine Besonderheit gegenüber vielen anderen Fächern aufweist. Neben sogenannten Theorieveranstal- tungen in der Fachwissenschaft und der Fachdidaktik enthalten die curricularen Vorgaben zudem auch Lehrveranstaltungen im Bereich der Sportarten und Bewegungsfelder; sogenannte sportpraktische Veranstaltungen. Geprüft werden sollte, ob ein für das Studienfach Sport differenzierter Fragebogen entlang der drei genannten Berei- che des fachlichen Studiums geeigneter ist, um das Studieninteresse von Lehramtsstudierenden in diesem Studienbereich angemessen zu erfassen. Damit einher geht die Frage, ob Sportstudierende diese als unterschiedliche Anteile ihres (Sport-)Studiums wahrnehmen. Die in der universitären Lehrer*innenbildung getroffene Unterschei- dung zwischen Fachwissenschaft und Fachdidaktik ist unter der Berücksichtigung der Besonderheit von Lehrveranstaltungen im Bereich von Sportarten und Bewegungsfeldern durchaus problema- tisch. So werden in Letztgenannten u.a. sowohl fachdidaktische wie fachwissenschaftliche Wissensbestände vermittelt. Durch den spezi- fischen Ort des Lehr-Lernsettings (Sportstätte) und die Möglichkeit, dass die Studierenden ihrem Wunsch nachkommen können, neue Sportarten kennen zu lernen und sich eigenmotorisch zu verbes- sern, besteht gleichwohl die Problematik, dass Studierende dieses Studienelement in Abgrenzung zu sogenannten Theorieveranstal- tungen wahrnehmen könnten. Auch für das Selbstkonzept zeigt sich eine eher geringe inter- ne Konsistenz. Möglicherweise sind die Items auch hier zu global formuliert und berücksichtigen die Spezifität eines Sportstudiums nicht hinreichend. KONSEQUENZEN FÜR DIE PRAXIS Mit dem geringeren Interesse angehender Sportlehrkräfte an den Bildungswissenschaften gehen erste zumindest standortspezifische Konsequenzen für die universitäre Lehrer*innenbildung einher. Diese ist gefordert, sich mit Ansatzpunkten zur Förderung des In- teresses an diesem Studienbereich auseinanderzusetzen, denn das Zeitschrift für Studium und Lehre in der Sportwissenschaft · 2020, 3(2) 21 DOI: 10.25847/zsls.2020.023 Interesse Selbstkonzept Lehramt Sport · Fischer, Raven, Ohlert Interesse an bestimmten Studieninhalten ist nicht nur eine Voraus- setzung für, sondern auch eine Folge von universitären Bildungspro- zessen. Vergleichbares gilt auch für das Selbstkonzept – hier sollte der Fokus vor allem auf den männlichen Studierenden liegen. Gemäß der Personen-Gegenstands-Theorie beeinflussen Anreize bzw. Intentionen sowie Emotionen kurzfristig das Zuwendungs- und Vermeidungsverhalten und führen über die Zeit zu dispositionalen Präferenzen und Aversionen. Für Chen, Xihe, & Ang (2014) sind damit „novelty, challenge, attention demand, exploration, and instant enjoyment […]“ (p. 470) bedeutsame Ansatzpunkte für die Förderung des Interesses allgemein und damit auch des Interesses an den Bildungswissenschaften. Rustemeyer (2011) verweist auf die Bedeutung der Wahrnehmung der Nützlichkeit. Selbstkonzepte las- sen sich fördern, indem beispielsweise individuelle Lernfortschritte sichtbar gemacht werden und in Lehr-Lernsituationen verschiedene Formen der Prädikatenzuweisung adäquat berücksichtigt werden (Möller & Trautwein, 2015). Grenzen hinsichtlich der Förderung des (domänenbezogenen) Selbstkonzepts ergeben sich sicherlich durch die oft ungünstigen Bedingungen an einer Massenuniversi- tät: Insbesondere das Format der Vorlesung, aber auch Seminare mit sehr hohen Teilnehmerzahlen erschweren es den Dozierenden, selbstkonzeptfördernde Maßnahmen umzusetzen. Hier könnte die Digitalisierung der universitären Lehre mit ihren vielseitigen Mög- lichkeiten über individuelle Rückmeldungen für die Studierenden eine sinnvolle Ergänzung sein. Darüber, inwieweit solche hier nur angedeuteten Studienbedingungen ihrerseits jedoch tatsächlich (distale) Prädiktoren für das Selbstkonzept und das Studieninteres- se sind, kann nur spekuliert werden. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die vorlie- gende Studie Anlass dazu gibt, anzunehmen, dass Sportstudierende mit dem Berufsziel Lehrkraft an einer Schule über ein höheres Stu- dieninteresse und ein positiveres Selbstkonzept für das Studienfach Sport verfügen als für die Bildungswissenschaften. Dies legt für die Lehrer*innenbildung nahe, spezifische theorie- und empiriebasier- te (hochschuldidaktische) Maßnahmen zur Förderung des Interesses vor allem an den bildungswissenschaftlichen Lehrveranstaltungen und des diesbezüglichen Selbstkonzepts aufzugreifen. Sollten sich die Befunde in weiteren Studien bestätigen, dann ist hierbei zu berücksichtigen, dass die studiengangsbezogenen Unterschiede für das Selbstkonzept bei männlichen Studierenden deutlich ausge- prägter sind. LITERATURVERZEICHNIS Abele, A. E. (2003). Geschlecht, geschlechtsbezogenes Selbstkonzept und Berufserfolg. Zeitschrift für Sozialpsychologie, 34(3), 161–172. https://doi.org/10.1024//0044-3514.34.3.161 Athenstaedt, U. & Alfermann, D. (2011). Geschlechterrollen und ihre Folgen. Eine sozialpsychologische Betrachtung. Stuttgart: Kohlhammer. Berweger, S., Kappler, C., Keck Frei, A. & Bieri Buschor, C. (2015). Ge- schlechtsuntypische Laufbahnpläne – Wie interessant ist der Lehrerberuf für Gymnasiasten? Schweizerische Zeitschrift für Bildungswissenschaften, 37 (2), 321-339. Bühner, M. (2011). Einführung in die Test- und Fragebogenkonstruktion (2. Aufl.). München: Pearson Studium. Chen, S., Haichun, S., Xihe, Z. & Ang, C. (2014). 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    Zeitschrift für Studium und Lehre in der Sportwissenschaft · 2019, 2 (2) 19 Don’t stress out! · Thomas, Schäfer, Pels Don’t stress out! The stress lab: A learning tool for prospective physical education teachers in the context of studying at university Laura Isabell Thomas, Alina Schäfer und Fabian Pels Abstract Physical education teachers face high demands while teaching (e.g., loud noise, in- adequate facilities, low status of physical education teachers in the teacher’s body). These demands result in stressful teaching situations and subsequent psychological and physiological stress responses. As a consequence, prospective teachers need to start dealing with stressful teaching situations early in their studies and the stress lab gives prospective teachers this opportunity. In the stress lab, interactive videos of stressful physical education teaching situations serve as stressors and prospective teachers are instructed to generate and apply different coping options. They prepare themselves for acting appropriately in upcoming stressful teaching situations. The theory-based and practise-oriented approach of the stress lab is characterized by physiological and psychological measuring methods (e.g., heart rate monitoring, questionnaires) in order to sensitize prospective teachers for symptoms of stress. Future studies are planned to evaluate the effectiveness of the stress lab. Zusammenfassung Sportlehrkräfte sind während ihrem Unterricht hohen Anforderungen ausgesetzt (z. B. Lärm, unzureichende Ausstattung, geringer Status der Sportlehrkräfte im Kollegium), die zu stressreichen Unterrichtssituationen und anschließenden psy- chischen und physiologischen Stressreaktionen führen. Infolgedessen müssen sich angehende Lehrkräfte bereits früh im Studium mit stressreichen Unterrichtssituatio- nen auseinandersetzen. Das Stresslabor bietet angehenden Lehrkräften genau diese Möglichkeit. Im Stresslabor dienen interaktive Videos von stressigen Situationen im Sportunterricht als Stressoren, und angehende Lehrer*innen werden angewie- sen, verschiedene Bewältigungsmöglichkeiten zu beschreiben und anzuwenden. Sie bereiten sich darauf vor, in zukünftigen, stressigen Unterrichtssituationen angemes- sen zu handeln. Der theoriebasierte und praxisorientierte Ansatz des Stresslabors ist durch physiologische und psychologische Messmethoden (z. B. Messen der Herzfre- quenz, Fragebögen) gekennzeichnet, um angehende Lehrkräfte für Stresssymptome zu sensibilisieren. Zukünftige Studien sind geplant, um die Wirksamkeit des Stress- labors zu evaluieren. 