Olympia-Bewerbung: Das Rennen beginnt erst nach dem 26. September

09.09.2026 | News


Simulation eines Leichtathletikstadions
Simulation eines Leichtathletikstadions aus der Bewerbung der Region KölnRheinRuhr (Bild: Planquadrat)

Expert*innen der Deutschen Sporthochschule Köln über die Wahl des DOSB, den IOC-Reformprozess „Fit for the Future“ und die Chancen Deutschlands auf eine Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele

Berlin, KölnRheinRuhr oder München: Am 26. September entscheidet der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), welcher deutsche Kandidat sich um die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele im Zeitraum 2036 bis 2044 bewerben darf. Doch mit der nationalen Entscheidung ist der Weg zum Großereignis keineswegs geschafft. Im Gegenteil: Für den deutschen Kandidaten beginnt anschließend erst der internationale Auswahlprozess des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).

Dabei gelten inzwischen andere Regeln als bei früheren Bewerbungen für die Ausrichtung Olympischer Spiele. Das IOC hat sein Bewerbungsverfahren grundlegend verändert und im Rahmen des Reformprozesses „Fit for the Future“ weiterentwickelt. Städte und Regionen sollen mehr Zeit erhalten, an ihren Konzepten zu feilen und stärker vom IOC begleitet werden.

Expert*innen der Deutschen Sporthochschule Köln beobachten die Entwicklungen genau, unter ihnen Univ.-Prof. Dr. Stephan Wassong, Direktor des Zentrums für Olympische Studien der Deutschen Sporthochschule Köln. In seiner Forschung beschäftigt er sich unter anderem mit der Olympischen Bewegung und der Geschichte der Olympischen Spiele. Er sagt: „Das IOC hat bereits unter dem ehemaligen IOC-Präsidenten Thomas Bach mit dem Continuous Dialogue und dem Targeted Dialogue ein dialogorientiertes Verfahren eingeführt. Nun kommt eine weitere Zwischenebene hinzu, der Strategic Dialogue. Damit will das IOC die Auswahl noch stärker strukturieren und den Bewerbern zugleich die Möglichkeit geben, ihre Konzepte weiterzuentwickeln“, erklärt Wassong.

Bis dahin ist es für die deutschen Kandidaten aber noch ein weiter Weg. Zunächst steht am 26. September das Votum der DOSB-Mitgliederversammlung an. Mit Berlin, KölnRheinRuhr und München buhlen drei unterschiedliche Konzepte um die Stimmen der DOSB-Mitglieder und der Spitzenverbände. „Die positiven Bürgerentscheide von KölnRheinRuhr und München könnten einen leichten Vorteil bedeuten“, sagt Univ.-Prof. Dr. Jürgen Mittag, Sportpolitikexperte und Leiter des Instituts für Europäische Sportentwicklung und Freizeitforschung der Sporthochschule. „In der Vergangenheit sind Olympiabewerbungen wiederholt an der fehlenden Zustimmung der Bevölkerung gescheitert. Die positiven Bürgerentscheide von KölnRheinRuhr und München sind also ein maßgeblicher Faktor, sagen aber insgesamt wenig über die Tragfähigkeit der Konzepte aus.“ Auch das Argument, Deutschland sei mal wieder an der Reihe, zieht laut Mittag beim IOC nicht. Er ist überzeugt: „Beim aktuellen Bewerbungszyklus werden neben der Qualität der Bewerbung auch geopolitische Konstellationen, die Stärke möglicher Gegenkandidaten, wirtschaftliche Interessen und die strategischen Überlegungen des IOC zu Narrativen und zum Erbe eine Rolle spielen.“

Für Univ.-Prof. Dr. Ansgar Thiel, Rektor der Deutschen Sporthochschule Köln, liegt die Bedeutung einer möglichen Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele vor allem in den langfristigen Chancen für Köln und die Region. Im Interview beschreibt er die Spiele als „ein starkes Zukunftsprojekt für die Region“. Entscheidend sei dabei, dass eine Bewerbung nicht allein auf das sportliche Großereignis selbst ziele. Wenn Investitionen langfristig der Region zugutekämen, etwa bei Sportstätten, Mobilität oder Stadtentwicklung, könnten die Spiele einen nachhaltigen Mehrwert schaffen. Auch für die Deutsche Sporthochschule Köln könnten sich vielfältige Möglichkeiten ergeben: als wissenschaftliche Partnerin, Forschungsstandort und Plattform für den Austausch zwischen Wissenschaft, Sport, Politik und Gesellschaft.

Der deutsche Kandidat, der Ende September die DOSB-Wahl gewinnt, zieht noch nicht zwangsläufig in den engeren Kreis der Auserwählten des IOC ein. Er bleibt zunächst im sogenannten Continuous Dialogue mit dem IOC. Ab März 2027 kann das IOC dann entscheiden, welche Städte und Regionen in den neu eingeführten Strategic Dialogue aufgenommen werden. Dort werden die Anforderungen verbindlicher. „Das IOC will verhindern, dass Städte jahrelang enorme Summen in eine Bewerbung investieren, ohne zwischendurch eine realistische Einschätzung ihrer Chancen zu bekommen“, sagt Wassong. Das neue Verfahren könne damit nicht nur transparenter, sondern auch kostengünstiger werden.

Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede die deutschen Konzepte aufweisen, welche weiteren Kandidaten international im Rennen sind und warum der 26. September erst der Anfang ist, erläutern die Spoho-Expert*innen in ausführlichen Interviews:

Am Tag der DOSB-Entscheidung veröffentlichen wir zudem ein Statement von Sporthochschulrektor Univ.-Prof. Dr. Ansgar Thiel zur Wahl des deutschen Kandidaten.

Kontakte:

Univ.-Prof. Dr. Stephan Wassong
Zentrum für Olympische Studien
Tel.: +49 221 4982-3821
E-Mail: wassong(at)dshs-koeln.de 

Univ.-Prof. Dr. Jürgen Mittag
Institut für Europäische Sportentwicklung und Freizeitforschung
Tel.: +49 221 4982-2690
E-Mail: j.mittag(at)dshs-koeln.de 

Univ.-Prof. Dr. Ansgar Thiel
Rektor der Deutschen Sporthochschule Köln
Tel.: +49 221 4982-2000
E-Mail: rektor(at)dshs-koeln.de