Erforschung und Förderung des Professionellen Blicks

Lehrkraft schaut auf ein Fußballspiel

Projektbeschreibung

Pädagogische Situationen sind komplex und dynamisch, was sich unter anderem dadurch charakterisiert, dass vielfältige Ereignisse schnell aufeinander oder auch zeitgleich stattfinden und dass diese häufig unerwartet sind bzw. unvorhersehbare Wendungen nehmen. 

Lehrkräfte müssen somit flexibel agieren und permanent Entscheidungen unter Zeitdruck treffen. Die Aufgaben, die im Unterrichtsgeschehen erwachsen, um Lernen zu unterstützen, sind dabei vielfältig (bspw. fachliche Hilfestellungen geben, soziale Prozesse moderieren, Abläufe organisieren) und Lehrpersonen müssen zudem sowohl den Voraussetzungen und Bedürfnissen der Gruppe als auch denen der Einzelpersonen gerecht werden. Sie müssen somit in der Lage sein, Handlungen immer wieder neu an die jeweiligen situativen Bedingungen anzupassen. 

Dies erfordert Fähigkeiten, im komplexen Unterrichtsgeschehen wichtige von unwichtigen Ereignissen trennen und entscheiden zu können, worauf die Aufmerksamkeit zu richten ist (selektive Aufmerksamkeit), Ereignisse unter Berücksichtigung des Kontextes mit übergeordneten Unterrichtsprinzipien in Verbindung bringen zu können (fundierte Deutung) und situativ angepasste Entscheidungen treffen zu können (Entscheidungsfindung), die auch im Konzept des Professionellen Blicks umschrieben werden. Im Institut wird dieses Konzept unter verschiedenen Fragestellungen untersucht. Dabei konnte gezeigt werden, dass erfahrene Sportlehrkräfte im Vergleich zu Lehrnoviz:innen andere Ereignisse wahrnehmen, deren pädagogische Bedeutung theoretisch fundierter begründen und andere Handlungsentscheidungen treffen. Solche Unterschiede werden insbesondere auf unterschiedliches Wissen zurückgeführt. 

Aktuell gehen wir aber auch weiteren Einflussfaktoren, bspw. dem Einfluss von Überzeugungen auf die Wahrnehmung auf den Grund ("Der Einfluss von Überzeugungen auf den Professionellen Blick von (angehenden) Sportlehrkräften"). Im Kontext des diversitätssensiblen Unterrichts untersuchen wir die gesellschaftliche Eingebundenheit unserer Wahrnehmungen und Deutungen und nehmen dabei unter anderem auch Diskriminierungsprozesse in den Blick ("Der professionelle Blick von Sportlehrkräften auf Diversität"). Aktuell beschäftigen wir uns mit Fragen, welche Ereignisse unter welchen Bedingungen als lernrelevant wahrgenommen werden. Über solche Prozesse ist bislang noch wenig bekannt. Warum werden einige Ereignisse als lernrelevant wahrgenommen, andere hingegen ausgeblendet? Die Aufdeckung solcher Prozesse soll helfen, angehende Sportlehrkräfte für ihre selektive Aufmerksamkeit zu sensibilisieren und den Professionellen Blick im Hinblick auf spezifische Zielsetzungen zu fördern.