1 Introduction Comparisons between occupations show that the teaching profession in general is one of the most stressful occupations (Johnson, 2005; Kyriacou, 2011). Physical education (PE) teachers face particularly high demands given the nature of their subject such as disciplinary problems of the student body and the low status of their profession (Miethling 2007, Miethling & Brand, 2004, Sáenz-López, Almagro, & Ibánez, 2011). As a consequence, PE teachers often experience high levels of stress (Kastrup, Dornseifer & Klein- dienst-Cachay, 2008). Pre-service PE teachers1 in particular show increased perceived stress com- pared to PE teachers and PE students (Schäfer, Pels, von Haaren-Mack, & Kleinert, 2019). There- fore, it is very important to prepare prospecti- ve PE teachers to deal with stressful situations. The purpose of this manuscript is to describe the stress lab as an interactive learning tool for preparing prospective PE teachers for stressful teaching situations. Stress occurs through appraisals in the trans- action between a person and the environment (Lazarus & Folkman, 1984). In the primary ap- praisal, the person evaluates a situation as po- sitive, irrelevant or stressful. Stressful appraisals come along with thoughts of harm/loss, threat or challenge. In the secondary appraisal, the person 1 In Germany, the system of becoming a teacher con- sists of three parts. First, students enroll in university classes to become a teacher (here: PE students). After successfully completing their degree, they have to com- plete a ‚Referendariat‘ (here: PE pre-service teachers). ‚Referendariat‘ means two years teaching at schools while being monitored by a skilled teacher. After the- oretical and practical exams during the ‘Referendariat’, they are fully trained teachers (here: PE teachers). Keywords: stress, stress management, laboratory, teaching, education, physical education Zeitschrift für Studium und Lehre in der Sportwissenschaft · 2019, 2 (2) 20 Don’t stress out! · Thomas, Schäfer, Pels CC BY 3.0 DE evaluates their available coping options. If their coping options in a stressful situ- ation are low, the person experiences stress. For example, a teacher feels overwhel- med by the loud noise of children during a PE class (primary appraisal) and does not know how to handle the enduring noise (secondary appraisal). In PE teaching, stressful situations often occur due to a unique set of stressors specific to their job. According to a recent systematic review (von Haaren-Mack, Schäfer, Pels & Kleinert, in press), the three most important sources of stress in PE teachers are (1) the facilities and equipment, (2) the curriculum (i.e., the content of teaching during a school year) and (3) the low status of both PE as a subject and of PE teachers. For younger teachers, being a PE teacher already entails stress potential (Miethling & Brand, 2004). If a situation is experienced as stressful, coping mechanisms will take place (Lazarus & Folkman, 1984). Coping is described as a “cognitive and behavioural effort to manage external and/or internal demands that are appraised as taxing or exceeding the resources of the person” (Lazarus & Folkman, 1984, p.141). These efforts can be conceptualized in different ways. For example, when a PE teacher plans the class with the use of the whole gymnasium but can only use half of it during the class. Distinctions in coping can be made between strategies such as focus on positives (e.g., positive reframing: the PE teacher tries to see the situation from a positive point of view such as ”Less space means more time for group work fostering social skills.”), support coping (e.g., seeking for instrumental support: the PE teachers asks a fellow PE teacher how to deal with these situations), active coping (e.g., planning active steps: the PE teacher edits his plan and plans more students at one working station with additional tasks while waiting for their turn), and evasive coping (e.g., denial: the PE teacher makes no adaptations to the planed class; Knoll, Rieckmann, & Schwarzer, 2005). Research shows that the use of coping strategies is more frequent in PE pre-service teachers compared to PE teachers and to PE students (Schäfer, Pels, von Haaren-Mack, & Kleinert, 2019). In PE pre-service teachers, but also in PE teachers, evasive coping strategies are associated with higher stress, while active coping strategies are associated with less stress and seem to be more beneficial to reduce stress (Schäfer, Pels, von Haaren-Mack, & Kleinert, 2019). Fur- thermore, it has been shown that knowledge about coping strategies whilst studying to become a PE teacher plays a positive role on health-related risk patterns in pre- service teachers (Weigelt, Lex, Wunsch, Kämpfle & Klingsieck, 2016). To date, the approach to stress management for teachers is characterized by impar- ting information about stress without the use of digital material like ‘real-life’ videos. For examp- le, the program AGIL is a stress prevention pro- gram and is generally aimed at coping with stress and promoting health in teachers (Lehr, Koch, & Hillert, 2013). In four basic modules and seven optional add-on modules, participants learn key topics of the program, such as thinkability and recovery (basic modules), as well as mindfulness and social support (additional modules; Lehr, Koch, & Hillert, 2013). This and other conventio- nal programs would benefit from the inclusion of ‘real-life’ video material and immediate reflection on this material, as we propose here in the stress lab. Overall, the preparation of prospective PE teachers for stressful teaching situations is of upmost importance. More specifically, prospecti- ve PE teachers should learn (1) how to prepare for stressful situations during teaching, (2) how to deal with a stressful situation during teaching once it has occurred, and (3) how to reflect on past stressful teaching situations in order to pre- pare for future situations. The PE teacher study program represents an adequate opportunity to inform students about the potential sources of stress in schools and give them a glimpse into their work at schools beforehand. In the context of becoming a PE teacher, the use of realistic situations can be an adequate means to do so (König, 2004), for example, with the use of ‘real- life’ video material of teachers during classes. Drawing on these objectives, we have developed a tool named stress lab. Figure 1: Flow chart of the stress lab. Displayed are the action phases (Nitsch, 2004) and sections of the stress lab with concurring educational objectives and exemplary tasks. Action phases (Nitsch,204) Anticipation phase Realisation phase Interpretation phase ST RE SS L AB Sections (1) Preparation (2a) Symptom recognition (2b) Psychological symptom control (2c) Psychological symptom control (3) Reflection Educational objectives How to prepare for upcoming challenging situations in the teachuing context. How to experience, reconstruct and understand the spectrum of stress symptomps during challenging How to reflect, experience and apply exemplary strategies of psychological symptom control during challenging situations. How to reflect, experience and apply exemplary strategies of physiological sym- ptom control during challenging situations. How to reflect on the previous phases (i.e. on the preparation for stress potentials (preparation) and on the dealing with challenging situation (symptom recogni- tion, physiological symptom control)). Exemplary task Each group of five participants should discuss how one can prepare for challen- ging situations in the teaching context. One participant of each group should reflect on which symptoms of the physical reaction he/ she/ they perceived during the videos. One participant of each group should apply the strategy focus on the positive during the videos and reflect afterwards how he/she/ they dealt with occurring symptoms. One participant of each group should apply the strategy All participants reflect collectively on the physiological reaction (e.g. the Heart rate). Zeitschrift für Studium und Lehre in der Sportwissenschaft · 2019, 2 (2) 21 DOI: 10.25847/zsls.2018.012 Don’t stress out! · Thomas, Schäfer, Pels 2 Concept Structure and educational objectives The stress lab is a tool for training prospecti- ve PE teachers for stressful teaching situations. The core of the stress lab is the immediate con- frontation of participants (i.e., the prospective PE teachers) with ‘real-life’ video material that shows challenging teaching situations (e.g., dealing with loud noise, demonstrating a difficult technique) to which they have to react. The aim of the stress lab is to help participants learn how to manage these and similar future situations. According to Nitsch’s (2004) action theory, any action consists of three phases: (1) anticipati- on, (2) realisation and (3) interpretation. In line with this theoretical approach, stress-manage- ment for stressful situations can also be regarded as triadic. As a consequence, the stress lab is di- vided into different sections that concur with the triadic action structure (see figure 1). For each section, there are educational objectives that build upon each other. Regarding the ‘anticipati- on phase’, the participants learn (1) how to pre- pare for upcoming challenging situations in the teaching context. Following this, with regard to the ‘realisation phase’, the participants learn to manage stress during actually challenging situa- tions; in more detail, this comprises to learn (2a) how to experience, reconstruct and understand the spectrum of stress symptoms during challen- ging situations, (2b) how to reflect, experience and apply exemplary strategies of psychological symptom control during challenging situations and (2c) how to reflect, experience and apply exemplary strategies of physiological symptom control during challenging situations. Finally, in terms of the ‘interpretation phase’, the par- ticipants learn (3) how to reflect on the previous phases (i.e., on the preparation for potential stressful situations (preparation) and on the dealing with challenging situations (symptom recognition, psychological and physiological symptom control). Technical set-up Participants are divided into groups of five. Each group receives a hardware-set (see figure 2) comprising one tablet, one heart rate monitor, five headphones and one audio jack splitter. The tablet (Samsung® Tab A6) is used to display the video segments of ‘real-life’ teaching situations to all participants and the participants can hear the audio feature via headphones (Sennheiser® HD 65 TV on-ear headphones). All headphones are connected to an audio jack splitter (SpeaKa® Professional) which is connected to the tablet. In addition, one group member receives a heart rate monitor (Polar® M200 with Polar® H10). Course of action Introduction. After a welcome address and a brief introduction to the stress lab by the lecturer, each participant receives a script (i.e., guidelines in which all instructions are written down chronologically) for the stress lab. Subsequently, the groups receive vignettes describing potentially stressful teaching situations (e.g., handling technical issues under time pressure) and representing the content of the subsequent ‘real-life’ video material. The groups are asked to rate the situa- tions with regard to difficulty, deciding on an order ranging from easy to manage to difficult to manage. The groups will start the ‘real-life’ video segments in their decided order, starting with the situation they deemed easiest to manage. Action phases In line with Nitsch’s (2004) action theory and the three action phases, we describe five educational objectives of the stress lab: (1) Anticipation phase. In order to prepare for teaching situations, the groups deal briefly with the general question of how one can prepare for upcoming challeng- ing situations in the teaching context. Each group discusses their ideas separately and writes down their consensus. The consensus should always be considered when dealing with the tasks in the ‘real-life’ video segments. (2) Realisation phase. Within each group, there is one participant who takes on the role of the teacher and four other participants who will be observing and evalu- ating the performing person. The performing participant alternates between section (2a), (2b) and (2c). In all sections, the observing participants are instructed to fo- cus on the performing participants’ body language, facial expression and heart rate. Figure 2: Technical set-up of the stress lab. Left: Lecture room with lecturer and groups of 5 partici- pants. Right: An image detail of one group and the detailed tech- nical set-up. Zeitschrift für Studium und Lehre in der Sportwissenschaft · 2019, 2 (2) 22 Don’t stress out! · Thomas, Schäfer, Pels In each section (2a), (2b) and (2c), two ‘real-life’ video segments (approx. 2 minutes long) will be presented. The segments include interactive tasks directly related to the ‘real-life’ material, such as tasks that focus on attention (e.g., “What happened in the background?”) or situations that threaten self-worth (e.g., “How do you cope with not being skilled enough to show this technique?”) in the teaching context. The headphones ensure a sensory stimulation that enables the participants to get into the teacher’s role. To sensitize prospective teachers to the crucial signs of physiological stress and psychological stress, a heart rate monitor (Polar® M200) will be given to the performing participant. In addition, psychological parameters (e.g., affective di- mension of arousal via self-assessment manikin (small figures with different emotional expressions, Bradley & Lang, 1994) are completed by the observers. (2a) Symptom recognition. The participants start the first ‘real-life’ video segment in their roles of teacher and observer with the focus on symptoms of stress. The ob- serving participants are instructed to answer questions on which they reflect on the performing participant after the video segment in order to focus on the video segment. For example, the observers focus on occurring symptoms of stress in the performing participant. After the video, the performing participant and the observers reflect on the performing participants’ behaviour and their thoughts on the spectrum of stress symptoms. (2b) & (2c) Symptom control. After learning about symptom recognition, the par- ticipants will get to focus on symptom control by applying exemplary strategies of (2b) psychological symptom control and (2c) physiological symptom control. When watching the two ‘real-life’ video segments in section (2b), the performing participant is instructed to apply the strategy of focusing on the positive (e.g., using a small facility for group work in order to foster social skills). In section (2c), the performing participant is instructed to take two deep breaths in the case of feeling stressed while watching the two ‘real-life’ video segments. After each video segment, the group re- flects on the applied symptom control strategy and discusses further strategies. (3) Interpretation phase. In order to reflect on potential stressful situations (pre- paration section) and to know how to deal with challenging situations (symptom recognition, psychological and physiological symptom control), all groups collectively reflect on the video segments’ content and the exhibited behaviour, experiences and thoughts, as well as changes in heart rate. Transfer and feedback After the group discussion, the lecturer moderates a discussion focusing on the trans- fer of the newly gained experiences and strategies, introduced by the stress lab, into the ‘real-life’ teaching setting and everyday life. For example, the lecturer may ask participants about the relevance of these situations for their mandatory placement at schools and what competences they learned in the stress lab before instructing them to write an individual take-home-message. 3 Future implications The aim of the stress lab is to support prospective PE teachers by addressing stressful teaching situations and help prospective PE teachers how to manage these and similar situations. The unique theory-based and practice-oriented approach of the stress lab is characterized by the inclusion of ‘real-life’ video material and immediate reflection on this material. First evaluations of the stress lab showed great result. The first step in testing the stress lab was to test its feasibility and acceptance with one small group of voluntary PE students. Both the lecturer and prospective PE teachers perceived the seminar unit as feasible and rich in content. The evaluation of the use of interactive videos and the technical realization was very well perceived. A revised concept with minor adjust- ments, such as shorter ‘real-life’ video segments to allow more time for reflections, will be implemented prior to further evaluations: (1) the evaluation in a laboratory setting and (2) the evaluation in a regular university seminar with 30 participants. (1) The stress lab will be evaluated in the laboratory under consistent conditions via cortisol levels, heart rate variability and perceived stress in participants. Information on the subjective perception of and objective stress levels during the challenging situations will be obtained. This information will be implemented in the stress lab before it will be tested with 30 participants of a regular university seminar. (2) There, the lecturer and the prospective teachers fill out a feedback questionnaire after the 90 mi- nutes session in order to evaluate the entirety of the concept. In the long run, the stress lab is in- tended to be implemented in the curriculum of the study program of prospective PE teachers at uni- versity. It is planned to be part of a seminar that directly prepares participants for their mandatory placement at schools. Funding This research is funded by the Federal Ministry of Education and Research within the funding line quality offensive teacher education [‘Qualitätsof- fensive Lehrerbildung’] by the federal government and the federal states of Germany (grant number 01JA1622). Dr Fabian Pels, ist seit 01.04.2012 Lehrkraft für besondere Aufgaben und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abt. Gesundheit & Sozialpsychologie des Psychologischen Institutes der Deutschen Sporthochschule Köln. Seine Schwerpunkte in der Lehre liegen im Bereich Sozialpsycholo- gie, Diagnostische Psychologie und Metho- denlehre. In der Forschung widmet er sich insbesondere den Themengebieten Gruppen- dynamik und Stress. » f.pels@dshs-koeln.de Alina Schäfer, ist seit dem 15.09.2015 wissenschaft- liche Mitarbeiterin der Abt. Gesundheit & Sozialpsychologie des Psychologischen Institutes der Deutschen Sporthochschule Köln. Seit dem 01.07.2019 arbeitet sie in dem Forschungsprojekt Schulsport2030. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen thematisch in den Bereichen Stress und Coping. »a.schaefer@dshs-koeln.de Laura Isabell Thomas, war bis Juni 2019 wissenschaftlicher Mitarbeiterin der Abt. Gesundheit & Sozialpsychologie des Psychologischen Institutes der Deutschen Sporthochschule Köln. In der Forschung widmet sie sich insbesondere den Themengebieten Stress und nonverbales Verhalten. » laura.i.thomas@gmx.de CC BY 3.0 DE Zeitschrift für Studium und Lehre in der Sportwissenschaft · 2019, 2 (2) 23 DOI: 10.25847/zsls.2018.012 Don’t stress out! · Thomas, Schäfer, Pels Bradley, M. M., & Lang, P. J. (1994). Measuring emotion: The self- assessment manikin and the semantic differential. Journal of behavior therapy and experimental psychiatry, 25(1), 49-59. Johnson, S. (2005). The experience of work-related stress across occupations. Journal of Managerial Psychology, 20(2), 178–187. doi:10.1108/02683940510579803 Kastrup, V., Dornseifer, A., & Kleindienst-Cachay, C. (2008). Belastungs- wahrnehmung von Sportlehrkräften verschiedener Schulformen: Eine empirische Studie zur Belastungswahrnehmung von Sportlehrkraften in Abhangigkeit von Schulform, erteilter Sportstundenzahl, Alter und Geschlecht [Stress perception of physical education teachers of different types of schools: An empirical study on exercise perception of physical education teachers depending on school type, number of hours worked, age and gender]. Sportunterricht, 57(10), 307–313. Knoll, N., Rieckmann, N., & Schwarzer, R. (2005). 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Stress-Bewältigungs- Trainings: Das Präventionsprogramm AGIL „Arbeit und Gesundheit im Lehrerberuf“ als Beispiel eines Stress-Bewältigungs-Trainings für Lehrerinnen und Lehrer [Stress management training: The AGIL prevention program „Work and health in the teaching profession“ as an example of a stress management training for teachers]. In M. Rothland (Hrsg.), Belastung und Beanspruchung im Lehrerberuf: Modelle, Befunde, Interventionen [Demand and strain in the teaching profession: models, findings, interventions]. (pp. 251-271). Wiesba- den: Springer VS. Miethling, W.-D., & Brand, R. (2004). Stressoren im Sportunterricht und psychische Widerstandsressourcen bei Sportlehrerinnen und Sportlehrern in der ersten Berufsphase [Stressors in physical educa- tion and mental resources of resistance in sports teachers in the first occupational phase]. Spectrum, 16(1), 48–67. Miethling, W.-D. (2007). Biographical developments of physical education teachers: Focussing on stress situations. 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  • INOEK_Band_31_WintersportArenaSauerland_Masterplan.pdf
    R o t h / K r ä m e r / S c h r a h e I n s t i t u t f ü r N a t u rs p o r t u n d Ö k o l o g i e I n s t i t u t e o f O u t d o o r S p o r t s a n d E n v i r o n m e n t a l S c i e n c e S c h r if t e n r e ih e N a t u r s p o r t u n d Ö k o lo g ie – B a n d 3 1 D e u t s c h e S p o r t h o c h s c h u l e K ö l n K o n z e p t s t u d i e z u r n a c h h a l t i g e n E n t w i c k l u n g d e r W i n t e r s p o r t - A r e n a S a u e r l a n d M a s t e r p l a n 2 . 0 I m p r e s s u m Herausgeber Prof. Dr. Ralf Roth Deutsche Sporthochschule Köln Institut für Natursport und Ökologie Am Sportpark Müngersdorf 6, 50933 Köln www.dshs-koeln.de/natursport/ Auftraggeber Wintersport-Arena Sauerland/ Siegerland-Wittgenstein e. V. Am Waltenberg 23, 59955 Winterberg Autoren Prof. Dr. Ralf Roth Alexander Krämer Christoph Schrahe (Montenius Consult) Bildnachweis Stiftung Sicherheit im Skisport, Wintersport-Arena Sauerland Zitierweise: Roth, R., Krämer, A. & C. Schrahe (2013): Konzeptstudie zur nachhaltigen Entwicklung der Wintersport-Arena Sauerland – Masterplan 2.0. Forschungsbericht. – Schriftenreihe Institut für Natursport und Ökologie, Deutsche Sporthochschule Köln. ISSN 1612-2437 © 2013 – Alle Rechte vorbehalten Nachdruck – auch auszugsweise – nur mit Zustimmung des Herausgebers. S c h r i f t e n r e i h e N a t u r s p o r t u n d Ö k o l o g i e Herausgegeben vom Institut für Natursport und Ökologie Deutsche Sporthochschule Köln Band 31 K o n z e p t s t u d i e z u r n a c h h a l t i g e n E n t w i c k l u n g d e r W i n t e r s p o r t - A r e n a S a u e r l a n d M a s t e r p l a n 2 . 0 © Deutsche Sporthochschule Köln Wintersport‐Arena Sauerland, Masterplan 2.0 1 INHALTSVERZEICHNIS 1 EINLEITUNG ............................................................................................................................ 3 1.1 Projekthintergrund ............................................................................................................................... 3 1.2 Projektstruktur und Ziele ...................................................................................................................... 3 2 BESTANDSANALYSE ................................................................................................................. 6 2.1 Rahmenbedingungen – Grundlagenstudie Wintersport Deutschland ..................................................... 6 2.2 Klimadaten ......................................................................................................................................... 14 2.3 Überblick Wintersport‐Arena Sauerland ............................................................................................. 18 2.4 Wintersport‐Arena Kerngebiet ........................................................................................................... 24 2.5 Einzugsgebietsanalyse ........................................................................................................................ 36 2.6 Wirtschaftliche Bedeutung des Schneetourismus in der Wintersport‐Arena ........................................ 39 3 BILANZ MASTERPLAN 1 ......................................................................................................... 49 3.1 Ausgangssituation vor Beginn des Masterplan‐Prozesses .................................................................... 49 3.2 Masterplan: Bilanz 2000‐2012 ............................................................................................................. 50 3.3 Durchgeführte Maßnahmen im Bereich der Wintersport‐Infrastruktur ................................................ 51 3.4 Veränderung der Wintersportinfrastruktur ......................................................................................... 55 3.5 Entwicklungen im Bereich der sonstigen touristischen Infrastruktur .................................................... 63 4 BEFRAGUNGEN ..................................................................................................................... 65 4.1 Expertenbefragung ............................................................................................................................. 65 4.2 Online‐Befragung Bürger / Dienstleister ............................................................................................. 73 4.3 Online‐Befragung Gäste ...................................................................................................................... 87 5 LEITPLANKEN ZUR ENTWICKLUNG DER WINTERSPORT‐ARENA SAUERLAND ........................ 106 © Deutsche Sporthochschule Köln Wintersport‐Arena Sauerland, Masterplan 2.0 2 5.1 Workshop ........................................................................................................................................ 106 5.2 Leitplanken ...................................................................................................................................... 107 6 MASSNAHMENVORSCHLÄGE .............................................................................................. 112 6.1 Maßnahmenvorschläge aus dem Workshop ...................................................................................... 112 6.2 Konkrete Umsetzungsvorschläge ...................................................................................................... 115 7 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK ................................................................................. 138 8 ANHANG ............................................................................................................................. 140 8.1 Leitfaden für die Expertengespräche ................................................................................................. 140 © Deutsche Sporthochschule Köln Wintersport‐Arena Sauerland, Masterplan 2.0 3 1 EINLEITUNG 1.1 Projekthintergrund In den Jahren 2000 bis 2002 wurde im Rahmen von zwei aufeinander aufbauenden Studien ein Masterplan Wintersport für das Sauerland und Siegerland‐Wittgenstein entwickelt. Neben der Erstellung einer räumlichen Entwicklungskonzeption und Marktanalyse wurden vor allem umfangreiche Klimadaten erfasst und analysiert und im Hinblick auf die Einzelstandorte bezüglich natürlicher Schneesicherheit und Beschneiungspotenzial bewertet. Gleichzeitig erfolgte eine umfassende naturschutzfachliche Bewertung der Standorte. Darüber hinaus wurden Leitlinien, Hinweise zur Positionierung sowie die Rahmenbedingungen der Infrastrukturentwicklung entwickelt und mit einem umfangreichen Ideenpool zu verschiedensten Maßnahmenvorschlägen hinterlegt. Für die Entscheidungsträger und Betreiber in der Region wurden mit diesem ersten Masterplan die Grundlagen für die weitere Entwicklung innerhalb der letzten zehn Jahre gelegt. Gleichzeitig lieferten die Studien aber auch aus politischen bzw. administrativen Gesichtspunkten die Basis für Entscheidungen und Entwicklungen im Bereich der Vergabe von Fördermitteln oder der Rahmenbedingungen im Zuge der Genehmigungsverfahren. Als Kernziele wurden im Masterplan festgelegt: • Die allgemeine Qualitätsverbesserung im Wintersport. • Die Erhöhung der Schneesicherheit. • Die gemeinsame, professionelle Vermarktung des Wintersports. • Die Koordination und Bündelung staatlicher Förderungsmöglichkeiten. • Die Installation eines einheitlichen Ticketsystems. Für die Schneesicherheit wurde hierbei ein Schwellenwert von mindestens 80 Schneetagen pro Saison festgelegt. Dem Masterplan folgten umfangreiche Investitionen in die Infrastruktur von insgesamt über 80 Millionen Euro, sodass es den Beteiligten gelungen ist, das Gebiet zur bedeutendsten Wintersportregion nördlich der Alpen zu entwickeln. 1.2 Projektstruktur und Ziele Aufgrund der sich stetig ändernden Rahmenbedingungen für Investitionen und den aktuellen Diskussionen im Bereich des Klimawandels war es notwendig, die vor zehn Jahren getroffenen Entscheidungen nun im Rahmen der vorliegenden Studie zu bewerten und auf die aktuellen Gegebenheiten anzupassen. Hierzu wurden die erforderlichen Handlungsfelder identifiziert und © Deutsche Sporthochschule Köln Wintersport‐Arena Sauerland, Masterplan 2.0 4 untersucht und ein Konzept zur nachhaltigen Entwicklung der Wintersport‐Arena erarbeitet. Landschafts‐ und Naturschutz, Energie und Verkehr, Schneesicherheit und Klimawandel, sowie sich ändernde sozioökonomische und demographische Rahmenbedingungen sind die gegenwärtigen Herausforderungen. Hierzu erfolgte eine umfangreiche Erhebung von Daten mit Hilfe von Befragungen, Datenanalysen, Geländeaufnahmen und einer eigenen Winter‐Luftbildbefliegung. Die Betreiber und Dienstleister vor Ort, aber auch die Bürger wurden über Experteninterviews und eine Online‐Befragung in die Studie mit eingebunden, ebenfalls konnten die Ansichten und Wünsche der Gäste der Region mit Hilfe der Auswertung einer parallel laufenden Gäste‐Befragung in die Studie integriert werden. Die Rahmenbedingungen für die strategische Weiterentwicklung wurden schließlich im Rahmen eines Workshops mit den Interessensvertretern der Region gemeinsam erarbeitet und durch die Formulierung von Leitplanken fixiert. Diese bildeten die Basis für die im Rahmen dieser Studie vorgeschlagenen Maßnahmen in den Handlungsfeldern Angebots‐ und Produktentwicklung, Verkehr und Klima‐Natur‐Umweltschutz. Die folgende Abbildung stellt die Projektstruktur und Vorgehensweise dar: Abbildung 1: Projektstruktur und Vorgehensweise. © Deutsche Sporthochschule Köln Wintersport‐Arena Sauerland, Masterplan 2.0 5 Schwerpunkt der Qualitätsoffensive zur nachhaltigen Entwicklung der Wintersport‐Arena Sauerland sind dabei folgende Punkte: Sicherung der touristischen Wertschöpfung (Aufenthaltstourismus & Tagestourismus) Optimierung der Gebiets‐Performance einschließlich Bewältigung des Verkehrsaufkommens Konkrete Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Ressourcenschonung Verbessertes Unternehmens‐ und Destinations‐Image Langfristige Existenzsicherung © Deutsche Sporthochschule Köln Wintersport‐Arena Sauerland, Masterplan 2.0 6 2 BESTANDSANALYSE 2.1 Rahmenbedingungen – Grundlagenstudie Wintersport Deutschland Zur Beschreibung und Prüfung der Entwicklung maßgeblicher Rahmenbedingungen und Verhaltenstrends im Wintertourismus wurden im Rahmen der vorliegenden Studie auf die Ergebnisse der „Grundlagenstudie Wintersport Deutschland“ zurückgegriffen, die 2012 durch die Sporthochschule Köln im Auftrag des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein‐Westfalen und der Stiftung Sicherheit im Skisport (SIS) veröffentlicht wurde. Hierzu werden die Daten der Grundlagenstudie regional gefiltert und ausgewertet und die Ergebnisse auf Nordrhein‐Westfalen bzw. das Sauerland angepasst dargestellt. Ziel der Studie war es, erstmals repräsentative Daten zur aktuellen Größe und Struktur des Marktsegments „Wintersport“ in Deutschland zu erheben und somit umfassende Kundeninformationen für strategische Planungen und eine gezielte Kundenansprache zu erhalten. Diese sind für die verschiedensten Akteure von großer Bedeutung und liefern wichtige Grundlagen für künftige Planungen oder Entscheidungen in Politik, in Sportfachverbänden wie vor allem dem Deutschen Skiverband (DSV) und seinen Landesskiverbänden, in Unternehmen, bei sporttouristischen Dienstleistern, bei touristischen Leitbetrieben und vielen mehr. 2.1.1 Konzept der Studie Je nach Verständnis werden Wintersporttouristen ganz unterschiedlich definiert. Unbestritten ist, dass alle Arten von Wintersporttouristen (Wintersporturlauber oder Wintersportausflügler) positive ökonomische Effekte für das jeweilige Zielgebiet induzieren. Im Rahmen der „Grundlagenstudie Wintersport Deutschland“ liegt daher ein weites Verständnis von Wintersporttourismus vor. Außer Wintersporturlauben (WSU ‐ Wintersport als Hauptmotiv) und Urlauben, bei denen der Wintersport nur eine von mehreren Urlaubsaktivitäten darstellt (Wintersport als Nebenmotiv) wurden auch solche Wintersportaktivitäten in die Untersuchung mit einbezogen, die nicht an eine Übernachtung gebunden sind (Wintersportausflüge). Es fanden jedoch nur solche Wintersportausflüge (WSA) Berücksichtigung, die außerhalb des eigenen Wohnortes unternommen werden und eine Mindestdauer von 2 Stunden haben (inkl. An‐ und Abreise). Des Weiteren wurden im Rahmen der Befragung nur Wintersportler berücksichtigt, die schneegebundene Wintersportaktivitäten, wie Ski Alpin, Snowboard, Ski Nordisch, Telemarken, Schlittenfahren/Rodeln, Schneeschuhlaufen oder Winterwandern ausüben. Eisgebundene Wintersportaktivitäten, wie z.B. Schlittschuhlaufen oder Eishockey, fanden hingegen keine Berücksichtigung. Die „Grundlagenstudie Wintersport Deutschland“ wurde in zwei aufeinanderfolgenden Schritten durchgeführt. Der erste Schritt bestand in einer Befragung deutscher Haushalte mittels repräsentativer Telefonbefragung (CATI = Computer Assisted Telephone Interviews). Im zweiten © Deutsche Sporthochschule Köln Wintersport‐Arena Sauerland, Masterplan 2.0 7 Schritt folgte die eigentliche Hauptbefragung, bei der ausschließlich Wintersporttouristen mittels Online‐Panel befragt wurden. Insgesamt wurden über 6.000 Personen im Rahmen der Studie befragt (vgl. Abbildung 2). Die im Folgenden dargestellten Ergebnisse stellen einen Auszug der Studie mit Fokus auf Nordrhein‐Westfalen dar. Die komplette Studie kann bei der DSHS Köln bezogen werden. Abbildung 2: Konzept der Grundlagenstudie Wintersport Deutschland. 2.1.2 Herkunft der Wintersportler Jeder fünfte deutsche Wintersportler kommt aus Nordrhein‐Westfalen, mehr als aus jedem anderen Bundesland. Im Zuge der Untersuchung wurden die Wintersportler auch gezielt nach der Ausübung der drei Sportarten Ski Alpin, Snowboard und Ski Nordisch befragt. Von den ca. 36,8 Mio. Wintersportlern (über 14 Jahren) betreiben somit 15 Mio. alpinen Skisport, 4,3 Mio. Snowboard und 8,8 Mio. den nordischen Skisport. Vergleicht man die Grundgesamtheit der Wintersportler mit den zu den Sportarten Ski Alpin, Snowboard und Ski Nordisch zugehörigen Sportlern, so ergeben sich herkunftsbezogene Unterschiede (Abbildung 3). Für alle drei genannten Sportarten kommen die meisten Sportler aus Bayern, und danach die Quellregionen Nordrhein‐Westfalen und Baden‐ Württemberg. Neben der allgemeinen Untersuchung der Herkunft der Wintersportler erfolgte bei der Befragung auch die explizite Abfrage der Wintersportaktivitäten in der Saison 2009/2010. Somit konnten für diese Saison Aktivitätsraten ermittelt werden, die einen Rückschluss auf das Aktivierungspotenzial liefern. So waren in der Saison 2009/2010 nur 49 % der Alpin‐Skifahrer aktiv. Bei den Snowboardern waren es 46 % und bei den Langläufern nur 27 %. © Deutsche Sporthochschule Köln Wintersport‐Arena Sauerland, Masterplan 2.0 8 Abbildung 3: Herkunft der Befragten. 2.1.3 Unternommene Wintersportarten Hinsichtlich der unternommenen Wintersportarten unterscheiden sich die Bewohner Nordrhein‐ Westfalens kaum von den gesamtdeutschen Wintersporttouristen. Schlittenfahren bzw. Rodeln ist die mit Abstand meistbetriebene Wintersportaktivität. Drei Viertel der Nordrhein‐Westfalen sind dieser bereits nachgegangen. Mit deutlichem Abstand folgen Ski‐Alpin (37 %), Winterwandern (26 %) und der klassische Skilanglauf (22 %). Abbildung 4: Unternommene Wintersportarten – Vergleich NRW / BRD. Die große Mehrheit der wintersporterfahrenen Nordrhein‐Westfalen (86 %) hat bereits während eines Urlaubs Wintersport betrieben. Dabei ist das Verhältnis von den nordrheinwestfälischen © Deutsche Sporthochschule Köln Wintersport‐Arena Sauerland, Masterplan 2.0 9 Hauptmotivurlaubern zu den nordrhein‐westfälischen Nebenmotivurlaubern etwa drei zu zwei. Lediglich 14 % der Wintersportler aus Nordrhein‐Westfalen haben noch keinen Wintersporturlaub, sondern ausschließlich Wintersportausflüge unternommen. 2.1.4 Ausgabebereitschaft bei Wintersporturlaubern Betrachtet man die durchschnittliche Ausgabenbereitschaft der Wintersporturlauber, so ist diese in den Bereichen Unterkunft, Wintersportausrüstung, Gastronomie und Liftanlagen am höchsten. Bezüglich der nordrhein‐westfälischen Wintersporturlauber fallen im Vergleich zu den gesamtdeutschen Wintersporturlaubern vor allem zwei Unterschiede auf: Während die Nordrhein‐ Westfalen für Wintersportausrüstung durchschnittlich nur 35,12 Euro und somit rund 10 Euro weniger als im gesamtdeutschen Schnitt bereit sind auszugeben, sind sie bei Sport‐ und Unterhaltungseinrichtungen großzügiger. Hier liegt die Ausgabebereitschaft um ca. 3,50 Euro über derjenigen der gesamtdeutschen Wintersporturlauber. Abbildung 5: Durchschnittliche Ausgabebereitschaft bei Wintersporturlaubern. 2.1.5 Ausgabebereitschaft bei Wintersportausflüglern Im Gegensatz zu den Wintersporturlaubern spielen bei der Ausgabebereitschaft die Bereiche Gastronomie und Lebensmittel die wichtigste Rolle. Bei den Wintersportausflüglern aus NRW ist die Ausgabebereitschaft für einen Lift‐ bzw. Skipass um fast 2,50 Euro niedriger als bei den gesamtdeutschen Wintersportausflüglern, was unter anderem damit zusammenhängen kann, dass die Ausflugsziele eher im Mittelgebirge zu finden sind und damit auch die Lift‐ bzw. Skipässe entsprechend preiswerter angeboten werden, als in Hochgebirgsregionen. Die anderen Ausgabenbereiche decken sich weitgehend mit dem Bundesdurchschnitt. © Deutsche Sporthochschule Köln Wintersport‐Arena Sauerland, Masterplan 2.0 10 Abbildung 6: Durchschnittliche Ausgabebereitschaft bei Wintersportausflüglern. 2.1.6 Reiseziele der Wintersporturlauber aus NRW Österreich ist auch für nordrhein‐westfälische Wintersporturlauber das mit Abstand am häufigsten regelmäßig besuchte Wintersportgebiet. Auf den nachfolgenden Plätzen sind die Alpen, die Schweiz und Ischgl zu finden, die bei den Nordrhein‐Westfalen ähnlich beliebt sind wie bei den deutschen Wintersporturlaubern insgesamt. Lediglich Winterberg, das mit 4 % der Nennungen ebenfalls unter den Top 5‐Urlaubszielen der Nordrhein‐Westfalen zu finden ist, spielt aus gesamtdeutscher Sicht eine deutlich geringere Rolle. Abbildung 7: Reiseziele der Wintersporturlauber aus NRW. © Deutsche Sporthochschule Köln Wintersport‐Arena Sauerland, Masterplan 2.0 11 Etwas weniger als die Hälfte der nordrhein‐westfälischen Wintersportler kann sich vorstellen, in den nächsten zwölf Monaten einen Wintersporturlaub zu unternehmen. Damit unterscheiden sich die Nordrhein‐Westfalen kaum vom Durchschnitt der deutschen Wintersportler. 2.1.7 Ausflugsziele der Wintersporturlauber aus NRW Die drei beliebtesten regelmäßig besuchten Ausflugsziele der nordrhein‐westfälischen Wintersporturlauber befinden sich alle – zumindest teilweise – innerhalb Nordrhein‐Westfalens. Ein Drittel von ihnen unternimmt seine Wintersportausflüge regelmäßig im Sauerland. Rechnet man Winterberg dazu, welches insgesamt von 22 % der nordrhein‐westfälischen Urlauber explizit genannt wurde, suchen mehr als die Hälfte der nordrhein‐westfälischen Wintersporttouristen das Sauerland regelmäßig für Wintersportausflüge auf. Weitere 5 % fahren regelmäßig zum Wintersport in die Eifel. Abbildung 8: Ausflugsziele der Wintersporturlauber aus NRW. 2.1.8 Deutsche Mittelgebirge als Reiseziel Auf die Frage, welches deutsche Mittelgebirge mit Wintersport in Verbindung gebracht werden kann, nannten mehr als die Hälfte der Nordrhein‐Westfalen das Sauerland. Als weitere mit dem Wintersport assoziierte Mittelgebirge folgen Harz (49 %), Schwarzwald (26 %) und Eifel (23%). Damit werden sowohl das Sauerland als auch die Eifel von den Nordrhein‐Westfalen deutlich stärker mit dem Wintersport in Verbindung gebracht als von den gesamtdeutschen Wintersporttouristen (Abbildung 9). © Deutsche Sporthochschule Köln Wintersport‐Arena Sauerland, Masterplan 2.0 12 Abbildung 9: Deutsche Mittelgebirge als Reiseziel. Als Reiseziel für einen Wintersporturlaub wird an erster Stelle Österreich genannt. Vor allem bei den Alpin‐Skifahrern und Snowboardern dominieren österreichische Destinationen. Fünf der sechs dort meistgenannten Destinationen befinden sich in Österreich, wobei insbesondere Tirol stark vertreten ist. Bei der Gesamtheit der Wintersportler befinden sich aber immerhin 5 der Top‐10‐Destinationen innerhalb Deutschlands. Bei Ski‐Alpin sind dies nur noch zwei, beim Snowboard sogar nur noch eine. Abbildung 10: Reiseziele Wintersporturlauber (Allgemein / Ski Alpin / Snowboard / Skilanglauf). © Deutsche Sporthochschule Köln Wintersport‐Arena Sauerland, Masterplan 2.0 13 Bei den Ausflugszielen dominieren mit dem Sauerland (dabei insbesondere Winterberg), dem Harz und dem Schwarzwald drei deutsche Wintersportdestinationen. Lediglich bei den Snowboardern liegt auch hier Österreich auf Platz 1. Mit der Skihalle in Neus befindet sich bei den Alpin‐Skifahrern auch ein künstlich geschaffenes Reiseziel unter den Top 10. Abbildung 11: Reiseziele Wintersportausflügler (Allgemein / Ski Alpin / Snowboard / Skilanglauf). Für die Grundlagenstudie wurden nur die deutschen Wintersportler befragt. Aussagen zu ausländischen Gästen, die für die Wintersport‐Arena eine bedeutende Rolle spielen, können daher nicht getroffen werden. Von den deutschen Wintersportlern, die bereits einen Wintersporturlaub in Nordrhein‐Westfalen verbracht haben, stammt der Großteil (82 %) aus dem eigenen Bundesland. 4 % der Besucher kommen aus Niedersachsen, jeweils 3 % aus Sachsen, Baden‐Württemberg, Thüringen, Schleswig‐Holstein und Hamburg. Auch bei den Wintersportausflüglern stammt der größte Teil der Besucher aus dem Landesinneren (83 %). Weitere 4 % kommen aus Hessen, jeweils 3 % aus Niedersachsen und Rheinland‐Pfalz. 2.1.9 Strategische Handlungsfelder Aus den Ergebnissen der Grundlagenstudie Wintersport Deutschland ergeben sich für das Land Nordrhein‐Westfalen und hier v.a. für die Wintersport‐Arena Sauerland als wichtigste Wintersportdestination die folgenden strategischen Handlungsfelder (vgl. auch Kapitel 5): © Deutsche Sporthochschule Köln Wintersport‐Arena Sauerland, Masterplan 2.0 14 1. Wintersport und Gesundheit Sportartspezifische Risikominimierung; Fokussierung des Marketings auf positive Gesundheitswirkungen & Erlebnis, insbesondere im alpinen Skisport; Berg/Schnee; Lifetime‐ Sportarten 2. Wintersport bleibt preiswert, insbesondere in NRW Kostenentwicklung kritisch beeinflussen, innovative Angebots‐ und Produktentwicklung für jede Käuferschicht, Finanzierungsmodelle Infrastruktur entwickeln 3. Kinder in den Schnee! Neue kreative Programme, Kampagnen, Reaktivierung Ski‐, Snowboard‐, Nordicschulen als „Brutstätten“, sportartübergreifende Ansätze und Angebote, … 4. Strategisches Management von Destinationen & innovative Produktentwicklung in allen Wintersport‐Segmenten Convenience, Einfachheit, nicht austauschbare Erlebnisse (Schnee, Natur, Körperlage, Geschwindigkeit, Gruppe..), Finanzierung 5. Nachhaltige qualitative Entwicklung Adaptionen an die unvermeidbaren Folgen des Klimawandels, „nicht im voreiligen Gehorsam“, multimodale Verkehrssysteme, CO2‐Effizienz und Wasser‐Effizienz 2.2 Klimadaten Im Masterplan 1 wurde großen Wert auf eine umfassende Analyse der klimatischen Bedingungen gelegt, um vor allem fundierte Aussagen bezüglich der natürlichen Schneesicherheit und dem Beschneiungspotenzial zu treffen. Vor allem die Auswirkungen der seither deutlich ausgebauten Möglichkeiten der technischen Beschneiung auf die Betriebstage werden in Kapitel 3 detailliert dargestellt. Für die vorliegende Studie wird im Folgenden nur kurz auf die aktuelle Situation und die Entwicklungen der letzten Jahre eingegangen und anhand der natürlichen Schneedecke und des Beschneiungspotenzials an der DWD‐Station Kahler Asten beschrieben. Das natürliche Skisportpotenzial wird dabei v.a. durch die Schneehöhe beschrieben. Als Referenzstation liegen hierbei Daten der DWD‐Station am Kahlen Asten seit 1955 vor. Abbildung 12 zeigt die Verteilung der Schneehöhen für die Wintersaison, wobei die dunkleren Blautöne für eine größere Schneedeckenmächtigkeit stehen. Es wird deutlich, dass die Schneedeckenhöhe über die Jahre einer sehr großen Variabilität unterliegt. Betrachtet man die Summe der täglichen Schneedeckenhöhen über die letzten 60 Jahre so zeigt sich, dass ein eindeutig negativer Trend festzustellen ist (Abbildung 13). © Deutsche Sporthochschule Köln Wintersport‐Arena Sauerland, Masterplan 2.0 15 Abbildung 12: Tägliche Schneehöhe DWD‐Station Kahler Asten 1.1.1955 – 13.4.2013 Abbildung 13: Summe der täglichen Schneedeckenhöhen in cm an der DWD‐Station Kahler Asten von 1954/55 (ab 1.1.1955) – 2012/13 (bis einschließlich 31.3.2013). Aus diesem Grund wird seit über zehn Jahren mit zunehmender Intensität zur Sicherung des Skibetriebs das natürliche Schneeangebot mit Hilfe der technischen Beschneiung ergänzt. © Deutsche Sporthochschule Köln Wintersport‐Arena Sauerland, Masterplan 2.0 16 Als Maß für das Beschneiungspotenzial kann als Hilfsgröße die Feuchtkugeltemperatur herangezogen werden. In die Berechnung der Feuchtkugeltemperatur gehen die Lufttemperatur und die Luftfeuchte ein. Je trockener die Luft, desto höher kann die Temperatur sein um eine technische Beschneiung zu ermöglichen, je feuchter die Luft, desto kälter muss es sein. Als Grenztemperatur für die Möglichkeit einer technischen Beschneiung wird aktuell ein Wert der Feuchtkugeltemperatur von ‐2°C angenommen, unterhalb davon kann eine technische Beschneiung vorgenommen werden. Die Berechnung der Werte für die folgende Abbildung 14 erfolgte auf der Basis von Tageswerten, wobei als Eingangsgröße für die Temperatur die Tagesminimaltemperaturen und für die Luftfeuchte Tagesdurchschnittswerte für die DWD‐Station Kahler Asten vorlagen. An den in weißen bis cyanfarben dargestellten Tagen wäre eine technische Beschneiung möglich, an Tagen mit dunkleren Blautönen nicht. Die für die Skigebiete wichtigen Tage über den Jahreswechsel sind mit den gelben Linien gesondert gekennzeichnet. Im rechten Teil der Abbildung ist zusätzlich der Verlauf der mittleren Lufttemperatur der Saison (berechnet aus den Tageswerten der Monate Dezember bis März) dargestellt. Neben den großen Schwankungen zwischen den einzelnen Jahren wird bei Betrachtung der blauen Trendlinie deutlich, dass die Lufttemperatur in der Wintersaison über die letzten gut 40 Jahre nur geringfügig um ca. 0,2° K angestiegen ist. Abbildung 14: Links: Tageswerte Feuchtkugeltemperatur DWD‐Station Kahler Asten von 1970/71 – 2012/13 (berechnet auf Basis der Tagesminimimumtemperatur und der durchschnittlichen relativen Luftfeuchte). Die gelben Linien kennzeichnen Beginn und Ende der Weihnachtsferien. Rechts: Mittlere tägliche Lufttemperatur der Monate Dezember – März. Die Trendlinie zeigt die Entwicklung der mittleren täglichen Lufttemperatur (Anstieg von ca. 0,2°K im betrachtenen Zeitraum). © Deutsche Sporthochschule Köln Wintersport‐Arena Sauerland, Masterplan 2.0 17 Abbildung 15 stellt für den gleichen Zeitraum noch einmal die Tage mit (weiß) und ohne (grün) Beschneiungspotenzial gegenüber, wobei hier auf Grund der Verwendung der Tagesminimaltemperatur ein Grenzwert der Feuchtkugeltemperatur von

  • INOEK_Band_11_Erfahrungsbericht_SportErlebenNaturBewahren.pdf
    Vorwort Zehn Jahre sportékologische Jugendwochen im Modellprojekt Rohrhardsberg — Respekt und Dank Zehn Jahre sportdkologische Jugendzeltwochen beim Schindelhaus in WeiBenbach sind ein beachtenswerter Teil der Erfolgsgeschichte des Modellprojektes Rohrhardsberg. Kernziel dieses Projektes war es, aktuelle und grundsatzliche Konflikte zwischen der Nutzung einer sensiblen Landschaft durch Wintersport, Tourismus, Forstwirtschaft und Andres sowie den Belangen von Natur und Landschaft dauerhaft zu entspannen und zu lasen. Dazu wurde der integrale Ansatz gewahlt und am runden Tisch die Vorausset- zungen fur eine ,win-win” Situation und die modellhafte Anerkennung des Projektes in seinen Modulen und als Ganzes geschaffen. Nachfolgeprojekte in deutschen Mittelge- birgen und hohe Anerkennung etwa durch den Naturschutzpreis des Bundes und der Lander unterstreichen die Vorbildlichkeit. Ein solches Projekt ist nicht statisch. Es entwickelt sich in der Ausgestaltung der Waldbestande, in standigen Verbesserungen und Anpassungen. Mit Leben erfullt wird es durch Exkursionen, am besten aber duch die sportékologischen Jugend- und Hoch- schulwochen seit nun mehr 10 Jahren. Sommer fiir Sommer ist das Schindelhaus mit seinem Zeltplatz ausgebucht. Sport- und Umweltkommunikation finden in interessanter Verbindung bei den Jugendlichen hohen Zuspruch. Voraussetzung hierfuir ist nicht nur das sportlich attraktive Ambiente an der Rollerstrecke mit dem Biathlon-SchieBstand in reizvoller Waldlandschaft, ganz wesentlich tragt dazu auch das ehrenamtliche Engage- ment Vieler bei. Lehrer, Férster, Sportler und Studenten der Deutschen Sporthochschule Kaln haben sich immer wieder zu einem Team zusammengefunden, das den Jugendli- chen nachdrticklich Erlebnisse vermittelt und Verstandnis fur die grundsdtzliche Verbun- denheit von Natur und ihrer nachhaltigen Nutzung weckt. Die sportokologischen Jugendwochen finden inzwischen Nachfolge im Nationalpark Harz, am Gdtschen in Bayern und in Johanngeorgenstadt im Erzgebirge — bestes Zeug- nis fur die Ausstrahlung dieses Weges! hips

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